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188. Sitzung der 20. Wahlperiode

Donnerstag, 26. September 2024 · Berlin

243 Reden in dieser Sitzung

243Reden103.175Wörter
1.747Vermerke
Verlauf der SitzungBreite = Reden · Farbton = Reaktionswert
18 Vermerkeca. 850 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! VW, Bosch, ZF, aber auch Bayer, Henkel oder Miele – die Liste der Unternehmen, die einen Stellenabbau in diesem Land oder Produktionsverlagerungen ankündigen oder darüber nachdenken, wird immer länger.

Zurufdes Abg. Dr. Volker Ullrich [CDU/CSU]

Das macht deutlich: Wir brauchen in diesem Land eine Wirtschaftswende.

Wenn die FDP nur regieren würde!

Denn die Familien müssen sich und ihren Lieben durch sichere Arbeitsplätze etwas aufbauen können, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die heutige Krise, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union, ist nicht über Nacht gekommen; die Versäumnisse der 2010er-Jahre holen uns ein.

Zurufdes Abg. Dr. Günter Krings [CDU/CSU]

Seit 2014 sind wir Stufe um Stufe, Rang um Rang als Volkswirtschaft und als Nation immer weiter abgestiegen – bei den Gründungen, bei den Patentanmeldungen, bei der Wettbewerbsfähigkeit. Das heißt, dass wir jetzt handeln müssen, weil es so nicht weitergehen kann.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Eine starke Wirtschaft ist die Grundlage von allem. Wir brauchen Wirtschaftswachstum, damit die Menschen sich etwas aufbauen können, damit wir uns als Nation etwas leisten können, damit wir zum Beispiel den Sozialstaat sichern können. Deshalb müssen wir jetzt das Ruder rumreißen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Unsere Aufgabe als Politiker ist es dabei, beste Rahmenbedingungen zu schaffen: Rahmenbedingungen für Fleiß, Rahmenbedingungen, in denen Tempo möglich ist, Rahmenbedingungen für Unternehmertum. Deshalb ist es richtig, dass die Bundesregierung sich im Sommer auf ein Dynamisierungspaket von 49 Maßnahmen geeinigt hat.

Es ist aber auch klar, dass diese Maßnahmen uns bald hier gesetzgeberisch vorliegen müssen, damit wir sie noch diesen Herbst im Deutschen Bundestag beschließen können. Das ist zwingend, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das stimmt für das eine oder andere Gesetz heute!

Dabei – davon bin ich überzeugt – kann es nur einen einzigen Maßstab geben, nämlich: Wird das, was wir tun, der Größe der Aufgabe gerecht?

Reicht das, um das Ruder rumzureißen? Ich bin fest überzeugt: In diesem Land steckt das Potenzial, wieder ein Wirtschaftswachstum zu kreieren, auf das wir stolz sein können. Dieses Land kann wirtschaftliche Turnarounds. Das Wirtschaftswunder nach den Ruinen des Zweiten Weltkrieges, die 80er-Jahre, die Agenda 2010: So oft ist in der Geschichte unseres Landes schon bewiesen worden, dass wir aus wirtschaftlicher Schwäche wieder wirtschaftliche Stärke machen können, und genau das brauchen wir jetzt, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Klar ist aber auch: Jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Einen solchen ersten Schritt gehen wir hier heute. Ich bin der Bundesregierung – insbesondere dem Justizministerium und auch dem Finanzministerium, die 90 Prozent der Einsparungen bei den Bürokratiekosten beigetragen haben – sehr dankbar, dass uns dieses Paket vorgelegt wurde. Ich bin den Koalitionsfraktionen dankbar, dass es in so guten, konstruktiven Beratungen abschlussreif gemacht wurde.

Das Bürokratieentlastungsgesetz, das wir hier heute beschließen wollen, wird mit über 60 Einzelmaßnahmen dazu führen, dass 1 Milliarde Euro an Bürokratiekosten für die Unternehmen und für die Menschen in diesem Land eingespart werden, und das ist richtig so, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Bürokratieabbau, das ist Wirtschaftspolitik, die kein Geld kostet; das ist ein Konjunkturprogramm zum Nulltarif, weil wir einfach etwas lassen und die Menschen dadurch mehr Freiräume haben. „Bürokratie“ ist ein abstraktes Wort; aber ihre Auswirkungen sind ganz konkret. Innovation entsteht in Unternehmen, wenn die Mitarbeiter sich nicht um die Abheftung von Belegen kümmern müssen, sondern sich darum kümmern können, sich ihren Kunden zuzuwenden und neue Produkte zu entwickeln, und das müssen wir ihnen einfach machen.

Wer wie ich in den letzten Jahren immer wieder mit Unternehmen darüber gesprochen hat, wo der Schuh drückt, der hat gemerkt, dass Bürokratie von einem Top-ten-Thema mittlerweile zu einem Top-eins/zwei/drei-Thema geworden ist. Die Last ist zu groß geworden; sie muss runter, und auf diesen Weg machen wir uns hier heute, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Einen Arbeitsvertrag schließen, mit seinem Unternehmen umziehen, eine Hotelübernachtung: All das machen wir heute einfacher. Man muss zum Beispiel nicht erst eine Druckerpatrone anschaffen, bevor man einen Job antritt. Alleine dadurch sparen wir 50 Millionen Blatt Papier pro Jahr; das sind acht Bäume pro Tag.

Das ist lächerlich!

Vor allem machen wir es den Menschen leichter, das zu tun, wovon wir jetzt mehr brauchen: neue Jobs, die geschaffen werden. Menschen, die sich verändern, die etwas wagen wollen. Der Normenkontrollrat hat ermittelt, dass der Bürokratiekostenindex, bezogen auf die nationale Bürokratie, damit auf ein Allzeittief gebracht wird, und das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung, liebe Kolleginnen und Kollegen, den wir da heute gehen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir fahren damit in Deutschland jetzt von der Bürokratieaufbauautobahn ab und in der Gegenrichtung auf die Bürokratieabbauautobahn auf.

Können Sie nicht einen Schnellzug nehmen?

Auf diesem Weg – das sage ich ganz klar – müssen wir aber noch deutlich mehr Gas geben, und zur Wahrheit gehört leider: Man kann nationale Bürokratie gar nicht so schnell abbauen, wie sie in den letzten Jahren von der Europäischen Kommission aufgebaut wurde. Fast 60 Prozent des Bürokratieaufwands für Unternehmen kommen von der Europäischen Union durch die letzte EU-Kommission.

So ist es!

Deshalb will ich klar sagen: Als nationaler Gesetzgeber gehen wir hier heute einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Die Spitzenkandidatin von CDU und CSU zur Europawahl, Dr. Ursula Gertrud von der Leyen,

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

muss jetzt aber ihren Kompass justieren und sich auf denselben Weg machen, damit wir uns in diesem Land wieder auf den Weg machen können. Daran arbeiten wir gerne gemeinsam für dieses Land weiter. Das ist ein gutes Gesetz, das wir heute beschließen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Günter Krings
Foto: Dr. Günter Krings/ Tobias Koch
17 Vermerkeca. 862 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Es ist ja schön, Herr Kollege Vogel, dass Sie über Wirtschaftswachstum gesprochen haben; bisher ist diese Ampelregierung eigentlich nur durch Bürokratiewachstum in diesem Land aufgefallen.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: So ein Quatsch!

Die Ampelkoalition widerlegt auch beim Bürokratieentlastungsgesetz ein uraltes Sprichwort: Was lange währt, wird bei Ihnen leider nicht gut. Lange haben Sie sich Zeit gelassen zwischen den Meseberger Ankündigungen und dem heutigen Gesetzesbeschluss. Und wer noch gehofft hat: „Die nutzen die Zeit jetzt wirklich, um mal einen großen Wurf zu wagen“, der sieht sich bitter enttäuscht. Was als Entlastungspaket angekündigt wurde, ist eigentlich nicht mal mehr ein Päckchen; das ist vielleicht noch ein dünner Luftpostbrief.

Beifallbei der CDU/CSU

Schon die Bezeichnung Ihres mageren Entlastungsgesetzes ist irreführend. Sie sprechen hier vom „BEG IV“ und wollen damit wohl suggerieren, Sie hätten vorher schon was gemacht – na ja! Die Wahrheit ist: Alle erfolgreichen bisherigen Bürokratieentlastungsgesetze und -programme in diesem Jahrhundert kamen auf Initiative von CDU und CSU zustande.

Schon unser erstes Programm hatte ein zwölfmal höheres Volumen, also über 12 Milliarden Euro, als Ihr Bürokratieentlastungsgesetz, das das erste und einzige der Ampel sein wird.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Das hat auch einen Grund: Wir sind damals das Problem mit ganz neuer Methodik, ganz grundsätzlich und strukturell angegangen. Und was haben Sie gemacht? Sie verlieren sich bei diesem Gesetz im Klein-Klein, und Sie haben letztlich kapituliert vor den Egoismen der Fachressorts.

Unter Ihrer Regierung ist der Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft auf einem historischen Höchststand angelangt. Das sage nicht ich; das sagt Ihnen Ihr eigener Normenkontrollrat, also der der Bundesregierung. Statt der versprochenen Entlastung erleben wir Sitzungswoche für Sitzungswoche eine Zunahme an Vorschriften, an Dokumentationspflichten, die unsere Unternehmen lähmen und Innovationen bremsen.

Meine Damen und Herren, die Ampelparteien übertreffen sich gegenseitig im Erfinden neuer Regeln, die dann natürlich voller Misstrauen auch minutiös überwacht werden müssen. Und wenn der eine das Heizungsgesetz bekommt, dann will der andere sein Tariftreuegesetz. Bei Ihnen heißt es nicht: „One in, one out“, sondern: „One for you, one for me“.

Heiterkeitund Beifall bei der CDU/CSU

Ihr Gesetz soll laut Regierungsangaben eine Entlastung von unter 1 Milliarde Euro pro Jahr bringen. Darauf sind Sie so stolz, dass Sie es hier in der Primetime der Sitzungswoche debattieren lassen. Ein anderes Gesetz haben Sie heute hingegen schamhaft auf einen Tagesordnungspunkt weit nach Mitternacht geschoben.

Ich spreche von der Beratung zur Umsetzung der CSRD-Richtlinie, also der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Allein dieses eine Gesetz bringt der Wirtschaft Mehrbelastungen von einmalig 850 Millionen Euro und Jahr für Jahr von 1,6 Milliarden Euro,

Zurufevon der FDP

also im ersten Jahr seiner Geltung schon mal locker das Doppelte der gesamten BEG-Entlastung.

Und jetzt kommen Sie mir bitte nicht mit dem Hinweis, das sei alles Europas Schuld!

Lachenbei Abgeordneten der FDP

Ich weiß nicht, ob Sie das wissen: In den europäischen Räten ist nicht die deutsche Opposition vertreten. Da sitzen Vertreter dieser Ampelregierung, und die haben dem Ganzen zugestimmt, meine Damen und Herren.

Seit drei Jahren schüttet diese Ampel einen Eimer nach dem anderen ins Bürokratiefass, und jetzt wollen Sie auch noch von uns Lob dafür, dass Sie versuchen, mal wieder ein paar Teelöffel rauszuholen.

Heiterkeitdes Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU]

Das geht so nicht, meine Damen und Herren.

Beim Blick in Ihr Gesetz fällt auf, dass unter Ihren ganzen kleinteiligen Maßnahmen eine einzige hervorsticht, die für weit über die Hälfte des gesamten Entlastungsvolumens herhalten soll; das ist die Verkürzung der Aufbewahrungsfristen für Steuerbelege. Dabei sind Ihre Annahmen zu den Einsparungen durch dieses Gesetz, wie ich finde, sehr gewagt; man könnte auch sagen: äußerst realitätsfern. Durch die immer mehr genutzte elektronische Rechnungslegung bauen sich diese Aufbewahrungskosten ja schon von selbst ab – glücklicherweise. Die Zahl der erwarteten Einsparung mag im ersten Jahr also noch stimmen. In zwei oder drei Jahren ist das schon total unrealistisch, wenn Sie hier Mietkosten für Aktenräume in die Rechnung einbeziehen.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

Lächerlich! Mietkosten! Die haben sie ja echt nicht mehr alle!

Mag alles gut gerechnet sein; aber ich glaube, so funktioniert Bürokratieabbau nicht.

Vor allem aber ist Ihnen wohl erst vor wenigen Tagen aufgefallen, dass es schon widersprüchlich ist, wenn einerseits die strafrechtlichen Verjährungsfristen jüngst im Licht des Cum-ex-Skandals verlängert wurden, aber andererseits die Verfolgbarkeit von Steuerstraftaten jetzt erschwert werden soll. Ich sage aber auch dazu: Wir halten es für vertretbar, wenn Sie das nun mit einem partiell späteren Inkrafttreten der Regelung sozusagen in letzter Minute noch zu retten versuchen.

Beifallder Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Aber Sie sollten sich auch nicht wundern, wenn Vereine wie Finanzwende und viele andere vor der Straffreiheit für Steuerbetrüger warnen. Ich sage es Ihnen ganz klar: Eine Koalition, die mit allen Mitteln versucht, einen Untersuchungsausschuss zu den Verstrickungen von Olaf Scholz in das Cum-ex-Thema zu stoppen,

Zurufder Abg. Dr. Manuela Rottmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

gerät eben ganz schnell in den Verdacht, dass sie auch sonst Dinge in diesem Zusammenhang zu verbergen hat.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Jörn König [AfD]

Meine sehr verehrten Damen und Herren, Bürokratieabbau setzt Vertrauen voraus: Vertrauen der Regierung in die Bürger und Vertrauen der Bürger in eine Regierung. Nach drei Jahren Ampel ist beides akute Mangelware. Ihnen fehlt der Mut, den Menschen zu vertrauen. In unserem Entschließungsantrag listen wir mehr als ein Dutzend Punkte auf, die echte und spürbare Entlastungen bringen würden: von A wie Arbeitszeiterfassung bis Z wie digitale Zeugnisse. Sie machen hier nur einen verzagten Schritt – anders als in vielen anderen Fällen immerhin in die richtige Richtung. Aber: Obwohl Sie als Regierung eigentlich nichts mehr zu verlieren haben, fehlt Ihnen der Mut zu echtem Bürokratieabbau.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Esra Limbacher
Foto: Esra Limbacher/Dominik Butzmann
10 Vermerkeca. 732 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Dr. Krings, ein bisschen Demut hätte, glaube ich, auch Ihnen gutgetan.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Philipp Amthor [CDU/CSU]. Das ist genau das Gegenteil von Demut, was Sie machen!

Der Handlungsdruck, den wir heute verspüren, ist doch nicht in den letzten ein, zwei Jahren dieser Bundesregierung entstanden, sondern der Handlungsdruck ist in den letzten Jahrzehnten entstanden.

Da war die SPD in der Koalition! Sie haben doch Bürokratie aufgebaut in der Großen Koalition! Das war doch Ihr Werk als SPD!

Ganz unbeteiligt waren Sie, auch Sie persönlich, in den letzten Jahrzehnten an der politischen Gestaltung der Bundesrepublik sicherlich nicht. Das gehört zur Wahrheit auch dazu.

Beifallbei der SPD

Der Bürokratietreiber in der Großen Koalition war die SPD!

Bei dem vorliegenden Bürokratieentlastungsgesetz IV geht es um viele Einzelvorschriften; ein paar haben meine Vorredner schon benannt. Es geht um Entlastungen, es geht um Vereinfachungen. Aber im Kern geht es um drei Dinge: Es geht um Wettbewerbsfähigkeit. Es geht um Eigenverantwortung. Und es geht darum, das Leben der Menschen in diesem Land einfacher zu machen.

Erstens: Wettbewerbsfähigkeit. Wir alle in diesem Hause wissen, dass wir als drittgrößte Volkswirtschaft, als verhältnismäßig kleines Land Schritt halten müssen mit chinesischer oder auch US-amerikanischer Konkurrenz. Wir wollen eben nicht zukünftig nur noch Zulieferer für Unternehmen in anderen Ländern sein, sondern die Wertschöpfung muss hier in unserem eigenen Land stattfinden. Wir in der Politik tragen die wirtschaftspolitische Verantwortung, dafür genau die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen.

Vor etwa einer Woche hat Mario Draghi im Auftrag der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Ideen für die Zukunft der europäischen Wettbewerbsfähigkeit vorgestellt. Ich finde, der Bericht hat es wirklich in sich und ist für uns besonders wichtig. Was hat der Bericht gesagt? Erstens: Investiert endlich in unsere Länder! Investiert endlich wieder in die Europäische Union! Investiert endlich wieder in die Wettbewerbsfähigkeit! Und zweitens: Stoppt endlich die überbordende Regulierung in der Europäischen Union! Es reicht. Es ist zu viel.

Und das gilt genau und ganz besonders für Deutschland. Unnötige Bürokratie in unserem Land kostet Zeit und Geld. Sie stellt jeden Tag normale Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor hohe Hürden im Alltag und bremst unsere Wirtschaft. Jeder weiß das. Jeder beklagt das. Und jeder, ob mit oder ohne politische Verantwortung, sagt: Das muss sich endlich mal ändern. Man müsste mal, man könnte mal, man sollte mal.

Das Motto der Ampel!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit dem Bürokratieentlastungsgesetz machen wir aus „Man könnte mal“ ein „Wir machen es“,

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

und das ist gut so. Daran gibt es gar nichts zu kritisieren.

Unter anderem treiben wir die Digitalisierung voran. PDF-Dokumente, die nur ausgedruckt werden müssen, um unterschrieben und dann wieder eingescannt zu werden, sollen der Vergangenheit angehören.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Niemand von uns würde behaupten: Das reicht. Niemand von uns würde behaupten: Das läuft jetzt alles von allein. Aber das vorliegende Gesetz ist ein Signal und Bestandteil einer neuen Herangehensweise, die eben so lange auch in diesem Bundestag gefehlt hat, eine neue Einstellung in der deutschen Politik: weniger Regulierung, schnellere Verfahren und mehr Wettbewerbsfähigkeit. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist ein gutes Zeichen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zweitens. Es geht auch um mehr Eigenverantwortung in diesem Land. Überbordende Bürokratie entspricht ja oft einer Geisteshaltung, alles in jeder Situation nach Möglichkeit absichern und regulieren zu müssen. Wir müssen klarmachen, dass nicht die Einzelfallgerechtigkeit eines Gesetzes seine Tauglichkeit beweist, sondern sein Potenzial, verständliche und verlässliche Rechtssicherheit zu schaffen.

Und drittens geht es darum, das Leben der Menschen in unserem Land einfacher zu machen. Das ist eine echt sozialdemokratische Motivation, die uns antreibt. Um es mit Gustav Heinemann zu sagen: Der Staat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Staat. – Es geht darum, das Leben der Menschen, aber auch den unternehmerischen Alltag einfacher und unkomplizierter zu machen. Es geht darum, mehr Eigenverantwortung und weniger Regulierung in allen Lebensbereichen zu erreichen – und das eben ohne Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerrechte und ohne Sozialstandards auszuhöhlen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Ich glaube, da unterscheiden wir uns auch in der Motivation, Bürokratieabbau zu betreiben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Deswegen schaffen wir unnötige Bürokratie in Deutschland ab, etwa den Hotelmeldeschein. Wir schaffen unnötige Bürokratie ab, indem wir den digitalen Arbeitsvertrag erlauben, Schriftformerfordernisse streichen. All das machen wir jetzt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich komme zum Schluss. Wir sind anders als in der letzten Wahlperiode einen anderen Weg gegangen. Wir haben mit den Verbänden und den Unternehmen gesprochen, echte Erfahrungen eingesammelt und sie dann ins Gesetz einfließen lassen. Wir müssen mehr erreichen, um dieses Land wettbewerbsfähig zu machen; keine Frage. Das machen wir mit einem weiteren Bürokratieentlastungsgesetz, das hoffentlich noch dieses Jahr in den Deutschen Bundestag kommt. Es ist richtig, dass wir diesen Weg jetzt weitergehen. Ich bin dazu fest entschlossen. Wir sind dazu fest entschlossen. Packen wir es an!

Vielen Dank und Glück auf.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
14 Vermerkeca. 796 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Abgeordneter Brandner, gut, dass Ihre Redezeit abgelaufen ist, sonst hätten Sie das Grundgesetz auch noch abgeschafft.

Bevor ich zu dem Thema „Entbürokratisierung und Bürokratieentlastung“ komme, muss ich sagen: Schon vor den Wahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg hat die deutsche Wirtschaft in allen Verbänden davor gewarnt, die AfD zu wählen.

Jetzt haben Sie den Salat!

Weitere Zurufe von der AfD

Und jetzt, mit den starken Wahlergebnissen in diesen Bundesländern, herrscht Panik in den Unternehmen, dass keine Arbeits- und Fachkräfte mehr kommen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Es ist sicherlich nicht richtig, dass die Politik der AfD dem Standort Deutschland irgendwie hilft.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Sehr geehrte Damen und Herren, Entbürokratisierung, das klingt schon nach Bürokratie.

Das sagt alles!

Dennoch ist es ein wichtiges Thema, ein zentral wichtiges Thema. Wir haben es gestreift, als wir in der letzten Sitzungswoche über die wirtschaftlichen Perspektiven und das dafür Nötige in Deutschland geredet haben.

Die Reporte vom BDI und von Draghi haben neben anderen Themen – Fachkräfte, Kapitalmarkttiefe – darauf Wert gelegt, zu sagen, dass die Lasten durch Berichtspflichten und Bürokratie ein echtes Investitionshemmnis in Europa sind. Deswegen ist bei aller Sperrigkeit des Themas nicht zu übersehen, welche Bedeutung dieses Thema für den wirtschaftlichen Aufschwung, für die wirtschaftliche Erholung, für die Investitionsattraktivität des Standortes hat.

Das Gesetz, das wir heute beraten, das Vierte Bürokratieentlastungsgesetz, ist nur eines in der Reihe der Arbeit der Bundesregierung seit Amtsantritt. Wir haben unter dem Druck der Energiemangellage angefangen mit der Entbürokratisierung und der Beschleunigung sehr vieler Energieinfrastrukturen. Es ging los mit den LNG-Terminals. Wir haben die Leitungsbauerfahrung auf die Wasserstoffnetze übertragen. Wir haben den Ausbau der erneuerbaren Energien, des Stromnetzes um den Faktor fünf erhöht; alles geht in fünffacher oder noch höherer Geschwindigkeit. Es geht also, wenn man will. Die Schutzgüter sind nie abgeschafft worden, aber die Verfahren sind einfacher, schlanker, pauschaler gemacht worden – mit großem Erfolg in jedem Bereich.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wir haben das dann auf andere Infrastrukturen übertragen. Ersatzbauten, Brücken, Ausbau von Glasfaser, Ausbau von Mobilfunknetzen – alles ist mit anderen Gesetzen bereits auf den Weg gebracht worden. Wir haben in dem letzten Paket noch einmal vereinbart, dass wir für die Arbeitsaufnahme von Geflüchteten eine Genehmigungsfiktion bei den Ausländerbehörden einführen, um auch da eine Beschleunigung zu ermöglichen.

Abg. Stephan Brandner [AfD] begibt sich zum Sitzungsvorstand und spricht mit dem Schriftführer

Sie sehen also: Dieses Gesetz ist nur eines in einer Reihe von Gesetzen, die wir in der Vergangenheit verabschiedet haben. – Darf ich weiterreden?

– Danke schön. – Sie sehen, dass wir konsequent daran arbeiten, dass die Bürokratie geringer wird.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Manfred Todtenhausen [FDP]

Reicht das? Nein, das tut es nicht. Die peinlichen, fast zynischen und kaum zu ertragenden Anekdoten aus Handwerksbetrieben, aus dem Mittelstand, was sie alles an Sachen machen müssen, sind manchmal nur noch mit Humor zu ertragen, und manchmal bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Wir haben heute schon ein paar Beispiele gehört. Was ist der Grund dafür?

Politikversagen!

Wir sollten uns nicht gegenseitig die Schuld zuschieben; denn ich glaube, dass wir so nicht weiterkommen. In der Tat, natürlich hat die Ampelregierung Bürokratie aufgebaut, aber all das, was in den letzten Jahrzehnten aufgebaut wurde, ist nicht vom Himmel gefallen; alle haben ihren Anteil daran.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Und wenn wir ehrlich sind, sollten wir einmal über die prinzipiellen Ursachen reden. Drei Ursachen sind festzustellen:

Erstens. Die Europäische Union hat häufig keine eigene Regelkompetenz. Was macht sie also? Berichtspflichten, Taxonomie, Nachhaltigkeitsberichterstattung, weil sie selber in der Sache nicht materiell vorgehen kann.

Zurufdes Abg. Dr. Martin Plum [CDU/CSU]

Zweitens. Mir wurde von Vorgängern aus der Zeit der Großen Koalition, also von Ministern aus der Union, berichtet, dass bei dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz damals angeboten wurde, keine Berichtspflichten vorzusehen, dafür aber Rechtssicherheit zu schaffen – keine Kinderarbeit, keine Sklavenarbeit usw. –, indem es die Möglichkeit zur Klage gibt. Und es war die Wirtschaft, die gesagt hat: Nein, das wollen wir auf gar keinen Fall.

Das führt – drittens – zu dem Schluss, dass, wenn wir uns von Bürokratie im Detail, in der Pingeligkeit der Arbeit verabschieden wollen – das hat sowohl Herr Krings wie auch Herr Limbacher eben gesagt –, im Umkehrschluss ein Vertrauensraum geschaffen werden muss, in dem Entscheidungen schneller fallen und die Unternehmen mehr Eigenverantwortung haben, was heißt, dass alle diese Verantwortung auch tragen müssen. Das beginnt bei dem Minister, der sich vor seine Mitarbeiter, Referenten und die Behörden stellen muss, die dann schnelle Entscheidungen treffen. Und es endet nicht bei den Unternehmen, sondern es endet bei der Debattenkultur in Deutschland. Denn wenn man nicht alles hundert- und hundertzehnprozentig rechtssicher haben will, sondern sagt: „Es muss auch mit 98 oder 95 Prozent gehen“, dann ist die logische Konsequenz, dass 2 oder 5 Prozent auch mal schiefgehen können. Und wenn das bedeutet, dass alle sofort zurücktreten müssen und die Unternehmen sofort verdammt und in Bausch und Bogen verurteilt werden, dann werden wir an dieser Stelle nicht weiterkommen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Insofern geht es bei dem sperrigen Entbürokratisierungsgesetz auch um die Frage, welches Land wir sein wollen: ein Land von Missgunst und Misstrauen oder ein Land von Zutrauen und unternehmerischer Eigenverantwortung? Ich plädiere für Letzteres.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
5 Vermerkeca. 174 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank. – Herr Habeck, Sie haben eingangs Ihrer Rede sinngemäß gesagt, es sei gut gewesen, dass ich nicht weiterreden konnte, weil ich das Grundgesetz auch noch hätte abschaffen wollen. Das ist natürlich völliger Quatsch, was Sie da erzählt haben, genau wie die vier Minuten, die sich angeschlossen haben.

Wenn eine Partei, wenn eine Fraktion in diesem Hause ganz vorne bei der Verteidigung des Grundgesetzes steht, dann ist es die Alternative für Deutschland und keine andere.

Beifallbei der AfD
Lachenbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir stehen für Gewaltenteilung. Wir stehen für Grundrechte. Wir stehen für Freiheit der Bürger. Wir haben in tiefsten Coronazeiten ganz vorne gestanden und haben die Grundrechte verteidigt, während Sie und Ihre Truppenteile die Bürger eingesperrt haben und ihrer Grundrechte beraubt haben. Die wahren Grundrechts- und Grundgesetzverächter sind Sie und Ihre Partei.

Das Einzige, das ich vergessen habe, zu erwähnen, war, dass auch Sie und Ihre grüne Partei wegkönnen. Das habe ich tatsächlich vergessen auszuführen; aber das war auch alles.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dann fahren wir fort in der Debatte. Es redet jetzt für die CDU/CSU-Fraktion Dr. Martin Plum.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Martin Plum
Foto: Martin Plum/Gebhard Bücker Fotografie
8 Vermerkeca. 729 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Minister Habeck, Sie haben gerade zu Protokoll gegeben, die Ampel arbeite konsequent daran, dass die Bürokratie in diesem Land geringer werde. Das Gegenteil ist der Fall: Statt ein Dauerbrenner, wie groß angekündigt, ist Bürokratieabbau unter dieser Koalition ein Totalausfall.

Dafür müssen wir uns nur einige Eckdaten anschauen. Nie gab es mehr Regeln als unter der Ampel: Fast 100 000 sind es heute allein auf Bundesebene. Nie waren die Kosten durch neue Regeln höher als unter der Ampel: In zwei Jahren hat sie die jährlichen Bürokratiekosten um 16 Milliarden Euro und damit 150 Prozent gesteigert.

Beifallbei der CDU/CSU

Nie gab es mehr Beschäftigte in den Bundesministerien als unter der Ampel: rund 1 700 neue Beamtenstellen seit Regierungsbeginn. Nie gab es mehr Behörden als unter der Ampel: Ihre Zahl kratzt auf Bundesebene an der Tausendermarke. Die Ampel bleibt sich damit treu: Beim Bürokratieabbau reiht sie Negativrekord an Negativrekord. Dadurch, Herr Kollege Limbacher, entsteht Handlungsdruck bei dem Thema.

Beifallbei der CDU/CSU

Ein weiterer Negativrekord kommt heute dazu: Die Bürokratieentlastung fällt im Bürokratieentlastungsgesetz geringer aus als von der Regierung im eigenen Gesetzentwurf versprochen. Die Bürger werden nur um rund 1,8 Millionen Euro entlastet statt um rund 3,7 Millionen Euro: minus 1,9 Millionen Euro. Die Wirtschaft wird nur um knapp 913 Millionen Euro entlastet statt um 944 Millionen Euro: minus 31 Millionen. Das ist weit weg von der versprochenen Milliardenentlastung.

Die für die Unternehmen besonders lästigen Bürokratiekosten durch Informationspflichten sinken gar nur um rund 279 Millionen Euro – wieder minus 31 Millionen Euro. Das hat wirklich noch keine Koalition vor der Ampel geschafft: weniger Entlastung für Bürger und Wirtschaft im Gesetz als im Gesetzentwurf der eigenen Regierung versprochen. Das gab es weder beim Bürokratieentlastungsgesetz I noch II noch III. Sie von der Ampel stellen beim Bürokratieabbau wirklich Negativrekorde auf, von denen man gar nicht glaubt, dass es sie geben kann.

Auch eine weitere Behauptung verfängt nicht: Ihr Bürokratieentlastungsgesetz ist nicht spitze, sondern bloßes Mittelmaß. Die Entlastung für Bürger, Wirtschaft und Verwaltung bleibt weit hinter dem Bürokratieentlastungsgesetz III zurück. Die Bürger wurden damals um 76,5 Millionen Euro mehr und die Wirtschaft um 250 Millionen Euro mehr entlastet. Schaut man sich wieder nur die besonders lästigen Bürokratiekosten durch Informationspflichten an, fällt die Bilanz sogar noch schlechter aus. Mit jetzt nur noch 279 Millionen Euro liegt das Gesetz gleichauf mit dem Bürokratieentlastungsgesetz II und weit hinter den Bürokratieentlastungsgesetzen I und III mit 744 und 631 Millionen Euro. Das sind Zahlen, die man schlicht und ergreifend nicht schönreden kann.

Beifallbei der CDU/CSU

Weil dann hier immer wieder auf den Bürokratiekostenindex rekurriert wird: Der bildet eben nicht alle Bürokratiekosten ab. Das können Sie nachlesen in einer Antwort Ihrer eigenen Regierung auf eine parlamentarische Anfrage. Der Bürokratiekostenindex kann sinken, während die jährlichen Bürokratiekosten steigen, und tatsächlich ist das der Fall: 2022: 65 Milliarden Euro Bürokratiekosten der Wirtschaft, 2023: 66 Milliarden Euro, 2024: 67 Milliarden Euro.

Wir als Union zeigen Ihnen heute, wie Bürokratieabbau wirklich geht. Mit unserem Entschließungsantrag schlagen wir 14 Maßnahmen vor, die spürbar weniger Bürokratie bedeuten. Ich will hier nur drei nennen:

Erstens müssen die Bürokratiemonster „made by Ampel“, beispielsweise das „Heizungsgesetz“ oder das Cannabisgesetz, weg.

Zweitens müssen digitale Arbeitsverträge nicht, wie Sie es jetzt machen, kompliziert für einige, sondern einfach für alle möglich sein.

Drittens braucht weniger Bürokratie auch weniger Bürokraten. Deswegen muss die Zahl der Bundesbehörden und der Beschäftigten in den Bundesministerien spürbar sinken.

Wir als Union werden auch weiterhin zeigen, wie es geht. Ihr Bürokratieentlastungsgesetz erhält keine einzige Maßnahme für weniger Bürokratie im Ehrenamt und für Vereine.

Wir werden Ihnen auch dafür 14 konkrete Vorschläge machen. Denn das Rückgrat unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts darf beim Bürokratieabbau kein weißer Fleck bleiben, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Nur um es noch einmal einzuordnen: Sie sagen in Ihrem Entschließungsantrag allen Ernstes, das sei in seinem Umfang ein Meilenstein und würde die bürokratischen Belastungen von Unternehmen und Bürgern signifikant reduzieren. Auch hier gilt: Das Gegenteil ist der Fall. Die von Ihrer Koalition geschaffenen jährlichen Bürokratiekosten von 16 Milliarden Euro senken Sie um nicht einmal 6 Prozent, die jährlichen Bürokratiekosten durch Informationspflichten von 67 Milliarden Euro gar um nicht einmal 0,5 Prozent.

Wir als Union bleiben beim Bürokratieabbau dran. Wir haken ihn nicht mit einem Gesetz in einer Wahlperiode ab. Wir wissen: Bürokratie ist ein strukturelles Problem, das man strukturell lösen muss. Das alles unterscheidet uns als Union von Ihnen als Ampel.

Beifallbei der CDU/CSU
6 Vermerkeca. 509 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ihnen, liebe Frau Präsidentin, erst mal einen ganz herzlichen Dank für Ihre bewegenden Worte zu Wolfgang Gerhardt. Das hat gutgetan heute Morgen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, zum Kernthema der Debatte: „Die Bürokratie ist ein gigantischer Mechanismus, der von Zwergen bedient wird.“ Ich glaube, dieser Satz des französischen Schriftstellers Honoré de Balzac bringt die Probleme ausufernder Bürokratie ganz gut auf den Punkt. Der vorherrschende Bürokratismus bremst unser Land, er bremst neue Ideen und Innovationen aus. Der Umfang der Bürokratie ist bekanntermaßen eines der drei Topthemen in der deutschen Wirtschaft bei der Frage, warum die wirtschaftliche Entwicklung in diesem Land so schwierig ist. Das müssen wir ändern, liebe Kolleginnen und Kollegen, und damit legen wir heute richtig los.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Was ist unser Ziel? Wir wollen es den Menschen, wir wollen es den Unternehmen in diesem Land einfacher machen. Man muss sich mal wieder bewusst machen, dass es nicht der Rechtfertigung bedarf, Bürokratie abzubauen, sondern es bedarf der Rechtfertigung, Bürokratie überhaupt erst zu schaffen und fortzuführen. Um es mit den Worten von Wolfgang Gerhardt zu sagen: Nicht der Staat gewährt den Bürgern Freiheit, sondern es sind die Bürger, die dem Staat Einschränkungen erlauben. – Das gilt gerade auch bei diesem Thema, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dem kommen wir heute ein Stück näher. Ein bisschen Zahlenspiel will auch ich machen, auch wenn ich ganz deutlich sagen will: Entscheidend beim Thema Bürokratieabbau sind nicht Zahlenspiele. Entscheidend ist – da bin ich vollkommen bei Ihnen, Herr Kollege Dr. Plum –, dass die Menschen spüren, dass wir Bürokratie beseitigen, und nicht, dass wir mit Milliardenbeträgen um uns werfen. Trotzdem sei an dieser Stelle noch mal klar gesagt: Die knapp 1 Milliarde Euro, die wir mit dem BEG IV heute abbauen, sind nur ein Teil des Gesamtkomplexes Meseberger Beschlüsse mit einem Gesamtumfang von 3,5 Milliarden Euro. Es ist also nicht so, dass das alles ist, was diese Koalition bisher erledigt hat, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es ist erfreulich, zu hören, dass wir uns alle beim Thema Bürokratieabbau einig sind. Wichtige Schritte sind ja schon gemacht worden. Das Verfahren ist aufgrund der Verbändeabfrage geändert worden. Der Normenkontrollrat bezeichnet das sogar als vorbildlich. Ein paar Vorschläge sind ja hier gemacht worden, manche waren etwas eigenartig, manche sehr seriös. Über diese sollten wir in der Tat miteinander weiter ins Gespräch kommen; denn Bürokratieabbau ist und bleibt eine Daueraufgabe.

Der Normenkontrollrat hat empfohlen, 25 Prozent der 65 Milliarden Euro Bürokratiekosten abzubauen. Ich finde, das ist ein Maßstab, an dem man sich abarbeiten kann. Wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen, Politik, Unternehmen und Verwaltung, dann kommen wir da nach vorne, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zum Bürokratieabbau gibt es noch sehr viel zu sagen, aber vor allem, liebe Kolleginnen und Kollegen, gibt es eine ganze Menge zu tun. Deswegen komme ich zum Ende. Es bleibt dabei – ich sage das noch mal –: Die Bekämpfung der Bürokratie-Hydra ist und bleibt eine Daueraufgabe der deutschen Politik, und da machen wir an dieser Stelle weiter. Heute gehen wir einen wichtigen Schritt, aber es ist nicht der letzte.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Tobias Matthias Peterka
Foto: Tobias Matthias Peterka/ Büro Peterka
5 Vermerkeca. 328 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegen! Während man sich bei der Ampel hinter den Kulissen böse Dinge zuwirft, hier und da auch Parteivorstände rauswirft, gibt es hier vorliegend das kleine Bürokratenkaro. Es wäre schön, wenn Sie es ernst meinen würden, aber Sie wollen vor allem eins: mal wieder nur Sympathiepunkte beim geplagten Bürger abgreifen. Denn ja, natürlich leidet der unter überbordender und oft ungerechter Bürokratie; aber die haben Sie hier allesamt zusammen über die Jahre aufgetürmt: trockene Finanz- und Kommunalverwaltung aus den Unionstagen à la Kohl und Merkel, sich verzettelnde Mikrogerechtigkeiten bei der SPD jeder Dekade und grüne Weltverbesserei und Gängelei, seit dieser Irrtum von einer Ideologie über die 10 Prozent gewuchert ist.

Immer mehr Formulare und Vorschriften – damit muss Schluss sein. Und glaubhaft umsetzen kann dies nur die AfD.

Beifallbei der AfD

Ablehnen werden wir diesen Minischritt hier nicht, aber niemand glaubt Ihnen eine wirkliche Entschlackungsabsicht. Ich habe das früher einmal die „dunkle Ampeltriade“ genannt: ökologische Staatswirtschaft, misstrauische Erziehung des Bürgers und die Bevorzugung von Gesinnung vor Pragmatik. Eigentlich müsste ja die FDP aufheulen, aber mal ernsthaft: Wer unter 1 Prozent fällt bei Wahlen, der hat ohnehin nichts mehr zu sagen bei der Ampel, außer vielleicht das Verkünden des Endes der Koalition. Schauen wir mal, was das angeht!

Beifallbei der AfD

Jedenfalls hat auch der Normenkontrollrat der Ampel kürzlich das schlechtmöglichste Zeugnis zum Thema ausgestellt. Verwirrende Zuständigkeiten? Gottgegeben! EU-Vorschriften? Ohnehin pures Manna! Davon können Sie nie genug umsetzen – heute Nacht dann wieder Milliardenkosten durch die Nachhaltigkeitsberichte. Und wenngleich von der angeblich nur diffusen Angst und Verunsicherung in der Bevölkerung die Rede ist, merkt inzwischen selbst der drögeste „Tagesschau“-Zuschauer, dass der Ehrliche in unserem bürokratischen System der Dumme ist, während – ich nenne es mal so – flexiblere Gesellschaftstraditionen mit dem deutschen Bürokratiestaat inzwischen den Boden aufwischen und ihn nach Strich und Faden ausnehmen.

Beifallbei der AfD

Dafür haben Sie natürlich noch weniger Lösungen.

Sie werden nachher unseren guten Antrag hier kleingeistig niederstimmen. Unseren großen Weg durch die Institutionen, den werden Sie aber nicht aufhalten können.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Dirk Wiese
Foto: Dirk Wiese/ Marco Urban
6 Vermerkeca. 686 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Für uns als SPD-Bundestagsfraktion ist entscheidend, wie wir das Leben der Bürgerinnen und Bürger bei uns im Land einfacher machen können. Wir wollen nicht, dass die Bürgerinnen und Bürger, die Unternehmen sich fühlen wie Asterix und Obelix in dem berühmten Film auf der Suche nach Passierschein A38, sondern wir wollen es hinbekommen, dass der Alltag leichter wird, dass er handhabbarer wird. Und daher ist es wichtig, dass wir als Koalition das Bürokratieentlastungsgesetz IV auf den Weg gebracht haben.

Ich will das deutlich sagen, weil ich auch an den Bürokratieentlastungsgesetzen I, II und III mitwirken konnte: Es ist ein Marathon, wenn man Bürokratieabbau tatsächlich konkret machen will. Denn seien wir ehrlich: Wir hören in unserer täglichen Praxis als Abgeordnete viele Beispiele aus den Wahlkreisen, aus dem Handwerk, aus der Pflege, aus dem Gesundheitsbereich, aus dem Alltag von Bürgerinnen und Bürgern; aber wenn es konkret wird, wenn wir genau hinschauen wollen, wie wir etwas umsetzen können, dann betrifft es oft nicht allein die Bundesregierung, dann betrifft es auch die 16 Bundesländer und die Bezirksregierungen, aber genauso – und das ist angesprochen worden – die europäische Ebene. Da sind wir alle tatsächlich gefordert.

Ich bin dankbar, dass wir als Abgeordnete immer wieder Hinweise aus der Praxis kriegen, wie wir Bürokratie abbauen können. Ich habe bei mir vor Ort im Sauerland seit Jahren eine engagierte Handwerksinitiative, initiiert vom Elektromeister Frank Lefarth aus Medelon, die einfach mal gesagt hat: Wir wollen selbst Vorschläge entwickeln, wir wollen vorangehen, wir wollen selbst schauen, was wegkann, was einfacher gemacht werden kann, wo wir in den Verbänden vorangehen können.

Zurufdes Abg. Jörn König [AfD]

Vieles von dem, was da vorgeschlagen worden ist, wo man wirklich manchmal dicke Bretter bohren muss, ist umgesetzt worden oder wird tatsächlich angegangen, und das ist ein Marathonlauf. Aber noch mal: Das, was die Ampelkoalition hier vorgelegt hat, das ist richtig, das ist gut, und das wird dieses Land auch voranbringen. Das will ich ausdrücklich unterstreichen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Lieber Kollege Günter Krings, ja, wir haben auch die Bürokratieentlastungsgesetze I, II und III auf den Weg gebracht. Das waren auch richtige Schritte, und das war auch teilweise mühsam. Denn – seien wir ehrlich! – wir wissen doch als Abgeordnete, was hier bei uns in Berlin passiert, wenn wir sagen, wir wollen das eine Gesetz oder die eine Vorschrift abschaffen – und da muss man auch mal die Verbände in die Verantwortung nehmen –: Am nächsten Tag trudeln zwei Schreiben ein, die sagen: Nein, diese Vorschrift ist die wichtigste, diese Vorschrift muss bleiben, ihr könnt alles machen, aber nicht diese Vorschrift abschaffen. – Daher sind die Verbände hier in Berlin genauso gefordert, aktiv mitzuwirken, wenn wir uns jetzt auf den Weg machen, wie im Wachstumspaket der Bundesregierung beschlossen, und beim Bürokratieabbau nicht stehen zu bleiben, sondern weiterzumachen, ihn weiter voranzubringen. Denn das ist eine kontinuierliche Aufgabe.

Man kann die europäische Ebene – wie Sie es heute gemacht haben – nicht ganz außen vor lassen. Ich erinnere mich, dass der – in Anführungszeichen – „größte“ Beitrag, der geleistet worden ist, gerade von der CSU kam, nämlich Edmund Stoiber als Bürokratieabbaubeauftragten nach Brüssel zu schicken. Ehrlicherweise habe ich davon noch nichts gespürt. Die Bürokratie in Brüssel hat sich, ehrlich gesagt, verdreifacht. Das ist Unionspolitik in Realität: Sie halten hier vielleicht gute Reden, aber im Endeffekt wird es mehr Bürokratie, wenn man insbesondere die CSU in Verantwortung schickt. – Das muss auch mal sehr deutlich gesagt werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Von daher ist es richtig, dass wir das heute auf den Weg bringen, dass wir es voranbringen, dass wir durch Praxischecks versuchen wollen, im Vorhinein der Gesetzgebungsverfahren genau hinzuschauen und die Alltagstauglichkeit der Gesetze frühzeitig zu prüfen, und dass wir genau hinschauen, wo sinnvolle Gesetze erforderlich sind.

Was mit uns aber nicht zu machen ist, was nicht unter Bürokratieabbau fällt, das sind Vorschläge, die ich jetzt aus Ihren Reihen vernehme – Vorschläge der Union aus der Vergangenheit, die jetzt wiederbelebt werden sollen –, das ist die Schleifung von Arbeitnehmerrechten. Das ist nicht Bürokratieabbau, das wird mit uns tatsächlich nicht funktionieren, und dem stellen wir uns als SPD auch ganz entschieden entgegen.

Beifallbei der SPD

In diesem Sinne: Das ist ein gutes Gesetz für dieses Land, und der Bürokratieabbau wird weiter vorangetrieben werden müssen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Lukas Benner
Foto: Lukas Benner / Daniel Hofer
10 Vermerkeca. 451 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Kettensäge“, „Abrissbirne“, „Rasenmäher“ – wenn man die öffentlichen Debatten verfolgt, dann sieht man, dass manche Forderungen nach Bürokratieabbau gar nicht brachial genug sein können. Billiger Applaus ist schnell zu haben. Wir sind uns einig: Wenn wir an Bürokratie denken, dann denken wir an nervtötende Prozesse, komplizierte Sprache, komplizierte Formulare. Deswegen eine kurze Ehrenrettung zu Beginn: Bürokratie ist die Basis unseres Rechtsstaats. Sie schafft eine regelbasierte Verwaltung, und sie ist genau das Gegenteil von Willkür.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Thorsten Lieb [FDP]

Jede Vorschrift, die wir haben, hatte bei Inkrafttreten einen Nutzen. Arbeitnehmerschutz, Umweltschutz, Gesundheitsschutz – all das ist auch Bürokratie.

Trotzdem stehe ich hier und sage: Ja, wir müssen Bürokratie abbauen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Sonja Eichwede [SPD]

Ich bin sehr froh, dass wir als Ampel eben nicht den Weg des Populismus gegangen sind, sondern uns die Details angucken, dass wir Dinge da abbauen, wo man sie abbauen kann, aber auch Dinge da erhalten, wo sie erhalten werden müssen. Denn unser Credo ist doch, das Land nicht einfach nur schneller zu machen, sondern es dabei auch besser zu machen, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Wir haben jetzt viel über die Zahlen gestritten. Deswegen will ich noch mal deutlich sagen: Dieses Paket löst nicht alle Probleme – überhaupt nicht –, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Knapp 1 Milliarde Euro Entlastung pro Jahr kann man jetzt kleinreden, aber es ist 1 Milliarde Euro Entlastung pro Jahr! Es ist ein wichtiger Schritt, dass wir das hier in diesem Parlament beschließen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wir haben dieses Gesetz im parlamentarischen Verfahren an einigen Stellen noch besser gemacht. So machen wir es bei Steuerbescheiden zum Regelfall, dass, wenn ich die Steuererklärung digital einreiche, auch der Steuerbescheid digital zurückkommt.

Wir haben uns auch den Datenschutz angeguckt; denn der Ursprungsentwurf hat vorgesehen, dass Airlines die Chips in Reisepässen auslesen können. Aber gerade in der heutigen Zeit, gerade in Zeiten hybrider Kriegsführung, mit Gefahren von außen, dürfen wir das Risiko nicht eingehen, dass über die Airlines autoritärer Staaten die Daten im schlimmsten Fall dort landen. Deswegen müssen wir uns das noch mal angucken; deswegen ist es richtig, dass es hier und heute im Entwurf nicht mit drin ist, meine Damen und Herren.

Abschließend bleibt zu sagen: Das, was wir heute beschließen, ist ein gutes Paket. Es ist ein gutes Gesetz, das die deutsche Wirtschaft jährlich um knapp 1 Milliarde Euro entlastet.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Aber – und die Behauptung habe ich hier auch von niemandem gehört – es ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Wir sind damit nicht fertig. Genau deswegen haben wir uns doch als Koalition darauf besonnen, ab jetzt jedes Jahr ein Bürokratieentlastungsgesetz zu machen,

Zurufevon der CDU/CSU

weil Bürokratieabbau eine Daueraufgabe ist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Thorsten Lieb [FDP]

In diesem Sinne: Ich freue mich auf Ihre konstruktiven Vorschläge, liebe Unionsfraktion; denn nach dem BEG ist vor dem BEG.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Philipp Amthor
Foto: Philipp Amthor/Tobias Koch
13 Vermerkeca. 503 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Bürokratieentlastungsgesetz IV und die Debatte, die wir hier erlebt haben, lassen sich ganz gut auf ein Bild bringen: ein großer Schritt für die Ampel, ein kleiner, viel zu kleiner Schritt für Deutschland. Das ist das Ergebnis Ihres Bürokratieentlastungsgesetzes.

Beifallbei der CDU/CSU

Man hat den Eindruck: Sie sind froh, dass Sie sich überhaupt mal auf etwas einigen können, aber ein wirklicher Durchbruch zum Abbau der Bürokratie ist das nicht. Zugegeben, kleine Schritte sind besser als keine Schritte. Deswegen gibt es auch einzelne Aspekte, denen wir zustimmen werden. Aber dass Sie in der Primetime der Plenardebatte diese Minireform als großen Erfolg feiern, ist nur ein Beweis der Handlungsunfähigkeit Ihrer Koalition, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Da haben Sie dem Herrn Benner aber nicht richtig zugehört!

Günter Krings hat es angesprochen – und das ist richtig –: Das Bürokratieentlastungsgesetz IV ist schon vom Namen her ein Etikettenschwindel für die Arbeit der Ampel; denn die Bürokratieentlastungsgesetze I bis III kamen von der Union.

Von der Großen Koalition!

Das Bürokratieentlastungsgesetz IV ist im Grunde nach das Bürokratieentlastungsgesetz I der Ampel. Dem gegenüber stehen mittlerweile die Bürokratiebelastungsgesetze 1 bis 300; denn das ist der Alltag Ihrer sonstigen parlamentarischen Arbeit, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wie viele Änderungsanträge haben Sie eigentlich eingebracht?

Ja, es sind 300 Gesetze, die überwiegend mit Bürokratiebelastungen für die Bürger und Unternehmen in diesem Land einhergehen. Kevin Kühnert hat das schön beschrieben – ich glaube, er ist heute nicht da –; er sagte, die Ampel sei eine richtige Gesetzesmaschine.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Gesetzesmaschine ist untauglich, defekt und würde keine Qualitätskontrolle eines mittelständischen Unternehmens in Deutschland überstehen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich kann Ihnen nur raten, diese Maschine nicht auch noch exportieren zu wollen; denn Ihre Gesetzesmaschine ist in Wahrheit eine Bürokratiemaschine. Das werden wir als Union abstellen, wenn wir wieder regieren, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Es ist auch wichtig, den Blick nach vorne zu richten. Ich bin sehr dankbar, dass Minister Habeck darauf hingewiesen hat, dass Eigenverantwortung ein zentrales Prinzip einer guten Regierung sein sollte. Ja, das braucht man aber nicht als Belehrung für die Bürger. Eigenverantwortung müssen wir doch auch im Staat selbst leben. Deswegen ist klar: Bürokratieabbau muss bei uns anfangen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Vorbildfunktion, Herr Amthor! Nicht in die eigene Tasche wirtschaften!

Die Ampel macht das komplette Gegenteil. Posten und Pöstchen sind bestimmende Elemente Ihrer Politik. Jeder dritte Abgeordnete der Ampel ist nebenbei Minister, Staatssekretär oder Beauftragter.

Oder Direktor bei Augustus Intelligence!

Ein weiteres Drittel war es vielleicht mal oder möchte es das nächste Mal werden. Schluss mit diesem Beauftragtenwesen! Schluss mit immer mehr Posten und Pöstchen! Wir sind für mehr Eigenverantwortung und Postenabbau in der Politik selbst.

Zurufder Abg. Katja Mast [SPD]

Das werden wir umsetzen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das geht im nachgeordneten Bereich weiter. Vor zehn Jahren hatten wir in der Kernverwaltung der Ministerien 17 500 Mitarbeiter. Heute sind es 30 000. Das ist zu viel. Wir haben in der Bundesverwaltung mittlerweile 962 Behörden. Es gibt keine Behördenreform, keinen strukturellen Abbau. Ihre Politik besteht darin, für jedes neue Problem neue Posten, neue Behörden und neue Beauftragte zu schaffen. Das muss dringend abgestellt werden. Wir brauchen einen Politikwechsel in Deutschland. Damit der Staat wieder funktioniert, müssen wir bei uns selbst anfangen. Das wird es mit der Union geben, wenn wir wieder in Regierungsverantwortung sind.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Sonja Eichwede
Foto: DBT/ Inga Haar
9 Vermerkeca. 555 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen!

Deutsche demokratische Altfraktionen, heißt das!

Sehr geehrter Herr Amthor, ich glaube, Sie müssen sich auf eine Richtung festlegen. Auf der einen Seite sagen Sie, wir machten zu viel, auf der anderen Seite sagen Sie, wir würden uns auf nichts einigen. Beides zusammen kann nicht stimmen. Von daher: Erzählen Sie erst mal eine schlüssige Geschichte, und machen Sie nicht dauernd unser Land schlecht!

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Die Landtagswahlen bei uns in Brandenburg, der Wahlkampf, das viele Vor-Ort-Sein, das viele Zuhören, all das hat wieder gezeigt: Es ist wichtig, sich gegenseitig zu vertrauen. Es ist wichtig, mit den Bürgerinnen und Bürgern, mit der Wirtschaft zu reden, zuzuhören, Argumente auszutauschen

… und dann nichts davon machen!

und das dann in handfeste Politik umzusetzen. Genau das ist es, was wir beim Bürokratieentlastungsgesetz IV gemacht haben. Wir haben den Spieß umgedreht: Wir haben mit den Verbänden, mit der Verwaltung und mit den Bürgerinnen und Bürgern gesprochen. Wir haben gefragt, welche Regelungen zu überbordender Bürokratie führen, welche abgebaut werden sollten. Der nun vorliegende Gesetzentwurf ist das Ergebnis dieser Abfrage, dieses Austausches. Es ist eine Gemeinschaftsleistung von der Politik mit Verbänden, mit Bürgerinnen und Bürgern, mit Verwaltung, mit der Wirtschaft. Von daher ist dies ein wichtiger, guter und wegweisender Gesetzentwurf, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Lukas Benner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Dr. Thorsten Lieb [FDP]

Wir kümmern uns um die Zukunft. Wir kümmern uns um Gesellschaft, Wirtschaft, Verwaltung. Da, wo etwas schwerfälliger wird, wo etwas überflüssig ist, muss entlastet werden. Wo wir Doppelungen haben, wo wir Medienbrüche haben, wo Sinn und Zweck einmal gutgemeinter Regelungen nicht mehr erfüllt sind, da soll Rechtssetzung nun wegfallen. Das geschieht durch ein Bürokratieentlastungsgesetz, das natürlich auch Rechtssetzung ist. Aber wir wollen durch unsere Regelungen den Rahmen vorgeben, wie wir uns persönlich und wirtschaftlich entfalten können, wie unser Land entwickelt werden kann, wie man das Leben in unserem Land lenkt. Wir brauchen keine Doppelungen, keine Schwerfälligkeiten, kein Zuständigkeitspingpong, keine Verwaltungssackgassen. Genau das ist es, was wir mit diesem Gesetz angehen.

Ich muss aber ganz klar sagen: Wir machen das hier auf Bundesebene. Ebenso wichtig ist, dass das in den Ländern und auf europäischer Ebene umgesetzt wird und dass dies stetig passiert. Wir merken ja, dass Bürokratie nicht nur auf Festen oder in Bürgergesprächen ein Stimmungskiller ist, sondern auch real das Wirtschaftswachstum behindert. Das hat jüngst auch die Europäische Union festgestellt. Von daher sind unsere Erwartungen groß, dass hier auch auf europäischer Ebene etwas geändert wird.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Thorsten Lieb [FDP]

Natürlich sind in diesem Gesetzentwurf sehr viele kleinteilige Regelungen enthalten. Aber auch viel Kleines wird insgesamt groß und insgesamt modern. Wir schaffen den Sprung in Richtung Digitalisierung. Wir schaffen Medienbrüche ab, zum Beispiel im Nachweisgesetz. Trotzdem behalten wir das Schutzbedürfnis der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Blick. Wir ersetzen an vielen Stellen das Schriftformerfordernis durch ein Textformerfordernis. Das ist besser im digitalen Zeitalter. Das führt zu mehr Flexibilität und Modernisierung. Von daher ist das wichtig. Und wir schaffen den Hotelmeldeschein ab,

worauf meine Kollegin Lena Werner noch eingehen wird.

Beifallbei der SPD

Lassen Sie mich aber auch sagen, dass die viele Detailarbeit, dass die Verhandlungen zu diesem Gesetzentwurf langwierig waren, aber von einer positiven Energie geprägt waren, nicht nur bei den Berichterstattenden, denen ich danken möchte, sondern bei allen Mitarbeitenden. Diese Energie gilt es nun ins Land hinauszutragen, in die Wirtschaft hereinzutragen. Wir haben ein starkes Land. Wir haben ein tolles Land. Wir haben ein wirtschaftlich gutes Land, das mit diesem Gesetz noch besser vorankommen kann.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Thorsten Lieb [FDP]
Porträt von Katharina Beck
Foto: Katharina Beck/Oliver Hadji
7 Vermerkeca. 473 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Und diesmal auch: Liebe Unternehmen! Auch Sie werden mit dem Bürokratieentlastungsgesetz, zumindest in Teilen, entlastet.

Ja, um die geht’s doch heute! Also, um wen geht es denn sonst?

Bürokratieabbau ist Kärrnerarbeit. Da geht es um Details, da geht es ums Frickeln, da muss man sich die einzelnen Regelungen angucken. Das hat die Gruppe, die diesen Gesetzentwurf verhandelt hat, im Detail gemacht. Die Länge der Excel-Listen können Sie sich gar nicht vorstellen. Alles wurde abgewogen. Wir stellen hier etwas Tolles vor. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es geht aber noch viel, viel mehr.

Man muss immer abwägen: Was war das Ziel einer Regelung? Wo kann man dort entlasten? – Als erstes Beispiel nenne ich die Änderung des Nachweisgesetzes. Von uns hat das Beate Müller-Gemmeke verhandelt; ich darf für sie vortragen. Im Nachweisgesetz haben wir eine tolle Kompromisslösung zwischen Digitalisierung einerseits und der Verhinderung des Abbaus von Sozial- und Arbeitsstandards andererseits gefunden. Es ist wichtig, dass dieser Balanceakt gelingt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Thorsten Lieb [FDP]

Was passiert da konkret? Seit ein paar Jahren müssen wesentliche Informationen zu Arbeitsbedingungen und Änderungen in einem Vertrag noch einmal kurz zusammengefasst werden. Bisher musste das immer ausgedruckt werden; das war verpflichtend. Das hat Millionen Ausdrucke zur Folge gehabt. Jetzt erfolgt dies digitalisiert, aber eben nicht für die Branchen, wo Schwarzarbeit vorherrscht, da das zu einer Einschränkung von Rechten oder zu mangelndem Verständnis führen könnte. Da ist ein guter Kompromiss gelungen. Ich danke dir, Beate, aber auch allen anderen, dass wir das als Ampelkoalition geschafft haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Thorsten Lieb [FDP]

Nun zu dem Thema, weswegen ich hier als Finanzpolitikerin stehe – Herr Krings hat es angesprochen –: Den größten Anteil der Entlastungen, die wir ermöglichen, erreichen wir durch die Reduktion der Aufbewahrungsfristen von Buchungsbelegen von zehn auf acht Jahre. Das macht ungefähr zwei Drittel des Entlastungsvolumens aus, das wir erreichen. Aber auch da muss man gut abwägen. Es ist wichtig, dass wir die Bürokratie abbauen. Es ist gut, dass wir das tun. Gleichzeitig gibt es im Finanzbereich gerade rund um die Jahre 2014 und 2015 noch große Probleme im Hinblick auf die bekannten Steuerbetrugsskandale Cum-ex und Cum-cum. Da sind dem Staat potenziell 10, 20 oder 30 Milliarden Euro entgangen; einige Fälle sind vielleicht auch noch nicht entdeckt. Das ging ja durch die Presse; da war die Rede von geschredderten Unterlagen, die Millionenbeträge ausmachen. Deswegen, liebe Bürgerinnen und Bürger, haben wir als Ampel auf den letzten Metern gesagt: Ja, wir wollen Bürokratie abbauen, aber wir verschieben das Inkrafttreten dieser Regelung noch um ein Jahr. Und insbesondere wir als Grüne fordern: Beim Finanzministerium, dem das Bundeszentralamt für Steuern unterstellt ist, muss ein Fokus darauf liegen, dass sich die Betriebsprüfer, obwohl die echt viel zu tun haben, im nächsten Jahr konkret darauf konzentrieren.

Und es braucht einen Untersuchungsausschuss!

Wir bitten das BMF, diese Befugnis wahrzunehmen und das BZSt aufzufordern, aktiv zu werden,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

damit wir diese Steuermilliarden nicht verschenken und es in diesem Land gerecht zugeht.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie des Abg. Dr. Thorsten Lieb [FDP]
Porträt von Jörg Cezanne
Foto: Jörg Cezanne / Maik Brückner
4 Vermerkeca. 377 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der Gesetzentwurf ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Bürokratiekosten werden kaum gesenkt. Unglaubliche 3 500 Baunormen und 20 000 Bauvorschriften bleiben unangetastet. Vom Bauantrag bis zum Baubeginn für ein Mietshaus dauert es zehn Jahre. Und im Bereich der sozialen Rechte wird nicht einmal über Bürokratieabbau nachgedacht. Eltern schwerbehinderter Kinder müssen jedes Jahr aufs Neue nachweisen, dass sie auf ein Auto und einen Anwohnerparkausweis angewiesen sind. Hier muss mehr passieren.

Beifallbei der Linken sowie des Abg. Dr. Günter Krings [CDU/CSU]

Was das Gesetz aber zum unerträglichen Skandal macht, ist, dass sich die Regierungsfraktionen damit zu Helfern beim Steuerbetrug machen. Und die CDU stimmt zu.

Die Ampelfraktionen wollen die Aufbewahrungspflicht für steuerrelevante Unterlagen wie Rechnungen und Zahlungsbelege von bisher zehn auf acht Jahre verkürzen. Das sind aber die entscheidenden Unterlagen, mit deren Hilfe Steuerbetrüger erkannt und angeklagt werden können. Sind sie vernichtet, gibt es keine Strafverfolgung und keine Anklage mehr. Dabei geht es um milliardenschweren Steuerbetrug aus den vergangenen Jahren. In sogenannten Cum-ex- und Cum-cum-Deals hatten sich Betrüger aus der Finanzbranche mithilfe von Banken und Steueranwälten Kapitalertragsteuer zurückerstatten lassen, die sie entweder nie gezahlt hatten oder die ihnen nicht zustand. Eine der wenigen handfesten Schlussfolgerungen aus der Untersuchung dieser Vorgänge in einem Untersuchungsausschuss der vergangenen Wahlperiode war es, die Verjährungsfrist für diese Betrugsfälle auf 15 Jahre zu verlängern. Erlaubt man jetzt, die für die Verfolgung der Verbrechen notwendigen Unterlagen früher zu vernichten, werden viele derzeit noch gar nicht bekannte Fälle gar nicht erst erkannt werden können. Das ist falsch und verheerend.

Beifallbei der Linken
Zurufvon der Linken: Unding!

Der gestern von den Ampelfraktionen vorgelegte angebliche Kompromiss ist keiner. Bei den Cum-cum-Geschäften stehen die Strafverfolgungsbehörden der Länder noch am Anfang. Bisher wurde erst eine einzige Anklage erhoben, und die wird noch nicht mal bearbeitet. Die Gefahr ist groß – nein, es ist mehr als eine Gefahr –, dass der geschätzte Schaden in Höhe von 28,5 Milliarden Euro nichtgezahlter Steuern niemals ermittelt und von den Betrügern zurückgefordert werden kann.

Wo sind die Helden der Cum-ex-Aufklärung? Florian Toncar, Lisa Paus, Markus Herbrand, Matthias Hauer, wie können Sie nach den Erfahrungen der letzten Wahlperiode einem solchen Gesetzentwurf zustimmen? Noch ist Zeit. Nehmen Sie diesen Gesetzentwurf zurück! Streichen Sie diese unsinnige Verkürzung der Aufbewahrungsfristen! Lassen Sie nicht zu, dass Beweismittel zur Verfolgung von Steuerbetrug geschreddert werden können!

Beifallbei der Linken sowie des Abg. Klaus Ernst [BSW]
5 Vermerkeca. 429 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Parteien! Als wir vor gut zwei Jahren die EU-Richtlinie über transparente und vorhersehbare Arbeitsbedingungen in der Europäischen Union umgesetzt und dadurch die Arbeitsbedingungen in Deutschland spürbar verbessert haben, sagte ich an dieser Stelle, heute sei ein guter Tag für die Beschäftigten in diesem Land. Es ist mir eine Freude, mich heute wiederholen zu dürfen: Es ist wieder ein guter Tag für die Beschäftigten in diesem Land.

Beifallbei der SPD

Mit dem Vierten Bürokratieentlastungsgesetz schlagen wir ein neues Kapitel im Arbeitsrecht auf, eines, das die Vorteile der Digitalisierung sinnvoll nutzt und gleichzeitig wirksam vor ihren Nachteilen schützt.

Konkret geht es damals wie heute um die Pflicht der Arbeitgeber, die wesentlichen Arbeitsbedingungen transparent und klar zu regeln und festzuhalten. Dafür ist bisher die Schriftform erforderlich. Dabei blieb es vor zwei Jahren auch erst einmal; denn die EU-Richtlinie knüpft die Möglichkeit, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht nur schriftlich, also in Papierform, sondern auch in elektronischer Form unterrichtet werden können, an bestimmte Voraussetzungen. Und die legen wir erst jetzt mit dem Vierten Bürokratieentlastungsgesetz fest.

Die Information der Arbeitnehmer/-innen über ihre wesentlichen Arbeitsbedingungen wird künftig auch digital möglich sein, weil es dafür folgende Voraussetzungen zu ihrem Schutz gibt: Das Dokument muss für den Arbeitnehmer zugänglich sein, es muss gespeichert und ausgedruckt werden können, und ein Empfangsnachweis muss angefragt werden. Also: Eine E-Mail mit qualifizierter elektronischer Signatur? Ja, gerne. Eine flüchtige Whatsapp-Nachricht vom Arbeitgeber? Auf keinen Fall. – Denn im Fall der Fälle muss man als Beschäftigter seine Rechte nicht nur kennen, sondern auch beweisen können. Unter diesen Voraussetzungen ist das auch im digitalen Raum möglich und entlastet so viele Unternehmen und die Menschen, die täglich mit diesen Prozessen zu tun haben.

Beifallbei der SPD

Gleichzeitig war es uns als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wichtig, dies in einzelnen Bereichen auch heute explizit nicht zuzulassen. Denn unser Rechtssystem kennt die Schriftform als die sicherste Form für viele verschiedene Rechtsgeschäfte, und wir dürfen diesen hohen Standard nicht leichtfertig pauschal aufweichen. Befristungen oder Teilzeitverträge müssen deshalb auch künftig in Schriftform verfasst werden, ebenso Arbeitsverträge in Branchen, die für prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Schwarzarbeit und schlechte Arbeitsbedingungen berühmt-berüchtigt sind. Der Schutz der Beschäftigten, ihrer Rechte und Interessen gegen die Willkür mancher Arbeitgeber ist und bleibt, zumindest für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, ein mindestens genauso wichtiges und übrigens auch fortschrittliches Ziel wie die Digitalisierung.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

So wenig Papier und Bürokratie für die Arbeitgeber wie möglich, so viel Schutz und Sicherheit für die Arbeitnehmer wie nötig! Ich freue mich von Herzen, dass wir in diesem 20. Deutschen Bundestag eine breite Mehrheit dafür haben.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
8 Vermerkeca. 314 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ein schöner Titel! Wer wäre dagegen? Vielleicht die, die genauer hinschauen; denn ein wesentlicher Teil des Gesetzes besteht darin, dass die Verkürzung der gesetzlichen Aufbewahrungsdauer für Buchungsbelege im Handel und Steuerrecht von zehn auf acht Jahre vorgesehen ist. Toll! Weniger Aufwand, zwei Jahre weniger! Klasse! Aber worum geht es wirklich? Wir – also nicht wir, sondern eigentlich unter anderem der Kanzler – haben ja diesen Cum-ex- und Cum-cum-Skandal am Hals. Die Frage ist: Was ist da eigentlich passiert? Da haben sich Leute, die eine Steuer gezahlt haben, diese drei-, vier- oder fünfmal zurückzahlen lassen. Das war alles illegal. Es ist inzwischen auch höchstrichterlich entschieden, dass das illegal war.

Man brauchte zur Aufarbeitung natürlich erst einmal die Unterstützung der Bundesregierung, die, wie man weiß, nur zögerlich vorhanden ist. Bis jetzt ist kaum ein Strafverfahren eingeleitet; der Kollege Cezanne hat darauf hingewiesen. Aber worum geht es jetzt? Jetzt sind die Unterlagen, die notwendig wären, um diesen Skandal, der den Steuerzahler über 30 Milliarden Euro gekostet hat, aufzuklären, nach diesem Gesetz künftig zu schreddern. Die sind dann einfach weg.

Ich weiß nicht, ob vielleicht dahintersteckt, dass in der Sozialdemokratie die Meinung vorherrscht, die Erinnerungslücken des Kanzlers, die in diesem Zusammenhang aufgetreten sind, könnten sich doch noch verringern und er erinnert sich an was. Ja, stellt euch vor: Er erinnert sich an was, und dann sind die Unterlagen noch da. Die müssen schnell verschwinden, schnell weg, damit ja nichts auf den Tisch kommt. – Das ist der eigentliche Punkt.

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Axel Müller [CDU/CSU]

Dass man zustimmt, dass so ein Steuerskandal nicht aufgeklärt werden kann, weil die Unterlagen weg sind, das ist schlichtweg ein Skandal, meine Damen und Herren.

Das stimmt doch nicht! Sie hätten zuhören müssen bei den vorangegangenen Reden!

Zurufdes Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

– Da könnt ihr schreien, wie ihr wollt.

Beifallbeim BSW

Die Bürger werden das merken und daraus die Konsequenz ziehen,

Dann wird die AfD gewählt! Genau so wird das laufen!

dass von staatlicher Seite, vonseiten dieser Ampel, offensichtlich ein Gesetz erlassen wird, das eine Aufklärung künftig erschweren wird. Unmöglich!

5 Vermerkeca. 396 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2024 um 0,1 Prozentpunkte geschrumpft. Hätten wir nur 1 Prozent Wirtschaftswachstum pro Jahr, würde unser Land 40 Milliarden Euro mehr erwirtschaften. Dem gegenüber steht heute ein Entlastungsvolumen von gerade einmal 1 Milliarde Euro. Sie sehen, wie wenig das ist. Nebenbei wird heute Abend noch mehr zum Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung beschlossen; im Energieeffizienzgesetz werden Berichtspflichten in Milliardenhöhe aufgelegt. Sie kommen bei der Entlastung einen Schritt voran und gehen drei Schritte zurück. So können wir unser Land nicht voranbringen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Sonja Eichwede [SPD]

Wenn Sie mit den Menschen sprechen, erleben Sie eine Erschöpfung angesichts der Ampelregierung. Wohnungen, die dringend benötigt werden, werden nicht gebaut; es gibt keinerlei Fortschritte im Bereich der Entlastung im Baubereich. Die Infrastruktur ist sanierungsbedürftig, und wir brauchen zu lange, um Brücken zu sanieren und Bahnstrecken zu bauen. Für Ehrenamtliche in den Vereinen finden sich gar keine Entlastungen in diesem Paket, anders übrigens als in dem Bürokratieentlastungsgesetz der Bayerischen Staatsregierung. Unternehmen in produzierenden Branchen leiden unter zu langen Genehmigungsverfahren. Wir merken, dass die energieintensiven Unternehmen unser Land eher verlassen, als dass sie zurückkommen. Das muss uns doch alarmieren. In diesem Paket ist dazu nichts drin.

Aber wir brauchen nicht nur eine andere Wirtschaftspolitik – die ist auch notwendig –, sondern – und das ist der eigentliche Punkt – etwas ganz Grundsätzliches: Wir müssen die Eigenverantwortung wieder in den Mittelpunkt stellen, den Menschen mehr zutrauen. Aber die Menschen trauen dieser Regierung nicht, und deswegen geht es bei diesem Punkt nicht voran. Wir müssen uns überlegen, wie wir im Land über Vorhaben sprechen. Wollen wir eine Gesellschaft sein, die alle Risiken um jeden Preis ausblenden möchte, auch um den Preis von zu viel Dokumentation, oder trauen wir uns wieder etwas zu? Wenn wir immer langsamer werden und die Welt sich schneller dreht,

Die Welt dreht sich aber nicht schneller!

bleiben wir zurück. Das kann sich unser Land nicht leisten, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich darf Ihnen abschließend sagen: Sie haben mit diesem Gesetz eine Chance verpasst, nämlich den Menschen Mut zu machen und Zuversicht auszustrahlen. Und wenn ich höre, Herr Benner, dass Sie unser Land schneller und besser machen wollen – und das auch noch jedes Jahr, wie Sie sagen –, dann kann ich Ihnen nur zurufen: Sie haben kein Jahr mehr; denn Sie haben das Vertrauen der Menschen in diesem Land aufgebraucht. Wir werden es besser machen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Widerspruchbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
4 Vermerkeca. 415 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sie alle kennen bestimmt diesen kleinen Zettel, den Sie im Hotel schon mal ausfüllen mussten, wenn Sie einchecken. Ich persönlich kenne ihn sehr gut. Ich habe eine Ausbildung in einem Hotel mit 365 Zimmern gemacht; da haben wir sehr viel mit diesem Schein zu tun gehabt. An manchen Tagen mussten wir nämlich die Gäste des ganzen Hotels aus- und wieder einchecken. Das heißt, wir mussten 365-mal diesen Zettel ausdrucken, 365-mal den Zettel einsortieren, dann beim Check-in vorlegen und 365-mal wieder aussortieren, bevor wir ihn dann archivieren konnten. Sie merken: Das ist ganz schön viel Arbeitsaufwand für diesen einen Zettel.

Wenn wir in Deutschland über Bürokratie reden, dann fällt mir immer dieser Meldeschein ein. Der ganze Prozess, den ich gerade beschrieben habe, ist nicht nur aufwendig, sondern auch sehr teuer. In Zahlen sind das 3 Millionen Arbeitsstunden und 62 Millionen Euro Kosten pro Jahr, und das in einer Branche, die mit am häufigsten mit dem Fach- und Arbeitskräftemangel zu kämpfen hat. Als Tourismuspolitikerin und aus eigener Erfahrung war es mir deshalb ein sehr großes Anliegen, dieses System zu ändern. Das haben wir geschafft, und wir sind sogar über das, was im Koalitionsvertrag steht, hinausgegangen. Wir schaffen heute die Meldepflicht für deutsche Staatsangehörige in Beherbergungsbetrieben ab.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Das war gar nicht so einfach; denn Bürokratieabbau ist ein hochbürokratischer Prozess. Dahinter stecken große Anstrengungen, viele Bemühungen und ein konstruktiver Austausch von Politik, Unternehmen und Interessenvertretungen, wie meine Kolleginnen und Kollegen heute schon sehr intensiv beschrieben haben. Bürokratieentlastung klingt immer so groß und universell; kaum jemand kann sich ganz konkret etwas darunter vorstellen. Vor allem kann manch einer sich nicht vorstellen, was vermeintlich kleine Entlastungen, wie manche die Abschaffung des Meldescheins nennen, in der Realität letzten Endes für die entsprechende Branche bedeuten. Mit dem Wissen, wie komplex solche Verfahren zur Reduzierung bürokratischer Vorgaben sein können, sehe ich das Gesamtpaket an Entlastungen, das wir heute beschließen, als sehr großen Erfolg an.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Mit den kürzeren Aufbewahrungsfristen und digitalen Vereinfachungen im Steuerverfahren oder Personalwesen entlasten wir die gesamte Wirtschaft, vom Selbstständigen über mittelständische Betriebe bis zum Großkonzern, massiv.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

In Verbindung mit den weiteren Maßnahmen profitiert die Tourismusbranche wie kaum eine andere vom Bürokratieentlastungsgesetz IV. Der Wegfall des analogen Meldescheins ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine scheinbar kleine bürokratische Anpassung einen spürbaren Effekt haben kann und eine Branche entlasten kann. Deswegen, liebe Kolleginnen und Kollegen, freue ich mich sehr, dass wir diesen Zettel heute endlich abschaffen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
12 Vermerkeca. 688 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Heute vergesse ich nicht, Sie zu begrüßen. Meine Damen und Herren, insbesondere die Damen und Herren von den deutschen demokratischen Altfraktionen, die selbsternannten Qualitätsdemokraten hier im Hause! Schön, dass Sie noch so zahlreich vorhanden sind! Das wird sich ja demnächst ändern. Das zeigt sich, wenn wir uns die Wahlergebnisse anschauen. FDP, Grüne, die linken Grüppchen, alle sind in Auflösung begriffen. Das ist gut so für Deutschland. Der letzte Stabilitätsanker sitzt da rechts: Das ist die Alternative für Deutschland. Und für die rede ich jetzt hier ein bisschen.

Beifallbei der AfD
Zurufevon der SPD

Wir reden über Bürokratieentlastung. Die beste Entlastung für Deutschland wäre die fristlose Entlassung sämtlicher für diese desaströse Politik der letzten Jahre verantwortlichen Ampelmännchen und Ampelweibchen; einige sitzen da rechts von mir.

Zurufdes Abg. Dirk Wiese [SPD]

Eine AfD-geführte Bundesregierung muss her, die richtig anpackt, die richtig macht und die dann auch richtig durchsetzt, meine Damen und Herren. Solange diese Regierung im Amt ist, können Sie sich dieses Gesetzesvorhaben und überhaupt jedes Gesetzesvorhaben sparen. Die bringen Deutschland nicht voran. Sie sind Deutschlands Untergang.

Beifallbei der AfD

Und daran ändert auch Ihr telefonbuchdickes Viertes Bürokratieentlastungsgesetz

Ja, immerhin!

nichts, das Sie hier heute vorgelegt haben –

Wo sind denn Ihre Änderungsanträge dazu?

ein planloses Stückwerk, das wir leider hier heute debattieren müssen. Aber es soll nicht das letzte sein, haben Sie im Ausschuss gestern angekündigt. Jedes Jahr wollen Sie jetzt so ein Bürokratieentlastungsgesetz vorlegen und Ihr planloses Wirken weiter vorantreiben. Gut, dass die Wähler im nächsten Jahr diesem Spuk ein Ende bereiten werden und mit Schrumpf-SPD, Mini-Grünen und atomisierter FDP dann kein Staat mehr zu machen sein wird. Das wird Deutschland voranbringen und Deutschland helfen.

Das hier ist das Vierte Bürokratieentlastungsgesetz. Fragen Sie mal draußen, ob noch irgendjemand weiß, was in den anderen drei Bürokratieentlastungsgesetzen drinstand. Das weiß kein Mensch mehr. Und das wird sich auch nicht ändern, wenn Sie noch viele andere Bürokratieentlastungsgesetze vorlegen und Ihre Entbürokratisierungsbürokratie weiter betreiben.

100 000 Regelungen in Deutschland regeln unser Leben – Verordnungen, Gesetze. Da muss man im Kern ran, und wir sagen Ihnen auch, wie. Bereits im März habe ich zu diesem Thema gesprochen. Der verehrte Kollege Kubicki hatte mich damals unterbrochen, mit dem Hinweis, bedauerlicherweise müsse er mich stoppen bei meiner Aufzählung dessen, was in Deutschland noch alles abgebaut werden muss, der Gesetze, die wegkönnen.

Haben Sie die Redezeit überschritten, oder was?

Gott sei Dank kann ich heute weitermachen.

Ich fange an mit einem unserer Änderungsanträge, die wir heute vorgelegt haben. Demnach reden wir nicht über Hotelmeldescheine, Aufbewahrungsfristen oder irgendwelche Kinkerlitzchen, die Sie hier großartig verpackt haben, sondern wir reden darüber: Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz kann weg, meine Damen und Herren; Gebäudeenergiegesetz kann weg;

Beifallbei der AfD

Energieeffizienzgesetz nebst Energiedienstleistungsgesetz kann auch weg;

Entgelttransparenzgesetz kann weg, und Teile der Vergabeverordnung können auch weg. Das wäre ganz, ganz wenig Papier, das dafür bedruckt werden müsste, und das würde draußen die Menschen massiv entlasten.

Aber damit nicht genug. Was kann noch weg? Gesetz zur Beschleunigung des Braunkohleausstiegs im Rheinischen Revier kann weg;

AfD kann auch weg!

Gesetz zu Herkunftsnachweisen von Gas, Wasserstoff, Wärme oder Kälte aus erneuerbaren Energien kann weg; Zweites Gesetz zur Änderung des Wasserhaushaltsgesetzes kann weg; Neunzehntes Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes kann weg; Vierzehntes Gesetz zur Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes kann weg; Gesetz zur Erhöhung und Beschleunigung des Ausbaus von Windenergieanlagen an Land kann weg;

Gesetze zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes können weg; Zweites Gesetz zur Änderung des Gesetzes zur Errichtung eines Sondervermögens „Energie- und Klimafonds“ kann weg; Zweites Gesetz zur Änderung des Windenergie-auf-See-Gesetzes kann auch weg; Gesetz zu Sofortmaßnahmen für einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien kann weg; Gesetz zur Beschleunigung der Rückholung radioaktiver Anfälle aus der Asse kann auch weg. – Sie wundern sich, oder?

Sie langweilen uns!

Standortauswahlgesetz kann nach unserer Auffassung weg; Bundes-Klimaschutzgesetz kann weg; Kreislaufwirtschaftsgesetz kann weg; Gleichbehandlungsgesetz kann weg; Massenzustrom-Richtlinie kann weg; Qualifikationsrichtlinie kann weg; Gesetz über Maßnahmen zur Förderung des deutschen Films kann weg; Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze kann weg; sämtliche CO2-Bepreisungsvorschrifen können weg; Klimaschutzgesetz kann weg; sämtliche Kohleausstiegsregelungen können weg; Energiepreisbremsegesetze können weg; Gesetze für die kommunalen Wärmeplanung

Ihre Rede kann sogar weg!

und Gesetze zur Beschleunigung des Ausbaus der Photovoltaik – Sie werden überrascht sein –, auch die können weg; das Gesetz zu dem Übereinkommen von Paris vom 12. Dezember 2015 kann weg; Gesetz zu dem Protokoll von Kyoto vom 11. Dezember 1997 kann auch weg.

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
4 Vermerkeca. 76 WörterReaktionswert: niedrig
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Oh, der Zettel lag vor der Uhr. – Windenergieflächenbedarfsgesetz kann weg.

Das waren jetzt die Gesetze, die wegkönnen.

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ich habe noch mehrere Seiten an Gesetzen und Verordnungen, die geändert oder massiv gestrichen werden können.

Meine Damen und Herren, es gibt viel zu tun. Packen Sie es nicht mehr an; das bringt nichts!

Sie haben keine Lösung!

Wir von der Alternative werden das anpacken und unser Land vom Kopf wieder auf die Füße stellen.

Vielen Dank Ihnen und vielen Dank, Frau Präsidentin.

Beifallbei der AfD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Lars Castellucci
Foto: DBT/Stella von Saldern
22 Vermerkeca. 735 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Danke schön. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren – auch auf den Tribünen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was gibt Menschen Sicherheit? Den Menschen gibt es Sicherheit, wenn sie aus dem Haus gehen und darauf vertrauen können, dass ihnen auf der Straße, auf den Volksfesten nichts passiert.

Das war einmal!

Den Menschen, die heute anfangen, zu arbeiten, gibt es Sicherheit, wenn sie wissen: Irgendwann hat das auch mal ein Ende; sie dürfen zu einem bestimmten Zeitpunkt in Rente gehen und haben dann auch eine sichere Rente zu erwarten. – Das gibt Menschen Sicherheit.

Jungen Menschen, die eine Ausbildung machen möchten und in einer Gegend wohnen, in der die Ausbildungsplätze knapp sind, gibt es Sicherheit, zu wissen: Diese Regierung hat eine Ausbildungsgarantie eingeführt, und sie erhalten Hilfe auf ihrem weiteren Lebensweg. – Das gibt jungen Menschen Sicherheit.

Beifallbei der SPD

Es gibt Menschen Sicherheit, wenn sie morgens aus dem Haus und zur Arbeit gehen und die Dinge funktionieren – die Infrastruktur funktioniert, die Bahn fährt. Ich glaube, es ist klar, dass es diesbezüglich eine Menge Baustellen im Land gibt. Vielleicht kann ich wenigstens ein Mal sagen, dass diese Baustellen nicht erst in den letzten zwei Jahren entstanden sind, sondern schon ein bisschen länger bestehen.

Aber die werden immer größer, Herr Castellucci!

Eine gute Infrastruktur – wenn die Dinge im Leben funktionieren – gibt Menschen Sicherheit.

Ich verrate vielleicht auch kein Geheimnis, wenn ich hier sage, dass der Investitionsstau im Land zumindest von der FDP und den Grünen noch stärker angepackt werden sollte. Es wäre gut, wenn wir das in der Koalition so machen könnten, wie wir uns das vorstellen.

Das klingt ja nach Koalitionskrach! Es ist nicht mehr so harmonisch bei Ihnen!

Ich rede viel mit Fridays for Future, mit jungen Menschen. Die haben wegen des Klimawandels natürlich Sorgen. Wir sehen die Überschwemmungen. Es gibt Menschen Sicherheit, wenn sie wissen: Wir machen alles – und noch eine Schippe mehr –, um dem etwas entgegenzusetzen.

Internationale Allianzen geben uns Sicherheit angesichts eines Angriffskrieges nur wenige Flugstunden von uns entfernt.

Das alles, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist ein Sicherheitspaket. Das ist das Sicherheitspaket der Bundesregierung.

Wo ist es denn?

Das, was Sie vorgelegt haben, werte Union, ist ein Verunsicherungspaket.

– Ja, das ist das alte Spiel. Sie mandeln sich jetzt auf, um Angst zu schüren und sich dann als Retter zu präsentieren.

Wir zeigen Lösungen! Das ist der Unterschied!

So handeln die Rechten schon immer, und dieses Spiel lassen wir Ihnen nicht durchgehen.

Sie haben Ihre Leute ja auch nach Amerika geschickt und sie schauen lassen, wie der Trump das macht. Unser Trump heißt Merz – vielleicht eine Nummer kleiner.

Jetzt ist aber gut hier! Beherrschen Sie sich mal da vorne! Unglaublich!

Aber die Richtung, die Sie einschlagen, ist die gleiche.

Ein Landesminister von Ihnen hat dieser Tage gesagt, es wäre vielleicht mal gut, nicht jeden Tag einen neuen Vorschlag zu unterbreiten, sondern sich konsequent an die Umsetzung dessen zu machen, was längst auf dem Tisch liegt. Ich finde, das hat dieser Mann richtig gesagt.

Da Sie jetzt so gegen das aufbegehren, was ich zum Thema Verunsicherung gesagt habe, will ich nur ein Beispiel nennen: Es sind schreckliche Attentate in diesem Land passiert. Auf eines der letzten Attentate hat Ihr Partei- und Fraktionsvorsitzender mit folgender Forderung reagiert – ich glaube, Herr Frei, Sie haben das Gleiche gesagt –: Jetzt muss es einen Einwanderungsstopp, einen Zuzugsstopp für Afghanen und Syrer geben. – Sie haben hier wieder mal Ressentiments geschürt

Das machen Sie doch jeden Tag!

und pauschal Gruppen so behandelt, als ob jeder Afghane und jeder Syrer ein potenzieller Terrorist wäre.

Immer die gleiche Leier!

Ich sage Ihnen, Ressentiments schaffen keine Sicherheit, sondern Verunsicherung, und ich appelliere an Sie, dass Sie das künftig unterlassen.

Ich sage das aber auch der anderen Seite. Es wurde hier gesagt, man könne Migration und terroristische Anschläge überhaupt nicht miteinander in Verbindung bringen. Meine Damen und Herren, wenn nun aber der mutmaßliche Terrorist ein Geflüchteter war und noch dazu einer, der in diesem Land gar kein Aufenthaltsrecht hatte,

Einer? Hunderte! Tausende!

dann müssen wir doch, wenn wir diese schreckliche Tat schon nicht verhindern konnten, wenigstens das Maximale tun, um solche Taten in Zukunft zu verhindern. Dafür schnürt diese Regierung jetzt auch das aktuelle Sicherheitspaket.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, unser Land wird häufig schlechtgeredet,

Weil Sie es schlecht gemacht haben!

aus Gründen, die eher wahltaktisch motiviert sind. Unser Land ist aber nach wie vor eines der sichersten Länder dieser Welt. Es ist richtig: Wir müssen hart arbeiten, damit das so bleibt,

Nein, es soll nicht so bleiben! Es soll besser werden!

und wir müssen mehr tun in den Bereichen, die uns große Sorgen machen. Aber denjenigen, die die Verunsicherung betreiben, sage ich: Wir setzen Ihrer Kampagne der Verunsicherung jeden Tag eine sachgerechte, konsequente Politik entgegen,

Wo denn? Wo denn?

So was nennt man Worthülsen!

und wir setzen Ihrer Angst die Hoffnung auf ein besseres Morgen entgegen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Sie haben nur noch Hoffnung! Das ist das Problem!

Je besser wir in diesem Land zusammenhalten, desto besser wird es werden.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD
Porträt von Alexander Throm
Foto: Alexander Throm/Tobias Koch
32 Vermerkeca. 651 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Herr Kollege Castellucci, das war ein peinlicher Auftritt,

Ja, allerdings!

gerade für den amtierenden Vorsitzenden des Innenausschusses.

Er spricht hier als Abgeordneter!

Genau! Ein AfD-Vorsitzender wäre besser! Den müssen Sie einfach mal wählen!

Wir brauchen keine Angst zu schüren; die Menschen in unserem Land haben Angst. Und das erkennen Sie nicht, Herr Kollege und die SPD.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Es ist geradezu blamabel und beschämend, dass es dieser Ampelkoalition nicht gelingt, hier heute ihr Sicherheitspaket zur Beschlussfassung vorzulegen.

Typisch Sozis: blamabel und beschämend!

Es ist beschämend, weil Sie es versprochen haben – der Bundeskanzler höchstselbst. Wir haben extra in der Haushaltswoche beraten, damit es heute beschlossen werden kann, und nicht einmal fünf Wochen nach Solingen brechen Sie Ihr erstes Versprechen.

– Herr Kollege Castellucci, hören Sie doch mal zu! Ich habe es bei Ihnen auch ertragen müssen. – Es ist blamabel, weil Sie es noch nicht einmal schaffen, sich in einer solchen Situation zusammenzuraufen. Heute wird in der Presse „Aufstand in der SPD-Fraktion“ getitelt. Es gibt bei der SPD und bei den Grünen offene Briefe von der Parteibasis. Ihr Bundeskanzler hat in Ihrer eigenen Fraktion offensichtlich keinerlei Autorität mehr, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass Gespräche mit diesen drei Parteien über Sicherheit und Migrationsbegrenzung keinen Sinn machen, dann ist es gerade dieser Offenbarungseid. Dabei sind es ja nur kleine Trippelschrittchen, die Sie mit Ihrem sogenannten Sicherheitspaket gehen.

Sie sprechen von „Offenbarungseid“! Sie haben sich doch vom Acker gemacht im Ministerium! Unverschämtheit!

Wir brauchen aber einen Weitsprung. Und genau diesen Weitsprung legen wir Ihnen, Frau Kollegin Mihalic, heute vor, mit all dem, was in Ihrem Paket noch fehlt: an die 60 Punkte zur Migrationsbegrenzung, zur Sicherheit, zu Kompetenzen für die Sicherheitsbehörden, zur Islamismusbekämpfung.

Jetzt reden Sie schon wieder nicht über Sicherheit! Reden Sie über die Sicherheit!

Wir als Union haben einen umfassenden Plan,

… der direkt ins Desaster führt!

wie wir die Migrationskrise in Deutschland in den Griff bekommen und die Sicherheit wiederherstellen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beispiel: In Ihrem Sicherheitspaket ist keine einzige Maßnahme enthalten – keine einzige! –, die den Zuzug nach Deutschland verringert oder begrenzt.

– Keine einzige Maßnahme – schauen Sie rein, Herr Fechner; offensichtlich kennen Sie es nicht –, die verhindert, dass zusätzliche Menschen nach Deutschland kommen! Wir brauchen aber eine Verschnaufpause.

Ich brauche auch gleich eine Verschnaufpause, wenn diese Rede vorbei ist!

So eine unterkomplexe Rede! Ehrlich!

Seit 2022, also in Ihrer Regierungszeit, hatten wir 700 000 Asylerstanträge, 1,2 Millionen ukrainische Flüchtlinge, einen freiwilligen Familiennachzug und ein Bundesaufnahmeprogramm für Afghanistan. Das sind 2 Millionen zusätzliche Menschen in Deutschland in zweieinhalb Jahren,

und das überfordert unser Land, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Also die Ukrainer zurückschicken, oder was?

Deshalb brauchen wir umfassende Zurückweisungen.

Das passiert doch schon! Schauen Sie sich die Zahlen an!

Ja, wir wollen das Recht in Europa wieder in Kraft setzen, dass dort der Asylantrag gestellt wird, wo die Zuständigkeit besteht, nämlich im ersten Land, wo man europäischen Boden betritt.

Die FDP, Herr Kollege Kuhle,

Ah, Herr Throm!

hat gestern – ich komme zweimal auf Sie zu sprechen –

Bitte! Ich würde es auch vermissen, wenn Sie es nicht machen würden!

im Rechtsausschuss unser Zustrombegrenzungsgesetz abgelehnt.

Steht ja auch nichts drin!

Zurufvon der SPD: Meine Güte!

So viel zur Glaubwürdigkeit, dass Sie unserer Migrationspolitik näherstehen wollen als der der Ampel! Das ist nicht der Fall.

Jetzt noch zu einem anderen Thema; denn in der Tat: Beim Thema Sicherheit geht es nicht nur um Migration, sondern auch um eine ordentliche Ausstattung unserer Sicherheitsbehörden.

Jetzt komme ich wieder auf Sie zu sprechen, Herr Kollege Kuhle.

Sie scheinen sich ja sehr zu mögen!

– Was habe ich gesagt? Kuhle! Ich will Sie nicht mit Herrn Buschmann verwechseln. Entschuldigung.

Das wäre mir sehr lieb!

Ihnen wird schwindelig bei den vielen Namen!

Am Montag hat Ihnen die BKA-Vizepräsidentin Link die Vorratsdatenspeicherung ins Stammbuch geschrieben,

am Mittwoch im Innenausschuss hat Innenminister Reul das bestätigt,

Ausstattung ist das Thema! Haben Sie gerade selbst gesagt!

und morgen im Bundesrat werden die schwarz-grün regierten Bundesländer einer Entschließung zustimmen, in der genau Ihre Bundesregierung aufgefordert wird, diese Vorratsdatenspeicherung einzuführen.

Sie haben es 16 Jahre nicht hinbekommen!

Respekt vor den Grünen in den Ländern! Ich bin gespannt, was ich heute von Ihnen hören werde, von den Bundesgrünen. Sie haben heute die Möglichkeit, den ersten Punkt bei Ihrem Neustart zu machen; denn nur neue Gesichter reichen nicht. Sie müssen Ihre Politik ändern, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Beifallbei der CDU/CSU

Sie nehmen direkt die alten!

Einzig die FDP bockt.

So ist es! Genau! So ist es!

Sie nehmen es billigend in Kauf, dass die Gefahr für unsere Bevölkerung jeden Tag größer ist, als sie sein könnte.

Haben Sie acht Jahre lang in Kauf genommen!

Sie verhindern Terrorabwehr und die Bekämpfung von Kindesmissbrauch. Das ist unverantwortlich.

Sie haben jede Maßnahme verhindert, seit Jahren!

Die Rechtsprechung des EuGH ist seit anderthalb Jahren gelockert, und dies ist eröffnet worden. Ich fordere Ihren Justizminister auf,

Da kommt doch nichts bei rum!

endlich seinem Amtseid nachzukommen und Schaden von diesem Volke abzuwenden.

Herzlichen Dank.

Porträt von Bernd Baumann
Foto: Dr. Bernd Baumann
13 Vermerkeca. 550 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die heutigen Forderungen der CDU/CSU beinhalten Zurückweisungen an den Grenzen für alle Asylmigranten. Das ist ein Antrag der AfD.

Julian Pahlke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die CDU/CSU gewandt: Von wem Sie hier Komplimente bekommen!

Wir können aber über das zentrale Thema Zurückweisungen heute im Parlament nicht abstimmen. Die Koalition hat das gestern im Innenausschuss verhindert, wohl weil sie ahnte, dass jetzt selbst einzelne FDP-Abgeordnete dem zustimmen könnten. Das zeigt doch, welche Macht und welchen Einfluss die AfD mit ihren richtigen politischen Forderungen hat, meine Damen und Herren.

Null Komma null!

Wir treiben die Koalition und die CDU vor uns her.

Beifallbei der AfD

So sehen Sie aus!

Der CDU/CSU-Antrag hat aber auch für sich genommen extreme Brisanz; denn mit „Zurückweisungen an den Grenzen“ kopiert die CDU/CSU nicht nur unsere Kernforderung; die Union vollzieht damit auch einen völligen Bruch mit der CDU/CSU-Regierung, die 16 Jahre lang regierte.

Aha! Hört! Hört!

Nur mal kurz zur Erinnerung: Wer waren denn die Unionsabgeordneten, die diese Bundesregierung getragen haben? Das waren doch Sie selbst, Sie höchstpersönlich, Herr Carsten Linnemann, Herr Thorsten Frei, Herr Jens Spahn und die 140 Unionsabgeordneten, die immer noch hier sitzen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Sie alle haben als Fraktion die Grenzöffnung 2015 bejubelt. Sie haben wie besoffen Ihre Willkommenskultur gefeiert. Indem Sie jetzt selbst sagen, man müsse sofort die Grenzen für Asylmigranten schließen, um größten Schaden von Deutschland abzuwenden, bekunden Sie doch selbst, welchen gigantischen Schaden Sie alle von der CDU seit 2015 angerichtet haben. Explodierende Kriminalität, geplünderte Sozialkassen, radikale Parallelgesellschaften – das waren Sie, Herr Linnemann, Herr Frei, Herr Spahn und die 140 anderen Unionsabgeordneten, die immer noch hier sitzen.

Beifallbei der AfD

Zudem haben Sie alle hier als Fraktion jahrelang behauptet, man könne die deutschen Grenzen gar nicht schützen; das ginge technisch gar nicht. Mit Ihrem heutigen Antrag gestehen Sie ein: Das geht sehr wohl. Die Behauptung, es ginge nicht, war Unsinn. Mehr noch: Es war eine Lüge, die Sie jahrelang benutzten, um die deutschen Grenzen offen zu halten. Man kann und darf Ihnen deshalb gar nichts mehr glauben, Herr Linnemann, Herr Frei, Herr Spahn und die 140 anderen Unionsabgeordneten, die immer noch hier sitzen.

Beifallbei der AfD

Sie wären auch gerne dabei gewesen, scheint mir!

Aber selbst wenn die CDU/CSU – von den AfD-Erfolgen getrieben – nun wirklich eine echte Wende wollte – Ihr heutiger Antrag suggeriert das ja –: Wie glaubhaft wäre denn eine solche Wende? Worte, bloßes Reden, auch hier im Parlament, sind doch Schall und Rauch. Glaubwürdig wird die CDU doch erst, wenn sie nach den Wahlen auch so handelt, wie sie vorher redet. Aber schon die Auswahl Ihrer Koalitionspartner lässt daran zweifeln; denn die Union akzeptiert nur linke Parteien. Sie macht Politik ausschließlich mit dem links-grünen Zeitgeist und zementiert so die Macht der links-grünen Blase. Das ist die Schieflage dieser Republik, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Genau deswegen kann man die AfD nicht wählen!

Und weil die Union das seit zwei Jahren so macht, weil sie immer links abbiegt, ist längst ein Parteienkartell entstanden, eine Art Einheitsbrei gegen die AfD, eine Art Amalgam, eine glitschige Zeitgeistmasse. Man weiß gar nicht mehr, wo SPD und Grüne aufhören und wo die CDU anfängt.

Wo ist eigentlich Ihre Fraktion? Acht Leute bei diesem wichtigen Thema!

Alles fließt irgendwie ineinander. Deshalb – alle Wahlen zeigen das – gibt es faktisch nur noch zwei Parteien in Deutschland: auf der einen Seite die AfD als das Neue,

Acht Leute! Mehr sind nicht da!

auf der anderen Seite der ganze Rest.

Beifallbei der AfD

Aber immer weniger Bürger wollen und wählen das Altparteienkartell. Immer mehr wollen das Neue; sie wählen die AfD. Und das ist genau das Richtige, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Bravo! Sehr gut!

