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56. Sitzung
Donnerstag, 29. Januar 202621. Wahlperiode, 56. Sitzung
42 VermerkeReaktionswert: sehr hoch1.759 Wörter Zwischenfrage Im Protokoll lesen

Frau Präsidentin! Auch das war ein bemerkenswerter Redebeitrag.

Ja, vor allem unterhaltsam!

Der Kollege Axel Müller hat noch mal profiliert, mit welcher Unverschämtheit mein Vorredner von der sogenannten AfD die Justiz in Deutschland herabqualifiziert und herabwürdigt.

Nicht die Justiz, sondern ganz konkrete Vorgänge!

– Nein, Sie müssen sich die Rede noch mal genau anhören. Zuhören und verstehen – das ist leider nicht Ihre Stärke,

Hören Sie selber zu!

so wie es die Stärke der Differenzierung bei Herrn Brandner nicht gibt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Meine Damen und Herren, die Alternative für Deutschland

Die sogenannte!

will § 188 vollständig abschaffen.

Genau wie Jens Spahn!

Ich empfehle mal, den Blick auf Seite 2 der vorliegenden, interessanten Drucksache zu richten. Da schreibt die AfD Folgendes – ich zitiere –:

„Tatsächlich zeigt sich, dass der neue Qualifikationstatbestand von Politikern ausgenutzt wird, um Kritik an ihrer Arbeit zu bestrafen und Kritiker einzuschüchtern, was den demokratischen Diskurs beschädigt.“

So ist es!

Meine Damen und Herren, mein Vorredner hat einige Namen genannt. Durch Zwischenrufe ist er darauf aufmerksam gemacht worden, dass er ganz wesentliche Namen vergessen hat; das haben wir im September letzten Jahres diskutiert. Warum verheimlichen Sie der Öffentlichkeit, dass Ihre Fraktionsvorsitzende Weidel zu den Topanzeigestellern bezogen auf § 188 gehört?

Sie verschweigen das,

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

weil vertuschen, verdrehen, verschweigen, belügen Ihr Geschäftsmodell ist.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Damen und Herren, Sie haben es damals schon von uns gesagt bekommen, und Sie bekommen es immer wieder von uns gesagt.

Erhellend war ein Zwischenruf des AfD-Abgeordneten Möller, der damals sagte: Es ist geltendes Recht. Warum soll man sich darauf nicht berufen können?

Sie müssen sich darauf nicht berufen,

Sie machen es aber. Und ehrlich gesagt, das diskreditiert Sie endgültig und raubt Ihnen das letzte Fünkchen Glaubwürdigkeit. Wenn Sie eine Regelung für falsch halten, die Sie nicht anwenden müssen, dann lassen Sie es einfach bleiben.

Ganz genau!

Sie machen es aber nicht,

Sie stellen Anträge!

und das ist Ihre widerliche Bigotterie.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Ich hatte darauf gehofft. Und ich mache das sehr gerne.

Nein. Genau.

Rednerwechsel

Das verbindet uns. Ich hoffe auch immer darauf, und dann kommen ja die Zwischenfragen von Ihrer Fraktion.

Herr Kollege, Sie haben gefragt, warum wir Ihnen was verheimlichen. Ich frage zurück: Wie kommen Sie darauf, dass wir irgendwas verheimlichen?

Nicht erwähnen!

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Erst am letzten Dienstag hat ja der ach so staatsferne öffentlich-rechtliche Rundfunk genau die gleichen Fragen gestellt wie Sie heute auch. Man könnte fast meinen, Sie haben sich abgesprochen. Wir beantworten sie immer wieder gerne.

§ 188 – Sie haben darauf hingewiesen – ist geltendes Recht. Ja, ich mache auch nicht alles gerne, was im geltenden Recht steht, beispielsweise Rundfunkbeiträge bezahlen oder Einkommensteuer zahlen.

Zurufder Abg. Rasha Nasr [SPD]

Trotzdem mache ich das, weil es geltendes Recht ist.

Zurufeder Abg. Dr. Lena Gumnior [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und solange Recht gilt, muss man sich daran halten – Punkt eins.

Punkt zwei ist ja auch – –

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Rednerwechsel

Genau. – Punkt zwei betrifft natürlich die ganz wesentliche Frage: Was wird in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst? Ich habe Ihnen gerade die explosionsartige Zunahme um knapp 100 Prozent pro Jahr erläutert. Und da wird immer geschaut: Kommen die Delikte von links, von rechts oder von wo auch immer?

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Von rechts!

Und wenn wir alles durchgehen lassen würden und ganz darauf verzichten würden, alles, was strafrechtlich wirklich relevant ist – „Nazisau“ beispielsweise; eine entsprechende Anfrage bezüglich eines Strafantrags habe ich gerade auf dem Schreibtisch liegen –, anzuzeigen, würden wir die Statistiken massiv verfälschen, weil in der Statistik dann nur Delikte gegen links drinstünden, also von der rechten Seite, –

Genau! Nur von Ihnen! Genau!

