Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Fraktionen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP wollen am Freitag dieser Woche das Gebäudeenergiegesetz verabschieden.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Über die Aufsetzung in dieser Sitzungswoche konnten wir uns mit den Oppositionsfraktionen, so wie die Frau Präsidentin das gerade ausgeführt hat, vor der parlamentarischen Sommerpause nicht verständigen. Deshalb führen wir jetzt hier eine Geschäftsordnungsdebatte.
Mit der Aufsetzung in dieser Woche ziehen wir die Konsequenzen aus der Eilentscheidung des Bundesverfassungsgerichts
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
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Beatrix von Storch [AfD]: Diese Arroganz!
Dies hat es allen Mitgliedern des Hauses möglich gemacht, sich noch mal eingehend mit den Inhalten des Gesetzentwurfs zu befassen.
Wichtig ist es mir, zu betonen: Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in der Hauptsache steht noch aus. Es gebietet der Respekt vor dem Gericht, dass wir darüber keine Spekulationen anstellen.
Seit dem 15. Juni, der Einbringung des Gesetzes in erster Lesung in den Deutschen Bundestag, sind fast drei Monate vergangen. In dieser Zeit gab es nicht nur eine breite öffentliche Debatte, sondern auch umfangreiche parlamentarische Beratungen in den Fachausschüssen,
in den Fraktionen und – das ist ungewöhnlich – in zwei Expertenanhörungen am 21. Juni und am 3. Juli. Wir wollen dem Bundesrat dieses Gesetz fristgerecht zum 29. September zuleiten; denn auch er muss es beraten.
Verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Das ist ein sehr seriöses Gesetzgebungsverfahren“; das waren die Worte des Bundeskanzlers Olaf Scholz Anfang Juli, als er versucht hat, unliebsame Kritik an diesem Heizungsgesetz abzuwehren. Keine drei Tage später gibt es eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, die viele Zeitungen einfach nur als „Klatsche“ für den Bundeskanzler und die Koalition bezeichnet haben – völlig zu Recht.
Liebe Frau Mast, Sie sprechen hier von „Planungssicherheit“, von „Respekt“. Ich frage mich, wo dieser Respekt Ihrerseits bleibt.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und der LINKEN
Lesen Sie doch mal die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts! Lesen Sie sie doch mal! Da steht drin: Der Deutsche Bundestag hat das Recht, über diese Frage abzustimmen, und er hat „auch das Recht zu beraten“ – zu beraten!
Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Das kann man „Chuzpe“ nennen!
und verfahren weiter nach dem Motto: Friss, Vogel, oder stirb! – Das ist nicht angemessen; das entspricht nicht dem, was das Bundesverfassungsgericht gesagt hat.
Es ist ja auch nicht ausberaten. Sie sagen, mit diesem Gesetz wollen Sie CO2 einsparen. Wir haben Sie gefragt: Wie viel CO2 sparen Sie eigentlich mit diesem Gesetz ein?
Christian Dürr [FDP]: Weil wir keine Planwirtschaft haben!
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Weitere Zurufe von der SPD und der FDP
Sie wissen es nicht. Sie wollen ein Gesetz verabschieden, das den Steuerzahler und den Staat Unsummen Geld kostet, und Sie wissen gar nicht, welche Wirkung Sie damit erzielen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und der Abg. Jessica Tatti [DIE LINKE]
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Christian Dürr [FDP]: Das ist Marktwirtschaft!
Sie sind im Blindflug unterwegs.
Wenn man die Fragen stellt: „Warum tun Sie es dann? Warum peitschen Sie dieses Gesetz in einer Haushaltswoche, die eigentlich frei bleiben soll von anderweitigen Gesetzesvorhaben, durch das Parlament? Warum tun Sie es?“, zeigt sich:
Sie haben Angst vor der Beratung. Sie haben Angst vor Ihrer Zerstrittenheit. Sie haben Angst vor den Fliehkräften in der Koalition. Diese Mischung aus führungsschwachem Bundeskanzler und Zerstrittenheit in der Ampel schadet dem Parlamentarismus.
Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Lieber nicht! Dem ist das peinlich!
„... dass eine vitale Demokratie nicht daran zu erkennen ist, dass am Ende Mehrheiten entscheiden, sondern daran, dass auf dem Weg bis zur Entscheidung Minderheiten ihre Rechte wahrnehmen können. Dafür zu sorgen, ist die nicht immer einfache, aber nach meinem Verständnis vornehmste Aufgabe des Parlamentspräsidenten.“
Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist ein einmaliger Vorgang, dass das Bundesverfassungsgericht in die Verfahrenshoheit und Autonomie des Verfassungsorgans Bundestag eingreifen musste,
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und der LINKEN
Das ist Arroganz; das ist Respektlosigkeit gegenüber dem Bundestag, gegenüber dem Bundesverfassungsgericht und am allerschlimmsten gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes, die einen Anspruch darauf haben, dass wir hier ordentliche Gesetzgebung machen. Deshalb lehnen wir die Aufsetzung dieses Gesetzes am Freitag ab.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Frei, nach Ihrer Rede hätte man ja den Eindruck bekommen können, dass das Gebäudeenergiegesetz in einem Eilverfahren hier durch den Deutschen Bundestag gebracht werden sollte.
Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Die Sommerpause muss man abziehen! Die sitzungsfreie Zeit muss man abziehen!
In dieser Zeit gab es zwei Anhörungen. Am 5. Juli wurde das Gebäudeenergiegesetz in den Ausschüssen abschließend beraten; das wird dann am Freitag 65 Tage her sein. Das heißt, Stand heute, am Dienstag, liegt das GEG in der Ausschussfassung seit sage und schreibe 61 Tagen vor.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
sich inhaltlich wirklich intensiv mit dem Gesetzentwurf zu befassen, sich dazu eine fundierte Meinung zu bilden und auch hier im Parlament darüber zu entscheiden.
Vielleicht haben Sie das sogar getan; Sie sind vielleicht zu dem Schluss gekommen, dass Ihnen das Gesetz inhaltlich nicht gefällt. Das mag so sein. Mir oder uns hat auch vieles nicht gefallen, was die unionsgeführte Koalition in den letzten 16 Jahren vorgelegt hat.
Er hat in einem „taz“-Interview vom 19. Juli auf die Frage, ob er denn glaube, dass es am GEG noch Änderungen geben werde, geantwortet – ich zitiere –:
„Das kann ich Ihnen nicht sagen. Das hängt jetzt auch von uns ab, was wir vorschlagen werden. Daran arbeiten einige in der Union, unter anderem ich.“
Peter Boehringer [AfD]: Diese Arroganz hier! Unglaublich!
Aber Sie sehen das ganz offensichtlich anders und haben zwei volle Monate verstreichen lassen, um Ihre Änderungswünsche vorzulegen. Was hält Sie denn bitte davon ab?
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Ich finde, wir werden ein sehr gutes Gesetz auf den Weg bringen. Nun ist die Zeit reif für eine parlamentarische Entscheidung. Wir sind auch in der Lage, diese Entscheidung fundiert zu treffen.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! In der Bevölkerung kocht es wegen des Heizungsgesetzes – viele sprechen ja auch vom „Heizungshammer“, dem erzwungenen Umbau unserer Häuser –; das betrifft insgesamt 20 Millionen Gebäude. In dieser Geschäftsordnungsdebatte geht es darum, ob das Gesetz jetzt überhaupt aufgesetzt werden darf.
Der energiepolitische Sprecher der Regierungspartei FDP, Kruse, hat jüngst die Gesamtkosten berechnet: Für die Bürger summiert sich das Ganze über die Jahre auf die gigantische Summe von 2 500 Milliarden Euro, also 2,5 Billionen. Und obwohl es eines der teuersten Gesetze ist, das jemals eine Regierung ihren Bürgern aufzwingen wollte, möchte diese rot-grüne Ampel es durch den Bundestag peitschen, ohne dass wir Parlamentarier das Gesetz in seiner jetzigen Form überhaupt beraten konnten. Aber genau das, die eingehende Beratung, fordert die Verfassung. Genau das gehört zu den unabweislichen Rechten von Parlament und Abgeordneten, und die treten Sie hier mit Füßen, meine Damen und Herren.
Schon in der letzten Sitzungswoche vor der Sommerpause haben Sie versucht, dieses Gesetz auf Biegen und Brechen durch den Bundestag zu bringen. Aber dann griff das höchste deutsche Gericht ein. Es verbot die übereilte Verabschiedung. Es verbot das Vorgehen der Regierung im Parlament. Das muss man sich mal vorstellen: Das Bundesverfassungsgericht muss diese Regierung zwingen, ihr verfassungswidriges Treiben einzustellen. So weit ist es schon in diesem Land, meine Damen und Herren.
Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann [FDP]: Wer die Verfassung nicht kennt!
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Timon Gremmels [SPD]: Das Bundesverfassungsgericht hat doch zum Inhalt gar nichts gesagt! Meine Güte! Es hat nichts zum Inhalt gesagt!
Warum riskieren Sie das? Warum will die Regierung dieses Gesetz unbedingt so eilig durchprügeln? Die Antwort ist: Ihr Zeitfenster schließt sich. Die Bürger draußen haben die Nase voll. Die Zustimmung für Ihre links-grüne Zwangspolitik nimmt ab, Tag für Tag.
Mittlerweile finden nur noch 19 Prozent der Bürger die Regierung und ihre Politik gut. Deshalb haben die Regierungsfraktionen Angst: Angst vor dem Wähler, Angst vor den Wahlen in Bayern, in Hessen, in Sachsen, in Thüringen. Die AfD liegt jetzt schon bei 35 Prozent. Das ist der Grund; das ist der Hauptgrund für Ihre Eile. Ihre Zeit läuft ab, auch im Bund. Denn die Wähler wissen: Sie haben eine Alternative – unsere Alternative für Deutschland.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich finde, die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, die der geschätzte Kollege Heilmann erwirkt hat, sollte uns alle in der Tat innehalten lassen
und muss dazu führen, dass wir interfraktionell darüber reden, wie viel Zeit wir hier im Bundestag zwischen den einzelnen Prozessschritten – erste Beratung im Plenum, Herstellung der Ausschussfassung, zweite und dritte Beratung im Plenum – künftig schaffen wollen. Ich finde, so viel Ehrlichkeit gehört hier in die Debatte.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Gerade weil das Verfassungsgericht aber ja besonders betont hat, dass zwischen diesen Schritten für alle Kolleginnen und Kollegen genug Zeit sein muss, auch komplexe Gesetzgebungsvorhaben zu verstehen und zu erfassen, ist es in der Tat ja so, dass man ganz klar sagen muss, dass seit Vorliegen der Ausschussfassung nun neun Wochen vergangen sind, in denen wir uns alle hoffentlich mit diesem Gesetz beschäftigt haben, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union.
Peter Boehringer [AfD]: Unglaublich! Unglaublich! Planwirtschaft bei der FDP!
Man kann gegen das Gesetz stimmen. Man kann auch Änderungsanträge zu dem Gesetz einbringen – auch in der zweiten Beratung hier im Plenum. Und das sagt übrigens nicht nur § 82 der Geschäftsordnung ganz klar, sondern, liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie von der Union tun es auch die ganze Zeit. Wir haben es als Opposition auch mal getan. Alleine in der letzten Sitzungswoche haben Sie zum LNG-Gesetz hier im Plenum in der zweiten Beratung einen Änderungsantrag eingebracht.
Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Dafür muss man dann aber auch sagen, was sich ändern soll. Denn neun Wochen Sommerpause sind ja kein Urlaub, sondern sitzungsfreie Zeit, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]
Und was ich an Wortmeldungen im Sommer gehört habe, bezog sich offensichtlich nicht auf den jetzt vorliegenden Beratungsgegenstand. Denn der jetzt vorliegende Beratungsgegenstand – das muss man dann schon zur Kenntnis nehmen, liebe Kolleginnen und Kollegen – hat sich im Rahmen der Beratungen grundlegend verändert; wir haben darüber hier schon gesprochen.
Wir haben das Heizgesetz in seiner ersten Fassung vom Kopf auf die Füße gestellt. Wir haben jetzt sichergestellt, dass es keine Eingriffe ins Eigentum gibt, dass alle Bürgerinnen und Bürger ihre bestehenden Heizungen reparieren können, solange sie wollen, dass es, wenn sie neue Heizungen einbauen wollen, echte Technologieoffenheit gibt und dass der Staat jetzt erst seine Hausaufgaben macht, indem die Kommunen eine Wärmeplanung vorlegen.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union, wenn Sie daran noch etwas ändern wollen, dann müssen Sie der Bevölkerung in Deutschland jetzt auch endlich sagen, was. Dafür haben Sie diese Woche Zeit.
Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Wir finden, dass dieses Land in den letzten Jahren eher daran gekrankt hat, dass man schwierige und streitige Fragen nicht irgendwann entschieden hat. Damit muss Schluss sein. Wir müssen Klarheit schaffen, und deshalb beraten wir diese Woche dieses grundlegend veränderte Gesetz.
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zunächst möchte ich zu den lustigen Drei von der Ampel hier feststellen, dass Sie in diesen 85 Tagen vor allem intern gestritten haben.
Also, das will ich Ihnen zunächst einmal hier sagen.
Dann will ich hier feststellen, dass es guter Brauch ist, in Haushaltswochen keine Anträge und Gesetzentwürfe zu beraten, sondern über den Haushalt zu diskutieren.
Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD
Man kann über die letzte Koalition, die sogenannte GroKo, ja wenig Gutes anmerken, aber eines will ich dann doch sagen: Trotz Corona hat es die damalige Koalition hinbekommen, von 2018 bis 2021 in Haushaltswochen hier keine Anträge sachfremder Art vorzulegen; das muss man hier mal feststellen.
Seitdem Sie an der Regierung sind – ich möchte das hier mal vortragen; unsere sehr guten Mitarbeiter haben mir das hier einmal rausgesucht –: 24. November 2022: Energiesicherungsgesetz, 9. September 2022: COVID-19-Schutzgesetz, 3. Juni 2022: Gesetz zum Mindestlohn, 3. Juni 2022: Antrag zur Schuldenbremse, 3. Juni 2022: „Sondervermögen Bundeswehr“. Das ist mal die Sachlage. In jeder Haushaltswoche ballern Sie hier Ihre Vorhaben rein, weil Sie sich vorher intern nicht rechtzeitig einigen konnten.
Beifall bei der LINKEN und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD
Dazu möchte ich jetzt den geschätzten Bundesjustizminister, meinen Freund Marco Buschmann, zitieren, als er noch Parlamentarischer Geschäftsführer war, also als er noch ein seriöser Politiker war, wenn ich das so sagen darf.
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Heiterkeit
Ich möchte hier einmal vortragen, was Sie, Herr Buschmann, zu diesem Verfahren gesagt haben – ich zitiere –:
„Meine Damen und Herren, das Parlament ist die Herzkammer unserer Demokratie. Behandelt wurde es in den letzten Wochen aber wie ein Wurmfortsatz ...
Bei der Stellung des Parlaments geht es nicht nur um demokratische Legitimation und um Gewaltenteilung, es geht auch um die Qualität der Beschlüsse, die am Ende dabei rauskommen.“
Wie wahr! Und davon ist nichts übrig geblieben. Das ist wirklich bemerkenswert traurig.
Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Sie bringen dieses Gesetz genauso ein wie zu der Zeit, als Sie die Klatsche vor der Sommerpause bekommen haben. Das ist eine Art von Arroganz, mit den Sorgen vor allem von Mieterinnen und Mietern umzugehen; das ist wirklich katastrophal. Und dem so notwendigen Klimaschutz erweisen Sie einen großen Bärendienst, indem Sie nämlich letztendlich diese Problematik auf die kleinen Leute umlegen und sich an den Reichen, die das meiste CO2 rausballern, nicht herantrauen.
Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Stell einen Änderungsantrag!
Weil Sie offensichtlich meinen durch und durch einleuchtenden Argumenten, wie ich finde, leider nicht folgen werden: Zum krönenden Abschluss ein Zitat von Britta Haßelmann, meiner geschätzten Kollegin als Parlamentarischer Geschäftsführerin
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Geschäftsordnungsdebatte hat mindestens eines gezeigt: dass alle gut erholt aus der sitzungsfreien Zeit zurückgekehrt sind.
Ich freue mich, Sie alle zu sehen – vertraute Gesichter, auch ein ungewöhnliches Gesicht hier im Plenarsaal. Mein Eindruck ist: Das Sehfeld des Bundeskanzlers ist zeitweilig
nach rechts begrenzt; vermutlich beginnt es etwa vorne ab der Reihe der CDU/CSU. Vielleicht findet er demokratischen Trost in den nächsten Tagen darin.
Heiterkeit und Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Friedrich Merz [CDU/CSU]: Ganz links, genau!
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir beraten heute den Entwurf des Bundeshaushaltes für das Jahr 2024 und die Finanzplanung für die nächsten Jahre. Es ist kein Geheimnis: In diesem Etatentwurf steckt viel Arbeit im Bundeskabinett. Das überrascht nicht; denn die Anstrengung, mit der wir konfrontiert sind, ist vergleichbar mit der in den Jahren 2010/2011. Damals ging es um den Weg unseres Landes hin zur Erreichung der Schuldenbremse. Heute geht es um die Rückkehr zur Schuldenbremse oder – genauer gesagt – zu langfristig tragfähigen Staatsfinanzen. Für die Bundesregierung ist klar: Auf Krisen muss dieser Staat entschlossen reagieren, und er muss auch seine fiskalischen Möglichkeiten mobilisieren, wenn es notwendig ist. Aber wer den Ausstieg aus der Krisenpolitik nicht findet, der gefährdet dauerhaft die Stabilität unseres Gemeinwesens.
Beifall bei der FDP sowie des Abg. Dennis Rohde [SPD]
Das deutlichste Signal für den notwendigen haushaltspolitischen Kurswechsel senden die Zinsen. Befanden wir uns im vergangenen Jahr, wie ich gesagt habe, noch vor einer Steilwand, so sind wir nun auf dem Hochplateau angekommen. Hier ist die Luft merklich dünner geworden. Für das nächste Jahr rechnen wir mit rund 37 Milliarden Euro an Zinsausgaben. Das ist eine Verzehnfachung im Vergleich zum Jahr 2021.
Die Zinskosten im Bundeshaushalt sind mittlerweile doppelt so hoch wie der Etat der Bildungs- und Forschungsministerin. Die Botschaft ist deshalb klar: Wir können uns uferlos neue Schulden schlicht nicht erlauben; sie wären nicht finanzierbar.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
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Peter Boehringer [AfD]
Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Umfeld ist herausfordernder als vor gut zehn Jahren. Wir müssen mit einer hohen Inflation umgehen; ich komme gleich darauf zurück. Wir haben keine prosperierende Wirtschaft, sondern wir müssen unser Wachstum aus konjunkturellen und strukturellen Gründen verbessern. Vor allen Dingen aber haben wir neue sicherheitspolitische Herausforderungen aufgrund des völkerrechtswidrigen Angriffs Russlands auf die Ukraine. Die Verhandlungen im Kabinett waren deshalb einerseits von großem Ernst geprägt, andererseits aber auch von dem nachvollziehbaren und begrüßenswerten Engagement für die Interessen und Anliegen der einzelnen Ressorts. Am 5. Juli haben wir dann im Bundeskabinett den Entwurf des Bundeshaushaltes und den Finanzplan bis 2027 beschließen können. Trotz oder wegen der anstrengenden Vorbereitungen im Kabinett können wir jetzt einen Etat vorlegen, der der Lage entspricht, und dafür bedanke ich mich bei den Kolleginnen und Kollegen im Kabinett und beim Bundeskanzler sehr herzlich.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Es gibt viele Bedenken, und es gibt viel Kritik in der Öffentlichkeit und aus dem parlamentarischen Raum. Und ja, es stimmt auch: Wir mussten zwischen dem prinzipiell Wünschbaren und dem jetzt Dringlichen und Notwendigen unterscheiden. Die Ressorts haben beispielsweise – mit Ausnahme des Bundesministeriums der Verteidigung – eine Summe von jährlich 3,5 Milliarden Euro im nächsten und übernächsten Jahr beitragen müssen. Durch diese und andere Maßnahmen konnten wir die Gesamtausgaben gegenüber dem laufenden Haushaltsjahr deutlich senken. Wir planen nun mit 445,7 Milliarden Euro und damit mit rund 30 Milliarden Euro weniger als in diesem Jahr. Gleichwohl liegen die Gesamtausgaben 2024 nominal noch rund 25 Prozent über dem Vorkrisenniveau von 2019.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Vielmehr, meine Damen und Herren, scheint es mir so, dass mit den Krisen der vergangenen Jahre eine wachsende Erwartungshaltung gegenüber dem Staat einherging, bei jedem Problem mit finanzieller Hilfe zu unterstützen.
Wir haben uns an Leistungen und Zuwendungen gewöhnt. Bei der Konsolidierung der Staatsfinanzen geht es also jetzt um nicht weniger als darum, nach Jahren der massiven Staatsintervention wieder eine vernünftige Balance zwischen Staat und Privat zu lernen. Dieser Anspruch, alle Aufgaben und Probleme mit öffentlichem Geld zu lösen, konnte in der Vergangenheit nie erfüllt werden, er wird in der Zukunft nie finanzierbar sein, und im Übrigen sollte er auch nicht Leitbild eines freiheitlich verfassten Gemeinwesens sein.
Es geht jetzt um die Anerkennung finanzieller Realitäten nach Jahren, in denen Geld scheinbar keine Rolle spielte. In Wahrheit hat der niedrige Zins schon vor der Pandemie die Optik verzerrt.
Wir müssen uns neu fokussieren. Mit dem Haushalt 2023 sind wir daher im Kernhaushalt zur Schuldenbremse zurückgekehrt. Mit den Preisbremsen im Wirtschaftsstabilisierungsfonds, dem Sonderprogramm für die Bundeswehr und der Nutzung der allgemeinen Rücklage war dies ein wichtiger, aber nur ein erster Schritt in Richtung einer Normalisierung der Haushaltspolitik.
Mit dem Haushalt 2024 gehen wir die nächsten Schritte. Weiterhin achten wir die Schuldenbremse im Kernhaushalt. Wir reduzieren die Rücklage. Im Jahr 2024 – ich komme später noch darauf zurück – wird auch die Nutzung des Wirtschaftsstabilisierungsfonds enden. Die Neuverschuldung wird so massiv zurückgefahren: von 45,6 Milliarden Euro, die wir für das Jahr 2023 planen, auf 16,6 Milliarden Euro im kommenden Jahr.
In den Jahren danach werden wir aber weitere Schritte gehen müssen, um bestehenden Handlungsbedarf zu decken, also um die Lücke zwischen geplanten und erwarteten Einnahmen und Ausgaben zu schließen. Nochmals gesagt, damit kein Missverständnis aufkommt: Es war richtig, in Zeiten von akuten Krisen finanzpolitisch gegenzusteuern; nun ist es aber wichtig, wieder fiskalische Resilienz zu gewinnen. Die Schuldenstandsquote darf nicht von Krise zu Krise weiter ansteigen. Vererbt der arme Onkel Schulden, kann man das Erbe ausschlagen. Beim Bundeshaushalt funktioniert das nicht, und deshalb haben wir auch eine moralische Verantwortung gegenüber denjenigen, die nach uns kommen.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Übrigens nehme ich manche Kritik der Opposition und namentlich auch des Bundesrechnungshofes sehr ernst. Ich komme gleich noch mal bei einzelnen Punkten darauf zurück. In der Strategie jedoch müssen wir uns an nüchternen Zahlen orientieren. Diese nüchternen Zahlen – egal ob Kernhaushalt oder Nebenhaushalt – lassen sich an einer Ziffer festmachen, nämlich der Verschuldungsquote dieses Staates, gemessen an seiner Wirtschaftsleistung. Bezogen auf unsere Wirtschaftsleistung, wird die Schuldenquote in wenigen Jahren deutlich in Richtung des Vorkrisenniveaus sinken.
Viel schneller, als manche heute glauben, werden wir mit unserer jetzigen Haushaltsstrategie das Vorkrisenniveau bei der Staatsverschuldung wieder erreicht haben. Und das ist auch notwendig; denn unser Land ist der Goldstandard der Staatsfinanzierung. Unser Triple-A-Rating und unsere Glaubwürdigkeit gegenüber den Kapitalmärkten geben uns Handlungsfähigkeit, und zwar nicht nur dem Bundeshaushalt, sondern auch den Haushalten von Ländern und Gemeinden. Deshalb ist es von überragender Bedeutung, diese Glaubwürdigkeit gegenüber den internationalen Kapitalmärkten durch solide Haushaltspolitik zu behaupten.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Diese Glaubwürdigkeit, die wir an den Kapitalmärkten genießen, und die Art und Weise, wie von uns begebene Anleihen auf den Märkten platziert werden, widerlegen jede Kritik von Ihnen.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Zuruf von der AfD: Das sehen wir aber anders!
Wenn man sich den Haushalt ansieht, stellt man fest: Es gab Konsolidierungsnotwendigkeiten. Es wird nicht alles so finanziert, wie man sich das wünscht, und deshalb gibt es auch an einzelnen Positionen Kritik, der wir uns stellen müssen. Es gibt Kritik aus der deutschen Wirtschaft. Es gibt Kritik von Sozialverbänden, aus dem Sport. Es gibt Kritik der Opposition. Es gibt Anregungen der Koalitionsfraktionen. Das ist bei einer Konsolidierungsaufgabe, wie wir sie haben, auch kein Wunder. Bei der Konsolidierung, die wir vorhaben, wird es im einzelnen Gewinner und Verlierer, Pro- und Kontraargumente geben. Entscheidend aber wird am Ende sein, ob ein Ergebnis erreicht wird, das von allen Seiten als fair betrachtet werden kann, sprich: dass Belastungen und Entlastungen gerecht verteilt sind. Scherzhaft gesagt, liebe Kolleginnen und Kollegen: Wenn die Kritik von allen Seiten kommt, scheint das Ergebnis ausgewogener zu sein, als wenn sich nur eine Seite beschweren würde.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Wir haben ein herausforderndes ökonomisches Umfeld: einerseits aufgrund der Inflation, andererseits aufgrund des Wachstums, das uns nicht zufriedenstellen kann. Die Inflation in Deutschland ist zu hoch. Die Inflation ist eine unsoziale wirtschaftliche Entwicklung. Sie gefährdet, dass Menschen ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Sie macht Menschen Sorge und Angst, dass sie vielleicht das Ersparte verlieren können. Die Inflation gefährdet auch die Investitionssicherheit an einem Standort wie Deutschland.
Sie ist in der Lage, unser ökonomisches Fundament zu unterspülen, und deshalb ist die erste Priorität die Bekämpfung der Inflation. So schnell wie möglich müssen wir zur Geldwertstabilität zurückkehren.
Dr. Dietmar Bartsch [DIE LINKE]: Warum machen Sie dann das Gegenteil?
Die Bundesregierung hat dazu bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen. Eine Maßnahme beispielsweise ist die steuerfreie Inflationsprämie bis zu 3 000 Euro, die einen Beitrag dazu geleistet hat, dass die Tarifpartner Lohnabschlüsse erzielt haben, die eine Lohnpreisspirale unwahrscheinlich machen. Das ist daneben unsere solide Haushaltspolitik; denn die Europäische Zentralbank bekämpft mit ihren Mitteln die Inflation durch den steigenden Zins. Der ist ja nicht nur eine Belastung für die Haushaltspolitik des Bundes. Wenn wir uns die Baukonjunktur anschauen: Was dort passiert, hängt doch insbesondere mit dem sehr schnellen und von vielen unerwarteten Anstieg der Finanzierungskosten zusammen. Selbstverständlich wollen und müssen wir auch über die Reduzierung von Standards und über schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sprechen.
Da gibt es Einvernehmen. Aber insbesondere macht uns Sorge der schnelle, dramatische Anstieg der Zinsen, der viele Projekte jetzt scheinbar nicht rentabel sein lässt. Das ist einer der Preise, die wir zahlen für die alternative Bekämpfung der Inflation durch die Politik der Europäischen Zentralbank.
Welchen Beitrag können wir leisten? Unser Beitrag kann sein, die Kosten der Bekämpfung der Inflation durch die Zinspolitik der Notenbank nicht weiter steigen zu lassen. Würden wir Konjunkturprogramme auf Pump aufsetzen, würde die Bekämpfung der Inflation länger dauern und teurer für unsere Volkswirtschaft sein, und deshalb machen wir dies nicht.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Anderseits ist in unserem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld unsere wirtschaftliche Entwicklung unbefriedigend. Wir gehören beim Wachstum nicht zur Spitzengruppe, aber das muss unser Anspruch sein. Deutschland kann sich in ökonomischer Hinsicht nicht erlauben, auf die Leistungsfeststellung zu verzichten, wie manche das bei den Bundesjugendspielen beabsichtigen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn unser Anspruch ist – und das sollte er sein –, dass wir weiter führend bei den sozialen Absicherungssystemen sind, wenn unser Anspruch ist, dass wir weltweit weiter führend sein wollen bei der ökologischen Verantwortung, wenn wir also soziale und ökologische Projekte vorantreiben wollen, dann geht kein Weg daran vorbei, dass wir unser Land wieder auf den Wachstumspfad zurückführen müssen.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Sebastian Schäfer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Das eine geht nicht ohne das andere. Wir müssen also das wirtschaftliche Fundament stärken, weil nur das verteilt werden kann, was zuvor erwirtschaftet worden ist.
Dabei unterscheiden wir klar zwischen konjunkturellen Belastungen – ich nenne hier als Stichwort die wirtschaftliche Situation auf den Exportmärkten, insbesondere in China –, den Auswirkungen der Inflationsbekämpfung, etwa den Zusammenhang zwischen Zins und Baukonjunktur, auf der einen Seite und den strukturellen Problemen, die wir schon länger haben, auf der anderen Seite. Wir haben die Probleme in der deutschen Wirtschaft, in unserer Wettbewerbsfähigkeit, nicht erst nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine oder durch die konjunkturelle Schwäche Chinas, sondern wir haben schon längere Zeit strukturelle Probleme, mit denen wir umgehen müssen und mit denen wir umgehen werden.
Die Bundesregierung zum Beispiel hat vorgeschlagen – und der Bundestag hat es beschlossen –, dass wir die Kaufkraft der Bürgerinnen und Bürger in der Inflation erhalten. Wir haben deshalb nicht nur die Sozialleistungen an die Inflation angepasst, sondern wir haben mit dem Inflationsausgleichsgesetz auch die Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung erhalten. Eine fünfköpfige Familie mit 55 000 Euro zu versteuerndem Einkommen zahlt in diesem Jahr 800 Euro weniger Steuern als nach dem alten Steuerrecht. Das ist ein Beitrag zum Erhalt der Kaufkraft.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Wir haben in unserem Land inzwischen ein dichtes Geflecht von bürokratischen Regelungen, die nicht nur die Veränderungsprozesse in unserem Land verlangsamen, sondern die auch für die öffentliche Hand wie für die Privaten kostenträchtig sind. Das Bundeskabinett hat deshalb in Meseberg ein Eckpunktepapier beschlossen, mit dem wir einem Bürokratie-Burnout entgegenwirken wollen. Die Vorschläge, die wir dort miteinander verabredet haben, führen zu einem geringeren Erfüllungsaufwand in einer Größenordnung von 2,3 Milliarden Euro jährlich. Allerdings kommen viele bürokratische Hürden auch aus Brüssel. Die Bundesregierung tut, was in ihrer Macht steht, um dort für Mäßigung zu sorgen. Außerordentlich hilfreich wäre aber die Unterstützung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in der Ansprache der Ihrer Partei angehörenden Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen;
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
denn dann müsste die Bundesregierung nicht eigens intervenieren.
Wir haben doch seit Jahren, seit mehr als einem Jahrzehnt, erkennbar Probleme am Arbeitsmarkt. Jetzt ist sichtbar, dass uns Fach- und Arbeitskräfte fehlen. Und diese Koalition hat die Kraft, das Management der Zuwanderung nach Deutschland neu zu ordnen, um diese Bremse für unsere wirtschaftliche Entwicklung zu lösen. Kurz gesagt: Auch unter der Verantwortung einer früheren Bundesregierung haben wir es in Deutschland denjenigen zu lange zu schwer gemacht, zu kommen, die wir dringend im Arbeitsmarkt brauchen,
Beifall bei Abgeordneten der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Norbert Kleinwächter [AfD]
und zugleich haben wir es viel zu lange denjenigen zu leicht gemacht, zu bleiben, die irregulär nur in unseren Sozialstaat eingewandert sind. Wir müssen das genau umkehren, und das tut diese Bundesregierung.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Lachen des Abg. Dr. Bernd Baumann [AfD]
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Thorsten Frei [CDU/CSU]: Echt? Davon sehen wir aber nichts!
Meine Damen und Herren, wir haben in Meseberg den Entwurf eines Wachstumschancengesetzes beschlossen. Wir setzen damit Anreize für Investitionen und Innovationen. Unter anderem sehen wir eine Investitionsprämie vor, eine gewinnunabhängige steuerliche Investitionszulage für Investitionen, die dem Klimaschutz und der Energieeffizienz dienen. Sie soll 15 Prozent der begünstigten Aufwendungen des Unternehmens betragen. Wir verbessern die Liquidität des Mittelstands, indem wir die Prozentgrenze bei der Verrechnung des Verlustvortrags auf 80 Prozent für vier Jahre anheben. Wir führen verbesserte Abschreibungsbedingungen ein. Wir werden zeitgleich die degressive Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter ab dem 1. Oktober wieder einführen. Wir verbessern die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung. Und wir erleichtern den Wohnungsbau durch eine degressive AfA mit 6 Prozent ab Baubeginn – nicht ab Baugenehmigung, sondern ab Baubeginn – am 1. Oktober dieses Jahres. Das sind Entlastungen, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, in einer Höhe von rund 7 Milliarden Euro im Jahr – das richtige Zeichen zur richtigen Zeit.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Darüber hinaus hat das Kabinett bereits den Entwurf eines Zukunftsfinanzierungsgesetzes beschlossen. Damit wollen wir den Gründerstandort Deutschland verbessern. Wir stärken die Finanzierungsbedingungen von Start-ups, wir verbessern die Rahmenbedingungen des Fondsstandorts Deutschland, und wir verbessern die Talentgewinnung von jungen Unternehmen und Start-ups, indem wir die Mitarbeiterkapitalbeteiligung endlich praxistauglicher ausgestalten. Denn wir wissen: Neu gegründete Unternehmen sind so etwas wie das ausgelagerte Forschungslabor der deutschen Wirtschaft. Sie sind Hefe im Teig einer Volkswirtschaft, bringen Wachstum und schaffen neue Arbeitsplätze. Deshalb machen wir den Standort Deutschland dafür attraktiver.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Und, meine Damen und Herren, die Bundesregierung beschleunigt Planungs- und Genehmigungsverfahren. Damit haben wir schon große Erfolge erzielt. Der Umbau unserer Energieversorgungsinfrastruktur wäre ohne die Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren, wie wir sie auch jetzt vorsehen, nicht in dieser kurzen Zeit gelungen. Unser Ehrgeiz ist: Nicht nur bei den LNG-Terminals, sondern auch darüber hinaus soll das vom Bundeskanzler so genannte Deutschlandtempo der Benchmark werden; denn unser Land hat Know-how, unser Land hat Kapital, unser Land hat das Turnaround-Potenzial in der Wirtschaft. Was viele aber brauchen und worauf sie warten, ist wortwörtlich grünes Licht, und diese Bundesregierung gibt es ihnen.
Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Meine Damen und Herren, das zeigt, dass die Bundesregierung handelt, dass das Kabinett Vorschläge unterbreitet. Jetzt lese ich nahezu jeden Tag, dass Sie von der CDU/CSU einen Krisengipfel für die wirtschaftliche Entwicklung fordern. Meine Damen und Herren von der Union, wo Sie noch reden wollen, da handelt diese Regierung bereits.
Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir haben doch gestern schon eine gehabt!
Wir sind auf Ihre konkreten Vorstellungen gespannt. Beispielsweise gibt es in der steuerpolitischen Diskussion Neues von Ihnen zu hören. Da gibt es Kritik von Herrn Winkel – das ist der Bundesvorsitzende der Jungen Union – an dem Vorschlag, den Spitzensteuersatz zu erhöhen; so hatte sich die Grundsatzkommission der Union mal geäußert. Jetzt lese ich heute Morgen bei dpa, dass Herr Frei sagt, das sei alles gar nicht so gemeint, der Spitzensteuersatz solle gar nicht erhöht werden, man denke gar nicht wie Herr Kühnert in Richtung einer aufkommensneutralen Steuerreform. Das ist ja alles hochinteressant. Wissen Sie, für gewisse Geräusche der Meinungsbildung braucht die Koalition drei Parteien. Das können Sie alleine, intern mit Ihren eigenen Ressourcen.
Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Wir sind jedenfalls auf die Auflösung gespannt. Wenn ich das mal nur so grob aufsummiere: Solidaritätszuschlag abschaffen – prinzipiell gute Idee. Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß senken – prinzipiell gute Idee.
Dann reden wir also über Milliarden. Wir reden über 30 Milliarden bis 40 Milliarden Euro. Ich bin absolut neugierig auf das Finanzierungskonzept, nachdem ja schon das CDU-geführte Land Berlin glaubt, dass das Wachstumschancengesetz mit einem Volumen von 7 Milliarden Euro nicht zustimmungsfähig sei. Aber auch auf den Bundeshaushalt hätte das ja Effekte; es würde zu Einnahmeausfällen führen. Ich bin gespannt, wie die gegenfinanziert werden sollen. Ich will dann gerne auch von Ihnen lernen, wo konkret gestrichen werden soll. Vielleicht wird es aber auch wirtschaftliches Wachstum geben, das die Steuerreform finanziert; dieses Argument kenne ich auch.
Beifall bei der FDP sowie der Abg. Dunja Kreiser [SPD]
Meine Damen und Herren, ich glaube auch an Selbstfinanzierungseffekte von Steuerreformen. Aber die brauchen erstens Zeit – und wir haben die Schuldenbremse, die keine Steuersenkungen auf Pump erlaubt –,
Wer also glaubt, die Abschaffung des Soli, die Einführung eines Stromsteuermindestniveaus und das Abflachen des Mittelstandsbauches würden sich selbst ganz schnell über die Stärkung der wirtschaftlichen Entwicklung finanzieren, der irrt.
– Es wird nicht diskutiert? Was hat dann der Wirtschaftsrat der CDU kritisiert, wenn es gar keine gegensätzlichen Vorstellungen gibt? Da habt ihr intern viel zu klären. Offensichtlich gibt es ja diese Vorstellungen in der Grundsatzkommission der Union.
Ich kann davor nur warnen. Die Einkommensteuer ist für unzählige Betriebe die betriebliche Steuer. Das ist nicht die Steuer von Spitzenmanagern und Fußballprofis, sondern der Spitzensteuersatz ist die betriebliche Steuer, die steuerliche Belastung unseres Mittelstands – von Handwerk und produzierendem Gewerbe, von vielen Freiberuflern, die Eigenkapital aufbauen wollen, die Rücklagen brauchen, die Investitionen tätigen wollen. In der jetzigen fragilen wirtschaftlichen Situation eine Belastung in den Raum zu stellen, verunsichert diejenigen, die wir für die Schaffung von Arbeitsplätzen brauchen und die investieren sollen. In der jetzigen Phase ist Entlastung erforderlich, aber keine auch nur kompensatorische Belastung.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Liebe Kolleginnen und Kollegen, es gibt die Kritik, die Schuldenbremse verhindere notwendige Investitionen. Deshalb: Schauen wir uns die konkreten Zahlen an, die wir mit diesem Haushaltsentwurf vorlegen. Über den gesamten Finanzplanzeitraum bleiben die Investitionen auf einem sehr hohen Niveau stabil. Allein im kommenden Jahr werden 54,2 Milliarden Euro zur Verfügung stehen für die Erneuerung von Schienen und Brücken, für bessere Straßen, ein flächendeckendes Ladesäulennetz für E-Autos, Glasfaserleitungen für schnelles Internet und vieles mehr. Das ist weitaus mehr als vor der Krise. Im Jahr 2019 sah der Bundeshaushalt Investitionen von 38 Milliarden Euro vor. Im Finanzplanungszeitraum werden die Investitionen weiter deutlich ansteigen, bis auf 57,2 Milliarden Euro im Jahr 2027.
Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 steigt im Übrigen auch die Investitionsquote. Also nicht nur die absoluten Zahlen steigen, sondern auch die Investitionsquote steigt von 10 auf 12 Prozent. Das zeigt: Wir sparen nicht bei den Investitionen, sondern wir stärken die Investitionen in die Zukunft dieses Landes.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Übrigens wurde die Schuldenbremse im vergangenen Jahrzehnt übererfüllt. Im vergangenen Jahrzehnt hatten wir ja eine Politik der schwarzen Null. Das war also mehr als nur die Schuldenbremse.
Thorsten Frei [CDU/CSU]: Was war das denn für eine Regierung?
Und gleichzeitig gab es, obwohl es die Reserven gab, sodass Sie noch nicht einmal die Verschuldung der Schuldenbremse ausnutzen mussten, eine so niedrige Investitionsquote.
Sie haben nämlich während Ihrer Verantwortungszeit insbesondere Sozialausgaben ausgedehnt, aber haben nicht investiert, weshalb wir die Defizite in der öffentlichen Infrastruktur von Ihnen geerbt haben.
Im nächsten Jahr stehen also gut 112 Milliarden Euro zur Verfügung. Unsere Herausforderung ist nicht mangelndes Kapital. Unsere Herausforderung ist das Tempo von Planungs- und Genehmigungsverfahren, um aus dem Geld überhaupt Gutes zu machen.
Mit diesem Fonds stehen in den nächsten Jahren 211 Milliarden Euro für entsprechende Maßnahmen zur Verfügung. Die höchsten Summen entfallen dabei auf die Gebäudesanierung, die Dekarbonisierung der Industrie,
Beifall bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Wir gestalten die Transformation technologieoffen. Der KTF wird im nächsten Jahr allein 18,9 Milliarden Euro für die Bundesförderung für energieeffiziente Gebäude aufwenden, für die EEG-Förderung 12,6 Milliarden Euro, für die Weiterentwicklung der Elektromobilität inklusive Ladeinfrastruktur 4,7 Milliarden Euro. Und – wichtig für den Bundeshaushalt –: Der KTF finanziert sich aus den Einnahmen der CO2-Bepreisung. In der Zukunft gibt es weiterhin keine Zuführung von Mitteln aus dem Bundeshaushalt.
Peter Boehringer [AfD]: Das haben Sie doch hundertmilliardenfach gemacht in den letzten Jahren! Ist doch lächerlich! Alles längst erledigt!
Alle Finanzhilfen sind temporär und auslaufend. Der KTF ist damit ein entscheidendes Instrument, um uns fit für die Zukunft zu machen. Wir schaffen die Grundlagen für Dekarbonisierung und Digitalisierung.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Beatrix von Storch [AfD]
Aber – ich habe gehört, was Sie gesagt haben, und will das ausdrücklich auch von mir aus ansprechen – das Konsolidierungsgebot für den Bundeshaushalt gilt selbstredend auch für die Nebenhaushalte, die sogenannten Sondervermögen. Übrigens, Alexander Dobrindt: Die ganzen Sondervermögen, die gestern auch von der CDU/CSU kritisiert worden sind,
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Dr. Klaus Wiener [CDU/CSU]: Das ist doch ein Scherz!
Ich werde gerne einmal zählen – das schaffe ich jetzt spontan nicht – und vergleichen, wie viele Sondervermögen Theo Waigel von der CSU eingerichtet hat und wie viele dieser Bundesfinanzminister.
Ich sehe das gar nicht als Kritik, liebe Kolleginnen und Kollegen. Im Gegenteil: Ich warne davor – ich warne davor! –, das Instrument des sogenannten Sondervermögens – ich weiß auch, dass das in der Regel Schulden sind, aber so ist eben der technische Begriff; ein Euphemismus, klar – per se zu kritisieren. Es ist nicht per se falsch. Sondervermögen dienen vielmehr dazu, in konkreten Politikbereichen überjährige Planungssicherheit zu schaffen.
Was ich indes teile, sind die Bedenken hinsichtlich der Anzahl und des Umfangs der Sondervermögen. Wir, diese Regierung, nutzen Sondervermögen für konkrete Zwecke. Das zusammen auch mit der Opposition errichtete Sondervermögen für die Bundeswehr hat einen ganz konkreten Zweck:
Den Wirtschaftsstabilisierungsfonds, der von der früheren Großen Koalition eingerichtet worden ist, nutzen wir jetzt, um nach dem Energiepreisschock des vergangenen Jahres Härtefälle zu finanzieren und die Strom- und Gaspreisbremse darzustellen.
Aber: Hier gibt es jeweils klare und eindeutige Zweckbindungen. Das Sondervermögen für die Bundeswehr wird auslaufen, und auch der Wirtschaftsstabilisierungsfonds unterliegt einer klaren Zweckbindung bis Mitte 2024. Man kann über unterschiedliche politische Maßnahmen nachdenken, zum Beispiel einen Industriestrompreis. Eines ist aber klar: Eine Zweckänderung des Wirtschaftsstabilisierungsfonds wäre nach meiner Auffassung verfassungsrechtlich nicht zulässig. Wer also dieses oder jenes finanzieren will, kann gerne eine öffentliche Diskussion über Finanzierungsmöglichkeiten führen. Eine neuerliche Aufhebung der Schuldenbremse, um den gesetzlichen Zweck des Wirtschaftsstabilisierungsfonds zu verändern, wird jedenfalls kein Mittel der Wahl der Bundesregierung sein können, weil das Grundgesetz davorsteht.
Peter Boehringer [AfD]: Aber erst nach Ihrer Regierungszeit!
Bereits mit dem Bundeshaushaltsentwurf 2024 schlagen wir Ihnen ganz konkret vor, Sondervermögen, die nicht mehr benötigt werden, zu schließen. Die Zahl geht also zurück. Nicht nur hinsichtlich der quantitativen Auswirkungen auf den Haushalt, sondern auch hinsichtlich der qualitativen Dimension der Haushaltspolitik arbeiten wir uns schrittweise voran.
Einen Satz will ich zu den Energiepreisen sagen, weil ich gerade im Zusammenhang mit dem WSF das Stichwort „Industriestrompreis“ genannt habe. Die Bundesregierung insgesamt ist sich vollkommen darüber im Klaren, dass die Energiepreise ein enormer Standortnachteil, vor allen Dingen für die energieintensiven Betriebe, sein könnten.
Darüber herrscht Einvernehmen innerhalb der Bundesregierung. Aber wir haben es auch mit einer besonderen Situation zu tun. Unsere Situation ist doch, dass eine frühere Bundesregierung ausgestiegen ist aus Kohle und Kernkraft,
Leif-Erik Holm [AfD]: Mit der FDP in der Regierung!
und sie hat festgehalten an Pipelineimport von Gas aus Russland, obwohl es andere Ideen gab. Das heißt, die Entscheidungen für den Ausstieg aus Kohle – unstrittig – und Kernkraft – auf lange Sicht ebenfalls unstrittig – haben Sie getroffen. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Ihnen und der aktuellen Bundesregierung und der sie tragenden Koalitionsfraktionen: Wir reden nicht nur, wie Sie, über den Ausstieg, sondern wir sorgen für den Einstieg anderswo
Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Denn bei aller Diskussion über eine Brücke darf man eines nicht verkennen: Das Kernproblem ist die physikalische Verfügbarkeit von grundlastfähiger Energie.
So sind meine ordnungspolitischen Bedenken: Wenn man für einige wenige, finanziert wie auch immer, den Strompreis heruntersubventioniert, dann werden die auch weiter zu diesem günstigen Preis Strom verbrauchen. Bei knappem Angebot wird für alle anderen, auch für Handwerk, Mittelstand, auch für die Rentnerin und den BAföG-Empfänger, der Strompreis in der Tendenz steigen. Deshalb geht kein Weg daran vorbei: Das Angebot an Energieerzeugung muss ausgebaut werden:
Auf dem Weg dahin müssen wir Instrumente finden, die in den Rahmen der Schuldenbremse passen, die keine Fehlanreize geben, auf Effizienzgewinne zu verzichten, und die keine Wettbewerbsverzerrung innerhalb unserer Volkswirtschaft bringen. Und das wird der Bundesregierung gelingen.
Meine Damen und Herren, neben der Priorisierung von Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum trägt dieser Haushaltsentwurf auch den geopolitischen und geoökonomischen Realitäten Rechnung. Der Ukraine zu helfen, das ist nicht nur ein Anliegen der Mitmenschlichkeit und Solidarität, es ist in unserem ureigensten staatspolitischen Interesse. Bei meinem Besuch in Kiew habe ich mich ein weiteres Mal überzeugen können: In der Ukraine wird nicht nur das Recht auf Selbstbestimmung dieses Landes verteidigt; in der Ukraine wird gekämpft um die Friedens- und Freiheitsordnung in Europa insgesamt.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN] und des Abg. Matthias Hauer [CDU/CSU]
Deshalb werden wir die Ukraine weiter unterstützen. In der Haushaltsplanung der nächsten Jahre sind weitere Hilfen – Ertüchtigungshilfe, aber auch im zivilen Bereich – fest eingeplant. Niemand soll sich täuschen. Bei dieser Schicksalsfrage wird die Bundesrepublik Deutschland einen langen Atem haben.
Auch unsere eigene Wehrfähigkeit und unsere Fähigkeit zur Landes- und Bündnisverteidigung muss verbessert werden. Dieser Regierungsentwurf sieht 51,8 Milliarden Euro für den Einzelplan 14 vor. Das sind 1,7 Milliarden Euro mehr als zuvor, weil wir schon im Einzelplan 14 die Tarifsteigerungen verbuchen, die wir für andere Häuser im Einzelplan 60 darstellen. Summiert man die geplanten Ausgaben aus dem Bundeshaushalt und dem Sonderprogramm für die Bundeswehr im Grundgesetz, so erreichen wir ab dem kommenden Jahr die NATO-Quote für Verteidigungsausgaben in Höhe von 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Zusage der Bundesregierung ist: Dies werden wir in den nächsten Jahren auch über die Zeit des Sondervermögens im Grundgesetz hinaus fortsetzen. Denn die Zeiten haben sich gewendet: von der Zeit der Friedensdividende hin zur Zeit der Investitionen in Sicherheit, Freiheit und Frieden.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Auch im Bereich der Innenpolitik sind Freiheit und Sicherheit für uns prioritär. Hier leistet jedes Ressort seinen Beitrag. Ich will jetzt nur für das BMF darauf hinweisen, dass wir an der Verbesserung der Bekämpfung von Finanzkriminalität und Geldwäsche arbeiten. Ein Bundesamt zur Bekämpfung von Finanzkriminalität ist im Projektstatus, und wir planen, Ihnen in der allernächsten Zeit die notwendige Gesetzgebung vorzuschlagen. Damit sollen die wichtigsten Kompetenzen für Geldwäschebekämpfung und Sanktionsdurchsetzung gebündelt werden. Machen wir es ganz klar: Folgenlose Finanzkriminalität schadet unserer Wirtschaft und untergräbt das Vertrauen in den Rechtsstaat, während die Gegner der freiheitlichen Ordnung davon profitieren.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Matthias Hauer [CDU/CSU]: Ein Jahr lang ist nichts passiert!
Meine Damen und Herren, dieser Haushalt schließt – damit komme ich zum Blick nach vorn – die finanzpolitische Zeitenwende nicht ab. Sie nimmt eher Fahrt auf. Und das ist umso wichtiger, als wir im Finanzplanungszeitraum 2025 bis 2027 noch einen jährlichen Handlungsbedarf von rund 5 Milliarden Euro im Jahr haben – Stand jetzt. Das heißt, in jedem der nächsten Jahre, 2025 bis 2027, müssen wir über den Entwurf der Finanzplanung hinaus eine Lücke von 5 Milliarden Euro zwischen erwarteten Einnahmen und geplanten Ausgaben schließen. Das ist übrigens kein Novum; das gab es in der Vergangenheit genauso. Beispielsweise hat Wolfgang Schäuble 2011 bis 2013 einen Handlungsbedarf von 30 Milliarden Euro eingeplant, der übrigens damals aber auch erwirtschaftet worden ist.
Bettina Hagedorn [SPD]: 8 Milliarden bei der Bundeswehr!
Den Ehrgeiz haben wir genauso.
Schauen wir über den aktuellen Finanzplanungszeitraum hinaus, liebe Kolleginnen und Kollegen: Dann wird unser Haushalten noch anspruchsvoller werden im Vergleich zu den Herausforderungen, die wir jetzt schon in den öffentlichen Debatten zu bestehen haben. 2028 beginnt die Tilgung der krisenbedingten zusätzlichen Kreditaufnahmen aus den Coronajahren 2020 bis 2022. Allein das werden im Jahr voraussichtlich 12 Milliarden Euro sein. Die Mittel des „Sondervermögens Bundeswehr“ werden im Finanzplanungszeitraum mutmaßlich vollständig ausgeschöpft sein. Ab 2028 bedarf es da erheblicher Mittel im Kernhaushalt, um die 2 Prozent Verteidigungsausgaben darstellen zu können. Wir reden über einen zweistelligen Milliardeneurobetrag.
Ab dem Jahr 2031 ist auch die Tilgung der Kredite des Wirtschaftsstabilisierungsfonds Energie vorgesehen. Und das führt dann ebenfalls zu großem Handlungsbedarf im Milliardenbereich. Das ist jetzt in der mittelfristigen Finanzplanung noch nicht sichtbar, weil sie bis 2027 reicht.
Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, hinter der Horizontlinie – für uns noch nicht sichtbar – kommt ein Eisberg, um nicht zu sagen ein Eisbergfeld. Und wir stehen in der Verantwortung, nicht zu warten, bis der Eisberg vom Horizont uns genau vor den Bug gekommen ist, sondern wir müssen jetzt den Kurs ändern; denn der Eisberg wird seinen Kurs nicht ändern. Wir sind es, die unseren haushaltspolitischen Kurs ändern, und dazu leistet dieser Haushalt 2024 einen wichtigen Beitrag.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Dr. Christina Baum [AfD]: Sie sind doch der Eisberg!
Ich sage ganz klar: keine strukturellen Mehrausgaben ohne Gegenfinanzierung. Für jeden zusätzlichen Euro, der ausgegeben werden soll, empfehle ich Ihnen, an anderer Stelle einen Einsparvorschlag zu machen. Unser Land insgesamt hat kein Einnahmeproblem, sondern ein Ausgabeproblem.
Christine Aschenberg-Dugnus [FDP]: So ist es! Genau!
Knapp ist in diesem Haushalt nur eins, liebe Kolleginnen und Kollegen, und zwar der Gestaltungsspielraum. Zwei Drittel des Haushalts werden 2024 für Personal- und Sozialausgaben und Zinskosten gebunden sein. Nach der quantitativen Konsolidierung – Schuldenbremse einhalten, im Kernhaushalt die Finanzlage abbilden –, muss die qualitative Konsolidierung fortgesetzt werden. Da geht es darum, unsere Sozialversicherungssysteme zu stabilisieren, ohne immer weitere zusätzliche Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt. Einen Beitrag dazu leisten werden der Bundesarbeits- und -sozialminister und ich mit dem Vorschlag eines nächsten Rentenpakets, das eine kapitalgedeckte Säule in die gesetzliche Rentenversicherung einfügt, um die Beitragssätze nicht weiter steigen zu lassen.
Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Keine gute Idee, Herr Minister! Lassen Sie das lieber! Das bringt gar nichts!
– Nein, wir werden das nicht lassen. – Denn die Beschäftigten im öffentlichen Dienst im Angestelltenverhältnis haben alle ihre Versorgungskassen, und die legen am Kapitalmarkt an. Was für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst gut ist, das kann für die Rentnerinnen und Rentner insgesamt nicht falsch sein.
Beifall bei der FDP sowie der Abg. Dagmar Andres [SPD]
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Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Das erläutere ich Ihnen gerne mal!
Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch insgesamt ist unsere Sozialquote im historischen Vergleich auf einem sehr hohen Niveau. Unser Sozialstaat kann nicht weiter wachsen. Wir werden dafür sorgen müssen, die Entwicklung unseres Sozialstaates zu begrenzen, aber nicht durch Streichung, nicht durch die Einschränkung von Leistung, sondern dadurch, dass wir die Migration in unserem Land steuern
Diesem Gedanken folgt unsere neue Kindergrundsicherung mit einer klaren Orientierung darauf, Kinderarmut zu überwinden, zugleich aber die Anreize für die Arbeitsaufnahme zu erhöhen. Diesem Ziel folgt das Bürgergeld, das verstärkt qualifiziert und das langfristig in den Lebensunterhalt sichernde Arbeitsplätze vermittelt statt in Hilfstätigkeiten. Aber wir werden in diesem Jahr auch prüfen, ob Lohnabstand und Erwerbsanreize in unserem Land sich angesichts der vielen Sozialreformen der vergangenen Jahre positiv entwickelt haben. Wir haben im Koalitionsvertrag eine entsprechende Evaluation verabredet, und wir werden nötigenfalls die erforderlichen Konsequenzen ziehen.
Denn es ist nicht nur ein Gebot des sorgsamen Umgangs mit den Staatsfinanzen. Meine Damen und Herren, Arbeit ist viel mehr. Arbeit ist für die Menschen doch nicht nur die Quelle des Lebensunterhalts.
Christine Aschenberg-Dugnus [FDP]: So ist es! Genau!
Arbeit strukturiert den Alltag. Arbeit gibt das Gefühl, dazuzugehören. Und deshalb muss das Ziel der Sozialpolitik nicht sein, die Etatansätze zu erhöhen, sondern die praktischen Lebenschancen der Menschen zu verbessern, indem ihnen Teilhabe ermöglicht wird.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Verehrte Anwesende, meine Damen und Herren, ich komme zum Schluss. Ich bin überzeugt: Der Haushalt 2024 ist ein Haushalt mit Geld und Verstand, ein Haushalt mit Mut statt Leichtsinn, ein Haushalt mit weniger Schulden und mehr Chancen, ein kluger Haushalt der Veränderung. All diese Entscheidungen haben Überzeugungskraft gekostet, aber ich bin mir sicher, sie werden wirken.
Geschätzte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Ich komme mal gleich zur Sache und auch zum Punkt: Der Eindruck dieser Rede sollte wohl sein, diese Regierung hätte ein Konzept, einen Plan für dieses Land, wohin sie dieses Land führen will.
Bei allen entscheidenden Punkten, die Sie angesprochen haben – Geldwertstabilität, Schuldenbremse, bei marktwirtschaftlichen Lösungen hin zu Wachstum, der Frage der Grundlast bei der Energie oder zum Schluss bei der Frage, wie wir die Rente finanzieren –, haben wir keine einzige Hand hier in der SPD- und der Grünenfraktion gesehen, die sich zum Applaus bewegt hätte.
Einzig und allein Ihre kleine Fraktion hier in der Mitte hat Ihnen Applaus gespendet. Was Sie vorgestellt haben, Herr Minister, ist ganz offensichtlich nicht der Haushaltsentwurf der Regierung, sondern der Haushaltsentwurf der FDP. Man hat fast den Eindruck: Christian allein zu Haus.
Das sage ich Ihnen ganz offen: Sie haben vielleicht früher mal ein Konzept gehabt, als Sie sich hier zur Regierung zusammengefunden haben vor zwei Jahren. Da lief die Wirtschaft noch, da war die Inflation noch sehr niedrig, und die Zinsen waren bei null. Da sind Sie sich einig geworden: Die SPD kriegt viel Geld für Soziales, die Grünen kriegen viel Geld fürs Klima, und Sie kriegen zwei Zusagen: Einhaltung der Schuldenbremse und keine Steuererhöhungen. Und jetzt stellen Sie fest: Diese Party ist vorbei. – Wir haben nämlich jetzt eine hohe Inflation, wir haben hohe Zinsen, und die Wirtschaft in diesem Land steht am Scheideweg.
Jetzt müssten Sie eigentlich eine Entscheidung treffen, und zwar: Wir schmeißen unseren Koalitionsvertrag mal in die Ecke; der ist nämlich nichts mehr wert, der hat keine Geschäftsgrundlage mehr. – Die FDP erkennt das ansatzweise; das will ich Ihnen ausdrücklich zubilligen. Aber die Regierung insgesamt erkennt es nicht und verarbeitet es nicht. Bei SPD und Grünen gibt es nur eine Lösung, die immer wieder diskutiert wird, nämlich doch zusätzliche Schulden zu machen. Die Rede, die Sie eben hier gehalten haben, Herr Minister, die haben Sie an Ihre Fraktion in Ihrer Ampelregierung gehalten. An uns müssen Sie die nicht halten. Das wäre nicht erforderlich gewesen.
Sie müssen sehen, dass Sie Ihre Regierung auf Kurs kriegen und hier keine falschen Eindrücke erwecken. Fakt ist: Diese Regierung hat eben keine einheitliche Linie, sie hat keinen Plan für dieses Land, und das ist in dieser schwierigen wirtschaftlichen Situation eine enorm bittere Botschaft für die Menschen.
Sie verweisen auf die Krisen „Ukraine“ und „Energie“. Das Problem ist: Unter all diesen Krisen leiden die anderen Länder dieser Welt auch. Fast alle anderen Länder aber wachsen wirtschaftlich noch.
Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber die haben auch höhere Defizite im Haushalt!
Gucken Sie sich mal die OECD-Statistik für dieses Jahr an! Das einzige Land weit und breit, in dem die Wirtschaft schrumpft, ist Deutschland. Wir schrumpfen wirtschaftlich. Das ist das Ergebnis Ihrer Politik. Und wenn Sie so weitermachen, wird die Situation noch schlimmer werden. Sie müssten radikal das Ruder rumreißen in Richtung Wachstum.
Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Die CDU wird radikal! Hört! Hört!
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Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das sind doch Plattitüden!
Sie müssten eine echte, eine umfassende Zeitenwende im Haushalt vollziehen, nicht nur bei der Energie und nicht nur bei der Verteidigung, wo sie die Sachen in Sonderhaushalten auslagern, also quasi neben dem regulären Haushalt herlaufen lassen.
Das, was Sie hier bewegen – Stichwort „Einsparung“ oder „Umschichtung“ –, ist eher minimal. Es sind gerade einmal 3,5 Milliarden Euro, die wirklich gespart werden in diesem Haushaltsentwurf. Alles Übrige sind Verschiebungen von Belastungen vom Bundeshaushalt in die Sozialkassen, oder es sind einfach unterstellte pauschale Mehreinnahmen oder Minderausgaben. Das ist im Kern Ihr Haushaltsentwurf.
Bei Ihnen konnte man es noch ansatzweise raushören, Herr Minister – das will ich Ihnen ausdrücklich zubilligen –, aber der Regierung spreche ich das insgesamt ab: Wirklicher Mut ist, den Menschen ehrlich zu sagen, wie ernst die Lage jetzt ist, wie ernst gerade auch die wirtschaftliche Lage ist und dass wir echt eine Zeitenwende bewältigen müssen, und zwar eben nicht nur bei Verteidigung und Energie, sondern auch bei künstlicher Intelligenz, beim Klimaschutz und bei den ganzen Umstellungen in der Mobilitätstechnologie. Das sind Riesenherausforderungen, vor denen unser Land steht.
Wir sind im Moment in der schwierigsten Phase überhaupt. Wir müssen den Menschen ehrlich sagen: Wir müssen uns jetzt wahrscheinlich alle wieder ein Stück weit mehr anstrengen. Wohlstand gibt es nicht umsonst, sondern er ist das Ergebnis harter Arbeit.
Das müssten Sie ehrlich und deutlich den Menschen in diesem Land sagen. Der Mut dazu aber fehlt Ihnen und fehlt dieser Regierung.
Ich will Ihnen konkret ein paar Punkte nennen: Sie müssten wirklich Bürokratie abbauen. Sie sprechen hier von Details – von diesen Hotelzetteln oder anderen Dingen –, sind aber Weltmeister darin, zusätzliches Personal, also zusätzliche Bürokratie, in die Bundesregierung zu schaufeln. 1 700 Neueinstellungen gerade in den Ministerien: Das ist absoluter Rekord. So viel hatten wir noch nie, bei keiner Bundesregierung vorher. 37 Parlamentarische Staatssekretäre: auch absoluter Rekord. Sie könnten sie hier stapeln, übereinanderlegen auf der Regierungsbank, und Sie hätten nicht genug Platz.
Sie müssten viel schneller digitalisieren. Damit könnten Sie viel Personal und auch viel Geld sparen; es geht ja hier auch ums Sparen. Dann machen Sie das! Sie sind doch alle angetreten vor der letzten Bundestagswahl und haben uns erzählt, wir bräuchten ein eigenes Digitalministerium, um die Kompetenzen zu bündeln. Was ist jetzt Fakt? Die Kompetenzen sind weiter zersplittert, und jeder Fachverband sagt Ihnen, dass Sie bei dem Thema keinen Zentimeter vorankommen. Das ist doch die Realität in diesem Land.
Sie müssten Deutschland als Investitionsstandort wieder wirklich attraktiv machen. Sie haben uns jetzt etwas zum Wachstumschancengesetz erzählt. Das ist ein kleiner Ansatz. Das ist ein Minischritt. Aber was machen Sie da zum Beispiel mit den Abschreibungen? Sie hatten in Ihrem Koalitionsvertrag sogar Superabschreibungen vereinbart, was ja ein richtiger Ansatz war. Dann machen Sie das doch – aber richtig kräftig! Was Sie hier machen, ist eine Bonsai-Lösung. Darauf geht doch keiner ein. Sie müssten hier in Deutschland wirklich einen Wettbewerb um Investitionen entfachen, zum Beispiel in die Klimatechnik, um die intelligentesten Klimalösungen. Das könnten Sie steuerlich anreizen. Das machen Sie aber nicht. Sie machen eine Klimapolitik mit Verboten und mit Bürokratie wie beim Heizungsgesetz. Sie marschieren in die völlig falsche Richtung.
Dann haben Sie hier eben selbst, Herr Minister, das Thema Arbeit beschworen. Es muss sich lohnen, wieder anzufangen zu arbeiten. Richtig ist das, und das auch im Kontext mit dem Thema Migration: Sie haben hier gelobt, wie toll Ihre Migrationspolitik sei. Ich kann nur feststellen: Ihre Migrationspolitik ist maximal chaotisch. Die ist maximal chaotisch. Die ganze irreguläre Migration läuft doch so weiter. Sie streiten sich permanent darüber, aber es passiert doch nichts.
Von den Syrern, die zum Teil seit vielen Jahren hier in Deutschland leben, arbeiten gerade einmal 32 Prozent sozialversicherungspflichtig; 55 Prozent beziehen Bürgergeld. Es wäre eine Riesenaufgabe für einen Arbeitsminister, sich mal darum zu kümmern, mit besserer Sprachschulung, besseren Sprachangeboten, damit wir den Menschen wirklich eine Brücke in den Arbeitsmarkt bauen. Das passiert nicht bei dem Thema – null. 100 000 Menschen mehr in Arbeit statt im Bürgergeld würden diesen Bundeshaushalt um bis zu 3 Milliarden Euro pro Jahr entlasten.
Ich sage Ihnen zum Schluss: 2017, Herr Minister, haben Sie die Sondierungsgespräche mit den Grünen und uns abgebrochen und haben damals wortwörtlich gesagt – ich zitiere –: Wir sind für Trendwenden gewählt worden. Aber sie waren nicht erreichbar – nicht bei der Entlastung der Bürger, nicht bei der Stärkung der Marktwirtschaft und auch nicht bei einer geordneten Einwanderungspolitik.
Dann haben Sie geschlussfolgert: Besser nicht regieren als falsch regieren. – Wenn Sie die Schablone, die ich Ihnen eben mit Ihrem Zitat vorgelesen habe, auf die Situation heute anlegen, müssten Sie den gleichen Schluss ziehen. Im Interesse der Menschen dieses Landes wäre es wichtig, so zu handeln.
Geschätzte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Middelberg, ich wäre ja jetzt gerne auf Ihre Haushaltspunkte eingegangen, aber leider habe ich keine gefunden.
Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Da haben Sie es mir relativ leicht gemacht.
Ich möchte an die letzte Debatte erinnern, die wir zum Haushaltsthema hier im Deutschen Bundestag kurz vor der Sommerpause geführt haben. Auf Antrag der Union sollten wir gemeinsam eine Haushaltskrise abwenden und einen Haushalt vorlegen. Ich möchte nur feststellen: Wir sind in der ersten Sitzungswoche nach der parlamentarischen Sommerpause. Der Haushalt hat uns fristgerecht erreicht. Wir diskutieren hier. Von einer Haushaltskrise ist dieses Land wirklich weit entfernt, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Natürlich waren diese Debatten schwieriger als vielleicht andere Haushaltsverhandlungen zu anderen Zeiten. Das hängt eben damit zusammen, dass der Spielraum kleiner geworden ist. Das hängt eben damit zusammen, dass wir die Schuldenbremse einhalten werden. Das gibt uns die Verfassung vor, und natürlich folgen wir der Verfassung an dieser Stelle.
Aber weil der Spielraum eben kleiner geworden ist, ist das am Ende auch mit Einschnitten verbunden, ist das mit einer Debatte verbunden: Welchen Schwerpunkt setzen wir? Worauf können wir vielleicht am ehesten verzichten? Wo wollen wir Akzente setzen?
Und natürlich – das kennt man in der Union vielleicht nicht –: Da sitzen Bundesminister, die um ihre Themen ringen, die für ihre Themen kämpfen, und das erwarten wir auch von ihnen. Das macht Haushaltsverhandlungen vielleicht nicht ganz so einfach; aber ich erwarte das von Bundesministern.