Porträt von Mechthilde Wittmann
Foto: Mechthilde Wittmann/ Ralf Lienert
16 Vermerkeca. 625 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Herr Kuhle, der Anfang Ihrer Rede ließ mich hoffen, dass wir hier wirklich gemeinsam einen einenden Weg beschreiten,

Die Hand ist ausgestreckt!

aber das Ende hat bewiesen, dass wir tatsächlich Angst haben müssen. Am meisten habe ich Angst davor, dass Sie wirklich glauben, was Sie hier alles von sich geben. Davor habe ich am meisten Angst.

Beifallbei der CDU/CSU

Die kann ich Ihnen nehmen!

Um es abzukürzen: Was Sie gerade zum Waffenrecht ausgeführt haben, ist schlicht und ergreifend erfunden und erlogen

Sollen wir es nun beschließen, oder nicht? Wollen Sie, dass es heute beschlossen wird, oder nicht?

und einfach mal kurz in den Raum gestellt in der Hoffnung, dass es keiner prüft. Und deswegen glaube ich: Wenn Sie so hilflos sind und zu solchen Mitteln greifen müssen, dann wäre es besser, Sie kürzen Ihre Redezeit ab.

Beifallbei der CDU/CSU

Meine sehr verehrten Damen und Herren, es ist das größte Armutszeugnis überhaupt, dass die Ampel – und das spreche ich Ihnen ab – nicht nach Solingen, sondern nach den Wahlergebnissen in Sachsen und Thüringen aufgewacht ist und nicht vorher.

Sie doch auch!

Das ist doch Blödsinn!

Wir haben miteinander beschlossen, dass wir diese Dinge jetzt tatsächlich miteinander durchbringen wollen. Der Bundeskanzler hat es versprochen. Wir haben uns darauf eingelassen, in der Haushaltswoche eine Sonderdebatte zu führen, um die Anhörung schnell durchzuführen und noch in dieser Sitzungswoche tatsächlich in die Gänge zu kommen.

Wir haben unser Zustrombegrenzungsgesetz vorgelegt, Sie haben Ihr Sicherheitspaket vorgelegt. Und dann mussten Sie alles zurückziehen.

Widerspruchdes Abg. Konstantin Kuhle [FDP]

Warum mussten Sie es zurückziehen? Weil Sie über die Situation, die wir vor und am Anfang der Haushaltswoche hatten, keinen Schritt hinausgekommen sind. Sie sind in die Gespräche mit uns gegangen, wissend, dass Sie keinerlei Einigung in der Ampel haben,

Blödsinn! Was labern Sie da?

wissend, dass die Grünen Ihre Punkte nicht mittragen würden. Deswegen mussten Sie eine Show abziehen, die mit dem heutigen Tag vor aller Welt sichtbar ist.

Beifallbei der CDU/CSU

Liebe FDP, heute ist ihr Lackmustest. Heute ist D-Day für Sie.

Zurufevon der SPD: Oh!

Bei uns ist immer D-Day!

Ihr Generalsekretär hat in der letzten Sitzungswoche klar gesagt: Liebe Union, eins zu eins werden wir Ihre Vorschläge mittragen. Darauf gebe ich Ihnen mein Wort als Generalsekretär der FDP. – Wir nehmen ihn heute beim Wort.

Beifallbei der CDU/CSU

Unser Antrag hat alle Punkte kompakt zusammengefasst.

Von „kompakt“ kann ja wohl keine Rede sein! Das ist kaum lesbar!

Heute können Sie sagen, dass Sie, genau wie versprochen – ich sage: Ehrenwort –, mit uns mitgehen, um dieses Land an den Stellen sicherer zu machen, an denen es dies dringend braucht.

Das Sicherheitspaket, das die Ampel vorgelegt hat und das Sie offenkundig in keiner Form miteinander einen konnten, wie Sie überhaupt nichts einen können – Sie sprechen immer von: „Wir werden“; das liegt in einer Zukunft, in der Sie längst nicht mehr regieren werden –, hat tatsächlich Punkte, die wir durchaus begrüßen.

Aber Sie bleiben überall hinter dem zurück, was es braucht. Lassen Sie uns noch mal zu den Grenzkontrollen kommen. Die Bundespolizei kann nur Maßnahmen ergreifen, wenn sie Grenzbehörde ist. Und das ist sie nur, wenn es zu diesem Zeitpunkt einen stationären Grenzschutz an der Grenze gibt, weil ansonsten die Grenzbehörde am Schengenaußenraum sitzt. Das wissen Sie auch, sofern Sie sich mit der Materie befasst haben.

Mein Gott!

Und deswegen müssen wir diese Grenzkontrollen weiterführen. Ich bin unendlich dankbar, dass Frau Innenministerin Faeser zumindest zu 80 Prozent – wenn nicht mehr – verstanden hat, dass die Forderungen der Union zwingend notwendig sind. Aber Faeser ist allein zu Haus.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Forderung, dass die Bundespolizei an den Bahnhöfen vor den schlimmsten Übergriffen schützen soll, ist völlig irrsinnig. Aber die Bundespolizei kann an den Bahnhöfen auch keine grenzsichernden Maßnahmen durchziehen; denn dort ist sie nicht zuständig. Das ändern Sie einfach nicht. Das hat Ihnen Herr Teggatz bei unserer Anhörung gesagt, und Sie ändern das nicht.

Es gibt viele Punkte: 62 an der Zahl. Wenn Sie zustimmen, dann kommen wir schnell zum Ziel. Wenn nicht, dann weiß die Bevölkerung, wen sie für ihre Sicherheit nicht mehr brauchen kann, und das ist die Ampel.

Beifallbei der CDU/CSU

Eine Ampel ist grundsätzlich immer ein Beitrag zu mehr Sicherheit!

Wir fahren in der Debatte fort mit unserer nächsten Rednerin. Das ist für die SPD-Fraktion Gülistan Yüksel.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
17 Vermerkeca. 564 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren auf den Tribünen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Anfang des Jahres haben wir auf unseren Straßen rund 1,5 Millionen Menschen gesehen. Sie erhoben ihre Stimme für unsere Demokratie

Die Bauern! Die Bauern wollen die Ampel weghaben!

und setzten ein kraftvolles Zeichen gegen Rechtsextremismus.

Diese beeindruckenden Demonstrationen zeigten uns eines ganz klar: Wir sind eine vielfältige Gesellschaft, und wir stehen zusammen.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Julian Pahlke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Diesen Zusammenhalt der Demokratinnen und Demokraten brauchen wir heute mehr denn je; denn die Gefahren und Alarmsignale sind allerorten sichtbar.

Rechtsradikale Demokratiefeinde triumphieren bei den Landtagswahlen. Wir erleben immer mehr rassistische Anfeindungen und Übergriffe.

Deshalb wählen alle FDP und SPD!

Und der Ton in unseren innenpolitischen Debatten wird immer rauer und hetzerischer.

Ja, wegen Ihrer Reden! Weil Sie so reden! Sie hetzen doch gegen uns!

All das hängt zusammen, all das muss uns aufschrecken lassen.

Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen,

„Deutsche demokratische Altfraktionen“ heißt das!

braucht all das unseren Zusammenhalt.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Julian Pahlke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Gemeinsame Verantwortung tragen wir nicht nur für den Zusammenhalt in unserem Land, sondern auch für eine nachhaltige Sicherheitspolitik. Ob nun islamistischer Terror oder rechtsradikale Gewalt:

Das ist doch das Gleiche!

Beides gilt es mit aller Kraft zu bekämpfen.

Da haben Sie recht!

Gerade deshalb hätte ich mir gewünscht, dass Sie, Herr Merz – er ist heute bei diesem wichtigen Thema leider nicht anwesend –,

Wo ist Frau Faeser eigentlich?

die Gespräche mit unserem Bundeskanzler Olaf Scholz nicht leichtfertig beendet hätten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Sie legen nun einen Antrag vor, der vieles vermischt und wenig hilfreich ist. Insbesondere Ihr Vorschlag, das so wichtige Chancen-Aufenthaltsrecht rückgängig zu machen, oder die Maßnahme auf Seite 5 unter Buchstabe gg. zum Staatsangehörigkeitsrecht zeigen, dass Sie in der Realität nicht angekommen sind.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Bloße Inszenierungen und Feindbilder lösen unsere Probleme nicht. Sie lösen nicht die Personalnot in Krankenhäusern. Sie schaffen nicht mehr Wohnraum, und sie schaffen schon gar nicht mehr Sicherheit.

Statt aus Gesprächen davonzulaufen, arbeiten wir an Lösungen: von Kompetenzerweiterungen bei den Sicherheitsbehörden bis zum Ausbau von Prävention. Wir schaffen eine ganze Reihe von Gesetzesänderungen, um unser Land noch sicherer zu machen.

Stephan Brandner [AfD]: Noch sicherer? Da lachen ja die Hühner!

Sehr geehrte Damen und Herren, was es zudem braucht, ist eine saubere Aufarbeitung, um aus den möglichen Fehlern bei der Gefahrenabwehr zu lernen. Im Innenausschuss des Bundestages haben wir daher diese Woche mit dem NRW-Innenminister Herbert Reul und der ebenfalls zuständigen Ministerin Josefine Paul über den schrecklichen Terroranschlag in Solingen gesprochen. Es ist gut, dass hier Bund und Länder in der Aufarbeitung eng zusammenarbeiten. Darüber hinaus hat der Innenausschuss zu Beginn dieser Woche mit Expertinnen und Experten zum Sicherheitspaket gesprochen. Diese Rückmeldungen werden nun in die Beratungen im Parlament einfließen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind uns einig: Es braucht eine gute finanzielle und personelle Ausstattung von Polizei und Ausländerbehörden. Deshalb ist es gut, dass der Haushalt unserer Bundesinnenministerin trotz Sparzwang wächst und wir im nächsten Jahr unter anderem die Bundespolizei um 1 000 neue Beamtinnen und Beamte verstärken werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Liebe Bürgerinnen und Bürger, die Sicherheit unseres Landes und der Menschen, die hier leben, steht für uns an oberster Stelle. Und auch wenn gerade bei dem Thema Sicherheitspolitik die Extreme oft aufeinanderprallen, sollten wir uns eines klarmachen: Die allermeisten von uns stehen auch in dieser Debatte näher beieinander, als es manchmal den Anschein hat. Deshalb möchte ich am Ende meiner Rede noch einmal an die Großdemonstrationen zu Beginn des Jahres erinnern.

Die Bauern wieder! Immer die Bauern!

„Correctiv“-Lügen!

– Sie sollten vielleicht einfach mal zuhören. Diese Zurufe sind wirklich schrecklich.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Lügen von „Correctiv“!

Die Millionen von Menschen, die sich versammelt haben, geben Hoffnung. Diese breite Mehrheit zeigt, dass wir auch in schwierigen Zeiten zusammenhalten. Nur durch diesen Zusammenhalt können wir unsere Demokratie, unsere Rechte und unsere Freiheit bewahren. Es liegt an uns allen.

Zurufvon der AfD

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Gottfried Curio
Foto: Dr. Gottfried Curio/ Hagen Schnauss
6 Vermerkeca. 458 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Präsidentin! Meine Damen und Herren! Seit Jahren kommen Millionen Migranten in unser Land, hereingelassen unter dem Vorwand, der illegale Grenzübertritt sei fluchtbedingt und sie müssten hier ein Asylverfahren bekommen. In Wahrheit sind sie bereits durch zig sichere Staaten gezogen, sind also nicht auf der Flucht, haben keinen Anspruch auf Grenzübertritt. Asyl konnten sie bereits in mehreren anderen EU-Staaten beantragen.

Die Ampel will daran nichts ändern, sah sich aber nach Solingen zu einigen Zuckungen veranlasst, streng darauf bedacht, nur wirkungslose Maßnahmen vorzuschlagen. Diese sind den Grünen aber immer noch zu viel. So steht diese Regierung mit komplett leeren Händen da. Nicht mal mehr auf eine gemeinsame Wählertäuschung können die sich einigen!

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, es gibt aber eine letzte Gemeinsamkeit. Die Regierung hat sich darauf verständigt, die Aufsetzung von Oppositionsanträgen im Plenum zu blockieren, die das offensichtlich Notwendige fordern: eine umfassende Zurückweisung an den Grenzen. Bitte: Eine Regierung, die selbst nichts hat, behindert so die Arbeit der Opposition aus Angst – aus Angst vor der Abstimmung über eine wirkungsvolle Maßnahme! Deren Ablehnung wollen Sie vertuschen durch gleichzeitige Abstimmung über Ihre wirkungslosen Maßnahmen. Selbst auf die können Sie sich aber nicht mal mehr einigen.

Meine Damen und Herren, dieses Schauspiel der Ampel ist dem Land nicht mehr länger zumutbar. Es ist vorbei. Sie sind nicht mehr handlungsfähig. Herr Scholz, machen Sie den Weg frei!

Beifallbei der AfD

Sonst kommen Sie von der Reise zurück, und im Kanzleramt sind die Schlösser ausgetauscht. Denn bei der in Auflösung befindlichen FDP und den führungslosen Grünen entbrennt doch jetzt ein Wettstreit, wer sich noch das Verdienst anheften kann, das Land als Erster vom Albdruck der Ampel befreit zu haben. Herr Kanzler, machen Sie ein Ende! Sie haben diese Unglückskoalition doch geschmiedet. Und wer Rücktritt bestellt, bekommt ihn auch.

Beifallbei der AfD

Und die Union? Seit sie in der Opposition ist, gibt sie an, die Positionen der AfD zur Migrationsbegrenzung nun auch selbst inhaltlich zu erstreben. Sie wird Gelegenheit haben, die mit ihrem Gesinnungswechsel verbundenen Glaubwürdigkeitsbedenken auszuräumen. Die entscheidende Forderung einer umfassenden Zurückweisung wird, wie heute letztmalig bewiesen, von SPD und Grünen abgelehnt. Sie ist und wird nur mit der AfD praktisch umsetzbar sein.

Beifallbei der AfD

Sollte die Union diese Kooperation also ausschließen wollen, denunzierte sie sich selbst. Sollte sie nur von einer der zurückweisungsfeindlichen Parteien SPD oder Grünen einen CDU-Kanzler gewählt bekommen wollen, würde der vorgebliche Wille zu Zurückweisungen von ihr selbst widerlegt. Sollte es nächstes Jahr per Wählertäuschung weitergehen mit Deutschland als Siedlungsgebiet: Ihre Kinder und Enkel würden Sie verfluchen! Da die Union sich nicht selbst der Lüge bezichtigen will, wird sie bald klarstellen wollen, ob sie wirklich bereit ist zur Umsetzung und zur pragmatischen Kooperation mit ihrem einzigen Partner.

Wir werben für Sachpolitik statt Diffamierung, Bürgerinteressen statt Machtzynismus. Deutschland wartet darauf. Deutschland wird es Ihnen danken.

Beifallbei der AfD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
20 Vermerkeca. 894 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Ich finde es ja richtig, dass wir hier mal über Sicherheit und auch über Verunsicherung sprechen. Bei diesem Antrag, den wir hier heute hätten beschließen können, hätten Sie von der Union am liebsten ein paar Tage später wieder beklagt, dass Ihnen das alles zu schnell gegangen wäre. Alles, was Sie damit betreiben, ist eigentlich nur eine konzertierte Aktion der Verunsicherung. Ich finde, auch das muss man mal aussprechen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

So ein Blödsinn!

Für die Menschen waren die wichtigsten Themen bei den Landtagswahlen in Brandenburg soziale Sicherheit und wirtschaftliche Entwicklung. Und Sie reden und schreiben eine Migrationskrise in unserem Land herbei, die mit irgendwelchen Pseudomaßnahmen gelöst werden sollte, die faktisch und rechtlich überhaupt nicht funktionieren können.

Zurufevon der CDU/CSU

Ganz ehrlich: Es geht Merz und seiner Union doch längst nicht mehr um Lösungen. Es geht darum, Angst zu schüren. Sie wollen keine Sicherheitspolitik betreiben; ich glaube ehrlich gesagt auch, weil Sie es nicht können, weil Sie inhaltlich blank sind. Sie wollen Verunsicherung betreiben in der Hoffnung, daraus für den schnellen politischen Erfolg wenigstens ein bisschen Honig saugen zu können.

Das ist eine Unverschämtheit!

Damit machen Sie sich, ganz offen gestanden, zu den Erfüllungsgehilfen von Extremisten; denn Islamisten wollen in diesem Land Angst und Verunsicherung verbreiten. Mit Ihrer Sprache führen Sie das Werk der Extremisten eigentlich erst zu Ende, weil Sie Angst und Verunsicherung verbreiten. Um es mit den Worten eines politischen Kängurus zu sagen: Fear is the mind killer.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Sebastian Hartmann [SPD]

Wenn man so was wirklich glaubt, muss man geistig schon etwas verwirrt sein!

Nicht nur Islamisten spielen Sie damit in die Hände. Wir können auch gerne mal über russische Einflussnahme in Deutschland reden. Das ist kein Geheimnis mehr, und auch Sie sind davon mehr oder weniger betroffen. Denn die Agenda des Kremls ist es, Deutschland einerseits mit Desinformationen zu fluten und andererseits den Zusammenhalt, auch den politischen Zusammenhalt, hier anzugreifen.

Zurufder Abg. Mechthilde Wittmann [CDU/CSU]

Dass die AfD die Erzählung von Russland übernimmt, das sehen wir alle jeden Tag. Aber Putin geht es um nicht weniger als darum, das demokratische System in diesem Land bis in die letzte Fuge zu erschüttern, und damit sind auch ausdrücklich Sie gemeint.

Das erledigen Sie schon selbst!

Und womit versucht er das? Richtig, mit Debatten über Migrationspolitik! Im Winter 2021 hat Putin deshalb auch mal versuchsweise Menschen an die Grenze von Belarus zu Polen geflogen, um zu schauen: Was passiert da eigentlich? Daran sehen wir: Der Kreml ist zu allem bereit,

Und was tun Sie?

auch dazu, menschliche Opfer zu bringen und unser demokratisches System zu erschüttern.

Was tun Sie?

Den Einfluss Russlands in all dem zu unterschätzen, Herr Throm,

Was tun Sie?

das ist Ihr persönlicher historischer Fehler, bei dem wir Ihnen aufs Neue jeden Tag zuschauen müssen.

So ein Unsinn!

Wir können gerne mal auf die Zahlen schauen. Seit 2015 gab es in Deutschland 20 Tote durch islamistische Anschläge. Jede einzelne Tat, jedes einzelne Opfer sind ein Anlass, die Sicherheitspolitik zu überprüfen, mit unseren Behörden zu beraten, was wir tun können. Das gehört zu einer ehrlichen Debatte dazu. Ihnen ist all das nicht mal eine sicherheitspolitische Erwähnung wert, sondern gleich die Erklärung des Notstandes wert, ohne auch nur eine sicherheitspolitische Maßnahme auf den Tisch zu legen.

Haben Sie mal in den Antrag reingeguckt? Oder wann haben Sie die Rede geschrieben?

Schauen wir gleichzeitig mal auf die Zahlen im Mittelmeer. Im letzten Jahr sind im zentralen Mittelmeer 2 526 Menschen ertrunken. Es hätte letztes Jahr über 2 526 Anlässe gegeben, die eigenen Vorschläge zu überdenken und etwas gegen das Sterben zu unternehmen. 30 000 Tote allein in den letzten Jahren sind ein Notstand. Das ist ein Notstand der Menschlichkeit. Den hätten Sie zehn Jahre lang ausrufen können.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Ich schaue mir sehr genau an, was Ihre Spitze da gerade treibt. Und eine Sache ist deutlich: Sie wollen den Baum brennen sehen, am besten lichterloh, egal welcher Schaden dabei gesellschaftlich entsteht; Hauptsache, Sie ziehen sich kurzfristig daran hoch.

Sie sollten wie der Vorstand der Grünen Jugend die Partei verlassen!

Wir können auch gerne über ganz konkrete Vorschläge reden. Reden wir über eine Basisinvestition in unsere Sicherheitsbehörden. Reden wir über Präventionsprojekte, die wir auch finanziell vernünftig ausstatten müssen. Und reden wir auch gerne mal über Deradikalisierung. Bei all diesen Themen sind Sie blank. Sie stellen Menschen mit internationaler Geschichte in diesem Land unter Generalverdacht, und das ist eine riesige Gefahr.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Diese Gefahr ist so groß, dass sie mittlerweile auch unsere Wirtschaft trifft. Denn etwa 25 Prozent der Menschen mit Migrationsgeschichte in diesem Land denken darüber nach, Deutschland zu verlassen – 25 Prozent!

Zurufevon der AfD

Das müssen wir doch mal auf uns wirken lassen. Das ist die reale Folge von Ausgrenzungen und Alltagsrassismus, und das trifft uns. Das trifft das Land mit seiner Gesellschaft ins Mark, und das trifft unsere Wirtschaft.

Ganz ehrlich: Wir brauchen jedes Jahr 400 000 Menschen, die zu uns kommen, die hier einen Job annehmen. Und ja, am Ende des Tages zahlen diese Menschen auch Steuern, sie zahlen unsere Diäten, sie zahlen in die Rentenkasse und in die Sozialsysteme ein.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Und sie halten dieses Land jeden Tag am Laufen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, hat das mal auf den Punkt gebracht. Er hat gesagt, wir würden es sogar schaffen, 3,2 Millionen Schutzsuchende in Deutschland in Arbeit zu bringen. Das wäre eine ganz konkrete Maßnahme: gegen Radikalisierung, gegen Ausgrenzung, gegen Desinformation. Denn all diese Menschen würden damit ein selbstverständlicher Teil dieses Landes werden.

Zurufdes Abg. Christoph de Vries [CDU/CSU]

Lassen Sie uns stattdessen über die konkreten Dinge reden, zum Beispiel über die Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen; damit wäre uns geholfen. Das hilft den Kommunen, das hilft den Geflüchteten, das hilft der Wirtschaft, und das schützt uns am Ende vor Extremismus. Aber alles, was Sie da gerade betreiben, Herr Merz und seine Truppe, das ist die allgemeine deutsche Verunsicherung.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Das ist der Neustart der Grünen! Bravo!

Porträt von Clara Bünger
Foto: Clara Bünger/ Karolina Sobel
12 Vermerkeca. 475 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das, was hier heute von der Union, konkret von Herrn Throm, aber auch von der AfD dargeboten wurde, ist ein Skandal. Sie sagen hier doch ernsthaft, dass Deutschland sicherer wird, wenn wir Geflüchteten alle Rechte wegnehmen. Das ist wirklich ein Skandal!

Jeder weiß, liebe Union, dass Sie Ihre christlichen Werte längst über Bord geworfen haben.

Widerspruchdes Abg. Philipp Amthor [CDU/CSU]

Das stimmt!

Aber dass Sie jetzt Ihre demokratischen Prinzipien gleich hinterherwerfen, ist wirklich ein Riesenskandal. Und dass Sie sich das auch noch von einer Linken sagen lassen müssen, ist wirklich witzig.

Beifallbei der Linken

Die CDU wollte doch einst eine Partei sein, die für ein Europa des Friedens und der Solidarität steht.

Sie sind bald gar keine Partei mehr!

Und was machen Sie heute? Sie kopieren die AfD. Dabei waren Sie, Herr Merz – er ist heute nicht mal da –, doch angetreten, um die AfD zu halbieren und sie nicht auch noch zu verdoppeln.

Zurufeder Abg. Philipp Amthor [CDU/CSU] und Julia Klöckner [CDU/CSU]

Sie fordern, dass Menschen, die angeblich rechtswidrig nach Deutschland gekommen sind, pauschal von Asylverfahren ausgeschlossen werden. Es gibt aber keine legalen Fluchtwege; das müssen Sie ehrlicherweise dazusagen. Wenn es nach Ihnen ginge, könnte niemand mehr in Deutschland Schutz bekommen. Sie wollen Haftlager errichten und Sozialleistungen faktisch auf null kürzen.

„Haftlager“?

Diese unmenschliche Politik stammt direkt aus dem Programm der AfD.

Das stimmt!

Kein Wunder, dass die AfD sich beschwert, dass Sie sie kopieren.

Sie behaupten, Migration sei das größte Problem in diesem Land. Aber das ist schlichtweg falsch.

Zurufvon der AfD: Das ist das Problem der Linken!

Migration ist nicht die Ursache für soziale Probleme. Die Ursache sind die ungleichen Macht- und Eigentumsverhältnisse, die Sie als CDU seit Jahrzehnten fördern.

Beifallder Abg. Janine Wissler [Die Linke]

Mit Ihrer wahnhaften Problematisierung von Migration lenken Sie doch von der Wahrheit ab: Die Armen werden ärmer, weil die Reichen reicher werden, und nicht, weil die Geflüchteten ihnen etwas wegnehmen, so wie Sie es den Leuten weismachen wollen.

Zurufder Abg. Dr. Silke Launert [CDU/CSU]

Wir als Linke sagen klar: Dieses Land hat kein Problem mit den Menschen, die vor Krieg fliehen, sondern wir haben ein Problem mit dem Krieg.

Beifallbei der Linken

Das Problem ist eine Politik, die Reichtum konzentriert und Armut verbreitet, die genau jene Kriege befeuert, die Flucht erst verursachen.

Geflüchtete sind doch keine Außerirdischen. Sie haben genau die gleichen Grundbedürfnisse wie die Mehrheit der Menschen, die schon lange hier leben. Sie möchten bezahlbaren Wohnraum, einen Job, der möglichst mit guten Arbeitsbedingungen verbunden ist, und sie wollen genau wie jeder andere auch für ihre Familie sorgen. Das wollen wir doch alle hier. Darum müssen wir uns kümmern. Dafür stehen wir als Linke: für massive Investitionen in die öffentliche Infrastruktur, wovon übrigens alle profitieren würden.

Es ist gut, dass einige Menschen bei der SPD und bei den Grünen das verstanden haben, dass sich da Widerstand regt und dass es Briefe von SPD-Mitgliedern und vom Vorstand der Grünen Jugend gibt. Aber aus diesen Briefen und aus den angekündigten Parteiaustritten des Vorstandes der Grünen Jugend muss natürlich etwas folgen, nämlich eine konkrete Politik, die besser ist für alle Menschen in diesem Land.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Hakan Demir
Foto: Hakan Demir/ Christian Spies
7 Vermerkeca. 521 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Jetzt, fast am Ende der Diskussion, möchte ich noch auf ein paar Punkte eingehen, natürlich auch auf die rechtsextreme AfD und die Glaubwürdigkeit, mit der sie hier über Sicherheitspolitik spricht. Um diese Glaubwürdigkeit ist es nicht gut bestellt, wenn man bedenkt, dass eine ehemalige Bundestagsabgeordnete der AfD in Haft ist und dass etwa 100 Rechtsextreme hier für die AfD arbeiten. Deshalb kann ich auch offen sagen, dass Sie keine glaubwürdige Stimme für Sicherheitspolitik in diesem Land sind.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufeder Abg. Steffen Janich [AfD] und Dr. Christian Wirth [AfD]

In Richtung CDU/CSU möchte ich etwas zur Anhörung sagen, die an diesem Montag stattfand. Es sind komplizierte Inhalte, die wir verhandeln. Wir haben von den Expertinnen und Experten noch einmal eine Rückmeldung bekommen. Diese müssen wir einarbeiten. Das ist das normale parlamentarische Verfahren. Deshalb werden wir das in der nächsten Sitzungswoche noch einmal aufsetzen.

Zurufdes Abg. Detlef Seif [CDU/CSU]

Das gehört sich so, auch gegenüber den Expertinnen und Experten. Das ist der richtige Weg. Das machen wir auch so.

Was aber nicht seriös ist, ist, heute noch einmal zu sagen, dass an der Grenze pauschale Zurückweisungen stattfinden sollen. Das Problem dabei wäre, dass man quasi den Notstand ausrufen müsste.

Zurufder Abg. Mechthilde Wittmann [CDU/CSU]

Ich weiß nicht, welche der 16 Innenministerinnen bzw. Innenminister auf Ihrer Seite dazu bereit wären. Einen solchen Notstand gibt es in diesem Land nicht. Dass Sie den herbeireden wollen, das ist die Strategie von Ihrer Seite.

Zurufder Abg. Mechthilde Wittmann [CDU/CSU]

Aber das wird so mit uns nicht funktionieren.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Was haben wir schon gemacht? Wir haben das Gemeinsame Europäische Asylsystem vorangebracht. Es wird hierzu auch ein Umsetzungsgesetz in den nächsten Wochen geben. Das ist gut so, weil es für all die Herausforderungen natürlich einer europäischen Lösung bedarf. Wir haben ein Rückführungsverbesserungsgesetz beschlossen. Es gibt also Gesetze. Wir haben Grenzkontrollen und sehen, dass sie auch wirken. Also tut diese Regierung das, was sie tun kann.

Ich will aber hier auch ganz klar sagen: Es ist der Eindruck entstanden, dass wir neue Sündenböcke in der Gesellschaft schaffen, wenn wir sagen, eine bestimmte Gruppe von Menschen ist schuld an allem. Das darf so nicht sein. Ich habe in meinem Wahlkreis ein kleines Praktikum im Krankenhaus gemacht. Am Ende ist ein Mann auf mich zugekommen – grauer Bart, graue Haare – und sagte zu mir: Ich bin hier Arzt. Man sieht es mir vielleicht nicht an, aber ich habe einen syrischen Hintergrund. – Was reden Sie da eigentlich die ganze Zeit? Die Diskussionskultur, die wir gerade haben, ist nicht von Respekt getragen. Schaut man etwa nach Thüringen, stellt man fest: Ein Viertel der Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern dort hat eine Migrationsgeschichte. Viele von ihnen überlegen wegen der AfD-Rhetorik, das Land zu verlassen.

Wichtig ist, dass wir die Linie nicht falsch ziehen. Gerade wird die Linie zwischen uns und den anderen, die vielleicht einen anderen Hintergrund haben, gezogen. Aber ich glaube, das ist nicht die Linie, die wir ziehen müssen. Die Linie, die wir ziehen müssen, ist zwischen uns Demokratinnen und Demokraten und den Extremistinnen und Extremisten, den Terroristinnen und Terroristen. Wir dürfen die Linie auch nicht zwischen Nationalitäten ziehen, wie es manchmal der Fall ist. Ich rufe uns alle dazu auf, mehr Respekt in dem Diskurs zu zeigen.

Danke schön.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
9 Vermerkeca. 677 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte den Abschluss der Debatte noch einmal nutzen, um daran zu erinnern, warum wir heute überhaupt Anlass haben, über das Thema „Sicherheit in Deutschland“ zu sprechen. Anlass ist die furchtbare Tat von Solingen, bei der ein 26-jähriger syrischer Asylbewerber auf einem Stadtfest zwei Männer und eine Frau getötet und viele weitere teilweise schwer verletzt hat. Weder der Täter noch die Tat sind ein Einzelfall, und erst recht nicht ist es seine Zuwanderungsgeschichte. Aber nach Solingen haben viele gespürt und gesagt: So kann es nicht weitergehen. Es reicht. – Solingen hat insofern nach Mannheim, Bad Oeynhausen, Brokstedt – ich könnte noch weitere Beispiele nennen – das Fass zum Überlaufen gebracht. Das haben wir gespürt.

Anscheinend hat es auch der Bundeskanzler gespürt. Er hat versprochen, zu liefern, und ein Sicherheitspaket angekündigt. Und genau dieses hätten wir hier und heute beraten sollen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das Versprechen des Kanzlers wurde aber gebrochen. Sie haben keine wirksamen Vorschläge eingebracht, und sogar über diese streiten Sie noch.

Es gab eine Anhörung!

Was übrig bleibt, sind Lippenbekenntnisse. Wenn Sie jetzt sagen: „Die Zeit war zu kurz, die Woche war zu kurz“, dann sage ich Ihnen: Sie hätten doch schon lange handeln können, wenn Sie hätten handeln wollen. Aber das wollen Sie nicht. Das sind alles Ausreden. Das ist peinlich. Sie wollen in der Tat gar nichts verbessern.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Gülistan Yüksel [SPD]

Was die Menschen hier im Land aber jetzt erwarten, liebe Kolleginnen und Kollegen, sind eine konsequente Politik und eine Bundesregierung, die handelt. In der Tat hat das Thema Migration das Potenzial, das Land zu spalten. Genauso wenig wie wir alle Migranten unter Generalverdacht stellen dürfen, wie Sie es uns vorwerfen, dürfen wir das Thema verharmlosen.

Migration ist ein Faktor für die innere Sicherheit geworden; das zeigen die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik. Der Anteil ausländischer Tatverdächtiger ist rund zweieinhalbmal so hoch wie der Ausländeranteil an der Bevölkerung. Und Migration bringt die Kommunen an die Grenzen der Leistungsfähigkeit. Diese Grenzen kann man eben nicht einfach abtun oder ignorieren mit dem Hinweis, das Problem werde nur hochgeschrieben.

Beifallder Abg. Petra Nicolaisen [CDU/CSU]

Die Bürgerinnen und Bürger wollen, dass die Probleme angesprochen werden, und sie wollen vor allem, dass sie gelöst werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Dabei messen sie uns an konkreten Taten. Dafür machen wir heute ganz konkrete Vorschläge – natürlich, Herr Kollege Lindh, nicht zum ersten Mal.

Nehmen wir den Täter von Solingen. Er ist einer von vielen Menschen, die zu uns kamen, obwohl sie schon Schutz in einem anderen europäischen Land gefunden hatten. Diese Menschen wollen wir als CDU/CSU-Fraktion direkt an der Grenze zurückweisen. Die Ampel sagt: Nein, das geht nicht, liebe Kolleginnen und Kollegen. – Wir meinen, das geht, und wir meinen auch, dass das bisherige Verfahren gescheitert ist. Dafür sprechen die Zahlen: In der ersten Jahreshälfte 2024 gab es rund 40 000 Übernahmeersuchen. In rund 25 000 Fällen stimmten die Staaten zu; in gerade mal 3 500 Fällen kam es tatsächlich zu einer Rücküberstellung. Das ist nicht mal ein Zehntel. Meine Damen und Herren, das zeigt doch, dass Ihr Lösungsansatz der schnellen Verfahren an den Grenzen reine Placebowirkung haben wird. Das Verfahren ist gescheitert; das müssen wir doch endlich anerkennen.

Beifallbei der CDU/CSU

Andere EU-Staaten machen sich einen schlanken Fuß und winken durch. Deutschland bleibt das Hauptziel illegaler Migration. Bis Ende August 2024 gab es mehr als 160 000 Asylerstanträge, seit 2022 über 700 000. Deswegen braucht es Maßnahmen zur Begrenzung, und die schlagen wir vor.

Zurufder Abg. Gülistan Yüksel [SPD]

Diese Maßnahmen brauchen wir nicht als Selbstzweck. Wir brauchen sie, weil die Kapazitäten in den Kommunen erschöpft sind. Wir brauchen sie, damit die Integration der tatsächlich Schutzbedürftigen gelingen kann. Und wir brauchen sie, damit unsere Behörden die Sicherheit im Land gewährleisten können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, leider liefern Sie nicht nur nicht, sondern bewirken mit Ihrer Politik sogar das Gegenteil dessen, was Sie beabsichtigen. Sie schaffen mit der Turboeinbürgerung weitere Pull-Faktoren,

und Sie kürzen die Mittel für Integration in noch nie dagewesenem Umfang. Wie soll denn da eine Integration überhaupt noch gelingen?

Die Menschen sind doch schon da!

Wir brauchen die Beendigung der massenhaften Einreise in unser Land. Die Sicherheitsbehörden brauchen Befugnisse, die im 21. Jahrhundert nötig sind, um Verbrechen zu bekämpfen. Stimmen Sie unserem Antrag zu.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Marcel Emmerich
Foto: Marcel Emmerich / Moritz Reulein
30 Vermerkeca. 835 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Nach dieser Throm-Show muss man, glaube ich, noch mal ein paar Dinge aufklären und geraderücken.

Beifalldes Abg. Michael Sacher [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das können Sie aber nicht!

Der erste Punkt ist sehr eindeutig: Die Union hat es über Jahre in Regierungsverantwortung versucht, aber vermasselt, eine Form der Vorratsdatenspeicherung rechtssicher durchzusetzen.

Sie sind ja so häufig in Karlsruhe gescheitert, dass das überhaupt nicht möglich war. Wir sind sehr bereit, bei Quick Freeze was zu machen, und warten darauf, dass das endlich eingeführt wird; denn das ist eine rechtssichere Lösung.

Was ich auch noch sagen will – weil Sie sich hier wirklich empören, dass wir das Sicherheitspaket jetzt nicht in der zweiten und dritten Lesung auf der Tagesordnung haben –:

Das ist beschämend! Wir empören uns nicht! Das ist beschämend!

Wir hatten am Montag die Anhörung, und natürlich machen wir im Sinne einer guten Gesetzgebung jetzt erst mal Folgendes: Wir werten die Anhörung aus, prüfen sorgfältig und nehmen dann entsprechend vielleicht auch noch mal Änderungen vor.

Genau! Wir wollen nämlich nicht ständig nach Karlsruhe!

Das ist doch genau das, was Sie eigentlich wollen.

So ist es!

Zurufvon der CDU/CSU: Genau! Ganz toll! Super!

Sie können doch nicht in einem Jahr klagen, weil es Ihnen in der Gesetzgebung zu schnell geht,

Beifalldes Abg. Dr. Lars Castellucci [SPD]

und dann aber, wenn wir ein ordentliches Verfahren machen, dagegen aufbegehren. Das ist doch nicht schlüssig.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Nach Mannheim habt ihr doch auch nichts gemacht! Meine Güte! Das ist eine Regierung der Untätigkeit!

Ich glaube, man muss sich einfach noch mal vor Augen führen, was gerade in den letzten Wochen hier im Deutschen Bundestag zu diesem Thema schon debattiert wurde.

Aber nicht beschlossen!

Es gab einen schrecklichen islamistischen Anschlag in Solingen.

Und Hunderte andere!

Es gab und gibt berechtigte Forderungen nach mehr Sicherheit gegen Terror- und Messerangriffe in diesem Land.

Sie sind doch die Regierung! Was erzählen Sie uns denn für einen Blödsinn?

Bei Ihnen ist das Scheitern ja schon eingepreist!

Und das Einzige, was der Union einfällt, ist, über das Thema „Asyl und Migration“ zu sprechen.

Herr Merz und Herr Frei kletterten auf die Turmspitze, nach ganz oben, und verkündeten, Asylsuchende seien die Ursache allen Übels. Die Kernidee: Durch rechtswidrige Zurückweisungen an den Binnengrenzen und einen nie dagewesenen Abzug von Polizistinnen und Polizisten aus dem Innern sollten Asylsuchende in die Nachbarländer zurückgetrieben werden. 70 Jahre europäische Integration

… sind gescheitert!

sollten mit einem populistischen Angebot über Bord gespült werden.

So viel Falsches in drei Sätzen! Das gibt es ja gar nicht!

Und da will ich schon noch mal daran erinnern, was Konrad Adenauer gesagt hat: „Die Einheit Europas war ein Traum von wenigen. Sie wurde eine Hoffnung für viele.“ Dieser Satz hat in der CDU von Friedrich Merz keine Gültigkeit und keinen Wert mehr.

Man muss auch noch mal technisch ausführen, um was es bei den Zurückweisungen, wie sie auch hier in Ihrem Antrag stehen, eigentlich geht und welche rechtlichen Voraussetzungen sie nach dem Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union haben.

Das funktioniert doch nicht!

§ 72 AEUV

setzt nämlich die Voraussetzung, dass man hier in Deutschland feststellen müsste, dass man nicht mehr in der Lage sei, die öffentliche Ordnung und Sicherheit aufrechtzuerhalten.

Stimmt doch gar nicht!

Wenn Wohnungen fehlen! Die Kitaplätze fehlen! Die Lehrer fehlen!

Ich weiß nicht, Kollege Throm. Wir beide kommen aus Baden-Württemberg, und da ist doch der Kollege Strobl Innenminister. Der müsste sagen, dass er in Baden-Württemberg nicht mehr in der Lage ist, die Sicherheit aufrechtzuerhalten.

Das ist doch Fakt. Ich glaube, wenn das wirklich so wäre, wenn sie nicht mehr in der Lage wären, die Sicherheit hier in diesem Land aufrechtzuerhalten, dann müssten sich doch alle CDU-Innenminister fragen, ob sie überhaupt noch an der richtigen Stelle sind.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Zurufevon der CDU/CSU

Sie treiben wirklich ein gefährliches Spiel.

Zurufvon der CDU/CSU: Das treiben Sie!

Das ist Hetze, was Sie hier machen! Verleumdung!

Auch Ihr Antrag heute besteht zum Großteil wieder nur aus Migration und Asyl. Von 60 Punkten sind über 40 Punkte nur Asylpolitik: Asylrechtsverschärfungen und all so was.

Genau! Danke, dass Sie es erwähnen!

Das zeigt einfach, dass Sie nicht in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen.

Dazu passt auch, dass Sie in den vertraulichen Gesprächen mit der Bundesinnenministerin nicht in der Lage waren und überhaupt nicht bereit dazu waren, über innere Sicherheit zu sprechen; darüber wollen Sie ja gar nicht reden.

Sie waren doch gar nicht dabei! Was wissen Sie denn eigentlich?

Waren Sie dabei?

Es passt vollkommen ins Kalkül, dass Sie nach einem islamistischen Anschlag nur über Asyl und Migration reden wollen. Das zeigt einfach, dass Sie überhaupt nicht in der Lage sind, seriös über diese Themen zu sprechen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Damen und Herren, die Migration belastet die Kommunen. Das ist eine große Herausforderung; das ist keine Frage. Wir müssen das ernst nehmen, und wir handeln auch. Die Zahl der Asylgesuche ist ja auch schon zurückgegangen; das muss, glaube ich, auch noch mal gesagt werden.

Es stellen sich aber auch viele andere wichtige Fragen: Wie gelingt Integration? Werden Straftäter konsequent abgeschoben? Warum werden immer diejenigen abgeschoben, die eine Ausbildung machen, die arbeiten, die sich hier integrieren?

Immer! Die werden immer abgeschoben!

Wie kann eine solidarische Verteilung aller Geflüchteten in Europa aussehen? Und wie gelingt eine gute Einwanderung für Arbeitskräfte?

Keine Fragen stellen, sondern Antworten geben!

All das sind Themen, um die sich Unionsinnenminister jahrzehntelang weder im Bund noch in den Ländern wirklich gekümmert haben. So was ist Ihnen Schnuppe. Sie betreiben hier einfach nur Populismus und haben keine wirklichen Lösungen für diese Probleme.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir haben neun Seiten Lösungen aufgeschrieben! Lesen Sie doch mal!

Diese Koalition hat mit der GEAS-Reform, aber auch mit der Bezahlkarte viel auf den Weg gebracht,

Da waren Sie doch dagegen!

und mit dem Sicherheitspaket der Bundesregierung bringen wir wichtige Maßnahmen auf den Weg, die wir jetzt im parlamentarischen Verfahren auswerten werden.

Und verwässern! So macht es die Grünenfraktion in der Regel!

Ein sehr wichtiger Punkt – darüber reden Sie hier gar nicht mehr – ist die Verschärfung des Waffenrechts. Es muss doch vollkommen klar sein, dass es zur öffentlichen Sicherheit beiträgt,

Warum sprechen Sie nicht über die innere Sicherheit?

wenn Extremisten, Gefährder und Schwerkriminelle in Zukunft nicht mehr an Waffen kommen.

Schaufensterdinge reichen nicht!

8 VermerkeZwischenfrageca. 380 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Kurze Zeit nach dem schrecklichen Terroranschlag von Solingen hat die Bundesregierung ein Sicherheitspaket vorgelegt, um auf diese Ereignisse zu reagieren. Dieses Sicherheitspaket umfasst Maßnahmen im Bereich der Migration, es umfasst Maßnahmen zur Eindämmung der Messerkriminalität, und es umfasst auch Befugniserweiterungen für die Sicherheitsbehörden.

Sprechen wir über die einzelnen Bestandteile des Sicherheitspakets! Fangen wir an mit dem Thema Migration!

Wir haben doch in den letzten Tagen gesehen, dass es am Ende nur denjenigen nutzt, die das Thema gar nicht lösen wollen, wenn die Parteien der demokratischen Mitte beim Thema Migration übereinander herfallen. Und deswegen bleibt die Hand gegenüber CDU und CSU ausgestreckt. Denn CDU und CSU wollen die Herausforderungen beim Thema Migration lösen, genauso wie die Parteien der Koalition. Deswegen bleibt unsere Hand ausgestreckt. Kehren Sie an den Verhandlungstisch zurück, liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Friedrich Merz!

Zurufevon der CDU/CSU

Lassen Sie uns gemeinsam über das Thema Migration sprechen, und lassen Sie uns gemeinsam mit einer Mehrheit aus Koalition und demokratischer Opposition, CDU/CSU, mehr Ordnung und Kontrolle in der Migrationspolitik schaffen! Das wäre jetzt der richtige Weg.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufvon der AfD: Ganz schön bedürftig!

Meine sehr verehrten Damen und Herren, man muss sich ja schon wundern, dass hier ernsthaft gefordert wird, dass die Koalition das Sicherheitspaket, das die Bundesregierung vorgeschlagen hat, jetzt schnell durch den Deutschen Bundestag peitschen soll.

Widerspruchbei Abgeordneten der CDU/CSU

Denn es waren ja die Bundestagspräsidentin, Bärbel Bas, und immer wieder Vertreterinnen und Vertreter der Unionsfraktion – Herr Heilmann gehört dazu, auch die Parlamentarischen Geschäftsführer der Union –, die immer wieder darauf gedrungen haben, dass die Koalition und dieses Haus die Regeln einhalten sollen

Das war Ihre Zusage! Offensichtlich nur vor den Wahlen!

und dass man hier nicht ständig auf Eilverfahren setzen soll,

Es sollten die Fristen eingehalten werden!

Darum geht es euch nämlich! Nur darum! Unglaublich!

sondern dass gerade bei der Einschränkung von Bürgerrechten und bei der Einschränkung von Freiheitsrechten der Bundestag in Ruhe über diese Themen diskutieren muss. Und das werden wir auch bei dieser Frage machen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir müssen uns einmal klarmachen, was in diesem Land losgewesen ist in den letzten Jahren. Es kann uns doch keiner erzählen, dass das bei Corona gut gelaufen ist, als der Bundestag innerhalb weniger Tage im Eilverfahren Bürgerrechtseinschränkungen beschlossen hat und die Bürgerinnen und Bürger gar nicht mehr mitgekommen sind, was alles an Bürgerrechtseinschränkungen beschlossen worden ist.

Herr Kuhle, das ist unter Ihrem Niveau! Wirklich wahr!

Das war doch keine gute Gesetzgebung. Das hätten wir nicht machen sollen,

Beifallbei der FDP

und das werden wir beim Thema Terrorismus nicht wiederholen.

12 Vermerkeca. 437 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Nein. – Ich will auch darauf hinweisen, dass das Bundesverfassungsgericht in der nächsten Woche, am 1. Oktober, eine Entscheidung über die Befugnisse des Bundeskriminalamts treffen wird. Wir können doch nicht die Befugnisse des Bundeskriminalsamts ausweiten, ohne diese Entscheidung abzuwarten.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das haben Sie vor fünf Wochen auch schon gewusst! Unglaublich!

Wir denken gar nicht daran, die Rechtsprechung aus Karlsruhe zu ignorieren.

Sie lügen die Öffentlichkeit an!

Wenn wir so drauf wären wie Sie, wenn wir es auch noch toll fänden, vor dem Bundesverfassungsgericht ständig auf die Nase zu fallen, dann würden wir das so machen.

Wenn ich Ihren Antrag lese und mir Ihre Vorschläge zur Vorratsdatenspeicherung – das wurde ja auch hier wieder angesprochen – auf der Zunge zergehen lasse, dann gewinne ich den Eindruck, dass Sie es eigentlich sogar feiern, wenn Sie vor dem Bundesverfassungsgericht scheitern. Das ist nicht das Verständnis der Freien Demokraten. Das ist nicht das Verständnis unseres Bundesjustizministers.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und es ist auch nicht das Verständnis dieser Koalition, mit Bürgerrechtseinschränkungen in Karlsruhe ständig auf die Nase zu fallen.

Sie blasen ganz schön die Backen auf für eine 0,8-Prozent-Partei!

Deswegen nimmt sich dieses Parlament bei der Einführung neuer Befugnisse für die Sicherheitsbehörden Zeit.

Es ist auch nicht mein Verständnis von Gesetzgebung, sich am Montag im Ausschuss die Einschätzung von Expertinnen und Experten, die extra anreisen, anzuhören, sich das dann nicht einmal durchzulesen, sondern das einfach zu beschließen. Das kann doch nicht Ihr Verständnis von Gesetzgebung sein, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mein Verständnis von parlamentarischer Arbeit ist das nicht. Wir werden das Sicherheitspaket zügig beschließen, aber die entsprechenden Diskussionen mit der notwendigen Sorgfalt führen und auch über die Fragen diskutieren, die hier zu diskutieren sind.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das gilt natürlich erst recht für das Waffenrecht. Ich habe mich wirklich gewundert, dass die Kolleginnen und Kollegen aus der Union jetzt hier fordern, dass Einschränkungen des Waffenrechts kritiklos in dieser Woche beschlossen werden sollen. Das kann doch nicht Ihr Ernst sein.

Ich denke gar nicht daran, das zu ignorieren, was uns am Montag in der Anhörung gesagt worden ist.

Der Herr Buschmann hat das angesprochen!

Wir haben doch am Montag in der Anhörung gehört, dass dieses Sicherheitspaket in dieser Form die Rechte der Legalwaffenbesitzerinnen und -waffenbesitzer zu sehr einschränkt. Und deswegen werden wir Freie Demokraten dieses Gesetz an dieser Stelle noch ändern.

Beifallbei der FDP

Ich denke überhaupt nicht daran, eine Einschränkung der Rechte von Legalwaffenbesitzern vorzunehmen, ohne darüber vernünftig zu diskutieren.

Das haben wir doch gar nicht gefordert!

Dass Sie das wollen, wundert mich wirklich.

Ich setze mich dafür ein, wir setzen uns dafür ein, dass wir über das Sicherheitspaket in Ruhe diskutieren, dass wir die Rechtsprechung aus Karlsruhe beachten, dass wir das Schutzniveau, das wir mit diesem Gesetz erreichen wollen, gemeinsam erzielen und dass wir dann hier ein gutes Gesetz beschließen. Aber diese Show, die heute hier abgezogen wird, nehmen Sie am Ende nicht mal selber ernst.

0,8 Prozent!

Das ist Ihre Show!

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
10 VermerkeZwischenfrageca. 463 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir reden heute über einen Antrag der Union mit dem Titel „Was beim Sicherheitspaket der Koalition fehlt“. Es folgen dort weit über 40 Punkte allein schon zur Migration. Mich hat das, ehrlich gesagt, befremdet; denn die Menschen in unserem Land wollen jetzt Veränderungen in der Migrationspolitik sehen, die für sie spürbar sind, und nicht immer irgendetwas Neues.

Das ist nichts Neues! Das sind alles Forderungen, die lagen schon auf dem Tisch! Da ist nichts Neues dabei!

Die Menschen wollen einen Rechtsstaat, der nicht nur bei Knöllchen an der Autoscheibe durchsetzungsstark und konsequent ist, sondern eben auch, wenn Menschen kein Aufenthaltsrecht bei uns haben oder ihren Schutz durch schreckliche Straftaten verwirkt haben.

Beifallbei der FDP

Oder um es anders zu sagen: Es geht um Konsequenz, Ordnung und Kontrolle in der Migration.

Aber niemand braucht doch jetzt einen mit immer krasseren Ideen gefüllten Bauchladen in der Migrationspolitik. Es geht in der Migrationspolitik doch nicht um „höher, schneller, weiter“; das ist doch nicht unser Anspruch.

Als Liberale interessiert mich allein: Was trägt wirklich zur Lösung bei? Was wirkt, was hat Bestand, was funktioniert? Dazu möchte ich Ihnen jetzt drei Dinge nennen, auf die wir alle uns in diesen Tagen konzentrieren sollten und die spürbare Veränderungen bringen, wenn alle mitmachen.

Erstens. Wir beraten derzeit in der Koalition mit Volldampf, aber auch mit Sorgfalt darüber, dass die Leistungen für Dublin-Fälle auf null gekürzt werden und dass bei Urlaubsreisen der Schutzanspruch entfällt.

Daran sollten wir jetzt weiter arbeiten.

Beifallbei der FDP

Und ich erwarte von den Kollegen, dass wir diese Punkte im Gesetzgebungsprozess so umsetzen, dass es wirksam und wirklich spürbar wird.

Zweitens. Das auf Ebene der Regierung vereinbarte Thema der Zurückweisung an den Grenzen muss jetzt weiter diskutiert und weiter vorangetrieben werden. Hier erwarte ich auch, dass das Gesprächsangebot von Christian Lindner angenommen wird und Union, Regierung, aber auch die Bundesländer gemeinsam an Lösungen arbeiten, die rechtlich wirklich Bestand haben und funktionieren.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Gülistan Yüksel [SPD]
Zurufdes Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Drittens. Ich erwarte, dass die Bundesregierung die Reform für das Gemeinsame Europäische Asylsystem für Deutschland zügig umsetzt. Aber noch viel mehr erwarte ich, dass Frau von der Leyen dafür sorgt, dass GEAS auch in den anderen EU-Mitgliedstaaten so schnell wie möglich umgesetzt wird.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wenn jetzt jemand leichtfertig dahinredet, dass man diese Reform am besten wieder aufdröseln soll: Sorry, das ist doch nicht seriös.

Na, selbstverständlich!

Wie soll es denn wieder zu einer solchen Reform kommen? Wo sollen denn die Mehrheiten dafür herkommen?

Drittstaaten! 15 Regierungschefs wollen eine Drittstaatenlösung!

Ohne die europäische Dimension wird es nicht gehen, und Deutschland sollte sich hüten, die GEAS-Reform in irgendeiner Form zu kippen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wenn wir uns auf diese drei Punkte fokussieren – Sicherheitspaket, Zurückweisung, GEAS-Umsetzung –, dann wird das spürbare Wirkungen haben. Alle sind hier gefragt: die Regierung, Sie von der Union, die Verwaltungsbehörden auf allen Ebenen. Alle müssen sich jetzt am Riemen reißen. Es geht um unser Land. Und wir Freie Demokraten erwarten hier den Willen zur Umsetzung für spürbare Lösungen.

Beifallbei Abgeordneten der FDP
3 VermerkeZwischenfrageca. 138 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Nein, heute nicht. Entschuldigen Sie bitte. – Deswegen: zurück zur Sachpolitik, ran an die Arbeit und weg vom Überbietungswettbewerb.

Und wir sollten endlich – das ist mir auch wichtig – davon wegkommen, die Migration in der Endlosschleife als die Mutter aller Probleme darzustellen. Reden wir doch bitte auch mal wieder davon, dass Migration, nämlich Migration in unseren Arbeitsmarkt, doch auch Teil der Lösung ist!

Widerspruchder Abg. Dr. Silke Launert [CDU/CSU]

Reden wir doch auch einmal darüber, dass wir, um den von uns beklagten Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel zu beheben, was für unsere Wirtschaftswende so wichtig ist, Menschen aus dem Ausland brauchen, die wir beispielsweise auch über die Zeitarbeit zu uns holen könnten. Wir sollten das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.

Der Antrag von Ihnen hilft uns heute überhaupt nicht weiter. Deswegen lehne ich ihn ab.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Für die Gruppe Die Linke ist die Rednerin Clara Bünger.

Beifallbei der Linken
Porträt von Christoph de Vries
Foto: DBT/ Inga Haar
13 Vermerkeca. 696 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Kollege Pahlke, ich muss schon sagen: Das, was Sie hier an Realitätsverlust dargeboten haben, ist selbst für grüne Verhältnisse wirklich bemerkenswert.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Wenn ich mir die Entwicklung in Ihrer Partei vom gestrigen Tag so anschaue, dann befürchte ich fast, dass Sie aufpassen müssen, dass Herr Habeck Sie nicht auch noch rausschmeißt. Aber ich will an der Stelle nicht spekulieren.

Heiterkeitund Beifall bei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Eins ist doch klar: Die Bedrohung für die Sicherheit in Deutschland durch den islamistischen Terrorismus, durch den islamistischen Extremismus ist gewaltig. Und sie steigt immer weiter: Mannheim, Solingen, Linz am Rhein und München, vier islamistische Terroranschläge und -planungen in nur vier Monaten mit vier Toten und 13 verletzten Opfern. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres hat der Generalbundesanwalt 51 Ermittlungsverfahren mit Bezug zum islamistischen Terrorismus eingeleitet, null Verfahren mit Bezug zum Rechtsextremismus, zwei Verfahren mit Bezug zum Linksextremismus. Die Zahlen sprechen doch eine ganz eindeutige Sprache.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Rechtsextremismus ist eine Bedrohung. Und er ist auch menschenverachtend; das ist überhaupt keine Frage. Aber der Islamismus, der islamistische Terrorismus ist eindeutig die größte Gefahr für die Sicherheit der Menschen in Deutschland.

Beifallbei der CDU/CSU

Der wachsende Islamismus ist der ideologische Nährboden dafür; er gedeiht immer weiter. Wer etwas anderes sagt, liebe Kolleginnen und Kollegen, der verbreitet Desinformation. So klar will ich das an dieser Stelle einmal sagen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das Risiko islamistischer Terroranschläge ist latent hoch und akut. Viele Menschen haben inzwischen Angst, Volksfeste zu besuchen; sie meiden größere Menschenansammlungen. Viele Menschen bewegen sich nicht mehr unbeschwert im öffentlichen Raum und sind dort nicht mehr sorglos. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist doch überhaupt kein Zustand, den wir als Volksvertreter achselzuckend hinnehmen dürfen. Die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit ist eine Kernaufgabe des Staates; das ist unsere Überzeugung als Union.

Beifallbei der CDU/CSU

War es 2015 auch!

Vor diesem Hintergrund macht es mich wirklich fassungslos, dass die Ampel ihre eigenen Gesetze zum Sicherheitspaket heute wieder von der Tagesordnung genommen hat,

Das war nie auf der Tagesordnung!

und das trotz der angespannten Sicherheitslage und trotz der dringend erforderlichen Asylwende. Dieses Hickhack in zentralen Fragen der Migrations- und Sicherheitspolitik ist unverantwortlich; es gefährdet die Sicherheit der Bürger. Das zeigt einmal mehr, dass sich diese Ampel in einer politischen Totenstarre befindet, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich habe lange vor Mannheim und Solingen immer wieder gesagt: Nehmen Sie die islamistische Bedrohung endlich ernst! – Ich möchte den Appell heute wiederholen: Es muss Schluss sein mit der Verharmlosung des islamistischen Terrorismus und auch des Extremismus! Es muss Schluss damit sein, dass Radikalisierungsprozesse von jungen Muslimen einfach als Folge von Muslimfeindlichkeit verklärt werden! Denn diese Opfernarrative, die vor allen Dingen Islamisten und islamistische Influencer über soziale Netzwerke verbreiten, dürfen doch nicht noch ihre politischen Verstärker auf der Regierungsbank finden. Auch damit muss endlich Schluss sein!

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Stephanie Aeffner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Bei allen Unterschieden sind wir uns doch in einem einig: Der islamistische Anschlag von Solingen war ein Wendepunkt in der deutschen Migrations- und Sicherheitspolitik. Die Menschen wollen einen grundlegenden Kurswechsel; sie wollen eine strikte und dauerhafte Begrenzung der Asylmigration, und sie wollen auch, dass der Islamismus konsequent bekämpft wird.

Jetzt ist die Frage: Hat die Ampel dafür die richtigen Rezepte? Die schlichte Antwort ist: Nein. Was Sie vorlegen, ist, als ob man Fieber mit Hustensaft bekämpfen wollte. Die Sachverständigen haben doch am Montag in der Anhörung Ihre Pläne zum Waffenrecht, zu Messerverboten in der Luft zerrissen.

Beifallbei der CDU/CSU

Also sollen wir es noch ändern? Sollen wir das Gesetz jetzt noch ändern?

Das ist doch die Wahrheit. Herbert Reul hat gestern im Innenausschuss zutreffend gesagt: Es sind Terroristen, die Menschen töten; es sind nicht Waffen, die Menschen töten. – Da sage ich nur: Recht hat er, liebe Kolleginnen und Kollegen. Kein Terrorist wird sich durch Ihre Pläne abhalten lassen.

Beifallbei der CDU/CSU

Stattdessen können aber Menschen, die ein Taschenmesser bei sich tragen, künftig mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Ihre geplanten Änderungen betreffen fast ausschließlich friedliebende und rechtstreue Bürger in unserem Land, und zu dieser Symbolpolitik ohne sicherheitspolitischen Mehrwert sagen wir: Nicht mit uns!

Wir werden uns als Union daran nicht beteiligen. Das kläre ich hier an dieser Stelle ganz klar auf, lieber Kollege Kuhle.

Um es noch mal auf den Punkt zu bringen: Die Ampel will mit ihrem Sicherheitspaket das gescheiterte Dublin-System beschleunigen. Damit wollen Sie weiterhin illegale Einreisen nach Deutschland in großem Stil zulassen. Wir wollen eine echte Asylwende mit umfassender Zurückweisung an unseren Grenzen.

Porträt von Christoph de Vries
Foto: DBT/ Inga Haar
ca. 29 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das ist der fundamentale Unterschied, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Ich komme zum Schluss. Herr Lindner hat ja gesagt: Das ist der Herbst der Entscheidungen. – Ich glaube, er hat recht.

Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
15 Vermerkeca. 710 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Frau Wittmann von der Union sagte vorhin, es sei heute der D-Day.

Nach meiner Erinnerung war der D-Day die militärische Befreiung Europas vom Faschismus durch die Alliierten.

Beifalldes Abg. Sebastian Hartmann [SPD]

Den heutigen Tag damit zu vergleichen, ist, glaube ich, ein Griff in die Mottenkiste dummer Vergleiche. Es tut mir leid, aber ich fand das denkbar unpassend.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie sagten auch, die Ampel sei ja in die Gespräche mit der Union gegangen, wissend, dass es keine Einigung in der Koalition gebe. Ich drehe das mal um: Herr Merz ist in diese Gespräche gegangen, wissend, dass er definitiv eines nicht tun wird, nämlich zustimmen und eine gemeinsame Lösung finden.

Das stimmt nicht!

Herr Merz hat wiederholt bewiesen, dass er nicht Verantwortung übernimmt und dass es ihm nicht um die Sache geht, sondern um Personen und Taktik. Wenn Sie uns hier ernsthaft Verzögerungstaktik vorwerfen, dann gilt der Vorwurf erst recht für Sie. Sie hatten die Chance, zu zeigen, dass Sie an konstruktiven Lösungen interessiert sind. Sie haben aber auf Taktik gesetzt, um das Thema Migration weiter aufköcheln zu können. Es wäre ein großes Zeichen gewesen – der Kanzler hat das ja hier sehr deutlich gemacht –, da einig zu werden und damit zur Befriedung der Debatte um Migration beizutragen. Sie haben sich dagegen entschieden.

Warum beschäftigen Sie und auch Herr Merz sich nicht mit annähernd ähnlichem Elan, mit dem Sie uns jetzt vorwerfen, das Sicherheitspaket nicht schnell genug durchzubringen – obwohl wir ein ordentliches parlamentarisches Verfahren machen –, mit den von Ihnen geführten Bundesländern, in denen zum Beispiel Gesetze, Erlasse, Richtlinien und Regularien nicht umgesetzt werden?

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Jens Teutrine [FDP]

Wenn das geschehen wäre, wäre zum Beispiel der Täter von Solingen nicht mehr in diesem Land gewesen. Davon ist nichts zu hören, und das ist unaufrichtig und unredlich.

Des Weiteren müssen wir über Stimmung und Instrumentalisierung reden, aber auch über Verantwortung. Ausdruck von Verantwortung ist aus unserer Sicht eben nicht, nach Solingen erst mal vorzuschlagen, es solle einen Aufnahmestopp für alle Geflüchteten aus Syrien und Afghanistan geben, dann zu erkennen, dass das vielleicht doch nicht so gut ankommt und etwas überzogen ist, als nächstes Thema dann die allgemeine Notlage für generelle Zurückweisung aus dem Köcher zu ziehen, nachdem man in der Vergangenheit zuerst GEAS, dann Abschiebungen in Massenform, dann Externalisierung über Drittstaatsverfahren, dann Migrationsabkommen, dann Aufhebung des individuellen Asylrechts- und Kontingentverfahrens, dann Aufnahmeprogramme und dann wieder keine Aufnahmeprogramme als die Lösung präsentiert hat. Es müsste wirklich mal eine Chronik der angeblichen Fundamentallösungen für die Migrationsfrage geben. Sie ändern Ihre Position alle zwei Monate.

Mit verlässlicher verantwortungsvoller Politik hat das nichts zu tun.

Die Variante, die Sie diesmal in Ihrem Antrag gewählt haben, ist: Sie haben einfach alle Vorschläge, die Sie in den letzten zwei Jahren gemacht haben, untereinandergeschrieben, zusammengemixt

Genau! Ganz genau! Verstanden!

Ja, genau!

und gesagt: Das funktioniert.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

So funktioniert Politik aber nicht.

Doch! Wir brauchen ein Bündel von Maßnahmen! Nicht nur eine!

Und es funktioniert auch nicht, dass Sie, wenn Sie immer betonen – das nehme ich ernst; denn wir würden es uns zu einfach machen, das als Instrumentalisierung abzutun; dann würden auch wir die ernstzunehmenden Ängste und Unsicherheiten der Menschen instrumentalisieren; dann würden auch wir unredlich handeln –, unsere Politik betreffe alle – auch viele Menschen mit internationaler Familiengeschichte bzw. mit Migrationshintergrund stellen sich diese Fragen, sind verunsichert und wollen Ordnung in der Migrationspolitik –, dann einen Antrag vorlegen, der grundsätzlich Menschen mit Migrationshintergrund stigmatisiert. Das tun Sie nämlich. Warum führen Sie in Ihrer angeblich auf Asylpolitik konzentrierten Diskussion in Ihrem Antrag auch noch das Chancen-Aufenthaltsrecht auf und betreiben Desinformation?

Weil es Teil des Problems ist!

Natürlich ist das ein Pull-Faktor!

Sie nennen es einen Pull-Faktor, obwohl Sie genau wissen, dass das Chancen-Aufenthaltsrecht mit einem Stichtag für hier schon Lebende versehen ist.

Das bleibt ein Pull-Faktor!

Das ist Täuschung, und das ist Lüge – nichts anderes.

Sie sprechen auch über das Staatsangehörigkeitsrecht. Was hat das mit Solingen zu tun? Sie schlagen den Menschen – übrigens auch vielen, die sonst Union wählen würden; Sie verjagen damit eigene Wählerinnen und Wähler der Zukunft – ins Gesicht,

Machen Sie sich mal Ihre Sorgen!

indem Sie eine Grundsatzdebatte über das Staatsangehörigkeitsrecht führen. Damit diskreditieren Sie Ihr Vorhaben.

Wenn es Ihnen ernsthaft um Ordnung und Begrenzung im Asylbereich ginge, dann würden Sie nicht einen Rundumschlag gegen Migration im Generellen verschriftlichen. Damit entlarven Sie sich.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es sollte Ihnen zu denken geben – weil es ja nicht nur institutionelle Brandmauern gibt, sondern auch inhaltliche –, dass Sie leider gerade dabei sind, die inhaltlichen Brandmauern zur AfD einzureißen.

Beifallder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die AfD hat sich auch heute wieder wunderbar selbst entlarvt.

Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
ca. 35 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie gehen aus dem Ausschuss und sagen: Wie mächtig sind wir? Wir treiben Sie vor uns her. – Das ist die AfD. Ihnen geht es nicht ums Land; Ihnen geht es darum, andere vor sich herzutreiben.

8 Vermerkeca. 408 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, wenn wir diese Debatte in dieser Form weiterführen, tun wir uns alle keinen Gefallen. Ich bin ja auch ein streitbarer Mensch; das ist, glaube ich, nicht ganz unbekannt. Aber so wirken wir draußen bei den Leuten, die eine Lösung der Probleme erwarten, wie ein zerstrittener Haufen, der sich gar nicht um die Probleme kümmert, sondern solche Debatten nur benutzt, um andere zu diffamieren, sie in eine Ecke zu stellen oder anderen gar undemokratisches Verhalten zu unterstellen, weil sie einen Vorschlag machen.

Das kennen wir schon!

– Zu Ihnen komme ich gleich noch.

Da sind wir ja gespannt!

Ich finde es auch nicht akzeptabel – das möchte ich in Richtung AfD sagen –, diese Debatte zu benutzen, um herauszustellen: Wir sind die einzig Richtigen. All die anderen wollen doch überhaupt nichts verändern. Die wollen alles so lassen, wie es ist. – Das ist auch nicht wahr.

Aber Realität!

– Nein. – Das, was ihr macht, ist: Ihr nutzt diese Debatten schlichtweg nur zur eigenen Profilierung, ohne jede Debatte um die Sache.

Zurufdes Abg. Dr. Johannes Fechner [SPD]

Das ist das Problem bei dem, was Sie machen.

So viel Redezeit hat man als Splitterpartei!

Meine Damen und Herren, natürlich haben wir ein Problem mit Zuwanderung und ein Problem an den Grenzen. Das ist der einzige Punkt, den ich inhaltlich jetzt aufgreifen kann aufgrund der Zeit, die mir bleibt. Da stellt sich die Frage: Was machen wir an den Grenzen?

Zurufdes Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Dass wir nicht darauf reagieren, dass Leute, die in anderen Ländern bereits einen Asylantrag hätten stellen müssen, durchgewunken werden und in unser Land kommen, ist natürlich nicht akzeptabel.

Sehr gut!

Deshalb muss man natürlich im Sinne des Antrags der CDU/CSU – der ist vollkommen richtig an diesem Punkt – darüber nachdenken: Was machen wir da? Tolerieren wir es weiter? Tun wir so, als gäbe es das nicht? Lösen wir damit die Probleme unseres Landes? Nein, natürlich nicht. Denn wir haben doch das Problem, dass Zuwanderung bei uns inzwischen in dem Maße, wie sie erfolgt ist, nicht mehr akzeptabel ist.

Wenn ich das alles berücksichtige, wenn ich das alles sehe, dann sage ich: Wir müssen bei Ihrem Vorschlag nachdenken, wie wir es in der Praxis zum Beispiel an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland machen. Österreich ist ja nicht unser Feind. Wenn wir von dort niemanden mehr reinlassen, wird es Probleme an dieser Grenze geben. Wenn wir Ihren Vorschlag aufgreifen, müssen wir zuerst mit Österreich und all den anderen Ländern diskutieren und besprechen, wie die Praxis sein kann,

Beifallbeim BSW

und wir dürfen nicht von einem Tag auf den anderen die Grenze zumachen. Das haut nicht hin.

2 Vermerkeca. 11 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Aber im Prinzip ist es die richtige Lösung an diesem Punkt.

Beifallbeim BSW

Jetzt kommt Klaus Ernst in 20 Jahren!

2 Vermerkeca. 202 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die jüngsten Wahlen haben ganz deutlich gezeigt: In der Bevölkerung gibt es nicht nur große Angst. Es gibt mittlerweile auch die Situation, dass immer mehr Menschen von dieser Ampel schon gar nicht mehr erwarten, dass sie positive Veränderungen bei der Bekämpfung der illegalen Massenimmigration in Deutschland schafft. Die Ampel hat völlig versagt. Und ich setze dazu: Solange die Grünen in der Regierung vertreten sind und diese Regierung auch bestimmen, wird es von dort keine realistischen Schritte geben, um dieses Problem wirklich zu lösen.

Und ich richte auch an Herrn Merz und an die CDU eine Botschaft: Die Menschen werden sehr genau beobachten, ob Sie jetzt wirklich etwas machen in dieser Richtung, ob es Zurückweisungen an der Grenze gibt, ob sie nur Anträge abschreiben – das ist völlig egal, das interessiert mich gar nicht – oder ob Sie was machen. Und wenn Sie nichts machen, dann ist ein für alle Mal der Bevölkerung klar: Die etablierten Parteien, die die anderen wie die AfD nur als „keine Demokraten“ bezeichnen, sind genau ein Einheitsbrei, der das Krebsgeschwür einer Demokratie ist.

Dann hilft nur noch eins: dass die Menschen Sie alle abstrafen dafür,

Warum sind Sie eigentlich fraktionslos?

mit dem Stimmzettel auf demokratische Weise.

ca. 18 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es darf keinen grünen Kanzler und auch keinen stellvertretenden grünen Kanzler geben, sondern es braucht eine neue Migrationspolitik, –

Christian LindnerFDP· Bundesminister BMF· MdB
8 Vermerkeca. 657 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Bundesregierung unterbreitet Ihnen heute im Kern drei Vorschläge. Heute wird die aktuelle Gemeinschaftsdiagnose vorgestellt. Die wirtschaftliche Entwicklung in unserem Land ist unverändert unbefriedigend. Ich habe es verschiedentlich hier gesagt: Seit gut zehn Jahren hat unser Land an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Wir sind international nicht in der Verfassung, in der die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt sein sollte. Wir haben nicht das wirtschaftliche Fundament, um die sozialen und ökologischen Anforderungen, die wir an uns selbst stellen, auch nachhaltig zu finanzieren. Deshalb ergreift die Bundesregierung eine Wachstumsinitiative, um die angebotsseitigen Rahmenbedingungen unserer Wirtschaft zu verbessern. Selbstverständlich investieren wir auf Rekordniveau. Aber das, was wir jetzt im Steuerrecht vorschlagen, soll bewirken, dass die private Hand in Deutschland mehr investiert.

Wir werden unsere Wachstumsschwäche nicht mit staatlicher Investitionslenkung oder mit Subventionen überwinden, auch nicht mit mehr öffentlicher Verschuldung, sondern nur, wenn die Betriebe und Unternehmen mehr investieren, und zwar genau in die Vorhaben, an die diese Unternehmen selber glauben.

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Jörn König [AfD]

Deshalb stärken wir in der ganzen Bandbreite die Abschreibungsmöglichkeiten, wir verstetigen sie, und wir bauen die Forschungszulage aus.

Das zweite Anliegen. Die Bürgerinnen und Bürger waren in den vergangenen Jahren stark von Inflation betroffen. Übrigens brauchen wir auch Nachfrage und Kaufkraft in unserer Volkswirtschaft, damit der Konsum die Binnennachfrage erhöht und die wirtschaftliche Entwicklung trägt.

Das war relativ neu jetzt!

Die Bundesregierung hat seinerzeit, 2022, ein Inflationsausgleichsgesetz vorgelegt, das hier im Parlament nicht unumstritten war und um das wir im Bundesrat ringen mussten, auch in der Auseinandersetzung mit von CDU/CSU regierten Ländern. Ich weiß noch genau, dass beispielsweise der Finanzminister meines Heimatbundeslandes Nordrhein-Westfalen in öffentlicher Debatte im Parlament gesagt hat, die Beseitigung der kalten Progression durch die Bundesregierung sei eine Belastung für seinen Landeshaushalt. Seine Haushaltsproblematik sei durch die Politik der Bundesregierung verursacht.

Um Gottes willen!

Meine Damen und Herren, diese Bundesregierung bekennt sich dazu, vorsätzlich auf Steuereinnahmen zu verzichten, weil nicht nur die Vorhaben des Staates wichtig sind, sondern auch die persönlichen Pläne der Bürgerinnen und Bürger.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir wissen inzwischen, dass es gelungen ist, die kalte Progression vollständig zu beseitigen. Mehr noch: Wir wissen aus den wissenschaftlichen Untersuchungen, dass die Gering- und Normalverdiener sogar noch stärker in steuerlicher Hinsicht entlastet worden sind, als es die Beseitigung der kalten Progression erforderlich gemacht hätte.

Darauf bauen wir jetzt auf. Wir wollen wiederum für die nächsten beiden Jahre den Grundfreibetrag, den Kinderfreibetrag und das Kindergeld erhöhen und den Tarif der Lohn- und Einkommensteuer nach rechts verschieben. Aus unserer Sicht ist das eine Frage der Gerechtigkeit, liebe Kolleginnen und Kollegen. Sozialleistungen werden automatisch an die Inflation angepasst. Das gleiche Recht muss aber auch für diejenigen gelten, die Sozialleistungen durch ihre Steuern bezahlen. Deshalb muss auch das Steuerrecht an die Inflation angepasst werden.

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Idealerweise sollte das zukünftig in einem vergleichbaren Verfahren passieren, wie es bei den Sozialleistungen der Fall ist. Wir sind ja gesetzlich verpflichtet, Regelsätze zu berechnen. Wir sind gesetzlich verpflichtet, über die Höhe der Beitragsbemessungsgrenze zu diskutieren. Es ist aber immer wieder ein zähes Ringen, das Steuerrecht an die Inflation anzupassen. Deshalb spricht die Bundesregierung intern gegenwärtig darüber, wie wir mit diesen Verfahren und Rechengrundlagen zukünftig weiter umgehen wollen.

Das dritte Anliegen, das wir haben, ist die Umstellung der Steuerklassen III und V auf das Faktorverfahren der Steuerklasse IV. Wir wollen dafür sorgen, dass die Steuerlast zwischen Ehegatten fair verteilt ist, damit es für diejenigen, die in einer wirtschaftlichen Gemeinschaft weniger verdienen, nicht einen Fehlanreiz gibt, mehr zu arbeiten oder mehr zu verdienen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist ein Anliegen dieser Koalition. Fälschlicherweise wurde von der Opposition oft eingewendet, das sei der Einstieg in die Abschaffung des Ehegattensplittings. Das Gegenteil ist der Fall. Die Bundesregierung will all denjenigen die Argumentationsgrundlage nehmen, die gegen das Ehegattensplitting wettern. Durch die Umstellung der Steuerklassen III und V auf das Faktorverfahren der Steuerklasse IV lösen wir das Problem, das die Kritikerinnen und Kritiker des Ehegattensplittings vortragen, nämlich die Ungleichverteilung der steuerlichen Belastung und die mangelnde jährliche Berechenbarkeit der Steuerlast. Wir stellen um, um das Ehegattensplitting zu verteidigen, und nicht, um es abzuschaffen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Michael Schrodi
Foto: Michael Schrodi/ Photothek
9 Vermerkeca. 839 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Middelberg, diese Rede war ja nicht mal annähernd Mittelmaß. Es war eine Aneinanderreihung von Floskeln und Phrasen, ohne einmal konkreter auf die Gesetzentwürfe einzugehen oder selbst Dinge zu benennen, die Sie anders machen würden. Vor allen Dingen zeigte sich auch eine Teilamnesie bei den Dingen, die Sie selber in der letzten Legislaturperiode viel massiver wollten. Sie wollten beispielsweise eine massive Erhöhung der CO2-Preise. Da waren wir diejenigen, die gesagt haben: Wir wollen und müssen es sozialverträglich machen. – Das war eine schwache Vorstellung. Aber gut, dass Sie das so machen. Dann sehen die Bürgerinnen und Bürger, was Sie tatsächlich zu bieten haben, Herr Middelberg, nämlich relativ wenig.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Gehen wir doch mal auf die zentralen Anliegen ein, die wir hier umsetzen: erstens die Entlastung von Bürgerinnen und Bürgern, von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, zweitens eine Wachstumsinitiative, die ordentlich Wumms hat, wenn Sie sich die Zahlen anschauen,

Zurufdes Abg. Sebastian Brehm [CDU/CSU]

und drittens – das ist nicht unwichtig – die Stärkung der Zivilgesellschaft.

Zum Ersten: die Entlastungen. Wir haben, Herr Middelberg, durch die steuerlichen Pakete, die wir in dieser Legislaturperiode auf den Weg gebracht haben, bereits für eine Entlastung von insgesamt 50 Milliarden Euro gesorgt.

Zurufvon der SPD: Sehr richtig!

Das umfasst die letzten Steuergesetze, den sogenannten Ausgleich der kalten Progression, den Grundfreibetrag, das Kindergeld und den Kinderfreibetrag sowie das Wachstumschancengesetz, das Sie als Union im Vermittlungsausschuss kleiner gemacht haben. Aber es waren insgesamt Entlastungen in Höhe von 50 Milliarden Euro. Und jetzt sind es in der Summe 21 Milliarden Euro an Mindereinnahmen des Bundes, sprich: an Geldern, an Finanzmitteln, die wir den Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung stellen, unter anderem durch Erhöhungen des Grundfreibetrags und des Kinderfreibetrags und durch weitere Entlastungen bei der Einkommensteuer.

Dann muss man sich aber genau anschauen – der Finanzminister hat es gesagt und Studien genannt; auch ich habe mir Studien genau angeschaut –: Wie sind denn die Menschen durch die Krisen der letzten Jahre gekommen? Wer war von den Teuerungsraten härter betroffen, wer weniger? Besonders belastet waren diejenigen mit mittleren Einkommen, oftmals Familien, die – so die Studien – auch noch nicht voll von den Kaufkraftverlusten durch die hohen Teuerungsraten entlastet sind.

Wir haben an vielen Stellen die Kaufkraftverluste ausgeglichen. Sie sind ausgeglichen worden durch starke Lohnerhöhungen – da haben sich die Gewerkschaften ordentlich durchgesetzt –, auch durch Maßnahmen, die wir gemeinsam bei der Einkommensteuer und an anderen Stellen auf den Weg gebracht haben. Eine Überkompensation bzw. eine starke Kaufkraft haben wir aber bei höheren Einkommen. Wen wollen wir also jetzt entlasten? Wir müssen uns anschauen: Wo priorisieren wir? Und da sagen wir: Wir wollen diejenigen entlasten, die die Leistungsträger in diesem Land sind, also die Pflegekraft, die Alleinerziehende, den Handwerker. Das tun wir auch mit den Maßnahmen, die wir jetzt auf den Weg bringen.

Aber ich sage auch ganz deutlich: Auch Familien mit Kindern – ich habe sie gerade genannt – sind noch nicht vollständig von Kaufkraftverlusten entlastet; das ist noch nicht kompensiert. Deswegen ist es für uns wichtig, darauf zu schauen: Wie gehen wir beispielsweise mit der Frage des Kindergelds um? Da haben wir noch Gesprächsbedarf, auch innerhalb der Koalition.

Wir wollen, dass es am Ende nicht nur gerecht zugeht, sondern – und da sind wir sehr beim Bundesfinanzminister – dass es auch volkswirtschaftliche Wirkung hat. Denn die Stärkung der Kaufkraft der Menschen gerade in der Mitte dieser Gesellschaft bedeutet auch ein Ankurbeln der Binnennachfrage und damit eine Stärkung unserer Wirtschaft, unseres Wachstums. Auch deswegen bringen wir diese Pakete mit auf den Weg.

Beifallbei der SPD

Zum Zweiten: die Wachstumsinitiative. Wenn man sich umhört, was wesentliche Problemfelder der Wirtschaft sind, dann erfährt man: Es ist der Bereich der Investitionen, es ist der Fachkräftemangel, es ist der Bereich der Digitalisierung, es ist die Bürokratie. Ein Bürokratieentlastungsgesetz haben wir vor wenigen Stunden schon auf den Weg gebracht.

Zum Thema Investitionen. Wir wollen jetzt schnellere steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten beschließen, damit Unternehmen Anreize haben, jetzt in die Zukunft zu investieren. Wir werden auch die steuerliche Forschungs- und Entwicklungsförderung noch einmal verbessern, damit hier gezielt Investitionsanreize gesetzt werden.

Und ja, auch das Thema Fachkräftemangel ist ein wesentliches, essenzielles für die Frage des Wirtschaftswachstums.

Zurufdes Abg. Matthias Hauer [CDU/CSU]

Da kann man natürlich über die Frage ausländischer Fachkräfte reden. Das tun wir auch; wir haben auch einiges getan. Aber wie können wir auch das Potenzial heben, das wir hier in Deutschland, in unserer deutschen Bevölkerung haben, nämlich das Erwerbspotenzial von Frauen?

Beifallder Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Da ist es ein wichtiger Schritt, die Überführung der Steuerklassen III und V in die Steuerklasse IV hinzubekommen, damit die steuerliche Belastung innerhalb von Partnerschaften so gerecht verteilt wird, dass Frauen einen Anreiz haben, arbeiten zu gehen. Das wollen wir jetzt auf den Weg bringen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Falsch! Sie nehmen Geld weg!

Zuletzt: Die Stärkung der Zivilgesellschaft wird wichtig. Eine Demokratie braucht eine starke Zivilgesellschaft. Deswegen wollen wir Rechtssicherheit für zivilgesellschaftliche Organisationen in der Abgabenordnung schaffen – ein Anliegen, das wir im Koalitionsvertrag vereinbart haben. Auch das wollen wir tun. Wir sehen: Eine Demokratie lebt von einer starken Zivilgesellschaft. Sie wird von rechts oft angegriffen. Dass sie rechtssicher arbeiten kann, das wollen wir jetzt mit diesem Gesetz hinbekommen.

Insofern ist da vieles, was gut, was richtig ist und worauf ich mich in den weiteren Beratungen freue.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Frenetischer Applaus!

Beifallbei der AfD
4 Vermerkeca. 656 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werter Minister Lindner! Werte Kollegen! Wir besprechen ja heute gleich zwei Gesetzentwürfe. Da würde man ja fast vermuten, dass die Ampelregierung richtig powert. Wenn man dann aber mal reinschaut, erkennt man: Ein Gesetzentwurf beschäftigt sich eigentlich nur mit drei Zahlen, nämlich dem Grundfreibetrag, dem Kinderfreibetrag und dem Unterhaltsfreibetrag für 2024. Wohlgemerkt: Wir sind jetzt im September und beschäftigen uns mit einem Freibetrag, den die Bürger eigentlich schon zum 1. Januar 2024 hätten genießen müssen. Deshalb kann man das jetzt nicht als großen Fortschritt bezeichnen.

Der Grundfreibetrag wird um gerade mal 180 Euro angehoben. Man muss sehen: Bei einem Eingangssteuersatz von 15 Prozent wären das 27 Euro im Jahr, die Sie da den Bürgern schenken.

Wenn wir dann in das andere Gesetz, das Steuerfortentwicklungsgesetz, schauen, dann sehen wir: Das Kindergeld wird 2025 und 2026 angehoben. Da würde ich Ihnen empfehlen, schon mal eine Kreuzfahrt mit Ihren Kindern zu buchen. Bei dem vielen Geld werden Sie gar nicht wissen, wo Sie hinwollen. Um sage und schreibe 5 Euro pro Monat wird das Kindergeld 2025 erhöht, und 2026 noch mal um spektakuläre 4 Euro. Wunderbar, sage ich da.

Ganz ehrlich: Dieses Gesetz hat bis auf wenige Ausnahmen wirklich keine Fraktur. Das ist eigentlich nichts, was Sie hier anbieten. Angesichts der wirtschaftlichen Situation, in der sich dieses Land gerade befindet, ist das eigentlich ein Hohn, was Sie uns hier als Steuerfortentwicklungsgesetz anbieten. Ein paar Sonderabschreibungen hier, ein paar Turboabschreibungen dort – das ist doch nicht das, was die Bürger von Ihnen erwarten. Sie erwarten eine grundlegende Steuerreform. Sie wollen einfach grundlegend entlastet werden, nicht nur beim Grundfreibetrag.

Es ist auch ein Unding, dass in Deutschland schon ab einem Einkommen von 70 000 Euro der Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift. Das sind nicht irgendwelche Reichen oder Milliardäre, nein, es sind ganz normale Ingenieure, Lehrer, Facharbeiter, die im Prinzip schon an dieser Grenze sind. Auch kleine und mittelständische Unternehmer verdienen schon 70 000 Euro. Ihre Einkommen wollen Sie weiterhin mit bis zu 42 Prozent besteuern. Sie preisen das dann auch noch als Anpassung der Eckwerte an.

Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Damit werden Sie den Bürger nicht erreichen. Und ich sage Ihnen auch: Gerade jetzt, um diese Zeit, wird in Thüringen der Landtag konstituiert, und Sie, Herr Lindner, und Ihre Partei sind nicht dabei, ganz bewusst nicht. Die FDP ist überhaupt nicht mehr dabei, auch in Brandenburg nicht, in Sachsen-Anhalt nicht, in Sachsen nicht.

Zurufder Abg. Nadine Heselhaus [SPD]

Woran liegt das? Weil Sie mit Ihrer Beteiligung an der Regierung Erwartungen geweckt haben, die Sie leider enttäuscht haben. Sie haben mal gesagt: Lieber keine Regierungsbeteiligung als eine schlechte Regierungsbeteiligung. – Ich weiß nicht, was das jetzt ist.

Beifallbei der AfD

Die Bürger haben erwartet: Wenn die FDP sich an der Regierung beteiligt, dann werden zumindest bestimmte Sachen weiterhin zugunsten der Bürger entschieden. – Da haben Sie sie leider enttäuscht.

Herr Lindner, ich sage Ihnen ganz ehrlich: Ich schätze Sie persönlich sehr, weil aus Ihrem Ministerium – ich habe es gestern schon gesagt, als Ihre Kollegin da war – durchaus auch mal positive Vorschläge kommen, im Gegensatz zu anderen Ministerien, wo ich fragen muss: Wofür bekommen die ihr Geld? Aber was Sie machen, kommt bei der Bevölkerung nicht an. Nehmen Sie das Zukunftsfinanzierungsgesetz. Das war wirklich ein gutes Gesetzesvorhaben; das haben wir als AfD-Fraktion sogar unterstützt. Es kommt aber in der Bevölkerung nicht an. Das heißt, Ihre Politik, die durchaus positive Ansätze hat, kommt in der Bevölkerung nicht an, weil Sie hier mit diesen links-grünen Kollegen verhaftet werden. Das wird zum Untergang Ihrer Partei führen.

Deswegen kann ich Ihnen nur sagen: 1982 hat einer Ihrer Vorvorgänger eine wichtige Entscheidung getroffen: Man hat einen SPD-Kanzler in Rente geschickt. Das war damals ein Fehler, weil Helmut Schmidt jemand aus der SPD war, der wirklich noch Profil hatte. Der jetzige Kanzler hat kein Profil. Ich kann Ihnen nur raten: Nehmen Sie diesen Schritt auf, schicken Sie diesen Kanzler in Rente, retten Sie Ihre Partei, und retten Sie unser Land!

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Katharina Beck
Foto: Katharina Beck/Oliver Hadji
12 Vermerkeca. 943 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Hier irgendwas von wirtschaftlichem Fortschritt zu reden, wo der Spitzenkandidat der AfD in Thüringen gesagt hat, dass er hofft, dass alle Unternehmen, die sich irgendwie dafür aussprechen, dass Fachkräfte zu uns kommen, in „schwere, schwere wirtschaftliche Turbulenzen“ kommen, finde ich wirklich unterirdisch. Das können wir beim nächsten Tagesordnungspunkt zu Ihren wirtschaftspolitischen Anträgen dann auch noch genau eruieren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Es geht heute um das Steuerfortentwicklungsgesetz. Lieber Herr Middelberg, es geht hier um Wirtschaft. Die Reihen bei der CDU/CSU sind einigermaßen leer. Es geht hier laut Ihren Äußerungen um ein kleines Würfchen, um ein Stückwerk.

Zurufdes Abg. Jörn König [AfD]

Dabei geht es aber um über 21 Milliarden Euro an Entlastungen, etwa beim Thema „kalte Progression bei kleinen, mittleren und allen Arbeitseinkommen“, beim Thema „degressive AfA“. Das bedeutet für den Staat eine Belastung von 7 Milliarden Euro in den ersten Jahren, damit Investitionen angereizt werden. Oder mit anderen Abschreibungsmöglichkeiten, zum Beispiel bei E-Autos. Und da sind Sie sich ehrlich nicht zu schade, von einem „kleinen Würfchen“ zu sprechen? Das ist sogar dreimal so groß wie das Wachstumschancengesetz, das eine Entlastung von 7 Milliarden Euro vorsah und das Sie im Bundesrat auf 3 Milliarden Euro runtergeschrumpft haben. Da würde ich mir eher an die eigene Nase fassen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Wir als Ampelkoalition haben in diesem Jahr bereits 45 Milliarden Euro Entlastungen auf den Weg gebracht. Damit kommt einer vierköpfigen Familie eine Steuerentlastung pro Jahr von ungefähr 1 500 Euro zugute. Das merkt man vielleicht nicht immer, weil es am Ende des Jahres ist. Aber diese Entlastungen haben wir bereits beschlossen. Ich werbe dafür, dass das auch mehr bei allen Menschen da draußen ankommt.

Auch für Unternehmen haben wir bereits Entlastungen beschlossen. Und: Ja, die Kritik stimmt. Wir sind in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Wir haben gerade nicht das Wachstum. Wir haben gerade gehört, dass die Herbstprognose für die Konjunktur nicht besonders gut ist. Aber gerade deswegen ist es doch so wichtig, dass wir jetzt mit Nachdruck und schnell diese Maßnahmen aus der Wachstumsinitiative, die im Steuerfortentwicklungsgesetz enthalten sind, beschließen.

Aus dem Haushalt! Das ist ja schon verausgabt!

Es gibt eine Konjunkturstudie, die besagt, dass wir mit der Wachstumsinitiative das Wachstum um 0,4 Prozent ankurbeln können. Der größte Hebel ist an dieser Stelle das Thema Beschäftigung. Deswegen ist es so wichtig, dass wir hier vorankommen. Wenn man mehr arbeitet und Zuschläge bekommt, sollte dies dann auch steuerfrei sein, sodass es dort Anreize gibt. Ein anderer Hebel ist das Thema „Eintritt in die Rente“ bzw. dort Anreize zu schaffen. Hubertus Heil und wir als Koalition haben Ende August dazu etwas vorgelegt.

Dann gibt es noch einen riesigen Hebel. Der Hebel heißt Teilzeit. 12,2 Millionen Menschen sind in Teilzeit beschäftigt. Wir haben vor, dass dann, wenn der Arbeitgeber eine Prämie für die Ausweitung der Arbeitszeit zahlt, dies steuerlich begünstigt wird. Denn können Sie sich vorstellen, was das bedeutet: 12,2 Millionen Menschen? Das ist ein unfassbarer Hebel.

Alles, was ich bei meinen Unternehmensbesuchen immer höre, ist: „Fachkräfte, Fachkräfte, Fachkräfte“, und zwar auch aus anderen Ländern. Ich war kürzlich in meinem Wahlkreis unterwegs und habe eine Tischlerei, eine Kältetechnikfirma und eine Reinigungsfirma besucht. Das Thema ist so unfassbar wichtig. Die haben sich zum Beispiel gewünscht: Könnten Sie mal dieses Bilderbuch digitalisieren und auf Persisch übersetzen? Denn wir brauchen diese Menschen. – Da war ein Ventil abgebildet, dessen deutschen Namen ich gar nicht kannte, aber es ist wichtig für die Installation.

Aber es geht eben auch um das Thema Frauen. Wir haben hier in Deutschland unfassbar viel Potenzial.

Es lohnt sich gar nicht mehr, zu arbeiten, weil Sie den Leuten das Geld wieder wegnehmen!

Die Teilzeitquote bei Frauen ist sehr, sehr hoch. Wissen Sie, was die größte Hürde ist, um mehr zu arbeiten? Drei Viertel der Menschen in Teilzeit geben an, mehr arbeiten zu wollen. Sie hemmt vor allem die mangelnde Betreuung. Da kommt das KiTa-Qualitätsgesetz – die 2 Milliarden Euro, die wir dafür jetzt auch beschlossen haben –, das Kinderpaket zum Tragen. Da ändern wir strukturell etwas, damit die Betreuungssituation besser wird. Da kommt aber auch zum Tragen, dass wir vielleicht noch mal eine Schippe drauflegen, weil die Konjunktur so schlecht ist, und uns noch mal überlegen: Wo können wir vielleicht im Bereich Betreuung auch steuerliche Anreize verbessern, zum Beispiel bei der Absetzbarkeit von privaten Betreuungskosten?

Dann haben wir natürlich noch das ganze Thema „Anreiz für Investitionen“, die degressive AfA.

Das war bisher nicht mein Lieblingsthema. Wir wollten in diesen Zeiten immer eine Investitionsprämie machen, damit gezielt Investitionen für Klimaschutztechnologien angereizt werden. Es war technisch mit den Ländern nicht umsetzbar. Die CDU hat es auch blockiert. Jetzt setzen wir einfach auf dieses Thema. Ich möchte dafür werben.

Denn was kommt jetzt als Nächstes? Als Nächstes kommt nach den parlamentarischen Beratungen, bei denen wir vielleicht sogar noch einige Dinge obendrauf satteln – das werden wir sehen – oder manches verbessern, der Bundesrat. Und wir wissen doch alle: Da kommt die CDU/CSU-Fraktion, die uns als Ampel überhaupt nicht gönnt, dass wir mal etwas Gutes für die Wirtschaft machen.

Sie können mal mit Ihrer Finanzministerin aus Schleswig-Holstein sprechen!

Oder Rheinland-Pfalz!

Das war ganz genauso – Jens Spahn fehlt hier leider; ich habe mit ihm in den Bund-Länder-Runden gesessen –: keine Lust darauf, dass die Ampel auch nur irgendwas Gutes für die Wirtschaft tut.

Wir sind ja beschimpft worden! Wir werden ja laufend beschimpft!

Sie setzen eben nicht Land vor Partei, wie das andere gerade sehr vorbildlich tun. Es wird dort wichtig sein, mit den Ländern daran zu arbeiten, dass dieses große Paket auch umgesetzt werden kann. Ich kann Sie nur ermutigen, jetzt nicht direkt zu sagen: Och, das ist ja nur so klein. – Nein, das ist sehr groß, was wir hier im Steuerfortentwicklungsgesetz beschließen.

Zurufvon der CDU/CSU: Nee, das ist sehr, sehr klein!

Blockieren Sie das nicht, sondern nehmen Sie es ernst, damit wir hier wirklich etwas hinbekommen, was allen Koalitionspartnern etwas abverlangt und was diesem Land und seinen Unternehmen und Menschen guttun wird!

Dann sollte man mit den Ländern aber auch mal reden vorher!

– Das mache ich dauernd: mit den Ländern reden.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Olav Gutting
Foto: Matthias Busse
13 Vermerkeca. 474 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir beschäftigen uns heute mit zwei Gesetzentwürfen, in denen es hauptsächlich darum geht, dass der Einkommensteuertarif angepasst wird und der Grundfreibetrag und der Kinderfreibetrag angehoben werden. Ich rate Ihnen in der Ampel dringend, dass Sie Ihre Eigenlobhymnen darauf etwas gedämpfter absingen.

Denn erstens. Diese Anpassung – übrigens schon die zweite in diesem Jahr – ist schlichtweg Pflicht.

Es ist verfassungsrechtlich geboten, dass Sie das Existenzminimum jeweils freistellen. Das ist zwingend. Dafür können Sie nicht ernsthaft einen Orden verlangen.

Zweitens – deswegen wäre ich an Ihrer Stelle auch etwas sanfter –: Diese Minientlastung,

Minientlastung? Das ist falsch!

die Sie hier anbieten, wird von der geplanten Verschiebung der Beitragsbemessungsgrenze bei der Sozialversicherung mehr als aufgefressen. Leistungsträger in dieser Gesellschaft werden aufgrund dieser Verschiebung ab 2025 von bis zu 8 Prozent mehr ihres Gehaltes Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung bezahlen.

Das wissen die Menschen. Die merken das am Portemonnaie. Deswegen: Machen Sie den Leuten nicht ein X für ein U vor!

Beifallbei der CDU/CSU

Die Entlastung beim Grundfreibetrag ist genau deswegen noch nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein.

Ich frage mich auch, ob man im Finanzministerium inzwischen das Rechnen verlernt hat. Warum müssen wir zweimal im Jahr Korrekturen am Grundfreibetrag durch Gesetzesänderungen vornehmen, und das weit in der zweiten Jahreshälfte? Das führt mit der Rückwirkung, die das ja impliziert, dazu, dass wir in den Betrieben bei der Lohnbuchhaltung noch mal enorme Kosten und enormen Aufwand haben. Das ist nicht das, was die Unternehmerinnen und Unternehmer und Arbeitgeber brauchen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Jan Wenzel Schmidt [AfD]

Mit diesen beiden Gesetzen soll ja nun die kalte Progression abgebaut werden. Endlich, kann ich da nur sagen. Wir aus der Unionsfraktion drängen seit Monaten darauf, dass diese Maßnahme kommt. Sie machen jetzt nach monatelangem Drängen den richtigen Schritt. Das begrüßen wir; denn die kalte Progression ist wie ein unsichtbarer Dieb, der den Menschen unbemerkt in die Portemonnaies greift. Deswegen haben wir ja auch in unserer Regierungszeit dieses Phänomen regelmäßig beseitigt.

Wir auch! Alle zwei Jahre, Herr Gutting! Ganz normal!

Geben Sie den Menschen zurück, was ihnen rechtmäßig zusteht!

Beifallbei der CDU/CSU

Machen wir doch!

Aber machen Sie es dann bitte auch vollständig. Denn bei den oberen Einkommensbeziehern soll ja die kalte Progression nach Ihren Plänen gerade nicht abgebaut werden. Das ist dann für diese Gruppe der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler in Wirklichkeit eine Steuererhöhung. Das müssen Sie dazusagen.

Beifallbei der CDU/CSU

277 000 Euro, Herr Gutting! Vielleicht trifft es ja Sie, aber die Mehrheit nicht!

Mit Ihrem Steuerfortentwicklungsgesetz soll nun auch eine Untote, nämlich die Anzeigepflicht für nationale Steuergestaltungsmodelle, eingeführt werden – wieder mehr Bürokratie, wieder mehr Regulierung ohne nachweislichen Nutzen.

Für 1 Prozent!

Es gibt hier überhaupt kein Informationsdefizit. Wenn man sich damit befasst, wird einem das klar. Das ist also am Ende kein Steuerfortentwicklungsgesetz, sondern Sie schaffen damit ein Steuerbürokratieverwicklungsgesetz. Ich würde Ihnen dringend raten – ich hoffe, dass der Bundesrat da auch eine Korrektur vornimmt und eingreift –, diese Anzeigepflicht wieder rauszunehmen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Denn es ist symptomatisch für diese Regierung, die ständig von Bürokratieabbau schwadroniert, dann aber genau das Gegenteil tut. Das ist hier das beste Beispiel. Das macht es uns so schwer, diesen Gesetzentwürfen zuzustimmen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
7 Vermerkeca. 427 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Schon gestern bei der Einbringung des Jahressteuergesetzes ist viel davon gesprochen worden, dass es Klein-Klein sei.