Zurufevon der SPD
Rednerwechsel

– und nicht Delikte gegen uns. Das ist also ganz klar.

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Frage!
Rednerwechsel

Und der Punkt drei ist schließlich – es ist der letzte Punkt –: Sie verkennen, dass nach § 188 auch Ermittlungen eingeleitet werden können, ohne dass der jeweilige Betroffene tätig wird,

Zurufdes Abg. Sepp Müller [CDU/CSU]

es ist also quasi ein Offizialdelikt. Und wenn Sie da mal die Zahlen auseinanderdividieren – Sie unterstellen ja Hunderte Frau Weidel –, dann kommen Sie auf ganz, ganz wenige Zahlen, die durch meinen Punkt zwei gerechtfertigt sind.

Danke schön.

Das war keine Frage!

Nee, die Frage war am Anfang!

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Zur ersten Frage:

Was war die Frage?

Wie komme ich darauf, dass Sie hier etwas verheimlicht haben? Weil ich bei Ihrer Rede zugehört habe und der Name Ihrer Fraktionsvorsitzenden

… nicht gefallen ist!

überhaupt nicht gefallen ist. Und deswegen haben Sie es unterschlagen,

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufevon der AfD

und das hat doch Methode bei Ihnen. Und jetzt müssen Sie es ertragen, dass Sie mir zuhören müssen.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Sie haben es unterschlagen – –

Zurufevon der AfD

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Aber das war ein weiteres Beispiel dafür, dass es dem Kollegen Brandner und seinen Fraktionskollegen schwerfällt, sich an die eigenen Maßstäbe zu halten.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Also: Sie haben den Namen „Weidel“ und andere Namen von Mitgliedern Ihrer Partei unterschlagen, und deswegen habe ich das – –

Lesen Sie das Protokoll! Ich habe Alice Weidel erwähnt!

– Er lernt’s nicht! Er lernt’s nicht!

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Ich zitiere aus Ihrem Gesetzentwurf zur Beantwortung Ihrer zweiten Frage. Sie behaupten dort in den weiteren Ausführungen, die zugegebenermaßen grob abwegig sind, Folgendes: Dieser § 188 dient dazu – Zitat –, „Kritiker einzuschüchtern, was den demokratischen Diskurs beschädigt“. Diese vermeintlichen – aus Ihrer Sicht vermeintlichen – Vergehen müssten nicht verfolgt werden. Sie machen also nichts anderes, gemessen an Ihren eigenen Maßstäben, wenn Ihre Fraktionsvorsitzende Anzeigen stellt, als Kritiker einzuschüchtern und damit den demokratischen Diskurs zu beschädigen. Das sind Ihre Maßstäbe!

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Meine Antwort auf die letzte Frage: Es ist ja auch besonders bemerkenswert, dass Sie der Öffentlichkeit die Anzahl der Anzeigen verheimlicht haben. Wie ist diese Zahl überhaupt in die Öffentlichkeit gekommen? Die von Ihnen beschäftigten Rechtsanwälte haben diese Zahl offenbart. Bemerkenswert! Und das zeigt eben – darf ich Verkommenheit sagen? ich sage es einfach – Ihre ganze Verkommenheit in dieser Debatte.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Meine Damen und Herren, die große Geste, die große populistische Empörung nach außen, aber in Wahrheit verhalten Sie sich ganz anders. Das ist, wie gesagt, die Krönung der Bigotterie.

Wir erinnern uns daran, warum es zu § 188 in der aktuellen Fassung gekommen ist. Es war eine Reaktion auf den Mord an Walter Lübcke. Mordtaten folgten blutrünstigen Worten; und dem sind wir entgegengetreten.

Abschließend zu den Äußerungen von Jens Spahn, dem Vorsitzenden meiner Fraktion.

Ist er es noch?

Sie haben ihn interessanterweise falsch zitiert, und ich empfehle Ihnen sehr die Mitschrift des Interviews. Was hat Jens Spahn zur Diskussion gestellt? Jens Spahn hat zur Diskussion gestellt, ob der § 188 in der aktuellen Fassung tatsächlich dauerhaft richtig ist. Und wie verstehen wir das? Wir verstehen es so, dass dieser Paragraf und damit die Strafverschärfung möglicherweise deutlich ausgedehnt werden muss, weil für Sie und Ihre Spießgesellen

Vorsicht! Jetzt ist aber gut!

die Verächtlichmachung, die persönliche Verächtlichmachung,

Wer macht denn hier gerade verächtlich?

die Herabwürdigung zum Geschäftsmodell gehört. Und wir sehen immer wieder: Es betrifft nicht nur politisch aktive Menschen,

Haben Sie auch Spießgesellen?

sondern es betrifft die breite Öffentlichkeit. Und deswegen überlegen wir, ob wir § 188 und den Strafrahmen insgesamt ausweiten.

Vielen Dank.

Feistes Grinsen auf der Regierungsbank!

Zurufvon der AfD: Wir hören zu!

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