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Ich sage das an dieser Stelle, weil ich sehr gespannt bin auf die Debatte, die sich in den nächsten Tagen anschließen wird. Ich rechne damit, dass auch Oppositionspolitiker die Finger in die von ihnen gefundenen Wunden legen und sagen werden, wo man überall zusätzliches Geld verausgaben wird. Und ich sage: Das werden auch Kolleginnen und Kollegen von uns machen. Auch da erwarte ich von Fachpolitikerinnen und Fachpolitikern, dass sie für ihre Themen streiten. Aber am Ende geht es darum, das Gewünschte und das Mögliche zusammenzubringen, und das werden wir hinbekommen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Die Ausgangslage, in der wir uns befinden, ist natürlich auch deswegen schwierig, weil wir einen Krieg auf europäischem Boden haben, einen Krieg, der nicht nur aufgrund eines imperialistischen Bestrebens einer Partei die staatliche Souveränität von Nationen infrage stellt, sondern einen Krieg, der die bisherigen Spielregeln unserer globalisierten Welt hinterfragt, einen Krieg, der dazu führt, dass unsere Bezugsquellen, zum Beispiel für die Erzeugung von Wärme, in großen Teilen nicht mehr vorhanden sind.
Es war im letzten Jahr unsere Aufgabe, darauf zu reagieren. Ich erinnere mich an die Debatten, die hier im Sommer letzten Jahres geführt wurden, wo Kolleginnen und Kollegen prognostiziert haben, dass wir nicht warm durch den Winter kommen werden, dass uns irgendwann das Gas ausgehen wird. Ich finde, es ist ein Riesenerfolg dieser Bundesregierung und dieses Deutschen Bundestages, dass das nicht eingetreten ist. Ich finde, das kann man in so einer Debatte auch betonen.
Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Und ja, das hat Geld gekostet, das hat auch Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler gekostet. Aber die Alternative wäre für diese Volkswirtschaft um ein Vielfaches teurer gewesen. Ich finde, das war rationales, das war gutes Handeln derjenigen, die dafür gewählt wurden, Probleme zu lösen.
Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Für uns geht es jetzt in den parlamentarischen Verhandlungen um drei Dinge: Uns geht es ums Investieren, ums Entlasten und um den Zusammenhalt dieser Gesellschaft.
Wir haben – der Bundesfinanzminister hat es gesagt – Rekordinvestitionen. Wir haben für das kommende Jahr rund 54 Milliarden Euro im Kernhaushalt und 36 Milliarden Euro zusätzliche, reine Investitionen im Klima- und Transformationsfonds vorgesehen. Folgende Aspekte muss man in dieser Debatte dabei erwähnen: Wir werden durch Investitionen, zum Beispiel von Intel in Magdeburg oder von TSMC in Dresden, zu einem der wirklich führenden Chipherstellerstandorte europaweit und auch weltweit. Das stärkt uns in der Unabhängigkeit von Dritten.
Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Das ist nicht nur ein Erfolg, was die Resilienz angeht, sondern es bringt ganz konkret Arbeitsplätze nach Ostdeutschland, und das ist gute und richtige Politik, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Ja, das eine oder andere hätte in den letzten Jahren mit Blick auf Investitionen auch stärker bedient werden können. Und weil wir das wissen, ist es auch richtig, dass wir jetzt zum Beispiel ganz konkret die Deutsche Bahn in den Blick nehmen. Es bringt nichts, nur das 49-Euro-Ticket – das ist ein Riesenerfolg – auf den Weg zu bringen; wir brauchen auch ein Infrastrukturnetz, das am Ende zusätzlichen Verkehr trägt. Dafür sind Milliardeninvestitionen nötig. Es ist gut, dass für die Deutsche Bahn so viel Geld zur Verfügung gestellt wird wie nie zuvor. Das ist ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Zuruf von der AfD: Das ist doch der größte Witz des Jahres!
Ein Punkt war uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in den Verhandlungen ganz besonders wichtig: Wenn Menschen auf eine Heizung setzen sollen, die losgelöst ist von fossilen Energieträgern, auf eine Heizung, die wir in Zukunft brauchen werden, dann müssen sie sich das am Ende auch leisten können. Und wenn Menschen mit kleinen Einkommen sich das nicht leisten können, dann müssen wir ihnen helfen. Mit einer Investitionskulisse, mit einer Förderkulisse von bis zu 70 Prozent werden wir auch dieser Verantwortung gerecht.
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
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Peter Boehringer [AfD]: Das ist doch eine Märchenstunde hier!
Es geht uns im Bundeshaushalt ganz konkret um Entlastungen. Ich will sagen: Der Entlastungsbegriff, den wir dabei anlegen, bezieht sich gerade für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten nicht nur auf Steuern. Viele Menschen in diesem Land zahlen keine Steuern; aber das sind diejenigen, die Entlastungen nicht minder nötig haben, sondern teilweise sogar noch stärker nötig haben.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Ich will sagen: Mir ist ganz egal, ob jetzt medial diskutiert wird, welcher Bundesminister sich an welcher Stelle wie durchgesetzt hat. Am Ende ist es ein Erfolg für die Kinder in diesem Land, und das sollten wir betonen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Christoph Meyer [FDP]
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Thorsten Frei [CDU/CSU]: Ein Erfolg für die Bürokratie ist das!
Es wirkt weiter: die Wohngeldreform. Dreimal mehr Haushalte haben Zugang zum Wohngeld bekommen, 4,5 Millionen Anspruchsberechtigte. Es gab die Debatte über Menschen, die wenig Einkommen haben, die vielleicht zusätzliche staatliche Leistungen bekommen. Ich finde, dass Politik, die die Ärmsten gegen die Ärmeren ausspielt, keine gute, sondern eine sehr schlechte Politik ist.
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Eins will ich sagen: Wenn wir vom Statistischen Bundesamt gerade vorgelegt bekommen, dass die Nominallöhne für die Menschen mit kleinem Einkommen um über 9 Prozent gestiegen sind, dass die Reallohngewinne für Menschen mit kleinem Einkommen über 3 Prozent liegen – weit über dem Durchschnitt aller anderen –, dann ist das ein Zeichen erfolgreicher Politik, die den Zusammenhalt in dieser Gesellschaft stärkt, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Eine Entlastung will ich auch noch ansprechen. Wir sind mitten in der Transformation unserer Energieversorgung. Wir wollen, dass die Industriearbeitsplätze in diesem Land erhalten bleiben. Dafür brauchen wir kluge Lösungen. Wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten setzen uns für einen Transformationsstrompreis ein, der aber an Tarifbindung, der an eine Arbeitsplatzgarantie gekoppelt ist und der eben auch das aufgreift, was der Bundesminister der Finanzen gesagt hat: Am Ende muss auch in den Klimaschutz investiert werden. Das Geld soll nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden; vielmehr geht es um eine gezielte Investition, um Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Abschließend – ich habe es zu Beginn gesagt –: Wir sind weit von einer Haushaltskrise entfernt. Wir werden jetzt miteinander ringen um die besten Lösungen und Schwerpunkte in diesem Haushalt. Ich bin mir sehr sicher: Wir werden das am Ende auch zusammengebunden bekommen. Ich bin mir auch sehr sicher: Es wird in diesem Haushalt am Ende ums Investieren in Deutschland, ums Entlasten von Bürgerinnen und Bürgern und um den gesellschaftlichen Zusammenhalt gehen.
Frau Präsidentin! „Schluss mit der Politik auf Pump“, sagt der Finanzminister – endlich, möchte man fast sagen –, nachdem er sich schon im ersten Jahr seiner Amtszeit sagenhafte 520 Milliarden Kreditermächtigung genehmigt hatte. Doch leider geht das Jahr 2024 weiter wie gehabt. Schon die offizielle Neuverschuldung – die offizielle! – liegt mit 16,6 Milliarden exakt an der Schwelle zur Verfassungswidrigkeit. Die tatsächliche Schuldenaufnahme 2024 liegt jedoch viel höher, bei 102 Milliarden Euro – das ist die wahre Zahl –, durch Buchungstricks also sechsfach höher als offiziell ausgewiesen. Und selbst wenn man die Bundeswehrsonderschulden, die EU-Schuldenzuweisung und auch die Entnahmen aus den bereits existierenden Rücklagen abzöge, verbliebe immer noch eine Überschreitung des Schuldenlimits um 51 Milliarden Euro. Das ist ein Haushalt der über Sondervermögen verschleierten Riesenverschuldung.
Sämtliche Prestigeprojekte der Ampel können nur noch über Buchungsakrobatik finanziert werden: die gescheiterte Energiewende, die absurde Vision einer Wasserstoffwirtschaft – wir haben es eben wieder gehört –, Milliardensubventionen für taiwanesische und US-Konzerne, die Dekarbonisierung – die ja eigentlich eine Deindustrialisierung des Landes ist –, die Finanzierung eines Krieges, der nicht der unsere ist, eventuell noch planwirtschaftliche Industriestromsubventionen.
All das könnte die Ampel ohne ihre Nebenhaushalte nicht finanzieren. Ohne die Buchungstricks wäre der gesamte Spuk sofort vorbei.
Doch auch wenn die Schuldenaufnahme versteckt wird, real und zinstragend sind diese Kredite natürlich trotzdem. Nur die faktische Nullzinsphase 2013 bis ungefähr 2022 hat die Zinslast auf die von allen Altparteien – von allen! – aufgehäuften Staatsschulden noch zehn Jahre erträglich gemacht. Nun normalisiert sich das Niveau und die Verschuldungsaltsünden der Altfinanzminister Steinbrück, Scholz und Lindner brechen gnadenlos über die Bürger herein.
Und wie wir schon immer predigen: Schulden sind die Steuern von morgen, und dieses ehemalige Morgen – Herr Lindner, auch wenn Sie es nicht hören wollen – beginnt heute. 37 Milliarden Euro Zinsen 2024 sind leider erst der Anfang; auch das ostentative Gespräch mit dem Kollegen ändert nichts an den Tatsachen, Herr Minister.
Mit AfD-Regierungen hätte es keine Verschuldung für die Eurorettung gegeben, keine für den Coronairrsinn, keine indirekte über die illegalen EU-Verschuldungsprogramme, keine für ausländische Kriege, keine für migrationsbedingte Defizite der Sozialversicherung und des Staates.
Wir reden von insgesamt mindestens 1 Billion Euro unnötiger Staatsverschuldung, auf die auch künftig mindestens 40 Milliarden Euro Zinsen fällig werden – jedes Jahr. Im Entwurf noch nicht einmal enthalten sind die Kosten des millionenfach erzwungenen Heizungsaustauschs, über den wir ja diese Woche noch intensiv reden werden.
Die Subventionen zu diesem Irrsinn werden wahrscheinlich aus dem KTF entnommen; aber das sagt die Regierung noch nicht. Hier steckt noch ein weiteres Aufschuldungsrisiko im Haushalt 2024, und das könnte in den nächsten Wochen hier noch virulent werden.
Das Habeck-Ministerium kann noch nicht einmal die CO2-Einsparmengen durch das GEG vorrechnen, sodass das Gesetz schlicht sinnfrei durchgeprügelt wird – sinnfrei!
Dabei, Herr Staatssekretär, könnte man diese Einsparmengen durchaus abschätzen, die durch den kompletten Austausch aller fossilen Heizungen mit einem riesigen Aufwand erzielbar wären. Jährlich wären es etwa 75 Millionen Tonnen CO2 – allerdings nur dann, wenn Wärmepumpen ohne Strom liefen, was sie nicht tun. Sie sind im Winter eigentlich reine Stromheizungen, und wir haben Strom nicht im Überfluss.
Wenn man den einzusetzenden Strom im Winter also noch mit einbezieht – und dafür bräuchte Deutschland schätzungsweise 50 neue Gaskraftwerke –, dann halbiert sich die Einsparung auf nur noch 38 Millionen Tonnen CO2. Das wiederum wäre ziemlich genau ein Tausendstel des weltweiten CO2-Ausstosses – des menschengemachten wohlgemerkt, der ja wiederum nur ein Zwanzigstel des gesamten Ausstoßes ist.
Das deutsche Jahrhundertprojekt des kompletten fossilen Heizungsaustauschs könnte also vielleicht das Weltklima, rein modelltheoretisch, in 80 Jahren um 0,0015 Grad nach unten drücken.
Seien Sie stolz auf sich, Herr Habeck, Herr Lindner, Herr Scholz! Sie tauschen sichere Billionen Euro – und das ist keine Übertreibung – heute gegen ein völlig unsicheres und nur höchst hypothetisch prognostizierbares Tausendstel von 1,5 Grad ein. Das ist Ampelpolitik in irrationaler, destruktiver Vollendung.
Leider fehlt mir die Zeit, auf die Förderkulisse von 70 Prozent einzugehen, die mein Vorredner Rohde eben in den Raum gestellt hat – das machen wir dann im Ausschuss; das war eine schöne Märchenstunde, Herr Kollege –, und all das in einer Welt, in der die Regierung kein Einnahmeproblem hätte.
– Stellen Sie eine Zwischenfrage. Dann nehmen wir uns die Zeit dafür, Herr Rohde.
Noch fließen trotz bevorstehender Rezession über 1 Billion Euro ins Staatssäckel; das sind 25 000 Euro Steuern pro Haushalt. Die Ausgabenseite ist das Problem, und sie ist ein Ergebnis verfehlter Allgemeinpolitik. Man kann Haushaltsprobleme nur lösen, wenn man grundlegend falsche Entscheidungen korrigiert, also endlich die Problemursachen abstellt.
Die Regierung müsste also umsteuern bei der illegalen Zuwanderung, bei der CO2-Religion und bei der Deindustrialisierungspolitik, bei der wir ernsthaft zuerst sichere, zuverlässige, günstige und saubere Grundlast abschalten, dann teuren Flatterstrom über CO2-Planwirtschaft mit Steuergeld fördern und dann für einige Konzerne den deswegen viel zu hohen Strompreis wieder mit Steuergeld nach unten subventionieren. Ich weiß, dass die Ampel noch keine Einigkeit hat; aber vermutlich wird sie ja noch in irgendeiner Weise kommen. Das alles ist staatliche Wirtschaftssteuerung, die wie in der DDR am Ende zu unwirtschaftlichen Arbeitsplätzen und zur Verarmung führen wird.
Massiv sind auch die Kosten der weitestgehend illegalen Zuwanderung. Die Bundesregierung bremst die Fehlentwicklung dabei nicht; sie forciert sie noch ohne Not, etwa indem sie Migranten ja sogar einfliegt.
Deutsche Bürger müssen gegen ihren Willen jährlich 1 Million Asylforderer aufnehmen, zumeist ohne Rechtsgrundlage. Denn politisch verfolgt gemäß Grundgesetz Artikel 16a sind diese Menschen ja zu 99 Prozent nicht, und das Dublin-Abkommen ist auch weiterhin in Kraft. Das überlastet den Wohnungsmarkt, die Kommunen, die Sozialversicherungssysteme. Auch das Bürgergeld explodiert dadurch. Die Gesamtkosten werden meiner Meinung nach bei über 50 Milliarden Euro liegen. Auch das ist höher als im Haushalt veranschlagt. Weit überdurchschnittlich ist dabei der Anteil der nichtdeutschen Bezieher. Das Bürgergeld ist demnächst zur Hälfte ein Nichtbürgergeld.
Ich komme zum Schluss, Frau Präsidentin. Mehr vom Falschen auch 2024: Die illegalen Eurogarantien und die finanziellen Fehlsteuerungen gingen schon 2010 los unter einer CDU-CSU-FDP-Regierung. Deutschland verdient mehr – nicht mehr Steuern, aber bessere Regierungen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Finanzminister! Meine Damen und Herren! Nach diesen Verschwörungsideologien will ich jetzt wieder zurück zur Sache und zum Haushalt kommen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
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Lachen bei Abgeordneten der AfD
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Peter Boehringer [AfD]: Rechnen Sie einfach mal, Herr Kollege!
Wir erleben ja eine Haushaltsdebatte in sehr ernsten, schwierigen Zeiten, wo sich verschiedene Krisen überlappen. Wir erleben einen brutalen Krieg mitten in Europa, ausgelöst durch den russischen Imperialismus, der massive Auswirkungen hat auf unsere Energieversorgung, auf die Inflation, auf die Wirtschaft.
Wir erleben eine Weltwirtschaft in Turbulenzen, insbesondere in China, was sich auch auf unsere Volkswirtschaft, die extrem exportabhängig ist, dramatisch auswirken kann. Und wir haben eine Klimakatastrophe, die sich schon jetzt zeigt, die sich an Extremwettern zeigt, an Hitze und Dürre.
Enrico Komning [AfD]: Was wir in Deutschland aber nicht ändern können!
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Weiterer Zuruf von der AfD: Alles gleichzeitig! Ja!
Das haben wir diesen Sommer in vielen Regionen der Welt erlebt.
Gleichzeitig erleben wir leider hier im Parlament und auch anderswo Rechtsextremisten, die die Demokratie angreifen wollen. Wir erleben, dass Rassismus und Antisemitismus
– und „Hass und Hetze“, genau – von Ihnen hier im Parlament offen ausgetragen werden, wogegen wir uns als Demokratinnen und Demokraten immer wieder einsetzen werden und was wir zurückweisen werden.
Darauf gibt der Haushaltsentwurf an vielen Stellen schon wichtige Antworten; aber an manchen Stellen werden wir im Parlament noch um die gemeinsamen Antworten ringen und sie uns auch gemeinsam erarbeiten müssen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Bis Ende November haben wir ja Zeit. Wir werden diesen Haushaltsentwurf im Haushaltsausschuss des Bundestages intensiv beraten. Wir sagen sehr klar: Wir im Parlament wollen den Bundeshaushalt 2024 gemeinsam beraten, gemeinsam erarbeiten. Wir wollen den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft stärken, in den Kommunen, in Deutschland, in Europa und auch den Zusammenhalt in der ganzen Welt.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zentral für den Zusammenhalt ist die Frage: Wie geht es weiter? Wie schaffen wir es angesichts einer eskalierenden Klimakrise, den Klimaschutz zu verbinden mit wirtschaftlichen Antworten für Industrie, Mittelstand und Handwerk, mit guten Arbeitsplätzen, die wir erhalten, und guten neuen Arbeitsplätzen, die wir schaffen? Eine zentrale Antwort, die die Haushalts- und die die Finanzpolitik geben kann, sind öffentliche Investitionen. Öffentliche Investitionen haben einen großen Hebel für private Investitionen. Der Hebel ist 1 : 3 im Durchschnitt, in manchen Fällen 1 : 10.
Dieser Haushaltsentwurf gibt zentrale Antworten. Wir investieren nämlich in öffentliche Güter; Dennis Rohde und der Finanzminister haben darauf hingewiesen. Wir haben im Kernhaushalt 54 Milliarden Euro Investitionen, und wir haben im Klima- und Transformationsfonds 36 Milliarden Euro Investitionen. Das sind 90 Milliarden Euro, die wir hier in Deutschland im nächsten Jahr tätigen werden.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Wir investieren in Wasserstoff. Wir investieren in den Umbau der Industrie und in Energieeffizienz. Wir investieren so, dass Bürgerinnen und Bürger ihre Heizungen austauschen können, dass sie ihre Wohnungen sanieren können. Wir investieren auch endlich mehr Geld in die Schiene als in die Straße. Wir werden mit diesem Bundeshaushalt 2024 die Investitionen gegenüber denen der alten CDU-geführten Regierung fast verdoppeln. Das ist der nachhaltige Weg für eine gute wirtschaftliche Entwicklung.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Gleichzeitig ist klar: Die Wirtschaft ist in einer Rezession, vor allen Dingen durch die weltwirtschaftlichen Entwicklungen. Die Regierung hat sich entschieden, für 2024 keine notfallbedingten Kredite aufzunehmen. Wir haben trotzdem einen riesigen Investitionsstau in Deutschland. Wir haben riesigen Investitionsbedarf beim klimaneutralen Umbau, bei der Digitalisierung, bei der Verkehrswende, bei der Bahn, bei Schulen, im Bildungsbereich, eigentlich in sehr vielen anderen Bereichen.
Herr Middelberg, Sie haben das Thema Investitionen angesprochen. Aber natürlich ist klar, dass die Ampelkoalition nicht in zwei Jahren all den Investitionsstau aufräumen kann, den wir nach 16 Jahren CDU-geführter Regierung haben. Das ist doch das wahre Problem. Sie haben uns einen riesigen Scherbenhaufen hinterlassen, ein schweres Erbe, das wir jetzt aufräumen müssen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Wir sind im globalen Wettbewerb, insbesondere mit Ländern wie den USA, die jetzt mit dem neuen Ansatz der Bidenomics und dem Inflation Reduction Act eine kleine Revolution starten bei der Frage, wie man Klimaschutz und erneuerbare Energien verbinden kann mit guten, neuen Arbeitsplätzen und mit Industriestrukturen. Deswegen ist es richtig, dass wir auch im parlamentarischen Raum weiterhin politisch darüber diskutieren werden: Wie können wir angesichts des riesigen Investitionsbedarfs, angesichts der globalen Herausforderungen in diesen schwierigen wirtschaftlichen Zeiten – auch mit den USA und dem Inflation Reduction Act – einen makroökonomischen und fiskalischen Impuls setzen, und wie können wir weiter dauerhaft unsere öffentlichen Investitionen erhöhen?
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Wir als Grüne sind davon überzeugt, dass wir weiter darüber reden müssen: Wie können wir auch in Zeiten der Klimakrise klimaschädigende Subventionen abbauen und damit mehr Spielräume schaffen? Wie können wir eine Steuerpolitik machen, die gerechter ist, die auch die Reichen stärker in die Verantwortung nimmt?
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Es ist richtig, dass das Bundeskabinett jetzt das Wachstumschancengesetz beschlossen hat. Wir unterstützen als Grüne ganz klar die Investitionsanreize, die dort gesetzt werden, insbesondere die Klimaschutz-Investitionsprämie und andere Bereiche, die dazu führen werden, dass wir mehr private Investitionen anreizen.
Gleichzeitig sage ich aber als Haushälter: Wir müssen auch gucken – wie in allen anderen Einzelplänen, auch bei der Frage Mindereinnahmen –: Was ist sinnvoll, was hat eine gute Kosten-Nutzen-Effizienz, und was sind am Ende nur teure Mitnahmeeffekte, was erhöht nicht Investitionen, sondern Unternehmensgewinne? Auch das werden wir uns im parlamentarischen Verfahren sehr genau anschauen müssen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Christoph Meyer [FDP]
Es ist ökonomisch klug, jetzt auch die Binnennachfrage zu stärken, gerade weil wir die Exportabhängigkeit damit auch verringern. Genau das machen wir mit der Kindergrundsicherung, und das machen wir mit dem erhöhten Bürgergeld, das wir jetzt im Haushaltsverfahren umsetzen werden. Das geht eins zu eins in die Nachfrage. Das stabilisiert Unternehmen, das stabilisiert Arbeitsplätze. Das ist eine kluge Wirtschaftspolitik auf Höhe der Zeit.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Wir spielen, Herr Middelberg, wirtschaftliche Entwicklung nicht gegen soziale Gerechtigkeit aus, wie es die Union macht, sondern wir denken beides zusammen. Wir wollen Menschen in Not helfen. Wir wollen ihnen Chancen geben, damit sie nicht am Rande der Gesellschaft sein müssen, sondern mitten in der Gesellschaft teilhaben können. Damit stärken wir den ökonomischen und den sozialen Zusammenhalt. Das ist kein „Klimbim“, das ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Herr Middelberg, Sie haben gesagt, man müsse auch mal sparen. Ehrlich gesagt, habe ich keine konkreten Vorschläge gehört, wo Sie im Haushalt konkret sparen wollen. Da war nichts zur Gegenfinanzierung.
Ich kann Ihnen sagen, was wir uns in der Vergangenheit hätten sparen sollen: Wir hätten uns das Mautdesaster sparen sollen, das jetzt 243 Millionen Euro kostet, wo uns viel Geld konkret fehlt.
Zuruf von der CDU/CSU: Ihre Rede hätten Sie sich auch sparen können!
Ich weiß, es kommt zu verschiedenen Punkten dieses Bundeshaushalts Kritik, gerade wegen erheblicher Einsparungen, zum Teil bei sozialen Programmen, bei der Frage der Demokratieförderung, Integration, Umweltprogrammen oder internationaler Gerechtigkeit. Das wissen wir. Wir haben die Kritik sehr wohl vernommen. Wir haben den Haushaltsentwurf sehr genau gelesen. Wir sind auch als Fraktion nicht mit allem einverstanden. Wir werden darüber ringen. Es wurde gesagt, was wir jetzt im parlamentarischen Verfahren machen. Aber in jedem Haushaltsverfahren – nicht nur im Haushaltsverfahren dieser Koalition, sondern auch in den Haushaltsverfahren vergangener Zeiten – war es übrigens so, dass die Haushälterinnen und Haushälter, das Parlament der Haushaltsgesetzgeber ist; wir entscheiden am Ende darüber, wie der Bundeshaushalt 2024 aussieht.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Ich kann Ihnen sagen: Wir wollen einen Haushalt, der den Zusammenhalt stärkt. Wir werden zentral an Veränderungen und Verbesserungen arbeiten. Ich freue mich auf die Beratungen, wie wir diesen Bundeshaushalt noch besser und gerechter machen können.
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Haushaltsentwurf 2024 ist ein Erfolg. Wir haben in den letzten Monaten, aber auch heute erlebt, dass die Zeit des Immer-mehr vorbei ist. Jetzt stehen – das haben alle Vorredner hier, zumindest bis auf Die Linke, formuliert – Konsolidierung und Fokussierung im Zentrum der Politik, und das ist gut so. Wir halten darüber hinaus die Schuldenbremse ein. Dennoch ist der Haushalt, der jetzt vorgelegt wird, kein Sparhaushalt: 90 Milliarden Euro Mehrausgaben gegenüber 2019, davon allerdings – das gehört zur Wahrheit dazu – immer noch 66 Prozent Sozial-, Personal- und Zinsausgaben.
Diese Zinskosten, die schon angesprochen wurden, schnüren die Handlungsmöglichkeiten von uns, aber auch von den nachfolgenden Generationen hier im Haus ein. 37 Milliarden Euro Zinskosten – es kann sich jeder Fachpolitiker überlegen, was man in seinem Etat damit alles hätte tun können. Das zeigt, dass die Schuldenbremse kein Selbstzweck ist. Das zeigt, dass es gut ist, dass wir 2023 den Weg eingeschlagen haben, den wir jetzt die nächsten Jahre fortsetzen werden, meine Damen und Herren.
Die Investitionen wurden schon angesprochen: 54 Milliarden Euro im Kernhaushalt, 42 Prozent mehr Investitionen als die Große Koalition 2019 fertiggebracht hat. Deutschland wurde auf Verschleiß regiert, und das korrigieren wir jetzt. Es ist natürlich richtig, dass staatliche Investitionen private Investitionen nach sich ziehen. Dennoch: Fast 90 Prozent der Investitionen in unserem Land werden von Privaten gemacht. Deswegen liegt hier der Schlüssel für zukünftiges Wirtschaftswachstum und zukünftigen Wohlstand in unserem Land.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dennis Rohde [SPD]
Damit sind wir, meine Damen und Herren, beim Wachstumschancengesetz. Herr Middelberg, Sie waren einer der wenigen bei der Union, die sich, nachdem das Kabinett das Wachstumschancengesetz beschlossen hatte, positiv geäußert haben. Das rechne ich Ihnen sehr hoch an. Aber wo bitte ist die Union, wo bitte ist Friedrich Merz? Wer Führung in diesem Land übernehmen möchte, wer Kanzler werden möchte, muss doch zumindest in der Lage sein, den Ministerpräsidenten der von seiner Partei regierten Bundesländer mal deutliche Töne mitzugeben und zu sagen, was jetzt nötig ist, statt sich in die Büsche zu schlagen.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Damit sind wir bei den Steuerplänen der Union. Die sind offensichtlich Augenwischerei, nicht mehr; denn Herr Merz hat eben in einem Zwischenruf gesagt, dass er das mit den Steuererhöhungen gar nicht ernst meine.
Das Loch wurde gerade vorgerechnet: 30 bis 40 Milliarden Euro – allein Ihre Vorschläge vom Wochenende. Wenn Sie nicht hellhörig werden, weil Kevin Kühnert – den ich ansonsten ja schätze – Ihnen Beifall spendet, sollten Sie auf Ihre eigene Junge Union hören.
Wachstum und Konsolidierung der Ausgaben, das sind die Grundlagen für eine große Steuerreform, und dafür steht hier mittlerweile offensichtlich nur noch die FDP. Herr Frei, Sie wurden heute schon zitiert. Ich möchte es noch mal deutlich machen. Sie sagen: „Steuerliche Entlastung“ heißt bei uns nicht: volle Gegenfinanzierung im System. – Wenn, um Ihre Steuervorschläge zu finanzieren, 30 bis 40 Milliarden Euro fehlen, frage ich Sie: Wo soll’s denn herkommen? Am Ende des Tages heißt das: Wenn Sie zu dem stehen, was Sie heute früh erklärt haben, dann stehen Sie nicht mehr zur Schuldenbremse.
Das macht ganz deutlich, woran Ihre Oppositionspolitik im Bereich Haushalt – das sehen wir ja auch an der Präsenz Ihrer Fraktion – krankt: Sie sind in Ihrer Oppositionsrolle nicht in der Lage, harte Entscheidungen zumindest zu adressieren, sondern Sie machen hier wie ein Hütchenspieler Tricks. Sie sagen auf der einen Seite, Sie wollen entlasten, schüren ein bisschen Sozialneid, aber auf der anderen Seite machen Sie keine Konsolidierungsvorschläge. Das ist im Jahr 2023 Haushaltspolitik der Unionsfraktion.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Thorsten Frei [CDU/CSU]: Erhöhen Sie die Steuern, oder was? Ich verstehe Sie nicht!
Die Spielräume im Bundeshaushalt werden enger. Deswegen ist eine grundsätzliche Debatte darüber notwendig – diese beginnen wir in diesem Jahr –, was sich der Bund noch leisten kann. Die Sozialquote in diesem Haushalt ist zu hoch. Der Trend zur Verstetigung von Ausgaben über mehrere Jahre hinweg muss gebrochen werden. Und: Der Bund übernimmt immer noch Kosten in Höhe von 55 Milliarden Euro für Aufgaben, die originär bei den Ländern und den Kommunen zu verorten sind. Darüber werden wir in den nächsten Jahren diskutieren müssen, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Friedrich Merz [CDU/CSU]: Nicht diskutieren! Entscheiden!
Wir werden die Haushaltsberatungen parlamentsseitig sicherlich genauso intensiv miteinander führen, wie das Kabinett das in den letzten Monaten getan hat. Aber auch das ist eine Normalisierung. Es ist eine Normalisierung, dass man miteinander um die besten Lösungen ringt. Das ist normal für eine Demokratie, das ist gut. Ich würde mir wünschen, dass sich zumindest die Union konstruktiv an den Haushaltsberatungen beteiligt. Da ist noch ein bisschen Luft nach oben.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Regierungsentwurf ist – das haben wir heute Morgen auch wieder festgestellt – ein Abbild der Streitigkeiten in der Ampel.
Angefangen hat alles mit fehlenden Eckwerten – mit Ministerien, die sich sträuben, Sparvorschläge vorzulegen –, mit einem Kanzler, der zwischendurch mal Aushilfsfinanzminister war. Und wo sind wir geendet? Bei einem Regierungsentwurf, der als Wappentier nicht den Bundesadler hat, sondern eher den Vogel Strauß oder den Angsthasen.
Entweder verschließt die Ampel die Augen vor den Problemen in unserem Land, oder sie hat keinen Mut, die Herausforderungen mit den notwendigen, sicherlich schmerzhaften Maßnahmen anzugehen.
Stattdessen feiert man sich ab, dass man anfängt, einige wenige von den 29 Sondervermögen aufzulösen. Das ist ja erst einmal gut und richtig, das sorgt für Haushaltswahrheit und -klarheit.
Und, Herr Bundesfinanzminister, es kommt übrigens nicht auf die Zahl der Sondervermögen an, die irgendwann geschaffen wurden, sondern auf die Volumina, die außerhalb des Haushalts stehen; und da haben Sie ordentlich obendrauf gelegt.
Und so nebenbei – ein Schelm, wer Böses dabei denkt – bleiben sogar noch Gelder für den allgemeinen Haushalt übrig. Das Sondervermögen „Digitale Infrastruktur“ wird aufgelöst, ein Teil davon wird für Digitales ausgegeben, der Rest geht in den allgemeinen Haushalt. Über 2 Milliarden Euro nehmen Sie einfach für den allgemeinen Haushalt aus dem Sondervermögen. Somit spart man bei der Digitalisierung noch Milliardenbeträge ein – da wundert mich die Haltung der FDP –, anstatt sie in die Zukunft zu investieren.
Der zweite Punkt, für den Sie gefeiert werden, ist die formale Einhaltung der Schuldenbremse. Aber das steht doch in der Verfassung. Das muss doch eine Selbstverständlichkeit sein.
Das muss man hier im Deutschen Bundestag doch eigentlich gar nicht unterstreichen. Dabei verschweigen Sie – darauf komme ich gleich noch –, dass es erst Verschiebebahnhöfe möglich gemacht haben, dass Sie die Schuldenbremse einhalten. Aber wer für die Schuldenbremse ist – das haben wir ja heute Morgen an den Beifallsstürmen gesehen, die Ihre Aussagen, Herr Bundesfinanzminister, bei den Grünen und teilweise auch bei der SPD verursacht haben –,
der muss sich dann in der Koalition in diesem Punkt auch durchsetzen.
Wir glauben, neue Ausgabenprogramme würden die Inflation in diesem Land nur weiter anheizen. Das würde zu einem Ruin von Kommunen, Privathaushalten, Krankenhäusern führen; das erleben wir im Augenblick schon. Das können wir uns nicht leisten. Deswegen: Wer andauernd die Schuldenbremse infrage stellt – jetzt kommt Frau Lang auch noch mit der Idee kreditfähiger Investitionsgesellschaften –,
der versteht nicht, dass Schuldenaufnahme Schuldenaufnahme ist, egal auf welcher Ebene und egal, wie Sie das am Haushalt vorbeischieben wollen. Wenn Sie immer neue Schulden machen – dabei war Ihre Partei mal für Generationengerechtigkeit –, dann führen Sie dieses Land in den Ruin. Das können wir uns nicht leisten.
Ich möchte es sogar noch etwas stärker ausdrücken als der Kollege Middelberg vorhin: Wenn die andauernden Angriffe der Grünen auf die Schuldenbremse nicht aufhören, dann muss der Bundeskanzler hier die Vertrauensfrage stellen.
Lachen bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Otto Fricke [FDP]: Ui, ui, ui!
Es geht um die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Außerdem ist die Frage: Kann die FDP dann eigentlich noch in dieser Regierung bleiben? Wir haben eben gemerkt, wer geklatscht hat und wer nicht geklatscht hat. Die Einzigen, die da noch einen Kompass zu haben scheinen, sind die Abgeordneten der FDP, die anderen machen nicht mit. Sie von der FDP sind aber nicht in der Mehrheit in dieser Koalition. Setzen Sie sich wenigstens ein Stück weit durch!
Nun komme ich zu den Haushaltstricks – das ist ja Teil der Debatte, die wir hier führen müssen –:
Es werden Milliardenbeträge in die Sozialversicherung geschoben. Was heißt das denn für die Beitragszahler? Darüber wird nicht gesprochen. Es besteht nämlich die Gefahr von Beitragserhöhungen, dabei haben Sie die 40 Prozent Beitragsniveau längst überschritten. Es spricht jedoch in Deutschland keiner darüber. Die Sozialversicherungsbeiträge jedenfalls werden in den nächsten Jahren steigen.
Es wird von globalen Mehreinnahmen gesprochen. Aber was sind denn globale Mehreinnahmen? Das müssen wir den Bürgern in diesem Land übersetzen: Das sind Steuererhöhungen. Diese wurden von der FDP aber gerade vehement ausgeschlossen.
Wir haben erhöhte globale Minderausgaben. Das heißt: ungedeckte Schecks. Da wissen Sie noch gar nicht, wo Sie dafür einsparen wollen, da haben Sie sich nicht getraut, irgendetwas zu unterlegen.
Wir sehen, dass aus dem „Sondervermögen Bundeswehr“ mittlerweile laufende Ausgaben des Bundeswehretats finanziert werden.
Der Klima- und Transformationsfonds unterstützt jetzt die Bahn und die Chipindustrie, anstatt dass diese Mittel wie üblich aus dem normalen Haushalt kommen.
Beim Sondervermögen WSF-Energie gehen Sie, Herr Bundesfinanzminister – wir haben natürlich gelesen, was der Bundesrechnungshof dazu geschrieben hat –, möglicherweise einen Schritt zu weit: Die 200 Milliarden Euro, die in den WSF-Energie gelegt wurden, haben Sie 2022 als Schulden gebucht, tatsächlich aufgenommen wurden aber nur 30 Milliarden Euro. Ich zitiere jetzt den Bundesrechnungshof:
„Der Bundesrechnungshof hat zu jeder Facette des vom Bundesfinanzministeriums gewählten Vorgehens erhebliche verfassungs- und haushaltsrechtliche Bedenken.“
Ich glaube, darüber müssen wir uns unterhalten. Wir können keine solide Haushaltspolitik betreiben, wenn wir weiterhin diese Haushaltstricks machen.
Eigentlich müssten wir richtigerweise sagen: Der Schritt mit dem Wachstumschancengesetz war ein viel zu kleiner Schritt; es müsste viel mehr getan werden, um die Wachstumskräfte in diesem Land wieder verstärkt in den Blick zu nehmen. Stattdessen verkündet der Bundessozialminister Herr Heil neue Wohltaten, stattdessen verkündet Bundesfamilienministerin Frau Paus neue Wohltaten. Das sind die falschen Signale an die Kräfte in unserem Land, die unser Land tragen.
Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Kinder aus der Armut zu holen, ist keine Wohltat! Das ist dringend notwendig!
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Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Die Wachstumschancen sind also „Wachstumschancechen“ an dieser Stelle.
Lassen Sie uns in den Haushaltsberatungen an die normalen Menschen, an die durchschnittlichen Steuerzahler in unserem Land denken, an die Mittelständler, an die Handwerker! Lassen Sie Zeitgeistdiskussionen! Die können Sie an anderer Stelle führen, wo Sie sich noch einigen können. Wir wollen den Wohlstand in diesem Land bewahren. Lassen Sie uns die Ärmel hochkrempeln und einen Neustart wagen!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Vor ziemlich genau einem Jahr hat Putin uns den Gashahn abgedreht und wollte uns in die Knie zwingen. Und die Befürchtungen damals waren riesengroß: Wir hatten Sorge, dass es eine tiefe, tiefe Rezession geben wird, eine Insolvenzwelle, massiv steigende Arbeitslosigkeit. Wir haben über einen heißen Herbst gesprochen und über einen Wutwinter. Einige Städte haben sogar Wärmeinseln eingerichtet, damit die Bürger/-innen im Zweifel nicht frieren müssen. Gemessen an diesen Befürchtungen – das muss man nüchtern sagen – sind wir bisher einigermaßen glimpflich durch diese Krise gekommen.
Wir haben keine tiefe Rezession, wir haben ein Nullwachstum. Das ist – Dennis Rohde hat es gesagt – ein Erfolg.
Wir liegen damit international natürlich hinter anderen großen Industrieländern, aber das ist völlig logisch: Asien und Amerika hatten keinen Energiepreisschock. Wir waren abhängig von russischem Gas, wir in Europa und ganz besonders wir in Deutschland.
Zuruf von der AfD: Wie konnte das denn passieren? Fragen Sie mal Frau Schwesig!
Wir hatten einen externen Schock. Schon deshalb kann es eigentlich niemanden wundern, dass wir aktuell ein schwächeres Wachstum haben. Ich sage bewusst: aktuell.
Was mich etwas gewundert hat, war, wie schnell in der öffentlichen Diskussion das kurzfristige Auf und Ab der Konjunktur, also eine Momentaufnahme, mit den längerfristigen Wachstumsaussichten Deutschlands in einen Topf geworfen wurde. Und was mich noch mehr gewundert hat, war, mit welcher Angstlust interessierte Kreise, darunter die Union, den Teufel an die Wand malen und unser Land schlechtreden, meine Damen und Herren.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Christoph Meyer [FDP]
Die Union hat hier Maß und Mitte verloren und spricht sogar davon, dass unser Land „der kranke Mann der Welt“ sei. Wow! Der Ökonom Jan Schnellenbach hat einen klugen Ratschlag gegen solchen Alarmismus, den ich der Union gerne ans Herz legen möchte:
„Entweder sind wir gefühlter Weltmeister oder gefühlter Absteiger. Bisschen weniger Extreme, bisschen mehr Nüchternheit und Realitätssinn, dann klappt’s auch mit der Wirtschaftspolitik.“
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Meine Damen und Herren, ich habe viele der Artikel dazu gelesen, im „The Economist“, im „Spiegel“ usw. Sie auch. In all diesen Artikeln werden im Grunde die gleichen sieben Themen genannt, die wir angehen müssen, wenn wir unsere längerfristigen Wachstumsaussichten, wenn wir unser Potenzialwachstum – technisch gesprochen – wieder steigern wollen. Es gibt einen hohen Investitionsbedarf in vier Bereichen: für die klimaneutrale Transformation unserer Wirtschaft, für den schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien, für die Sanierung unserer maroden Infrastruktur und für den Wohnungsbau. Dazu kommen die drei Themen Bürokratieabbau, Digitalisierung und Fachkräftesicherung.
Das ist alles nicht neu und hat vor allem nichts mit Putin, dem Energiepreisschock oder der aktuellen konjunkturellen Lage zu tun. Das hat mit etwas anderem zu tun, meine Damen und Herren. Der Ökonom Moritz Schularick hat es im „Spiegel“ gesagt: „In den letzten 10, 15 Jahren ist enorm viel liegen geblieben.“ Das ist das Problem, meine Damen und Herren!
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Wer hat denn da eigentlich regiert?
Die gute Nachricht ist: Die Koalition lässt diese Themen nicht weiter liegen, sondern geht sie entschlossen an:
Stichwort „Investitionsbedarf“. Der neue Bundeshaushalt inklusive KTF sieht über 110 Milliarden Euro an Investitionen vor: in die Transformation unserer Wirtschaft, in den schnellen Ausbau der Erneuerbaren, in die Sanierung unserer Infrastruktur und in den Wohnungsbau. 110 Milliarden Euro, das ist dreimal so viel, wie die Regierung Merkel in ihrem besten Jahr investiert hat. Kurz und gut: Wir investieren massiv in die Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand unseres Landes.
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
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Sebastian Brehm [CDU/CSU]
Zugleich, meine Damen und Herren, entlasten wir die Wirtschaft mit dem Wachstumschancengesetz um 7 Milliarden Euro im Jahr, und wir entlasten die Wirtschaft mit dem Bürokratieentlastungsgesetz von Bürokratie im Umfang von 2 Milliarden Euro im Jahr. Und da hat der Bundesfinanzminister schon ganz recht: Das ist nicht nichts. Ganz im Gegenteil! Wir entlasten – und sichern auch damit den Wohlstand und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Und schließlich sorgen wir dafür, dass unser Land zusammenhält; denn Deutschland war immer dann stark, wenn auch der soziale Zusammenhalt stark war, meine Damen und Herren. Deshalb haben wir etwa den Mindestlohn erhöht, das Kindergeld erhöht, die Hinzuverdienstgrenzen für die Rentner/-innen verbessert. Das alles sichert unmittelbar die Kaufkraft. Und wir führen jetzt die Kindergrundsicherung ein, damit wir endlich nicht mehr so viele Kinder auf ihrem Bildungsweg verlieren.
Denn Armut und Bildungschancen und Erfolg auf dem Arbeitsmarkt hängen eben eng zusammen. Kurz und gut: Wir halten unser Land zusammen und sichern auch damit die Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand unseres Landes, meine Damen und Herren.
Sie will die Stromsteuer senken, die Unternehmensteuern senken, die Einkommensteuer für fast alle senken, die Grunderwerbsteuer senken. Die Steuern für Überstunden will sie ganz abschaffen und die Sozialausgaben deckeln.
Patrick Schnieder [CDU/CSU]: Und was wollen Sie? Das wird noch viel teurer! Industriestrompreis!
Davon wird sie keinen Millimeter abweichen, sagt Herr Linnemann. Kürzungen im Bundeshaushalt will sie aber auch nicht; jedenfalls hat sie sich in den letzten Wochen gegen praktisch alle öffentlich diskutierten Kürzungsvorschläge im Regierungsentwurf positioniert. Kurz und gut: Die Union will den Kuchen verschenken, sie will ihn selber essen, und sie will ihn für später aufheben. Alles gleichzeitig!
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
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Sebastian Brehm [CDU/CSU]: Toller Vergleich!
Meine Damen und Herren, wenn bei der Union wieder Jahrmarkt im Himmel ist und immer noch „Wünsch dir was“ gespielt wird, kann ich nur sagen: Das ist keine seriöse Politik. Nein, so geht es nicht!
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Wir müssen uns als Politik schon die Mühe machen, ganz konkret und sehr ernsthaft die genannten sieben Themen anzugehen.
Unser Weg als Ampelkoalition ist klar. Wir investieren, wir entlasten, und wir halten unser Land zusammen. Und unser Ziel ist klar: mehr Wohlstand für alle und eine bessere Zukunft für unsere Kinder.
Wertes Präsidium! Meine Damen und Herren! Liebe Landsleute!
„Alle Parteien der Industriestaaten, ob rechts oder links, werden die CO2-Erderwärmungstheorie übernehmen. Dies ist die einmalige Chance, die Luft zum Atmen zu besteuern. Weil sie damit angeblich die Welt vor dem Hitzetod bewahren, erhalten die Politiker dafür auch noch Beifall. Keine Partei wird dieser Versuchung widerstehen.“
Diese weisen Worte sagte schon 1998 der damalige Herausgeber der berühmten Wissenschaftszeitung „New Scientist“, Nigel Calder, dem ZDF-Journalisten Günter Ederer. Nur in einem Fall irrte er sich; denn die AfD stellt sich klar gegen diesen zur Religion erhobenen Irrsinn.
Sechs Jahre zuvor kam es zur Initialzündung dieser zerstörerischen Ideologie durch die UN-Nachhaltigkeitskonferenz in Rio de Janeiro, und nur drei Jahre später wurde durch die verkappte Kommunistin Angela Merkel
Lachen bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
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Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Der war gut!
die erste Klimakonferenz in Berlin eingerichtet. Nigel Calder sollte recht behalten – und das in einem Ausmaß, das selbst die schlimmsten damaligen Befürchtungen übersteigt.
Die Erderwärmungstheorie, wie Calder sie noch korrekt nannte, erlaubt den Politikern der Altparteien, mit ihren klebrigen Fingern ihren Bürgern immer ungenierter, immer tiefer und immer öfter in die Tasche zu greifen.
Begründet wird das mit dem hehren Ziel der Weltenrettung – und das mit gerade mal 1,8 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Deutscher Größenwahn in grün-kommunistischem Gewand, mit der Folge, um es in Habeck’scher Manier zu formulieren: Beim Wirtschaftswachstum sind wir nicht Letzter, es ist nur niemand mehr hinter uns.
Wäre diese Politik nicht so entsetzlich zerstörerisch, könnte man nur noch über sie und ihre ebenso anmaßenden wie arroganten Vertreter lachen. Genau von diesen arroganten Vertretern wird das Volk immer unverschämter ausgeplündert, um mit dem Abgepressten Segensreiches zu tun. Behauptet doch das Finanzministerium unverfroren, das Sondervermögen „Klima- und Transformationsfonds“ ermöglicht zusätzliche Programmausgaben zur „Förderung einer umweltschonenden, zuverlässigen und bezahlbaren Energieversorgung“ und zum „Klimaschutz“. Im Klartext: Man plündert den Bürger zunächst unter dem Vorwand des Klimaschutzes aus, verknappt die Energie in bisher unbekanntem Maße, treibt auf diese Weise die Preise dafür in nie dagewesene Höhen, schröpft den Bürger zusätzlich per CO2-Steuer, indem man ihn die Luft zum Atmen bezahlen lässt, und behauptet dann rotzfrech, dass dieses Geld dazu diene, eine zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung sicherzustellen. Was für eine dreiste Lüge!
Die, die von diesem Geld am meisten profitieren, sind die Wind- und die Solarindustrie aus China, Fracking-Gas-Unternehmen und neuerdings Wärmepumpenhersteller aus den USA. Politik im deutschen Interesse? Fehlanzeige!
Die einzige Partei, die schon immer deutsche Interessen vertritt und dies auch in Zukunft tun wird, ist die Alternative für Deutschland. Wir fordern, den Klima- und Transformationsfonds mit immerhin circa 70 Milliarden Euro aufzulösen, alle CO2-Bepreisungen ersatzlos zu streichen und zu einer vernunftgeleiteten Energiepolitik inklusive Kernkraft zurückzukehren.
Und im Übrigen bin ich der Meinung: Wer Grün wählt, wählt den Krieg.
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ein Satz, der wahrscheinlich in jeder Haushaltsdebatte irgendwann fällt, ist: Haushaltspolitik bedeutet, Prioritäten zu setzen. – Und dieser Satz ist richtig. Das Gegenteil stimmt aber auch; denn die Zeiten, die bei Ihnen noch ausschlaggebend waren, liebe Union, in denen man sagen konnte: „Wir machen Wirtschaft oder Klimaschutz, wir machen Wirtschaft oder Soziales“, sind vorbei.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
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Peter Boehringer [AfD]: Nein, das ist freie Marktwirtschaft!
Ich war im Sommer in Deutschland unterwegs. Ich war in Werkshallen, ich war bei Betriebsräten, ich war bei Vorständen, und eines war überall klar: Jetzt ist die Zeit, zu investieren. – Klar ist nämlich, dass sich jetzt entscheidet, ob die deutschen Unternehmen in Zukunft in der Lage sein werden, erfolgreich zu sein und auf den internationalen Märkten mitzuspielen. Deswegen tun wir jetzt das, was die Union über so viele Jahre verweigert hat. Wir machen endlich eine aktive Wirtschafts- und Industriepolitik.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Ich mache es Ihnen konkret: 1 Milliarde Euro für Salzgitter lösen private Investitionen aus. Das bedeutet, dass 1 Prozent der CO2-Emissionen Deutschlands eingespart werden. Das bedeutet, dass wir hier bei uns neue Fähigkeiten aufbauen, nämlich klimaneutralen Stahl zu produzieren. Das bedeutet aber auch, dass wir Tausende von Jobs hier in Deutschland halten, weil die Leute eine Perspektive kriegen, Stahl zu produzieren und in Deutschland gute Arbeit zu leisten.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Das Gleiche gilt für Northvolt in Schleswig-Holstein: Es ist gut, dass Batteriezellen jetzt dort produziert werden, weil das zu Klimaschutz beiträgt, weil das die Wirtschaft stärkt und weil das für gute Jobs in Deutschland sorgt.
Die Ansiedlung von Intel in Magdeburg oder die von Bosch in Dresden bedeuten ein Ökosystem für Zukunftsinvestitionen. Das bedeutet Wohlstand; das bedeutet Klimaschutz, und es bedeutet gute Jobs für Menschen, die genau das suchen. Und genau das sind wir ihnen schuldig.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Ich könnte das fortsetzen.
Jetzt entscheidet sich, wo künftig Halbleiter produziert werden. Jetzt entscheidet sich, wo Solarpanele produziert werden. Jetzt entscheidet sich, wo die Batteriezellproduktion der Zukunft stattfindet. Wir sind absolut klar bei dieser Frage: All das muss hier in Deutschland passieren; all das müssen wir hier hinkriegen, damit wir in Zukunft eine starke Wirtschaft haben und gleichzeitig den Menschen das geben, was sie brauchen, nämlich gute Jobs, gute Löhne, Tarifbindung, damit die Menschen wissen: Es lohnt sich, hier zu arbeiten, es lohnt sich, Geld zu verdienen, nach Hause zu kommen, den Kredit abzuzahlen und am Ende des Monats auch für die Familie noch was übrig zu haben.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
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Sebastian Brehm [CDU/CSU]
Das steht im Mittelpunkt, und wir schaffen es mit diesem Haushalt, das voranzutreiben.
Bei alldem sollte man denken, dass das selbstverständlich sei – ist es aber nicht. Die Union hat über Jahre Zukunftsinvestitionen abgewürgt. Sie hat über Jahre Zukunftstechnologie nicht hier angesiedelt. Sie hat uns über Jahre von fossilem Gas abhängig gemacht. Und all das hat sie am Ende damit verbunden, immer und immer wieder gegen gute Löhne zu kämpfen. Ich erinnere mich daran, als Sie hier die Zustimmung für 12 Euro Mindestlohn verweigert haben. Das ist das, was mit Ihnen nach Hause geht. Es könnte immer mehr sein; das ist richtig. Aber was wir als Ampel jetzt machen, ist ein Richtungswechsel, und der ist dringend nötig.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Christoph Meyer [FDP]
Der Richtungswechsel gilt auch mit Blick auf Menschen, die weniger Geld haben. Ich sage Ihnen mal, Herr Haase, wen Sie gerade als „unnormal“ in dieser Gesellschaft bezeichnet haben: Das ist die alleinerziehende Mutter, die jeden Tag arbeiten geht und am Ende des Monats nicht das kriegt, was ihr zusteht. Um genau diese Menschen geht es, wenn wir über die Kindergrundsicherung sprechen,
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Wir machen Schluss mit der ideologischen Scheuklappe: Wirtschaft oder Klimaschutz, Wirtschaft oder Soziales. Alles in einem Konzept zusammenführen – das ist, was Sinn macht, und das tun wir in dieser Ampel.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, Herr Bundesfinanzminister, wir haben strukturelle Probleme. Wir haben zum Beispiel eine Investitionslücke bei Straßen, Brücken und der Schiene. Uns fehlen bis 2030 sage und schreibe 370 Milliarden Euro.
Und ohne zusätzliche Einnahmen, Herr Audretsch, bleibt die ruinöse Situation so, wie sie ist. Und es gehört eben zur Wahrheit, dass die Ampel einnahmeseitig total blank ist:
keine Erhöhung der Reichensteuer für die oberen 10 Prozent, keine Börsentransaktionsteuer, keine Erbschaftsteuer, die ihren Namen verdient, keine richtige Übergewinnsteuer.
Und gleichzeitig verschleudern Sie Einnahmen mit Ihrem sogenannten Wachstumschancengesetz. Abgesehen davon, dass die Länder und die Kommunen 60 Prozent der Rechnungen zahlen werden,
Otto Fricke [FDP]: Sie haben auch 60 Prozent der Einnahmen!
sind die Steuersenkungen weder zielgenau noch in der Dimension angemessen.
Herr Fricke, eine 4-Billionen-Volkswirtschaft mit 7 Milliarden Euro an Steuergeschenken pro Jahr anzukurbeln, ist so, wie die „AIDAcosma“ mit einem Kanupaddel beschleunigen zu wollen.
Was mich besonders empört, meine Damen und Herren von der Ampel, vor allen Dingen von SPD und Grünen – da bin ich wirklich enttäuscht –, ist, dass Sie die Gewinner der Energiekrise vom Haken gelassen und auf notwendige Einnahmen verzichtet haben.
Es ist doch wirklich lächerlich, dass Sie bei den Stromerzeugern gerade einmal 400 Millionen Euro an Übergewinnen abgeschöpft haben, und das auch nur für das erste Halbjahr 2023. Die fetten Monate von 2022 haben Sie nämlich außen vor gelassen. Nur zum Vergleich: Die Haushalte mussten wegen der Preiserhöhungen zweistellige Milliardensummen mehr bezahlen. Ich frage Sie: Wo sind sie denn hin? Deshalb brauchen wir eine echte Übergewinnsteuer in Deutschland.
Das kann ich Ihnen nicht ersparen, meine Damen und Herren, gerade von den Grünen und der SPD: Sie sind auf der Einnahmeseite ein steuerpolitischer Totalausfall geworden.
Gleichzeitig sind Sie sich aber nicht zu schade, den Leuten da draußen in die Tasche zu greifen, wenn Sie den Mehrwertsteuersatz bei Gas, bei Fernwärme und bei der Gastro ab dem 1. Januar 2024 um 12 Prozentpunkte erhöhen.
Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Ahnung braucht man nicht! Kenntnis braucht man!
Ich würde sogar, wenn es nur 1 Euro wäre, sagen: Es ist dann eine vernünftige Steuerreform, wenn sie für etwas sorgt, was wir alle brauchen, nämlich die Bereitschaft unserer Bevölkerung, die Bereitschaft all derjenigen, die mitmachen, auch der Unternehmer, zu sagen: Es lohnt sich, in diesem Land zu investieren. – Das wird unsere Aufgabe sein – dafür ist jeder Cent es wert – und nicht diese Kleinkrämerei, wie Sie sie betreiben, weil Sie nur an Staatsdirigismus glauben.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Meine Damen und Herren, wenn wir über diesen Haushalt reden, dann kommt ja immer – ich will mich jetzt mehr auf die generellen Einwürfe konzentrieren –, das sei ein Sparhaushalt, das sei ein Kürzungshaushalt. Ganz ehrlich, wie machen Sie das denn zu Hause? Wie ist denn das, wenn Sie im Vorjahr große Ausgaben hatten, etwa weil etwas kaputtgegangen ist oder Ähnliches mehr? Sagen Sie dann: „Ich muss aber im nächsten Jahr genauso viel ausgeben. Es könnte ja wieder was kaputtgehen“? Oder sagen Sie: „Ich gehe wieder auf das Normalmaß zurück, damit ich, wenn mal wieder eine Krise kommt, darauf reagieren kann“? Genau das macht diese Koalition: Nach drei Jahren, in denen wir Notsituationen aus unterschiedlichsten Gründen hatten, gehen wir auf das Normalmaß zurück.
Jetzt sagen viele: Stimmt doch gar nicht! Ich höre, überall werde gekürzt. Schauen wir uns das einfach mal an: Wo waren wir vor der Krise? Bei 356 Milliarden Euro Ausgaben. Wo sind wir jetzt?
Das heißt, wir sind auf der ganz normalen Geraden weiterhin in einem Anstieg, der mir ein bisschen zu hoch ist. Aber von Sparhaushalt, von Kürzen, von Streichen kann an der Stelle wirklich nicht die Rede sein.
Dann kommen noch die klugen Leute von der CDU, die keine Sparvorschläge haben, aber gerne alles kritisieren, auch wenn es auf ihre eigenen Geschichten zurückgeht, was da passiert. Selbst dann, wenn wir noch die Inflation rausrechnen, sind es 19 Milliarden Euro mehr, die diese Regierung in diesem Normalisierungshaushalt für all die Dinge, die sowohl im Bereich des Sozialstaates, im Bereich der Umwelt, aber auch in der Frage, wie wir Investitionen fördern, notwendig sind, bereitstellt. Das ist das, was eine Koalition schaffen kann, wenn sie nach Diskussionen, meinetwegen auch nach Streit, am Ende ein Ergebnis findet. Wer sich nicht streitet, der hat schon verloren, und wer nur meckert, beteiligt sich nicht am Diskurs. Das sollten wir immer wieder sehen, wenn es um unsere Demokratie geht, meine Damen und Herren.
Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Dann kommt immer wieder dieses „die Schuldenbremse, die Schuldenbremse“. Ich kann da nur in Richtung der linken Ecke sagen: Das ist die Verfassung. Und wer eine Verfassung aushebeln will,
Christian Görke [DIE LINKE]: Machen Sie doch selber!
der muss sich überlegen, welches Verständnis er von der Verfassung an der Stelle hat. Das ist dann die Aufgabe.
Zur Haushaltswahrheit und -klarheit gehört dann eben auch, mal genauer zu gucken, was an Kürzungen da ist. Da kommen ja immer wieder so Messages, gerne von der CDU/CSU, wo steht: Oh, ihr kürzt beim BAföG! – Es stellt sich nachher heraus: Tun wir gar nicht. Wir stellen ausreichend Mittel zur Verfügung, wir nutzen die Ausgabereste, und am Ende wird kein einziger BAföG-Empfänger weniger bekommen.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Dann das Thema Investitionen. Der Minister hat es bereits in der Einbringung angesprochen. Ich will aber eine Sache dabei vorschieben: Wir müssen uns immer wieder darüber klar werden, dass Investitionen in Deutschland nicht wie die Staatsquote zu 50 Prozent beim Staat und 50 Prozent bei der Privatwirtschaft liegen, sondern sie finden ungefähr im Verhältnis 85 Prozent Privatwirtschaft, 15 Prozent Staat statt. Jetzt wollen wir private Investitionen weiter hochführen, indem wir steuerliche Anreize geben. Die mögen nach Meinung der Linken zu klein sein, und ich freue mich ja, dass die Linken noch für höhere steuerliche Anreize für Investitionen sind.
Die CDU/CSU hat sich aber schon entschieden und sagt: Steuerliche Anreize für private Investitionen lehnen wir ab. – Da zeigt sich das komische und krude Verhältnis der CDU/CSU zu Investitionen: Als es nämlich einen Überschuss im Bundeshaushalt gab, insbesondere von 2014 bis 2019 – Sie wissen, wer Finanzminister war –, hat die CDU/CSU nicht gesagt: Okay, dann investieren wir mehr, weil die Straßen marode sein könnten. Dann investieren wir mehr, weil wir mehr für Schulen tun müssen,
Beifall der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
obwohl dafür eigentlich die Länder, die ja heute hier auch wieder nur spärlich vertreten sind, zuständig sind. – Was hat die CDU/CSU vielmehr gemacht? Sie hat gesagt: Nö, mehr Investitionen, obwohl wir das nach der Schuldenbremse machen könnten, wollen wir nicht. Investitionen sind nicht wichtig.
Und was macht diese Koalition jetzt? Auf allen Ebenen erhöht sie die Investitionen: in absoluten Zahlen, gemessen am Prozentsatz im Verhältnis zum Gesamthaushalt und bezogen auf das Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. Das ist das, was eine Zukunftskoalition, die nach vorne schaut, macht. Das ist der Unterschied zu dem, der einfach nur auf eine schwarze Null guckt. Da frage ich mich übrigens: Wo ist eigentliche Ihre Position mit der schwarzen Null? Haben Sie die inzwischen vergessen? Was sind Ihre Positionen an dieser Stelle?
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Meine Damen und Herren, ich will es ehrlicherweise sagen: Da kam doch jetzt dieser neue Begriff der echten NKA des Bundesrechnungshofes, wo man das Gefühl hat, dass die in der Bundeshaushaltsordnung falsch oder – sagen wir es freundlich – unecht ist. Ich sage nur: Es gelten die Gesetze.
Schauen wir uns mal die Liquidität der letzten Jahre an: 2019 waren es 12 Milliarden Euro echte NKA nach Meinung des Rechnungshofes, 2020 – alles unter CDU-Führung – waren es 151 Milliarden Euro und 2021 197 Milliarden Euro. Ihr habt die echte NKA auf 197 Milliarden Euro hochgefahren. Und was schaffen wir im Haushalt 2024? Wir halbieren eure NKA. Das hättet ihr mal schaffen sollen, statt uns solche Haufen an Schulden und ähnlichen Dingen zu überlassen.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zum Schluss. Bei den Flippers gibt es dieses schöne Lied „Septemberwind“. Den hatte ich mir eigentlich vonseiten der CDU/CSU gewünscht. Aber ich muss sagen: Das ist eher eine Flaute. Von Ihnen kommen keine konkreten Einsparvorschläge. Gleich kommt die Debatte zum Haushalt des Ministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend; dann werden alle Vertreter Ihrer Fraktion, die jetzt noch gar nicht da sind, sagen, wie viel mehr ausgegeben werden muss.
Sebastian Brehm [CDU/CSU]: Ihre Regierung ist auch nicht da!
Kollegin Bär will bis zu 2 Milliarden Euro mehr ausgeben. Das ist eben der Unterschied. Sie sagen heute hier wieder: „Ihr müsst mehr sparen; ihr müsst vernünftiger sein!“, aber werden die restliche Haushaltsdebatte über wieder sagen, wo mehr auszugeben ist.
Ich bleibe dabei und hoffe – Frau Präsidentin, ich komme zum Schluss –, dass es bei „König Heinrich der Sechste“ – Shakespeare –, Fünfter Aufzug, Siebente Szene bleibt: „For here, I hope, begins our lasting joy“. So hoffe ich, dass unsere Haushaltsberatungen hier zu unserer dauerhaften Freude erfolgen. Ich bin mir ziemlich sicher: Wir bekommen auch diesen Haushalt hin.
Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
PVizepräsidentin Petra Pau: Liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Kollege Fricke, wir sind ja noch am Anfang der Haushaltswoche. Ich bitte, im weiteren Verlauf der Woche die beliebten Zitate und anderes gleich in die Redezeit einzupreisen, ja?
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Kollege Fricke, Sie sind jetzt schon der Zweite – nach dem Finanzminister –, der uns in der heutigen Debatte vorwirft, dass wir die schwarze Null eingehalten haben. Sie gerieren sich hier als Retter der Schuldenbremse,
was der Bundesrechnungshof Ihnen ja eindeutig nicht durchgehen lässt. Dabei verschweigen Sie aber, dass es neben der Schuldenbremse auch um die Einhaltung des Stabilitäts- und Wachstumspakts geht. Das heißt, wir waren gezwungen, mit dem Schuldenstand unter 60 Prozent des BIP zurückzukehren. Wenn wir das nicht getan hätten, dann wären Ihre finanziellen Schwierigkeiten heute deutlich anders.
Otto Fricke [FDP]: Dann hättet ihr keine Rücklage bilden können!
Ich finde es einfach unfair, dass Sie immer nur die halbe Wahrheit erzählen. Die Schuldenbremse in Deutschland ist gar nicht scharf genug; zusätzlich muss die europäische Regel eingehalten werden. Das ignorieren Sie hier einfach.
Otto Fricke [FDP]: Das stimmt einfach nicht! Das ist einfach falsch!
Liebe Kolleginnen und Kollegen, nach einer neuen Allensbach-Umfrage glaubt die Mehrheit in Deutschland nicht mehr, dass Deutschland in zehn Jahren noch zu den führenden Wirtschaftsnationen gehört. Diese negative Stimmung müssen wir ernst nehmen, auch wenn ich angesichts der ideenreichen, fleißigen Menschen in Deutschland und der innovativen Unternehmen optimistisch bin, dass wir auch diese Flaute überstehen werden. Dafür ist es allerdings erforderlich, dass wir zusammenstehen, die Ärmel hochkrempeln und loslegen.
Was macht die Regierung? Die Regierung krempelt die Ärmel hoch und streitet sich. In meinem Manuskript steht noch, dass Sie den ganzen Sommer gebraucht haben, um beim Wachstumschancengesetz einen Kompromiss zu finden. Nach der Rede von Ihnen, Kollege Sven-Christian Kindler, bin ich nicht so optimistisch, dass das überhaupt stimmt. Denn Sie haben – O-Ton – gesagt, dass Sie zwar die Investitionsprämie richtig finden, dass Sie aber beim Rest des Wachstumschancengesetzes erst mal gucken, ob es nicht Mitnahmeeffekte gibt.
Herr Kollege Lindner, Sie haben noch einen großen Kampf vor sich. Dabei haben Sie in vielen Punkten abgeschrieben, was wir schon in der letzten Legislaturperiode gefordert haben. Das tun Sie gerne; das freut uns. Nur leider haben Sie es nicht richtig gemacht.
Investitionsprämie. Einverstanden. Sie bleibt aber natürlich weit hinter den Superabschreibungen zurück, die Sie versprochen haben.
Forschungsförderung. Da haben Sie uns an Ihrer Seite. Das sollten wir tun, damit wir in zehn Jahren noch an der Spitze der Wirtschaftsnationen stehen.
Beim Verlustrücktrag haben Sie zwar den Text unseres Antrags mit der dreijährigen Verlängerung des Verlustrücktrages abgeschrieben, aber leider ein Jahr zu spät, sodass das dritte Jahr genau in ein Coronaverlustjahr fällt und sich der Verlustrücktrag damit für die meisten Unternehmen nicht mehr rechnet.
Thesaurierungsbegünstigung. Lassen Sie uns doch bitte über den Referentenentwurf abstimmen; denn da stand die Verwendungsreihenfolge noch drin. Damit hätten Sie die Thesaurierungsbegünstigung für kleine und mittelständische Unternehmen tatsächlich attraktiv gemacht. Das, was jetzt übrig bleibt, beinhaltet zwar das Stichwort – das musste offensichtlich kommen in dem Gesetz –, ist aber keine wirkliche Hilfe.
Degressive Abschreibung. Auch das ist eine Forderung von uns; auch das unterstützen wir. Aber wer kommt denn auf die Idee, diese unterjährig am 1. Oktober in Kraft zu setzen, wo das Gesetz erst am 15. Dezember beschlossen wird? Ja, ich weiß, das ist eine Begünstigung; aber es ist doch nicht sinnvoll. Das führt doch zu zusätzlicher Bürokratie. Wer macht solche Gesetzentwürfe?
Degressive AfA beim Wohnungsbau. Auch das ist eine Forderung von uns, und auch das werden wir unterstützen. Aber warum gehen Sie dann nicht weiter wie wir in unserem Antrag, in dem wir zusätzliche Unterstützung für den sozialen Wohnungsbau fordern? Man kann doch nicht in den Markt eingreifen und sagen: „Wir dürfen die Mieten nicht weiter steigen lassen“, und auf der anderen Seite bei den gestiegenen Kosten nicht unterstützen.
Lachen bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist eine super Idee!
Aufbewahrungspflichten. Sie kündigen parallel zum Gesetzgebungsverfahren für den Haushalt ein Bürokratieentlastungsgesetz an. Und Sie kündigen an, dass die Aufbewahrungspflichten auf acht Jahre reduziert werden. Wie das zu den zehnjährigen steuerlichen Verjährungsfristen passt,
werden Sie uns dann bestimmt im Gesetzgebungsverfahren erklären.