Dann muss es ja wohl stimmen!

Abgesehen davon, dass ich diese Ansicht nicht teile – denn auch beim Jahressteuergesetz gibt es durchaus große Sachen –, geht es hier heute um große Gesetze. Da gibt es gar keinen Zweifel: Das sind große Maßnahmen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber es gibt auch keinen Zweifel – die Analyse ist klar –: Wir haben eine große strukturelle Wachstumsschwäche in unserem Land, die – auch darüber haben wir jetzt schon mehrfach gesprochen – nicht erst in den vergangenen drei Jahren aufgetaucht ist. Die müssen wir zwingend angehen. Deshalb hat diese Bundesregierung ein großes Maßnahmenpaket beschlossen, mit dem Wachstum generiert werden soll, mit dem auch Wachstum generiert werden wird. Da gibt es einen engen ökonomischen und auch politischen Konnex zwischen dem Haushalt und dem Maßnahmenpaket zur Generierung von Wachstum.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Überschrift über die beiden Gesetze, über die wir hier heute sprechen, kann eigentlich nur heißen: Entlastung. Es geht um Entlastung. Es geht um Entlastung für die Bürgerinnen und Bürger. Herr Gutting hat auch zu Recht darauf hingewiesen, dass ein Teil dieser Entlastungen verfassungsmäßig vorgeschrieben ist. Selbstverständlich. Dafür brauchen wir und wollen wir auch gar keinen Orden; das muss gemacht werden.

Zurufdes Abg. Fritz Güntzler [CDU/CSU]

Aber wenn die kalte Progression ausgeglichen wird, ist das einfach ein Mehr in den Taschen der Bürgerinnen und Bürger; diese Information kommt mir zu selten in der Öffentlichkeit vor. Wir gleichen hier erneut die kalte Progression vollständig aus; und das ist eine wunderbare Nachricht für die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Für uns ist es darüber hinaus auch ein Zeichen von Fairness, dass der Staat sich nicht an der Inflation bereichert, und ein Zeichen des Respekts gegenüber den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern im Land.

Wir entlasten aber auch die Wirtschaft, meine sehr verehrten Damen und Herren, mit wirklich guten Maßnahmen. Wir verbessern die Rahmenbedingungen. Wir ändern die Poolabschreibung, was auch entbürokratisierend wirkt. Wir verändern die degressive Abschreibung; wir erhöhen sie sogar noch mal und führen sie für eine befristete Dauer fort, bieten also eine langfristige Perspektive. Und wir erweitern noch mal die steuerliche Forschungsförderung. Das alles ist ein gutes Gesamtpaket.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Was wir jetzt brauchen – das ist mir wichtig –, ist Tempo. Dieses Gesetz darf nicht das Schicksal des Wachstumschancengesetzes teilen, indem es a) auf die lange Bank geschoben und b) der Umfang am Ende noch mal halbiert wird. Deshalb möchte ich an die Union appellieren: Geben Sie sich einen Ruck und unterstützen Sie diese wichtigen Wachstumsinitiativen für unser Land! Machen Sie da mit!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der AfD
Porträt von Parsa Marvi
Foto: Parsa Marvi/ photothek.net
8 Vermerkeca. 504 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn es einen Herbst der Entscheidungen gibt, dann hat es zuvor einen Sommer der Vorarbeit gegeben. Und diese Vorarbeit hat die Bundesregierung mit der Wachstumsinitiative gemacht.

Nachdem wir die akuten wirtschaftlichen Folgewirkungen aus Russlands Invasion in die Ukraine angepackt haben, sind wir als Koalition – der Kollege Herbrand hat es gesagt – seit Längerem an der Frage dran, wie die strukturelle Konjunkturschwäche überwunden werden kann

Sind Sie aus dem Tiefschlaf erwacht?

und wie wir vor allem auch Industrie und Industriearbeitsplätze auf Dauer in Deutschland erhalten können.

Mehr Wachstum ist möglich, wenn zu den richtigen Maßnahmen gegriffen wird. Deswegen ist die Wachstumsinitiative der Bundesregierung mit dem Schwerpunkt auf Arbeitsanreize, Kapitalzugang, Stärkung der Unternehmensinvestitionen und Bürokratieabbau der richtige Beitrag zur richtigen Zeit, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Das „Handelsblatt“ notierte am 27. August: „Eine Studie zeigt: Das Paket könnte viel mehr helfen, als viele bislang dachten.“ Die vorgeschlagenen 49 Maßnahmen haben im Zusammenspiel und in der Gesamtwirkung einen zusätzlichen Wachstumseffekt von 0,4 Prozentpunkten – die Kollegin Beck hat es gesagt – und in späteren Jahren sogar von 0,9 Prozentpunkten.

Hört! Hört!

Ich finde, das ist ein großer Beitrag, den wir noch in diesem Herbst mit parlamentarischen Entscheidungen auf den Weg bringen können, um unserer Konjunktur wieder auf die Beine zu helfen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ein Teil der Wachstumsinitiative findet sich im Steuerfortentwicklungsgesetz wieder, über das wir heute beraten. Wir gehen hier steuerpolitisch den zweiten Schritt nach dem Wachstumschancengesetz. Ein bedeutender Punkt – der ist angesprochen worden – ist die Fortführung der degressiven Abschreibung für bewegliche Güter des Anlagevermögens. Hier wird die degressive Abschreibung auf das Zweieinhalbfache der linearen Abschreibung, maximal 25 Prozent, angehoben. Das bedeutet vor allem eines: Unternehmen bekommen nicht nur mehr Spielraum für Investitionen, sondern auch Planungssicherheit für die kommenden Jahre. Es ist insbesondere für den Mittelstand von großer Bedeutung, klare und verlässliche Rahmenbedingungen zu haben, um zu investieren.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der FDP

Positive Signale brauchen wir auch für die Zukunft der Elektromobilität in Deutschland. Die Einführung einer degressiven Abschreibung für neu angeschaffte Elektroautos mit einem Abschreibungssatz von 40 Prozent im Jahr der Anschaffung und die Erweiterung der Vorteile bei der Dienstwagenbesteuerung sind wichtige Schritte, um die Nachfrage nach Elektromobilität in Deutschland zu stützen. Es geht um die Konsumenten, es geht um die Transformation der Wirtschaft; aber es geht am Ende auch immer um den Erhalt von Industriearbeitsplätzen und unserer heimischen Werke. Von daher ist auch dieser Schritt zur Förderung der Elektromobilität jetzt genau das richtige Signal, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Sehr richtig! Sehr richtig!

Wir erweitern die steuerliche Forschungszulage mit einem neuen Bemessungsgrundlagenhöchstbetrag für förderfähige Aufwendungen von 12 Millionen Euro. Innovation ist der Schlüssel zu unserer Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen, die in Forschung und Entwicklung investieren, brauchen bestmögliche Anreize, um neue Technologien und Verfahren zu entwickeln. Deutschland ist international bereits stark bei den Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Wir wollen diese Stärke weiter ausbauen und stützen.

Echtes Wachstum braucht Zeit, kluge Investitionen und einen klaren Fokus. Genau das befördern wir mit diesem Gesetz. Lassen Sie uns, entgegen mancher Äußerungen heute aus der Opposition, nicht an einer Steuerverunsicherungs- und Steuerverdrehungsrhetorik arbeiten, sondern ganz konkret an diesem Gesetz, das wir weiter verbessern wollen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Sascha Müller
Foto: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion/ Stefan Kaminski
11 Vermerkeca. 740 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Gestern hat die Union in der Debatte zum Jahressteuergesetz beklagt, dass es darin zu viel Klein-Klein gäbe.

Das ist schon groß!

Heute können wir sagen: Ja, das war auch der Plan; denn die großen Dinge haben wir uns heute für das Steuerfortentwicklungsgesetz aufgespart.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Und ja, dieser Gesetzentwurf beinhaltet bereits Einiges aus der Wachstumsinitiative. Und ja, dabei wird vielleicht das eine oder andere sicher noch im parlamentarischen Verfahren dazukommen. Und ja, nicht alles aus der Wachstumsinitiative lässt sich in ein einziges Steuergesetz packen.

Denn – und das sage ich hier auch als Finanzpolitiker – es gibt ja noch andere wichtige Politikfelder.

Warum machen wir das? Wir sehen, es gibt viele strukturelle Probleme hierzulande, die wir angehen müssen. Wir können mit der Wachstumsinitiative ein prognostiziertes Wirtschaftswachstum von rund einem halben Prozent herbeiführen. Und ja, fünf Minuten Redezeit sind zu kurz, um alles, was das Gesetz schon beinhaltet, aufzuzählen. Ich beschränke mich daher heute auf drei Dinge:

Zum einen auf den Punkt, der für unsere Automobilindustrie so wichtig ist: Die Zukunft gehört der Elektromobilität, nicht die ferne, sondern die nahe Zukunft. Das sehen wir an den Zahlen weltweit und auch in Europa, allerdings vor allem nur um uns herum. In Deutschland hinken wir der Entwicklung hinterher. Es hilft unserer Automobilindustrie, wenn wir hier wieder Impulse hinbekommen. Wie machen wir das? Zunächst einmal können wir festhalten, dass der private Sektor bei den Neuzulassungen von Elektroautos Vorreiter ist. Der Großteil der Neuzulassungen geht aber in den dienstlichen Sektor. In diesem Sektor die Lücke zu schließen, ist also sehr wirkungsvoll, und wir sollten das entsprechend anreizen. Jetzt ließe sich zum Beispiel die Dienstwagenbesteuerung ändern. Weil die einfache Variante, nur an einigen Kommastellen bei der Besteuerung des privaten Anteils zu drehen, für die Koalition offensichtlich zu einfach war,

Heiterkeitbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

haben wir uns für einen anderen Weg entschieden, den mit besseren Abschreibungsmöglichkeiten bei den Unternehmen. Ob es darüber hinaus weitere Anreize gerade für Mittelklassewagen geben kann, das werden wir noch ausloten.

Etwas anderes aus der Wachstumsinitiative stammt direkt aus dem Koalitionsvertrag: die Steuerklassenreform. Die Steuerklassen III und V werden abgeschafft und automatisch in die Steuerklasse IV mit Faktor überführt. Auf diese beiden Wörter „mit Faktor“ kommt es an. Zwar wird die Umsetzung einiges an Zeit kosten, aber die Vorteile liegen auf der Hand: eine gerechtere Besteuerung im Lohnsteuerabzugsverfahren und wenig Risiko für hohe Nachzahlungen im Zuge der Steuererklärung. Das Faktorverfahren, das bisher leider nur wenige Paare überhaupt kennen, bekommt nun Aufmerksamkeit. Viele werden feststellen, dass es große Vorteile bringt, und werden es schon anwenden.

Warum ist diese Änderung im Lohnsteuerverfahren ein Teil der Wachstumsinitiative?

Familien haben weniger Geld danach!

Zurufdes Abg. Fritz Güntzler [CDU/CSU]

Nun, weil es Fehlanreize bei der Aufnahme oder Ausweitung der Erwerbsarbeit beseitigt; denn mit den starren Annahmen in den noch geltenden Steuerklassen III und V ist es für den Partner oder die Partnerin in der Steuerklasse V unterjährig wenig attraktiv, mehr zu arbeiten. Und selbst eine Gehaltserhöhung verliert durch den höheren Steuerabzug an Attraktivität. Das soll nicht so bleiben.

Das ist doch Schmarrn!

Und „Leistung muss sich wieder lohnen“ stimmt also hier zumindest gefühlt nicht oder bisher nur bedingt. Eigentlich müssten also auch CDU und CSU diese Reform begrüßen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Da Lohnersatzleistungen wie das Kurzarbeitergeld auf dem Nettogehalt aufbauen, werden nebenbei auch hier Ungerechtigkeiten insbesondere für Frauen, die sich deutlich häufiger in der Steuerklasse V befinden, abgebaut.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist doch Wahnsinn!

Und um auch das gleich zu sagen, weil mir das immer noch vereinzelt begegnet: Nein, es handelt sich nicht um eine Reform oder gar Abschaffung des Ehegattensplittings. Wer so etwas behauptet, erzählt schlicht die Unwahrheit. Ganz egal, wie genau sich welche Fraktion zum Ehegattensplitting positioniert – es ist bekannt, dass sich meine Fraktion hier Reformen hätte vorstellen können –: Mit der Abgabe der Steuererklärung, die ja sowohl bei Anwendung der Steuerklassenkombination III und V wie auch bei der Anwendung des Faktorverfahrens verpflichtend ist, kommt am Ende in beiden Fällen bei der Ermittlung der zu zahlenden Steuer exakt das gleiche heraus.

Das ist der Punkt!

Zum Schluss noch mein Hinweis – und das schließt das zweite hier in diesem Tagesordnungspunkt behandelte Gesetz mit ein –: Wir passen auch rückwirkend für 2024 die Steuerfreibeträge an, also Grundfreibetrag und Kinderfreibetrag. Ich sehe es als einen großen Erfolg, dass künftig nun die Anpassung des Kindergeldes im Gleichlauf mit der Anpassung des Kinderfreibetrages erfolgen muss. Ob wir vor der Anwendung dieser Regel noch zusätzlich zur Anhebung der Freibeträge auch die Höhe des Kindergeldes noch einmal angehen müssen, das wird sich in den weiteren Beratungen erweisen. Ich freue mich jedenfalls darauf, daran mitzuwirken, ein gutes Gesetz noch besser zu machen.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Nadine Heselhaus
Foto: Photothek Media Lab
10 Vermerkeca. 540 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! An die Herren von der AfD: Da es ja jetzt schon ein paar Mal zur Sprache kam, ein Satz noch mal zur Meldepflicht innerstaatlicher Steuergestaltung. 99 Prozent der Unternehmen sind davon überhaupt nicht betroffen.

Die müssen aber alles prüfen!

Es geht um 1 Prozent der Unternehmen.

Dann können Sie es gleich weglassen, wenn es nur um 1 Prozent geht!

Wir wollen an die dicken Fische ran. Die kriegen das hin. Also: Die Sache mit dem Bürokratiemonster läuft doch hier ins Leere.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, wer von Ihnen ist denn Mitglied in einem Verein, und wer engagiert sich vielleicht sogar in einem Verein? Das sind bei uns in Deutschland ganz, ganz viele Menschen. Bei mir in Nordrhein-Westfalen ist vor wenigen Monaten der EhrenamtAtlas veröffentlich worden. Das ist eine Studie, die genau beleuchtet hat, in welchen Bereichen die Menschen aktiv sind, warum sie das eigentlich machen, warum vielleicht auch nicht. Deutlich wurde jedenfalls, dass das zivilgesellschaftliche Engagement ganz, ganz wichtig ist für uns, für unsere Gesellschaft; denn es hält unsere Gesellschaft zusammen. Deswegen an dieser Stelle an alle, die sich engagieren: Vielen herzlichen Dank dafür!

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Sandra Bubendorfer-Licht [FDP]

Uns war es von Anfang an wichtig, die Zivilgesellschaft zu stärken. Deswegen haben wir schon im Koalitionsvertrag die Modernisierung des Gemeinnützigkeitsrechts verankert. Jetzt ist sie auch Bestandteil des Steuerfortentwicklungsgesetzes; und das ist gut so.

Was ist denn mit der Ehrenamtspauschale?

Was ist denn überhaupt die Gemeinnützigkeit? Organisationen, die gemeinnützig sind, genießen steuerliche Vorteile. Das betrifft auch diejenigen, die an diese spenden. Es geht aber auch durchaus ein wenig um Wertschätzung. Es ist im Grunde auch eine Auszeichnung für den Dienst an unserer Gesellschaft. Und was genau gemeinnützig eigentlich sein kann, das ist in dem Zweckkatalog in der Abgabenordnung, der zugegebenermaßen etwas schwierig lesbar ist, weil er historisch gewachsen ist, festgehalten.

Das ist durch Rechtsprechung bestimmt worden!

Für jeden einzelnen Zweck, der darin aufgenommen wurde, gab es natürlich einen Grund. Natürlich gilt es jetzt, diesen Katalog zu überprüfen und ihn vielleicht auch zu aktualisieren. Mal schauen, wir werden es sehen.

Worum es hier aber auch geht – und es ist ein bisschen traurig, dass das einzig von der AfD angesprochen wurde, wenn auch nur in einer sehr strubbeligen Art und Weise –, ist die Frage der politischen Betätigung. Es geht darum, den Vereinen, den Organisationen Rechtssicherheit zu verschaffen; denn diese wollen wissen, ob sie, wenn sie zu einer Demo gegen rechts aufrufen, Gefahr laufen, ihre Gemeinnützigkeit zu verlieren. Das wollen im Übrigen nicht nur die Vereine, sondern das wollen auch die Finanzämter, die über die Gemeinnützigkeit entscheiden müssen.

Die Finanzämter haben gar nichts zu wollen! Sie haben zu dienen! Dem Bürger und dem Staat!

Uns ist es wichtig, an dieser Stelle für Rechtssicherheit zu sorgen; denn das Engagement in der Zivilgesellschaft, das so viele Millionen Menschen in unserem Land leisten, gehört zur Basisdemokratie. Dass die AfD davon nichts hält, das haben wir eben sehr ausdrücklich gehört.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Wir wollen Volksentscheide, die ihr 75 Jahre verhindert habt!

Deswegen geht es an dieser Stelle eben nicht nur darum – obwohl uns auch das wichtig ist –, den Vereinen und Organisationen die Möglichkeit zur freien Entfaltung zu schaffen, sondern es geht eben auch darum, gerade in unserer Demokratie, die unter Druck steht, dafür zu sorgen, dass sie vor externen Angriffen geschützt ist. Und deswegen braucht es an dieser Stelle Rechtssicherheit. Wir werden uns das jetzt in den Verhandlungen ganz genau anschauen, um genau dafür in den Formulierungen zu sorgen.

Es gibt noch weitere Punkte im Rahmen der Gemeinnützigkeit. Ich freue mich auf die Verhandlungen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Christian Görke
Foto: DiG/ Thomas Kläber
11 Vermerkeca. 410 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist bezeichnend, dass Sie als Ampel heute wieder Steuerentlastungen auf den Weg bringen, die größtenteils bei den Gut- und Besserverdienenden hängen bleiben

Zurufvon der Linken: Hört! Hört!

und noch dazu von den Kommunen und Ländern finanziert werden. Wenn die Berechnungen der Arbeiterkammer stimmen, profitieren Gutverdienende drei- bis fünfmal so stark vom Ausgleich der kalten Progression wie die Normalverdiener: Wer als Single 100 000 Euro verdient, spart 500 Euro Steuern, wer 50 000 Euro verdient, spart 132 Euro, und wer 36 000 Euro verdient, sogar nur 100 Euro. Bei diesem Befund, liebe Kolleginnen und Kollegen – ich weiß, dass Sie bei den Grünen jetzt die Köpfe senken –,

muss ich sagen: Es ist wie bei der Rosstäuscherei, dass Sie sich dann auch noch dafür loben. Zumindest bei den Eckwerten der Reichensteuer haben Sie das nicht zugelassen. Aber – das sage ich Ihnen in vollem Ernst – dies war das Mindeste, was Sie zustande bringen mussten.

Beifallbei der Linken

Was mich besonders ärgert, ist, dass Sie die Quittung dafür den Ländern und Kommunen lassen. Sie bestellen – ich habe Ihnen das schon mal gesagt – ein Riesenbankett, speisen schön, und dann legen Sie die Rechnung beim Nachbarn auf den Tisch und machen sich vom Acker.

Schönes Bild!

Denn von den rund 20 Milliarden Euro, die die ganzen Änderungen hier im Jahr kosten, zahlen die Länder 60 Prozent. Gleichzeitig verwehren Sie dann den Ländern und den Verkehrsverbünden mal 1,5 Milliarden Euro Zuschuss zum 49-Euro-Ticket, was eine Verteuerung zur Folge hat

Zurufvon der Linken: Unglaublich!

und wofür vor allen Dingen auch wieder die Menschen mit einem kleinen Geldbeutel herhalten müssen.

Apropos Belastung. Es ist schon paradox, dass Sie gleichzeitig die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung in die Höhe treiben. Hier wären die Milliarden, wenn man möglicherweise keinen vollständigen Ausgleich der kalten Progression vornimmt, besser aufgehoben.

Beifallbei der Linken

Denn Normalverdiener würden bei einer Beitragssenkung – so die Gewerkschaften; nicht meine Zahlen – viel stärker entlastet.

Beifallbei der Linken

Meine Damen und Herren, erspart haben Sie uns wenigstens den dreisten Vorschlag der FDP, nur den Kinderfreibetrag zu erhöhen. Das hätte nämlich bedeutet: Gut verdienende Familien mit Kindern sparen Steuern, und Kinder von Normalverdienern gehen leer aus.

Zurufder Abg. Heidi Reichinnek [Die Linke]

Statt nichts gibt es jetzt 5 Euro mehr im Monat, 16 Cent pro Tag, nicht mal ein dreiviertel Apfel.

Zurufvon der Linken: Unglaublich!

Das ist wirklich lächerlich. Es ist aber auch ein Armutszeugnis, zumindest für Sie – und da spreche ich die Grünen an –, die Sie sich eigentlich immer dafür starkgemacht haben, wenigstens in diesem Bereich mehr zu bringen. Von der Kindergrundsicherung will ich heute gar nicht mehr reden.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
8 Vermerkeca. 429 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! In letzter Zeit werden diejenigen immer lauter, die alles schwarzmalen, die behaupten, es sei unserem Land noch nie so schlecht gegangen wie heute.

Das stimmt ja leider auch!

Und manchmal, wenn ich ehrlich bin, lasse ich mich davon anstecken, auch weil ich als Abgeordnete mit vielen Menschen und Organisationen spreche, die mir natürlich in erster Linie von ihren Sorgen berichten, von dem, was nicht gut läuft oder was verbessert werden muss. Das kennen Sie alle auch. Aber anders als ein Teil dieses Hauses antworten wir darauf nicht mit Plattitüden, Pessimismus und Populismus!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Jetzt schreien Sie doch nicht so!

Um aus dieser negativen Grundstimmung rauszukommen, überlege ich mir oft: Was läuft denn gut? Was macht mir Mut, was macht mir Hoffnung? Spoiler: eine ganze Menge. Und ich denke dann an die vielen Ehrenamtlichen – sie begegnen mir nämlich oft in meinem Alltag –, wie zum Beispiel die Übungsleiter, die meinen Töchtern die Leidenschaft für Sport näherbringen, oder an die Nachbarin, die sich für Geflüchtete einsetzt. Es motiviert mich immer wieder für meine politische Arbeit, dass wir so eine starke Zivilgesellschaft haben.

In gemeinnützigen Organisationen engagieren sich circa 4 Millionen Menschen. Sie sind in letzter Zeit auf viele von uns zugekommen mit einem Anliegen: Ihre Arbeit wird von rechtlicher Unsicherheit überschattet. Wenn sich beispielsweise mein örtlicher Fastnachtsverein kritisch zu rassistischen Aussagen in der Politik äußern würde, würde ihm die Aberkennung der Gemeinnützigkeit drohen, was total absurd ist. Der Entwurf zum Steuerfortentwicklungsgesetz ist deswegen ein erster richtiger Schritt in die Richtung, zivilgesellschaftlichen Organisationen den Rücken zu stärken.

Beifallbei der SPD

Denn wer sich in der und für die Zivilgesellschaft engagiert, sollte auch das Recht haben, sich zum Beispiel gegen Fehlentwicklungen zu positionieren. Damit stärken wir die demokratische Resilienz unserer Zivilgesellschaft.

Beifallbei der SPD

Deswegen ist das Gesetz im Grundsatz richtig. Aber es ist auch klar: Wir haben in dem Bereich noch einiges zu tun; das wurde eben auch schon ausgeführt. Ich kann mir das jetzt ersparen.

Aber es gibt noch etwas, das mir Mut für die Zukunft macht.

Dass wir wieder regieren werden!

Das sind die Kinder und Jugendlichen in unserem Land.

Zurufvon der AfD: Die wählen alle AfD!

Sie geben mir Hoffnung wegen ihrer Offenheit, ihrer Neugier in ihrem Umgang miteinander, der in jungen Jahren noch weitgehend frei von Vorurteilen ist. Deshalb freut es mich sehr, dass die vorliegenden Gesetzentwürfe Kinder und Familien unterstützen. Der Kinderfreibetrag, das Kindergeld und der Sofortzuschlag für Kinder, die von Armut betroffen sind, werden erhöht, ebenso der steuerliche Grundfreibetrag. Das ist ein wichtiges Zeichen für die Familien, die oft zusätzlich zur normalen Hektik im Familienalltag unter finanziellem Druck stehen, und ein Zeichen, das zeigt, dass diejenigen, die alles schwarzmalen, eben nicht recht haben.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Maximilian Mordhorst [FDP]
9 Vermerkeca. 522 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Regierungskoalition hat heute Gesetzentwürfe vorgelegt, die die verfassungsrechtlich gebotenen Anpassungen am Grundfreibetrag und Kinderfreibetrag vornehmen; das ist in Ordnung und verfassungsrechtlich, wie gesagt, auch vorgegeben. Aber darüber hinaus gibt es Einzelmaßnahmen, die Vorsätze aus Ihrem Koalitionsvertrag und Maßnahmen aus Ihrer sogenannten Wachstumsinitiative durchsetzen wollen. Einige kleine Punkte sind brauchbar, aber ein großer Wurf ist es bei Weitem nicht.

Sie feiern sich heute – für die Wirtschaft ist es ein Tropfen auf den heißen Stein.

Es ist, lieber Herr Lindner, wirklich abenteuerlich. Es kommt mehr Bürokratie mit diesem Gesetz, nämlich durch die Wiedereinführung der Anzeigepflicht für nationale Steuergestaltungsmodelle. Wir hatten das im Vermittlungsausschuss einvernehmlich herausverhandelt, und jetzt kommt es über die Hintertür wieder rein. Dafür kriegen Sie von uns keine Zustimmung.

Beifallbei der CDU/CSU

Ein Foul ist das!

Sie sagen immer, Sie entlasten Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich möchte mich mal auf einen Punkt beschränken, und zwar auf die Abschaffung der Steuerklassenwahl III/V, die nun durch die Steuerklassen IV/IV ersetzt werden. Sie benachteiligen mit diesem Gesetz ganz gezielt Familien mit Kindern.

Gegenrufvon der CDU/CSU: Doch!

Denn zur Berechnung des Elterngeldes wird das Nettoeinkommen desjenigen, der die Kinder betreut, herangezogen. Deswegen entscheiden sich Ehepaare ganz bewusst für die Steuerklassenkombination III/V, damit eben mehr Nettoeinkommen und mehr Elterngeld berechnet werden kann.

Beifallbei der CDU/CSU

Das gilt eben nur für Familien mit einem Einkommen bis zu 175 000 Euro; bei einem Einkommen darüber gibt es ja kein Elterngeld. Insofern richten sich diese Änderungen an die Familien mit kleinen und mittleren Einkommen.

Genau diese Familien beschneiden Sie jetzt und nehmen ihnen das Geld weg. Ich nenne Ihnen, weil Sie es nicht glauben, ein Rechenbeispiel. Eine Erzieherin mit einem Bruttogehalt von 3 000 Euro bekommt in der Steuerklasse III ein Nettogehalt von 2 312 Euro; das Elterngeld beträgt 1 502 Euro. In der Steuerklasse IV ist das Nettogehalt 2 055 Euro – das sind 257 Euro weniger –, und das Elterngeld beträgt 1 336 Euro. Das sind 166 Euro weniger Elterngeld pro Monat. Das sind im Jahr 1 992 Euro. Sie nehmen den Familien damit mindestens ein Monatsgehalt ab. Das ist doch keine Entlastung der Familien mit Kindern, das ist eine Belastung der Familien mit Kindern.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist Ampelpolitik! Ampel macht ärmer! So sind sie!

Sie nehmen den Kindern und den Eltern mit diesem Gesetz ein Nettomonatsgehalt ab. Damit bewirken Sie genau das Gegenteil von dem, was Sie behaupten. Sie beschneiden die Familien mit kleinen und mittleren Einkommen in diesem Land und sorgen dafür, dass weniger Netto vom Brutto übrig bleibt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das werden wir nicht mitmachen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie werden es nicht schaffen, Ihre gesellschaftspolitischen Vorstellungen mit steuerpolitischen Maßnahmen durchzusetzen. Es ist die Wahlfreiheit der Ehegatten, die Steuerklassen zu wählen. Ob III, IV oder V, das können doch die Eltern selber entscheiden.

So ist es! Immer diese Erziehung durch die Grünen!

Lassen Sie die Wahlfreiheit bei den Ehegatten, und nehmen Sie diese Wahlfreiheit nicht weg! Sie nehmen den Menschen mit Kindern ein Nettomonatsgehalt ab.

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Nein!

Das ist die Wahrheit über dieses Gesetz. Deswegen muss dringend nachgebessert werden. Wir werden es nicht zulassen, dass Sie die Familien, die unseren Respekt, unsere Anerkennung, aber auch unsere Unterstützung gerade in Zeiten steigender Kosten brauchen, weiter belasten. Wir werden da nicht zustimmen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

8 VermerkeZwischenfrageca. 419 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Steuerfortentwicklungsgesetz, das klingt nach: Wir machen die Dinge Stück für Stück, Schrittchen für Schrittchen besser. Aber es gibt eine Komponente, die in diesem Gesetzentwurf wirklich historisch ist, und das ist, dass wir unser Steuerklassensystem aus den 50er-Jahren endlich abschaffen, die Alleinverdienerehe nicht weiter fördern und antiquierte Rollenbilder ablegen und nicht weiter verfestigen.

Es handelt sich nämlich um ein Steuersystem, das mit seinen Steuerklassen III und V den geringer verdienenden Ehepartner ab dem allerersten Euro Steuern zahlen lässt und dem besser verdienenden Ehepartner beide Steuerfreibeträge gibt. Und Herr Brehm, ich weiß nicht, ob Sie nur in Ihrem Steuerberatermännerklub über diese Themen sprechen oder ob Sie auch mal mit Frauen darüber gesprochen haben.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Sandra Bubendorfer-Licht [FDP]

Alleinerziehende haben die Steuerklasse II!

Denn so ein Steuersystem ist nicht gerade ein Anreiz, arbeiten zu gehen. Wenn ich mich nämlich mit Frauen oder Männern außerhalb eines Steuerberaterklubs unterhalte, dann höre ich ganz häufig: Ich habe Steuerklasse V, es lohnt sich für mich nicht, arbeiten zu gehen.

Johannes Schraps [SPD], an den Abg. Sebastian Brehm [CDU/CSU] gewandt: So, Herr Brehm! Hören Sie mal zu!

Deshalb bringen wir diese historische Veränderung auch in einer Zeit des Fachkräftemangels ein, in der es darum geht, jede mögliche Arbeitskraft zu mobilisieren, und das sind dann eben auch die Frauen. Wirtschaftsexpertinnen und Wirtschaftsexperten fordern diesen Schritt schon ziemlich lange. Deshalb finde ich es super, dass wir ihn jetzt auch endlich umsetzen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie haben es nicht kapiert!

Denn neben der Arbeitsmarktkomponente macht mich auch was anderes an dieser Stelle noch total glücklich und stolz: Es ist ein Befreiungsschlag für alle Frauen, denen man in Steuerklasse V bislang das Gefühl vermittelt hat, sie tragen wegen des hohen Steuerabzugs eben nicht in adäquater Weise zum Haushaltseinkommen bei oder es lohne sich einfach nicht, etwas mehr oder überhaupt arbeiten zu gehen.

Und ich möchte noch mit einem Mythos aufräumen. Herr Brehm hat ja eben von der Erzieherin in Steuerklasse III gesprochen; das ist ja alles schön und gut. Wir wissen aber, dass es in der Steuerklassenkombination III/V zu 75 Prozent die Frauen sind, die in Steuerklasse V arbeiten.

Zurufvon der SPD: So ist es!

Das stimmt doch nicht!

Ich würde daher auch mal ein Fragezeichen dahinter machen, wie realistisch das Beispiel ist, das Sie uns hier heute vorgerechnet haben.

Zukünftig wird die Steuerlast also gleichmäßiger verteilt, indem beide Ehepartner die Steuerklasse IV mit Faktor erhalten. An der Höhe der gesamten Einkommensteuer des Ehepaares ändert sich nichts; kein Ehepaar zahlt durch die Reform unter dem Strich mehr Steuern. Nur schafft die gleichmäßiger verteilte Vorauszahlung über die Lohnsteuer positive Anreize für den Arbeitsmarkt und mehr finanzielle Gerechtigkeit und Unabhängigkeit für Frauen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Diese Fortentwicklung des Steuerrechts ist also, so darf ich sagen, durchaus ein Quantensprung.

Danke schön.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Christine Aschenberg-Dugnus [FDP]

Mit Demokratie hat das nichts zu tun, Frau Kollegin!

Porträt von Mathias Middelberg
Foto: Dr. Mathias Middelberg/Tobias Koch
16 Vermerkeca. 809 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Geschätzte Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Herr Minister, Sie haben in den beiden Entwürfen, die Sie uns hier heute vorlegen, durchaus brauchbare und gute Maßnahmen vorgesehen, die auch wir begrüßen:

Beifallbei Abgeordneten der SPD

die Anpassung des Einkommensteuertarifs an die Preise, die Anhebung des Grund- und des Kinderfreibetrags, die Anpassung der Tarifeckwerte. Das ist alles in Ordnung. Was wir auch gut finden, sind zwei Ihrer Maßnahmen, nämlich die Reform bei den Sammelabschreibungen und die Fortführung der degressiven AfA, allerdings befristet.

Beifalldes Abg. Dr. Lukas Köhler [FDP]

Da sind brauchbare Punkte dabei.

Aber – auch das sage ich – Sie haben wichtige Elemente in Ihren Entwürfen, die wir dezidiert ablehnen. Dazu gehört die Überführung der Steuerklassen III und V in das Faktorverfahren; das wird Ihnen der Kollege Brehm anschließend noch im Einzelnen erläutern. Was wir vor allem auch ablehnen, ist die Anzeigepflicht für innerstaatliche Steuergestaltung. Das wäre wieder eine einseitige Benachteiligung der Unternehmen in Deutschland.

1 Prozent!

Die von Ihrem eigenen Haus eingesetzte Expertenkommission hat dazu im Juli, also vor wenigen Wochen, Empfehlungen erteilt und gesagt, das sei unnötige Bürokratie. Deswegen werden wir hier heute nicht zustimmen können.

Entscheidend ist aber – der Punkt ist mir wichtig –: Sie haben zu Anfang Ihrer Rede eine gute volkswirtschaftliche Analyse geliefert und die Situation dieses Landes wirtschaftlich zutreffend beschrieben: Wir sind am Nullpunkt und drohen sogar noch weiter abzusteigen. – In dieser Situation müsste es jetzt wirklich einen kräftigen Wurf geben. Es müsste eine echte Steuerreform, zumindest eine richtig gute Unternehmensteuerreform, kommen, die nicht nur befristete einzelne Maßnahmen enthält, sondern die einen nachhaltigen, kräftigen und langfristig verlässlichen Anschub gewähren würde, damit das eintritt, was Sie hier eben beschrieben haben, nämlich mehr private Investitionen in den Standort. Das werden Sie mit diesem kleinen Würfchen leider nicht auslösen.

Beifallbei der CDU/CSU
Lachender Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir sind Hochsteuerland im internationalen Wettbewerb, und deswegen reicht dieses Stückwerk nicht aus. Wir bräuchten wirklich eine große und umfassende Unternehmensteuerreform.

Sie haben eben ausgeführt, Herr Minister, dass Sie die Progression ja so klasse ausgeglichen haben. Das stimmt – allerdings nur für den Bereich der Steuern und auch nicht für alle Jahreszeiträume. Mir ist wichtig, deutlich zu machen: Sie haben eine ganze Menge steuerliche Zusatzbelastungen beschlossen und im Übrigen auch mehr Belastungen im Abgabenbereich. Die FDP hat dabei immer munter mitgestimmt.

Die Dieselbesteuerung für Landwirte und die Luftverkehrsteuer haben Sie erhöht. Sie haben die Mehrwertsteuer in der Gastronomie wieder angehoben.

Lachendes Abg. Markus Herbrand [FDP]

Sie haben die Lkw-Maut erhöht, und Sie haben vor allen Dingen – das ist die dickste Maßnahme – den CO2-Preis richtig sauber angehoben, ohne das sozial durch Klimageldzahlungen auszugleichen.

Zurufeder Abg. Nadine Heselhaus [SPD] und Maximilian Mordhorst [FDP]

Die CO2-Abgabe ist in der Wirkung nichts anderes als eine Mehrwertsteuererhöhung. Das trifft gerade diejenigen mit kleinen und mittleren Einkommen wirklich hart.

Wer hat die denn eingeführt?

Wer wollte sie denn viel höher haben? Das waren doch Sie!

Sie, Herr Minister, haben in Ihrer Rede nur das Thema Steuern betrachtet. Was Sie bei den Sozialabgaben gemacht haben, haben Sie hier wahrscheinlich bewusst nicht erwähnt.

Zurufdes Abg. Johannes Schraps [SPD]

Denn die Sozialabgaben steigen in Ihrer Regierungszeit, in diesen drei Jahren, im absoluten Rekordtempo. Das merken wir jetzt schon wieder bei der Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze. Dies ist eine zusätzliche gravierende Belastung, viel stärker, als es steuerliche Belastungen wären, vor allen Dingen für diejenigen, von denen Sie eben gesprochen haben: die, die arbeiten und die ganzen sozialen Systeme in diesem Land finanzieren. Diese Menschen werden von Ihnen vor allen Dingen über die Sozialabgaben massiv zusätzlich belastet, und das ist ein großer Fehler.

Beifallbei der CDU/CSU

Über das Rentenpaket, das Sie hier morgen einbringen, sagt ja jetzt Ihr Kollege Vogel, das sei noch mal ein Schlag ins Gesicht all derer, die hier arbeiten und diese ganze Geschichte finanzieren. Treten Sie davon zurück, und beenden Sie überhaupt diese ganze Veranstaltung! Das sage ich ausdrücklich in Richtung FDP.

Sie sind gegen die Stabilisierung der Rente! Das halten wir auch mal fest!

Wenn Sie bei diesem Rentenpaket mitmachen, dann versündigen Sie sich endgültig an diesem Land, und dann werden Sie keinerlei Wachstum mehr auslösen.

Ihr Problem ist, dass Sie als Ampel überhaupt kein Konzept mehr haben.

Zurufdes Abg. Michael Schrodi [SPD]

Sie haben keinen einheitlichen Plan, sondern jeder von Ihnen hat seinen eigenen Plan. Deswegen gibt es auch diesen permanenten Streit, und diese kleinen gammeligen Kompromisse kommen dann dabei heraus. Das ist Ihre Regierungspolitik.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Das Ganze hat keine Struktur, das hat keinen Plan. Und weil Sie keinen Plan haben

Haben Sie auch inhaltlich irgendwas, was Sie vorbringen wollen?

und keinerlei Zuversicht an die Menschen in diesem Land vermitteln, nimmt auch kein Verbraucher mehr Geld in die Hand, und kein Unternehmen investiert. Deswegen steht dieses Land still.

Daher muss eines passieren: Es muss das schnelle Ende dieser Regierung herbeikommen, damit wir wieder Politik in diesem Land machen können, die Zuversicht im Land und in der Bevölkerung auslöst. Nur dann werden Sie diesen Wirtschaftsstandort wieder flottmachen.

Beifallbei der CDU/CSU

Nichts Inhaltliches außer Schlechtreden!

Sie haben reichlich Mittel dazu in Ihrem Haushalt zur Verfügung. Wir haben gestern in der Fragestunde auch intensiv mit Ihnen über das Thema Bürgergeld gesprochen. Da sprengen Sie jede Kostengrenze. Begrenzen Sie dieses Thema, begrenzen Sie auch bei dem Thema Flucht und Migration! Wenn Sie das klug machen, können Sie da gewaltig sparen. Dann hätten Sie die Mittel für die Maßnahmen, die wirklich nötig sind, für eine nachhaltige Steuerreform, insbesondere eine Unternehmensteuerreform, die diesen Standort –

7 Vermerkeca. 332 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Aus dem umfänglichen Artikelgesetz kann ich nur einen einzigen Punkt ansprechen; erstaunlicherweise sprach ihn bisher niemand an. Es geht um die Einfügung eines kurzen, aber politisch brisanten Satzes als Ziffer 11 in § 58 der Abgabenordnung, und das stellt einen fundamentalen Eingriff in das Gemeinnützigkeitsrecht dar. Dieses enthält zahlreiche Subventionsvorschriften für Personengemeinschaften, die – ich zitiere – „ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige, mildtätige und kirchliche Zwecke“ verfolgen. So steht es in § 51 Abgabenordnung. Im Folgenden werden die förderungswürdigen Zwecke in 26 Ziffern benannt, zum Beispiel Wissenschaft und Forschung, Erziehung, Religion, Altenhilfe, Kunst, Kultur und Rettung aus Lebensgefahr.

Diese Vereinigungen werden nahezu von allen Steuern befreit, von der Umsatzsteuer über die Ertragsteuer bis zur Erbschaft- und Schenkungsteuer. Darüber hinaus können sie über Spenden Finanzmittel einwerben, welche ihrerseits die Steuerbemessungsgrundlage der Spender verringern, also dem Spender zugutekommen.

Die ungewöhnliche Vorschrift des § 58 Abgabenordnung eröffnet Handlungsmöglichkeiten, die mit dem Buchstaben und dem Geist des Gesetzes der „ausschließlich und unmittelbar“ gemeinnützigen Betätigung nur schwer in Einklang zu bringen sind. So wird dort erlaubt, eingeworbene Spenden weiterzureichen an andere Organisationen, die unter Umständen ganz andere Zwecke verfolgen, oder auch an Sportvereine, die Profisport fördern.

An diese Rechtsnorm, wo man den Lobbyismus beim Gesetzeschmieden mit Händen greifen kann, hat die Regierung eine schnuckelige kleine Ziffer 11 angehängt. Danach soll es ab sofort förderungsunschädlich sein – ich zitiere –, wenn „eine Körperschaft außerhalb ihrer Satzungszwecke gelegentlich zu tagespolitischen Themen Stellung nimmt.“

Sehr richtig! Sehr gut!

Die Barbarei pur!

Beifallbei der AfD
Lachenbei Abgeordneten der SPD

Das ist der Totalangriff auf ungestörtes gemeinnütziges Handeln gesellschaftlicher Organisationen

Was für ein Quatsch! Was soll das denn?

Sie haben nie mit Verbänden gesprochen! Das merkt man!

wie Kulturvereine, Lebensrettungs- und Feuerwehrvereine. Und es ist die Reaktion der Regierung auf die Aberkennung der Gemeinnützigkeit des Attac Trägervereines,

Wieso das denn?

der sich angeblich um Bildung kümmert und dem der Bundesfinanzhof in einer einstimmigen Entscheidung beschieden hat – ich zitiere –, der Kläger Attac könnte „das BFH-Urteil … nicht durch sein Begriffsverständnis von politischer Bildung in Frage stellen.“

Sie haben keine Ahnung, Herr Glaser! Sie sind bar jeder Ahnung! Das ist wirklich dramatisch!

– Das ist voller Ahnung. Das ist die Ahnung auf dem Niveau von obersten Gerichten des Bundes.

Ab jetzt sollten die politischen Agitatoren von Klimaklebern über Attac bis Antifa mit Steuersubventionen –

Falsch, Herr Glaser! Vollkommen falsch!

1 Vermerkca. 25 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

– ich komme zum Schluss, Frau Präsidentin – Tag für Tag ihr Werk verrichten. Ob das „gelegentlich“ ist, wird kein Finanzamt und kein Gericht je feststellen können.

Vollkommen falsch, Herr Glaser!

2 Vermerkeca. 13 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das ist Politisierung und Totalisierung der Gesellschaft für eine sterbende Regierung.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Fritz Güntzler
Foto: Fritz Güntzler/ Tobias Koch
14 Vermerkeca. 736 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Zu Beginn der Debatte hat der Bundesfinanzminister darauf abgehoben, wie es in Deutschland aussieht, wie die Lage in Deutschland ist. Wir haben heute durch die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erfahren dürfen, dass das Wachstum weiter nach unten geschraubt wird. Wir werden in 2024 bei minus 0,1 Prozent landen, also gar kein Wachstum mehr haben, sondern eine Rezession, und im Jahr 2025 noch 0,8 Prozent haben; vorher waren 1,3 Prozent prognostiziert. Weitere Schlagzeilen – das brauche ich Ihnen nicht zu sagen – sind: Stellenabbau bei VW, Standortverlagerungen usw.

Es geht um Dinge, die wir hier seit langer Zeit vorgetragen haben, zu denen uns die Ampel aber immer nur gesagt hat, wir würden den Standort schlechtreden. Ich fordere Sie letztendlich eigentlich nur dazu auf, mal in der Realität anzukommen und Ihre Maßnahmen darauf abzustimmen.

Beifallbei der CDU/CSU

Denn Steuerpolitik, über die wir hier heute sprechen, ist ja auch Standortpolitik. Im Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung ist auch nachzulesen, dass die zentrale Stellschraube für die Stärkung der Wachstumspotenziale die Steuerpolitik ist. Und Minister Habeck, den ich nicht in allem, was er so sagt, unterstütze, hat laut „tagesschau.de“ gesagt:

„Auch ich sehe, dass wir in der Summe eine Unternehmensbesteuerung haben, die [international] nicht mehr wettbewerbsfähig und investitionsfreundlich genug ist.“

Das ist die Analyse, und darauf müssen wir die Politik aufbauen, meine Damen und Herren.

Da muss ich Ihnen ganz offen zu dem, was Sie hier vorlegen, sagen: Ich war dann leider doch – ich hatte größere Erwartungen, nachdem Kollegin Wegge gestern schon angekündigt hat, ich sollte doch noch einmal in das Steuerfortentwicklungsgesetz gucken; da kommen die großen Maßnahmen – bei dem nächtlichen Studium wieder enttäuscht, dass es auch hier nur letztendlich ein Klein-Klein gibt.

Zurufder Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Denn die Reform, die wir in unserem Land brauchen, nämlich eine Unternehmensteuerreform, ist das beileibe nicht. Aber die müssen Sie langsam angehen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Aber Sie werden ja gar nicht mehr die Zeit dazu haben. Zum Glück haben ja auch wir als Union einen entsprechenden Antrag hier im Hause vorgelegt, sodass wir nach der Regierungsübernahme, die ja vielleicht schneller kommt als erwartet, dann auch die Reform einleiten können, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU
Lachendes Abg. Michael Schrodi [SPD]

Die Fakten sind ja auch so: Wenn Sie auf die Steuerbelastungen schauen, dann stellen Sie fest, dass wir in Deutschland mittlerweile bei einbehaltenen Gewinnen eine Unternehmensteuerbelastung von weit über 30 Prozent haben. In der EU sind es 21 Prozent, in den OECD-Staaten 23,6 Prozent.

Nominal oder effektiv?

Dass das ein Wettbewerbsnachteil ist, sollte sich jedem erschließen.

Nominal oder effektiv?

Von daher müssen wir runter mit den Tarifen. Wir brauchen ein klares Signal nach außen. Die Steuertarife gerade für Unternehmen müssen gesenkt werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Nun zu den Dingen, die Sie hier ansprechen: Sammelposten. Ich weiß immer noch nicht – kann man machen –, wo der Wachstumsimpuls gesetzt werden soll, wenn wir Sammelposten einführen. Degressive Abschreibung ist ein gutes Instrument – das will ich nicht kleinreden –, das gilt auch für die Forschungszulage. Das sind ja die drei Maßnahmen aus der Wachstumsinitiative der Bundesregierung. Was mich gewundert hat, ist, dass die Steuerfreistellung der Überstunden dort nicht drinsteht. Die steht nämlich auch in der Wachstumsinitiative, aber nicht im Gesetz.

Zurufdes Bundesministers Christian Lindner

– Ach, kommt noch, Herr Minister. Gut, dann haben Sie alles umgesetzt in diesem Gesetz.

Es gibt ja Formulierungshilfen!

Aber dennoch sage ich Ihnen: Das reicht nicht.

Sie haben zu Recht, Herr Minister, eine Kommission eingesetzt für die Vereinfachung der Unternehmensteuer, die im Juli, wie ich finde, auch gute Ergebnisse vorgelegt hat. Ich würde Ihnen jetzt empfehlen, den Antrag der CDU/CSU-Fraktion neben die Ergebnisse dieser Kommission zu legen. Sie werden dann sehen, wenn Sie Mengenlehre in der Schule hatten,

Der war nicht schlecht!

dass es dort eine große Schnittmenge zwischen diesen beiden Konzepten gibt. Von daher sind wir eigentlich auf einem guten Weg, und ich danke dem Ministerium dafür, dass die das auch noch einmal bestätigt haben, was wir aufgeschrieben haben, sodass der Zustimmung jedenfalls der FDP doch nichts mehr im Wege stehen dürfte.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Markus Herbrand [FDP]

Was mich aber enttäuscht, ist, dass die Punkte, die dort aufgeführt sind und nach einer Antwort der Bundesregierung konsequent umgesetzt werden sollen, nicht umgesetzt werden: Verbesserungen des Optionsmodells der rechtsformneutralen Besteuerung? Fehlanzeige. Stärkung des Maßgeblichkeitsgrundsatzes? Fehlanzeige. Modernisierung der Gewerbesteuer? Fehlanzeige. Ausweitung des Verlustvortrages? Fehlanzeige.

Das haben wir im März beschlossen!

Und so weiter, und so weiter. Sie setzen eigentlich nichts um. Aber besonders ist, dass diese Kommission sagt, wir müssen weniger bei den Anzeigen und Mitteilungspflichten machen. Und was macht dieses Ministerium? Es schreibt diese innerstaatlichen Anzeigepflichten wieder ins Gesetz,

Wie war das denn im Bundesrat?

die wirklich nur ein Bürokratiemonster sondergleichen sind.

Porträt von Fritz Güntzler
Foto: Fritz Güntzler/ Tobias Koch
ca. 33 WörterReaktionswert: ruhig
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Von daher nehmen Sie leider in Ihrem Hause nicht ernst, was Sie von Experten erarbeiten lassen. Das finden wir sehr schade. Das werden wir ändern. Aber vielleicht kommen ja noch ganz viele Formulierungshilfen, –

10 Vermerkeca. 522 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Damen und Herren von der AfD – ach nein, es sind nur die Herren – gerieren sich ja als Verteidiger der sozialen Marktwirtschaft. Wir konnten eben auch noch mal einen entsprechenden Zwischenruf hören. Wenn man aber Ihre Debattenbeiträge, zum Beispiel von gestern zum Thema Commerzbank, mit diesem Anspruch vergleicht, stellt man fest: Sie haben von sozialer Marktwirtschaft nun überhaupt nichts verstanden!

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie treten hier auf und sprechen von Übernahmeplänen von dunklen Mächten, die die Commerzbank irgendwie einfangen wollen. Aber deutsche Banken wollten bei der Commerzbank offensichtlich nicht einsteigen. Die UniCredit ist eingestiegen, hat Nägel mit Köpfen gemacht. Das gehört zu sozialer Marktwirtschaft; das gehört zu europäischer Kommunikation und Gemeinsamkeit. Wir glauben weiterhin an Wettbewerb, auch in der EU. Wir glauben eben nicht an Staatsbetriebe. Und wir glauben auch nicht, meine Damen und Herren, an Staatsbanken.

In einem Antrag – es ist schon angesprochen worden – fordern Sie, den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Sie treiben doch die Menschen aus dem Land!

Warum haben denn Unternehmen in Sachsen oder Thüringen Probleme? Warum steht in der Zeitung, dass sich Ärzte weigern, nach Ostsachsen zu gehen?

Weil die Standortbedingungen so beschissen sind, deshalb!

Weil ihnen das Klima in diesem Land nicht mehr gefällt, weil sie sich nicht willkommen fühlen!

Zurufevon der AfD

Warum sagen Menschen in Deutschland nach diesen Wahlen: „Wir verlassen entweder das Bundesland oder sogar die Bundesrepublik Deutschland“? Entsprechende Institute bestätigen das doch. Das ist doch keine fixe Idee der Ampel.

Das ist eine fixe Idee der Ampel!

Weitere Zurufe von der AfD

Dann machen Sie die hohen Energiepreise als Hauptursache verantwortlich für unsere ökonomischen Schwierigkeiten. Richtig ist, dass nach dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine unsere Energiepreise entsprechend erst mal sehr stark gestiegen sind. Aber was hat die Industrie damals gesagt, was ihr wichtiger ist – Versorgung oder Preis? Die Industrie hat als Antwort auf diese Frage immer gesagt: Versorgung! – Das hat diese Bundesregierung sichergestellt. Und inzwischen bewegen sich die Energiepreise wieder nach unten. Sicherlich sind sie noch nicht auf dem Niveau, auf dem wir sie haben wollen; entsprechende Initiativen der Bundesregierung gibt es.

Aber was schlagen Sie uns dann als Alternative vor? Da lassen Sie die Maske etwas sinken. In einer verschwurbelten Formulierung sagen Sie: Ja, wir wollen stabile und vielfältige Außenbeziehungen, um eine kostengünstige Versorgung mit Energieträgern sicherzustellen, und zwar mit allen Quellen, die zur Verfügung stehen. – Was heißt das auf gut Deutsch? Sie empfehlen uns, uns wieder in die Abhängigkeit von Russland zu begeben!

Wo steht denn das?

Da weiß man dann auch, wer zumindest von den Ideen her Ihre Politik befeuert, vielleicht ja auch finanziell.

Wir wollen Abhängigkeiten reduzieren, insgesamt, nicht nur gegenüber Russland. Unser Motto lautet: Der vorsichtige Kaufmann legt nicht zu viele Eier in ein Körbchen. Deswegen sagen wir: Wir müssen die Energieversorgung diversifizieren, sowohl was den Brennstoff angeht als auch die Länder, aus denen die Energie kommt.

Dann empfehlen sie uns auch noch, den Kohleausstieg zurückzunehmen. Meine Damen und Herren, ich bin aus Nordrhein-Westfalen und schon lange in der FDP, und wir haben einen langen Kampf geführt, die hochsubventionierte Steinkohlenförderung in Deutschland zu beenden, weil es einfach attraktiver war, diese Kohle weltweit einzukaufen.

Ja und? Braunkohle wurde nie subventioniert!

Und Sie empfehlen uns jetzt im Ernst, nördlich von Ibbenbüren auf 1 600 Meter Tiefe Steinkohle zu fördern?

Nein, Braunkohle!

Das kann doch nicht Ihr Ernst sein!

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der AfD
11 VermerkeZwischenfrageca. 689 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! „Neue Sitzungswoche, neues Glück“, denkt sich die AfD und schmeißt, wie auf Bestellung, mit immer wieder gleichen Untergangsszenarien um sich. Deindustrialisierung hier, Bevormundung da – man kann es wirklich nicht mehr hören!

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zu Beginn deshalb ein ganz kurzer Faktencheck. Unsere Wirtschaft braucht günstige Energie. Deshalb treibt unsere Regierung den Ausbau von erneuerbaren Energien so massiv voran und geht eben nicht zurück zur Atomkraft; denn Atomkraft ist und bleibt teuer subventioniert, und das wäre das Gegenteil von nachhaltiger Planungssicherheit, liebe AfD.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das sehen alle anderen in Europa anders!

Mit dem neuen Bürokratieentlastungsgesetz bauen wir Bürokratie ab, sodass wir alle – die Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmerinnen und Unternehmer – danach sehr viel Zeit und Geld sparen werden. Ich glaube, das ist jedem, der sich das wirklich anschaut, klar. Dekarbonisierung des Gebäudesektors, Wachstumschancengesetz, Wachstumsinitiative, man könnte so weiter machen.

Sie aber werfen der Ampel vor, die deutsche Wirtschaftsordnung aus den Augen zu verlieren. Richtig ist doch: Wir ermöglichen unserer Wirtschaft durch eine nachhaltige Transformation, auch langfristig Erfolg zu haben; denn unsere Lebensrealität wandelt sich mit hoher Geschwindigkeit.

Das beste Beispiel erleben wir gerade in meinem Heimatbundesland Niedersachsen mit VW. Die dortige Krise hat sicherlich mehrere Ursachen. Aber ein ganz zentraler Punkt ist doch, dass man hier die Strategien für Elektromobilität nicht konsequent genutzt und weiterentwickelt hat. Bis heute gibt es immer noch kein preiswertes E-Modell von VW, das sich die Otto-Normalverbraucher-Familie wirklich leisten kann. Auch deshalb brechen Marktanteile weg, sowohl vor Ort wie auch auf dem chinesischen Markt, wo E-Mobilität eigentlich boomt. Die Leute fahren E-Autos, kaufen aber lieber die günstigeren chinesischen Modelle. Man hat bei VW eben nicht ausreichend auf den Markt der Zukunft gesetzt.

Wie schnell wir das Ruder dort herumreißen können, das kann man aktuell sicherlich noch nicht sagen. Aber was man definitiv sagen kann: Wenn hier die AfD an der Regierung wäre und mit ihrer rückwärtsgewandten Politik bei VW das Sagen hätte und an Verbrennertechnologien festhalten würde, dann könnte man bei VW innerhalb von kürzester Zeit das Licht ausmachen und sicherlich wieder die Pferde vor den Karren spannen. Das braucht wirklich niemand, meine Damen und Herren.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Welcher deutsche Industriezweig würde denn mit der AfD wirklich besser dran sein?

Vielleicht die Kubotan-Produktion. Das kann Ihre Kollegin aus Brandenburg sicherlich gerade sehr gut erläutern. Aber abgesehen davon: Fehlanzeige! Und das sage nicht nur ich, sondern das sagt auch die Wirtschaft. „Ost-Unternehmen fürchten die AfD“, hat noch vor Kurzem „Der Spiegel“ getitelt.

Zurufeder Abg. Bernd Schattner [AfD] und Beatrix von Storch [AfD]

Rund 900 Unternehmen haben in Umfragen ihre Sorgen und Nöte geäußert. Und diese Sorgen sind berechtigt – was man sieht, wenn man sich Ihr Programm anschaut.

Sie beklagen den Fachkräftemangel in unserer Wirtschaft, bekämpfen aber jegliche Förderung von Einwanderung.

Die illegale Masseneinwanderung!

Sie reden davon, deutsche Arbeitsplätze bewahren zu wollen, und ignorieren dabei, dass diese Arbeitsplätze erst einmal besetzt werden müssen.

Das stimmt doch gar nicht!

2 Millionen zwischen 18 und 30 sind arbeitsfähig! 2 Millionen!

Und auch Ihre europäische Haltung ist ein großes wirtschaftliches Risiko. Wir sind eine Exportnation. Wir brauchen funktionierende Binnenmärkte, offene Grenzen, und wir brauchen auch ausländische Arbeitskräfte, meine Damen und Herren.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir brauchen auch Parteien, die Freihandelsabkommen wollen!

Ein Austritt aus der EU würde uns 690 Milliarden Euro an Wirtschaftswachstum und 2,5 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern den Job kosten. Aber genau solche völlig unreflektierten Forderungen sind Ihre Wachstumsideen für die deutsche Wirtschaft.

Schon zur Europawahl haben namhafte Konzerne wie thyssenkrupp, wie Henkel, wie die Deutsche Bank ausdrücklich gesagt: Wir wollen mit der AfD nichts zu tun haben.

Zurufdes Abg. Bernd Schattner [AfD]

Meine Damen, meine Herren, Sie merken, ich erzähle nichts Neues. Ich bleibe aber dabei: Die AfD ist pures Gift für unsere Wirtschaft und unsere Unternehmen, und unsere Unternehmen wissen das.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Abg. Beatrix von Storch [AfD] meldet sich zu einer Zwischenfrage

Ich würde dringend empfehlen, dass sich die sogenannte Alternative häufiger mal auf wissenschaftliche Fakten einlässt. Ich will nicht damit anfangen, zu erklären, warum ein möglichst klimaneutrales Wirtschaften so sinnvoll ist. Das hat nämlich nichts mit grüner Ideologie zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand, meine Damen und Herren.

Die Transformation unserer wirtschaftlichen Strukturen ist unbequem, und sie tut auch manchmal weh. Aber sie ist notwendig. Und deshalb bin ich froh, dass sich unsere Regierung eben nicht zu schade ist, die Ärmel hochzukrempeln, Ihr Gejammer auszuhalten, und das tut, was notwendig ist. So funktioniert verantwortungsvolle Politik, meine Damen und Herren.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Klaus Wiener
Foto: Dr. Klaus Wiener/Justus Kersting
15 Vermerkeca. 684 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die wirtschaftliche Lage ist in der Tat so ernst wie lange nicht. Ganz ehrlich, eine solche Ansammlung von Herausforderungen, Problemen, die zum erheblichen Teil ja auch von der Ampel selbst verschuldet sind, habe ich selten gesehen.

Beifallbei der CDU/CSU

Verehrte Kollegen von der Ampel, auch wenn Sie es nicht wahrhaben wollen: Wir reden das Land nicht schlecht. Sie beten es gesund.

Ja! Sehr richtig!

Immer wieder vertrösten Sie uns im Jahreswirtschaftsbericht auf einen Aufschwung, der dann nicht kommt. So ein bisschen hat das was von „Warten auf Godot“, und der ist ja, wie wir alle wissen, nie angekommen.

Natürlich – das will ich hier auch eingestehen – kann man Sie nicht für alles verantwortlich machen. Das Gas aus Russland fließt nicht mehr, der Welthandel stockt,

Und Merkel hat das Land schon vorher ruiniert!

und die Zinsen sind gestiegen, auch wenn die Realzinsen bei den längeren Laufzeiten, also im Kapitalmarktbereich, immer noch niedrig sind.

Aber anstatt in dieser Krise pragmatisch zu regieren, arbeitet die Ampel ihre lang gehegten politischen Träume stur ab. Von wegen Zeitenwende! Sie verunsichern die Menschen mit immer höheren Sozialabgaben. Das wird in diesem Jahr und auch im nächsten Jahr wieder der Fall sein. Sie verunsichern die Unternehmen mit künstlicher Verknappung des Energieangebots und – noch viel schlimmer – mit Transformation auf Termin. Und Sie schaffen immer neue Berichtspflichten, statt Bürokratie endlich wirksam abzubauen. Das haben wir heute Morgen beim Bürokratieentlastungsgesetz wieder erlebt: Die Verbände, die Unternehmen haben viele Eingaben gemacht, und nur eine Handvoll davon wurde angenommen. Also, da passiert eben nicht so richtig viel.

Beifallbei der CDU/CSU

All das wäre ja schon schlimm genug. Noch viel schlimmer aber ist, dass die Ampel wirtschafts- und ordnungspolitisch auf dem Holzweg ist. Sie sprechen von einer „transformatorischen Angebotspolitik“, von einer neuen „Industriepolitik in der Zeitenwende“, die – ich zitiere – in vielen Fällen Eingriffe des Staates erfordert, und Sie sprechen auch von einer „wertegeleiteten Handelspolitik“. Diese oftmals ziemlich schräg anmutenden Begriffe – sie stehen in keinem Lehrbuch – bringen gemeinsam eines zum Ausdruck: Sie wollen die Wirtschaft und vieles andere mehr nach Ihrem Gusto steuern und lenken.

Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Menschen gehen diesen Weg nicht mehr mit. Und recht haben sie, weil all das, was die Regierung und insbesondere auch das Wirtschaftsministerium hier veranstalten, eine Abkehr vom Erfolgsmodell der letzten Jahrzehnte ist, nämlich von der sozialen Marktwirtschaft. Wir brauchen keine neuen Instrumente.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Leif-Erik Holm [AfD]

Wir müssen nur endlich wieder die zum Einsatz kommen lassen, die sich bewährt haben.

Genau hier liegt der Erfolg der CDU/CSU. Sie reden immer von 16 Jahren. Vielleicht weiten Sie Ihren Blick einmal: Nur weil wir wie keine andere Partei hier im Bundestag auf die soziale Marktwirtschaft und auf offene Märkte gesetzt haben, sind wir in sieben Jahrzehnten zu einer der reichsten Volkswirtschaften dieser Erde geworden – eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht.

Beifallbei der CDU/CSU

Auch wenn Sie es nicht wahrhaben wollen: Mit Ihren Konzepten werden Sie scheitern. Im Grunde – man erkennt es, wenn man sich die Daten ansieht – sind Sie ja mittendrin.

Warum lehnen wir dann die Anträge der AfD ab? Immerhin steht da ja der eine oder andere Satz drin, der nicht ganz falsch ist.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Ui! Das ist ja schon mal ein Schritt!

Na ja, vermutlich liegt das daran, dass Sie bei uns abschreiben.

Aber, verehrte Kolleginnen und Kollegen, bei den vielen Dingen, die mich an Ihren Anträgen stören, sticht eine Sache heraus: Ihre Anträge atmen den Geist von Klimaleugnern.

Ja, und dann habt ihr die Kernenergie abgeschafft, oder? Auf einmal wollt ihr sie wiederhaben! Komisch!

Dabei ist der wissenschaftliche Befund eindeutig: Wir erleben einen Klimawandel, der das Potenzial hat, unsere Erde in weiten Teilen unbewohnbar zu machen. Deshalb müssen wir handeln, aber nicht, indem wir Kohle und Erdgas in völliger Verkennung der Lage wieder hochfahren, so wie Sie das in Ihren Anträgen fordern, oder indem wir die CO2-Bepreisung, ein wirtschaftlich wirklich effizientes Instrument, verteufeln.

Wir müssen handeln; aber dabei müssen wir eben auch auf die richtigen Instrumente setzen.

– Das kommt jetzt. – Was wir jetzt brauchen, sind steuerliche Anreize statt Subventionen,

Anstatt Kohlekraftwerke steuerliche Anreize!

Zukunftsoffenheit statt technologischer Scheuklappen oder auch sparsame Prüfung statt flächendeckender Berichtspflichten für alles, was sich in Deutschland noch bewegt.

Beifallbei der CDU/CSU

Dazu – Friedrich Merz hat es vor Kurzem hier an dieser Stelle ja gesagt – fehlt der Ampel schlicht die Kraft und, ich ergänze, auch die ordnungspolitische Orientierung. Die Anträge der AfD lehnen wir aus den genannten Gründen ab.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Schade eigentlich!

Porträt von Katharina Beck
Foto: Katharina Beck/Oliver Hadji
14 Vermerkeca. 799 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Es ging gerade um offene Märkte. Reingerufen wurde: Warum stemmen Sie sich gegen Handelsabkommen? – Na ja, das tun wir ja gar nicht. Lange war es unter Führung der Union nicht möglich, das Handelsabkommen mit Kanada zu ratifizieren.

Die Ampel hat es ratifiziert. Wir haben außerdem, sozusagen on top, noch das Handelsabkommen mit Neuseeland beschlossen. Das heißt, wir sind schon dabei, zu schauen, wie wir unsere Absatzmärkte und unsere Handelsbeziehungen diversifizieren können, und das ist eine gute Nachricht für die deutsche Wirtschaft.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Alexander Bartz [SPD] und Manfred Todtenhausen [FDP]

Ganz allgemein müssen wir festhalten, dass es gut ist, dass wir hier so viel über die wirtschaftliche Lage diskutieren, egal von wem der Antrag stammt; denn ich glaube, es ist wichtig, dass die vielen Unternehmen da draußen, deren Beschäftigte und die Menschen wissen, dass wir das sehr ernst nehmen. Es ist tatsächlich nun mal nicht so, dass in der aktuellen Lage alles rosig ist. Wir haben heute die Konjunkturprognose gesehen, die uns nicht zufriedenstellen kann. Wir nehmen diese Sorgen sehr ernst.

Wir müssen einmal ehrlicherweise hinzufügen, dass wir uns immer noch in einer Situation befinden, wo seit mehr als zwei Jahren ein Angriffskrieg mitten in Europa stattfindet, wo wir unsere Verteidigungsausgaben nach oben schrauben mussten, wo wir, um den Frieden zu sichern, helfen und uns verteidigungsfähig machen mussten. Das ist das eine. Dazu gehörte eine gewisse Form der hybriden Kriegsführung, die auch beim Thema Energie nicht haltgemacht hat. Wir hatten eine Abhängigkeit, ein Klumpenrisiko in unserer Energieversorgung: 55 Prozent des Gases, das unsere Industrie so dringend für ihre Verbrennungsprozesse braucht, kam aus Russland, und das mussten wir in Windeseile ersetzen. Wirtschafts-, Klima- und Energieminister Habeck ist sogar in Länder wie Katar gefahren, um die Versorgungssicherheit sicherzustellen, weil ihm das Wohl des deutschen Volkes und der Industrie so wichtig war – kein einfacher Gang.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Außerdem: Energie ist so ein wichtiges Thema. Die Strompreise in der Industrie sind schon heute wieder auf dem Stand von 2016 – von 2016! Dort gibt es Entspannung. Ich habe gerade mit dem CEO eines der größten Hersteller von Metall in Deutschland gesprochen, und der meinte – ich habe mich ein bisschen gezwickt, weil das ja so ungewöhnlich ist –: Nö, nö. Also, uns geht es gut. Wir fahren gerade die Produktionskapazitäten nach oben. – Wie wundervoll ist das denn? Das kann man gar nicht oft genug betonen. Es kommt auch bei einzelnen Unternehmen endlich eine Phase der Entspannung, und das wollen wir weiter unterstützen.

Das tun wir mit der Wachstumsinitiative, die vorgelegt wurde, und ihren 49 Maßnahmen – wir haben eben welche in der Debatte zum Steuerfortentwicklungsgesetz diskutiert –: Steuerentlastungen in Höhe von 21 Milliarden Euro schlagen wir hier vor. Das wird sich wirklich stark materialisieren in Einzelinvestitionen in Unternehmen, die angereizt werden, aber eben auch bei der Kaufkraftertüchtigung dadurch, dass wir die Menschen in diesem Land noch mal steuerlich entlasten, also on top zu dem, was wir schon gemacht haben, was sich summiert auf 45 Milliarden Euro allein in diesem Jahr.

Plus: Wir haben den Bürokratieabbau mit dem Bürokratieentlastungsgesetz heute Morgen beschlossen. Wir liefern, und wir nehmen die Sorgen ernst. Aber wir handeln eben auch, und das unterscheidet uns von der CDU/CSU und von der AfD.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Jetzt komme ich auf die AfD zu sprechen. Die Widersprüchlichkeit Ihrer Forderungen ist ja fast nicht zu ertragen. Niedrige Strompreise fordern Sie, aber Sie wollen gleichzeitig mit Atomkraft die nachgewiesenermaßen teuerste Stromquelle reaktivieren

Das stimmt gar nicht!

und – andere Kollegen hatten es schon gesagt – uns schön wieder von Öl und Gas aus Russland abhängig machen.

Wie sind wir denn so unabhängig geworden?

Nein, es ist nicht der Weg für die Menschen hier in Deutschland, dass wir uns wieder abhängig machen von einem Autokraten in Russland,

Österreich und Frankreich kriegen nach wie vor russisches Gas!

sondern wir müssen die Energiegewinnung hier ausbauen.

Bei Sonnen- und Windenergie haben wir das geschafft: Wir haben die Bewilligungszeiten so verkürzt, dass wir von knapp über 40 Prozent Stromversorgung durch Sonne und Wind in nur zwei Jahren schon auf knapp 60 Prozent gekommen sind.

Nachhaltige Naturzerstörung!

Das ist resilient; das macht uns widerstandsfähig. Es ist sehr wichtig, dass wir hier in Zukunft wieder besser wachsen können.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Zum letzten Punkt. Fachkräftemangel kritisieren Sie; gleichzeitig schaffen Sie ein Klima des Unwohlseins bei den ungefähr 30 Prozent der Menschen in diesem Land, die einen Migrationshintergrund haben. Sie zerstören damit den Wohlstand; denn Fachkräfte sind der größte Hebel, um die Konjunktur anzukurbeln. Das hat eine Studie kürzlich ergeben.

Wir haben 2 Millionen Deutsche zwischen 18 und 30, die arbeiten können! 200 000 Nettoabwanderung jedes Jahr!

Deswegen sagt der Präsident des BDI, des Bundesverbands der Deutschen Industrie: „Die AfD ist ein Standortrisiko für Deutschland.“

In Thüringen sagt Björn Höcke von der AfD: „Ich hoffe, dass diese Unternehmen in schwere, schwere wirtschaftliche Turbulenzen kommen.“

Das sind Leute, die einen Pakt gegen uns machen! Natürlich wünschen wir denen keinen Erfolg!

Zurufdes Abg. Dr. Harald Weyel [AfD]

Damit bezieht er sich auf die Drogeriemarktkette Rossmann, die Gerätefirma Stihl, den Medizin- und Sicherheitstechnikhersteller Dräger und den Haushaltsgerätehersteller Vorwerk. All diesen Unternehmen wünscht Björn Höcke von der AfD eine schlechte wirtschaftliche Zukunft. Das sollte in diesem Land nicht gewählt werden, sondern ein guter, besonnener und zukunftsorientierter Weg.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
13 Vermerkeca. 540 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In keiner großen Volkswirtschaft der Welt leistet der Außenhandel einen so hohen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt und zur Sicherung von Arbeitsplätzen wie in Deutschland. Keine große Volkswirtschaft der Welt ist so auf Fachkräftezuwanderung angewiesen wie Deutschland – nicht China, Indien oder Japan. Nein, hier in Deutschland brauchen wir Fach- und Arbeitskräfte aus der Welt für unseren Wohlstand und unser Wachstum.

Wenn es aber so ist, dass unsere Geschäftspartner und unsere zukünftigen Fachkräfte überall auf der Welt zu Hause sind, dann sollten wir alles dafür tun, dass wir eine weltoffene Gesellschaft bleiben, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Weltoffenheit, Toleranz und freier Handel sind die Fundamente, auf denen unser Wohlstand gründet.

Ausgrenzung, Herabwürdigung und Euroskepsis passen nicht dazu.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die antragstellende Fraktion und die sie tragende Partei täten gut daran, ihre Haltung in diesen Fragen grundsätzlich zu überdenken.

Zurufder Abg. Leni Breymaier [SPD]

Die Weltwirtschaft wächst dieses Jahr um 3 Prozent, die Wirtschaft in China um 5 Prozent, in den USA um 3 Prozent, in Europa um 1 Prozent, in Deutschland um 0 Prozent.

Die Wachstumsschwäche ist Ausdruck mangelnder oder schwindender Wettbewerbsfähigkeit; das besagt auch der Draghi-Bericht.

Sind wir jetzt daran schuld, oder was?

Dann wäre es doch mal Zeit, die Koalition zu verlassen!

Die Rahmenbedingungen am Wirtschaftsstandort Deutschland passen leider häufig nicht mehr. Mittelständische Unternehmen beklagen hohe Subventionen für die großen Unternehmen bei gleichzeitig überhöhten Unternehmensteuern für die erfolgreichen Unternehmen. Mittelständische Unternehmen beklagen steigende Sozialversicherungsbeiträge.

Nächstes Jahr kommen wir auf den Höchststand der letzten Jahre; ab 2028 droht ein Allzeithoch von bis zu 45 Prozent. Beides – überhöhte Steuern und steigende Sozialversicherungsbeiträge – ist ein Exportprogramm für Investitionen und Arbeitsplätze, liebe Kolleginnen und Kollegen. Das müssen wir ändern.

Beifallbei der FDP sowie des Abg. Johannes Schraps [SPD]

Die Rahmenbedingungen passen nicht mehr. Drei Beispiele aus der Praxis:

Neulich sprach ich mit einer mittelständischen Unternehmerin aus Brandenburg, die 100 Millionen Euro investiert. Sie erzählte, sie habe dreieinhalb Jahre auf die Baugenehmigung gewartet – nicht dreieinhalb Wochen, nicht dreieinhalb Monate, nein, dreieinhalb Jahre. Das geht gar nicht. Behörden haben keinen Investitionsverhinderungsauftrag, liebe Kolleginnen und Kollegen; Behörden müssen Partner und Dienstleister für die Wirtschaft sein.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Norbert Kleinwächter [AfD]

Nehmen Sie den Bäckermeister aus dem Sauerland. Der erzählte: Heute sagt die Arbeitsschutzbehörde: Der Boden in der Backstube ist zu glatt. Da könnte es zu Arbeitsunfällen kommen. – Morgen sagt die Lebensmittelüberwachungsbehörde: Der Boden in der Backstube ist zu rau. Da könnten sich Keime bilden. – Er fragt: Herr Cronenberg, was soll ich tun? Ich kann nicht im Monatsrhythmus die Beschaffenheit des Bodens ändern. – Was ist das für eine Verlässlichkeit? Es ist kein Wunder, wenn dieser Bäckermeister seinen Kindern abrät, den Betrieb zu übernehmen. Politik hat keinen Nachfolgeverhinderungsauftrag, sondern Politik muss Regeln setzen – wenige Regeln setzen, die dann auch eingehalten werden können.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wie soll sich der schwäbische Maschinenbauer fühlen, der seit Monaten auf seine Exportgenehmigungen wartet, weil niemand entscheidet? Ohne Entscheidungen springen aber seine Kunden ab. Schlimmstenfalls fragen sie in Zukunft gar nicht mehr an.

Verzagtheit und eine Kultur des Misstrauens müssen verschwinden aus unseren Amtsstuben. Wir brauchen ein anderes Mindset:

ein Mindset, das geprägt ist von Zuversicht, Tempo und Freiheitsvertrauen. Der Worst Case ist eben nicht die drohende Dienstaufsichtsbeschwerde oder das Vertragsverletzungsverfahren;

Zurufdes Abg. Dr. Johannes Fechner [SPD]

der Worst Case ist, wenn Bürger und Betriebe ihr Vertrauen in den Staat verlieren. Ohne Vertrauen keine Investitionen, ohne Investitionen keine Arbeitsplätze und ohne Arbeitsplätze keine soziale Sicherheit, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Es geht darum, zentrale Versprechen der sozialen Marktwirtschaft wieder einzulösen: Wohlstand für alle und Aufstieg durch Leistung.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Leif-Erik Holm [AfD]
Porträt von Jörg Cezanne
Foto: Jörg Cezanne / Maik Brückner
4 Vermerkeca. 379 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Meine Vorrednerinnen und Vorredner haben bereits ausführlich verdeutlicht, dass das Kürzel AfD eher für „Abschwung für Deutschland“ steht. Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Beifallbei der Linken

Was mich aber wirklich sorgt – das muss ich sagen –, sind Äußerungen wie die von Klaus Wiener oder Beiträge wie der von Jens Spahn in der vergangenen Sitzungswoche: Wir brauchen keine neuen Instrumente. – Wirklich? Ich bitte Sie!

Zurufdes Abg. Dr. Klaus Wiener [CDU/CSU]

Wir leben in einer grundlegenden, historischen Umbruchsituation. Die Umstellung auf nichtfossile klimaneutrale Produktion, komplett neue Technologien dank Digitalisierung und eine veränderte globale Arbeitsteilung stellen die Unternehmen vor riesige Herausforderungen.

Erschwerend kommt hinzu – die Ansicht werden Sie vielleicht nicht teilen –, dass im finanzmarktorientierten und -dominierten Kapitalismus eben nur die kurzfristigen Profite, die Quartalszahlen und der Aktienpreis an der Börse zählen. Eine langfristige Orientierung an Zukunftsaufgaben kommt unter diesen Bedingungen nicht zum Tragen. Die Zukunft lässt sich heute nicht mehr alleine aus den bisher gemachten Erfahrungen ableiten.

Diese Ungewissheit schlägt derzeit mehr und mehr durch. Die Verbraucherinnen und Verbraucher und die Unternehmen sind verunsichert; sie halten sich zurück, weil der Pfad nicht klar ist.

Man muss das nicht teilen, aber die Ökonomin Mariana Mazzucato hat für die Bewältigung einer solchen großen Transformation der Wirtschaft auf Basis ihrer Analyse der Mondmission der Vereinigten Staaten von Amerika eine gesellschaftliche Mission vorgeschlagen, weil ein einzelnes Unternehmen in dieser ungewissen Situation mit seinem betriebswirtschaftlichen Kalkül einfach nicht weiterkommt.

Wie gehen andere vor? Die USA haben mit ihrem Inflation Reduction Act 700 Milliarden Euro in ihre Wirtschaft gepumpt. Offensichtlich gelingt es ihnen damit, ihren Rückstand bei grünen Technologien zu verringern. In China beträgt die Investitionsquote seit mehr als zehn Jahren 40 Prozent der Wirtschaftsleistung. Ja, da wurden ein paar Autobahnen und Trabantenstädte zu viel gebaut; aber China ist heute bei globalen Zukunftstechnologien der Transformation Weltmarktführer, auch im Automobilbau. Man muss schon sagen: Es ist Armutszeugnis für den europäischen Standort, dass man sich hier die Butter vom Brot hat nehmen lassen.

Sich in dieser ungewissen Zeit mit der Schuldenbremse selbst zu verzwergen, ist einfach ein eklatantes Politikversagen – sowohl bei der Ampel also auch bei der größten Oppositionsfraktion. Investitionen des Staates allein reichen nicht aus – das ist klar –; aber sie sind unabdingbar für eine wettbewerbsfähige Infrastruktur, und sie sind dringend notwendig für einen sozialen und ökologischen Leitrahmen beim Umbau der Industriegesellschaft.

Danke schön.

Beifallbei der Linken
Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Sebastian Roloff
Foto: Susie Knoll
22 Vermerkeca. 761 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist mal wieder so weit: Eine Debatte, die vom Antragsteller, der AfD, nur aufgesetzt wurde, um Katastrophenszenarien zu zeichnen und den Diskurs zu vergiften, die brauchen wir nicht.

Zurufvon der AfD: Das ist die Realität! Machen Sie die Augen auf!

Wir brauchen Diskussionen und auch kontroverse Diskurse, wie zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik aussehen kann. Deswegen: Lassen wir Ihnen das nicht durchgehen,

sondern zeigen wir, wie es wirklich geht!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die deutsche Wirtschaft hat schwierige Jahre hinter sich; wir besprechen das hier regelmäßig und werden auch morgen noch mal ausführlich darüber sprechen. Wir sind in einer komplexen Situation: Die Coronafolgen, Russlands Angriffskrieg in der Ukraine sowie Unsicherheiten über die Technologieentwicklungen in der öffentlichen Debatte, die natürlich mit ein Faktor sind,

Zurufder Abg. Gitta Connemann [CDU/CSU]

und auch Unsicherheiten auf den internationalen Märkten haben Spuren hinterlassen, und mit denen müssen wir umgehen.

Die Bundesregierung hat zahlreiche Maßnahmen getroffen, um in besseres Fahrwasser zu kommen.

Dabei wird es nicht bleiben; da muss noch mehr kommen. Aber viele richtige Schritte in die richtige Richtung wurden unternommen.

Und ja, einige Zahlen und Indikatoren bestätigen, dass die Lage schwierig ist, gerade erst in dieser Woche zum Beispiel der ifo-Geschäftsklimaindex, der eine erneute Verschlechterung der Stimmung gezeigt hat.

Weil Sie so gute Wirtschaftspolitik machen!

Ich finde es aber bemerkenswert, gerade angesichts der durchaus pointierten Auftritte der CDU/CSU hier, dass zum Beispiel in Bayern die Wirtschaft stärker als im bundesdeutschen Durchschnitt schrumpft.

Was soll das denn jetzt heißen?

Das ist doch albern! Rahmenbedingungen für Deutschland schaffen!

Da muss man schon mal hinterfragen, ob die Wirtschaftspolitik von Markus Söder und Hubert Aiwanger der richtige Weg ist

oder manches da nicht noch suboptimaler ist. Anstatt einen Plan für Bayern vorzulegen – ich verfolge das regelmäßig sehr genau –, verteufelt der örtliche Wirtschaftsminister, der an sich ein Standortrisiko ist – so weit würde ich gehen wollen –, öffentlich Zukunftstechnologien wie E-Mobilität und Wärmepumpen.

Der Herr Habeck ist ein Standortrisiko!

Zurufdes Abg. Stefan Rouenhoff [CDU/CSU]

Die CSU behindert den Ausbau der erneuerbaren Energien bis heute und hat keine Verantwortung für das Stromtrassendesaster SuedLink übernommen.

Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich will der CDU/CSU nicht zu ihrem Kanzlerkandidaten gratulieren, aber die Alternative wäre noch schlimmer gewesen. Demensprechend würde ich da ein bisschen vorsichtiger auftreten.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Manfred Todtenhausen [FDP]

Es gibt allerdings auch positive Signale: Die Inflationsrate ist in diesem Jahr endlich gesunken. Das DIW prognostiziert einen Zuwachs von 0,9 Prozent für 2025 und 1,4 Prozent für 2026, also endlich eine Normalisierung. Das ist das Niveau, mit dem wir arbeiten können und müssen. Es ist ein klares Zeichen dafür, dass wir mit einer anhaltenden wirtschaftlichen Belebung rechnen können.

Zurufdes Abg. Dr. Klaus Wiener [CDU/CSU]

Wir haben aber im Industriebereich – es ist gesagt worden – besondere Herausforderungen. Als SPD ist es für uns selbstverständlich, dass wir versuchen, die Industrie zu stützen und aktiv zu fördern, wo wir können, und das ganz explizit im Gegensatz zu anderen, die sie lieber zerstören als aufbauen. Wir setzen auf das, was die Industrie in Zukunft braucht, und da müssen wir auch die Energiekosten ins Visier nehmen. Der Energiepreisschock der letzten Jahre wurde durch die Maßnahmen dieser Bundesregierung deutlich abgefedert; wir sind wieder auf einem Vorkrisenniveau.

Ja, in der Regel kann man Energie jetzt wieder für 6 Cent beziehen.

Wer bitte kann denn für 6 Cent beziehen?

Das gilt aber nicht für alle, und das gilt insbesondere nicht langfristig.

Wer zahlt denn 6 Cent?

Dementsprechend werden wir über die Frage, wie wir langfristige Sicherheit beim Energiepreis hinkriegen, sprechen müssen, und wir müssen die Netzentgelte noch mal ins Visier nehmen. Insofern bleibe ich dabei, dass wir über die Frage des Industriestrompreises, den wir hier schon oft diskutiert haben, zumindest noch mal reden werden müssen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wer zahlt denn diese 6 Cent?

Wir brauchen langfristige Planungssicherheit für die Unternehmen, die hier investieren wollen, und das Versprechen, dass sie hier weiter die richtigen Rahmenbedingungen finden.

„Weiter die richtigen Rahmenbedingungen“?

Nur so schaffen wir es, eine Planungssicherheit sicherzustellen.

Ich habe mich sehr über den Autogipfel des Bundeswirtschaftsministers gefreut.

Sonst hat sich aber keiner gefreut!

Wir haben aber seitens der SPD-Fraktion die klare Erwartungshaltung, dass wir sehr schnell konkret werden, sehr schnell etwas auf den Weg bringen

Ja, was denn?

und die richtigen Maßnahmen beschließen, weil wir hier den Handlungsbedarf in der Industrie haben.

Ich habe keine Zweifel, dass das passieren wird; aber ich muss es ausdrücklich sagen, weil es um nichts weniger geht als um den Erhalt tariflicher Arbeitsplätze in der Industrie in Deutschland. Und weil die Branchen in der Transformation stecken und mitten im Prozess sind, müssen wir genau hier ansetzen. Die Transformation bietet Chancen, aber nur, wenn wir sie richtig gestalten.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vier Jahre Zeit gehabt!

Zum Abschluss darf ich noch auf die Idee meines Fraktionsvorsitzenden Rolf Mützenich hinweisen, der in Zeiten der Transformation die Idee einer konzertierten Aktion ins Gespräch gebracht hat. Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften müssen noch mehr als bisher und noch enger auf Augenhöhe zusammenarbeiten, damit wir die Herausforderungen gemeinsam stemmen.

Ich wäre froh, wenn wir Demokraten vielleicht ein bisschen weniger brüllen und uns weniger denunzieren würden, sondern konstruktiver über Themen sprechen würden.

Ist doch nichts passiert!

Die nächste Chance haben wir morgen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der SPD
Porträt von Leif-Erik Holm
Foto: Leif-Erik Holm
7 Vermerkeca. 615 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Bürger! Meine Damen und Herren! Diese Regierung agiert nach dem Motto „Die grüne Transformation in ihrem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf“. Man hat nicht den Eindruck, dass die großen wirtschaftlichen Probleme, die wir in Deutschland haben, mal irgendwie bei der Ampel angekommen sind. Aber wir sehen allerorten, dass es so nicht funktioniert. Unternehmen flüchten aus dem Land, Fachkräfte ebenso. Arbeiten und Investieren lohnt sich kaum noch im Land. Die Wirtschaft stagniert. Die Wachstumsprognosen müssen immer weiter gesenkt werden. Dieses Problem ist hausgemacht. Das Problem ist diese unfähige Regierung hier.

Beifallbei der AfD

Das sehen auch die Bürger so, wie die letzten Wahlen ja eindrücklich gezeigt haben. Niemand glaubt mehr den Verheißungen. Das versprochene grüne Wirtschaftswunder, es kommt nicht; es kann nicht kommen bei dieser desaströsen Politik. Und da reicht es ganz sicher nicht, als Bauernopfer die grüne Parteispitze in den Ruhestand zu schicken. Herr Minister Habeck, es ist Ihre falsche Politik, die für den Niedergang unserer Wirtschaft sorgt. Sie sind mit Ihrer ökosozialistischen Transformation grandios gescheitert. Übernehmen Sie dafür die Verantwortung, und folgen Sie dem Weg Ihrer Parteivorsitzenden.

Beifallbei der AfD

Keine Erkenntnis, es geht einfach stoisch weiter: vorwärts immer, rückwärts nimmer. Es sind die alten planwirtschaftlichen Rezepte; das kenne ich alles noch von der SED-Planungskommission, die alles reguliert hat.

Machen Sie Ihre Vergangenheitsbewältigung woanders!

Die haben damals schon geglaubt, dass sie besser wissen, was wir Menschen brauchen. Die Folgen: Mangelwirtschaft und Verfall. Heute wollen Sie uns vorschreiben, wie wir heizen sollen, mit welchen Autos wir fahren dürfen, wie Unternehmer produzieren sollen, welche Energie die richtige ist. Klar ist: Ihre sogenannte transformative Angebotspolitik ist die kleine Schwester – noch die kleine Schwester – der sozialistischen Planwirtschaft; aber Planwirtschaft funktioniert nicht, hat nie funktioniert und wird nie funktionieren.

Beifallbei der AfD

Allein Ihre Energiewende, die vorn und hinten nicht funktioniert, wird nach einer McKinsey-Studie 6 Billionen Euro kosten. Trotzdem stehen wir beim CO2-Ausstoß schlechter da als fast alle unsere Nachbarn. Denn Sie verteufeln die grüne Kernenergie. Dabei wäre sie der Königsweg gewesen. Aber Sie sind mit Scheuklappen unterwegs, zum Schaden unseres Landes.

Beifallbei der AfD

Und weil es der Zappelstrom nicht richten kann, müssen Sie ständig nachregeln. Subventionen hier, Subventionen da, was wiederum im Endeffekt natürlich mehr Steuern bedeutet. Vorgaben, Verbote – das alles hat mit Marktwirtschaft einfach nichts mehr zu tun.

Ein weiteres Beispiel ist der marode Zustand unserer Automobilindustrie, und auch der wurde zum Großteil politisch verursacht. Das passiert eben, wenn man den modernsten umweltfreundlichen Verbrenner verbieten will, also die Technologie, die die Bürger weiter haben wollen, bei der unsere Industrie auch noch Weltspitze ist. Sie wird aus ideologischen Gründen verboten. Und jetzt kommt sogar noch das schnelle Verbot durch die Hintertür, und zwar in Form einer Verschärfung der Flottengrenzwerte. Da ist es doch geradezu zwangsläufig, dass VW über den Abbau von bis zu 30 000 Stellen nachdenken muss. Sie haben durch Ihre Politik die Axt an das Rückgrat unserer Wirtschaft gelegt. Ihre Politik kostet Arbeitsplätze.

Beifallbei der AfD

Und wieder folgt daraus nicht etwa: „Wir müssen umsteuern“, sondern: Wir brauchen Abwrackprämien, Boni, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. – Und das bezahlt am Ende wieder der Steuerzahler. Das ist genau der falsche Weg. Wirtschaft braucht Freiheit; das ist der Kern unseres Antrages. Wir wollen Freiheit statt Bevormundung, Entlastung statt Überforderung, Vernunft statt Ideologie. Wir wollen, dass unsere fleißigen Arbeiter und Unternehmer wieder Lust haben, zu arbeiten, weil sie merken, dass es sich lohnt, weil sie für ihren eigenen Wohlstand ranklotzen und nicht für sinnlose ideologische Projekte oder für Radwege am anderen Ende der Welt. Das ist der Stoff, aus dem Wohlstand gemacht wird.

Beifallbei der AfD

Wir wollen einen echten Aufbruch für Deutschland: durch günstige und wettbewerbsfähige Energiepreise, durch maßvolle Steuern und Abgaben, durch weniger Bürokratie, durch Technologieoffenheit und durch eine Fachkräftestrategie, die bei der Bildung und Ausbildung unseres eigenen Nachwuchses ansetzt.

Porträt von Leif-Erik Holm
Foto: Leif-Erik Holm
1 Vermerkca. 20 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ich komme zum Schluss, Frau Präsidentin. – Eine AfD-Regierung

Träum weiter!

wird Schluss machen mit dem grünen Experiment einer Planwirtschaft 2.0.

Porträt von Leif-Erik Holm
Foto: Leif-Erik Holm
2 Vermerkeca. 18 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir kehren zurück zu dem, was unser Land starkgemacht hat: zu Freiheit in einer sozialen Marktwirtschaft.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Esra Limbacher
Foto: Esra Limbacher/Dominik Butzmann
21 Vermerkeca. 692 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Nachwahlbefragung bei der Landtagswahl in Brandenburg hat, wie ich finde, Erstaunliches gezeigt.

75 Prozent der SPD-Wähler haben taktisch gewählt!

Denn da wurde gefragt: Welches Thema spielt für Ihre Wahlentscheidung eigentlich die größte Rolle? Und dabei kam etwas heraus – und da sollten Sie mal zuhören –, was selbst die AfD offensichtlich heute nervös gemacht hat: Nicht etwa Migration oder Zuwanderung waren die Topthemen, nein, an erster und zweiter Stelle standen „soziale Sicherheit“ und „eine gute wirtschaftliche Entwicklung“.

Deshalb gibt es heute den Antrag!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Grund, warum die AfD heute nervös von Wirtschaftspolitik schwadroniert,

Wir sind nicht nervös! Wir sind bei 30 Prozent plus!

ist doch, dass Sie komplett blank sind bei diesem Thema. Sie haben überhaupt nichts anzubieten. Und das haben Sie in Ihrem Wortbeitrag heute wieder einmal unter Beweis gestellt. Vielen Dank für den Hinweis.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sagt der Sozialist!

Sie haben den Menschen gar nichts anzubieten, wenn es darum geht: Wie sichern wir in wirtschaftlich offensichtlich stürmischen Zeiten die Arbeitsplätze in der Industrie und im Mittelstand in unserem Land? Da haben Sie gar nichts auf der hohen Kante.

Ich will mal ein Zitat zur Wirtschaftspolitik der AfD beisteuern: Die Wirtschaftspolitik der AfD ist gegen die Interessen der mittelständischen Familienunternehmen gerichtet und gefährdet damit Millionen von Arbeitnehmern und Auszubildenden.

Das sage nicht ich, sondern der nicht gerade als sozialdemokratisch einzustufende Verband Die Familienunternehmer.

Hört! Hört!

Dieser Verband stuft Ihre Politik als wirtschaftsfeindlich ein, und ich finde, er hat recht, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die AfD ist wirtschaftsfeindlich, weil sie Kitaplätze und Ganztagsschulen reduzieren will. Das ist aber genau das Gegenteil von dem, was die Wirtschaft und was junge Familien in Deutschland fordern.

Schon mal im Leben gearbeitet? Offensichtlich nicht!

Mit Ihrer Politik nehmen Sie diesen Familien die Wahl, eine Karriere zu verfolgen und ein zweites Einkommen zu erhalten.

Ein Zweiteinkommen neben dem Bürgergeld!

Und Sie verschärfen damit den Fachkräftemangel, sodass die Wirtschaft Aufträge ablehnen muss.

Zurufvon der SPD: Sehr gut auf den Punkt gebracht!

Liebe Kolleginnen und Kollegen – ich sage es deutlich, damit es auch die AfD versteht –: Das führt zum Schrumpfen der Wirtschaft und nicht zu Wachstum.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zum Schrumpfen führt Ihre Politik!

Die AfD ist wirtschaftsfeindlich; denn eigentlich wollen Sie die EU verlassen. Dass Deutschland dann aber auch den europäischen Binnenmarkt verlassen müsste,

Das ist doch völliger Quatsch!

ist Ihnen entweder nicht bewusst, oder – noch schlimmer – es ist Ihnen vollkommen egal. Mit dem Brexit haben wir seit einigen Jahren ein Beispiel für Ihre Politik, und das zeigt: Ohne den europäischen Binnenmarkt würden wir einen riesigen Teil unseres Wohlstandes verlieren.

Die Briten hungern! Großbritannien steht schon unter Wasser!

Sie sind wirtschaftsfeindlich, weil Sie unsere exportorientierte Wirtschaft von dem mit Abstand wichtigsten Handelsraum abkoppeln wollen. Das ist wirtschaftsfeindlich. Das unterstützen wir nicht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir wollen die EWG der 90er-Jahre zurück!

Und nicht zuletzt ist die AfD wirtschaftsfeindlich, weil sie versucht, jedes auch nur denkbare Thema auf irreguläre Migration zu verengen,

In dem Antrag steht gar nichts zur Migration!

zum Beispiel den Fachkräftemangel, der eine echte Bedrohung für unsere Volkswirtschaft ist. In Ihrem letzten Wahlprogramm behaupten Sie doch tatsächlich, der Fachkräftemangel – ich zitiere – sei eine bloße Behauptung einiger Wirtschaftsverbände und Lobbyisten. Ich frage mich ehrlich, wann Sie das letzte Mal in irgendeinem Unternehmen gewesen sind. Wenn Sie vor Ort gewesen wären, hätten Sie erfahren, dass das eines der drängendsten Probleme für die Wirtschaft in unserem Land ist.

Offensichtlich haben Sie überhaupt keine Ahnung, wovon Sie reden. Denn sonst wüssten Sie es besser und müssten nicht so etwas behaupten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Es geht weiter. Ich will noch ein paar Beispiele bringen. Sie tragen Ihre fehlende Wirtschaftskompetenz und Unwissenheit immer wieder ganz offen zur Schau. In Ihrem Wahlprogramm benennen Sie ausgerechnet Japan als Positivbeispiel, wie man Fachkräfte ausschließlich im eigenen Land rekrutieren kann. Ausgerechnet Japan hat aber mit einer viel zu alten Bevölkerung, mit wenig Nachwuchs und mit eben viel zu wenig Fachkräften zu kämpfen.

Ja! Aber die haben keine Messerstecher!

Und das ist auch der Grund, warum Japan den Platz als drittgrößte Volkswirtschaft vor nicht allzu langer Zeit verloren hat. Und jetzt können Sie mal raten, an wen. Richtig, an die Bundesrepublik Deutschland. Die ist nämlich jetzt die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Das liegt doch an der Währung! Das ist jetzt aber der allerletzte Strohhalm!

Also, ganz so schlimm scheint es noch nicht zu sein, wie Sie heute behauptet haben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Diesen Weg wollen wir weitergehen.

Erhöhung des Flaschenpfands!

Wir wollen, dass Betriebe mit ausreichend Arbeitskräften in Deutschland wirtschaften können und Menschen dank ihrer Arbeit eine gute Rente erhalten, von der sie auch leben können.

Zum Abschluss, liebe Kolleginnen und Kollegen, will ich als Sozialdemokrat ganz bewusst sagen: Wir waren es gewesen, die in der Vergangenheit immer dafür gekämpft haben – und das gilt auch aktuell –, dass die Industrie in Deutschland eine Zukunft hat.

Porträt von Stefan Rouenhoff
Foto: Stefan Rouenhoff/ Tobias Koch
16 Vermerkeca. 791 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unsere Volkswirtschaft steckt in einer tiefen strukturellen Krise. Und, lieber Herr Limbacher, ein bisschen mehr Selbstkritik hätte ich mir an dieser Stelle schon gewünscht.

Beifallbei der CDU/CSU und der AfD

Wir haben hohe Kapitalabflüsse, Firmenschließungen und einen massiven Arbeitsplatzabbau.

Stimmt doch gar nicht!

Und das führt uns sehr deutlich vor Augen: Wir müssen etwas tun. Leider ist ein Licht am Ende des Tunnels immer noch nicht in Sicht. Statt des versprochenen Wirtschaftswunders sehen wir seit fast drei Jahren Stagnation und Rezession in Deutschland. Liebe Ampelkollegen – auch wenn Sie es immer und immer wieder vehement abstreiten –, hierfür tragen Sie mit Ihrer katastrophalen Wirtschaftspolitik die Verantwortung, nicht allein, aber in weiten Teilen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich aber auch eines klarstellen: Die AfD wird sich mit ihrer wirtschaftspolitischen Ausrichtung ganz sicherlich nicht auf einen Weg begeben, mit dem sie Deutschland aus der Krise führt. Sie haben einzelne richtige Punkte in Ihrem Antrag. Das ist unbestritten. Aber die Grundausrichtung der AfD-Wirtschaftspolitik bleibt europafeindlich, protektionistisch und gegen Fachkräftezuwanderung gerichtet. Und das ist Gift für unsere Volkswirtschaft.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir wollen soziale Marktwirtschaft!

