Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Woran denken Sie, wenn Sie an Fußballfans denken? Ich denke da an die vielen Hunderttausend Menschen, die jedes Wochenende in den ersten Profiligen ihrer Leidenschaft nachgehen, die mit Fanmärschen in Stadien pilgern, die kreative Choreografien präsentieren, die so mancher Theaterbühne im Land alle Ehre machen würde, die durch kreative, leidenschaftliche Gesänge ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl erzeugen, die alle gesellschaftlichen Grenzen hinwegsprengen. Kurz gesagt: Ich bin dankbar für unsere engagierte, demokratische Fanszene, für ihr soziales, gesellschaftliches Engagement, für den Einsatz gegen Diskriminierung und Rassismus im Stadion.
Aber woran denken die Innenminister/-innen der Länder offenkundig, wenn sie an Fans denken?
Hier wird immer wieder ein Zerrbild gezeichnet. Fans werden fast ausschließlich als Gewalttäter oder als potenzielle Gefahrenquelle gesehen. Und so wird immer wieder Repression und Eskalation rund um Fußballspiele herbeigeredet. Dabei, meine Damen und Herren, sind die Zahlen zum Thema Sicherheit eindeutig. Bei insgesamt über 25 Millionen Zuschauern in der vorvergangenen Saison in den ersten drei Herrenligen im Fußball hatten wir zuletzt 9 Prozent weniger erbrachte Polizeiarbeitsstunden, 17 Prozent weniger Verletzte, 22 Prozent weniger eingeleitete Strafverfahren rund um Fußballspiele.
Natürlich gibt es Gewalt durch Fans. Und das ist und bleibt völlig inakzeptabel. Es wird zu Recht hart verfolgt, wenn zum Beispiel Polizisten massiv angegriffen und verletzt werden wie Anfang des Jahres in Magdeburg. Aber man darf doch nicht andauernd den Eindruck erwecken, als wäre das quasi der Normalfall am Wochenende in unseren Stadien.
Die Stadien sind sicher, und noch mehr Sicherheit erreicht man nicht durch mehr Überwachung und mehr Repression,
sondern nur durch mehr Prävention und mehr Dialog. Nicht gegen, sondern nur mit den Fans erreichen wir noch mehr Sicherheit in den Stadien, meine Damen und Herren.
Die ganz überwiegende Zahl der Fans ist friedlich, und deswegen darf es für Maßnahmen wie KI-gestützte Videoüberwachung, personalisiertes Ticketing oder ähnliche Pauschalmaßnahmen auch überhaupt keinen Raum geben. Die Datei „Gewalttäter Sport“ muss endlich grundlegend überarbeitet werden, wie es auch das Bundesverfassungsgericht einfordert. Auch Verschärfungen der Stadionverbote sind fehl am Platz.
Meine Damen und Herren, die Fanprojekte leisten eine so wichtige Arbeit für friedliche demokratische Fußballkultur. Umso fataler ist es, wenn Staatsanwaltschaften und Polizeien immer stärker dazu übergehen, ihnen die Arbeit schwerzumachen, durch Vorladungen versuchen, sie zu Aussagen über Fans zu zwingen, und damit das so wichtige Vertrauen zwischen Fans und Fanprojekten zerstören.
Wir brauchen endlich ein Zeugnisverweigerungsrecht in der sozialen Arbeit für Fanprojekte, aber auch für andere Initiativen wie Feminist Law Clinic, die so eine wichtige ehrenamtliche Arbeit machen und dabei rechtlich so unzureichend geschützt sind, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Meine Damen und Herren, Fans, auch die Ultras, sind doch entscheidend für echte Stimmung im Stadion. Keiner von uns, auch nicht auf den Tribünen, will doch schweigende Fankurven sehen. Wer Fans als Stimmungsmacher will, darf sie nicht anderntags als Krawallmacher diffamieren, liebe Kolleginnen und Kollegen. Wir brauchen keine Sicherheitsoffensive im Stadion; wir brauchen endlich echten Dialog mit den Fans und ihren Fandachverbänden – echten Dialog auf Augenhöhe.
Meine Damen und Herren, es muss endlich in die Köpfe sämtlicher Innenministerinnen und Innenminister rein: Grundrechte gelten auch im Stadion; Grundrechte gelten auch für Fans.
Vielen Dank.