Was Sie uns aber schon jetzt erklären könnten – Sie haben es in Ihrer Rede bewusst nicht getan, weil es Ihnen unangenehm ist; das weiß ich ja –, ist die steigende Bürokratie durch die nationalen Anzeigepflichten. Das widerspricht dem Bürokratieentlastungsgesetz. Die grenzüberschreitenden Anzeigepflichten auch national runterzubrechen, macht so viel Bürokratie. Das hätten Sie wissen können und bei der Gestaltung der nationalen Anzeigepflichten im Wachstumschancengesetz berücksichtigen müssen.
27 000-mal meldeten Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen und musste das Bundeszentralamt für Steuern Dinge in die Hand nehmen, und der Effekt ist gleich null. Und weil das so schlecht geklappt hat, setzen Sie das jetzt auch national um.
Sie können sich Ihr Bürokratieentlastungsgesetz sparen. Die acht Stellen, die jetzt zusätzlich gefordert werden, geben Sie besser den Migrationsdiensten oder den Bundesfreiwilligendiensten; das wäre sinnvoll.
Besteuerung der Gaspreisentlastung. Jetzt will ich mal nicht undankbar sein. Ich freue mich ja, dass, nachdem ich ein Jahr versucht habe, Ihre Koalitionskollegen im Finanzausschuss davon zu überzeugen, dass eine Besteuerung der Dezember-Soforthilfe und der Gaspreisbremse nicht sinnvoll ist, Sie es in dieses Gesetz reingeschrieben haben. Das finde ich gut. Das befürworte ich; darüber freue ich mich. Schade nur, dass Ihre Kolleginnen und Kollegen in dem Jahr vorher Hunderte Millionen Euro Kosten verursacht haben – bei Unternehmen, bei Verwaltern, bei Energieunternehmen –, weil sie denen Pflichten auferlegt haben, die diese jetzt sinnloserweise erfüllt haben. Dieses Geld hätte man anderswo besser ausgeben können.
Zum Schluss. Herr Kollege Meyer, die FDP mag sich ja als Retter der Schuldenbremse darstellen, aber gleichzeitig die Länder beschimpfen, dass diese bei der Aufstellung ihrer Haushalte auch auf die Schuldenbremse gucken, das passt nicht zusammen.
Otto Fricke [FDP]: Dann sollen sie nicht immer Geld von uns fordern!
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Christoph Meyer [FDP]: Aber nicht zulasten des Bundes!
Wenn der Finanzminister die Länder vorher in das Verfahren eingebunden hätte, dann würden sie – zu Recht – jetzt auch nicht so ruppig reagieren. Ich bin sicher: Wir finden Kompromisse.
Matthias Hauer [CDU/CSU]: Ich hätte jetzt erst mal eine Entschuldigung erwartet!
die Coronakrise, der Angriffskrieg in der Ukraine, die hohen Preissteigerungen, die damit einhergegangen sind. Auch die Bekämpfung des menschengemachten Klimawandels, die sogenannte Transformation unserer Wirtschaft, unserer Energieversorgung, werden uns, der Gesellschaft, einiges abverlangen. Manche Menschen sind, so sagt es der Soziologe Steffen Mau, „veränderungserschöpft“.
Manche Parteien vermitteln den Eindruck, dass alles so bleiben kann, wie es ist.
Ich erinnere beispielsweise an den Ausbau der erneuerbaren Energien in der letzten Legislaturperiode, wo der Kollege Altmaier und die Union mit falschen Zahlen verhindert haben,
dass wir den notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien auf den Weg bringen.
Wir werden und wollen diese Veränderung mit diesem Haushalt gestalten, damit es anders, damit es zukunftsgewandt, damit es besser wird. Auch mit den anstehenden Steuergesetzen beschreiten wir genau diesen Weg des Fortschritts und der Veränderung, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Andere Volkswirtschaften machen sich auf den Weg, beispielsweise die USA mit den Demokraten, mit dem US-Präsidenten Joe Biden. Auch wir werden mit dem Wachstumschancengesetz Impulse setzen – für Investitionen, für Innovationen mit zielgerichteten Maßnahmen. Ja, wir werden die sogenannten Superabschreibungen, eine Investitionsprämie für klimafreundliche Investitionen, jetzt auf den Weg bringen. Wir werden die Abschreibungsmöglichkeiten für Investitionen in bewegliche Wirtschaftsgüter für die Wirtschaft verbessern. Wir werden auch die Abschreibungsmöglichkeiten für den Wohnungsbau stark verbessern, weil wir die Probleme auf dem Wohnungsmarkt dringend angehen müssen: Wir müssen mehr Wohnungen bauen.
Frau Tillmann, wir haben auch im letzten Jahr mit dem Steuergesetz mehrere Impulse für den Wohnungsbau gesetzt – mit einer Deckelung der absetzbaren Baukosten, damit auch bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird. Das haben Sie vergessen hier zu erwähnen. Wir bringen hier Zukunftsinvestitionen auf den Weg. Und das ist gut so, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Im Hinblick auf die aktuelle Debatte auch in den Ländern und Kommunen werden wir ganz genau prüfen, wie zielgerichtet die Maßnahmen sind. Wir schauen auch auf die Kosten; das ist ganz klar. Wir werden uns die Maßnahmen im parlamentarischen Verfahren anschauen.
Einige Vorhaben werden für mehr Steuerfairness sorgen, für weniger Bürokratie. Dass gerade von Ihnen die Kritik an der nationalen Anzeigepflicht für Steuergestaltungsmodelle kommt, wundert mich nicht.
Sebastian Brehm [CDU/CSU]: Sie verstehen es nicht!
Wir wollen aggressive Steuergestaltungsmodelle erkennen. Wir wollen ein Feld bestellen, einen Markt schaffen, auf dem alle Unternehmen gleichberechtigt sind, und keinen, auf dem einige Vorteile aus Steuergestaltungsmodellen ziehen. Und das gehen wir jetzt an. Das ist richtig so; das sorgt für mehr Steuergerechtigkeit, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Der Finanzminister hat richtig gesagt: Das Zukunftsfinanzierungsgesetz wird beispielsweise für einen leichteren Zugang für Unternehmen zu den Kapitalmärkten sorgen. Wir werden bessere Rahmenbedingungen für unsere Start-ups schaffen. Wir wollen Start-up-Land Nummer eins in Europa werden. Das werden wir mit diesem Zukunftsfinanzierungsgesetz auf den Weg bringen.
Wir werden Unternehmen für die Zukunft fit machen, Arbeitsplätze erhalten, neue, innovative Arbeitsplätze schaffen; auch das gehen wir mit diesem Haushalt an, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Beifall bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Andreas Audretsch [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
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Sebastian Brehm [CDU/CSU]: Da klatscht ja nicht mal die eigene Fraktion!
Zahlreiche Untersuchungen haben aber gezeigt – das ist ein zweiter wichtiger Bereich dieses Haushalts –: Zu große Ungleichheit ist nicht nur sozial ungerecht, sondern schadet auch volkswirtschaftlich. Für eine gute Zukunft müssen die Menschen in diesem Land diese Veränderungen, die wir auf den Weg bringen wollen und müssen, mitgestalten können. Sie müssen mitgenommen werden; sie müssen partizipieren; sie brauchen Sicherheit. Und, Herr Haase und liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU/CSU-Fraktion, deshalb sind Tarifbindung, gute Löhne, eine auskömmliche Rente, ein stark erhöhtes Kindergeld, die Kindergrundsicherung und mehr Wohngeld, all diese Fragen der sozialen Absicherung keine Wohltaten, kein „Sozialklimbim“, sondern ein wesentlicher Bestandteil für ein auch wirtschaftlich erfolgreiches Deutschland und sozialen Zusammenhalt, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Wo er recht hat, hat er recht!
Deshalb zur Opposition, wenn ich gerade dabei bin: Der Bundesfinanzminister hat ja vollkommen recht, wenn er sagt, dass die Reden der Unionsfraktion, der Oppositionsfraktionen insgesamt, zum Haushalt im Grunde sehr substanzlos waren. Sie wollen mit der Gießkanne Milliarden ausschütten, was sich teilweise widerspricht, teilweise unnütz ist, teilweise überhaupt nicht in ein Gesamtkonzept passt
und vor allen Dingen für Mindereinnahmen sorgen würde. Eine Senkung der Stromsteuer, die Sie beispielsweise verlangen, würde 6 Milliarden Euro Mindereinnahmen bedeuten! Und Sie bringen wie immer keinen einzigen Vorschlag, wie wir das gegenfinanzieren sollen. Das sind Wolkenkuckucksheimanträge. Und deshalb ist es auch unseriöse Haushalts- und Steuerpolitik, die Sie hier betreiben, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zuletzt: Zukunft gelingt nicht mit denen, die die gesellschaftliche Spaltung vorantreiben. Das schaffen wir mit einem positiven, zukunftsgewandten, offenen gesellschaftlichen Klima im Inneren wie nach außen.
Sebastian Brehm [CDU/CSU]: Sie waren ja vorsichtig vor der Sommerpause!
Anders als manche in der Opposition suggerieren wollen: Die große Mehrheit der Menschen in diesem Land will Veränderungen gestalten. Sie wollen mitgenommen werden. Wir werden mit diesem Haushalt, mit diesen Steuergesetzen diesen Weg beschreiten und für eine gute Zukunft sorgen.
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Vor einem Jahr, bei der Einbringung des Bundeshaushalts 2023, war die Lage extrem unsicher. Ende August war der Gasfluss aus Nord Stream 2 von der russischen Seite abgestellt worden. Wir hatten ökonomische Analysen auf dem Tisch liegen, die für diesen Fall einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 6 Prozent prognostizierten. Wir wissen heute, dass das so nicht eingetreten ist.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Unsere Wirtschaft stagniert, aber ein drastischer Einbruch konnte verhindert werden. Das haben wir unseren Bürgerinnen und Bürgern zu verdanken, unseren Unternehmen, die sehr vernünftig und solidarisch agiert haben, gerade im Winter. Und das haben wir unserem Wirtschaftsminister, das haben wir dieser Bundesregierung und dieser Koalition zu verdanken,
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Achim Post [Minden] [SPD]
die alles dafür getan hat, dass wir ausreichend Gas fürs Heizen und für unsere Wirtschaft hatten.
Dennoch: Wir stehen vor großen Herausforderungen. Wir haben ein Preisproblem. Insbesondere für die Großverbraucher, für unsere energieintensiven Unternehmen, die zum Kern unserer Industrie gehören, sind die Energiepreise im Allgemeinen und die Gaspreise im Besonderen zu hoch.
Sebastian Brehm [CDU/CSU]: Ja, dann reduzieren Sie doch die Steuern!
Mit Oster-, Sommer- und Solarpaketen haben wir uns entschlossen auf den Weg gemacht, aber das geht nicht über Nacht. Wir brauchen ergänzend zu diesen Vorhaben eine schnelle Reaktion, zum Beispiel mit einem Industriestrompreis, der kluge Anreize für Effizienz und Transformation setzt.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dennis Rohde [SPD]
Es geht um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie und unseres Landes insgesamt.
Die Herausforderungen hören aber bei den Energiepreisen längst nicht auf. Wir haben auch ein geopolitisches Problem: Wir haben immer noch einen schrecklichen Krieg in unserer europäischen Nachbarschaft. Der russische Angriff auf die Ukraine ist ein Angriff auf den europäischen Zusammenhalt, auf das Völkerrecht; er ist ein Angriff auf die Menschlichkeit.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Und natürlich haben die Folgen des Krieges, aber auch der Pandemie eine ökonomische Dimension. Gerade werden viele Produktionsketten neu aufgestellt, auch mit Blick auf die Gefahr, die rund um das Südchinesische Meer droht. Wir haben im Vergleich zu anderen europäischen Industriestaaten eine besondere wirtschaftliche Verbindung nach China. Unser Handelsvolumen mit China und anderen autoritär geführten Staaten liegt bei 10 Prozent unserer Wirtschaftsleistung, so beziffert das aktuell „The Economist“. Nach der Finanzkrise hat die starke Nachfrage aus China unserem Standort sehr geholfen. Das wird sich so nicht wiederholen. Wir spüren gerade massiv die nachlassende Nachfrage, und gleichzeitig sehen wir die Konkurrenz in Schlüsselindustrien wie der Automobilindustrie, und zwar vor allem, wenn es um die Zukunftstechnologien geht. Und auch deswegen ist das De-Risking, ist die neue China-Strategie der richtige Weg, um Abhängigkeiten abzubauen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD] und Christoph Meyer [FDP]
Zu all dem kommt zuletzt auch noch ein ökologisches und ein demografisches Problem. Wir spüren ja jetzt schon den Fachkräftemangel in vielen Branchen, und jetzt arbeiten die Babyboomer noch, aber eben nicht mehr lange. Mit unseren Reformen bei der Einwanderungspolitik gehen wir das endlich stringent an, aber die Notwendigkeiten sind groß. Moritz Schularick hat den Bedarf gerade auf eine Nettoeinwanderung von 400 000 Menschen beziffert – pro Jahr.
Die Klimakrise wirkt sich auf vielen Wegen aus. Jetzt wird im Stammwerk von Volkswagen in Wolfsburg gerade Kurzarbeit angemeldet, weil die Lieferkette durch die Flutkatastrophe in Slowenien nicht mehr funktioniert.
Wir haben in dieser Bundesregierung große Räder gedreht: bei der Fachkräfteeinwanderung, beim Bürgergeld, beim beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und beim natürlichen Klimaschutz. Wir haben immer wieder um die besten Lösungen gerungen, und wir haben diese am Ende gefunden. Und so wird das auch bei diesem Haushalt sein. Der Entwurf ist gut, aber das Bessere ist der Feind des Guten. Wir werden in den nächsten Wochen intensiv miteinander beraten, wie wir diesen Entwurf noch besser machen können.
Also, Herr Kollege Brehm, Sie wissen, dass ich Ihre Arbeit im Finanzausschuss schätze. Aber im Haushaltsausschuss haben Sie sich noch nie sehen lassen, und jetzt erzählen Sie hier diese Märchen.
Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Alle Nebenhaushalte, die zu über 90 Prozent von Ihrer Partei mitgeschaffen worden sind – zuletzt das Sondervermögen für die Bundeswehr –, stehen im Haushalt. Die stehen da genauso drin wie der Kernhaushalt; das kann jeder Bürger lesen. So zu tun, als würde hier irgendetwas Geheimes gemacht werden, als würde die Politik, als würde diese Regierung versuchen,
Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Man kann in der Sache kritisieren. Man kann meinetwegen auch politisch kritisieren. Aber dieses Zündeln – und dann ausgerechnet wieder aus Bayern – muss hier im Deutschen Bundestag wirklich nicht sein.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bevor ich meinen Wortbeitrag zur Haushaltsdebatte halte, möchte ich doch zumindest kurz auf die Falschaussagen von Herrn Brehm hier in dieser Debatte eingehen, die er in seiner Erwiderung auf Herrn Frickes Kurzintervention wiederholt hat.
Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Sehr geehrter Herr Brehm, tatsächlich müssen Sie einfach nur die dieser Beratung zugrundeliegende Drucksache mit den Anlagen vollständig lesen, dort finden Sie sämtliche Sondervermögen sowie Hinweise zu den Sondervermögen.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, der Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2024 ist ein Entwurf, der im Hinblick auf die Steuereinnahmen, die Inflation und eine unsichere geopolitische Weltlage eine sehr große Herausforderung darstellt. Darauf haben schon viele Kolleginnen und Kollegen hingewiesen. In den vergangenen Jahren haben wir als Ampel in historischem Ausmaß Mittel bewegt und zur Verfügung gestellt, um aus diesen Krisen gut herauszukommen: Wir haben in großem Umfang Bürgerinnen und Bürger und Betriebe von den Krisenfolgen entlastet; ich erinnere nur an die umfangreichen Steuersenkungen oder auch an die Energiehilfen.
Eine weitere große Herausforderung war die Sicherung der Energieversorgung; auch das ist schon erwähnt worden. In Rekordzeit wurde die Abhängigkeit vom russischen Gas massiv reduziert. Wir sind gut durch den letzten Winter gekommen. Gleichzeitig haben wir uns für die Sicherung eines friedlichen Europas und für die Unterstützung der Ukraine eingesetzt, die sich schon viel zu lange und leider immer noch gegen einen aggressiven russischen Angriffskrieg wehren muss.
Parallel dazu hat diese Koalition viele Dinge verändert und positiv auf den Weg gebracht. Ich möchte daran erinnern, dass wir das Bürgergeld eingeführt haben und damit für mehr Respekt, mehr Chancen und mehr Sicherheit für die Menschen in unserem Land gesorgt haben.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Seit dem 1. Juli 2023 gibt es zum Beispiel das Weiterbildungsgeld, höhere Freibeträge beim Hinzuverdienst und die Ausbildungsgarantie für junge Menschen, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Wir haben deutlich mehr Geld für Familien zur Verfügung gestellt: allein mit dem erhöhten Kindergeld 7 Milliarden Euro zusätzlich im Jahr.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Die Kindergrundsicherung kommt. Damit schützen wir Kinder besser vor Armut und tragen zu einer besseren Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen bei.
Ich könnte noch mehr aufzählen, meine sehr verehrten Damen und Herren: Das Wohngeld wurde ausgeweitet; die Rentenerhöhung, das Fachkräfteeinwanderungsgesetz wurden auf den Weg gebracht; das Deutschlandticket, die Förderung eines inklusiven Arbeitsmarktes, das Sondervermögen der Bundeswehr. Alles das ist trotz der Herausforderungen oder auch gerade wegen der von mir beschriebenen Herausforderungen eine riesengroße Leistung, die in diesen zwei Jahren tatsächlich geschultert wurde.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Anstatt das jedoch in einen Kontext einzubinden, zu honorieren und sachlich und inhaltlich einzelne Punkte redlich, sehr geehrter Herr Brehm, zu diskutieren, verfällt die Opposition mal wieder in Geschrei und unsachliches Gemecker. Den einen ist es zu wenig, zu gering und zu schmal ausgestattet; da nenne ich mal das Beispiel der Migrationsberatung. Die anderen sind der Meinung, dass wir zu viel Geld für Migration und Teilhabe ausgeben.
Und dann ist da noch die Union als größte Oppositionsfraktion, deren Rednerinnen und Redner hier in 24 Minuten sage und schreibe einen einzigen Einsparvorschlag gemacht haben. Frau Tillmann, Sie haben beim Thema Steueranzeigeverpflichtung von acht Stellen gesprochen.
Alle Achtung, meine sehr verehrten Damen und Herren! Mehr fordern, aber gleichzeitig Steuern senken wollen – das ist das Konzept der Union. Die Einnahmen minimieren und die Ausgaben maximieren, das hat nichts mit einer seriösen Haushaltsfinanzierung zu tun.
Da sollten wir froh sein, dass die Union momentan nicht den Haushalt aufstellt.
In die Zukunft gerichtet, bilden wir mit dem Haushaltsentwurf wichtige Punkte ab, die unsere Unternehmen und Betriebe bei großen Investitionen, zum Beispiel wegen der Klimawende und bei der Digitalisierung, unterstützen werden. Mit dem Wachstumschancengesetz und dem Zukunftsfinanzierungsgesetz stellen wir Deutschland für den internationalen Wettbewerb auf, als Finanzplatz und auch als Wirtschaftsstandort. Gleichzeitig werden wir im Rahmen der Haushaltsberatung auch noch über die Finanzierung der Energiepreise reden müssen.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich fasse zusammen: Wir investieren, wir entlasten, und wir halten zusammen. So macht man verantwortungsvolle Haushaltspolitik. Ich bin gespannt auf die Beratungen in den Ausschüssen.
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Diesen Haushaltsentwurf kann ich in einem Satz zusammenfassen: Diese Bundesregierung hat ein Herz für Panzer, aber nicht für Kinder, und das ist das falsche Signal.
85,5 Milliarden Euro, nach NATO-Kriterien berechnet, wollen Sie im kommenden Jahr für die Bundeswehr ausgeben. Ich sage Ihnen: Keine Bundesregierung hat bisher so rücksichtslos aufgerüstet wie diese Regierung aus SPD, Grünen und FDP.
In weniger als 100 Tagen haben Sie ein Sondervermögen für die Bundeswehr in Höhe von 100 Milliarden Euro beschlossen.
Sie sind aber nicht in der Lage, eine wirkliche Kindergrundsicherung in vier Jahren umzusetzen. Das ist ein wirkliches Armutszeugnis, meine Damen und Herren.
Nein. – Bisher habe ich vom Bundeskanzler solche Aussagen nicht gehört. Ich höre immer nur, dass die Bundeswehr hochrüsten will, koste es, was es wolle. Das ist entschieden der falsche Weg, meine Damen und Herren.
Wir befinden uns in einer Wirtschaftskrise. Aber diese Bundesregierung tut alles, um diese Krise weiter zu verschärfen. Sie wollen – es ist ja schon angesprochen worden – in allen sozialen Bereichen kürzen. Ich sage nur zu den Grünen: Bei der Migrationsberatung wollen Sie kürzen. Beim Freiwilligen Sozialen Jahr wollen Sie kürzen.
Wir wissen alle: Mehr Geld für die Bundeswehr bedeutet nicht mehr Sicherheit. Das 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen ist ein Konjunkturprogramm für die deutschen und vor allen Dingen für US-Rüstungskonzerne. Wir brauchen aber ein Konjunkturprogramm für die zivile Wirtschaft, für Bildung, Wissenschaft und Gesundheit.
Wir haben Notstände im Gesundheitswesen, in der Bildung, bei der Deutschen Bahn; aber Sie wollen die Schuldenbremse weiter anziehen. Das hat mit wirtschaftlichem Sachverstand nichts zu tun. Das verbaut unsere Zukunft. Das darf nicht sein.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger auf den Tribünen! Der Bundesrechnungshof kommt zu einem ganz klaren Urteil – ich zitiere –:
„Zieht man die erhebliche Verlagerung von Ausgaben in Sondervermögen und die echte Nettokreditaufnahme heran, zeigt sich: Ausgaben und Neuverschuldung des Bundes sind weiterhin stark expansiv. Das Verlagern von Einnahmen und Ausgaben in Sondervermögen in finanziell erheblichem Umfang gefährdet das parlamentarische Budgetrecht und die Wirksamkeit der Schuldenregel.“
Sie reden von Konsolidierung. Es wird nichts dafür gemacht; ich komme auch gleich zur Verschuldung. Das ist ein Haushalt, der skandalös ist. Er ist intransparent, weil die ganzen Sondervermögen überhaupt nicht mit dem Parlament diskutiert werden; sie liegen ja nicht einmal vor. Dieser Haushalt ist unseriös, weil die echten Zahlen im Verborgenen bleiben.
Dennis Rohde [SPD]: Die stehen doch alle im Haushalt drin! Sie müssen nur lesen!
Dieser Haushalt ist eine extreme Belastung für Deutschland und bezüglich seiner Nachhaltigkeit eine extreme Belastung für die kommenden Generationen. Er ist vor allem eine Missachtung des Parlaments. So kann man mit dem Parlament nicht umgehen, lieber Herr Minister.
Widerspruch bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
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Otto Fricke [FDP]: Das steht doch drin! Warum verbreiten Sie so was?
Übrigens: Sie rechnen bei den Investitionen die Sondervermögen hinzu; bei den Schulden gibt es keine Sondervermögen. Sie rechnen also mit zwei verschiedenen Zahlen; ich komme noch auf die Zahlen. Nach meiner wirklich festen Überzeugung ist das kein reines Oppositionsthema mehr, sondern es stellt sich die Frage: Wie geht diese Bundesregierung mit diesem Parlament um? Heute früh in der GO-Debatte zum Thema Heizungsgesetz
Liebe Kolleginnen und Kollegen, zur tatsächlich geplanten Neuverschuldung. Sie sagen, Sie würden konsolidieren, machen aber neue Schulden in Höhe von 16,6 Milliarden Euro. Wenn man alle Sondervermögen dazurechnet, sind es in Wahrheit 85,7 Milliarden Euro Schulden. Damit sind die Schulden – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – fünfmal höher als von Ihnen nach außen kommuniziert. Das ist die echte Wahrheit über diesen Haushalt, und die müssen auch die Bürgerinnen und Bürger da draußen wissen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Die Irreführung durch die Bundesregierung beschränkt sich dabei nicht nur auf die Verschuldung, sondern sie betrifft auch die Ausgaben. Der Bundesrechnungshof – das sollten Sie auch gerne lesen –
Dennis Rohde [SPD]: Ja, so wie Sie die Sonderausgaben nicht lesen! Die stehen im Haushalt!
sagt, dass die Ausgaben in Wahrheit um 93 Milliarden Euro höher sind als im Kernhaushalt ausgewiesen. Also, liebe Kolleginnen und Kollegen, in diesem Haushalt ist von Konsolidierung keine Spur, sondern es wird das Geld an allen Ecken und Enden rausgeballert,
Über 600 Milliarden Euro Schulden in zwei Jahren, zur Halbzeit dieser Regierung, das gab es in den letzten bestimmt 20, 30 Jahren nicht. Und jetzt kommen Sie wieder und sagen: Ja, Ihre 16 Jahre. – In den 16 Jahren ist die Verschuldung gedrückt worden. Wir haben Schulden getilgt. Wir haben Wirtschaftswachstum gehabt. Wir haben Vollbeschäftigung erreicht.
und Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Wir haben die höchsten Steuereinnahmen gehabt. Wir haben – außer in der Coronazeit – die besten Haushalte gemacht. Das ist die Bilanz unserer Regierung. Ihre Bilanz heißt: Inflation, schlechte Wirtschaft, sinkende Einnahmen,
Das ist Ihre Bilanz nach zwei Jahren und mit 600 Milliarden Euro Neuverschuldung. Das ist es, was Sie hier verkaufen, und das ist es, was in diesem Haushalt abgebildet ist.
Dennis Rohde [SPD]: Sie lesen nicht mal den Bundeshalt!
Das ist interessant – die ganzen Planungen treten, glaube ich, auch nicht ein –; aber wir sollten Wirtschaft und Wachstum fördern und nicht den Umbau und Verbote für die Wirtschaft. Wir merken ja jetzt, dass Ihre gesetzlichen Maßnahmen in die Substanz der Wirtschaft eingreifen und dass die ersten Unternehmen aus Deutschland abwandern. Wir brauchen Wettbewerbsfähigkeit. Dazu gehören niedrige Steuern, dazu gehören niedrige Energiekosten – Sie könnten diese durch Senkung der Energiesteuern sofort erreichen –, und dazu gehört weniger Bürokratie.
Frauke Heiligenstadt [SPD]: Das war keine Rede zum Handreichen!
aber nicht bei dieser Verschuldung und nicht bei diesen Wahnsinnsausgaben, liebe Kolleginnen und Kollegen. Wir sind bereit für die Diskussion, aber in vernünftiger Art und Weise.
Lieber Herr Kollege Fricke, ich schätze Sie ja auch – überhaupt keine Frage –, und wir arbeiten ja auch gut zusammen. Aber die Wahrheit ist doch: Sie verkünden hier im Haushalt 16,6 Milliarden Euro Neuverschuldung.
– Im Kernhaushalt. So, dann sagen Sie mir bitte noch mal, welche Gesamtverschuldung wir dann im Gesamthaushalt haben. Was gibt es über den Kernhaushalt hinaus noch an Schulden?
Dennis Rohde [SPD]: Das hat der Deutsche Bundestag beschlossen!
Es werden die höchsten Schulden gemacht. Man muss das Sondervermögen und den Kernhaushalt zusammen sehen; das hätte ich in der Diskussion heute erwartet.
Das ist die Wahrheit, und auch wenn Sie mich der Lüge bezichtigen: Sie müssen einfach der Wahrheit ins Auge sehen. Sie machen die höchsten Schulden, nämlich 600 Milliarden Euro in zwei Jahren.
Christoph Meyer [FDP]: Sie haben keine Ahnung von dem, was Sie gerade erzählen!
weil Sie nämlich nur die Haushaltsreste nehmen. Sie machen die höchsten Defizite, und Sie handeln voll gegen die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Sie greifen uns an, weil wir Anträge zugunsten der Wettbewerbsfähigkeit stellen. Das sind genau die Anträge, die Sie vorher in der Opposition gestellt haben. Sie als FDP sind doch komplett raus. Sie werden hier in der Regierung über den Tisch gezogen; das ist doch die Wahrheit.
– Es ist sehr einfach festzustellen. Lesen Sie mal Zeitung – vielleicht tun Sie es nicht –, sprechen Sie mal mit Leuten. Egal ob Sie einen Taxifahrer sprechen, egal ob Sie Leute in der Produktion sprechen, egal wo: Die Leute haben die Schnauze gestrichen voll von der Politik in diesem Land, die die Inflation nicht in den Griff kriegt, die Strompreise immer weiter ansteigen lässt und die Industrie scharenweise aus unserem Land treibt mit Zehntausenden Menschen, die arbeitslos werden. Das ist die reale Situation. Die Leute wissen genau, dass die Schuld eine einzige Regierung trägt: diese Ampel, die von über 70 bis 80 Prozent der Menschen in unserem Land mittlerweile abgelehnt wird. Ziehen Sie daraus mal die richtigen Schlussfolgerungen!
Herr Lindner, Sie weisen in Ihrem Haushalt 16,6 Milliarden Euro Schulden aus. In Wirklichkeit sind es 87,5 Milliarden Euro Schulden. Wo ist denn da Bilanzwahrheit, Bilanzklarheit oder sonst was? Sie sind doch auch nur ein Darsteller! Sie haben doch gar keine Ahnung von dieser ganzen Geschichte!
Die Ampel hat unsere Wirtschaft selbst ruiniert – warum und wieso –, indem die billige und preiswerte energetische Basis zerstört worden ist. Ein Drittel unserer Firmen überlegt, in die USA abzuwandern. Kürzlich rühmten Sie sich, Herr Lindner, 22 Milliarden Euro an die Ukraine überwiesen zu haben – an eines der korruptesten Länder weltweit. Niemand weiß, wo das Geld in der Ukraine gelandet ist. Wo die Schrottpanzer gelandet sind, wissen wir: Die sind alle zerschossen. Das ist auch unser Geld gewesen.
Zum Schluss komme ich auf das Hauptproblem.
PVizepräsidentin Petra Pau: Sie müssen bitte jetzt den Punkt setzen.
Sie beklagen hohe Steuern und Abgabelasten und die ausufernde Bürokratie. Aber wissen Sie, was das Hauptproblem ist? Sie schaffen ja die Bürokratie! Sie schaffen wachsende Steuern in unserem Land.
PVizepräsidentin Petra Pau: Herr Abgeordneter, kommen Sie bitte zum Schluss.
Sie treiben die Wirtschaft raus. Deswegen sage ich: Treten Sie zurück! Machen Sie den Weg frei für Neuwahlen in unserem Land, damit endlich neue Köpfe an die Spitze dieses Landes kommen.
Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Machen Sie den Weg frei für den nächsten Redner!
Neue Köpfe braucht dieses Land! Sie können es nicht.
Vielen Dank.
PVizepräsidentin Petra Pau: Wir fahren mit der allgemeinen Finanzdebatte fort, und zwar mit dem Beitrag der Kollegin Frauke Heiligenstadt aus der SPD-Fraktion.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete! Sehr geehrte Zuschauende! Pünktlich zum ersten Schultag hatten die Tafeln in Deutschland wieder sehr viel zu tun. Denn weil längst nicht jedes Kind zum Schulbeginn das hat, was es in der Schule braucht, haben wieder viele Ehrenamtliche Schultüten für arme Kinder gepackt; allein in Berlin waren es 5 357. Ich war am Sonntag dort, und ich habe die Freude der Helfer erlebt – Freude, einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass auch diese Kinder sich gern an ihren ersten Schultag zurückerinnern.
Für jedes fünfte Kind in Deutschland beginnt der Ernst des Lebens weit vor dem ersten Schultag; denn jedes fünfte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet. Und für jedes Einzelne dieser Kinder habe ich in den Verhandlungen um die Kindergrundsicherung gekämpft.
Stephan Brandner [AfD]: Eingewanderte Armut ist das!
Wir haben damit den Einstieg in eine grundlegende und wirksame Bekämpfung der Kinderarmut geschafft. Künftig werden die Eltern automatisch über mögliche Ansprüche informiert. Allein dadurch werden mehr Kinder mehr Geld erhalten.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Martin Gassner-Herz [FDP]
Und wir berechnen das soziokulturelle Existenzminimum neu. Nach konservativer Schätzung bedeutet das für die Kleinsten einen Zusatzbetrag von mindestens 530 Euro pro Monat und bis zu 636 Euro für Teenager im Jahr 2025.
Thomas Ehrhorn [AfD]: Passen Sie doch mal die Renten an die Preissteigerung an!
Auch für Alleinerziehende verbessern wir die Situation. Anders als im bisherigen Bürgergeld wird den Alleinerziehenden Unterhalt nun grundsätzlich zu weniger als der Hälfte statt wie bisher vollständig angerechnet, bis das Kind in die Schule kommt. Das heißt, wir holen so viele, viele Kinder – wir rechnen mit 5,6 Millionen – aus offener und verdeckter Armut, und allein 1,9 Millionen Kinder holen wir aus dem Bürgergeld.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Ich sage Ihnen, geneigte Kolleginnen und Kollegen aus der Union: Sie irren, wenn Sie den Gegensatz aufmachen „Geld oder Bildung“. Sie irren, wenn Sie sagen, die Lösung seien nicht ständig höhere Transferleistungen, sondern eine bessere Bildungsinfrastruktur.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
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Dorothee Bär [CDU/CSU]: Deswegen streichen Sie Bildung!
Deshalb unterstützen wir die Länder jetzt schon mit jährlich 2 Milliarden Euro für mehr Qualität in der frühkindlichen Bildung, und das werden wir weiterhin tun. Wir werden sie mit dem Qualitätsentwicklungsgesetz über das Jahr 2024 hinaus weiterentwickeln. Auch das ist Teil der Einigung zur Kindergrundsicherung.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Wir brauchen die Kindergrundsicherung; denn mit der Kindergrundsicherung schaffen wir die Grundlage für Leistungsverbesserung und den Einstieg in eine wirksame Bekämpfung der strukturellen Kinderarmut. Wie bitter nötig und wie sinnvoll das ist, hat uns jüngst noch mal das DIW vor Augen geführt. Das DIW hat auf Grundlage der Zahlen von 2019 ausgerechnet, dass sich die Folgekosten von Kinderarmut in Deutschland auf mehr als 100 Milliarden Euro beliefen. Das waren 3,4 Prozent des deutschen Bruttoinlandproduktes. Das heißt, langfristig kostet Kinderarmut uns das Vielfache dessen, was wir jetzt für eine angemessene Existenzsicherung für alle Kinder ausgeben.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
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Stephan Brandner [AfD]: Da hat ein Milchmädchen gerechnet, oder?
Deshalb sage ich: Ja, mehr Geld für Kinder hilft Kindern. Und das ist für uns alle, für unsere gesamte Gesellschaft, eine sinnvolle Zukunftsinvestition.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Claudia Raffelhüschen [FDP]
Meine sehr verehrten Damen und Herren, das BMFSFJ ist das Gesellschaftsministerium. Den Zusammenhalt unserer Gesellschaft stärken wir auch mit dem Einzelplan 17 für 2024. Ja, wir mussten kürzen, aber wir haben auch klare politische Prioritäten gesetzt, für den sozialen Zusammenhalt und für unsere Demokratie.
Ich habe es mir nicht leicht gemacht, das Elterngeld zu kürzen.
Der Ansatz sinkt um 290 Millionen Euro auf knapp 8 Milliarden Euro. Und ja, wenn es bei meinem Vorschlag für eine Gesetzesänderung bleibt, dann werden Paare mit einem Bruttoeinkommen von mehr als 180 000 Euro künftig kein Elterngeld mehr bekommen. Das ist in dieser Einkommensklasse und erst recht unter dem Aspekt sozialer Gerechtigkeit aus meiner Sicht eher verkraftbar als bei Paaren, die deutlich weniger verdienen.
Dorothee Bär [CDU/CSU]: Und jetzt noch weniger! Herzlichen Glückwunsch!
Dabei wissen wir: Je früher Paare sich die Sorgearbeit partnerschaftlich teilen, desto selbstverständlicher ist das. Und deswegen wollen wir auch zusätzliche Impulse setzen, beispielsweise mit der Familienstartzeit, mit der wir zwei Wochen bezahlte Freistellung für die Partner nach der Geburt einführen wollen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
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Dorothee Bär [CDU/CSU]: Tosender Applaus bei der FDP-Bundestagsfraktion!
Aber es gibt auch noch Instrumente und Maßnahmen neben dem Elterngeld. Deswegen arbeiten wir seit Jahren – und wir bleiben auch dabei – mit Hochdruck an einer verlässlichen und guten Ganztagsbetreuung in Kita und Grundschule. Das ist ganz entscheidend für mehr Partnerschaftlichkeit und für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Matthias Seestern-Pauly [FDP]
Meine Damen und Herren, wir mussten auch bei den Mehrgenerationenhäusern und den Freiwilligendiensten kürzen. Vollständig erhalten konnten wir hingegen die Mittel für die Jugendwerke: für das Deutsch-Französische, das Deutsch-Polnische und das Deutsch-Griechische Jugendwerk. Auch für das neue geplante Deutsch-Israelische Jugendwerk – in diesen Zeiten so wichtig – steht die Anschubfinanzierung. Insgesamt investieren wir mehr als 24 Millionen Euro in den internationalen Austausch. Auch das ist wichtig in diesen Zeiten.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Meine Damen und Herren, welches Signal ging eigentlich vom Sonntag aus, als Markus Söder sich dazu entschlossen hat, die Zukunft der Bayerischen Staatsregierung mit der Zukunft Hubert Aiwangers zu verbinden?
Dorothee Bär [CDU/CSU]: Wahnsinn! Ihr vergeigt den Haushalt hier und macht billige Polemik! Wirklich unfassbar!
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Weitere Zurufe von der CDU/CSU
Der stellvertretende Ministerpräsident Bayerns hat allen Ernstes behauptet, in der Diskussion um das antisemitische Flugblatt würde die Shoah für parteipolitische Zwecke instrumentalisiert.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
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Dorothee Bär [CDU/CSU]: Nee, da muss man nicht zuhören! Whataboutism at its best hier!
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Nina Warken [CDU/CSU]: Ich würde gern mal hören, warum Sie sich so wenig durchgesetzt haben und so wenig Geld bekommen haben! Sagen Sie doch mal, warum Sie so versagt haben mit Ihrem Haushalt!
Ich frage Sie allen Ernstes: Heißt das, wir dürfen die Integrität eines Spitzenpolitikers nicht mehr an seinem glasklaren Umgang mit dem schrecklichsten Kapitel der deutschen Geschichte messen? Ich sage Ihnen: Das stärkt all jene, die schon lange einen Schlussstrich ziehen wollen. Mit der Ampelregierung gibt es solche Schlussstrichkoketterien nicht, meine Damen und Herren.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
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Dorothee Bär [CDU/CSU]: „Documenta“ sage ich da nur! Gerade die Grünen müssen ganz leise sein! Ganz leise!
Wir stehen zu unserer historischen Verantwortung, und wir halten die Erinnerungskultur lebendig. Deshalb habe ich sehr entschlossen beschlossen, beim Bundesprogramm „Demokratie leben!“ nicht zu kürzen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Auch 2024 geben wir 200 Millionen Euro. In vielen ostdeutschen Kommunen ist „Demokratie leben!“ der wichtigste Förderer und Partner der Zivilgesellschaft.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
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Stephan Brandner [AfD]
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Nina Warken [CDU/CSU]: Leider nicht mit Ihrem Haushalt! Ihr Haushalt macht leider genau das Gegenteil!
Ich bitte Sie deshalb um Unterstützung für diesen Etat, der eine klare Überschrift trägt: Wir halten Kurs, und wir halten die Gesellschaft beieinander.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Ministerin, ich hätte gerne hier gestanden und mit Ihnen darüber diskutiert, welche guten Effekte aus Ihrem Haushalt hervorgehen.
Sie haben gesagt: Familien sind das Rückgrat der Gesellschaft. – Ihr Haushalt besteht fast ausschließlich aus Kürzungen an so wichtigen Punkten. Dieser Haushalt ist ein Offenbarungseid für Sie als Ministerin.
Sie haben einen Koalitionsvertrag geschlossen und unendlich viel versprochen. Ich messe Sie nur an dem, was Sie selber versprochen haben. Frühe Hilfen wollten Sie dynamisieren – sie sinken drastisch. Den Kinder- und Jugendplan wollten Sie bedarfsgerecht ausstatten – Sie kürzen die Mittel um 44 Millionen Euro; im Vergleich zum letzten Jahr, 2022, sind es sogar 110 Millionen Euro weniger.
Sie haben eine Qualifizierungsoffensive versprochen. Die Mittel für die frühkindliche Bildung befinden sich auf einem Allzeittief – minus 80 Prozent. Die Freiwilligendienste wollten Sie nachfragegerecht ausbauen und das Taschengeld erhöhen – minus 25 Prozent. Das ist nicht wegzudiskutieren; das ist ein Strukturbruch bei den so wichtigen Freiwilligendiensten. Auch beim Elterngeld haben Sie so viel versprochen: weitere Partnermonate, Elterngeld für Pflegeeltern, Dynamisierung, Reform des Mutterschutzes. Immer wieder sind Sie in Posts dafür eingetreten und haben gesagt: „Dafür wollen wir uns einsetzen“, insbesondere auch die Kolleginnen und Kollegen der FDP. Stattdessen gibt es eine Kappung an der Stelle. Ehrlich wäre es von Ihnen allen, zu sagen: Wir haben einen Koalitionsvertrag geschlossen, der nichts wert ist; denn das, was wir vereinbart haben, können wir in Zukunft nicht mehr erreichen. – Das wäre ehrlich.
Sie stellen sich hierhin, Frau Ministerin, und beklagen Ihre Sparvorgaben. Diese Sparvorgaben, diese Aufteilung zwischen den unterschiedlichen Häusern haben Sie im Kabinett mitbeschlossen. Und wissen Sie, weswegen ich so unglaublich enttäuscht von Ihnen bin? Ich habe nicht einen Artikel, nicht eine Stellungnahme gelesen, in denen Sie gesagt haben: Mein Haushalt ist der wichtigste in dieser Bundesregierung. Mein Haushaltsvolumen darf nicht sinken.
„Investitionen in unsere Kinder sind Investitionen in die Zukunft Deutschlands.“ Das haben Sie gesagt – aber Sie setzen es leider nicht um.
Die Sparvorgaben gelten übrigens nicht überall gleichermaßen: Bei den Mehrgenerationenhäusern – klar – wird gespart; aber bei Aufwendungen für Ihr Ministerium, für Personal, Öffentlichkeitsarbeit und für die Gebäude steht ein deutliches Plus. Demgegenüber bleibt der Ansatz für „Demokratie leben!“ – Sie haben es selber angesprochen – gleich. Und daran erkennen wir etwas, nämlich dass Ihnen der rote Faden fehlt. Ihnen fehlt eine Struktur, eine Vision für die Familienpolitik. Sie fördern Projekte, aber Strukturen, die über Jahre und Jahrzehnte gewachsen sind – die Mehrgenerationenhäuser, die Freiwilligendienste, der Kinder- und Jugendplan –, zerstören Sie.
Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die Brandmauer nach rechts, Frau Breher!
Sie haben es vorhin ausgeführt. – Das können Sie bei diesem Haushalt wirklich nicht ernst meinen. Sie meinen damit ausschließlich die Kindergrundsicherung und sagen: Aus einer Holschuld wird eine Bringschuld – einfacher, schneller, digitaler. Sie beenden Antragsverfahren. Vielleicht schauen Sie mal in Ihren eigenen Entwurf zur Kindergrundsicherung. In § 26 heißt es:
„Der Kindergarantiebetrag … und der Kinderzusatzbetrag sind schriftlich zu beantragen.
Die Leistungen für Bildung und Teilhabe sind bei der jeweils zuständigen Stelle zu beantragen.“
Für Bürgergeldempfänger ist heute das Jobcenter zuständig – mit einer einzigen Ausnahme, dem Antrag für Kinder, die Lernförderung brauchen. Alles andere läuft automatisch.
Nina Stahr [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist wohl ein Witz!
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Maria Klein-Schmeink [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nichts ist automatisch!
Zukünftig wird es so sein: Die Familien bleiben beim Jobcenter. Für ihre Kinder müssen sie allerdings den Antrag auf Kindergarantie- und -zusatzbetrag bei der Familienkasse und für alle weiteren Leistungen bei den verschiedenen Stellen und den Kommunen stellen. Das nenne ich nicht Vereinfachung,
Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie haben gar keine Vorschläge gemacht! 16 Jahre! Sie haben überhaupt keine Idee!
Im Entwurf eines Gesetzes zur Einführung einer Kindergrundsicherung sind allerdings 500 Millionen Euro für neue Verwaltungsstrukturen vorgesehen.
Richtig wären ein echtes Kinderzukunftspaket und eine echte Evaluation der Datengrundlage. Sie stellen sich hierhin und sagen: 5,6 Millionen Kinder wollen wir aus der Armut holen. – Ja, jedes einzelne ist eines zu viel. Aber 5,6 Millionen, das wären über 40 Prozent aller Minderjährigen in Deutschland. Diese Zahl würde ich von Ihnen gerne mal erklärt bekommen.
Richtig wäre eine konsequente Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes und des Digitale-Familienleistungen-Gesetzes, damit Daten abgeglichen und einfacher übertragen werden können. Vieles ist da schon auf den Weg gebracht.
Investieren Sie das Geld, das Sie für neue Verwaltungsstrukturen einsetzen wollen – 500 Millionen Euro! –, doch bitte direkt im vorhandenen System in die Kinder,
und fassen Sie den Ansatz breiter, nämlich: Familien von Beginn an stärken, die Frühen Hilfen nicht kürzen und in die frühkindliche Bildung investieren. Denn nur so, mit einem umfassenden Ansatz – nicht nur Kindergrundsicherung als Oberbegriff – und einem ganzheitlichen Konzept, um den Kindern direkt zu helfen, haben diese eine Zukunft in diesem Land und können, egal mit welchem Rucksack sie auf die Welt gekommen sind, ihren eigenen Weg gehen.
Wir werden unsere Vorschläge einbringen. Wir werden unser Kinderzukunftspaket auch ins Plenum einbringen. Ich hoffe, dass wir mit demjenigen Kollegen oder derjenigen Kollegin, der oder die immer so schön postet, dann auch unsere Anträge und unsere Ideen gemeinsam durchsetzen können. Insofern freuen wir uns auf die Debatte.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Wir diskutieren heute den Etat des Bundesfamilienministeriums. Müsste ich diesen Etat in drei Worten beschreiben, dann würde ich sagen:
Klein, aber oho! „Klein“ deshalb, weil er mit seinem Anteil von circa 3 Prozent am Gesamthaushalt vergleichsweise klein ist. „Oho“, weil daraus Dinge finanziert werden, die uns allen am Herzen liegen, beispielsweise das Elterngeld, das zu seiner Einführung ein gleichstellungspolitischer Meilenstein war und um das uns andere Länder sehr beneiden. In den USA gibt es beispielsweise analog dazu überhaupt nichts.
Andererseits finanzieren wir aber auch die bunte, vielfältige und wichtige Landschaft an Projekten, die Sie alle aus Ihren Wahlkreisen kennen. Wir unterstützen damit das Engagement von Kindern und Jugendlichen in den Jugend- und Sportverbänden. Wir unterstützen damit Frauenhäuser. Ich freue mich ganz besonders, dass ein Frauenhaus aus meinem Wahlkreis auch mit diesem Geld den nötigen Umbau stemmen konnte.
Wir werden diese wichtige Demokratieförderarbeit jetzt auch sehr zeitnah mit dem Demokratiefördergesetz auf eine neue gesetzliche Grundlage stellen. Das ist ein ganz wichtiger Schritt, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Wir investieren in die Zukunft unserer Kinder. Das haben wir übrigens auch schon getan mit der seit Jahrzehnten größten Erhöhung von Kindergeld und Kinderzuschlag. Wir entlasten Familien mit dem Sofortzuschlag, mit dem wir die Zeit bis zur Einführung der Kindergrundsicherung überbrücken, mit der wir effektiv gegen Kinderarmut in diesem Land vorgehen werden, liebe Kolleginnen und Kollegen; denn jedes Kind in Kinderarmut ist eines zu viel. Dagegen werden wir etwas unternehmen.
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Und wir sorgen für gesellschaftlichen Zusammenhalt trotz multipler Krisen. Ich als Bundestagsneuling habe mich regelmäßig mit ein paar alten Hasen hier ausgetauscht, und die sagen mir alle das Gleiche: Einen solchen Start in die Legislaturperiode, der von so vielen Krisen direkt geprägt war, gab es in dieser Form noch nie. – Als wir mit der Arbeit angefangen haben, waren wir gerade auf dem Höhepunkt der vierten Coronawelle. Drei Monate später begann der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine – ein Ereignis, das alle Politikfelder hier überlagert und beeinflusst hat. Das, was wir gerade machen, ist mit der einen Hand Krisenmanagement, während wir mit der anderen Hand trotzdem die wichtigsten Projekte aus unserem Koalitionsvertrag umsetzen. Irgendwo dazwischen ist, natürlich unter schwierigen Bedingungen, auch dieser Regierungsentwurf zustande gekommen. Aber bei aller teilweise auch berechtigten Kritik an Details unserer Arbeit bisher und auch wenn wir als Koalition in der Kommunikation ein kleines bisschen besser werden könnten: Diese Erfolge zwischen Krisenmanagement auf der einen Seite und der Umsetzung unserer wichtigsten Projekte auf der anderen Seite lasse ich mir von niemandem madig reden. Darauf können wir stolz sein, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
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Dorothee Bär [CDU/CSU]: Das ist Basta-Politik!
Ich will nicht drum herumreden: Dieser Regierungsentwurf enthält natürlich auch Kürzungsvorschläge, die mir, die auch unseren Fachpolitikerinnen und Fachpolitikern wehtun. Natürlich ist das so. Aber wir sind ein selbstbewusstes Parlament, und wir werden uns das ganz genau angucken. Insbesondere wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten werden mit der politischen Maßgabe in die Verhandlungen gehen, dass wir unsere Schwerpunkte da setzen, wo wir den Schwächsten, den am wenigsten Privilegierten helfen können. Das garantiere ich Ihnen hier und heute für die anstehenden Verhandlungen, meine Damen und Herren.
Die Ampel besteht aus drei verschiedenen Parteien, die alle ihre eigenen Perspektiven und Ideen miteinbringen. Wir sind ja kein Parteieneinheitsbrei. Ich nehme zum Beispiel zur Kenntnis, dass die FDP Steuererhöhungen im Grundsatz ablehnt. Das finde ich persönlich schade; trotzdem respektiere ich das, und ich arbeite damit. Ich will aber schon auch darauf hinweisen, dass die eine oder andere Lücke in diesem Regierungsentwurf zum Haushalt vielleicht auch mit Vorschlägen finanzpolitischer Natur kompensiert werden könnte, insbesondere wenn wir uns die zunehmende Ungleichheit der Vermögen in diesem Land angucken. Da hat insbesondere meine Partei viele spannende Konzepte. Von denen werden wir auch nicht ablassen, meine Damen und Herren. Das sage ich hier voller Selbstbewusstsein.
Beifall bei der SPD sowie der Abg. Nyke Slawik [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Claudia Raffelhüschen [FDP]
Zu guter Letzt: Ja, dieser Regierungsentwurf sieht auch vor, dass in Zukunft nur noch Paare mit einem Einkommen von weniger als 150 000 Euro berechtigt sind, Elterngeld zu beziehen.
Und ja, das ist ein Problem, gerade gleichstellungspolitischer Natur. Trotzdem muss ich sagen: Mein Vorsitzender, Lars Klingbeil, hat beispielsweise das Thema Ehegattensplitting adressiert. Ich muss mich schon darüber wundern, dass gerade vonseiten der Union diese Kürzung des Elterngelds
aus vermeintlich gleichstellungspolitischer Sicht massiv kritisiert wird, Sie aber auf der anderen Seite Schnappatmung bekommen, wenn wir das Thema Ehegattensplitting in den Mund nehmen,
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
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Dorothee Bär [CDU/CSU]: Sie haben es ja gar nicht kapiert, das Ehegattensplitting! Das ist das eigentliche Problem! So klappt es nicht! Erklärt ihm mal, wie es wirklich funktioniert! So klappt es nicht!
Sehr geehrte Präsidentin! Mit diesem Gruß an Sie, liebe Frau Pau, meine lieben Kollegen, betrete ich hier sehr, sehr dünnes Eis; denn unser Queer-Beauftragter, Herr Lehmann – da hinten sitzt er ja –, hat behauptet, selbst Ärzte könnten nicht sagen, welches Geschlecht ein Mensch hat. Also weiß ich doch als medizinischer Laie wohl erst recht nicht: Sitzt hinter mir ein Mann oder eine Frau?
Ahnen Sie es? Ich komme zum sogenannten Selbstbestimmungsgesetz. Mit diesem menschenverachtenden Entwurf soll gegen unsere Biologie verstoßender Unsinn rechtens werden. Denn man geht jetzt zum Standesamt und lässt dort einfach sein Geschlecht ändern.
Bruno Hönel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das sind Ihre Fakten! Nur Ihre Fakten
und zwar auch und gerade nach einer operativen Geschlechtsumwandlung. Es ist heute medizinischer Standard, liebe Kollegen, dass Probleme wie Wahn, Autismus, aber auch sonstige emotionale Probleme wie Despressionen und Essstörungen erst gutachterlicherseits ausgeschlossen werden müssen, bevor über die Gabe von Hormonen oder Operationen entschieden werden darf. Mit dieser ärztlichen Fürsorge soll künftig in unverantwortlicher Weise Schluss sein.
Aber die eigentliche Zielrichtung dieser zerstörerischen Transkultur ist die vorgesehene Regelung für Kinder und Jugendliche. Auch wenn diese dekadente Unkultur wie so vieles aus Amerika zu uns herüberschwappt: Man wird dort langsam im Sinne der Kinder wieder vernünftig. Die ehemalige Genderklinik an der University of Baltimore wurde geschlossen, nachdem man dort festgestellt hat, dass 70 bis 80 Prozent der Kinder, die Transgender-Empfindungen haben, diese im Laufe der Zeit wieder von selbst verlieren. Auch in deutschen Psychiatriezentren werden solche medizinischen Diagnosen bestätigt.
Emilia Fester [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wollen Sie noch zum Haushalt sprechen?
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Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Haben Sie ein Problem?
Aber was schert’s die Ampel? Von ständiger Transpropaganda berieselte Eltern dürfen allein entscheiden, ob das Geschlecht ihrer Kinder geändert werden soll.
Wollen auch Jugendliche dies tun, bedarf es hierfür der Zustimmung ihrer Eltern. Verweigern die Eltern diese, soll das Familiengericht entscheiden.
Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die Würde des Menschen ist unantastbar! Auch ihre!
Die nicht woken Eltern von Jugendlichen werden den Familiengerichten schutzlos ausgeliefert – Freiheit für unsere Familien, wie die rot-grünen Sozialisten sie verstehen. Willkommen in der Transhölle!
Widerspruch bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Was soll das? Sind Sie nicht der Meinung, dass wir hier in diesem hohen Hause Schutzpflichten haben, und zwar insbesondere für die Schwächsten in der Gesellschaft, nämlich unsere Kinder?
Maria Klein-Schmeink [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist wirklich Umkehr der Fakten!
aber wir wissen doch, dass Hormongaben und Operationen auf dem Fuße folgen. Was sind Ihnen denn das Leben und die körperliche Unversehrtheit wert? Das Bundesverfassungsgericht hat doch gerade zum Klimaschutz – wohlgemerkt – eine allgemeine Schutzpflicht für das Leben und die körperliche Unversehrtheit und unsere legislative Pflicht festgestellt, uns schützend und fördernd vor diese Rechtsgüter zu stellen. Wie soll man diejenigen bezeichnen, die getrieben von ihrer woken Identitätsideologie die gesundheitliche Schädigung oder sogar Selbstmorde unserer Kinder hinnehmen? Als Irrende, als Verantwortungslose oder gar als Feinde und Zerstörer unseres Grundgesetzes,
Bruno Hönel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Setzen Sie sich hin und schweigen Sie! Wenn Sie einfach schweigen würden, wäre das gut!
Mit dieser abstrusen Verirrung werden unsere Kinder auf dem Altar der Transreligion geopfert, und ihrer geistigen, seelischen und körperlichen Verelendung werden Tür und Tor geöffnet. Dieses widerliche Selbstbestimmungsgesetz muss vom Tisch.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Schon bei den ersten Haushaltsberatungen in dieser Koalition war klar, dass wir nach den Pandemiejahren mit einer nie dagewesenen Neuverschuldung so schnell wie möglich zu einer soliden Haushaltsführung zurückkehren mussten. Im letzten Jahr kamen dann der Krieg Russlands gegen die Ukraine und die Leitzinserhöhungen der EZB noch erschwerend hinzu – ersterer völlig unerwartet, letztere nicht, sondern nach Jahren der Geldflutungspolitik längst überfällig. Insofern ist die vielbeschworene Zeitenwende nach dem Ukrainekrieg nicht nur in der Verteidigungspolitik notwendig, sondern auch bei unserem Staatshaushalt.
Als Volkswirtin weiß ich: Schulden machen nicht frei, sie engen ein – politische Spielräume genauso wie persönliche Chancen.
Stephan Brandner [AfD]: Sagen Sie das mal Herrn Lindner! Herr Lindner ist nicht da!
und rauben unseren Kindern und Enkeln damit so manche Möglichkeit, die wir für uns noch ganz selbstverständlich in Anspruch nehmen. Generationengerechtigkeit geht anders.
Und damit wäre ich auch beim Einzelplan 17, dem Etat des Familienministeriums. Ja, der Einzelplan sinkt im Vergleich zum Soll von 2023 um etwa 1,5 Prozent. Aber er liegt immer noch bei 13,3 Milliarden Euro und damit 608 Millionen über dem geltenden Finanzplan. Das Familienministerium trägt damit seinen Teil zur dringend notwendigen Haushaltskonsolidierung bei. Dass dies an mancher Stelle zu großem Staunen und Entsetzen geführt hat, finde ich wiederum sehr erstaunlich. Richtig ist, dass Finanzminister Lindner Sparvorgaben unter anderem im Familienetat gemacht hat. Falsch ist jedoch, dass Christian Lindner vorgeschrieben hätte, in welchen Kapiteln und Titeln exakt welche Kürzungen vorgenommen werden. Der vorliegende Regierungsentwurf ist genau dies: ein erster Aufschlag der Familienministerin, der heute zum ersten Mal im Bundestag beraten wird.
Um die notwendigen Sparvorgaben umzusetzen, hätten sowohl Fachpolitiker als auch die Haushälter der Ampel sicherlich zum Teil andere Akzente gesetzt und werden dies nach Möglichkeit auch noch tun. Dies ist im Übrigen, liebe Presse, liebe Verbände, liebe Kolleginnen und Kollegen, nichts Ungewöhnliches, sondern das ganz normale parlamentarische Haushaltsverfahren.
Ebenfalls nicht ungewöhnlich ist, in einem föderalen Staat zwischen den Aufgaben des Bundes und der Länder zu unterscheiden. Das gilt erst recht, wenn die finanziellen Spielräume enger werden, und das tun sie aktuell vor allem für den Bund und nicht für die Länder. Dennoch zahlt der Bund jährlich zig Milliarden Euro für Leistungen, die Kindern und Jugendlichen zugutekommen und grundsätzlich Ländersache sind. Das ist eine starke Leistung des Bundes und keine Selbstverständlichkeit.
Beifall bei der FDP sowie der Abg. Sönke Rix [SPD] und Maria Klein-Schmeink [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Umgekehrt gilt aber auch: Wenn im Bundeshaushalt Programme und Modellprojekte für Länderaufgaben auslaufen, seien es Sprach-Kitas oder „Respekt Coaches“, dann verbietet sich jegliche Empörung darüber, dass der Bund nach Jahren der freiwillig erbrachten Leistung korrekterweise zu einer verfassungsgemäßen Arbeits- und Haushaltsteilung zurückkehrt.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, in den kommenden Wochen werden wir darüber sprechen, welche Schwerpunkte wir in der Familienpolitik setzen wollen. Für mich persönlich verdienen Kinder und Jugendliche weiterhin die größte Aufmerksamkeit, weil die – teils fragwürdigen – Pandemiemaßnahmen für sie ungleich härtere Folgen hatten als für uns Erwachsene. Ausgaben zum Beispiel im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit im Sport sind daher sinnvolle Investitionen in die Zukunft, und zwar sowohl für die Kinder als auch für die Gesellschaft als Ganze. In diesem Zusammenhang bin ich auch sehr froh, dass wir nun eine gute und auch haushalterisch vertretbare Lösung für die Kindergrundsicherung gefunden haben.
Noch eine Bemerkung zum Schluss. Vielleicht ist eine Phase der Haushaltskonsolidierung auch ein guter Zeitpunkt, darüber nachzudenken, wie wir Dinge verbessern können, ohne dafür immer nur mehr Geld auszugeben.
Wollen wir in der Kinderbetreuung mehr Beitragsfreiheit mit der Gießkanne oder mehr Qualität und Flexibilität für Familien? Und gerade für Kinder und Jugendliche bedeuten ein gutes Zuhause und gesellschaftliche Teilhabe sehr viel mehr als die reine Erhöhung von Regelsätzen und Sozialleistungen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Frau Paus, ich muss Ihnen widersprechen: Diese Kindergrundsicherung verdient ihren Namen nicht.
Die Wahrheit ist: Die Bundesregierung hat den Kampf gegen Kinderarmut aufgegeben, und das ist für eines der reichsten Länder der Welt ein Armutszeugnis.
Zum Vergleich: Im Haushaltsausschuss hat die Koalition vor der Sommerpause kurzerhand die Erhöhung der Mittel für zwei Rüstungsprojekte beschlossen. Das waren 2,4 Milliarden Euro, und das hat keine Stunde gedauert. Ich frage Sie alle: Warum geht es immer so schnell, wenn es um Rüstungsprojekte geht, und so unendlich langsam, wenn es um soziale Fragen geht? Das kann doch nicht sein, meine Damen und Herren!
Aus meiner Sicht ist die Kindergrundsicherung aber nicht nur ein Sozialprojekt. Es ist wichtig, dass diese individuelle Ungerechtigkeit von Aufwachsen in Armut beendet werden muss. Aber: Wenn Kinder abgehängt werden, wenn sie in Armut aufwachsen müssen, wenn sie keine guten Bildungschancen haben, dann verschleudert diese Gesellschaft auch Talente und Potenziale, und das dürfen wir gemeinsam nicht zulassen, meine Damen und Herren.
Beifall bei der LINKEN sowie der Abg. Nina Stahr [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Ich sage Ihnen auch: Herrn Lindner trifft nicht die alleinige Schuld. Auch SPD, FDP und die Grünen haben ihre Ministerin im Stich gelassen. Das ist die bittere Wahrheit, meine Damen und Herren.
Seit Beginn der Legislaturperiode habe ich regelmäßig nach dem Stand der Kindergrundsicherung gefragt. Mir wurde dann immer erklärt, dass die Abstimmung unter sechs Ministerien sehr zeitaufwendig und darum auch so kompliziert wäre. Nun soll diese Kindergrundsicherung im Jahre 2025 kommen. Doch dann gibt es vielleicht eine neue Regierung. Und aus den Äußerungen von Parteien hier im Raum, FDP, auch CDU, sehen wir doch: Soziale Kälte ist noch steigerbar. Darum muss sofort gehandelt werden, meine Damen und Herren.
Herr Lindner hat nun erklärt, dass es in dieser Legislaturperiode keine Sozialreformen mehr geben werde. Herr Lindner vertritt die Milliardäre in diesem Land, und daher ist das eine verständliche Position aus seiner Sicht. Aber das darf doch nicht die Position von Grünen und SPD sein, meine Damen und Herren.
Wir wissen doch: Milliardäre haben nicht die Absicht, ihre Krisengewinne gerecht mit der Gesellschaft zu teilen.
Wir als Linke sagen: Wir wollen keine Konjunkturprogramme für die Rüstungsindustrie. Wir wollen Steuergerechtigkeit. Dann hätten wir auch genügend Geld, um die Kinderarmut zu beseitigen.
Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Zur Debatte steht der Einzelplan 17, also der Einzelplan unseres Familienministeriums. Herr Hönel, kurz zur Einordnung, was die Größe des Haushalts angeht: 13,35 Milliarden Euro sind veranschlagt. Wenn man berücksichtigt, dass eine Inflation und Preissteigerung von etwa 10 Prozent zu beklagen ist, dann wären wir ceteris paribus eigentlich bei einem Haushalt von 15 Milliarden; stattdessen haben wir 13,35 Milliarden.
Das wäre eine deutliche Einschränkung. – Das nur zur Einordnung.
Und auch an Sie, Herr Döring: Sie sagen, der Haushalt sei „klein, aber oho“. Sie erlauben: Diese Bewertung würde ich nicht teilen. Vielleicht sprechen wir von „klein, aber oh weh“ oder „klein, aber na ja“. Das müssen wir klären.
Meine Damen und Herren, sicherlich ist eine sparsame Haushaltsführung im Sinne der nachfolgenden Generationen – denen fühlen wir uns in besonderer Weise verpflichtet; Frau Raffelhüschen, ich danke Ihnen, dass Sie darauf noch einmal ausdrücklich hingewiesen haben. Das bedeutet aber nicht, dass wir über alle Ressorts hinweg einvernehmlich kürzen. Sondern ich erwarte schon, auch von einer Familienministerin, dass sie etwas streitbarer für dieses Ressort, für den Einzelplan 17, votiert.
Das haben Sie nicht gemacht, Frau Ministerin. Vielleicht haben Sie die Kürzungen akzeptiert, um die Kindergrundsicherung doch irgendwie durchzusetzen; das müssen Sie selbst beantworten.
Dorothee Bär [CDU/CSU]: Leidenschaft ist nicht so ihr Ding!
Oder wir fragen uns, zweitens: Sind die Aufgaben für Familien, Senioren, Frauen und Jugend nach der Coronazeit vielleicht weniger geworden? Ich glaube, da sind wir uns einig: Ganz im Gegenteil!
Vielleicht aber gibt es, drittens, gar keine Strategie, oder es fehlt einfach an der Bereitschaft, Prioritäten zu setzen. Dieser Verdacht drängt sich jedenfalls auf, wenn wir uns die Kürzungen im Einzelplan 17 etwas genauer anschauen.
Apropos Kürzungen. Ist alles gekürzt worden? Ich glaube, wir sollten darauf hinweisen, dass das nicht der Fall ist. Etwa bei den Personalkosten sind Steigerungen von 14 Prozent verbucht oder in der Öffentlichkeitsarbeit Steigerungen von 238 Prozent
Dorothee Bär [CDU/CSU]: Unglaublich! In die eigene Tasche! Super!
Dann gibt es noch das Startgeld zur Vorbereitung auf das Kindergeld von 100 000 Euro. Also: Kürzungen überall? Keineswegs.
Wo aber ist denn gekürzt worden? Meine Damen und Herren, im Grundgesetz heißt es: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“ Aus dem Prinzip der Subsidiarität bedeutet das für uns, dass wir als Staat Eltern nicht ersetzen, sondern dass wir sie unterstützen, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Eltern und Familien brauchen mehr Zeit füreinander, brauchen Infrastruktur, und sie brauchen auch finanzielle Flexibilität. Sie brauchen insbesondere Unterstützung in schwierigen Situationen. Das ist das erste Kriterium, mit dem wir alle diese Maßnahmen – Mittelkürzungen, aber auch Budgeterweiterungen – bewerten.
Das Zweite ist die Frage: Sind die Maßnahmen, die entschieden worden sind, Beiträge zur Selbsthilfe, zur Selbstverwirklichung, zur Selbstständigkeit und auf Zukunft ausgerichtet, oder sollen sie nur irgendwelche Symptome behandeln?
Und drittens: Helfen die Mittel in den Budgetansätzen, dass wertvolle Strukturen im gesellschaftlichen Bereich, im privaten Bereich unterstützt werden, damit sie im Sinne von Familien wirken können, oder gefährden wir durch Entscheidungen, die im Haushaltsplan vorgesehen sind, gerade diese wertvollen Strukturen?
Wenn ich das im Einzelnen aufzeige, ergeben sich schon einige Widersprüchlichkeiten. Wenn es also darum geht, Familien gerade in schwierigen Situationen zu unterstützen, frage ich schon: Was ist denn eigentlich für Alleinerziehende und kinderreiche Familien vorgesehen? Wir wiederholen immer wieder unsere Forderung nach einer Kindergelderhöhung und -staffelung zugunsten von Mehrkindfamilien. Nichts passiert! Was ist, wenn wir von Familien in schwierigen Situationen sprechen, was ja immer wieder beklagt wird, auch nach Corona? Dann stellen wir fest: Mittel für Müttergenesungswerk – gekürzt, Mittel für Familienerholung – gekürzt. Nach dem wertvollen Corona-Auszeit-Programm – in der Bewertung waren wir uns offensichtlich alle einig – gab es das Zukunftspaket für Bewegung, Kultur und Gesundheit – zusammengestrichen. Wir suchen Perspektiven für junge Menschen, kürzen aber nach dem Vorschlag der Bundesministerin die Ausgaben für freie Jugendhilfe um 19 Prozent, Zuschüsse an Jugendorganisationen politischer Parteien um 50 Prozent. Wir wollen Eltern nach der Geburt ihres Kindes unterstützen. Wir fordern seit Langem eine Reform des Elterngeldes. Was machen Sie? Sie kürzen das Elterngeld. Was ist das für ein Signal, das Sie da an die Eltern und die Familien senden?
Wir wollen bessere Bildungsperspektiven, um gerade armutsgefährdeten Kindern mit Migrationshintergrund zu helfen. Was macht die Regierung? Sie streicht die Sprach-Kitas und streicht die Zuschüsse an Wohlfahrtsverbände für Beratung und Betreuung von Flüchtlingen und Auswanderern.