Meine Damen und Herren von der AfD, niemand anderes – das hat Herr Limbacher gerade auch gesagt – als Ihre Parteivorsitzende Alice Weidel forderte Anfang des Jahres ein deutsches Referendum zu einem EU-Austritt

und bezeichnete den Brexit als – Zitat – „absolut richtig“ und „Vorbild für Deutschland“. Ich weiß nicht, was Ihre Frontfrau eingenommen hatte, aber das hat ganz sicherlich die Wahrnehmung massiv getrübt.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Denn die Wahrheit ist ja: Der Brexit hat zu einem massiven Einbruch des Warenhandels geführt. Er hat zahlreiche Unternehmen aus dem Standort Großbritannien herausgeführt. Wir haben zahlreiche Verlagerungen in die EU gesehen: Philips, Panasonic, Sony, über 400 Finanzfirmen, um das noch einmal auf den Punkt zu bringen. Britische Wirtschaftsforschungsinstitute kommen einhellig zu dem Ergebnis, dass der Brexit Großbritannien wirtschaftlich massiv geschadet hat und für die Bevölkerung keinen positiven Beitrag geleistet hat. Die Bevölkerung ist ärmer geworden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Meine Damen und Herren, ich sage auch eines ganz deutlich in Richtung Unternehmerschaft: Die Europäische Union muss reformiert werden. Ja, das ist ein Stück weit wahr. Aber die europäische Integration infrage zu stellen, wie es die AfD macht, ist wirtschaftspolitisch absoluter Unfug.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufeder Abg. Enrico Komning [AfD] und Dr. Harald Weyel [AfD]

Ich sage eines auch ganz klar: Unsere Wirtschaft hängt in hohem Maße vom europäischen Binnenmarkt ab. Das ist ein zentraler Baustein für den wirtschaftlichen Erfolg vieler Unternehmen in unserem Land. Und deshalb ist es wichtig und richtig, dass wir gemeinsam den Binnenmarkt erhalten.

Blicken wir einmal auf die handelspolitischen Vorstellungen der AfD. Auch hier befindet sich unsere Alternative vom rechten Rand in der absoluten Sackgasse. Gerade in Zeiten, in denen unsere Außenwirtschaftsbeziehungen zu Volkswirtschaften wie China schwieriger werden, müssten wir eigentlich alles daransetzen, neue Wirtschaftsabkommen mit Partnerländern abzuschließen, bestehende Handelsbeziehungen weiter auszubauen und auf ein breiteres Fundament zu stellen.

Ja, die Einzige, die hier im Bundestag Chinesisch spricht, ist Alice Weidel!

Das brauchen unsere Betriebe, um bessere Absatzchancen zu bekommen.

Aber was machen Sie, wenn es beispielsweise um das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen geht? Sie als selbsternannte Wirtschaftspartei lehnen das vehement ab, und das ist zum Schaden für Deutschland.

Was sehen wir denn noch bei der AfD? Globalisierungskritik. Diese Globalisierungskritik, die Sie an den Tag legen, habe ich vor einigen Jahren im Europäischen Parlament bei den Grünen gesehen. Ihre Abschottungstendenzen und Autarkiefantasien sind absoluter Irrsinn; natürlich nicht mit Blick auf Russland und China. Diese beiden Länder werden von unseren Rechtspopulisten anders gesehen. Aber das zeigt, dass Sie keine Lösungen für Deutschland anbieten. Und das zeigt, dass Sie mit Ihrer Politik die drittgrößte Volkswirtschaft in den wirtschaftlichen Abgrund führen würden.

Meine Damen und Herren von der AfD, ich möchte einmal zum Thema Fachkräftegewinnung kommen. Das – es wurde gerade schon angesprochen – ist ein zentrales Thema für die deutsche Wirtschaft. Sie haben das auch adressiert, indem Sie in Ihrem Antrag geschrieben haben, wir müssen das inländische Fachkräftepotenzial fördern, aktivieren.

Das sehen wir als Union genauso.

Aber das allein wird bei Weitem nicht reichen, um den Fachkräftebedarf der deutschen Wirtschaft zu decken.

Und die Nettoabwanderung reduzieren!

Ich will eines sehr deutlich sagen: Beim Thema „Fachkräftezuwanderung aus dem Ausland“ hat Ihr Antrag riesengroße Lücken. Da steht nämlich gar nichts drin. Da steht nichts. Und das ist auch kein Zufall, weil Sie sich nämlich vor einer Antwort zu diesem Thema fürchten.

Stimmt doch gar nicht!

Einfach deshalb, weil es nicht in Ihre völkische Ideologie passt. Liebe AfD, werden Sie besser, machen Sie bessere politische Vorschläge für Deutschland.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Zum Abschluss möchte ich noch einen Punkt ansprechen. Sie sind ganz sicherlich nicht die Retterin der deutschen Wirtschaft, auch wenn Sie sich hier als Alternative aufspielen. Tatsächlich muss ich aber auch sagen: Die Ampel hat in den letzten Jahren nicht unter Beweis gestellt, dass sie die Sorgen und Nöte der Menschen, der Bevölkerung, der Unternehmen und Beschäftigten ernst nimmt. Deutschland braucht keine ideologische Wirtschaftspolitik. Wir brauchen nicht eine Politik, die die Probleme unter den Teppich kehrt. Was wir brauchen, ist eine realistische Wirtschaftspolitik, die nach marktwirtschaftlichen Prinzipien ausgerichtet ist, –

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
7 Vermerkeca. 875 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich will einsteigen mit einer Reihe von Zitaten aus Sachsen, aus Thüringen und aus Brandenburg. Diese Zitate kommen von CEOs, von den Chefetagen der Unternehmen, aus Gewerkschaften, Kammern, Verbänden, aus der Wissenschaft, von Start-ups und Gründerinnen und Gründern.

Ich zitiere: AfD-Wahlergebnisse bergen die Gefahr einer Deindustrialisierung Ostdeutschlands. Die AfD schadet Sachsen, Thüringen und Brandenburg ökonomisch. Wegen des starken Abschneidens der AfD sagen Fachkräfte ab, die eigentlich schon unterschrieben hatten, die uns eine Stellenzusage gegeben haben. Gerade hat ein Investor seine Zusage zurückgezogen. Die Wahlergebnisse der AfD haben ihn abgeschreckt. – Das ist ein verheerendes Signal für Ihre Partei, eine Klatsche. Das sollten Sie erst einmal zur Kenntnis nehmen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Was ist die Reaktion der AfD auf diese Positionen? Björn Höcke, Landeschef der AfD in Thüringen, wünscht den ansässigen Unternehmen – ich zitiere wieder – „schwere, schwere wirtschaftliche Turbulenzen“. Das spricht für sich. Meine Damen und Herren auf der rechten Seite dieses Hohen Hauses, Sie können noch so wohlfeil formulierte Anträge stellen. Sie sind die Gefahr für die Wirtschaftsstärke dieses Landes. Sie sind die größte Gefahr für Unternehmen und ihre Beschäftigten hier. Und Sie sind die größte Gefahr für nachhaltigen Wohlstand in diesem Land.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Jetzt ist es aber wichtig, dass wir den Blick nach vorne richten und auf das richten, was wirklich relevant ist. Mit 16 Prozent aller Erwerbstätigen ist die deutsche Industrie eine wesentliche Säule dieses Wirtschaftsstandortes, und diese Industriestärke wollen wir selbstverständlich halten und ausbauen. Um das zu erreichen, müssen wir die Märkte der Zukunft erobern. Jetzt zitiere ich den BDI, der das Umsatzvolumen der Zukunftstechnologien global auf 15 Billionen Euro beziffert. Das sind enorme Chancen für deutsche Unternehmen und ihre Beschäftigten. Und die globalen Megatrends sind – ich sage: globale Megatrends; die werden nicht in Deutschland gemacht, die werden global gemacht – Dekarbonisierung und Digitalisierung. Wer die verschläft, verschläft Marktchancen. Das ist die Wahrheit, die wir hier zu diskutieren haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Deutschland soll und Deutschland wird sich als Industrienation neu erfinden: weg von der alten, von der analogen Welt hin zu klimafreundlichen, zu digitalen Geschäftsmodellen der Zukunft. Dafür braucht es eine große Transformationsanstrengung. An der Stelle möchte ich all denjenigen danken, die täglich in den Unternehmen, in den Betrieben dafür geradestehen, dass diese Leistung erbracht wird, die sich nach der Decke strecken, die wirklich jeden Tag innovativ und nach vorne denken. Das ist toll, dass wir Sie haben. Herzlichen Dank dafür.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Diese Koalition hat während der letzten Jahre entscheidende Weichen dafür gestellt, diesen Standort stärker zu machen und fit zu machen für die Zukunft. Der Ausbau der Erneuerbaren ist auf Rekordniveau. Die Einwanderung von Fachkräften, die wir so dringend brauchen, und auch von Arbeitskräften ist einfacher geworden. Wir haben Bürokratie abgebaut. Ganz konkret können Industrieanlagen jetzt in nur sieben Monaten fertiggestellt werden und nicht mehr wie früher in sieben Jahren. Die Zahl der Gründungen steigt, und dank der WIN-Initiative der Bundesregierung fließen allein 12 Milliarden Euro in neue Gründungen und Geschäftsmodelle. Der Rohstofffonds hat seine Arbeit aufgenommen und wird Deutschland resilienter machen bei der wichtigen Frage der Rohstoffversorgung. Wir haben das BAföG erhöht. Wir fördern Meisterinnen und Meister. Gerade die Anerkennung informeller Qualifikationen ist gelungen. Ich schaue zur Kollegin Reinalter: ganz herzlichen Dank an die Bildungsfachleute. Es war ein großer Schritt. Das ist alles erreicht worden. Es ist politisch unanständig, das zu negieren, diese Fortschritte kleinzureden und auszublenden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Jetzt ist die ganz große Frage: Reicht das alles? Selbstverständlich reicht es nicht. Niemand in dieser Bundesregierung und schon gar nicht wir Grüne würden sagen, es ist alle Arbeit getan, wir können uns zurücklehnen. Nein, das Land ist mittendrin in dieser Neuerfindung, in dieser Neubestimmung des Industriestandortes. Da gibt es natürlich viele Ängste und Unsicherheiten. Ja, momentan ist es brutal schwierig. Das ist nicht schönzureden. Alte Gewissheiten wanken, zum Beispiel China als Absatzmarkt; das gibt es in der alten Klarheit nicht mehr. Die regelbasierten Weltmärkte geraten unter Druck. Und der Stolz auf die deutsche Infrastruktur ist Hohn und Spott über Bahnen und Brücken gewichen.

Für viele Fragen haben wir jetzt auch noch keine konkreten Antworten, weil Innovationen, weil Zukunftsmodelle erst folgen werden. Aber die Haltung, mit der wir das Ganze angehen wollen, ist doch entscheidend. Und die Haltung muss sein: Wir wollen diese großen Herausforderungen stemmen. Wir wollen nach vorne gehen, zusammen mit Unternehmen und Beschäftigten. Und da nutzen uns die Miesmacher und Spalterinnen wirklich überhaupt nicht; die nutzen nur Putin. Deswegen ist es wichtig, dass wir auf sie nicht hören.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das hört sich eher nach Gegenwartsflucht als Zukunftsorientierung an! Grüner Eskapismus!

Wir als Bündnis 90/Die Grünen freuen uns in jedem Fall über alle, die mit Elan und die mit Zuversicht mit uns auf dem Weg in die Zukunft arbeiten wollen. Deswegen zum Ende noch mal ein ganz, ganz herzliches Danke an all die innovativen und tollen Unternehmen in diesem Land! Sie können Innovation; sie erfinden sich seit Jahrzehnten neu.

Wir hatten gerade diese Woche noch mal viele Unternehmensgespräche. Die Unternehmen sagen, sie wissen, gerade wenn sie schon länger bestehen, dass sie sich ständig neu erfinden müssen. Sie müssen wir nicht überzeugen; sie haben wir an unserer Seite. Genau deswegen ist es wichtig, dass wir auf sie schauen. Denn sie leben uns den Wandel vor; sie können vormachen, wie es geht.

Machen Sie damit weiter! Helfen Sie mit, diesen Wirtschaftsstandort starkzumachen!

Die wollen nicht transformiert werden!

Es ist ein toller Wirtschaftsstandort. Es ist ein starker Wirtschaftsstandort.

Porträt von Enrico Komning
Foto: Enrico Komning
6 Vermerkeca. 381 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Kollegen! Es heißt immer: Jedem Land die Regierung, die es verdient. Niemand – absolut niemand – hat diese Regierung verdient!

Beifallbei der AfD

Herr Habeck, schön, dass Sie bei der Debatte dabei sind, um sich die Lösungsvorschläge der AfD auch mal anzuhören. Aber machen Sie es lieber Frau Lang und Herrn Nouripour gleich, und gehen Sie! Machen Sie den Weg frei für Neuwahlen!

Die Wirtschaftsforschungsinstitute schlagen gerade heute in ihrem Herbstgutachten Alarm: BASF, Continental, SAP, der Autozulieferer ZF Friedrichshafen und viele mehr – Zigtausende Arbeitsplätze weg, auf Nimmerwiedersehen, Zigtausende Existenzen, die Sie auf dem Gewissen haben, Herr Habeck. Deindustrialisierung ist das Ergebnis Ihrer vorgeblichen Wachstumsinitiative. Sie können es nicht! Nehmen Sie Ihren Hut, und gehen Sie!

Beifallbei der AfD

Und jetzt auch noch VW, dessen jeweilige Vorstandsvorsitzenden von SPDs Gnaden seit Jahren den Hauptclaqueur für die links-grüne Klimaidiotie geben. Dieses VW streicht 30 000 Stellen. Herr Habeck, Ihr grüner Leitmarkt E-Mobilität ist krachend gescheitert, und Sie haben kein Geld mehr, das Sie als Subvention verpulvern können. Und jetzt bricht auch noch die deutsche Automobilindustrie, die Sie auf diesen Weg gezwungen haben, zusammen.

Ihr offensichtlicher und perfider Plan, Herr Habeck, mit Ihrer ökologisch-sozialistischen Transformation eine fundamentale Krise zu initiieren, um sich dann als Retter aufzuspielen und Ihren Traum vom planwirtschaftlichen Überwachungsstaat verwirklichen zu können, dieser Plan wird nicht aufgehen. Die Menschen folgen Ihnen trotz aller Mühen von ARD und ZDF nicht mehr. Sie wählen blau!

Beifallbei der AfD

Es wird Zeit für Freiheit – Freiheit vor Ihnen. Beenden wir die sozialökologische Transformation! Schaffen wir wieder marktwirtschaftliche Strukturen ohne staatlichen Dirigismus! Steigen wir ein in die Wende von der Energiewende! Befreien wir den Mittelstand von der Bürokratie und von den unwirksamen bürokratischen sogenannten Bürokratieentlastungsgesetzen; ich empfehle hierzu Stephan Brandners Rede von heute Morgen. Das, meine Damen und Herren, wäre gut für Deutschland und für seine Unternehmen.

Beifallbei der AfD

Liebe Kollegen von der Union, es ist Zeit, Farbe zu bekennen. Die DDR ist letztlich sinnbildlich an ihrer astronomisch teuren Mauer pleitegegangen. Meinen Sie wirklich, dass sich Deutschland Ihre Brandmauer noch länger leisten kann? Reißen Sie diese Mauer endlich ein!

Beifallbei der AfD

Wenn Sie tatsächlich und glaubwürdig einen Politikwechsel wollen, dann hören Sie auf mit Ihren schwarz-grünen Träumereien. Für alle anderen sind das Albträume.

Wir stehen für Freiheit und Vernunft,

Lachenbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufeder Abg. Dagmar Andres [SPD] und Dr. Johannes Fechner [SPD]

die da drüben von der Ampel für Gängelung, ideologische Luftschlösser und Massenverarmung.

Porträt von Enrico Komning
Foto: Enrico Komning
ca. 6 WörterReaktionswert: ruhig
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Meine Damen und Herren, es reicht, –

Porträt von Gitta Connemann
Foto: Gitta Connemann / Sebastian Werl
18 Vermerkeca. 722 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Und täglich grüßt das Murmeltier. Die deutsche Wirtschaft durchlebt zurzeit eine Endlosschleife eines Albtraums. Das Aufwachen zu einer Horrormeldung, wie auch in dieser Woche. – Montag. Das Statistische Bundesamt teilt mit: Die Exporte brechen ein. Dienstag. Der ifo-Geschäftsklimaindex zeigt steil nach unten. Mittwoch. Die OECD stellt fest: Deutschland wird von anderen Industrienationen wirtschaftlich abgehängt. Donnerstag, heute. Die fünf führenden Wirtschaftsinstitute warnen: Das Bruttoinlandsprodukt sinkt erneut. – Die deutsche Wirtschaft schrumpft weiter. Es ist ein Albtraum in der Endlosschleife.

Deutschland ist seit zwei Jahren in der Rezession. Ich betone: Rezession! Das gab es Anfang des Jahrtausends zum letzten Mal. Damals brachte übrigens ein sozialdemokratischer Kanzler den Mut auf, die Agenda 2010 anzustoßen. Heute braucht Deutschland wieder eine Agenda: eine Agenda 2030.

Beifallbei der CDU/CSU

Aber was macht der aktuelle Bundeskanzler? Nichts. Im Gegenteil: Er verhöhnt die Wirtschaft.

Für ihn sind Unternehmer weinerliche Gesellen. Der Gruß des Kaufmanns ist die Klage, so sagt er. Das nenne ich Chuzpe.

Diese Realitätsverweigerung teilt er mit Ihnen, lieber Herr Habeck, und etlichen Rednern in der heutigen Debatte. Von Rezession war von Ihnen tatsächlich kein Wort zu hören.

Lieber Herr Kollege Bartz, als Niedersächsin frage ich Sie: Wer sitzt seit zwölf Jahren im Aufsichtsrat von VW?

Der SPD-Ministerpräsident Stephan Weil, der heute der Ampel öffentlich die Schuld an der VW-Krise gibt.

Stimmen Sie sich doch mal bitte ab!

Verlassen Sie Ihre Blase! Stellen Sie sich der Realität unserer Betriebe und auch ihrer Mitarbeiter! Wir haben in Deutschland immer noch 3,3 Millionen kleine und mittlere Betriebe – echter Mittelstand. Das sind 99 Prozent aller Unternehmen. Aber es werden immer weniger: Im letzten Jahr machten laut Creditreform 176 000 Unternehmen dicht. Andere kehren Deutschland den Rücken oder planen eine Verlagerung ihrer Produktion. Arbeitsplätze gehen damit unwiederbringlich verloren. Das ist übrigens kein Klagelied, sondern das sind Fakten – wie der Fakt der Rezession. Deutschland ist nicht mehr wettbewerbsfähig.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Ursachen kennen wir übrigens alle.

Die AfD ist schuld! Oder Putin!

Sie sind nur nicht angesprochen worden. Ein Zuviel an Energiekosten, Steuerbelastung, Bürokratie und Regulierung, Sozialabgaben und, und, und. Unsere Wirtschaft kam von der Überholspur; heute steht sie auf dem Pannenstreifen und sieht zu, wie die anderen vorbeirauschen. Zur Wahrheit gehört: Einen Teil dieser Probleme gab es auch zu Zeiten der Großen Koalition.

Ach! Das ist ja mal was!

Aber jetzt ist die Mischung toxisch; denn diese Bundesregierung hat jedes Problem verschärft

Zurufder Abg. Julia Klöckner [CDU/CSU]

durch den Atomausstieg, ausufernde Kosten für das Bürgergeld, das Förderchaos und immer wieder fehlende Planungssicherheit.

Beifallbei der CDU/CSU

Die habt ihr beschlossen!

Ich empfehle Ihnen, die Gemeinschaftsdiagnose von heute zu lesen. Ich zitiere: „Damit Unternehmen und Haushalte wieder Vertrauen in die wirtschaftliche Stabilität fassen, scheint ein Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik unerlässlich.“ Das sagen die führenden Wirtschaftsinstitute in Deutschland.

Nur mit der Union!

Die Lösungen liegen auf dem Tisch.

Die sogenannte Alternative für Deutschland leistet dafür übrigens keinen Beitrag. Ohne Frage, Ihre Forderungen sind gut kopiert;

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Lachenbei der AfD

aber tatsächlich haben Sie mit dem Mittelstand nichts am Hut. Ein Unternehmen des Mittelstands ist eben keine Zwiebelfarm mit Zwangsarbeitern in Belarus, wie die Ihres Kollegen Jörg Dornau,

Beifallbei der CDU/CSU

sondern es sind hier verwurzelte Unternehmen, die auf freie Märkte und Vertrauen angewiesen sind. Für diese Betriebe wäre der Dexit eine Katastrophe, Sie von der AfD träumen davon. Unsere Betriebe brauchen Freihandel und internationale Kooperation; Sie wollen Deutschland abschotten. Unsere Betriebe brauchen Fachkräfte aus dem Ausland; Ihre ausländerfeindlichen Parolen halten diese von uns fern. Unsere Betriebe brauchen Mitarbeiterinnen; Sie wollen Frauen am Herd.

Zurufdes Abg. Bernd Schattner [AfD]

Unsere Betriebe brauchen Klimaschutz mit Augenmaß; Sie leugnen den Klimawandel. Unsere Betriebe brauchen Investitionen aus dem Ausland; Ihr Nationalismus macht Deutschland für Investoren unattraktiv.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und des Abg. Dr. Karamba Diaby [SPD]

Kein noch so geschliffener Antrag kann darüber hinwegtäuschen, wes Geistes Kind Sie sind: der letzte Sargnagel für den Standort Deutschland.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Meine Damen und Herren, die Substanz unseres Landes ist immer noch stark. Jeden Tag stellen Betriebe in diesem Land mit ihren Mitarbeitern unter Beweis, dass sie fast alles können, wenn man sie nur lässt. Sie haben Mut und Ideen. Sie brauchen nur die richtigen Rahmenbedingungen. Dazu gehört: Leistung muss sich wieder lohnen; dafür müssen die Steuern runter und Sozialabgaben gedeckelt werden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Energie muss wieder bezahlbar und verfügbar sein; dafür muss jede Kilowattstunde ins Netz fließen – ohne ideologische Scheuklappen und mit Technologieoffenheit. Wir brauchen eine Vorfahrt für Investitionen ohne neue Schulden. Wir brauchen einen wirksamen Klimaschutz durch den CO2-Preis und Emissionshandel. Wir brauchen eine neue Offensive bei Handelsabkommen.

Zurufdes Abg. Dr. Harald Weyel [AfD]

Wir brauchen eine Vertiefung des Binnenmarktes und eine Mobilisierung privaten Kapitals. Dafür braucht es aber eines: Vertrauen in die Politik und Planungssicherheit.

Porträt von Gitta Connemann
Foto: Gitta Connemann / Sebastian Werl
3 Vermerkeca. 16 WörterReaktionswert: niedrig
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– dass irgendwann der Murmeltiertag für Deutschland endet.

Beifallbei der CDU/CSU

Sprach der Fuchs und fraß die Gans!

Jetzt kommt für Die Linke Jörg Cezanne zu Wort.

Beifallbei der Linken
15 Vermerkeca. 631 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Gerade will ja jeder die Industrie retten, auch die, die sich sonst nicht für sie interessieren.

Deswegen, glaube ich, lohnt es sich, genau hinzuschauen; denn ich habe das Gefühl, dass mancher Rettungsversuch eher ein Angriff auf die Industrie sein könnte.

Die AfD will zum Beispiel das Geld für die Entwicklungszusammenarbeit streichen und damit die heimische Wertschöpfung steuerlich entlasten, steht in dem heute vorliegenden Antrag.

Eine gute Idee, oder?

Jetzt frage ich mich: Will die heimische Wertschöpfung das? In Deutschland erwirtschaften wir 50 Prozent unserer Wirtschaftsleistung mit Export. Wir sind auf gute Beziehungen in die Welt, ins Ausland angewiesen, und dazu gehören kluge Investitionen im Ausland. Dafür sorgt Entwicklungszusammenarbeit.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Die AfD und leider auch Teile der CDU machen sich aber lieber über Fahrradwege in Peru lustig. Wahr ist: Die Fahrradwege sind Teil eines Großprojekts, bei dem vor allem fünf Metrolinien entstehen. Bei diesem Großprojekt sind deutsche Firmen intensiv beteiligt – Siemens, Hilton, Pfaff, SIM IMPEX, H+E, Herrenknecht, Vossloh und andere. Das sichert Arbeitsplätze und Wohlstand in Deutschland. Peru ist außerdem der wichtigste Kupferlieferant unserer Industrie, und wir exportieren Bergbau- und Umwelttechnologie dorthin.

Vielleicht helfen wir unserer Industrie mehr, wenn wir ihre Interessen und deutsche Interessen nicht für einen billigen Applaus verraten. Vielleicht helfen wir unserer Industrie mehr, wenn wir verstehen, dass eine Exportnation wirtschaftlich profitiert, wenn es dem Rest der Welt gut geht. Vielleicht helfen wir unserer Industrie mehr, wenn wir uns in Deutschland nicht einigeln, sondern stärken, was uns starkgemacht hat – Lösungen für die ganze Welt zu entwickeln.

Lachendes Abg. Stefan Rouenhoff [CDU/CSU]

Und wenn wir von Lösungen für die ganze Welt sprechen, dann müssen wir verstehen, dass jede Zeit ihre eigenen Lösungen braucht. Dass Carl Benz das Auto erfunden hat, ist ein Höhepunkt der deutschen Ingenieursgeschichte; davon profitieren wir noch heute.

Zurufder Abg. Leni Breymaier [SPD]

Aber wenn sich das Rad der Zeit weiterdreht und Norwegen schon heute fast nur noch Elektroautos zulässt, in China über die Hälfte der Neuwagen elektrisch ist und selbst in Deutschland letztes Jahr 18 Prozent der Neuzulassungen E-Autos waren, dann muss unser Anspruch in Deutschland sein, Angebote für diese sich ändernde Nachfrage zu bieten.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ganz genau! Sehr richtig!

Niemandem ist geholfen, wenn wir in Deutschland in Zukunft die Autos der Vergangenheit produzieren; denn dann bleiben wir auf denen sitzen, und China macht das Geld.

Da werden Sie geholfen!

Die AfD und leider auch andere wollen aber, dass alles wieder wie früher ist. Emotional mag das gut klingen. Aber was war denn früher alles besser?

Früher ging es den Betrieben besser! Früher ging es der Wirtschaft besser! Früher ging es dem Staat besser!

Früher hatten die Leute sichere Arbeitsplätze!

Dass wir 20 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbraucht haben? Dass die Autos unsicherer waren als heute?

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Industrie lebt vom Fortschritt. Und es ist unsere Aufgabe im Bundestag, dem Fortschritt die besten Rahmenbedingungen zu bieten und Sicherheit für die Beschäftigten in dieser Umbruchszeit zu gewährleisten.

Platz 24!

Wer meint, unsere Industrie wäre dann erfolgreich, wenn alles so bleibt wie immer, lügt sich in die Tasche.

Nein! Mit Ihnen geht es nur bergab!

Vor allem lügt er uns alle an, wenn er seine Nostalgie als Technologieoffenheit verschleiert.

Ich erinnere daran: Die Industrie in Deutschland ist vielfältig. Wir hatten auch mal eine weltweit führende Solarindustrie in Deutschland, die die ach so technologieoffene Koalition von CDU, CSU und FDP vor 15 Jahren erfolgreich abgewürgt hat.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Heute kommen fast alle unsere Solarmodule aus China. Das war nicht technologieoffen. Das war, offen gesagt, eine miese Idee.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ideen dieser Art finden sich auch im heute vorliegenden AfD-Antrag. Sie will Atomkraftwerke bauen.

„Kernkraftwerke“ heißt das!

Dass das Jahrzehnte dauert, Milliarden verschlingt, nicht mehr in unser System passt und radioaktiven Müll erzeugt, steht natürlich nirgends,

Die CDU will die auch wieder!

auch nicht, dass wir mit Erneuerbaren schon erfolgreich den Strompreis drücken und die Industrie heute niedrigere Strompreise hat als vor dem Kriegsausbruch und vor unserem Regierungsantritt. Aber vor allem steht hier keine Idee, die der Industrie hilft.

Ich sage ehrlich: Obwohl wir schon viel hingekriegt haben, müssen wir da noch besser werden. Niedrigere Energiepreise für die Wirtschaft brauchen wir. Dafür machen wir Vorschläge. Aber Sie, die CDU/CSU –

1 Vermerkca. 16 WörterReaktionswert: niedrig
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– und leider auch die FDP, stellen das Geld dafür nicht bereit. Hier geht es um Milliarden.

Oh! Hört! Hört! Eigentlich Opposition, oder was?

2 Vermerkeca. 263 WörterReaktionswert: ruhig
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Worum geht es eigentlich? Es geht um das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation. Das ist ein zentrales Vorhaben der Regierungskoalition. Bundesregierung und Bundestag haben das Vorhaben beschlossen. Der Standort soll Halle sein.

Viele Städte würden sich wahrscheinlich glücklich schätzen, dieses Projekt in ihren eigenen Stadtmauern zu haben. Die lokale AfD-Fraktion übrigens sagt das auch. Sie sagt: Als Fraktion stehen wir der Entwicklung positiv gegenüber, solange ein Gewinn für die Stadt denkbar ist. – Ich nenne das Trittbrettfahren; ich wollte Sie nur mal darauf hinweisen. So machen Sie das bei Gewinnen; Sie sind aber fahnenflüchtig, wenn es kritisch wird. Aber so ist das eben.

Für den Aufsichtsrat der Trägerschaft wurden ausgewählte Ressorts mit thematischem Zusammenhang vom Kanzleramt gebeten, Vorschläge für den Aufsichtsrat auf Leitungsebene zu machen. Das BMWSB ist in diesem Falle besonders betroffen, weil es für den Bau des Gebäudes für das Zukunftszentrum verantwortlich ist, und hat deswegen Bundesministerin Klara Geywitz benannt, die aufgrund ihres biografischen Hintergrundes übrigens auch einen persönlichen Bezug zu den Zielen des Zukunftszentrums hat, was wir ausdrücklich begrüßen.

Die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse ist eine Kernaufgabe der Raumordnung, die im Verantwortungsbereich des BMWSB liegt. Die Trägerschaft ist eine gemeinnützige GmbH, die selbstlos tätig ist und nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke verfolgt. Sie befindet sich im alleinigen Bundeseigentum. Deswegen ist der Antrag auf Zulassung einer Ausnahme nach § 5 Absatz 2 Satz 2 Bundesministergesetz vom grundsätzlichen Verbot der Wahrnehmung von Mandaten in einem Aufsichtsrat nach § 5 Absatz 1 Satz 1 des Gesetzes angemessen, und wir geben dem Antrag der Bundesregierung statt.

Danke schön.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
12 Vermerkeca. 503 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Tatsachen wurden umrissen. Aber statt sich dem Bau der 400 000 Wohnungen zu widmen, die Frau Geywitz und die Ampel uns bisher vorgelogen haben, strebt Frau Geywitz nun danach, in den Aufsichtsrat des Zukunftszentrums für Deutsche Einheit und Transformation einzuziehen, obwohl dies – es wurde erwähnt – nach § 5 Bundesministergesetz eigentlich verboten ist. Offenbar ist sie nicht ausgelastet – was verwundert. Die 400 000 Wohnungen sind so weit entfernt wie noch nie. Die Eigentumsquote sinkt. Mieten, Nebenkosten und Baukosten explodieren. Es gibt keine Deregulierung auf dem Wohnungsmarkt und keine Entlastung für die Bürger. Darum könnte sie sich kümmern.

So fragen wir uns also zu Recht: Warum steht das heute überhaupt auf der Tagesordnung? Warum hat das Kabinett klammheimlich zugestimmt und wollte es nicht hier in die Debatte bringen? Gibt es da etwas zu verheimlichen? Verlassen die politischen Ratten vielleicht schon das sinkende Politschiff?

Das Verfahren ist doch so geregelt! Sie sind doch ein Wahrheitsverfälscher!

Kann es sein, dass für die Zeit danach – Stichworte „Sonnenuntergang“, „Spätsommer“ – schon angestrebt ist, Frau Geywitz vielleicht über den Aufsichtsrat auf einen lukrativen Geschäftsführerposten in Halle zu hieven?

Das ist ein gesetzlich ganz normal geregeltes Verfahren!

Man wird sehen, was daraus wird.

Wir sehen das Ende der Regierung kommen. Sie kriegen es ja selber mit: Selbstauflösungserscheinungen bei den Grünen und der Grünen Jugend. Wir erleben 0,8-Prozent-Parteien. Das Ende der Ampel naht. Deshalb hört sich das hier ein bisschen an wie: Schnell weg und was Neues suchen! Frau Geywitz ist da offenbar ganz vorne dabei.

Beifallbei der AfD

Einen vernünftigen Grund, Frau Geywitz in den Aufsichtsrat dieses Zukunftszentrums zu schicken, können wir jedenfalls nicht erkennen. Wenn es ein Vergangenheitszentrum gäbe, würde ich sagen: Gut, da kann Frau Geywitz rein. – Aber das steht ja hier nicht zur Debatte.

In Halle – das haben Sie erwähnt – sollen 200 Millionen Euro allein für den Bau ausgegeben werden. Wahrscheinlich werden es, wie man Ihre Baupreisplanung kennt, dann 500 oder 600 Millionen Euro.

Ihre Fraktion ist doch dafür vor Ort!

– Unsere Fraktion in Halle ist nicht dafür.

Natürlich! Ich habe es doch in der Presse gelesen!

Die haben gesagt: Sie begrüßen das, wenn es etwas Vernünftiges bringt.

Ja, ja! Opportunisten aller Länder, vereinigt euch!

Aber das derzeitige Konzept sieht völlig anders aus. Und wenn Sie sich hier so aufregen, Herr Daldrup,

Ja, ich rege mich nur so auf, weil Sie so ein Flegel sind! Sie sind unverschämt!

dann wissen Sie genau, warum, nämlich weil das Konzept riesengroßer Murks ist. 200 Millionen oder 500 Millionen Euro – man wird sehen, was dafür rausfliegt. 200 Mitarbeiter und 40 Millionen Euro jährlich an laufenden Kosten für einen – ich zitiere – „Ort für Diskurs, Wissensvermittlung, zur Stärkung der Demokratie und des Zusammenhalts zwischen Ost und West“,

Ja, davon verstehen Sie nichts!

also Stuhlkreise, Laberei,

Ist das Ihr Verhältnis zur Demokratie? „Stuhlkreise, Laberei“? Meine Güte, was sind Sie für ein Quatschkopf!

Belehrungen darüber, was die Regierung sich unter Demokratie vorstellt und was nicht. Völlig unproduktiv! Wie es zurzeit aussieht, geschieht das wahrscheinlich, um Ihre linke Klientel zu versorgen, die in den nächsten Monaten reihenweise arbeitslos wird.

Beifallbei der AfD

Sie sollten sich schämen, Herr Brandstifter!

Das ist so was von durchschaubar, was Sie hier aufziehen. Deshalb ist es schön, dass wir das hier mal thematisieren.

Wir brauchen keine seltsamen Zentren. Wir brauchen vernünftige Politik für Deutschland, auch von Frau Geywitz, gerade im Baubereich und für den Wohnungsmarkt.

Das macht sie!

Eine Ministerin, die schon in ihrem Vollzeitjob als Ministerin nichts hinbekommt, braucht nicht auch noch ein Aufsichtsratsmandat. Die soll sich um ihr Ministerium kümmern und um sonst nichts.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Was sind Sie doch für eine billige Nummer!

3 Vermerkeca. 411 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ein einstimmiges, sehr hohes Votum im Petitionsausschuss ist nicht allzu häufig. Darum sind die Petitionen, bei denen es dazu kommt, bemerkenswert. Es zeigt, dass wir hier ein Anliegen behandeln, das nicht nur inhaltlich bedeutsam, sondern auch parteiübergreifend von zentraler Bedeutung ist. Das Haus ist sich einig darüber, dass wir die Barrierefreiheit in Deutschland verbessern müssen. Darum wird die Petition, die dieses Anliegen unterstreicht, zur Erwägung an das zuständige Sozialministerium und die ebenfalls zuständigen Landesparlamente überwiesen.

Der Petent spricht in seinem Anliegen für viele Menschen, die im Alltag immer wieder auf unüberwindbare Hindernisse stoßen. Ob es fehlende Aufzüge an Bahnhöfen oder mangelnde Rampen in öffentlichen Gebäuden sind – noch immer gibt es zu viele Hürden, die eine gleichberechtigte Teilhabe behindern. Daher fordert der Petent nachdrücklich, den Investitionsstau beim Ausbau der Barrierefreiheit endlich aufzulösen.

Beifallder Abg. Manfred Todtenhausen [FDP] und Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Im Jahr 2009 hat Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert, in der die gleichberechtigte Teilhabe fest verankert ist. Trotz dieser Verpflichtungen gibt es in der Praxis noch erhebliche Versäumnisse. Der UN-Fachausschuss hat dies kürzlich bestätigt und die Bundesrepublik für die mangelhafte Umsetzung kritisiert. Er fordert uns auf, über Mindeststandards hinauszugehen und insbesondere im Gesundheits- und Bildungswesen mehr zu tun, um Barrieren abzubauen. Gerade dort, im Verkehrswesen und in öffentlichen Gebäuden, besonders der Verwaltung, ist noch viel zu tun.

Die Petition setzt also ein Schlaglicht auf grundlegende Lebensbereiche, in denen ein gleichberechtigter Zugang längst Standard sein sollte. Auch der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen unterstützt die Anliegen des Petenten ausdrücklich.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Er weist darauf hin, dass die Inklusion nur durch einen konsequenten Abbau von Barrieren erreicht werden kann. Die Bundesregierung hat bereits Schritte unternommen, so mit der Bundesinitiative Barrierefreiheit, doch noch bleibt viel zu tun.

Barrierefreiheit ist kein Nischenthema. Es betrifft uns alle; denn es geht um die grundlegende Frage, wie jeder von uns an Gesellschaft teilhaben kann. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass diese Petition Grundlage für konkretes politisches Handeln wird! Die Überweisung an die Landtage zeigt, dass dies nicht nur eine Aufgabe für uns im Bund ist, sondern Aufmerksamkeit auf allen föderalen Ebenen bis zur Kommune braucht.

Zum Abschluss möchte ich betonen: Petitionen sind mehr als nur ein formales Mittel; sie sind ein starkes Zeichen lebendiger Demokratie. Petitionen ermöglichen es den Bürgern und Bürgerinnen, politischen Druck auszuüben und auf Themen und Probleme aufmerksam zu machen, die vielleicht sonst nicht ausreichend Beachtung finden. Sie verschaffen den Menschen Gehör und stärken das Vertrauen in unsere Institutionen.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Deborah Düring
Foto: Deborah Düring/ Ivo Hofsté
8 Vermerkeca. 567 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man so durch die Podcast-Bibliothek und die Tickermeldungen geht, wirkt das Bild dieser Welt, ehrlich gesagt, sehr düster. Wir erleben einen Krieg in Europa. Wir sehen Hungersnöte, Kriege und humanitäre Katastrophen im Jemen und im Sudan. Die Konfliktspirale im Nahen Osten schraubt sich immer weiter nach oben. Dazu kommen die Verschuldungskrisen, die viele Länder des Globalen Südens in der Zange haben. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Klimakrise noch zu viel größeren Verwerfungen und Konflikten weltweit führen wird.

Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, auch wenn die Bilder so düster scheinen und man sich vielleicht manchmal fragt, wo Licht ist, können wir heute einen kleinen Lichtblick feiern. Wir können einen Erfolg feiern. Denn am vergangenen Sonntag haben 193 Staaten mit dem Pakt für die Zukunft ein klares Zeichen gesetzt. Sie haben diesen Krisen etwas entgegengestellt. 193 Staaten haben gemeinsam ein klares Bekenntnis zum Multilateralismus abgegeben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Sie alle haben sich dazu verpflichtet, die globalen Krisen und Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Das ist gerade in diesen Zeiten ein großer Erfolg.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Liebe Kolleginnen und Kollegen, dieser Erfolg ist nicht nur ein symbolischer. Er zeigt, dass die internationale Gemeinschaft trotz all der Krisen, trotz all der geopolitischen Spannungen bereit ist, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Mit dem Pakt für die Zukunft hat die Staatengemeinschaft in 56 Aktionspunkten einen Fahrplan geschaffen, der nicht nur Versprechen enthält, sondern konkrete Schritte, wie wir diese Herausforderungen international gemeinsam angehen können.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Dazu zählen die Verpflichtung zur Reform des UN-Sicherheitsrates, Vorschläge zum Umgang mit Cyberbedrohungen und KI, mehr Einbindung der jungen Generation in die Prozesse, eine Vielzahl an Impulsen für ein gerechteres und effektiveres System der Vereinten Nationen. Im Bereich der internationalen Finanzarchitektur wurde beispielsweise festgehalten, dass es für die Länder des sogenannten Globalen Südens mehr Mitspracherechte in Institutionen wie dem IWF geben soll. Ja, es gab Widerstände. Aber – und das ist das Wichtige – trotz massiver Widerstände wurden zum Beispiel die verschiedenen Menschenrechte wie das Recht der Frau an ihrem eigenen Körper in der Sprache des Pakts verankert. Das ist auch ein Erfolg, den wir heute feiern sollten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Der eine oder die andere mag jetzt denken: Ja, okay, aber das ist jetzt auch nicht die Revolution. – Liebe Kolleginnen und Kollegen, ja, das stimmt. Es ging nicht darum, die Revolution zu starten, sondern an den entscheidenden Stellschrauben zu drehen, um das System besser zu machen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Genau das wurde dank der unermüdlichen Arbeit unserer Außenministerin und ihrer namibischen Kolleginnen und Kollegen geschafft; es wurde ein Grundstein gelegt. Es wurde an den entscheidenden Stellschrauben gedreht.

Ich weiß, dass gerade in diesen Zeiten das Bedürfnis nach schnellen und einfachen Lösungen in unserem Land groß sein mag, bei mir auch. Aber die Wahrheit ist: Der Ruf nach Lösungen allein bringt noch keine Lösung, genauso wie der Ruf nach Frieden allein leider keinen Frieden bringt. Eine friedliche Welt braucht Partnerschaften. Sie braucht den gemeinsamen Willen aller, sich an Regeln zu halten und an ihnen zu arbeiten. Ja, das ist nicht einfach. Das bedeutet viel Arbeit, jeden Tag. Diese Arbeit leisten sehr viele Menschen für uns, unter anderem bei der Ständigen Vertretung Deutschlands bei den Vereinten Nationen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Vereinten Nationen sind bei Weitem nicht perfekt. Aber sie sind und bleiben am Schluss die beste Institution, die wir haben,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

um die vielen Herausforderungen dieser Welt gemeinsam zu lösen. Deswegen: Lassen Sie uns gemeinsam gegen alle Widerstände für diese Institution kämpfen!

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
13 Vermerkeca. 603 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Zukunftsgipfel der Vereinten Nationen wurde von Deutschland und Namibia gemeinsam initiiert und vorangebracht. Wir begrüßen auch aus historischen Gründen diese Zusammenarbeit, weil es einen Staat des Globalen Westens mit einem des Globalen Südens zusammengebracht hat, um diese Themen zu diskutieren.

Wenn wir über 75 Jahre Vereinte Nationen sprechen, dann hat, wie ich finde, Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte nichts von seiner Aktualität verloren: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Ich sage das deswegen, weil es hier in Deutschland, aber auch in vielen anderen Teilen der Welt Bestrebungen gibt, genau diesen Satz nicht mehr zu befolgen. Dieser Satz muss Richtschnur unserer Politik sein.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir wissen, dass die internationale Ordnung kein Nullsummenspiel ist. Es ist nicht so, dass ich nur gewinnen kann, wenn der andere verliert. Internationale Ordnung bedeutet vielmehr, dass man gemeinsam die Probleme lösen muss, die man nur auf globaler Ebene lösen kann. Das betrifft demnächst das Thema „künstliche Intelligenz“, den Kampf gegen den menschengemachten Klimawandel, aber auch den Kampf um Wohlstand, den Kampf gegen Hunger und für eine bessere Entwicklung in allen Teilen der Welt. Dazu ist die Reform der Vereinten Nationen notwendig, vor allem, weil sich eingeschlichen hat, dass einige Organisationen innerhalb der UN nicht mehr funktionieren, der Sicherheitsrat ganz oben.

Denn es hat sich gezeigt, dass das Vetorecht nicht mehr im Sinne der Vereinten Nationen ausgeübt wurde, sondern zum Schutz der eigenen Völkerrechtsverletzungen. Das muss abgestellt und gebrandmarkt werden.

So ist es!

Wir brauchen eine Neuorientierung des Sicherheitsrates, gar keine Frage. Wir müssen über die Rolle Südamerikas – Brasilien –, Indiens, der afrikanischen Staaten und über eine ausgewogene Verteilung in diesem Gremium sprechen, um damit die Welt insgesamt abzubilden.

Und wir müssen in Bezug auf die Organisationen auch über den UN-Menschenrechtsrat sprechen. In diesen Rat kommt man übrigens, ohne dass eine Prüfung der Menschenrechtsverletzungen im eigenen Land erfolgt, sodass tatsächlich Staaten, die die Menschenrechte mit Füßen treten, in diesem Menschenrechtsrat vertreten waren. Das hat zu einer völlig dysfunktionalen Einstellung geführt. Israel ist in den letzten 18 Jahren 108-mal vom UN-Menschenrechtsrat verurteilt worden,

Mit Ihrer Zustimmung!

Syrien, Nordkorea und der Iran zusammen weniger oft. Wir dürfen nicht bereit sein, diese Schieflage im UN-Menschenrechtsrat weiter zu akzeptieren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das hat Ihre Regierung mitgetragen!

Ja, wir müssen auch über das Abstimmungsverhalten Deutschlands in der UN-Generalversammlung in jüngster Zeit sprechen. So wichtig es war – und so richtig übrigens –, den Zukunftsgipfel voranzubringen, so besorgt bin ich auch über unser Abstimmungsverhalten in Bezug auf Israel.

Beifalldes Abg. Frank Müller-Rosentritt [FDP]

Erst letzte Woche gab es in der Generalversammlung eine Resolution über ein Waffenembargo gegen Israel. Deutschland hat sich enthalten.

Wie immer!

Das hat den israelischen Außenminister Israel Katz veranlasst, in der „Welt“ folgende Zeilen zu schreiben – ich zitiere –:

„Wir erwarten, dass uns ein wahrer Freund nicht nur auf dem Podium im Bundestag zur Seite steht, sondern auch im Plenum der UN-Generalversammlung.“

Ich finde, Deutschland hätte mehr Mut und mehr Einsatz für die Belange Israels in der Generalversammlung zeigen sollen und zeigen müssen.

Beifallder Abg. Nina Warken [CDU/CSU]

Wir müssen, meine Damen und Herren, auch über das Völkerrecht sprechen, weil Völkerrecht gebrochen wird, auch durch den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Gerade weil der UN-Sicherheitsrat blockiert ist, wird es nicht, wie bei Ruanda oder bei Jugoslawien, zu einem UN-Tribunal kommen, welches diese Kriegsverbrechen aburteilt.

Oder Irak oder Afghanistan oder Syrien oder Libyen oder Jugoslawien!

Ich meine aber, dass der Anspruch bestehen muss, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit und auch das Verbrechen der Aggression abgeurteilt werden müssen, damit das Primat des Rechts in der Völkergemeinschaft bestehen bleibt.

Beifallbei der CDU/CSU

Lassen Sie uns gemeinsam diese Fragen angehen!

Was für eine Heuchelei!

Das wird nicht von heute auf morgen gehen; aber wir brauchen starke Vereinte Nationen, weil wir wissen, dass wir nur diese eine Welt haben.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Niels AnnenSPD· Parl. Staatssekretär BMZ· MdB
4 Vermerkeca. 1.241 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich bin froh darüber, dass dieses Haus heute über den Zukunftsgipfel diskutiert; denn dieser Gipfel hat eine Bedeutung, die aus meiner Sicht in Deutschland im Moment noch ein bisschen unterschätzt wird.

Wenn man sich mit den etwas mühsamen Formulierungen der Vereinten Nationen, die ja immer auf Konsens beruhen, auseinandersetzt und das Dokument in den Händen hält, denkt man vielleicht: Warum redet der Bundestag eigentlich darüber? Was, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist hier eigentlich vorgefallen? In einer Zeit größter diplomatischer, regionalpolitischer, internationaler Spannungen ist es gelungen, die Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen erneut zu bekräftigen. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass dieser Zukunftspakt so etwas wie ein neues Momentum für den Multilateralismus ist. Dabei war keineswegs sicher, dass die Weltgemeinschaft überhaupt an diesen Punkt kommt.

Die Kolleginnen und Kollegen, die vor mir geredet haben, haben es bereits gesagt: Deutschland und Namibia sind in mühsamer, fast zweijähriger Arbeit dem Ruf des UN-Generalsekretärs gefolgt. António Guterres war es ja, der mit seiner Common Agenda und dem Wunsch an Deutschland und Namibia, die Kofederführung zu übernehmen, den Startschuss dafür gegeben hat. In Hunderten von Stunden, nach Tausenden von Änderungsanträgen und dem Wälzen vieler Texte haben es der Bundeskanzler und der namibische Präsident Mbumba sowie, das will ich ausdrücklich sagen, die beiden beteiligen Außenministerien und unsere jeweiligen Botschafterinnen und Botschafter geschafft, diesen Konsens zu erarbeiten.

Ich hatte das Privileg, in New York dabei zu sein. Wenn man sich die Reaktionen nach der Annahme dieses Paktes angeschaut hat, hat man einen Aufbruch gespürt. Dabei war keineswegs sicher, dass diese Botschaft in die Welt geht; denn eine kleine Gruppe von Staaten hat im wahrsten Sinne des Wortes noch in der letzten Minute durch Geschäftsordnungstricks versucht, diese Beschlussfassung zu verhindern. Was in dem Augenblick passiert ist, meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, ist bemerkenswert und erlaubt uns, wenn ich das so sagen darf, einen Blick in die Vereinten Nationen der Zukunft.

Es begann mit dem Aufruf des Generalsekretärs. Es wurde zwei Jahre gearbeitet. Ein Staat des Globalen Nordens und ein Staat des Globalen Südens haben die Vorarbeit geleistet, Deutschland und Namibia – der Kollege Ullrich hat darauf hingewiesen –, die ja eine ganz spezielle Geschichte verbindet. Diese Vorarbeit wurde dann – so war es vorgesehen – dem Präsidenten der Generalversammlung übergeben. Der Präsident der Generalversammlung kommt aus einem afrikanischen Land, aus Kamerun. Und es war die Gruppe der afrikanischen Staaten, die die Gegenrede zu dem Antrag des russischen Botschafters gehalten hat. Es war die Gruppe der afrikanischen Staaten, die gesagt hat: Natürlich sind wir nicht mit jedem Spiegelstrich einverstanden – wir übrigens auch nicht –, aber wir brauchen gerade in diesen Krisenzeiten die Vereinten Nationen. – Das ist es, was auch für die verschiedenen Arbeitsbereiche, die das Dokument aufgelistet und zur Beschlussfassung vorgelegt hat, welche am Ende ja auch erreicht wurde, so wichtig gewesen ist: dass wir uns jetzt mit der Unterstützung der überwältigenden Mehrheit der Völkergemeinschaft an die Arbeit machen.

Liebe Frau Präsidentin, ich habe nicht die Zeit, über alle Punkte zu reden; aber ich möchte gerne die Gelegenheit nutzen, aus Sicht der deutschen Entwicklungspolitik zu ein paar Punkten Stellung zu nehmen, die uns dieser Pakt quasi als Hausaufgabe mit auf den Weg gibt.

Ein ganz wichtiger Punkt ist die Frage der internationalen Finanzarchitektur. Dort geht es darum, dass die Weltbank und die multilateralen Entwicklungsbanken besser zusammenarbeiten müssen. Es wird die Erwartung formuliert, mehr Geld, mehr Möglichkeiten und mehr Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit, aber auch den Bereich der internationalen Kooperationen insgesamt bereitzustellen. Wir werden schon in zwei Wochen bei der ersten Hamburger Nachhaltigkeitskonferenz die Gelegenheit haben, mit den Vertreterinnen und Vertretern der großen internationalen Finanzorganisationen und vielen Staaten des Globalen Nordens und Globalen Südens genau darüber zu diskutieren.

Wir haben uns bereits vor dem „Pakt für die Zukunft“ auf den Weg gemacht. Ministerin Svenja Schulze hat mit ihrer amerikanischen Kollegin Janet Yellen eine Weltbankreform auf den Weg gebracht. Ist sie perfekt? Mit Sicherheit nicht. Sie ist auch noch nicht abgeschlossen; wir arbeiten daran.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich trage das hier vor, weil der Ruf nach einer Reform der internationalen Finanzarchitektur nicht neu ist, aber von den Vereinten Nationen jetzt noch mal unterstrichen wurde. Deutschland hat nicht nur die Kofederführung für diese Verhandlungen übernommen; sondern sich in diese Debatte eingebracht. Wir haben als erstes Land Geld zur Verfügung gestellt. Der Bundeskanzler hat über 300 Millionen Euro für ein sogenanntes Hybridkapital angekündigt.

Wir haben’s ja!

Da kann man sagen: Na gut, das klingt jetzt etwas technisch. – Das hat aber dazu geführt, dass viele andere Länder sich beteiligt haben. Wir hebeln diese Mittel mit einem sehr innovativen Instrument und können so mehr für Entwicklung ausgeben. Das ist der Weg der Zukunft.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Christoph Hoffmann [FDP]

Natürlich müssen wir auch darüber reden, wie es in Zukunft auch in der Frage der internationalen Finanzarchitektur eine gerechtere Repräsentation gibt.

Ich möchte einen weiteren Punkt ansprechen – auch den hat der Kollege Ullrich schon erwähnt –: Im Grunde gibt es jetzt zum ersten Mal ein Dokument der Vereinten Nationen, das sich mit den Kernfragen der Digitalisierung auseinandersetzt, bis hin zu auch für unser Wohlstands- und Zukunftsmodell so zentralen Themen wie der Frage, wie wir mit Technologien wie KI umgehen. Wir wissen doch alle, auch aus den Gesprächen in unseren Wahlkreisen, dass es Sorgen hinsichtlich des Missbrauchs dieser Technologien gibt. Wir brauchen gemeinsame Standards, und diese Standards reflektieren die Werte der Vereinten Nationen. Damit haben wir einen wichtigen Schritt in diese Richtung gemacht.

Aber ich sage aus entwicklungspolitischer Sicht auch: Die Frage der Digitalisierung ist nicht nur eine technische Frage. Der Zugang zu und die Offenheit von Technologien ist auch eine entwicklungspolitische Aufgabe, der wir uns stellen. Deswegen glaube ich, dass der „Pakt für die Zukunft“ auch innovativ ist, weil er ein solches Thema mit aufgegriffen hat.

Und dann, meine sehr verehrten Damen und Herren, möchte ich auch etwas zu der Frage „Wie geht es überhaupt weiter mit den Vereinten Nationen selbst?“ sagen. Denn das hätte auch schiefgehen können in New York. Es ist der großen Anstrengung vieler Staaten, auch vieler Diplomaten, Staats- und Regierungschefs und am Ende auch der Führung von António Guterres zu verdanken, dass das so gelingen konnte. Aber machen wir uns nichts vor: Was wir in New York erlebt haben, ist, dass wir gerade auch von den afrikanischen Staaten einen Vertrauensvorschuss erhalten haben – und das gerade uns gegenüber, den großen, wohlhabenden Ländern, die eine besondere, zum Teil auch historische Verantwortung tragen.

Deswegen müssen wir jetzt aus dieser Verantwortung etwas machen, und deshalb ist es so wichtig, dass Deutschland die Gelegenheit genutzt hat, auf der einen Seite die Kandidatur für eine erneute Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat zu präsentieren und auf der anderen Seite aber auch deutlich zu machen – auch in den Verhandlungen –, dass der Sicherheitsrat so, wie er heute aussieht, nicht bestehen kann. Die heutige Welt muss in ihrer ganzen Vielzahl, mit den neuen Machtzentren, mit legitimen Forderungen nach Mitsprache – auch von Ländern wie Namibia, Südafrika, Indien, Indonesien und vielen anderen Ländern, die man hier nennen könnte –, ausreichend repräsentiert sein.

Ich glaube, es ist eine gute Nachricht und spricht für die These, dass diese Debatte und die Verabschiedung des „Pakts für die Zukunft“ ein neues Momentum ausgelöst haben, dass sowohl die amerikanische Seite als auch andere, die über einen permanenten Sitz verfügen, wie die französische Regierung, ihre Position zur Reform des UN-Sicherheitsrats verändert haben. Vor wenigen Stunden erst hat der französische Präsident in der Generalversammlung die Bereitschaft bekundet, daran mitzuarbeiten. Das ist ein gutes Zeichen.

Ich danke Ihnen sehr für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der AfD
Porträt von Beatrix von Storch
Foto: Vadim Derksen
18 Vermerkeca. 564 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir debattieren jetzt über den Zukunftsgipfel vom Wochenende in New York, und Sie singen hier natürlich alle das Hohelied der Internationalen. Mit Floskeln und Phrasen verschleiern Sie,

Zurufder Abg. Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

was dort tatsächlich auf dem Spiel stand und steht: die Abschaffung des Nationalstaates, die Zerstörung der Demokratie und, ja, die Installierung einer Weltregierung. Sie können das nachlesen.

Zurufder Abg. Deborah Düring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die öffentlich einsehbare Agenda, mit der der UN-Generalsekretär Guterres ganz offiziell in diesen Gipfel hineingegangen ist,

Zurufder Abg. Kathrin Vogler [Die Linke]

ist nichts anderes als die Vorbereitung für einen globalen Staatsstreich.

Nachlesen können Sie das in dem Strategiepapier „Stärkung der internationalen Reaktion auf komplexe globale Schockereignisse: eine Notfallplattform“. Guterres forderte die Mitgliedstaaten auf, zu beschließen – ich zitiere –, „dass der Generalsekretär über eine ständige Vollmacht verfügt, im Falle eines … globalen Schocks … automatisch eine Notfallplattform einzurichten …“, um „die politische Führung auf hoher Ebene zu gewährleisten“. In der Krise liegt die politische Führung der Welt in den Händen eines Mannes: des UN-Generalsekretärs.

Zurufdes Abg. Ulrich Lechte [FDP]

Und Krisen können viele Ursachen haben: Klima- und Umweltkrise, Pandemien, Finanzkrise, Cyberangriffe, Ereignisse im Weltraum und einfach unvorhersehbare Risiken. Der Generalsekretär soll selbst beschließen, wann diese Notfallregierung einzurichten ist, und auch, wer ihr angehört, nämlich – Zitat – „maßgebliche Akteure … einschließlich des Privatsektors, der Zivilgesellschaft, … Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“. Dazu gehören ausdrücklich – Zitat – „internationale Finanzinstitutionen“, „Fonds“ und „Sonderorganisationen“. Und wir wissen alle, wer das ist: der Internationale Währungsfonds, BlackRock, Bill & Melinda Gates Foundation,

Jetzt sind Sie wirklich vollkommen im Rabbit Hole!

Zurufdes Abg. Ulrich Lechte [FDP]

Greenpeace, die ganzen vom Silicon Valley finanzierten NGOs und natürlich Big-Tech-Konzerne selber, die ihre Agenda in New York mit dem Global Digital Compact durchgesetzt haben.

Echsenmenschen!

Wann kommen Sie zur Wahrheit zurück?

Außerdem soll natürlich der UN-Generalsekretär die Regierungszeit der Notfallregierung jederzeit – Zitat – „um die gegebenenfalls erforderliche Dauer verlängern“ können. Das heißt, der Generalsekretär will selbst über den Ausnahmezustand und die Dauer entscheiden – und nicht mehr die Nationalstaaten.

Wovon träumen Sie eigentlich nachts?

Das heißt, die Vereinten Nationen sind jetzt Souverän und nicht mehr die Nationalstaaten. Oder, besser gesagt: Souveräne sind der Mann an der Spitze der UN und die Lobbyorganisationen, die er um sich schart.

Zurufdes Abg. Dr. Volker Ullrich [CDU/CSU]

Die Rolle dieser Organisationen wird auch in dankenswerter Offenheit genannt – Zitat –: „Verpflichtung zur Lobbyarbeit bei Schlüsselakteuren und/oder … Verpflichtung zu einem entscheidenden politischen Kurswechsel“. Das heißt, die Mitglieder dieser Notstandsplattform – von Bill Gates bis BlackRock – sollen Druck auf die gewählten Regierungen machen, um die Agenda der UN durchzusetzen.

Lachender Abg. Gabriele Katzmarek [SPD]

Verschwörungstheorien!

Annalena Baerbock wollte das eins zu eins, ohne jede Änderung, mit durchsetzen. Alleine dafür sollte sie zurücktreten.

Beifallbei der AfD

Ach, Frau von Storch!

Der Widerstand anderer Staaten hat dann dazu geführt, dass diese Ziele zwar nicht verändert, aber umformuliert und verklausuliert worden sind. Und das schauen wir uns jetzt mal an.

Im Summit of the Future Outcome Document heißt es nun unter Action 54: „Stärkung der internationalen Antwort auf globale Schocks“. Das ist Guterres’ Krisenreaktionssystem. Und es heißt dort jetzt: „Förderung der Koordination des gesamten multilateralen Systems“. Das sind die Führungsrolle und die Notfallplattform, die Notfallregierung. Und es heißt dort jetzt: „Zusammenarbeit mit relevanten Stakeholdern“.

Das muss wirklich ganz gruselig in Ihrem Kopf aussehen! Sie sollten da einmal rauskommen!

Das sind Big Tech, Big Data und Big Pharma und ihre ganzen NGOs.

Beschlossen wird das dann ganz demokratisch von den 193 Staaten der UN-Vollversammlung. Laut Transparency International sind zwei Drittel davon korrupt oder sehr korrupt.

Sie sind doch gar nicht dabei!

Und laut dem Economist Democracy Index sind nur 77 davon Demokratien, also 40 Prozent.

Sie lügen die ganze Zeit!

Die große Mehrheit der UN-Vollversammlung sind Diktaturen, Autokraten und korrupte Staaten.

Das ist doch Ihr Niveau!

Demokratische Entscheidungen mit der Mehrheit aus diktatorischen, autoritären und korrupten Staaten: Das ist Ihrer aller groß gelobte UN-Weltdemokratie.

Genau! Wir brauchen eine Weltdemokratie! Haben Sie nicht verstanden!

Die AfD lehnt diese Weltdemokratie ab, weil wir Demokraten sind.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Annette Widmann-Mauz [CDU/CSU]
10 Vermerkeca. 715 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wenn es die Vereinten Nationen nicht gäbe, müsste man sie erfinden. Das ist ein Satz, den man in vielen Reden hört, und ein Gedanke, den ich gerne unterstreichen möchte. Es ärgert mich persönlich sehr, zu erleben, mit welcher Kritik die Vereinten Nationen teils abgewertet werden.

Oh nein! Delegitimiert am Ende!

Die Vereinten Nationen sind nicht am Ende, und sie sind nicht machtlos, wie oft kolportiert wird. Sehr geehrte Frau von Storch, der Film „The United Nations Down“ ist noch nicht gedreht worden, und die Machtübernahme auf dieser Welt durch Guterres ist noch nicht abgeschlossen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich habe nur vorgelesen, was er geplant hat.

Der Reformbedarf der Vereinten Nationen ist offenkundig. Dennoch ist es hochriskant, ihr Ableben herbeizubeschwören, stehen doch die Vereinten Nationen nach wie vor für die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit, für die Entwicklung besserer Beziehungen zwischen den Nationen, für die internationale Zusammenarbeit, für die Lösung globaler Probleme sowie für die Förderung der Menschenrechte. Wer kann, wer möchte behaupten, dass diese Grundprinzipien heute nicht mehr denn je gelten?

In Zeiten zunehmender Konflikte sind die Vereinten Nationen maßgeblich das Instrument zur Sicherung der Stabilität; denn wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass der Nationalstaat alleine die Fragen unserer Zeit nachhaltig beantworten kann. Ob Klimawandel, Migration, Gesundheit oder Terrorismus: Was in einem Bereich der Welt passiert, hat immer öfter weltweite Auswirkungen. Und wer nicht einsieht, dass es zwischenstaatlicher Kooperation bedarf, riskiert, dass wir bei der Bewältigung von Zukunftsaufgaben scheitern.

Die erfolgreiche Verabschiedung des Zukunftspaktes beweist deswegen gleich mehreres: Sie ist ein Signal, das den Willen der Länder zum Multilateralismus zum Ausdruck bringt. Der Pakt setzt Impulse in der gesamten Bandbreite der drei UN-Säulen „Nachhaltige Entwicklung“, „Frieden und Sicherheit“ sowie „Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten“. In Zeiten globaler Verwerfungen ist die Vereinbarung der Staaten, weiterhin gemeinsam Lösungen für globale Herausforderungen zu suchen, ein großer Erfolg. Nicht zuletzt verpflichtet sich die Gesamtheit der 193 Mitgliedstaaten zur Einhaltung von Menschenrechten, des Völkerrechts und der UN-Charta.

Vor allen Dingen die Diktatoren und die autoritären Regime!

Ich möchte hier insbesondere mal das Bekenntnis zum Peacekeeping hervorheben. Durch den Willen zu einer verstetigten Finanzierung wird die Grundlage für die notwendige Stärkung internationaler Friedenseinsätze gelegt. Und das ist gut so.

Beifallder Abg. Deborah Düring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Denn schon heute sind die Vereinten Nationen der größte Friedensdienstleister der Welt.

Versuche, diese globale Staatengemeinschaft hinsichtlich ihres Agierens zur Stärkung des Multilateralismus zu spalten, sind erfolglos. In unserem Engagement für eine sichere Welt sind wir nicht auf friedensverachtende Potentaten angewiesen. Auch dies verdeutlich der Pakt, und auch deswegen ist seine Annahme ein Erfolg.

Ich verurteile die vom Kreml verfolgte Blockadehaltung aufs Schärfste.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es ist ersichtlich, dass es Präsident Putin hier nur um seine Angst vor einem Verlust der eigenen Macht geht und er sich deswegen den Bestrebungen für den Schutz unserer regelbasierten Ordnung verweigert.

Ein weiterer Punkt gehört aber auch zur Wahrheit: Der Sicherheitsrat wurde seiner Verantwortung als Bewahrer von Frieden und Sicherheit zuletzt oft nicht gerecht. Daher müssen wir die Handlungsfähigkeit der Vereinten Nationen erhöhen und ihre Institutionen stärken.

Die Welt hat sich seit Gründung der Vereinten Nationen weiterentwickelt. Entstanden zu einem Zeitpunkt, als die Weltgemeinschaft gerade den Schrecken des Zweiten Weltkrieges hinter sich gelassen hatte, sieht sich die UN heute mit mehreren brutalen Kriegen und Konflikten konfrontiert, die entschiedenes Handeln verlangen. Infolge geopolitischer Spannungen bewegt sich die Weltordnung auf eine neue Multipolarität zu.

Zudem ist die fehlende Repräsentation von Lateinamerika, Afrika und Asien ein Defizit. Zu Recht fordern diese Regionen mehr Gewicht und Sichtbarkeit. Diesen neuen Gegebenheiten müssen sich die Vereinten Nationen anpassen, wenn sie in Zukunft auch erfolgreich sein wollen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dass sie sich dieser Aufgabe annehmen, ist bereits spürbar. Das Bekenntnis zu einer gleichberechtigten Repräsentation der afrikanischen Länder durch die Beauftragung Namibias zur Erarbeitung des Zukunftspaktes mit Deutschland ist ein kleiner, aber ein erster Schritt. Die Zusammenarbeit zweier Partner, die eine teils immer noch belastete Beziehung verbindet, zeugt vom Willen, Kooperation im Sinne von Verbesserungen für die weltweite Staatengemeinschaft zu ermöglichen.

Das Verbindende zu suchen, ist für mich die zentrale Botschaft dieses Gipfels. Die Vereinten Nationen sind auch heute das Forum, das den Ländern dieser Welt den Rahmen und den Raum bietet, friedlich miteinander nach Lösungen zu suchen.

Um es mit den Worten von Winston Churchill zu sagen: Die Vereinten Nationen sind die einzige Hoffnung der Welt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Wären die Vereinten Nationen nicht gegründet worden, würde der Menschheit etwas Entscheidendes fehlen. Starke Vereinte Nationen sind heute nötiger denn je.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Knut Abraham
Foto: CDU Elbe-Elster/Andreas Egeresi
3 Vermerkeca. 484 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal etwas Friedliches: Es ist gut, dass die Vereinten Nationen diesen Zukunftsgipfel veranstaltet haben, und es ist gut, dass es den Zukunftspakt gibt. Mehr als die Details der Erklärung aber strahlt die Signalwirkung, die daraus für einen entschlossenen Multilateralismus ausgeht. Denn die Vereinten Nationen sind mit all ihren Schwächen, die sich aus ihrer überholten, aber kaum reformierbaren Grundstruktur ergeben, notwendig – als Forum der Welt, aber vor allem auch als einzigartige Quelle für das Völkerrecht.

Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Regierungsfraktionen, haben Sie sich mal die Rede des Bundeskanzlers angehört?

Das war eine oberflächliche Ansammlung von Allgemeinplätzen und Worthülsen. Gerade weil Deutschland gemeinsam mit Namibia als Co-Fazilitator des Paktes so viel in diesen investiert hat, hätte man doch vom Regierungschef unseres Landes wenigstens Spuren konkreter Ideen erwarten können, wie die Bundesregierung beabsichtigt, im Sinne des Paktes zu handeln. Es waren wirklich nette Worte des Bundeskanzlers. Aber die Erwartungen an Deutschland betreffen weit, weit mehr als – Zitat – „Let’s get moving. The future starts now.“

Warum sagt der Bundeskanzler bei dieser einzigartigen Gelegenheit nichts zur deutschen Bereitschaft, mehr Verantwortung im Sicherheitsrat zu übernehmen? Auf diese Formel übrigens hatten wir zu unseren Regierungszeiten den Willen Deutschlands und seiner Partner zur Reform des Sicherheitsrates gebracht. Strebt die derzeitige Bundesregierung noch einen nationalen Sitz im Sicherheitsrat an oder doch einen Sitz der Europäischen Union? Wäre der Zukunftsgipfel nicht genau die richtige Gelegenheit gewesen, die deutschen Vorstellungen und Angebote in der Rede des Bundeskanzlers zu behandeln?

Wie soll das Kernproblem der Konstruktion des Sicherheitsrates mit seinen fünf permanenten und vetoberechtigten Mitgliedern angegangen werden, einer Konstruktion, die es Russland ermöglicht, den Sicherheitsrat zu blockieren und damit mit freigehaltenem Rücken und ohne Konsequenzen mit seinen Aggressionen fortzufahren? Dass Russland ein weltpolitischer Geisterfahrer ist, sieht man auch daran, dass das Land sich vom Text des UNO-Zukunftspakts distanziert und immer wieder versucht, Sand ins Getriebe der Weltorganisation zu streuen – Säcke voller Sand.

Zurück zum Zukunftspakt. Gerade die Unverbindlichkeit des Textes erfordert politische Führung, um die Ziele durchzusetzen, und nicht nur weitere Unverbindlichkeit durch eine freundliche, aber gänzlich inhaltsleere Rede. Noch eine Kostprobe des Bundeskanzlers – Zitat –: Die vorangehenden Redner haben schon erklärt, wie tief unser Schicksal mit den weltweiten Herausforderungen verbunden ist. – Aha, nett. Aber was will eigentlich Deutschland? Wie wird Deutschland die im Pakt behandelte Architektur der Vereinten Nationen stärken, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Ampel?

Ich weiß, dass im Auswärtigen Amt viel am Funktionieren des Multilateralismus gearbeitet wird. Lassen Sie mich hier besonders die deutsche UNO-Botschafterin Antje Leendertse nennen. Da sind viele kluge Leute involviert. Aber warum hat man nicht das Bundeskanzleramt zu aktiven Formulierungen motiviert?

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es kommt auch in den Vereinten Nationen auf Deutschland an. Das sieht auch die Bundesregierung so. Sie muss sich nur fragen lassen, was sie konkret tut. Der Bundeskanzler jedenfalls hat dies der Weltöffentlichkeit des Zukunftsgipfels nicht verraten. Schade!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Katja KeulGrüne· Staatsministerin AA· MdB
8 Vermerkeca. 1.139 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Wir sind hier, um den Multilateralismus vom Abgrund zurückzuholen“, waren die mahnenden Worte von UN-Generalsekretär Guterres bei der Eröffnung des VN-Zukunftsgipfels am vergangenen Sonntag. Einen Multilateralismus, der mit der Agenda 2030 angetreten ist, Hunger und Armut ein für alle Mal zu besiegen. Einen Multilateralismus, der ein menschenwürdiges Leben für alle Menschen auf diesem Planeten ermöglichen will, unter Bewahrung unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Einen Multilateralismus, auf dem hohe Erwartungen zur Lösung weltweiter Krisen und systemischer Schocks liegen und der zunehmend in die Defensive gerät. Einen Multilateralismus, der die Herausforderungen unserer Zeit dabei bislang institutionell weiter mit den Mitteln bestreitet, die ihm bei seiner Errichtung vor fast 80 Jahren an die Hand gegeben wurden: Diesen Multilateralismus fit für die Zukunft zu machen und ihm neue Instrumente an die Hand zu geben, war das erklärte Ziel der Staats- und Regierungschefs beim VN-Zukunftsgipfel am 22. und 23. September 2024.

Wichtigste Errungenschaft des Gipfels ist der Zukunftspakt, Pact for the Future. Dieser wurde am 22. September im Konsens angenommen, gemeinsam mit den beiden Annexen, dem Globalen Digitalpakt und der Erklärung für künftige Generationen. An seinem Zustandekommen hatte Deutschland entscheidenden Anteil. Darauf können wir stolz sein.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP und des Abg. Knut Abraham [CDU/CSU]

Nee, das ist eine Schande!

Gemeinsam mit Namibia haben wir in der Rolle der Verhandlungsführer der Welt gezeigt, dass wir offen sind für Reformen. Wir wollen nicht nur den Status quo verteidigen, sondern globalen Verwerfungen und Systemkrisen mit einem konstruktiven Ansatz begegnen. Wir haben bewiesen, dass wir anpacken, wenn es darauf ankommt. Mir ist es an dieser Stelle ganz wichtig, noch einmal ganz ausdrücklich unserem Partner Namibia für die großen gemeinsamen Anstrengungen zu danken, aber natürlich auch den Diplomatinnen und Diplomaten unserer Länder.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP und des Abg. Knut Abraham [CDU/CSU]

Wie der Bundeskanzler es in seiner Rede am Sonntag betont hat: Wir kommen aus verschiedenen Kontinenten. Unsere politische und sozioökonomische Situation ist unterschiedlich. Und doch haben wir es geschafft, als Freunde zusammenzuarbeiten.

In Zeiten, in denen von „Fragmentierung“ und „Erosion der globalen Ordnung“ die Rede ist, geht vom Zukunftspakt ein Zeichen der Hoffnung aus. Hoffnung, dass gemeinsame Interessen, aber auch gemeinsame Werte uns global zusammenbringen. Hoffnung, dass diese Werte und die gemeinsame Sorge um die Zukunft unserer Kinder stärker sind als die Spaltungsversuche von Staaten, die unsere Werte nicht teilen. Diesen Zukunftspakt zusammen mit Partnerstaaten zu schmieden, ist ein klarer Erfolg der Nord-Süd-Kooperation.

In diesen gemeinsamen Verhandlungen haben wir viel voneinander gelernt. Die wichtigste Feststellung des Prozesses hin zum Zukunftsgipfel war: Wir brauchen keine neue Agenda 2030, und wir brauchen auch keine neue UNO. Was wir brauchen, ist eine bessere UNO – wenn man so will, eine Sanierung im Bestand. Um dies zu erreichen, dreht der Zukunftspakt einige Stellschrauben des bestehenden Systems weiter. Er setzt damit wichtige Impulse für Multilateralismus und die Vereinten Nationen über die gesamte Bandbreite der UN-Arbeit.

Was heißt das genau? In 56 Aktionspunkten verpflichten sich die Staaten zu mehr Kooperation in nahezu allen Bereichen globaler Fragen. Das ist für sich genommen in Zeiten von Krieg und globaler Verwerfungen schon ein großer Erfolg. 193 Staaten vereinbaren für die Zukunft, gemeinsame multilaterale Lösungen zu finden für globale Herausforderungen bei der Entwicklungs- und Klimafinanzierung über Frieden und Sicherheit bis hin zu Weltraumfragen.

Um einige konkrete Beispiele zu nennen: Der Pakt setzt ein klares Signal zur Abrüstung. Er enthält die erste gemeinsame Formulierung zur nuklearen Abrüstung seit 2010.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Rainer Semet [FDP]

Auch enthält er ein Bekenntnis zu verstärkten Anstrengungen bei Abrüstung und Rüstungskontrolle, Streumunition, biologischen und chemischen Waffen sowie Kleinwaffen, und er adressiert den Einsatz neuer Technologien, wie zum Beispiel Cyberangriffe, letale autonome Waffensysteme und die militärische Nutzung von KI. In Zeiten zahlreicher Kriege und Konflikte kann man den Erfolg einer Einigung zu Abrüstungsthemen gar nicht hoch genug bewerten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wegweisend sind auch die Aktionspunkte zur internationalen Finanzarchitektur. Denn klar ist: Wir brauchen mehr Anstrengungen, um die Entwicklungsziele der Agenda 2030 zu erreichen. Ein wichtiger Hebel hierfür sind die Entwicklungsfinanzierung und eine stärkere Abstimmung zwischen den Institutionen der VN in New York und den internationalen Finanzinstitutionen wie IWF und Weltbank. Der Pakt erkennt bestehende Reformprozesse an; gleichzeitig macht er konkrete Vorgaben für weitere Schritte.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Und ganz wichtig: Der Pakt fordert eine Sicherheitsratsreform und insgesamt ein gerechteres, repräsentativeres und effektiveres VN-System, vor allem auch mit mehr Frauen an der Spitze, idealerweise demnächst auch einer Generalsekretärin als Nachfolgerin des jetzigen Amtsinhabers ab 2026.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Rainer Semet [FDP]

Der Digitalpakt formuliert erstmalig auf globalem Niveau Leitplanken für eine internationale Digitalpolitik. Er legt den Grundstein für Strukturen zur Behandlung künstlicher Intelligenz als politischer Frage in den Vereinten Nationen. Hier geht es um Potenziale der KI, aber auch um eine Eindämmung ihrer Risiken.

Der Pakt ist vor allem auch ein Blick in die Zukunft. Er fordert Investitionen in die soziale und wirtschaftliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Sozialschutz und Jugendunternehmertum.

Es würde zu weit führen, auf alle Aktionspunkte und Empfehlungen des mehr als 40-seitigen Textes einzugehen. Jetzt geht es um die Umsetzung der Beschlüsse. Hierzu haben wir in den kommenden Monaten viele ganz konkrete Gelegenheiten, unter anderem beim Hamburg Sustainability Forum am 7. und 8. Oktober 2024, während unseres Vorsitzes über die Peacebuilding Commission 2025 oder beim Peacekeeping Ministerial in Berlin im Mai 2025. Der jeweilige Präsident bzw. die Präsidentin der Generalversammlung wird die Aufgabe haben, die Aktivitäten zu bündeln. In einem Jahr übernimmt Helga Schmid als deutsche Kandidatin der Gruppe der westeuropäischen und anderen Staaten die Präsidentschaft und damit auch diese Aufgabe.

Lassen Sie mich zum Schluss kommen. In Zeiten extremer globaler Polarisierung war ein solcher Prozess wahrlich kein Selbstläufer. Im Gegenteil: Die Geltung der Charta und elementarer Grundsätze des Völkerrechts werden zunehmend infrage gestellt, nicht zuletzt durch den Angriffskrieg Russlands, eines ständigen Mitglieds des Sicherheitsrates, gegen die Ukraine. Der Sicherheitsrat ist dadurch immer weniger handlungsfähig. Unser Interesse als Deutschland ist es, dieser um sich greifenden Polarisierung eine konstruktive Gegenvision entgegenzusetzen, in Gestalt einer Positivagenda, auf die sich alle VN-Mitgliedstaaten auf höchster Ebene einigen. Dass dies gelungen ist, war alles andere als selbstverständlich. Als Initiatoren haben wir uns gemeinsam mit Namibia demonstrativ vor die UN gestellt; denn wir bauen auf eine starke UN und eine multilaterale Ordnung, in der das Völkerrecht und die Menschenrechte etwas gelten und in der wir globale Fragen multilateral angehen.

Russland hat bis zum Ende versucht, eine Einigung zum Pakt zu verhindern. Es verweigert sich unter anderem einer finanziell besseren Förderung des Menschenrechtsschutzes und will einen vernetzten und inklusiven Multilateralismus verhindern. Aber: Am Ende konnten sich die Staaten, die wie wir an einer zukunftsgerichteten, effektiven Weiterentwicklung der UN interessiert sind, sehr deutlich durchsetzen. Russland war weitestgehend isoliert, und dies wurde vor aller Augen präsent.

Wir sind überzeugt: Nur global können wir die großen Herausforderungen angehen – nicht im Rahmen unserer nationalen Grenzen und auch nicht innerhalb der EU-Grenzen. Hierfür brauchen wir die UN als institutionelles Rückgrat der multilateralen Ordnung, die wir bewahren und stärken wollen. Mit dem Zukunftsgipfel haben wir uns daher selbst den größten Dienst erwiesen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
5 Vermerkeca. 397 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Konflikte, Kriege, Klimakrise: Die Vereinten Nationen sind der einzige Ort, an dem die Staaten der Welt miteinander über den Umgang mit diesen Bedrohungen beraten und nach Lösungen suchen können. Der in ihrer Charta festgelegte Gewaltverzicht und die Verpflichtung der Mitglieder auf das Völkerrecht und die Menschenrechte könnten, wenn sie denn wirklich umgesetzt würden, allen Menschen auf diesem Planeten ein Leben in Sicherheit, Frieden und Würde ermöglichen.

Beifallbei der Linken

Deswegen begrüßt Die Linke die Ergebnisse des Zukunftsgipfels, der den notwendigen Reformprozess einen wichtigen Schritt vorangebracht hat. Wir unterstützen insbesondere die Beschlüsse gegen eine Militarisierung des Weltalls und für mehr Mitbestimmung der Länder des Südens in den Finanzinstitutionen.

Wenn die Reform des Sicherheitsrates allerdings erneut diese Länder ausgrenzt, dann wird eine Chance vertan. Es ergibt gar keinen Sinn, wenn etwa mit Deutschland ein weiterer reicher Industriestaat einen ständigen Sitz erhielte, aber der südamerikanische Kontinent dafür überhaupt nicht vertreten wäre. Und bei allem Einsatz der Bundesregierung dafür, dass es überhaupt einen Reformplan gibt, sieht es doch so aus, dass es ihr vor allem um diesen ständigen Sitz im Sicherheitsrat geht. Und das finden wir falsch.

Beifallbei der Linken
Zurufder Abg. Deborah Düring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Falsch ist auch der oft interessengeleitete Blick der Bundesregierung auf das internationale Recht. Wenn Sie Rechtsbrüche durch Verbündete ignorieren, die Sie bei anderen zu Recht scharf geißeln, dann nennen Sie das eine „regelbasierte Ordnung“; ich war ganz froh, den Begriff heute hier nicht zu hören. Das Völkerrecht muss aber für alle gleich gelten. Wenn eine multipolare Welt heißt, dass sich wenige Großmächte die Welt aufteilen, dann wären wir von Vereinten Nationen wirklich weiter entfernt denn je. Gerade weil Klimakrise, knapper werdende Ressourcen und zunehmende soziale Spaltung neue Konflikte hervorrufen und viele kleinere Staaten in ihrer Existenz gefährden, brauchen diese Staaten ein stärkeres Gewicht und eine starke Stimme in der UNO.

Beifallbei der Linken

Das heißt, vor allem die Vollversammlung zu stärken und sie zu einem Gremium zu machen, in dem die UN-Charta wieder zur gelebten Grundlage der internationalen Beziehungen wird, wo jeder Staat eine wirksame Stimme hat und die Interessen von Großmächten und auch die Macht der Großkonzerne wirksam eingehegt werden.

Und wir müssen die Logik der Konfrontation überwinden. Die Linke fordert eine Zeitenwende hin zu deutlich mehr Diplomatie, Interessenausgleich, friedlichen Konfliktlösungen, Abrüstung und strikter Einhaltung des Völkerrechts durch alle Staaten. Und ganz aktuell brauchen wir sofortige Waffenstillstände an allen Kriegsfronten, ob im Sudan, in der Ukraine oder im Nahen Osten.

Beifallbei der Linken
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
16 Vermerkeca. 443 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Wir haben hier gerade etwas erlebt, was zeigt, wessen Agenten wir hier im Haus haben.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Volker Ullrich [CDU/CSU]

Frau von Storch, bei aller Liebe,

Da gibt es keine Liebe!

gegen den Zukunftspakt der Vereinten Nationen haben gearbeitet: Belarus, ein Land, in dem ein Diktator regiert, der Einzige innerhalb Europas, der seine eigene Bevölkerung unterdrückt;

Sagen Sie doch einfach, was ich zitiert habe!

der Iran, wo Frauen, die kein Kopftuch oder das Kopftuch nicht richtig tragen, von den Sicherheitskräften ermordet werden; Syrien, wo der Diktator gegen die eigene Bevölkerung vorgeht;

Zitieren Sie doch einfach, was ich vorgelesen habe!

Nordkorea, dessen Bevölkerung seit Jahrzehnten nicht weiß, was außerhalb ihres Landes los ist, die unter Hunger leidet und fernab von den Errungenschaften der Menschheit lebt; und Venezuela, wo der Präsident die zweite Wahl in Folge ignoriert hat, weil das Volk jemand anderen gewählt hat.

Und Sie kommen hierher und erzählen, dass das angeblich eine Weltverschwörung sei, was bei den Vereinten Nationen passiert.

Beifallbei der FDP, der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Bekommen Sie überhaupt noch mit, was Sie da erzählen? Wie können Sie nachts schlafen? Sie sind offensichtlich nicht katholisch und können nicht beichten gehen. Es ist eine Schande, was Sie hier verbreiten und wie Sie versuchen, die Bevölkerung für Verschwörungstheorien einzunehmen.

Beifallbei der FDP, der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Ich bin mehr als gefrustet; keine Frage. Ich habe wegen Ihnen schon Morddrohungen erhalten, weil Sie irgendwelchen Firlefanz auf Twitter und Co gepostet haben.

Damals, als es um den Global Compact for Migration ging, hat Ihre Partei behauptet, dass in den nächsten Jahren 250 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland kommen.

Herr Curio hat von „Umvolkung“ gesprochen.

Ekelhaft!

Und heute reden Sie davon, dass Guterres die Weltregierung an sich reißen möchte. Das ist ja „Pinky and the Brain“; stellt sich bloß die Frage, wer Pinky und wer Brain ist.

Beifallbei der FDP, der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Es ist unglaublich, wie hier mit den Errungenschaften der westlichen Welt umgegangen wird.

Lächerlich!

Deutschland ist nur wegen der Westbindung, wegen der Vereinten Nationen, wegen der Vereinigten Staaten wirtschaftlich so stark und groß geworden, wie es heute ist. Wir haben alles dafür getan, dass wir 1973 überhaupt wieder in den Klub der Weltgemeinschaft aufgenommen werden konnten, in die Vereinten Nationen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Und Sie erlauben sich, hier so eine Rede zu halten.

Ich erlaube mir, zu sagen, was ich gelesen habe!

Das ist unglaublich. Ich werde das nicht mehr dulden. Ich werde solche Lügen hier nicht stehen lassen.

Sie werden anfangen, sich zu benehmen, oder werden von uns allen, inklusive der Union, mit allen Kräften bekämpft.

Beifallbei der FDP, der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Von einer 0,8-Prozent-Partei!

Es geht nicht, wie Sie mit den Errungenschaften unserer Vorväter, von Adenauer, Helmut Schmidt, Willy Brandt, Ludwig Erhard, Kiesinger, wie sie alle hießen, umgehen. Schauen Sie sich die Dokus an, dann wissen Sie, wofür wir nach dem Zweiten Weltkrieg gekämpft haben – mit Sicherheit nicht dafür, dass Russland und China mit Ihrer Hilfe dafür sorgen, dass auf dieser Welt alles kaputtgemacht wird, was Demokraten aufgebaut haben.

Vielen Dank.

Lebhafter Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Linken
Zurufvon der AfD: Das Gute ist: Das müssen wir nur noch maximal ein Jahr ertragen!
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Sanae Abdi
Foto: Sanae Abdi/SPD-Fraktion
5 Vermerkeca. 615 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich stehe hier, wenn es um die Bilanz des Zukunftsgipfels geht, vor einem klassischen Dilemma: Ist das Glas halb voll oder halb leer? Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte. Lassen Sie mich mit dem Positiven beginnen.

Natürlich ist es ein Erfolg, wenn sich 193 Staaten auf eine Reform und Zukunftsagenda einigen, in der eine Vision für eine multilaterale Zusammenarbeit in allen globalen Fragen dargelegt wird: in Fragen wie der Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele, in Fragen um Regierungsreformen, Klimawandel, Geschlechtergerechtigkeit, aber eben auch künstliche Intelligenz und digitale Zusammenarbeit.

Der Zukunftspakt ist im Ergebnis ein klares Signal für die Verwirklichung der globalen Nachhaltigkeitsziele und vor allem für weitere, von Deutschland bereits maßgeblich vorangebrachte institutionelle Reformen der internationalen Finanzarchitektur wie beispielsweise der Weltbank, wie wir heute schon gehört haben; Staatssekretär Annen hat das bereits vorgetragen.

Der Zukunftspakt signalisiert auch, dass es mehr Mitsprache für die Stimmen des Globalen Südens braucht. Es ist deutlich geworden – ich hoffe, das haben alle verstanden –, dass wir die großen Herausforderungen unserer Zeit auch nur gemeinsam bewältigen können.

Nun komme ich zum Aber, zum halb leeren Glas, wenn man so will. Ist der Pakt wirklich mehr als ein Signal, mehr als eine Absichtserklärung? Die Ziele, die man sich gesetzt hat, die Visionen, die beschrieben wurden, stehen im krassen Gegensatz zu eskalierenden Konflikten, beispielsweise im Nahen Osten, dem Krieg in der Ukraine oder auch der Hungersnot im Sudan. Sie stehen im Gegensatz zu wachsender Verschuldung, sich häufenden Klimakrisen. Die Liste könnte noch lange weitergeführt werden.

Diese Beispiele zeigen auch, dass unsere internationalen Institutionen bei diesen globalen Herausforderungen an ihre Grenzen stoßen. Die Antwort darauf muss doch lauten: Damit es nicht bei einem Signal bleibt, damit wir die Einigung an sich nicht schon als Erfolg verbuchen, brauchen wir jetzt konkrete Schritte. Eine zentrale Rolle spielt dabei die genannte Reform der internationalen Finanzarchitektur und die der Entwicklungsfinanzierung. Die Länder des Globalen Südens müssen zum Beispiel durch Entschuldungsinitiativen in die Lage versetzt werden, in Bildung, Gesundheit und soziale Sicherung zu investieren, um beispielsweise die Auswirkungen der Klimakrise bewältigen zu können.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Das Geld dafür ist genauso vorhanden wie die Instrumente, um das auch wirksam umsetzen zu können.

Damit die Mittel in Entwicklungsfinanzierung fließen, braucht es aber einen entschlossenen politischen Willen und innovative Finanzierungsmöglichkeiten. Dafür werden wir uns auch bei künftigen Konferenzen international einsetzen, wie beispielsweise der Hamburg Sustainability Conference, der Weltbank-Herbsttagung und auch der internationalen Klimakonferenz.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Deborah Düring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Einen Punkt möchte ich aber noch mal besonders hervorheben. Ich begrüße es sehr, dass die Vereinten Nationen in dem Zukunftspakt erstmals die Forderungen und Bedürfnisse von künftigen Generationen in den Blick genommen haben. Auf einer Veranstaltung unserer SPD-Fraktion in dieser Woche hat eine Jugendvertreterin eine UN-Vertreterin gefragt: Sie sagen immer, die Stimmen der jungen Generationen müssen gehört werden. Aber wie soll das gehen, wenn wir nicht mit am Tisch sitzen?

Deshalb darf es jetzt nicht bei der Absichtserklärung bleiben, einen UN-Sondergesandten für zukünftige Generationen einzusetzen. Wir werden auch weiterhin dafür kämpfen – das versichere ich Ihnen –, dass Jugendvertreterinnen und -vertreter bei den kommenden Verhandlungen nicht nur mit am Tisch sitzen, sondern dass sie auch gehört werden und sie sich an den Entscheidungen beteiligen können, wenn es um ihre Zukunft geht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Christoph Hoffmann [FDP]

Der Zukunftspakt ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Aber er ist eben nur ein Anfang. Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind groß, doch sie sind nicht unüberwindbar. Wir müssen den Dialog fördern, die Stimmen aller Menschen hörbar machen und insbesondere die Perspektiven kommender Generationen mit einbeziehen.

Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, den zukünftigen Generationen das Glas nicht halb voll, sondern randvoll zu überlassen – für eine gerechte und lebenswerte Zukunft.

Danke.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Rebecca Schamber [SPD]
6 Vermerkeca. 662 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben einen Zukunftspakt der Vereinten Nationen. Ich würde unterstreichen, dass das ein Aufbruch für Multilateralismus ist, den Deutschland in führender Rolle mit errungen hat.

Insofern gilt an der Stelle auch mein Dank all denen, die sich für diesen Zukunftspakt eingesetzt haben: an die Bundesregierung, die Außenministerin Annalena Baerbock, die gerade in New York ist. Es ist ein Erfolg, dass die Staaten hier wieder zusammengekommen sind und unterstrichen haben: Die Regeln, Chancen und Potenziale für diese Welt werden multilateral gestaltet, und das ist sehr gut so.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ich freue mich auch sehr, dass es gelungen ist, dabei wirklich die Themen in den Blick zu nehmen, die diese Welt umtreiben: Das sind natürlich einerseits die großen Krisen dieser Zeit – wir haben es gehört –, das Thema Klima, aber natürlich auch die Kriege, mit denen wir im Moment international umgehen müssen. Das ist eine Herausforderung für die Staatengemeinschaft. Aber dieser Zukunftsgipfel hat auch gezeigt: Die Vereinten Nationen sind zu Recht der Ort, wo wir uns auch mit den ganz aktuellen und neuen großen Fragen beschäftigen.

Und das ist eben andererseits das Thema Digitalisierung, das mit dem neuen globalen Digitalpakt jetzt angegangen worden ist. Das ist ein Erfolg, weil es zeigt: Die Frage, wo wir Technologie zum Wohl von Mensch und Umwelt im Sinne der globalen Nachhaltigkeitsziele, im Sinne der Menschenrechte einsetzen können, wird auch von den Menschen, zwischen den Staaten und nicht ausschließlich von der Digitalwirtschaft entschieden. Das ist ein wichtiges Zeichen, das vom globalen Digitalpakt, der beschlossen werden konnte, ausgeht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Rainer Semet [FDP]

Ich hatte die Ehre und das Privileg, in der Beratungsgruppe mitarbeiten zu dürfen, die António Guterres zum Thema „künstliche Intelligenz“ einberufen hat. Ein Jahr haben wir gearbeitet, um Empfehlungen für genau diesen globalen Digitalpakt abgeben zu dürfen und insbesondere das Thema „künstliche Intelligenz“ international zu bearbeiten. Das war ein wichtiger Schritt, weil bisher das Thema zwar in einzelnen Initiativen – bei den G 7, G 20, der OECD, hier und da – bearbeitet worden ist, aber eben nie so, dass wirklich alle Staaten mit am Tisch gesessen haben.

Bei den UN ist jetzt das Thema „künstliche Intelligenz“ richtig angesiedelt, weil hier erstmals wirklich alle Staaten mit dabei sind und auch der Globale Süden mit involviert ist. Das ist der Ort, wo wir gemeinsam darüber beraten sollten und entscheiden müssen: Wie können wir künstliche Intelligenz insbesondere als Chance nutzen, um die Nachhaltigkeitsziele wirklich effizient voranzutreiben, beispielsweise im Bereich Gesundheit, Klimaschutz oder Landwirtschaft? All das sind Chancen, die bisher aber nur einem kleinen Teil der Welt zugutekommen. Das auszuweiten, muss das Ziel sein, und hier sind die Vereinten Nationen der richtige Ort.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Rainer Semet [FDP]

Das passt auch zu den Empfehlungen, die wir als High-level Advisory Body gegeben haben, wo wir sagen: Es braucht einen Kapazitätsaufbau weltweit. Es kann nicht sein, dass nur einige wenige die Ressourcen, die Rechenkapazität, die Daten haben, diese Technologie und ihre Potenziale zu nutzen, sondern wir müssen diese Potenziale weltweit auch dorthin bringen, wo es im Moment erst noch darum geht, überhaupt einen Internetzugang zu schaffen. Es kann nicht sein, dass ein Teil der Menschheit von diesen Chancen abgeschnitten bleibt. Deswegen ist dieses Netzwerk für den Kapazitätsausbau bei KI wichtig.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Aber natürlich haben wir uns auch mit den Risiken beschäftigt. Ich glaube, es ist ein wichtiges Signal, dass in dem Abschlussbericht unseres Gremiums ein klares Ergebnis ist: Das größte aktuelle Risiko von künstlicher Intelligenz ist Desinformation. Das hat die Mehrheit dieses Gremiums so gesagt. Das zweitgrößte Risiko geht von einem unangemessenen oder gefährlichen Einsatz von KI durch staatliche Akteure aus. Das sind die Risiken von künstlicher Intelligenz, mit denen wir heute umgehen müssen. Deswegen ist es ganz wichtig, dass hier der Auftrag mit drinsteckt, dass wir uns hierum zum Schutz unserer Demokratien besser kümmern müssen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Damit möchte ich schließen. Denn der Zukunftspakt ist ein Handlungsauftrag, und das gilt auch für den Bereich „künstliche Intelligenz“. Ich werbe sehr dafür, dass wir als Deutschland hier aktiv werden und uns an der Umsetzung all dieser Aufträge ganz zeitnah beteiligen.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
8 Vermerkeca. 658 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Jetzt eine Anmerkung von mir vorweg, weil ich gerne zu Ihrer Rede, Herr Farle, in Bezug auf die Rede meines geschätzten Kollegen Uli Lechte was sagen würde: Das ist wirklich nicht zu toppen. Vor der Präzision und dem Temperament der wirklich guten Rede von Uli Lechte als Replik auf die wirklich schlimme Rede von Frau von Storch ziehe ich meinen Hut.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Werter Herr Kollege Uli Lechte, das war genau die richtige Antwort, die dieses Haus hier gebraucht hat.

Um jetzt weg von den Verschwörungstheorien mal wieder zu den Fakten zu kommen: Für mich war die wichtigste Nachricht des Summits of the Future: Der Multilateralismus lebt.

Beifallder Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Abgesänge auf die Vereinten Nationen, die viele angesichts der großen globalen Herausforderungen und Krisen bereits gesungen haben, haben sich nicht bewahrheitet. Die Weltgemeinschaft hat sich klar bekannt: zu Frieden und Sicherheit, zu elementaren Menschenrechten, zu nachhaltiger Entwicklung, zu mehr Einbindung junger Menschen in ihre Prozesse.

Ja, es waren schwierige Verhandlungen, und bis zum Schluss schien es ungewiss, ob der Pakt zustande kommt. Doch es wurde geschafft. An dieser Stelle einen Dank an unsere Bundesregierung und unseren Bundeskanzler Olaf Scholz, den ich gerne zitiere:

„Weil wir noch immer zusammenarbeiten. Weil wir einander noch immer vertrauen. Weil wir uns noch immer zu den Grundsätzen der UN-Charta bekennen. Und weil wir noch immer dazu bereit sind, einander mit Respekt und Fairness zu behandeln.“

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das gibt die Hoffnung, dass wir als Weltgemeinschaft trotz aller Unterschiede zusammenkommen und uns zu gemeinsamen Werten bekennen können.

Dass die Blockadestrategie Russlands am Ende keinen Erfolg hatte, ist auch unseren Partnerinnen und Partnern im Globalen Süden zu verdanken und zeigt: Unsere Politik des partnerschaftlichen Ansatzes ist genau richtig. Wenn Staaten gleichberechtigt und auf Augenhöhe die Herausforderungen unserer Zeit analysieren und klar benennen, wenn wir uns den Krisen unserer Zeit gemeinsam entgegenstellen, wenn wir gemeinsam agieren, können Lösungen gefunden werden. Und genau dann haben es Blockierer wie Russland schwer, dagegenzuhalten. Für mich ist das ein wichtiges Signal in Zeiten globaler Verwerfungen. Es lohnt sich, für unsere Werte gemeinsam zu kämpfen.

Der Zukunftspakt ist nicht die finale Antwort auf all unsere Fragen. Der Pakt ist ein Gerüst, auf das wir in den kommenden Jahren erfolgreich aufbauen müssen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Am Ende haben sich alle 193 Staaten zur Einhaltung von Völkerrecht, UN-Charta und Menschenrechten verpflichtet. Als für mich wichtiger Zusatzbeschluss kam hinzu: mehr Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen.

Gestern fand hier im Bundestag eine öffentliche Sitzung des Unterausschusses Vereinte Nationen, internationale Organisationen und zivile Krisenprävention statt, zu der eine Jugenddelegierte der UN-Generalversammlung, DGVN-Jugendbeobachter des Zukunftsgipfels und Vertreter der Jugend-Task-Force der Globalen Bildungskampagne geladen waren, um mit uns über Jugendbeteiligung in den Vereinten Nationen zu sprechen. Ich kann Ihnen sagen: Die Performance dieser jungen Leute war mehr als beeindruckend. Junge Menschen wissen sehr genau, was sie für ihre Zukunft wollen, und sie können es sehr präzise formulieren, wenn wir sie denn lassen. Die Jugendvertreter/-innen sind sich – das wurde gestern sehr deutlich – ihrer privilegierten Situation bewusst und setzen sich daher dafür ein, dass auch die Stimmen von weniger privilegierten Menschen mehr gehört werden – hier in Deutschland, indem sie im ganzen Land in Schulen und Vereinen mit Workshops Ideen und Anregungen sammeln, und im Globalen Süden durch internationale Vernetzung und Austausch. Dieses Engagement hat mich wirklich tief beeindruckt. Ich möchte mich an dieser Stelle noch mal recht herzlich für den wirklich fruchtbaren Austausch im Ausschuss bedanken.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Zeit ist gleich um. Ich hätte noch viel zu sagen, aber der Präsident dreht mir gleich das Mikro ab.