Wir reden davon, dass wir Demokratie und Zusammenhalt stärken wollen, und freuen uns darüber, wie viele junge Menschen heute den freiwilligen sozialen Dienst tun und damit Zusammenhalt leben und einen wesentlichen Beitrag zur Demokratie in unserem Lande leisten, und dann streichen wir diese Mittel nach Vorschlag der Bundesministerin,
bei den Freiwilligendiensten um 50 Prozent und beim Bundesfreiwilligendienst um 25 Prozent. Sind Sie sich, Frau Ministerin, eigentlich bewusst, welche Konsequenzen das hat? Manchmal sind es nur kleine Kürzungen, die dazu führen, dass ganze Strukturen unwiderruflich zusammenbrechen, und das können wir nicht akzeptieren.
Mit den genannten drei Kriterien gehen wir gerne mit Ihnen in die Beratungen Ihres Haushalts. Es geht uns darum, den Eltern und ihren Kindern zu helfen, sie zu unterstützen, Verantwortung wahrzunehmen in einem demokratischen, rechtsstaatlichen und auch solidarischen Umfeld. Zu diesen Beratungen sind wir sehr gerne bereit.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sind in einer Situation, die wir uns vor über einem Jahr nicht hätten vorstellen können. Wir haben die Situation, dass wir Krieg in Europa haben. Wir haben die Situation, dass wir als Bundesrepublik von einem auf den anderen Tag Dinge, die eigentlich fast als selbstverständlich galten, umändern mussten. Wir sind also in einem Prozess, den wir seit Jahren in dieser Bundesrepublik so nicht mehr kennen. Und das kostet sehr viel Kraft, das ist eine Zumutung – wir muten unseren Bürgerinnen und Bürgern viel zu –, und das kostet auch sehr viel Geld. Die wirtschaftliche Situation ist davon auch äußerst angefasst, wenn ich das so sagen darf. Deshalb haben wir in der Vergangenheit als Bundesrepublik, als Bund den Menschen, den Unternehmen sehr stark geholfen. Wir haben geholfen, diese akute neue Situation mit Preisbremsen, mit Hilfen abzufedern. Natürlich haben wir unsere Verantwortung wahrgenommen und auch Familien und Kindern geholfen.
Jetzt legen wir sogar noch eine Schippe drauf. Wir sagen: Das, was wir kurzfristig in einer Krisensituation zur Hilfe bereitgestellt haben, wollen wir auch langfristig und dauerhaft den Kindern und Familien zur Hilfe bereitstellen. Wir wollen die Kindergrundsicherung einführen, und dazu hat das Bundeskabinett einen, wie ich finde, hervorragenden Vorschlag auf den Tisch gelegt.
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Martin Gassner-Herz [FDP]
Es wird keine punktuellen Leistungen mehr geben, keine punktuellen Zuwendungen, sondern Leistungen aus einem Guss. Natürlich müssen wir noch daran arbeiten, es noch weniger bürokratisch zu machen. Aber der Vorschlag jetzt bedeutet schon weniger Bürokratie, weil wir Leistungen zusammenführen. Wir vereinfachen nicht nur, wir führen nicht nur zusammen, nein, wir verbessern auch.
Und hören Sie bitte auf, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Geschichte zu erzählen: Na ja, die Kindergrundsicherung usw. wäre dem Bund nur 2,4 Milliarden Euro wert. – Das stimmt einfach nicht, und das wissen Sie auch; auch Sie, Frau Lötzsch.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Gyde Jensen [FDP]
Sie wissen, dass jetzt schon viel mehr Geld im System ist. Wir haben eine massive Kindergelderhöhung und eine massive Kinderzuschlagserhöhung gehabt: 7 Milliarden Euro zusätzlich allein in diesem Bereich. Damit liegt das Volumen für die Kindergrundsicherung weit über dem, was Sie hier benannt haben, und das wissen Sie auch. Das ist eine große Investition, und das tun wir als Ampelkoalition gerne.
Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Und natürlich sagen wir auch: Die direkte finanzielle Zuwendung ist nur eine Säule. Die zweite Säule sehen wir auch, natürlich. Das haben wir sogar in der Großen Koalition gemeinsam gemacht, indem wir das Gute-KiTa-Gesetz beschlossen haben. Übrigens musste ich dazu am meisten mit meinem eigenen Koalitionspartner streiten. Es ist nicht so, dass das eine Selbstverständlichkeit war, dass die CDU/CSU überhaupt dazu bereit war, dass wir als Bund den Kitas Geld geben. Das stand nämlich nicht in ihrem Wahlprogramm, das haben wir in die damalige Koalition eingebracht.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Wir stellen auch weiterhin Geld für Kitas und Infrastruktur zur Verfügung. Also: Die zweite Säule im Bereich Bildung sehen wir auch – Stichworte „Ganztagsbetreuung“ und „Startchancen-Programm“.
Ich will noch einen letzten Satz zum Thema Freiwilligendienste sagen. Ich freue mich, wenn die Union plötzlich sehr stark ihr Herz für Freiwilligendienste entdeckt.
Ich habe in Positionspapieren der Union den Vorschlag gefunden, aus dem Freiwilligendienst einen Pflichtdienst zu machen, ein Deutschlandjahr, einen Deutschlanddienst oder so etwas Ähnliches. Das ist absolut konträr zu dem, was wir fördern, nämlich einen Freiwilligendienst. Das Freiwillige wollen Sie doch eigentlich aufgeben.
Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
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Dorothee Bär [CDU/CSU]: Wir fragen mal Herrn Steinmeier! Wir sehen ihn ja morgen!
PVizepräsidentin Aydan Özoğuz: Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich grüße Sie auch alle ganz herzlich. Ich freue mich, Sie gesund und munter wiederzusehen.
Ich gebe jetzt das Wort an Ulrike Schielke-Ziesing von der AfD-Fraktion.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Als ersten Einzelplan unter den Fachministerien besprechen wir dieses Jahr den Etat des Familienministeriums. Ich wünschte, die Reihenfolge würde auch die Prioritätensetzung in der Regierung widerspiegeln. Aber leider wird es wohl nur bei Wünschen bleiben.
Wir haben es nun schon mehrfach gehört: Das große Thema in diesem Jahr sind die Sparvorgaben und vor allem Ihre Entscheidung, Frau Ministerin, ausgerechnet beim Elterngeld zu kürzen. Sie und Ihre Kollegen aus der roten und grünen Fraktion verweisen dann gerne auf die Vorgaben aus dem Finanzministerium, und öffentlich schieben Sie sich dann in der Ampel alle gegenseitig die Schuld an dieser Entscheidung zu; haben wir heute ja auch schon gehört. Die Zeche zahlen wie immer die Bürger bzw. in diesem Fall die Eltern.
Frau Ministerin, Sie haben die Ressortverantwortung für Ihr Ministerium und Ihren Haushalt. Daher tragen auch Sie allein die Verantwortung, an welchen Stellen gekürzt wird.
Hier würde ich Sie gerne daran erinnern, dass Sie Familienministerin sind. Das Wort „Familie“ steht nicht umsonst da und auch nicht umsonst an erster Stelle. Wieso sage ich das? Weil Sie anscheinend bei den Haushaltsberatungen innerhalb Ihrer Regierung wohl nicht die Familien vertreten haben, sondern eher die Partikularinteressen Ihrer grünen Kollegen und die Interessen Ihrer Ideologiefreunde in diversen sogenannten Nichtregierungsorganisationen und Netzwerken mit Queer-, Gender- und Sonst-was-Ideologien. Sprich: Die Familien mussten sich wieder einmal hintanstellen.
Frau Ministerin, ausgerechnet beim Elterngeld zu sparen, ist das Letzte, was mir als Haushälterin der AfD-Fraktion einfallen würde.
Es gibt immer noch reichlich an Ausgaben in Ihrem Ministerium, wo man sparen kann – wir haben es Ihnen und Ihrer Koalition mit unseren Änderungsanträgen in der Vergangenheit immer wieder aufgezeigt –, man muss nur die Prioritäten richtig setzen.
Ich will aber das Augenmerk noch auf weitere Stellen Ihres Entwurfs richten. Es gibt weitere Bereiche, wo Sie ordentlich gekürzt haben, nämlich bei der Kinder- und Jugendpolitik um satte 220 Millionen Euro und bei den Freiwilligendiensten um insgesamt 75 Millionen Euro. Auch die Kürzungen im Rahmen des Zukunftspakets für Bewegung, Kultur und Gesundheit um 95 Prozent, also fast auf null, sehen wir äußerst kritisch.
Es herrscht nahezu Einigkeit unter den Experten, die sagen, dass die Coronamaßnahmen einen wesentlich größeren Schaden bei den Kindern angerichtet haben, als man dies angenommen hat, insbesondere was deren Sportleistung anbetrifft. Nur noch 12 Prozent der Kinder werden mittlerweile als „fit“ eingestuft – 12 Prozent! Jetzt ausgerechnet bei einem der wichtigsten Programme, die dem entgegenwirken sollen, zu sparen oder gar das Programm komplett auslaufen zu lassen, das ist das völlig falsche Signal.
200 Millionen Euro fließen da ungehindert weiter an dubiose Organisationen und Vereine, die unter anderem islamischen Fundamentalismus predigen oder Kinder mit Genderideologie indoktrinieren.
Sie haben auch nicht gespart bei der Förderung der Jugendorganisationen der politischen Parteien. Das heißt, alle hier vertretenen Parteien – bis auf eine natürlich – kriegen weiter Steuergelder für ihre „nichtpolitische“ Arbeit.
Und gespart wurde natürlich auch nicht bei der sogenannten Antidiskriminierungsbeauftragten. Frau Ataman darf in diesen Zeiten auf ein nahezu verdreifachtes Budget seit 2020 zugreifen,
Felix Döring [SPD]: Das stimmt nicht! Es steht weniger drin! Haben Sie den Entwurf überhaupt gelesen?
und ich bin mir sicher, dass sie, wie in den vorigen Haushaltsberatungen auch, noch mehr Geld verlangen wird. Denn sie sieht überall Diskriminierung, und je mehr Diskriminierung sie entdeckt, je mehr Geld braucht sie natürlich auch, um dagegen zu kämpfen.
Viele Fragen ergeben sich bei der Kindergrundsicherung. Es geistern da sehr unterschiedliche Zahlen durch die Welt. Zuletzt war die Rede von 2,4 Milliarden Euro – nicht ab nächstem Jahr, sondern erst ab 2025. Auf der Website Ihres Ministeriums wird von der umfassendsten sozialpolitischen Reform seit Jahren und dem Einstieg in eine wirksame Armutsbekämpfung gesprochen. Es soll also der große Wurf werden.
Wenn man nun aber bedenkt, dass das Kindergeld alleine derzeit rund 50 Milliarden Euro pro Jahr kostet und wir bei der Kindergrundsicherung von 2,4 Milliarden Euro reden, hört sich das nicht nach einem so großen Wurf an.
Die Erhöhung wird nicht einmal die Inflation abfedern, geschweige denn ein Mehr für die Familien schaffen. Selbst wenn Sie eine weitere Erhöhung des Bürgergeldes für Kinder ab 2025 einrechnen, passen die Zahlen für die Grundsicherung nicht, die Sie so stolz präsentieren. Aber darüber werden wir beim nächsten Haushalt beraten, nicht bei diesem.
Zusammenfassend können wir für diesen Haushaltsplan sagen: Wir sehen als AfD-Fraktion erheblichen Korrekturbedarf beim Haushaltsentwurf Ihres Ministeriums, und natürlich freuen wir uns trotzdem auf die Haushaltsberatungen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zu Beginn der Regierungszeit wurden im Koalitionsvertrag teilweise gute Ankündigungen im Kinder-, Jugend- und Familienbereich gemacht. Sie gaben Hoffnung auf dringend notwendige Verbesserungen.
Jetzt sind wir etwa bei der Hälfte der Regierungszeit angekommen. Es ist Zeit für eine Halbzeitbilanz. Die Ampelkoalition hat mehrere Versprechen nicht eingehalten. In einigen Fällen hat sie sogar genau das Gegenteil umgesetzt. Hier nur einige Beispiele: Die versprochene Dynamisierung des Elterngeldes ist ausgeblieben, stattdessen gab es eine Kürzung. Gerade in Zeiten der hohen Inflation ist aber eine Erhöhung der Elterngeldsätze dringend notwendig.
Bei den Freiwilligendiensten werden ebenfalls Versprechen gebrochen. Jeder dritte Freiwilligenplatz soll gestrichen werden. Ähnlich sieht es bei der internationalen Jugendarbeit, den Jugendmigrationsdiensten und dem Bundesprogramm „Respekt Coaches“ aus. Außerdem wird der Rotstift bei den Wohlfahrtsverbänden, Mehrgenerationenhäusern, Familienferienstätten und der Müttergenesung angesetzt. Mit diesen Streichungen und Kürzungen werden wichtige Strukturen kaputtgespart, Frau Paus.
Groß angekündigt hat die Ampel die Kindergrundsicherung mit 12 Milliarden Euro. In der aktuellen Planung sind es aber lediglich 2,4 Milliarden Euro. 2,5 Millionen Kinder leben nach wie vor in Armut in unserer Gesellschaft. Ihre Kindergrundsicherung, Frau Paus, ist bei genauerem Hinsehen eine Mogelpackung und kein Paradigmenwechsel. Konsequenter Kampf gegen Armut sieht anders aus. Das Spardiktat von Christian Lindner muss dringend gestoppt werden!
Gegen Armut hilft Geld – Geld, das Herr Lindner lieber den Unternehmen schenken möchte. Unter dem Wachstumschancengesetz werden Unternehmen mit 6 Milliarden Euro beschenkt. Also 6 Milliarden Euro für Unternehmen – 2,4 Milliarden Euro für die Kindergrundsicherung. Für die Bundeswehr wurde sogar über Nacht ein 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen eingeplant. Das ist ein Armutszeugnis für die Ampelkoalition.
Wir werden uns in den Haushaltsberatungen gegen diese Kürzungen einsetzen. Die sozialen Bereiche dürfen nicht kaputtgespart werden!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Frau Ministerin! Sechs Petitionen liegen uns aktuell im Bundestag vor, alle sechs sind Petitionen zur Familienpolitik, alle sechs haben eines gemeinsam: Diese Regierung, diese Gesellschaft soll endlich eine Priorität auf Kinder und Familie legen. Dafür arbeiten auch wir Bündnisgrünen, dafür arbeitet die Familienministerin.
Unter diesen schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen hat das Familienministerium – dafür herzlichen Dank an alle Beteiligten in dem Haus! – einen guten Haushaltsentwurf vorgelegt. Das Elterngeld wurde jetzt schon ein paarmal erwähnt. Ja, das sind auch für uns schmerzhafte Einsparungen. Aber klar ist auch: Die Bundesfamilienministerin hat unter den gegebenen Bedingungen die sozialverträglichste Lösung gefunden, indem sie eben nicht bei allen Eltern gekürzt hat, sondern bei den wohlhabendsten 3 bis 4 Prozent. Solange aus der Union keine seriösen Gegenfinanzierungsvorschläge kommen, sind das wirklich Krokodilstränen, die Sie hier weinen, ist das reine Show. Sie hatten lange genug Zeit, für Familie und Gleichstellung etwas zu tun. Das haben Sie aber nicht getan,
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
und jetzt räumen wir hinter Ihnen auf.
Es ist gut, dass die Kindergrundsicherung jetzt kommt. Mit der Kindergrundsicherung machen wir nicht nur allen Familien das Leben leichter – und wir unterstützen besonders die, die finanzielle Unterstützung brauchen –, sondern mit der Kindergrundsicherung machen wir unser Land fit für die Zukunft. Wenn in Regionen mit hohen Armutsquoten deutlich mehr Jugendliche die Schule ohne einen Abschluss verlassen, dann raubt das nicht nur den betroffenen Kindern und Jugendlichen Zukunftschancen, sondern unserem ganzen Land. Denn unsere Kinder von heute sind die Fachkräfte von morgen, und da brauchen wir jeden Einzelnen und jede Einzelne.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Die Kindergrundsicherung sorgt für die Zukunftsfestigkeit unseres Landes, und sie sorgt für mehr Generationengerechtigkeit. Das ist besonders wichtig, weil die strengen Sparvorgaben im Haushalt durchaus dazu führen, dass wir an anderer Stelle schmerzhafte Einsparungen vornehmen müssen; da möchte ich einmal den Freiwilligendienst oder die Jugendverbandsarbeit erwähnen. Dies werden wir uns im parlamentarischen Verfahren noch mal sehr genau anschauen müssen.
Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD
Für mich und für uns Grüne ist die Priorität ganz, ganz klar: Den Etat des Familienministeriums zusammenzustreichen, ist das falsche Signal. Wenn Sie mich fragen, ob ich lieber Dienstwagen fördere oder Familien,
Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
dann ist meine Antwort ganz, ganz klar: Wir Grüne und wir als Ampel kämpfen im parlamentarischen Verfahren weiter für Generationengerechtigkeit, für Kinder, Jugendliche und Familien; das werden wir tun. Ich freue mich drauf.
Nina Stahr [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ich freue mich schon!
Ich möchte gern noch mal zurückkommen auf Herrn Hönel. Sie haben gesagt, wir von der CDU/CSU seien nur dagegen. Ich werde Ihnen gleich mal sagen, wofür wir alles sind.
Eines kann ich Ihnen sagen: Was wir uns ganz genau angeschaut haben, sind die 111 Seiten das Haushaltsentwurfs des Familienministeriums. Wir haben uns ganz genau angeschaut, wo investiert wird, wo Sie streichen und wo Ihre Prioritäten liegen.
Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist Ihre originäre Aufgabe! Wieso das so herausstellen?
Auffallend ist – wir hören das schon während der ganzen Debatte –, dass die Vision der Ampel vor allem die Förderung von linken Lieblingsprojekten beinhaltet. Als CDU/CSU-Fraktion lehnen wir diese rein ideologische Verteilung von Steuermitteln einfach ab.
Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Nicole Höchst [AfD]
Wie ideologiegesteuert die Ampel mit Mitteln, die eigentlich für alle Familien im Land gedacht sind, umgeht, das lässt sich sehr gut an der Ausstattung der beiden Bundesbeauftragten im Familienministerium aufzeigen: Das Budget für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes mit ihrer Beauftragten Ferda Ataman – Klammer auf: die nicht ganz unumstritten ist; Klammer zu – soll von 2022 3,5 Millionen Euro auf dann 10,1 Millionen Euro anwachsen. Das sind 288 Prozent mehr.
Im gleichen Zeitraum sollen die Mittel für die Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, namentlich Kerstin Claus, die Bundesbeauftragte, die ich persönlich für am wichtigsten halte, die eine hervorragende Arbeit macht, nur um 0,5 Prozent anwachsen. Auf diese Idee muss man wirklich erst mal kommen.
Das sind aus unserer Sicht maximal verschobene Prioritäten. Das zeigt, dass Sie vor lauter Gesinnungspolitik einen klaren Kompass in der Familienpolitik vermissen lassen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD
Sehr geehrte Frau Ministerin, es ist schön, dass Sie zuhören. Vielleicht erinnern Sie sich: Im August letzten Jahres sind Sie in die ländlichen Regionen gefahren oder haben dort Kleinbusse hingeschickt mit der Überschrift „Frühe Hilfen sind da!“. Das ist ein sehr, sehr gutes Ansinnen; denn die Frühen Hilfen unterstützen dort – jeder weiß das aus seinem Wahlkreis –, wo es absolut wichtig ist: in den Familien mit Kindern bis zum dritten Lebensjahr.
Was sich nach einem sinnvollen Projekt anhörte, scheint aber schon wieder Schnee von gestern zu sein. So betragen die Mittel für die Bundesstiftung Frühe Hilfen in 2022 80 Millionen Euro. In Ihrem aktuellen Entwurf sinken die Mittel um 34 Millionen Euro.
Und das ist nicht das einzige Programm, bei dem sich Ihr familienpolitisches Engagement schlagartig geändert hat. Ich möchte es noch einmal ansprechen, weil es wirklich frappierend ist, und zwar das Thema Elterngeld. Hier heißt es, die Einsparungen beträfen nur so ein paar Reiche. In Ihrer ersten Rede als Bundesministerin sagten Sie, Frau Paus, wir bräuchten auch mehr Geld, um Eltern finanziell zu stärken. Jetzt haben wir es hier mit Kürzungen von 300 Millionen Euro zu tun. Die Unternehmerin Verena Pausder hat eine Petition gestartet, die bereits 613 000 Unterstützer/-innen unterschrieben haben. Sie setzen mit dieser Streichung ein fatales Signal, ein Signal gegen Chancengerechtigkeit auch in Familien, in denen mehr verdient wird. Ich möchte darauf hinweisen, dass es gerade Frauen trifft, die sich beruflich besonders angestrengt haben. Das muss aus unserer Sicht dringend revidiert werden.
Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Nicole Höchst [AfD]
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Nina Stahr [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Liebe Kolleginnen und Kollegen, bitte gehen Sie da noch einmal in sich.
Ich fasse aus unserer Sicht zusammen, was in Ihrem Einzelplan 17 steht: Sie erhöhen die Gelder für sogenannte Demokratieworkshops, in denen Kindern erklärt wird, was ihre Pronomen sind – ich hätte das nicht geglaubt, wenn ich es nicht selbst in Hanau erlebt hätte –, während Sie die Gelder für den Bundesfreiwilligendienst kürzen. Sie versprechen den Eltern Zuwendungen und kappen dann beim Elterngeld massiv. Sie stecken Millionen zusätzliche Gelder in den Bereich Antidiskriminierung anstatt in die Bekämpfung von sexuellem Kindesmissbrauch.
Das ist aus unserer Sicht einfach eine fehlgeleitete, vollkommen überideologisierte Politik. Lassen Sie uns da bitte wirklich noch einmal ernsthaft ins Gespräch kommen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ja, in einer Zeit, in der laute Minderheiten Hass, Hetze und Spaltung verbreiten, genau in dieser Zeit kommt es darauf an, die richtigen Prioritäten zu setzen: Es kommt darauf an, Rechtsextremismus und Rassismus entschieden zu bekämpfen; es kommt darauf an, Vielfalt und Toleranz zu stärken; es kommt darauf an, den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu stärken.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Hierfür stellt das BMFSFJ erneut Mittel in Höhe von über 200 Millionen Euro zur Verfügung. Das ist eine solide Basis für die Demokratieförderung in unserem Land.
Zum Stichwort „Zusammenhalt und Vertrauen in unsere politischen Institutionen“ erlauben Sie mir bitte, meine Kolleginnen und Kollegen, dass ich an die Worte unserer Bundestagspräsidentin von heute Morgen anschließe: Als Bundestagsabgeordnete haben wir die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass Vertrauen in unsere politischen Institutionen besteht. Das schließt eben auch die Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion ein. Ich habe heute Morgen Herrn Middelberg im Plenum gehört, ich habe ihn im Radio gehört – geben Sie das bitte an ihn weiter –, und ich habe jetzt gerade Sie gehört, Frau Leikert: Hören Sie auf, Migrantinnen und Migranten als Sündenbock für die Haushaltslage zu stilisieren,
Dorothee Bär [CDU/CSU]: Haben Sie zugehört? Wahnsinn!
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Nina Warken [CDU/CSU]: Sie sollten vielleicht erst mal zuhören, bevor Sie so etwas sagen!
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Dr. Katja Leikert [CDU/CSU]
dafür, dass wir jetzt nur einen kleinen Spielraum haben. Das ist nicht fair. Beherzigen Sie Ihren eigenen Vorschlag an dieser Stelle. Mehr Mut bei diesen Haushaltsverhandlungen, aber auch mehr Mut beim Zusammenhalt, meine Damen und Herren.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Dorothee Bär [CDU/CSU]: Sie haben schon jedes Wort Ihrer Rede fertig gehabt, was?
Denn: Jeder Euro für die Kinder- und Jugendhilfe, jeder Euro für die Unterstützung von Familien, für Demokratiearbeit und für die Prävention von Extremismus ist ein gut investierter Euro. Deshalb ist es wichtig, hier genau hinzuschauen.
Dorothee Bär [CDU/CSU]: Da ist eine Entschuldigung fällig!
Uns als SPD-Fraktion ist vor allem eins wichtig: Sicherheit zu geben und Chancen zu schaffen. Dabei geht es darum, dafür zu sorgen, langfristig Sicherheit zu geben und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu stärken, gleichzeitig aber auch darum, solide zu haushalten. Ja, das ist nicht ganz leicht, nicht in diesen Zeiten, aber wir greifen nicht zu populistischen Plattitüden. Wir müssen als Haushaltsgesetzgebende eben schauen, dass das Geld gut ankommt.
Unsere Demokratie muss jeden Tag gelebt werden. Dafür braucht es auch Projekte vor Ort. Sie alle kennen aus Ihren Wahlkreisen wahrscheinlich das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und wissen aus Berichten, was für eine gute Arbeit hier geleistet wird. Es ist wichtig, dass diese Arbeit fortgesetzt wird.
In den letzten Jahren konnten über kommunale Partnerschaften für Demokratie viele Begegnungen stattfinden und der Zusammenhalt gestärkt werden; persönlich freue ich mich sehr, dass das auch in meinem Wahlkreis Treptow-Köpenick der Fall war. Ich glaube, diese Demokratiebildungsarbeit müssen wir fortsetzen. Gerade für junge Menschen ist das wichtig; denn über solche Projekte gelingt es, dass sich junge Menschen bewusst als wertgeschätztes und wertvolles Mitglied dieser Gesellschaft begreifen. Das prägt für das ganze Leben.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Meine Damen und Herren, wir müssen einen Weg finden, die vielfältigen Angebote und deren Qualität im Kinder- und Jugendplan zu sichern. Wir müssen auch schauen, wie es uns gelingt, dass Erfolge guter Integrationsarbeit nicht ins Leere laufen, und müssen Anschluss bieten. Hier werden wir ganz genau hinschauen müssen. Auch müssen wir die Infrastruktur der Jugendfreizeit- und Bildungseinrichtungen im Blick haben; das ist uns auch als Fachpolitikern wichtig. Hier geht es auch um Wertschätzung für diese wichtige Arbeit mit Kindern; denn sie ermöglicht es, dass Kinder und Jugendliche ihre Träume und Chancen ergreifen können.
Zur Abwägung im Zusammenhang mit dem Gesamthaushalt. Einstein sagte es einst: „Wenn es sich um die Wahrheit und Gerechtigkeit handelt, gibt es nicht die Unterscheidung zwischen kleinen und großen Problemen.“ Deshalb wird es Hausaufgabe für uns als Haushaltsgesetzgebende sein, die Härten eines Sanierungshaushalts in diesem Bereich abzuwenden – für Kinder und Jugendliche, für Demokratieförderung und für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Natürlich lautet die familienpolitische Nachricht dieser Tage: Die Kindergrundsicherung kommt. – Wir gehen mit ihr das Grundproblem an, dass sich bisher ausgerechnet Kinder in wirtschaftlich schwierigen Situationen dem dichtesten Dschungel, den die Sozialbürokratie in Deutschland zu bieten hat, ausgesetzt sehen. Den lichten wir jetzt. Wir führen deshalb bestehende Leistungen in einem modernen und digitalen Verwaltungsprozess bei einer Anlaufstelle zusammen.
Aber: Uns Freien Demokraten geht es um mehr als nur die materielle Absicherung dieser Kinder. Es geht um ein Versprechen auf Bildung und Teilhabe: Ob du die nächste Fußballmeisterin wirst oder deinen Traum von der eigenen Schreinerwerkstatt erfüllst, hängt von deinem Fleiß und deinem Willen ab. – Bisher werden die großartigen Leistungen des bisherigen Bildungs- und Teilhabepakets kaum abgerufen. Zu oft scheitert der Schulausflug am zerknüllten Antragszettel, der drei Wochen zu spät am Boden des Ranzens wieder auftaucht. Das wird sich mit dem Kinderchancenportal endlich ändern.
Beifall bei der FDP sowie des Abg. Sönke Rix [SPD]
Musikverein, THW-Jugend, Handball, Tanzen, Theater spielen – alle Kinder sollen dabei sein können. Das Wachsen in Gemeinschaft brauchen Kinder, um sich zu starken, selbstbestimmten Persönlichkeiten entwickeln zu können.
Einige Kommunen haben mit digitalen Lösungen die Inanspruchnahme bereits bei sich anheben können. Das bundesweite Kinderchancenportal wird kommen, und es wird ein Gamechanger sein.
Silvia Breher [CDU/CSU]: Die Idee ist super! Es kommt nur nicht!
Ich erwarte, dass wir an der Stelle ambitioniert sind und das zügig umsetzen.
An anderer Stelle merkt man dem Haushaltsentwurf an, dass das Ministerium in letzter Zeit sehr beschäftigt war. So fehlt im Bereich der Ausgaben für Demokratieförderung noch das nötige Fingerspitzengefühl.
Es ist in diesen Zeiten, in denen unsere Gesellschaft unter Druck steht, auch wichtig, dass wir uns um gesellschaftliche Stabilität kümmern. Für uns als FDP ist aber gerade deshalb unverständlich, dass so große Kürzungen etwa beim KJP vorgesehen sind, wo Jugendliche bei den Pfadfindern oder im Sportverein lernen, wie man sich in die Gesellschaft einbringt. An anderer Stelle bleiben Titel unverständlicherweise unangetastet. So machen wir das Demokratiefördergesetz eigentlich extra dafür, um eine neue Ordnung in der Lastenverteilung zwischen Bund und Ländern zu schaffen. Ich wundere mich, warum sich das in den entsprechenden Haushaltstiteln nicht widerspiegelt.
Dorothee Bär [CDU/CSU]: Sind Sie Mitglied dieser Regierungskoalition?
An vielen Stellen des Einzelplans verlangen wir von Trägern, die viel Gutes für die Gesellschaft mit knappen Mitteln tun, große Einsparanstrengungen. Das ist uns leider nicht anders möglich. Diese Menschen haben aber dann wenigstens das Signal verdient, dass man mit ihnen in einem Boot sitzt und das Ministerium selbst vorbildhaft mit knappen Mitteln auskommt. Aber hier werden Kostensteigerungen ganz selbstverständlich obendrauf geschlagen; die Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit steigen sogar um etwa 240 Prozent. Das genügt meinen Ansprüchen an eine Vorbildfunktion nicht.
Ich bin aber sicher, dass wir am Ende der Haushaltsberatungen einen gelungenen Einzelplan 17 haben werden, der sowohl unsere Gesellschaft stärker macht als auch Gutes für Jugendliche, Kinder und Familien erreicht und dabei gleichzeitig den notwendigen Stabilitätskriterien gerecht wird.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Demokratinnen und Demokraten! Das haut gewaltig rein! Jeder dritte junge Mann zwischen 18 und 36 Jahren findet es okay, wenn ihm im Streit mit der Partnerin die Hand ausrutscht, und würde zuschlagen, um sich Respekt zu verschaffen, sagt eine aktuelle Studie. Über die Hälfte der Männer sieht sich in der Rolle des Ernährers und die Frau am Herd.
Reaktionäre Rollenbilder sind wieder auf dem Vormarsch, und das beinhaltet, dass Frauen als weniger wert, als Objekt und Besitz von Männern betrachtet werden. Und mit Sachen kann man eben einfach machen, was man will.
Woran liegt das? Wenn Menschen sich ihrer Zukunft ohnmächtig ausgeliefert fühlen, wollen sie mit aller Kraft erhalten, was sie kennen und was vermeintlich Stärke verspricht. Sie verkennen dabei, dass sie damit genau das fortsetzen, was in die Probleme geführt hat.
55 Prozent der jungen Menschen fühlen sich nach einer Studie des Progressiven Zentrums einsam. Einsamkeit geht mit Anfälligkeit für Extremismus, Verschwörungserzählungen und erhöhter Gewaltbereitschaft einher. Einsame füllen ihre Zeit oft mit Medienkonsum oder Spielen, bewegen sich in stereotypen Bildern, festigen unfreiwillig algorithmisch ihr Weltbild und trennen sich immer weiter von der Gemeinschaft ab. Niederländische Studien belegen zudem Zusammenhänge zwischen beim Surfen leicht zugänglichen Pornodarstellungen und stereotypen Rollenbildern, der Betrachtung von Frauen als Objekt und der Gewaltbereitschaft gegen Frauen.
Das durchschnittliche Einstiegsalter von Jungen in den Pornokonsum ist elf Jahre, und viele haben später Schwierigkeiten, echte Liebesbeziehungen aufzubauen. Einsamkeit, Pandemiestarre, Angst vor einem unbewohnbaren Planeten und einer Zukunft, in der es nichts mehr zu gewinnen gibt, führen viele junge Menschen in Lethargie und das Gefühl, ihrer Zukunft ausgeliefert zu sein.
Ein Teufelskreis? Oder gibt es einen Notausgang? Ja, der Notausgang heißt Engagement, wenn junge Menschen vor Ort, in Kita, in Schule, im Verein oder in Jugendorganisationen wertschätzende Gemeinschaft, echte Teilhabe und Selbstwirksamkeit erleben. Der Schlüssel zur Demokratie ist die Erfahrung, die Welt im eigenen Sinne mitgestalten zu können.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Martin Gassner-Herz [FDP]
Wer sich ehrenamtlich engagiert, erlebt Gemeinschaft und lernt Verantwortung für sich selbst, für Menschen, für Natur und für das Gemeinwesen. Angemessene Investitionen in die Kinder- und Jugendverbandsarbeit sind daher elementar für das Gelingen der Demokratie und als selbstbewusstes Parlament unser Ziel im Verfahren. Kostet uns nicht am Ende der gesellschaftliche Reparaturbetrieb in Justiz, im Gesundheitswesen zur Bekämpfung von genannten Gewaltfolgen ein Mehrfaches des vermeintlich Eingesparten?
Die freiwilligen Leistungen im Familienhaushalt haben ein relativ kleines Volumen, aber einen riesigen Impact, weil sich jeder Euro in der Wirkung langfristig multipliziert – positiv wie negativ. Zur wichtigen Rolle der Freiwilligen hat sich der Gesetzgeber bekannt. Rund die Hälfte der FSJler etabliert sich als Fachkraft; fast alle bleiben dauerhaft ehrenamtlich engagiert. Sie leisten in Kita, Schule, Vereinen und in der Pflege vor Ort Unbezahlbares.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Martin Gassner-Herz [FDP]
Die bestehenden Strukturen in den Freiwilligendiensten gilt es zu erhalten. Denn gesellschaftlich geht es im Gegenteil darum, diejenigen zu aktivieren und an die Gesellschaft zu binden, die bisher wenig gesellschaftliches Engagement kennengelernt haben. Damit es nicht auf das Elternhaus ankommt, setzen wir uns auch weiterhin für die Stabilisierung der Dienste ein.
Wenn wir die Demokratie bewahren wollen, dann dürfen wir den jungen Menschen nicht nur eine Zukunft versprechen, sondern dann müssen wir auch in sie und in ihre Selbstermächtigung investieren.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kollegen und Kolleginnen! Lieber Herr Kollege Lehrieder, ich hätte jetzt eigentlich noch einen konstruktiven Vorschlag am Ende Ihrer langen Aufzählung dieser Negativbeispiele erwartet.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Andrew Ullmann [FDP]
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Stephan Brandner [AfD]: Die Redezeit war ja um!
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Paul Lehrieder [CDU/CSU]: Ich habe doch „Demokratie leben!“ gesagt!
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Nina Warken [CDU/CSU]: Auch Sie müssen zuhören!
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Weitere Zurufe von der CDU/CSU: Hat er doch gemacht!
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Dorothee Bär [CDU/CSU]: Die haben alle ihre Reden vorher geschrieben!
Denn dazu sind wir ja da: um hier zu beraten und unsere gemeinsamen Ziele, die es ja vielleicht gibt, voranzubringen.
Kollegen und Kolleginnen, viele meiner Vorredner/-innen haben es schon gesagt: Der Haushalt für das nächste Jahr entsteht unter ganz außerordentlichen Bedingungen. Ich muss Ihnen nicht sagen, dass wir in Deutschland mit Inflation zu kämpfen haben, dass die Wirtschaft in einer Rezession steckt und dass die Aussichten für das nächste Jahr gedämpft sind, kurzum: dass die fetten Jahre vorbei sind, dass gespart werden muss. Das ist eine Tatsache, an der wir nicht vorbeikommen.
Auch ich hatte mir das zu Beginn dieser Koalition ganz anders vorgestellt: Ich hatte nicht damit gerechnet, dass wir je in eine so schwierige Lage kommen würden und so viel eingespart werden müsste. Aber nun ist es so, und wir müssen tun, was notwendig ist.
Nur, einfach pauschal in jedem Bereich den Rotstift ansetzen, das darf nicht sein. Wir müssen schon schauen, wo Kürzungen gerade noch so verschmerzbar sind und wo nicht. Nicht verschmerzbar sind sie im Bereich „Kinder und Jugendliche“.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Es ist nicht sinnvoll, Strukturen, die wir hier über Jahre mühsam aufgebaut haben, jetzt mit dem Hintern wieder einzureißen. Auch wenn es Sparzwänge gibt: Wir brauchen unsere Hilfe- und Unterstützungssysteme weiterhin. Dabei sind die Wohlfahrtsverbände die Partner des Sozialstaats: Sie betreiben nicht nur Kitas oder Einrichtungen der Jugendhilfe, sondern auch Beratungsstellen. Sie bieten Freiwilligen Gelegenheiten für bürgerschaftliches Engagement und bringen mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden dafür noch Geld mit. Sie geben außerdem den Interessen benachteiligter junger Menschen eine Stimme, wie ich es gerade wieder im Beteiligungsprozess zur inklusiven Ausgestaltung der Kinder- und Jugendhilfe erleben darf. Wir haben also allen Grund, sie weiter zu unterstützen, besonders im großen Bereich der Jugendsozialarbeit.
Denn bleiben diese Strukturen erhalten, dann wirkt sich das positiv auf viele der zukünftigen Haushalte aus, die in diesem Haus beraten werden, nämlich zum Beispiel durch weniger Staatsausgaben und mehr Steuereinnahmen, weil es jungen Menschen aus schwierigen Lebenslagen mit Anschubhilfe gelingt, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.
Aber ich sage ganz deutlich: Wir müssen und sollten auch nicht immer alles nur in Geldwerten messen. Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, zu unterstützen, hat einen Wert an sich und sollte zum Selbstverständnis einer demokratischen und solidarischen Gesellschaft gehören. Solche Werte weiterhin zu leben, wirkt sich auch auf die Lebensqualität und Zufriedenheit jedes Einzelnen aus, und sie kann man nicht in die Titel eines Haushaltsplans fassen.
Ähnlich wie mit den Wohlfahrtsverbänden ist es auch mit den Mehrgenerationenhäusern, die eigentlich fast falsch benannt sind und „Gemeinschaftsstützpunkte“ heißen müssten.
Deutschkurse für Zugewanderte, Spielgruppen für Kinder, Hausaufgabenbetreuung, Reparaturstammtische, Handykurse für Seniorinnen und Senioren, Mietberatung, Unterstützung für Geflüchtete und vieles mehr. Es ist deshalb sehr gut, dass wir vor drei Jahren dafür gesorgt haben, dass die staatliche Förderung der Häuser erhöht wurde. Nun steht eine geringfügige Kürzung dieser Förderung zur Debatte. Allerdings: Geringfügig ist sie mit Blick auf die Entlastung des Haushalts, nicht aber in der Wirkung auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Darum mein Appell: Nutzen wir die nächsten Wochen, um intensiv darüber zu diskutieren, wie wir es trotz der angespannten Lage gemeinsam hinbekommen können, dass der Zusammenhalt in unserem Land auch weiterhin stark bleibt!
Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das war jetzt natürlich die erwartete hitzige Debatte zum Einstieg in die Beratungen zu unserem Einzelplan 17, dem Haushalt des Familienministeriums. Ab jetzt wird verhandelt, und beschlossen wird dann nach dem aktuellen Zeitplan am 1. Dezember. Ich mag an dieser Stelle wirklich allen danken, die uns hier kritisch begleiten – innerhalb des Parlaments, aber auch außerhalb.
Nach der Veröffentlichung des Haushaltsentwurfs des Ministeriums bekamen wir ja alle jede Menge Zuschriften mit klugen Argumenten. All diese Einlassungen von Verbänden, Organisationen und Einzelpersonen sind getragen von dem hohen Maß an Bereitschaft, Verantwortung für eine demokratische, solidarische und gerechte Gesellschaft zu übernehmen. Ich danke wirklich allen: Das geht los bei der BUNDjugend, geht über den Arbeiter-Samariter-Bund, die Deutsche Wanderjugend, den Deutschen Frauenrat bis hin zur Arbeiterwohlfahrt. Alle haben uns geschrieben; mit allen haben wir versucht, Gespräche zu führen, und sind da in einem guten Austausch. Vielen, vielen Dank dafür!
Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Es stimmt: Für Kinder und Jugendliche brauchen wir nicht entweder gute Bildung oder finanzielle Grundabsicherung; wir brauchen ein Sowohl-als-auch. Ältere Menschen brauchen nicht entweder gut funktionierende soziale Sicherungssysteme oder gute Angebote für aktives Altern; sie brauchen ein Sowohl-als-auch. Man kann mit Geld viel gestalten und ermöglichen. Ich wäre dankbar, wir hätten für unseren Haushalt diese 243 Millionen Euro, die wir Schadensersatz zahlen, weil der Herr Scheuer bei der Maut versagt hat,
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
haben wir aber nicht.
Aber nicht alles, was eine Gesellschaft voranbringt, kostet Geld; manchmal braucht man einfach nur guten Willen. Wo ist die Unterstützung der Union bei der Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz?
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
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Nina Warken [CDU/CSU]: Kinderrechte ins Grundgesetz und dann die Mittel kürzen für Kinder! Was hilft das denn?
Wo bleibt die Debatte bei den Konservativen über die unsäglichen Strafandrohungen bei Schwangerschaftsabbrüchen? Wo sind die griffigen Vorschläge für eine echte Erhöhung des Frauenanteils im Bundestag? Gesellschaftlicher Fortschritt kostet nicht nur Geld; er kostet auch guten Willen.
Bei manchen Debattenbeiträgen der letzten Tage, insbesondere zur Kindergrundsicherung, habe ich mir echt die Haare gerauft. Wenn Herr Merz kommt und die Geschichte vom Lohnabstandsgebot erzählt, dann muss ich sagen: Das ist wirklich daneben. Haben Sie schon mal überlegt, warum das Armutsrisiko von Alleinerziehenden so viel höher ist als das anderer Erwerbstätiger?
Dorothee Bär [CDU/CSU]: Wer hat denn die Anträge für Alleinerziehende geschrieben? Ich glaube, das war die CDU/CSU-Fraktion!
Diese Alleinerziehenden – das sind überwiegend Frauen – brauchen unsere Unterstützung und keine Belehrungen; sie brauchen schon gar keine Debattenbeiträge, die sie in ihrer Lebenssituation diskreditieren, geradezu beschämen. Schämen müssen sich hier wirklich andere.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
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Nina Warken [CDU/CSU]: Einen miserablen Haushalt aufstellen und dann noch solche Dinge von sich geben! Mein lieber Mann!
Und ich lade alle Kolleginnen und Kollegen ein, sich mit kreativen Ideen an der Haushaltsplanung 2024 zu beteiligen. Hilfreich wäre in dem Zusammenhang, wenn Sie dabei weniger die Taktik der Rosinenpickerei, sondern mehr das große Ganze sowie eine faire Aufgabenverteilung zwischen den unterschiedlichen staatlichen Ebenen in den Blick nähmen.
Das Haushaltsrecht, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, ist das Königsrecht des Parlaments. Setzen wir uns also die Krone auf! Bis 1. Dezember ist nicht mehr viel, aber genügend Zeit. Nutzen wir sie!
Sehr geehrte Frau Präsidentin, gestatten Sie mir eine Vorbemerkung. – Herr Bollmann, die Würde des Menschen ist unantastbar. So steht es in Artikel 1 unseres Grundgesetzes. Das bezieht sich natürlich auch auf transsexuelle Menschen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und der LINKEN
Sie sollten sich entschuldigen bei den betroffenen Personen für diese abgrundtief verachtungswürdige Beleidigung, die Sie heute ausgesprochen haben. Es ist gut, dass die Bundesregierung im Kabinett das Selbstbestimmungsgesetz beschlossen hat, meine Damen und Herren.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Gerechte Chancen für unsere Jüngsten – das ist ein Ziel, das diese Koalition eint. Jeder Euro, den wir dabei mehr ausgeben für Chancengerechtigkeit, ist eine Investition in die Zukunft, die sich auf vielfältige Weise bezahlt macht. Lassen Sie mich eines zu Beginn sagen: Die Kindergrundsicherung ist dafür genau das richtige Instrument, das wir jetzt als Koalition gemeinsam aufs Gleis setzen. Endlich wird Kinderarmut in Deutschland wirksam und nachhaltig bekämpft, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD
Die verschiedenen Bausteine hat Ministerin Lisa Paus bereits beschrieben. Ich möchte hinzufügen, dass die Kindergrundsicherung auch ein relevanter Wirtschaftsfaktor ist. Gerechte Chancen bedeuten erfolgreichere Bildungswege, bedeuten mehr gut ausgebildete Fachkräfte in der Zukunft. Die volkswirtschaftlichen Kosten von Kinderarmut übersteigen mittel- und langfristig die Ausgaben für die Kindergrundsicherung um ein Vielfaches. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Kindergrundsicherung ist eben nicht nur unsere sozialpolitische Verantwortung, sie ist auch das Gebot ökonomischer Vernunft. Deswegen ist sie doppelt richtig.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Im Hinblick auf die Union möchte ich einmal sagen: Sie sprechen so gern über diese eine Ursache von Kinderarmut, die Migration. Sie verzerren damit aber – so nehme ich das wahr – das wahre Bild,
indem Sie die drei wichtigeren Risikofaktoren ausklammern. Studien zeigen, dass das größere Risiko für Kinderarmut ausgeht von der Erwerbsintensität der Eltern, dem Bildungsgrad der Eltern und der Familienstruktur,
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Ja, liebe Kolleginnen und Kollegen, multiple Krisen verengen unsere Haushaltsspielräume; das wurde angesprochen. Deswegen gibt es Kürzungen zum Beispiel bei den Freiwilligendiensten, die wir uns sicherlich im parlamentarischen Verfahren noch mal genau anschauen werden. Aber liebe Kolleginnen und Kollegen aus der Union, was wäre denn die Alternative gewesen? Wollen Sie lieber der alleinerziehenden Mutter den Unterhaltsvorschuss kürzen
oder den Kinderzuschlag für untere Einkommen? Sie können nicht auf der einen Seite fordern, es dürfe keine Kürzungen geben, aber nie sagen, wie unter Einhaltung der Schuldenbremse die Gegenfinanzierung aussehen soll.
Dorothee Bär [CDU/CSU]: Haben Sie Frau Breher nicht zugehört?
Das bringt das Land nicht weiter. Das bringt die Kinder nicht weiter. Das bringt uns nicht weiter, und Sie selbst bringt es am wenigsten weiter, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Lediglich 3 bis 4 Prozent der reichsten Eltern sind davon betroffen. Wir sparen eben nicht bei denjenigen, die es am dringendsten nötig haben. Die neue Regelung der Ministerin ist die sozialverträglichste Art und Weise, den Vorgaben des Finanzministers zu entsprechen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
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Dorothee Bär [CDU/CSU]: Das stimmt nicht!
Übrigens: Die Differenz zwischen dem Haushalt 2023 und dem vorliegenden Entwurf für 2024 entspricht fast haargenau dem Schaden, den uns die CSU durch ihr Pkw-Maut-Desaster eingebrockt hat, nämlich 240 Millionen Euro,
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Das ist nämlich die Wahrheit.
Lassen Sie mich zum Schluss kommen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, dieser Etat ist elementar für die Sicherung unserer Zukunft, für eine resiliente Zivilgesellschaft und starke Familien: vorgesehene Gesamtausgaben von rund 13,35 Milliarden Euro in 2024. Damit liegt der Etat im Übrigen deutlich über der Finanzplanung der GroKo, die für das kommende Jahr nur 11,7 Milliarden vorgesehen hatte. Auch das gehört zur Wahrheit dazu.
PVizepräsidentin Petra Pau: Kollege Hönel, ich muss jetzt für das Recht Ihrer Kollegin kämpfen. Setzen Sie bitte einen Punkt.
Letzter Satz, Frau Präsidentin. – Das schaffen wir trotz all der Krisen und Unwägbarkeiten in dieser Zeit, weil der zivilgesellschaftliche Zusammenhalt das Fundament unserer Demokratie ist, weil wir Familien, von Jung bis Alt, im Blick haben, sie stärken und fördern.
Herzlichen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dieser Haushaltsentwurf achtet die grundgesetzlich verankerte Schuldenbremse. Und ich bin Bundesfinanzminister Christian Lindner sehr dankbar dafür, dass er auch seine Kabinettskolleginnen und -kollegen an dieses Ziel erinnert hat.
Das sage ich an dieser Stelle ganz explizit, weil wir heute über den Einzelplan 17, über den BMFSFJ-Haushalt sprechen, und das „J“ steht ja bekanntlich für „Jugend“. Investitionen in die nächste Generation sind Investitionen in unser aller Zukunft. Dafür sind Bildung und Teilhabe der Schlüssel. Am Donnerstag werden wir hier von Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger hören, was es zum Startchancen-Programm zu sagen gibt, das gerade mit den Ländern in der Abstimmung ist.
Über die Kindergrundsicherung haben wir ja schon viel, auch in der Sommerpause, diskutiert und debattiert. Unser Petitum dort ist klar – mein Kollege Martin Gassner-Herz wird dazu später noch weiter ausführen –: Wir wollen, dass es unbürokratisch und effektiv auch den Kindern und Familien hilft, die jetzt schon anspruchsberechtigt sind.
Wir haben von Sönke Rix gehört, wie sich die Kindergrundsicherung zusammensetzen wird und dass es weit mehr ist als nur die Milliardenbeträge, die wir gerade dazu hören. Wir wollen vor allen Dingen die Chancenarmut anpacken, die in Deutschland besteht. Das schaffen wir mit Bildung und Teilhabe.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Stichwort „Schuldenbremse“: Dass dieser Staat hier nachhaltig wirtschaftet, ist auch ein Gebot der Generationengerechtigkeit. Denn die finanziellen Spielräume, die wir uns heute auf Kredit finanzieren, sind diejenigen, die wir den jungen Menschen nächster Generationen abkaufen.
Unser Job hier in diesem Parlament ist, dass wir uns in den Haushaltsberatungen über die Einzelpläne beugen und immer wieder zwei Prüffragen stellen. Die erste Frage ist: Erreichen wir mit dem Geld wirklich das Ziel, das wir erreichen wollen? Und die zweite Frage ist: Gibt es eine effizientere Art und Weise, das Geld einzusetzen, um das Ziel vielleicht sogar noch besser zu erreichen?
Ein Posten, bei dem diese zwei Prüffragen für uns als FDP-Fraktion so nicht aufgehen, sind die Vorschläge, die Bundesfamilienministerin Paus zum Elterngeld gemacht hat. Denn – Prüffrage! – das Ziel des Elterngeldes ist es, dass Eltern Zeit mit ihren Neugeborenen verbringen können, dass sie sich Carearbeit aufteilen können, so wie es am besten für sie passt, weil nämlich die Frage „Wer bleibt zu Hause?“ nicht automatisch die Antwort „Derjenige, der geringer verdient!“ haben muss.
Nach allem, was wir wissen, scheint das Elterngeld, und zwar über alle Einkommensschichten hinweg, genau dieses Ziel zu erfüllen, also ein sehr erfolgreiches Instrument zu sein. Deswegen kann die vorgeschlagene Kappung von Frau Paus so nicht helfen, das Elterngeld noch präziser zu machen, ganz im Gegenteil. Deswegen schauen wir uns in den nächsten Wochen und Monaten die Stellschrauben an, bei denen man ansetzen und dadurch das Ziel im Blick behalten, aber trotzdem möglicherweise die Kosten reduzieren kann,
beispielsweise beim gleichzeitigen Bezug von Elterngeld beider Elternteile, explizit nicht im Mutterschutz, beispielsweise beim Partnerschaftsbonus, beim Geschwisterbonus.
Dorothee Bär [CDU/CSU]: Frau Paus hört gar nicht zu! Das will sie nicht hören!
All diese Dinge werden wir besprechen. Es ist noch keine Entscheidung gefallen; das möchte ich vor allen Dingen an die Union gerichtet sagen; denn die tut ja manchmal so, als sei nach der ersten Lesung des Haushalts hier schon alles in Sack und Tüten.
Als Allerletztes möchte ich daran erinnern, dass die frühkindliche Bildung und die Kitainfrastruktur in diesem Land ein maßgeblicher Standortfaktor für den Wohlstand, der hier erwirtschaftet wird, sind – damit verbunden ist das Geld, über dessen Verteilung wir hier gerade beraten.
Frau Präsidentin, ich komme zum Schluss. – Daran möchte ich alle erinnern. Denn die große Sorge von vielen Menschen, die gerne arbeiten wollen, ist auch: Hat meine Kita so lange auf,
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Ich muss heute bei meiner Rede ausnahmsweise mal bei der Linken anfangen. Frau Kollegin Lötzsch, Sie haben vorhin in Ihrer Rede ausgeführt, die Kindergrundsicherung komme frühestens 2025 und wir wüssten nicht, ob dann die jetzige Regierung noch im Amt sei. – Ich darf mich ausdrücklich bedanken für Ihren mutmachenden Optimismus, dass es uns gelingt, die Ampel bis 2025 abzulösen. An uns soll es nicht liegen.
Durch die ganzen Reden von Mitgliedern der SPD heute Vormittag zieht sich ein roter Faden: Sie schimpfen dauernd über die Ära Merkel. Und jetzt hauptsächlich für die Zuschauerinnen und Zuschauer auf den Tribünen: In den letzten 16 Jahren mit Angela Merkel war die SPD zwölf Jahre unser Koalitionspartner. Der letzte Bundesfinanzminister vor Christian Lindner hieß Olaf Scholz.
Nur für die Historie, damit das tatsächlich nicht ganz vergessen wird: Ihr habt Mitverantwortung getragen, und jetzt herrscht kollektive Amnesie; jetzt wisst ihr nichts davon. Vier Jahre waren die Genossen von der FDP dabei.
Das teils absurde Agieren zwischen Finanzminister Lindner und der für den Einzelplan 17 zuständigen Ministerin Paus lässt jegliche Gemeinsamkeiten im Interesse unseres Landes vermissen. Denken Sie an die völlig verspätete Aufstellung des Haushaltes, gefolgt von der Veröffentlichung von internen Mails zwischen den Ministern via Social Media und dem bis vor Kurzem zu beobachtenden zermürbenden Hickhack um die Kindergrundsicherung! All das hat das Vertrauen in die Ampel alles andere als gestärkt, und die aktuellen Umfragewerte zeigen dies. Im Ergebnis landen Sie mit Ihrem hier vorgestellten Entwurf für das Haushaltsjahr 2024 fernab der Realitäten und Bedürfnisse von jungen Frauen, Familien – auf das Stichwort „frühkindliche Bildung“ wurde vorhin schon hingewiesen – und auch Senioren.
Abgesehen davon gibt es jedoch eine Sache – und da müssen die beiden Minister Geschwister im Geiste sein –, die Sie eint: ein ambivalentes Verhältnis zu Zahlen. Der Finanzminister reizt die Grenze der Neuverschuldung bis aufs Maximum aus, redet neuerdings vom „Kernhaushalt“ und bedient sich mittels diverser intransparenter Sondervermögen Taschenspielertricks. Der hier anwesende Staatssekretär Toncar hat heute Morgen im „Morgenmagazin“ ausgeführt: Die Sondervermögen sind ja da, und dann kann man sie auch ausgeben.
Gyde Jensen [FDP]: Das kann er gar nicht gesagt haben!
Nein, die Sondervermögen sind nicht da; Sondervermögen sind neue Schulden.
Das sind Taschenspielertricks, um den Haushalt aufstellen zu können. Verantwortung für unser Land und die kommenden Generationen, die diese Schulden irgendwann abtragen müssen, sieht anders aus.
Zuruf von der SPD: Geht es auch noch einmal um Familien?
– Keine Angst! – Dieser fällt aufgrund einer völlig verfehlten Prioritätensetzung einer regelrechten Kürzungsorgie zum Opfer. Im Detail bedeutet das: eine Kürzung beim Elterngeld um 290 Millionen Euro. Damit stellen Sie junge Frauen erneut vor die Frage: Kind oder Karriere? Von den Vorrednerinnen wurde bereits darauf hingewiesen. Sie verschärfen weiterhin die finanzielle Abhängigkeit vom Partner. Wollen Sie das?
Der Text Ihres Koalitionsvertrags wirkt geradezu zynisch. Mit dem gesamten Programmbereich setzt sich der Trend fort, dass die Haushaltsmittel zunehmend durch gesetzliche Leistungen gebunden sind. Mittlerweile macht der Programmbereich laut Bundesrechnungshof nur noch 7,3 Prozent des Gesamtetats aus, insgesamt also 987 Millionen Euro. Dieser Trend wird sich nochmals rapide verschärfen, sobald die Kindergrundsicherung kommt; ein Projekt, dessen Erfolg mehr als fraglich ist. Gerade Familienpolitik sollte eigentlich viel mehr sein als das bloße Auszahlen von Transferleistungen.
Für die Ausgaben der Kinder- und Jugendpolitik stehen im Vergleich zum Vorjahr fast 30 Prozent weniger Mittel zur Verfügung. Besonders getroffen hat das den Kinder- und Jugendplan.
Liebe Frau Ministerin, in den Jugendverbänden wird Demokratie gelebt – nicht so sehr in Ihrem Programm, sondern in den Jugendverbänden. Deshalb, wie schon gesagt: Lassen Sie uns in den nächsten Wochen in den Haushaltsberatungen darüber reden! Das kann es nicht sein. – Ich danke für die Zustimmung aus den Reihen der SPD. Das kriegen wir schon noch hin, Frau Ministerin.
Auch am Garantiefonds Hochschule wurde der Rotstift der Ampel angesetzt. Die nötige Qualifizierungsoffensive für den Bereich Kita lassen Sie nach Ihrem Kahlschlag bei den Sprach-Kitas im letzten Jahr fast völlig ausbluten. Nach einer Erhöhung im letzten Jahr sieht es auch für die Stiftung Frühe Hilfen wieder schlechter aus; Frau Kollegin Leikert hat schon darauf hingewiesen. Gleiches gilt für das Zukunftspaket für Bewegung, Kultur und Gesundheit.
Wie ist es um die Stärkung der Zivilgesellschaft bestellt? Geht man den Einzelplan weiter durch, dann sieht man, dass es weiterhin die Freiwilligendienste und insbesondere den Bundesfreiwilligendienst mit einem Minus von insgesamt 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr trifft. Viele von den Kolleginnen und Kollegen werden in den letzten Wochen Zuschriften in gleicher Weise wie ich auch bekommen haben. Auch da müsste man, Frau Kollegin Breymaier, noch einmal genau hingucken.
Das Freiwillige Soziale Jahr feiert im nächsten Jahr sein 60-jähriges Jubiläum. Welche Signale senden Sie mit diesem Haushalt an die jugendlichen Freiwilligen, die sich engagieren wollen?
Zwei weitere wichtige Bereiche möchte ich an dieser Stelle noch ansprechen, die ebenfalls von der grünen Prioritätensetzung betroffen sind. Die Förderung zur Errichtung von Mehrgenerationenhäusern wird das dritte Jahr in Folge abgesenkt. Frau Ministerin, Sie führen die große und wichtige Gruppe der Senioren im Titel des Ministeriums und lassen sie trotzdem hängen. Das haben die älteren Menschen, die sich um unser Land Verdienste erworben haben, nicht verdient.
Auch die Wohlfahrtsverbände wie der Deutsche Caritasverband, das Diakonische Werk der EKD, das Rote Kreuz und die Arbeiterwohlfahrt verlieren zum Teil beträchtliche Mittel. Ich habe einen dramatischen Brandbrief eines SPD-Kollegen aus meinem Wahlkreis bekommen: Es war der AWO-Landesvorsitzende aus Bayern, der Kollege Wolfshörndl, der genau diese Kürzungen im Freiwilligendienst kritisiert hat.
Jemand Unbedarftes könnte an der Stelle sagen: Die Haushaltsmittel sind knapp; jeder muss seinen Teil dazu beitragen. Doch weit gefehlt! Nicht alle Bereiche müssen sparen: Wichtiger als das Elterngeld und damit unabhängige junge Mütter, wichtiger als Kinder- und Jugendpolitik, wichtiger als eine gute Kinderbetreuung und frühkindliche Bildung oder Seniorenpolitik scheint für die grüne Hausleitung definitiv die Demokratieförderung zu sein.
Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ umfasst nach der kontinuierlichen Erhöhung der letzten beiden Jahre nach wie vor 182 Millionen Euro – manchmal sind es auch 200 Millionen Euro –, hat stets Ausgabenreste in zweistelliger Millionenhöhe und wird trotzdem nicht gekürzt. Der Etat des Familienministeriums – nicht den Kopf schütteln, Frau Ministerin; Sie haben sich einen Schluck aus der Pulle gegönnt – stieg von 105 Millionen auf 121 Millionen Euro. Für das Ministerium haben wir 16 Millionen Euro mehr; für „Demokratie leben!“ haben wir genügend Mittel. Aber bei den ehrenamtlichen Verbänden –
PVizepräsidentin Aydan Özoğuz: Kommen Sie bitte zum Schluss, Herr Kollege.
– Frau Präsidentin, danke für Ihre Geduld –, die die Jugendarbeit und die gesellschaftspolitische Arbeit leisten, kürzen wir. Das kann es nicht sein. Lassen Sie uns noch mal hinschauen! Nach mir sprechen noch die Kollegin Breymaier und Bahr.
Frau Präsidentin! Tatsächlich, die Ministerin! Herr Lange hat mich ja heute zu einer Art Abteilungsleiterin oder Hilfsreferentin des Kollegen Finanzminister degradiert. Insofern hoffe ich, dass Sie ein bisschen an der frauen- und gleichstellungspolitischen Debatte des vorherigen Etats teilnehmen konnten.
Heiterkeit bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Baupolitik heutzutage ist natürlich die sehr komplexe Fragestellung, wie wir die beiden großen Themen eigentlich verbinden: die Deckung des notwendigen Zubaubedarfs in Deutschland und gleichzeitig mit Blick auf den Ressourcenschutz die Berücksichtigung des Klimawandels. Das ist keine banale Frage, sondern eine Frage der wesentlichen technologischen Transformationen. Klar ist: Wir haben einen riesigen Baubedarf, zum einen im Wohnungsbau, aber zum anderen natürlich auch im Bereich der Sanierung, im Bereich des Ausbaus der Schiene und der Straße. Volker Wissing hat einen großen Investitionsbedarf, und da brauchen wir CO2-sparendes Bauen.
Aber als wäre die Frage, wie wir das Bauvolumen und die Ressourcen des Planeten zusammenbekommen, noch nicht kompliziert genug, hat sich durch den Zinssprung die ganze Konjunktur am Bau noch verschlechtert.
Nicht dass wir jetzt historisch hohe Zinsen haben; aber der Sprung von einer langjährigen Niedrigzinsphase hoch zu den jetzigen Zinsen stellt viele Projekte vor eine große Herausforderung.
Und als wäre die Kombination aus Umweltschutz und Bauen für die baupolitische Debatte nicht schon herausfordernd genug, müssen wir jetzt auch noch die Frage beantworten: Wie können wir in dieser Situation einen staatlichen Impuls für die Baukonjunktur setzen und gleichzeitig das Verfassungsgebot der Schuldenbremse einhalten? Ich sage: Wir müssen das zusammenbringen, weil es sich aus Respekt vor der Verfassung verbietet, Schleichwege zu gehen und die Schuldenbremse zu umgehen.
Aber nicht nur das. Auch für alle zukünftigen Bauherrinnen und Bauherren ist Geldwertstabilität ein hohes Gut. Deswegen kommt zu der Herausforderung mit der Quadratur des Kreises auch noch die Frage, wie wir mit der Schuldenbremse als Verfassungsauftrag für die Baukonjunktur einen Impuls setzen können. Das kompliziert die Debatte und ist ein großer Unterschied zur Baupolitik der letzten Jahre, wo man mit vielen Milliarden eine gut ausgelastete Bauwirtschaft noch mal angekurbelt oder vielleicht sogar überhitzt hat.
Deswegen ist es wichtig, dass wir alle Maßnahmen prüfen, wenn es darum geht, was wir tun können, um schnell wirksame Impulse für die Baukonjunktur zu setzen. Denn klar ist: Der Markt wird sich auch an das jetzige Zinsniveau gewöhnen; das sagen alle Institute in ihren Prognosen voraus. Aber 2024 wird noch mal ein sehr, sehr schwieriges Jahr für die Baubranche, bis wir davon ausgehen können, dass sich 2025 alle Marktakteure an die neuen Bedingungen gewöhnt haben.
Deswegen ist es das Ziel der Bundesregierung, mit dem nächsten Haushalt einen Investitionsimpuls zu setzen; aber schon vor dem Beschluss des Haushaltes durch die Einführung der degressiven AfA das ganz klare Zeichen zu setzen, dass sich Bauen mit 6 Prozent Abschreibung lohnt, und zwar ab 1. Oktober 2023; das war uns ganz wichtig. Da bin ich froh, dass das Finanzministerium dem zugestimmt hat, und zwar für Bauprojekte mit Baubeginn ab dem 1. Oktober 2023, egal wie alt der Bauantrag ist.
Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Als es eine meiner ersten Amtshandlungen war, die Mittel für den sozialen Wohnungsbau massiv aufzustocken, fragte der eine oder andere Baupolitiker: Was ist das denn für eine Prioritätensetzung? Ich habe die Signale erhalten, dass die Förderprogramme in den Ländern jetzt deutlich attraktiver sind als in der Vergangenheit. Der soziale Wohnungsbau lebt wieder, und er stabilisiert jetzt ganz entscheidend die Baunachfrage.
Damit das weiter passieren kann, haben wir bis 2027 nunmehr 18 Milliarden Euro für diesen Bereich in die mittelfristige Finanzplanung aufgenommen. Man muss sagen: Unser Programm „Junges Wohnen“ mit 500 Millionen Euro ist so erfolgreich, dass ich gesagt habe: Wir werden das jetzt Jahr für Jahr weiterführen, sodass wir in dieser Legislaturperiode 1,5 Milliarden Euro für „Junges Wohnen“, für Azubis und Studenten, zur Verfügung stellen können.
Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Herr Lange war sich ja nicht ganz sicher, ob Robert Habeck für Neubauförderung zuständig ist oder ob ich es bin. Deswegen verrate ich Ihnen, dass ich das bin.
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Hat man gar nicht gemerkt! Hat man gar nicht gesagt!
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Weitere Zurufe von der CDU/CSU: Ach!
Die Neubauförderung, die über den KTF läuft, ist derart gut angenommen worden, dass wir eine überplanmäßige Ausgabe in Höhe von 900 Millionen Euro beantragt und bekommen haben, sodass wir kontinuierlich durchfinanzieren können.
Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Ganz wichtig ist, dass wir im Jahr 2024 für kurzfristig wirksame Nachfrage sorgen. Eines der beliebtesten, wichtigsten und notwendigsten Programme aus meinem Haus ist „Altersgerechtes Umbauen“, gerade in einer älter werdenden Gesellschaft. Deswegen freue ich mich, dass wir es auch in Zeiten von Sparhaushalten geschafft haben, dieses Programm auf nunmehr 150 Millionen Euro zu verdoppeln.
Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
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Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]
Die Baubranche ist mitten in einer technologischen Transformation. Wer auf der Baumesse war, wird gesehen haben: Es geht um die zwei großen D: Das eine ist Digitalisierung, das andere ist Dekarbonisierung. Das zeigt, dass diese Branche die Herausforderungen der Zeit gerne bewältigen will. Wir unterstützen das mit einem anwendungsorientierten Forschungsprogramm in Höhe von 52 Millionen Euro, damit die Baustelle von morgen nicht mehr aussieht wie die Baustelle von gestern.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Über die Sommerpause hatten wir auch die Gelegenheit, die kommunale Wärmeplanung noch mal mit den Verbänden, mit den Ländern zu diskutieren. Ich bin sehr froh, dass der Gesetzentwurf jetzt zum einen das Bundeskabinett passiert hat und dass wir zum anderen über den KTF einen finanziellen Rahmen haben, sodass die Kommunen in Deutschland bei der wichtigen Organisation der Modernisierung der Heizungsversorgung unterstützt werden können. Wärmeplanung wird ein zentrales Element sein, um gemeinsam überlegen zu können, wie man mit der Technik, die vor Ort sinnvoll ist, morgen heizt. Das ist natürlich für den Gebäudesektor ganz wesentlich.
Ich freue mich auf die parlamentarischen Beratungen, auf eine lebhafte Debatte zu der Frage, wie wir in der Baupolitik die ökologischen Grenzen des Planeten mit den Notwendigkeiten des Bauens übereinbringen und vor allen Dingen darauf, wie wir es schaffen, die Baubranche 2024 durch diese Krise zu bekommen. Ich gehe davon aus, dass die Baukapazitäten, die jetzt abgebaut werden müssten, so schnell nicht wiederkommen werden. Deswegen müssen wir alles tun, um zu verhindern, dass diese Kapazitäten abgebaut werden. Eine stabile große Investitionsnachfrage durch uns – den Bereich des Bauministeriums, aber auch den Bereich des Verkehrsministeriums – kann hier helfen, die Nachfrage insgesamt zu stabilisieren.
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir haben hier eine sehr nüchterne Rede der Bundesbauministerin gehört. Ich hätte bei der jetzigen Lage, der schwersten Baukrise, die wir seit vielen Jahren haben, bei den Haushaltsberatungen, aber auch bei dieser Rede mehr Zupacken durch die Bauministerin erwartet.