Heiterkeit

Wir müssen jedenfalls sicherstellen, dass der Zukunftspakt nicht nur auf dem Papier existiert, sondern in den Herzen und in den Köpfen der Menschen verankert wird. Auch wir als Abgeordnete werden uns aktiv dafür einsetzen; denn dieser Zukunftspakt ist mehr als ein Dokument.

Faktenlose Prosa!

Er ist das Versprechen, dass wir gemeinsam für Frieden, Stabilität und Sicherheit in der Welt arbeiten.

Danke.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Heiterkeitbei Abgeordneten der FDP
1 Vermerkca. 2 WörterReaktionswert: ruhig
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Frau Präsidentin!

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
3 Vermerkeca. 562 WörterReaktionswert: niedrig
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Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Mit dem jetzigen Russland, das Kriege gegen seine Nachbarn führt, das Deutschland und unsere europäischen Partner offen bedroht, seine eigene Bevölkerung unterdrückt und jegliche Konsequenzen mit seinem Vetorecht blockiert, sind die Vereinten Nationen handlungsunfähig. Das Gleiche gilt auch für China, das Minderheiten in Arbeitslager pfercht, freiheitliches Gedankengut aktiv bekämpft und unterdrückt und demokratische Staaten militärisch bedroht. In den letzten zehn Jahren wurden mindestens 30 Resolutionen im UN-Sicherheitsrat blockiert, vor allem zu den Konflikten in Syrien und in der Ukraine. Dabei nutzen Russland und China ihr Veto immer wieder aus, um dringend nötige Maßnahmen zu verhindern.

Den Zukunftspakt der Vereinten Nationen hat Deutschland maßgeblich mitgeprägt. Er ist in erster Linie ein gemeinsames Eingeständnis unserer Handlungsunfähigkeit. Dennoch möchte ich eine Sache besonders hervorheben: Es gibt jetzt erstmals eine gemeinsame Absichtserklärung für eine Reform des Sicherheitsrates sowie den Willen zu einer Abschwächung des Vetos der ständigen Mitglieder.

Ich bin überzeugt, dass wir zu lange versucht haben, den Problemen des 21. Jahrhunderts mit den Lösungen aus dem letzten Jahrtausend zu begegnen. Beispielsweise müssen Afrika und der Globale Süden im Sicherheitsrat vertreten sein, damit ihre Interessen endlich gehört und respektiert werden können.

Die Welt hat sich verändert, die Vereinten Nationen nicht. Insgesamt müssen die Vereinten Nationen demokratischer werden, sodass die Interessen der unterschiedlichen Länder angemessen repräsentiert werden können. Unsere enge und erfolgreiche Zusammenarbeit mit Namibia als Co-Vorsitzenden des Zukunftsgipfels ist ein wichtiges Zeichen.

Doch häufig wirkt es so, als würden wir unseren Einfluss in Afrika zugunsten Russlands und Chinas verlieren. Der Zukunftspakt will dieser autoritären Entwicklung entgegentreten. Es überrascht einen nicht, dass Russland bis zuletzt versucht hat, dies zu verhindern. Alle Torpedierungsversuche Russlands sind jedoch gescheitert, und das nicht, weil der Westen das verhindert hat, sondern weil allen voran Kongo und die Afrikanische Union – insgesamt waren es 143 UN-Mitgliedstaaten – mit ihrer Zustimmung, nicht auf den russischen Antrag einzugehen, Russland die rote Karte gezeigt haben.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Alles in allem können wir heute also festhalten: Der Zukunftspakt ist ein erster wichtiger Schritt für eine zeitgemäße Reform der Vereinten Nationen. Erstmals haben wir ein globales Abkommen zur digitalen Kooperation beschlossen, und unserer Jugend haben wir ihren Anspruch auf einen lebenswerten Planeten zugesichert. Damit aus dieser Absichtserklärung konkrete Maßnahmen folgen, müssen wir aber noch viel Arbeit leisten.

Wenn wir über die Stärkung des Globalen Südens sprechen, dürfen wir folgende Punkte auch nicht vergessen: Hilfe, Hilfe zur Selbsthilfe, Bildung, Infrastruktur und Fluchtursachenbekämpfung. Nur monetäre Entwicklungshilfe zu leisten, reicht angesichts der vielfältigen Herausforderungen nicht.

Deutschland kann die Probleme des Globalen Südens nicht alleine lösen. Als drittgrößte Volkswirtschaft und zweitgrößter Geldgeber der Vereinten Nationen mit über 5 Milliarden Euro allein in diesem Jahr nimmt Deutschland jedoch sehr viel Verantwortung auf sich. Mit unserer Kandidatur für den nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat von 2027 bis 2028 untermauern wir auch diesen Anspruch.

Meine Damen und Herren, gut gemeint ist aber noch nicht gut gemacht. Solange Staaten wie Russland in der Lage sind, Kriege gegen ihre Nachbarn anzuzetteln, ihre Bevölkerung zu unterdrücken und dank ihres Vetorechts ohne Konsequenzen davonzukommen, funktioniert das System der Vereinten Nationen nicht. Das heißt für Deutschland daher, dass wir die Strukturen der Vereinten Nationen kritisch hinterfragen müssen, um sie langfristig zu verbessern.

Lassen Sie uns daher als selbstbewusste Parlamentarier kritisch sein und Missstände ansprechen, und lassen Sie uns dringend notwendige Reformen anstoßen! Wir Freie Demokraten unterstützen den Inhalt des UN-Zukunftspakts nachdrücklich.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Knut Abraham [CDU/CSU]
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
1 Vermerkca. 631 WörterReaktionswert: niedrig
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Verehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Ich möchte gleich zum Punkt kommen: Das, was Deutschland und Namibia auf dem Zukunftsgipfel federführend ausgehandelt haben, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es gibt ihn nämlich noch: den Glauben an und den Wunsch nach verstärkter, besserer und effizienter Zusammenarbeit – wenn auch nicht überall hier im Haus.

Dieser Pakt für Zukunft ist ein Etappensieg für die Hoffnung. Doch was dem Namen nach einen Grundsatzpakt zur Erneuerung der internationalen Ordnung verspricht, ist am Ende doch nur der kleinste gemeinsame Nenner. Ja, in Zeiten vieler Kriege und Krisen ist leider auch das schon ein Erfolg, aber nur das kann eben nicht unser Anspruch sein.

Die gute Nachricht ist, dass die überwältigende Mehrheit der UN-Mitgliedstaaten multilaterale Kooperationen weiter unterstützt. Die weniger gute aber ist, dass die Uneinigkeit immens ist, unter welchen Bedingungen diese Kooperationen stattfinden und wer das Sagen hat. Nur weil Staaten wie China oder autoritär geführte Länder im Sahel nicht gegen den Pakt stimmen, heißt das im Umkehrschluss nicht, dass wir eine gemeinsame Auffassung davon haben, was internationale Zusammenarbeit bedeutet.

Trotz aller Lichtblicke bleiben die Ergebnisse des Gipfels letztendlich hinter den Erwartungen zurück. Ich will auch begründen, warum. Es fehlen neue Verpflichtungen, und die Einigung zieht so gut wie keine direkten Handlungen, Veränderungen oder neue Instrumente nach sich.

Ich bin zuversichtlich, dass an vielen Stellen die richtigen Impulse für Reforminitiativen gegeben werden. Wir haben schon einige gehört, zum Beispiel beim internationalen Finanzsystem, bei der Digitalisierung oder bei der Regulierung der künstlichen Intelligenz. Andere Teile gehen aber nicht über bisherige Beschlüsse hinaus. Operative Fragen, etwa wer sich an der Finanzierung beim Klimaschutz beteiligen und wer davon profitieren soll, bleiben offen.

War anfangs noch vorgesehen, die Beschlüsse des Paktes 2025, also im 80. Jubiläumsjahr der Vereinten Nationen, einer Überprüfung zu unterziehen, ist davon nun nichts mehr zu lesen. Dasselbe gilt für die Notfallplattformen, die schneller auf komplexe globale Krisen reagieren sollten.

Die Realitäten unserer Gegenwart machen insbesondere eine Reform des Weltsicherheitsrats dringend notwendig. Auch ich hoffe sehr, dass in diese Debatte jetzt neuer Schwung kommt; denn für die Vereinten Nationen und ihr wichtigstes Gremium steht die Glaubwürdigkeit auf dem Spiel, wenn sie mit einer sich verändernden Welt nicht Schritt halten kann. Aber zur Wahrheit gehört: Vorschläge für eine solche Reform gibt es seit mehr als zwei Jahrzehnten; eine Chance auf Zustimmung der fünf Vetomächte hatten sie jedoch nie.

Es ist gut und richtig, dass vor allem Afrika, der Kontinent, auf dem 1 Milliarde Menschen leben und der bei rund der Hälfte aller Themen im Sicherheitsrat betroffen ist, mehr Mitsprache bekommen soll. Ohne eine stärkere Stimme und mehr Teilhabe für den sogenannten Globalen Süden werden wir keine Lösungen für globale Probleme finden.

Doch die Hürde ist und bleibt das Veto. Und dann ist auch klar, anders als der Bundeskanzler vollmundig verkündet hat: Ganz so schnell wird die Reform wohl nicht kommen. Schon die Sitzung des UN-Sicherheitsrates, die dem Zukunftsgipfel folgte, offenbarte einmal mehr die ebenso traurige wie zynische Routine, wenn sich das wichtigste UN-Gremium seit zweieinhalb Jahren mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine befasst.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich frage mich schon: Was sind unsere Beteuerungen wert, wenn Deutschland und der Bundeskanzler persönlich unmittelbar nach Verabschiedung des Paktes der Ukraine weiterhin die Unterstützung verwehrt, um die Werte und Prinzipien dieses Paktes dann auch wirksam verteidigen zu können? Wenn sich am Ende einer Reform der internationalen Ordnung das Fundament unseres friedlichen Zusammenlebens – grundlegende Menschenrechte, Souveränität, territoriale Integrität – durchsetzen soll, dann ist auch der Ausgang des Krieges in der Ukraine dafür entscheidend. Die Zukunft unserer Weltordnung und die Überlebensfähigkeit des Multilateralismus werden aktuell nicht auf dem Papier in New York, sondern an der Front in der Ukraine entschieden.

Ich kann mich den Worten von Präsident Selenskyj nur anschließen: Russland muss zum Frieden gezwungen werden.

ca. 6 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das geht nicht ohne internationale Solidarität –

3 Vermerkeca. 15 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– und auch nicht ohne humanitäre Hilfe.

Das Mikrofon wird abgeschaltet
Beifallbei der CDU/CSU

Nächste Rednerin ist die Kollegin Sanae Abdi, SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
9 Vermerkeca. 250 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Als Erstes möchte ich eine kurze Anmerkung zu dem Kollegen Ulrich Lechte machen:

Der ist klasse, der Mann!

Eine solche Rede im Bundestag zu halten,

Die Rede war sehr gut!

wo man eine Abgeordnete, die sachlich-konkret ihre Argumente vorgetragen hat,

Lachenbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

die darauf hingewiesen hat, wie groß die Korruption in den UN ist, die deutlich darauf hingewiesen hat, dass dort eine Änderung notwendig ist, auf eine solche Art hier in diesem Parlament niedermacht – das muss ich Ihnen sagen –, das gehört sich nicht –

Beifallbei Abgeordneten der AfD
Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

schon aus Anstand, wenn man überhaupt mal eine Kinderstube gehabt hat.

Die AfD kann hier doch nicht über Anstand reden!

Vergessen Sie das! Das ist Totalitarismus in Reinkultur!

Also, hören Sie langsam auch mal auf!

Sie würden Ihre politischen Gegner in den Knast schicken. Ich habe keinen Zweifel daran, dass das passieren würde.

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sie würden die Gegner, die Sie nicht leiden können, immer von der Diskussion relevanter Fragen ausschließen. Deswegen: Gehen Sie in sich,

Gehen Sie auch mal in sich!

und ziehen Sie das zurück!

Das Zweite zur Sache. Dieser UN-Zukunftskongress hat erstens in den Massenmedien fast gar keine Beachtung gefunden. Und wissen Sie, warum? Die relevanten Länder dieser Welt sind dort gar nicht angetreten und haben über die realen Probleme diskutiert.

Hä? Haben Sie irgendwie zugehört? Haben Sie irgendwas gelesen?

Zweitens. Das Gute an dem UNO-Papier für die Zukunft ist, dass es nicht so angenommen wurde, wie es Frau Baerbock wollte. Und zwar ist nicht durchgekommen, dass die UN befugt wird, über die Ausrufung globaler Notlagen zu entscheiden. Warum haben Sie das bisher verschwiegen?

Das Schlechte daran ist: Der gesamte übriggebliebene Teil, hinter dem keinerlei Beschlüsse und Konsequenzen stecken, wird von Ihnen ideologisch missbraucht. Die UN will – –

1 Vermerkca. 17 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich bin schon wieder am Ende?

Lachenbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Mir war es am wichtigsten, Ihnen heute mal den Spiegel vorzuhalten, –

6 Vermerkeca. 44 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

– dass man so mit einer Abgeordneten in diesem Parlament nicht umgehen kann.

O Gott, das haben wir schon gehört!

Zurufevon der SPD

Das verbietet sich.

Das Mikrofon wird abgeschaltet
Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

aber ich habe Ihnen gerade das Wort entzogen,

Heiterkeitdes Abg. Andreas Larem [SPD]

weil Sie die Zeit deutlich überschritten haben.

Entschuldigung!

– Alles gut.

Letzte Rednerin in dieser Debatte ist die Kollegin Rebecca Schamber, SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Claudia Roth
Foto: Claudia Roth/ Nils Leon Brauer
Claudia RothGrüne· Staatsministerin BK· MdB
10 Vermerkeca. 633 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Filmschaffen hierzulande hat in den vergangenen Jahren erheblich an weltweiter Wirkung und Attraktivität gewonnen. Das belegen gerade die Erfolge von Filmen wie „Das Lehrerzimmer“ von İlker Çatak, „Im Westen nichts Neues“ von Edward Berger und die vielen Auszeichnungen für Sandra Hüller, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Unser Land verfügt über exzellente Filmschaffende in allen Bereichen, die vom Arthouse-Film bis zu großen Produktionen Außergewöhnliches auf die Leinwand bringen können. Sie erzählen Geschichten, die so bunt und so vielfältig sind wie unsere Gesellschaft. Sie nehmen Europa und die Welt in den Blick. Sie spiegeln und hinterfragen gesellschaftliche wie politische Entwicklungen. Sie sorgen für neue Impulse und Perspektiven und bieten Stoff, aus dem Träume gestrickt werden.

So stark die Filmbranche in Bezug auf ihre Fähigkeit und ihre Möglichkeiten aufgestellt ist, so schwierig sind die Rahmenbedingungen für diesen so eminent wichtigen Wirtschaftszweig. In ihrer Wachstumsinitiative unterstreicht die Bundesregierung den Produktionsstandort Deutschland jetzt erstmals auch als einen wichtigen wirtschaftlichen Dynamisierungsfaktor.

Aber internationale Produktionen wandern in hohem Tempo in andere europäische Staaten ab. Auch deutsche Produktionen folgen zunehmend diesem Trend, weil die Rahmenbedingungen hier immer weniger wettbewerbsfähig sind. Das galt für „Im Westen nichts Neues“, und auch die aufwendige Produktion des Films „Hagen – Im Tal der Nibelungen“, der im Oktober in die Kinos kommt, wurde vor allem in Island und Tschechien gedreht.

Wir brauchen dringend eine umfassende Reform der Filmförderung, um die Rahmenbedingungen entscheidend zu verbessern und den Filmstandort Deutschland europäisch wie auch international wettbewerbsfähig aufzustellen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Das Filmförderungsgesetz, über dessen Neufassung wir heute hier beraten, ist ein großer Schritt hin zu einer solch umfassenden Reform der Filmförderung – übrigens eine Reform, die parteiübergreifend Unterstützung bekommen sollte, der alle zustimmen sollten,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

denen das Filmschaffen und der Produktionsstandort Deutschland am Herzen liegt; denn mit dieser Neufassung des FFG wird die Förderung von Filmen hierzulande leichter, effizienter, planbarer und weniger bürokratisch.

Die Filmförderungsanstalt bauen wir zur zentralen Fördereinrichtung für die Filmförderung auf Bundesebene um. Sie ist zukünftig für sämtliche Filmförderungen des Bundes verantwortlich. Welches Filmprojekt mit einer Förderung durch die FFA realisiert wird, sollen zukünftig die Produzentinnen und Produzenten sowie die Verleihunternehmen selbst entscheiden. Das führt zu mehr künstlerischer Freiheit einerseits und ermöglicht mehr wirtschaftlichen Entscheidungsspielraum andererseits. Um gerade auch kleinere und künstlerisch ambitionierte Kinofilme einzubeziehen, haben wir den Zugang zur automatischen Filmförderung für genau diesen Bereich deutlich erweitert.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Auch die Kinoförderung soll effizienter, schneller und planbarer werden. Dafür sieht das FFG künftig eine teilautomatische Projektförderung vor. Gefördert wird in Zukunft also nicht mehr aufgrund des Votums einer Kommission, und das macht die Planung für die Kinos deutlich einfacher. Gezielt unterstützt werden Kinos in der Stadt und natürlich auch auf dem Land, die sich mit viel Engagement dafür einsetzen, künstlerisch anspruchsvolle Filme zum Publikum zu bringen.

Eine weitere zentrale Neuerung des Entwurfs ist die stärkere Verankerung von Diversität, Geschlechtergerechtigkeit, Inklusion und Antidiskriminierung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

– Ja! – Dafür sorgt die Einrichtung eines Diversitätsbeirates bei der FFA,

Ist das weniger Bürokratie?

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

mit dem die Realität der Vielfalt unserer Gesellschaft zukünftig auch in der Filmförderung stärker in den Blick genommen wird.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

So viel zur Kunstfreiheit!

Wir verbessern die Teilhabe von Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen, indem barrierefreie Fassungen geförderter Filme künftig grundsätzlich angeboten werden müssen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Trotz der herausfordernden Haushaltslage sieht der Regierungsentwurf für den Haushalt 2025 für die kulturelle Filmförderung einen deutlichen finanziellen Aufwuchs vor. Den innovativen, künstlerischen, jungen und vor allem unabhängigen deutschen Film können wir so stärken und Doppelstrukturen in der Förderung abbauen.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Wir stärken die Entwicklung von guten Drehbüchern, schaffen eine gesonderte Nachwuchsförderung und stärken die Verleihförderung. Über die so dringend notwendige Reform der Anreizförderung und die Einführung einer wirkungsvollen Investitionsverpflichtung als weitere zentrale Bausteine sind wir in intensiven und konstruktiven Gesprächen auch und gerade mit den Ländern. Ich bedanke mich bei allen beteiligten Ressorts für die vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit bei diesem wirklich wichtigen Projekt und bitte Sie um Ihre Unterstützung.

Danke schön.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
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Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatsministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich zitiere aus dem Koalitionsvertrag der Ampel vom 24. November 2021:

Das ist immer gut! Da stehen lauter gute Sachen drin!

„Mit der Filmförderungsnovelle wollen wir die Filmförderinstrumente des Bundes und die Rahmenbedingungen des Filmmarktes neu ordnen, vereinfachen und transparenter machen, in enger Abstimmung mit der Filmbranche und den Ländern. Wir prüfen die Einführung von Investitionsverpflichtungen und steuerlichen Anreizmodellen und schaffen gesetzliche Rahmenbedingungen, um die steuerliche Behandlung von Filmkoproduktionen rechtssicher zu gestalten. Kinos und Festivals fördern wir verlässlich und bewahren unser nationales Filmerbe.“

Ein sehr guter Koalitionsvertrag, Herr Kollege!

Liebe Frau Staatsministerin, das ist eine Passage, die auch in einem Koalitionsvertrag stehen könnte, den die CDU/CSU unterschrieben hat. Da sind wir uns sehr einig.

Bevor ich auf den Koalitionsvertrag und dessen Umsetzung zurückkomme, erzähle ich ein kleines bisschen was zur jüngeren Historie der Filmförderung. Wir haben hier ja immer Zuschauerinnen und Zuschauer, und der eine oder die andere schaltet bei unseren Debatten auch mal ein. Ich erlebe als Fachpolitiker immer wieder, dass nicht jede und jeder gleich weiß, was Filmförderung eigentlich ist.

Seit 1967 gibt es das Filmförderungsgesetz; seit 1968 gibt es die Filmförderungsanstalt. Das Ganze ist damals entstanden, als die deutsche Filmwirtschaft in einer schweren Krise war. Es gab regelmäßig Novellen; es gab Dinge, die eine besondere Erwähnung verdienen, wie beispielsweise die Etablierung der Filmförderfonds unter Staatsminister Bernd Neumann 2007 oder die Einrichtung des German Motion Picture Fund 2015 – seinerzeit angelegt im Wirtschaftsministerium –, der serielle Formate fördert.

Wir haben über die Jahre dynamische Entwicklungen erlebt, beispielsweise die Digitalisierung des Films und der Kinos und als Letztes das Aufkommen der Streamer, bei denen vor einigen Jahren noch keiner gedacht hätte, dass das die nächste Wendung sein würde.

Alle paar Jahre besteht mal wieder die Notwendigkeit für große Novellen in diesem Bereich, weil die anderen um uns herum – in unserem Fall beispielsweise unsere Nachbarländer Österreich und Tschechien – nicht untätig sind und weil der Filmmarkt sehr international ist. Es geht um die Rahmenbedingungen.

Dann kam die große Coronapandemie, die insbesondere die Filmwirtschaft und die Kinos arg gebeutelt hat. Deswegen ist die notwendige Novelle ein Stück weit hinausgeschoben worden. Wir haben die Geltungsdauer des Filmförderungsgesetzes in der vergangenen Legislaturperiode verlängert. Sie ist nun in dieser Wahlperiode ein weiteres Mal verlängert worden, bis Ende 2024. Die Branche leidet; es ist ganz schön Druck im Kessel.

Nun beraten wir heute in erster Lesung über die große Novelle zum Filmförderungsgesetz. Sie ist eine der vier Säulen der Bundesförderung, die wir in diesem Bereich haben. Hier geht es nicht um Steuergeld, sondern um die sogenannte Filmabgabe. Wir geben den gesetzlichen Rahmen, der festlegt, wie die Branche Geld kriegt und wie es hinterher für Produktion, Absatz und Abspiel sinnvoll ausgegeben wird. Daneben gibt es die Regionalförderungen der Länder.

Frau Staatsministerin, die Novelle enthält sehr viel Gutes, und insofern will ich ausdrücklich Ihnen und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern danken, dass der im Parlament vorliegende Entwurf der FFG-Novelle eine gute Grundlage für unsere parlamentarische Arbeit ist.

Jetzt kommt ein kleines bisschen Kritik. Der Koalitionsvertrag ist vom 24. November 2021; jetzt sind wir im September 2024. Jetzt müssen wir mehrere Gänge hochschalten, damit wir das in dieser Wahlperiode noch zu Ende bringen. Für meine Fraktion kann ich sagen: Wir sind gutwillig. Wir müssen im parlamentarischen Verfahren an einigen Punkten noch ein bisschen schleifen.

Ich will den einen oder anderen ansprechen. Die Abgabe der Kinos, der größten Einzahlergruppe, soll – ein wichtiger Punkt – nach dem Vorschlag, der uns vorliegt, steigen. Wir müssen noch darüber sprechen, ob die Steigerungsraten vielleicht ein bisschen zu hoch sind, wie wir sie berechnen und ob es die großen, ob es die kleinen, ob es die Kinos im ländlichen oder im städtischen Raum sind, die be- oder entlastet werden. Da ist auf meinem Zettel noch das eine oder andere Fragezeichen.

Wir müssen über das Thema Sperrfristen reden. Filme, die gefördert sind, werden nicht irgendwie irgendwo abgespielt, sondern sie werden ausgewertet, und zwar zuallererst im Kino. Dann kommen nachgelagerte Auswertungsstufen. Die Branchenteilnehmer, insbesondere die Kinos, haben sich unter großen Schmerzen im Rahmen einer sogenannten Branchenvereinbarung darauf geeinigt, wieder einen Schritt der Weiterentwicklung in dieser Sperrfristendebatte zu gehen, die uns so lange begleitet, wie das FFG alt ist. Jetzt gibt es den Vorschlag, dass wir, relativ kurz nachdem diese Branchenvereinbarung in Kraft getreten ist, hier gesetzlich nachsteuern, zulasten der Kinos. Auch da ist noch ein Fragezeichen; das überzeugt mich so noch nicht.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir müssen über die Ersetzungsbefugnis der Sender, sowohl der öffentlich-rechtlichen als auch der privaten, für einen Teil der Abgabe durch sogenannte Medialeistungen sprechen. Das ist Werbung für Filme; das ist Werbung fürs Kino. Da das eine ordentliche Hebelwirkung entfaltet, wenn die Sender diese Medialeistungen nutzen, bin ich noch nicht ganz überzeugt davon, dass es eine gute Idee ist, diese ganz abzuschaffen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir müssen, Frau Staatsministerin – auch darüber haben Sie gesprochen –, über die Stärkung des Verleihs reden. Die Medialeistungen sind dabei ein wichtiger Punkt; aber wir müssen auch insgesamt noch mehr zur Stärkung des Verleihs beitragen. Wir müssen darüber reden, ob in der neuen automatischen Referenzförderung Filme förderfähig sind, die sich vor allen Dingen auf Festivals ihre Punkte zusammensammeln, ohne dass es eine Zuschauerschwelle für Kinoauswertung gibt. Auch da besteht aus meiner Sicht ein großes Fragezeichen; denn ich weiß nicht, ob Filme, die kein Kinopublikum erreichen, wirklich förderfähig sein können. Wir werden sehen.

Wir müssen über den Erhalt des deutschen Filmerbes sprechen, auch im Bereich der FFA. Ich begrüße ausdrücklich den Diversitätsbeirat mit allen seinen Ausprägungen. Eine Gruppe ist sicherlich schon an uns alle herangetreten und hat uns überzeugt, auch die autochthonen Minderheiten und regionalsprachlichen Gruppen einzubeziehen.

Beifalldes Abg. Stefan Seidler [fraktionslos]

Die parlamentarische Arbeit beginnt jetzt. Am 7. Oktober steht eine große Anhörung an. Wir haben eine ganze Menge vor.

Die zweite Säule ist die kulturelle Filmförderung; die Staatsministerin hat sie angesprochen. Sie ist steuerfinanziert und soll bei der FFA angesiedelt werden; das ist gut. Wir müssen nur noch über die weitere Ausgestaltung sprechen.

Die dritte Säule ist die investive Förderung der Kinos – abseits der Kinoförderung im FFG – mit Steuergeld. Dafür gab es die letzten Jahre das bewährte Zukunftsprogramm Kino. Warum brauchen die Kinos das? Weil es nicht nur die großen Multiplexe in Städten wie Berlin gibt, sondern weil es kleine Kinos, Arthouse-Kinos, kommunale und mittelständische Kinos im ländlichen Raum gibt. Sie schaffen es als Unternehmen nicht in allen Fällen, von sich aus die Investitionen zu stemmen, die man braucht. Wir haben ihnen seinerzeit zum Beispiel mit der Digitalisierungsförderung unter die Arme gegriffen, und es spricht vieles dafür, dass wir das weiterhin mit Steuermitteln für die Investitionsförderung tun sollten.

Beifallbei der CDU/CSU

So steht es ja auch im Koalitionsvertrag vom 24. November 2021. Aber im Haushaltsentwurf der Bundesregierung für 2025 steht da leider eine Null. Das sollten wir gemeinsam im parlamentarischen Verfahren mit einer Zahl vor der Null versehen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Thomas Hacker [FDP]

Die vierte Säule ist derzeit die steuerliche Förderung des Wirtschaftsgutes Film durch den DFFF und den German Motion Picture Fund. Es liegt der mutige neue Vorschlag auf dem Tisch, ein international konkurrenzfähiges Steueranreizmodell zu schaffen. Einziger Haken: Das können wir als Bund sinnvoll nicht allein tun; dazu brauchen wir auch die Länder. Die Länder sind gutwillig, wollen natürlich ihre bewährten Regionalförderungen gleichwohl behalten. Deswegen gibt es intensive Gespräche zwischen Bundesregierung und Bundesländern. An die Beteiligten möchte ich appellieren: Bitte bringt die Reform der Förderung bald zu einem guten Ende! Denn wir können das parlamentarische Verfahren zum Filmförderungsgesetz nur sinnvoll abschließen, wenn zumindest für das Steueranreizmodell und die damit zusammenhängende Investitionsverpflichtung und Rechteteilung, die wir ausdrücklich begrüßen, ein Gesetzentwurf in Form eines Kabinettsbeschlusses auf dem Tisch liegt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich freue mich auf die parlamentarische Arbeit. Filmförderung ist einer der schönsten Bereiche in der Kulturpolitik.

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es kommt nicht oft vor, dass man sagen kann: „Ich schließe mich den Worten meines Vorredners an“, insbesondere nicht, wenn er von der Opposition kommt. Aber, lieber Marco, vielen Dank für viele Punkte, die du in den zehn Minuten, die du hattest, hier schon angebracht hast.

In der Tat, wir haben ein wichtiges Gesetz vor uns – vielleicht das wichtigste Vorhaben der Kulturpolitik in dieser Legislaturperiode –: die Reform der Filmförderung. Danke, dass wir jetzt endlich in diese Debatte einsteigen können.

Als ich anfing, mich politisch zu engagieren, musste gerade die alte Lichtburg, das Kino in unserer Stadt, schließen. Erst mal habe ich mir einen alten Klappsitz organisiert und mich dann mit den Jusos zusammen für ein neues Kino eingesetzt. Das schildere ich, weil die Filmwelt Herne jetzt im November ihr 20. Jubiläum feiert. Das freut mich sehr. Also Glückwunsch an das ganze Team!

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Sehr geehrten Damen und Herren, im Ruhrgebiet waren Kinos wie Trinkhallen, Schrebergärten und Fußballplätze Alltagskultur und sind es bis heute. 1912 gab es in Wanne-Eickel deutschlandweit das erste kommunale Kino im Sinne der gemeinnützigen Volksbildung. Heute kann man in Bochum mit einem Hund ins Kino gehen oder dort den Wein von Sting verköstigen; der Kollege Max Lucks weiß das gut.

Ich beginne damit, weil Kino mehr ist, auch Film mehr ist als Unterhaltung, weil es Geschichten und Stoffe braucht. Und das wollen wir mit diesem Gesetz schaffen: Wir wollen, dass Deutschland wieder ein konkurrenzfähiger Standort für die Filmproduktion ist. Ich bin sicher, wir haben alle Voraussetzungen und hier im Parlament auch den Willen dafür. Es ist ein ehrgeiziges Reformvorhaben. Das FFG – ich würde es auch als Dachgesetz bezeichnen – soll von zwei wichtigen Gesetzen begleitet werden. Die Mauern zum Dach sind eben die kulturelle Filmförderung einschließlich der Filmzulage und die Investitionsverpflichtung. Es wurde zu Recht betont, dass diese Reform als Gesamtpaket verstanden werden muss. Genau das ist entscheidend. Wir brauchen hier im Parlament schnellstmöglich die entsprechenden Gesetzentwürfe, um dieses ehrgeizige Vorhaben gemeinsam und rechtzeitig auf den Weg bringen zu können.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Thomas Hacker [FDP]

Staatsministerin Roth hat es gesagt: Die Filmförderung soll agiler, entbürokratisierter, automatischer werden, Antragsverfahren schlanker und schneller, unsere Filmförderungsanstalt eine moderne Agentur. Ich kann aus ihrem Präsidium berichten: Das ganze Team arbeitet wirklich daran und legt sich mächtig ins Zeug. Dafür auch an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Filmförderungsanstalt herzlichen Dank und liebe Grüße!

Beifallbei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

– Klatschen ist durchaus angemessen.

Wir sind – damit das alles funktioniert – aber auch auf Zukunftstechnologie aus dem Hause Lindner angewiesen. Mit der Filmzulage, einem Steueranreiz, sollen Produzierende einen Anteil ihrer Kosten zurückbekommen, wenn sie in Deutschland Geld ausgeben, sprich: bei uns drehen. Und ja, „Im Westen nichts Neues“ und andere Erfolge werden inzwischen im Ausland gedreht. Wir wollen aber internationale Produktionen zu uns holen und auch die heimischen Produktionen stärken. Wir wollen interessant und wettbewerbsfähig sein. Dazu soll die Investitionsverpflichtung auch die Kreativen und Urheber/-innen in unserem Land stärken und den Filmstandort als Ganzes fördern.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich einen Punkt aus dem vorliegenden Gesetzentwurf herausnehmen, der mir und meiner Fraktion besonders wichtig ist: die Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen. Wenn wir an Kino denken, an Film denken, dann denken wir an Glamour und an Superstars. Die Realität der Filmwelt hinter den Kulissen ist aber oft eine andere. Darauf haben der BFFS – die Schauspielgewerkschaft – und Verdi immer wieder zu Recht hingewiesen. Wir wollen sie unterstützen. Deswegen ist es gut, dass mit § 81 des Gesetzentwurfs klar geregelt wird: Es geht um faire Arbeitszeiten, angemessene Vergütung und bessere soziale Absicherung,

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

übrigens nicht nur für Schauspielerinnen und Schauspieler ein wichtiger Schritt.

Der ganzen Branche – von Produktionsallianz bis Netflix, vom Bundesverband Regie bis zu den Verleihern, von ARD bis Constantin – kann ich sagen: Das war und ist bisher ein sehr guter, ein produktiver Austausch für ein großes Vorhaben. Diesen Weg sollten wir auch gemeinsam weitergehen.

Ich habe mit dem Kino angefangen, und ich will mit dem Kino enden. Ja, wir beraten den Bundeshaushalt. Es ist so: Das Zukunftsprogramm Kino weist eine Leerstelle auf. Das sollte nicht so bleiben. Das besorgt mich, und da müssen wir ran. Danke, Marco, auch für die Unterstützung aus der Opposition!

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Thomas Hacker [FDP]

Kinos sind Orte der Kultur, Theater der Träume und Schulen der Demokratie. Es gilt, sie zu erhalten. Dafür braucht es unseren Einsatz. Sie sollen die Chance haben, sich wieder fitzumachen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das Bauvorhaben „Reform der Filmförderung“ muss also weitergehen. Die Regierung muss noch einiges vorlegen. Das FFG gibt die Architektur vor. Das ist eine gute. Über einiges werden wir in der Tat noch beraten. Die Stichwörter sind genannt. Ich würde – um einen Film aus meiner Heimat, dem Ruhrgebiet, zu zitieren – sagen: „Was nicht passt, wird passend gemacht.“ Wir sind bereit.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der AfD

Jetzt lernen wir wieder etwas!

Porträt von Beatrix von Storch
Foto: Vadim Derksen
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Zum Ende dieses Jahres läuft also die Filmförderung aus und soll jetzt verlängert werden mit neuen Bedingungen. Laut Gesetzentwurf aus der Feder der geschätzten Kollegin Claudia Roth ist Ziel – Zitat – die „stärkere Verankerung von Diversität, Geschlechtergerechtigkeit, Inklusion und Antidiskriminierung“.

Wer kommt auf so einen Quatsch?

Es geht nicht etwa darum, den deutschen Film erfolgreicher zu machen, besser zu machen, mehr Zuschauer zu gewinnen oder ihn international besser zu positionieren. Nein, es geht darum, den deutschen Film diverser und geschlechtergerechter zu machen, ihn also in den Dienst der woken, links-grünen Ideologie zu stellen. Kunstfreiheit wird ersetzt durch Gesinnungskunst und Unterhaltung durch Indoktrinierung. Das Ziel der woken Agenda: alles, wirklich alles auf Linie zu bürsten.

Dazu soll nun ein sechsköpfiger Diversitätsbeirat kommen. Er ist – Zitat – „bei Fragestellungen zu Diversität, Geschlechtergerechtigkeit, Inklusion und Antidiskriminierung … rechtzeitig einzubeziehen“. Der Beirat soll natürlich geschlechtergerecht besetzt werden – Männer, Frauen, Diverse, Non-Binäre; weiß der Teufel was –, und der Beirat soll eine – Zitat – „umfassende Repräsentation von Diversitätsdimensionen“ sicherstellen.

Meine Damen und Herren, auf Deutsch – für Nicht-Grüne, Nicht-Linke, Nicht-Woke – heißt das, dass der Beirat nach sexueller Orientierung, Hautfarbe, Migrationshintergrund und Religion besetzt werden soll. Es geht nicht etwa um Kompetenz und Leistung.

Doch, genau darum geht es!

Um Kompetenz und Leistung geht es bei der Ampel ohnehin niemals.

Beifallbei der AfD

Also, bei sechs Beiratsmitgliedern sieht das etwa so aus: ein Schwuler, ein Schwarzer, ein diverser Non-Binärer, ein blinder Transmann, eine Muslima. Und der Sechste darf vielleicht ein deutscher Mann ohne Migrationshintergrund sein, wenn er denn Mitglied bei den Grünen ist.

In dem Gesetzentwurf heißt es, die Steigerung der Diversität soll zu einer Erhöhung des Förderanspruchs führen.

Vielleicht schauen Sie sich mal die deutsche Gesellschaft an!

Auf Deutsch: Je mehr Transsexuelle und Schwarze jemand in seinem Drehbuch unterbringt, desto mehr Filmförderung gibt es.

Was? Quatsch! Das stimmt so nicht! Das ist gelogen!

– So steht es da.

Natürlich schreibt die Filmförderung auch ökologische Standards vor. Geförderte Filme „Made in Germany“ sind bald klimaneutral.

Das steht da so alles nicht drin, was Sie sich da zusammenfantasieren!

Mit Veggie-Burgern am Filmset und biologisch abbaubarem Kunstblut werden die Filme bestimmt total attraktiv.

Es sind übrigens die Kinos selbst, die diesen Irrsinn auch noch bezahlen müssen: mit einer Zwangsumlage bis 3 Prozent ihres Umsatzes.

Was bei dieser neu ausgerichteten Filmförderung herauskommt, das können wir schon ahnen: Bei der nächsten Verfilmung von Goethes „Faust“ heißt Faust „Faustina“,

Zurufdes Abg. Michael Sacher [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

ist eine schwarze, lesbische Behinderte, Gretchen ist eine Transfrau namens Markus, und der Teufel kommt natürlich von der AfD.

Heiterkeitund Beifall bei der AfD

Der deutsche Nachkriegsfilm hat großartige und erfolgreiche Filme hervorgebracht: „Die Mörder sind unter uns“, „Das Boot“, „Der Seewolf“, die Filme von Werner Herzog oder die Komödien von Loriot. Zugegebenermaßen, Komödien braucht es heute nicht mehr. Wer Komödien mag, der schaut einfach der Ampel täglich auf Phoenix live beim Regieren zu – das kann sich ein Drehbuchautor ja gar nicht mehr ausdenken!

Beifallbei der AfD

Die Wokeness ist der Zerstörer aller Kreativität, aller Kunst und jeder Unterhaltung. Das Beste, was wir für den deutschen Film tun können, ist, ihn vor der Politik zu schützen.

Genau! Vor Ihnen! Das versuchen wir!

Das Beste, was wir für die Gesellschaft tun können, ist, Ihren totalitären Wokeismus zu zerschlagen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
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Sehr geehrter Herr Präsident, sind Sie Kinogänger? Liebe Kolleginnen und Kollegen, sind Sie Kinogängerin oder Kinogänger?

Brauchen Sie das Erlebnis, die Vorfreude, den Duft von Popcorn, einen spannenden Kurzfilm im Vorprogramm, die Eiswerbung und dann den lang ersehnten Blockbuster, die Marvel-Comic-Verfilmung – Superhelden gehen immer – oder einen deutschen Film, Drama, Komödie oder Arthouse, Siegerfilme der Berlinale, aus Venedig oder Cannes? Für Frau von Storch hätte ich auch einen Filmtipp: Charlie Chaplins „Der große Diktator“, am besten in Dauerschleife.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Oder mögen Sie lieber doch die bequeme Variante, daheim auf dem Sofa, Netflix und Co, Film oder Serie, jederzeit verfügbar, abrufbar? Popcorn gibt es vielleicht auch, schmeckt bloß nicht so gut wie im Kino – egal.

Die Produktion von Serien und Kinofilmen boomt, weltweit. Der größte Markt für audiovisuelle Medien innerhalb Europas ist Deutschland. Die beste Voraussetzung für den Filmstandort, für die Kreativen, für die Produzenten, für die Studios hierzulande, müsste man meinen. Aber nein: Die weltweite Filmindustrie hat in den letzten Jahren einen Bogen um Deutschland gemacht, manchmal einen großen Bogen, manchmal einen nicht so großen.

Schlimmer noch: Deutsche und deutschsprachige Produktionen wurden ins Ausland verlagert. Aber warum? Zu niedrige Fördervolumina, lange Entscheidungswege, bürokratische Abwicklung, mangelnde Planbarkeit und vor allem eins: attraktivere Förderbedingungen im Ausland. So darf es nicht weitergehen.

Beifalldes Abg. Torsten Herbst [FDP]

In Großbritannien haben sich die Filmstudiokapazitäten in den letzten drei Jahren verdoppelt. Seit 2019 wurden durch Produktionen mit Auslandsinvestitionen 18 780 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die könnten wir auch gebrauchen.

33 europäische Länder gehen andere Wege. Polen, Tschechien, Frankreich machen es vor. In Wien werden neue Studios gebaut. Babelsberg steht leer und produziert Verluste.

Bereits die zweite Legislaturperiode doktert die Kulturpolitik des Bundes an einer großen Reform der Filmförderung herum. Monika Grütters: scheitert und vertagt. Und Claudia Roth? Claudia Roth vertagt auch. Ob es zum Scheitern kommt, entscheiden die nächsten Tage. Eine Filmförderung, die altes Geschäft nach Deutschland zurückholt und neue Produktionen nach Deutschland lockt, lässt weiter auf sich warten. Die Zeit drängt.

Was brauchen wir genau? Was braucht der Filmstandort Deutschland? Eine Anreizförderung auf europäischem Niveau, automatisiert, mit einer Verzahnung von Bund und Ländern, wenig Bürokratie, hohe Attraktivität. Darin ist sich die gesamte Filmbranche einig.

Die Vorschläge liegen auf dem Tisch. Sie sind im Grundsatz auch Teil der Maßnahmen der Bundesregierung zur Belebung der Wirtschaft. Wann kommen die konkreten Vorschläge?

Also ändern wir erst mal das FFG, das Filmförderungsgesetz. Auch diese Reform ist überfällig, seit Jahren:

Das ist eine Oppositionsrede, Herr Hacker!

mehr Autonomie für die Branche, mehr Flexibilität, auch was Auswertungszeiten angeht.

Es gibt noch viel zu diskutieren. Wir wollen Kunstfreiheit schützen, indem Eingriffe in künstlerische Belange durch Beiräte – wie auch immer sie heißen mögen – unterbunden werden.

Wir wollen die Vielfalt im Kino aufrechterhalten,

Frau Roth sieht das anders! Haben Sie mit der gesprochen?

und zwar auf der Leinwand wie auch drumherum. Unterstützung für kleine und mittlere Kinos besonders im ländlichen Raum ist wichtig.

Die Vielfalt auf der Leinwand schafft auch der Erhalt der Abspielförderung von Kurzfilmen. Ins Kino geht nur, wer von den guten Filmen auch weiß. Deshalb ist es unverständlich, dass die Medialeistung der Sender und Streamer nicht mehr angerechnet werden soll. Mehr Werbung fürs Kino schafft mehr Sichtbarkeit, mehr Sichtbarkeit schafft mehr Kinobesucher, und mehr Kinobesucher bringen höhere Einnahmen fürs Kino und die FFA.

Es gibt noch mehr Fragen: Gibt es ausreichend Unterstützung für Kinos und Verleiher? Wer wird wie belastet? Sind alle relevanten Teilbereiche berücksichtigt? Der Jugendfilm, der Kurzfilm, der Animationsfilm.

Der Dokumentarfilm!

– Auch der Dokumentarfilm. All das werden wir bei der Anhörung im Kulturausschuss und auch hier diskutieren.

Mit der Überarbeitung des FFG ist es für die Filmindustrie allerdings noch nicht getan. Was der deutsche Filmmarkt nicht braucht, ist weitere Regulierung und die Schaffung neuer Bürokratie. Eine sogenannte Investitionsverpflichtung würde Streamer und Fernsehsender dazu zwingen, nach Quoten und Subquoten Programminhalte zu kaufen – europarechtlich schwierig. Im Zweifel ließen sich solche Quoten auch durch Käufe in Österreich oder Tschechien erfüllen. Die Wirkung für die deutschen Produzenten wäre gleich null. Über das Programm entscheiden dann nicht mehr die Zuschauer, sondern Quoten und Subquoten.

Also: Nutzen wir die wenigen Tage! Fassen Sie sich ein Herz, Frau Roth, konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche, entfesseln Sie den Filmstandort Deutschland!

Das ist eine Oppositionsrede!

Gibt es die Ampel eigentlich noch?

Dann hat der deutsche Film eine Zukunft, dann haben Filmproduktionen in Deutschland eine Zukunft, und wir alle können die Ergebnisse genießen, im Kino oder auf dem Sofa, aber immer mit Popcorn, Herr Präsident.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Marco Wanderwitz [CDU/CSU]
Heiterkeitbei Abgeordneten der FDP

Nächste Rednerin ist die Kollegin Dr. Petra Sitte, Gruppe Die Linke.

Beifallbei der Linken
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich frage jetzt nicht, ob salziges oder süßes Popcorn. – Eine Reform der deutschen Filmförderung ist überfällig; das ist hier schon gesagt worden. Sie sollte drei Säulen haben – so war es jedenfalls angekündigt –, eine davon liegt heute vor. Zu den beiden anderen gibt es nicht einmal Referentenentwürfe, aber ich hoffe, Sie bekommen das bis zum Jahresende noch hin.

Was fehlt also für die weiteren Diskussionen? Es fehlen Vorlagen für die steuerliche Filmförderung und die Investitionsverpflichtung für Plattformen. Ohne diese beiden weiteren Säulen bleibt das alles nur Stückwerk, und deshalb sind diese Gesetzentwürfe auch so notwendig.

Der heute vorliegende Entwurf eines neuen Filmförderungsgesetzes enthält sinnvolle Ansätze – keine Frage –, aber es gibt auch die eine oder andere Schwach- bzw. Leerstelle.

So soll es, erstens, durch die Filmförderungsanstalt mehr automatisierte Förderentscheidungen und weniger Juryentscheidungen geben. Das ist grundsätzlich nicht böse – es macht Förderungen auf der einen Seite berechenbarer, und es reduziert den ganzen bürokratischen Antragsaufwand. Aber es bedarf trotzdem – und das muss unter uns unumstritten sein – der Förderung nach kulturellen Kriterien durch Jurys.

Zweitens liegt ein starkes Gewicht auf der Produktionsförderung. Auch die fehlenden Reformteile konzentrieren sich darauf. Aber ohne Förderung von Filmvermittlung – wie es die Kollegen schon angedeutet haben – durch Vertrieb, durch Kinos, durch Festivals fehlt Filmen Beachtung. Die Filme bleiben schlicht ungesehen.

Drittens arbeiten Filmschaffende – das sind ja weit mehr als die, die vor der Kamera stehen – oft unter prekären Bedingungen; Sie haben es angesprochen. Es ist notwendig, soziale Mindeststandards zu definieren, nicht nur, wie vorgesehen, bei der Bezahlung, sondern auch bei den Arbeitsbedingungen.

Über die möglichen Ausnahmen, die noch im Gesetzentwurf drinstehen, habe ich Beratungsbedarf.

Ich hoffe, dass die Reform gelingt und dass wir baldmöglichst eine weitere Vorlage von der Ministerin bekommen.

Beifallbei der Linken
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben eben auf der Bank Bullshit-Bingo gespielt und uns gefragt, warum Frau von Storch zu dem Thema spricht, und jedes Los war ein Treffer. Der Witz ist aber: Die Aufzeichnung Ihrer Rede werde ich allen, die ich vom Diversitätsbeirat überzeugen muss, vorspielen. Sie haben also bestmögliche Werbung für den Diversitätsbeirat gemacht.

Verbreiten Sie das mal fleißig!

Übrigens haben Sie – das muss man hier sagen, auch vor dem Publikum – in Ihrer Rede schwarze Deutsche beleidigt, Sie haben Menschen mit Beeinträchtigung beleidigt, Sie haben non binäre Personen beleidigt, Sie haben Frauen beleidigt.

Das muss man erst mal hinbekommen. Herzlichen Glückwunsch!

Wenn ich mir vorstellte, ich würde einen Film drehen, in dem diese Rede vorkäme, dann wäre die Rede in dem Film das Ergebnis aus exzessivem Drogenkonsum wie in „Fear and Loathing in Las Vegas“, kombiniert mit exzessiver Lektüre rechtsextrem-rassistischer völkischer Literatur.

Ihre Rede würde unter „Psycho“ laufen! „Psycho III“!

Also: Sie haben invers Werbung für Film gemacht. Zum Glück ist im Film anderes möglich.

Wir sprechen über die Notwendigkeit von Wirtschaftsförderung am Standort; aber es geht eben auch um Kulturpolitik. Das Besondere und Wichtige an dem Vorhaben ist,

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

dass wir hier über Kunst und Kultur sprechen und gerne auch selbstbewusster darüber sprechen sollten. Frankreich ist ein gutes Beispiel: Dort ist man selbstverständlich filmpatriotisch, aber eben nicht im völkischen Sinne,

Lachenbei der AfD

sondern in dem Sinne, dass man stolz ist auf das, was die Bevölkerung im eigenen Land, egal wie man aussieht, denkt, liebt und weltanschaulich orientiert ist, ausmacht, und dass man stolz darauf ist, was man künstlerisch hervorbringt. Gerade das macht dieser Entwurf auch möglich. Wir sehen, es geht hier um einen Markt, aber es geht auch um Kunst und Kultur.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Es geht um eine Kunst- und Kulturform, bei der etwa wie in den Filmen von Tarantino eine zutiefst ungerechte Realität – die bittere Realität, manchmal auch die allzu AfD-artige Realität –

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

umgekehrt wird durch eine höhere Gerechtigkeit. Das ist das Wunder, das der Film hervorzaubern kann. Man lernt, in dieser Welt, in der wir zugeballert werden mit Bildern und letztlich nicht mehr sehen können, wieder zu sehen.

Wir sprechen in unseren kulturpolitischen Debatten oft über alles Mögliche; aber wir sprechen nicht über Kunst und Kultur. Aber darüber muss man sprechen, über das, was der Film vermag. Auch deswegen gehen wir diese Reform an, und wir gehen sie groß an, mutig und risikoreich. Aber dieses Land leidet nicht unbedingt darunter, dass wir zu viele Risiken eingehen.

Nee, mit der Energiewende ist das gar kein Risiko!

Deshalb freue ich mich, dass wir dieses Risiko bei allen noch zu klärenden Prozessen und mit allem Mut eingehen. Es ist eine wirklich umfassende Reform. Ich finde, man kann auch mal selbstbewusst und stolz auf den Versuch einer Reform sein.

Aber nicht so ein Murks!

Deshalb werden wir die Umsetzung verfolgen. Und dass Sie sich so darüber aufregen, spricht für die Qualität dieser Reform.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Die Reform muss natürlich auch praktisch umgesetzt werden. Ich will nicht die genannten Punkte wiederholen; aber wir werden genau gucken müssen, wie es mit Verleihen und Kinos ist, und hier entsprechend flankieren oder auch im gesetzgeberischen Prozess arbeiten. Wir werden auch gucken müssen – das ist alles leider sehr technisch formuliert und eine Zumutung für Zuschauende –, wie die Umstellung auf die automatisierte Referenzförderung für jene funktioniert, die keine Punkte haben, die also nicht diese Referenzförderung in Anspruch nehmen können. Für sie müssen wir eine entsprechende Übergangslösung finden. Das werden wir höchstwahrscheinlich auch machen müssen, weil wir dieses Gesamtkunstwerk – wenn es denn so kommen wird – aus Filmförderungsgesetz, Steueranreizmodell und Investitionsverpflichtungen auf den Weg bringen wollen. Hier müssen wir eine Übergangszeit mit einplanen.

Da ist es völlig richtig und auch konsequent, dass aus ästhetischen Gründen und nicht als woke Verschwörung, sondern begleitend auch Fragen von Nachhaltigkeit und Diversität mitgedacht werden. Ja, selbstverständlich.

Beifallder Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ein Film in diesem Land, der nicht zeitgemäß ist und die Bevölkerung dieses Landes nicht abbildet, hat auch ästhetisch-künstlerisch ein Problem. Das ist keine Verschwörung, es ist keine links-grüne böse Absicht, sondern es ist einfach nur stinknormale Realität.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Es beschreibt den Umstand, dass deutsche Filme die Realität deutscher Klassenzimmer und deutscher Büros abbilden. Darum geht es nämlich.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wenn wir das so auf den Weg bekommen, dann ist das ein sehr selbstbewusstes Statement. Es ist ein selbstbewusstes wirtschaftspolitisches Statement, dass wir wollen, dass dieser Wirtschaftsstandort viel attraktiver wird, auch im Wettbewerb der Systeme. Aber es ist auch ein lautes kunst- und kulturpolitisches Statement, dass wir diese Kunst wollen, dass wir wollen, dass Leute genauer hinsehen und besser verstehen. Es ist ein Bekenntnis zur Medienbildung und ein Bekenntnis zum Film.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Thomas Hacker [FDP]

Wer lernt, genau hinzusehen, fein hinzugucken, der ist ohne große Belehrung fähig, nicht in einfachen Kategorien zu denken, und wird nicht so dämlich über Diversitätsbeiräte sprechen, wie manche in diesem Raum das leider getan haben.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
4 Vermerkeca. 237 WörterReaktionswert: niedrig
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Moin, Herr Präsident! Moin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieve Fru Roth, ik hätt mi överlegt, nu op Platt to schnacken.

Ok wenn Se denn keen Woort verståhn, glööv ik, dat Se weten, worüm mi dat geit. Aber ich spreche trotzdem auf Hochdeutsch.

Grundsätzlich enthält der Entwurf zur Modernisierung des Filmförderungsgesetzes gute Ansätze. Aber auch bei der Filmförderung sollten die Stimmen unserer anerkannten Minderheiten und regionalen Sprachgruppen gehört werden,

Beifallbei Abgeordneten der Linken

sei es beim Mitspracherecht oder bei der Förderung selbst. Darum möchte ich direkt zum Punkt kommen.

Frau Roth, mir scheint, Sie haben da was vergessen. Die nationalen Minderheiten und die regionalen Sprachgruppen finden im vorliegenden Entwurf absolut keine Beachtung. Die Einwände des Bundesrates sind deshalb berechtigt. Um es deutlich zu sagen: Die Unterstützung für die Anliegen unserer Minderheiten lässt sich nur durch gesetzliche Vorgaben zur besseren Teilhabe umsetzen.

Beifallbei Abgeordneten der Linken

Denn stereotype Darstellungen, Marginalisierung und Diskriminierung gehören immer noch zur Realität. Dabei schafft allein das Bekenntnis zur Antidiskriminierung keine echte Beteiligung und keinen echten Schutz der betroffenen Minderheiten. Deshalb ist es für mich ganz klar, dass erstens unseren nationalen Minderheiten und regionalen Sprachgruppen im Diversitätsbeirat ein Platz am Tische zustehen müsste und dass zweitens Filme in unseren anerkannten Regional- und Minderheitensprachen grundsätzlich förderfähig sein sollten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, dafür muss im parlamentarischen Verfahren unbedingt Sorge getragen werden. Bitte schaffen Sie einen klaren Rahmen, damit nicht über unsere Minderheiten, sondern mit ihnen gesprochen wird. So gehört sich das nämlich.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der Linken
Porträt von Oliver Kaczmarek
Foto: photothek.net
7 Vermerkeca. 648 WörterReaktionswert: lebhaft
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wenn man sich den Sachverhalt ansieht, über den wir heute zum x-ten Mal und seit Monaten sprechen, dann kommt man zu dem Ergebnis, dass es wahrscheinlich tatsächlich eine Kette von Fehlern ist, die am Ende dazu geführt haben, dass dieser politische Schaden entstanden ist. Ich will nur drei davon benennen:

Erstens. Die rechtliche Überprüfung von kritikwürdigen Meinungsäußerungen von Hochschullehrenden darf nicht zum Regelinstrument eines Bundesministeriums werden;

Es darf gar kein Instrument sein!

denn es ist dafür nicht zuständig. Offensichtlich war das der Ausgangspunkt für weitere Spekulationen, für Fantasien und Maßnahmen, die danach angeregt worden sind.

Zweitens. Das Anfordern von Listen, ob Fördermittel des BMBF an die Unterzeichner gegangen sind, widerspricht nicht nur der Wissenschaftsfreiheit, sondern auch dem Geist und den Grundsätzen freier Gesellschaften und darf sich schon allein deshalb nicht wiederholen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Drittens. Natürlich hätten wir uns als SPD frühere und umfassendere Transparenz gewünscht – das ist ja auch nicht geheim geblieben –; denn das Nichtkommentieren von Berichterstattungen hat eben auch dazu geführt, dass nichts dementiert worden ist. Im Ergebnis ist es so, dass fehlende Krisenkommunikation am Ende Sachverhalte manchmal größer machen kann.

Im Ergebnis gibt es deshalb einen erheblichen politischen Schaden für die Wissenschaftspolitik, natürlich für die Ministerin, und es liegt auch in ihrer Verantwortung. Aber wir müssen uns auch darüber im Klaren sein, was das jetzt eigentlich in der nächsten Zeit, im nächsten Jahr für uns bedeutet. Denn seit Wochen und Monaten beschäftigen wir uns mit dem Thema. Es gibt eigentlich nichts Neues; das werden wir auch heute wahrscheinlich feststellen. Die Opposition verliert auch so langsam die Lust; ein Untersuchungsausschuss wird nicht gefordert.

Zurufvon der CDU/CSU: Sollen wir?

Dabei gerät uns aus dem Blick, was jetzt eigentlich zu tun ist, nämlich aus unserer Sicht, dass wir uns jetzt Gedanken darüber machen, wie wir das Vertrauen in die Wissenschaftsfreiheit und in die Institutionen, die für Wissenschaftsfreiheit einstehen, wahren und da, wo es notwendig ist, wiederherstellen können. Das heißt, die Frage ist: Was lernen wir eigentlich aus der ganzen Sache? Ich will aus der Sicht der SPD vier Punkte benennen:

Erstens. Vertrauen in die Wissenschaftsfreiheit ist die wichtigste Währung für die Wissenschaftspolitik. Deshalb ist es wichtig, dass solche Vorgänge sich in den Institutionen nicht wiederholen, dass nicht einmal der Anschein erweckt wird, dass sie sich wiederholen könnten. Ich will an der Stelle ausdrücklich sagen: Ja, die Beamtinnen und Beamten im Haus haben davor gewarnt. Deswegen ist es kein strukturelles Problem im Haus, sondern die engste Führung des Hauses muss das Vertrauen in die Wissenschaftsfreiheit wiederherstellen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zweitens. Wissenschaftsfreiheit ist das Kennzeichen freier Gesellschaften. Das gilt für unsere Gesellschaft besonders. Deswegen wollen und müssen wir sie verteidigen, gegen Querdenker, gegen Populisten, gegen Rechtsextremisten, die hier immer wieder beantragen, Wissenschaftsbereiche, die ihnen missliebig sind – Klimaforschung und Genderforschung werden da von den Rechtsextremen vorgetragen –, abzuschalten. Deswegen sind wir als Demokratinnen und Demokraten gefordert, dafür zu sorgen, dass Wissenschaft als offener, kritischer und konstruktiver Impulsgeber für politische und gesellschaftliche Debatten erhalten bleibt. Das ist unsere Aufgabe bei der Wahrung der Wissenschaftsfreiheit nach innen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Drittens. Auch im globalen Kontext ist Wissenschaftsfreiheit unter Druck. Mit Wissenschaft wollen wir Begegnungen und Kooperationen ermöglichen. Deshalb brauchen wir – und das wird uns auch in den Haushaltsdebatten beschäftigen – in der Zeitenwende nicht weniger, sondern mehr Außenwissenschaftspolitik und auch Förderung für die Mittlerorganisationen.

Viertens. Wir wollen, dass das Vertrauen zwischen Wissenschaft und Politik durch Dialog gestärkt wird. Dabei geht es darum, dass wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Debatte über die Ausrichtung von Wissenschaftspolitik beteiligen, aber auch darum, dass wir mit ihnen im Dialog über die Bewältigung globaler sozialer und ökologischer Probleme sind.

In der Schlussfolgerung heißt das für uns: Wir brauchen an der Stelle auch ein neues Kapitel der Kooperation von Politik und Wissenschaft. Lassen Sie uns in den nächsten Monaten versuchen, dazu den Dialog aufzunehmen. Denn das ist, worum es geht: zum einen Transparenz in der Sache herstellen und zum anderen die richtigen politischen Schlussfolgerungen aus dem ziehen, was hier eigentlich geschehen ist.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der AfD
Porträt von Götz Frömming
Foto: Götz Frömming/ Olga Grenner
8 Vermerkeca. 598 WörterReaktionswert: lebhaft
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Ministerin, Respekt, dass Sie heute hier sind! Man möchte in diesen Tagen ja nicht in Ihrer Haut stecken.

Mehr als 3 000 Professoren und Dozenten haben in einer offenen Stellungnahme die Vorgänge im Bildungsministerium kritisiert und den Rücktritt der Ministerin gefordert. In diesem Schreiben heißt es unter anderem – ich zitiere mit Ihrer Erlaubnis, Herr Präsident –:

„Der Entzug von Fördermitteln … aufgrund von politischen Äußerungen der betreffenden Forscher… ist grundgesetzwidrig: Lehre und Forschung sind frei.“

Und weiter:

„Die interne Anordnung, eine derartige politische Sanktionierung dennoch zu prüfen, ist ein Zeichen verfassungsrechtlicher Unkenntnis und politischen Machtmissbrauchs …“

Frau Ministerin, auch wenn Sie im Hinblick auf die verfassungsrechtliche Unkenntnis in dieser Bundesregierung in guter Gesellschaft sind, so muss einem doch schon zu denken geben, dass ausgerechnet ein FDP-geführtes Bildungsministerium als größte Gefahr für die Wissenschaftsfreiheit angesehen wird. Frau Ministerin, was macht das eigentlich mit Ihnen? Wie können Sie so noch im Amt bleiben?

Beifallbei der AfD

Nun haben Sie im Ausschuss ein ums andere Mal beteuert, den Prüfauftrag nicht selbst erteilt zu haben und auch niemals gebilligt zu haben. Eine Staatssekretärin – wir haben es eben schon gehört – wurde als Bauernopfer entlassen und mit einem Maulkorberlass zum Stillschweigen über die Vorgänge in Ihrem Haus verpflichtet. Stundenlang haben wir uns mit E-Mails, Chatverläufen usw. beschäftigt, um herauszufinden, wer wem wann was gesagt oder auch nicht gesagt hat. Letztlich zeigt das alles nur eines, Frau Ministerin: Sie haben Ihr Haus nicht im Griff.

Beifallbei der AfD

Dabei wäre echte Führung in diesen Zeiten durchaus gefragt. Denn wir dürfen ja auch nicht vergessen, was ganz zu Beginn dieser Affäre stand. Nach dem furchtbaren Terrorangriff der Hamas und der Gegenoffensive Israels, die bis heute anhält, kam es an zahlreichen Universitäten zu antiisraelischen Protesten. Diese Proteste überschritten immer wieder das Maß dessen, was man noch als legitime Demonstration durchgehen lassen könnte. Es wurden Hörsäle besetzt, Vorlesungen verhindert, Türen, Wände und Fenster mit Mordaufrufen und antisemitischen Parolen beschmiert, jüdische Studenten bedroht und hier in Berlin sogar zusammengeschlagen.

Frau Ministerin, ich verstehe sehr gut, dass Sie das empört hat. Mich auch. Aber wir müssen uns fragen: Wie kann es sein, dass so etwas an unseren Hochschulen geschieht? Wie kann es sein, dass Hochschullehrer mit diesem Mob auch noch fraternisieren? Wie kann es sein, dass eine Präsidentin einer Berliner Universität antisemitische Posts mit Hakenkreuzen likt und im Amt bleibt, meine Damen und Herren?

Beifallbei der AfD

Wir stellen uns einmal kurz vor, es wäre ein Uni-Präsident mit AfD-Parteibuch gewesen

Oder ein Rechtsausschussvorsitzender!

und die Demonstranten kämen nicht aus dem linken, migrantischen Milieu, sondern von rechts: Die ganze Republik wäre kopfgestanden, meine Damen und Herren, der Präsident längst entlassen, und Sie, Frau Ministerin, hätten für Ihren Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit in diesem Falle sicherlich das Bundesverdienstkreuz bekommen.

Der Unterschied ist: Dieser Antisemitismus kommt nicht von rechts. Er entspringt einem toxischen Bündnis von Linksextremisten und Islamisten, die unter dem Deckmantel der Postkolonialismusstudien ihr antisemitisches Gift schon seit Langem verspritzen. Sie alle haben dieses Monster gefüttert und sind nun, wo es zu groß geworden ist, wie gelähmt. Schlimmer noch: Durch Ihre Unfähigkeit haben Sie diesen Leuten nun noch zu einem Triumph verholfen.

Seit 1998, meine Damen und Herren, ist das Ministerium für Bildung und Forschung nun in der Hand von Frauen. Vielleicht ist es an der Zeit, dass mal wieder ein Mann hier die Führung übernimmt,

Widerspruchbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

einer wie Franz Josef Strauß, von echtem Schrot und Korn. Damals hieß es noch Ministerium für Atomfragen.

Zurufevon der SPD

Franz Josef Strauß wusste, wie man mit linken und grünen Spinnern umgeht.

Beifallbei der AfD

Er wüsste bestimmt auch, wie man mit Antisemiten umgeht. Wir wissen es auch.

Vielen Dank, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD
Porträt von Anja Reinalter
Foto: Anja Reinalter/ Andrea Ege
6 Vermerkeca. 372 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen über die Fördermittelaffäre im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Das heißt, wir sprechen über Wissenschaftsfreiheit. Darum möchte ich an dieser Stelle unmissverständlich klarstellen: Die Wissenschaftsfreiheit ist ein Grundrecht. Sie gewährleistet das Recht auf Forschung und Lehre ohne staatliche Eingriffe.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Als Wissenschaftlerin sage ich: Die Wissenschaft braucht die Freiheit für den offenen Diskurs und für die Suche nach Wahrheit. Für mich ist klar: Die Wissenschaftsfreiheit ist unantastbar, ohne Wenn und Aber.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Stephan Seiter [FDP]

Und auch das sage ich als Wissenschaftlerin; denn es schmerzt mich wirklich, dass ausgerechnet in dem Jahr, in dem unser Grundgesetz 75 Jahre alt wird, der Verdacht aufkommt, dass aus dem Bildungs- und Forschungsministerium die Wissenschaftsfreiheit infrage gestellt werden könnte.

Sehr geehrte Frau Ministerin, wir haben Sie zu der Fördergeldaffäre befragt. Sie haben einen Fehler eingestanden und bedauert. Sie haben gesagt, dass in Ihrem Ministerium bei der Vergabe von Fördermitteln keine Gesinnungsprüfung stattfindet. Und Sie haben gesagt, dass nichts Weiteres veranlasst wurde, was Zweifel am Umgang mit der Wissenschaftsfreiheit in Ihrem Ministerium aufkommen lassen könnte. Das war wichtig; denn Forschende müssen sich darauf verlassen können, dass die Wissenschaftsfreiheit ein Grundrecht ist und dass Förderentscheidungen allein nach wissenschaftlicher Exzellenz erfolgen.

Dennoch ist es immer noch so, dass allein dadurch, dass die Frage nach förderrechtlichen Konsequenzen im Raum stand, ein Skandal entstanden ist. Warum? Weil es einfach nicht geht und nicht sein darf, dass auf der Leitungsebene des Ministeriums der Umgang mit der Wissenschaftsfreiheit auch nur ansatzweise infrage gestellt wird.

Beifallder Abg. Dr. Astrid Mannes [CDU/CSU]

Dadurch wurden viele Forschende und Lehrende massiv verunsichert. Und genau dadurch ist ein gravierender Vertrauensschaden entstanden. Das ist aus unserer Sicht der größte Schaden.

Ein weiterer Schaden im Zusammenhang mit der Fördermittelaffäre ist der Entscheidungsstau im Ministerium für Bildung und Forschung. Wie gut, dass die FDP jetzt einen „Herbst der Entscheidungen“ fordert. Dann können wir endlich weiterarbeiten: Wir brauchen dringend entscheidende Lösungen für das Aufstiegs-BAföG, für den Digitalpakt 2.0, für das Wissenschaftszeitvertragsgesetz und für das Forschungsdatengesetz.

Sehr geehrte Damen und Herren, zum Schluss möchte ich noch einmal mit aller Klarheit sagen: Die Wissenschaft ist der Motor für den Fortschritt in unserer Gesellschaft. Wer die Wissenschaft einschränkt, bremst unsere Zukunft. Und das lassen wir nicht zu.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
7 Vermerkeca. 339 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! „Fördermittelaffäre“ – da denkt man ja an Bestechlichkeit, an Vorteilsnahme, an Untreue, an Amigos, denen man einen wichtigen öffentlichen Auftrag zuschanzt oder einen Maskendeal vermittelt, oder vielleicht auch an Verträge mit einer Maut-Gesellschaft für die Pkw-Maut, obwohl das rechtswidrig ist. Nichts dergleichen ist im Bundesministerium für Bildung und Forschung passiert.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das Einzige, was passiert ist, ist, dass an einem Tag im Mai, an einem Nachmittag, für wenige Stunden ein Missverständnis auf der Arbeitsebene hinsichtlich eines vermuteten Auftrags der Leitungsebene existierte.

Lachenbei Abgeordneten der SPD und der Abg. Nicole Gohlke [Die Linke]

Und das bauschen Sie hier auf.

Wir haben zweimal darüber im Ausschuss gesprochen. In einer schriftlichen Kleinen Anfrage und in einer Großen Anfrage, mit der Sie das Thema hier ins Plenum ziehen. Ihre Große Anfrage hat den Namen allerdings gar nicht verdient, und man könnte sogar an Ihrer Ernsthaftigkeit zweifeln; denn die einzige neue Frage ist, was ein Abteilungsleiter im BMBF verdient. Das hätten Sie auch googeln können.

Beifallbei der FDP

Ich frage mich aber auch, weshalb Ihre Fraktion diesen persönlichen Rachefeldzug mitmacht. Denn ich vermute, dass die Kolleginnen lieber über wichtige Themen sprechen würden. Wissenschaftsfreiheit ist hier vielfach angesprochen worden.

Ursprung dieser Debatte ist aber eigentlich etwas ganz anderes, nämlich die unsäglichen antisemitischen Aktivitäten an deutschen Hochschulen.

Zurufvon der FDP: Genau!

Und diese dauern leider an. Jeden Tag fürchten Jüdinnen und Juden in Deutschland um ihre Sicherheit, und leider auch an Schulen und Hochschulen.

Ich habe mich sehr gefreut, dass diese Woche die Jüdische Studierendenunion für ihr beispielloses Engagement gegen diesen Antisemitismus für die jüdischen Studierenden geehrt worden ist.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Gitta Connemann, du hast die Laudatio gehalten, und, wie ich finde, wirklich in einer wertschätzenden und würdigen Weise.

Sehr bald jährt sich das unglaubliche Massaker, das die Hamas am 7. Oktober an unschuldigen Menschen in Israel verübt hat. 101 Geiseln sind nach wie vor in grausamer Gefangenschaft. Ich wünsche mir, dass aus der Mitte dieses Hauses das starke Engagement gegen den Antisemitismus jetzt noch stärker wird und dass wir unsere Kräfte an dieser Stelle bündeln und darauf fokussieren.

Ganz herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Katrin Staffler
Foto: Katrin Staffler/ Julia Rieck
5 Vermerkeca. 559 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Verehrte Frau Ministerin, Sie haben im Juni die Entlassung Ihrer Staatssekretärin wie folgt begründet – ich zitiere an der Stelle –:

„Der entstandene Eindruck ist geeignet, das Vertrauen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in das BMBF nachhaltig zu beschädigen.“

Der Kollege Jarzombek hat es vorhin schon gesagt, aber das kann man an der Stelle gar nicht oft genug sagen: Mit Blick auf das Vertrauen, das Sie ansprechen, möchte ich hier schon mal die Frage in den Raum stellen, Frau Ministerin: Was war bislang eigentlich Ihr Beitrag zur Aufklärung des Sachverhalts?

Beifallbei der CDU/CSU

Ich fasse zusammen:

Erstens. Auf unseren Antrag hin mussten Sie sich im Juni im Ausschuss unseren Fragen stellen. Die „SZ“ hat daraufhin unter der Überschrift „Stark-Watzinger weicht aus“ kommentiert: „Sie klammert sich an die immer gleichen Antworten.“

Zweitens. Im Juli dann haben Sie Ihrer durchaus sehr aussagewilligen ehemaligen Staatssekretärin einen Maulkorb erteilt. Die klagt seitdem vor Gericht, damit die Verschwiegenheitspflicht aufgehoben wird. Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes hat dazu dann kommentiert – auch da zitiere ich wieder –:

„Gerade in einer Affäre, in der es um Meinungsfreiheit geht, ist ein faktischer Maulkorb für leitende Angestellte ein denkbar schlechtes Signal.“

Beifallbei der CDU/CSU

Da hat er recht!

Drittens. Im September haben wir Sie für eine Sondersitzung wieder in den Ausschuss geholt. Sie wollten uns nicht die aktuellen Akten geben. Sie haben verhindert, dass Staatssekretärin Döring aussagt. Und auch die Aussage vom Leiter der Hochschulabteilung haben Sie unterbunden.

Parallel zu der Totalblockade – anders kann man das, was Sie hier gemacht haben, nicht nennen – sind dann aber scheibchenweise Chats von Ihnen und Ihrem engsten Führungskreis in die Öffentlichkeit gelangt. Aus den Chats, die Sie ja als privat bzw. als persönlich bezeichnen und deshalb im Übrigen Ihrer Auskunft nach auch nicht veraktet werden, lässt sich schließen – und da fasse ich auch wieder zusammen –:

Erstens. Sie haben einen Parteifreund zum Staatssekretär gemacht, der Presseberichten zufolge die Wissenschaftler als „verwirrte Gestalten“ bezeichnet hat.

Zweitens. Die entlassene Staatssekretärin sollen Sie, wie die „FAZ“ berichtet, dazu angewiesen haben, in einer E-Mail an die Beschäftigten des BMBF die Verantwortung für einen scheinbar missverständlich erteilten Auftrag zu übernehmen. Und der Text ist ihr wohl auch noch wortwörtlich vorgegeben worden. Die Entlassene selbst hat kurz darauf durch die Blume mitgeteilt, dass sie den Auftrag, der in der Kritik steht, nicht erteilt hat. Und ein Missverständnis hat sie auch gleich mit ausgeschlossen.

Drittens. In der von Ihnen als persönlich bzw. privat bezeichneten Kommunikation in den Chats scheinen die Passagen, in denen es nicht um Dienstliches geht, also um vermeintlich Privates oder Persönliches, sehr schwer zu finden zu sein. „Table Media“ hat dazu kommentiert: „Durchgestochene Wire-Chats lassen an Aussagen Bettina Stark-Watzingers zweifeln“.

Das Fazit ist doch Folgendes: Die Sachverhaltsaufklärung ist weit vorangeschritten. Ihr Beitrag geht dabei aber gegen null.

Beifallbei der CDU/CSU

Aber an einer Stelle haben Sie natürlich schon recht: Der entstandene Eindruck ist sehr wohl geeignet, das Vertrauen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ins BMBF nachhaltig zu beschädigen.

Ich möchte Sie an eine Sache erinnern: Sie tragen die politische Gesamtverantwortung für das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Und es liegt in Ihrer Verantwortung, dass Wissenschaftler Ihrem Ministerium und Ihrer Amtsführung vertrauen können. Deswegen möchte ich an der Stelle mit einem Zitat von der FDP-Homepage zum Thema Freiheit schließen:

„Freiheit ist das Fundament unserer Gesellschaft. Wir Freie Demokraten setzen auf die Kraft der Eigenverantwortung, der Privatinitiative, der Freiheit des Individuums.“

Deshalb, Frau Ministerin: Handeln Sie entsprechend!

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Lina Seitzl
Foto: Lina Seitzl/ Denise Claus/Kleinebildkunst
6 Vermerkeca. 517 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Lassen Sie mich mit etwas Grundsätzlichem beginnen – Artikel 5 Absatz 3 Grundgesetz –: „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“ Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese grundgesetzlich verbriefte Wissenschaftsfreiheit ist doch einer der Hauptgründe, warum deutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu den beliebtesten Arbeitsorten von ausländischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gehören: weil hier nur wissenschaftlich fundierte Qualitätskriterien und nicht politische Einflussnahme gelten. Die Wissenschaft lebt von ihrer Freiheit. Und Deutschland als Forschungs- und Innovationsstandort lebt von dieser Wissenschaftsfreiheit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Nur Theorie!

Genau deshalb sind die Enthüllungen von FragDenStaat zu den Vorgängen im Bundesministerium für Bildung und Forschung aus diesem Sommer auch so erschütternd. Die Kollegin Ria Schröder hat es richtigerweise gesagt: Hier wurden nicht Gelder unrechtmäßig irgendwohin verschoben. – Deswegen ist es auch falsch, von einer Fördermittelaffäre per se zu sprechen. Aber was passiert ist – und das ist der Schaden, der hier entstanden ist –, ist, dass zumindest der Eindruck entstand, dass das BMBF es nicht ganz so ernst nimmt mit der grundsätzlichen Vereinbarung zwischen Politik und Wissenschaft, dass Entscheidungen über die Förderung von Forschungsprojekten unabhängig von persönlichen Meinungsäußerungen sein müssen. Hier ist ein Vertrauensschaden entstanden, und das ist das große Problem.

Dieser Vertrauensschaden ist eben nicht nur in der Öffentlichkeit oder bei uns Parlamentarierinnen und Parlamentariern entstanden, er ist vor allen Dingen auch bei den vielen in- und ausländischen Forschenden entstanden, die – das wissen Sie – sich in einem sehr internationalen Umfeld bewegen und bei ihrer Standortwahl eben sehr genau darauf achten, wie die Forschungsbedingungen in einem Land sind. Das ist die große Tragödie in diesem Fall.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der Linken und der Abg. Laura Kraft [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir diskutieren ja schon mehrere Wochen und Monate über die Situation. Ich glaube, es ist jetzt an der Zeit, endlich nach vorne zu blicken und zu schauen, wie wir damit umgehen können. Es kann nicht sein, dass wir Monate über diese Vorgänge hier diskutieren. Was braucht es jetzt, und zwar dringend und schnell? Ich glaube, es sind vier Punkte:

Man könnte erstens damit anfangen, einmal ganz klar zu sagen: Ja, wir haben einen Fehler gemacht. Es war ein Fehler, eine solche Liste zu erstellen. Das ist nicht die Aufgabe des BMBF. Diesen Fehler haben wir gemacht. Das geben wir zu.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Dann könnte man, zweitens, sicherstellen, dass ein solcher Fehler im Ministerium nicht wieder passiert. Das beinhaltet natürlich personelle Konsequenzen, aber eben nicht nur. Es geht da auch um Entscheidungsstrukturen: Wie werden Entscheidungen getroffen? Wer ist zuständig? Wie kann es eigentlich sein, dass dringende Warnungen aus den Fachabteilungen des BMBF zu diesem Vorgang ignoriert worden sind?

Drittens gehört zur Aufklärung dann auch absolute Transparenz. Ich sage Ihnen mal eines: Dass sich die Mitglieder des zuständigen Fachausschusses die Antworten des Ministeriums an FragDenStaat mühsam online zusammensuchen müssen oder neue Informationen immer wieder häppchenweise in den Medien auftauchen, trägt nicht zum Gefühl bei, dass hier transparent aufgeklärt wird.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Laura Kraft [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Der letzte Punkt, und das ist wahrscheinlich der wichtigste, ist der Dialog, und zwar nicht mit uns Parlamentarierinnen und Parlamentariern, sondern der Dialog mit den betroffenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, mit der gesamten Wissenschaftscommunity. Der Schaden ist da. Sie sollten alles dafür tun, Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Dialog ist dafür elementar.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Michael Meister [CDU/CSU]
Porträt von Nicole Gohlke
Foto: Nicole Gohlke/ Olaf Krostitz
6 Vermerkeca. 355 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Stark-Watzinger, seit Monaten quälen Sie jetzt die Öffentlichkeit mit Ihrem schlechten Auftritt in der Fördermittelaffäre Ihres Hauses, des Bildungsministeriums. Was Sie machen, ist eine Aneinanderreihung von Tricks, um von der eigenen Person Schaden abzuwenden. Dabei ist es Ihnen aber völlig egal, wem und was Sie alles Schaden zufügen, nämlich denjenigen, die Sie vorschicken, um die Verantwortung an Ihrer statt zu übernehmen, deren Karrieren und Reputationen dabei vielleicht zerstört werden.

Aber vor allem ist es Ihnen offenbar auch egal, welchen Schaden Sie der Wissenschaft und der Demokratie zufügen.

Beifallbei der Linken

Denn es steht der Vorwurf im Raum, dass Sie die Namen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die nicht Ihre politische Meinung vertreten, auf Listen sammeln und prüfen lassen, ob man ihnen die finanzielle Förderung für ihre wissenschaftlichen Projekte entziehen kann. Frau Stark-Watzinger, das sind keine Methoden in einer Demokratie und auch nicht in einer freien Wissenschaft. Das sind autoritäre Methoden. Diese Regierung und dieses Parlament müssen das in aller Deutlichkeit zurückweisen.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Tricksereien sind wirklich das Letzte, was dieses Thema jetzt verträgt. Ihre Reaktion auf die Große Anfrage der Union, die Sie wieder – wie auch schon andere Anfragen, auch Anfragen von uns Linken – nicht beantworten, ist eine Unverschämtheit.

Beifallbei der Linken sowie des Abg. Andrej Hunko [BSW]

Das nennt sich, ehrlich gesagt, Missachtung des Parlaments und der Abgeordneten und ihrer parlamentarischen Rechte. Dass die Kolleginnen und Kollegen der Ampel hierbei auch noch Schützenhilfe leisten – denn diese Große Anfrage ging natürlich durchs Kabinett –, ist ein Offenbarungseid für diese Regierung. Das ist unverschämt.

Beifallbei der Linken
Zurufder Abg. Marianne Schieder [SPD]

Frau Stark-Watzinger, Sie haben sich bei Ihren Aussagen zu Ihrer Rolle in der Fördermittelaffäre immer wieder widersprochen. Sie haben einer Ihnen widersprechenden Beamtin den Mund verboten. Sie haben die Herausgabe von Akten zuerst verhindern wollen, dann nur geschwärzte, unbrauchbare Akten herausgegeben, von denen Sie jetzt behaupten, sie seien privater Natur, obwohl es sich komplett um dienstliche Vorgänge handelt.

Sie machen das Gegenteil von dem, wofür Sie als FDPlerin stehen wollen: Eintreten für Transparenz, für Freiheit, für Aufklärung. Sie müssen die Vorwürfe, die im Raum stehen, entweder zweifelsfrei ausräumen oder aber die Konsequenzen ziehen und Ihren Hut nehmen. Beweisen Sie endlich einen moralischen Kompass in dieser Angelegenheit.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
4 Vermerkeca. 309 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Nur kurz noch mal zur Erinnerung: Am 7. Mai dieses Jahres löste die Polizei an der FU Berlin ein propalästinensisches Protestcamp auf. Mehr als 100 Hochschullehrende kritisierten daraufhin in einem offenen Brief den Polizeieinsatz und wiesen auf das hohe Gut der Meinungs- und Versammlungsfreiheit hin, ohne – ich wiederhole: ohne – sich mit den Forderungen der Protestierenden gemeinzumachen. Was passiert daraufhin im Bildungsministerium? Erst lässt die Bildungsministerin verlauten, die Unterzeichner des offenen Briefes stünden nicht auf dem Boden des Grundgesetzes, und im Anschluss lässt man ernsthaft intern prüfen, ob den Unterzeichnern letztlich Fördergelder entzogen werden können. Das war nichts anderes als ein bisher nie dagewesener Frontalangriff auf die Wissenschaftsfreiheit in unserem Lande. Das, Frau Ministerin, ist einer Demokratie unwürdig.

Beifallbeim BSW

Der Skandal nach dem Skandal ist, dass die ehemalige Staatssekretärin Döring, die ob dieser Vorgänge ja ihren Hut nehmen musste, offensichtlich ein Bauernopfer war. Erneute Leaks aus Ihrem Ministerium legen nämlich nahe, dass das sogenannte Schuldeingeständnis der ehemaligen Staatssekretärin wohl doch nicht so ganz freiwillig zustande kam. Sowohl was den Inhalt als auch was den Zeitpunkt der Veröffentlichung der besagten Mail angeht, wurde wohl sehr viel Druck auf Frau Döring ausgeübt.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen: Sie, Frau Ministerin, kündigen zwar immer wieder Transparenz an, aber wir bekommen dann nur geschwärzte Akten, und der geschassten Staatssekretärin untersagen Sie die Aussage zu ebendiesen Vorgängen. Oder um es anders zu formulieren: Die Angeklagte verhindert den Auftritt der Kronzeugin und lobt im Anschluss das rechtsstaatliche Verfahren. Was für ein Irrsinn, meine Damen und Herren!

Beifallbeim BSW

Frau Ministerin, mit Stand von heute halten Sie 3 335 Lehrende und Forschende aus dem universitären Bereich in einer Stellungnahme in Ihrem Amt für nicht mehr tragbar. Wir schließen uns dem an. Beenden Sie diesen Spuk! Wenden Sie weiteren Schaden vom Amt als solchem ab, und treten Sie endlich zurück!

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbeim BSW
7 Vermerkeca. 354 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich zu Anfang sagen: Ja, Wissenschaftsfreiheit ist eines der zentralen, elementaren Güter in unserer Gesellschaft, in unserer liberalen, freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Ohne eine freie Wissenschaft, die entscheidet, über was sie forscht, zu was sie forscht, vielleicht auch, mit wem sie forscht, ist Demokratie nicht möglich.

Aber einem Punkt in dieser Debatte möchte ich entgegentreten: der Unterstellung, dass die FDP oder Mitglieder oder Minister und Ministerinnen der FDP nicht für die Wissenschaftsfreiheit eintreten. Dem treten wir entschieden entgegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Laura Kraft [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Wissenschaftsfreiheit ist für uns ein wichtiges Gut, und das wurde auch immer wieder in Äußerungen, in Statements bekannt gegeben. Auch die Ministerin hat, nachdem der Vorgang bekannt wurde, klar gesagt, dass die Fördermittel nach wissenschaftlichen Kriterien vergeben werden. Es ist nicht eingetreten, dass Fördermittel aufgrund irgendwelcher Äußerungen zurückgehalten worden sind.

Es ist aber darüber nachgedacht worden!

Ich bitte, sich in Erinnerung zu rufen, dass es primär auch darum geht, dass rechtsstaatliches Handeln auch bei Protestaktionen an Hochschulen stattfindet. Das ist Gegenstand einer rechtlichen Prüfung. Man muss letztendlich auch ermöglichen, dass geprüft wird: Inwieweit bewegen sich Aktivitäten im Rechtsrahmen?

Da sind die Länder zuständig, Herr Kollege!

– Die Länder sind zuständig. Aber Sie wissen auch, dass Anfragen kommen, und auf entsprechende Anfragen muss letztendlich auch reagiert werden können.

Der zweite Punkt, den ich festhalten möchte: Die Ministerin hat auf eine Nachfrage von Kollegin Reinalter im Ausschuss bestätigt und versichert, dass die entsprechenden Vorkehrungen getroffen werden, damit solche Fehler – und es war ein Fehler;

Beifalldes Abg. Holger Mann [SPD]

es war wohl eine missverständliche Anweisung – nicht mehr passieren.

Es wurde auch festgestellt, dass die Beamtinnen und Beamten des Hauses sich richtig verhalten haben, indem sie eigenständig gesagt haben – wir wissen es aus den Mails –, dass eine solche Prüfung, die dort vermeintlich in Auftrag gegeben wurde, nicht möglich ist. Das zeigt, dass die Mechanismen im Ministerium funktionieren; und damit ist auch dem Vorwurf entgegenzutreten, eine Ministerin hätte ihr Haus nicht im Griff.

Lassen Sie mich noch eine Anmerkung machen. Es wird hier der Eindruck erweckt, dass die Verschwiegenheitspflicht bei Frau Döring etwas Besonderes wäre. Das ist Beamtenrecht.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Die Verschwiegenheitspflicht schützt die handelnden Personen, auch diejenigen, die im Moment zur Verschwiegenheit verpflichtet sind.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Porträt von Holger Mann
Foto: Holger Mann/ Photothek Media Lab
5 Vermerkeca. 473 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Als Erstes zum Ausgangspunkt dieser erneuten Debatte um Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit: dem offenen Brief von inzwischen mehr als 1 000 Wissenschaftlern nach der Räumung an der FU Berlin vom 8. Mai. Wir als SPD-Abgeordnete konnten uns bereits der Bewertung des Briefes als antisemitisch oder den Zweifeln an der Verfassungsmäßigkeit durch die Ministerin nicht anschließen. Wir haben dieser deshalb als Abgeordnete widersprochen. Denn der kurze Brief war ein Aufruf für den offenen Diskurs, für grundgesetzlich verbriefte Freiheiten und notwendigen Dialog.

Völlig misslang aus meiner Sicht die Einordnung der Ministerin, spätestens als die „Bild“ zwei Tage später im Fahndungsstil Bilder und Namen der Unterzeichnenden als „UniversiTÄTER“ betitelte und das auch noch mit Zitaten der Ministerin unterlegte. Deswegen will ich deutlich sagen: Es war und ist die oberste Pflicht von Bundesministerinnen und -ministern, für die Verfassung einzutreten und damit nicht zuletzt für die Meinungsfreiheit, die Demonstrationsfreiheit und hier besonders die Wissenschaftsfreiheit.

Beifallbei der SPD

Mehr davon hätten wir uns gewünscht, gern so differenziert, wie es dem HRK-Präsidenten Rosenthal gelang.

Zweitens, in Richtung der Union. Bei der Bewertung der sogenannten Fördermittelaffäre ist auch nach der Großen Anfrage festzustellen: Es ist zu keiner förderrechtlichen Überprüfung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gekommen. Der erwogene Auftrag wurde umgehend wieder einkassiert. Dem inzwischen bekannten E-Mail-Verlauf – es ist richtigerweise gerade gesagt worden – aus dem BMBF können wir entnehmen, dass Beamte in den Referaten Einwände gegen den Prüfauftrag vorgebracht und damit das verfassungsmäßig verbriefte Recht auf Wissenschafts- und Meinungsfreiheit verteidigt haben. Dafür möchte ich hier stellvertretend ausdrücklich danken.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufdes Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]

Drittens. Auch wenn nun der konkrete Prüfauftrag nicht erfolgte, wurde das Vertrauen vieler Wissenschaftler/-innen in die politische Unabhängigkeit der Fördermittelvergabe dennoch beschädigt. Dafür, muss man sagen, ist auch die Kommunikation der Hausspitze verantwortlich. Der richtige Weg, dieses Vertrauen wiederherzustellen, wäre eine umgehende, lückenlose Aufklärung gewesen und wenigstens irgendein persönliches Bekenntnis, einen Fehler gemacht zu haben. Stattdessen aber erreichten uns in den letzten Wochen immer wieder Schnipsel aus der Ministeriumskommunikation, die neue Fragen aufwerfen.

Das ist ja eine Oppositionsrede!

Meine Damen und Herren, ich sage deshalb: Die Fehlerkultur im BMBF muss besser werden; denn für die betroffenen Wissenschaftler/-innen muss es wie Hohn wirken, wer zum Nachfolger von Staatssekretärin Döring berufen wurde: Roland Philippi ist nämlich genau der FDP-Mann, der im BMBF-Chat die Wissenschaftler „verwirrte Gestalten“ nannte, der Mann, der hoffte – so ist es im Chat zu lesen –, die Debatte würde eine Art informelle, freiwillige und selbst auferlegte Förderklausel etablieren, die dazu führe, so einen Aufruf wegen der Sorge um die Förderung nicht zu unterzeichnen. Meine Damen und Herren, so ein Klima der Angst und Selbstzensur können wir beileibe nicht wollen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vor diesem Hintergrund will ich Ihnen, Herr Staatssekretär, auch zurufen: Nicht die SPD, sondern die Spitze des Bildungsministeriums schlitterte temporär. Ich will aber auch sagen: Es ist nicht zu spät, dazu ein selbstkritisches Signal zu senden.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wer braucht Opposition, wenn man solche Koalitionspartner hat?

Porträt von Thomas Jarzombek
Foto: Thomas Jarzombek/ Tobias Koch
10 Vermerkeca. 838 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Worum geht es hier heute? Es geht um einen kruden Brief, einen linken kruden Brief, den 100 Wissenschaftler unterschrieben haben, deren Meinung wahrscheinlich die meisten hier in diesem Hause nicht teilen. Aber gerade weil wir die Meinung nicht teilen, ist es so wichtig, dass es Meinungsfreiheit in diesem Land gibt.

Beifallbei der CDU/CSU

Was ist anschließend im Ministerium passiert? Auf einer Liste mit allen unterzeichnenden Wissenschaftlern dieses Briefes wurde markiert, wer von denen öffentliche Förderung erhält. Im Raum steht also die Frage: Sollte hier eine Abstrafung erfolgen durch den Entzug von Fördermitteln für Meinungsäußerungen, die missliebig sind? Ein ganz normaler Vorgang – so hat es die Ministerin immer wieder gesagt.

Doch am 16. Juni entlässt Frau Bundesministerin Stark-Watzinger ihre Staatssekretärin Sabine Döring und veröffentlicht auch ein Statement. Sie schreibt:

„Nichtsdestotrotz wurde der Eindruck erweckt, dass die Prüfung förderrechtlicher Konsequenzen auf der Basis eines von der Meinungsfreiheit gedeckten offenen Briefes im … (BMBF) erwogen werde …

Der entstandene Eindruck ist geeignet, das Vertrauen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in das BMBF nachhaltig zu beschädigen.“

– da haben Sie übrigens vollkommen recht, Frau Ministerin – und dass ein personeller Neuanfang notwendig sei. Da haben Sie übrigens auch vollkommen recht.

Beifallbei der CDU/CSU

Ist jetzt damit alles aufgeklärt? In den letzten drei Monaten gab es immer wieder neue Veröffentlichungen. Whistleblower haben interessante Chats und Dokumente ans Licht der Öffentlichkeit gebracht. Wie wir im Ausschuss herausgearbeitet haben, wurde der Auftrag zur Erstellung der Listen erteilt, als Frau Staatssekretärin a. D. Döring noch im Urlaub war, und auch weiterbetrieben, nachdem der Vorgang vermeintlich ruhend gestellt wurde. Was davor und danach passierte, das bleibt bis heute im Dunkeln. Frau Ministerin, Sie haben dabei immer wieder den Eindruck erweckt, dass wir Dinge vermischen würden. In Wahrheit ist es aber so, dass Sie Dinge vermischt haben, indem Sie versuchen, Frau Döring diesen ganzen Vorgang ans Bein zu binden, die offenbar gar nicht beteiligt war.

Beifallbei der CDU/CSU, der Linken und dem BSW

Was haben wir und was hat das Parlament gemacht? Wir haben versucht, Aufklärung zu betreiben; doch Sie haben das systematisch ausgebremst. Auf unsere Kleine Anfrage mit 100 Fragen wurde die Mehrheit der Fragen nicht beantwortet. Kritische Fragen wurden auch im Ausschuss in zwei Sitzungen nicht beantwortet. Die Aussage von Frau Professor Döring wurde verboten; die Aussage des Leiters der Abteilung 4 wurde verboten; aktenrelevante Vorgänge im Kommunikationssystem Wire wurden weder veraktet noch veröffentlicht. Das Verwaltungsgericht Köln musste Sie dazu zwingen, dass Sie nicht weiterhin diese Vorgänge löschen.

Es sind Dinge passiert, die mir für einen Rechtsstaat und eine Rechtsstaatspartei FDP vorher unvorstellbar erschienen.

Beifallbei der CDU/CSU, der Linken und dem BSW

Es steht sogar die Vermutung im Raum, dass hier ein Kreis Vertrauter an allen Regeln des Organigramms vorbeikommuniziert.

Und was war Ihre Reaktion, Frau Ministerin? Angriff statt Aufklärung. Sie haben uns als Union unterstellt, dass wir der Debattenkultur und der Demokratie in diesem Lande schaden würden. Die Kollegin Schröder hat uns – vielleicht in Rücksprache mit Ihnen – sogar vorgeworfen, mit Dreck zu werfen.

Ich möchte an dieser Stelle ein Lob an die Kollegen Kaczmarek und Gehring aussprechen und gleichzeitig auch ein Zitat ausbringen. Oliver Kaczmarek, der bildungs- und forschungspolitische Sprecher der SPD, hat gesagt, er sei der Meinung, „dass die Union ihren Job als Opposition macht“ und dass Sie, Frau Ministerin, statt sich darüber aufzuregen, „mehr Energie auf die Entkräftung der Vorwürfe“ verwenden sollten. Recht hat er.

Beifallbei der CDU/CSU

Kollege Gehring sagt:

„Als Grüner und Ausschussvorsitzender fordere ich, dass die Nachfragen der Opposition ernstgenommen werden … Zugleich müssen fundierte Fragen, die in der Affäre noch offen sind, beantwortet werden.“

Und wer ist jetzt am Ende die Schuldige? Wenn das alles stimmt, was veröffentlicht wurde, dann wurde Frau Professor Döring dazu gedrängt, die belastende E-Mail zu versenden, die sie nicht mal selbst geschrieben hat, um zwei Tage später gefeuert zu werden – eine Frau, die gerade auch in der jüdischen Gemeinschaft wegen ihres Engagements gegen Antisemitismus einen hervorragenden Ruf genießt.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Gleichzeitig – und das zeigt, Frau Ministerin, wo Sie in der Sache stehen – trafen Sie eine andere Entscheidung. In den gleichen Veröffentlichungen ist zu lesen, dass Ihr bisheriger Abteilungsleiter Roland Philippi von einer informellen Schere im Kopf von Wissenschaftlern fabuliert und von „verwirrten Gestalten“ spricht. Und genau diesen Abteilungsleiter Philippi befördern Sie zum Staatssekretär,

Zurufvon der Linken: Völlig wahnsinnig!

und Frau Döring werfen Sie raus. Mehr muss man eigentlich über Ihre Haltung an dieser Stelle gar nicht mehr wissen.

Beifallbei der CDU/CSU, der Linken und dem BSW

Frau Ministerin Stark-Watzinger, als Sie Ministerin wurden und die FDP dieses Ressort besetzt hat, habe ich mich erst mal gefreut und gesagt: Eine Partei, die für Freiheit und Innovation steht, wird hier etwas erreichen.

Wofür steht die? Sagen Sie das noch mal! Das ist aber lange her!

Doch haben Sie in diesen drei Jahren weder für Innovation noch für die Freiheit etwas erreicht. Wenn wir gerade überlegen, was unser Hauptthema im Wahlkampfprogramm sein wird, dann denken wir an Freiheit, Wissenschaftsfreiheit, weil es offenbar die größtmögliche Differenzierung zu Ihrer Politik ist. Wer hätte sich das am Anfang vorstellen können?

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Auch wenn Ihre eigene Partei bis zum Schluss an Ihnen festhalten wird, müssen Sie alle von der FDP sich die Frage stellen, welchen Beitrag Frau Stark-Watzinger leisten kann, dass Sie bei der Wahl in einem Jahr ein gutes Ergebnis erreichen. Ist sie für Sie ein Asset oder eine Belastung?

3 Vermerkeca. 465 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, wir sollten jetzt doch noch mal darüber sprechen, was gewesen ist und was nicht gewesen ist. Das ist nämlich eben noch mal ein bisschen durcheinandergeraten; aber das haben wir in der Debatte eigentlich schon ganz gut aufgedröselt. Darüber müssen wir also noch mal reden.

Wie ist die globale Situation? Fast die Hälfte der Menschen auf unserem Planeten lebt in Ländern, in denen es keine Wissenschaftsfreiheit in unserem Sinne gibt, und in 23 Ländern ist die Wissenschaftsfreiheit sogar rückläufig. Deutschland ist, was die Wissenschaftsfreiheit angeht, unter den Top-Rankings auf dem „Academic Freedom Index“; und das soll und wird unter allen Umständen auch so bleiben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Die Wissenschaftsfreiheit ist ein hohes Gut; es wurde hier vielfach ausgeführt. Sie ist vom Grundgesetz verbrieft. Wir als Bündnis 90/Die Grünen werden uns auch immer dafür einsetzen, dass das unter allen Umständen so bleibt und dass es daran keinen Zweifel gibt.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir haben jetzt auch im Ausschuss viel über die Vorgänge gesprochen, also darüber, was eigentlich passiert ist. Was man sagen kann: Es ist tatsächlich kein materieller Schaden in dem Sinne entstanden. Es hat sich auch gezeigt, dass die Kontrollmechanismen im Ministerium funktionieren. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiges Signal, das wir hier aussenden müssen: in die Wissenschaftscommunity und natürlich auch an die internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Es sind eben diese Prüfaufträge so nicht erteilt worden. Wir vom Bündnis 90/Die Grünen setzen uns dafür ein, dass die Fördermittelvergabe natürlich immer auf wissenschaftlicher Exzellenz und auf wissenschaftlichen Kriterien beruht. So ist es immer gewesen, und so wird es auch immer sein. Deswegen: Daran lassen wir keinen Zweifel aufkommen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Der entstandene Schaden ist ein Schaden in Form von Vertrauensverlust; das haben wir jetzt schon mehrfach hier miteinander diskutiert. Deswegen ist es so wichtig, dass auch Sie, Frau Ministerin, dafür sorgen, dass dieses Vertrauen der Wissenschaftscommunity wieder aufgebaut wird und – noch mal – Klarheit über den Sachverhalt besteht. Sie haben das zugesichert, und wir nehmen Sie beim Wort, dass Sie das tun. Vertrauensverlust wiederherzustellen, das wird einiger Arbeit bedürfen, aber ist umso wichtiger.