Wir sollten uns wirklich mal die Situation angucken. Seit über einem Jahr sehen wir Monat für Monat markant sinkende Baugenehmigungszahlen und Auftragseingänge in der Baubranche. Nur mal zur Erinnerung: Die Plan-, Bau- und Immobilienwirtschaft hat mit fast 20 Prozent einen wichtigen Anteil an der Bruttowertschöpfung unseres Landes. Dieser Nachfragerückgang kann auch auf die Beschäftigung durchschlagen.
Im ersten Halbjahr 2023 fehlten im Vorjahresvergleich Baugenehmigungen für fast 51 000 Wohnungen. Das ist ein Rückgang von 27 Prozent. Die Zahlen der Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser sind um mehr als 40 Prozent gesunken. Da erwarten wir eine Schwerpunktsetzung. Da können wir nicht auf zukünftige Haushaltsjahre warten. Da muss es jetzt einen Baugipfel geben, da muss es ein Baukabinett geben mit dem Bundeskanzler, mit dem Bundesfinanzminister und mit dem Bundesjustizminister, damit es Politik aus einem Guss gibt. Das ist jetzt erforderlich.
Die Bundesregierung hat zumindest schon mal einen Schritt Abstand von ihren Bauzielen genommen, die sie noch bei der letzten Haushaltsdebatte hier vollmundig verkündet hat; darüber redet ja Gott sei Dank keiner mehr. Das ist wichtig; denn Politik beginnt mit der Betrachtung der Lebenswirklichkeit. Doch man würde auch annehmen, dass sich im vorliegenden Einzelplan einige Lösungen finden ließen. Aber wer das erhofft hat, sieht sich enttäuscht. Weit gefehlt! Sie setzen im Grunde genommen – Sie haben es auch in dieser Sommerpause gemacht – in der Bau- und Wohnungspolitik das Chaos fort und verfolgen weiterhin eine Politik der allgemeinen Verunsicherung. Ich nenne zum Beispiel die wochen- und monatelang offen ausgetragenen Streitigkeiten zum Gebäudeenergiegesetz. Glauben Sie, das hat der Baubranche gutgetan? Glauben Sie, das hat der Wirtschaftsbranche gutgetan? Nein, das hat es nicht.
Kassem Taher Saleh [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das liegt aber auch an Ihnen!
Gerade auch im Bereich der Wohnungseigentumsförderung für junge Familien scheitert die Bundesregierung auf ganzer Linie, und das mit Ansage. Viele Redner der Union haben hier vorne gestanden und haben deutlich gemacht, dass das, was Sie da an Eigentumsförderung für junge Familien auf den Weg bringen, nicht zusammenpasst. Mit allerhöchsten energetischen Standards, EH 40, zu bauen, ist in Deutschland sehr teuer, und es wird noch teurer. Aber gleichzeitig ein Programm aufzulegen, bei dem die Geförderten über ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen von maximal 60 000 Euro verfügen dürfen, passt nicht dazu. Dann dürfen Sie sich auch nicht wundern, dass – Stand Ende August – nur 104 Anträge gestellt wurden. Das ist verfehlte Wohnungseigentumspolitik. Das ist die Note Sechs und nichts anderes.
Deswegen fordern wir als Union Sie auf, die Förderbedingungen umgehend zu ändern: Standards senken und mit klaren Positionen auch die Eigentumsgrenzen deutlich machen. Und wir müssen uns vor allen Dingen um die Sanierung im Bestand kümmern. Das ist ganz wichtig; denn 80 Prozent der Eigentumsbildung vollzieht sich doch im Bestand. Dann setzen Sie doch da auch ein Förderprogramm für junge Familien auf!
Kassem Taher Saleh [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Gibt es bereits!
Frau Ministerin, Sie haben ja gerade angesprochen, dass Sie für die Eigentumsförderung zuständig sind. Dann verstehe ich aber nicht, warum Sie sich bei Ihren Koalitionspartnern nicht durchsetzen. Ich könnte jetzt viele weitere Punkte nennen, wo Sie sich durchsetzen müssen. Der Staat ist mittlerweile bei Kosten, Gebühren und Steuern regelmäßig für 37 Prozent der Baukosten verantwortlich. Für 37 Prozent! Ich höre von Ihnen nichts dahin gehend, wie Sie das ändern wollen. Deswegen sage ich Ihnen: Gehen Sie doch jetzt endlich auch mal an die Grunderwerbsteuer ran! Sorgen Sie doch da für eine spürbare Entlastung!
Aber stattdessen geht Ihre Politik der allgemeinen Verunsicherung ja weiter. Der größte Koalitionspartner, die SPD, fordert plötzlich einen bundesweiten Mietenstopp. Das muss man sich mal vorstellen. In der schwersten Bau- und Wohnungskrise das Vermieten nicht attraktiver, sondern noch unattraktiver zu machen, darauf kann nur die SPD kommen. Nein, sorry, darauf hätte auch Die Linke kommen können.
Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Roger Beckamp [AfD]
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Widerspruch der Abg. Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]
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Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Was sagt denn die FDP dazu?
Das muss man sich mal vorstellen, und das sollten Sie sich noch mal vergegenwärtigen. Die Mehrheit der Vermieter in Deutschland sind private Kleinvermieter und nicht die großen Wohnungsbaugesellschaften. Denen müssen wir doch jetzt wieder Vertrauen geben. Da brauchen wir Belastungsmoratorien und gerade keine zusätzlichen mietrechtlichen Vorschriften. Sie werden Ihre baupolitischen Ziele mit dieser Politik ganz klar verfehlen.
Es wird sicherlich gleich auch das Thema „serielles Bauen“ angesprochen. Ja, dafür kann man auch viele Mittel in die Hand nehmen. Aber dann brauchen wir auch einheitliche Baustandards über die Ländergrenzen hinweg; sonst nützt das ganze Geld nämlich nichts, das wir da zur Verfügung stellen. Dazu muss es jetzt endlich eine Initiative aus dem Bauministerium geben. Und wir brauchen realistische energetische Vorgaben. Die geplante Verschärfung des energetischen Gebäudestandards auf EH 40 würde die aktuelle Situation nur noch verschlimmern. Deswegen: Einigen Sie sich in der Koalition, dass das sich ändert!
Zum Abschluss kann ich sagen: Alles, was ich gerade vorgetragen habe, muss sich auch in einem Haushalt wiederfinden. Nur wenn Sie das beherzigen und nur wenn wir da in den Beratungen zueinanderkommen, gibt es auch die Zustimmung der Unionsfraktion.
Herr Kollege Breilmann, wenn hier einer für Verunsicherung und für unkonkreten Alarmismus sorgt, dann sind Sie das und nicht die Ministerin. Ich finde im Gegensatz zu Ihnen sehr gut, dass sie eine nüchterne, analytische Rede gehalten hat. Denn genau in einem einzigen Punkt haben Sie recht: Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit. Und genau das hat Frau Geywitz hier getan. Das ist auch der Ausgangspunkt unserer Politik.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Vorweg zu Ihrem Vorwurf, die Ministerin sei nicht durchsetzungsfähig – ich sage nachher noch ein paar Dinge zum Etat an sich –: Wenn man den Heizkostenzuschuss II abzieht, der ja eine einmalige Ausgabe in diesem Jahr war, dann stellt man fest, dass dieser Etat stabil geblieben ist. Damit haben wir in diesen Konsolidierungszeiten erst mal eine gute Ausgangsposition.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
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Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Die Sie aber faktisch nicht nutzen!
Wenn wir über den Wohnungsmarkt reden, sollten wir uns – statt nach einem Baugipfel und einem Sofortprogramm zu rufen – lieber einmal vergegenwärtigen, dass die Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt langfristig sind und die Gründe dafür, dass es zu wenig bezahlbaren Wohnraum für Geringverdienende und durchschnittlich Verdienende insbesondere in den Ballungsräumen gibt, teilweise mehr als zehn Jahre zurückliegen. Nur mal zur Erinnerung: Im Jahr 2004 verkaufte die rot-rote Koalition hier in Berlin einen Bestand von 65 000 Wohnungen an ein Konsortium aus Investmentgesellschaften.
Oder: Fast 100 000 Wohnungen der LEG NRW wurden 2008 von der damaligen schwarz-gelben Landesregierung an Immobilienfonds der Investmentbank Goldman Sachs verkauft. Ebenso lange ist in vielen Städten, die von unterschiedlichen Parteien regiert wurden, eine Bodenpolitik betrieben worden, die dazu geführt hat, dass zu viel an Meistbietende verkauft und nicht nach sozialen Kriterien entwickelt wurde.
Wir müssen nun über einen längeren Zeitraum diese Entwicklungen wieder ausgleichen. Das tut diese Koalition ganz konkret zum Beispiel durch die auch in diesem Haushalt stattfindende Erhöhung der Mittel für den sozialen Wohnungsbau.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Die von mir genannten Faktoren sind schwierig. Die Ministerin hat auch noch ein paar andere Faktoren genannt: Fachkräftemangel und gestiegene Zinsen. Wenn man eine redliche Debatte führen will, dann muss man diese ganzen Rahmenbedingungen betrachten. Diese Bundesregierung tut alles, was unter diesen Rahmenbedingungen möglich ist, um den Mangel an bezahlbarem Wohnraum auszugleichen und die Lage perspektivisch zu verbessern.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
In der Tat sind die ökonomischen Rahmenbedingungen und die Hypotheken der Vergangenheit noch nicht alles, sondern es gibt weitere zwingende Herausforderungen. Laut einer Studie des BBSR von 2020 entfallen auf den Gebäudebereich bei der Herstellung, Errichtung und dem Betrieb von Wohn- und Nichtwohngebäuden 362 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Das sind 40 Prozent des gesamten Treibhausgasausstoßes. Das heißt, klimaneutrales Bauen voranzutreiben, klimaneutrale Gebäude zu entwickeln, das muss das Ziel sein, und das auch noch alles möglichst schnell.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Denn wir haben Grund zur Eile sowohl bei der Deckung des Bedarfs an bezahlbarem Wohnraum als auch bei der Bekämpfung der Klimaerwärmung. Daher sind serielles Bauen, serielles Sanieren, neue und regenerative Baustoffe das Gebot der Stunde.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Ich will nur am Rande bemerken, dass zum Beispiel gut gedämmte Gebäude nicht nur vor Kälte schützen, sondern im Sommer auch vor Hitze. Das wird ebenfalls noch sehr relevant sein.
Wir versuchen, dem mit dem Haushalt und mit verschiedensten Programmen zu entsprechen. Ich will die wichtigsten nennen. Den sozialen Wohnungsbau habe ich schon genannt, und das Programm „Junges Wohnen“ ist auch schon gewürdigt worden. Wir haben weiterhin einen hohen Ansatz beim Wohngeld nach der kräftigen Erhöhung in diesem Jahr. Wir haben ebenfalls einen im Kern gefestigten Ansatz bei der Städtebauförderung und dem Programm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“. Die Forschungs- und Entwicklungsförderungen im Etat des Baubereichs sind weiterhin auf hohem Niveau. Im Ergebnis ist das, wie gesagt, ein sehr stabiler Haushaltsansatz und keine Kürzung.
Eine Herausforderung ist aus Sicht eines Haushälters, der diesen Einzelplan betreut, der Mittelabfluss. Diesen Punkt werden sich die Berichterstatter der Koalition sicherlich noch einmal sehr genau angucken. Gestern ist der begleitende Bericht des Bundesrechnungshofes veröffentlicht worden. Er zeigt, dass an vielen Stellen auf jeden Fall noch Verbesserungsbedarf besteht. Da sind dann natürlich nicht nur der Bund gefragt, sondern auch die Kommunen und insbesondere die Länder.
Ich will abschließend noch einmal sagen, dass wir perspektivisch auch eine gewisse Offenheit für verschiedene Akteure am Markt brauchen. Wir sehen, dass die börsennotierten, großen Wohnungsgesellschaften – oft aus Privatisierungen entstanden – angesichts der gestiegenen Zinsen große Probleme haben und den Neubau teilweise einstellen wollen. Deswegen sollten wir das nicht nur als Merkposten haben, sondern konkret in Angriff nehmen. Durch die neue Wohngemeinnützigkeit, die wir einführen wollen, werden neue Akteure auf den Wohnungsmarkt kommen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Es geht nicht darum, private Vermieter oder Privateigentümer zu verdrängen, sondern darum, das Spektrum derer, die am Wohnungsmarkt tätig sind, zu ergänzen. Ich glaube, dass wir auch da politisch initiativ werden können in diesem, aber spätestens im nächsten Jahr.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! In Deutschland fehlen 2 Millionen bezahlbare Wohnungen, und zwar schon seit Jahren. Die Ampel hat versprochen, das zu ändern. Aber wie sieht denn ihre Bilanz nach zwei Jahren aus? Der Wohnungsbau steht am Kipppunkt: zu hohe Mieten, zu wenig Neubau. Die Zuwanderung ist so hoch wie nie, allein letztes Jahr netto 1,5 Millionen Menschen. Der Wohnungsbau ist im freien Fall: Insolvenzen, Arbeitsplatzverlust. Von den von Ihnen versprochenen 100 000 Sozialwohnungen sind gerade einmal 22 000 gebaut. Ihre Grundsteuerreform treibt die Mieten weiter nach oben, die Energiekosten explodieren, die Kaltmiete im Neubau liegt bei 20 Euro pro Quadratmeter. Deutschland baut zu teuer, zu aufwendig und mit viel zu hohen Standards. Und dieses Ergebnis ist für niemanden eine Überraschung, sondern die logische Konsequenz Ihrer Politik.
Ihre Klimahysterie hat zu einem Dämmwahn geführt, der bereits weit über 500 Milliarden Euro gekostet hat, ohne dass es irgendeine nennenswerte CO2-Einsparung bewirkt hätte. Durch Ihre CO2-Steuer und Ihre irrsinnige Energiewende treiben Sie die Nebenkosten für das Wohnen in immer astronomischere Höhen. Ihr Heizkostengesetz kostet die Menschen nach Berechnungen der FDP, Ihres eigenen Koalitionspartners, 2 500 Milliarden Euro, also 30 000 Euro pro Kopf der Bevölkerung. Und für diese wahnsinnige Summe wird der CO2-Ausstoß in Deutschland in den nächsten sechs Jahren gerade einmal um ein einziges lächerliches Prozent reduziert. Zum Vergleich: Was Sie mit dieser sozialen Atombombe Ihres Heizungshammers in sechs Jahren an CO2 einsparen wollen, bläst China in gerade einmal 32 Stunden in die Luft. Was für ein Wahnsinn!
Durch Ihre unkontrollierte Zuwanderungspolitik erhöhen Sie den Bedarf und damit den Druck am Wohnungsmarkt immer weiter. Deutschland hat eine Nettozuwanderung von 500 000 Menschen pro Jahr. Das bedeutet: Jedes Jahr muss allein dafür eine Großstadt wie Dresden, Hannover oder Nürnberg zusätzlich neu gebaut werden.
Es ist eine absolute Katastrophe, dass sich in Ihrem Haushaltsentwurf kein einziger Punkt finden lässt, der diese drängenden Probleme auch nur im Ansatz angeht. Mit der AfD an der Regierung wird es anders. Wir senken die Energiesteuern, schaffen die CO2-Steuer ab, setzen auf einen vernünftigen Energiemix aus Kohle und Kernkraft und streichen Ihre unsinnigen Klimavorschriften.
Eine AfD-Regierung steuert die Zuwanderung, schützt unsere Grenzen und sorgt dafür, dass Recht und Gesetz wieder gelten, indem mehrfach gerichtlich festgestellte Ausreisepflichtige unser Land auch tatsächlich verlassen müssen.
Mit der Abschaffung der Grundsteuer und der radikalen Senkung der Grunderwerbsteuer machen wir Deutschland von einem Land der Mieter zu einem Land der Eigentümer.
Kurz: Mit der AfD wird Wohnen wieder bezahlbar, und zwar für jedermann, egal ob für Mieter oder für Häuslebauer.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir debattieren den Einzeletat des Bauministeriums. Dieser Einzeletat fügt sich natürlich in den Gesamtbundeshaushalt ein. Wir dürfen feststellen, dass wir nach Ausnahmejahren mit Ausnahmeschulden jetzt zur Normalität zurückkehren. Das ist richtig so; denn wir müssen die Inflation bekämpfen. Die Inflation ist am sozialfeindlichsten und schadet auch dem Baugeschehen im Land, meine Damen und Herren.
Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Wir halten die Schuldenbremse ein und haben dennoch einen der höchsten Investitionsanteile in den Bundeshaushalten der letzten Jahre. Das verschafft uns den Spielraum, dass wir nicht nur im Hier und Jetzt investieren können, sondern auch in zukünftigen Haushalten. Das ist generationengerecht, und das ist auch wirtschaftlich vernünftig.
Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Erstaunt bin ich, wenn ich der Union zuhöre. Das habe ich heute sehr intensiv gemacht. Ihre Fachpolitiker fordern permanent höhere Ausgaben. Ihre Haushaltspolitiker sagen: Christian Lindner spart nicht genug. – Sie müssen irgendwie auf zwei Planeten leben. Das alles passt nicht zusammen und ist völlig unglaubwürdig, liebe Union.
Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Viele Vorredner haben es erwähnt: Die Lage auf dem Bausektor ist in der Tat angespannt. Das kann uns nicht zufriedenstellen. Das hat viel mit der Marktentwicklung zu tun, mit einem schnellen Zinsanstieg, auch mit Baukosteninflation. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Bürokratie und kostentreibende Bauvorschriften das Bauen auch teurer und nicht billiger machen. Das ist eine politische Aufgabe, die wir gemeinsam angehen müssen, meine Damen und Herren.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Der Rückgang der Investitionen im Wohnungsbaubereich ist nicht nur ein Problem für die Bauindustrie, sondern auch für uns als Gesellschaft, für unsere Stabilität; denn privates Wohneigentum und auch bezahlbarer Wohnraum sind Stabilitätsanker eines Landes. Deshalb müssen wir alles dafür tun, dass bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird und dass der Traum vom Eigenheim auch in Deutschland erreichbar bleibt.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Der Staat kann selbstverständlich nicht alle schwierigen Marktentwicklungen ausgleichen. Ich finde, dennoch kann sich der Etat des Bauministeriums sehen lassen: dritthöchste Investitionsquote aller Ministerien, 18 Milliarden Euro für sozialen Wohnungsbau bis zum Jahr 2027, mehr als 5 Milliarden Euro für die Neubauförderung bis 2026. Meine Damen und Herren, das sind Zahlen, die helfen, die Investitionen anreizen, und es ist richtig, dass wir so investieren.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Es geht auch nicht einfach nur um ein Weiter-so und um Geldausgeben. Wenn wir ehrlich sind: Wir müssen mehr für Innovationen im Baubereich tun. Das betrifft neue Materialien, das betrifft Bautechnologie, das betrifft auch das Thema Recycling/Kreislaufwirtschaft; denn wir müssen Bauen effizienter und klimafreundlicher machen. Beides gehört zusammen, und für beides setzen wir auch in diesem Etat Anreize.
Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Ich nenne als Beispiel nur das neue Förderprogramm für Innovation im Gebäudebereich.
Aber ob in Deutschland gebaut wird und wie viel gebaut wird, das entscheidet sich nicht nur am Etat des Bauministeriums. Wenn ich permanent in Diskussionen höre, dass Mietendeckel gefordert werden, dass über Enteignungen fantasiert wird, dass noch höhere Energiestandards noch schneller gefordert werden, dann ist doch klar: Das ist ein abschreckendes Signal an alle, die bauen wollen. Wir wollen nicht Mangel verwalten; wir wollen mehr Baugeschehen,
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Da klatschen seltsamerweise nur Ihre Fraktionskollegen!
Ich freue mich außerordentlich, dass es gelungen ist – gemeinsam mit Bauministerin und Finanzminister –, in der jetzigen Marktlage mit der degressiven AfA ein klares Signal zu setzen. Wer jetzt anfängt, zu bauen, der hat einen finanziellen Vorteil davon. Das ist das richtige Signal zur richtigen Zeit.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Darüber hinaus müssen wir uns trotzdem Gedanken machen, wie wir erreichen, dass Bauen nicht durch politische Vorgaben immer teurer wird. Das heißt, wir müssen über das Thema Baustandards nachdenken: Was ist wirklich effizient?
Enak Ferlemann [CDU/CSU]: Das ist der richtige Weg!
Wie erreichen wir für einen Euro, den wir investieren, den meisten Klimaschutz? Das ist wirtschaftliche Effizienz. Aber, meine Damen und Herren, auch bei Planung und Genehmigung müssen wir schneller werden. Da gibt es zu viele Baubremsen, die wir beseitigen müssen.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Enak Ferlemann [CDU/CSU]: Gute Analyse!
Weil wir natürlich politisch über die Baustandards entscheiden, sage ich ganz klar: Der Staat darf in Zeiten von Inflation und hohen Zinsen nicht selbst zum Preistreiber werden. Das ist unsere gemeinsame politische Verantwortung hier im Haus.
Ich freue mich auf konstruktive Beratungen des Einzelhaushaltes. Ich denke, Themen haben wir genügend. Wir haben eine vernünftige Grundlage. Dafür bin ich der Bundesregierung dankbar. Alles Weitere werden wir hier erörtern. Vielleicht fällt auch der Union der eine oder andere konstruktive Vorschlag ein, nicht immer nur Forderungen nach Mehrausgaben ohne Gegenfinanzierung;
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wenn man Ihre Rede hört, Frau Ministerin, stellt man sich schon die Frage: Wie weit sind Sie eigentlich weg von den täglichen Sorgen, von den Nöten der Menschen hier im Land? Es ist doch gerade erst eine Umfrage veröffentlicht worden: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist bei den Wohnungskosten, bei der Belastung durch die Kosten für das Wohnen inzwischen an der Schmerzgrenze, ein Teil sogar darüber. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung! Sie haben nichts für diese Menschen im Angebot; kein Wort von Ihnen dazu. Das ist ein Trauerspiel, meine Damen und Herren.
Dabei ist völlig klar, was passieren muss: Wohnen darf nicht arm machen. Es muss dafür gesorgt werden, dass die Mieten für alle Menschen hier im Land bezahlbar bleiben. Aber anstatt die Mietpreise zu senken, reden Sie seit Jahren von Bauen, Bauen, Bauen. Aber es wird nicht mehr gebaut, sondern weniger.
Alle Neubauziele der Regierung sind krachend gescheitert. Alle 37 Minuten geht eine Sozialwohnung in Deutschland verloren; alle 37 Minuten eine weniger.
Sie setzen blindes Vertrauen in die Privatwirtschaft. Wir setzen uns dafür ein, dass es ein großangelegtes, öffentliches, gemeinnütziges Wohnungsbauprogramm gibt, damit endlich wieder dauerhaft günstiger Wohnraum für diejenigen Menschen geschaffen wird, die dringend darauf angewiesen sind.
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Aber der Staat muss auch bezahlen!
Der Bund muss selbst bauen. Die Genossenschaften müssen gestärkt werden. Die Landeswohnungsbaugesellschaften und auch die in den Kommunen brauchen eine bessere Förderung. Aber die Ampel blockiert sogar die Ziele, die im Koalitionsvertrag vereinbart worden sind, beispielsweise die neue Wohngemeinnützigkeit. Diese Regierung baut nicht. Diese Regierung ist Pfusch am Bau, meine Damen und Herren.
Die Mieten steigen aktuell so stark wie noch nie, bundesweit, in manchen Städten um 10 Prozent binnen eines Jahres. Aber was macht die Ampel? Anstatt für Entlastungen zu sorgen, erhöhen Sie sogar den CO2-Preis fürs Heizen. Sie kürzen eine halbe Milliarde beim Wohngeld, auf das immer mehr Menschen angewiesen sind. Damit machen Sie es den Menschen doch noch schwerer; Sie machen das Leben noch teurer. Das ist total falsch, es ist total bescheuert, meine Damen und Herren.
Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Der Heizkostenzuschuss II fällt weg! Da wird nichts gekürzt!
Es ist ja schön, dass die SPD-Fraktion irgendwelche Konzeptpapiere beschließt. Sie haben die Mehrheit. Sie können hier Gesetze beschließen. Aber das machen Sie nicht. Es geht Ihnen nur darum, vor den Landtagswahlen im Herbst in Hessen und in Bayern hier ein bisschen Wind zu machen, mehr nicht.
Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Wir fordern dagegen einen bundesweiten Mietendeckel. Der Bundestag darf den beschließen. Die Wohnkosten müssen endlich sinken und dürfen nicht immer weiter steigen. Das ist die Aufgabe, die dieses Haus erfüllen muss.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Bundesbauministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Moin! Herr Perli, manches Mal bin ich ziemlich verwundert. Bei mir in Bremen entsteht gerade ein Wohnquartier für junge Menschen, das wir uns vor nicht allzu langer Zeit gemeinsam anschauen konnten. Das Besondere ist: Es ist ein ehemaliges Bundeswehrhochhaus, von dem jetzt nur noch die Hülle steht. Es wurde entkernt, und daraus wird ein neues, citynahes Quartier mit Ein- und Zweizimmerwohnungen für junge Leute und studentisches Wohnen. Das ist ein sehr gutes Beispiel, wie es gelingen kann, Bestandsgebäude in eine Wohnnutzung zu überführen. Das ist der beste Weg – der Kollege Kurth hat es ja gerade eben gesagt –, CO2-Emissionen, die beim Neubau immer entstehen, zu vermeiden. Das ist auch dringend notwendig.
Beifall des Abg. Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Die Menschen in unserem Land erwarten von uns zu Recht, dass wir Antworten auf die steigenden Mietpreise geben, dass wir beim Bauen schneller werden und Klimaanpassungsstrategien für Wohngebäude in der Stadt und auf dem Land entwickeln. Angesichts der enorm gestiegenen Energiepreise haben wir Anfang 2023 – ich weiß nicht, ob Sie das nicht mitbekommen haben – das Wohngeld-Plus eingeführt,
damit den Kreis der Wohngeldberechtigten ausgeweitet und die Leistungen erhöht. Das haben wir ja nicht aus Jux und Tollerei gemacht. Ungefähr 4,5 Millionen Menschen in circa 2 Millionen Haushalten profitieren bis heute von dieser Reform. Das sind Familien mit geringen Einkommen, Alleinerziehende sowie Rentnerinnen und Rentner. Der Wohngeldbetrag hat sich nahezu verdoppelt, im Schnitt auf rund 370 Euro. Also, dass da nichts geschehen ist, stimmt so nicht.
Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Wohnen ist ein Menschenrecht und muss deshalb bezahlbar bleiben. Das ist eine gezielte Entlastung, und dafür stehen wir auch als SPD-Bundestagsfraktion, übrigens die Ministerin auch.
Durch Kostensteigerung in der Materialbeschaffung und durch gestiegene Zinsen werden viele bereits lange geplante Bauvorhaben deutlich teurer; das ist richtig. Serielles Bauen und Standardisierung werden die Kosten für den Wohnungsbau wieder senken. Doch mein Eindruck ist: Oftmals liegt es nicht nur am Geld, sondern eben an der überbordenden Bürokratie, die wir als Bund übrigens nicht so sehr beeinflussen können. In NRW können Sie jederzeit – es wird Sie keiner aufhalten – die Baustandards dementsprechend anpassen.
Unsere Bundesbauministerin packt an und hat passende Lösungen vorgelegt – das wissen Sie, wenn Sie den Haushalt gelesen haben –, damit der Wohnungsbau in Deutschland wieder in Schwung gebracht wird. Liebe Klara, dein Vorschlag, den Wohnungsbau mit vereinfachten Abschreibungsregeln für die Wohnungswirtschaft gezielt zu erleichtern, ist genau das richtige Zeichen in dieser Zeit. Eine Sonderabschreibung in Form einer degressiven Absetzung für Abnutzung von Wohngebäuden ist richtig: Sechs Jahre lang 6 Prozent der Investitionskosten, und das bereits ab 1. Oktober dieses Jahres – meinen Respekt dafür!
Beifall bei der SPD und des Abg. Torsten Herbst [FDP]
Das wird ein deutlicher Anreiz für unsere Bauwirtschaft und auch ein echter Tempomacher für mehr Wohnungsbau sein. Mit solchen gezielten Maßnahmen investieren wir in die Zukunft, entlasten die Wohnungswirtschaft und stärken damit den sozialen Zusammenhalt.
Auch der Entwurf für den Etat des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen spricht genau diese Sprache. Wir investieren, wir entlasten, und wir sorgen für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Wir setzen die richtigen Impulse, damit ausreichend Wohnraum geschaffen wird, der bezahlbar, klimaneutral und barrierearm ist. Die Ministerin hat die grundlegenden Maßnahmen bereits beschrieben. Drei Punkte möchte ich aber noch einmal herausgreifen. Wir investieren weiterhin im Bereich des sozialen Wohnungsbaus. Die Bundesmittel sind zwar bereits auf Rekordniveau gestiegen, doch die Finanzhilfen werden 2024 noch einmal deutlich verstärkt. Im nächsten Jahr investieren wir 3,15 Milliarden Euro, und in den darauffolgenden Jahren erhöhen wir die Mittel nochmals auf 3,5 Milliarden Euro pro Jahr. Wir entlasten mit Programmen wie dem KfW-Förderprogramm „Altersgerecht Umbauen“. Hier stehen insgesamt 150 Millionen Euro, wie die Ministerin eben auch bereits erwähnt hat, für eine neue Förderrunde bereit, doppelt so viel wie in den vergangenen Jahren. Damit werden Maßnahmen zur alters- und behindertengerechten Anpassung von Wohngebäuden gefördert. Aber auch viele Familien mit Kindern profitieren von einem barrierefreien Umfeld. Durch Umbaumaßnahmen lässt sich der Alltag in den eigenen vier Wänden viel leichter bewältigen. Das ist unser sozialdemokratisches Verständnis eines selbstbestimmten Lebens, und es entlastet im Übrigen auch die Pflege- und die Sozialkassen.
Wir sorgen für Zusammenhalt und stärken weiter das genossenschaftliche Wohnen; Kollege Herbst hat es gerade eben auch schon erwähnt. Das Programm für den Erwerb von Genossenschaftsanteilen wird mit 15 Millionen Euro weitergeführt. Wir wollen mehr Menschen den Zugang zu Wohnungsgenossenschaften ermöglichen. So können künftig mehr junge Familien mit durchschnittlichen Einkommen das Programm nutzen.
Lassen Sie mich abschließend noch etwas zur Städtebauförderung sagen. Hierfür stehen erneut 1 Milliarde Euro zur Verfügung, um die Länder gezielt bei ihren Aufgaben zu unterstützen. Die klassische Städtebauförderung bleibt stabil bei 790 Millionen Euro; das Niveau wird also gehalten. Bevor hier also jemand nach mehr Mitteln verlangt, sollten die Bundesländer zunächst ihre Hausaufgaben machen und die hohen Ausgabereste abbauen bzw. auch die Kommunen mit diesen Mitteln stärken.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, der vorliegende Haushaltsentwurf ist eine gute Arbeitsgrundlage. Wir werden im parlamentarischen Verfahren daran arbeiten und ihn noch um einiges besser machen; lieber Torsten, lieber Markus, da bin ich mir sicher. Ich freue mich auf die Beratungen.
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Seit fast zwei Jahren gibt es das eigenständige Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, und Ihre Ergebnisse, Frau Ministerin, sehen düster aus. Bauen ist in Deutschland so teuer wie nie. Baumaterial ist knapp, und die Preise dafür sind drastisch gestiegen. Baufinanzierungen sind für viele Familien unbezahlbar geworden. Die Situation auf dem Wohnungsmarkt ist katastrophal. Ob horrende Strom- und Heizkosten oder steigende Mieten und Nebenkosten: Für Ihre Politik, in der die Realität gegen den grünen Moralzeigefinger eingetauscht wurde, müssen die Bürger unseres Landes bitter bezahlen.
Kommen wir zu Ihren Versprechungen und dem, was davon übrig geblieben ist. Jährlich 400 000 Wohnungen hat die links-grüne Regierung vollmundig versprochen. Im letzten Jahr waren es über 100 000 Wohnungen weniger, und dieses Jahr wird es ganz bitter: Bis Mai 2023 wurden lediglich 130 000 Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt. Das sind 27 Prozent weniger als im ersten Halbjahr des Vorjahres. Große Ankündigungen bauen keinen Wohnraum, Frau Geywitz.
Bürokratische Hürden tun ein Weiteres, um das Baugewerbe abzuwürgen. Es gibt 16 Landesbauverordnungen, 16 Brandschutzgesetze und fast 4 000 Baunormen. Konkrete Maßnahmen zum Bürokratieabbau: Fehlanzeige! Stattdessen versuchen Sie gemeinsam mit Ihrem Klimaminister, den Heizungshammer gegen alle Kritik durchzupeitschen. Dieses Gesetz ist der nächste Tiefpunkt des Versagens dieser Bundesregierung.
Mit Ihrem Haushaltsentwurf für den Baubereich sieht es nicht besser aus. Sie erwarten dieses Jahr Ausgabereste bei Investitionen in Höhe von 2,8 Milliarden Euro. Das sind unglaubliche 75 Prozent Ihrer für dieses Jahr geplanten Investitionen, die nicht zum Einsatz kommen. Gleichzeitig möchten Sie in Ihrem Haushaltsansatz die Mittel für Ihre Öffentlichkeitsarbeit um das Vierfache erhöhen. Frau Ministerin, dass Ihre Regierungskoalition bei den Bürgern in den Umfragen keine Mehrheit hat, liegt nicht an mangelnder Kommunikation, sondern an Ihrer falschen Politik.
Nicht bescheiden ist und gut voran kommt jedoch ein anderes Wohnungsprojekt von Links-Grün. Der Bundeskanzler bekommt eine neue, 250 Quadratmeter große Dienstwohnung in Berlin-Mitte, innerhalb eines protzigen Neubaus neben dem Kanzleramt. Kostenpunkt für den Steuerzahler: inzwischen fast 1 Milliarde Euro. Wird gebaut, aller Appelle zum Trotz; dafür ist Geld da. Ein Sinnbild Ihrer Politik, die sich unser Land nicht länger leisten kann.
Frau Präsidentin! Werte Frau Ministerin! Was hier in der Debatte ja schon sehr deutlich wurde: Die Baubranche steht vor großen Herausforderungen. Man kann mit Fug und Recht sagen: Es sind die größten Herausforderungen, zumindest seit ich im Bundestag bin. Früher war es mal einfacher, als die Union noch alles mit Geld zuschmeißen konnte. Das geht jetzt nicht mehr. Aber die Herausforderungen sind da. Wir bauen zu wenig. Der Wohnraum, den wir brauchen, entsteht nicht, und wenn er entsteht, ist er zu teuer. Das ist die Realität.
Deswegen enthält der Bundeshaushaltsentwurf gute Ansätze, da gegenzusteuern: Wir mobilisieren allein 18 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau – 18 Milliarden Euro! –; dazu kommen noch die Gelder der Länder. Das ist die größte Summe, seit ich mich mit Politik beschäftige. Da ist Herr Luczak ganz leise; das ist ganz ungewohnt. 18 Milliarden Euro plus die Summe der Länder für den sozialen Wohnungsbau!
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Das war ja auch richtig!
Das ist der richtige Schritt; das muss gemacht werden. Trotzdem bleiben natürlich noch Aufgaben liegen; das stimmt.
Was wir in dieser Debatte – gut, es ist die Haushaltsdebatte – immer wieder gehört haben, insbesondere von der Opposition: Mehr Geld! Wir brauchen mehr Geld.
Stephan Brandner [AfD]: Nee! Wir belassen es bei den Bürgern! Wir nehmen das weniger weg! Das ist ein riesengroßer Unterschied! Sie greifen dem Bürger in die Tasche! Wir wollen das Geld dalassen!
Und wenn ich den Kollegen Bühl richtig verstanden habe, würde sie auch gleich noch unseren Föderalismus abschaffen.
Spaßig ist auch immer die Union. Herr Kollege Breilmann,
Torsten Herbst [FDP]: Wer hat sie denn gemacht? Wer hat sie erfunden?
Der Bundesfinanzminister und die Länderfinanzminister tagen seit eineinhalb Jahren zur Liberalisierung und Absenkung der Grunderwerbsteuer. Es ist nicht der Bund, der die Absenkung der Grunderwerbsteuer verhindert, sondern es sind die Länder. Es sind Ihre Ministerpräsidenten.
Einheitliche Baustandards werden durch die Landesbauordnungen verhindert, werden auch wieder durch Ministerpräsidenten von CDU und CSU verhindert, die sagen: O Gott, wir in Bayern sind so anders als die in Baden-Württemberg. Deswegen muss das Geländer bei uns 20 Zentimeter enger zusammenstehen als in Baden-Württemberg. – Es sind Ihre Bauministerinnen und Bauminister, die einheitliche Baustandards verhindern. Die Bundesbauministerin hat das in der Bauministerkonferenz angestoßen.
Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Es tut mir leid, dass ich die Lücken in Ihrer Argumentation aufzeigen musste. Ich möchte noch ein paar proaktive positive Forderungen formulieren, die wir angehen müssen.
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Was ist jetzt mit dem Mietenstopp?
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Nina Warken [CDU/CSU]: Jetzt bin ich aber gespannt!
Momentan, auch jetzt hier in der Debatte – sorry, wenn ich jetzt wieder auf CDU/CSU, AfD und Die Linke eingehe –, heißt es immer: Wir müssen das Bauen mit mehreren Milliarden Euro subventionieren. – Das tun wir auch. Der Neubau wird subventioniert. Subventioniert wird übrigens auch die Sanierung, zwar nicht in diesem Haushalt; aber auch dafür sind Mittel hinterlegt. Und wir unterstützen beim Wohnen mit Milliarden. Wir müssen uns endlich mal darum kümmern, dass da, wo gebaut wird, für die Mitte der Gesellschaft zu einem vernünftigen Preis ausreichend Wohnraum entsteht. Platt formuliert: Wir müssen mehr bauen, schneller bauen und günstiger bauen.
Da kommen wir nicht umhin, über den Gebäudetyp E – man kann auch mal von gewissen Baustandards abweichen – zu diskutieren.
Da kommen wir auch nicht umhin – ich freue mich über die Zustimmung der Union; ich bin ja mal gespannt, was die Bauministerkonferenz dazu sagt –, das Bauen zu digitalisieren. Und leider wird die Tatsache, dass der digitale Bauantrag und, noch viel wichtiger, die digitale Bauantragsprüfung kurz vor der Realisierung in Deutschland stehen, auch von der Fachöffentlichkeit weitestgehend nicht wirklich wahrgenommen.
Henning Rehbaum [CDU/CSU]: Das machen wir schon in Nordrhein-Westfalen!
Wir schließen endlich zu nordeuropäischen, zu asiatischen Ländern auf. Wir können Anträge teilweise digital einreichen und digital prüfen. Das ist der Weg, den wir gehen, und das ist auch der Weg, den das Bauministerium einschlägt. Das ist noch nicht mit großen Summen hinterlegt; aber das beschleunigt und erleichtert das Bauen ungemein.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Eigentlich ist die Haushaltsdebatte um das Ministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen trockener. Aber ich glaube, hier ist relativ viel Schwung auf dem Parkett. Und das freut mich sehr; denn ich möchte die positiven Aspekte unseres Haushalts vorstellen.
Es gibt hier eine große Rhetorik der allgemeinen Verunsicherung. Die möchte ich gern mal zur Seite schieben. Es ist richtig: Die politische Bühne gleicht derzeit einem komplexen Tanz voller Taktwechsel und vieler hoher Sprünge. Und während wir uns durch diesen Dschungel der Herausforderungen bewegen, leistet unsere Bauministerin Klara Geywitz hervorragende Arbeit.
Beifall bei der SPD sowie der Abg. Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Daniel Föst [FDP]
Stellen Sie sich diesen Haushaltsentwurf für das BMWSB als Wolkenkratzer des Potenzials vor: fast 7 Milliarden Euro, und das in Zeiten der Krisen und knappen Kassen.
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Und die Mieten deckeln!
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Sebastian Münzenmaier [AfD]: Zusammenhalten, das löst alle Probleme!
Zum ersten Takt: Investieren. Wir schaffen mehr als nur einen Grundriss. Wir bauen den Traum eines jeden Bürgers, einer jeden Bürgerin von bezahlbarem, klima- und altersgerechtem Wohnraum. Allein für den sozialen Wohnungsbau – das wurde schon mehrfach erwähnt; Herr Perli, Sie können jetzt hören, was da wirklich hineinfließt – sind es rund 3,15 Milliarden Euro. Das sind eindeutig sozialdemokratische Schwerpunkte; das ist eindeutig sozialdemokratische Handschrift.
Wir setzen 500 Millionen Euro in die Choreografie des „Jungen Wohnens“ und bereichern das Innovationsprogramm Zukunft Bau. Mit 52 Millionen Euro fördern wir innovative Lösungen für ein zukunftsfähiges Bauen.
Zum zweiten Takt: Entlasten. Wir machen den Kauf von Genossenschaftsanteilen zu einem Grundton der Sicherheit und des Gemeinschaftsgefühls. Mit 5,2 Millionen Euro verstärken wir die Mittel auf 15 Millionen Euro. Wir stellen über 1 Milliarde Euro für Programme für klimafreundlichen Neubau und Wohneigentumsförderung für Familien bereit, die die Klimawende und soziale Gerechtigkeit gleichermaßen fördern.
Frau Nicolaisen, davon profitieren ganz konkret Familien in ländlichen Räumen. Eine kleine Anekdote aus meinem Wahlkreis: Ein Bauträger baut Reihenhäuser. Und richtig, zu Jahresbeginn werden die nur schwerlich verkauft. Aber seit wir die Wohneigentumsförderung für Familien haben, steigen die Verkaufszahlen. Das betrifft besonders die Familien, die sich nämlich sonst genau dieses Häuschen nicht leisten könnten. Das ist sozialdemokratische Handschrift.
Für die Sanierung alter Gebäude geben wir nicht weniger als 18 Milliarden Euro aus. Und auch hier, Frau Nicolaisen, betrifft das überwiegend die ländlichen Räume; denn dort ist viel alter Baubestand.
Petra Nicolaisen [CDU/CSU]: Das hilft ja nicht, wenn die GAK gekürzt wird!
Damit schaffen wir einen neuen Takt. Die Union aber schafft es noch nicht einmal, dafür die Musik aufzudrehen. Und ja, mit zusätzlichen 150 Millionen Euro für altersgerechten Umbau sorgen wir dafür, dass Oma und Opa den Tango im eigenen Heim weitertanzen können.
Dritter Takt: Zusammenhalt. Wir tanzen diesen Reigen nicht allein, sondern in engem Schulterschluss mit Ländern, Städten und Gemeinden. Wir unterstützen mit Bundesmitteln die Aufgaben der Länder und Kommunen. Unser Engagement für städtebauliche Förderung und den Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit ist nicht nur ein kleiner Schritt auf dem Parkett, sondern ein großer Satz in Richtung einer Gesellschaft, die zusammenhält.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Daniel Föst [FDP]
Es ist, als würden wir einen schweren Umzugskarton voller Bücher den Wolkenkratzer hinauftragen. Ja, das ist schwer. Aber wenn wir das gemeinsam tun, dann ist das definitiv machbar. Ich freue mich auf die Beratungen.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich wollte jetzt eigentlich auch sagen: Liebe Ministerin Geywitz! Ja, es hat eine Zeit gedauert, bis man auch hier in der Koalition in der Lebenswirklichkeit angekommen ist. Bis vor ein paar Wochen hat man noch vom Neubau von 400 000 Wohnungen, sprich: 1,6 Millionen Wohnungen in dieser Legislaturperiode, gesprochen. Aber die Zahlen sind ernüchternd. Das Zwischenzeugnis für die Bauministerin heißt „Versetzung gefährdet“, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD
Baukonjunktur eingebrochen, Aussichten im Wohnungsbau düster, Bauwillige maximal verunsichert. Alles, was der Bau braucht, ist Planungssicherheit, und genau das haben Sie, liebe Ampelkoalition, ob mit dem GEG, ob mit dem Eindampfen von KfW-Förderprogrammen, ob mit Abschreibungen oder Nichtabschreibungen alles verhindert. Genau das Gegenteil dessen, was zu tun ist, um den Bau anzukurbeln, wurde von Ihnen gemacht.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD
Sie haben es nicht verstanden, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass Sie 400 000 Wohnungen bauen wollten. Etwas über 200 000 werden es in diesem Jahr werden, und dann werden wir 2024 wohl unter die 200 000 Wohnungen fallen. Das ist ein neuer Tiefststand seit 2009, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Es ist nicht nur das aktuelle Umfeld von Inflation und gestiegenen Zinsen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Zinsen bewegen sich wieder auf ein übliches Niveau zu. Wir waren bloß von zehn Jahren Nullzins etwas geblendet. Es sind natürlich auch die Dinge, die die Politik angehen kann. Aber das ist nicht das Problem allein. Schade, dass die Ministerin fehlt. Sie hat heute aber zumindest das Interview mit mir in der „Passauer Neuen Presse“ gelesen;
daher will sie mir wohl nicht mehr zuhören. Die Ministerin unternimmt an dieser Stelle nichts. Sie ist eben nur der verlängerte Arm eines Wirtschafts- oder Finanzministers. Sie lässt die Programme zum Neubau von 2022, damals von Robert Habeck, eindampfen, und an den Energieeffizienzstandards scheint sie nichts ändern zu können.
Liebe Kolleginnen und Kollegen der FDP, wir wünschen Ihnen ganz viel Kraft für Ihre Koalitionsauseinandersetzung mit den Grünen.
Die prekäre Lage auf dem Wohnungsmarkt wäre eine Sache für den Bundeskanzler. Aber einmal ein Gipfel und einmal ein Foto, und das war’s – das ist nicht Führung, das ist nicht Arbeiten, das ist nicht Brennen für Wohnen, für Bauen und dafür, wie die Menschen in unserem Land leben, dafür, dass sie sich in ihren vier Wänden wohlfühlen können. Herr Bundeskanzler, da muss einfach mehr kommen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, über den Etat ist schon etliches gesagt worden. Lieber Kollege der FDP, ja, man ruft nicht nur nach Geld; man ruft nach Geld an der richtigen Stelle. Man muss den Mut haben, Prioritäten zu setzen. Wie Sie immer so schön sagen: Es kann nur verteilt werden, was erwirtschaftet wird. – Am Bau könnte etwas erwirtschaftet werden, wenn Sie den Bau fördern würden. Aber dann lassen Sie doch das Erwirtschaften dieses Geldes auch zu!
Wirtschaftswachstum – das muss ich der FDP, lieber Kollege Föst, doch nicht erklären – fördert am Ende auch Steuereinnahmen, und dann können Sie verteilen. Vielleicht haben Sie eine Chance, das Ihren beiden Koalitionspartnern noch mal zu erklären. Derzeit kapitulieren Sie vor der Situation. Derzeit muss man leider feststellen, dass das, was Sie machen, zu wenig ist. Es droht der Todesstoß für den Wohnungsbau, für die Bauwirtschaft und für die Mieterinnen und Mieter.
Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Tragischer geht es wohl nicht!
Denn Wohnen wird dadurch nicht bezahlbarer; es wird teurer.
Wir brauchen realistische Energieeffizienzstandards; darüber wurde schon viel gesagt. Lieber Kollege Föst, zur Gebäudeklasse E: Lesen Sie den Beschluss der Landesjustizminister. Dann wissen Sie, dass die Länder nicht das Problem sind. Das Problem sitzt hier, liebe Kolleginnen und Kollegen – wenn sie denn da säße, die Ministerin.
Zum Eigentumserwerb habe ich schon etwas gesagt. Die Ministerin kann gern die Frage drei in der „Passauer Neuen Presse“ zur Neubauförderung lesen. Dann weiß sie, was wir dazu meinen. Ich sage noch mal: 100 Anträge für ganz Deutschland, 3 000 Anträge und genehmigtes Baukindergeld in meinem Wahlkreis. Das ist Eigentumsförderung, das ist Familienförderung, das ist Sozialpolitik, das ist Absicherung gegen Altersarmut. Das zeigt, was es heißt, Unionspolitik zu machen.
Liebe Ministerin, wenn Sie da wären, würde ich Ihnen sagen: Seien Sie eine Bauministerin mit Herzblut! Brennen Sie für die Menschen! Brennen Sie für das Wohnen! Brennen Sie für den Bau mit entsprechendem Einsatz!! Setzen Sie sich endlich durch!
PVizepräsidentin Yvonne Magwas: Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich wünsche Ihnen einen schönen guten Tag, auch den Besucherinnen und Besuchern auf der Tribüne.
Wir führen die Debatte zum Einzelplan 25 fort. Die nächste Rednerin ist für Bündnis 90/Die Grünen die Kollegin Anja Liebert.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Herr Lange, vielen Dank für Ihre ausschweifenden Belehrungen. Ich möchte noch mal was zum Thema „Schulnoten und Versetzung“ sagen: Sie sind bei der letzten Wahl sitzen geblieben und sitzen jetzt auf der Oppositionsbank.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Wir haben 7 Milliarden Euro im Etat der Bundesbauministerin – Investitionen, die vor allem in die Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit unseres Landes gehen. Als Ampel haben wir gemeinsam den Pfad der sozial-ökologischen Erneuerung fest in den Blick genommen.
Ich möchte auf den Aspekt der Städtebauförderung eingehen, die wir nämlich auch 2024 auf hohem Niveau fortsetzen werden. Es geht dabei um lebenswerte, zukunftsfähige und nachhaltige Stadt- und Ortskerne in allen Regionen des Landes. Die gilt es zu erhalten und zu entwickeln; denn wir brauchen gleichwertige Lebensverhältnisse. Und die Mittel gehen verstärkt in benachteiligte Quartiere, in strukturschwache Regionen. Das löst zusätzlich private und kommunale Folgeinvestitionen aus, stärkt die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger vor Ort und die Identifikation der Menschen in ihren Quartieren.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Es stößt auch Maßnahmen des Klimaschutzes an. Wir haben mit dem Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“, ausgestattet mit knapp 120 Millionen Euro im nächsten Jahr, ein weiteres Instrument geschaffen, damit Städte und Gemeinden sich an den menschengemachten Klimawandel anpassen können. Ob es Hitze oder Starkregen ist: Wir alle kennen Beispiele aus unseren Wahlkreisen, wo es zu Schäden kommt, und damit müssen wir sorgsam und vorausschauend umgehen.
Es geht aber auch um Digitalisierung. Wir haben die Fördermittel für die Modellprojekte Smart Cities, wo es auch darum geht, die Erkenntnisse auf alle Kommunen zu übertragen und anderen zur Verfügung zu stellen. Wir haben die energetische Gebäudesanierung auch der öffentlichen Gebäude, und der Bedarf ist enorm. Es wurde schon angesprochen: Das Programm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ wird vor Ort großartig angenommen, und der Bedarf ist weiterhin riesig.
Wir setzen aber auch Anreize für die ökologische Bauwende. Es geht darum, alternative, ressourcenschonende Baustoffe zu fördern. Wie wäre es mal mit Holz statt Beton? Es geht um Kreislaufwirtschaft: Aus Alt mach Neu.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Wir müssen die Rohstoffe schonen und können auch aus altem Beton noch was machen.
Und: Wir brauchen Forschung und Entwicklung im Baubereich. Hier setze ich auf die Expertise unserer Universitäten, der jungen Menschen, der Studierenden und auch auf unsere bundeseigene Expertise. Wir wollen Innovationen auf die Baustelle bringen und eine bessere Ökobilanz im Bausektor erreichen.
Aber bevor wir jetzt in Gedanken Flächen versiegeln und Baugruben ausheben: Es geht auch um die Umbaukultur. Wir müssen Potenziale zur Schaffung von Wohnraum im Bestand nutzen. Wir haben einen riesigen Leerstand von 1,5 Millionen Wohnungen.
Auch das ist angesichts der angespannten Wohnungsmärkte nicht hinnehmbar.
Nachverdichtung, Umwidmung von Gewerbe in Wohnen oder Programme zum Wohnungs- und Haustausch, das sind die Konzepte für die Zukunft. Wir werden das Baurecht modernisieren und bürokratische Hindernisse abbauen. Trotz schwieriger Bedingungen und unter Einhaltung der Schuldenbremse sichert der Etat des Bundesbauministeriums nachhaltige und zukunftsfähige Investitionen.
Vielen Dank.
PVizepräsidentin Yvonne Magwas: Für die AfD-Fraktion hat das Wort der Abgeordnete Beckamp.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es gibt keine Wohnungsnot in Deutschland, es gibt keine ständig steigenden Mieten, die durchschnittlichen Nettokaltmieten in Großstädten wie Berlin liegen nicht bei 18 Euro je Quadratmeter – all das war so, und das könnte auch jetzt so sein, hätten diese Ampelregierung und die Merkel-Regierungen davor nicht Millionen ins Land gelassen, Millionen, die das versorgungssichernde Zauberwort „Asyl“ auf den Lippen getragen haben. Denn bei fast allen wesentlichen Problemen in unserem Land handelt es sich um Kollateralschäden einer schädlichen Massenmigration.
Thomas Lutze [DIE LINKE]: Hoffentlich müssen Sie niemals fliehen in Ihrem Leben!
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Mechthild Heil [CDU/CSU]
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Gegenrufe von der AfD
Selbst wenn jedes Jahr die von der Ampel versprochenen 400 000 zusätzlichen Wohnungen auf den Wohnungsmarkt kämen, wären diese weitgehend als Unterkünfte für die ins Land gelassenen oder sogar geholten Einwanderer erforderlich. Aber diese immer wieder versprochene Neubauzahl haben Sie nicht erreicht und werden Sie auch nie erreichen, und das wegen der durch diese Regierung immer weiter erhöhten Kosten, des Heizungschaos und der mitverursachten Inflation.
Der Wohnungsmarkt muss entspannt werden; da sind wir uns wahrscheinlich einig. Aber hierzu ist im Haushalt von Frau Geywitz nichts zu finden. Der Haushalt ist völlig ohne Ideen und Sinn für das Wesentliche. Aber ich helfe gern: Mehr Angebot durch Neubau ist teuer und langwierig. Schnell und günstig ist dagegen, für weniger Nachfrage zu sorgen.
Aber keine der im Bundestag vertretenen Parteien – außer uns – will die Hauptursache für die angespannten Wohnungsmärkte benennen, nämlich massenhafte Wohnungsnachfrage durch massenhafte Einwanderung, Herr Daldrup. Genau das ist der Punkt.
Stimmen Sie mir zu? Ja, ist ja auch logisch. Remigration ist technisch möglich; denn die menschengemachten, von Ihnen gemachten Migrationsströme können umgekehrt werden. Remigration ist wirtschaftlich sinnvoll; denn die immensen Kosten der schädlichen Migration fallen weg, und der Mietmarkt entspannt sich. Remigration ist moralisch geboten; denn alle Deutschen und anderen Einheimischen werden durch die derzeitige Situation massiv finanziell und in ihrer Lebensqualität geschädigt.
Meine Damen und Herren von CDU/CSU, FDP, den Grünen, SPD und insbesondere Linkspartei, das kann man ja anders sehen; aber dann sind Sie halt inländerfeinlich, Herr Daldrup.
Niemand verlässt seine Heimat ohne Grund – stimmt! Der Grund ist meistens: Sozialleistungen und eine Unterkunft in Deutschland. Insofern: Eine erfolgreiche Wohnungspolitik für unser Land heißt millionenfache Remigration.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe auch eine Haushaltsrede vorbereitet; aber ich habe mir vorgenommen, auf ein paar Bemerkungen der Vorrednerinnen und Vorredner einzugehen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
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Roger Beckamp [AfD]: Deswegen ja auch keine Remigration!
Wir sind in der Ampel – Daniel Föst hat das hier gesagt – sehr einig über die Beurteilung der Situation, und wir unterscheiden uns übrigens auch von Ihrer Einschätzung nicht. Natürlich befinden wir uns in der Baukrise. Die Bauwirtschaft ist in einer dramatischen Situation. Das ist in der Tat wahr. Deswegen, Herr Breilmann, ist es ganz okay, wenn Sie sagen: Jetzt müssen echt mal alle zusammenkommen, es muss jetzt endlich mal einen Gipfel geben. – Uli Lange hat das auch gesagt. Und wissen Sie, das finden wir auch. Deswegen sind Sie eingeladen: Am 27. September findet unter Leitung des Bundeskanzlers im Bundeskanzleramt solch ein Gipfel statt, mit der Bauministerin, mit vielen anderen auch.
Punkt zwei: Sanierungsförderung. Dafür haben wir 18 Milliarden Euro zur Verfügung. Mehr muss man dazu nicht sagen.
Herr Breilmann, Sie sagen, die Ministerin müsste sich durchsetzen und mehr für die Wohnungsbauförderung, für die Neubauförderung machen. Ich sage Ihnen an dieser Stelle: Sie hat gesagt, dass 900 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stehen, also 2 Milliarden Euro. Sie haben es aber nicht gehört; Sie wollen es einfach nicht wahrhaben.
Ganz witzig finde ich, wenn Sie über die Grunderwerbsteuer reden. Daniel Föst hat davon gesprochen, ich rede auch darüber. Den Grunderwerbsteuersatz kann die Bauministerin gar nicht ändern. Aber ich will Ihnen einen Tipp geben, wer ihn ändern kann: Der eine davon heißt Wüst. Er ist Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen. Der könnte das machen. Der tut das aber nicht. Wissen Sie, warum er das nicht macht? Weil er eine Kommunalministerin, Frau Scharrenbach, hat und einen Finanzminister, der Optendrenk heißt. Die möchten lieber den Kommunen ihren Anteil von 480 Millionen Euro an der Grunderwerbsteuer wegnehmen und sich damit bei der Altlastenhilfe einen schlanken Fuß machen. Das ist Politik der CDU, wenn es um Grunderwerbsteuer geht.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Das ist der Punkt: Sie haben alle Möglichkeiten, und Sie schieben es immer nur auf andere. Aber glauben Sie ja nicht, wir merken das nicht; wir merken das.
Zu den Mieten sage ich Folgendes: Mir fällt immer wieder auf, auch bei Uli Lange, dass Sie offensichtlich die Perspektive von Mieterinnen und Mietern irgendwie nicht so wichtig finden.
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Doch, gerade! Aber das, was Sie machen, hilft keinem Mieter! Das ist doch das Problem!
Ich finde, dass das schon so eine Sache ist. Wir müssen doch Mieterinnen und Mieter schützen vor zu unverhältnismäßig steigenden Mieterhöhungen durch Indexmieten – zum Beispiel durch Kappungsgrenzen oder durch eine Mietpreisbremse in angespannten Wohnungsmärkten –, vor Missbrauch durch Wucher oder durch vorgetäuschten Eigenbedarf. Das alles müssen wir doch anpacken. Ich habe den Eindruck: Das ist Ihnen schnuppe.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Sie denken an die nächsten Landtagswahlen!
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Weiterer Zuruf von der CDU/CSU
– Doch, das ist schon wichtig.
Victor Perli hat darauf aufmerksam gemacht, wie es sich technisch darstellt – ich will das jetzt nicht weiter vertiefen –, Caren Lay hat es angesprochen, auch Markus Kurth hat darauf hingewiesen. Aber ich kann Ihnen nur sagen, Herr Perli – tun Sie mir den Gefallen –: Sagen Sie nicht, das Wohngeld und die Wohngelderhöhung seien bescheuert.
Mit einer Wohngelderhöhung im Durchschnitt von 180 Euro auf 370 Euro verdreifacht sich der Betrag. Ich sage Ihnen: Gehen Sie mit den Menschen nicht so um! Und sagen Sie der Ministerin nicht, sie habe keinen Bezug zur Wirklichkeit; der fehlt Ihnen. So kann man mit den Menschen nicht reden.
Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
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Victor Perli [DIE LINKE]: Das ist die Unwahrheit!
– Doch, das haben Sie gesagt.
Frau Nicolaisen spricht über die Kommunen. Das trifft mich immer ganz besonders, weil auch ich das Thema wichtig finde. Jetzt müssen wir diese Dichotomie auflösen: auf der einen Seite hier immer mehr fordern und dann auf der anderen Seite „Es ist zu teuer“ sagen.
Warum? Ich empfehle ein Gespräch mit Helge Braun, das ich heute Morgen im Deutschlandfunk gehört habe. Der ist zu der Frage gelöchert worden: Was würde die CDU, wenn sie in der Regierung wäre, eigentlich besser machen? Darauf hat er zunächst gesagt: Ja, das ist nicht so einfach.
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Ich glaube, er hat ein bisschen was anderes gesagt!
Aber ihm ist dann doch noch was eingefallen, nämlich zwei Sachen:
Sein erster Punkt war „Bürokratie“ – was ganz Neues. Sein zweiter Punkt war, dass man diese ganzen Förderprogramme für die Kommunen doch beiseitelassen solle, weil es ja gar nicht Angelegenheit des Bundes sei.
Petra Nicolaisen [CDU/CSU]: Wenn die Kommunen auskömmlich finanziert wären!
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Weiterer Zuruf von der CDU/CSU
– Ja, das hat er gesagt. Sie müssen das erst mit ihm klären, bevor Sie das mit uns klären. Es ist viel einfacher, wenn man es so macht. Das ist ein wichtiger Gesichtspunkt.
Mit Blick auf alles, was Sie zu den Gemeinschaftsaufgaben gesagt haben: Die Ministerin hat mit großem Kampfgeist und großem Erfolg sichergestellt, dass die Städtebauförderung bei 790 Millionen Euro bleibt. Sie müsste eigentlich viel höher sein – nach meiner Vorstellung, nach Ihrer Vorstellung –; aber es ist immer noch das Rekordniveau der Städtebauförderung seit 50 Jahren, Uli Lange.
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
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Zuruf von der CDU/CSU
– Ja, das haben wir gemacht, trotz dieser Rahmenbedingungen. – Jetzt läuft mir meine Zeit weg, und ich habe erst die Hälfte besprochen.
Damit komme ich noch mal zu Uli Lange. Es macht, ehrlich gesagt, immer Spaß, ihm zuzuhören. Er kommt aus Bayern und ist von der CSU. Deswegen muss man fragen: Was ist sein Motiv? Wahlkampf ist sein Motiv! So. Das verstehe ich auch.
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Das sagt ja der Richtige!
Jetzt redet der von „Glaubwürdigkeit“. Dazu will ich sagen: Der Vorgänger von Klara Geywitz hieß Horst Seehofer, genannt „das Phantom der Baupolitik“, weil ihn gar keiner kannte. Ich weiß nicht mal, ob er selber wusste, dass er es ist.
Jetzt kommen wir mal zu den Erfolgen. Der bayerische Ministerpräsident hat als Finanzminister 33 000 Wohnungen verschleudert. Der Oberbürgermeister von München sagt – wörtliches Zitat –, es sei der „größte wohnungspolitische Skandal, den es je gegeben hat“. Das ist Ihre Bilanz.
Als Ministerpräsident hat dann Horst Seehofer gesagt, Stichwort „BayernHeim“, bis 2025 10 000 neue Wohnungen. Zitat „Süddeutsche Zeitung“, 4. Februar 2023 –: „Bisher aber wurde kein einziger Schlüssel einer selbstgebauten Bude an Mieter übergeben.“ Der Bayerische Rundfunk sagt: „93 Prozent fehlen“. Das ist Baupolitik in Bayern, und das ist die Glaubwürdigkeit, mit der Sie uns vorwerfen, dass wir nicht glaubwürdig seien. Ganz im Gegenteil, umgekehrt wird ein Schuh draus.
Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Die vielen anderen Maßnahmen, die angesprochen worden sind, kann ich jetzt leider nicht mehr aufzählen. Aber ich glaube, Sie haben es verdient, dass Ihre Punkte mal ins rechte, das heißt ins richtige Licht gerückt worden sind.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Ministerin! Der Regierungsentwurf des Einzelplans 25, den wir heute beraten, umfasst ein Volumen von knapp 7 Milliarden Euro; es wurde schon einiges dazu gesagt. Hinzuzunehmen sind die Mittel, die durch das Haus im Klima- und Transformationsfonds bewirtschaftet werden; das sind nämlich auch noch mal 537 Millionen Euro für das kommende Jahr. Das sind erhebliche Mittel, und das sind doch auch ganz erhebliche Verpflichtungen für die Zukunft.
Wenn wir mal zurückschauen ins Jahr 2022, dann stellen wir fest: Es wurden von den knapp 5 Milliarden Euro Gesamtetat damals 568 Millionen Euro nicht verausgabt, sind also als Rest zurückgeblieben; das entspricht etwa 11 Prozent. Im Bereich der Stadtentwicklung und der Raumordnung war es sogar ein Viertel. Und bei den Mitteln, die das Haus seinerzeit im KTF hatte, da waren es weniger als 10 Prozent.
Ich fasse mal zusammen: Geld im Haushalt ist wohl genug da; die Mittelabflüsse, die sind aber ziemlich gering. Die Haushaltsansätze sind offenbar sehr großzügig. Im Sinne der ordnungsgemäßen Haushaltsführung bitte ich das Haus – ich bin dankbar, dass die Koalitionshaushälter es angekündigt haben –, genau zu prüfen, ob die Mittelansätze, wie sie denn da stehen, wirklich realistisch sind, und aufzuklären, woran es denn liegt, dass das Geld eben nicht abfließt.
Meine Damen und Herren, „400 000 neue Wohnungen pro Jahr“ – davon 100 000 Sozialwohnungen; es wurde heute schon mehrfach angesprochen –, das war ein zentrales Wahlversprechen vom Bundeskanzler und von der Bauministerin. Es wurde damals sogar gesagt: An den Taten sollt ihr sie messen!
Das hat nun nicht ganz geklappt. Trotz massiver Haushaltsmittel wurde dieses Ziel bislang krachend verfehlt: 2022 weniger als 300 000 Wohnungen, in diesem Jahr wohl weniger als 250 000 Wohnungen und im kommenden Jahr prognostiziert weniger als 200 000 Wohnungen. Der Wohnungsbau in Deutschland liegt am Boden, meine Damen und Herren.
Sie haben viel Geld ins Schaufenster gestellt, Sie haben viel geredet, Bündnisse und Netzwerke gegründet; nur, geändert hat sich leider nichts. Ich freue mich, dass der Kollege Daldrup uns jetzt eingeladen hat, bei der nächsten Sitzung des Bündnisses mitzumachen; als Opposition waren wir bislang nicht dabei. Ich glaube, dann wird sich für die Zukunft wirklich was zum Positiven verändern. Wir kommen!
Meine Damen und Herren, statt etwas zu ändern, produzieren Sie im Baubereich immer neue Vorschriften und neue und höhere Standards. 30 Prozent der Baukosten gehen mittlerweile für Bürokratie und höhere Standards drauf. Bei einem Haus, das 1 Million Euro kostet, gehen mittlerweile fast 40 Prozent an den Staat. Hinzu kommen die Verunsicherungen, die Sie produziert haben beim Heizen, das Förderchaos und eben keine verlässlichen Rahmenbedingungen für Bauherren und Investoren.
Meine Damen und Herren, ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin den Präsidenten des Bundesverbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft: „Jeder Euro, der in die Erfüllung von Auflagen investiert werden muss, kann nicht in die Schaffung neuen Wohnraums fließen …“ Das, meine Damen und Herren, sind eben auch Gründe, warum es am Bau nicht vorangeht und weshalb wir den Wohnraummangel in unserem Land heute haben.
Deshalb: Wir brauchen mehr Pragmatismus, weniger Ideologie, nicht immer nur neues und mehr Geld, sondern Entbürokratisierung, weniger Standards und weniger Auflagen.
Ich würde auch gerne was Positives nennen – es ist schon gesagt worden; Opposition wirkt, unser Druck als Union hat gewirkt –: Das KfW-Programm zur Förderung des altersgerechten Umbaus, das haben Sie endlich auskömmlich finanziert; das ist schön. – In den letzten Jahren war der Topf immer zur Halbzeit leer. Aber Sie ziehen gleich wieder eine bürokratische Hürde ein; denn es soll jetzt auf maximal 2 500 Euro Förderung je Wohneinheit gedeckelt werden.
Jeder, der schon mal eine Wohnung oder ein Bad saniert hat, weiß, dass man damit nicht wirklich weit kommt, meine Damen und Herren. Das Ganze erinnert mich dann doch sehr – auch das wurde schon gesagt – an Ihre Wohneigentumsförderung für junge Familien. Die ist gedeckelt auf ein Haushaltseinkommen von 60 000 Euro. Sie erwarten aber gleichzeitig, dass man nach den höchsten Standards baut. Das funktioniert nicht; das geht nicht zusammen. Kein Wunder, dass die Mittel dann auch nicht abfließen.
Meine Damen und Herren, wenn Sie schon Geld ins Schaufenster stellen, dann sorgen Sie für eine auskömmliche Finanzierung und für einfache und transparente Antragsverfahren ohne ideologische Hürden; sonst bleibt es leider bei Feigenblattprogrammen.
Das, was wir beim Bau sicherlich auch brauchen, das sind Vorbilder. Doch das Bundesbauministerium, meine Damen und Herren, taugt leider nicht als Vorbild. So hat uns dieser Tage die Stellungnahme des Bundesrechnungshofes zum hier heute beratenen Einzelplan erreicht. Da geht es auch um die vorgesehene Anmietung einer Ausweichliegenschaft hier im Herzen von Berlin, während das Ministeriumsgebäude – richtigerweise – saniert wird.
Ich zitiere den Bundesrechnungshof:
„Der Bundesrechnungshof hält die vorgesehene Anmietung von 25 500 m2“
– das sind, Anmerkung, 19 Prozent über dem anerkannten Bedarf des Finanzministeriums –
„für nicht bedarfsgerecht und damit für unwirtschaftlich. Sowohl die Büro- und Lagerflächen als auch die Flächen für Besprechungs- und Konferenzräume sind überdimensioniert. Sämtliche Beschäftigten können z. B. zeitgleich Besprechungsräume nutzen. Zudem hat das BMWSB“
– das Bauministerium –
„trotz einer Heimarbeitsquote von bis zu 60 % dem weit überwiegenden Teil der Beschäftigten ein Einzelbüro zugeordnet. Moderne Büronutzungskonzepte wie Desksharing berücksichtigt das BMWSB nicht.“
Das ist schon harter Tobak, meine Damen und Herren. Ausgerechnet das Ministerium, das für die Baupolitik zuständig ist, das Vorgaben für Bürgerinnen und Bürger, für Unternehmen macht, das federführend für den Bundesbau verantwortlich ist, ausgerechnet das gönnt sich ein vermeintlich überdimensioniertes Luxusgebäude. Ich zitiere erneut den Rechnungshof: Das Bauministerium „verpasst damit die Chance, Vorbild für Flächeneffizienz und Ressourcenverbrauch zu sein“.