Es ist für uns auch alarmierend, welche Personalentscheidungen teilweise auf der Leitungsebene getroffen wurden und wie dort über Wissenschaftsfreiheit kommuniziert wurde, sei es auch in irgendwelchen Chats etc. Da sollte man vielleicht auch noch mal hinschauen. Das ist sehr alarmierend und auch sehr kritisch zu sehen.

Wir sind im 75. Jahr des Grundgesetzes, haben also auch 75 Jahre Wissenschaftsfreiheit. Das ist ein extrem hohes Gut. Wenn es daran hier jemals Zweifel geben sollte, dann können wir einpacken. Deswegen werden wir es auch hier im Parlament mit allen Möglichkeiten und Maßnahmen verteidigen. Und wie alle Freiheiten ist die Wissenschaftsfreiheit eine Zumutung, die man aushalten muss und die wir auch sehr gerne aushalten. Wir müssen uns weiterhin –

2 Vermerkeca. 5 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– gemeinsam dafür einsetzen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Ria Schröder [FDP]
Beifallbeim BSW
Porträt von Ophelia Nick
Foto: Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen/Stefan Kaminski
Ophelia NickGrüne· Parl. Staatssekretärin BMEL· MdB
8 Vermerkeca. 422 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Tierschutz wird häufig als Herzensangelegenheit bezeichnet, und das ist er auch für mich. Aber Tierschutz ist noch viel mehr als das. Seit über 20 Jahren ist mit dem Staatsziel Tierschutz unsere besondere Verantwortung für den Schutz von Tieren im Grundgesetz verankert. Auch die gesellschaftlichen Erwartungen an den Tierschutz wachsen beständig. Viele Bürgerinnen und Bürger finden, dass Tiere besser vor Leid und Schmerz geschützt werden sollten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Auch die Wissenschaft liefert immer neue Erkenntnisse. Mit all diesen Entwicklungen muss das Tierschutzrecht in Deutschland Schritt halten. Daran arbeiten wir als Bundesregierung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Carina Konrad [FDP]

Mit dem vorliegenden Upgrade des Gesetzes schaffen wir echte Verbesserungen für den Tierschutz. Das betrifft nicht nur Tiere in der Landwirtschaft, sondern auch Wildtiere und Heimtiere. Kurzum: Wir verbessern den Tierschutz in der Breite. Wir schließen Lücken im Gesetz, um strukturelle Defizite zu beseitigen.

Lassen Sie mich mit den Verbesserungen für Tiere in der Landwirtschaft beginnen. Rinder Tag für Tag, Jahr für Jahr anzubinden, das beenden wir. Tiere brauchen Auslauf.

Zurufder Abg. Amira Mohamed Ali [BSW]

Wir schränken die Durchführung nichtkurativer Eingriffe ein, wie beispielsweise das Ausbrennen von Hornknospen bei Kälbern ohne Betäubung. Und wir schaffen Regeln für eine Videoüberwachung in Schlachthöfen. Wer Tiere im Schlachthof misshandelt, muss künftig mit Aufdeckung und Strafe rechnen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Auch im Bereich der Heimtiere bringt unser Gesetz Verbesserungen. Wir konkretisieren das bestehende Qualzuchtverbot, zum Beispiel für Hunde und Katzen. Das heißt nicht, dass wir Rassen verbieten – keine Sorge: der Dackel darf bleiben –, sondern wir stärken die Zucht gesunder Tiere. Außerdem regeln wir Anforderungen an den Handel mit Tieren. Geschäfte mit Tierleid müssen ein Ende haben durch verpflichtende Kontrollen für Tierbörsen und eine bessere Rückverfolgbarkeit auf Onlineplattformen.

Wir packen auch das Thema Wildtiere an. Bestimmte Tiere wildlebender Arten wie Elefanten oder Giraffen dürfen nur noch unter bestimmten Bedingungen in reisenden Zirkussen gehalten oder zur Schau gestellt werden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Auch der Elefant im Raum!

Außerdem ist eine Regelung vorgesehen, die nachtaktive Tiere wie Igel vor Mähgeräten schützen soll. Wir verankern das Amt einer oder eines Bundesbeauftragten für Tierschutz im Gesetz. Wer Tiere quält, muss mit härteren Strafen rechnen.

Meine Damen und Herren, mit unserer Gesetzesänderung sorgen wir für mehr Klarheit beim Tierschutz auch im Sinne der Tierhalterinnen und Tierhalter; denn kein Halter will, dass sein Tier leidet. Es ist die umfangreichste Überarbeitung des Tierschutzgesetzes seit vielen Jahren.

Und die schlechteste!

Dabei hat uns ein Gedanke geleitet: dass es den Tieren in Deutschland nach der Gesetzesänderung besser gehen soll als vorher. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass wir dieses Ziel erreichen!

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Vizepräsidentin Petra Pau:

Das Wort hat die Kollegin Astrid Damerow für die CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
15 Vermerkeca. 477 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Verehrte Gäste! Ich gratuliere! Mit dem nun vorliegenden Gesetzentwurf ist es Ihnen gelungen, absolut jeden, aber wirklich jeden, der sich mit Haltung, Zucht oder Verkauf von Heimtieren, Nutztieren und Wildtieren beschäftigt, gegen sich aufzubringen.

Beifallbei der CDU/CSU

Drei Jahre lang Ankündigungen, Versprechen und Hoffnung. Im Ergebnis: Verunsicherung und Frustration bei allen Beteiligten.

Natürlich sehen auch wir in einzelnen Punkten Verbesserungsbedarf, zum Beispiel bei der besseren Kontrolle des Onlinehandels. Aber hier wie auch bei Fragen des Tierhandels und Transports brauchen wir gemeinsame europäische Regeln. Nationale Alleingänge helfen keinem einzigen Tier.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich finde, Deutschland hat bereits eines der weltweit besten Tierschutzgesetze. Außerdem will ich hier auch mal deutlich feststellen: Die meisten Tierhalterinnen und Tierhalter in Deutschland gehen mit ihren Tieren sorgsam um.

Beifallbei der CDU/CSU

Dann ist ja gut! Dann ist das Gesetz ja kein Problem!

Dieser Gesetzentwurf, verehrte Kolleginnen und Kollegen, ist vollkommen überzogen, zum Beispiel bei der Reduzierung der nicht kurativen Eingriffe. Das ist vielleicht gut gemeint, geht aber an der Praxis völlig vorbei. Damit nehmen Sie großes Tierleid in Kauf, zum Beispiel durch den Befall von Fliegenmaden an nicht kupierten und deshalb verkoteten Schwänzen von Lämmern und Schafen. Auch das Ausstellungs- und Werbeverbot für Tiere mit Qualzuchtmerkmalen: Gut gemeint, aber praxisuntauglich. Die vorgesehenen Fristen erscheinen völlig willkürlich und für die meisten Tierarten absolut unrealistisch. So laufen wir Gefahr, unsere Tierzucht ins Ausland zu verdrängen.

Damit verlieren wir jegliche Kontrolle und öffnen den kriminellen Tiervermehrern Tür und Tor.

Beifallbei der CDU/CSU

Damit ist niemandem geholfen!

Darüber hinaus scheint mir der Bürokratieaufwuchs der rote Faden dieses Entwurfs zu sein: Auflagen über Auflagen, Erhöhung des Straf- und Bußgeldrahmens, nochmals zusätzliche Dokumentationspflichten für die Schweinehalter, ein durch Rechtsunsicherheiten hervorgerufener und noch dazu völlig überzogener Kontrollzwang für Zuchtausstellungen und Veranstaltungen usw. Diese Liste könnte ich endlos fortführen.

Eigentlich war mal Bürokratieabbau vorgesehen!

Woher sollen das Personal, woher sollen die zeitlichen und finanziellen Kapazitäten eigentlich kommen? Konzentrieren Sie sich doch lieber auf effektiven und wirksamen Tierschutz! Sie könnten damit beginnen, die allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Durchführung des jetzigen Tierschutzgesetzes zu überarbeiten.

Wir sind ja das Parlament! Die Verwaltungsvorschriften machen die da!

Und nicht zu vergessen ist der finanzielle Aufwand für unsere Wirtschaft.

Genau so ist es!

Das Ministerium spricht von einmalig rund 900 Millionen Euro Erfüllungsaufwand. Hinzu kommen noch mal 100 Millionen Euro pro Jahr. Das trifft im Wesentlichen übrigens unsere Landwirtschaft.

Beifallbei der CDU/CSU

Gestern im Ausschuss sprach Minister Özdemir davon, keine zusätzlichen Belastungen für die Landwirtschaft zu wollen. Wie bitte passt das alles zusammen?

Das fragen wir uns schon lange!

Das frage ich mich seit Seehofer als Minister, wie das zusammenpasst!

Verehrte Kolleginnen und Kollegen der Ampel, ich erinnere Sie gerne daran: Es war der Kollege Hocker aus der FDP-Fraktion, der ein Auflagenmoratorium für die Landwirtschaft versprach.

Hört! Hört!

Und es war Finanzminister Lindner, der den demonstrierenden Bäuerinnen und Bauern den Abbau von Bürokratie zusagte. Deshalb appelliere ich an Sie, in besonderem Maße aber an die FDP-Fraktion: Zeigen Sie Haltung!

Zeigen Sie Haltung!

Stehen Sie zu Ihrem Wort! Sehen Sie von nationalen Alleingängen ab, und schaffen Sie vor allem kein neues Bürokratiemonster!

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Dass die Beratungen noch ausreichend Verbesserungen ergeben, da habe ich so meine Zweifel. Ehrlich gesagt, wäre es am besten, Sie zögen diesen Gesetzentwurf zur Gänze zurück.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD
Zurufvon der CDU/CSU: Ab in die Mülltonne!
14 Vermerkeca. 516 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauer! Endlich! Seit 22 Jahren ist Tierschutz Staatsziel im Grundgesetz. Und jetzt haben wir endlich die erste Lesung zum Tierschutzgesetz. Darauf haben wir so lange gewartet,

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Und dann so einen Scheiß geliefert!

sogar schon in der letzten Legislatur. Wir haben uns seitdem in vielen gesellschaftlichen Zielen und Notwendigkeiten weiterentwickelt und müssen uns noch weiter entwickeln. Im sozialen Bereich sind wir doch auch vorangekommen. Umwelt, Energie, Verteidigung, Sicherheit – überall geht es voran.

Wo denn?

Warum nicht im Tierschutz? Heute also auch im Tierschutz!

– Einfach mal die Nerven bewahren!

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es gibt in diesem Bereich nach wie vor Defizite, die wir dringend angehen müssen, Rechts- und Vollzugslücken – obwohl die überwiegende Anzahl der Landwirte und der Halter von Haustieren sich absolut regelgerecht verhält und ihre Tiere artgerecht hält.

Hört! Hört!

Trotzdem gibt es Lücken. Es gibt Entwicklungen in den Vorstellungen, wie Tiere artgerecht gehalten werden sollten, die Notwendigkeit der Anpassung von Zuchtzielen – nicht weil wir das schön finden und gerne hätten, sondern weil es für ein langes und gesundes Leben der Tiere wichtig ist.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Es geht um Verbesserungen für die Tiere und nicht zwingend um Erleichterungen für Menschen oder das Schönheitsempfinden von Menschen.

Beifallder Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Es ist eine Frage der Haltung, im wahrsten Sinne: die Haltung des Menschen gegenüber den Tieren und die Haltung des Menschen von Tieren. Es geht um den Grad von Verstümmelungen, um Onlinehandel und dessen Auswüchse. Das ist Organisierte Kriminalität. Da wird der Ball immer gerne flach gehalten.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Bei der tiergerechten Schlachtung und der Zirkushaltung sind viele EU-Länder schon sehr viel weiter als wir hier in Deutschland. Und ja, es geht auch um Erhöhungen von Strafen in Straf- und Bußgeldverfahren. Das findet im Verkehrsrecht andauernd statt; dort werden die Verstöße auch von Menschen verursacht. Warum gibt es also keine entsprechenden Anpassungen im Tierschutzrecht?

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorgesehen sind aber auch Ausnahmen und Übergangsfristen. Wir befinden uns hier in der ersten Lesung, sozusagen in der Veröffentlichung des aktuellen Entwurfs; es kursierten ja vorher schon einige andere. Viele Verbände haben sich bei uns schon gemeldet – und sehr viele werden sich noch melden – und sehr viele Forderungen angemeldet; vorhin haben wir erst welche entgegengenommen.

Das sollte Ihnen mal zu denken geben!

– Hör doch mal zu!

Den einen ist es zu viel – „Das geht gar nicht“ –, den anderen ist es viel zu wenig. Alle Argumente sind wichtig, und alle Argumente werden einbezogen. Alle Argumente!

Niemand ist zufrieden mit Ihrem Gesetz!

Und das ist nicht ganz einfach. Das verhandeln wir jetzt zusammen mit unseren Koalitionspartnern und mit den Verbänden. Wir stellen uns auch allen Anliegen; die Debatten führen wir. Aber es kann nicht sein, dass die Notwendigkeit des Tierschutzes wie in den vergangenen Jahren erst höchstrichterlich festgestellt werden muss, damit es gesetzlich umgesetzt wird.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich erinnere an Ferkelkastration, an Kastenstand und an Kükentöten. Das musste erst höchstrichterlich entschieden werden. Und dann hat sich auch unser damaliger Koalitionspartner bewegt.

Daher erwarten wir auch von allen Beteiligten Kompromissfähigkeit. Verhinderung ist kein Erfolgsmodell. Dies würde zu einer Stagnation führen und wäre somit automatisch ein Rückschritt, weil sich alles andere ja vorwärts bewegt. Ziel ist ein tragbares Ergebnis für alle. Das ist unsere Verpflichtung gegenüber den Tieren hier bei uns im Land, und das sollte eigentlich für alle eine Selbstverständlichkeit sein.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Stephan Protschka
Foto: DBT/Haar
9 Vermerkeca. 556 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Gäste! Gott zum Gruße! Der vorliegende Gesetzentwurf zeigt einmal mehr, dass der Minister nicht nur von Ackerbau und Viehzucht keine Ahnung hat, sondern auch beim Thema Tierschutz völlig blank ist und keine Ahnung von der Materie hat.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]

Wir dürfen uns vom Titel des Gesetzes nicht täuschen lassen; denn es geht hier in Wirklichkeit gar nicht um die Verbesserung des Tierschutzes, sondern um nicht mehr und nicht weniger als einen Generalangriff auf die private und berufliche Tierhaltung in Deutschland. Das ist ein Punkt, der hier einmal angesprochen werden muss.

Da reicht schon ein Blick auf die Lobbyorganisationen, die an der Erstellung des Gesetzentwurfes beteiligt waren. Mit dabei: all die uns leider schon bekannten und umstrittenen links-grünen NGOs, wie zum Beispiel die Deutsche Umwelthilfe, PETA oder Vier Pfoten – Organisationen also, die nur vortäuschen, sich für den Tierschutz einzusetzen, in Wahrheit aber Feinde der Tierhaltung sind und diese ganz abschaffen wollen. Und mit dem vorliegenden Gesetz möchten die Grünen ihnen den Hebel in die Hand geben, um ihr Ziel umzusetzen.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]

Dabei erfolgt der Angriff auf zwei Ebenen. Zum einen durch das Erschaffen eines immensen Bürokratiemonsters und durch die künstlich herbeigeführte massive Erhöhung der Kosten für die Tierhaltung, sodass sie sich für immer weniger Menschen rentiert. Wie Berechnungen zeigen, belasten beispielsweise allein die Verschärfungen beim Kupierverzicht die landwirtschaftlichen Betriebe mit rund 1 Milliarde Euro zusätzlich. Alle Fachleute aus der Branche sind sich einig, dass die Maßnahmen im Gesetz nicht praktikabel und völlig realitätsfremd sind. Im Bereich der Ferkelerzeugung wird sogar schon von „Vernichtung“ gesprochen, meine Damen und Herren.

Doch das ist ja nur das eine. Zum anderen haben Sie die geplanten Änderungen bewusst so schwammig und unpräzise formuliert, dass dadurch eine gewaltige Klagewelle provoziert werden kann und provoziert werden wird. Die angesprochenen NGOs stehen natürlich bereits in den Startlöchern und reiben sich die Hände. Sie werden ihr Verbandsklagerecht dazu missbrauchen, die Abschaffung der Tierhaltung auf dem juristischen Weg zu erzwingen, und sich ganz nebenbei dabei noch die Taschen vollstopfen mit Ihren Unterstützungsgeldern, die es immer wieder gibt. Einfach unfassbar, Herr Minister, was Sie hier in Deutschland mit der Tierhaltung vorhaben!

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]

Wie geht es denn Herrn Bystron eigentlich?

Und an die FDP gerichtet: Meine Kollegen, Ihnen sollte bewusst sein, dass Sie sich mitschuldig an der Zerstörung der Tierhaltung in Deutschland machen, wenn Sie dieses Gesetz mit unterstützen.

Bei „Schuld“ reden wir mal über Zwiebeln und Gefangenenarbeit in Belarus! Da können Sie auch mal was zu sagen!

Stellen Sie sich bitte die Frage, ob Sie wirklich auch noch Ihre letzten Grundsätze über Bord werfen wollen, nur damit ein paar FDP-Minister ihre fetten Pensionsansprüche behalten können. Noch ist es nicht zu spät, der Ampel den Stecker zu ziehen, meine Kollegen.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]

Sehr geehrte Damen und Herren, um es an dieser Stelle abschließend noch mal ganz deutlich zu sagen: Die Abschaffung der privaten und beruflichen Tierhaltung in Deutschland ist mit der AfD ganz sicher nicht zu machen. Dieser grüne Generalangriff auf die Tierhaltung gehört so schnell wie möglich vom Tisch und ab in den Papierkorb. Als AfD stehen wir für echten Tierschutz und werden daher diesen Gesetzentwurf auf jeden Fall ablehnen.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]

Mensch, legen Sie mal einen vor! Schreiben Sie mal was! Nicht nur meckern! Schreiben Sie mal einen Gesetzentwurf!

– Regen Sie sich ab, Frau Künast, sonst kriegen Sie einen Herzinfarkt. Sie haben schon einen ganz roten Kopf. Chillig bleiben.

Seien Sie mal froh, dass ich nicht sage, was ich über Sie denke! Mein Gesicht ist übrigens eher blass!

Aber das Lustigste ist: Zu diesem Gesetzentwurf spricht auch das BSW. Und das BSW haben wir seit Bestehen noch nicht einmal im Ausschuss gesehen. Ich bin ja gespannt, was das BSW zum Besten gibt.

Danke schön, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

So, jetzt wird es wieder seriös!

9 Vermerkeca. 582 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Als wir Freien Demokraten vor drei Jahren Regierungsverantwortung auf Bundesebene übernommen haben,

Das waren noch Zeiten!

fanden wir insbesondere im Agrarbereich eine Vielzahl ungelöster Probleme vor. Die haben wir jetzt nach und nach angepackt und wollen nun auch das Tierschutzgesetz vernünftig ausgestalten.

Ich verstehe den Zusammenhang nicht!

Dabei ist prioritär: Es darf keine unverhältnismäßige Belastung der Landwirte geben. Darum haben wir die Novelle zum Tierschutzgesetz in Angriff genommen.

Entgegen den ursprünglichen Ideen des Agrarministeriums trägt der jetzt vorliegende Entwurf zum Tierschutzgesetz tatsächlich maßgeblich die Handschrift der FDP.

Starre Regulierung und nationale Alleingänge mit der Anhebung von Tierschutzstandards über die EU-Vorschriften hinaus würden im Ergebnis nur eine Abwanderung der Tierhaltung in Staaten mit geringeren Tierschutzstandards bewirken.

Ja, das Thema Tierschutz ist sehr wichtig.

Gut, dass wir das jetzt wissen!

Aber es gilt: Tierschutz mit Augenmaß. Darum habe ich sehr viele Gespräche mit Betroffenen und Verbandsvertretern geführt und mir deren unterschiedliche Positionen angehört. Herzlichen Dank für diese Impulse!

Der Blick in den Referentenentwurf zeigt, dass der Gesetzentwurf sehr gute Ansätze aufweist, die ich nur unterstützen kann.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Manfred Todtenhausen [FDP]

Bei dem Thema „Verbot von nicht kurativen Eingriffen“ wird die FDP in den anstehenden Beratungen auf praktikable Lösungen drängen. Wenn der Rinderhalter mit Sachkundenachweis die Enthornung seiner Kälber selbst vornehmen darf, macht es keinen Sinn, dass der Tierarzt trotzdem auf den Hof kommen muss, um eine lokale Anästhesie vorzunehmen. Vielmehr sollte die bereits seit Jahren erfolgreiche Kombination aus Sedierung und Schmerzmittelgabe zur Schmerzausschaltung angewendet werden. Dies darf der geschulte Nutztierhalter dann selbst vornehmen. Darauf werden wir beharren.

Bürokratieaufwuchs und Zusatzkosten sind definitiv die falschen Signale an die Landwirtschaft – sie stehen für mangelnde Wertschätzung des uns ernährenden Mittelstandes. Wenn wir als FDP uns in dieser Ampelregierung nicht dafür einsetzen, dann tut es niemand. Das ist unsere Aufgabe.

Wir stehen auch dazu, dass die ganzjährige Anbindehaltung von Rindern unter Tierschutzaspekten ein Ende haben muss. Deshalb setzen wir uns für die Abschaffung dieser Haltungsform in zehn Jahren ein. Allerdings sollte die etablierte Kombihaltung, welche den Tieren viel Zeit auf der Weide ermöglicht, in landwirtschaftlichen Betrieben mit maximal 50 Rindern erhalten bleiben. Gerade in Kleinbetrieben in Bayern und in Baden-Württemberg können konventionelle Kombinationshalter oftmals die baulichen Vorgaben in ihren Stallungen nicht umsetzen. Die Kombinationshaltung ist somit eine Option für die kleinbäuerlichen Familienbetriebe im Nebenerwerb. Die Bauernfamilien mit ihrer Tierhaltung leisten besonders in den Alpenregionen einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der einzigartigen Kulturlandschaft mit ihren Almen und Weiden.

Zu den wesentlichen Verbesserungen im Bereich „Heimtiere“ gehört die Beendigung der Qualzucht. Wir sind uns alle einig: Niemand möchte französische Bulldoggen mit Atemnot, wenn diese Symptome erblich bedingt sind und mit permanentem Leiden und Schmerzen einhergehen. Das Züchten gesunder Tiere soll weiterhin möglich sein; denn es macht keinen Sinn, komplette Rassen zu verbieten. Aber Einzeltiere mit Qualzuchtmerkmalen dürfen nicht in die Zucht gehen und auch nicht zur Schau gestellt werden.

Sehr geehrte Damen und Herren, leider läuft mir jetzt die Zeit davon.

Das ist für die ganze FDP der Fall!

Darum nenne ich nur noch zwei wichtige Verbesserungen im Heimtierbereich. Überfällig ist die lückenlose Rückverfolgbarkeit von Anbietern, die ihre Tiere auf Onlineplattformen anbieten. Mit dieser Maßnahme können in Zukunft private und gewerbliche Anbieter identifiziert und die schwarzen Schafe vom Markt verdrängt werden.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Bei der Haltung von exotischen Tieren wollen wir die Heimtierhalter mit verbesserter Aufklärung hinsichtlich der Bedürfnisse der Tiere sensibilisieren. Pauschale Verbote lehnen wir ab.

Sehr geehrte Damen und Herren, wir werden im weiteren Gesetzgebungsverfahren nachdrücklich für die Interessen der Tierhalter kämpfen und gleichzeitig für einen ausgewogenen Tierschutz einstehen, ohne dabei die Betriebe zu überfordern. Ich freue mich auf eine konstruktive Beratung zum Gesetz.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Hermann Färber
Foto: Hermann Färber/ photothek/ Thomas Tuchel
8 Vermerkeca. 402 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir beraten heute die Novelle des Tierschutzgesetzes in erster Lesung. Dabei geht es neben den Themen „Qualzucht“ und „Onlinehandel“ auch um Änderungen in der Nutztierhaltung.

Ich möchte speziell das Thema „Beendigung nicht kurativer Eingriffe“ ansprechen. Da wäre zum Ersten das Enthornen von Rindern. Trotz züchterischen Fortschritts sind noch nicht alle Rinder genetisch hornlos. Nach diesem Gesetzentwurf dürfen Tiere, obwohl sie mit Schmerzmitteln sediert werden, nur noch unter Betäubung enthornt werden. Dazu braucht man einen Tierarzt. Tierärzte stehen aber nicht ausreichend zur Verfügung. Das hat zur Folge, dass viele Tiere nicht enthornt werden können und sich dann gegenseitig verletzen; auch die Verletzungsgefahr für das Betreuungspersonal, für die Landwirtinnen und Landwirte bleibt bestehen.

Der zweite Punkt ist das Kupieren von Schwänzen bei Lämmern. Das soll nach einer Übergangszeit von acht Jahren beendet werden. Diese Frist wird aber wahrscheinlich nicht reichen, um das Problem züchterisch zu lösen. Das könnte dann dazu führen, dass nur noch Rassen gehalten werden, wo das züchterisch bereits erfolgt ist, und andere auch sehr wertvolle Rassen verschwinden und der Genpool damit dramatisch reduziert wird. Es gilt aber, die Rassenvielfalt auch in der Schafzucht zu erhalten.

Beifallbei der CDU/CSU

Der dritte Punkt ist die Beendigung des Kupierens von Ferkelschwänzen. Die Betriebe brauchen Lösungen, wie sie auf das Kupieren verzichten können. Es reicht nicht aus, mal eben eine Hand voll Stroh in die Bucht zu werfen, und dann ist alles gut. In vielen Fällen sind auch bauliche Lösungen zu schaffen. Ich begrüße es außerordentlich, dass das Bundesprogramm zum Umbau der Tierhaltung jetzt in Gang kommt. Aber Tatsache ist: Viele Betriebe warten noch auf Förderbescheide, um ihre Ställe entsprechend umbauen zu können.

Ja! Genau!

Die Verkürzung der Zeiträume für Dokumentation und Risikobewertung von zwölf auf vier Monate bringt uns da auch nicht weiter. Das hilft den Tieren nicht, verdreifacht aber den Bürokratieaufwand.

Das alles bringt keinen Vorteil für die Tiere, sondern verlagert noch mehr Produktion ins Ausland.

Beifallbei der CDU/CSU

Tatsache ist: Jedes fünfte Ferkel, das in Deutschland gemästet wird, kommt bereits heute aus Dänemark oder den Niederlanden.

Ja! Und warum? Weil die früher das Tierwohl erhöht haben!

Während das Ferkel, das von dort stammt, dann bei uns gemäß Tierhaltungskennzeichnungsgesetz den höchsten Tierwohlorden bekommt, bekommt der deutsche Landwirt – nach Ihrem Gesetz –, wenn er die gleiche Methode anwendet, ein Berufsverbot. Lasst uns bitte darauf achten, dass das nicht passiert.

Über die Berufsverbote denkst du noch mal nach! Also wirklich!

Ich freue mich auf die Beratungen zu diesem Gesetz und fordere alle auf, das im Blick zu behalten.

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU

Danke, Hermann! Endlich ein Praktiker!

Porträt von Ina Latendorf
Foto: Ina Latendorf/ Olaf Köstritz
5 Vermerkeca. 310 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Ampel lobt sich heute für die Novellierung eines Tierschutzgesetzes, das seinen Namen nicht verdient und hinter den Erwartungen zurückbleibt; denn ein Gesetz, das es erlaubt, ein Tier aus ökonomischen Gründen leiden zu lassen, ist kein Tierschutzgesetz, sondern ein „Profitierschutzgesetz“.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BSW

Die Novellierung ändert nichts daran. Die rechtswidrige Anbindehaltung, die es Rindern nicht erlaubt, sich zu drehen, bleibt noch lange erhalten. Wir haben heute gehört, dass die süddeutschen Bauern das fordern. Die Übergangsfrist von zehn Jahren ist ein Zugeständnis an die süddeutschen Bauern. Der Bauer bei mir um die Ecke im Norden, in Mecklenburg-Vorpommern, hat davon nichts.

Zur Einschränkung der Qualzucht legen Sie eine Symptomliste vor, die so vage ist, dass die vollkommen überlasteten Veterinärämter wenig damit anfangen können. Aber vielleicht ist das ja auch gewollt.

Es fehlt außerdem das Verbot von schwer belastenden Tierversuchen sowie von Lebendtransporten in Tierschutzhochrisikogebieten. Es fehlt ein bundeseinheitliches Verbandsklagerecht, die Identitätsprüfung im Onlinehandel und, und, und. Manches, wie die Videoüberwachung in Schlachthöfen, mag ja sinnvoll erscheinen und gut gemeint sein. Noch besser wäre es allerdings, endlich die menschenverachtenden Akkordlöhne abzuschaffen; denn dann könnte auch sorgfältiger gearbeitet werden, zum Beispiel bei der Betäubung.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BSW

Wir Linken begrüßen, dass das Amt der Tierschutzbeauftragten nun gesetzlich verankert wird. Aber wieso hören Sie denn eigentlich nicht auf sie? Die Vorschläge für die Novellierung zu ignorieren, ist eine Verschwendung von Know-how und letztlich auch von Steuergeld. Aber mit der Verschwendung von Steuergeld kennen Sie sich ja aus: Cum-ex, Cum-cum und Rheinmetall lassen grüßen.

Beifallbei der Linken

Was sagt uns dieser Entwurf? Das Staatsziel Tierschutz im Grundgesetz hat offensichtlich keine so hohe Priorität, wie es hier gerade beteuert wurde – und das ist beschämend. Als Die Linke stehen wir für einen ernstgemeinten Tierschutz. Auf die Alibiprojekte, die Sie hier vorlegen, haben wir keine Lust – wie so viele Menschen in diesem Land. Bessern Sie nach!

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BSW
12 Vermerkeca. 494 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der irische Labourpolitiker und Dramatiker George Bernard Shaw hat Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben: „Vielleicht würde es besser um die Welt stehen, wenn die Menschen Maulkörbe und die Hunde Gesetze bekämen.“

Heiterkeitbei der SPD

Seit zehn Jahren wurde das Tierschutzgesetz in Deutschland nicht mehr grundlegend überarbeitet. Dies jetzt nachzuholen, um das Gesetz zu schaffen, von dem Shaw schrieb, ist – ich bin realistisch – keine leichte Aufgabe. Aber wir machen uns mit dieser ersten Lesung des Entwurfs im Bundestag auf den Weg.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

In meiner Funktion als Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion möchte ich die Fortschritte würdigen, die bereits im aktuellen Entwurf des neuen Tierschutzgesetzes vorgesehen sind. Ich werde aber auch auf die Herausforderungen eingehen, die uns in den Verhandlungen noch bevorstehen.

Zunächst das Positive. Der vorliegende Gesetzentwurf enthält bereits jetzt entscheidende Verbesserungen für das Tierwohl. Besonders hervorzuheben ist die dauerhafte Einrichtung des Amtes einer Bundestierschutzbeauftragten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Frau Kari trägt bereits jetzt dazu bei, großflächige Aufklärungsarbeit zu leisten und das Bewusstsein für Tierschutzthemen in der Gesellschaft zu erhöhen. Das ist für mich das A und O des Tierschutzes: nicht nur reagieren, sondern auch präventiv handeln.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Konkretisierung von Qualzuchtmerkmalen. Wir wollen keine Dackel verbieten – nein –, sondern Überzüchtungen, die den Tieren ernsthaft Schaden zufügen, endlich einen Riegel vorschieben.

Beifallder Abg. Dr. Franziska Kersten [SPD]

Es darf nicht sein, dass das Streben nach Profit über das Wohl der Tiere gestellt wird. Hier müssen wir eine klare Grenze setzen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Doch trotz dieser Fortschritte sehe ich als Tierschutzbeauftragte noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Das parlamentarische Verfahren bietet uns die Chance, hier nachzuverhandeln.

Lassen Sie uns hierzu gemeinsam einen Blick in unsere Tierheime werfen. Die Situation ist alarmierend: überfüllte Tierheime und Kommunen, die finanziell am Limit sind. Die Zahl der verwilderten Katzen in Deutschland nimmt besorgniserregend zu. Diese Tiere sind das Ergebnis unkontrollierter Fortpflanzung zwischen Freigängerkatzen und Straßenkatzen. Sie landen in überfüllten Tierheimen. Ohne die engagierte Arbeit von Ehrenamtlichen wäre die Lage tatsächlich noch dramatischer. Hier müssen wir aktiv werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es gibt einige Hebel, die wir betätigen können, um Abhilfe zu schaffen.

Erstens: eine Kastrationspflicht für Katzen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Damit könnten wir nicht nur die Population verwilderter Katzen eindämmen, sondern auch verhindern, dass noch mehr Tiere in Tierheimen landen.

Zweitens: der Sachkundenachweis beim Erwerb von Heimtieren. Es ist unerlässlich, dass zukünftige Tierbesitzer verstehen, was es bedeutet, ein Tier zu halten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wenn ich eine Schildkröte kaufe, muss ich lebenslang Verantwortung übernehmen. Wie viel kostet es, eine Katze artgerecht zu versorgen? Und was muss ich bei der Hundehaltung beachten, damit das Tier nicht aus Stress zur Gefahr wird?

Drittens. Wir müssen den illegalen Welpenhandel unterbinden. Eine Kennzeichnungs- und Registrierpflicht wäre ein bedeutender Schritt, um diese illegalen Praktiken zu bekämpfen und sicherzustellen, dass Tiere artgerecht gehalten werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Als Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion verteile ich keine Maulkörbe wie Shaw, aber ich hoffe, dass wir mit dieser Gesetzesnovelle einen guten Schritt in Richtung eines tierfreundlichen Deutschlands gehen, damit das Gesetz, das sich Shaw gewünscht hat, in Deutschland umgesetzt werden kann. Ich freue mich auf zielführende Verhandlungen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
7 Vermerkeca. 319 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Wir haben da keinen Sitz, meine Güte!

Dann sprechen Sie doch auch nicht zu dem Thema!

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Seit über 20 Jahren steht das Staatsziel Tierschutz im Grundgesetz, und seitdem wird es mit Füßen getreten. Denn das Staatsziel Tierschutz verpflichtet den Staat, die Tiere zu schützen und unnötiges Leid von ihnen abzuwenden, und zwar nicht nur von Tierarten, sondern von jedem einzelnen Tier. Trotzdem gibt es weiter millionenfaches unnötiges Tierleid in Deutschland. Das muss sich ändern.

Beifallbeim BSW

Aber was macht die Bundesregierung? Von den vielen Versprechen im Koalitionsvertrag zum Tierschutz wurde bisher nur eins voll umgesetzt: die Einsetzung einer Tierschutzbeauftragten – einer Expertin also, die Ihnen sagt, was Sie eigentlich tun sollten; aber dann tun Sie es nicht. Und jetzt, kurz vor Toresschluss, legt die Ampel uns ein neues Tierschutzgesetz vor, zu dem Experten zu Recht sagen, dass es absolut ungenügend ist; denn es bringt viel zu wenig Verbesserungen.

Ein Beispiel. Über eine halbe Million Rinder in Deutschland stehen das ganze Jahr in der sogenannten Anbindehaltung. Das bedeutet, dass die Tiere die ganze Zeit immer an exakt der gleichen Stelle stehen, und zwar so eingeengt, dass sie sich nicht mal umdrehen können. Nach Ihrem Gesetz bleibt das für weitere zehn Jahre erlaubt. Und auch danach dürfen die Rinder weiter in dieser leidvollen Enge gehalten werden, nur eben nicht mehr das ganze Jahr. Ich finde das unglaublich!

Beifallbeim BSW sowie bei Abgeordneten der Linken

Es ist weiterhin erlaubt, dass ohne Betäubung Ferkeln der Schwanz abgeschnitten, Hühnern die Schnäbel gestutzt, Schafe und Ziegen kastriert werden. Wo bleibt eigentlich die versprochene Strategie zur Reduktion von Tierversuchen? Wann helfen Sie endlich den Tierheimen, die seit Jahren am Limit sind? Ihre Tierschutzbeauftragte fordert das doch zu Recht. Wann verbieten Sie endlich die qualvollen, überlangen Tiertransporte ins außereuropäische Ausland, wo es zum Teil gar keine Tierschutzstandards gibt?

Zum Beispiel nach Russland!

Russland! Sagen Sie jetzt endlich mal ein Wort der Kritik an Russland!

Nein, meine Damen und Herren, für den Tierschutz muss wirklich viel mehr passieren!

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

– Und wenn Sie das lustig finden, Frau Künast, dann tut mir das für Sie ausgesprochen leid.

Danke schön.

Porträt von Artur Auernhammer
Foto: Büro Auernhammer / Christian Kaufmann
10 Vermerkeca. 403 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren Zuschauer! In vielen Sonntagsreden halten die Politikerinnen und Politiker dieses Landes ein Loblied auf die kleinbäuerlichen Strukturen. Für sie ist oft der kleine Bauernhof aus dem Bilderbuch das Idealbild der Landwirtschaft. Jüngst hat sich auch auf europäischer Ebene eine Kommission dafür ausgesprochen: Man muss die kleinbäuerlichen Betriebe stärken, man muss sie besser unterstützen.

Was macht die Bundesregierung? Was macht diese Ampelregierung? Sie macht mit dieser Vorlage des Tierschutzgesetzes diese kleinbäuerlichen Strukturen kaputt.

Ein Kompromiss, der von keinem der Beteiligten gutgeheißen wird – egal ob Tierschützer, egal ob Landwirtschaft –, das ist kein Kompromiss, das ist eine schlechte Gesetzesvorlage.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Marianne Schieder [SPD]

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wenn es um die Milchviehhaltung geht: Gerade in Süddeutschland haben wir noch die Form der Anbindehaltung und der Kombihaltung. Jetzt ist es allerdings so: Wenn Sie den Bauern vorschreiben: „Innerhalb von zehn Jahren müsst ihr damit aufhören“, dann ist vielleicht der eine oder andere Betrieb dabei, der in drei, vier, fünf Jahren sowieso aufhört. Aber was macht die Landwirtsfamilie, die noch 15 Jahre melken will? Die muss dann wahrscheinlich auch in zehn Jahren aufhören. Und was macht sie in den letzten fünf Jahren, bis sie den vollen Rentenanspruch erfüllt, bis sie ihr Altersgeld bekommt? Sie stoßen diese Bauernfamilien in Existenznöte, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Statt entsprechende Rahmenbedingungen zu setzen, sodass diese Bauernfamilien in Tierwohlställe investieren, jagen Sie diese Bauernfamilien von ihren Höfen.

Ganz extrem ist dies bei der Kombihaltung. Viele Politiker, auch Bundesministerinnen und Bundesminister, sind jedes Jahr bei der Almbegehung – da laufen manchmal mehr Politiker als Rindviecher auf der Weide rum –

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

und loben dann die kleinbäuerliche Landwirtschaft, loben, dass hier mit der Weidehaltung wirklich was für die Artenvielfalt, für die Biodiversität gemacht wird.

Wer bringt denn die Weideprämie auf den Weg? Das haben Sie doch 16 Jahre nicht geschafft! Was schwadronieren Sie denn da?

Und dann vergessen Sie aber, dass in den Wintermonaten, wenn dort oben vielleicht ein Meter Schnee liegt, diese Tiere auch einen Stall brauchen.

Jetzt kommen Sie mit der Kombihaltung und verdonnern die Bauernfamilien dazu, dass sie zweimal in der Woche die Tiere austreiben sollen. Wo sollen sie diese Tiere in den engen Dorflagen hintreiben? Auf den Dorfplatz? Soll man sie einfach mitten im Dorf rumlaufen lassen?

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Nein, meine Damen und Herren, diese Vorlage ist eine grottenschlechte Vorlage.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie führt dazu, dass über 10 000 Milchviehbetriebe allein in Bayern zusperren müssen. Den über 250 000 Kühen geht es am Ende des Tages nicht besser; denn sie müssen zum Schlachter.

Die müssen immer alle zum Schlachter!

Das ist Ihre Gesetzesvorlage.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Porträt von Franziska Kersten
Foto: SPD Sachsen-Anhalt
4 Vermerkeca. 411 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Mit der Novelle des Tierschutzgesetzes setzen wir endlich um, was schon sehr lange gefordert wurde. Neben anderen wichtigen Dingen schaffen wir Transparenz über die Haltungsbedingungen von Nutztieren. Wir können so schwarze Schafe unter den Tierhaltern schnell identifizieren und zum Wohl der Tiere zur Verantwortung ziehen.

Ich habe jahrelange Erfahrung als Amtstierärztin. Die übergroße Anzahl der Landwirte kann vom Generalverdacht wirklich freigesprochen werden. Dies funktioniert über Kontrollen verendeter Tiere dort, wo sie dann hingebracht werden müssen: in die Tierkörperbeseitigungsanlagen.

Studien der Tierärztlichen Hochschule Hannover und aus Österreich haben gezeigt, dass an Tierkadavern deutliche tierschutzrelevante Befunde erfasst werden können. Es kann doch nicht sein, dass Tiere schlecht gehalten oder gar misshandelt oder im schlimmsten Fall auch unsachgemäß getötet werden und der Halter sie dann ohne irgendwelche Konsequenzen einfach entsorgt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die untersuchten Tiere vor dem Verenden bzw. vor der Tötung oft unnötige Schmerzen und langanhaltende Leiden erdulden mussten. Daher führen wir jetzt eine Kennzeichnungspflicht für alle verendeten und getöteten Tiere ein, um sie bei Kontrollen eindeutig dem Tierhalter zuordnen zu können.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Diese Kontrollen ins Gesetz aufzunehmen, hatte der Bundesrat schon 2019 gefordert. 2021 kam die Bundesregierung dem dann mit einem Gesetzentwurf nach, der leider durch den Ablauf der Wahlperiode nicht mehr verabschiedet werden konnte. Daher ist es jetzt umso erfreulicher, dass diese Thematik endlich im Gesetz verankert wird.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Union müsste eigentlich frohlocken; denn immerhin war es die Ministerin Otte-Kinast, die diesen Antrag eingebracht hat. Es wäre gut, wenn Sie sich daran noch erinnern würden. Auch der Bauernverband hatte dies gefordert und ebenfalls die Amtstierärzte. Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Einhufer sind jetzt erfasst. Dazu muss aber auch eine regelmäßige Schulung der Landwirtinnen und Landwirte zur Haltung und auch zur Tötung von Tieren erfolgen; denn das lernt nicht mehr jeder auf der Schule. Es wäre sinnvoll, das wirklich gut zu unterstützen.

Wir müssen die notwendigen Maßnahmen allerdings auch bürokratiearm umsetzen. Es sollte sich am Leitfaden des Nationalen Tierwohl-Monitorings orientiert werden, den etablierte Fachwissenschaftler/-innen zusammengestellt haben. Aufgrund meiner veterinärmedizinischen Expertise befürworte ich diese Vorgehensweise zutiefst. Das bedeutet auch, dass Kontrollen nur Sinn machen, wenn ein Tierschutzverstoß am Tier auch wirklich erkennbar ist, zum Beispiel eine qualvolle Tötung. Aber auch als Beweis für unzureichende oder katastrophale Haltungsbedingungen ist es sinnvoll, diese Tiere zu identifizieren. Dadurch könnten die Veterinärbehörden effektiver kontrollieren, und dann würde es vielleicht auch dazu kommen, dass in Bayern öfter als alle 30 Jahre kontrolliert wird.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dazu hat der Bauernverband gar nichts gesagt!

Porträt von Zoe Mayer
Foto: Zoe Mayer/ Stefan Kaminski
7 Vermerkeca. 290 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Seit mehr als 20 Jahren steht der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz. Aber der Unterschied zwischen Realität und Anspruch, so wie es aktuell in Deutschland gelebte Praxis ist, könnte kaum größer sein.

Beifallder Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir haben das beste Tierschutzgesetz der Welt!

Weniger Qual von Tieren, das wünschen sich nicht nur die Tiere selbst, sondern das wünschen sich vor allem auch die Menschen in Deutschland.

Die Menschen in Deutschland wünschen sich bezahlbare Lebensmittel!

90 Prozent der Menschen in Deutschland wollen mehr Tierschutz. Das zeigen uns die aktuellen Zahlen und das EU-Barometer.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Auch der Bundesrat gibt uns vollen Rückhalt. Es gingen einige konstruktive Vorschläge ein, wie wir mehr Tierschutz in unserem Tierschutzgesetz durchbringen können. Weniger konstruktiv sind die Vorschläge der CDU/CSU an dieser Stelle. Ich möchte gerne mal auf einige Kritikpunkte eingehen, die Sie in dieser Debatte genannt haben.

Man muss sagen, nicht nur in der Wirtschaftspolitik, auch in der Landwirtschaftspolitik entspricht das dem Bild, das Sie als Partei aktuell abgeben: Zurück ins letzte Jahrhundert und einfach ignorieren, wo der Anspruch in der Bevölkerung tatsächlich liegt.

Sprechen Sie gerade von den Grünen?

Sie sagen: Das Tierschutzgesetz ist das Ende der Tierhaltung. – Ich sage Ihnen eines: Die größte Gefahr, die wir für die Tierhaltung in Deutschland haben, ist ein Rückgang der Akzeptanz, weil die Menschen nicht wollen, dass Tiere weiter so gehalten werden, wie es dem Status quo entspricht.

Sie wollen das nicht!

Tiere können ganzjährig angekettet gehalten werden. Tiere werden immer noch kupiert, an das System angeglichen. Tiere werden betäubungslos kastriert. Und Sie sagen: Das ist okay. – Nein! Der Einzelhandel hat sich entschieden, bis 2030 Anbindehaltung auszulisten.

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Bravo!

Ich sage Ihnen: Das haben die nicht entschieden, weil die Grünen sagen: „Wir wollen das verbieten“, sondern weil die Menschen nicht mehr entsprechend nachfragen. Wir müssen den Anspruch der Bevölkerung endlich in geltendes Recht überführen. Das ist längst überfällig. Sie haben das nicht geschafft.

Porträt von Hermann Färber
Foto: Hermann Färber/ photothek/ Thomas Tuchel
1 VermerkZwischenfrageca. 56 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank, Frau Mayer, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie haben gerade gesagt: Tiere werden betäubungslos kastriert. – Ist Ihnen bekannt, dass das seit vier Jahren in Deutschland verboten ist, dass aber gleichzeitig nach Ihrem Tierhaltungskennzeichnungsgesetz bei betäubungslos kastrierten Tieren aus Dänemark und den Niederlanden mit dem höchsten staatlichen Tierwohlorden ausgezeichnet wird, wenn sie hier gemästet werden?

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD
Porträt von Zoe Mayer
Foto: Zoe Mayer/ Stefan Kaminski
6 Vermerkeca. 346 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Färber, Sie wissen ganz genau, dass das aktuell nicht dem gesetzlichen Standard entspricht.

Aber Sie geben mir die perfekte Überleitung zu dem Kommentar, den gerade erst die Kollegin Damerow eingebracht hat, nämlich dass wir gleiche Standards überall in Europa haben wollen. Sie müssen doch zugeben, dass es ein bisschen peinlich ist, die EU-Kommissionspräsidentin zu stellen und zu sagen: Wir wollen höhere Tierschutzstandards in ganz Europa. – Die Menschen in Europa fordern schon jahrelang und mit vielen Petitionen höhere Tierschutzstandards. Sie haben nichts umgesetzt. Ganz viel angekündigt wurde von der letzten Kommission, aber umgesetzt – null.

Wir sind gespannt, ob Sie das schaffen. Dann können wir nämlich sagen: Level Playing Field für alle. Dass wir in Deutschland jetzt sagen: „Nein, mal schön langsam; wir trotten hinter allem absolut hinterher, was auf europäischer Ebene passiert“, das wollen wir nicht.

Sie antworten an der Frage vorbei!

Haben Sie die Frage nicht verstanden?

Wie gesagt, die Menschen in Deutschland wollen das auch nicht.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und deswegen: Die Ewiggestrigen von der Union können an dieser Stelle wirklich einstecken.

Lassen Sie mich in der Rede fortfahren, und zwar zum Thema „Bürokratie und Belastung“. Sie sagen: ein Bürokratiemonster, neue Belastungen für die Behörden. – Das Gegenteil ist doch der Fall. An vielen Stellen führen wir Vereinfachungen ein. Lassen Sie mich zwei Beispiele nennen: „Videoüberwachung bei Schlachtungen“ und „Tierkörperbeseitigungsanlagen“. Wenn wir hier Daten sammeln, ist es für die Veterinärbehörden viel einfacher, solchen Betrieben gezielt auf den Grund zu gehen, in denen wirklich massive Verstöße stattfinden. Das sorgt dafür, dass wir die schwarzen Schafe aus der Branche rausbekommen und das Ansehen der Landwirtschaft in Deutschland insgesamt wieder steigern. Das müsste auch Ihrem Interesse entsprechen. Ansonsten machen Sie sich hier nicht besonders glaubwürdig.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Herr Färber, Sie haben gesagt: Es gibt nicht genug Tierärztinnen und Tierärzte, die all das kontrollieren. – Lesen Sie doch mal die Stellungnahme der deutschen Tierärzteschaft – auch da sind viele CDU- und CSU-Mitglieder vertreten –; diese Stellungnahme besagt etwas völlig anderes,

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

nämlich dass es absolut dem Standard entspricht, dass qualifiziertes Personal Betäubungen durchführt. Dem werden wir uns nicht widersetzen, sondern wir werden dem gängigen wissenschaftlichen Standard an dieser Stelle entsprechen.

Deswegen bleibt mir nur, am Ende zu sagen:

Porträt von Zoe Mayer
Foto: Zoe Mayer/ Stefan Kaminski
2 Vermerkeca. 21 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Liebe Union, raus aus dem letzten Jahrhundert, den Wählerwillen umsetzen, und das umsetzen, was die Menschen in Deutschland wollen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Die Grüne Jugend ist zurückgetreten! Wann gehen Sie weg?

Beifallbei der Linken
Porträt von Andreas Lenz
Foto: Dr. Andreas Lenz/ András Dobi
12 Vermerkeca. 579 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Uhlig, ich weiß gar nicht, warum Sie sich so aufregen. Machen Sie doch Ihre Arbeit im Energieministerium, und schieben Sie nicht die Schuld auf andere.

Und gerade wenn es um Wirtschaftskompetenz geht, wäre ich als grüne Fraktion eher etwas leiser.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Wir haben unseren Antrag zur Bioenergie bereits im Januar eingebracht.

Jetzt kommt’s!

Da hieß es dann von den unterschiedlichsten Fraktionen: Grundsätzlich ein ganz guter Antrag, viele gute Punkte. Aber er kommt leider von der Union; deswegen können wir ihn nicht annehmen. – Mittlerweile haben wir aber schon September, und die Ampel hat immer noch nichts gemacht.

Fast schon Oktober!

Sie handeln leider nicht, während viele Biogasanlagen – meistens stehen Familienbetriebe dahinter – unmittelbar vor dem Aus stehen. Die jüngsten Ausschreibungen für Biomasseanlagen waren beispielsweise dreimal überzeichnet. Das Ausschreibungsvolumen reicht also nicht aus. Handeln Sie, bevor es zu spät ist, bevor regelbare, flexible Beiträge für das Stromsystem verloren gehen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Häufig stehen hinter diesen Biogasanlagen Wärmekonzepte. Auch diese stehen letztlich vor dem Aus, wenn Sie der Bioenergie keine Zukunft geben. Die Folge wäre ein Mehr an Heizöl im ländlichen Raum. Das können Sie doch nicht wirklich wollen. Wir wollen den Erhalt der bestehenden Konzepte und die Nutzung des Potenzials der Biomasse, insbesondere im ländlichen Raum.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben es ja angesprochen: Im August kam die Ankündigung aus dem Ministerium, von Minister Habeck selbst, ein Konzept für Biogasanlagen zu entwickeln. Darauf warten wir, aber vor allem die Betreiber leider immer noch.

Das ist die erste normale Sitzungswoche!

Schaffen Sie endlich Perspektiven für die 10 000 Anlagen, die übrigens fast 10 Millionen Haushalte mit Strom versorgen, der flexibel gefahren werden kann! Schaffen Sie vor allem Perspektiven für die Biomasse, und stellen Sie die Biomasse nicht ins Abseits!

Beifallbei der CDU/CSU

Im Moment leistet die Biomasse übrigens im Bereich der Wärme einen Beitrag von 84 Prozent innerhalb der Erneuerbaren. Das ist also immens.

Völlig kontraproduktiv sind übrigens die Überlegungen, dass man eine CO2-Abgabe auf Holzenergie einführen sollte. Ich möchte an dieser Stelle ganz klar betonen, dass wir als Union das vollständig – wirklich komplett – ablehnen.

Ebenso bitten wir Sie: Wirken Sie auch auf Änderungen beim Umweltbundesamt hin! Da gibt es einen CO2-Rechner, der den CO2-Ausstoß von Holzenergie und der Energie von leichtem Heizöl ungefähr gleich gewichtet. Das kann doch wirklich nicht Ihr Ernst sein. Es ist doch völlig klar, dass das CO2, das im Holz gebunden ist, beim Verbrennen entsprechend CO2-neutral wieder abgegeben wird.

Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Jede Sekunde wachsen in Deutschland 4 Kubikmeter Holz nach. Dabei exportieren wir in Deutschland mehr Holzpellets, als wir importieren. Allein im Jahr 2023 fielen rund 27 Millionen Festmeter Schadholz an. Lassen Sie uns doch diese Potenziale gemeinsam nutzen und nicht ablehnen, meine Damen und Herren!

Beifallbei der CDU/CSU

Wir sehen deshalb auch den Entwurf der Nationalen Biomassestrategie insgesamt sehr kritisch.

Auch der Bereich biogener Kraftstoffe bietet übrigens noch mehr Potenzial, das es zu heben gilt; das wäre ein unmittelbarer Beitrag zur CO2-geminderten Mobilität. Da wollen wir marktwirtschaftliche Anreize nutzen und auch wirken lassen und nicht mit einem starren, begrenzten Ansatz regulieren, wie Sie ihn jetzt im Entwurf der Biomassestrategie vorsehen. Aus unserer Sicht kommt auch hier das Potenzial der Biomasse nicht zur Geltung.

Wir wollen also insgesamt die Biomasse stärken, ihr die entsprechenden Perspektiven geben. Wir wollen sie ermöglichen und nicht verhindern, und das ist – leider – der Unterschied zwischen Ihnen und uns. Aber Sie können ja unserem Antrag noch zustimmen bzw. auch gerne Anhaltspunkte und Aspekte herausnehmen und dann der Biomasse eine Zukunft geben.

In diesem Sinne: Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
13 Vermerkeca. 560 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Kollege Dr. Lenz, eigentlich habe ich mir vorgenommen, mit Blick auf das voraussichtliche Sitzungsende – heute Nacht um 3 Uhr – die Rede ein bisschen kürzer zu halten. Jetzt muss ich doch auf ein paar Punkte eingehen.

Ich wollte aber trotzdem zumindest ein paar lobende Worte loswerden; denn der Antrag, den Sie gestellt haben, ist ja wenigstens mal was, mit dem man inhaltlich arbeiten kann,

anders als bei den Haushaltsberatungen, wo Sie sich ja in Arbeitsverweigerung üben. Von daher: Vielen Dank dafür!

Die Ampel setzt sich, anders als Sie behaupten, Herr Lenz, mit voller Kraft für die Energiewende ein. Wir bauen die erneuerbaren Energien in einem Rekordtempo aus; dazu zählen am Ende natürlich alle erneuerbaren Energien. Wir haben in dieser Wahlperiode so viele Hemmnisse und Hindernisse aus dem Weg geräumt wie keine Bundesregierung zuvor.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Lukas Köhler [FDP]

So schaut’s aus!

Man muss ganz klar sagen, dass wir jetzt schon eine ganze Reihe von neuen Gesetzen und zahlreiche Änderungen bestehender Gesetze auf den Weg gebracht haben, die dazu geführt haben, dass wir der Bioenergie tatsächlich eine richtige und reelle Chance geben.

Weil Sie gesagt haben, wir würden nichts machen, habe ich mir zumindest ein paar Punkte rausgeschrieben. Die müssen Sie sich jetzt anhören, und danach können wir noch mal darüber reden.

Wir haben in der Energiekrise reagiert. Wir haben die Höchstbemessungsleistung ausgesetzt, die Anforderungen an den Güllebonus gelockert,

die Obergrenze für die Biogasproduktion ausgesetzt. Wir machen unser Gasnetz fit für die CO2-neutrale Zukunft und haben dafür gesorgt, dass Biogasaufbereitungsanlagen jetzt geclustert und privilegiert im Außenbereich errichtet werden können. Wir haben dafür gesorgt, dass landwirtschaftliche Biogasanlagen mehr als 49 Prozent Biomasse aus nichtprivilegierten Betrieben einsetzen können. Wir haben die einfachere Errichtung von Satelliten-BHKWs ermöglicht. Wir ermöglichen Bioenergie in Nahwärmenetzen. Wir haben dafür gesorgt, dass Zuckerrübenschnitzel jetzt in Biogasanlagen vergärt werden dürfen.

Wir haben dafür gesorgt – und das ist, glaube ich, wirklich ein sehr wichtiger Punkt –, dass Biogasanlagen am Ende von der Stromerlösabschöpfung ausgenommen wurden, und damit das Überleben von Tausenden Anlagen in der ganzen Republik ermöglicht.

Nein! Eben nicht!

Wir haben auch dafür gesorgt, dass nichtbezuschlagte Ausschreibungsmengen aus der Biomethanausschreibung auf die Biogasausschreibungen aufgeschlagen werden können.

Beifallder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Der Mechanismus wirkt aber leider nicht!

Vor allem haben wir dafür gesorgt, dass wir den Anlagenbetreiberinnen und Anlagenbetreibern eine Zukunft bieten. Für Biogas wird Deutschland – mit meiner Fraktion, mit dieser Ampel – auch in Zukunft ein wichtiger Standort sein.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Jetzt kann man natürlich zu Recht bemängeln, dass einige Punkte, die ich genannt habe, befristet sind; aber Sie können uns glauben: Wir arbeiten daran, sie zu entfristen. Andere Punkte, die in Ihrem Antrag genannt werden, sind längst umgesetzt, zum Beispiel der Punkt 7. Da haben Sie gefordert, dass die Gärrestelagerung in Einklang mit der TA Luft erfolgen soll, was schon längst der Fall ist. Das ist schon längst abgeräumt.

Im Januar war das noch nicht so! Wir haben den Antrag im Januar gestellt!

Klar ist aber auch, dass wir die Grenzen der Bioenergie am Ende richtig einschätzen müssen. Die Anbauflächen in Deutschland sind begrenzt und lassen sich nicht unendlich vergrößern.

Wir müssen das alles noch vermessen in den Mooren!

Es wäre schlecht, unsere Wälder für die Energieerzeugung zu roden. Am Ende ist es wichtig, dass wir einen guten Zwischenweg gehen.

Mit uns als Ampelkoalition hat die Bioenergie – dazu zähle ich nicht nur Biomethan, sondern auch Biogas und Holzenergie – eine Zukunft, genauso wie die Biospritindustrie. Darauf setzen wir auch in Zukunft.

Zurufdes Abg. Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]

Dazu braucht es nicht unbedingt den Antrag der Union, der in vielen Punkten überholt ist; aber es war ein guter Versuch. Vielen Dank dafür.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Rainer Kraft
Foto: Rainer Kraft/Hagen Schnauss
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Sehr geehrte Präsidentin! Werte Kollegen! Der Abbau von bürokratischen Verpflichtungen, willkürlichen Begrenzungen und ideologischem Nudging hin zu der gerade von der Regierung erlaubten Ideologie, das sind drei Punkte aus dem Antrag, die ich positiv hervorheben will. Der Grund, warum weniger Vorschriften so wichtig sind, ist, dass die Bauern und Landwirte, die entweder direkt Betreiber und Eigentümer von Bioenergieanlagen sind oder diese beliefern, mit zu den am stärksten von Vorschriften geknechteten Berufsständen gehören. Die Bürokratie für Landwirte ist mittlerweile dermaßen übergriffig geworden, dass für viele Betriebe die pure Existenz infrage steht.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]

Es gehört aber zur Wahrheit, dass die Antragsteller von CDU/CSU auf EU-Ebene die größten Unterstützer ebenjener Bürokratie sind, mit der unsere Landwirte gegängelt werden.

Heiterkeitbei Abgeordneten der AfD

Und wenn Sie, wie in Punkt 16 Ihres Antrages, dafür werben, dass die Umsetzung der Nachhaltigkeitsanforderungen der EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie – neudeutsch: Renewable Energy Directive, abgekürzt: RED; es gibt sie in den Versionen eins bis drei –, Zitat, praxisgerecht und verhältnismäßig sein soll, dann frage ich mich, wer sich auf EU-Ebene für die Einführung ebendieser übergriffigen und existenzvernichtenden Regelung eingesetzt hat, meine Damen und Herren von der Union. Das waren Sie, Ihre Kollegen in Brüssel und Frau von der Leyen.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]

Von der Leyen muss weg!

Ihre Mehrgleisigkeit – nennen wir es mal so – in der Kommunikation auf nationaler und auf EU-Ebene hat schon ein ganz spezielles Geschmäckle. Sie bekämpfen die Gesetze, die Sie selbst zu verantworten haben.

Wir als AfD wollen marktwirtschaftliche Lösungen für unsere Landwirte. Wir freuen uns über jeden Landwirt, der ein Zubrot findet und sich von Ihrem Regulierungswahn freimachen kann. Trotz des Lobes kann die AfD dem Antrag nicht zustimmen, und das will ich aus drei Punkten exemplarisch ableiten.

Erstens: Ihre – mit Verlaub – dumme Idee der Carbon-Capture-Technologie bei Bioenergie. Die Kosten für CCS werden auf bis zu 250 Euro pro Tonne CO2 geschätzt. Wer soll denn bitte nach Ihrem Willen die Kosten dafür tragen? Der betreibende Unternehmer, der dann pleitegeht? Die Kunden, die ohnehin schon viel zu viel zahlen für die Energie in Form von Wärme, Gas und Strom, die dann noch teurer wird? Oder soll es am Ende der Steuerzahler machen? Wobei Herr Lindner jetzt schon das Geld nicht findet. Also: Nein, nicht mit der AfD.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]

Zweitens. Sie fordern eine Quote für Biogas im bestehenden Erdgasnetz. Aber: Biogas hat einen niedrigeren Brennwert als Erdgas. Der Bürger bekommt also für das gleiche Geld viel weniger Energie geliefert. Da kann man jetzt die ganzen Messgeräte entweder austauschen oder neu eichen lassen. Das kann man machen; das ist nur teuer, aber machbar. Was aber gar nicht geht, ist, dass Sie eine konstante Beimischungsquote im gesamten deutschen Erdgasnetz an jeder Endentnahmestelle garantieren. Bürger würden also am Ende betrogen, weil sie zu viel Geld für zu wenig Brennwert zahlen müssten. Nein, nicht mit der AfD.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]

Drittens. Das, worauf Sie mit keinem Wort eingegangen sind, sind die möglichen Pläne der Regierung, das Heizen mit Biomasse der CO2-Abgabe zu unterwerfen. Die Regierung hat das natürlich pflichtschuldigst dementiert; aber ein Referentenentwurf fällt ja nicht einfach vom Himmel. Diese Regierung ist mittlerweile pleite und gierig – so gierig, dass sie dafür jederzeit die Biogasanlagenbetreiber über die Klinge springen lassen würde. Und da sagen wir: Nein, nicht mit der AfD.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]

Zu guter Letzt. Sie fordern, Bioenergie zu fördern, um das lokale Stromsystem zu stabilisieren. Das beweist Ihre energiepolitische Kurzsichtigkeit. Ein gutes, ein funktionierendes und an den Bedürfnissen der Bürger und der deutschen Industrie orientiertes Energiesystem hat es gar nicht nötig, stabilisiert zu werden. Sie reden hier den grünen Fantastereien der Transformation das Wort. Damit beweisen Sie, dass die deutsche Energiepolitik bei Ihnen genauso schlecht aufgehoben ist wie bei dieser schlechtesten Koalition aller Zeiten.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]
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Frau Präsidentin! Geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Liebe Landwirtinnen und Landwirte! Was haben wir konkret für die Bioenergie erreicht? Jede Menge: Im Baurecht haben wir dafür gesorgt, dass die Begrenzung der Gaserzeugung der Biogasanlagen im Baugesetzbuch aufgehoben wird. Wir haben erreicht, dass Anlagen zur Aufbereitung von Biomethan bis 2029 im Außenbereich grundsätzlich privilegiert errichtet werden können. Ich will auch noch mal an den Krisenwinter 2022/2023 erinnern, wo wir dafür gesorgt haben, dass die Erlösabschöpfungspläne für die Bioenergie so abgemildert worden sind, dass sie davon de facto nicht betroffen war.

Was haben wir im Wärmemarkt erreicht? Wir haben erreicht, dass Bioenergie im Wärmeplanungsgesetz eine entscheidende Rolle einnimmt. Beispielsweise gibt es keinen Biomassedeckel für kleinere Wärmenetze bis zu einer Länge von 50 Kilometern, und das ist für Bioenergie eine relevante Länge. Biogasbestandsanlagen werden auch nicht auf den Biomassedeckel in größeren Wärmenetzen angerechnet.

Wir haben im Gebäudeenergiegesetz für Technologieoffenheit gesorgt, sodass Bioenergie dort großartige Perspektiven hat. Ein Bioenergieverbot im Neubau gibt es nicht, und die Bioenergie wird in der Gasversorgung gestärkt. Und wir haben dafür gesorgt, dass es für Holzheizungen im Gesetz oder in der Förderung keine Hürden durch eine Staubfilter- oder Kombinationspflicht gibt.

Beifallbei der FDP

Es geht noch weiter. Was haben wir im Energierecht erreicht? Wir haben im Energierecht erreicht, dass die Südquote bei den Biomasse- und Biomethanausschreibungen bis Ende 2027 befristet ausgesetzt wird und wir damit den Markt beleben. Wir haben erreicht, dass es keine Verschärfungen von Nachhaltigkeitsanforderungen gibt. Wir haben eine dauerhafte Flexibilisierung der Gärrestelagerung eingeführt. Und wir haben dafür gesorgt, dass es die Option zur Aufstockung von Güllekleinanlagen ohne Förderverluste gibt.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Andreas Mehltretter [SPD] und Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir haben auch erreicht, dass der Gülleanteil von mindestens 30 Prozent zeitweise, aus naheliegenden und sinnvollen Gründen, unterschritten werden kann, ohne dass der entsprechende Bonus für die Anlage für immer verloren geht.

Beifallbei der FDP sowie des Abg. Andreas Mehltretter [SPD]

Darüber hinaus haben wir gesetzliche Hürden für Anlagenbetreiber im Energiesicherungsgesetz abgebaut.

Was ist das Ziel der Freien Demokraten? Unser Ziel ist es, dass für Bioenergie am deutschen Energiemarkt weiterhin gute Perspektiven entstehen, dass sie für Landwirtinnen und Landwirte auch eine Ertragsquelle ist, übrigens eine, bei der es überhaupt nicht um die Diskussion „In den Tank oder auf den Teller?“ geht. Wer sich zum Beispiel mit Fruchtfolgen in der Landwirtschaft beschäftigt, der weiß, dass es ganz sinnvoll ist, wenn auf eine Getreideproduktion auch mal eine Grünzeugproduktion folgt. Dieses Grünzeug kann man dann wunderbar zur Erzeugung von Bioenergie verwenden.

Beifallbei der FDP

Wir wollen die Marktpotenziale von Bioenergie weiterhin ausbauen, beispielsweise dadurch, dass wir Flexibilitäten und später auch Potenziale im Kapazitätsmarkt für Bioenergie anreizen, aber auch durch die Anerkennung von CCS und CCU. Von den gegenwärtigen Kosten sollte man, bitte schön, nie auf die zukünftigen Kosten schließen. Die Kosten sinken, wenn so etwas erst einmal Massenmarkt wird.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Lassen Sie mich noch anmerken: Bezüglich der Flexibilitäten und auch bezüglich des Kapazitätsmarktes wissen wir Freie Demokraten, dass diese Systeme erst in einigen Jahren ihre Wirkung entfalten werden. Deswegen sind wir offen für sinnvolle Überbrückungsregelungen für die Bioenergie bis dahin. Ich denke, dass beispielsweise Innovationsausschreibungen gezielt noch besser in Richtung Bioenergie gestaltet werden könnten, weil beispielsweise PV-Parks mit Speicheranlagen die auch gar nicht mehr brauchen. Das ist eine von mehreren Ideen, die wir dabei aufgreifen werden.

Abschließend möchte ich noch anmerken, dass der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes mir neulich auf einer Podiumsdiskussion in Berlin versichert hat, dass die Landwirtinnen und Landwirte gerne den Weg raus aus der Förderung, rein in den Markt gehen.

Wir Freie Demokraten unterstützen sie dabei gern.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP
Porträt von Maria-Lena Weiss
Foto: Maria-Lena Weiss/ Michael Kienzler
9 Vermerkeca. 543 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Bioenergie ist das Schweizer Taschenmesser unter den Erneuerbaren. Sie kann gesicherte Leistung bereitstellen, sie ist regelbar, sie ist flexibel, sie ist netzdienlich. Sie kann Strom, sie kann Wärme. Sie ist also die perfekte Ergänzung zu Sonne und Wind. Für uns als Union ist deshalb klar: Bioenergie hat Zukunft. Deshalb braucht Bioenergie eine Perspektive.

Beifallbei der CDU/CSU

Noch gibt es in Deutschland rund 10 000 Biogasanlagen. Diese Anlagen können 9,6 Millionen Haushalte mit grünem Strom versorgen. Diese Anlagen versorgen fast 2 Millionen Haushalte mit nachhaltiger Wärme. Diese Anlagen sind im ländlichen Raum fest integriert. Sie sind die Basis für viele Nahwärmenetze und ersetzen nicht nur Gas- und Ölheizungen in Wohnhäusern, Schulen und Schwimmbädern, sondern sparen auch jährlich tonnenweise klimaschädliches CO2 ein. Reservekraftwerke mit Biogas sind ein verlässliches Standbein der Energiewende. 12 Gigawatt kann Biogas mit einer Überbauung der Anlagen bereitstellen, ohne dass mehr Biomasse als derzeit eingesetzt werden muss – und das zu den halben Kosten der geplanten Gas- und Wasserstoffkraftwerke.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, alles prima, könnte man meinen. Doch das ist leider nicht so. Denn die Zukunft sieht für Biogasanlagen nicht nur schlecht aus, sondern unter dieser Ampel rabenschwarz,

Beifallbei der CDU/CSU

weil Sie regulatorische Weichen falsch oder nicht gestellt haben, weil Sie im EEG das Ausschreibungsdesign so verengt haben, dass für Biomethananlagen niemand bietet, während die Ausschreibung für Biomasseanlagen deutlich überzeichnet ist. Zwei von drei Anlagen haben in der letzten Förderrunde keinen Zuschlag erhalten. 500 Biogasanlagenbetreiber sind damit leer ausgegangen. Und eines ist doch klar: Wenn eine Anlage vom Netz geht, dann ist das endgültig, dann gibt es keine Reaktivierung mehr. Und das ist nicht nur schlecht für den Landwirt, sondern das betrifft alle, die mit diesem Strom oder mit dieser Wärme versorgt werden: Haushalte, Schulen, Schwimmbäder, Kindergärten, Turnhallen, Altenheime, Krankenhäuser. Wenn Sie, liebe Ampelkollegen, die Zukunft dieser Biogasanlagen nicht sichern, dann gefährden Sie die Energieversorgung der Menschen und dieser Einrichtungen.

Beifallbei der CDU/CSU

Mit unserem Antrag wollen wir der Bioenergie eine Perspektive geben, mit einer Anpassung des Ausschreibungsdesigns, mit einer Erhöhung der Ausbauziele, mit einer Erhöhung des Flexibilitätszuschlages, mit Rahmenbedingungen, die einen Anreiz geben, Biogasanlagen zu flexibilisieren, und mit weiteren guten Vorschlägen.

Liebe Kollegen der Ampel, Sie haben diese Zukunftsperspektive gestern im Ausschuss abgelehnt. Wenn Sie sie heute wieder ablehnen, dann seien Sie doch in dieser Debatte wenigstens ehrlich, und sagen Sie den Landwirten und den Menschen da draußen, dass Bioenergie nicht in Ihr Weltbild passt.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der CDU/CSU: Genau! Das ist es nämlich!

Hören Sie auf, die Biogasbauern für dumm zu verkaufen! Hören Sie auf, Ihr Stückwerk als wegweisende Entscheidungen zu überhöhen! Ihr Wolkenkuckucksheim und die Tatsache, dass zwei Drittel der Biogasanlagen im Bestand gefährdet sind – weil Sie die entscheidenden Punkte eben noch nicht angegangen sind –, das passt nicht zusammen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Liebe Ampelparteien, sagen Sie, dass Sie kein Interesse daran haben, dass die Bioenergie weiterhin einen Platz in unserer Energieversorgung hat!

Das können wir nicht sagen, weil es nicht stimmt!

Beim Minister ist das so; denn sonst wäre er bei dieser Debatte hier anwesend, und sonst hätte er die Wochen, die seit seiner Ankündigung eines Biomassepakets vergangen sind, genutzt, um etwas Konkretes vorzulegen.

Eine Sitzungswoche ist vergangen!

Mit Lippenbekenntnissen zur Bioenergie ist niemandem geholfen. Klar ist, dass das Aus vieler Biogasanlagen nicht nur energiepolitisch kurzsichtig ist, sondern auch ein weiterer Schlag ins Gesicht unserer ländlichen Räume und der Klimaziele. Überdenken Sie also Ihre Entscheidung, und stimmen Sie unserem Antrag zu!

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Lisa Badum
Foto: Lisa Badum / René Ruprecht
13 Vermerkeca. 467 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Weiss, Sie haben sich gerade sehr für die Landwirtinnen und Landwirte eingesetzt. Ja, wer hat eigentlich je etwas für die Landwirtinnen und Landwirte getan?

Zurufevon der CDU/CSU: Sie nicht!

Wer hat dafür gesorgt, dass sie ein drittes Standbein neben der Lebensmittelerzeugung haben?

Das waren SPD und Bündnis 90/Die Grünen mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Wir haben das Ganze überhaupt ins Rollen gebracht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Heiße Luft ist gut, aber man muss auch von etwas abbeißen können; gerade als Landwirt. Diese Einkommensquelle haben wir geschaffen.

Etwas weniger Selbstbeweihräucherung wäre gut! Schauen Sie mal nach vorn!

Ja, es gibt Themen, die wir heute besprechen müssen. Ich finde es toll, dass Sie sich die Mühe mit dem Antrag gemacht haben. Denn wahr ist: Für viele wird in den nächsten Jahren die 20-jährige EEG-Förderung auslaufen

– bei einigen läuft sie jetzt schon aus, bei anderen in den nächsten Jahren –, und es gibt aktuell nicht für alle eine Anschlussförderung. Das beschäftigt uns. Wir Grüne wollen, dass diese Anlagen eine Zukunft haben; denn sie stehen für ländliche Wertschöpfung.

Das Thema Wärmenetze wurde angesprochen. Wir wissen, dass sie flexibel einspringen können, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

und damit – Frau Weiss, Sie haben vollkommen recht – auch fossiles Erdgas ersetzen können. Die Einfuhr von 2 bis 4 Prozent des deutschen Gases könnten wir uns sparen, wenn alle Biogasanlagen flexibel laufen würden. Was ich mich nur frage, ist: Warum bevorzugen Herr Aiwanger und die Bayerische Staatsregierung, in Bayern neue Erdgasquellen anzuzapfen, anstatt die heimischen Landwirtinnen und Landwirte zu stärken?

Das ist der falsche Weg. Wir wollen erneuerbare Energien.

Herr Lenz, wenn Sie sagen, wir müssen die Nahwärmenetze erhalten, stimme ich Ihnen natürlich vollkommen zu. Sie haben ein ganzes Jahr damit verbracht, gegen erneuerbares Heizen zu hetzen.

Das stimmt doch nicht! Sie haben doch alles vermurkst!

Aber ich sehe, dass Sie jetzt weiter sind und sagen: Es sollen keine Öl- und Gasheizungen mehr laufen. Wir nehmen das sehr gerne zur Kenntnis. Wir arbeiten gerne mit Ihnen daran weiter. Ich möchte einen sehr guten Satz aus Ihrem Antrag zitieren – es gibt einige gute Sätze, aber dieser ist besonders gut –: „Damit sind flexible Biogasanlagen eine elementare und unverzichtbare Flexibilitätsoption im Strommarkt der Zukunft.“ Dieser Meinung sind wir auch.

Dann tun Sie mal was!

Lassen Sie uns daher konstruktiv etwas erarbeiten. Ich hoffe natürlich, dass Sie unseren Vorschlägen dann zustimmen.

Nur eine Bitte habe ich noch: Sie müssen ein bisschen näher an den Menschen sein.

Lachenbei der CDU/CSU

Das sagen ausgerechnet die Grünen!

Ich habe in Ihrem Antrag zum Beispiel gelesen, dass CCS, also CO2-Abscheideanlagen, ein großes Thema sind. Ich war erst vor weniger Monaten im Landkreis Ansbach auf einem großen Treffen mit ungefähr 40 Biogasbäuerinnen und -bauern – Peter Hecht war auch dort –, und niemand hat gesagt: Ich brauche jetzt eine CCS-Abscheideanlage. – Sie müssen dorthin, wo das Volk ist, und Lösungen bringen – am besten zusammen mit uns –, die den Menschen vor Ort auch etwas nutzen.

Vielen Dank. Wir freuen uns auf die Beratungen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Ina Latendorf
Foto: Ina Latendorf/ Olaf Köstritz
2 Vermerkeca. 269 WörterReaktionswert: ruhig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dass Bioenergie die einzige erneuerbare Energie ist, die gesichert und reguliert Strom und Wärme bereitstellen kann, hat sich inzwischen auch in der Union herumgesprochen. Auch im Namen meines erkrankten Kollegen, des Technikers und Experten der Linken in Sachen Energie, Ralph Lenkert: Herzlichen Glückwunsch an die Union zu dieser Erkenntnis!

Beifallbei der Linken

Unterstützenswerte Forderungen sind: Erstens, die Schlechterstellung von Bioenergie ist umgehend zu beenden, und, zweitens, die Rahmenbedingungen – ökonomisch, baurechtlich, dezentralisiert und in der Energiebilanzierung – müssen schnell verbessert werden. Auch Ihre Forderung, in einen Dialog zur Nationalen Biomassestrategie zu treten, tragen wir mit.

Wir plädieren dafür, die Biomassenutzung als volkswirtschaftlich sinnvollen und notwendigen Baustein des Energiesystems bis 2045 so zu integrieren, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens auch erreichbar sind. Der vorliegende Antrag könnte der derzeitigen Blindheit für Biomasse als Energiequelle entgegenwirken und würde zumindest die vorhandene Infrastruktur sichern, wie Frau Weiss deutlich gemacht hat.

Die Ampelkoalition bzw. vor allem die Grünen müssen sich endlich äußern, mit welchen Technologien und welchen Mehrkosten sie gedenken, das Problem der Strom- und Wärmestabilität ab 2030 lösen zu wollen. Die Biomassenutzung wäre ein Baustein, aber ankündigen reicht nicht, Frau Uhlig.

Der Antrag hat dennoch einen Haken. Die Verbindung in der Ökobilanz zwischen Biomassenutzung und CO2-Speicherung unter der Erde, also CCS, lehnen wir ab. CCS ist teuer, aufwendig und birgt mangels Erfahrung unüberschaubare Risiken. Sinnvoller wäre es, CO2 abzuscheiden und für synthetische Treibstoffe zu nutzen. Aber die Reduktion des CO2-Austoßes beginnt vielmehr bei Privatjets, Inlandsflügen, Autobahnraserei und beim Luxuskonsum von Reichen. Bei der Abstimmung über den Antrag werden wir uns daher enthalten. – Und gute Besserung an Ralph!

Beifallbei der Linken
Porträt von Katrin Uhlig
Foto: Katrin Uhlig/ Meike Kenn
16 Vermerkeca. 407 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Bioenergie ist ein zentraler und wichtiger Baustein der Energiewende; denn mit ihrer Flexibilität ist sie eine sehr gute Ergänzung zu Strom aus Sonne und Wind. Gleichzeitig kann die Bioenergie im ländlichen Raum einen wichtigen Beitrag zur Wärmeversorgung leisten. Deshalb haben wir als Ampel bereits einige entscheidende Punkte, zum Beispiel im Solarpaket, auf den Weg gebracht.

Und es werden, wie der Minister angekündigt hat, noch weitere folgen, um der Bioenergie planbare und verlässliche Rahmenbedingungen für ihre Rolle im Energiesystem der Zukunft zu geben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Werte Union, manchmal, so wie heute, bringen Sie Anträge zu einzelnen Aspekten ein, die einige wichtige Punkte enthalten, aber auch andere, über die man diskutieren kann.

Das ist ja fast meine Rede!

Gleichzeitig beschwören Sie aber den Untergang des Wirtschaftsstandortes und brüsten sich mit Ihrem scheinbar so wirtschaftsnahen Kanzlerkandidaten.

„Scheinbar“!

Es ist schon bemerkenswert, dass Sie es trotz dieser angeblich geballten Kompetenz in drei Jahren nicht hinbekommen haben, ein wirklich verlässliches und abgestimmtes Konzept für das Stromsystem des Wirtschaftsstandortes zu entwickeln.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Aber Sie haben eins?

Lautes Schreien und Schlagzeilenproduzieren ersetzen nicht ordentliches Handwerk und ehrliche Arbeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Dann macht das doch!

Diese Rhetorik stärkt nur die, die in unserem Land die Demokratie kaputtmachen,

Erzählen Sie das mal dem Minister!

und Sie schwächen damit bewusst unseren Wirtschaftsstandort.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Unerhört!

Wer unseren Wirtschaftsstandort ernsthaft stärken will, muss Ideen für das Energiesystem der Zukunft haben.

... und darf vor allem keine Grünen wählen!

Und ja, ich kenne das Papier Ihres stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden, das er letzte Woche der Presse gegeben hat. Beim Durchlesen habe ich mich gefragt, ob Sie einfach alles aufschreiben, was Ihnen so in den Kopf kommt, ohne wirkliche Lösungen zu präsentieren. Da ist die deutsche Wirtschaft einfach wesentlich weiter als Sie.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Der Anspruch an einen Politiker aus Nordrhein-Westfalen, das das Energieland und Industrieland Nummer eins ist, ist größer, vor allem, wenn er stellvertretender Fraktionsvorsitzender ist.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Fragen Sie vielleicht mal Ihren Ministerpräsidenten aus NRW, welche Ansprüche er an das Energiesystem des Wirtschaftsstandortes hat,

Das ist schwierig!

oder Unternehmen aus dem Wahlkreis von Frau König und Herrn Spahn, mit denen ich sehr gute Gespräche geführt habe. Dort gibt es spannende Ideen und geballte Kompetenz.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Konrad Stockmeier [FDP]

Aber zurück zum Thema. Klar ist: Ein Einfach-weiter-so kann es für die Bioenergie nicht geben.

Bei einem immer größer werdenden Anteil fluktuierender Erneuerbarer muss sich auch die Strom- und Wärmeproduktion aus Bioenergie verändern und anpassen. Dafür braucht es klare und verlässliche Anreize und vor allem Planbarkeit.

Na, dann fangen Sie mal an!

Zurufdes Abg. Marc Bernhard [AfD]

Deshalb hat Robert Habeck angekündigt, dass er entsprechende Vorschläge auf den Weg bringen wird.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Andreas Mehltretter [SPD]

Fangen Sie an, Vorschläge zu machen!

Das hilft der Bioenergie, das hilft dem Energiesystem und unserem Wirtschaftsstandort. Damit stärken wir unsere Souveränität, –

Porträt von Katrin Uhlig
Foto: Katrin Uhlig/ Meike Kenn
2 Vermerkeca. 22 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– unsere Versorgungssicherheit, und damit sind wir ein verlässlicher Partner für die Menschen, die im Energiebereich wirklich die Zukunft mitgestalten wollen.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Habeck hat angekündigt, Vorschläge zu machen!

Beifallbei der CDU/CSU
9 Vermerkeca. 544 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ein Rechtsstaat lebt vom Vertrauen seiner Bürger und muss ihnen daher in ihrer Lebensrealität begegnen. Die Menschen erwarten einen einfachen, niedrigschwelligen Zugang zur Justiz und zügige Entscheidungen in ihren Streitfällen. Eine leistungsfähige Zivilgerichtsbarkeit ist ein unverzichtbarer Bestandteil für das Funktionieren unseres Rechtsstaats.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wir haben den Reformstau der vergangenen Jahre bereits abbauen können. Dank des Gesetzes zur Förderung des Einsatzes von Videokonferenztechnik sind Videoverhandlungen zunehmend fester Bestandteil des gerichtlichen Alltags. Mit dem Gesetz zur weiteren Digitalisierung der Zwangsvollstreckungen lassen sich Zwangsvollstreckungsmaßnahmen künftig in mehr Fällen elektronisch beantragen. Außerdem wollen wir zeitnah ein umfassendes Onlineverfahren im Zivilprozess erproben, und wir fördern die Digitalisierung der Justiz weiter, etwa durch die Entwicklung einer bundesweiten Justiz-Cloud.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Diese Maßnahmen sind entscheidend, um unsere Justiz zukunftsorientiert und bürgerfreundlich zu gestalten, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Mit der Verabschiedung des heute vorliegenden Gesetzentwurfs gehen wir ein weiteres dringendes Thema an: die Bewältigung von Massenverfahren. Die Belastung der deutschen Justiz durch diese Verfahren nimmt seit Jahren zu. Im Zusammenhang mit dem Dieselskandal gingen allein 2018 rund 10 000 Zivilklagen gegen Autohersteller ein, im Rekordjahr 2019 waren es etwa 40 000, in den darauffolgenden Jahren gab es ähnlich hohe Zahlen. An manchen Gerichten wie dem Landgericht Stuttgart wurden bis zu 8 700 Dieselverfahren verhandelt. Auch in anderen Bereichen treten Massenverfahren vermehrt auf. Diese Massenverfahren belasten nicht nur unsere Richter und bringen sie an ihre Belastungsgrenzen, sondern wirken sich auch auf die Leistungsfähigkeit unserer Justiz und damit auf unseren Rechtsstaat aus. Je mehr Zeit für ein Massenverfahren aufgebracht werden muss, desto weniger Ressourcen stehen für andere Verfahren, bei denen Bürger auf eine zügige Entscheidung angewiesen sind, zur Verfügung.

Deshalb führen wir ein Leitentscheidungsverfahren beim Bundesgerichtshof ein.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Was aber gerade nicht hilft bei den Problemen!

Künftig können zentrale Rechtsfragen, die sich aus massenhaften Klagen zu gleichgelagerten Sachverhalten ergeben, zügig höchstrichterlich geklärt werden, auch in den Fällen der Revisionsrücknahme oder der sonstigen Erledigung der Revision. Bestimmt der BGH ein Verfahren zum Leitentscheidungsverfahren, haben auch die Instanzgerichte die Möglichkeit, bei ihnen anhängige Parallelverfahren auszusetzen.

Beifallder Abg. Sonja Eichwede [SPD]

Dabei bleibt die Dispositionsmaxime gewahrt. Vor einer Aussetzung werden die Parteien angehört; widerspricht eine Partei der Aussetzung und liegen hierfür triftige Gründe vor, darf die Aussetzung nicht erfolgen. Die Leitentscheidung bietet Orientierung. Betroffene und die Öffentlichkeit erhalten künftig Klarheit darüber, wie die Rechtsfragen entschieden worden wären. Dies sorgt für Rechtssicherheit und wird die Gerichte von weiteren Klagen entlasten.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Das gerade nicht!

Meine Damen und Herren, das Leitentscheidungsverfahren ist ein wichtiger, auch von der Praxis gewünschter erster Baustein zur Bewältigung von Massenverfahren. Diese Idee ist nicht aus der Hüfte geschossen, sondern gründlich durchdacht und sorgfältig entwickelt.

Ja! Monatelang!

Sie entstammt einer Arbeitsgruppe von Bund und Ländern, die unter der Federführung des BMJ und des Landes Nordrhein-Westfalen tagte.

Das klingt ja vernünftig!

Mit dem vorgeschlagenen Verfahren schaffen wir einen ersten wichtigen, von der Praxis gewünschten Baustein, um Massenverfahren besser zu bewältigen. Recht und Verfahren müssen jedoch kontinuierlich weiterentwickelt werden. Der Diskussion über weitere Ergänzungen und wohlkonzipierte Ansätze stehen wir offen gegenüber. Ein Verfahren, das dazu führt, dass der BGH durch zahlreiche Vorlagen übermäßig in seiner Funktionsfähigkeit belastet wird, was zur Verzögerung bei sogenannten Vorabentscheidungen führt und die Dauer anderer Revisionsverfahren deutlich verlängern könnte, schafft jedoch keine Abhilfe.

Meine Damen und Herren, mit dem heute vorliegenden Gesetzentwurf schaffen wir die Grundlage für eine effiziente Bewältigung von Massenverfahren und stärken damit zugleich unseren Rechtsstaat.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Martin Plum
Foto: Martin Plum/Gebhard Bücker Fotografie
9 Vermerkeca. 695 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Wenn’s mal wieder länger dauert“, das ist ein bekannter Werbeslogan, der auch als Motto der Ampelkoalition taugt. Das zeigt auch das Gesetz zur Einführung eines Leitentscheidungsverfahren beim Bundesgerichtshof. Über 13 Monate ist es her, dass die Bundesregierung den Gesetzentwurf beschlossen hat. Über 10 Monate ist es her, dass wir ihn hier erstmals beraten haben. Über 9 Monate ist es her, dass wir zu diesem Entwurf Sachverständige im Rechtsausschuss angehört haben. Das ist Gesetzgebung im Schneckentempo, obwohl – wir haben es gerade gehört – dringender gesetzgeberischer Handlungsbedarf besteht.

Beifallbei der CDU/CSU

Dann stimmen Sie zu!

Warum besteht Handlungsbedarf? Weil Massenverfahren für viele Gerichte ein immer größeres Problem darstellen. Regelmäßig werden sie mit Hunderten oder gar Tausenden Klagen geflutet, die oft denselben Sachverhalt oder dieselben Rechtsfragen betreffen. Klagewellen von Dieselfahrern, von Flugpassagieren oder Wirecard-Aktionären sind nur einige Beispiele. Bis die oft hochumstrittenen und hochkomplexen Rechtsfragen geklärt werden, dauert es lange, zu lange. Die Verfahrensflut muss dafür durch zwei Instanzen bis zum Bundesgerichtshof gespült werden. Richter an Amts-, Land- und Oberlandesgerichten bringt das immer öfter – die Kollegin Willkomm hat zu Recht darauf hingewiesen – an ihre Belastungsgrenzen. Auch für Bürger und Rechtsanwälte ist die Situation immer unbefriedigender. Aufgrund ihrer schieren Anzahl und vieler komplexer Rechtsfragen dauern die Massenverfahren länger. Die Verhandlungen und Entscheidungen anderer Verfahren müssen dadurch hintenanstehen. Bürger, Richter und Rechtsanwälte in ganz Deutschland warten daher seit Jahren zu Recht darauf, dass Gerichte in Massenverfahren endlich schneller und effizienter entscheiden können.

Das Leitentscheidungsverfahren war dazu von vornherein nicht geeignet und war zudem auch nicht durchdacht. Massenhafte Klagen müssen auch nach seiner Einführung weiter zwei Instanzen durchlaufen. Sind sie dann nach vielen Monaten oder gar Jahren beim Bundesgerichtshof angekommen, kann auch dort erst nach mehreren Monaten ein Leitentscheidungsverfahren bestimmt werden. Bis dahin müssen Tausende Parallelverfahren an den Amts-, Land- und Oberlandesgerichten weiterbetrieben werden; sie dürfen erst nach diesem denkbar späten Zeitpunkt ausgesetzt werden. Diese Untauglichkeit des Leitentscheidungsverfahrens war und ist offensichtlich; die Sachverständigenanhörung im Rechtsausschuss hat das eindrucksvoll bestätigt.

Zurufder Abg. Sonja Eichwede [SPD]

Die Alternativen sind auch aus einer weiteren Sachverständigenanhörung im Rechtsausschuss längst bekannt: ein Vorlage- oder Vorabentscheidungsverfahren beim Bundesgerichtshof oder eine Ausweitung der Sprungrevision. Beides sind überzeugende Lösungen; denn dadurch könnten Massenverfahren schneller aus den unteren Instanzen zum Bundesgerichtshof gelangen und streitige Rechtsfragen dort früher geklärt werden. Wir als Union sind deshalb zu beiden Lösungen bereit, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Um diese besseren Lösungen umzusetzen, hätte man die vielen Monate seit der ersten Lesung einfach mal nutzen können. Aber statt beim Massenverfahren endlich den Turbo zu zünden, tritt die Ampel lieber weiter kräftig auf die Bremse und hält am Leitentscheidungsverfahren mit all seinen Mängeln fest. Das ist eine schlechte Nachricht für Bürger, für Richter und für Rechtsanwälte in ganz Deutschland. Massenverfahren werden dadurch auch in Zukunft nicht schneller und effizienter entschieden, sondern bleiben eine große Belastung für die deutsche Justiz und eine Gefahr für ihre Funktionsfähigkeit.

Beifallbei der CDU/CSU

Letztlich fällt der Ampelkoalition nach den vielen Monaten nur eine einzige dürre Änderung ein. Die Aussetzung von Parallelverfahren soll jetzt zwar nicht mehr die Zustimmung beider Parteien voraussetzen. Sie soll aber erstens immer dann unterbleiben, wenn eine Partei widerspricht und dafür gewichtige Gründe glaubhaft macht. Sie soll zweitens zeitlich auf ein Jahr begrenzt werden, und sie soll drittens nach diesem Jahr nur dann verlängert werden dürfen, wenn gewichtige Gründe dafürsprechen.

Das ist alles schon beim ersten Lesen und Hören unnötig kompliziert. Es ist aber vor allem einmal mehr ein Ausdruck des tiefen Misstrauens der Ampel gegenüber den Richtern in unserem Land.

Beifallbei der CDU/CSU

Warum trauen Sie unseren Richtern nicht zu, Parallelverfahren nach pflichtgemäßem Ermessen auszusetzen?

Das ist genau das, was die Richter gefordert haben!

Warum vertrauen Sie nicht darauf, dass unsere Richter das Für und Wider einer Aussetzung sorgfältig gegeneinander abwägen können? Warum misstrauen Sie der Fähigkeit unserer Richter, eine angemessene Aussetzungsentscheidung zu treffen? Dieses Misstrauen ist nicht nur unangebracht, sondern führt auch wieder einmal zu unnötigen Rechtfertigungserfordernissen und damit erneut zu einer überflüssigen Mehrbelastung der Justiz.

Beifallbei der CDU/CSU

Das Gesetz zur Einführung eines Leitentscheidungsverfahrens beim Bundesgerichtshof hat – typisch Ampel – mal wieder länger gedauert. Mit Blick auf das heutige Ergebnis wünscht man sich, es hätte noch länger gedauert; denn dieses Gesetz wäre allemal besser im Rechtsausschuss aufgehoben gewesen als im Bundesgesetzblatt. Die Entscheidungen bei Massenverfahren werden damit auch weiterhin länger dauern.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Sonja Eichwede
Foto: DBT/ Inga Haar
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen!

„Deutsche demokratische Altfraktionen“ heißt das!

Sehr geehrter Herr Plum, wir ringen stets darum, wie wir unseren Rechtsstaat, wie wir unsere Justiz besser aufstellen können. Aber bei Ihrer Rede hatte ich in manchen Teilen den Eindruck, dass wir tatsächlich unterschiedlichen Sachverständigenanhörungen beigewohnt haben; denn es herrschte die einhellige Meinung, dass man ein Leitentscheidungsverfahren braucht. Es wurde sehr intensiv darüber diskutiert, was mit der Aussetzung zu tun ist,

Zurufdes Abg. Dr. Martin Plum [CDU/CSU]

und genau darauf haben wir als Deutscher Bundestag reagiert. Sie als Union haben entweder nicht zugehört oder nicht begriffen, wie wichtig es ist, dass wir ebendieses Verfahren jetzt einführen.

Nicht begriffen!

Schneller in den Entscheidungen, effizienter in der Ressourcennutzung, modern und digital in den Verfahren – wir wollen und müssen dem Rechtsstaat und unserer Justiz bestmöglich den Rücken stärken. Mit dem Leitentscheidungsverfahren bringen wir heute einen weiteren wichtigen Baustein ein, ein wirksames Werkzeug, um Massenverfahren besser begegnen zu können. Es ermöglicht dem Bundesgerichtshof, ein anhängiges Verfahren für eine Leitentscheidung zu bestimmen, wenn die Entscheidung für viele gleichgelagerte Fälle einen Vorbildcharakter haben kann.

Als Richterin konnte ich insbesondere bei den Dieselverfahren ein Lied davon singen.

Sie waren die Richterin?

Landauf, landab wurden an Gerichten über Jahre Tausende Abgasfälle verhandelt. Die Gerichte wurden damit geflutet. Hunderte Seiten Schriftsätze, unzählige Stunden Arbeit, Verhandlungen im 30-Minuten-Takt, in denen oft nur Unterbevollmächtigte und Terminsvertreter saßen, die die Akten nicht kannten und auch keine Prokura hatten, um Vergleiche zu schließen. Das war keine gute Situation für den Rechtsstaat. Wir haben wieder und wieder fast deckungsgleiche Urteile abgesetzt, die kurz darauf angefochten wurden, bevor dann kurz vor Urteilsfindung der nächsten Instanz doch ein Vergleich geschlossen wurde, damit es ja nicht zu einer höchstrichterlichen Rechtsprechung kommt. Das war ein unhaltbarer Zustand. Die Richterinnen und Richter im Dieselabgasskandal wurden zu Durchlauferhitzern. Besonders frustrierend war, dass wegen der sich entlang der Massenverfahren aufbauenden Klageindustrie nicht mehr im Sinne der Kläger und auch nicht im Sinne des Rechtsstaats gehandelt werden konnte. Deshalb müssen wir heute ein Mittel dagegen schaffen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Katharina Willkomm [FDP]

Ich habe es zu Beginn angesprochen: Die im parlamentarischen Verfahren erreichten Änderungen sind für eine Vielzahl von Gerichten in Deutschland von hoher Relevanz. Das Gericht kann ein Verfahren aussetzen, ohne dass es der Zustimmung der Parteien bedarf, wie es noch im Regierungsentwurf vorgesehen war. Parteien sollen vorher angehört werden. Wenn wichtige Gründe dagegensprechen, dann soll die Aussetzung unterbleiben. Ja, Herr Plum, Richter hätten wahrscheinlich vorher schon so gehandelt, da man natürlich nach dem Besten für den Rechtsstaat schaut. Es war uns aber wichtig, dies im Sinne der Dispositionsmaxime noch mal zu betonen und zugleich im Interesse der guten Rechtsfindung den Weg dafür frei zu machen, dass man sich an einer Leitentscheidung des BGH orientieren kann.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der FDP und des Abg. Bruno Hönel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Hiervon werden die Landgerichte profitieren, weil sie dann auf die Entscheidungen des Bundesgerichtshofs zurückgreifen können, so wie der BGH von den vielen vorherigen Entscheidungen insbesondere der unteren Instanzen profitiert. Denn was auch wichtig ist: Wir haben in unserem System verankert, dass der Bundesgerichtshof auf die juristische Schwarmintelligenz der unteren Instanzen zurückgreifen kann. Gerade das wollten wir aufrechterhalten.

Es wurde ausgerechnet, unter anderem vom Bundesgerichtshof, dass mit diesem Verfahren beim Dieselabgasskandal circa zwei Jahre Zeit bis zu einer höchstrichterlichen Entscheidung hätten eingespart werden können. Das wäre für die Richterinnen und Richter wichtig gewesen. Beim nächsten Massenverfahren wird es möglich sein, Zeit einzusparen. Von daher ist es gut, dass wir die Justiz mit diesem Gesetz entlasten.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Boris Mijatović [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Weil die Länge und die Dauer der Verhandlungen angesprochen worden sind, lassen Sie mich noch ein paar Sätze zu anderen möglichen Verfahrensformen sagen, mit denen man Massenverfahren besser bewältigen kann. Wir haben uns reiflich überlegt, ob wir noch weiter gehen, ob wir schon im Rahmen dieses parlamentarischen Verfahrens ein Vorlageverfahren einführen wollen. Wir haben uns dagegen entschieden, auch aus großem Respekt vor der Verfahrensordnung, vor der Zivilprozessordnung, die seit bald 150 Jahren Ruhe, Sicherheit und Stabilität in der Prozessführung an den Gerichten unseres Landes sichert.

Bei einem Vorlageverfahren sind einfach zu viele Fragen offen, zumal wir die Vorlage nicht zusammen mit der Justiz hätten erarbeiten können, sondern sie quasi hinter verschlossenen Türen im Parlament hätten beschließen müssen. Wir brauchen ein ordentliches Gesetzgebungsverfahren und ordentliche Diskussionen, um die Fragen zu klären: Welche Gerichte legen vor? Welche Fragestellungen sollen dann entschieden werden? Wie sieht das effektiv aus? Wie muss der Bundesgerichtshof darauf vorbereitet sein? Wie sollen die Verfahren ausgestaltet sein? Wie müssen die Gerichte ausgestaltet sein? – Das sind keine trivialen Fragen, und wir brauchen Zeit, um sie zu beantworten. Der Entschließungsantrag der Unionsfraktion beantwortet die entsprechenden Fragen nicht. Von daher kann diesem auch nicht zugestimmt werden. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen der Unionsfraktion, ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben: Vielleicht stimmen Sie diesem guten und wichtigen Gesetz, das uns, wie gesagt, im Dieselabgasskandal eine Zeitersparnis von circa zwei Jahren gebracht hätte, ja doch zu, damit wir schneller zu höchstrichterlichen Entscheidungen kommen.