Sie haben noch die Möglichkeit, da etwas zu ändern. Tun Sie es! Wir brauchen beim Bau weniger Bürokratie, wir brauchen echte Vorbilder, wir brauchen klare Prioritätensetzung und nicht einfach nur mehr Geld. Wir brauchen Planungssicherheit und Verlässlichkeit, weniger Ideologie, mehr Pragmatismus, ehrliche Kosten-Nutzen-Analysen, was energetische Anforderungen angeht. Wir brauchen weniger und niedrigere Standards, Vereinheitlichung von Vorschriften und vor allen Dingen auch keinen Mietendeckel, sondern eine Ausweitung des Angebots. In diesem Sinne freue ich mich auf die anstehenden Beratungen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Entwurf des Haushaltsplans 2024 ist aus kommunaler Sicht eine herbe Enttäuschung.
Denn allein im Einzelplan 25 sinken im Vergleich zum jetzigen Haushalt die Ausgaben um insgesamt rund 374 Millionen Euro. Im Gesamtetat – dazu gehören natürlich weitere Haushalte – wird der Anteil kommunalrelevanter Ausgaben um 3,2 Milliarden Euro gesenkt. 3,2 Milliarden Euro! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Mit dem Haushaltsentwurf unterstreicht die Bundesregierung, dass die Zeiten, in denen die Kommunen auf den Bund als starke Hilfe setzen konnten, vorbei sind.
Liebe Frau Ministerin, Sie werden in den Medien damit zitiert, dass Sie sich dafür einsetzen, dass mehr Menschen aufs Land ziehen. Das ist ja auch richtig. Jede im ländlichen Raum genutzte Wohnung entlastet städtische Ballungszentren und ist ein echter Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung. Aber tatsächlich konterkariert die Bundesregierung mit dem Haushaltsentwurf, der jetzt vorgelegt worden ist, die Idee des Lebens auf dem Land.
Statt das Leben außerhalb der Großstädte attraktiver zu machen, gefährden Sie die Zielstellung der Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse. So sollen zum Beispiel die GAK-Mittel, die Mittel zur Förderung der Telemedizin und zur medizinischen Versorgung im ländlichen Raum sowie die Mittel zur Kulturförderung ganz gezielt gekürzt werden. All das geht zulasten der Kommunen in dünn besiedelten ländlichen Räumen.
Ein Beispiel aus meinem Wahlkreis will ich Ihnen gerne mit auf den Weg geben. Ich bin am letzten Freitag in der Gemeinde Brodersby-Goltoft gewesen. Die liegt im südöstlichen Teil des Kreises Schleswig-Flensburg. Diese Gemeinde hat nur 700 Einwohner, mit Urlaubern und Feriengästen aber weit über 2 000 während der Saison. Es gibt einen örtlichen Markttreff mit Post und Bäckerei, und das ist die einzige Versorgungsmöglichkeit im Umkreis von 10 Kilometern. Um diese Gemeinde fit zu machen, haben der Bürgermeister und die Gemeindevertretung 500 000 Euro in die Hand genommen, um einen neuen Markttreff als zentrale Begegnungsstätte in der Gemeinde auf den Weg zu bringen – mit einer Arztpraxis, einer Tagespflegeeinrichtung und einem Neubau des Feuerwehrgerätehauses.
Dieses Vorhaben umfasst ein Gesamtvolumen von 15 Millionen Euro. Das ist für so eine kleine Gemeinde wahnsinnig viel Geld. Es ist dort eine Förderung in Höhe von 3,75 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden.
Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber nicht vom Bauministerium, oder?
Wenn aber die Haushaltspolitik so, wie sie jetzt auf den Weg gebracht werden soll – ich gestehe zu: es gehören noch andere Haushalte dazu; denn es geht auch um die GAK –, umgesetzt werden soll, dann ist das Projekt gestorben, dann ist es einfach tot. Die Kommune hat ein Ortsentwicklungskonzept auf den Weg gebracht, der Architekt muss bezahlt werden, und wenn es dann nicht zur Umsetzung kommt, dann ist das schlimm. Ich finde es nicht nur schlimm, dass dann Geld verbrannt wird. Ich finde es auch ganz schlimm, dass das Engagement der vielen Ehrenamtler – die haben ganz viel Herzblut in dieses Projekt gesteckt – dann einfach stirbt. Ich weiß nicht, ob die Ehrenamtler dann tatsächlich noch Lust haben, weitere Projekte auf den Weg zu bringen.
Um insgesamt das Leben auf dem Land attraktiver zu machen, braucht es Digitalisierung, mehr Homeoffice, einen guten ÖPNV und eine gute medizinische Versorgung,
Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist hier der Etat „Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung“! Haben Sie das nicht mitgekriegt?
eine gute kommunale Infrastruktur und eine finanzielle Förderung von Familien, damit diese sich dann auch ein Eigenheim auf dem Land leisten können. Und es braucht eine Denkweise – das finde ich wichtig –, die das Leben im ländlichen Raum nicht nur duldet, sondern auch fördert und unterstützt.
Warum lassen Sie zum Beispiel das Baukindergeld auslaufen, statt es wenigstens als eine Bestandserwerbsförderung im Sinne von „Jung kauft Alt“ weiterzudenken?
Damit können Sie das Leben auf dem Land für Familien doch attraktiver gestalten.
Voraussetzung für eine gute kommunale Infrastruktur sind solide Kommunalfinanzen. Die aktuelle Bundesregierung reißt all das, was auch wir in den zurückliegenden Wahlperioden auf den Weg gebracht haben, jetzt in wenigen Monaten wieder ein.
Der Deutsche Bundestag hat bislang 25 Gesetze verabschiedet, mit denen die kommunalen Haushalte allein in der laufenden Wahlperiode bis 2025 mit über 18,9 Milliarden Euro belastet werden. Dem stehen Entlastungen in Höhe von rund 2 Milliarden Euro durch diese Bundesgesetze im selben Zeitraum gegenüber. Die jährliche Belastung liegt ab 2026 bei über 4,3 Milliarden Euro. Die Kommunen werden langfristig finanziell belastet, und es werden keine Mittel für gute kommunale Infrastruktur freigesetzt.
Auch der Umgang mit den Folgen des Klimawandels ist eine große und natürlich auch eine bauliche Herausforderung für die Kommunen; das haben wir heute schon gehört. Hier haben wir einzugehen auf Hitze- und Starkregenereignisse. Auch diese müssen berücksichtigt werden.
Liebe Frau Bundesministerin Geywitz, –
PVizepräsidentin Aydan Özoğuz: Kommen Sie bitte zum Schluss.
– statt den ländlichen Raum als Lebensraum attraktiver zu machen, fördern Sie den Urbanisierungsdruck und lassen damit die Kommunen allein. Wir haben immer wieder gefordert, –
PVizepräsidentin Aydan Özoğuz: Kommen Sie jetzt bitte zum Schluss, Frau Kollegin.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Über ein Viertel unseres Einkommens geben wir in Deutschland durchschnittlich für die Miete aus. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich würde sagen: Hier unten im Saal sind es vermutlich für viele oder für die allermeisten deutlich weniger als 25 Prozent. Dafür verschlingt die Miete der Kassiererin im Supermarkt mehr als die Hälfte ihres Lohns.
Gleichzeitig steckt der soziale Wohnungsbau in der Endlosschleife. Wir können nicht immer neue Wohnungen mit Sozialbindung bauen, wenn hinten genauso viele wieder rausfallen. Wir müssen diese Endlosschleife beenden. Wir brauchen dauerhaft günstige Wohnungen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Wir brauchen endlich die neue Wohngemeinnützigkeit. Mieten, die dauerhaft günstig bleiben und keinen Renditeerwartungen hinterherhecheln, die müssen wir belohnen. Das müssen wir auch im Haushalt mit vorbereiten.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Franziska Mascheck [SPD]
Damit zeigen wir auch, dass endlich Schluss ist mit der Gießkanne. Die Kassiererin, die im Supermarkt sitzt, braucht eine Wohnung, die sie sich leisten kann. Um diese Wohnung auf den Weg zu bringen, haben wir als Ampel einen ganzen Werkzeugkasten voll mit Instrumenten in den Koalitionsvertrag gepackt.
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Das sieht man Ihren Händen an, dass Sie viel mit Werkzeugen arbeiten!
Ein Instrument, mit dem wir ganz real Wohnungen bauen, muss die BImA werden. Wir wollen die BImA zu einem aktiven Akteur in der Wohnungspolitik weiterentwickeln. Jetzt ist die Zeit, zu investieren, und die BImA kann vor Ort in neue Wohnungen investieren. Wir müssen sie dafür startklar machen.
Jetzt ist die Zeit, vor Ort zu investieren. Zwei Drittel der Bauinvestitionen stemmen unsere Städte, Gemeinden und Landkreise. Der Investitionsrückstand in den Kommunen von über 150 Milliarden Euro ist jetzt schon ein erheblicher Wachstumshemmer. 150 Milliarden Euro, das ist knapp ein Drittel des Bundeshaushalts. 150 Milliarden Euro müssten ausgegeben werden, nur um den Verfall von Brücken, Straßen, Schulen, Kitas und Rathäusern vor Ort zu verhindern. Investitionen vor Ort sind gerade jetzt nötig, um wichtige Impulse für unsere Wirtschaft zu setzen und unser Land zukunftsfest aufzustellen.
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Die Grünen sind für Straßenbauförderung! Das ist ja ganz neu!
Das Gesetzespaket zum Haushalt aus dem Finanzministerium ist eine Gefahr für die Grundlage unserer kommunalen Kassen. Mit dem Wachstumschancengesetz wollen wir private Investitionen vor Ort anreizen; das ist richtig. Aber das Wachstumschancengesetz kann auch zum Wachstumsrisikogesetz werden, wenn wir nicht aufpassen, wenn wir private Investitionen, jede Investition unserer Städte und Gemeinden vor Ort unmöglich machen.
Dann trifft das zuallererst Kinder, Familien, alte Menschen und Menschen in Armut. Das heißt vor Ort: Die neue Kita wird nicht gebaut, in der Schule kostet das warme Mittagessen auf einmal doppelt so viel, das Schwimmbad macht zu, und die Seniorenberatungsstelle schließt auch.
Für echte Wachstumschancen dürfen wir vor Ort niemanden alleinlassen.
Wir dürfen unsere Kommunen nicht weiter belasten, sondern wir müssen dafür sorgen, dass in Zukunft vor Ort investiert werden kann. Es spart uns allen, vor allem auch dem Bundeshaushalt, in Zukunft sehr viel Geld, wenn wir jetzt vor Ort gut ausgestattet sind, um die großen Herausforderungen unserer Zeit aus dem Weg zu räumen.
Sparen können wir jetzt bei Privilegien für Dienstwagen oder dem Neubau von Penthäusern. Sparen können wir leider nicht mehr beim Mautdesaster der Union; das ist äußerst schade.
Jetzt ist die Zeit, zu investieren und Geld schlau auszugeben, für eine Welt, die Zukunft hat. Das muss unser Auftrag für diesen Haushalt sein. Für viele wichtige Projekte müssen wir noch die Grundpfeiler in den Haushalt einschlagen. Ich denke, das werden wir schaffen.
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich muss mich schon wundern, wenn Sie, Frau Geywitz, sich heute für Fortschritte beim sozialen Wohnungsbau loben. Versprochen hatten Sie 100 000 neue Sozialwohnungen im Jahr. Geliefert haben Sie gerade mal 22 000 neu gebaute Sozialwohnungen. Das ist weniger als ein Viertel; das ist doch wirklich keine Erfolgsbilanz.
Und an diesem dramatischen Niedergang des sozialen Wohnungsbaus wird auch dieser Haushalt nichts ändern. Gemessen an den riesigen Herausforderungen, vor denen wir in der Wohnungspolitik stehen, ist er ein Tropfen auf den heißen Stein.
Schon jetzt profitieren reiche und private Investorinnen und Investoren von zahlreichen Steuerschlupflöchern im Immobilienbereich. Da sagen Sie jetzt: Wir legen noch eine Sonder-AfA obendrauf, ohne soziale Vorgaben. – Also, das ist doch wirklich die falsche Prioritätensetzung.
Das, was wir stattdessen bräuchten, wäre eine neue Wohnungsgemeinnützigkeit, die Sie heute wieder beschworen haben. Ja, das steht auch im Koalitionsvertrag. Die bräuchten wir, damit eine Sozialwohnung immer eine Sozialwohnung bleibt. Die bräuchten wir, damit das Gemeinwohl und nicht der Profit wieder das Leitprinzip auf dem Wohnungsmarkt ist.
Aber Fehlanzeige! In dem Haushalt, der hier vorliegt, ist kein einziger Euro dafür vorgesehen. Es war versprochen und angekündigt. Das ist für mich die größte Enttäuschung.
Es ist noch nicht lange her, da haben Sie sich für die größte Wohngeldreform aller Zeiten gefeiert. Ein halbes Jahr später planen Sie gleich mal 500 Millionen Euro weniger dafür ein.
Frau Lay, würden Sie zur Kenntnis nehmen, dass beim Wohngeld kein Euro, der über den bestehenden Rechtsanspruch den Menschen zusteht, gekürzt wird? Lesen Sie den Haushalt mal genau, dann stellen Sie fest, dass von den rund 480 Millionen Euro, die im Haushalt für das Wohngeld weniger zur Verfügung stehen, 374 Millionen Euro dem Heizkostenzuschuss I und Heizkostenzuschuss II geschuldet sind. Das waren einmalige Zahlungen 2022 und 2023. Und würden Sie zur Kenntnis nehmen, dass wir die Regelsätze erheblich erhöht haben und auch noch weiter erhöhen werden? Hubertus Heil hat das ja kürzlich erst vorgestellt. Das bedeutet auch, dass mehr Personen in den Rechtskreis SGB II, landläufig jetzt auch als Bürgergeld bekannt, wechseln und Kosten der Unterkunft bekommen. Das heißt also, unter dem Strich wird de facto kein einziger Euro beim Wohngeld gekürzt.
Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ich habe nur die Tatsachen geschildert!
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Daniel Föst [FDP]: Zahlen lügen nicht!
Und ich muss wirklich sagen: Wenn Sie sich schon fast dafür loben, dass jetzt mehr Menschen im anderen Regelkreis sind, dann stimmt irgendwas mit Ihrem sozialpolitischen Kompass nicht.
Sie haben in Ihrer Frage die Antwort ja eigentlich schon gegeben. Ich halte es für einen Fehler – das haben wir als Linke immer gesagt –, dass der Heizkostenzuschuss einmalig ist. Denn das, was ich lese, ist, dass die Mietenexplosion weiter anhält, dass viele Haushalte jetzt völlig am Limit sind. Das habe ich Ihnen beim Beschluss der Wohngeldreform hier erklärt; aber Sie haben ja nicht zugehört. Sie haben die Mietstufen nicht reformiert. Und das hat ganz konkret dazu geführt, dass zum Beispiel in meinem Bundesland Sachsen in ganz vielen Städten die Mietstufen am Ende heruntergesetzt wurden. Das heißt, die Leute haben weniger oder gar nichts mehr bekommen.
Das alles haben Sie damals bei der Debatte unterschlagen. Insofern bestätigt dieser Haushaltsentwurf das, was ich gesagt habe: Es ist keine große Reform. Am Ende werden weniger Menschen von den sozialen Dienstleistungen, vom Wohngeld profitieren.
Meine Damen und Herren, dieser Haushalt ist kein großer Wurf für die Mieterinnen und Mieter. Er ist kein großer Wurf für die Menschen, die nicht schon bei Geburt mehrere Häuser geerbt haben, sondern eine große Enttäuschung. Wir fordern als Linke einen bundesweiten Mietenstopp, einen bundesweiten Mietendeckel und mindestens 20 Milliarden Euro im Jahr für den gemeinnützigen Wohnungsbau. Wir brauchen ein Sondervermögen für bezahlbares Wohnen –
PVizepräsidentin Aydan Özoğuz: Kommen Sie bitte zum Schluss?
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Beim Etat für unsere Entwicklungspolitik geht es ganz konkret um Mittel für Frieden und Sicherheit, zum Beispiel in der Sahelregion, die in den letzten Wochen ja stark in den öffentlichen Fokus gerückt ist. Die Zusammenarbeit mit Ländern wie Mauretanien oder Mali macht sichtbar, was eine wirkungsvolle Entwicklungspolitik können muss, und sie macht deutlich, warum Deutschland in Entwicklungspolitik investiert.
Besonders gut kann man das in Mauretanien sehen. Dem Land gelingt in den letzten Tagen vieles, was an anderen Orten auf der Welt nicht klappt. Flüchtlinge werden dort registriert, sie erhalten Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung.
Dies führt insgesamt zu mehr gesellschaftlicher Akzeptanz. Mauretaniens Umgang mit Migration ist wirklich bemerkenswert, auch weil das Land mit seinen 4,6 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern mehr als 100 000 Flüchtlinge aufgenommen hat und sie auch noch mit sozialen Basisleistungen versorgt. Das trägt zu sozialer Gerechtigkeit, das trägt zu gesellschaftlichem Frieden bei und macht es dem Terrorismus schwerer, Fuß zu fassen.
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Liebe Kolleginnen und Kollegen, unsere Entwicklungspolitik unterstützt Länder wie Mauretanien dabei, diese Ansätze weiterzuverfolgen. Und unsere Entwicklungspolitik unterstützt Menschen in Ländern der Sahelregion, in denen die Zusammenarbeit mit der Regierung kaum noch möglich ist. Die Bevölkerung braucht diese Unterstützung, sie ist ganz massiv von Klimawandel, von Konflikten, von Armut betroffen. Es ist eine sehr verheerende Kombination, die wir in dieser Region sehen: Zunehmende Dürren lassen Ernten verkümmern, sie befeuern die Konflikte um Ressourcen wie Wasser. Hunger und Armut nehmen zu und schaffen einen Nährboden für extremistische Gruppen, und diese Extremisten bieten dann oft die einzige Einkommensmöglichkeit in der Region. Das alles gefährdet die Sicherheit der Bevölkerung, es gefährdet die Möglichkeit, das Leben selbstbestimmt zu gestalten, und es gefährdet die Stabilität einer ganzen Region, es wirkt destabilisierend.
Doch wie kann eigentlich Entwicklungspolitik noch wirken in solchen Situationen, in denen sich die Krisen ja häufen?
Erstens durch Flexibilität. Kein Land ist wie das andere. Die deutsche Entwicklungspolitik passt sich mit ihren Instrumenten an die unterschiedlichen und oft dynamischen Situationen an, sie richtet sich an den konkreten Bedarfen der Partnerinnen und Partnern aus. In Mauretanien beispielsweise unterstützt mein Ministerium gute Arbeit in der Fischerei.
In Mali stärken wir über das Welternährungsprogramm die Grundversorgung der Menschen, zum Beispiel durch Mittagessen in ländlichen Schulen. Damit wird der Hunger gelindert, wird Bildung gestärkt. Damit unterstützen wir ein realistisches Gegenangebot zum Terrorismus. So leistet Entwicklungspolitik einen Beitrag zur Stabilität.
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Liebe Kolleginnen und Kollegen, dort, wo es gemeinsame Grundlagen gibt, da arbeitet Deutschland natürlich mit den Regierungen zusammen. Aber dort, wo die Grundlagen fehlen, da wird die staatliche Entwicklungszusammenarbeit auf lokale, auf regionale Akteure umgesteuert, regierungsfern und bevölkerungsnah. So kann zum Beispiel die Zusammenarbeit mit einer Regierung gestoppt werden, ohne dass wir die Menschen in der Region im Stich lassen. Das sehen wir in Mali, das sehen wir in Burkina Faso: Da haben sich Militärregierungen an die Macht geputscht, und wir sind trotzdem noch in der Lage, den Menschen dort zu helfen.
Damit bin ich beim zweiten Punkt: Entwicklungspolitik wirkt durch Allianzen. Wer sich nämlich zusammentut, wer sich abspricht, wer gemeinsame Ziele verfolgt, der erreicht mehr, so wie wir das in der Sahel-Allianz tun, dem größten Unterstützerbündnis für die Sahelregion. Ich bin im Juli zur Präsidentin dieser Allianz gewählt worden. In dieser Funktion bringe ich die verschiedenen Positionen der 18 Mitgliedstaaten und -organisationen politisch zusammen, auch in der aktuellen Krisenlage infolge des Militärputsches in Niger. Außerdem kann die Sahel-Allianz größere Wirkung erzielen, wenn sie die entwicklungspolitischen Programme ihrer Mitglieder koordiniert und bündelt und so Entwicklung wirksam macht.
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Ein weiteres Beispiel sind die Zusammenschlüsse mehrerer internationaler Akteure, etwa wenn das Welternährungsprogramm und UNICEF gemeinsam Gemeinden in Mali mit Grundnahrungsmitteln und sauberem Trinkwasser versorgen. Sie ergänzen die staatliche Entwicklungszusammenarbeit und sind auch dort aktiv, wo wir nicht mehr direkt mit Regierungen zusammenarbeiten können. Damit ist ihre Arbeit auch eine wesentliche Säule der deutschen Entwicklungspolitik.
Und schließlich drittens: Entwicklungspolitik wirkt durch Langfristigkeit. Es geht darum, bestehende Strukturen nachhaltig zu verändern, damit Krisen vorgebeugt wird, damit Wandel gelingen kann. Ein Beispiel dafür sind die Programme, die auf soziale Sicherheit abzielen. Die Covid-Pandemie hat sehr deutlich gezeigt: Wo ein soziales Netz gespannt ist, kommen Gesellschaften besser durch Krisen. Wenn Menschen sozial abgesichert sind, etwa gegen Krankheit oder Armut, stärkt das Gesellschaften wirtschaftlich und auch politisch. Deswegen unterstützen wir vielfältige Projekte zur sozialen Sicherheit, auch in den Sahelländern. Dabei geht es vor allen Dingen darum, Angebote so auszubauen, dass sie in Krisenfällen wie zum Beispiel einem dürrebedingten Ernteausfall schnell angepasst werden können, damit diejenigen, die gerade dann finanzielle Hilfe benötigen, sie auch sehr schnell bekommen. Diese gemeinschaftliche Absicherung im Notfall schafft wirklich Sicherheit. Und sie trägt auch zu einer besseren wirtschaftlichen Teilhabe bei, insbesondere der Frauen in der Region. So stärkt Entwicklungspolitik auch Geschlechtergerechtigkeit.
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Kurz gesagt, liebe Kolleginnen und Kollegen: Entwicklungspolitik baut Ungleichheiten ab, sie beugt Krisen vor. Damit fördert sie Frieden und Sicherheit weltweit und damit auch für uns in Deutschland. Deswegen sind die Kürzungen im entwicklungspolitischen Haushalt für 2024 schmerzhaft. Besonders problematisch sind die drastischen Kürzungen des Budgets in den darauffolgenden Jahren. Sie schränken Deutschlands Handlungsspielraum deutlich ein. Frieden braucht Entwicklung, und das werden wir auch in Zukunft sicherstellen müssen. Deshalb werde ich alles tun, die Mittel der Entwicklungspolitik so effizient und so strategisch wie möglich einzusetzen, sie mit politischen Initiativen zu flankieren, mit Partnern noch stärker zusammenzuarbeiten, so wie ich Ihnen das eben am Beispiel der Entwicklungspolitik im Sahel dargestellt habe.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, hier geht es um den Etat, den Deutschland für Frieden und Sicherheit einsetzt. Es geht darum, dass wir genügend Mittel für eine wirkungsvolle Entwicklungspolitik brauchen,
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Das war wirklich eine sehr bemerkenswerte Haushaltsrede der Ministerin. In ihrer neunminütigen Rede ist sie gerade mal in den letzten 60 Sekunden auf das Thema Haushalt zu sprechen gekommen. Kein Wunder! Es ist ihr peinlich.
diesmal um 5,3 Prozent, von 12,1 Milliarden Euro auf 11,5 Milliarden Euro. Weitere Kürzungen sind angekündigt und absehbar.
Heute Mittag hat VENRO als Pressemitteilung herausgegeben – ich zitiere mal daraus –:
„Nach den aktuellen Plänen der Bundesregierung soll die Entwicklungszusammenarbeit in dieser Legislaturperiode um rund ein Viertel und die humanitäre Hilfe sogar um mehr als 40 Prozent gekürzt werden.
‚Es ist kurzsichtig und unverantwortlich …ʼ“
Und dann wird das weiter begründet. VENRO hat recht. Das ist doch die Realität.
Der Haushalt ist 15-mal in Folge gestiegen. Die schönen Geschichten am Rande, die die Ministerin gerade erzählt hat, sind alle schön und gut und finden unsere Unterstützung. Das muss sich aber doch auch in den Zahlen wiederfinden.
Agnieszka Brugger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es ist ja nicht so, dass Herr Müller es immer so einfach hatte in der CDU!
Es ist aber nicht nur ein Kontrast zur früheren Regierung, sondern ein Kontrast zu den eigenen Ankündigungen. Zeitenwende? Das ist doch mal in den Raum gestellt worden. Zeitenwende bedeutet doch: Wir brauchen eine andere Reaktion auf außenpolitische Realität. Wir müssen mehr an internationaler Partnerschaft arbeiten. Dieser Haushalt ist genau das Gegenteil von Zeitenwende. Wenn dann ausgerechnet auch noch der Titel „Krisenbewältigung und Wiederaufbau, Infrastruktur“ sogar um 22 Prozent sinkt: Zeitenwende? Das passt doch alles nicht zusammen.
Bettina Hagedorn [SPD]: Vor allem passt eure Argumentation nicht zusammen!
Wenn dann, statt Geld zu geben, eher mit dem belehrenden Zeigefinger auf unsere Partnerländer in Afrika gezeigt wird mit allen möglichen Vorgaben – von Augenhöhe keine Rede – und dann obendrein noch Hilflosigkeit gegenüber der Tatsache zu beobachten ist, dass immer mehr Länder dort lieber mit China als mit uns über ihre weitere Entwicklung reden, dann passt das alles nicht zusammen. Das heißt, dass diese Regierung nicht nur wirtschaftlich eine Abstiegskoalition für Deutschland ist.
Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Tätä! Tätä! Tätä!
Ja, das Geld ist knapp. Aber wenn das so ist – die Ministerin hat ja sogar gesagt, daran müssten wir uns strategisch orientieren –, dann muss doch Teil der Strategie sein, Geld zu hebeln. Aber zum Beispiel der Titel „Entwicklungspartnerschaft mit der Wirtschaft“ ermöglicht ja genau ein solches Hebeln. Die Ministerin denkt aber wahrscheinlich immer noch, das seien irgendwie Subventionen für die Wirtschaft in Deutschland. Aber das ist ja Unfug. Stattdessen werden aus diesem Titel Wirtschaftsstrukturen vor Ort gestärkt, zum Beispiel über Mikrokreditprogramme, die von der Sparkassenstiftung organisiert werden.
Vielleicht eine kleine Anekdote am Rande: Die Ministerin stellt ja auch immer wieder die Förderung von Frauen so in den Mittelpunkt; aber hier werden erneut genau an dieser Stelle die Gelder drastisch gekürzt.
Denn Mikrokredite gehen zum allergrößten Teil an Frauen, weil die mehr Verantwortung für die Entwicklung ihrer Volkswirtschaften empfinden und das Geld deswegen dort besser aufgehoben ist. Das ist die Realität.
Aber die Realität dieses Haushaltes geht in eine völlig andere Richtung. Wir brauchen viel mehr – und das ist eben auch Inhalt dieses Titels – Überzeugung und Information, auch für Unternehmen hier, bitte vielleicht einmal in Entwicklungsländern tätig zu werden, weil wir wissen, dass das mit staatlichen Mitteln alleine nicht geht. Das alles wäre der richtige Weg, die knappen Mittel zu hebeln. Davon sind wir aber weit entfernt.
Ich glaube, dass diese Abstiegskoalition gerade auch auf wirtschaftlichem Gebiet vielleicht gerade von dieser Ministerin dazu aufgerufen werden müsste, eine erfolgreichere Wirtschaftspolitik zu machen, weil am Ende nicht nur die Unternehmen erfolgreich dort investieren sollen, sondern eine erfolgreiche Wirtschaft bei uns auch die Basis für Steuereinnahmen ist, die Basis für Spielraum, eben auch für die ja traditionell gute Arbeit in diesem Ministerium.
Ich würde mir wünschen, dass wir alle daran arbeiten – und endlich auch diese Regierung –, dass unsere Wirtschaft nicht den Bach runtergeht, dass Möglichkeiten und Spielräume erhalten bleiben, dass wir die internationale Verantwortung, die Deutschland traditionell in den letzten Jahrzehnten übernommen hat, auch weiterhin übernehmen können und dass wir den Begriff „Zeitenwende“ auch wirklich mit Leben füllen können. Wir als CDU/CSU-Fraktion wollen das.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eine ganze Welle von Staatsstreichen im Sahel, tödliche Fluten als Folge der Klimakrise in Pakistan, und alle 13 Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen von Hunger. Die globalen Herausforderungen werden immer größer, und diese traurige Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Auch die Verbrechen der kolonialen Vergangenheit, unfaire Wirtschaftsbeziehungen und der Beitrag der Industriestaaten zur Klimakrise gehören zu den Ursachen der Probleme, unter denen die Menschen im Globalen Süden leiden.
Gemeinsam für bessere Bildung und Gesundheit, für Demokratie und Entwicklung weltweit einzutreten, das ist auch Teil unserer internationalen Verantwortung.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Zugleich sind langfristiger Wohlstand und die Eindämmung der Folgen der Klimakrise auch für uns in Deutschland nur dann möglich, wenn die Länder des Globalen Südens endlich eine gerechte Chance auf nachhaltige Entwicklung haben, wie es zum Beispiel gerade auch auf dem ersten afrikanischen Klimagipfel in Nairobi diskutiert wird.
Unsere Welt befindet sich im Umbruch. Autokratische Machthaber unterdrücken nicht nur die Menschen in ihrem eigenen Land, sondern verbünden sich miteinander, um unsere regelbasierte internationale Ordnung zu schwächen. Dabei braucht es mehr Kooperationen; denn die globalen Herausforderungen nehmen zu. Kein Land der Welt kann alleine die Folgen der Klimakrise oder eine Pandemie bewältigen. Und auch deshalb ist es wichtig, dass andere Staaten uns als verlässliche und ehrliche Verbündete an ihrer Seite wissen
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
und dass wir uns umgekehrt auf unsere Partner verlassen können.
Wir engagieren uns für globale Solidarität nicht allein, weil es unseren Werten und unserer Verantwortung entspricht, sondern wir schützen dadurch auch unseren Wohlstand, unsere Sicherheit und unsere Interessen.
Zur Lösung der globalen Probleme müssen Strukturen verändert und gerechter gestaltet werden. Es geht dabei nicht nur ums Geld. Deshalb hat sich die Bundesregierung – auch dafür vielen Dank, Frau Ministerin – zu einer feministischen Entwicklungszusammenarbeit verpflichtet oder engagiert sich stark für eine nachhaltige Reform der Weltbank, die Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit endlich zusammendenkt.
Gleichzeitig ist es eben nicht egal, ob wir mehr oder weniger Geld für Entwicklungszusammenarbeit ausgeben. Im Koalitionsvertrag hat die Ampel mit einem sehr umfassenden und, wie ich finde, sehr klugen Sicherheitsbegriff die Eins-zu-eins-Regelung vereinbart. Das bedeutet: Für jeden Euro, den wir mehr für Verteidigung ausgeben wollen, wollen wir eigentlich auch einen Euro mehr in Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Hilfe oder Diplomatie investieren.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Auch mit der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie denkt die Bundesregierung in genau dieser Logik Sicherheit nicht allein militärisch. Denn auch Entwicklungszusammenarbeit, zivile Krisenprävention oder internationaler Klimaschutz
leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Sicherheit von Menschen hier bei uns und anderswo auf der Welt. Aber auch bei diesem Regierungsentwurf zum Haushalt sind wir leider weit von diesem Ziel entfernt. Und dabei ist das in der Sache richtige Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für Verteidigung nicht einmal eingerechnet.
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine habe ich immer wieder Stimmen gehört – leider manchmal auch aus den Reihen der Koalitionspartner –, dass diese Eins-zu-eins-Vereinbarung seit dem 24. Februar 2022 doch überholt sei. Das teile ich explizit nicht.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Ich war auch sehr irritiert, dass Sie, Ministerin Schulze, in einem Interview mit dem RND – wenn auch mit Bedauern – gesagt haben, dass Sie diese Regelung nicht mehr für realistisch halten. Denn wir sehen doch, wie dieser russische Krieg globale Probleme wie den Hunger massiv verschärft. Wir sehen doch, wie wichtig es ist, Allianzen zu schmieden, um gemeinsam und global für ein Ende der Gewalt und die Stärke des internationalen Rechts einzutreten. Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Zusammenarbeit und mehr Partnerschaften, wenn wir das mit der Zeitenwende wirklich ernst meinen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
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Paul Ziemiak [CDU/CSU]: Aber das spiegelt sich nicht im Haushalt wider!
Gerade auch in der Ukraine zeigt sich übrigens überdeutlich, dass Sicherheit nicht allein militärisch gedacht werden kann. Denn so wichtig Waffenlieferungen bei der mutigen Selbstverteidigung der Ukraine sind, so macht unsere Unterstützung doch zu Recht so viel mehr aus. Vor wenigen Wochen hat meine Kollegin Debbie Düring die Ukraine besucht und folgenden Satz mitgebracht, über den ich seitdem sehr viel nachdenken musste: Auch Wiederaufbau ist Widerstand. – Indem sie kaputte Wohnhäuser, Kindergärten und Krankenhäuser wieder aufbauen, beweisen die mutigen Menschen in der Ukraine Tag für Tag, wie ihr Mut, ihr Lebenswille und ihre Kraft über die zerstörerische Brutalität Russlands siegen.
Unsere Sicherheit, unseren Wohlstand und unsere Lebensgrundlagen schützen – das können wir nur in enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern. Und das bedeutet auch: Wenn die globalen Herausforderungen wachsen, müssen wir unser Engagement verstärken. Deshalb ist jeder Euro zur Lösung internationaler Probleme ein gut investierter Euro,
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
während uns jedes Versäumnis in der Zukunft einen viel höheren Preis kosten kann. Das sollte uns bei all den Debatten zu diesem Einzelplan begleiten und leiten.
Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]: Das ist bei Ihnen aber nicht anders!
„Das sollte man ersatzlos streichen.“ „Reine Geldverschwendung.“ „Das Geld wäre im eigenen Land besser aufgehoben.“ – Und ich kann nicht wirklich widersprechen.
Von allen Ministerien, für die ich als Haushälter zuständig bin, kriege ich hier mit Abstand am meisten Puls – mit weitem Abstand. Bei jedem Termin, den wir fraktionsübergreifend in den Haushaltsberatungen durchführen, kommt unisono von allen Fraktionen außer von der AfD, dass Entwicklungshilfe ja so wahnsinnig wichtig sei und dass man eigentlich noch viel mehr Geld brauche.
2023 geben wir 12,5 Milliarden Euro dafür aus. 12,5 Milliarden Euro! 2022 waren es sogar knapp 13,8 Milliarden Euro. Das einzig Positive, was man über diesen Etat sagen kann, ist, dass er 2024 schrumpft. Doch es sind immer noch 11,5 Milliarden Euro vorgesehen, was immer noch viel zu viel Geld ist.
Ich will das den Leuten draußen, die das Steuergeld hart erarbeiten, das hier so großzügig verteilt wird, auch mal in aller Klarheit sagen: Es ist vollkommen egal, welche der anderen fünf im Bundestag vertretenen Fraktionen Sie hernehmen. Sie unterscheiden sich bei ihrer Geldverbrennerei im Wesentlichen nicht. Machen Sie es mal, recherchieren Sie selbst! Oder besser: Hören Sie sich die Reden in dieser Runde an, wo man sich gegenseitig wieder damit überbieten wird, wie schlimm und schrecklich die Welt ist, und feststellt, dass es die Deutschen sind, die dagegen unbedingt etwas tun müssen.
Dabei ist es eigentlich ein offenes Geheimnis, dass Entwicklungshilfe größtenteils wirkungsloser Nonsens ist.
Wer will, kann das nachlesen, zum Beispiel bei der Stiftung Marktwirtschaft, die 2015 ein Papier mit dem Titel „Hilflose Entwicklungshilfe?“ herausbrachte.
Thomas Rachel [CDU/CSU]: Wo sind denn Ihre konkreten Vorschläge?
Darin kann man nachlesen, dass das Gießkannenprinzip, nach dem auch heute noch Entwicklungshilfegelder verteilt werden, völlig verfehlt ist und die Entwicklungshilfe seit Jahrzehnten ihre eigenen Ziele nicht erreicht, ja, sie vielfach sogar selbst behindert.
Deborah Düring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist doch unter aller Würde! Was soll das denn jetzt?
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Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Selbst unter Ihrem Niveau!
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Susanne Menge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
und sogar unsere allseits geschätzte Hauptberichterstatterin für den Entwicklungshilfeetat ist. Da vorne sitzt sie. Hallo, Frau Kollegin!
Das führt uns auch direkt zur FDP, die mal wieder diesen ganzen Schwachsinn mitträgt. Es ist sowohl für die FDP selbst als auch für ihre wieder und wieder enttäuschten Wähler eine besondere Tragik, dass Sie durchaus Leute in Ihren Reihen haben, die es besser wissen. Die hört man dann im Wahlkampf; dort sagen die auch wirklich vernünftige Dinge. Aber kaum sind Sie irgendwo in Verantwortung, knicken Sie ohne Widerstand ein. Unvergessen ist, dass Sie das Entwicklungshilfeministerium einmal abschaffen wollten – nach wie vor eine richtige Forderung – und dann selbst das Ministerium übernommen haben. Ich frage mich immer wieder: Was nützt alles Wissen dieser Welt, wenn man dann nicht das Rückgrat hat, dieses Wissen auch anzuwenden?
Doch die Zeiten, in denen schöne Reden noch jemanden täuschen, sind vorbei. Die Menschen in unserem Land wollen Taten sehen. Die SPD für ihren Teil ist zumindest schon mal tatkräftig. Nur leider richtet sich alles, was diese Partei mittlerweile tut, gegen das eigene Land und das Wohl seiner Bürger.
nachlesen. Darin steht, wohin die Reise geht. Dort findet man online einen Artikel der SPD-Politikerin Franziska Wende, die sich selbstverständlich auch im Netzwerk Feministische Außenpolitik der SPD engagiert. Frau Wende legt in dieser Kampfschrift dar, dass die Entwicklungshilfepolitik Deutschlands sich durch eine – ich zitiere – „radikale Umverteilung“ vom Globalen Norden in den Globalen Süden auszeichnen sollte.
Ich übersetze das mal: Wenn es nach der SPD geht, dann sollen sich die Bürger in Deutschland klaglos den Arsch aufreißen, um Steuern zu zahlen, bis der Arzt kommt, damit diese Steuergelder – Geld, das in Deutschland erarbeitet wird –
– Da können Sie noch so viel lachen, wie Sie wollen.
Wir werden in diesen Haushaltsberatungen das tun, was wir beim Thema Entwicklungshilfe immer tun: kürzen, kürzen, kürzen. Wir sind zwar dabei, wenn es zum Beispiel um die Bekämpfung von Hunger geht, um den Kampf gegen übertragbare Krankheiten wie Aids, Malaria oder Tuberkulose, um das Bereitstellen von sauberem Trinkwasser.
Ich kann Ihnen jetzt schon mal sagen, dass wir bei den geplanten Ausgaben für die Entwicklungshilfe Kürzungen von mindestens 50 Prozent beantragen werden; denn dieses Geld ist in Deutschland wesentlich besser aufgehoben.
Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Frau Ministerin Schulze, also, ich muss schon sagen: Wenn Sie diesen Haushaltsentwurf und das, was Sie eben zur Einbringung verkündet haben, mit dem abgleichen, was Sie in Ihrer Haushaltsrede vor gut zehn Monaten gesagt haben, muss Ihnen eigentlich unweigerlich der Satz einfallen: Was schert mich mein Geschwätz von gestern?
Da war von Vertrauen die Rede, von globaler Verantwortung und der Verlässlichkeit Deutschlands für die Länder des Globalen Südens, ganz besonders in Zeiten der Krisen. „Vertrauen“, so sagten Sie damals, Frau Ministerin – ich zitiere –, „ist die Grundvoraussetzung für eine wirksame Entwicklungszusammenarbeit“. Nur, mit diesem Haushalt erreichen Sie das Gegenteil davon: Sie machen Vertrauen kaputt, und das ist ein fatales Signal.
Die Bundesregierung, immerhin Regierung des viertreichsten Landes dieser Welt, selbst betitelt als „Fortschrittskoalition“, kürzt bei der Entwicklungszusammenarbeit anteilig so stark wie sonst nur beim Auswärtigen Amt und Gesundheitsministerium.
Bettina Hagedorn [SPD]: Das stimmt ja überhaupt nicht!
Vertrauen in Krisenzeiten sieht bei der Ampel also in Wirklichkeit so aus: Der BMZ-Titel für Krisenbewältigung wird um sage und schreibe 22 Prozent gekürzt; das sind 276 Millionen Euro weniger. Der Gesamtetat soll um ganze 5 Prozent auf 11,5 Milliarden fallen – 640 Millionen Euro weniger, und das in Inflationszeiten. Gleichzeitig sollen die Mittel für humanitäre Hilfe im Etat des Auswärtigen um 36 Prozent sinken – 1 Milliarde Euro weniger für humanitäre Hilfe.
Und die Kürzungen sollen nach dem Willen der Ampel weitergehen – wir haben es vorhin schon gehört –: Die Finanzplanung bis zur nächsten Bundestagswahl sieht bei der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe weitere Kürzungen in Milliardenhöhe vor. Bis 2025 will die „Fortschrittskoalition“ – mir fällt es immer schwer, das Wort zu sagen – die Entwicklungsgelder um ein Viertel zusammenstreichen, bei der humanitären Hilfe sogar um die Hälfte.
Enrico Komning [AfD]: Dann sagen Sie es doch nicht!
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Zurufe von der CDU/CSU: Abstiegskoalition!
Noch mal zum Mitschreiben: Die Krisen spitzen sich zu, und die Ampel streicht in ihrer Amtszeit bis 2025 die Gelder für Solidarität mit dem Globalen Süden um ein Viertel, für humanitäre Hilfe um die Hälfte. Dafür wird dann aber mehr als jeder zehnte Euro in diesem Haushalt für die Rüstung eingesetzt, und dazu sagt die Linke ganz deutlich Nein.
Für uns ist klar: Es darf für die Entwicklungszusammenarbeit und die humanitäre Hilfe keinerlei Kürzungen geben. Ihr Kürzungsplan, Ihre Investitionsbremse, die hierzulande doch Armut, Ungleichheit, Klimakrise weiter anheizen wird, kürzt auch auf globaler Ebene nur an einer Stelle, nämlich auf dem Rücken der Schwächsten. Sie kürzen bei Kranken, bei Frieden, bei Diplomatie für mehr Frieden; Sie kürzen auf dem Rücken der Ärmsten, der Verletzlichsten, bei Frauen, Kindern und Indigenen im Globalen Süden. Und mal ganz ehrlich: Das ist in der Wirkung das absolute Gegenteil von dem, was eigentlich eine feministische Außen- und Entwicklungszusammenarbeit will.
Das finde ich wirklich schändlich. Und dass Sie das mit dem Begriff von mehr „Flexibilität“ hier einbringen, Frau Ministerin, stimmt mich, ehrlich gestanden, nicht wirklich zuversichtlich.
Kolleginnen und Kollegen, die UNO hat gerade Alarm geschlagen: Die Entwicklungsziele drohen zu scheitern. Bei Armut, Hunger und Klima gibt es sogar Rückschritte. Insgesamt hungern mittlerweile weltweit 735 Millionen Menschen täglich; das sind 122 Millionen mehr, die an Hunger leiden, als noch 2019. Und ohne Schuldenschnitt und dann bei immer weniger werdenden Entwicklungsgeldern stehen Dutzende Staaten weltweit vor dem Kollaps; das ist doch eigentlich allen Akteuren klar. Es hilft tatsächlich nur eins: Viel Geld und ein Schuldenerlass für die betroffenen Staaten.
Dafür ist natürlich vor allem eine Umverteilung des gigantischen Reichtums nötig, auf dem ein kleiner Teil der Weltbevölkerung und wenige multinationale Konzerne sitzen.
Was da aber auf keinen Fall hilft, ist eine Kürzung der Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe; denn sie, Frau Ministerin, stört das noch vor zehn Monaten wortreich beschworene Vertrauen in die Verantwortung und die Verlässlichkeit deutscher Entwicklungszusammenarbeit.
Dieser Haushalt heißt für viele Menschen in der Welt ganz konkret weiterhin Hunger und Not. Sie lassen die Menschen, die unsere Solidarität brauchen, hängen, und darum lehnt meine Fraktion Die Linke diesen Haushaltsentwurf entschieden ab.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich stehe heute vor einer eigentlich unlösbaren Aufgabe: Natürlich unterstütze ich den Kurs unserer Bundesregierung in diesen sowohl für Deutschland als auch international herausfordernden Zeiten, und ich habe Verständnis, dass diese herausfordernden Zeiten, diese Zeitenwende, eine Anpassung unserer finanzpolitischen Prioritäten erfordern. Andererseits kann ich als Entwicklungspolitikerin mit der Ausstattung unseres Einzelplans vor allem auf lange Sicht nicht zufrieden sein. Gerade in der internationalen Zusammenarbeit, in der es um langfristige, nachhaltige Entwicklungsprozesse geht, ist eine angemessene Ausstattung nötig.
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Michael Georg Link [Heilbronn] [FDP]
Was heißt das für mich als entwicklungspolitische Sprecherin meiner Fraktion? Klar ist: Wir rücken nicht von unseren Zielen ab, die Armut, den Hunger, die Folgen von Krieg und Vertreibung und auch des Klimawandels zu bekämpfen.
Wir alle wissen: Die Herausforderungen nehmen zu. Die von den UN im Mai vorgelegte Halbzeitbilanz der Agenda 2030 zeichnet ein düsteres Bild. Wir sind weit davon entfernt, unsere Ziele im Kampf gegen Armut, Hunger und Ungleichheit zu erreichen. Wie spiegelt sich das in unserem Haushalt wider? Im Vergleich zu anderen Ressorts wurde beim Einzelplan 23 prozentual moderat gekürzt.
Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Thomas Rachel [CDU/CSU]: Hat aber nichts rausgeholt!
Ich denke, das Ergebnis zeigt, dass alle Beteiligten verstanden haben, welch zentrale Rolle die Entwicklungszusammenarbeit auch im Zusammenspiel mit der Außen- und Verteidigungspolitik in unsicheren Zeiten spielt. Schauen wir in die Ukraine, nach Mali, Niger oder in andere Krisenregionen der Welt: Die Entwicklungszusammenarbeit kann – das zeigen Erfahrungen aus den Konfliktregionen – die entscheidende Rolle in der Krisenprävention, Konfliktbewältigung und Friedensförderung spielen. Gerade in diesen Regionen sind es unsere Ansätze und Instrumente, die für die betroffene Bevölkerung den entscheidenden Unterschied machen. Entwicklungspolitik ist Friedens- und Sicherheitspolitik!
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Umso mehr hat es mich gefreut, dass die Sicherung von Frieden und Stabilität in der Kabinettsvorlage als zentraler Schwerpunkt genannt wurde und Bundesfinanzminister Christian Lindner bei der Vorstellung des Regierungsentwurfs betonte, dass wir in einer neuen geopolitischen Realität leben, die – ich zitiere – wir auch mit finanziellen Mitteln unterlegen müssen. Hier werden wir Sie beim Wort nehmen, lieber Herr Lindner.
Mit Sorge blicke ich auf die mittel- und langfristige Ausstattung unseres Einzelplans. Die Finanzplanung sieht bis 2027 ein Absinken – wir haben es vorhin gehört – bzw. eine Stabilisierung des Etats bei nur rund 10,3 Milliarden Euro für 2025 bzw. 10,4 Milliarden Euro für die Folgejahre vor. Auch die Verpflichtungsermächtigungen, ein für unseren Politikbereich zentrales Planungsinstrument, gehen dramatisch zurück. Ich habe es hier schon einmal gesagt, und ich werde nicht müde, es zu betonen: Erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit erfordert langfristige Planungssicherheit, und eine finanziell langfristig gesicherte Entwicklungszusammenarbeit stärkt menschliche Sicherheit weltweit, und das ist das, was wir letztendlich wollen, sei es im Bereich der Ernährungssicherheit, der Energiesicherheit oder – das ist gerade für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ganz entscheidend – im Bereich der sozialen Sicherheit.
Beifall bei der SPD sowie des Abg. Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Abschließend möchte ich noch auf zwei Aspekte eingehen. Wir können unsere Instrumente noch gezielter und wirksamer einsetzen. Bekanntermaßen ist die Entwicklungszusammenarbeit der am besten evaluierte Politikbereich. Regelmäßig bestätigt uns DEval Erfolge in der Entwicklungspolitik, zuletzt unter anderem im Bereich nachhaltiger globaler Textillieferketten. So erhöhen unsere Maßnahmen in Bangladesch nachweislich die Arbeitssicherheit und verringern die Umweltverschmutzung.
Thomas Rachel [CDU/CSU]: Von Gerd Müller initiiert!
Unsere Ansätze und Instrumente sind also richtig und effektiv. Aber – das gehört zur Ehrlichkeit dazu – unsere Effektivität könnte durch eine noch bessere Abstimmung der eingesetzten Maßnahmen und bei den beteiligten Akteuren deutlich erhöht werden. Gerade in Zeiten begrenzter Mittel ist das ein Ansatz, den ich für ganz zentral erachte.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Ein weiterer Aspekt ist unsere Rolle im Konzert mit internationalen Akteuren, wechselnden Allianzen und multilateralen Gremien. Wir sehen, dass sich in diesen Zeiten einer multipolaren Weltordnung viele Staaten im Globalen Süden je nach Angebot und aktueller politischer Lage wechselnde Allianzen suchen und sich enttäuscht vom liberalen Westen abwenden.
Für mich heißt das: Wir müssen weiterhin nachdrücklich unsere entwicklungspolitischen Ziele und Positionen in den relevanten internationalen politischen Prozessen, Gremien und Allianzen vertreten. Die Übernahme der Präsidentschaft – wir haben es vorhin gehört – der Sahel-Allianz durch Svenja Schulze ist hierfür ein exzellentes Beispiel. Durch den Vorsitz dieses Verbundes unterstreicht Deutschland gegenüber unseren internationalen Partnern unser anhaltendes entwicklungspolitisches Engagement in dieser fragilen Region.
Das ist ein ganz wichtiges Signal, und wir haben gleichzeitig die führende Rolle in diesem relevanten Gremium, um die Abstimmung politischer Positionen zu steuern.
Wir gehen voran, steuern politische Prozesse maßgeblich mit, bringen diese voran und sorgen dafür, dass entwicklungspolitische Ansätze und Ziele berücksichtigt werden. Damit komme ich zu der eingangs erwähnten unlösbaren Aufgabe. Klar ist: Erfolgreiche und wirksame Entwicklungspolitik braucht eine langfristige, auskömmliche Mittelausstattung. Klar ist aber auch: Entwicklungspolitik braucht in Zeiten knapper Kassen wirksame technische und politische Instrumente und Hebel, die wir in enger Abstimmung mit unseren bi- und multilateralen Partnern gezielt und entschieden einsetzen.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich muss feststellen, dass sich seit Regierungsübernahme durch die Ampel im Bereich Entwicklungspolitik ein roter Faden durch die Haushaltsdebatten zieht: Insbesondere vonseiten der Grünen, in Nuancen aber auch vonseiten der SPD wird regelmäßig Kritik am Haushalt dieser Bundesregierung geäußert, genauso auch heute.
Frau Kollegin Brugger, ich hätte es als Redner der Opposition ja gar nicht gewagt, nach dieser Zeitenwende und angesichts der veränderten Weltlage hier und heute auf Ihren Koalitionsvertrag zu sprechen zu kommen. Dass Sie das gemacht haben, finde ich schon sehr bemerkenswert.
Sie haben erwähnt, dass Sie eine Eins-zu-eins-Finanzierung vereinbart haben, dass das, was für Verteidigung ausgegeben wird, auch für Krisenprävention, humanitäre Hilfe, Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik und Entwicklungspolitik ausgegeben werden soll. War das heute die Rede für ein Sondervermögen EZ? Was auch immer Sie vorhaben, ich bin auf jeden Fall gespannt, wie Sie das in Ihrer Koalition durchbringen.
Agnieszka Brugger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sehr gerne! Hoffentlich stimmen Sie nicht dagegen! Ich hoffe, die Union stimmt zu!
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Bettina Hagedorn [SPD]: Wir haben auch die Schuldenbremse im Koalitionsvertrag!
Frau Ministerin, ich finde es interessant – an Ihrer Stelle würde mir das zu denken geben –, dass immer wieder sehr harte Kritik geäußert wird. Ich glaube, dass Sie nicht wirklich für Ihren Etat kämpfen. Anders kann ich mir diesen Haushaltsentwurf nämlich nicht erklären.
Sie haben zwar eine Afrika-Strategie vorgestellt, die das Wort „Strategie“ im Titel hat. Diese sogenannte Afrika-Strategie ist aber von verschiedenen Seiten kritisiert worden,
nicht nur von uns, nicht nur hier im Haus, sondern auch von außen, auch von vielen Entwicklungsorganisationen. Das ist keine Strategie, sondern, wenn wir ehrlich sind, eine Inventurliste über bestehende Forderungen, garniert mit einem kleinen Wunschzettel. Wichtig wäre aus meiner, aus unserer Sicht, dass Sie einen klaren Kompass haben und hier eine nachvollziehbare Strategie, eine gemeinsame Ausrichtung von Außen-, Verteidigungs- und Entwicklungspolitik vorlegen.
Bettina Hagedorn [SPD]: Dass Sie das nicht sehen, heißt nicht, dass es das nicht gibt!
Meine sehr geehrten Damen und Herren, ein Thema haben Sie besonders angekündigt und auch heute noch mal angesprochen: Armut und Hunger. Ich frage Sie: Was unternehmen Sie denn konkret in diesem Bereich? Sie kürzen! Sie kürzen zum zweiten Mal die Mittel für die Sonderinitiative „Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme“, Haushalt 2023 minus 47 Prozent, für den nächsten Haushalt planen Sie über 15 Prozent minus. Da frage ich mich schon: Wie passt denn das mit Ihrer sogenannten Afrika-Strategie zusammen? Und wie passt das mit dem Sahel-Eckpunktepapier zusammen? In beiden Papieren haben Sie formuliert, dass Sie sich für die verstärkte Anpassung von Agrar- und Ernährungssystemen starkmachen, um Hunger als Ursache von Flucht und Migration zu bekämpfen. Ich frage Sie: Wie passt diese Kürzung mit den Entwicklungen auch in der Sahelregion zusammen?
Dass die Grünen dabei noch mitmachen, finde ich besonders spannend, weil genau dieser Bereich – Agrar- und Ernährungssysteme – bekanntermaßen Haupttreiber für Umweltkrisen ist und ein Drittel der Treibhausgase dadurch verursacht werden. Auch die Biodiversität ist hiervon mit betroffen. Dieser Titel für die Transformation wird massiv gekürzt, und die Grünen stimmen zu. Klimapolitik: weit gefehlt.
Ein weiterer Punkt. Sie sprechen ja immer die feministische Entwicklungspolitik an. Dass Frauen einen wichtigen Beitrag in der Entwicklungszusammenarbeit leisten, das wissen wir von der Union seit jeher.
Bettina Hagedorn [SPD]: Ach! Das ist ja ganz was Neues!
Deswegen haben wir in den 16 Jahren ein besonderes Augenmerk gerade auf den Bereich „Landwirtschaft und Entwicklung“ gelegt; auch das Thema Mikrokredite ist schon angesprochen worden. Frauen und Mädchen sind weitaus häufiger von Armut, Hunger und Fehlernährung betroffen als Männer. Ich frage Sie: Wie passt das zu Ihrer feministischen Entwicklungspolitik, wenn Sie bei diesem Titel kürzen? Wir von der Union hätten diesen Titel definitiv nicht gekürzt, wir hätten ihn nicht geschwächt. Wir hätten die von uns gestartete Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“ gestärkt. Wir hätten auch in Zeiten einer großen Ernährungskrise, in Zeiten von über 735 Millionen hungernden Menschen weltweit einen klaren Schwerpunkt auf die Bekämpfung von Armut und Hunger gelegt.
Frau Ministerin, Sie haben außerdem die Destabilisierung angesprochen, die wir insbesondere in den letzten Wochen durch den Putsch in Niger, aktuell auch bei den Entwicklungen in Gabun erleben, die ja wirklich sehr besorgniserregend sind. Aber gerade vor diesem Hintergrund verstehe ich eines nicht: dass Sie die Mittel für die Sonderinitiative zur Stabilisierung und Entwicklung in Nordafrika, Nahost um 37 Prozent kürzen. Gerade mit dieser Sonderinitiative war es möglich, die Zivilgesellschaft, die Sie ja sonst in Ihren Reden auch immer so hervorheben, zu unterstützen. Hier setzen Sie ebenfalls den Rotstift an.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, Frau Präsidentin, ich komme zum Ende. – Es ist auch in diesem Haushalt ganz klar: Ihnen fehlt es an der Strategie, bei Ihnen fehlt komplett der rote Faden. Das wird in diesem Haushalt deutlich. Wir von der Union kritisieren nicht per se die Kürzungen im Etat,
aber Ihre Schwerpunktsetzung. Wir kritisieren Ihre Schwerpunktsetzung. Und vielleicht orientieren Sie sich wenigstens an Ihren eigenen Schwerpunkten beim nächsten Haushalt bzw. in den Haushaltsberatungen. Es wäre wichtig für Deutschland und für die internationale Zusammenarbeit.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als wir im Sommer in unseren Wahlkreisen unterwegs waren und nach den drängendsten Problemen gefragt haben, die diese Bundesregierung zu lösen hat, werden die wenigsten von uns „der Hunger in der Welt“ oder Ähnliches gehört haben.
Paul Ziemiak [CDU/CSU]: Das drängendste Problem ist die Bundesregierung!
Es sind eher die Dinge wie Inflation, die Energiepreise und vieles mehr, die uns im nationalen Rahmen beschäftigen. Das ändert aber nichts daran, dass überall auf der Welt Menschen hungern. Es ändert nichts daran, dass Menschen vor den klimatischen Veränderungen und anderen Naturkatastrophen fliehen. Es ändert nichts daran, dass Kriege und bewaffnete Konflikte Menschen in immer größerer Zahl dazu treiben, ihr Zuhause, ihre Heimat zu verlassen.
Deswegen lautet die Frage in dieser Haushaltsdebatte zum Einzelplan des Ministeriums für Entwicklungszusammenarbeit, ob es uns als Gesellschaft und uns als Parlament, als Vertretung dieser Gesellschaft, gelingt, auch in Krisenzeiten nicht im nationalen Tunnel gefangen zu bleiben, sondern den Blick für die globalen Gerechtigkeitsfragen geweitet zu lassen. Das ist unsere Aufgabe.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Deswegen kann es uns nicht kaltlassen, dass wir bei all den finanziellen Herausforderungen, die uns dieser Haushalt im Gesamten auferlegt, häufig mit der Frage konfrontiert sind: Leiden denn die Ärmsten der Armen auf der Welt besonders unter den Kürzungen? Das kann und das wird uns nicht kaltlassen.
Was wir gerade aber erlebt haben, ist das Streben in zwei unterschiedliche Richtungen. Die einen wollen mehr – davon die einen glaubhaft, die anderen nicht ganz so sehr; dazu komme ich gleich –, und die anderen wollen am liebsten alles oder mindestens die Hälfte streichen.
Ich muss etwas zu dieser Rede der Niedertracht, der Demagogie und des Hasses sagen, Herr Espendiller,
weil das Kalkül hinter diesem Ansatz einfach so offensichtlich ist. Sie brauchen für Ihre Mobilisierung, für Ihre Youtube-Zuschauer, die Sie ja direkt angesprochen haben, die Krisen auf der Welt. Sie brauchen die Menschen, die nach Europa fliehen, damit Sie mit „Mauern an den Grenzen!“ werben können.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
Was wir hier in der Entwicklungszusammenarbeit machen, ist nicht das Verteilen von Almosen. Es ist nicht Entwicklungshilfe. Es ist globale Partnerschaft, die auch im ureigenen Interesse Deutschlands und der Europäischen Union ist.
Die Kollegin Sanae Abdi hat darauf hingewiesen: Die Frage, ob es uns gelingt, global die Solidarität mit der Ukraine zu erhalten, hängt auch davon ab, ob wir ein verlässlicher, ein vertrauenswürdiger Partner des Globalen Südens sind. Die Menschen, die Staaten in Afrika und anderen Teilen der Welt gucken genau hin, ob wir verlässliche Partner sind oder ob sie sich woandershin orientieren wollen.
Norbert Kleinwächter [AfD]: Für Sie bedeutet verlässlicher Partner zu sein, die Geldbörse aufzumachen!
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Weitere Zurufe von der AfD
Und Sie als fünfte Kolonne Moskaus in diesem Bundestag wünschen sich doch nichts sehnlicher, als dass die Solidarität mit der Ukraine schwindet, hier in Deutschland und global. Diesen Gefallen werden wir Ihnen nicht tun.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
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Norbert Kleinwächter [AfD]
Dann möchte ich gerne auf die Krokodilstränen aus der Unionsfraktion eingehen. Ich meine, es ist ja schon lustig, Herr Stefinger, dass Sie sich mit den 12, 13 Männlein – ich muss es ja nicht gendern – hier gerade als die feministische Speerspitze der Entwicklungszusammenarbeit dargestellt haben.
Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD
Aber mal ganz abgesehen davon haben Sie 200 Leute in der Fraktion, 12 sind heute anwesend. Die Linke bringt fast genauso viel hierher, und ihre Fraktionsstärke ist ein Fünftel.
Sie, Herr Klein, haben die Rede, die Sie gerade gehalten haben, im Kern eigentlich letztes Jahr schon mal gehalten: Das kann doch gar nicht sein! Feurio, Skandal, die Ampel kürzt in der Entwicklungszusammenarbeit; der große Gerd Müller! – Mal ganz abgesehen davon, dass Sie sich an Gerd Müller gar nicht mehr so gerne erinnern, wenn es um das Lieferkettengesetz oder ähnliche Dinge geht: Diese Rede haben Sie vor einem Jahr schon mal gehalten, und da haben wir gedacht: Mensch, ei der Daus, da kommt von der Union bestimmt jetzt einiges im Haushaltsverfahren auf uns zu, ein Änderungsantrag nach dem anderen, der hier was erhöht und da was erhöht, um die ganzen bösen Kürzungen der Ampel auszugleichen. Wollen Sie wissen, wie viele Anträge Sie gestellt haben? Null.
Keinen einzigen Antrag. So wie Sie es heute Morgen nicht geschafft haben, zu begründen, warum Sie mehr Beratungszeit beim Gebäudeenergiegesetz brauchen, obwohl Sie gar keinen Änderungsantrag gestellt haben, so können Sie doch auch nicht begründen, dass Ihnen das ein ernsthaft wichtiges Thema ist, wenn Sie hier große Worte schwingen und dann nichts passiert.
Ich mache ja keine Politikberatung für die Unionsfraktion.
Norbert Kleinwächter [AfD]: Sie sollten für niemanden Politikberatung machen!
Aber stellen Sie sich doch mal vor, es gäbe einen Zusammenhang zwischen Ihren Reden und Ihren Handlungen! Was könnten Sie dann erreichen in diesem Land! Dann gäbe es auch mal wieder einen Aufschwung in Umfragen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
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Volkmar Klein [CDU/CSU]
Meine Damen und Herren, und dennoch, es bleibt dabei: Wir haben einiges zu tun. Ich will enden mit einem Zitat von Rio Reiser:
„Ich weiß, wir werden kämpfen, und ich weiß, wir werden siegen. Ich weiß, wir werden leben und wir werden uns lieben. Der Planet Erde wird uns allen gehören. Und jeder wird haben, was er braucht.“
Werte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Frau Ministerin! Wenn Sie schon Mauretanien erwähnen, dann erwähnen Sie doch bitte auch, dass es in Mauretanien immer noch 500 000 Menschen gibt, die in Sklavenarbeit gehalten werden.
Der Präsident des BDI stellte letztens fest, dass Afrika für Deutschland kein Chancenkontinent mehr ist, sondern ein Musskontinent. Wir müssen Afrika schützen und für uns gewinnen, geht es doch letztendlich um Absatzmärkte und Rohstoffe. Er würde sich auch gern dieses Themas annehmen, aber der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie muss gerade die deutsche Industrie in Deutschland vor dieser Regierung schützen.
Aber die Ministerin hat ja in den letzten zwei Jahren ganze Taten vollbracht mit ihrer Politik – ja, wie soll ich es sagen? – der gendergerechten Toiletten und vor allen Dingen der feministischen Entwicklungspolitik. Was Sie in den letzten zwei Jahren geschafft haben, Frau Ministerin, ist, dass wir, die wir hier sitzen, sagen können: Erstens. Ihre Afrikapolitik ist gescheitert, das sehen wir jeden Tag, wenn wir das Fernsehgerät anmachen. Zweitens. Ihre Sahelstrategie ist krachend gescheitert. Wenn man die Ereignisse in Afrika verfolgt, sieht man, dass Frankreich zugestimmt hat, seine letzten Truppen aus dem Niger abzuziehen. Und damit ist letztendlich auch die ganze Nationale Sicherheitsstrategie Ihrer feministischen Außenministerin krachend gescheitert, weil die Basis dieser Nationalen Sicherheitsstrategie auch die Rohstoffversorgung der Bundesrepublik Deutschland war.
Deutschland befindet sich gerade in einem Wettkampf. Deutschland wird gerade zerrieben zwischen den Vereinigten Staaten und China. Eigentlich ist Afrika für uns ein natürlicher geostrategischer Partner. Aber diesen Partner haben wir verloren. Was sehen wir denn? China wandert gerade von der Ostküste an die Westküste. Benin hat die ersten Verträge mit China gemacht. Die großen Häfen an der Westküste – für uns geopolitisch wichtig – gehen verloren. Russland hat die Sahelzone übernommen und die BRICS-Staaten schließen eine große Klammer.
Wo bleiben denn wir Deutschen? Wo bleiben wir Europäer in diesem wichtigen rohstoffpolitischen Spiel?
Deborah Düring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie müssen sich auch mal entscheiden!
Wo ist Global Gateway? Eine Initiative – das wissen wir alle –, 300 Milliarden Euro schwer, allein 150 Milliarden Euro für Afrika, und es fließt kein Geld. Wir finden nicht mehr statt.
Was will Afrika? Afrika will jetzt endlich Wertschöpfung, will Investitionen in Arbeit und Teilhabe und keine moralischen Gebetsstunden eines Europas, keine moralischen Gebetsstunden eines überhöhten Deutschlands.
Ich möchte mit einem Bild enden, dann wird vielleicht vieles klarer. Deutschland macht Entwicklungspolitik auch mit Indien. Weil wir das Klima retten wollen, machen wir Projekte mit klimaneutralen elektrifizierten Rikschas. Zur gleichen Zeit, in der wir in Indien Rikschas elektrifizieren, fliegt Indien auf den Mond und landet dort sogar. Mit diesem Bild bedanke ich mich für Ihre Anteilnahme an dieser Regierung.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ein Putsch nach dem anderen in Afrika, die Situation in Mali, Stress bei den globalen Lieferketten – die politische Botschaft der westlichen Freiheit steht global massiv unter Druck. Wir werden durch autoritäre Regime weltweit herausgefordert, und gleichzeitig müssen wir auch mit vielen Problemen in unserem eigenen Land zurechtkommen. Wir müssen die Staatsfinanzen konsolidieren; das ist ein Thema der Generationengerechtigkeit für die Zukunft. Das Umfeld ist schwierig, und wir wissen, es wird auch in den nächsten Jahren nicht einfach sein.
Die beste Methode, auch in der Zukunft den Entwicklungsetat zu erhöhen, ist Wirtschaftswachstum – dann kommt mehr rein – und eine niedrige Schuldenlast, damit die Zinsbelastung nicht zu groß wird. Ich danke ganz ausdrücklich Bundesministerin Svenja Schulze, dass sie es in diesem sehr schwierigen Umfeld geschafft hat, den Entwicklungsetat einigermaßen stabil zu halten.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
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Thomas Rachel [CDU/CSU]: Das ist aber ein bisschen übertrieben!
Vor einem Jahr haben wir über 11,08 Milliarden Euro gesprochen; heute sprechen wir an dieser Stelle von über 11,5 Milliarden Euro. Sie vergleichen es immer mit dem letzten Haushalt, der am Ende entstanden ist. Wenn wir das jetzt vergleichen, dann haben wir sogar ein Plus, obwohl im letzten Jahr die Zinslast massiv zugenommen hat. Letztes Jahr haben wir noch 15,3 Milliarden Euro gehabt; dieses Jahr sind es 39,9 Milliarden Euro und im nächsten Jahr rechnen wir mit 37 Milliarden Euro. Natürlich macht das die Spielräume für alle Etats kleiner. Und natürlich wünschen wir uns, dass insgesamt in der Gesellschaft und auch im Kabinett gesehen wird, wie wichtig unsere globalen Beziehungen sind. Genau diese Auseinandersetzung führen wir hier auch. Das ist richtig und wichtig.
Aber, liebe Kollegen von der Union, Sie machen es sich schon sehr einfach.
Sie springen hier von Etat zu Etat, und jedes Mal höre ich immer nur: mehr, mehr, mehr. Die Woche ist ja noch nicht vorbei. Es kann sein, dass noch einmal ein Etat kommt, bei dem Sie dann sagen: Nein, nehmen Sie einmal 5 Milliarden Euro raus und schieben Sie die in Einzelplan 23. Dann nehme ich das zurück, was ich gerade gesagt habe. Aber solange mache ich Ihnen den Vorwurf: Das ist nicht solide.
Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Da waren wir als Serviceopposition in der letzten Legislaturperiode seriöser und haben überall Gegenfinanzierungsvorschläge gemacht; bei Ihnen fehlen die vollständig.
Trotzdem ist Deutschland nach den Vereinigten Staaten immer noch das zweitgrößte Geberland global. Wir haben in diesem Einzeletat natürlich viele schwierige Entscheidungen zu treffen. Wir können sehen, in welche Richtung es geht, und die Richtung ist richtig, liebe Svenja Schulze. Der Multilateralismus wird tendenziell gestärkt. Für alle Fragen in der bilateralen Zusammenarbeit gilt ganz klar – das haben andere auch gesagt; vielen Dank, Sanae Abdi –, dass wir die Effizienz immer genau prüfen müssen, dass wir die Evaluierungen weitermachen müssen, dass wir genau schauen müssen, wohin das Geld geht. Immer nur mehr Geld zu fordern, kann nicht die Lösung sein. Es ist unsere Aufgabe hier im Parlament, diese Arbeit zu machen, bis der Haushalt dann wirklich aufgestellt ist. Ich freue mich auf die Debatte im Einzelnen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In meiner Lieblingsstadt Leipzig wird internationale Solidarität gelebt und Städtepartnerschaften ganz intensiv gepflegt. Insbesondere mit Kiew besteht schon seit über 60 Jahren eine ziemlich enge Partnerschaft. Mithilfe von Mitteln aus dem BMZ ist es nun beiden Städten vor dem Sommer gelungen, kommunales und entwicklungspolitisches Engagement zu verbinden. In Kiew wurden viele Feuerwehrfahrzeuge bei Angriffen zerstört. Mit Mitteln des BMZ und eigenem Geld ist es Leipzig gelungen, vier neue Löschfahrzeuge in der polnischen Stadt Kielce bauen zu lassen und dann nach Kiew zu überführen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
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Thomas Rachel [CDU/CSU]: Das ist eine gute Sache!
Dieses Beispiel zeigt uns, dass EZ vom Engagement auf vielen Ebenen lebt, ob in der Kommune, im Verein oder in den internationalen Organisationen, dass wir mit diesen Mitteln nicht nur den Kommunen und den Menschen konkret vor Ort helfen, sondern gleichzeitig auch die europäische Zusammenarbeit stärken, und dass durch die internationale Kooperation von Kommunen beide Seiten viel lernen können, was Planungsverfahren oder Bedarfsermittlung und vieles andere angeht.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, durch Putins Angriff auf die Ukraine sprechen wir gerade viel über Sicherheitspolitik. Für mich als Sozialdemokratin geht es aber hier um viel mehr als nur um militärische Sicherheit. Es geht um eine menschliche Sicherheitspolitik; auch das haben wir heute schon einmal gehört. In einer globalisierten Welt müssen wir diese menschliche Sicherheitspolitik ganz international denken und auch international handeln. Ich mache das einmal an drei Beispielen deutlich.
Erstens: der Wiederaufbau der Ukraine. Hier schöpft das BMZ seinen ganzen Instrumentenkasten aus und unterstützt die Ukraine beispielsweise bei der Schaffung von Wohnraum für Binnenvertriebene, beim Erbringen von Basisdienstleistungen, beim Katastrophenschutz und auch mit Löschfahrzeugen. Hier geht es also ganz konkret um Sicherheit im Alltag für die Menschen vor Ort.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zweitens setzt sich Svenja Schulze mit ihrem Haus seit Beginn ihrer Amtszeit für eine feministische Entwicklungszusammenarbeit ein, wofür ich ihr sehr, sehr dankbar bin. Mit der im März 2023 präsentierten Strategie „Feministische Entwicklungspolitik“ wurde ein neues Leitbild der deutschen Entwicklungszusammenarbeit entwickelt. Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag dazu, dass Bildungsangebote für Mädchen verbessert werden, dass Frauen bessere Berufsperspektiven erhalten. Es geht hier also um Sicherheit für die Zukunft.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Drittens unterstützen EZ-Mittel Menschen auf der Flucht. Die meisten Menschen, die vor Bedrohungen fliehen, bleiben innerhalb ihrer Heimatregionen. Es sind also die Länder des Globalen Südens, die hier die Hauptlast tragen, wenn es darum geht, die weltweiten Flüchtlingsaufnahmen zu managen. Das BMZ unterstützt die Aufnahmeländer und -gemeinden ganz gezielt mit wichtigen Programmen. Zentral sind hier beispielsweise die Verbesserung der Lebensmittelversorgung oder auch der Gesundheitsschutz. Es geht also ganz klar um die Sicherheit von Leib und Leben.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir demokratischen Fraktionen sind uns alle einig darüber, wie enorm wichtig der Beitrag des BMZ für eine menschliche Sicherheitspolitik ist, für das Leben und die Zukunft der Menschen in unseren Partnerländern, für die internationale Stabilität und somit auch für uns. Wir brauchen einen gut ausgestatteten BMZ-Haushalt, um mit den unterschiedlichsten Instrumenten handlungsfähig und international solidarisch zu sein. Deshalb ist es umso wichtiger, darauf zu achten, dass die besonders wirksamen lokalen Projekte verbessert und fortgeführt werden können. Dabei denke ich besonders an Projekte, die die Situation von vulnerablen Gruppen wie Kindern und Frauen nachhaltig verbessern; denn diese lokalen Kooperationen mit der Zivilbevölkerung sind effektiv und nachhaltig. Sie wirken als lokale Sicherheitspolitik und sind am Ende nichts weniger als Diplomatie auf kleinster Ebene.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor einigen Wochen war ich mit meiner Kollegin Karoline Otte in der Ukraine. Wir haben uns mit Bürgermeistern getroffen, die darüber berichtet haben, wie wichtig die Städtepartnerschaften beim Wiederaufbau ihrer Gemeinden sind und wie herausfordernd die Situation beispielsweise in Bezug auf den Bauschutt ist.
Wir haben uns mit Frauenrechtsorganisationen getroffen, die den großen Bedarf an der Aufarbeitung von Traumata gerade von Kindern und Frauen noch einmal deutlich gemacht haben. Wir haben mit Menschen geredet, deren Häuser während der russischen Besatzung komplett zerstört wurden und in deren Dörfern gerade ganz viele Menschen aus aller Welt diese Häuser Stein für Stein wieder aufbauen. Die stellvertretende Ministerin für Infrastruktur Oleksandra Azarkhina – Agnieszka Brugger ist schon darauf eingegangen – hat dabei einen Satz gesagt, der mir bis heute in Erinnerung bleibt: Wiederaufbau ist Widerstand, und zwar jeden Tag.
Ich bin zurückgekommen mit großem Respekt vor dem, was die Menschen in der Ukraine jeden Tag leisten, und ich bin auch zurückgekommen mit dem Wissen, dass wir als Teil der internationalen Gemeinschaft den Auftrag haben, einen Weg zu finden, wie wir die Ukraine langfristig auch beim Wiederaufbau unterstützen und gleichzeitig sicherstellen, dass wir die anderen Krisen und Konflikte in dieser Welt dabei nicht vergessen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und des Abg. Paul Ziemiak [CDU/CSU]
Denn eins ist spätestens seit der Zeitenwende klar: Sicherheit für alle kann es nur geben, wenn wir die zusammenhängenden Konflikte gemeinsam bekämpfen.
Zum Glück gibt es dafür einen gemeinsamen Rahmen, die Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung. Bis 2030 wollen wir erreichen, allen Menschen Zugang zu einwandfreiem Trinkwasser zu geben. Wir wollen, dass kein Mensch mehr unter Hunger und Mangelernährung leidet und dass alle Formen der Diskriminierung von Frauen und Mädchen weltweit beendet werden.
Normalerweise höre ich jetzt immer so vom rechten Rand, wenn die Kollegen nicht die ganze Zeit aufs Handy gucken, Rumoren, und ich weiß ja
– da kommt es schon –, Sie haben große Probleme damit. In Ihrer Broschüre für entwicklungspolitische Leitlinien der AfD-Bundestagsfraktion bezeichnen Sie die Zielsetzung der Agenda 2030 als – hören Sie zu! – utopisch, sozialistisch
und bevormundend. Sie sagen damit quasi, das Abschaffen von Zwangsarbeit und Menschenhandel sei utopisch. Sie sagen, dass es bevormundend sei, Kinderarbeit zu beenden und Hunger weltweit zu beenden. Sie sagen also, dass nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum und der Zugang zu sauberem Trinkwasser
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und des Abg. Thomas Rachel [CDU/CSU]
Dass es immer noch nicht gelungen ist, die Menschenrechte überall und für jeden Menschen umzusetzen, ist ein großes Problem, und das ist eine Menschheitsaufgabe. Aber Sie machen es sich einfach und nennen Grundrechte eine Utopie. Sie wollen sich also noch nicht mal dafür einsetzen, dass alle Menschen in dieser Welt in Würde leben können.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
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Dietmar Friedhoff [AfD]: Allein „Globaler Norden“ zu sagen, ist schon lächerlich!
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Norbert Kleinwächter [AfD]: Ich erteile Ihnen mal Nachhilfe zu AfD-Denkweise und -Programm, Frau Düring! Dann verstehen Sie auch endlich was!
– Fangen Sie erst mal an, richtig zu lesen und zu denken; dann können wir weiterreden.
Es heißt, dass wir in Zeiten voller globaler und geopolitischer Herausforderungen den in der Nationalen Sicherheitsstrategie verankerten breiten Sicherheitsbegriff ernst nehmen und vorausschauend genauso viele Aufwüchse für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe wie für Verteidigung benötigen. Denn wir wissen alle: Es kostet weniger, Krisen vorzubeugen, als sie zu bekämpfen.
Dietmar Friedhoff [AfD]: Wie viele sind das denn noch?
sowohl durch ausreichende Finanzierung der Entwicklungszusammenarbeit als auch durch das gemeinsame Vorantreiben von strukturellen Reformen wie der Weltbankreform oder der UN-Steuerkonvention für mehr globale Steuergerechtigkeit.
Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, muss unser Ziel sein, und dafür werden wir als Grüne, werden wir als demokratische Fraktionen in den anstehenden Beratungen und auch darüber hinaus weiter kämpfen. Denn wir haben etwas sehr, sehr Wertvolles in dieser Welt: eine Demokratie. Wir kämpfen gemeinsam dafür, dass globale Gerechtigkeit am Schluss Realität wird. Der rechte Rand hier im Hause hat damit rein gar nichts zu tun. Ich bin froh darüber, dass wir in den kommenden Monaten und Jahren klarmachen werden,
Dr. Michael Espendiller [AfD]: Jahren? So lange sind Sie nicht mehr in der Regierung!
dass für uns Demokratie etwas sehr, sehr Wertvolles ist, für das es sich zu kämpfen und zu streiten und über das es sich auch hier im Plenum zu debattieren lohnt. Auch wenn wir inhaltlich nicht immer einer Meinung sind, so schätzen wir am Schluss doch die Demokratie.
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Wir haben heute viel über die Höhe des Etats des BMZ gesprochen; je nachdem war es ein bisschen mehr oder ein bisschen weniger. Was am Ende herauskommen wird, wissen wir heute noch nicht. Wir sind aber auf jeden Fall auf einem stabilen Kurs.
Deutschland kann nicht alle Probleme dieser Welt lösen; wir haben eine internationale Arbeitsteilung. Diese drückt sich in der ODA-Quote aus. 0,7 Prozent sind das internationale Ziel, und wir werden das auch wieder erreichen; da bin ich mir sehr sicher. Welches andere Land in Europa erreicht diese ODA-Quote? Schauen Sie sich die Liste mal an! Da sind wir fast allein auf weiter Flur. Wir werden unserer weltweiten Verantwortung mit diesem Haushalt gerecht.
Beifall bei der FDP sowie des Abg. Dr. Johannes Fechner [SPD]
Aber es ist auch völlig klar: Mit weniger muss man mehr draus machen. Die Effizienz ist schon von Frau Abdi und von Herrn Mansmann angesprochen worden. Dieser Tage sagte die Entwicklungsministerin des Kongos: Eure Entwicklungsprojekte sind ja nett. Sie lassen uns am Leben, aber sie bringen uns keine wirkliche Entwicklung. – Das sagt die Ministerin eines Landes, das sechsmal so groß ist wie die Bundesrepublik, 110 Millionen Einwohner hat und einen Staatsetat, der ungefähr so groß ist wie der BMZ-Haushalt, nämlich 13 Milliarden Euro.
Die Ministerin weiter: Warum realisiert ihr nicht größere Infrastrukturprojekte wie den Bau von Wasserkraftwerken, sodass es mehr Strom bei uns gibt, den wir zum Kochen brauchen könnten? Hier wird mit Holzkohle gekocht. Deren Gewinnung frisst den Regenwald im Kongobecken auf. Seht ihr das nicht? Wie sollen wir als Kongo auf die Einnahmen aus Ölfeldern verzichten, die unter dem Regenwald liegen, wenn ihr uns nicht wirksam unterstützt? Warum investiert Deutschland nicht in die Gewinnung von Rohstoffen aus Minen und in die Wasserstoffproduktion, wie das andere Staaten tun? – Nun, die ehrliche Antwort darauf ist: Wir haben nicht den Mut. Es ist natürlich ein riskantes Unternehmen, in einem Land wie Kongo zu investieren. Es gibt keine Kredite für deutsche Unternehmen, um dort zu investieren. Aber genau diesen Mut und diese Entschlossenheit brauchen wir jetzt.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Wir brauchen Risikoübernahmen seitens der Bundesregierung, um Kredite abzusichern, damit sie überhaupt erst gewährt werden können und eine solche Entwicklung möglich machen. Das zeigt, dass wir BMZ-Mittel als einen Hebel nutzen können, um mehr Gelder für Investitionen zu mobilisieren. Da liegt der Schlüssel; denn die öffentlichen Gelder – ich glaube, das ist jedem klar – werden das Elend in dieser Welt niemals beseitigen. Das bedeutet aber auch, dass wir im Haushalt – das ist uns wichtig – mehr finanzielle Zusammenarbeit brauchen und weniger technische Zusammenarbeit. Das wird aus Sicht der FDP bis jetzt im Haushalt noch nicht genügend berücksichtigt.
Wir müssen also bei allen Maßnahmen auf die finanzielle Nachhaltigkeit und vor allem die innere Rentabilität schauen. Wir als FDP wollen mehr systematische Investitionen statt kleinteiliger Projekte mit der EZ ermöglichen. Ich denke, da werden wir noch hinkommen.
Dr. Michael Espendiller [AfD]: Lesen Sie das mal! Dazu hat er das Vorwort gegeben! Das steht da drin!
– Nein, das weiß ich! – Die Stiftung Marktwirtschaft hat sich vielleicht über die Entwicklungspolitik von Gerd Müller ausgelassen, aber nicht über die von Svenja Schulze.
Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN
Aber jetzt komme ich zum Thema. Der Haushalt für 2024 steht für das ehrgeizige Unterfangen, steigende Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig den dringend notwendigen Weg der Konsolidierung weiterzugehen. Denn um Probleme nachhaltig zu lösen, ist das Aussetzen der Schuldenbremse genauso falsch, wie es die jahrelange Geldflutungspolitik der EZB war. Auf die Entwicklungszusammenarbeit bezogen heißt das: Wir müssen lernen, weltweit mehr Brände zu löschen, ohne auf Kosten nachfolgender Generationen einfach nur die Wassermenge zu erhöhen.
Unsere Entwicklungsministerin Svenja Schulze tut genau das und nimmt mit dem vorliegenden Regierungsentwurf die Herausforderung an, auch in Zeiten knapper Haushaltsmittel den Kampf gegen die vielfältigen Herausforderungen weltweit nicht aufzugeben, sondern das Bestmögliche aus den vorhandenen Mitteln zu machen.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Zuruf von der CDU/CSU: Na ja!
Mit dem Etat von gut 11,5 Milliarden Euro können wir keine Wunder vollbringen; aber wir können für die betroffenen Menschen vor Ort doch einiges verbessern. Dabei müssen wir weiterhin so manchen Spagat vollbringen, der die Entwicklungszusammenarbeit manchmal komplexer und diffiziler macht als so manch anderes Politikfeld: Wir brauchen ein Höchstmaß an Transparenz bei der Mittelverwendung, dürfen aber dabei die praktische Arbeit nicht mit leider typisch deutscher Bürokratie ersticken. Wir wollen für alle Projekte höchste technische, juristische, soziale und ökologische Standards. Wenn aber beispielsweise einzelne Verträge für Projekte für den Bau von Staudämmen oder Energieanlagen viele Hundert Seiten umfassen und gefühlt mehr Juristen als Ingenieure damit befasst sind, scheint mir das nicht der optimale Weg zu sein, unsere Entwicklungsgelder einzusetzen.
Auch das Unterscheiden zwischen inakzeptablen Regimes einerseits und den Bedürfnissen der Zivilbevölkerung andererseits ist ein Spagat, den die Entwicklungszusammenarbeit permanent leisten muss. Auf unserer diesjährigen Berichterstatterreise nach Israel, Jordanien und in die palästinensischen Gebiete wurde uns das eindrücklich vor Augen geführt: So beunruhigend die politische Situation in Israel ist und so verfahren der Nahostkonflikt leider weiterhin bleibt, so wichtig ist oft die Arbeit der Hilfsorganisationen vor Ort. Speziell das von der UNRWA geführte Flüchtlingslager in Jerash hat uns tief beeindruckt, und gerade für die Kinder dort ist das vorbildliche Engagement der Helferinnen einfach unverzichtbar.
Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Gleichwohl dürfen wir die Augen nicht davor verschließen, dass dieses Leid der Kinder auch systematisch missbraucht wird und Hilfsgelder leider immer wieder in dubiosen Kanälen versanden oder zweckentfremdet werden. Hier würde ich mir wünschen, dass BMZ und Auswärtiges Amt sich zukünftig noch viel stärker für eine Mittelverwendung einsetzen, die antisemitische Zwecke rigoros ausschließt, zum Beispiel mit einer Nachweispflicht der geförderten Institutionen über die Einhaltung von in Deutschland gesetzten Standards.
Ein anderes dramatisches Beispiel für den Konflikt zwischen diplomatischen und humanitären Interessen ist derzeit Afghanistan: Niemand will die Taliban direkt oder indirekt unterstützen, und dennoch sollten wir die Arbeit einiger NGOs dort weiter fördern. Beim Kampf gegen die letzten Wildvarianten von Polio spielt Afghanistan beispielsweise eine zentrale Rolle, und daher bin ich sehr froh, dass wir weiterhin die Global Polio Eradication Initiative unterstützen. Die Ausrottung dieser Krankheit ist fast geschafft.
Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Thomas Rachel [CDU/CSU]
Vielleicht sollten wir, selbst wenn es nicht so typisch deutsch ist, generell öfter auch einen Blick auf die Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit wagen: Zwischen 1990 und 2021 sank die durchschnittliche weltweite Kindersterblichkeitsrate bei den unter Fünfjährigen von 93 auf 38 je 1 000 Lebendgeburten. Auch die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, sinkt laut der Prognosen der Weltbank nach dem pandemiebedingten Anstieg 2020 wieder.
Am stärksten betroffen bleibt Subsahara-Afrika, und das schlägt sich sowohl in der neuen Afrika-Strategie des BMZ nieder als auch im Einzelplan 23, –
PVizepräsidentin Yvonne Magwas: Kommen Sie bitte zum Schluss.
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Zunächst einmal, Frau Ministerin, will ich sagen: Persönlich bemühen Sie sich sehr. Aber wir wollen hier auf die Fakten schauen:
in diesem Haushalt 641 Millionen Euro weniger im Vergleich zum vergangenen Jahr. Das heißt weniger Geld für die Bekämpfung des Hungers, von Armut, von Fluchtursachen, weniger Geld auch für die Vertretung deutscher und europäischer Interessen in der Welt.
– Was heißt hier „Boah“? Jetzt wird hier „Boah“ gerufen. – Das sage nicht ich, das sagen die Politikerinnen und Politiker der Grünen. Frau Düring hat das jetzt noch mal dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ gesagt. Also, so ist der Umgang hier in der Koalition. Jetzt muss ich mal fragen: Was ist denn die Meinung dieser Ampel? Ist das jetzt ein guter Ansatz,
Vielen Dank, Herr Kollege Ziemiak, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. Ich habe zwei Fragen an Sie.
Erstens. Können Sie erklären, warum Sie beim letzten Haushaltsverfahren, nachdem Sie eine solche Rede gehalten haben und die Kollegen das auch getan haben, keinen Änderungsantrag im Haushaltsausschuss gestellt haben, um den Etatansatz an irgendeiner Stelle zu verändern? Das fände ich spannend; denn ich habe es damals nicht verstanden.
Die zweite Frage ist: Wollen Sie das diesmal anders machen?
Eine Zwischen- oder eine Nachfrage zur ersten Frage: Gedenken Sie dann auch eine Gegenfinanzierung in einem solche Änderungsantrag vorzunehmen? Ich frage das deswegen, weil wir heute Morgen bei Herrn Middelberg und anderen gehört haben: Es muss überall gespart werden, überall muss gespart werden, die Ampel spart gar nicht genug, uijuijuijuijuijui. Ich frage mich: Gibt es diesmal eine konsistente Politik der Union, oder wie wird es diesmal aussehen?
Dr. Johannes Fechner [SPD]: Es geht um den Haushalt!
zum Beispiel zur Situation in Afrika, als es darum ging, die Situation von Frauen zu verbessern, oder zur Frage der kommunalen Zusammenarbeit. Das wird von den Grünen immer pauschal abgelehnt, weil es von der Opposition kommt.
Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das war mir hier inhaltlich nicht klar!
– Da waren zweieinhalb Fragen zusammengeschustert.
Ich will die Ministerin mal in Schutz nehmen. Ja, natürlich muss sie um das Geld kämpfen; das gelingt nicht. Aber sie muss sparen, weil natürlich die Steuereinnahmen zurückgehen, weil die wirtschaftliche Kraft Deutschlands nachlässt. Diese Ampelregierung sorgt dafür, dass der Standort Deutschland immer schlechter wird, der Staat weniger Geld hat, und am Ende spüren es die Menschen hier in Deutschland und auch auf der ganzen Welt.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD
So sieht es aus. Deswegen brauchen Sie sich doch nicht aufzuregen. Schauen Sie sich doch den Umgang miteinander in der Ampel an. Der Bundeskanzler versucht nur noch, irgendwie halbwegs mit einem blauen Auge – im wahrsten Sinne des Wortes –
aus dieser Koalition und aus dem Amt dann 2025 rauszukommen.
Was wir jetzt brauchen, ist eine klare Prioritätensetzung. Die Ministerin kann nicht unbedingt etwas für die schlechte Wirtschaftspolitik dieser Ampel in Deutschland. Mit diesem Weniger muss man Prioritäten setzen.
Aber was heißt feministische Entwicklungspolitik? Wir haben heute wunderbare Sonntagsreden gehört, aber keine Substanz. Was sind denn Ihre Ziele? Was ist eigentlich Ihre Strategie für die jungen Mädchen, die in Dschenin oder im Libanon in den Flüchtlingslagern sind? Was ist mit Syrien? Ich habe nichts gehört, keine Strategie für den Umgang mit Assad. Jetzt lese ich, es gibt wieder Geld.
Agnieszka Brugger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann lesen Sie mal die Strategie! Es gibt eine Strategie!
Wir schicken Geld nach Afghanistan. Was ist denn langfristig Ihre Strategie in der Entwicklungspolitik für den Umgang mit Afghanistan und den dort herrschenden Taliban? Ich kann Ihnen eines sagen: Die Grünen werden es nicht glauben, aber es ist doch schwerer, eine Strategie für die Taliban zu haben, als mit Christian Lindner zu verhandeln.
Bettina Hagedorn [SPD]: Das ist ja die totale Neuigkeit!
Was wollen wir erreichen? Was tun wir gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern dafür, damit die Menschen sich zum Beispiel nicht auf den Weg nach Deutschland machen? Ich erwarte von der Bundesregierung klare Ziele, strategische Ziele, was man in welchen Regionen bis wann erreicht hat. Wir können nicht alles global einfach in schönen Sonntagsreden verpacken, sondern wir brauchen eine klare Zielsetzung.
Meine Damen und Herren, ich sage es Ihnen noch mal voraus:
Wenn diese Bundesregierung so weitermacht und diesen Industriestandort und den Wirtschaftsstandort Deutschland weiterhin vernachlässigt, dann wird es dazu kommen, dass wir in den nächsten Haushalten in der Entwicklungszusammenarbeit und in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit noch weiter kürzen müssen. Das will niemand. Deswegen: Vernünftige Politik machen! Wir bieten Ihnen an, gemeinsam an vernünftigen Lösungen zu arbeiten;
aber das gilt für alle Bereiche. Versuchen Sie nicht, als Ampel so arrogant aufzutreten. Das mögen die Menschen nicht – schauen Sie sich die Umfragen an –, und das tut dem Land auch nicht gut.
Frau Präsidentin! Es ist wirklich bemerkenswert, was wir hier heute wieder gehört haben. Es gibt nur eine Partei hier im Haus, nur eine Partei im Deutschen Bundestag, die die Auffassung vertritt, dass sie dem deutschen Bürger, den deutschen Steuerzahlern verpflichtet ist, und das ist und bleibt die AfD. Alle anderen Parteien – gerade wenn man den Grünen hier heute wieder zugehört hat, wird das deutlich – wollen eigentlich nur Umverteilung. Sie, Frau Düring und der andere Kollege, verteilen am liebsten das Geld der anderen, aber nie Ihr eigenes. Und genau das ist perfide und Demagogie.
Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Zum Glück ist die Rede gleich wieder vorbei!
Meine Damen und Herren, jedes fünfte Kind in Deutschland geht hungrig zum Schulunterricht. Und trotzdem verteilt das BMZ von Frau Schulze seit Februar 2022 787 Millionen Euro zur Unterstützung der Ukraine. Während deutsche Bundeswehrsoldaten in Litauen letztes Jahr noch nicht mal genug Unterwäsche und Jacken hatten, erleben wir, dass diese Bundesregierung Waffengeschenke und zusätzlich noch mal 16 Milliarden Euro für Militärhilfen in den Folgejahren bereitstellen will. Da kann man doch wirklich nur sagen: Meine Güte! Werden Sie endlich Ihrem Auftrag gerecht! Machen Sie Politik für die Bürger in Deutschland und nicht ständig Politik für das Ausland, meine Damen und Herren!
Bettina Hagedorn [SPD]: Für Russland machen nur Sie Politik!
Eine Vermögensteuer fordert die Frau Esken doch nicht deshalb, damit deutsche Rentner nicht weiter Flaschen sammeln müssen, wie wir es leider immer häufiger in den Städten sehen,
Nadja Sthamer [SPD]: Das interessiert Sie doch gar nicht!
sondern weil Sie mit deutschem Geld den 720 Milliarden Euro teuren Wiederaufbau in der Ukraine subventionieren und finanzieren wollen. Ich muss es ganz klar sagen: Wer diesen Haushalt liest, der kommt zu der nüchternen Feststellung: Sie machen Deutschland zur Melkkuh der Ukraine, meine Damen und Herren.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Seit Monaten erleben wir eine Regierungskoalition, die augenscheinlich von nichts anderem mehr zusammengehalten wird als von der gemeinsamen Angst vor dem Wähler. Der Zustand der Ampelregierung ist, gelinde gesagt, desaströs. Dabei ist die Ampel doch mal angetreten, um mehr Fortschritt zu wagen. Ihre Politik aber ist in etwa so gehaltvoll, dass sie sich auch mit viel Wohlwollen nur noch als dünnes Süppchen beschreiben lässt.
Wir beginnen heute mit den parlamentarischen Beratungen zum neuen Haushaltsentwurf der Regierung. Aber allein schon das Haushaltsaufstellungsverfahren hat für Staunen und Verwunderung gesorgt – ein noch nie dagewesenes Chaos. Die Vorstellung der Eckwerte: erst verschoben, dann komplett gestrichen. Der Kabinettsbeschluss: dreimal verschoben und dann erst kurz vor der Sommerpause beschlossen, als es gar nicht mehr anders ging. Und dann das Ergebnis: Was uns die Regierung hier mit diesem Haushalt präsentiert hat, kann wirklich nur als dünnes Süppchen bezeichnet werden.
Denn viele Fragen bleiben offen: Was macht denn die Regierung mit diesem Haushalt gegen die Inflation? Wie nimmt die Regierung den Menschen die Angst vor dem wirtschaftlichen Abstieg? Wie verhindert die Regierung, dass nicht wieder 130 Milliarden Euro an Direktinvestitionen mehr aus Deutschland abfließen, als hier investiert wurden?
Bettina Hagedorn [SPD]: Na gut, dass du das entdeckt hast!
Aber für mich spricht der Etat trotzdem eine klare Sprache: Die Ministerin dringt im Kabinett nicht durch. Die Entwicklungszusammenarbeit spielt entgegen anderslautenden Behauptungen ganz augenscheinlich für die Ampel doch bestenfalls nur eine untergeordnete Rolle.
Wer als Ministerin vor dem Kabinettsbeschluss erklärt, dass zum Beispiel Militärausgaben wichtiger seien als EZ-Mittel, der muss wegen Geld beim BMF natürlich gar nicht mehr anklopfen.
PVizepräsidentin Yvonne Magwas: Lieber Kollege Körber, erlauben Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Fricke?
Lieber Kollege Körber, ich sitze ja nun schon seit heute Morgen in der Debatte und werde das wie die meisten Haushälter auch noch den Rest der Woche tun. Ich möchte Sie erst einmal in Schutz nehmen. Wären Sie zum Zeitpunkt der letzten Bereinigungssitzung gesund gewesen, hätten Sie wahrscheinlich dafür gesorgt, dass Ihre Fraktion noch Anträge auf Erhöhung des Etats gestellt hätte und wahrscheinlich an anderen Stellen – ich vermute mal, bei Verteidigung, bei innerer Sicherheit oder Sonstigem – eingespart hätte.
Leider ist es Ihrer Arbeitsgruppe nicht gelungen, alleine irgendeinen Antrag zu stellen, wobei man sagen könnte: Es hätte ja auch was kommen können. – Dennoch haben Sie es versäumt, dann im Plenum einen Antrag auf Erhöhung zu stellen. Auch diese Möglichkeit hat niemand hier wahrgenommen, obwohl Sie das beim letzten Mal auch noch hätten machen können.
Deswegen möchte ich jetzt gerne wissen, nachdem der Kollege Ziemiak das ja nicht konkret beantworten konnte: Sie sind der Meinung, wie Sie gerade sagten: „Die 5 Prozent, das ist zu viel“? Obwohl ich sagen muss, dass die Ministerin damit mehr erreicht hat als viele andere, deren Einzelpläne viel stärker wieder auf eine Normalisierung mussten.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Kann ich davon ausgehen, dass die CDU/CSU dieses Mal im Verfahren im Haushaltsausschuss Erhöhungsanträge stellen wird, sodass diese 5 Prozent wieder wettgemacht werden? Und zweitens: Kann ich davon ausgehen, dass Sie uns auch sagen, wo Sie das einsparen werden? Ich gucke mir, auch bei den nächsten Einzelplänen, nachher genau an, was Ihre Leute dann sagen. Ich höre morgens: „Ihr spart zu wenig“, höre hier jetzt nachmittags: „Ja, ihr spart zu viel“. Vielleicht könnten Sie dieses Rätsel für mich lösen. Ich bin mir sicher, auch der Kollege Banaszak wäre sehr glücklich, wenn er dazu was hören könnte.
Vielen Dank, sehr geehrter Herr Kollege Fricke. Danke, dass Sie mir die Möglichkeit geben, das hier noch mal klarzustellen. Vorab auch Danke, dass Sie mit Blick auf die Bereinigungssitzung im letzten Jahr noch mal die Fakten genannt haben. Gegen eine Coronaerkrankung, die sich lange hingezogen hat, kann man nun mal nichts machen.
Die Position der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist mit Blick auf den Haushalt – auch auf den 2024er-Haushalt – ganz klar: Wir erachten es für richtig, dass der Bundesfinanzminister anstrebt, wieder zu geordneten haushalts- und finanzpolitischen Verhältnissen zurückzukommen,
Agnieszka Brugger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aha! Wo wollen Sie denn die 5 Prozent kürzen?
Dazu gehört natürlich auch, dass in einigen Einzelplänen gekürzt werden muss. Der Gesamtetat geht um 6,4 Prozent runter, der Etat des BMZ um gut 5 Prozent. Das ist ein unterdurchschnittlicher Abwuchs, und das akzeptieren wir.
Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Redet ihr miteinander?
Sie, Kollege Fricke, werden in den Haushaltsberatungen keine Anträge von der Unionsfraktion sehen, die am Gesamtetat des Einzelplans 23 rütteln. Sie werden Anträge sehen – alle gegenfinanziert –, die Umschichtungen im Etat nach sich ziehen.
Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist doch ein Widerspruch zu Herrn Klein! Kennen Sie einander? Soll ich Sie mal vorstellen?
Damit komme ich gleich zu einem ganz konkreten Punkt: Die Mittel werden weniger, und man muss, wie es auch die Ministerin richtig gesagt hat, Wege finden, diese so effektiv und effizient wie möglich einzusetzen. Da gibt es doch Mittel und Wege, in dieser besonderen Situation auch mal kreativ zu sein.
Nicolas Zippelius [CDU/CSU]: Da muss man auch mal zuhören!
Wie der Zufall so will, gibt es im Einzelplan 23 einen Titel, der den Namen „Entwicklungspartnerschaft mit der Wirtschaft“ trägt. Hier könnte man doch ansetzen. Aber was macht die Ministerin, was macht das BMZ? Sie kürzt gerade diesen Titel überdurchschnittlich um 8 Prozent. Dabei wissen wir alle, dass sich mit den Geldern aus diesem Titel zusammen mit den Mitteln aus der Wirtschaft einiges hebeln lässt. Aber offenbar hat man im BMZ wenig Interesse an einer vertieften Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, was ich sehr bedaure.
man wolle den Wirtschaftstitel umwidmen, um daraus künftig verstärkt internationale Zusammenarbeit mit Gewerkschaften zu finanzieren. Wenn sich das realisieren sollte, dann wäre das ein unfassbarer Vorgang.
Deborah Düring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Auf Flurfunk sollte man generell nicht hören!
Wie man aus der EZ-Community so hört, ist man auch dort mit dem Agieren der Ministerin höchst unglücklich. Das muss man als SPD-Ministerin erst mal schaffen.
Ja, ich werde jetzt wieder Geraune im Saal produzieren, wenn ich sage: Dem Vorgänger Gerd Müller ist es gelungen, acht Jahre in Folge erfolgreich zu verhandeln und den Etat zu steigern.
Agnieszka Brugger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja! Gegen die Union!
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Deborah Düring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Diesen Verhandlungserfolg soll der ehemalige Finanzminister Olaf Scholz Gerd Müller heute noch übel nehmen. Spötter behaupten sogar, das sei der Grund, weshalb die aktuelle BMZ-Hausleitung Gerd Müller – immerhin der ranghöchste Deutsche bei den Vereinten Nationen – bis heute schneidet und ihm auch wichtige Termine verweigert.
Der Kanzler kann sich in letzter Zeit ja an vieles nicht mehr so richtig erinnern. Aber wenn er mal beleidigt ist, dann vergisst ein Olaf Scholz das offenbar nicht so schnell.
Jede andere Regierung auf der Welt würde doch eine UN-Organisation mit einem Landsmann an der Spitze nach Kräften unterstützen.
Aber was macht die Ampel? Sie lässt Müller im Regen stehen und nimmt sogar die Mittelerhöhung der eigenen Berichterstatter wieder zurück. Sie missachtet damit den klaren Willen der eigenen Haushälter.
und das vor dem Hintergrund eines angestrebten Sitzes Deutschlands im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen 2027. Kluges, strategisches Handeln geht anders.
Ich freue mich auf die spannenden Beratungen in den nächsten Wochen.
Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das wird spannend!
PVizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: Ich grüße Sie alle sehr herzlich und freue mich, Sie nach der sitzungsfreien Zeit zu sehen, die für manche eine Pause war, nicht für alle durchgängig, und das ist auch gut so.
Ich gebe das Wort der Kollegin Bettina Hagedorn für die SPD-Fraktion.
Liebe Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als letzte Rednerin will ich zunächst für meine Fraktion sagen: Wie bei allen Haushaltsberatungen in dieser Woche stellen wir auch diesen Etat unter das Motto: Auch in knapper Haushaltslage investieren wir und stärken den Zusammenhalt, und das tun wir eben nicht nur national, sondern das tun wir auch international. Dafür ist dieser Einzelplan ein gutes Beispiel. Das will ich gleich darstellen.
Allerdings muss ich mit ein paar sehr groben Lügen hier aufräumen. Felix Banaszak hat schon gesagt: Vielleicht könnten sich Carsten Körber und Volkmar Klein ja ein bisschen öfter austauschen. – Carsten war deutlich näher an der Realität als Volkmar, weil er ja zumindest anerkannt hat, dass der Etat des Einzelplans 23, für Entwicklungszusammenarbeit, um 5,4 Prozent geschrumpft ist. Das ist schmerzlich, und wir alle würden uns wünschen, dass das nicht so sein müsste. Aber es ist unter dem Durchschnitt für den Gesamtetat und damit ein Erfolg für das Verhandlungsgeschick der Ministerin.
Volkmar Klein [CDU/CSU]: Dann gibt es ja noch Hoffnung!
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Patrick Schnieder [CDU/CSU]: Wir sind sehr gespannt!
Darüber können wir dann ja in der zweiten und dritten Lesung reden. Aber, lieber Volkmar Klein, du bist auch mal Haushälter gewesen. Darum hätte ich dir zugetraut, dass du hier Zahlen korrekt wiedergeben kannst. Und wenn du das nicht tust, muss ich dir ja fast Mutwillen unterstellen. Du hast gesagt, unter der Union, unter Angela Merkel sei der BMZ-Etat die letzten 16 Jahre kontinuierlich aufgewachsen.
Und nun will ich dir das mal vorrechnen: In der Zeit, als die CDU mit der FDP gemeinsam regiert hat, lag der BMZ-Etat bei round about 6 Milliarden Euro. Wenn man bedenkt, dass ihr das Entwicklungshilfeministerium – so hieß es ja damals noch – ja eigentlich abschaffen wolltet, war das ja besser als nichts, 6 Milliarden. Aber in eurem letzten Regierungsjahr habt ihr den Etat des Entwicklungsministeriums um 100 Millionen Euro gekürzt.
Dann kam die zweite Große Koalition von 2014 bis 2017 mit Entwicklungshilfeminister Gerd Müller und dem Finanzminister Wolfgang Schäuble.
Patrick Schnieder [CDU/CSU]: Da war die SPD auch dabei! Daran kann sie sich nicht mehr erinnern!
In dieser Zeit haben wir Sozialdemokraten dafür gekämpft, dass der BMZ-Etat analog zu dem Verteidigungsetat erhöht wird. Und beide sind erhöht worden, nicht so wahnsinnig stark, aber immerhin, von 2014 bis 2017 mit Wolfgang Schäuble um insgesamt 2 Milliarden Euro in den ganzen vier Jahren.
Dann kam die dritte Große Koalition, und der Finanzminister hieß Olaf Scholz. Und was geschah in diesen vier Jahren? In diesen vier Jahren wurde von 2018 bis 2021 der Etat des Entwicklungsministeriums, also von Gerd Müller, von 9,44 Milliarden Euro auf 12,425 Milliarden Euro um 3 Milliarden Euro erhöht.
Patrick Schnieder [CDU/CSU]: Das hat der Gerd Müller gut gemacht!
Und jeder, der uns erzählen will, das sei das Verdienst von Gerd Müller, weiß nicht, wie so was läuft. Das war die SPD-Fraktion, die in den Verhandlungen – und übrigens analog zu unserem damaligen Koalitionsvertrag – diesen Etat so erhöht hat,
Dr. Johannes Fechner [SPD]: Ganz genau so war das!
😄
Patrick Schnieder [CDU/CSU]: Wie beim Verteidigungsetat! Da muss ich lachen! Wie peinlich ist das denn?
weil nämlich in der gleichen Zeit – man höre und staune – der Etat des Verteidigungsministeriums von 37 Milliarden Euro auf 50 Milliarden Euro angewachsen ist, auch unter Olaf Scholz. Also, so viel zu eurer internationalen Verantwortung.
Nun will ich noch mal was sagen zu den letzten vier Jahren. In den Haushalten der letzten vier Jahren muss man ja immer auf das Ist und nicht auf das Soll gucken. Und da gab es in den letzten vier Jahren Unterschiede. Das waren nämlich die Haushalte, als wir die Coronapandemie und deren Folgen und die Folgen des Ukrainekrieges hatten und darum erhebliche Mittel nachbewilligt haben, mit der Unterstützung des Finanzministeriums. 2020 hat der BMZ-Etat durch den Nachtragshaushalt 1,55 Milliarden Euro on top bekommen, 2021 1,21 Milliarden Euro aus dem Einzelplan 60, 2022 fast 1,5 Milliarden Euro aus dem Einzelplan 60 und 2023 962 Millionen Euro aus dem Einzelplan 60.
Und damit sind wir zu diesen besonderen Aufwüchsen gekommen; denn auch im BMZ war infolge der internationalen Coronapandemie und infolge des Ukrainekrieges die entsprechende Arbeit zu leisten: internationale Solidarität, was Ernährungssicherheit anbelangte, und auch Aufgaben in der Ukraine selbst. Darum ist das BMZ in dieser Zeit mit unserer Unterstützung und mit unserem Beifall so gestärkt worden. Aber dass das nicht auf Dauer passieren kann, war uns allen auch immer bewusst. Und darum ist der jetzige Etat, der um 1,335 Milliarden Euro höher liegt als der Etat von 2019, ein Erfolg für die Ministerin, die wie eine Löwin für diese Sache gekämpft hat.
Und nun möchte ich, weil meine Redezeit zu Ende geht,
mit einem Zitat von Christian Lindner von heute Morgen enden, für das ich mich wahnsinnig bedanken möchte. Lieber Florian Toncar, bitte bestelle das. Er hat im Zusammenhang mit der Ukraine nämlich Folgendes gesagt:
„Deshalb werden wir die Ukraine weiter unterstützen. In der Haushaltsplanung der nächsten Jahre sind weitere Hilfen – Ertüchtigungshilfe, aber auch im zivilen Bereich – fest eingeplant. Niemand soll sich täuschen. Bei dieser Schicksalsfrage wird die Bundesrepublik Deutschland einen langen Atem haben.“
Vielen Dank, Florian Toncar.
PVizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: Frau Kollegin.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Einzelplan 16, den ich Ihnen für das kommende Haushaltsjahr hier vorstelle, hat drei Kernaufgaben:
Das Erste ist, erfolgreich gegen die drei großen ökologischen Krisen unserer Zeit anzukämpfen, das heißt, die Klimakrise, die Krise des Artensterbens und die Verschmutzungskrise energisch anzugehen.
Zweitens: die Rechte der Verbraucherinnen und Verbraucher zu wahren, den Gesundheitsschutz zu verbessern, dafür zu sorgen, dass unsere Bürgerinnen und Bürger nicht durch unseriöse Firmen abgezockt werden.
Und drittens: eine sichere Lösung für die Hinterlassenschaften der zivilen Nutzung der Atomkraft zu finden.
Das sind die drei Kernaufgaben, und dass ausgerechnet die dritte Aufgabe fast die Hälfte des Etats des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz verschlingt, ist letzten Endes natürlich tragisch, und dieses wird uns auch noch auf Jahrzehnte hinaus beschäftigen.
Aber Geld ist nicht der einzige Hebel. Wir haben auch den Hebel von verbindlichen völkerrechtlichen Vereinbarungen auf der internationalen Ebene, und hier ist der globale Umwelt- und Naturschutz im letzten Jahr sehr erfolgreich gewesen. So wurde im letzten Dezember das Weltnaturschutzabkommen von Montreal verabschiedet. Das besagt, dass die internationale Staatengemeinschaft bis 2030 30 Prozent der Fläche an Land und auf dem Ozean unter Schutz stellen will.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Ich sage sicherheitshalber gleich dazu: Das heißt nicht, dass da nichts mehr gemacht werden, keine Nutzung mehr stattfinden darf; vielmehr geht es darum, dass die Schutzgüter dort Priorität haben sollen.
Das Zweite ist, dass in diesem Jahr das globale Abkommen zum Schutz der Hohen See verabschiedet wurde. Das heißt, es ist jetzt zum ersten Mal in unserer Geschichte möglich, in dem Teil des Ozeans, der nicht in nationaler Verantwortung ist und der den größten Teil ausmacht, tatsächlich Schutzverantwortung zu übernehmen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Das ist ein Riesenerfolg, gerade in diesen schwierigen geopolitischen Zeiten.
Das Dritte ist, dass die internationale Staatengemeinschaft gegenwärtig an einem globalen und verbindlichen Abkommen zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung unseres Planeten arbeitet. Ich bin zuversichtlich, dass wir das bis 2025 zum Abschluss bringen werden.
Und das Vierte ist, dass in diesem September in Bonn unter deutscher Federführung die Internationale Konferenz zu Chemikalienmanagement stattfindet, die sich mit der Gesundheitsbedrohung durch gefährliche Chemikalien befasst.
Das heißt, dass wir mit solchen Abkommen – dafür steht das Bundesumweltministerium – verbindliche geopolitische Rahmenbedingungen für den globalen Umwelt- und Naturschutz schaffen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Mit einem leichten Rückgang in unserem Etat leistet auch das BMUV seinen Beitrag zu einem verfassungskonformen Haushalt. Aber ich will dazusagen, dass wir erstens mit 4 Milliarden Euro für den natürlichen Klimaschutz eine so große Summe an Finanzmitteln für den Umwelt- und Naturschutz, für den natürlichen Klimaschutz zur Verfügung haben wie noch in keinem BMUV-Haushalt zuvor und wir zweitens im Windenergie-auf-See-Gesetz festgelegt haben, dass ein Anteil aus den Versteigerungen für Offshorewindkraft dem Meeresnaturschutz zugutekommt, und dass das für dieses Jahr und für das nächste Jahr noch einmal eine Summe von round about 700, 800 Millionen Euro bedeuten wird. Auch hier: So viel Geld war für den Meeresnaturschutz noch nie da. Das ist ein sehr, sehr gutes Zeichen, gerade in diesen Zeiten.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Die Bundesregierung hat im Juli dieses Jahres das Klimaanpassungsgesetz verabschiedet, und wir erarbeiten zurzeit eine verbindliche Klimaanpassungsstrategie. Ich glaube, dass spätestens dieser Sommer uns gezeigt hat, wie notwendig Klimaanpassung ist.
Thomas Ehrhorn [AfD]: Das war der kälteste Sommer seit Langem!
Wir können weder in Deutschland noch in Europa den Folgen der Klimakrise ausweichen. Meine Gedanken sind heute auch in Griechenland, einem europäischen Nachbarstaat, einem befreundeten Staat von uns, der unter einer schrecklichen Katastrophe mit unklarem Ausgang leidet. Die Meteorologen sagen uns, dass eine solche Wassermenge noch nie dagewesen ist, dass eine solche Menge an Niederschlag in einer so kurzen Zeit zumindest noch nie prognostiziert wurde. Deshalb zeigt uns auch dieses Ereignis, dass wir in ganz Europa, weltweit, aber eben auch bei uns in Deutschland Klimaanpassung betreiben müssen, um Vorsorge zu tragen für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, um zumindest die schlimmsten Folgen dieser Ereignisse abmildern zu können.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Wir haben auf diesem Weg definitiv nicht mehr 20 Jahre Zeit. Diese Zeit haben wir in keiner Ortschaft in unserem Land, weder in Kreuzberg noch sonst wo. Es wäre ein fataler Irrtum, den Menschen zu suggerieren, hier könne man abwarten, hier müsse man nichts tun, es würde schon nicht so dramatisch werden. Wir wollen Vorsorge betreiben, und das tut die Bundesregierung.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Die Verbraucherinnen und Verbraucher in unserem Land spüren die Preiserhöhungen aufgrund der Energiepreiskrise, aufgrund der Inflation direkt, die Haushalte, die wenig im Geldbeutel haben, am allerstärksten. Deshalb ist es gut, dass wir eine starke Sozialpolitik in dieser Regierung verankert haben, dass wir neben dem Bürgergeld und der Kindergrundsicherung auch andere soziale Maßnahmen zur Absicherung, zur Abfederung dieser Energiepreiskrise ergriffen haben und dass wir als Bundesverbraucherschutzministerium die Haushaltsmittel für Maßnahmen zur Stärkung von ver- und überschuldeten Haushalten in diesem Haushalt jetzt auf 2 Millionen Euro verdoppeln konnten.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Carina Konrad [FDP]
Das ist mir ein unglaublich wichtiges Anliegen. Wenn Sie unterwegs sind, wenn Sie mit Bürgerinnen und Bürgern sprechen, werden Sie Haushalte treffen, die besonders leiden. Deshalb ist die Verbraucherzentrale, deren institutionelle Förderung mit 26 Millionen Euro auf einem wirklich hohen Niveau bleibt und die eine unglaublich wichtige Beratungsaufgabe für die Menschen in unserem Land leistet, gerade in diesen Zeiten von unglaublicher Wichtigkeit. Dass wir trotz des Sparhaushaltes eine Aufstockung der Mittel für die Schuldnerberatung erreichen konnten, das freut mich besonders; denn es ist schlicht und einfach verdammt notwendig.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Carina Konrad [FDP]
Ich bitte Sie – ich komme zum Schluss –, in den anstehenden Beratungen diese wichtigen Anliegen des BMUV zu unterstützen: zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, damit wir auch in unsere Sicherheit, in die Leistungsbereitschaft und in die Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft investieren und die Aspekte „Industriestandort bewahren“ und „Lebenswertes Land bewahren“ zusammenführen.
Ich freue mich auf die Beratungen und danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Kolleginnen und Kollegen! Frau Weisgerber, als Klimapolitikerin – so haben Sie sich ja gerade genannt – hätten Sie zum Beispiel in der letzten GroKo viel mehr für den Bereich Kreislaufwirtschaft machen können. Da habe ich die CDU/CSU häufig als Verhinderer oder als Verzögerer erlebt.
Anja Karliczek [CDU/CSU]: Was natürlich Quatsch ist! Wir haben da sehr viel unternommen!
Daran müssen wir Sie auch mal erinnern.
Meine Damen und Herren, der Entwurf des Einzelplans 16 hat ein Volumen von 2,4 Milliarden Euro, etwas weniger als im Jahr 2023, circa 2 Prozent. Aber wichtig ist eigentlich, einen Blick auf die Programme zu werfen. Was wollen wir also mit diesem Haushalt machen? Wir wollen investieren, wir wollen gestalten und die Situation im Umweltschutz und im Bereich der Nachhaltigkeit für die Menschen heute, aber eben auch für zukünftige Generationen verbessern. Ich glaube, dieses Ziel dürfen wir nie aus den Augen verlieren.
Die Programme haben ein Ausgabevolumen von ungefähr 1,8 Milliarden Euro. Gerade eben hat es die Ministerin schon erwähnt: Leider, muss man sagen, geht die Hälfte für die End- und Zwischenlagerung von atomaren Abfällen aus der Stromerzeugung mit Atomenergie drauf. Das heißt, ein kleiner Zeitraum der Stromerzeugung wird uns und auch nachfolgende Generationen für eine lange Zeit mit Kosten belasten.
Dr. Rainer Kraft [AfD]: 60 Jahre sind nicht wenig, oder?
Wir dürfen das nie vergessen. Der eine oder andere ist ja heute noch – wir haben es gerade gehört – ein Fan der Atomkraft. Aber der Kanzler hat schon gesagt: Es ist ein „totes Pferd“.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
57 Prozent der Ausgaben des Umwelthaushaltes – ich finde, das ist erst mal eine gute Botschaft – gehen in den Bereich der Investitionen. Es sind sehr kreative und innovative Programme dabei. Eines aus dem Bereich des Meeresschutzes möchte ich gleich am Anfang nennen: das Programm zur Bergung der Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee. Man darf das nie vergessen: Da liegen 1,6 Millionen Tonnen Munition aus dem Zweiten Weltkrieg an unseren Küsten, und sie gefährden unsere Küsten durch die Freisetzung von krebserzeugenden Stoffen. Das heißt, es wäre schon längst nötig gewesen, dort eine Bergung vorzunehmen. Es gab immer einen Streit zwischen Bund und Ländern. Wir im Bund gehen jetzt voran. Wir investieren 100 Millionen Euro in den Bau einer Plattform, auf der man diese Abfälle bergen, zerlegen, aber eben auch entsorgen kann. Ich finde, das ist ein tolles, ganz wichtiges Programm, das wir an dieser Stelle machen. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir das jetzt auf den Weg bringen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
In dem Zusammenhang möchte ich meinen Kollegen Sebastian Schäfer und Frank Schäffler, den Berichterstattern aus der Ampelkoalition, noch mal danken. Ich finde, es war eine sehr gute Zusammenarbeit in diesem Bereich, aber auch in anderen Bereichen. Wir geben jetzt diesem Programm finanziell wirklich einen ordentlichen Schub, damit es dort vorangeht. Wir sind gut im Zeitplan – wir haben einen ambitionierten Zeitplan – und werden bald mit dem Bau der Plattform beginnen.
Wenn wir beim Meeresschutz sind, dann geht es auch um die Vermüllung der Weltmeere – ein ganz wichtiges Thema, das mich persönlich seit vielen Jahren umtreibt. Ich bin stolz darauf, dass wir ein Programm auf den Weg gebracht haben, um die Vermüllung der Weltmeere zu stoppen und eine deutsche Technologie – wir haben hier in Deutschland eine breit aufgestellte Kreislaufwirtschaftstechnologie – von Deutschland aus in andere Länder zu bringen. Es geht darum, wirklich frühzeitig einzugreifen, also Abfallmanagementmaßnahmen, Sammlungen, Kreislaufwirtschaft, Recycling usw. auch in anderen Ländern voranzubringen. Das ist ein ganz wichtiges Programm, und auch dieses werden wir weiterhin finanzieren.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Wenn ich schon bei der Kreislaufwirtschaft bin, dann nenne ich natürlich auch das Recyclinglabel. Es geht dabei nicht nur um ein Label, sondern auch um die Chance, dass wir im Bereich der öffentlichen Beschaffung – und da geht es tatsächlich um 300 Milliarden Euro jährlich – nachhaltiger werden. Das ist immer noch nicht überall der Fall. Und viele sagen auch: Es ist schwierig, zu beurteilen, welches Produkt man eigentlich kaufen soll, um Nachhaltigkeit sicherzustellen. – Da spielt das Recyclinglabel eine wichtige Rolle. Wir aus dem Bereich der Haushälter haben es auf den Weg gebracht. Ich bin sehr stolz darauf. Es gibt jetzt ein Forschungsprojekt, und wir kommen beim Recyclinglabel weiter voran. Eine gute Sache!
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Ganz zum Schluss werde ich einen kleinen Werbeblock einschieben, und zwar für die Förderrichtlinie für Natürlichen Klimaschutz. Sie betrifft insbesondere die Kommunen. Wir fördern hier Maßnahmen auf nicht wirtschaftlich genutzten Flächen. Das kann Renaturierung sein, das können Maßnahmen sein, um Wasserrückhalt sicherzustellen. Wir profitieren mehrfach davon: Zum einen sind das Klimaschutzmaßnahmen und Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Zum anderen – die Problematik ist gerade vielen Kommunen durch Starkregenereignisse, durch Überschwemmungen schmerzlich bewusst geworden – schaffen wir damit auch mehr Sicherheit für die Menschen in unseren Regionen. Es ist also ein ganz wichtiges Programm für die Kommunen. Ich bin froh, dass das nun vorangeht.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Meine Damen und Herren, wir werden in den nächsten Wochen noch viel diskutieren. Ich freue mich auf diese Diskussionen. Wir werden die Entwürfe auf Herz und Nieren prüfen und an der einen oder anderen Stelle natürlich noch verändern. Im November werden wir alle wieder zusammenkommen, uns den geänderten Entwurf vornehmen und ihn natürlich auch hier verantworten. Ich freue mich darauf. Ich freue mich insbesondere auch auf die Diskussionen mit den Kollegen im Haushaltsausschuss.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Echter Umweltschutz ist Heimatschutz. Grüne Politik aber führt in die Zerstörung unserer Wälder und Landschaften.
Wo bleibt der Widerspruch Ihres Ministeriums, Frau Lemke, wenn große Wälder für die Windindustrie abgeholzt werden? Wer unterstützt die Heimatschützer bei der Rettung dieser Wälder?
40 Monsterwindräder im Öttinger und Burghauser Forst in Bayern, 18 im hessischen Reinhardswald – wer stoppt das? Für Umwelt- und Heimatschutz gibt es keine Unterstützung bei den Grünen, sondern nur bei der AfD.
Die Grünen werden erst zufrieden sein, wenn 2 Prozent der Fläche Deutschlands mit Windrädern und Solarkraftwerken zugepflastert sind. Und sie werden erst zufrieden sein, wenn sie eine sichere Energieversorgung, auch mit Kernkraft, auf Jahrzehnte verhindert haben.
Im Haushalt des Umweltministeriums könnte man durch eine zukunftsorientierte Energiepolitik viel Geld einsparen. Mit neuen Generationen von Kernkraftwerken könnte man die langlebigen Reststoffe älterer Kraftwerke als Brennstoff wiederverwenden. Das müsste man eben wollen, erforschen und umsetzen.
Das grüne Angstthema Atommüll würde dann aber nicht mehr funktionieren, und deshalb versuchen Sie, das zu verhindern. Mit einem solchen innovativen Konzept könnte man nicht nur zu jeder Tages- und Nachtzeit Energie erzeugen. Auch eine teure Endlagerung würde sich größtenteils erledigen.
Der Umwelthaushalt, also der Einzelplan 16, setzt nicht nur ganz falsche Prioritäten, sondern er verschleiert auch die wahre Höhe der Ausgaben. Fast 1 Milliarde Euro für den sogenannten natürlichen Klimaschutz sind an anderer Stelle regelrecht versteckt.
Judith Skudelny [FDP]: Wir haben in der letzten Haushaltsrede genau davon gesprochen! Das ist nicht versteckt! Wenn Sie nicht zuhören können, dann ist das Ihre Sache!
Der Betrag ist fast eine Verdoppelung gegenüber dem laufenden Haushalt.
Das Versteck, der sogenannte Klima- und Transformationsfonds, ist einer der vielen Schattenhaushalte dieser Regierung.
Dort steht dann im Kleingedruckten, dass die Mittel durch das Umweltministerium bewirtschaftet werden. Warum wird das Geld dann nicht gleich im Umwelthaushalt angesetzt?
Was mit dem Geld gemacht werden soll, ist mindestens genauso fragwürdig wie sein Versteck. Über 200 Millionen Euro davon sollen in die Wiedervernässung von Mooren fließen.
Dr. Jan-Niclas Gesenhues [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wenn, wenn!
Mit Ökoideologie gegen die Landwirtschaft kann man eine Hungersnot auslösen wie in Sri Lanka und die Bauern auf die Barrikaden treiben wie in den Niederlanden. Lernen Sie daraus!
Auch kleine Posten beweisen die Schlagseite dieses Haushaltes. Über 3 Millionen Euro sind für Propaganda rund um die Fußballeuropameisterschaft eingeplant.
Für die Bezüge der Ministerin und ihrer Staatssekretäre gibt es über 20 Prozent mehr Geld. Mit Ihrer grünen Zukunftsverweigerung verdienen Sie sich das jedenfalls nicht.
Die AfD-Fraktion wird in der Beratung des Haushalts die Alternativen aufzeigen. Unsere Heimat, die Wälder und Landschaften, und Deutschlands Bürger haben etwas Besseres verdient.
Thomas Ehrhorn [AfD]: Wo soll denn das gewesen sein?
47 Grad auf Sizilien, 45 Grad in Andalusien, 45 Grad in Griechenland, nachts Werte über 30 Grad, katastrophale Waldbrände um das Mittelmeer, in Spanien, Algerien, Italien, Griechenland und der Türkei
Thomas Ehrhorn [AfD]: War dieses Jahr echt heiß in der Sahara!
Zehntausende verloren ihre Existenz; ganze Landstriche sind verbrannt oder von Fluten zerstört. Rauch aus Waldbränden in Kanada erreichte Deutschland. Und im Golf von Mexiko vor Florida wurde mit 38,9 Grad die wärmste Meerestemperatur gemessen – 38,9 Grad; da kollabiert jedes Ökosystem im Meer. Wer bei dieser Summe an Extremen nicht den Ernst der Lage erkennt, dem ist einfach nicht zu helfen.
Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zwar hatte Deutschland diesen Sommer Glück, weil uns die Wetterlagen nach einem extrem trockenen Frühsommer feuchte Kühle mit wenig Hitze brachten. Aber leider bin ich mir sicher, dass in Deutschland in den kommenden Jahren erneut Hitzerekorde mit über 40 Grad Celsius aufgestellt werden, dass auf Hitzeperioden verheerende Unwetter folgen. Wir brauchen mehr Klimaschutz und endlich mehr Vorsorge bei den Folgen des Klimawandels!
Wir müssen Städte und Gemeinden, Wohnungen, Kommunen, Infrastruktur und Wirtschaft neu planen, bauen, verändern, um damit kommenden Hitzewellen und Flutkatastrophen zu begegnen. Das fordert Die Linke.
Völlig unverständlich ist, dass die Ampel bei der Klimaanpassung den Rotstift ansetzt. So reduziert sie um 52 Prozent die Gelder für den natürlichen Hochwasserschutz und spart 10 Prozent beim Technischen Hilfswerk, THW, also beim Katastrophenschutz, ein. Die Versprechen nach der Ahrtal-Katastrophe wurden im Haushalt ignoriert. Die Lippenbekenntnisse nach zukünftigen Hochwasserkatastrophen sind damit blanker Hohn.
Die Linke dankt den ehrenamtlichen Helfern beim THW, bei den Feuerwehren, beim Deutschen Roten Kreuz und bei allen anderen Organisationen für ihren Einsatz.
können ihre Villen klimatisieren. Aber Kinder, Senioren, die arbeitende Bevölkerung können das nicht; sie sind der Hitze in den Städten, Verkehrsmitteln und Wohnungen ausgesetzt, vermutlich fast schutzlos, weil diese Regierung die viel zu geringen Mittel für Klimaanpassung noch um ein Drittel kürzt. Das ist verantwortungslos.
Damit Klimaanpassung für alle Bürgerinnen und Bürger gelingt, brauchen wir beispielsweise Kältezentren zur Erholung bei Extremhitze. Schulen, öffentliche Gebäude, Krankenhäuser, Pflegeheime müssen klimatisiert werden. Es braucht Abkühlung in den Städten durch Grünanlagen, durch andere Stadtplanung. Auch Wohnungen in hitzegefährdeten Quartieren müssen Kühlung erhalten. Kommunen müssen diese Klimaanpassung leisten. Dafür brauchen sie viele Millionen, wahrscheinlich Milliarden. Auch dafür fordert Die Linke für Multimillionäre eine Vermögensteuer.
Bei uns und international ist Umweltschutz unverzichtbar. Und was macht die Bundesregierung? Sie kürzt: beim Kampf gegen Meeresmüll, bei internationaler Zusammenarbeit – und das unter einer grünen Umweltministerin; ich bin sprachlos.
Der Rückgang des Meereises im Polarmeer, die Rekordtemperaturen im Atlantik übertreffen die düstersten Prognosen aller Klimamodelle. Der Klimawandel vollzieht sich schneller als erwartet. In dieser Situation die Forschungsmittel zu kürzen, ist vorsätzlich fahrlässig.
Liebe Bürgerinnen und Bürger, Grüne, SPD, FDP versagen beim Klimaschutz, beim Sozialstaat und bei der Wirtschaftspolitik. Die geplante Kindergrundsicherung beseitigt nicht die Armut von 2,8 Millionen Kindern. Das ist beschämend für Sozialdemokraten und Grüne und leider gewollt von FDP, Union und AfD.
Die staatlichen Investitionen zur Stützung und zum klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft sind unzureichend. Und wenn Geld fließt, dann überwiegend an Großkonzerne. Aber besonders profitieren von diesem Haushaltsentwurf die Eigentümerinnen von Krauss-Maffei, die Aktionäre von Rheinmetall oder Lockheed Martin; die frohlocken dank der zusätzlichen 17 Milliarden Euro für Rüstungsgüter.
Krieg ist die schnellste und sinnloseste Zerstörung der Umwelt und des Klimas. Für die Menschen, für das Klima, für die Umwelt gibt es keine Alternative zum Frieden.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte starten mit einem Dank an das Bundesumweltministerium, das, wie ich finde, klug verhandelt hat und es durch eine kluge Finanzplanung in einer äußerst angespannten Haushaltslage geschafft hat, die Umweltpolitik in Deutschland handlungsfähig zu erhalten.
Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Trotzdem ist richtig: Wir haben im Kernhaushalt des Bundesumweltministeriums Einsparungen in Höhe von 5 Prozent gegenüber der ursprünglichen Finanzplanung. Dadurch leistet das Bundesumweltministerium auch einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung. Aber wir dürfen darüber nicht vergessen, dass wir 4 Milliarden Euro gesichert haben – im Klima- und Transformationsfonds – für den natürlichen Klimaschutz. Das ist das größte Programm für den Naturschutz und den natürlichen Klimaschutz, das es jemals gegeben hat, meine Damen und Herren.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Und wir machen da nicht halt, sondern – es ist vorhin angesprochen worden – wir werden mit 700 Millionen Euro zusätzlich für den Meeresnaturschutz den Naturschutzetat deutlich aufstocken. Dass das Mittel sind, die aus den Betreiberabgaben der Offshorewindenergie kommen, zeigt auch: Wir können Energiewende und Naturschutz gemeinsam voranbringen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Es ist gut, dass wir diese Handlungsfähigkeit des Umweltministeriums bewahren. Denn bei Zukunftsaufgaben wie Naturschutz, wie Umweltschutz, wie nuklearer Sicherheit, wie Kreislaufwirtschaft, wie Verbraucherschutz hat der Rotstift nichts zu suchen.
Ich möchte das besonders deutlich machen an der Frage des Artenschutzes. Der Artenschutz hat – zur Beschleunigung der Energiewende – erhebliche Zugeständnisse gemacht. Deswegen wäre es falsch, jetzt weiter zu kürzen beim Artenschutz. Ich glaube, dass wir da noch mal besonders draufschauen müssen.
Ich will aber auch eines sagen, Frau Weisgerber: Noch viel weniger hilft dem Artenschutz billiger Bierzeltpopulismus, wie der von Ihnen zum Wolf zu hören ist.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
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und Andreas Bleck [AfD]
Wir brauchen keine gesetzlichen Änderungen, sondern was wir brauchen, sind Verbesserungen im Vollzug. Die legen wir vor. Was Sie vorschlagen, ist reine Symbolpolitik und hilft am Ende niemandem. Das ist genau das, was ich vorhin gesagt habe: Das ist billiger Bierzeltpopulismus. Er hilft niemandem, er hilft auch nicht den Weidetierhaltern, auch nicht in Bayern.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
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Steffen Bilger [CDU/CSU]: Unsinn!
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Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Das hat selbst die FDP verstanden! Aber Sie nicht!
Um die Handlungsfähigkeit zu sichern, ist es aber auch wichtig, jetzt zügig das umzusetzen, was wir vorgelegt haben: die Nationale Wasserstrategie, das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, das Klimaanpassungsgesetz. Dafür braucht es auch Geld und Personal. Darauf sollten wir in den Haushaltsberatungen achten, liebe Kolleginnen und Kollegen; denn es geht hier auch um unser wirtschaftliches Fundament, das ja in diesen Tagen häufig bemüht wird, als Grundlage für die Aufstellung des Haushalts.
Meine Damen und Herren, eine starke Wirtschaft kann nur in einer gesunden Natur gedeihen. Das ökonomische Fundament steht auf einem ökologischen Fundament.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauer! Wir sind in einer Diskussion, und wieder einmal frage ich mich: Hören Sie sich eigentlich selbst zu? Die Ministerin lobt einerseits ihren Haushalt, vergießt andererseits Krokodilstränen über den Klimawandel, über das Artensterben und über eine Verschmutzungskrise. Wir hören von Frau Skudelny von der FDP, dass das eine neue Wirklichkeit sei, und Herr Dr. Gesenhues von den Grünen schimpft auf die Opposition.
Dabei frage ich mich: Wie sieht es denn tatsächlich aus mit dem, was Sie sich in dieser Position – vor allem mit einer grünen Ministerin – auf die Fahnen schreiben, etwa beim Klimaschutz? Sie stellen sich hierhin, vergießen Krokodilstränen, schimpfen, wie schlimm alles sei. Gleichzeitig schalten Sie die Kernkraftwerke ab
Dr. Rainer Kraft [AfD]: Und importieren dann Atomstrom aus Frankreich!
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Jan Ralf Nolte [AfD]: Die CDU steht doch auch für diese Politik! Was erzählen Sie denn! Sie haben den Atomausstieg gemacht!
und beklagen dann, dass wir auf der anderen Seite massiv mehr Kohle abbaggern, Landschaft verbrauchen, CO2 und andere Schadstoffe emittieren – und das in einer Situation, in der wir eine akute Energienotlage in unserem Land haben. Es ist unverantwortlich, wie Sie handeln in der Situation, in der wir heute sind.