Ich danke den Berichterstattenden für die gute und konstruktive Zusammenarbeit bei dem heute vorliegenden, wichtigen Gesetzentwurf. Heute ist ein guter Tag für unsere Justiz, ein guter Tag für die Bewältigung von Massenverfahren. Von daher werbe ich hier um Zustimmung.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Till Steffen
Foto: Dr. Till Steffen/ Stefan Kaminski
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr Jacobi, ich war kurz in Sorge, dass es Ihnen so ergeht wie gestern im Ausschuss, als während Ihrer Ausführungen tatsächlich Zuschauer/-innen auf der Tribüne eingeschlafen sind.

Das waren Ihre Mitarbeiter, die eingeschlafen sind, Herr Steffen! Die haben wahrscheinlich zu lange gefeiert!

Heute zum Glück nicht; es sind alle gerade noch wach geblieben. Sie haben auch mal wieder en passant offenbart, dass Sie Schwierigkeiten mit dem wichtigen rechtsstaatlichen Grundsatz, der Bindung an Recht und Gesetz, haben. Das machen Sie hier deutlich.

Worum geht es? Es geht um das sogenannte Leitentscheidungsverfahren. Meine beiden Vorrednerinnen aus den Koalitionsfraktionen haben das schon dargestellt. Es ist ein sinnvolles Gesetz, das von vielen Richterinnen und Richtern gewünscht wird. Sie haben gesagt: Führt das jetzt endlich ein! Das kann uns als kurzfristige Erleichterung bei den Massenverfahren helfen. – Es hat in der Tat den Vorteil – Sonja Eichwede hat darauf Bezug genommen –, dass unsere Zivilprozessordnung ohne große Schwierigkeiten entsprechend geändert werden kann. Die Änderung wird also zu keinen großen Folgeproblemen führen.

Ich habe im parlamentarischen Verfahren deutlich gemacht – und das ist auch in den Beiträgen der Berichterstatterinnen der Koalitionsfraktionen deutlich geworden –: Natürlich machen wir uns Gedanken über weiter gehende Regelungen.

Ja, über Monate!

Das muss auch so sein, weil sich dieses Verfahren nur für eine Erleichterung bei den aktuellen Massenverfahren anbietet. Es besteht auch das Problem, dass es nach wie vor vergleichsweise lange dauert, weil ein erstes Verfahren überhaupt erst mal zum Bundesgerichtshof gekommen sein muss. Das Phänomen, das wir bei den Dieselverfahren erlebt haben, bleibt erhalten.

Wie war es denn bei den Dieselverfahren? Tausende Verbraucherinnen und Verbraucher haben ein Auto gekauft und gedacht: Da habe ich mir etwas Vernünftiges angeschafft. – Aber dann haben sie festgestellt: Das Auto stößt viel mehr Dreck aus und verbraucht viel mehr, als es mir beim Verkauf vermittelt wurde. Das ist natürlich ausgesprochen ärgerlich. Dann haben einzelne Verbraucherinnen und Verbraucher, für die der Kaufpreis des Autos eine große Summe war, gegen einen großen Automobilkonzern geklagt, also eine David-gegen-Goliath-Situation. Das hat der Automobilkonzern dann geschickt genutzt: Immer, wenn ein Verfahren zum BGH zu kommen drohte, wurde dem Kläger oder der Klägerin ein Vergleich angeboten, der ausgesprochen attraktiv war, um eine Präzedenzrechtsprechung zu verhindern. Damit waren alle Instanzen und Verfahren weiterhin ohne eine entsprechende Orientierungsentscheidung. Das kann auch weiterhin passieren, weil, wie gesagt, ein Verfahren erst einmal zum Bundesgerichtshof gelangen muss.

Wir brauchen in der Tat Verfahren, die dazu geeignet sind, schneller zum Bundesgerichtshof zu kommen. Deswegen brauchen wir Verfahren, wie wir sie hier diskutiert haben, insbesondere ein Vorlageverfahren, also dass ein unteres Gericht sagen kann: Dieses Verfahren – ich sehe es doch – ist bei vielen anderen Kolleginnen und Kollegen auch auf dem Tisch.

Warum steht das dann nicht in Ihrem Gesetzentwurf? Machen Sie es doch einfach! Reden Sie doch mal vom heutigen Gesetzentwurf! Da steht das nicht drin!

Wir müssen das angehen, damit wir einen entsprechenden Gesetzentwurf bekommen.

Das ist es, was wir brauchen und was auch von der gerichtlichen Praxis eingefordert worden ist,

Sie machen das, was wir nicht brauchen! Und das, was wir brauchen, machen Sie nicht!

nämlich dass wir „vor die Lage“ kommen und es schaffen, einer Vielzahl von Verfahren gerecht zu werden. Deswegen brauchen wir neben den bereits eingeführten Instrumenten weitere Instrumente.

Ein wichtiger Bestandteil, den wir bereits eingeführt haben, ist die Verbraucherverbandsklage, also dass zum Beispiel die Verbraucherzentrale die Verfahren für viele Verbraucherinnen und Verbraucher bündeln und so mit einer entsprechenden Schlagkraft vorgehen kann. Das adressiert ja das Problem, das ohnehin besteht, nämlich dass ein einzelner Käufer zum Beispiel eines Autos nicht die Ressourcen hat, Gutachten erstellen zu lassen, die es braucht, um nachzuweisen, dass ein Fehler in dem Auto eingebaut worden ist. Da ist es sinnvoll, wenn die Kräfte gebündelt werden. Das erreichen wir bereits durch die Verbraucherverbandsklage. Die haben wir gemeinsam eingeführt. Damit haben wir schon einen wichtigen Schritt unternommen, um solchen Massenverfahren gerecht zu werden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Das würden wir – es sollte und muss das Ziel sein, dass wir diesen Schritt auch noch gehen – durch ein Vorlageverfahren ergänzen.

Das heute zu beschließende Leitentscheidungsverfahren ist ein Schritt; wir sollten weitere Schritte gehen. Der Erfolg wird in der Tat davon abhängen, ob die Richterinnen und Richter, die am Bundesgerichtshof darüber entscheiden, ein Verfahren zum Leitentscheidungsverfahren zu machen, davon auch beherzt Gebrauch machen. Nur dann kann es eine entlastende Wirkung entfalten. Da es ein ausdrücklicher Wunsch aus dem Bundesgerichtshof war,

Von der Präsidentin!

diese Verfahrensart einzuführen, wäre es sinnvoll, wenn es von der Praxis entsprechend aufgegriffen würde. Da sehe ich die Richterinnen und Richter am Bundesgerichtshof in der Pflicht.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
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Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! 93 Prozent – das ist der Anteil der Klagen vor dem Amtsgericht Königs Wusterhausen, die Fluggastrechte betreffen. Warum Königs Wusterhausen? Weil dieses Gericht für den Flughafen Berlin-Brandenburg zuständig ist. Das zeigt, dass die Dimension der Massenverfahren zu einer erheblichen Belastung und Überlastung der Justiz führt.

Wir haben auf der einen Seite Massenverfahren mit einfach gelagertem Sachverhalt, mit einfachen Rechtsfragen und auf der anderen Seite komplexe Sachverhalte und möglicherweise auch komplexe Rechtsfragen. Wir müssen für beides eine Lösung finden. Mit Verlaub: Was Sie vorgelegt haben, löst weder das eine noch das andere. In Anlehnung an die Rede vom Kollegen Dr. Steffen: Sie machen das, was wir nicht brauchen, und verweigern die Lösung, die jetzt notwendig wäre. Das ist keine kluge Rechtspolitik.

Beifallbei der CDU/CSU

Das Problem beim Leitentscheidungsverfahren ist doch schlichtweg die zeitliche Abfolge: Sie müssen erst zum Bundesgerichtshof kommen. Das heißt, Sie müssen den Instanzenzug durchlaufen, dann eine Revision einreichen, die Revisionserwiderung abwarten, dann müssen mehrere Fälle beim Bundesgerichtshof auftauchen, und erst dann entscheidet der Bundesgerichtshof, welches Verfahren er zum Leitentscheidungsverfahren macht. Das dauert viel zu lange. Das ist einem schnellen Ablauf nicht zuträglich. Und was Sie vollkommen übersehen haben: Die Verbraucher tragen ein erhebliches Kostenrisiko, bis sie überhaupt zum Bundesgerichtshof kommen. Das ist in keinster Weise verbraucherfreundlich. Es ginge wesentlich besser.

Beifallbei der CDU/CSU

Wie ginge es besser? Indem wir ein Vorabentscheidungsverfahren oder ein Vorlageverfahren einführen. Unsere Rechtsordnung kennt das bereits, und zwar sowohl durch den Europäischen Gerichtshof bei der Frage der Auslegung von europäischem Recht als auch durch Artikel 100 Grundgesetz bei der Frage der Vereinbarkeit von Normen mit unserem Grundgesetz durch das sogenannte Vorlageverfahren zum Bundesverfassungsgericht. Etwas Ähnliches wäre auch für die Ziviljustiz klug gewesen, um dem Bundesgerichtshof, der die Rechtsfrage ohnehin letztlich bestimmend auslegen wird, die Möglichkeit zu geben, schon frühzeitig in dieses Verfahren eingreifen zu können. Ein solches Vorlageverfahren wäre auch nach der Sachverständigenanhörung die beste Lösung gewesen. Aber diese Lösung steht eben nicht in Ihrem Gesetzentwurf, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Es gibt einen zweiten Punkt, den wir hier seit einiger Zeit anmahnen, den Sie auch nicht angehen. Das ist die Frage, ob wir – wenn ich zu den Fluggastrechten zurückkommen darf – bei den einfach gelagerten Sachverhalten mit Streitwerten unter 1 000 Euro nicht im Zuge von Smart Contracts zu einer automatischen Entschädigung kommen können, um dieses Thema von vornherein durch intelligente Abwicklung vom Tisch zu bekommen. Das wäre eine erhebliche Entlastung für die Justiz.

Sie handeln bei dem Thema nicht im Großen und nicht im Kleinen. Bei allem Respekt für Ihr Bemühen: Wir können Ihrem Gesetzentwurf heute nicht zustimmen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuschauerinnen und Zuschauer! Recht zu haben, heißt nicht immer, recht zu bekommen. Meistens bekommt man auch kein Recht, sondern ein Urteil. Dieses Sprichwort ist ein Running Gag unter Juristen.

Geschädigten Verbraucherinnen und Verbrauchern wird der Zugang zum Recht oftmals erschwert. Dafür gibt es viele Gründe: Eine Klage ist zu riskant oder zu teuer, der Gegner zu groß, oder es besteht keine Rechtsschutzversicherung und das Kostenrisiko droht. Die Betroffenen fragen sich aber auch: Soll ich mir den Stress überhaupt antun? – Deshalb handeln wir. Wir schaffen neues Prozessrecht und neue Klagearten, die die Instanzgerichte entlasten und Geschädigten den Zugang zum Recht erleichtern sollen. Das Leitentscheidungsverfahren, das wir jetzt hier in der Debatte ausführlich erörtert haben, wird dazu im Hinblick auf die Massenverfahren seinen Beitrag leisten.

Ich möchte gerne noch auf den gestrigen Verbrauchertag 2024 zu sprechen kommen, den ich auf Einladung des Verbraucherzentrale Bundesverbands besucht habe. Diskutiert wurde dort gestern nämlich auch der Zugang von Verbrauchern zum Recht. Der Bundesverband hat gestern die im Oktober 2023 eingeführte Sammelklage ausdrücklich gelobt,

Beifallbei Abgeordneten der SPD

mit der nun für zahlreiche Geschädigte in einem Verfahren Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden können. Wir entlasten damit die Justiz und haben den Rechtsweg für Verbraucher vereinfacht.

Die Verbraucherzentrale hat seit Oktober 2023 bereits in sechs Fällen die Sammelklage erfolgreich gegen Unternehmen auf den Weg gebracht. Hierbei handelte es sich um Mobilfunkanbieter, Energieversorger, Streaminganbieter, aber auch die Plattform Amazon gehört zu den Unternehmen, gegen die Verfahren betrieben werden.

Aktuell führt die Verbraucherzentrale eine Sammelklage gegen die Vodafone GmbH. Das fand ich gestern auf der einen Seite nicht wirklich überraschend. Wenn sich bisher jedoch nur 90 000 Vodafone-Kunden in das Klageregister eingetragen haben, die Verbraucherzentrale aber von 10 Millionen betroffenen Kunden ausgeht, dann frage ich mich andererseits, was wir besser machen können, damit wir allen Geschädigten auch zu ihrem Recht verhelfen können. Genau das ist mir aufgestoßen: Lediglich 1 Prozent der betroffenen Verbraucher/-innen sind letztlich von dieser Sammelklage erfasst worden.

Ich habe die ganze Zeit dafür plädiert, dass wir die Verbandsklage noch mal anpassen – und das sollten wir in Zukunft auch tun –, um die Hürde des Klageregisters zu beseitigen, damit alle geschädigten Verbraucherinnen und Verbraucher zu ihrem Recht kommen. Denn wer im Klageregister nicht eingetragen ist, an dem geht das alles vorbei. Derzeit kann man sich noch in dieses Klageregister eintragen, und dann wird das Ganze seinen Weg nehmen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das kann aber nicht alles sein. Auch die Tatsache, dass bei den Verbraucherzentralen nur begrenzte Kapazitäten bestehen, um Sammelklagen zu führen, ist ein Umstand, den wir berücksichtigen müssen. Viele Unternehmen, die – in Anführungsstrichen – Verbraucher/-innen über den Tisch ziehen, landen gar nicht vor Gericht. Deshalb – und das ist auch hier in der Opposition erkannt worden –: Wir haben ein Problem mit Massenverfahren. Lassen Sie uns doch bitte alle zusammen zeitnah die Gruppenklage auf den Weg bringen! Dann kann die Anwaltschaft entsprechende Massenverfahren führen, damit die Justiz entlasten und Verbraucherinnen und Verbraucher zügiger zu ihrem Recht verhelfen.

An dieser Stelle bedanke ich mich noch mal bei der Verbraucherzentrale für das außerordentliche Engagement im Zusammenhang mit der Durchsetzung von Verbraucherrechten und schließe gleichzeitig mit Dank für die Aufmerksamkeit.

Könnten Sie noch einen Satz zum Leitentscheidungsverfahren sagen, bitte?

– Ja, habe ich.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Fabian Jacobi
Foto: Fabian Jacobi
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es ist ein menschliches Grundbedürfnis, nicht immer nur Kritik und Vorwürfe oder Nachweise der eigenen Unzulänglichkeit zu hören. Der Mensch möchte auch einmal gelobt werden, weil er etwas richtig gemacht hat oder zumindest kein totales Desaster angerichtet hat. Dieses menschliche Bedürfnis wird den Ministern unserer geliebten Bundesregierung gegenwärtig eher nicht erfüllt, wenn man sich anschaut, wie konsequent das Volk an der Wahlurne den Unfähigkeitsnachweis ausstellt.

Beifallbei der AfD

Insofern kann ich die Gelegenheit nutzen, um unserem Justizminister zumindest ein bedingtes Lob auszusprechen.

Wo ist der eigentlich?

Neulich hat er sich noch um das sogenannte Selbstbestimmungsgesetz bemüht, das unseren Staat bestenfalls der Lächerlichkeit preisgibt, schlimmstenfalls ihn in einen verqueren Albtraum verwandelt, in dem der Staat seine Bürger zur Lüge zwingt. Neuerdings befasst der Minister sich mit dem Vorhaben, das Grundgesetz zu ändern, um das Verfassungsgericht der Rückbindung an den demokratischen Prozess partiell zu entziehen. Wir werden das in der nächsten Sitzungswoche hier erstberaten.

Gemessen an diesen schwerwiegenden Fehlleistungen ist der Gesetzentwurf, den wir hier beraten, vergleichsweise harmlos. Er identifiziert einen Bereich, in dem unser Zivilprozessrecht ein Verbesserungspotenzial aufweist, und versucht, dort etwas in eine sinnvolle Richtung zu verbessern. Das kann man schon mal loben. Dass der Gesetzentwurf zwar gut gemeint, aber nicht besonders gut gelungen ist und wir ihn deshalb gleich ablehnen werden, steht ja auf einem anderen Blatt.

Welches ist nun das Problem, das der Minister angehen möchte? Unsere Justiz hat die Aufgabe, die Gesetze im Einzelfall anzuwenden und auszulegen. Damit das einigermaßen gleichmäßig geschieht, also das Ergebnis eines Rechtsstreits nicht von dem Zufall abhängt, an welches Gericht man gerät, sieht das Grundgesetz Bundesgerichte vor, die am Ende eines Instanzenzuges stehen und durch ihre Entscheidungen für eine einheitliche Auslegung der Gesetze sorgen. Die Instanzgerichte sind an diese Entscheidungen zwar formal nicht gebunden, sondern könnten theoretisch auch weiter anders entscheiden. In der Praxis urteilen sie aber fast immer in dem Sinne, in dem etwa der Bundesgerichtshof zuvor entschieden hat.

Damit diese im Sinne der Rechtseinheitlichkeit erwünschte Wirkung eintreten kann, muss der Bundesgerichtshof aber erst einmal Gelegenheit bekommen, eine Frage zu entscheiden. Es muss also ein Rechtsstreit von den daran beteiligten Parteien über mehrere Instanzen bis zur Revision geführt werden. Umso misslicher ist es, wenn die Streitparteien dann entscheiden, dass sie doch kein Revisionsurteil wollen, sondern sich lieber vergleichen. An diesem Punkt setzt der Gesetzentwurf an. Danach soll der Bundesgerichtshof eine Art Quasiurteil verkünden können, in dem steht, wie man entschieden hätte, wenn man es gedurft hätte. Das ist dann zwar kein Revisionsurteil, es soll aber, so hofft man, eine ähnliche Wirkung haben, nämlich dass sich die Instanzgerichte daran orientieren und im gleichen Sinne entscheiden. Insbesondere bei sogenannten Massenverfahren soll das auch eine Entlastung der unteren Gerichte bewirken.

Das Ziel des Gesetzentwurfs ist sinnvoll; die Ausführung begegnet Bedenken. Den Parteien eines Rechtsstreits soll die Herrschaft über das Verfahren insoweit entzogen werden, als auch dann entschieden wird, wenn sie es erklärtermaßen gar nicht mehr wollen. Die Verfahrensherrschaft der Parteien ist aber nicht nur ein elementarer Grundsatz des Zivilprozessrechts, sondern auch grundrechtlich geschützt. Sicherlich kann der Gesetzgeber diesen Grundsatz einschränken und dazu auch in Grundrechte eingreifen. Ein solcher Eingriff müsste aber verhältnismäßig sein. Dazu müsste einigermaßen klar sein, dass er eine messbare positive Wirkung haben wird. Das erscheint fraglich und wird auch in dem Gesetzentwurf nicht konkret dargelegt.

Wir teilen insoweit die Bedenken, die während des Gesetzgebungsverfahrens unter anderem von der Bundesrechtsanwaltskammer geäußert wurden. Der zweifellos wünschbaren Entlastung der Gerichte bei sogenannten Massenverfahren widersprechen wir nicht. Den heute vorliegenden Gesetzentwurf lehnen wir jedoch ab.

Porträt von Fabian Jacobi
Foto: Fabian Jacobi
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Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Katharina Willkomm [FDP]
Porträt von Franziska Hoppermann
Foto: Franziska Hoppermann/ Tobias Koch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen heute über unseren Antrag zur nationalen Umsetzung des EU-Data-Acts, ein zentrales Element der europäischen Datenstrategie. Er bietet uns immense Chancen der Wertschöpfung und Stärkung des Europäischen Binnenmarkts. Aber wie so oft erleben wir von dieser Bundesregierung keinen Elan, um diese Chancen auch zu ergreifen. Was wir stattdessen sehen, sind Verzögerungen, Unentschlossenheit und Streit um Zuständigkeiten. Unser vorliegender Antrag zur nationalen Umsetzung des Data Acts läuft deshalb unter der Überschrift „Serviceopposition“; das will ich an dieser Stelle mal ganz deutlich sagen.

Beifallbei der CDU/CSU

Der Data Act ist seit dem 11. Januar 2024 in Kraft, und wieder warten wir vergeblich auf konkrete Maßnahmen und Umsetzungsideen der Ampel. Die Bundesregierung macht schlichtweg ihre Arbeit nicht, die nationale Umsetzung auch anzugehen und eine zukunftsorientierte Datenstrategie voranzutreiben.

Ich habe in den vergangenen drei Monaten mehrfach Einzelfragen zur Umsetzung und zum Stand an die Bundesregierung gestellt. Und was habe ich als Antwort bekommen? Allgemeinplätze, keine Zeitpläne und keine Informationen.

Zurufvon der CDU/CSU: So kann es nicht weitergehen!

Stattdessen wurde mir lediglich mitgeteilt, was wir schon aus dem europäischen Verfahren wissen, dass nämlich Teile des Data Acts am 12. September 2025 EU-weit in Kraft treten. Ach je, so viel Neues! Also nichts Neues! Das ist nichts anderes als Veralberung.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Wahrheit ist doch: Die Bundesregierung hat keine Strategie. Sie verzetteln sich in internen Konflikten und verzögern damit die dringend notwendigen Entscheidungen.

Wer übernimmt die Federführung? Das Wirtschaftsministerium? Das Verkehrs- und Digitalministerium? Gibt es einen zentralen nationalen Datenkoordinator oder sektorale und mehrere? Wer soll das sein? Diese Fragen sind nach wie vor ungeklärt. Statt proaktiv zu handeln, herrscht in dieser Regierung Stillstand. Die Ampelkoalition scheint unfähig, sich auf eine klare Linie zu einigen.

Das Wirtschaftsministerium hat am 18. April 2024, vier Monate nach Beschluss zum Data Act, lediglich einen Stakeholder-Dialog veranstaltet. Das war es. Und daraus folgte: nichts. Unsere Unternehmen brauchen aber dringend sichere rechtliche Rahmenbedingungen, um die Potenziale des Data Acts auch voll ausschöpfen zu können. Der zielt darauf ab, den Zugang zu nicht personenbezogenen Daten zu erleichtern, Innovationen zu fördern und den Wettbewerb zu stärken. Aber ohne klare Vorgaben und ohne eine durchdachte nationale Umsetzung und Klärung des Verhältnisses zur Datenschutz-Grundverordnung wird das nicht gelingen.

Deshalb haben wir als Union folgende klare Forderungen aufgestellt:

Erstens. Wir brauchen unverzüglich einen Gesetzentwurf zur Umsetzung des Data Acts, der die Zuständigkeiten klar benennt und vor allem den Geist der europäischen Regelung, das Datenteilen möglich zu machen, auch innerhalb Deutschlands weiterträgt. Wir dürfen hier national nicht schon wieder überziehen.

Beifallbei der CDU/CSU

Zweitens. Wir sprechen uns klar für einen nationalen Datenkoordinator aus, und das soll die Bundesnetzagentur sein. Sie verfügt über das notwendige Know-how, um sicherzustellen, dass der Data Act effizient umgesetzt wird. So erhalten die Unternehmen in Deutschland die Planungssicherheit, die sie brauchen, um datenbasierte Geschäftsmodelle zu entwickeln und in den internationalen Wettbewerb zu treten.

Drittens. Wir müssen sicherstellen, dass Unternehmen, insbesondere kleine und mittelständische Betriebe, die neuen Regelungen verstehen und umsetzen können, zum Beispiel durch ein digitales Fallmanagementsystem und Best Practices.

Viertens. Die zuständige Stelle, der Datenkoordinator, muss sich auch auf europäischer Ebene für eine Harmonisierung der Umsetzung einsetzen. Und wir brauchen Standards der Interoperabilität auf europäischer Ebene.

Fünftens. Es braucht einen Beirat, der den Datenkoordinator auch in den grundlegenden Fragen der Umsetzung berät.

Aber vor allem: Wir brauchen hierfür die notwendigen Ressourcen. Und dafür ist die Zeit jetzt im Rahmen der Haushaltsaufstellung. Wenn wir das jetzt nicht machen und bis zum nächsten Jahr warten, wird das gleiche Dilemma drohen wie beim DSA: Zuständigkeiten ohne Ressourcen. Dann dauert es aufgrund der Wahlen wieder ein Jahr länger, bis das nachgeholt werden kann und die Datenkoordinatoren mit der Arbeit loslegen können – Zeit, die insbesondere die deutsche Wirtschaft nicht hat.

Beifallbei der CDU/CSU

Der globale Wettbewerb wartet nicht auf uns. Wenn wir nicht schnell handeln, wird Deutschland im internationalen Vergleich zurückfallen. In einem immer stärker vernetzten und datengetriebenen Markt bedeutet jede Verzögerung einen Wettbewerbsnachteil für unsere Unternehmen.

Der Data Act ist nicht nur eine regulatorische Notwendigkeit, sondern auch eine große Chance für den Standort Deutschland. Wenn wir es schaffen, Daten effizienter zu nutzen, werden wir Innovationen fördern, den Mittelstand stärken und neue Arbeitsplätze schaffen.

Beifallbei der CDU/CSU

Doch das wird nur gelingen, wenn die Regierung endlich den politischen Willen zeigt, den digitalen Wandel auch aktiv voranzutreiben. Wir dürfen doch nicht zulassen, dass der Data Act durch übermäßige Bürokratie oder falsche Prioritäten in Deutschland ausgebremst wird, während andere Länder weiter voranschreiten. Die Verantwortung der Regierung ist es, klare und pragmatische Lösungen zu liefern.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, unsere Wirtschaft braucht klare Regeln, kein endloses Behördenwirrwarr und vor allem keine weitere Debatte darüber, wer hier eigentlich zuständig ist. Der Data Act bietet enorme Chancen für unser Land, aber nur, wenn wir ihn richtig umsetzen. Die CDU/CSU-Fraktion steht bereit, diese Herausforderung anzunehmen und sicherzustellen, dass Deutschland nicht nur Teil der digitalen Zukunft ist, sondern sie aktiv mitgestaltet.

Beifallbei der CDU/CSU

Es liegt an uns, den Weg für eine starke und wettbewerbsfähige digitale Wirtschaft in Deutschland zu ebnen. Kommen Sie endlich in die Hufe!

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Das Wort hat für die SPD-Fraktion Dr. Carolin Wagner.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Carolin Wagner
Foto: Dr. Carolin Wagner/ Inga Haar
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Damen und Herren! Liebe Frau Hoppermann, wenn Sie hier sagen, Sie hätten Angst, dass Sie im digitalen Bereich vielleicht etwas nachholen müssen, dann kann ich Ihnen nur sagen: Wir arbeiten permanent daran, die Sachen nachzuholen, die Ihr CSU-geführtes Digitalministerium über Jahre hinweg nicht angepackt hat. Von daher würde ich da mal kleinere Brötchen backen. Aber okay!

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der FDP

Spricht die SPD gerade?

Der Data Act bettet sich ein in eine ganze Reihe an Regulierungen der EU rund um die Digitalisierung: AI Act, Digital Services Act, Data Governance Act – um mal die großen zu nennen. Die EU baut also ein umfassendes Rahmenwerk für Regeln im digitalen Raum, für die sinnvolle Nutzung von Daten, für Rechte von Nutzer/-innen und für Pflichten digitaler Unternehmen. Die EU ist damit ein Vorreiter weltweit, und das ist ein richtig gutes Beispiel dafür, was die EU Positives voranbringen kann.

Und was machen Sie?

Der Antrag der Union lässt sich so zusammenfassen: Gebt jetzt mal Gas, setzt jetzt endlich um! Ist doch alles ganz einfach: ein Ministerium festlegen, einen Datenkoordinator benennen, ein paar Mittel im Haushalt bereitstellen. Und dann geben Sie noch ein paar Detailtipps zur Ausgestaltung.

Was machen Sie?

Zurufder Abg. Franziska Hoppermann [CDU/CSU]

In Wahrheit stellen sich aber rund um den Data Act noch viele Fragen.

Ganz grundsätzlich: Eigentlich umfasst der Data Act nicht-personenbezogene Daten. Das erklären Sie ja auch in der Einleitung Ihres Antrags – ich zitiere –:

„Der … Data Act hat das Ziel, den Zugang zu und die Nutzung von nutzergenerierten, nicht-personenbezogenen Daten zu verbessern.“

Jetzt könnte man vielleicht meinen, damit stellen sich kaum datenschutzrechtliche Fragen – aber auch nur eigentlich. Denn ja, es geht um Daten, die während der Nutzung eines Produkts oder des Dienstes durch den Nutzer generiert werden. Nun können maschinengenerierte Daten trotzdem einen Personenbezug aufweisen oder zwecks Kontrolle der Berechtigung des Zugriffs mit personenbezogenen Daten vermischt werden. Das hätte zur Folge, dass Daten, auf die man eigentlich mithilfe des Data Acts zugreifen möchte, verwehrt bleiben, weil der Data Act auf diese Daten dann gerade eben nicht angewandt werden kann.

Das wirft eine Reihe weiterer Fragen auf, etwa auf welche Rechtsgrundlage der DSGVO man dann zurückgreift, wenn Nutzer nach Data Act und Betroffener nach DSGVO auseinanderfallen.

Dann klären Sie doch diese Frage! Nicht nur Fragen stellen! Antworten!

Neben rechtlichen Fragen muss man sich verantwortungsvollerweise auch noch andere Fragen stellen – jetzt zuhören, liebe Union –, etwa: Was würde Unternehmen, die kein Interesse daran haben, generierte Daten zu teilen, denn daran hindern, diese mit personenbezogenen Daten zu vermengen, um die Anwendbarkeit des Data Acts auszuschließen? Daran schließen sich weitere Fragen an: Ab wann gelten Datensätze denn als untrennbar miteinander vermischt? In welchen Fällen oder inwieweit kann man den Hersteller oder Dateninhaber zur Entwirrung dieser Daten vielleicht auch verpflichten? Sie sehen, es ist schon etwas komplizierter.

Bei den recht simplen Dingen in Ihrem Antrag finden wir sicher viele Gemeinsamkeiten. Ja, die Mitgliedstaaten können frei entscheiden, ob sie für die Anwendung und Durchsetzung eine oder mehrere Behörden als zuständig benennen. Und sinnvoll ist in jedem Fall, dass ein einheitlicher Ansprechpartner für die Unternehmen, ein Single Point of Contact, benannt wird, wie im Data Act auch vorgesehen.

In der gemeinsamen Stellungnahme des EDSA und des EDSB, also des Europäischen Datenschutzausschusses und des Europäischen Datenschutzbeauftragten, vom 4. Mai 2022 wurde ja bereits auf das Risiko operativer Schwierigkeiten hingewiesen, die sich aus der Benennung von mehr als einer zuständigen Behörde ergeben könnten. Wir sehen das genauso.

Und ja, auch wir sehen wegen der Anforderungen an die Aufsicht über die Erfüllung von Interoperabilitätsanforderungen insbesondere die Bundesnetzagentur als prädestinierte Aufsichtsbehörde an. Auch im Hinblick auf den Aufgabenkatalog des Artikels 39 DSGVO, welcher die Förderung der Datenkompetenz und Sensibilisierung der Nutzer/-innen in Bezug auf ihre Rechte aus dem Data Act umfasst, kann die Bundesnetzagentur bereits auf Erfahrungen zurückgreifen. Im Gegensatz zu den bestehenden Kompetenzbereichen des Bundeskartellamtes und des BSI müssten hier auch nicht erst Aufsichtsbefugnisse umfassend erweitert werden.

Ja, es stimmt auch: Der Data Act bietet Potenzial für Unternehmen, wie Sie es schreiben. Eine Bitkom-Studie besagt, 49 Prozent der Unternehmen sehen den Data Act als Chance für ihr jeweiliges Unternehmen und 58 Prozent als grundsätzliche wirtschaftliche Chance. Deshalb muss die Umsetzung jetzt rasch erfolgen.

Lachendes Abg. Dr. Markus Reichel [CDU/CSU]

Sie muss funktionabel gestaltet werden, aber eben auch möglichst rechtssicher und für uns eben auch gut abgewogen mit Blick auf datenschutzrechtliche Fragen.

Sagen Sie doch mal, wie!

Was Ihre Forderung nach Stellen im Haushalt anbelangt: Da bin ich mal ganz gespannt, werte Union, ob Sie diese dann auch in der entscheidenden Sitzung des Haushaltsausschusses beantragen oder ob Sie sich in ähnlich destruktiver Weise wie im letzten Jahr bei den Haushaltsverhandlungen einfach überhaupt nicht zur Sache einlassen und keine Vorschläge bringen.

Es ist ein Leichtes, Geld für dieses und jenes zu fordern – macht überall Sinn. In der Gesamtheit muss das Geld verwendet werden, das zur Verfügung steht.

Genau! Richtig! Keine neuen Schulden machen! Genau! Das ist richtig!

Und da werden wir Sie an Ihren Forderungen messen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und des Abg. Maik Außendorf [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Dr. Jens Zimmermann [SPD], auf die CDU/CSU zeigend: Die Schuldenunion ist das da drüben!
7 Vermerkeca. 484 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Werte Kollegen! Wir debattieren heute einen Antrag der Unionsfraktion zur Umsetzung des EU-Data-Acts. Für eine klärende Debatte ist es jedoch wichtig, auch noch einmal auf den Data Act selbst zu sprechen zu kommen. Dieser muss bis September 2025 in nationales Recht der EU-Mitgliedstaaten überführt werden.

Werte Kollegen der Unionsfraktion, Frau Kollegin Hoppermann, bei Ihrem Antrag sehe ich sowohl Licht als auch Schatten. Wie komme ich zu dieser Bewertung?

Schauen wir uns doch erst einmal den EU-Data-Act an. Wie so oft greift die EU-Kommission auch mit dem Data Act in die Wirtschaft und den Alltag der Menschen ein. Mit der Verordnung möchte sie bestehende Datenoligopole der großen Techkonzerne aufbrechen und KMUs sowie Start-ups den Zugang zu den kostbaren maschinenlesbaren Daten erleichtern. Davon soll auch der Mittelstand profitieren. Ein durchaus gutes Ziel! Hier bleibt abzuwarten, wie das in der Praxis tatsächlich umgesetzt wird.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte nun auf einen wichtigen Problempunkt des EU-Data-Acts aufmerksam machen. Er bleibt unscharf beim Recht der Nutzer auf Zugang zu ihren Daten. Hier sollte zwischen gewerblichen und privaten Nutzern unterschieden werden. Private Anwender haben vermutlich eher das Interesse, dass ihre Daten, wenn sie schon erhoben werden, nur für eine kurze Zeit gespeichert werden. Und somit stellt sich mir die Frage, werte Kollegen der Union: Wird Ihr Antrag angesichts dieses Spannungsfeldes der erforderlichen Umsetzung des EU-Data-Acts auch gerecht?

Ihr Antrag zur Umsetzung des EU-Data-Acts blendet einige Mängel des Data Acts aus, zum Beispiel die im Verordnungstext genannte öffentliche Notlage. Durch diese können Unternehmen quasi gezwungen werden, ihre Datenbestände den Behörden zweckgebunden zur Verfügung zu stellen.

Der Data Act ist beschlossen! Da braucht man gar nichts auszublenden!

Diese Problemlage finde ich in Ihrem Antrag an keiner Stelle.

Ja, warum auch?

Das Risiko einer missbräuchlichen Datenherausgabe im Namen einer öffentlichen Notlage ist durchaus nicht aus der Luft gegriffen.

Beifallbei der AfD

Hier braucht es neben einer klaren Definition auch unmissverständliche Durchführungsbestimmungen.

Nächster Kritikpunkt. Ihre Forderung, die Bundesnetzagentur mit der Rolle eines Datenkoordinators zu betrauen, sehen wir kritisch. Als Bundesoberbehörde gehört die Bundesnetzagentur zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Daher ist die Unabhängigkeit trotz aller gebündelten Fachkompetenz eingeschränkt. Wir halten es daher für besser, zur Datenkoordination eine autonome Stelle zu schaffen, wie es beispielsweise beim Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit der Fall ist.

Beifallbei der AfD

Das ist inzwischen eine Frau!

Sehr geehrte Damen und Herren, eine Stärkung der Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Digitalwirtschaft ist fraglos wichtig. Diese steht aber in direktem Zusammenhang mit der Leistungsfähigkeit einer modernen Gesellschaft und auch mit den digitalen Rechten der Verbraucher. Diese werden sowohl vom Antrag der Union als auch von der EU-Kommission nicht angemessen gewürdigt. Werte Kollegen der Union, damit verspielen Sie in Ihrem Antrag die Möglichkeit, die Schwächen des Data Acts bei der Umsetzung in nationales Recht wenigstens teilweise zu beheben.

Beifallbei der AfD

Insofern sehe ich in Ihrem Antrag noch einige Schattenseiten, an denen wir im Digitalausschuss ja noch gemeinsam feilen können.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
5 Vermerkeca. 518 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte gerne mit einem Zitat beginnen, wenn Sie gestatten, Frau Präsidentin: „Only preventing the misuse of data instead of thinking about the missed use of data“ – das sei ein zentrales Problem unserer Debatte. Das hat Dr. Stefaan Verhulst bei unserer letzten Anhörung zur Datennutzung gesagt. – Es ist ein schönes Zitat, da wir viel darüber sprechen, wie Daten missbraucht werden können, und es ist auch oft berechtigt, dass wir darüber sprechen. Aber wir dürfen nicht vergessen, auch über die verpassten Chancen der Datennutzung zu sprechen; denn diese Chancen sind immens groß. Es ist cool, dass die Europäische Union mit dem Data Act diese Sache angeht und diese Lücke schließen möchte.

Im Moment haben wir eine gewachsene sogenannte Datenasymmetrie. Jene, die die Daten erzeugen, haben also ganz oft keinen Zugriff darauf. Bei personenbezogenen Daten hat man das schon gefixt. Inzwischen kann man zum Beispiel zu Meta sagen: Ich möchte gerne wissen, was ihr alles an Daten über mich aus meinem Benutzerkonto bei, sagen wir, Facebook früher gesammelt habt, und ich möchte die gerne mal einsehen. – Und dann bekomme ich die. In vielen anderen Fällen, vor allem wenn es Maschinendaten sind, habe ich als Nutzer dieses Recht nicht.

Warum lohnt es sich, darüber zu sprechen? Ich versuche mal, das mit einem plastischen Beispiel zu erklären. Denken Sie an irgendeinen Kaffeevollautomaten. Bitte nicht erschrecken: Wir wissen alle, dass Kaffee aus der Siebträgermaschine besser schmeckt; aber für das Bespiel stellen wir uns einen automatischen Kaffeevollautomaten vor. Dieser enthält Bohnen in irgendeiner Form und einen Wassertank. Den Wassertank muss ich selbst auffüllen, aber die Bohnen hole ich mir natürlich bei einer lokalen Rösterei – und die auch immer schön frisch. Also muss ich wissen: Wann sind die denn eigentlich leer?

Zurufvon der FDP: Fairtrade!

Damit die Bohnen automatisch nachbestellt werden können – natürlich Fairtrade; vielen Dank für diesen Hinweis aus der liberalen Fraktion –, wenn ich sie brauche, ist es doch super, wenn ich den Füllstand dieser Bohnen automatisch an diese kleine Fairtrade-Kaffeerösterei übermitteln kann. Dann kann sie mir die Bohnen automatisch schicken.

Das klingt nach einem relativ simplen Beispiel. Es ist im Moment aber so, dass ich nicht das Recht habe, diese Daten vom Hersteller des Geräts zu bekommen – auch wenn es schon vernetzt ist und diese Daten bereits an den Hersteller übermittelt wurden – und das Nutzungsrecht entsprechend weiterzugeben.

Jetzt möchte ich aber noch einen Satz zu diesem Antrag sagen, den Sie hier eingebracht haben, liebe Union. Sie bezeichnen sich ja gerne als Serviceopposition. Ich liebe den Begriff ja eigentlich – er ist total schön –, aber hier so einen Antrag vorzulegen, in dem Sie wieder mal zeigen, dass Sie sehr schön beobachten, was in Europa passiert, was die Bundesregierung gerade so macht und anpackt und was ansteht, das reicht dafür doch nicht aus. Sie haben ja selbst gefragt – das ist eigentlich eine in Antragsform gegossene Kleine Anfrage –, wie es denn jetzt weitergeht.

Nein, gar nicht! Wir wollen konkrete Vorschläge!

Ich möchte Ihnen versichern: Ich gebe das sehr gerne an die beiden federführenden Ministerien, an das Digitalministerium und das Wirtschaftsministerium, weiter

Sie können hier sagen, wie es weitergeht! Sie sind in der Regierung

noch!

und lege eine Notiz bei, dass auch wir uns wirklich sehr auf den entsprechenden Referentenentwurf freuen.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
15 Vermerkeca. 726 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich springe mal nicht über das Stöckchen, das uns die Union mal wieder hingeworfen hat. Wir reden zum dritten Mal über dasselbe Thema. Wir reden zum dritten Mal über die Vorwürfe einer Union, die eigentlich nichts anderes tut als

… konkrete Vorschläge vorzulegen! Ganz genau!

unsere Vorhabenplanung zu nehmen und diese als Forderung aufzustellen. Das finde ich faszinierend. Wenn man sich mal die ganze Liste anschaut, sieht man: Das ist eine Auflistung von Strohmann-Argumenten. Vielleicht sagt Ihnen Schopenhauer etwas; aber vielleicht haben Sie ihn auch nicht gelesen.

Aber darüber möchte ich eigentlich nicht reden.

Ich mache jetzt mal was anderes. Um einfach diese Diskreditierung, die Sie mit diesem Antrag beabsichtigen, zurückzuweisen, rede ich mal darüber, was wir schon erfolgreich gemacht haben.

Legt doch einfach einen Entwurf vor!

Sie wollen – das finde ich total toll – die Datenwirtschaft in Deutschland stärken. Herzlichen Glückwunsch! Wir wollen das auch.

Na, dann kann es ja losgehen!

Aber wir machen das auch schon seit drei Jahren, und wir sind damit sehr erfolgreich. Das Kochrezept und auch die Zutatenliste sind vielleicht gleich; aber wir haben eine Speisekarte fertig, die wir tagtäglich beliefern. Denken Sie an die abgeschlossene Digitalisierung in den Bereichen der Steuerverwaltung, der Justiz, im Gesundheitsbereich, an die aktive Nutzung von Daten in der Praxis. Wir haben ganz klare Schritte in Richtung Standardisierung gemacht; denken Sie an das OZG. Wir haben das, was in den letzten 50 Jahren – auch unter Ihrer Ägide – sträflich versäumt wurde, jetzt endlich in die Wege geleitet. Das ist das erste Mal in der Geschichte dieser Republik.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ist das jetzt eine digitalpolitische Grundsatzrede?

– Das wird jetzt eine digitalpolitische Grundsatzrede, weil Sie ja infrage stellen, dass wir das verstehen. Wir verstehen das besser als Sie. Sie haben bewiesen, dass Sie es bisher noch nie verstanden haben.

O Gott, ist das schlecht! Meine Güte!

Aktuell: Mobilitätsdatengesetz, Deutschlandticket, Finanzmarktdigitalisierungsgesetz, OZG, Unternehmenskonto, Datenschutzcockpit, Once-Only-Prinzip, Elster-App usw. usw. Das haben wir alles gemacht.

Wir arbeiten seit drei Jahren daran, Deutschland in der Digitalisierung nach vorne zu bringen. Die Rahmenbedingungen des EU-Data-Acts übererfüllen wir jetzt schon. Sie kennen das Subsidiaritätsprinzip. Wir schaffen in unseren Ministerien digitale Strukturen, die nicht nur den aktuellen Herausforderungen gewachsen sind, sondern auch auf die Zukunft ausgerichtet sind. Wir haben diverse Beispiele dafür. Denken Sie an Gesundheitsplattformen, Forschungsdaten usw. Wir schaffen diesen Balanceakt zwischen personenbezogenen Daten und öffentlichen Daten, und – gucken Sie sich das an – wir denken einfach ganzheitlich.

Lachender Abg. Franziska Hoppermann [CDU/CSU]

– Sie lachen darüber.

Ja! Das ist wirklich unangenehm! Legt doch was vor!

Wenn ich mir Ihren Antrag angucke: Er ist fragmentiert ohne Ende. Gucken wir uns doch mal den einen Begriff an, den Sie da gerne verwenden: Planungssicherheit. Ich kann mich noch daran erinnern, dass die Planungssicherheit für die Unternehmen relativ gefährdet war, als die DSGVO eingeführt worden ist. Und ich kann mich nicht daran erinnern, dass es die FDP war, die die deutschen Unternehmen bei der Verabschiedung der DSGVO im Regen stehen gelassen hat. Es war auch nicht die FDP, die ein Desinteresse an den immensen Datenschutzumsetzungen in der Wirtschaft an den Tag gelegt hat. Das waren Sie. Vielen Dank dafür!

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die FDP stellt den Digitalminister, der nichts macht!

Sie tun nur so; Sie machen das schon seit Jahrzehnten so.

Das erste Mal erhalten die Unternehmen in Deutschland jetzt einen Plan von uns. Sie erhalten Planungssicherheit, um innovativ zu sein und im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Es geht nicht nur um Europa, es geht auch um die internationale Zusammenarbeit; das haben Sie auch schon gesagt. Wir haben da ein paar Beispiele in den letzten Monaten hingelegt: Gesundheitskarte, E-Rezept, Digitalisierung des Vertragswesens, i-Kfz usw. Und das gilt halt auch für den Data Act. Wir werden das machen – wie auch sonst? –, weil wir es halt können. Das ist der Unterschied zu Ihnen: Wir können es halt.

Heiterkeitbei Abgeordneten der FDP

Ihr habt aber wirklich viel nötig heute!

Also: Dieser Data Act ist nicht nur im deutschen Interesse, sondern er schafft auch einen Mehrwert für alle Mitgliedstaaten der EU. Wir gestalten aktiv die Zukunft und übererfüllen mit unserer Herangehensweise die Zielvorgaben, die im Antrag der Union angesprochen werden. Es ist offensichtlich, dass wir den Data Act zu einem Erfolg führen und zu einer Erfolgsgeschichte machen.

Die Kriterien, die hier schon von den Vorrednern genannt wurden, müssen berücksichtigt werden. Aber wer soll es denn sonst hinkriegen? Sie bisher nicht. Deswegen müssen wir es machen. Dass die gute Arbeit dieser Regierung in diesem Bereich für die Union einen Stein des Anstoßes darstellt, ist meines Erachtens mindestens denkwürdig.

Es gibt da gar keine Regierungsarbeit! Da passiert ja nichts! Da ist nichts!

– Es ist vor allem eines, Frau Hoppermann: Es ist einfach sehr, sehr merkwürdig.

Dass da nichts passiert? Da gebe ich Ihnen völlig recht!

– Nein. – Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:

Dr. Markus Reichel hat das Wort für die CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Markus Reichel
Foto: Dr. Markus Reichel/ Frank Grätz
12 Vermerkeca. 518 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sie haben es als Ampel momentan ja ziemlich schwer. Die ganze Republik sieht jeden Tag zu, wie Sie sich das Leben wechselseitig schwermachen. Wir wollen es Ihnen einfach mal leichtmachen; denn unser Antrag lässt sich ja auch ganz leicht zusammenfassen:

Ja, wirklich sehr leicht!

Setzen Sie den Data Act endlich um!

Beifallbei der CDU/CSU

Mit großem Getöse haben Sie, alle drei Ampelparteien, die Verabschiedung bejubelt. Und was ist seitdem geschehen? Nichts. Keiner von Ihnen hat hier bisher gesagt, was Sie konkret machen wollen.

Da hat Ihre Kollegin aber gerade etwas anderes erzählt!

Dabei steckt in dem EU-Data-Act das Potenzial, endlich einen europäischen Datenraum zu schaffen. Die Ampel schafft es jedoch selbst bei großer Einigkeit nicht, voranzukommen. Was für ein Armutszeugnis!

Beifallbei der CDU/CSU

Blamabel für Deutschland!

Seit drei Jahren sehen wir, dass die Ampel viel redet, die Ampel viel zögert, die Ampel viel verschleppt. Umsetzen tut sie aber wenig.

Beifallbei der CDU/CSU

Bei den schwierigen Themen waren wir das ja schon gewohnt. Aber dass wir das selbst bei den Sachen sehen, bei denen Sie sich doch einig sind, das ist peinlich. Deswegen werden wir Sie so rasch wie möglich wieder von der Regierungsverantwortung befreien.

Beifallbei der CDU/CSU

Spätestens in einem Jahr!

Eine digitale Datenpolitik muss zügig und aus einem Guss gemacht werden. Doch anstelle von Bewegung und Fortschritt sehen wir Stillstand und Blockade, zum Beispiel auch beim Forschungsdatengesetz oder eben hier beim EU-Data-Act. Ein Thema, über das wir heute noch nicht sprachen: Wann kommen Sie denn bei den digitalen Identitäten, also bei der Umsetzung von eIDAS, aus dem Knick?

Ich spreche das hier in dieser Debatte an; denn der Data Act ist am Ende nur mit sicheren digitalen Identitäten praktisch umsetzbar. Sie ermöglichen, dass man Daten rechtssicher und pseudonymisiert zuordnen kann. Sie ermöglichen, dass der Nutzer, der Staat, Institutionen und Unternehmen Daten einfach und rechtssicher austauschen können. Und sie regeln die Grundlage für das Datenverwaltungsmanagement. All diese Dinge sind ohne sichere digitale Identitäten nicht möglich. Also, machen Sie Schluss mit dem Silodenken, und setzen Sie diese Rechtsakte endlich um!

Beifallbei der CDU/CSU

Der Data Act und eIDAS zeigen: Die EU gibt den Takt in der Digitalpolitik vor, aber Deutschland kommt nicht hinterher.

Beifallbei der CDU/CSU

Diese Digitalprojekte gehören umgesetzt. Wir haben das Thema deswegen heute auf die Agenda gesetzt. Und wenn Sie da nicht hinterherkommen, dann gehören Sie als Ampelregierung abgesetzt.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Tobias B. Bacherle [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Eine ambitionierte und zeitgemäße Digitalpolitik erfordert die Umsetzung der Punkte aus unserem Antrag und außerdem, eine Entscheidung darüber zu treffen, wie das Ökosystem bei digitalen Identitäten ausgestaltet werden soll, sich endlich auch um die Umsetzung von Organisationsidentitäten zu kümmern und ein Digitale-Identitäten-Gesetz auf den Weg zu bringen.

Liebe Kollegen, im Digitalen gibt es nur null oder eins.

Lachendes Abg. Dr. Volker Redder [FDP]

Sie als Ampel haben sich in Ihrer Arbeit für die Null entschieden. Wir, die Union, stehen für Zuversicht und Aufbruch. Unser Vorschlag: Erstens. Mit der aufeinander abgestimmten Umsetzung des EU-Data-Act und der eIDAS-2.0-Verordnung schaffen wir eine sichere und vertrauenswürdige digitale Infrastruktur. Zweitens. Durch klare Regeln für den Datenzugang und die sichere Verwaltung digitaler Identitäten fördern wir Innovationen und sichern auch Europas digitale Souveränität. Und drittens. So schaffen wir Vertrauen und Sicherheit in der digitalen Welt. Zusammenfassend: Null bei der Ampel, eins bei der Union!

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU

Schon mal was von Quantencomputern gehört?

11 Vermerkeca. 533 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir reden hier heute über die Nutzung von maschinenerzeugten Daten durch die Wirtschaft. Das ist ein Zukunftsthema für die Digitalwirtschaft. Deswegen auch ein Dank an die Union dafür, dass Sie das Thema aufgesetzt haben; denn es ist wirklich zentral für die Zukunft.

Das Ganze bringt eine ganze Reihe von Problemen mit sich, die mit dem Data Act angegangen werden. Schauen wir uns zum Beispiel landwirtschaftliche Maschinen an: Die sammeln Daten über die Bearbeitung des Bodens. Landwirtinnen und Landwirte haben oft das Problem, dass sie selber auf die Daten gar nicht zugreifen können. Denn oft ist es so: Die Daten liegen in den Rechenzentren der Hersteller der Geräte.

Das ist das erste Problem der Datenhoheit: Die Nutzenden müssen die Datenhoheit zurückgewinnen, um selber entscheiden zu können, was sie mit den Daten machen, wie sie sie auswerten und mit welchen Partnern sie sie auswerten. Genau diese Dinge geht der Data Act an.

Die Befreiung der Daten aus den Silos bringt auch einen wirtschaftspolitischen Effekt mit sich. Es ist nämlich so: In dem Augenblick, wo wir es mit dem Data Act ermöglichen, diese Daten zu teilen, und auch den Nutzenden mit einem entsprechenden Recht die Möglichkeit eröffnen, darauf zuzugreifen, bauen wir neue Geschäftsfelder auf.

Nur, wir reden jetzt nicht über die Verabschiedung, sondern über die Umsetzung!

Wir bereiten den Boden für kleine und mittelständische Unternehmen, für Start-ups, mit diesen Daten zu arbeiten, neue Apps zu entwickeln, innovative Lösungen zu entwickeln. Das stärkt den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Frau Wagner hat einen interessanten Punkt angesprochen. Die Bitkom-Studie zeigt: Weite Teile der Wirtschaft sind noch skeptisch, aber die Mehrheit sieht den Data Act als Chance. Wir müssen aber auch sehen: Mehr als die Hälfte der Unternehmen sieht noch Beratungsbedarf für eine rechtssichere Umsetzung.

Sie haben einen ganzen Regierungsapparat, um das zu tun!

Auch das ist natürlich ein Auftrag an uns, mit der Umsetzung des Data Acts weiterzukommen. Aber wir arbeiten genau an diesem Punkt ja auch an anderer Stelle. Das Dateninstitut ist auf den Weg gebracht. Es hat genau die Aufgabe, Use Cases zu entwickeln, rechtssichere Wege zu entwickeln, mit den Unternehmen gemeinsam Wege zu finden, um Daten in der Wirtschaft zu teilen, um diesen Datenbooster endlich loszutreten.

Soll das Dateninstitut den Data Act umsetzen?

Jetzt mal zur Union. Es ist ja mal wieder typisch: Sie beschweren sich, wir seien unfähig, zu handeln, zögerlich.

Na ja, da sind Sie in guter Gesellschaft!

Gute Gesetze und Regeln brauchen eben Zeit.

Wir haben aber keine!

Wie oft haben Sie hier das Thema des Onlinezugangsgesetzes aufgesetzt und darauf rumgehackt, dass es nicht fertig wird?

Jetzt sind wir beim Data Act!

Sie haben ursprünglich mal ein Onlinezugangsgesetz gemacht, das überhaupt nicht funktioniert hat, das der Bundesrechnungshof in Bausch und Bogen verurteilt hat. Wir haben hier geliefert. Ja, es hat eine Weile gedauert; es waren langwierige Verhandlungen. Aber am Ende ist ein gutes Gesetz herausgekommen.

Genau so haben wir heute das Bürokratieentlastungsgesetz verabschiedet: Das ist auch ein Booster für die Digitalisierung, für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Sie müssen einfach mal bedenken, dass es eine Wahlperiode von vier Jahren gibt, und in der werden die Dinge der Reihe nach abgearbeitet.

Ihre dauert ja nicht mehr so lange!

Der Data Act ist jetzt an der Reihe. Wir erwarten gespannt den Entwurf der Regierung,

Wann kommt der denn?

und dann wird es vorwärtsgehen.

Beifallder Abg. Dr. Manuela Rottmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich würde mich beeilen an Ihrer Stelle!

Ich komme zum Schluss. Der Data Act und seine Umsetzung sind ein Schlüssel für die Datensouveränität der Nutzenden sowie Grundlage für sicheres Datenteilen, die Entwicklung neuer Lösungen und die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
2 Vermerkeca. 315 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit dem Data Act droht eine entgrenzte Kommerzialisierung der digitalen Welt. Denn die Daten des Internets der Dinge werden zur Handelsware. Profitieren werden aber wahrscheinlich windige Geschäftemacher und nicht, wie versprochen, Verbraucher/-innen und das Gemeinwesen. Deren Interessen werden nämlich durch Klauseln beschnitten, die vor allem großen Unternehmen nützen. Das Ziel, eine faire Datennutzung im Internet der Dinge, wird so eher nicht erreicht. Und das ist eine verpasste Chance.

Beifallbei der Linken

Ein gut gemachter Data Act brächte in der Tat mehr Freiheit für Verbraucher/-innen. Wenn man zum Beispiel smarte Dinge reparieren lässt, muss man an die Daten ran, sie also transferieren können, oder auch dann, wenn man persönliche Daten von dem einen smarten Gerät auf ein anderes übertragen möchte, weil man mal die Marke wechseln will. Das würde Lock-in-Effekte tatsächlich reduzieren.

Tatsächlich werden aber Unternehmen die Freiheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern mit Ausreden beschränken können wie der „Wahrung von Geschäftsgeheimnissen“. Dafür hat die FDP bei Verhandlungen in Brüssel gesorgt und ist auch noch stolz darauf. Dieses Missverhältnis kritisieren wir Linke ausdrücklich.

Beifallbei der Linken

Künftig entsteht ein wirtschaftliches Eigentum an Nutzerdaten beim Kauf von IoT-Produkten. Wie irgendeine Ware kann man die eigenen Nutzerdaten an Dritte verkaufen – auch vorab, zum Beispiel gegen einen Rabatt beim Kaufpreis. Die Privatsphäre würde also noch mehr vom Geldbeutel abhängen, und das ist völlig inakzeptabel, meine Damen und Herren.

Nichts davon will der Antrag der Union verbessern. Dafür erzählt die Union wieder das Märchen vom verhindernden Datenschutz. Der verhindert aber keine Innovationen; der muss nur leider immer als Ausrede dienen, wenn wieder irgendwer irgendein Problem nicht gelöst gekriegt hat. Die Union steht für entgrenzten Datenkapitalismus auf Kosten des Gemeinwohls, der Verbraucher/-innen und der kleinen Unternehmen.

Kritik habe ich aber auch für die Ampel. Die Umsetzung des Data Acts wurde komplett verpennt. Wir erleben den klassischen Ampeldreiklang aus verschlepptem Gesetzentwurf, unklaren Zuständigkeiten und fehlenden Haushaltsmitteln.

ca. 17 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir dürfen gespannt sein, ob und wie die Ampel den Data Act noch auf den Weg bringt –

2 Vermerkeca. 13 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– und wann das Transparenzgesetz und das Recht auf Open Data kommen.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Tagesordnungspunkt 175 RedenReaktionswert: niedrig
Thomas HitschlerSPD· Parl. Staatssekretär BMVg· MdB
4 Vermerkeca. 444 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unsere Soldatinnen und Soldaten tragen eine große Verantwortung für uns und unser Land. Aber wir tragen auch eine große Verantwortung für sie. Sie riskieren ihre Sicherheit und ihr Leben, um uns zu schützen. Und jemand, der seine körperliche und seelische Unversehrtheit in den Dienst seines Landes stellt, muss sich darauf verlassen können, dass sein Land sich auch um ihn kümmert.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Mit den Änderungen des Soldatenentschädigungsgesetzes und des Soldatenversorgungsrechts bringen wir das zum Ausdruck. Und dass wir nicht über abstrakte Sachverhalte sprechen, haben uns die Auslandseinsätze der vergangenen Jahrzehnte gezeigt. Wir mussten erfahren, was Soldatinnen und Soldaten in Einsätzen passieren kann.

Grundlage ist unter anderem das Soldatenentschädigungsgesetz. Es enthält umfassende Versorgungsleistungen für versehrte Soldatinnen und Soldaten, die eine seelische und/oder körperliche Verletzung im Zusammenhang mit ihrem Dienst erlitten haben. Das Gesetz gilt für alle Soldatinnen und Soldaten, egal welchen Status sie haben, und unabhängig davon, wo – im Inland oder im Ausland – die Verletzung erfolgt ist. Dabei umfasst das Leistungsspektrum nicht nur unsere Soldatinnen und Soldaten, sondern sorgt auch für die finanzielle Absicherung der Hinterbliebenen.

Diese Entlastungen wurden bereits 2021 von diesem Parlament beschlossen. Wir sind hier schon einen langen Weg gegangen. Bevor das Gesetz zum 1. Januar 2025 in Kraft tritt, möchten wir die Gelegenheit nutzen und noch einige Anpassungen vornehmen. Denn durch Änderung der politischen Lage und gesellschaftlichen Fortschritt entwickelt sich das Recht kontinuierlich weiter.

Wichtige Maßnahmen sind dabei: Wir passen die Entschädigungsleistung an die Rentenerhöhung vom 1. Juli 2024 an. Wir verbessern die Versorgung von Waisen durch die Verlängerung des Bezugszeitraums. Wir vereinfachen die Voraussetzungen und die Höhe der Elternrente. Und wir verbessern den Bestandsschutz des Berufsschadensausgleichs durch eine umfangreiche Pauschalierung und Erhöhung.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, dabei bleibt es nicht. Gleichzeitig kommen wir unserer Verantwortung nach, indem wir Änderungen im Soldatenversorgungsrecht vornehmen. Dabei stehen vor allem die Soldatinnen und Soldaten auf Zeit im Mittelpunkt. Für sie verbessern wir den Übergang in den zivilen Beruf.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Für Soldatinnen und Soldaten auf Zeit mit Verpflichtungszeiten von 20 Jahren oder mehr erweitern wir die Zeiträume, in denen sie nach dem Ende der Dienstzeit berufliche und schulische Förderungsmaßnahmen in Anspruch nehmen können. Gleiches gilt auch für die Unterstützungsleistungen bei der Arbeitsplatzsuche. Wir schaffen gleichzeitig vereinfachte Zugangsmöglichkeiten zu Bildungsmaßnahmen, die schon während der Dienstzeit stattfinden. Außerdem sorgen wir dafür, dass der Dienst für Wiedereinsteiger attraktiver wird, indem Reservistendienstzeiten anspruchserhöhend auf die Gesamtdienstzeit angerechnet werden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Unterstützung durch die Bundeswehr seitens der Gesetzgebung ist für unsere Soldatinnen und Soldaten wichtig. Unsere klare Absicht mit den vorgesehenen Änderungen besteht darin, ihren Bedarfen sowie ihren Hinterbliebenen gerecht zu werden – heute und auch in Zukunft.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Kerstin Vieregge
Foto: Kerstin Vieregge/ Sören Düning
4 Vermerkeca. 563 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Heute vor fünf Monaten hat der Bundestag mit überwältigender Mehrheit den fraktionsübergreifenden Antrag der CDU/CSU-Fraktion und der Ampelfraktionen zur Einführung eines Veteranentages verabschiedet. Dieser Antrag war ein klares Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung. Wörtlich hieß es damals:

„Die Einführung eines Tages für Veteraninnen und Veteranen darf sich jedoch nicht ausschließlich in symbolischer Anerkennung erschöpfen, sondern soll verknüpft werden mit der nachhaltigen Verbesserung der Lage, vor allem der einsatzgeschädigten Veteraninnen und Veteranen und von deren Familien in Form von verbesserter Fürsorge und Versorgung.“

Konkret forderte der Bundestag die Bundesregierung auf, eine grundsätzliche und einheitliche Verbesserung der Nachsorge von im Dienst erlittenen Schädigungen sicherzustellen, Maßnahmen zu ergreifen, um die barrierefreie Ansprechbarkeit und Beratung für Veteranen der Bundeswehr zu gewährleisten, die bürokratischen Hürden bei Wehrdienstbeschädigungsanträgen abzubauen und die Bearbeitungszeit auf sechs Monate zu verkürzen sowie die Einrichtung einer stationären Therapieeinrichtung für einsatzgeschädigte Soldatinnen und Soldaten und deren Familien zu prüfen.

Ich wünschte, ich könnte heute hier stehen und Ihnen berichten, dass all diese Forderungen umgesetzt und im Änderungsgesetz zum Soldatenentschädigungsgesetz verankert wurden. Leider ist das nicht der Fall. Der Wunsch mag der Vater des Gedankens sein, doch die Realität sieht anders aus. Wie sollen wir nun unseren Soldaten und Veteranen erklären, dass der Bundestag ein Änderungsgesetz zum SEG behandelt, das kaum etwas von dem umsetzt, was er fast einstimmig gefordert hat?

Es ist klar, dass die heute zur Debatte stehenden Änderungen zum SEG notwendig sind – notwendig vor dem Hintergrund, dass das Soldatenentschädigungsgesetz in weniger als drei Monaten in Kraft tritt. Doch denken Sie daran: Verabschiedet wurde das SEG bereits vor über drei Jahren – drei Jahre Vorbereitungszeit, um die Umsetzung sicherzustellen. Und dennoch wissen viele betroffene Soldaten bis heute nicht, was konkret auf sie zukommt.

Seit 1 132 Tagen ist dem Dienstherrn klar, wie die Versorgung der einsatzgeschädigten Soldaten ab dem 1. Januar 2025 aussehen wird. Doch wenn man die Betroffenen selbst fragt, was sich für sie ändern wird, dann sind die meisten ahnungslos. Statt klarer Kommunikation gibt es nur oberflächliche Erklärvideos und FAQs auf den offiziellen Kanälen der Bundeswehr.

Die Soldatinnen und Soldaten müssen in den nächsten drei Monaten eine wichtige Entscheidung treffen: Bleiben sie im alten Versorgungssystem, oder wechseln sie ins neue vom SEG eingeführte Modell? Doch, wie gesagt, kaum jemand weiß, welche konkreten Auswirkungen diese Entscheidung auf die individuelle Versorgung hat. Der offizielle Hinweis auf der Bundeswehrwebseite, dass dies bis Dezember 2024 mitgeteilt werde, grenzt meines Erachtens an eine Farce.

Wir sprechen hier von Menschen, die Leib und Leben für unser Land riskiert und die dafür einen hohen Preis bezahlt haben. So dürfen wir nicht mit unseren Soldatinnen und Soldaten umgehen, wenn wir noch glaubhaft das Wort „Wertschätzung“ in den Mund nehmen wollen.

Beifallbei der CDU/CSU

Der Ton macht die Musik. Statt Klarheit zu schaffen, wurde Verunsicherung geschürt, insbesondere bei denen, die ohnehin bereits verunsichert sind. Wir als CDU/CSU-Fraktion werden diesen Gesetzgebungsprozess so wie das Artikelgesetz Zeitenwende weiterhin konstruktiv begleiten, den Finger in die Wunde legen und uns dafür einsetzen, dass die versprochenen Verbesserungen für unsere einsatzgeschädigten Veteranen und ihre Familien auch tatsächlich realisiert werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Dabei ist uns ein Punkt besonders wichtig: die versorgungsrechtliche Gleichstellung von Soldaten auf Zeit und Berufssoldaten nach dem Erleiden einer Wehrdienstbeschädigung. Wer für unser Land einsteht und verwundet wird, der soll bestmöglich versorgt werden, unabhängig davon, welcher Statusgruppe er zum Zeitpunkt der Verwundung angehörte.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
4 Vermerkeca. 546 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unsere Soldatinnen und Soldaten stehen bereit, wenn unser Land sie braucht. Sie riskieren dabei ihre Gesundheit und oft sogar ihr Leben. Eine Soldatin oder ein Soldat kommt beispielsweise körperlich oder psychisch verletzt von einem Einsatz zurück, manchmal auch beides.

Wie gehen wir eigentlich mit diesen Soldatinnen und Soldaten um? Was oft folgt, ist ein monatelanges bürokratisches Verfahren zur Anerkennung der Wehrdienstbeschädigung. Und ich sage es gleich am Anfang: Lange bürokratische Verfahren oder das Versenden von Veteranenabzeichen per Post sind nicht die Art und Weise, wie wir mit unseren Soldatinnen und Soldaten umgehen sollten.

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU sowie des Abg. Boris Mijatović [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ein Soldat tut dann auch nicht mehr das, wofür ein Soldat da ist, nämlich sein Land zu verteidigen, sondern kämpft stattdessen mit langen Formularen und unzureichender Unterstützung.

So darf es nicht weitergehen. Daher bin ich froh, dass wir in einem ersten Schritt ab dem 1. Januar 2025 die Entschädigung von Soldatinnen und Soldaten verbessern. Und dabei scheren wir auch nicht alle über einen Kamm, sondern setzen uns zu Recht das Ziel, stets den Einzelnen im Blick zu behalten.

Ziel ist nämlich, den Anforderungen und Bedarfen versehrter Soldatinnen und Soldaten noch individueller und passgenauer gerecht zu werden, und zwar allen Soldatinnen und Soldaten, die während ihrer Dienstzeit geschädigt wurden, unabhängig davon, ob im In- oder Ausland oder welcher Dienstgradgruppe sie angehören.

Der Berufsschadensausgleich wird transparenter. Das sorgt dafür, dass die Soldatinnen und Soldaten, die aufgrund einer im Dienst erlittenen Verletzung ihren Beruf nicht mehr ausüben können, besser abgesichert sind. Damit schaffen wir finanzielle Stabilität und erleichtern den Betroffenen den Zugang zu ihren Ansprüchen, was zur Folge hat, dass sie sich dann ganz auf ihre Genesung konzentrieren können.

Wir denken dabei nicht nur an die Soldatinnen und Soldaten, sondern wichtig ist auch, immer an die Hinterbliebenen zu denken. Für hinterbliebene Eltern zum Beispiel verbessern wir die Regelungen um monatliche Ausgleichszahlungen. Damit verhindern wir, dass die Familien, die bereits einen schweren Verlust erlitten haben, durch finanzielle Sorgen zusätzlich belastet werden. Die Neuregelung gibt ihnen auch den nötigen Rückhalt, um sich auf die Bewältigung ihres Verlustes zu konzentrieren.

Auch hinterbliebene Kinder entlasten wir mit der Reform. Wir stellen zum Beispiel sicher, dass der Ausgleich bis zum 25. Lebensjahr ohne weiteren Nachweis gezahlt wird, sodass sie sich voll auf ihre Ausbildung oder ihr Studium konzentrieren können, ohne ständig um finanzielle Unterstützung kämpfen zu müssen.

Zusätzlich sorgen wir auch für eine menschliche Komponente. Um sicherzustellen, dass die Verbesserungen effektiv greifen, verankern wir das Fallmanagement gesetzlich. Das sorgt dafür, dass es einen fixen Ansprechpartner gibt, ein Verbindungsglied. Damit wird der Zugang zu Leistungen verbessert, und die Angehörigen werden menschlich bei der Antragstellung unterstützt, weil sie sich dann nicht mehr um bürokratische Regelungen kümmern müssen, sondern einen fixen Ansprechpartner haben, der für sie da ist. Denn wir wollen, dass die Hilfe schnell ankommt.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Boris Mijatović [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Frau Präsidentin, in meiner restlichen Redezeit möchte ich noch anmerken, dass wir natürlich immer mehr tun können. Wir können auch immer noch schneller werden. Wir können auch immer noch besser werden, und gerade bei diesen Schicksalsschlägen kann es gar nicht genug sein. Es ist auch völlig klar: Nichts kann den Preis, den die Betroffenen gezahlt haben, aufwiegen. Dennoch bin ich stolz, dass von diesem Gesetz auch das Signal ausgeht: Dieses Land kümmert sich um seine Soldatinnen und Soldaten.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der AfD
Porträt von Hannes Gnauck
Foto: Hannes Gnauck
5 Vermerkeca. 403 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Heute stehen wir erneut vor einem Gesetz, das die Bundesregierung als großen Erfolg zu verkaufen versucht. Aber wie so oft zeigt sich bei genauerem Hinsehen: Es ist doch eher ein Flickenteppich aus Kompromissen und intransparenten Regelungen. Ein Gesetz, das bereits 2021 verabschiedet wurde und erst 2025 in Kraft tritt, ist keine Modernisierung. Das ist Verwaltung aus der Ära Scholz!

Beifallbei der AfD

Die Bundesregierung hatte nun mehrere Jahre Zeit, um das Soldatenentschädigungsgesetz zu überarbeiten. Und doch muss sie schon jetzt wieder Änderungen vornehmen. Das zeigt doch klar und deutlich, wie schlecht dieses Gesetz einmal durchdacht war. Statt den Soldatinnen und Soldaten endlich Sicherheit zu bieten, bleiben viele Unklarheiten bestehen.

Gehen wir nun einmal inhaltlich in den Gesetzestext und schauen uns zum Beispiel die Kosten an: über 28 Millionen Euro zusätzliche Ausgaben in den nächsten vier Jahren. Diese 28 Millionen Euro dürfen dann aber nicht wieder für fragwürdige Anpassungen ohne echten Mehrwert genutzt werden, sondern müssen direkt bei den Soldaten ankommen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Der Großteil dieser Summe wird jedoch wahrscheinlich wieder von einer Verwaltung verschlungen, die offenkundig nicht in der Lage ist, effiziente Prozesse zu schaffen. Diese Regierung schafft es, Steuergelder in jedem politischen Bereich zu verschwenden, während die Bürger dieses Landes in der Krise stecken und kaum noch wissen, wie sie über die Runden kommen sollen.

Soldaten, die für unser Land und die Auswüchse dieser verfehlten linksgerichteten Politik ihren Kopf hinhalten mussten, dürfen auch in Zukunft nicht mehr benachteiligt werden. Viele der vorgesehenen Änderungen sind bestenfalls kosmetischer Natur, lösen aber nicht die eigentlichen Kernprobleme, nämlich eine ineffiziente und bürokratisierte Verwaltung. Unsere Soldaten verdienen eine gerechte Entlohnung und eine echte Anerkennung – nicht das halbherzige Herumgeschiebe von Paragrafen.

Beifallbei der AfD

Hier möchte ich betonen: Es gibt ja Alternativen. Eine effizientere Nutzung von Steuergeldern und eine Entbürokratisierung sind zwingend notwendig. Hier fehlt es allein am Wollen und nicht am Können.

„Wir. Dienen. Deutschland“: das Selbstverständnis der Bundeswehr. Aus diesem Selbstverständnis wächst unsere parlamentarische Verantwortung. Eine Regierung, die den Soldatinnen und Soldaten ebenfalls dienen will, muss sich deswegen auf den Weg machen, die Verwaltungskosten deutlich zu senken, und sicherstellen, dass die Entschädigungsleistungen automatisch an die Inflation angepasst werden und dann dort ankommen, wo sie wirklich benötigt werden, nämlich beim einzelnen Kameraden.

Abschließend möchte ich betonen, dass der Weg in den Ausschuss eine Chance ist, den Entwurf zu überarbeiten und sicherzustellen, dass er die hohen Ansprüche erfüllt, die wir unseren Soldaten schuldig sind.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
2 Vermerkeca. 500 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Besucherinnen und Besucher! Vor dieser Debatte habe ich meinem kleinen Sohn eine Gutenachtgeschichte vorgelesen. Ich muss Ihnen gestehen, dass in meinen sieben Auslandseinsätzen Versorgung für mich nie ein Thema war; das war für mich eigentlich unwichtig. Aber seitdem ich Vater bin, eine Familie habe, ist das ein Thema, was mich schon umtreibt und wo ich sagen muss: Wie würde meine Familie reagieren, wenn ich aus einem Einsatz geschädigt zurückkomme? Das Ganze hat also eine ganz andere Dimension für mich angenommen.

Am 1. Januar 2025 tritt unser Gesetzespaket zur Einführung des Soldatenentschädigungs- und Soldatenversorgungsrechts in Kraft. Damit wird die Versorgung für Soldaten und ihre Familien neu gestaltet. Das Artikelgesetz ist ein umfassender Wurf, vergleichbar mit einer OP am offenen Herzen. Bei diesem Motortausch, so kann man sagen, also einem Kraftakt, hat die Verwaltung nun Ergänzungs- und Änderungsbedarf herauskristallisiert. Und genau diesen setzen wir mit dem Änderungsgesetz um. Kurz: Wir bessern letzte Fehler aus, die Soldaten ansonsten im Alltag betreffen und machen das SEG-Paket fit for purpose.

Sehr geehrte Damen und Herren, für Wehrdienstbeschädigte stellen wir mit dem SEG unter anderem den Schadensausgleich und die medizinische Versorgung neu auf. Auch das Soldatenversorgungsgesetz wird ab 2025 in neuer Fassung gelten. Die Neuregelungen tragen als Puzzlestücke auch dazu bei, dass eine Berufsentscheidung für die Bundeswehr leichter fällt; denn derjenige, der sich gut versorgt fühlt, entscheidet sich auch eher für die Bundeswehr.

Meine Damen und Herren, das kleine SEG ist für das Gelingen der großen Neuordnung der Rechtslage essenziell; denn wir schulden den Angehörigen und ihren Hinterbliebenen einen Erfolg bei der Einführung dieses neuen Gesetzes. Das muss eine Erfolgsgeschichte mit besserer Versorgung und weniger Bürokratie werden.

Zugleich muss man schon sagen, dass der Text des SEG primär ein handwerklicher ist. Formulierungen werden angepasst, Verweise aktualisiert – viel Kosmetik, viel Redaktionelles –, aber es gibt auch kleine Verbesserungen wie die Erhöhung von Leistungen und verbesserte Berechtigtenkreise. Das ist unbestritten notwendig.

Aber ich verstehe auch, wenn Veteranen das nicht ausreicht. Liebe Einsatzveteranen, einige eurer Wünsche sind bei der Umsetzung dieses Gesetzes im Mai 2021 offengeblieben. Die Einbeziehung von Soldaten in den Schutzbereich, die im Reachback im Auslandseinsatz gearbeitet haben, die Aufhebung der Ungleichbehandlung von Berufs- und Zeitsoldaten beim Unfallruhegehalt sind nur zwei dieser Wünsche.

Auch das SEG wollen wir uns noch einmal richtig vornehmen. Uns von der SPD ist sehr, sehr wichtig, dass die Doppelanrechnung von Einsatzzeiten bei der Rente trotz schwieriger Gerichtsurteile erhalten bleibt, und zwar ohne Sternchen und Fußnoten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Nils Gründer [FDP]

Unseren Veteranen möchte ich heute mitgeben: Wir haben euch nicht vergessen. Kurzfristig bringen wir dieses Gesetzespaket zum 1. Januar zum Fliegen, und im Weiteren werden wir uns erneut SEG, SVG und EinsatzWVG vornehmen und ausloten, welche zusätzlichen Verbesserungen für euch möglich sind. Morgen früh wird sich die AG Veteranenpolitik treffen und mit der Arbeit beginnen.

Wir haben europaweit eines der leistungsstärksten und umfassendsten Soldatenversorgungspakete geschaffen. Mit dem SEG sind wir einen Schritt in die richtige Richtung gegangen. Aber zugegeben: Es liegt noch viel Arbeit vor uns.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Kerstin Vieregge [CDU/CSU]
Porträt von Dunja Kreiser
Foto: Dunja Kreiser/Photothek Media
7 Vermerkeca. 440 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Da schaudert es einen! Der hier vorliegende Antrag, auch er zeigt es: Hier geht es nicht um eine gute Zukunft für unser Land, gute Arbeit, eine starke Wirtschaft. Es geht nicht darum, den Wohlstand zu sichern. Worum es Ihnen geht, das sind Verunsicherung und Angst. Fakten, die Naturgesetze der Physik und – nicht zuletzt – die Forderung der Beschäftigten in unserer Automobilindustrie, um die es Ihnen angeblich geht, ignorieren Sie.

Völliger Quatsch!

Die Physik zu ignorieren, das ist schon eine Leistung, eine besonders schlechte. Aber dass Ihnen die Menschen egal sind, die in unserer Automobilbranche arbeiten, dass Ihnen die Menschen egal sind, die von diesen Beschäftigungen, von der Wertschöpfung abhängig sind, das zeigt Ihre absolute Destruktivität.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Ihnen geht es um Selbstdarstellung und um nichts anderes, Herr Ernst. Denn was sagt uns die Physik? Ein E-Auto ist in der Lage, über 75 Prozent der elektrischen Energie, die in einer Windkraft- oder Photovoltaikanlage erzeugt worden ist, in den Vortrieb umzusetzen. Bei der Kette des Stroms über die Wasserstofferzeugung bleibt nur gut 25 bis 30 Prozent der Energie übrig. Das bedeutet, dass für Wasserstoffmobilität pro Kilometer mehr als die dreifache Strommenge notwendig ist.

Kommen wir zur Weiterverarbeitung von Wasserstoff zu E-Fuels. Das Nutzen von E-Fuels in klassischen Verbrennermotoren zeigt den gleichen schlechten Wirkungsgrad wie mit Benzin oder Diesel: zwischen 25 und 30 Prozent. Und am Ende kommen 13 Prozent der aufgewendeten elektrischen Energie als Antriebsenergie auf die Straße – 13 Prozent!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Gleichzeitig schreitet die Entwicklung der Akkutechnik rasant voran. In den letzten Jahren hat sich die Akkukapazität locker verdoppelt. Eine geänderte Akkuchemie kann heute Kobalt ersetzen und die Lebensdauer in den Bereichen von 1 Million Kilometer erhöht werden.

Aber, meine Damen und Herren, selbstverständlich gibt es großartige Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff. In meinem Wahlkreis steht ein großes Unternehmen mitten in der Transformation: die Salzgitter AG. Die Firma Alstom stellt Wasserstoffzüge her. Seit etwa zwei Jahren fahren in Niedersachsen Brennstoffzellenzüge des Unternehmens regelmäßig im regionalen Passagierverkehr; das finde ich großartig. Dafür brauchen wir Wasserstoff.

Beifalldes Abg. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Für einen starken Industriestandort sind Innovation und Planungssicherheit entscheidend – Planungssicherheit! Die Zukunft der Pkw-Mobilität wird elektrisch sein, und das müssen wir ganz klar nach vorne bringen. Wir müssen Verlässlichkeit herstellen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wenn Sie mir das nicht glauben, dann sprechen Sie doch bitte mit den Beschäftigten und nicht über sie. Bei Ihnen finden hier Vereinnahmungen statt. Das ist fürchterlich! Ich war in den letzten zwei Wochen bei den Betriebsversammlungen bei VW in Salzgitter und Wolfsburg. Gesehen haben wir Sie dort leider nicht. Wo waren Sie? Wahrscheinlich beim Videodreh: Wie kriege ich in zehn Minuten meine Haare perfekt hin?

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Christian Hirte
Foto: Christian Hirte/Tobias Koch
4 Vermerkeca. 392 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Kollege Ernst, wir alle wissen um Ihre Kenntnis und Liebe für deutsche automobile Ingenieurskunst. Wir als Union teilen ausdrücklich nicht die Auffassung, die wir gerade von Frau Kreiser, aber auch von anderen SPD-Abgeordneten und Grünen gehört haben, dass wir uns technologisch und ideologisch auf einen All-electric-Ansatz versteifen sollten. Wir als Union glauben, dass es richtig ist, Mobilität so zu organisieren, dass sie umwelt- und klimafreundlich ist. Der Weg dahin kann durchaus unterschiedlich beschritten werden.

Selbstverständlich spielt dabei die Elektromobilität eine wichtige, künftig bedeutendere Rolle, aber eben nicht ausschließlich. So spielen bei etwa 1 Milliarde Verbrennungsfahrzeugen auf der Erde selbstverständlich Flüssigkraftstoffe nicht nur heute, sondern auch zukünftig noch eine wichtige Rolle, zeitnah wahrscheinlich überwiegend aus biogenen Quellen. Wenn man das ordentlich macht und anders als die aktuelle Regierung darauf achtet, dass fortschrittlicher Biokraftstoff aus China nicht gepanscht wird, dass UER-Zertifikate nicht gefälscht werden, dann ist das eine Riesenchance, die CO2-Emissionen im Bestand zu reduzieren und Mobilität umwelt- und klimafreundlicher zu gestalten.

Perspektivisch spielen selbstverständlich auch synthetische Kraftstoffe eine große Rolle. Sie haben ein gewaltiges Potenzial, weil wir weltweit mithilfe von Wind und Sonne synthetisieren und Flüssigkraftstoffe aus biogenen Quellen für Hybridanwendungen zur Verfügung stellen können. Sie von den Grünen und der SPD haben häufig die Speicherbarkeit nicht im Blick. Alle sagen uns: Insgesamt wird es energiewirtschaftlich nur mit speicherbaren Formen von Energie, mit Molekülen funktionieren. Deswegen ist es aus Unionssicht notwendig, eine Gesamtbetrachtung anzustellen und den kompletten Fußabdruck der jeweiligen Mobilitätsform von der Wiege bis zur Bahre – cradle to grave – in den Blick zu nehmen. Entscheidend ist, wie Energie in den jeweiligen Mobilitätsansätzen – praktisch und technisch – zur Verfügung gestellt und wie – auch unter finanziellen Aspekten – für die Infrastruktur, die Speicherung

Die wird von Tag zu Tag besser!

und die Distribution der Energie gesorgt wird. Weltweit gibt es Infrastrukturen, die auf flüssige Kraftstoffe, auf Moleküle setzen, und diese werden selbstverständlich auch in der Zukunft eine große Rolle spielen.

Beifallbei der CDU/CSU

Herr Ernst, es gibt aber einen Punkt in Ihrem Antrag, der zeigt, wes Geistes Kind Sie sind, wenn Sie nämlich fordern, dass wir gesetzliche Maßnahmen bräuchten, um zum Beispiel die Weiterentwicklung von Motoren zu unterstützen. Unsere deutsche Automobilindustrie, egal ob es um einen Porsche geht oder um einen wirtschaftlichen Opel Astra, braucht vernünftige Rahmenbedingungen, um das ordentlich zu machen, und dann bekommen das unsere Ingenieurinnen und Ingenieure auch hin.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
7 VermerkeZwischenfrageca. 425 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Hirte, ich kann Sie beruhigen: Auch Bündnis 90/Die Grünen steht zu Molekülen. Sie werden sogar in Batterien gebraucht. Moleküle – wer mal Physik oder Chemie hatte, weiß das – sind etwas Grundsätzliches, was nicht nur in fossilen Brennstoffen zu finden ist. Aber damit lasse ich es mal bewenden; wir haben schon sehr viel Lustiges gehört.

Im Antrag fordert das BSW ganz klar Subventionen für Diesel- und Benzinmotoren. Damit wird auch klar: Auch das BSW ist eine fossile Partei; das löst keine krasse Verwunderung aus. Aber das schon an Stalking erinnernde Verhalten Richtung Union finde ich bemerkenswert. Eine Unvereinbarkeit ist dort anscheinend nicht mehr gegeben. Vielleicht setzen Sie sich irgendwann hinter die Union oder noch ein bisschen weiter nach rechts; dann passt das vielleicht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Klaus Ernst hat hier ein paar Zahlen genannt. Deswegen habe ich mir gedacht: Ich bringe auch ein paar Zahlen mit. Wenn wir uns die Subventionen für fossile Brennstoffe wie Öl und Gas insgesamt anschauen, stellen wir fest: Im Jahr 2022 wurden fossile Brennstoffe weltweit mit 7 000 Milliarden Euro subventioniert – 7 000 Milliarden Euro! Das sind 19 Milliarden Euro pro Tag. Herr Ernst, meinen Sie wirklich, dass da Subventionen fehlen? Ist es wirklich Ihr Ansinnen, dass man da noch was draufpacken muss? Die fossile Industrie macht pro Tag 3 Milliarden Euro Gewinn. Noch mal die Frage: Die brauchen Geld, wirklich, Herr Ernst? Ich weiß nicht, wie man auf diese Idee kommen kann.

Was wir wirklich brauchen, das ist doch ein Gegenmittel gegen Dürre, gegen Brände, gegen Ernteausfälle, gegen Fluten. Dagegen müssen wir tätig werden. Und da brauchen wir nicht das Gerede von der Union über Technologieoffenheit, sondern klare Maßnahmen zum Klimaschutz, die ökonomisch sinnvoll sind. Wir brauchen Technologieführerschaft bei einer Technik, die hilfreich für Klimaschutz ist. Das sichert übrigens auch Arbeitsplätze. Wir brauchen günstige E-Autos statt – so will ich es einmal formulieren – fossiler Alt-Porsche-Fahrer. Herr Ernst, kaufen Sie sich doch endlich einen Taycan! Dann haben Sie das Problem hinter sich.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Einen Satz noch zu Ihnen, Herr Hirte. Sie wiederholen sich immer wieder. Das Zertifizierungssystem UER datiert aus Ihrer Regierungszeit. Gucken Sie es sich gerne mal an. Dieses Betrugssystem haben Sie entworfen. Wir haben es aufgedeckt, und wir haben es abgestellt.

Das ist ein Kontrollversagen!

Jetzt versuchen Sie doch nicht, das auf die Frau Schulze abzuwälzen!

Wir wickeln gerade den Mist zurück, den Sie verbockt haben.

Wir haben überhaupt nichts verbockt! Die Frau Schulze hat es beschlossen! Und die Grünen haben es mitbeschlossen!

Deswegen finde ich es schon relativ irre, dass Sie sich hier vorne hinstellen und das Thema immer wieder aufbringen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Da zeigt ein Finger in eine Richtung, und vier Finger zeigen originär zu Ihnen.

Vielen Dank.

Jetzt hat Thomas Ehrhorn das Wort für die AfD. Bitte.

Beifallbei der AfD
9 Vermerkeca. 391 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Als Klimarettung zur weltweiten Ersatzreligion erhoben wurde, haben wir zu Besonnenheit und zu Augenmaß geraten. Als deutsche Autobauer anfingen, die Gesetze der freien Marktwirtschaft zu ignorieren und sich ohne erkennbaren Widerstand den planwirtschaftlichen Vorgaben aus Brüssel und Berlin fügten, haben wir, die AfD, aus gutem Grund davor gewarnt, allein auf E-Mobilität zu setzen, auf ein Produkt, welches selbst nach staatlicher Förderung zumindest in Europa nicht ansatzweise konkurrenzfähig ist.

Beifallbei der AfD

Als dann Frau von der Leyen, CDU, in Brüssel trotzdem mit aller Macht das Ende des Verbrennungsmotors durchsetzte, haben wir darauf hingewiesen, dass dies vermutlich zwangsläufig den Niedergang der deutschen Autoindustrie einleiten wird. Und deshalb, liebe Damen und Herren von der Union, braucht wirklich niemand den verschwurbelten, halbherzigen und vor allen Dingen zutiefst unglaubwürdigen Antrag, den Sie hier beistellen wollen.

Beifallbei der AfD

Als dann die selbsternannte Fortschrittskoalition ohne jede Not die Versorgung mit preiswerter Energie aus Gas und Kernkraft beendet hat, haben wir versucht, diesen wirtschaftlichen Selbstmord zu verhindern. Aber anstatt zuzuhören, hat man uns diffamiert, und nun kommt das böse Erwachen.

Ziehen wir doch mal Bilanz, wo wir heute stehen.

Ja! Sie sind gescheitert!

Nach dem Vorbild einer sozialistischen Planwirtschaft baut unsere Autoindustrie, um horrende Strafzahlungen zu vermeiden, nun also Unmengen von E-Fahrzeugen, die im Vergleich zum Verbrenner viel zu teuer und deren Reichweite in der Regel viel zu gering ist, ohne dass Sie – das ist ja das Schlimmste daran – in Ihrer CO2-Bilanz irgendeinen messbaren Vorteil aufweisen könnten.

Beifallbei der AfD

Sie baut Elektrofahrzeuge, für die es zudem in Deutschland überhaupt keine brauchbare Ladeinfrastruktur gibt.

Das ist Quatsch, und das wissen Sie auch!

Und so bauen wir also Fahrzeuge, die selbst nach staatlicher Förderung von den meisten Kunden im besten Falle geleast werden und deren Leasingrückläufer dann nach drei oder vier Jahren auf irgendwelchen Halden vor sich hin rotten, weil sie praktisch nicht mehr verkäuflich sind.

Beifallbei der AfD

So kommt es dann – welche Überraschung! –, dass die überaus genialen Wirtschaftslenker des VW-Konzerns, die vor Kurzem noch davon träumten, Weltmarktführer zu werden, nun über Werksschließungen und Massenentlassungen nachdenken müssen. Deshalb darf es natürlich kein Verbrenner-Aus geben; das predigen wir seit Jahren. Wir freuen uns darüber, dass das auch beim BSW angekommen ist. So oder so, der Autobau wird natürlich irgendwie weitergehen – aber dank der katastrophalen Weichenstellung dieser Regierung eben nicht in Deutschland.

Beifallbei der AfD

Oder wie Habeck es sagen würden: Euer Job ist ja nicht zwangsläufig weg. Den haben jetzt nur andere.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifall
15 Vermerkeca. 547 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Erlauben Sie mir zu Beginn einen Satz zur AfD. Ihre grundsätzliche Ablehnung der Europäischen Union und Verdrehung naturwissenschaftlicher Tatsachen werden niemals eine Lösung sein, niemals!

Die Herausforderungen der Automobilbranche sind groß; das ist uns allen bewusst. Deswegen haben wir erste Maßnahmen für eine Wirtschaftswende eingeleitet, die die Zukunft sichern, Arbeitsplätze erhalten und die Industrie unterstützen. Ausbau der Ladeinfrastruktur, verbesserte Möglichkeiten für die Anwerbung von ausländischen Fachkräften, Einführung von Sonderabschreibung für Null-Emissions-Fahrzeuge, Maßnahmen zur Vereinfachung der Exportprozesse, verbesserte steuerliche Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung, Maßnahmen zur CO2-Speicherung und zur Wasserstoffinfrastruktur, das sind konkrete, erste Maßnahmen. Wir reden nicht nur, wir handeln.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das müssen wir tun, und das tun wir auch.

Man glaubt Ihnen nicht!

Als FDP sind wir seit vielen Jahren die Einzigen gewesen,

Aber nicht mehr so lange!

die konsequent für Technologieoffenheit und für die Abkehr vom Verbrennerverbot eingestanden sind.

Beifallbei der FDP

Lieber Herr Kollege Hirte, was die Union auf europäischer Ebene macht, sorgt allerdings für Unsicherheit.

Was die FDP auf Bundesebene macht, auch!

Das lange Jahre von Ursula von der Leyen vorangetriebene Verbrennerverbot darf nicht kommen. Technologieoffenheit bedeutet, dass Verbrenner auch nach 2035 klimaneutral betankt, neu zugelassen und benutzt werden können. Die Abschaffung der Flottengrenzwerte muss kommen; denn eine zeitnahe Verschärfung hätte fatale Folgen für unsere Automobilwirtschaft.

Beifallbei der FDP sowie des Abg. Christian Hirte [CDU/CSU]

Ihr politisches Handeln ist allerdings seit Jahren von Widersprüchlichkeit geprägt. Der Kollege aus Ihrer befreundeten Partei, Markus Söder, hat in den letzten 15 Jahren wie ein Fähnchen im Wind tagtäglich die Richtung verändert.

Das machen Sie ja zum Glück nicht mit Ihrer Partei!

2007 hat er noch gefordert, dass der Verbrennungsmotor 2020 abgeschafft werden soll. Dann hätten wir ihn schon seit vier Jahren nicht mehr. 2020 hat er dann ein Verbot für 2035 gefordert, und nun, 2024, ist er zur Besinnung gekommen und hat gesagt: Jetzt machen wir das Ganze doch nicht mehr. – Das ist das Gegenteil von politischer Stabilität.

Beifallbei der FDP

Nicht zuletzt: Ursula von der Leyen hat mit ihrem Hin und Her beim Green Deal vor der Wahl, während der Wahl und nach der Wahl für Unsicherheit in der Bevölkerung, in der Industrie, bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, eigentlich bei allen, die sich damit beschäftigen, gesorgt. Sie versprechen das Blaue vom Himmel, tun aber nichts. Aber Sie könnten ja was tun. Ursula von der Leyen ist gewählte Kommissionspräsidentin. Sie könnte Anweisungen an die Kommissare in die Mission Papers schreiben. Tut sie aber nicht! Sie könnte es ins 100-Tage-Kommissionsprogramm schreiben. Tut sie aber nicht! Sie könnte zumindest deutlich öffentlich Stellung beziehen. Tut sie aber nicht! Das schafft Verunsicherung.

Beifallbei der FDP

Wenn Sie es ernst meinen mit Ihren Aussagen: Nehmen Sie das Telefon zur Hand, rufen Sie die Kollegin an und sagen ihr das so deutlich, wie Sie es ja auch hier tun. Sie müssen Ihre Hausaufgaben machen, wir machen unsere hier. Als FDP sind und bleiben wir verlässlicher Partner der Automobilindustrie.

Beifallbei der FDP
Lachenbei Abgeordneten der AfD

Für die Industrie brauchen wir keine Einzelsubventionen, wie sie im vorliegenden Antrag, lieber Herr Ernst, gefordert werden; wir brauchen auch keine Geldgießkannenpolitik. Wir brauchen Planungssicherheit, gute Rahmenbedingungen, eine solide Standortpolitik und Innovation für die Mobilität der Zukunft,

Also weniger Subventionen!

und das kann nur technologieoffen gehen.

Das Wichtigste, das immer gelten muss: Die hervorragenden Ingenieurinnen und Ingenieure in unserem Land brauchen Freiheit, um die besten Technologien für die Wirtschaft und für funktionierenden Klimaschutz zu entwickeln. Denn – das sage ich Ihnen aus voller Überzeugung –

jeder Ingenieur weiß am Ende besser, welche Technologie es sein wird, als wir Politiker.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Daniel Rinkert [SPD]
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Martina Englhardt-Kopf
Foto: Martina Englhardt-Kopf/ Tobias Koch
15 Vermerkeca. 380 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Automobilindustrie ist zentral für unser Land. Sie schafft nicht nur Arbeitsplätze in meiner ostbayerischen Heimat, sondern in ganz Deutschland und treibt auch Innovationen voran. Drohende Werkschließungen, Abwanderungen ins Ausland, drohender Arbeitsplatzverlust: Die Krise spitzt sich zu, und wir müssen an dieser Stelle sofort handeln.

Beifallbei der CDU/CSU

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft ist die Produktion in Deutschland in den vergangenen sechs Jahren um 25 Prozent geschrumpft.

Drei Jahre davon haben Sie regiert!

Blicken wir auf das Wirtschaftswachstum, dann sehen wir eine konjunkturelle Schwäche. Wir haben kein Wachstum mehr. Das schwächt natürlich auch die Konsummöglichkeiten der Haushalte. Dazu kommt der schlingernde Kurs in der E-Mobilität. Sie propagieren „all-electric“ und schaffen über Nacht die Förderprämie für E-Mobilität ab, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Natürlich trägt auch der schwierige Markt in China dazu bei.

Jetzt kommen wir doch mal zur Sache. Auch Bundesminister Wissing macht hier eine sehr schlechte Figur.

Der macht gar keine!

Denn er muss für unser Land auf EU-Ebene vorsprechen und klarmachen, dass das sofortige Aus des Verbrennungsmotors nicht haltbar ist,

Zurufevon der SPD

dass eine ganze Schlüsselbranche in Deutschland ins Wanken geraten ist und unser Automobilstandort in großer Gefahr ist, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Das ist Ihre Parteifreundin!

Ein weiterer wichtiger Punkt wäre die Abmilderung der CO2-Flottengrenzwerte. Treten Sie als FDP doch dafür ein!

Beifallbei der CDU/CSU

Genau! Greifen Sie zum Telefon, und rufen Sie doch mal an!

Sprechen Sie doch als Ampel vor, um hier ernsthaft etwas zu tun, um die Branche zu retten, um das Ganze zu unterstützen! Das ist Ihre Aufgabe, und da hilft es eben nicht, abzulenken.

Beifallbei der CDU/CSU

Im Übrigen muss sich die Bundesregierung generell dafür einsetzen, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland wieder wettbewerbsfähig wird. Schauen Sie sich doch die Zahlen an! Ich spreche über die Energiepreise, eine Reform der Unternehmensbesteuerung und die Reduzierung der Bürokratie. Sie können viel tun und sollten alle Möglichkeiten nutzen.

Das sind die Unternehmensteuern, die Sie so festgelegt haben! Just saying!

Das tun Sie aber nicht, zulasten der Bürgerinnen und Bürger, der Arbeitsplätze, der Wirtschaftstätigkeit und unseres Wohlstandes.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir sind der festen Überzeugung, dass wir gute Rahmenbedingungen brauchen. Die besten Technologien werden sich auf dem Markt durchsetzen,

Das haben wir die letzten zehn Jahre ja gesehen!

aber keine einseitigen ideologischen Vorgaben durch die Politik, die permanent überholt sind.

Sie haben ja keine Infrastruktur ausgebaut!

Schaffen wir hier gute Rahmenbedingungen für uns alle, auch im Sinne der Technologieoffenheit, um unser Land in eine gute Zukunft zu führen!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei Abgeordneten der FDP

Für Die Linke hat Susanne Ferschl das Wort.

Beifallbei der Linken
6 Vermerkeca. 275 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Bei VW brennt der Baum; es drohen Kündigungen und Standortschließungen. Die Beschäftigten sollen für das Missmanagement des Vorstands bluten, Stichwort „Dieselskandal“, zu späte Entwicklung von E-Fahrzeugen, vor allem von bezahlbaren Kleinwagen. Im Juni wurden noch 4,5 Milliarden Euro Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet; der Vorstandsvorsitzende Blume hat ein Gehalt von 10 Millionen Euro,

Weil der Aufsichtsrat und die Gewerkschaften mitgestimmt haben, Frau Ferschl!

und bei den Beschäftigten soll der Rotstift angesetzt werden. Das ist völlig inakzeptabel!

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Dunja Kreiser [SPD] und Andrej Hunko [BSW]

Der Autostandort Deutschland trudelt insgesamt, auch verursacht durch politisches Versagen. Und die Antwort des BSW auf das alles ist der Stopp des Verbrenner-Aus? Ernsthaft?

Ich habe mich mit etlichen Betriebsräten und auch Managern in der Automobil- und Zulieferindustrie unterhalten. Da wird beispielsweise kritisiert, dass die Bundesregierung den Transformationsprozess nicht ausreichend unterstützt oder dass keine verlässliche Planung möglich ist. Exemplarisch sind die über Nacht gestrichenen Förderprämien. Der Stopp des Verbrenner-Aus gehörte nicht dazu. Der streut den Beschäftigten nur Sand in die Augen und hilft überhaupt nicht weiter.