Ich sage das für mich selbst und vielleicht auch für den einen oder anderen aus meiner Fraktion: Ich persönlich halte nicht nur aktuell, sondern grundsätzlich den Verzicht auf die Nutzung von Kernkraft und Kernfusion für schwierig
Michael Thews [SPD]: Leider gibt es aber die Kernfusion noch nicht!
in Anbetracht der Herausforderungen nicht nur für unser Land aktuell, sondern auch für das Klima. Ich glaube, die Zukunft gehört den Erneuerbaren – aber eben auch einer notwendigen grundlastfähigen Energieerzeugung, die klimafreundlich, klimaneutral funktioniert, etwa der Kernkraft.
Wenn Sie über den Artenschutz jammern, Herr Kollege Dr. Gesenhues, dann sollten Sie mal mit Ihrer Ministerin sprechen. Und wenn Sie androhen, dem Haushalt deswegen nicht zuzustimmen, weil die Mittel dafür zu gering seien, dann liegt das doch daran, dass die Ministerin selbst entscheidet, wie sie ihre Prioritäten in dem von ihr verantworteten Ressort setzt.
Dr. Jan-Niclas Gesenhues [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sind ja bereitgestellt! Ich weiß gar nicht, was Sie haben!
Ich empfehle, bevor es wieder einen neuen Koalitionskrach gibt, den Etat des BMUV erst mal intern zu klären, nachdem Herr Habeck und Frau Lemke sich auf den Ausbau der Windenergie im Wald und ein Mehr an Artenschutz verständigt haben.
Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was ist denn jetzt die Botschaft?
Letzter Punkt. Ich empfehle dringend, auch beim Thema Immissionsschutz etwas ernster darauf zu schauen, was Ihr Ministerium mit den Ressourcen leisten könnte. Nach der Verbrennerdiskussion in den vergangenen Monaten erleben wir jetzt eine Wiederauflage Verbrennerverbot 2.0 bei schweren Nutzfahrzeugen. Nutzen Sie die Möglichkeiten – so, wie es auch die FDP fordert –, Alternativen in den Blick zu nehmen, technologieoffen, egal ob Wasserstoff, ob nachhaltig produzierte Biokraftstoffe, oder eben E-Fuels. Wir haben Potenziale, die wir in unserem Land nutzen müssen. So wie Sie es aktuell machen, geht es leider nur weiter bergab. Das darf nicht passieren.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Damen und Herren! Wir sprechen heute über den Einzelplan zum Umwelt- und Verbraucherschutz. Ich würde sagen: 2,4 Milliarden Euro sind jetzt nicht der größte Etat; aber es ist zumindest gelungen, dass er nicht wesentlich gekürzt wurde. Das, finde ich, ist eine gute Nachricht in Zeiten, die nach wie vor schwierig sind.
Nicht mal Sie von der AfD wissen, wie es mit der Coronapandemie weitergeht. Manche hatten jetzt schon wieder eine Erkrankung. Aber Sie wissen vielleicht, wie es in der Ukraine weitergeht – da sind Sie ja immer schlauer als wir –
Andreas Bleck [AfD]: Ja, wir waren oft schlauer als Sie in der Vergangenheit! Nehmen Sie das mal zur Kenntnis!
und ob Ihr Freund Putin vielleicht mal den Angriff stoppt oder auch nicht.
Die Zeiten und die Rahmenbedingungen sind also nach wie vor schwierig. Und trotzdem versuchen die Koalition und die Regierung, zu einem Haushalt der Normalität zurückzukommen. Dabei ist es aller Ehren wert, dass es gelungen ist, den Kernhaushalt im Wesentlichen bei 2,4 Milliarden Euro zu stabilisieren. Das, finde ich, ist eine gute Nachricht.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Viel schwieriger ist dann die Debatte über die Rückkehr zur Atomkraft. Wenn mehr als 60 Prozent dieser 2,4 Milliarden Euro dafür ausgegeben werden, dass wir den Müll der letzten 60 Jahre wegräumen, und wenn wir immer noch nicht wissen, wo ein Endlager hinkommt – und das wissen wir auch nicht in den nächsten 10 Jahren, nicht in den nächsten 20 Jahren –,
Andreas Bleck [AfD]: Sie sind doch sonst immer für Kreislaufwirtschaft! Warum dann nicht bei der Kernenergie?
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Dr. Rainer Kraft [AfD]: Sie wollen das ja gar nicht wissen!
dann ist es vielleicht doch ein Stück weit organisierte Verantwortungslosigkeit, wenn man sagt: Wir müssen aber trotzdem weiter in die Atomkraft investieren.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Andreas Bleck [AfD]: Sie sind doch sonst immer für Kreislaufwirtschaft, Herr Träger!
Herr Hirte, ich komme bei Ihnen vorbei und lege Ihnen einfach die Rechnung vor. Sie zahlen sie ja; das ist ja alles kein Geld. Die Hälfte von 2,4 Milliarden Euro wären ungefähr 1,2 Milliarden Euro. Das ist ja kein Problem für die Unionsfraktion. Das machen Sie einfach so aus der Portokasse.
Das Zeitalter der erneuerbaren Energien ist angebrochen, da kann der Aufschrei aus Ihren Reihen noch so laut sein, wie er will.
Das Zeitalter der sauberen Umwelttechnologien steht vor der Tür und ist da. Sie können sich darüber aufregen, sich auf den Kopf stellen, mit den Füßen wackeln – alles schöne Bilder.
– Herr Bleck, Sie werden Ihren Kindern, wenn Sie welche haben, mal die Frage beantworten müssen: Papa, was hast du eigentlich gemacht, als noch Zeit war, zu handeln? Warum warst du denn immer dagegen? – Sie sind dagegen, etwa gegen die Elektromobilität.
Andreas Bleck [AfD]: Wir sind gegen das Verbrennerverbot!
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Dr. Rainer Kraft [AfD]
Dafür brauche ich keine weiteren Ausführungen. Das macht immer Herr Spaniel bei Ihnen; der ist jetzt gerade nicht da. Also von daher: Sie sind gegen Elektroautos.
Sie sind gegen die Kreislaufwirtschaft. Ich höre dabei Schalmeienklänge aus der Union. Aber wenn es darauf ankommt, wenn wir darüber abstimmen, dann heißt es immer gleich: Die Union ist dagegen. – Sie sind gegen den Ausbau der erneuerbaren Energien. Da höre ich zwar: Jawohl, denen gehört die Zukunft.
Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Was ist denn das für ein Schmarrn? Wir sind alle für den Ausbau der erneuerbaren Energien!
– Frau Weisgerber, Sie schütteln den Kopf. Wissen Sie denn eigentlich, wie viele Windräder in Bayern, in unserem gemeinsamen schönen Heimatland, in der ersten Jahreshälfte genehmigt wurden?
Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Die Genehmigungen brauchen länger!
Zum Vergleich: In Schleswig-Holstein – das ist, glaube ich, auch schwarz geführt – sind es über 100 im gleichen Zeitraum, in Niedersachsen sind es über 100, in Nordrhein-Westfalen sind es über 100. In Bayern sind es drei. Großartig, wie es da weitergeht!
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
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Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Bei allen anderen erneuerbaren Energien sind wir spitze in Deutschland!
Wir werden sehen, wo Sie sich beim natürlichen Klimaschutz aufstellen. Ich höre frohe Kunde; aber es ist ja abzusehen, dass das bei Ihnen nichts heißt. Wir werden in dieser Koalition daran arbeiten, dass wir die natürlichen Verbündeten des Klimaschutzes mit ins Boot holen. Dafür stehen uns 4 Milliarden Euro für vier Jahre zur Verfügung. Ich hoffe sehr, dass wir wenigstens an dieser Stelle gut und gedeihlich zusammenarbeiten.
In diesem Sinne: Glück auf für den Fortschritt und möglichst schlechte Wahlergebnisse für die Ewiggestrigen!
Dann wird man sich daran erinnern, dass es nie zuvor eine Bundesregierung gegeben hat, die bereit war, mit einer solchen Rücksichtslosigkeit die Natur und die Umwelt unseres Landes zu schädigen. Man wird sich daran erinnern, wie eine rot-grüne Weltuntergangssekte all ihre angeblichen Ziele und Ideale verraten hat, wie nicht nur aus Pazifisten Kriegstreiber wurden, sondern wie auch aus Umweltaktivisten Leute wurden, die Umwelt- und Artenschutz per Notstandsgesetz abgeschafft haben.
Man wird sich daran erinnern, wie aus märchenhaft schönen Wäldern und den erhaltenswertesten Teilen unserer Landschaft Windkraftindustrieparks gemacht wurden, wie man Abertausende von Tonnen ausgedienter Windkraftrotorblätter aus Verbundwerkstoffen, die nun mal nicht recycelbar sind, am Ende einfach verbrannt hat – übrigens unter Freisetzung gigantischer Mengen CO2 –, während man der Bevölkerung den Kaminofen verbieten wollte.
Man wird sich daran erinnern, wie bedrohte Arten von Greifvögeln in dieser Zeit verschwunden sind, ausgestorben sind, weil sie zu Tausenden von ebendiesen Rotorblättern zerschreddert und totgeschlagen wurden. Man wird sich an die Zeit erinnern, in der man wichtige Umgehungsstraßen und Infrastrukturprojekte teilweise jahrzehntelang wegen bedrohter Fledermausarten verhindert hat,
Man wird sich an die verrückten grünen Pläne erinnern, die Menschen in Zukunft möglichst durch Nullnutzungszonen aus Erholungsgebieten der Ostsee zu verbannen, weil Meeresschutz ja so wichtig ist, während man kein Problem damit hatte, im Nationalpark Wattenmeer der Nordsee – übrigens ein Weltnaturerbe – jährlich bis zu 178 Millionen Kubikmeter gechlortes Wasser aus einem LNG-Terminal einzuleiten. Man wird sich daran erinnern, wie man von „Dekarbonisierung“ schwafelte, während man moderne, CO2-neutrale Kernkraftwerke abstellte, um dann allerdings den fehlenden Strom wieder aus maroden französischen Kernkraftwerken zu importieren. Sehr gelungen! Gratulation!
Wenn dann auch der letzte Industriebetrieb abgewandert ist, unsere Landschaften zerstört, unser Wohlstand vernichtet ist, wenn man aus einer der reichsten Industrienationen am Ende das Armenhaus Europas gemacht hat, ja, dann wird man sich daran erinnern, dass es vielleicht besser gewesen wäre, rechtzeitig die Partei zu unterstützen, die diesem ganzen Wahnsinn ein Ende machen wollte, nämlich die Alternative für Deutschland.
Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Es ist über den Haushalt mit seinen 2,4 Milliarden Euro schon viel gesagt worden. Worauf ich hinweisen will, ist: Dass immer von Kürzungen gesprochen wird, ist natürlich eine Milchmädchenrechnung; denn tatsächlich kann man das ja nicht mit der Coronazeit vergleichen, sondern nur mit der Zeit vor Corona. Und dann stellen wir fest: Da gibt es einen Aufwuchs von rund 100 Millionen Euro. Das heißt: In dem Etat wird aktuell eigentlich nicht gespart, sondern die Ministerin hat darauf aufmerksam gemacht, dass auch im KTF entsprechend Mittel veranschlagt sind. Deshalb ist das eigentlich auskömmlich.
Entscheidend ist aber, glaube ich, dass wir uns insgesamt in der Haushaltspolitik darauf einstellen müssen, dass die Zeit der Aufwüchse zu Ende ist, dass wir dafür sorgen müssen, dass wir jetzt tatsächlich haushalten, sprich: Prioritäten setzen.
Deshalb ist es wichtig, dass wir auch in diesem Haushalt ein realistisches Bild zeichnen und deutlich machen, wo wir Prioritäten setzen.
Das haben wir ein Stück weit schon im letzten Jahr gemacht, indem wir ein Projekt zur Hebung von Munitionsaltlasten auf die Schiene gebracht haben; Kollege Thews hat das angesprochen. Ich glaube, das war eins der wesentlichen und der großen Projekte, die wir in diesem Einzelplan angestoßen haben. Mit in der Summe 100 Millionen Euro sollen in den nächsten Jahren die Altlasten aus dem Krieg und nach dem Krieg aus Nord- und Ostsee geborgen werden. Ich glaube, das ist eine große Chance für den Umweltschutz in unseren Meeren an Nord- und Ostsee.
Entscheidend ist aber – das will ich hier auch ansprechen –, dass wir die Länder an der Stelle nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. Ich als Haushälter erwarte, dass das Ministerium mit den Ländern eine Vereinbarung bezüglich der Folgekosten dieser Einrichtung trifft. Ich finde, da muss das Ministerium liefern; denn es ist ein Kraftakt für uns als Bund, uns dieser Aufgabe – eigentlich die der Länder – anzunehmen und hier in Vorleistung zu gehen. Deshalb ist es wichtig, dass wir hier zu einer konkreten Vereinbarung kommen.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Ich will noch einen anderen Aspekt ansprechen, der mir wichtig ist. Ich glaube, wir dürfen Umweltschutz nicht als reine Verhinderungsmaschinerie betrachten. Auch das Umweltministerium darf sich nicht nur als ein Ministerium verstehen, das Dinge verhindert, sondern das Umweltministerium muss Dinge ermöglichen.
Ich will positiv erwähnen, dass das beim Thema Wolf inzwischen gelungen ist, oder es scheint zumindest gelungen zu sein.
Andreas Bleck [AfD]: Aha! Das ist aber interessant zu hören!
Sowohl die Umweltministerin als auch der Landwirtschaftsminister haben sich hier bewegt. Ich glaube, wir müssen jetzt schnell handeln. Man darf nicht nur den Mund spitzen, sondern man muss auch pfeifen. Das ist aus meiner Sicht wichtig. Wir brauchen ein Wolfsmanagement, das auch die Entnahme von Wölfen legal zulässt. Dafür braucht es jetzt entsprechende Handlungen der Minister; das erwarte ich an dieser Stelle.
Gut ist auch, dass sich der Wirtschaftsminister in Hessen, Al-Wazir, für die Mittelrheinvertiefung zwischen Mainz und St. Goar ausgesprochen hat. Das ist gut. Schlecht ist aber, wenn das Bundesumweltministerium an der Stelle bremst. Es ist wichtig, dass wir verstärkt Güter auf die Wasserstraße bringen. Das ist ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz.
Gut ist auch, dass wir in der Asse ein Zwischenlager einrichten wollen; denn die radioaktiven Abfälle, die in der Asse II lagern und dort herausgeholt werden müssen, brauchen ein Zwischenlager.
Aber dabei ist es nicht gut, dass das Land Niedersachsen und das dortige Umweltministerium das Zwischenlager nicht in die Landesraumordnung aufnehmen. Ich glaube, wir brauchen für solche Anlagen Rechtssicherheit. Wir als Bund können nicht Milliarden in diese Bereiche investieren, und anschließend wird es nicht richtig umgesetzt, weil die Rechtssicherheit fehlt.
Deshalb ist meine Bitte an das Bundesumweltministerium, an das Umweltministerium in Niedersachsen heranzutreten, damit in Niedersachsen Rechtssicherheit geschaffen wird und wir kein Geld vergraben. Das ist letztendlich Geld – bei der Asse nicht, aber bei anderen Endlager- und Zwischenlagerstätten –, das damals von den Atomkonzernen zur Verfügung gestellt worden ist; die Kollegin Skudelny hat das ja erwähnt. Aber bei der Asse ist es Steuergeld, das letztendlich verbraten wird. Deshalb braucht es da eine vernünftige Herangehensweise und eine vernünftige Zusammenarbeit aller staatlichen Ebenen, damit dieses Problem der Nachkriegsgeschichte in der Asse gelöst wird.
Meine Bitte ist: Das Umweltministerium muss zum Ermöglichungsministerium werden und weniger zu einem Verhinderungsministerium. Wenn uns das in diesen Haushaltsberatungen gelingt, dann ist schon viel erreicht.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die dauerhafte Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen ist die größte Herausforderung, die wir im 21. Jahrhundert zu bewältigen haben. Es gilt, die Biodiversität global zu schützen und gleichzeitig die Klimakrise zu stoppen. Wir als Menschheit können nur innerhalb dieser beiden zentralen planetaren Grenzen leben.
Der Haushaltsentwurf spiegelt wider, dass die Ampel die drängenden Fragen im Bereich „Naturschutz, Klimaanpassung, Klimaschutz, Verbraucherschutz und Meeresschutz“ angeht. Angesichts der sehr angespannten Haushaltslage ist es umso wichtiger, gezielt Prioritäten zu setzen und Ausgabesynergien zu nutzen. Dies geschieht zum einen im Einzelplan selbst und zum anderen im Klima- und Transformationsfonds. Hier sind bis 2026 Mittel in Höhe von 4 Milliarden Euro für das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz vorgesehen. Das Aktionsprogramm ist das bisher größte Investitionsprogramm der Bundesrepublik für den natürlichen Klimaschutz. Ein Meilenstein in unserer Geschichte zum Schutz und Erhalt der Natur!
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Die Ausgestaltung des Aktionsprogramms ist das Ergebnis eines umfassenden Beteiligungsprozesses und einer Zusammenarbeit zwischen vielen Akteurinnen und Akteuren wie Landbesitzerinnen und Landbesitzern, Naturschützern und den Verantwortlichen vor Ort. Es zeigt, wie im Dialog und in der Abwägung von fundierten Argumenten kluge, effektive Politik entstehen kann. So tragen wir als Ampelkoalition dazu bei, den Zustand unserer Ökosysteme zu verbessern, zu schützen und zu stärken.
Wir als Ampel stehen gemeinsam dafür ein, ökonomische Entwicklung und ökologische Verantwortung zusammenzudenken; denn eine intakte Natur und ein intaktes Ökosystem sind nicht nur natürliche Klimaschützer, sondern sie sind essenziell für ein dauerhaft erfolgreiches Wirtschaftssystem.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Spätestens seit der Weltnaturkonferenz in Montreal im letzten Dezember – die Ministerin hat es angesprochen – ist die Biodiversität auch global ganz oben auf der Agenda. Konkret geht es hierbei um die Korrektur eines Marktversagens, da die wahren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kosten eines Verlusts von Biodiversität bisher kaum abgebildet werden. Hier findet bisher auch keine Bepreisung statt. Was bedeutet der Verlust einer bestimmten Pflanzen- oder Tierart? Welche Folgen hat dies für Natur, Wirtschaft und Gesellschaft? Das wird gerade intensiv erforscht.
Gerade die Wirtschaftswissenschaft nimmt dieses Thema immer stärker in den Blick; ich erinnere nur an die Arbeiten von Jörg Rocholl in Berlin oder Partha Dasgupta. Wir fangen endlich an, auch den ökonomischen Wert von Umwelt und Natur als solchen zu begreifen. Es gilt jetzt mehr denn je, das existierende Marktversagen zu korrigieren, externe ökologische Effekte zu internalisieren, durchdachte Anreize anzustoßen und so Natur und Wirtschaft zusammenzudenken.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Auch auf Unternehmensseite wird das Thema immer relevanter. Im Vorfeld der Konferenz in Montreal haben sich nicht nur Vertreterinnen und Vertreter von Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft in der Frankfurter Erklärung für natur-positives unternehmerisches Handeln ausgesprochen. Auch die Wirtschaft war dabei prominent vertreten.
Der Weltbiodiversitätsrat beziffert in einer gestern vorgestellten Studie alleine den Schaden, der durch invasive Arten entsteht, auf 423 Milliarden Dollar im Jahr. Seit 1970 hat sich alle zehn Jahre der Schadensbetrag vervierfacht. Wir können den Verlust unserer Natur und den volkswirtschaftlichen Schaden nicht länger ignorieren.
Im Rahmen des Umweltetats und des Aktionsprogramms werden wir Mittel zur Verfügung stellen, um konkrete Maßnahmen, Programme und Forschung anzugehen und umzusetzen. Unsere internationalen Versprechen halten wir ein. Der Erhalt der Biodiversität und der Schutz des Klimas sind die elementaren Grundlagen für unser Leben und unser Wirtschaften.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bevor ich ins Detail gehe, gestatten Sie mir ein paar kurze generelle Vorbemerkungen zum Haushalt.
Erstens. Die Zeit stetig steigender Steuereinnahmen ist definitiv vorbei, was vor allem an der Wirtschaftspolitik der aktuellen Regierung liegt. Sie haben es in Rekordzeit geschafft, das Wachstum in Deutschland abzuwürgen. Unter Ihrer Führung – man muss es leider so sagen – ist Deutschland wieder zum kranken Mann Europas geworden.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD
Zweitens. Die gestiegene Zinslast, die Sie derzeit ja so sehr beklagen – erst heute Morgen konnten wir das wieder von Finanzminister Lindner hören –, ist kein vorübergehendes Phänomen; wir erleben allenfalls eine Zinsnormalisierung. Und hier, wenn ich das ergänzen darf, rächt sich übrigens auch, dass Olaf Scholz in seiner Zeit als Finanzminister nicht vorgesorgt und die Restlaufzeit der Staatsschulden erhöht hat, so wie andere Länder das getan haben. Aber wahrscheinlich hat er auch das vergessen.
Und drittens. Auch wenn die Versuchung bei etlichen von Ihnen gerade hier links der Mitte da ist und reflexartig groß sein mag: Lassen Sie die Finger von höheren Steuern! Deutschland ist bereits Hochsteuerland.
Es hilft also nichts: Die Verteilungsspielräume sind enger geworden. Insofern ist der Rückgang im Umweltetat, über den wir heute reden, mit 2 Prozent noch als gering einzustufen.
Zum Plan selbst lässt sich vieles sagen. Ich möchte hier auf einen Punkt besonders eingehen, weil er mittelfristig zu einem erheblichen finanziellen Risiko werden kann: Es geht um die Kosten der atomaren Endlagerung, die immerhin – wir haben es von Frau Lemke gehört – 50 Prozent des Etats ausmachen.
Ich sehe hier Druck von gleich mehreren Seiten: Zum einen sind die Kosten für bauliche Maßnahmen massiv gestiegen, und – da lassen Sie sich mal nicht täuschen – sie werden hoch bleiben. Hinzu kommt zum anderen, dass das Endlager erst sehr viel später fertig wird als angenommen – wir reden hier über 20 Jahre mehr –; auch daraus werden erhebliche Mehrkosten resultieren. Denken Sie nur an die verlängerte Zwischenlagerung!
Und schließlich: Es besteht auch die Gefahr, dass die Erträge im KENFO, also dem Fonds zur Finanzierung der Entsorgung, geringer ausfallen als erhofft.
Blick nach vorne, nicht Blick nach hinten – immer ganz wichtig in der Kapitalanlage. Der Zinsanstieg mag für die Neuanlage gut sein; für Bestandstitel schlagen aber erst mal Verluste zu Buche. Und für höherrentierliche Anlagen wie Aktien – auch das muss man sagen – ist der geldpolitisch veranlasste weltweite Zinsanstieg nicht gut.
Was gilt es daher jetzt besser zu machen? Meine Empfehlung: Beschweren Sie die Endlagersuche nicht immer mit neuen Hürden und Auflagen, nur damit Sie das grüne Narrativ vom fehlenden Endlager weiter bedienen können! Dass es auch besser geht, machen uns Länder wie Finnland gerade vor.
Seien Sie offener für technologische Weiterentwicklung, und verweigern Sie sich nicht immer wieder aus rein ideologischen Gründen! Das Klima und die Natur würden es Ihnen danken.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Ich würde gerne meine Zeit nutzen, um mit ein paar Argumenten aufzuräumen, die hier in der Debatte meines Erachtens ziemlich durcheinandergekommen sind.
Erstens. Die Nutzung der Atomenergie ist keine verantwortungsvolle und auch keine nachhaltige Politik.
Andreas Bleck [AfD]: Das sieht die EU aber anders!
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Wolfgang Wiehle [AfD]: Fragen Sie mal die finnische Ministerpräsidentin!
Herr Wiener, Sie haben gerade aufgeführt, wie hoch die Kosten im Haushalt des Bundesumweltministeriums für die Entsorgung von und den Schutz vor radioaktivem Müll sind. Angesichts dieser Kosten ist die Forderung, die Atomanlagen weiter in Betrieb zu halten, nicht verantwortungsvoll.
Beifall bei der SPD und der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Patrick Schnieder [CDU/CSU]: Und deshalb hat die FDP dem ja auch zugestimmt!
Zweitens. Die größte Gefahr für die Wälder, die hier vonseiten der AfD immer wieder geleugnet wird, ist der Klimawandel und ganz sicher nicht der Ausbau der erneuerbaren Energien.
Dr. Götz Frömming [AfD]: Die Wälder schützen vor dem Klimawandel! Und ihr rodet sie!
Im Gegenteil: Der Rückgang der Nutzung fossiler Energieressourcen, beispielsweise auch im Verkehr, reduziert die Luftverschmutzung, und er schützt die Natur.
Dr. Rainer Kraft [AfD]: Das macht halt überhaupt gar keinen Sinn, was Sie da sagen!
Drittens. Keine Bundesregierung und keine Regierungskoalition zuvor hat jemals so viel für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen getan wie diese: Wir bauen die Erneuerbaren massiv aus; wir führen die Verkehrs- und Wärmewende jetzt tatsächlich durch.
Jürgen Braun [AfD]: Sie retten die Welt! Deutschland rettet die Welt!
Ziele formulieren in einem Klimaschutzgesetz ist gut; Maßnahmen zu verabschieden, die tatsächlich Wirkung zeigen, ist besser, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Also, unsere Maßnahmen zur Förderung haben Sie ja wieder abgeschafft!
Wir nutzen mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz die Ressourcen der Natur gegen den Klimawandel; die Kolleginnen und Kollegen haben es schon genannt. Und wir schützen die Artenvielfalt, unter anderem auch mit den neuen Artenhilfsprogrammen, die diese Koalition neu aufgelegt hat.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Philipp Hartewig [FDP]
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Dr. Götz Frömming [AfD]: Am Klima ändern Sie gar nichts! Sie zerstören Wirtschaft und Natur! Und am Klima ändern Sie gar nichts!
Viertens. Wir müssen natürlich hier in Deutschland unsere Hausaufgaben erfüllen; das tun wir. Aber wir tragen auch globale Verantwortung, und das zeigt nicht zuletzt die gestrige Veröffentlichung des Weltbiodiversitätsrats über den erschreckenden Rückgang der Artenvielfalt weltweit.
Die Finanzzusagen und die konstruktive Verhandlungsführung Deutschlands und der EU im Rahmen der Weltnaturkonferenz haben maßgeblich dazu geführt, dass es gelungen ist, einen ambitionierten globalen Rahmen zum weltweiten Schutz der Biodiversität zu verabschieden. Und auch im Kampf gegen den Wildtierhandel, gegen Wildtierkriminalität wird einiges getan; das Meeresschutzabkommen ist von der Ministerin schon genannt worden. Ich möchte mich hier sehr herzlich bei Ihnen, Frau Lemke, und bei allen, die daran mitgewirkt haben, bedanken.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Philipp Hartewig [FDP]
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Haushaltsverhandlungen stehen unter schwierigen Vorzeichen; das haben wir gehört. Neben der Haushaltskonsolidierung wollen wir natürlich auch die noch umzusetzenden Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag finanzieren, und wir müssen mit den Folgen des völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine umgehen.
Umso wichtiger ist, dass diese Koalition mit dem Bundeshaushalt 2024 eine klare Zukunftsagenda setzt. Wir investieren, wir entlasten, und wir halten zusammen – auch im Haushalt des Bundesumweltministeriums. Ich freue mich auf die Debatten und Verhandlungen in den nächsten Wochen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Wie einige von Ihnen wissen, komme ich aus einem kleinen Dorf in Sachsen-Anhalt. Zu Hause und immer, wenn ich im Wahlkreis unterwegs bin, bin ich von Natur umgeben, von Wäldern, Äckern, Wiesen mit Mohn- und Kornblumen, den großen Starenschwärmen, die sich aktuell auf den Äckern sammeln, und vielen anderen Wild- und Nutztieren. In meinem Torweg haben dieses Jahr 62 aktive Schwalbenpaare ihr Nest gebaut. Unsere Umwelt ist für mich also wirklich immer präsent. Genauso präsent ist der Gedanke, dass wir unsere Umwelt schützen müssen.
Fakt ist, dass unser Umwelthaushalt etwas kleiner ist als im letzten Jahr. Gleichzeitig ist er im Vergleich zum Rest des Haushalts noch recht gut weggekommen. Warum bin ich dennoch optimistisch, was den Umweltschutz durch diese Regierung angeht? Was nicht im offiziellen Haushalt des Bundesumweltministeriums zu finden ist, sind die Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds. Aus diesem Fonds hat das BMUV Zugriff auf 4 Milliarden Euro bis 2026. Das haben wir schon zu Beginn der Legislaturperiode beschlossen und die Gelder nun auch über 2026 hinaus verstetigt. 4 Milliarden Euro für das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz sind eine wirkliche Größe, gerade im Vergleich zu dem Haushalt, den wir hier debattieren und der nur halb so groß ist.
Durch das ANK können wir endlich großflächig in Projekte investieren, die die Synergien zwischen Klimaschutz, Naturschutz und Klimaanpassung nutzen, und das, weil wir mit und nicht gegen die Natur denken.
Mein liebstes Beispiel dafür sind unsere Moore, von denen ich fast jedes Mal erzähle, wenn ich hier vorne stehe. Aktuell sind 95 Prozent unserer Moore entwässert, ein großer Teil wird als Acker genutzt. Aber im trockenen Zustand verbindet sich der im Torf gespeicherte Kohlenstoff mit Sauerstoff aus der Luft zu CO2. Ja, 7 Prozent unserer Emissionen sind praktisch auf entwässerte Moorböden zurückzuführen. Das Umweltministerium wird nun im Rahmen des ANK in den nächsten Monaten ein Programm veröffentlichen, mit dem die Wiedervernässung von Mooren endlich gefördert werden soll. Damit stoppen oder vermindern wir zumindest die Emissionen und holen auch einen ganz besonderen Lebensraum, das Moor, nach Deutschland zurück.
Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Hochspezialisierte Tier- und Pflanzenarten wie die Rosmarinheide, das Braune Torfmoos, die Alpen-Smaragdlibelle oder der Seggenrohrsänger haben dadurch eine gute Chance, als Population zu überleben. Aber es muss ja nicht immer gleich ein ganzes Moor sein. Viele dieser Effekte sind auch dadurch möglich, dass man eine versiegelte Fläche entsiegelt und dort einfach eine Wiese wachsen lässt.
Dr. Götz Frömming [AfD]: Oder auf eine Windanlage verzichtet!
Jedes kleine Projekt zählt!
Eines der wichtigsten Förderprogramme des ANK ist deswegen das Förderprogramm für Kommunen, das das BMUV im Juli veröffentlicht hat. Auf meiner Sommertour habe ich vielen Ortsbürgermeistern, Unternehmerinnen und Vereinsvorsitzenden von den Möglichkeiten des ANK erzählt. Es ist ihr lokales Wissen, das wir für eine erfolgreiche Umsetzung des natürlichen Klimaschutzes brauchen.
Ich möchte, dass auch noch meine Enkelkinder aufwachsen können zwischen Wiesen und Wäldern und nassen Mooren, die vielen Tieren und Pflanzen Schutz bieten. Deshalb bin ich sehr froh über diesen Haushaltsentwurf und die Mittel, die unsere Bundesregierung über das ANK zur Verfügung stellt.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Frau Ministerin! Die Vorredner meiner Fraktion haben ja bereits in beeindruckendem Maße das Zahlenmaterial dieses kommenden Haushaltes sehr genau beleuchtet. Mein Kollege Feiler wird das noch ausführen. Wir müssen leider feststellen: Was Sie im Bereich Umwelt kommunizieren, ist unkooperativ und vor allem technologiefeindlich. Was Sie jedoch erreicht haben: die Bevölkerung, die Menschen und die Unternehmen in unserem Land von der Industrie bis zum Mittelstand in unsicheren und wirtschaftlich schwierigen Zeiten noch weiter zu verunsichern. Das lassen wir ihnen nicht weiter durchgehen, verehrte Kollegen der Ampel.
Ja, Umweltpolitik steht nie für sich selbst, und Umweltpolitik kann man nie isoliert betrachten. Umweltpolitik muss immer mit der Wirtschaft, mit der Landwirtschaft, mit Verkehr und vielen weiteren Themenfeldern kooperativ behandelt werden, vor allem wenn bei einem Kernthema der deutschen Umweltpolitik, der Kreislaufwirtschaft, ein klarer Hinweis im Titel selbst zu finden ist, zu wem die politischen Ziele, die hier gesetzt werden, am Ende auch passen müssen. Was unser Land in Fragen von Ressourcenverbrauch jetzt braucht, ist eine gesunde Balance der Umweltpolitik gemeinsam mit der Wirtschaftspolitik. Weniger streiten, liebe Ampel, und vor allem endlich mal was entscheiden!
Sprechen wir beispielsweise über das chemische Recycling: große Ankündigungen im Koalitionsvertrag. Seitdem haben wir aber aus dem Ministerium nicht viel gehört, und es scheint auch keine Einigkeit zu herrschen. Man hat den Eindruck: Die Bundesregierung will diese Technologie nicht in unserem Land halten. Doch damit verbannt man dieses Know-how ins Ausland und schwächt nachhaltig eine Kernindustrie unseres Landes, die chemische Industrie. Das sollte uns eigentlich eine Warnung sein. Wenn wir nicht technologieoffen agieren, sondern unseren Ingenieuren immer wieder planwirtschaftlich die falschen Vorgaben machen, erweisen wir dem Kreislaufwirtschaftsstandort Deutschland einen Bärendienst. Das ist ein Armutszeugnis für diese Bundesregierung.
Zum Schluss möchte ich noch einen persönlichen Appell an die Bundesregierung und an Sie, liebe Koalition, richten. Es war schwer genug – das wissen Sie genauso gut wie ich –, zum Schluss der vergangenen Legislaturperiode im damals SPD-geführten Umweltministerium dafür zu sorgen, dass eine Ökobilanz erstellt wird, anhand derer wir als Parlament faktenbasiert entscheiden können, anstatt auf subjektive Wahrnehmungen zu vertrauen. Mir ist bewusst, dass diese Ökobilanz in einigen Wochen vorgestellt wird. Ich hoffe, dass diese Studie Einweg und Mehrweg objektiv betrachtet,
Dr. Jan-Niclas Gesenhues [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Da geht es um was ganz anderes in der Studie! Es geht um Verbraucherschutz!
damit wir zurückkommen zu einer funktionierenden und wirksamen Umweltpolitik mit gesellschaftlicher Akzeptanz. Schaffen Sie endlich Klarheit, schaffen Sie Planungssicherheit, und schaffen Sie ein Innovationsklima in Deutschland, das eine stetige Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft möglich macht! Auf diesem Weg sind wir auch gerne bereit, Sie konstruktiv weiterhin zu unterstützen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Wir haben gerade in den letzten Redebeiträgen ganz viel über die Industrie und über die Wirtschaft gehört. Das ist ja zugegebenermaßen wichtig; ich habe dazu auch meine Sommertour gemacht. Wir alle sind in unseren Wahlkreisen unterwegs und wissen, dass es da wirklich unter den Nägeln brennt. Allerdings geht es jetzt um einen anderen Haushalt, unter anderem um den Verbraucherschutz, und dazu habe ich bisher, ehrlich gesagt, wenig bis nichts gehört.
Und dass Sie von der Union auf der Seite der Verbraucherinnen und Verbraucher stehen, hätten Sie vor einigen Wochen beweisen können, als es um die nationale Umsetzung der Verbandsklagerichtlinie ging, der Sie nicht zugestimmt haben.
Da ging es um die Stärkung der Rechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Fragen Sie die Verbraucherverbände! Sie werden es Ihnen noch mal erklären. Es ging darum, den einzelnen Menschen zu stärken im Hinblick auf die Rechtsdurchsetzung, auf die Durchsetzung der eigenen Ansprüche gegen große Firmen. Das ist ein echter Gewinn. Es wäre doch wunderbar gewesen, wenn Sie an dieser Stelle bewiesen hätten, dass Sie aufseiten der Verbraucher stehen.
Wir investieren, wir entlasten, und wir stärken den Zusammenhalt. Wir investieren zum Beispiel in nachhaltigen Konsum. Parallel zur laufenden EU-Gesetzgebung im Hinblick auf das Recht auf Reparatur gibt es das Förderprogramm „Reparieren statt Wegwerfen“. Da wird die Infrastruktur gestärkt, zum Beispiel die Reparaturinitiativen und auch die Repair Cafés. Dieses Programm wird im nächsten Jahr noch einmal kräftig aufgestockt. Wir entlasten damit nicht nur den Planeten um jede Menge Müll, sondern auch den Geldbeutel der Verbraucherinnen und Verbraucher. Darum geht es an dieser Stelle nämlich auch. Dass uns das wichtig ist, haben wir in den vergangenen Monaten immer wieder mit diversen Entlastungspaketen unter Beweis gestellt.
Meine Damen und Herren, in Krisenzeiten – das wissen wir – brauchen wir einen ganz besonderen Zusammenhalt. Das kennen wir privat, das wissen wir aus unseren Familien, aus unserem Freundeskreis, und das gilt natürlich auch insgesamt für die Gesellschaft. Deswegen arbeiten wir auch im Hinblick auf den Haushalt des BMUV am sozialen Zusammenhalt in Deutschland. Das ist für mich und meine Fraktion ganz besonders wichtig.
Ich will an dieser Stelle ein vom Ministerium gefördertes Projekt hervorheben. Dabei werden ältere Menschen auf Schuldnerberatungsangebote hingewiesen. Insbesondere diese Personengruppe schämt sich häufig. Dort fehlen oft einfach Informationen, oder es besteht eine eingeschränkte Mobilität, sodass sie eben nicht zur Beratungsstelle gehen können, oder die Betroffenen möchten es nicht. Es ist ganz besonders wichtig, dass die aufsuchende Verbraucherarbeit dort ansetzt und dafür sorgt, dass die Hilfe rechtzeitig bei den Menschen ankommt. Denn wir wissen alle – das wurde auch mehrfach bestätigt –: Je früher angesetzt wird, desto besser.
Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Die Ministerin hat es vorhin angesprochen: Wir stärken weiter die Schuldnerberatung. Und wir müssen an dieser Stelle hervorheben, dass es erst die Ampel war, die dafür gesorgt hat, dass sich der Bund in diesem Bereich auch selbst engagiert. Es gilt, dieses Engagement dauerhaft abzusichern, um diesen erfolgreichen Weg fortzuführen. In diesem Zusammenhang freue ich mich auf die Haushaltsberatungen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich verfolge mit großem Interesse, wie die grüne Umweltministerin Steffi Lemke die Erreichung ihrer Ziele und die Umsetzung der Versprechungen, die im Koalitionsvertrag festgehalten sind, voranbringt, gerade in Anbetracht der derzeitigen politischen Konstellation. Im aktuellen Regierungsentwurf des Bundeshaushalts konnte ich aber nur eines erkennen: Stillstand statt Fortschritt.
Dr. Jan-Niclas Gesenhues [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann haben Sie nicht genau gelesen!
Meine Damen und Herren, in der aktuellen haushaltspolitischen Lage stehen wir vor großen Herausforderungen. Die Ampelregierung scheint den Nachholbedarf in Sachen Sparsamkeit erkannt zu haben. Das ist auch gut so, reicht aber nicht aus.
Noch vor wenigen Jahren konnten wir dank der soliden Finanzpolitik der CDU/CSU über ausgeglichene Haushalte und die schwarze Null diskutieren. Doch innerhalb weniger Jahre haben wir eine Rekordverschuldung erreicht. Die Zinsbelastung des Bundes, die im Jahr 2021 dank der erfolgreichen Politik der CDU/CSU im Vergleich zu 2005 von 37,4 Milliarden Euro
Frank Schäffler [FDP]: Das war die EZB, Herr Kollege! Damit hat die Union nichts zu tun!
auf nur noch 3,9 Milliarden Euro gesunken war, hat die Ampelregierung innerhalb von zwei Jahren um fast das Zehnfache erhöht. Das liegt nicht nur an den steigenden Zinsen, meine Damen und Herren, sondern auch an den zahlreichen Wahlversprechen der Koalitionäre, die in der aktuellen Situation schlichtweg nicht finanzierbar sind. Werfen Sie Ihren Koalitionsvertrag in die Ecke, setzen Sie endlich Prioritäten. Die Kosten Ihrer Politik tragen nämlich unsere Kinder und Kindeskinder.
Dr. Jan-Niclas Gesenhues [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was wollen Sie denn?
Meine Damen und Herren, ein Blick auf den sogenannten Klima- und Transformationsfonds, von dem wir jetzt auch schon gehört haben, zeigt, dass die Transparenz bei der Verwendung der Mittel, die uns Ministerin Lemke im vergangenen Jahr versprochen hat, noch nicht zu erkennen ist. Sie behaupten ständig, alle Projekte des natürlichen Klimaschutzes würden aus diesem Fonds finanziert. Was sind denn das für Projekte? Zwei Programme haben Sie jetzt auf den Weg gebracht, ein drittes soll folgen. Bei diesem Schneckentempo werden Sie das Geld nie ausgeben können, meine Damen und Herren.
Dann gibt es, meine Damen und Herren, einen wichtigen Punkt mit besonderem Augenmerk, das ist der nationale Meeresschutz. Auch davon haben wir schon gehört, insbesondere hinsichtlich der Altlasten an Munition in Nord- und Ostsee. Die Bundesministerin des Auswärtigen, Annalena Baerbock, hat kürzlich betont, dass diese Munition eine tickende Zeitbombe darstellt. Gut erkannt, Frau Ministerin. Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass die erforderlichen Haushaltsmittel für die schnelle Bergung dieser tickenden Zeitbombe erst durch den Änderungsantrag der CDU/CSU im Bundeshaushalt 2023 zur Verfügung standen.
Dr. Sebastian Schäfer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Absoluter Quatsch!
Meine Damen und Herren, wir werden diese Entwicklung weiterhin genau beobachten und gegebenenfalls nachjustieren, weil die veranschlagten Mittel für die kommenden Jahre nicht ausreichen werden. Und was die Länder betrifft, Kollege Schäffler, da bin ich voll und ganz bei Ihnen. Die müssen natürlich beteiligt werden, und da erwarte ich auch ein Handeln der Ministerin.
Frank Schäffler [FDP]: Sagen Sie das mal Herrn Günther!
Die Problematik beschränkt sich aber nicht nur auf die Kampfmittel in unseren Meeren, sondern erstreckt sich auch auf die kampfmittelbelasteten Flächen in Wäldern und Landschaften. Die Gefahr durch Kampfmittel stellt ein Umweltrisiko an sich dar, dem nicht allein die Länder im Rahmen der Gefahrenabwehr begegnen sollten. Die Freisetzung verschiedener Schadstoffe, abhängig von Alter und Zustand dieser Altlasten, kann Boden und Wasser beeinträchtigen. Aus diesem Grund sollte die Bundesregierung ab sofort Mittel bereitstellen, um die Länder bei der Beseitigung von Kampfmitteln an Land und im Meer zu unterstützen. Die Bewältigung dieser technischen und finanziellen Herausforderung, die dem Schutz der Umwelt und der Bürgerinnen und der Bürger dient, erfordert eine enge Kooperation zwischen Bund und Ländern.
Meine Damen und Herren, unsere aktuelle Haushaltssituation ist prekär. Dass die Zeit der vorläufigen Haushaltsführung und die anhaltenden Nachwirkungen der Coronapandemie immer noch als Gründe für hohe Ausgabenreste angeführt werden, ist nicht nachvollziehbar. Die Frage nach der Verwendung der Mittel bleibt bestehen, insbesondere im Hinblick auf die hohen Ausgabenreste im Bundesnaturschutzfonds. Bestehende Programme scheinen eher unattraktiv zu sein und bedürfen einer Überarbeitung bzw. bieten Potenzial für Einsparungen.
Meine Damen und Herren, auch die Nationale Wasserstrategie wurde angesprochen und ist ein guter Ansatz, sollte aber ein Schwerpunkt der kommenden Haushaltsjahre sein und dringend mit den Haushaltsmitteln ausgestattet werden, die sie benötigt. Auch wenn dieser Sommer in Deutschland teilweise nass und regnerisch war, ist es entscheidend, rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um Wasserknappheit in zukünftigen Trockenperioden zu verhindern, beispielsweise durch den Ausbau von Verbundnetzen und Fernleitungen zur Verteilung von Wasser aus feuchten Regionen Deutschlands in trockene Regionen.
Haushaltspolitisch befinden wir uns weiterhin in schwierigen Zeiten. Noch größer sind die finanziellen Sorgen bei den Bürgerinnen und Bürgern, Frau Ministerin. Die Kosten für Strom, Gas und Automobilkraftstoffe sind unverändert hoch. Sie sollten Ihre Rolle als Verbraucherschutzministerin endlich wahrnehmen. Ein großer Fehler war die Abschaltung der drei noch am Netz befindlichen AKWs im Frühjahr. Der befristete Weiterbetrieb hätte zu einer deutlichen Entspannung der Energiepreise am Markt geführt. Daher sollten Sie, Frau Ministerin, Ihre Äußerung zum Rückbau der Atomkraftwerke schleunigst überdenken.
Als Fazit und als letzter Satz: Die Kreativlosigkeit der Bundesumweltministerin Lemke zeigt sich deutlich, da keine signifikanten Neuerungen zu verzeichnen sind, obwohl sich die umweltpolitischen Herausforderungen erhöht haben. Wir werden in den Beratungen selbstverständlich unseren Anteil dazu beitragen, dass dieser Haushalt noch besser wird.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Frau Ministerin! Wenn man Ihnen so zuhört, dann drängt sich der Eindruck auf, in der aktuellen Bundesregierung läuft alles wie geschmiert,
Andreas Bleck [AfD]: „Geschmiert“ ist nicht ganz falsch! Da wird tatsächlich viel geschmiert!
und man könnte meinen, dass das Bundesministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz am laufenden Band Gesetze produziert, die unser Land und den Umweltschutz im Einklang mit der Wirtschaft und den Menschen wirklich voranbringen. Die Wahrheit ist aber: Im Getriebe der Ampelkoalition knirscht es gewaltig. Kaum ein Gesetz erblickt das Licht der Welt, ohne dass es nicht zuvor bereits zwischen den Fronten in der Koalition zerrieben wurde. Viele Ihrer Gesetze sind rundweg abzulehnen, und die Verfahren dazu sind absolut unterirdisch, Stichwort „Heizungsgesetz“.
Die Zeitenwende ist abgesagt. Wir haben es nicht mit einer Fortschrittskoalition zu tun, sondern mit einer Abstiegskoalition, meine Damen und Herren. Und wenn Sie jetzt wieder fragen: „Wo sind denn Ihre Vorschläge?“, dann muss ich Ihnen einfach sagen –
Dr. Johannes Fechner [SPD]: Das wäre mal interessant zu hören!
ich habe es mir heute noch einmal angeschaut und habe es gezählt –: Über 480 Anträge und Entschließungsanträge hat unsere Fraktion in dieser Legislaturperiode bei allen Themen eingebracht, und die zig Änderungsanträge, die unzähligen, sind da noch gar nicht dabei. Bei wenigen Themen konnten wir Sie zum Handeln bewegen, und manche Dinge haben Sie dann vielleicht nicht gemacht, wie die unsägliche Gasumlage. Aber meistens ging es im Schneckentempo. Die Anträge haben Sie natürlich alle abgelehnt und Ihre Politik weiter durchgezogen.
Ihr Ministerium, Frau Lemke, legt vor allen Dingen Strategien und Aktionsprogramme vor und wenig Konkretes.
Dr. Jan-Niclas Gesenhues [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt doch überhaupt nicht!
Bis Sie in die Umsetzungsphase kommen, geht viel zu viel Zeit ins Land; ich werde es nachher an den Themen auch erläutern. Das haben Sie in Ihrer früheren Oppositionszeit immer kritisiert. Jetzt sind Sie in der Verantwortung und scheitern an Ihren eigenen Ansprüchen.
Beispiel: Der Gesetzentwurf zur Klimaanpassung – Sie haben es gerade erwähnt – wurde jetzt von der Bundesregierung verabschiedet. Er ist aber nur eine leere Hülle, vor allen Dingen mit Zielvorgaben und Geboten. Diese Hülle muss schnellstmöglich mit Leben gefüllt werden, mit der von Ihnen angekündigten Klimaanpassungsstrategie, die dann eben auch konkrete Maßnahmen enthält. Die gibt es aber noch nicht.
Dr. Jan-Niclas Gesenhues [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wo ist Ihr Klimaanpassungsgesetz? Da habe ich keines gesehen!
Wir haben zu dem Thema einen sehr fundierten Antrag eingebracht, mit konkreten und umfassenden Vorschlägen. Was haben Sie gemacht? Den Antrag haben Sie natürlich abgelehnt. Die Klimaanpassungsstrategie, mit der wir Schäden wirklich vermeiden und Menschenleben wirklich retten können, die lässt schon seit zwei Jahren auf sich warten. Und was machen Sie stattdessen? Sie weichen das Klimaschutzgesetz, wo es um die Reduzierung von CO2 geht, das wir auf den Weg gebracht haben, auf. Das macht wirklich keinen Sinn. Das, was die Menschen in unserem Land jetzt brauchen, ist ein klarer Kompass, und den lassen Sie vermissen.
Der klare Kompass, der fehlt auch beim Umgang mit dem Wolf. Es muss endlich Schluss sein mit der Romantisierung des Wolfes. Neben der Bejagung von Problemwölfen, die Sie jetzt schneller angehen wollen, müssen die Wolfsbestände, die kontinuierlich und exponentiell wachsen, kontrolliert kleingehalten werden. Der günstige Erhaltungszustand ist erreicht; das haben uns die Experten in der Anhörung mehrfach gesagt. Der „Praxisleitfaden Wolf“, den Umweltminister aus Bund und Ländern erarbeitet haben, der reicht nicht; denn da geht es wieder nur um die Bejagung von Problemwölfen. Sie müssen endlich handeln und den Weg freimachen für ein effektives Bestandsmanagement und eine unbürokratische und schadensunabhängige Möglichkeit der Bejagung. Auch hierzu haben wir einen ganz konkreten Antrag in den Bundestag eingebracht, den Sie einfach abgelehnt haben. Auch die FDP hat inzwischen begriffen, dass wir jetzt endlich handeln müssen und dieses Bestandsmanagement brauchen. Kündigen Sie nicht nur an, sondern handeln Sie endlich, sehr geehrte Frau Ministerin!
Wo man hinhört, ächzen die Menschen in unserem Land unter den gestiegenen Preisen, vor allem bei Energie und Lebensmitteln. Aber ich frage mich: Wo ist denn hier die Verbraucherschutzministerin? Was ist Ihre Antwort auf die Inflation und die damit einhergehenden Belastungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher, liebe Frau Lemke?
Wir befinden uns in der schlimmsten Rezession seit Jahren, seit Jahrzehnten. Unsere Unternehmen brauchen Planungssicherheit. Die Menschen müssen mitgenommen werden und dürfen nicht durch zu viel Regulierung, wie zum Beispiel das unsägliche Heizungsgesetz, vor den Kopf gestoßen werden. Und was machen Sie? Sie peitschen dieses Gesetz noch diese Woche ohne erneute Beratung abschließend durch den Bundestag. Das ist eine Missachtung des Deutschen Bundestages und inhaltlich einfach nur Murks, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist doch absurd! Haben Sie nicht zugehört, was Ihr eigener PGF gesagt hat?
Und wenn wir schon beim Thema „Energie und Fehlentscheidungen“ sind: Für mich als Klimapolitikerin ist es absolut unverständlich, dass wir die letzten drei Kernkraftwerke abgeschaltet haben und deshalb auf schwimmende Ölkraftwerke und Kohlekraftwerke setzen müssen.
Dr. Rainer Kraft [AfD]: Das macht auch sonst keinen Sinn!
Was wir jetzt brauchen, ist ein Rückbaustopp bei den kürzlich vom Netz gegangenen Anlagen. Nachdem wir das schon in mehreren Anträgen hier im Hohen Haus gefordert haben, ist jetzt wohl die FDP auch an dieser Stelle aufgewacht. Sie müssen sich auch in diesem Punkt in Ihrer Ampelkoalition durchsetzen.
Ich kann uns allen nur wünschen, dass uns weitere Fehlentscheidungen der Abstiegskoalition erspart bleiben.
PVizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: Frau Kollegin.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Haushalt 2024 stellt die Rückkehr zur neuen Normalität dar. Die Bundesregierung und die Ampel wollen auf der einen Seite die Schuldenbremse einhalten,
Dr. Rainer Kraft [AfD]: Das sieht der Bundesrechnungshof ganz anders!
und auf der anderen Seite wollen wir in Zeiten von Wirtschaftsschwäche und Inflation die Menschen und Unternehmen in Deutschland nicht zusätzlich belasten.
Damit erfüllt die FDP zwei ihrer Kernaussagen aus dem Wahlkampf: Das Einhalten der Schuldenbremse und die Menschen in Deutschland nicht zusätzlich zu belasten, ist ein Versprechen, das wir gegeben haben und das wir mit dem Haushalt 2024 einhalten.
Für den Haushalt Umwelt- und Verbraucherschutz heißt das aber konkret, dass wir im Kernhaushalt weniger als vorher zur Verfügung haben – 50 Millionen Euro weniger; das ist ein Rückgang von rund 2 Prozent. Dieser Rückgang gilt aber nur für den Kernhaushalt. Durch die Bewirtschaftung eines Teils des Klima- und Transformationsfonds stehen dem Umweltschutz tatsächlich mehr Gelder zur Verfügung als vorher.
Jetzt zahlt es sich aus, dass sich Steffi Lemke in der Vergangenheit bei der Verteilung durch geschicktes und beharrliches Verhandeln durchsetzen konnte. So hat sie dem Umweltschutz seinen Anteil am großen Transformationstopf des Emissionshandels gesichert, und die ersten zwei Auszahlungsregularien liegen auch schon vor. Für Kommunen und für Unternehmen stehen Mittel bereit und werden bald zur Auszahlung kommen. Steffi Lemke, vielen Dank dafür!
Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Im Kernhaushalt müssen wir aber im Umweltbereich sparen, und das finde ich, ehrlich gesagt, richtig. Auch wir würden und auch ich würde gerne mehr Geld ausgeben, und ich habe total viele Ideen, was wir im Umwelt- und Verbraucherschutz noch besser finanzieren können als heute. Aber wenn die Menschen und die Unternehmen da draußen ihre Gürtel etwas enger schnallen müssen, dann müssen auch wir uns überlegen, wie wir mit den uns vom Steuerzahler zur Verfügung gestellten Geldern effizienter und besser umgehen können. Da haben wir eine Vorbildfunktion, und die werden wir auch wahrnehmen.
Deswegen müssen wir gucken: Was geht effizienter, und wo müssen wir Schwerpunkte setzen? Für die FDP-Bundestagsfraktion kann ich Ihnen an dieser Stelle schon mal drei Punkte nennen, auf die wir in den Haushaltsberatungen ein besonderes Augenmerk legen werden: Das ist auf der einen Seite der Meeresschutz, auf der anderen Seite – ganz wichtig! – das Thema Klimaanpassung. Starkregenereignisse und Überschwemmungen haben gezeigt, dass wir hier deutlich besser werden müssen. Aber auch auf das Thema Wolfsmanagement – wen wundert’s? – werden wir ein besonderes Augenmerk legen, weil wir auch da vorankommen wollen.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Etwa die Hälfte des Umweltetats geht für die Suche nach einem Endlager und für die Finanzierung der Zwischenlager, bis wir ein Endlager haben, drauf. Das Ganze wird länger dauern, als wir gedacht haben. Die letzten zwölf Monate haben gezeigt, dass wir den bisher angedachten Zeitplan nicht einhalten können. Die Diskussionen darüber waren nicht wirklich erfreulich. Die demokratischen Parteien in diesem Haus sind sich aber einig, dass Sicherheit, Verlässlichkeit und Transparenz vor Schnelligkeit gehen. Aber auch wir werden darauf drängen, dass unter den Rahmenbedingungen trotzdem so schnell als möglich ein Endlager gefunden wird.
Aber auch im Zusammenhang mit der Endlagersuche gibt es ab und an mal etwas Positives, das man sagen kann. Die Gelder, welche von den Anlagenbetreibern für die Endlagersuche zur Verfügung gestellt worden sind, sind im sogenannten KENFO, in einer Stiftung, in Aktien angelegt. Diese privatwirtschaftliche Anlage hat sich trotz der schwierigen Situation, die wir im Moment am Markt haben, bislang ausgezahlt. Wir haben 1,8 Milliarden Euro Stiftungsvermögen gewonnen. Das ist eine Leistung, die man im Rahmen der Haushaltsvermögen aus Aktienanlagen auch mal positiv bewerten kann.
Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Das schärfste Schwert der Umweltpolitik ist aber nicht das Geld. Das schärfste Schwert – es wurde schon gesagt – ist das Ordnungsrecht. Und obwohl der Umwelthaushalt gerade mal 0,5 Prozent des Gesamtetats ausmacht, spürt man die Auswirkungen der Umwelt- und Verbraucherschutzpolitik in allen Bereichen der Unternehmen und der Gesellschaft. Auch hier werden wir im kommenden Jahr national vorankommen, beispielsweise bei der Kreislaufwirtschaft, der Nationalen Wasserstrategie oder dem Recht auf Reparatur.
Auch die europäische Ebene ist nicht untätig: Industrieemissionsrichtlinie, Verpackungsverordnung, Abfallrahmenrichtlinie, Right to Repair, Soil Health Law, Euro 7, F-Gas-Verordnung, PFAS-Verbot, Ökodesign-Verordnung und mehrere H2O-Files – all das ist im Moment in der Bearbeitung. Auch hier muss Deutschland darauf achten, dass weder die Menschen noch die Wirtschaft noch die Mitgliedstaaten überfordert werden. Gerade darauf wird die FDP-Bundestagsfraktion ein besonderes Augenmerk legen.
Anja Karliczek [CDU/CSU]: Da haben wir noch viel zu tun, würde ich sagen!
Wie eine gute Umweltpolitik in diesen Zeiten gehen kann, zeigt das Thema Planungsbeschleunigung. Durch den Abbau von Bürokratie und Vereinfachung von Verfahren kann man nicht nur Zeit und Geld sparen, gleichzeitig ermöglichen wir damit auch eine schnellere Umstellung der Gesellschaft und der Wirtschaft auf die neuen Anforderungen des Klimaschutzes.
Ganz aktuell bearbeiten wir in diesem Sinne ein neues Bundes-Immissionsschutzgesetz. Dieses zeigt, dass man mit guter Umweltpolitik es allen leichter machen kann und trotzdem nicht mehr Geld ausgeben muss.
Sehr geehrte Präsidentin! Werte Kollegen! Frau Ministerin! Es ist darüber geredet worden: Also sprechen wir über die Kosten der Zwischen- und Endlagerung. Zum einen stelle ich fest, dass ein Gutteil der Kosten aus dem Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, kurz: KENFO, entnommen wird. Das heißt: Die Stromproduzenten haben das marktwirtschaftlich vorfinanziert.
Und ich stelle fest: Sie haben das bei Strompreisen getan, die um ein deutlich Vielfaches niedriger waren, als die Strompreise es heute sind. Das ist der Beweis, dass man große Mengen an Strom sehr preiswert aus Kernenergie erzeugen kann.
Zum anderen wird es Zeit, dass wir uns dem Standortauswahlverfahren einmal widmen und es hinterfragen. Wollen wir wirklich an einem Verfahren festhalten, das nach jetzigem Fahrplan eine Lösung erst zu Beginn des kommenden Jahrhunderts verspricht? Ich weiß, Sie wollen das. Sie wollen das, um die Angst der Menschen in diesem Land vor einem Endlager zu schüren. Und dazu verschwenden Sie Abermillionen – es ist angesprochen worden –, um ein Gremium am Leben zu erhalten, das gar keine Lösung für dieses Problem finden soll. Sie machen eine geologische Entscheidung auf Kosten der Steuerzahler zu einer rein ideologischen Entscheidung.
Alldieweil entdecken viele Kollegen hier ihre Liebe zur Kernenergie – wie immer kurz vor Wahlen. Die Kollegen der FDP fordern jetzt einen Stopp des Rückbaus.
Da habe ich eine hervorragende Nachricht für Sie: Ihre Forderung nach einem Rückbaustopp kann Realität werden; denn der AfD-Antrag liegt bereits vor, Drucksache 20/6537.
Aber, liebe FDP, was haben Sie in der ersten Lesung dazu gesagt? Ich zitiere mal die Kollegin Skudelny: „Ein Kernkraftwerk ist keine Kaffeemaschine, die man einfach mal anwirft.“ Zitat Ende.
Dr. Jan-Niclas Gesenhues [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber das stimmt so! Ein Kernkraftwerk ist keine Kaffeemaschine! Aus der Kaffeemaschine kommt nämlich Kaffee raus!
Ja, was denn nun, liebe FDP? Wollt ihr die Kernenergie, oder wollt ihr sie nicht? Oder hängt das Wollen bei euch davon ab, wie oft ihr in Zukunft noch die 5-Prozent-Hürde reißt?
Judith Skudelny [FDP]: Ich habe Sie nicht beleidigt! Ich habe festgestellt, dass der Antrag minderintellektuell ist! Eine Beleidigung wäre es gewesen, wenn das nicht zugetroffen hätte!
Und auch der Herr Merz hat pünktlich zu den anstehenden Wahlen in Bayern und Hessen seine Liebe zur preiswerten und unbegrenzt verfügbaren Kernenergie entdeckt. Aber dieses wahltaktische Rein-Raus ist genauso durchschaubar, wie es leider auch unwürdig ist; denn das glaubt der Herr Merz doch selber nicht. Glaubhaft würde es erst dann, wenn Herr Merz sich mal gerade macht und Klartext redet, nämlich – erstens –: Die 16 Jahre der Merkel-Regierung waren ein energiepolitisches Fiasko, eben die dümmste Energiepolitik der Welt.
Energiepolitik eignet sich eben nicht für zaudernde, wankelmütige parteipolitische Aussagen. Sie muss für eine Nation auf Jahrzehnte hinaus festgelegt werden, damit die Menschen nicht Not leiden und die Wirtschaft ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland treffen kann – eine Aufgabe, bei der wir der Ampel gerade komplett beim Versagen zuschauen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Über Geld ist an dieser Stelle schon viel gesprochen worden. Ich möchte einen anderen Aspekt beleuchten. Aktuell erleben wir vonseiten der Bundesregierung eine Politik, die unsere Wirtschaft zunehmend in Schieflage bringt und die das Gegenteil von dem tut, was sie propagiert.
Dr. Sebastian Schäfer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nein! Das war eure Politik! Ihr habt die Grundlage gelegt!
Der Kanzler redet dauernd von neuer Deutschlandgeschwindigkeit; in Wirklichkeit kommen aber gerade immer mehr neue Richtlinien, neue Vorschriften, neue Verbote auf unsere Unternehmen zu.
All das liegt gerade auf meinem Schreibtisch: Industrieemissionsrichtlinie, Luftqualitätsrichtlinie, Immissionsschutzverordnung, Lösemittelverordnung, Verordnungen zur Regelung der Müllverbrennung. Es ist Wahnsinn! Viele dieser Bestimmungen stellen unsere Wirtschaft vor unverhältnismäßige und zum Teil sogar unlösbare Anforderungen, und sie schaffen mehr Bürokratie.
Zuruf von der SPD: Gibt es auch mal eine neue Rede?
Von Ihrer ausgerufenen Deutschlandgeschwindigkeit ist bereits jetzt nichts mehr übrig, im Gegenteil: Diese Auflagen führen zu einer Schwächung des Standortes Deutschland, bis hin zur Deindustrialisierung.
Frank Schäffler [FDP]: Ich sage nur „Lieferkettengesetz“!
Die Haushaltsposition „Exportinitiative Umwelttechnologie“ gehört genau in diese Kategorie. Wir sind uns, denke ich jedenfalls, darüber einig, dass Umwelttechnologien die neuen Exportschlager werden können.
Dr. Jan-Niclas Gesenhues [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ihre Regierung hat die Solarindustrie in Deutschland doch kaputtgemacht!
Umweltschutz „made in Germany“ ist ein Ziel, hinter dem wir auch die Gesellschaft wieder einen können: Mit deutscher Technik und deutschem Know-how gegen die Vermüllung unserer Meere. Aber es hakt an allen Stellen: Verfahren laufen träge, Koordinierung und Zusammenarbeit zwischen den Ministerien, zwischen Beteiligten hier vor Ort in Deutschland und dort, wo die Projekte umgesetzt werden sollen, sind wenig effizient. Warum funktioniert das nicht? Was brauchen wir? Wir brauchen weniger kleinteilige Regelungswut und mehr operative Unterstützung für die Umsetzungspartner.
Ich habe noch ein Beispiel für Sie: Die von der EU geplante Luftqualitätsrichtlinie. Hier wird von der EU eine massive Verschärfung der Grenzwerte angestrebt. Wenn das im geplanten Maßstab umgesetzt wird, dann bedeutet das nicht nur erhebliche Einschränkungen für unsere Industrie, sondern auch für die individuelle Mobilität.
Frank Schäffler [FDP]: Wer ist denn eigentlich Kommissionspräsidentin?
Und was macht die zuständige Bundesumweltministerin? In den Beratungen des EU-Umweltrates unterstützt sie die Annäherung der Grenzwerte an die WHO-Vorschläge, ohne Fingerzeig darauf, dass es für die Akzeptanz dieser Entscheidung einen guten Kompromiss braucht, ohne den Hinweis, dass die individuelle Mobilität und unsere Industrie auf dem Spiel stehen. Wir wollen ein klimaneutrales Industrieland werden, kein Museum.
Judith Skudelny [FDP]: Wer ist noch mal Kommissionspräsidentin?
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Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Wer ist Gesetzgeber?
Wir unterstützen Anhebungen bei Grenzwerten zur Luftreinhaltung mit Augenmaß, Schritt für Schritt im Einklang mit technologischen Möglichkeiten.
Liebe Fraktionen, ich kann Sie nur bitten: Bremsen Sie Ihre Ministerin. In einem Museum wird gar kein Klimaschutz mehr betrieben. Unsere Wirtschaft muss wettbewerbsfähig bleiben. Nur dann kann sie für echten Umweltschutz notwendige Technologien fördern und international vermarkten.
PVizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: Frau Kollegin.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Das Prinzip aller Dinge ist Wasser, denn Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück.“ Die Bundesregierung hat im März dieses Jahres die Nationale Wasserstrategie verabschiedet, ein enorm wichtiger Schritt. Unsere Wasserversorgung und unsere Wasserentsorgung, die Wasserleitungen, die Kanalisation, der Zugang zu Trinkwasser und auch unsere Stauseen – ich habe kürzlich die Innerstetalsperre besucht –, unsere Abwasseraufbereitung, all das ist gut ausgebaut. Doch der Klimawandel mit seinen Folgen stellt uns vor neue Herausforderungen, und diese werden sich – leider – verschärfen. Deshalb findet sich im Haushalt – das ist ganz klar – das Thema Anpassungsmaßnahmen.
Schauen wir uns unsere Umwelt genauer an. Ich zum Beispiel schaue von meinem Wohnzimmerfenster in den Harz hinein, auf den Brocken. Wir sehen die Trockenheit. Wir sehen leider vermehrt auch Waldbrände. Wir haben in Braunschweig seit Neuestem Löschflugzeuge stationiert. Wir sehen durch Starkregen überflutete Flächen; denken wir an die Katastrophe im Ahrtal, denken wir an die Überschwemmungen in Süddeutschland und vor allen Dingen auch aktuell in der EU. Die Niederschläge verändern sich, und es kommt immer häufiger zu extremen Wetterverhältnissen. Dafür brauchen wir neue Konzepte. Wasser ist auch gefährlich.
Wir berücksichtigen dies im Haushalt mit Forschung und mit Klimaanpassungsmaßnahmen.
Wir müssen sorgsam mit Wasser sein. Wir müssen unsere Umwelt auf die Veränderungen ausrichten. Uns muss klar sein: Wasser ist unglaublich wertvoll. Unser Ziel ist es deshalb, viel mehr in biologische Vielfalt zu investieren, zum Beispiel in die Auenwälder und die Wiedervernässung von Böden, um den Grundwasserspeicher wieder zu füllen.
Schauen wir noch ein bisschen tiefer, in die Abwasserreinigung, darauf, was unser Wasser belastet, wie es gereinigt wird. Auch dort nehmen wir die in die Pflicht, die für Schadstoffbelastungen verantwortlich sind. Das sind alles Sachen, die schon auf den Weg gebracht sind; denn die Umweltschutzmaßnahmen, verehrte Damen und Herren, werden bei uns nach dem Verursacherprinzip ausgerichtet.
Die Nationale Wasserstrategie ist in dem Haushalt erst mal darauf eingestellt, zu sensibilisieren und aufzuklären. Ich begrüße, dass in dem Einzelplan 16 des Haushalts genau dafür ausreichend Mittel bereitgestellt sind, so viele Menschen wie möglich in unser Boot zu holen. Ich denke, für gutes Trinkwasser, für saubere Flüsse, Seen und Meere werden wir sehr viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter gewinnen, um dann die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur zu tätigen. Das ist fraglos sehr nötig.
Wir brauchen Daten und Transparenz bei Wasserständen, Wasserverbräuchen und Wasserverunreinigungen, und zwar deutschlandweit. Das bedeutet Austausch, Digitalisierung, Governance und ein gewisses Netzwerk. Wir werden zukünftig die Vermeidung und Rückhaltung von anthropogenen Stoffen, –
PVizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: Frau Kollegin.
Ich bin bei meinem letzten Satz. – Zurückblickend auf das Fischsterben in der Oder und aktuell in der Ostsee denke ich, das ist unsere nationale Verantwortung.
PVizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: Frau Kollegin, Sie sind jetzt weit über die Zeit.