Beifallbei der Linken sowie des Abg. Stefan Gelbhaar [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich zitiere aus dem Positionspapier der IG Metall:

„Immer neue Debatten über Ausstiegsdaten oder Grenzwerte helfen uns nicht weiter. Im Gegenteil. … Ein Zick-Zack-Kurs gefährdet die Arbeitsplätze der Branche …“

Beifallbei der Linken

Notwendig ist etwas anderes: eine Industriepolitik, die den Transformationsprozess mit gezielten Förderungen begleitet und diese an Arbeitsplatzgarantien und Tarifbindung knüpft. Notwendig sind mehr Investitionen. Weg mit der Schuldenbremse! Schluss mit dem Rüstungswahnsinn!

Beifallbei der Linken

Vor allem ist mehr Mitbestimmung notwendig. Ich zitiere Carsten Büchling, den Betriebsratsvorsitzenden bei VW Baunatal:

„Wenn wir mehr Einfluss hätten auf strategische Entscheidungen über die Produktion, dann könnten solche krisenhaften Zuspitzungen vermieden werden.“

Das werden wir als Linke unterstützen, aber keinen sinnlosen Stopp des Verbrenner-Aus.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Dunja Kreiser [SPD]
2 Vermerkeca. 277 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Seit Längerem diskutieren wir die Frage: Wie geht es weiter mit dem Verbrenner? Ich möchte Ihnen einige Zahlen nennen. Bis ins Jahr 2050 wird sich die Zahl der weltweit zugelassenen Fahrzeuge verdoppeln. Alle Studien, die wir kennen, gehen davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt die Hälfte aller Fahrzeuge nach wie vor Verbrenner sein werden. Das bedeutet: Egal wie die Zukunft sich darstellt, wir werden in diesem Zeitraum nicht weniger Verbrennerfahrzeuge haben als heute; wir werden doppelt so viele Fahrzeuge haben. Die eine Hälfte wird elektrisch betrieben werden. Aber die andere Hälfte werden nach wie vor Verbrenner sein. „Verbrenner“ bedeutet nicht, dass der Motor verbrennt, sondern, dass das verbrannt wird, was man reinkippt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir die Debatte so führen, als würde der Dieselmotor verbrennen. Es wird aber der Diesel und nicht das Dieselauto verbrannt.

Beifallbeim BSW

Wenn wir tatsächlich die Umweltprobleme lösen wollen, müssen wir selbstverständlich darüber nachdenken, welchen Sprit wir in die Fahrzeuge kippen. Da bietet sich Verschiedenes an, zum Beispiel Wasserstoff und synthetischer Kraftstoff. Es bietet sich, wenn man die Umweltprobleme wirklich lösen will, im Übrigen auch an – die Chinesen machen das schon –, über Verbrenner mit weit weniger Verbrauch als bisher nachzudenken.

Das heißt nicht, dass wir keine Elektrofahrzeuge wollen; natürlich wollen wir sie. Aber es geht vollkommen an der Realität vorbei, so zu tun, als würde es sinnvoll sein, den Verbrennermotor zu verbieten.

Beifallbeim BSW

Die Umweltprobleme lösen wir nur, wenn es uns gelingt, den Verbrenner mit anderen Treibstoffen zu betreiben oder weniger zu verbrauchen.

Das ist unser Ziel mit diesem Antrag. Ich weiß, dass viele in der Union und auch in anderen Parteien ähnlich denken.

2 Vermerkeca. 11 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich habe nichts dagegen, wenn Sie dem Antrag zustimmen.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BSW
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Anette Kramme
Foto: Anette Kramme/ Yves Sucksdorff
Anette KrammeSPD· Parl. Staatssekretärin BMAS· MdB
5 Vermerkeca. 383 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete! Deutschland ist ein starker Wirtschaftsstandort und soll es auch bleiben.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Das sehen aber die Wirtschaftsinstitute seit heute etwas anders!

Das A und O dafür sind Fachkräfte. Auf sie kommt es an; denn nur mit genügend Fachkräften werden wir dauerhaft unseren Wohlstand sichern können.

Zurufvon der CDU/CSU: Den Sie gefährden!

Dazu leistet auch das SGB-III-Modernisierungsgesetz einen Beitrag. Es sieht eine Reihe von Maßnahmen vor, mit denen wir die Fachkräftesicherung verbessern wollen. Was bedeutet das konkret? Wir wollen die Arbeitsförderung für junge Menschen weiter verbessern, zur Unterstützung ausländischer Fachkräfte nutzen und bürgerfreundlicher gestalten.

Junge Menschen werden jetzt schon auf ihrem Weg in einen Beruf begleitet. Das wollen wir weiter verbessern und werden dazu die Beratung und Betreuung durch die Agenturen für Arbeit ausbauen. Junge Menschen, die einen erhöhten Unterstützungsbedarf haben, sollen ganzheitlich beraten und betreut werden. Neu ist, dass die Betreuung auch aufsuchend erfolgen kann.

Zusätzlich wird die rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit der verschiedenen Sozialleistungsträger bei der Betreuung junger Menschen gestärkt, beispielsweise in den Jugendberufsagenturen. Das ist wichtig, wenn wir dafür sorgen wollen, dass junge Menschen passgenaue und aufeinander abgestimmte Unterstützung erhalten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Jens Beeck [FDP]

Außerdem wollen wir Menschen mit ausländischen Berufsabschlüssen noch besser dabei unterstützen, schneller auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und ihre Qualifikationen gewinnbringend einzusetzen. Hier geht es vor allen Dingen um die Beratung zum Anerkennungsverfahren von Personen mit ausländischen Berufsqualifikationen. Diese soll die Bundesagentur für Arbeit ab 2029 übernehmen. Damit verstetigen wir die Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung, die bisher über eine ESF-Förderung durch die Netzwerke „Integration durch Qualifizierung“ wahrgenommen wurde.

Darüber hinaus wollen wir die Arbeitsförderung bürgerfreundlicher, transparenter und effizienter ausgestalten. Deswegen ist ein weiterer Fokus des SGB-III-Modernisierungsgesetzes die Digitalisierung, Automatisierung und Entbürokratisierung der Arbeitsförderung. Beispielsweise sollen die Möglichkeiten für eine Beratung per Videotelefonie erweitert werden. Auch die bisherige Eingliederungsvereinbarung wird durch einen neuen Kooperationsplan ersetzt. Dieser wird für die Arbeitsuchenden verständlicher sein und daher den Vermittlungsprozess fördern.

Daneben enthält der Gesetzentwurf einige weitere Regelungen. So unterstützen wir Existenzgründerinnen und Existenzgründer durch Anpassungen beim Gründungszuschuss. Wir verbessern die Absicherungsmöglichkeiten von Selbstständigen in der Arbeitslosenversicherung. Auch beim Kurzarbeitergeld sieht der Gesetzentwurf vereinfachende und klarstellende Regelungen vor.

Das alles sind Maßnahmen, die wir im SGB III vornehmen, um die Arbeitsförderung moderner zu gestalten und so die Fachkräftesicherung zu verbessern.

In diesem Sinne bitte ich um wohlwollende Beratung des Gesetzes.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Nächste Rednerin ist die Kollegin Jana Schimke, CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
10 Vermerkeca. 414 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wenn es hier heute nicht um ein zentrales Thema unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ginge, nämlich die Vermittlung von Arbeitsuchenden in Arbeit, dann könnte man ja darüber nachdenken, seine Rede zu Protokoll zu geben. Aber dafür ist dieses Thema schlichtweg zu wichtig.

Unsere Staatssekretärin hat vom starken Wirtschaftsstandort und einer bürgernäheren Vermittlung gesprochen. Nur, was wird aus diesem starken Wirtschaftsstandort, wenn wir mit diesem Gesetzentwurf die Menschen eben nicht in Arbeit bekommen? Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich weiß nicht, ob es Ihnen aufgefallen ist, aber der Fehler des Bürgergeldes wird hier wiederholt.

Beifallbei der CDU/CSU

Es ist nämlich vorgesehen, die Eingliederungsvereinbarung abzuschaffen

Bürgergeld 2.0!

und stattdessen einen Kooperationsplan einzuführen. Was ist denn, bitte schön, Frau Staatssekretärin, daran nicht zu verstehen, wenn man die Menschen höflichst darum bittet, sich eine neue Arbeitsstelle zu suchen,

Es geht hier um die Arbeitslosenversicherung! Es geht nicht um Sanktionen!

und dafür die geeigneten Fähigkeiten ermitteln will,

gemeinsam, in einem persönlichen Gespräch? Was ist denn daran so schwer? Was muss denn da vereinfacht werden?

Im Übrigen: Der einstigen Eingliederungsvereinbarung, die hier abgeschafft werden soll, lag ja ein öffentlich-rechtlicher Vertrag zugrunde; es war ein Vertragswerk. Und da sagt jetzt der Gesetzgeber in seiner Begründung:

Gesetzgeber sind wir!

Oh, wir können diesen Vertrag nicht erfüllen, wir brauchen etwas unverbindlichere Regelungen. – Also, ich sage Ihnen ganz ehrlich: So wird das nicht klappen – erst recht nicht, wenn man die beim Bürgergeld erwiesenermaßen geleisteten Fehler an dieser Stelle wiederholt.

Nächster Punkt – es wird ja immer besser –: das persönliche Gespräch. Im bisherigen Gesetz war ganz klar formuliert: Ein persönliches Gespräch ist zwingend. – Jetzt wird gesagt, es reicht die Videokonferenz. Okay, jetzt sind wir auch nicht von gestern – bitte nicht falsch verstehen! –,

Von vorgestern! Von vorgestern seid ihr!

aber die Begründung, dass die Menschen heute alle im Homeoffice und mobil arbeiten und wir deswegen das alles nicht brauchen, ist doch wieder hanebüchen. Ich bitte Sie, Herr Rosemann! Sie wissen doch auch, was der Gesetzgeber mit den Hartz-IV-Reformen, mit der Agenda 2010 bezweckt hat, nämlich Verbindlichkeit herzustellen, mit dem Ziel, die Menschen in Arbeit zu bringen. Was Sie hier machen, ist Wohlfühlpolitik, nichts anderes.

Beifallbei der CDU/CSU

Wissen Sie, dass wir nicht über das Bürgergeld reden, sondern über das SGB III?

Vielleicht noch einen Satz zu den Kollegen von der AfD. Wir haben hier vor einiger Zeit schon mal über Ihren Antrag diskutiert, in dem Sie fordern: Nur Erwerbsfähige haben noch ein Anrecht auf Vermittlung, alle anderen werden in die Sozialhilfe abgeschoben. Sie führen das mit Ihrem heutigen Antrag fort, in dem Sie fordern, die Behörden zusammenzulegen. Wir haben das damals schon kritisiert und tun es jetzt auch. Insofern erhalten beide Vorschläge, die heute auf dem Tisch liegen, nicht unsere Zustimmung.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
8 Vermerkeca. 510 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Abgeordnete! Ich habe kurz überlegt, ob ich auf die vorhergehende Rede eingehen soll, aber ehrlich gesagt ist mir die Redezeit dafür zu schade. Das war so unterirdisch. Deswegen rede ich lieber zum Gesetz; dazu haben Sie nämlich fast nichts gesagt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Jetzt ist schon mal eine Minute um! Gut!

Denn das Gesetz ist eigentlich ein gutes Zeichen, wozu die Ampel fähig ist. Es hat noch mal deutlich gemacht, was der Unterschied zwischen der Ampel und der rückwärtsgewandten Politik der Union ist, zeigt aber ein bisschen auch die Grenzen auf; weil wir an manchen Stellen durchaus weiter gehen würden.

Um die Herausforderungen noch mal deutlich zu benennen: Die Arbeitsmärkte stehen vor großen Veränderungen – Digitalisierung, Demografie, nicht zuletzt ökologischer Wandel –; das muss gestaltet werden. Die Arbeitswelt verändert sich. Selbstständige Beschäftigung ist anders, als sie früher war. Der Übergang zwischen selbstständiger und abhängiger Beschäftigung wird fließend. Diese neue Arbeitswelt muss neu gestaltet werden, auch in den sozialen Sicherungssystemen.

Deswegen wollen wir Grüne die Arbeitslosenversicherung grundlegend reformieren, zu einer Arbeitsversicherung. Das wäre wirklich ein Modell für die Zukunft.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Stephan Thomae [FDP]

Das heißt dann zum Beispiel, dass nicht nur Arbeitslose unterstützt werden, sondern Jugendliche am Anfang der Berufskarriere stärker unterstützt werden, dass Selbstständige besser abgesichert werden, dass mehr für Weiterbildung getan wird. Bei allen drei Punkten handelt die Ampel. Bei der Weiterbildung haben wir schon eine Menge gemacht, im Bürgergeld, aber auch schon im SGB III, mit der Einführung des Weiterbildungsgeldes, der Abschaffung des Vermittlungsvorrangs, der Einführung des Qualifizierungsgeldes, der verbesserten Weiterbildungsförderung – eine ganze Menge.

In diesem Gesetz – die Staatssekretärin hat es schon angesprochen – werden neben vielen kleineren Punkten, die verbessert werden, zwei weitere Punkte angegangen, nämlich einerseits die Unterstützung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen beim Einstieg in das Arbeitsleben. Das ist enorm wichtig, weil wir zu viele Jugendliche haben, die bei diesem Einstieg verloren gehen, was dann für das ganze Erwerbsleben Folgen hat. Wir haben beim Bürgergeld schon einiges gemacht. Jetzt geht es darum, auch in der Arbeitslosenversicherung die Unterstützung von Jugendlichen deutlich zu verbessern.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Dazu gehört eine bessere Kooperation. Dazu gehört eine bessere Förderung. Dazu gehört, Maßnahmen, die wir beim Bürgergeld schon gemacht haben, Verbesserungen, die wir beim Bürgergeld gemacht haben, auch hier umzusetzen. Dadurch schaffen wir einen besseren Einstieg für die Jugendlichen – ganz wichtig.

Zweiter Punkt: Selbstständige. Förderung von Selbstständigkeit ist enorm wichtig für diesen ganzen Transformationsprozess. Wir müssen Existenzgründungen stärker fördern, auch und gerade aus der Arbeitslosigkeit heraus. Auch das haben wir beim Bürgergeld schon gemacht. Bei Abschaffung des Vermittlungsvorrangs haben wir Gleichwertigkeit von Qualifizierung und Existenzgründung vorgesehen.

Zurufdes Abg. Kai Whittaker [CDU/CSU]

So haben wir die Förderung von Existenzgründungen im Bürgergeld schon verbessert. Auch hier gehen wir noch weitere Schritte.

Sie streichen noch mehr Geld!

Einfach mal ins Gesetz gucken, Herr Kollege! Einfach mal googeln!

– Die Union hat offenbar kein Interesse an Existenzgründungen, so interpretiere ich diese Zwischenrufe. Das ist bei der Ampelkoalition anders. Wir wollen mehr Existenzgründungen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD und des Abg. Stephan Thomae [FDP]

Deswegen bauen wir beim Existenzgründungszuschuss Hürden ab. Wir könnten uns da als Grüne durchaus noch mehr vorstellen. Aber das ist ein wichtiger Schritt. Wir verbessern für Selbstständige den Zugang zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung. Auch das ist wichtig für diese neue Arbeitswelt. Man sieht also: Die Ampel handelt im Sinne der Zukunft – die Union steckt in der Vergangenheit.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Beifallbei der AfD
Porträt von Gerrit Huy
Foto: Gerrit Huy/ Marcus Vetter, Fotostudio Seefeld
13 Vermerkeca. 409 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Werte Kollegen! Liebe Zuschauer! Der Gesetzentwurf der Ampel lässt anklingen, dass wir es in unserem Land mit einer problembeladenen Jugend zu tun haben, die in den Schulen nicht mehr das lernt, was früher selbstverständlich war:

Wo steht das denn?

Lesen, Rechnen, Schreiben. Fast 3 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren in unserem Land haben keinen Berufsabschluss. Die linke Politik der letzten Jahre hat unser Land der Dichter, Denker und Forscher in eine multikulturelle Förderschule verwandelt.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Sie aber wollen das nicht sehen und lassen tagtäglich weiter gering gebildete Menschen ins Land.

Das ist billige Hetze! Billige Hetze!

Aus einer Leistungsgesellschaft haben Sie eine Minderleistergesellschaft gemacht.

Beifallbei der AfD

Das klingt nicht schön, aber wohin es führt, wenn man hier die Wahrheit nicht mehr sehen will, das haben wir die letzten Jahre ausgiebig erleben dürfen.

Beifallbei der AfD

Glauben Sie wirklich, dass Sie dieses Problem durch stärkere Digitalisierung der Bundesagentur für Arbeit lösen können oder durch eine Weiterentwicklung der Eingliederungsvereinbarung zu Kooperationsplänen? Wer soll das denn noch ernst nehmen?

Wenn man es nicht versteht, kann man es auch nicht ernst nehmen!

Die sogenannten Kunden der Bundesagentur sicher nicht. Die wollen zum großen Teil gar nicht bei der BA einkaufen – weder ihre Jobangebote noch ihre Ausbildungsofferten –, die meisten wollen schlicht in Ruhe gelassen werden, ihr Bürgergeld und ihre warme Wohnung genießen – oder in ihren Parallelgesellschaften arbeiten.

Wie kann man nur so über Menschen reden!

Doch das Problem, das Sie nicht sehen wollen, ist riesig: Heute haben wir gut 4 Millionen Erwerbsfähige im Bürgergeld,

fast die Hälfte von ihnen zugewandert,

Arbeitslose sind 1,7 Millionen! Mal mit den Zahlen beschäftigen! Und hier geht es übrigens um die Arbeitslosenversicherung!

und durch Ihre desaströse Wirtschaftspolitik kommen jetzt noch gut 1 Million versicherte Arbeitslose dazu, also zusammen 5 Millionen Menschen, die angeblich arbeitsfähig sind, stattdessen aber vielfach anders beschäftigt sind, in wenig zielführenden Maßnahmen stecken oder dauerkrank sind.

Ins Verhältnis gesetzt zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, auf die es ja ankommt, ergibt das eine tatsächliche Arbeitslosenquote von 14 Prozent.

Zurufdes Abg. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Diese 14 Prozent liegen der arbeitenden Bevölkerung auf der Tasche. Und da habe ich die Familienmitglieder der Bürgergeldempfänger und andere Grundsicherungsempfänger nicht mal mitgezählt. Ich weiß von keinem anderen Land, das so lax mit seiner Massenarbeitslosigkeit umgeht wie Sie.

Sprechen Sie endlich eine Sprache, die auch die zugewanderten Arbeitslosen verstehen! Das heißt: Führen Sie den Vermittlungsvorrang wieder ein! Setzen Sie alle verfassungsmäßigen Sanktionen wieder ein! Betreuen Sie alle Arbeitslosen zukünftig aus einer Hand, durch die BA!

Ich glaube es echt nicht! Wir reden über ein Gesetz zur Arbeitslosenversicherung!

Übertragen Sie die Aufgaben des Arbeitgeberservice auf die operativ tätigen Integrationskräfte! Dann verstehen die endlich, was die Unternehmen tatsächlich brauchen. Und vermitteln Sie die Arbeitslosen anhand der tatsächlichen Fähigkeiten und nicht mehr vorrangig nach dem meist illusorischen Berufswunsch! Verpflichten Sie Arbeitsuchende, die nach sechs Monaten keinen Job gefunden haben, zu kommunalen Hilfsarbeiten!

Porträt von Gerrit Huy
Foto: Gerrit Huy/ Marcus Vetter, Fotostudio Seefeld
1 Vermerkca. 16 WörterReaktionswert: ruhig
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Und lassen Sie nur noch Maßnahmen zu, deren Erfolg für die Vermittlung vom Bildungsträger nachgewiesen wird!

Beifallbei der AfD
Porträt von Nicolas Zippelius
Foto: Tobias Koch
5 Vermerkeca. 295 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Partnerländern der Entwicklungszusammenarbeit zu stärken, ist uns – das wissen Sie – ein wichtiges Anliegen, und das haben wir bereits mit zahlreichen Anträgen hier unterstrichen.

Zurufvon der CDU/CSU: So ist es!

Die Erreichung der Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung bis zum Jahr 2030 ist nach aktuellem Stand kaum möglich. Klar ist: Allein mit staatlichen Mitteln sind die Ziele der Agenda 2030 nicht zu erreichen. Endlich mehr Mittel der Privatwirtschaft für die nachhaltige Entwicklung zu mobilisieren, ist daher von großer Bedeutung, und das ist Ziel dieses Antrags, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Dies gilt insbesondere mit Blick auf die Entwicklungsländer, die bei Investitionen einen enormen Finanzbedarf haben. Dabei ist nachhaltiges Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern entscheidend, um Arbeitsplätze zu schaffen und den Menschen langfristig gute Perspektiven zu bieten.

Zudem ist ein verstärkter wirtschaftlicher Austausch auch im ökonomischen Interesse Deutschlands. Mit unserem Antrag machen wir Vorschläge, wie eine intensivere wirtschaftliche Zusammenarbeit gefördert werden kann, zum Beispiel durch Umpriorisierungen im Bundeshaushalt für eine strategischere Außenwirtschaftsförderung mit besseren Finanzierungsmöglichkeiten durch die DEG oder durch Risikoabsicherungen für Investitionen in Entwicklungsländern.

Unser Antrag enthält noch eine Fülle von weiteren Vorschlägen. Ich lade Sie ein: Lassen Sie uns gemeinsam darüber sprechen, wie wir die deutsche Entwicklungszusammenarbeit wieder zielorientiert ausrichten können. Das fängt beim Haushalt an.

Wir kritisieren, dass im Regierungsentwurf insbesondere diejenigen Haushaltstitel im BMZ überproportional gekürzt werden, die dazu dienen, unternehmerisches Engagement in Entwicklungsländern zu fördern. Aber das ist notwendig; denn es ist unbestritten, dass entwicklungspolitisches Engagement allein die Probleme der Entwicklungsländer nicht wird lösen können. Diese Leerstelle in der entwicklungspolitischen Schwerpunktsetzung der Ampelkoalition ist falsch.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir formulieren eine Alternative, die nicht nur entwicklungspolitisch sinnvoll ist, sondern zudem einen Beitrag zur Stärkung des Standorts Deutschland liefern kann.

Ich freue mich auf die weiteren Beratungen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Derya Türk-Nachbaur
Foto: Derya Türk-Nachbaur/ Photothek Media Lab
9 Vermerkeca. 485 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zwar hat der griechische Dichter Aristophanes sicher nicht die Unionsanträge zur Entwicklungszusammenarbeit bedacht, als er seine Werke verfasste, doch auch an diesem Papier hätte er sicherlich seine Freude. Denn dank der Unionsanträge lebt auch 2 400 Jahre später sein Ausspruch „Eulen nach Athen tragen“ fort. Zumindest für Ihren Beitrag zur Erhaltung von Redewendungen möchte ich mich ausdrücklich bedanken.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Sie betonen die Bedeutung des Privatsektors in der Entwicklungszusammenarbeit. Sie fordern eine stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit, um die SDGs zu erreichen. Ja, wow! Ich verrate Ihnen ein Nichtgeheimnis: Diese Einschätzung wird geteilt, und es wird bereits danach gehandelt.

Ihr kürzt doch!

Sie kürzen doch den Titel!

Doch kommen wir zu den Feinheiten auf dem Weg zur Erreichung dieser Ziele, bei denen wir uns ein bisschen unterscheiden.

Während der Privatsektor unbestreitbar ein Motor für wirtschaftliches Wachstum ist, würden Sie gerne vergessen, dass Entwicklungspolitik mehr als bloß eine Frage von Wettbewerb und Marktzugängen ist.

Deshalb kürzen Sie! Was ist denn das für ein Unsinn?

Investitionen der Privatwirtschaft haben Aussicht auf Erfolg, wenn Grundbedürfnisse wie Frieden, Stabilität, Sicherheit, Bildung und Verlässlichkeit erfüllt sind. Die deutsche EZ hilft als verlässlicher Partner dabei, den Boden dafür zu bereiten, und sie ist ab dem Zeitpunkt, wo die Rahmenbedingungen passen, erst recht gefragt, um die Wirtschaftsförderung anzukurbeln.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Ja, aber Sie kürzen doch den Titel!

Die deutsche EZ verfolgt das Ziel einer sozialökologischen Wirtschaftstransformation. Das bedeutet, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit den Weg in eine gerechtere und umweltfreundlichere Zukunft ebnen muss. Eine blinde Liberalisierung, wie sie im Antrag durchscheint, greift leider zu kurz. Was wir brauchen, ist eine Wirtschaft, die auf Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit setzt, nicht nur auf kurzfristige Gewinnmaximierung um jeden Preis. Was nützen denn Investitionen, wenn sie zu mehr Ungleichheit und Umweltzerstörung führen? Entwicklungszusammenarbeit muss auf die Menschen ausgerichtet sein, insbesondere auf benachteiligte Gruppen wie Frauen, die oft nur unzureichenden Zugang zu wirtschaftlichen Ressourcen haben.

Beifallbei der SPD

Spannend finde ich auch Ihre Forderung, dass die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mit der Finanzierung von Exportgeschäften beauftragt werden soll. Sie haben doch lauter Fachmänner bei uns im Ausschuss sitzen; das Gendern kann ich mir, glaube ich, an dieser Stelle sparen. Sie sollten bestens wissen, dass die reine Finanzierung von Exportgeschäften deutscher Unternehmen nicht vom Mandat der DEG abgedeckt ist. Das ist doch gar nicht der Job der DEG. Das machen die Unternehmen mit ihren Hausbanken, und genau diese Finanzierung kann durch die existierenden Instrumente der Bundesregierung zur Exportkreditabsicherung ergänzt werden. Wir müssen also nichts Neues erfinden, wenn es die Instrumente, die wirksam zum Ziel führen, bereits gibt.

Ich finde es ein bisschen hanebüchen, wenn im Antrag behauptet wird, die Ampelkoalition messe dem privatwirtschaftlichen Engagement keine Bedeutung bei.

Sie kürzen da!

Genau das Gegenteil ist der Fall.

Lachenbei der CDU/CSU
Zurufvon der CDU/CSU: Warum kürzen Sie dann da?

Der strategische Fokus liegt auf einer nachhaltigen Zusammenarbeit, die langfristige, stabile Perspektiven für alle schafft, nicht nur für deutsche Unternehmen, sondern vor allem auch für die Menschen vor Ort, die sie brauchen.

Wir setzen auf Partnerschaft, Gleichberechtigung und Fairness. Nur wenn wir soziale, ökologische und wirtschaftliche Ziele miteinander verknüpfen, können wir die SDGs erreichen und eine gerechte Zukunft für alle schaffen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD

Ganz schön viel Falsches drin!

Beifallbei der AfD
3 Vermerkeca. 426 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe CDU/CSU, das ist mit Abstand der beste CDU/CSU-Antrag in dieser Legislaturperiode in diesem Ausschuss, aber leider ist er nicht gut.

Es gibt sehr viele gute!

Ich möchte damit beginnen – bitte korrigieren Sie das –: Wir reden jetzt über die Agenda 2030, nicht über die Agenda 2023. Aber im Jahr 2023 hat António Guterres festgestellt, dass die SDGs alle gescheitert sind. Kurz zur Erinnerung: Im Jahr 2000 gab es die Jahrtausendziele – 8 Stück davon –, und im Jahr 2015 stellte man fest: Man hat sie nicht erreicht. Und obwohl man 8 schon nicht erreicht hat, macht man die Agenda 2030 mit 17 Zielen, die wir nachweislich auch nicht erreichen. Deswegen gibt es jetzt den großen UN-Zukunftspakt, den ausgerechnet unser Zeitenwenden-erfolglos-Kanzler Olaf Scholz anführen soll. Das kann man sich doch wirklich nicht ausdenken.

Beifallbei der AfD

Sehr guter Mann! Hat er gut gemacht!

Dünn ist aber, dass Sie langsam auch dem links-grünen Narrativ verfallen und zum Beispiel von „Klimanotstand“ sprechen. Fangen Sie doch einfach mal an, vom exzessiven Rohstoffabbau, von Ausbau von Monokulturen, extremer Waldvernichtung und von Demografieeffekten zu reden! Denn das ist das, was die Welt beschäftigt.

Sie wollen wirtschaftliche Zusammenarbeit. Herzlichen Glückwunsch, das ist das erste Mal nach drei Jahren. In den letzten drei Jahren haben Sie nicht nur 24 AfD-Anträge diesbezüglich abgelehnt, sondern Sie waren drei Jahre lang auf einem ideologischen Feminismustrip.

Kommen wir aber jetzt zu dem Forderungskatalog mit 20 Punkten. Punkt 1. Hier unterscheiden wir uns grundsätzlich; denn Sie wollen mehr Geld, und wir wollen weniger Geld, aber intelligent investieren. Gut wird es von Punkt 2 bis Punkt 17, wo einfach Forderungen der AfD hineinkopiert worden sind, also nichts Neues. Das heißt Copy-and-paste, und plötzlich haben wir eine Wunderdose.

Dann kommen aber die Punkte 18, 19 und 20, und hier wird es dünn. Wir werden in einer Stunde darüber sprechen, wenn wir über EPAs und WPAs sprechen, also über Wirtschaftspartnerschaftsabkommen. Hier zerstören Sie wieder genau das, was Sie vorher versucht haben aufzubauen. Denn diese Punkte führen wieder in eine Entwicklungspolitik, die eben nicht auf Augenhöhe baut, sondern weiter Abhängigkeiten schafft.

Wie die großen Wahlverlierer bei den letzten Wahlen nachträglich festgestellt haben: Wir müssen uns endlich um die Lebensrealitäten der Menschen kümmern. – Sie müssen sich um die Lebensrealitäten in Afrika, der Menschen in Deutschland und vor allen Dingen auch um die deutsche Industrie kümmern und sie wertschätzen. Denn die Lebensrealität der deutschen Wirtschaft ist: Sie ist am Boden zerstört. Daran sind Sie schuld. Deswegen: Lassen Sie uns gemeinsam mit Vertrauen auf Ideen die deutsche Wirtschaft retten und Afrika stärken.

Vielen lieben Dank.

Beifallbei der AfD
Benjamin StrasserFDP· Parl. Staatssekretär BMJ· MdB
5 Vermerkeca. 501 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am 13. August 1961 begannen Sicherheitskräfte der DDR, die Sektorengrenze zwischen West- und Ostberlin mit Barrikaden, Stacheldraht und Beton abzuriegeln. Die Berliner Mauer, die mehr als 28 Jahre lang unser Land teilte, steht in besonderer Weise für das Unrecht und das Leid, das den Opfern des SED-Unrechtsregimes widerfahren ist. Folter, systematische Zersetzung von Familien und Freunden, Zwangsumsiedlungen, psychische und physische Gewalt wie in Bautzen oder anderen DDR-Gefängnissen gehörten über Jahrzehnte zum unmenschlichen Instrumentenkasten der SED-Diktatur.

Mit dem Einigungsvertrag haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, die Opfer des SED-Unrechtsregimes zu rehabilitieren und zu entschädigen. Der Aufgabe will selbstverständlich auch diese Bundesregierung gerecht werden, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deshalb war der 13. August 2024 der richtige Tag, um genau 63 Jahre nach Beginn des Mauerbaus weitere Verbesserungen bei den Entschädigungsregelungen im Bundeskabinett zu beschließen. Wir machen damit deutlich, dass wir das Leid der Opfer des SED-Unrechtsregimes anerkennen. Wir wollen ihre wirtschaftliche Lage noch einmal deutlich verbessern. Wir setzen dabei die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag um und gehen in einzelnen Punkten sogar noch darüber hinaus. Wir greifen den Wunsch der Betroffenen nach finanziellen Verbesserungen auf und tragen gleichzeitig der angespannten Haushaltslage Rechnung.

Im Einzelnen ist Folgendes vorgesehen: Erstens schaffen wir einen neuen bundesweiten Härtefallfonds für soziale Härtefälle mit einem Fondsvolumen von 1 Million Euro, aus dem Betroffene Unterstützungsleistungen erhalten können. Der Fonds wird bei der Stiftung für ehemalige politische Häftlinge unter der Aufsicht der SED-Opferbeauftragten eingerichtet.

Zweitens passen wir die SED-Opferrente und die Ausgleichsleistungen für beruflich Verfolgte, anders als noch vom Gesetzgeber in der letzten Legislaturperiode vorgesehen, nun künftig jährlich an die allgemeine Rentenentwicklung an. Das bedeutet, dass die Höhe der Leistungen jeweils zum 1. Juli eines Jahres entsprechend angehoben wird, und das ist gut so.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir führen drittens eine einmalige Leistung in Höhe von 1 500 Euro für Opfer von Zwangsaussiedlungen aus dem Grenzgebiet der früheren DDR ein, die bisher noch keine anderen Ausgleichsleistungen erhalten haben.

Wir streichen viertens die Absenkung der monatlichen Ausgleichsleistungen für beruflich Verfolgte bei Renteneintritt. Bisher ist es so, dass in der Regel mit dem Renteneintritt die Leistungen von 240 Euro auf 180 Euro abgesenkt werden. Diese Absenkung soll es künftig nicht mehr geben, und auch das ist gut so.

Außerdem soll das Einkommen von Partnerinnen und Partnern nicht mehr bei der Bestimmung der wirtschaftlichen Bedürftigkeit der Betroffenen berücksichtigt werden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir wollen, dass es den Betroffenen des SED-Unrechtsregimes besser geht. Das ist das wichtigste Ziel. Deshalb beträgt das Gesamtvolumen des Maßnahmenpakets jährlich gut 8 Millionen Euro und einmalig 1,2 Millionen Euro.

Die vorgeschlagenen Änderungen bedeuten für die Betroffenen eine wesentliche und spürbare Verbesserung. Sie sind ein wichtiges Signal dafür, dass wir entsprechend dem Einigungsvertrag für begangenes staatliches Unrecht der DDR als Bundesrepublik Verantwortung übernehmen und die Betroffenen nicht im Stich lassen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ich bitte Sie daher, auch im Sinne der Betroffenen, um eine konstruktive und zügige Beratung und am Ende vor allem auch um Ihre Zustimmung.

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Carsten Müller
Foto: Carsten Müller/ Tobias Koch
4 Vermerkeca. 398 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zum Kapitel „SED-Opfer“ finden sich im Koalitionsvertrag dieser Bundesregierung exakt viereinhalb Zeilen.

Das ist peinlich wenig!

Das ist außergewöhnlich wenig. Dafür hat man sich bei der Umsetzung der Vereinbarung deutlich mehr Zeit gelassen, nämlich 1 025 Tage. Wir als CDU/CSU-Fraktion wollen die verbliebene Zeit konstruktiv nutzen. Im Grundsatz geht einiges in die richtige Richtung, aber vieles bleibt hinter dem Erforderlichen oder hinter dem Erwartbaren zurück.

Wir begrüßen als Unionsfraktion den bundesweiten Härtefallfonds für politisch Verfolgte. Wir finden beispielsweise auch die Dynamisierung der Opferrente gut und begrüßenswert. Aber Sie springen mit Ihrem Entwurf zu kurz, und das sehe nicht nur ich so, das sehen nicht nur meine Kolleginnen und Kollegen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion so, sondern das sehen vor allen Dingen die Betroffenen so, das sehen die Opferverbände so, und das sehen im Übrigen auch die entsprechend befassten Ausschüsse des Deutschen Bundestages so.

Wir haben im vergangenen Jahr in einem Antrag zum Thema „Volksaufstand am 17. Juni 1953“ eine Reihe von Punkten aufgeführt, und ich will vier Punkte aus dem Antrag wiederholen, bei denen wir dringenden Verbesserungsbedarf sehen.

Uns fehlen hinreichende Verbesserungen bei der Anerkennung gesundheitlicher Folgeschäden. Da sind eine deutliche Beschleunigung und Verbesserung nötig und erforderlich.

Wir wollen – Sie haben das eben angesprochen, Herr Staatssekretär – vollständig Abstand von einer Bedürftigkeitsprüfung nehmen. Bedürftigkeit und der Ausgleich für erlittenes Unrecht haben überhaupt nichts miteinander zu tun, und das darf auch nicht verquickt werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Abgesehen davon bedeutet eine solche von uns vorgeschlagene Handhabung eben auch eine deutliche Reduzierung des bürokratischen Aufwandes.

Wir wollen die Implementierung einer Witwenregelung bei den Opferrenten haben.

Und, meine Damen und Herren, die soeben auch schon angesprochene Einmalzahlung von 1 500 Euro für Betroffene von Zwangsumsiedlung ist ein Einstieg; es darf keinesfalls das Ende sein. Es ist ein nicht ausreichender Kompensationsbetrag.

Meine Damen und Herren, gestatten Sie mir, dass ich im Rahmen dieser Debatte einen anderen, aus Sicht der Union wichtigen Punkt anspreche, der nicht zwingend in diesem Gesetzeswerk, aber zwingend so schnell wie möglich mit gelöst und geregelt werden muss: Wir haben eine große Lücke bei den Betroffenen von DDR-Zwangsdoping. Auch da ist enormes Unrecht erlitten worden. Wir als Unionsfraktion erwarten, dass dieser Punkt mitgelöst wird, entweder in diesem Gesetz – wohl wissend, dass es organisch nicht ganz genau passt – oder unmittelbar im Zusammenhang mit diesem Gesetz. Das ist unsere Forderung. Wir freuen uns auf die Beratungen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Philipp Hartewig [FDP]
4 Vermerkeca. 536 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! In diesem Jahr jährt sich die Friedliche Revolution zum 35. Mal. 35 Jahre, in denen Zeit war, anzuerkennen, welches Unrecht den Opfern der SED, des SED-Regimes widerfuhr. 35 Jahre, in denen dieses Haus viele Schritte für die Opfer gegangen ist. Aber auch 35 Jahre, in denen wir es nicht geschafft haben, allen Opfergruppen eine wirklich angemessene Unterstützung zu ermöglichen.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, es ist schlicht und einfach überfällig, dass wir jetzt über dieses Gesetz beraten. Aber es ist auch ein gutes Zeichen, dass diese Koalition trotz komplizierter Haushaltslage bereit ist, weitere Gelder zur Verfügung zu stellen, um das erlittene Unrecht anzuerkennen.

An dieser Stelle möchte ich auch ganz herzlich die SED-Opferbeauftragte des Deutschen Bundestages, Evelyn Zupke, begrüßen. Von ganzem Herzen danke ich dir.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Philipp Hartewig [FDP]

Ohne deinen unermüdlichen Einsatz wären wir heute nicht so weit. Ich weiß, du wirst nicht aufhören, weiter für Verbesserungen zu kämpfen.

Ja, geehrte Kolleginnen und Kollegen, es ist gut, dass wir endlich bereit sind, für dieses Thema mehr Verantwortung zu übernehmen. Für ein Thema, das für viele Bürger/-innen leider bis auf den freien Tag am 3. Oktober in weite Vergangenheit gerückt ist, aber auch für ein Thema, das seit über drei Jahrzehnten die Betroffenen tagtäglich begleitet, die seit 35 Jahren dafür kämpfen, endlich für ihre zahllosen, von einem deutschen Staat verursachten Qualen entschädigt zu werden. Ich freue mich, dass die Opferrente nun endlich dynamisiert wird und ein bundesweiter deutscher Härtefallfonds eingeführt werden soll.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Philipp Hartewig [FDP]

Allerdings muss ich bei diesem Regierungsentwurf auch Verbesserungen fordern. Als SPD-Bundestagsfraktion haben wir schon vor anderthalb Jahren weitreichende Forderungen aufgestellt, von denen wir auch jetzt nicht abweichen wollen. Die Opfergruppen wurden nicht angepasst. Bessere Regelungen zur Anerkennung von gesundheitlichen Folgeschäden wurden explizit für nicht notwendig bewertet, obwohl die meisten Anträge in der Praxis derzeit scheitern. Insbesondere dazu haben sich die ostdeutschen Länder für eine grundsätzliche Vereinfachung gegenüber dem Bund eingesetzt – über alle Parteigrenzen hinweg. Ich möchte hier ganz deutlich sagen: Wir können und sollten nicht über dieses klare Signal aus Ostdeutschland hinwegsehen.

Seit 2020 wurde die Opferrente nicht mehr erhöht. Und ja, mit diesem Entwurf soll sie nun endlich an die Rentenentwicklung gekoppelt werden – allerdings nur für die Zukunft. Konkret bedeutet das, dass die Opfer 2025 allerhöchstens mit einer Erhöhung von sage und schreibe 16 Euro rechnen können. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, der Bund hat für nächstes Jahr 530 Millionen Euro für die Rentenansprüche ehemaliger Stasimitarbeiter eingeplant. Für die Opferrente ebenjener Menschen, die von der Stasi verfolgt wurden, ist demgegenüber nicht einmal ein Viertel dieser Summe vorgesehen. Wie können wir den Opfern bei diesem Vergleich ernsthaft mitteilen, dass eine Erhöhung des Sockelbetrages nicht möglich ist?

Dennoch, bei aller Kritik bin ich fest davon überzeugt: Dass wir über diesen Gesetzentwurf beraten, ist gut. Er geht in die richtige Richtung. So werden jetzt auch die Schicksale der Zwangsausgesiedelten im Entwurf gewürdigt, auch wenn die Entschädigungssumme hier noch eher symbolischer Natur ist. Aber es muss mehr geschehen. Diese Menschen wurden politisch verfolgt, gerade weil sie sich für Freiheit und für Demokratie eingesetzt haben.

Es ist unsere Pflicht, allen Opfern der SED-Diktatur eine angemessene Unterstützung zu ermöglichen – nach 35 quälend langen Jahren.

Danke schön.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Philipp Hartewig [FDP]
Beifallbei der AfD
Porträt von Götz Frömming
Foto: Götz Frömming/ Olga Grenner
3 Vermerkeca. 364 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Zupke! Meine Damen und Herren! Vor einigen Monaten kam ein schon etwas älterer Mann in mein Büro, und er hatte eine Puppe in der Hand. Ich habe erst gedacht, er sei verrückt; aber als er mein Büro verlassen hatte, hatte ich Tränen in den Augen. Diese Puppe stand für das Kind, das ihm durch die DDR-Diktatur geraubt worden war und das er bis heute nicht gefunden hat. Meine Damen und Herren, es ist unfassbar, dass die SED, die Täterpartei, nach 1990 nicht verboten wurde, sondern im Kern bis heute existiert. Inzwischen taugt sie ja sogar als Koalitionspartner für die CDU.

Ihr Gesetz bleibt leider hinter den Erwartungen der Opferverbände zurück. Unser Antrag – er liegt Ihnen vor – greift deren Forderungen auf und ist auch weitgehend übereinstimmend mit dem, was der Bundesrat fordert. Ich nenne Ihnen die wichtigsten Elemente aus unserem Antrag.

Erstens. Die Bedürftigkeitsprüfung muss gestrichen werden. Es leben doch nur noch etwa 100 000 ehemalige politische Häftlinge, wovon ungefähr 39 000 die ohnehin geringe besondere Zuwendung erhalten. Wer verfolgt wurde, der verdient Respekt und Anerkennung, und er sollte diese Ehrenrente – sprechen wir von Ehrenrente – ohne demütigende und bürokratische Prüfverfahren erhalten.

Beifallbei der AfD

Zweitens. Die besondere Zuwendung für Haftopfer sollte von 330 Euro auf 450 Euro angehoben werden. Das ist nur recht und billig, meine Damen und Herren.

Drittens. Die für den Härtefallfonds eingeplanten Mittel sollten von lediglich 1 Million Euro, wie es vorgesehen ist, auf 15 Millionen Euro angehoben werden. Wie der Bundesrat fordern auch wir eine auskömmliche Ausstattung des Härtefallfonds.

Viertens. Das Bundesjustizministerium sollte sich mit der Rechtsaufsicht über die Stiftung begnügen. Die fachliche Aufsicht, meine Damen und Herren, kann die SED-Opferbeauftragte sehr gut alleine übernehmen.

Fünftens. Die Einmalzahlung für die Betroffenen von Zwangsaussiedlung soll von 1 500 Euro auf 15 000 Euro angehoben werden. Meine Damen und Herren, wir gehen hier nur von ungefähr 800 Personen aus. 1 500 Euro für die Betroffenen von Zwangsumsiedlung, das ist ein viel zu geringer Betrag. Wenn sich hier der Staat nicht großzügiger zeigt, dann versündigen wir uns ein zweites Mal an diesen Menschen.

Bessern Sie Ihren Gesetzentwurf nach! Die Vorschläge dafür haben wir Ihnen auf den Tisch gelegt.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Helge Limburg
Foto: Helge Limburg/ Bonnie Bartusch
5 Vermerkeca. 696 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! An einem Tag wie heute muss noch mal daran erinnert werden: Es war ein großes Glück, ein großer Erfolg der Demokratiebewegung, dass 1989 die Mauer fiel und 1990 die Wiedervereinigung in Freiheit und Frieden gelang. Dass die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen nach 40 Jahren Diktatur Landtage wählen können, ist ein Privileg. Die Tatsache, dass die AfD heute bewiesen hat, dass sie die Arbeit des Thüringer Landtags sabotieren und verächtlich machen will, unterstreicht, dass Sie von der AfD in keinem Fall die Erben der Demokratiebewegung sind. Sie treten das Erbe der Demokratiebewegung mit Füßen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Widerspruchdes Abg. Dr. Michael Kaufmann [AfD]

Der Herr Staatssekretär hat es gesagt: Mit Wende und Wiedervereinigung endeten auch Unrecht und Unterdrückung durch das SED-Regime. Es gab die berechtigte Erwartung Betroffener, dass nun endlich das von ihnen erlittene Unrecht anerkannt werden würde: das Unrecht, bespitzelt zu werden, das Unrecht, eingesperrt zu werden, Zwangsarbeit leisten zu müssen, das Unrecht, zersetzt zu werden, oder das Unrecht, aus seiner Heimat zwangsweise umgesiedelt zu werden, das Unrecht, zwangsgedopt zu werden, und viele weitere Formen des Unrechts.

Das wiedervereinigte Deutschland hat in der Tat seit den 90ern mehrere SED-Unrechtsbereinigungsgesetze auf den Weg gebracht und diese auch immer wieder angepasst; aber immer wieder sind Opfergruppen nicht ausreichend gewürdigt worden. Deshalb ist es gut, dass die Bundesregierung mit dem vorliegenden Gesetzentwurf heute einen weiteren Schritt geht. Vielen Dank, Herr Staatssekretär.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Der Gesetzentwurf enthält – erstmals für die Bundesebene – einen Härtefallfonds. Immer wieder zeigt sich in der Praxis, dass bestehende Entschädigungsregelungen doch nicht für jeden Einzelfall ausreichen; deswegen haben einige Bundesländer bereits einen entsprechenden Fonds auf den Weg gebracht. Es ist gut, dass der Bund nachzieht.

Herr Präsident, meine Damen und Herren, die Repressionen des SED-Regimes – Haft, Zwangsarbeit, Zersetzung – hat an Körpern und Seelen der Betroffenen und ihrer Familien Spuren hinterlassen. Bei vielen wirkt die Repression bis heute fort. Leider müssen wir erkennen, dass viele der Betroffenen immer noch nicht die Hilfe erhalten, die sie eigentlich benötigen und die ihnen eigentlich zustehen müsste.

Die soziale Lage vieler SED-Opfer – das geht aus allen Berichten der SED-Opferbeauftragten hervor – ist heute desolat. In der Praxis ist es vor allem unglaublich schwer, bei erlittenen Gesundheitsschäden tatsächlich den Zusammenhang mit Unterdrückung und Verfolgung zu beweisen. Deswegen brauchen wir dringend eine Erleichterung der Anerkennungsverfahren von Gesundheitsschäden. Es gibt entsprechende Vermutungsregelungen, beispielsweise im Soldatenentschädigungsgesetz. Wir meinen, wir sollten prüfen, ob wir nicht ähnliche Regelungen auch hier in diesem Gesetz möglich machen können, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Der Kollege Carsten Müller hat – und ich bin ihm sehr dankbar dafür – die Opfer des DDR-Zwangsdopings angesprochen, die oft als Kinder gedopt worden sind – das muss man sich mal vorstellen: als Kinder zwangsweise gegen ihren Willen gedopt worden sind! – und dann lebenslang gesundheitliche Schäden davongetragen haben. Auch die müssen in irgendeiner Form berücksichtigt werden. Sie haben es gesagt: Ob in diesem Gesetz oder in einem anderen, wird zu prüfen sein. Vergessen dürfen wir sie nicht, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP und des Abg. Carsten Müller [Braunschweig] [CDU/CSU]

Eine andere Gruppe, die in der Tat bislang nicht ausreichend gesehen wurde, sind die Zwangsausgesiedelten. In den 50er- und 60er-Jahren siedelten die DDR-Behörden in mehreren Wellen missliebige Bürger und ihre Familien aus dem Grenzgebiet in andere Regionen der DDR um – oft innerhalb weniger Stunden. Für die Betroffenen bedeutete das den Verlust der sozialen Heimat und ihres Umfeldes und auch jahrelange Erniedrigung; denn sie wurden an ihren neuen Wohnorten mitnichten willkommen geheißen, sondern die Stasi hat in der Regel schon vorher Verunglimpfungen und Verleumdungen auf den Weg gebracht, damit diese Gruppe ja nicht sozial integriert wird. Natürlich galt diese Maßnahme nicht nur den unmittelbar Betroffenen, sondern war auch ein Signal an die anderen: Wenn ihr aufmuckt, dann kann euch das auch passieren. – Dass diese Gruppe entschädigt wird, ist gut. Was die Höhe der Entschädigung angeht, sollten wir in der Tat auch im Vergleich zu anderen Gruppen prüfen, ob uns nicht noch etwas Besseres einfällt.

Herr Präsident, meine Damen und Herren, ich komme zum Schluss. Die Verbände der Opfer der SED-Gewaltherrschaft haben in den letzten Jahren beharrliche Arbeit geleistet, damit ihr Schicksal und damit auch das unmenschliche Wirken des SED-Regimes nicht in Vergessenheit geraten. Wir sollten sie nicht ausschließlich –

Porträt von Helge Limburg
Foto: Helge Limburg/ Bonnie Bartusch
2 Vermerkeca. 29 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– ich komme zum Schluss – als Kämpferinnen und Kämpfer für eigene Interessen sehen, sondern auch als wertvolle Zeitzeugen und Mahner für Frieden, Freiheit und Demokratie, für Rechtsstaatlichkeit, als Erinnerung daran – –

Das Mikrofon wird abgeschaltet
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP]
Beifallbei der SPD sowie des Abg. Philipp Hartewig [FDP]
3 Vermerkeca. 552 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist: Es gibt endlich den Gesetzentwurf. Die schlechte: Er ist absolut unzureichend. Das ist leider keine Besonderheit, weil das jedes Mal so ist – das war in der letzten Legislatur übrigens genauso –, egal wer das Ministerium leitet, und egal welche Koalition es gibt. Es scheint am Thema zu liegen.

Oder an der Regierung!

Wir müssen uns also auf das Struck’sche Gesetz berufen, dass kein Gesetz den Bundestag so verlässt, wie es eingebracht worden ist. Bleiben wir mal beim Guten.

Enthalten ist die Einmalzahlung an die Opfer für Zwangsaussiedlung, aber gleich mit dem Wermutstropfen, dass es viel zu wenig ist.

Enthalten ist die Dynamisierung der besonderen Zuwendungen für Haftopfer, also Opferrente und Ausgleichsleistungen an sich. Das ist gut; aber auch hier ist die Formulierung nur halbherzig. Die Bundesratsbeschlüsse sagen uns, was wir zu tun haben. Dort heißt es:

„Die Opferrente … dient der Anerkennung und Würdigung des erlittenen Unrechts … Die Anerkennung beziehungsweise die Gewährung von Leistungen davon abhängig zu machen, über welches Einkommen die Betroffenen im Zeitpunkt der Antragstellung verfügen, ist zwar fiskalisch begründbar, trägt aber dem Leid und Unrecht, welches den Betroffenen widerfahren ist, kaum Rechnung. Deshalb sollte die Anerkennung nicht mehr an die Bedürftigkeit gekoppelt sein.“

Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Genau so ist es.

Enthalten ist der Verzicht auf die bisher vorgesehene Absenkung der monatlichen Ausgleichsleistung bei Renteneintritt und auf die Berücksichtigung der Partnereinkommen. Das ist gut. – Das war der kürzere Teil dessen, was in das Gesetz gehört.

Wir haben in der letzten Legislatur das Amt der Opferbeauftragten eingeführt. Evelyn Zupke hat es inne. Der Deutsche Bundestag, die Bundesregierung, die öffentlichen Einrichtungen werden von ihr beraten. Ich frage mich natürlich, warum die Ergebnisse dieser Beratungen bzw. das, was sie empfohlen hat, nicht bei der Erarbeitung des Gesetzes genutzt worden sind und darin keinen Eingang gefunden haben. Es fehlen nämlich:

Eine Regelung zur Möglichkeit der wiederholten Antragstellung. Es ist elementar wichtig, dass wir eine solche einführen; denn die Bedingungen heute sind komplett andere als vor 15 Jahren. Der Ausgang kann doch nicht davon abhängig sein, ob man einen Antrag vor 15 Jahren gestellt hat oder heute stellt. Es muss nach den heutigen Bedingungen eine wiederholte Antragstellung möglich sein, sodass auch die Opfergruppen zu ihrem Recht kommen, die vor 15 Jahren noch abgelehnt wurden. Das ist einer der größten Punkte, die rein müssen.

Es fehlt aber auch die Aufnahme der Dopingopfer.

Die Opfer von Zersetzungsmaßnahmen außerhalb der DDR sind wieder nicht aufgenommen worden.

Und hinsichtlich der Anerkennung von Gesundheitsschäden fehlt die kriterienbasierte Vermutungsregelung. Die momentane Regelung, wie sie im neuen Sozialen Entschädigungsrecht steht, ist nicht ausreichend. Das funktioniert überhaupt nicht.

Zu der Einmalzahlung an Betroffene von Zwangsaussiedlung habe ich schon etwas gesagt.

Meine Damen und Herren von der CDU/CSU, zum Schluss, bevor Sie zu laut und zu fordernd und zu selbstgefällig werden bei dem, was Sie so alles fordern, und bevor Sie sagen, wie schlimm das alles ist, erinnere ich Sie an die letzte Legislaturperiode, an die Große Koalition: 90 Prozent dessen, was Sie heute einfordern, hätten Sie gerne mit uns in der Großen Koalition schon durchsetzen können.

Sie haben das Ministerium innegehabt!

– Ich war bei den Verhandlungen dabei. Erzählen Sie mir nichts! – Sie wollten das damals nicht.

Wer wird denn gerade überheblich?

Die geschädigten und betroffenen Menschen könnten schon fünf Jahre länger all das haben, was Sie jetzt fordern.

ca. 5 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das wäre sehr schön gewesen.

2 Vermerkeca. 36 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich bedanke mich. Die Kolleginnen und Kollegen der Koalition haben viel Arbeit vor sich. Ich freue mich darauf.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Der Kollege Dr. Volker Ullrich und die Kollegin Petra Pau haben ihre Reden zu Protokoll gegeben.1Anlage 9

Beifallbei Abgeordneten der SPD
3 Vermerkeca. 610 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir wollen die Hauptversammlung zu einem Ort des intensiven und lebendigen Dialogs zwischen Eigentümerinnen und Eigentümern machen – zu einem Festtag für das Unternehmen. Denn die Hauptversammlung ist das Herzstück des Unternehmens. Hier schlägt der Puls. Die Hauptversammlung ist die zentrale Kommunikationsplattform, auf der sich Unternehmer und Eigentümer treffen und in den Austausch treten. So weit die Theorie und das Idealbild. Grundlegende Entscheidungen für die Struktur einer Aktiengesellschaft werden auf den Hauptversammlungen getroffen: Kapitalmaßnahmen wie die Erhöhung des Grundkapitals, Restrukturierung usw. usf. Die entscheidenden Weichenstellungen für die Zukunft eines Unternehmens werden dort vorgenommen.

Und es sind – das ist wichtig zu betonen – die Aktionärinnen und Aktionäre, die maßgeblich diese wesentlichen Entscheidungen treffen und auch treffen müssen; denn es geht um ihr Eigentum, liebe Kolleginnen und Kollegen. Und das muss in den Mittelpunkt der Diskussion gestellt werden. Dazu braucht es Formate, die eine lebendige Debatte ermöglichen, in der kritische Nachfragen gestellt werden können, ehrliche Antworten gegeben und neue Ideen und Gedanken ausgetauscht werden können. Bevor Entscheidungen getroffen werden, müssen die Eigentümer mit entsprechenden Informationen versorgt werden. Tatsächlich findet diese lebendige Debatte auf deutschen Hauptversammlungen jedoch nahezu nicht statt. Über die Gründe wird intensiv diskutiert. Ist es fehlender Mut? Gibt es rechtliche Gründe?

Seit mehr als 150 Jahren wird ein Thema besonders stark diskutiert, das Beschlussmängelrecht. Und genau darum geht es heute Abend, liebe Kolleginnen und Kollegen. So sagte der deutsche Politiker und Jurist Isaac Wolffson – ein bisschen Rechtsgeschichte darf am frühen Abend auch sein – auf dem 11. Deutschen Juristentag im Jahr 1873, das Beschlussmängelrecht sei – ich zitiere – „ein Gebiet, auf dem namentlich das Actienrecht … außerordentliche Dunkelheit hervorgebracht“ habe und auf dem – ich zitiere weiter – „nichts wünschenswerther wäre, als die Sache ins Klare und Bestimmte zu stellen“. Bis heute hat diese Analyse nichts von ihrer Gültigkeit verloren.

Das Beschlussmängelrecht ist äußerst komplex, und die Sichtweisen darauf sind extrem unterschiedlich. Und das ist das Problem, das sich in diesem Antrag im Kern widerspiegelt. Für Aktionärinnen und Aktionäre ist das Beschlussmängelrecht nämlich ein wichtiges Instrument zur Beschlusskontrolle. Daher braucht es einen angemessenen Interessenausgleich zwischen der Verwaltung des Unternehmens und den Eigentümerinnen und Eigentümern. Und das leistet dieser Antrag nicht, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP

Er schadet nämlich mehr, als dass er nützt.

Er betrachtet nicht das komplexe Thema der effektiven Kontrolle von Beschlüssen auch im Freigabeverfahren; das ist nicht wirklich beleuchtet. Er hat nicht im Blick, dass eine lebendige Aktienkultur weit mehr Facetten hat als das Beschlussmängelrecht. Die Flexibilisierung der Rechtsfolgen – das ist eine kluge und richtige Idee – wird angesprochen, aber nicht weiter konkretisiert. Dabei ist genau das der Punkt, an dem die Praxis noch gar nicht am Ende mit ihrer Diskussion ist.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, die Praxis hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahren in vielen Gesprächen und auf vielen Konferenzen mit unterschiedlichen Sichtweisen angenähert. Ganz besonders konnte man das in der vergangenen Woche bei mir in meinem Wahlkreis in Frankfurt am Main auf der 21. Jahrestagung „Die Hauptversammlung“ des Deutschen Aktieninstituts nachvollziehen. Dort war das nämlich das zentrale Thema. Diesen Prozess sollten wir, ja, müssen wir als Politik begleiten und dabei gemeinsam auf eine tragfähige Entwicklung hinwirken. Ich bin zuversichtlich, dass das gelingt. Dieser Antrag trägt dazu aber nicht bei. Er wäre vielmehr ein Rückschritt in der aktuellen Diskussion. Das konnte man letzte Woche ausgesprochen gut nachvollziehen.

Ich freue mich auf die weitere Diskussion. Mein Ziel ist klar – ich habe es eingangs formuliert –: Die Hauptversammlung muss wieder zu einem wirklichen Ort des lebendigen und offenen Austauschs werden. Die von mir zitierten Worte von Isaac Wolffson müssen endlich der Vergangenheit angehören – nach mehr als 150 Jahren! Es wird höchste Zeit, aber nicht mit diesem Antrag.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Stephan Mayer
Foto: DBT/Inga Haar
4 Vermerkeca. 434 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Das deutsche aktionärsrechtliche Beschlussmängelrecht ist inkonsistent, es ist inkohärent, und es ist in höchstem Maße reformbedürftig. Das ist nicht nur die Auffassung insbesondere der CDU/CSU-Fraktion, sondern das ist auch die im breiten Spektrum der Rechtswissenschaften vertretene Meinung; nicht zuletzt hat das auch unsere Sachverständigenanhörung am 22. April gezeigt. Dazu, Herr Kollege Lieb, muss man nicht bis zum 11. Deutschen Juristentag zurückgehen, es reicht, auf den 72. Deutschen Juristentag 2018 zurückzuschauen, bei dem ein Schwerpunkt war, wie dringend reformbedürftig das deutsche Beschlussmängelrecht ist.

Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, es gibt hier klare Nachteile für den Wirtschafts- und Industriestandort Deutschland gegenüber den Standorten in Europa und außerhalb Europas. Das deutsche Beschlussmängelrecht ist mit weitem Abstand das restriktivste, das strengste in allen Industrieländern. Das führt natürlich dazu, dass Hauptversammlungen deutscher Aktiengesellschaften teilweise sehr bürokratisch, sehr technokratisch ablaufen. Wir als CDU/CSU-Fraktion setzen uns natürlich nachdrücklich dafür ein, dass die berechtigten Aktionärsinteressen gewahrt werden, aber wir sind auch der festen Überzeugung, dass insbesondere die Aktionäre von einer stärkeren Lebendigkeit, von einer stärkeren Offenheit auf den Hauptversammlungen profitieren.

Beides ist möglich. Man kann beides miteinander in Verbindung bringen.

Das Freigabeverfahren – es ist bereits genannt worden – führt zu einer gewissen Verbesserung. Nur, das Freigabeverfahren ist inkonsistent. Es gilt interessanterweise nur für strukturändernde Beschlüsse, also für sehr weitreichende Beschlüsse. Für Beschlüsse mit geringerer Bedeutung gilt nach wie vor das Alles-oder-nichts-Prinzip, dass also durch eine Anfechtungsklage möglicherweise eine Kassationswirkung erzeugt wird, die dann aber nicht ex nunc wirkt, sondern – weitaus gravierender – ex tunc. Wir sind der Überzeugung, man müsste sich, was die Folgen von Fehlern anbelangt, wesentlich stärker am Verhältnismäßigkeitsgrundsatz orientieren. Da gilt es, über die Einführung einer Wirkung ex nunc nachzudenken, auch über Schadensersatzzahlungen, Bußgeldzahlungen und über den Grundsatz „Dulde und liquidiere“, also den Schadensersatz zu nehmen und zu liquidieren. Es gibt sehr wohl auch mindere Rechtsfolgen als das Alles-oder-nichts-Prinzip. Unser Antrag hat diese Intention, dass wir uns dringend auch diesem Thema stärker öffnen müssen.

Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, ich bin etwas überrascht, Herr Kollege Dr. Lieb, dass insbesondere Sie von der FDP sich hier so restriktiv unserem Antrag gegenüber zeigen. Die FDP spricht jetzt groß von der Wirtschaftswende. Nicht im Klein-Klein müssten Dinge verändert werden, sondern im Großen.

Beifalldes Abg. Michael Kruse [FDP]

Jetzt ist das Beschlussmängelrecht mit Sicherheit nicht das größte Problem für den deutschen Wirtschaftsstandort. Aber natürlich geht es darum, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu erhöhen, die Attraktivität des Standortes Deutschland zu erhöhen. Deswegen kann ich nur dringend an Sie alle appellieren: Stimmen Sie unserem vernünftigen und guten Antrag zu.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der AfD
Porträt von Fabian Jacobi
Foto: Fabian Jacobi
2 Vermerkeca. 194 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich fasse mich jetzt mal sehr kurz: Wir beraten über einen Antrag der Fraktion der CDU/CSU zum Aktienrecht, näherhin zum Beschlussmängelrecht. Der Antrag umfasst zwei Seiten. Diese zwei Seiten enthalten zwei Worte, die eigentlich genügen würden: „hinlänglich bekannt“.

Dieser Antrag möchte festgestellt wissen, dass das deutsche Aktienrecht, insoweit es mit den Rechtsfolgen mangelhafter Beschlüsse sich befasst, weithin als reformbedürftig angesehen wird. Ja, das ist hinlänglich bekannt.

Es soll sodann, geht es nach dem Antrag, die Bundesregierung bewerten, sie soll evaluieren und berichten. Außerdem soll sie Reformvorschläge vorlegen. Dazu werden dann einige Eckpunkte aufgezählt, wie die Reformvorschläge aussehen sollen. Auch dies alles: hinlänglich bekannt.

Das alles tut nicht weh, ist auch nicht geradeheraus falsch. Aber unbedingt brauchen tut so einen Antrag jetzt auch niemand.

Die in dem Antrag angesprochene Bundesregierung hat bereits während der Ausschussberatung wissen lassen, dass sie nicht gedenkt, ihrerseits ein Gesetzgebungsverfahren zum Beschlussmängelrecht anzustoßen. Von daher kann die antragstellende Fraktion sich daranmachen, einfach ihrerseits auf Grundlage der Vorstellungen, die sie ja bereits hat, einen konkreten Gesetzentwurf vorzulegen. Über den können wir uns dann gerne weiter unterhalten.

Danke schön. Gute Nacht!

Beifallbei der AfD
Beifallbei Abgeordneten der SPD

Damit schließe ich die Aussprache.

Tagesordnungspunkt 233 RedenReaktionswert: lebhaft
Thomas HitschlerSPD· Parl. Staatssekretär BMVg· MdB
5 Vermerkeca. 498 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Geschätzter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat uns allen wieder in Erinnerung gerufen, wie wichtig es ist, dass wir in der Lage sind, unsere Bündnispartner und uns selbst zu verteidigen. Und dazu gehören nicht nur eine moderne Ausrüstung, sondern auch ein stabiles inneres Gefüge der Streitkräfte, das für Ordnung und Disziplin sorgt. Hier spielt das Wehrdisziplinarrecht eine entscheidende Rolle.

Doch, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen anerkennen, dass das Wehrdisziplinarrecht in den letzten Jahren seine Aufgabe nicht immer in vollem Umfang erfüllen konnte. Besonders die überlangen Verfahren, die durch die Wehrdienstgerichte geführt werden, haben immer wieder zu Verzögerungen geführt, die weder für die Betroffenen noch für die Streitkräfte akzeptabel sind. Die Wehrbeauftragte hat in ihren Jahresberichten zu Recht mehrfach auf diese Missstände hingewiesen. Es besteht also Handlungsbedarf, liebe Kolleginnen und Kollegen. Dienstvergehen müssen zügig geahndet werden. Das sind wir unseren Soldatinnen und Soldaten schuldig, aber auch der Funktionsfähigkeit der Bundeswehr.

Wir haben bereits erste Maßnahmen ergriffen, um die Personalsituation zu verbessern, und diese zeigen auch schon Wirkung. Aber das allein reicht nicht aus. Wir müssen das System als Ganzes reformieren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Der Gesetzentwurf, den wir heute diskutieren, basiert auf den Vorschlägen einer Expertengruppe und soll das Wehrdisziplinarrecht umfassend modernisieren. Ziel ist es, die Verfahren zu beschleunigen, die Disziplinarvorgesetzten zu entlasten und gleichzeitig die Rechte unserer Soldatinnen und Soldaten zu wahren.

Im Einzelnen bedeutet das: Die Einleitung eines gerichtlichen Disziplinarverfahrens muss grundsätzlich innerhalb von sechs Monaten nach der Mitteilung über Vorermittlungen erfolgen. Mit dem Disziplinargerichtsbescheid, eine Art Strafbefehl, verfügen wir über ein Mittel, gerichtliche Disziplinarverfahren ohne Durchführung einer Hauptverhandlung abschließen zu können. Künftig sollen alle gerichtlichen Disziplinarmaßnahmen durch Disziplinargerichtsbescheid verhängt werden können. Außerdem wird die Wehrdisziplinaranwaltschaft einen Disziplinargerichtsbescheid förmlich beantragen können. Ähnlich wie die Staatsanwaltschaft bei einem Strafbefehl legt sie dazu dem Truppendienstgericht einen ausformulierten Entwurf vor. Dies spart Ressourcen und beschleunigt Verfahren.

Die im Soldatinnen- und Soldatenbeteiligungsgesetz vorgesehene Anhörung der Vertrauensperson im gerichtlichen Disziplinarverfahren soll künftig in der Hauptverhandlung stattfinden und nicht mehr in einem gesonderten Verfahren, um den Prozess zu beschleunigen und die Position der Vertrauenspersonen zu stärken.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit diesen Maßnahmen sorgen wir nicht nur für eine Beschleunigung der Verfahren, sondern auch für mehr Transparenz und für mehr Gerechtigkeit im Umgang mit Dienstvergehen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des Abg. Peter Heidt [FDP]

Dabei bleiben die Rechte der Betroffenen vollständig gewahrt. Das ist von zentraler Bedeutung.

Zusätzlich stärkt der Gesetzentwurf die Beteiligungsrechte der Interessenvertretungen, indem diese an das Bundespersonalvertretungsgesetz angepasst werden. Das zeigt: Wir wollen der Stimme der Interessenvertretung in diesem Verfahren noch mehr Gehör verschaffen. Und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist vollkommen richtig so.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Mit diesem modernisierten Wehrdisziplinarrecht setzen wir ein klares Signal: Wir nehmen Fehlverhalten ernst und werden schnell und konsequent handeln. Gleichzeitig schaffen wir die Voraussetzungen für eine Bundeswehr, die nicht nur äußerlich, sondern auch in ihrem Inneren stark und funktionsfähig ist, eine Streitkraft, die, auf Disziplin und Ordnung und gegenseitigen Respekt abgestützt, für unsere gemeinsame Sicherheit sorgt. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist das Ziel, das wir gemeinsam erreichen wollen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der AfD

Experte fürs Wehrdisziplinarrecht am eigenen Leib! Praktiker!

Porträt von Hannes Gnauck
Foto: Hannes Gnauck
8 Vermerkeca. 350 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Es geht um eine Reform, die angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen zweifellos notwendig ist. Die Bundesregierung zielt darauf ab, die Verfahrensdauer in Disziplinarverfahren erheblich zu verkürzen und die stark überlasteten Truppendienstgerichte zu entlasten.

Zurufdes Abg. Patrick Schnieder [CDU/CSU]

Dies ist ein zentrales Anliegen, dem wir grundsätzlich zustimmen können.

Eine zeitnahe Ahndung von Dienstvergehen ist essenziell, um die militärische Ordnung aufrechtzuerhalten und das Vertrauen in die Disziplinarorgane der Bundeswehr zu stärken. Gerade in Zeiten, in denen die Bundeswehr immer stärker gefordert ist, muss die Disziplin gewahrt und durchgesetzt werden.

Das ist ein Witz!

Auch die Verfassungstreue muss gewahrt werden, nicht nur die Disziplin!

Jedoch müssen wir auch die Frage stellen: Ist die vorgeschlagene Reform in dieser Form wirklich ausreichend? Wird sie die überlasteten Strukturen der Truppendienstgerichte tatsächlich verbessern, oder handelt es sich hier um kosmetische Korrekturen, die das grundsätzliche Problem unangetastet lassen?

Ein wesentlicher Kritikpunkt liegt darin, dass der Entwurf keine substanzielle Alternative zu den bestehenden Strukturen bietet. Die Verfahren sollen zwar beschleunigt werden – der erweiterte Disziplinargerichtsbescheid und die verkürzten Berufungsfristen sind positiv zu erwähnen –, aber es bleibt fraglich, ob diese Maßnahmen die Wehrdisziplinaranwaltschaften und Truppendienstgerichte signifikant von der immensen Last, die auf ihnen liegt, befreien können. Die Idee, Disziplinarvorgesetzte in ihrer Rolle zu stärken, indem man ihnen mehr Spielraum bei der Ahndung einfacher Vergehen gibt, ist sicherlich nachvollziehbar. Dennoch bleibt die Umsetzung in der Praxis eine Herausforderung. Was wir brauchen, ist eine grundsätzliche Reform, die nicht nur an den Symptomen herumdoktert.

Beifallbei der AfD

So viel zum Gesetzentwurf.

Jetzt kommen wir aber mal zu einem Fall, bei dem die Wehrdisziplinaranwaltschaft sehr schnell gehandelt hat und der ein großes Vergehen an unseren Soldaten aufzeigt. Wie viele von Ihnen vielleicht wissen, war die Bundeswehr die einzige Institution, die unter einer Impfpflicht leiden musste.

Der Oberfeldwebel Alexander Bittner muss aufgrund dieser Impfpflicht ins Gefängnis und sitzt jetzt seit mehreren Tagen in Haft.

Zurufvon der AfD: Schande!

Die Impfpflicht war ein großes Verbrechen an unseren Soldaten, meine Damen und Herren!

Beifallbei der AfD

Woher wissen Sie das? Sie dürfen doch gar nicht mehr in Kasernen!

Oberfeldwebel Alexander Bittner ist Familienvater und Ehemann und hat unserem Land viele Jahre treu gedient. Ich fordere die Bundesregierung und das Bundesministerium der Verteidigung auf, da die Impfpflicht in der Bundeswehr nun gekippt worden ist: Lassen Sie den Kameraden Bittner endlich frei!

Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
3 Vermerkeca. 541 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Beinahe symbolisch steht die Wehrdisziplinarordnung, über deren Reform wir jetzt reden, für den Zustand der Bundeswehr. In fünf Worten: Sie bedarf dringend eines Updates.

Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist die Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr wieder in den Fokus gerückt. Es ist klar: Trotz der Anstrengungen der vergangenen Jahre stehen wir immer noch vor gewaltigen Herausforderungen. Wir können eben nicht ausschließen, dass Russland innerhalb der nächsten Jahre auch unsere NATO-Partner wie die baltischen Staaten oder Polen angreift. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Alles andere wäre naiv. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ist aber nur einer von vielen Schauplätzen, auf denen sich die Frage entscheiden wird, ob die Menschen in Deutschland und in Europa weiterhin in Frieden und Sicherheit werden leben können. Eine einsatzbereite, gut ausgestattete Bundeswehr ist deshalb alternativlos.

Wir wollen eine moderne, schlagkräftige Bundeswehr, und dafür braucht man Material und eben auch Personal. In diesem Zusammenspiel wird die Bundeswehr auch wieder an Attraktivität gewinnen. Mit dem Sondervermögen haben wir die richtigen Weichen gestellt; aber grundlegende Veränderungen lassen sich nach dieser jahrelangen Vernachlässigung nun mal nicht über Nacht erreichen.

Zu einer notwendigen Modernisierung der Bundeswehr gehört auch, dass wir Gesetze auf den Prüfstand stellen und schauen, ob sie den Anforderungen der Zeit noch genügen, und zwar gerade Gesetze, die so unmittelbare Auswirkungen auf unsere Soldaten und ihre Familien haben wie eben die Wehrdisziplinarordnung. Die letzte Reform ist über 20 Jahre her.

Ein Unternehmen ist nur so gut wie sein Personal. Soldaten, die unser Land im Ernstfall mit ihrem eigenen Leben verteidigen, brauchen einen klaren Kopf. Mit der Neufassung der Wehrdisziplinarordnung schaffen wir die Voraussetzungen, um Verfahren zur Ahndung von Dienstvergehen signifikant zu beschleunigen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Dunja Kreiser [SPD]

Die teils immensen psychischen Belastungen für die Soldaten und auch ihre Familien durch sehr lange Verfahren sind nicht gut, weder für die Betroffenen selbst noch für ihre Familien noch für die Truppe insgesamt, und widersprechen damit auch der Fürsorgepflicht der Bundeswehr.

Gerade ich als Strafverteidiger finde die Beschleunigungen, die in diesen Gesetzentwurf eingebaut worden sind, sehr richtig. Berufungsfristen werden verkürzt. Und ich finde – im Gegensatz zu meinem Vorredner –, die Reform bei den Disziplinargerichtsbescheiden ist ein Meilenstein und ist eine sehr gute Reform.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Reform der Wehrdisziplinarordnung ist ein kleiner, aber ein sehr wichtiger Schritt auf unserem Weg zu einer modernen, attraktiven Bundeswehr.

Normalerweise habe ich in den letzten Jahren meine Reden immer damit beendet,

Stimmt! Da war was!

dass ich gesagt habe, im Übrigen sei ich der Auffassung, Julian Assange sollte sofort freigelassen werden. Das ist passiert, und ich bin darüber sehr froh.

Nun haben mich einige Kolleginnen und Kollegen angesprochen und gefragt, was ich jetzt zum Abschluss sage. Ich war heute mit dem Verteidigungsminister und einigen Kolleginnen und Kollegen in Litauen und in Polen. Es war eine beeindruckende Reise. Ich habe dort erneut festgestellt, wie elementar unsere Freiheit und unsere Sicherheit bedroht sind und welche unglaublichen Leistungen das ukrainische Volk vollbringt. Auch in den Gesprächen mit unseren litauischen und polnischen Freunden und mit den deutschen Soldaten in den beiden Ländern ist das klar geworden. Deshalb habe ich für mich entschieden, dass mein Satz für die nächste Zeit lauten wird: Im Übrigen bin ich der Auffassung: Wir müssen unverzüglich Taurus-Lenkflugkörper an die Ukraine liefern.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist mal ein guter Satz!

2 Vermerkeca. 111 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Verlässlichkeit ist das höchste Gut in der Politik und insbesondere in der internationalen Politik. Heute geht es um die EU Economic Partnership Agreements mit neun Staaten in Subsahara-Afrika, die 191 Millionen Menschen repräsentieren. Sie warten darauf, dass wir endlich verlässlich werden und diese EPAs unterschreiben.

Die EPAs sind von 2002 bis 2007 verhandelt worden und seither vorläufig in Kraft. Nun müssen wir endlich dazu stehen und diese unterzeichnen, damit die Partnerstaaten unsere Verlässlichkeit erfahren. Die besonderen Handelsabkommen helfen dem Globalen Süden, sie regen wirtschaftliche Tätigkeiten an, und das ist wichtig. Seien wir verlässlich und unterzeichnen endlich diese Economic Partnership Agreements.

Danke schön.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Nicolas Zippelius
Foto: Tobias Koch
4 Vermerkeca. 504 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Gesetzentwürfe der Bundesregierung zu den Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit verschiedenen afrikanischen Staaten und Regionalbündnissen sind ein wichtiger und längst überfälliger Schritt, um unsere Handelsbeziehungen breiter aufzustellen.

Auch die Änderung des Abkommens über die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung zur Erhöhung ihrer Ausleihkapazitäten begrüßen wir. Die vorliegende Satzungsänderung hebt die bisherige starre Ausleihbegrenzung der Bank auf und erhöht damit den Spielraum der Bank erheblich. Diese erhöhte Flexibilität wird in Zeiten weltweiter Krisen benötigt, um eine nachhaltige Entwicklung zu finanzieren.

Es freut uns, dass die Bundesregierung und die zuständige Ministerin nach unserer Kleinen Anfrage im März dieses Jahres die ausverhandelten Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit den afrikanischen Staaten und Regionalbündnissen dem Deutschen Bundestag nun endlich zur Ratifizierung vorlegt. Man möchte der Regierung und auch der Koalition sagen: Sie tun sich einen Gefallen, wenn Sie häufiger unseren Anregungen folgen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Das habt ihr jahrelang nicht gemacht!

Bereits in unserem Entwurf eines Handelsoffensivegesetzes haben wir dem Deutschen Bundestag die Ratifizierung der Wirtschaftspartnerschaftsabkommen vorgeschlagen und haben Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen der Ampel, bei den Beratungen zudem die Möglichkeit eröffnet, auch einmal über die Investitionsschutzabkommen mit Vietnam und Singapur zu sprechen.

Es lohnt sich ein Blick in die damalige Debatte, insbesondere in die Rede des Kollegen Töns von der SPD; er ist heute leider nicht da, schade. Ich zitiere, was er in Bezug auf die Vertragspartei Zentralafrika gesagt hat:

„Wir wollen das ratifizieren, aber derzeit ist es nicht möglich.“

Wenn er da wäre, hätte ich ihn gerne gefragt, was sich in den letzten drei Monaten geändert hat, außer dem Datum und der Jahreszeit. Ich zitiere ihn weiter:

„… Interims-Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der EU und Ghana … Ratifiziert hat es bisher so gut wie kein europäisches Land, weil es auch hier gilt, Probleme auszuräumen.“

Man möchte ihn fragen: Haben Sie die Probleme in den letzten drei Monaten ausgeräumt? Was ist in diesen drei Monaten passiert? Damals hat er auch noch das Verfahren kritisiert. Heute sprechen wir über genau diese Abkommen mit unterschiedlichen Regionen und zusätzlich über das Abkommen über die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Es wird eins klar: Seitdem ist nichts Besonderes passiert. Man wollte unserem Entwurf einfach nicht zustimmen.

Es wäre aber das Richtige gewesen, wenn Sie von der Koalition nach der Debatte hier im Haus über Ihren Schatten und die Verabredungen in Ihrem Koalitionsvertrag gesprungen wären und auch die fertigen Investitionsschutzabkommen mit Vietnam und Singapur endlich zur Ratifizierung freigegeben hätten, genauso wie bei CETA, für das Sie sich bei jeder Gelegenheit selbst beglückwünschen. Ihr Argument, dass Sie bei CETA die Auslegung von materiellrechtlichen Investitionsschutzstandards nachverhandelt hätten und es dies bei Investitionsschutzabkommen mit Vietnam und Singapur nicht gebe, das trägt einfach nicht. Die Bundesregierung könnte diesbezüglich die Initiative ergreifen. Aber das können Sie nicht, das wollen Sie nicht – weil Sie handlungsunfähig sind.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Investitionsschutzabkommen gehören genauso wie Freihandelsabkommen zu den wichtigsten Grundlagen, wenn wir von unserer Wirtschaft einfordern, ihre Lieferketten zu diversifizieren. Wir stimmen Ihren Gesetzentwürfen heute zu. Geben Sie sich einen Ruck, tun Sie endlich das Richtige, und ratifizieren Sie auch die Abkommen mit Vietnam und Singapur!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der AfD
2 Vermerkeca. 429 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Werter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wie unterschiedlich doch die Sichtweisen sein können! Diese Gesetze sind seit 2009 unterwegs, sie sollten spätestens 2020 in Kraft treten. Vier Jahre haben die afrikanischen Länder letztlich gebraucht, um sie zu unterzeichnen – weil sie es eigentlich gar nicht wollten. Und es steht zum Beispiel im Gesetzentwurf zum Abkommen mit Côte d’Ivoire, dieses solle zur rechtzeitigen Erreichung der Ziele der UN-Agenda 2030 beitragen. Gerade aber hat Guterres gesagt, die Agenda 2030 sei gescheitert. Damit ist dieser ganze Ansatz doch eigentlich schon für die Tonne; denn das Leben hat diese Abkommen langsam überholt.

Beifallbei der AfD

Kommen wir doch mal zur Wahrheit. Worum geht es wirklich? Machen wir uns ehrlich: Es geht darum, Rohstoffe Afrikas weiter unverarbeitet dem Kontinent zu entnehmen für Wertschöpfung in Europa. Kobalt und Lithium werden zu Batterien, Kakao wird zu Schokolade, und aus der Kaffeebohne wird Filterkaffee – und ist damit Wertsteigerung außerhalb Afrikas. Das führt dazu, dass diese Produkte angebaut werden, um die Exporte zu gewährleisten – und damit zu Monokulturen wie bei Palmöl und Kakao und zu mehr Waldrodung –, und nicht dazu, dass mehr Lebensmittel im eigenen Interesse angebaut werden. Die Angst Afrikas, dass Rohstoffe wertschöpfungskettenfrei Afrika entzogen werden und subventionierte Lebensmittel die afrikanischen Märkte sprengen, ist berechtigt.

Diese Abkommen führen keineswegs zum Aufbau von Wertschöpfungsketten, die Afrika doch so dringend braucht. Wie auch? Um nach Europa liefern zu können, muss man nach EU-Standards produzieren, muss diese hohen Standards einhalten und Lizenzen erwerben. Also Lizenzen ohne Ende, an denen viele verdienen, aber eben nicht der kleine Bauer in Afrika. Dazu haben wir genug Anträge gestellt, liebe CDU/CSU, zum Beispiel den Antrag „Afrikas Leistungsfähigkeit stärken durch kontinentale Wertschöpfung …“. Wir haben zum Beispiel Wirtschaftssonderzonen in Benin zur Stärkung und Förderung des Baumwollsektors gefordert. Alles ist von Ihnen – von Ihnen allen – abgelehnt worden. Deutschland hätte hier nicht nur 5 000 Arbeitsplätze schaffen können, sondern auch, im deutschen Interesse, Know-how und Maschinen liefern können.

Ziel sollte es sein, die Agenda 2063 der Afrikanischen Union endlich vollumfänglich zu unterstützen, das heißt, den afrikanischen Binnenmarkt zu fördern – produzieren in Afrika für Afrika –, zweitens mit Global Gateway endlich die Infrastrukturoffensive zu starten, die Europa doch so dringend braucht, gerade im Wettkampf mit China und Russland, und drittens Industrie anzusiedeln und bis dahin Wirtschaftssonderzonen aufzubauen.

Was hier passiert, ist eben nicht auf Augenhöhe, es führt zur weiteren Ausbeutung. Wie immer das Pflaster der Entwicklungspolitik draufzukleben, zählt nicht mehr. Kommen Sie endlich in der Lebensrealität aller Menschen dieser Welt an!

Und wenn die FDP Taurus fordert, fordern wir von der AfD endlich Frieden mit Russland.

Danke schön.

Beifallbei der AfD
Tagesordnungspunkt 253 RedenReaktionswert: lebhaft
Porträt von Katrin Uhlig
Foto: Katrin Uhlig/ Meike Kenn
5 Vermerkeca. 250 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Den schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien und damit mehr grünen Strom fordern inzwischen auch große Teile der Wirtschaft in Deutschland; denn eine sichere, verlässliche und souveräne Energieversorgung ist für den Wirtschaftsstandort unerlässlich. Mit diesem Gesetzentwurf soll sowohl der Ausbau der Windenergie an Land als auch der Ausbau der Freiflächen-PV beschleunigt werden. Wir bauen noch mehr Bürokratie ab und verschlanken Genehmigungsverfahren.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Gerade für den Wirtschafts- und Industriestandort wird es immer wichtiger, dass grüner Strom in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht. Die USA und China haben sich längst auf den Weg gemacht, erschließen grüne Märkte und bauen ihre Wirtschaft um. Viel zu lange haben Vorgängerregierungen unter CDU-Führung die wichtigen Weichenstellungen für den Wirtschafts- und Industriestandort Deutschland verzögert und verschleppt. Das haben wir geändert. Wir haben nach und nach Bürokratie abgebaut und Genehmigungsverfahren beschleunigt.

Zurufvon der CDU/CSU: Hat keiner gemerkt!

Mit diesem Gesetzentwurf gehen wir diesen Weg für einen schnelleren Ausbau der Erneuerbaren konsequent weiter.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Klar ist für mich aber auch: Wer Beschleunigung von Genehmigungsverfahren gleichsetzt mit immer mehr Abbau von Natur- und Artenschutzstandards, hat nicht verstanden, wie viele andere bürokratische Hürden es beim Ausbau der Erneuerbaren immer noch zu beseitigen gibt. Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf stärken wir unseren Wirtschafts- und Industriestandort, stellen ihn zukunftsfähig auf und schützen unsere Lebensgrundlagen. Der Ausbau der Erneuerbaren stärkt nicht nur langfristig unsere Wirtschaft, sondern zahlt zugleich auch in unsere Sicherheit und Gesundheit ein.

Angesichts der späten Uhrzeit und der noch folgenden Debatten wünsche ich allen von meiner Seite eine gute Nacht!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Beifallbei der AfD
Porträt von Marc Bernhard
Foto: Marc Bernhard
8 Vermerkeca. 343 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Mit Ihrem Wind-an-Land-Gesetz haben Sie verfügt, dass 2 Prozent der Fläche Deutschlands mit Windindustrieanlagen zugepflastert werden.

Das bedeutet, dass zu den heutigen 30 000 Anlagen weitere 90 000 dazukommen werden. Gleichzeitig haben Sie alle Mindestabstände und Höhenbegrenzungen abgeschafft, sodass Anlagen sogar in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern gebaut werden können, Anlagen, die bis zu 360 Meter hoch sind. Das ist so, als wenn Sie den Eiffelturm mit einem Rotor von 130 Metern Durchmesser direkt vor Ihr Haus gestellt bekommen.

Zurufvon der SPD: Das baut doch keiner!

Um das durchzusetzen, haben Sie all das, was in den letzten Jahrzehnten an notwendigen Schutzvorschriften für die Menschen, für die Tiere, für die Umwelt und vor allem zur gerechten Teilhabe der Bürger an Planungsvorhaben geschaffen wurde, einfach plattgemacht, beispielsweise beim Immissionsschutz, beim Wasserrecht, bei der Umweltverträglichkeitsprüfung, bei Planfeststellungsverfahren, bei ausreichendem Rechtsschutz usw. usw. Und das für Monsteranlagen, die heute schon jedes Jahr 600 000 Vögel und 200 000 Fledermäuse schreddern, jeden Tag Milliarden Insekten vernichten, mit Infraschall Menschen krankmachen und zudem die Böden und unsere Nahrung mit Mikroplastik vergiften.

Das wollen die Lobbyisten nicht hören!

Was für ein Blödsinn!

Mit Ihren politischen Totschlagvorgaben haben Sie den Bürgern und Gemeinden praktisch jede Einspruchs- und Rechtsschutzmöglichkeit genommen.

Zukünftig sollen diese Entrechtungen dann auch für hochgefährliche Wasserstofffabriken gelten, die in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten errichtet werden können. Sie opfern ohne Rücksicht auf Verluste Tiere, unsere Umwelt und die Gesundheit der Menschen auf dem Altar Ihrer Klimareligion.

Beifallbei der AfD

Um die Bürger vor Ort nun endgültig zu entmündigen, sollen mit diesem Gesetz auch noch Beschleunigungsgebiete ausgewiesen werden, bei denen jegliche Einspruchsmöglichkeit im Nirwana endet und sorgfältige Eignungs- und Sicherheitsprüfungen praktisch entfallen. Die Bürger und Gemeinden werden also völlig entrechtet und müssen sich ihre Landschaft, ihre Wälder bis unmittelbar vor ihre Wohnhäuser mit 90 000 weiteren Windindustrieanlagen und hochgefährlichen Wasserstofffabriken zupflastern lassen.

Das ist doch ein Quatsch!

Das ist mit dem Selbstbestimmungsrecht und mit den Grundsätzen eines föderalen und demokratischen Staates nicht vereinbar.

Beifallbei der AfD

Was haben Sie mit Demokratie am Hut!

Die Menschen vor Ort wissen am besten, was gut für sie ist. Deshalb gilt für uns unabdingbar, dass die Menschen vor Ort frei über sich und ihre Heimat bestimmen können müssen – und nicht diese Ampelregierung.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
8 Vermerkeca. 395 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Geehrte Kolleginnen und Kollegen! Was wird der Maßstab der FDP-Fraktion bei der Umsetzung dieser EU-Richtlinie sein? Ganz einfach: Das EU-Recht eins zu eins umzusetzen, keine deutsche Sonderschippe obendrauf zu legen, und zwar auch deswegen, weil das den europäischen Strombinnenmarkt stärken wird.

Zurufevon der CDU/CSU

– Kolleginnen und Kollegen von der Union, ich weiß gar nicht, warum Sie sich über EU-Recht so amüsieren. Federführend ist dafür eine Kommissionspräsidentin zuständig, die Sie kennen sollten. – Also: Eins-zu-eins-Umsetzung, um den EU-Strombinnenmarkt zu stärken – für eine Energieversorgung der EU, die unabhängig ist von denjenigen, die uns aus politischen Gründen den Gashahn zudrehen, wenn es ihnen passt. Das bringt uns voran.

In der weiteren Vorausschau ist für die Freien Demokraten auch klar: Wir können die erneuerbaren Energien raus aus den Subventionen und rein in den Markt lassen. Viele Akteure auf dem Markt schaffen das bereits. An denen wollen wir uns orientieren. Dazu sind übrigens auch schon wichtige Schritte in der Wachstumsinitiative der Bundesregierung verabredet, die wir bis Weihnachten umsetzen werden.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Zur Wahrheit gehört auch: Wenn wir den Solarausbau derart subventionieren – –

Wo sind Subventionen? Wo denn?

– Herr Bernhard, Sie haben wieder das Märchen vom Infraschall erzählt. Hinweis für Sie von der AfD: Beim Brustschwimmen erzeugt man mehr Infraschall, als solche Windräder erzeugen. Also einfach Sport treiben; das tut Ihnen vielleicht ganz gut. – Diese Bemerkung sei mir gestattet.

Zur Wahrheit gehört auch: Wenn wir den Solarausbau mit der bisherigen Subventionierung fortsetzen, dann kann das die Stabilität des Stromsystems eher gefährden, als dass es ihr nutzt. Deswegen werden wir Freien Demokraten auch darauf drängen, dass der Markt endlich dahin gehend gestärkt wird, dass Flexibilitäten so angereizt werden, dass die Volatilität kein Problem mehr ist, sondern man mit ihr netzdienlich und marktdienlich umgehen kann.

Der ein oder andere in diesem Hause hat es mitgekriegt: Ich bin auch ein Speicherfreak.

Zurufevon der AfD: Ja, ein Freak!

– Sie haben von Speichern einfach keine Ahnung und wollen auch keine Ahnung haben, weil Sie mal wieder nicht mit den Richtigen sprechen. –

Die AfD hat von gar nichts eine Ahnung!

Wir werden uns dafür starkmachen,

Sie machen sich für gar nichts mehr stark! Sie fliegen aus allen Parlamenten raus!

dass die vereinfachte Genehmigung von Speichern nicht nur co-located, wie es in der Fachsprache heißt, also direkt neben Erzeugungsanlagen für erneuerbare Energien, möglich wird, sondern auch netzdienlich bei Netzknotenpunkten. Wenn wir das technologisch vorantreiben, wenn wir dem Markt endlich die Möglichkeiten offerieren, sich bei Innovationen, die längst im Gange sind, auszutoben, dann sind wir auf dem richtigen Weg.

Vielen Dank und einen schönen Abend noch.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
5 Vermerkeca. 494 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Müllberge, kaputte Fenster, furchtbare Wohnbedingungen: Die Problematik der sogenannten Schrottimmobilien ist in einigen deutschen Gemeinden allgegenwärtig. Die heruntergewirtschafteten Immobilien werden meist an einkommensschwache Menschen zu horrenden Preisen vermietet. Die Häuser werden überbelegt und verwahrlosen. Stadtteile, in denen solche Schrottimmobilien liegen, verlieren an Attraktivität, und die Anwohner ziehen weg.

Von diesem Problem sind insbesondere strukturschwache Regionen betroffen. Dort landen diese Objekte häufig in der Zwangsversteigerung, wo sich das Problem noch verschärft. Ohne die Absicht zu haben, jemals zu zahlen, gibt ein unredlicher Bieter ein völlig überzogenes Gebot ab und sticht damit seine redlichen Mitbewerber aus. Er erhält den Zuschlag, wird automatisch Eigentümer der Immobilie und erhält alle Mieteinnahmen. Während er mit der Schrottimmobilie schon Geld verdient, wird das Gericht vergebens auf die Zahlung des Gebots warten. Im schlimmsten Fall muss erneut versteigert werden, und das Spiel beginnt von vorne.

Diesem dubiosen Treiben schieben wir mit diesem Gesetz einen Riegel vor, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir lösen das Problem direkt in der Zwangsversteigerung. Dabei nehmen wir aber nicht die Bieter in den Fokus. Denn für das Gericht erscheinen alle Bieter gleich: Alle mussten eine Sicherheitsleistung hinterlegen, alle wirken daher zahlungsfähig und zahlungswillig. Umfangreichere Prüfungen sind dem Gericht kaum möglich.

Deshalb setzen wir bei der Immobilie an. Ob es sich um eine Schrottimmobilie handelt, ist den Kommunen vor Ort lange bekannt; man kennt schließlich seine Pappenheimer. Die Gemeinde erhält nun das Recht, bei der Versteigerung einer Schrottimmobilie eine vorübergehende Zwangsverwaltung zu beantragen. Dadurch erhält der Gewinner der Versteigerung erst dann die Kontrolle über die Immobilie und die Einnahmen, wenn er das Gebot bezahlt hat. So schrecken wir zuverlässig betrügerische Bieter ab und sichern den ernsthaften Bietern einen fairen Wettbewerb.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir haben auch dafür Sorge getragen, dass nicht in jeder Versteigerung eine Zwangsverwaltung einfach so beantragt werden kann. Die Gemeinde muss gegenüber dem Gericht bestätigen, dass es wirklich um eine Schrottimmobilie geht, und dafür haben wir klar definierte Kriterien aufgestellt. So müssen von dem Gebäude etwa Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgehen, oder die Missstände und Mängel des Gebäudes sind derart gravierend, dass die Gemeinde auch nach den Vorgaben des Baugesetzbuches einschreiten dürfte. Die Kriterien für eine Schrottimmobilie sind damit rechtssicher bestimmt. Und der Ersteher hat die Möglichkeit, eine angeordnete Zwangsverwaltung gerichtlich überprüfen zu lassen – eine Selbstverständlichkeit in einem funktionierenden Rechtsstaat.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit dem neuen Antragsrecht für die Gemeinden schaffen wir zwei Verbesserungen: Wir sichern ein störungsfreies Versteigerungsverfahren und stärken zugleich die städtebaulichen Anstrengungen der Gemeinden, die sich mit den Schrottimmobilien herumärgern müssen.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch mal für die konstruktiven Beratungen und besonders bei meinen Koalitionskolleginnen Dr. Zanda Martens und Canan Bayram bedanken. Wir haben durch die Änderungen am Gesetz noch einmal deutliche Erleichterungen für die Arbeit der Gemeinden und Gerichte erreichen können.

Das fertige Gesetz wird nicht nur die Lebensqualität in den Gemeinden erhöhen; es ist auch ein Beispiel dafür, wie mit kleinen Änderungen bürokratiearm das Leben der Menschen verbessert werden kann.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Martin Plum
Foto: Martin Plum/Gebhard Bücker Fotografie
3 Vermerkeca. 390 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Erlauben Sie mir trotz der vorgerückten Stunde kurz drei Punkte zum Schrottimmobilien-Missbrauchsbekämpfungsgesetz, das wir heute Nacht abschließend beraten.

Erstens. Es ist richtig, den missbräuchlichen Erwerb von Schrottimmobilien in der Zwangsversteigerung zu unterbinden. Es kommt dazu deutschlandweit zwar nur in rund 25 von 21 000 Versteigerungsverfahren; diese Fälle sind für die betroffenen Anwohner und auch die betroffenen Gemeinden aber ein großes Ärgernis.

Zweitens bewegt sich die jetzt vorgeschlagene Regelung auf verfassungsrechtlich äußerst dünnem Eis. Vereinfacht gesagt, soll eine Immobilie im Zwangsversteigerungsverfahren auf Antrag einer Gemeinde in gerichtliche Verwaltung genommen werden können, wenn die Gemeinde bestätigt, dass es sich um eine Schrottimmobilie handelt. Diese Regelung knüpft damit allein an die Immobilie und nicht an die Person des Erstehers oder ihre Redlichkeit an. Der Begriff „Schrottimmobilie“ ist zudem sehr unklar; „klar definiert“ kann man nun wahrlich nicht sagen, Frau Kollegin Willkomm.

Beides ist mit Blick auf die Eigentumsgarantie des Artikels 14 Grundgesetz problematisch.

Darüber hinaus wird im Zwangsversteigerungsverfahren auch nicht geprüft, ob die Immobilie tatsächlich eine Schrottimmobilie ist, es reicht die entsprechende Bestätigung der Gemeinde. Die Bestätigung selbst dürfte wiederum weder bei den Verwaltungs- noch bei den Zivilgerichten gerichtlich überprüfbar sein. Das alles ist mit Blick auf die Rechtsschutzgarantie des Artikels 19 Absatz 4 Grundgesetz äußerst problematisch.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir sehen diese verfassungsrechtlichen Bedenken durch die jetzige Regelung nicht ausreichend ausgeräumt und werden uns deshalb heute bei der Abstimmung enthalten.

Drittens regelt das Gesetz eben nur ein Phänomen, und zwar ein kleines Phänomen, aus dem Problembereich „Schrottimmobilien“. Ich habe eben gesagt, es geht um geschätzt rund 25 Fälle im Jahr. Es gibt aber viele weitere, von denen ich hier eins ausdrücklich ansprechen möchte: die ausbeuterische Unterbringung von Arbeitsmigranten durch Leiharbeitsunternehmen in Problemimmobilien in der deutsch-niederländischen Grenzregion. Das ist in vielen Orten ein großes und wachsendes Ärgernis, bei mir zu Hause im Kreis Viersen etwa in Breyell, Hinsbeck, Leuth, Kaldenkirchen, Lobberich und Schaag, den Stadtteilen der Stadt Nettetal. Die Kommunen vor Ort tun, was sie können. Das Land NRW tut, was es kann. Der Bund muss auch tun, was er kann. Dafür muss er den grenzüberschreitenden Datenaustausch erleichtern, und dafür muss er auch Lücken im Melderecht schließen.

Der Kampf gegen den Missbrauch von Schrottimmobilien ist also lange nicht gewonnen; dafür braucht es weit mehr als dieses eine, einzige Schrottimmobilien-Missbrauchsbekämpfungsgesetz.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
8 Vermerkeca. 551 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Parteien! Es gibt schlechte Nachrichten

Ha, ha, ha! Ja, es gibt schlechte Nachrichten: für die Grünen, für die FDP!

für all die findigen Geschäftsleute, die mit Schrottimmobilien schnelles Geld machen wollen. Wir wollen ihr kriminelles Geschäftsmodell auf Kosten der Allgemeinheit abschaffen, ihnen das Handwerk legen. Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen: Mein Mitleid hält sich in sehr engen Grenzen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Schrottimmobilien, das sind verlassene, heruntergekommene Gebäude, die oft nahezu unbewohnbar sind. Solche Schandflecke gibt es in vielen Städten. Dennoch werden dafür bei Zwangsversteigerungen horrende Preise geboten. Wie kann das sein? Wer ist denn so dumm? Nein, wir haben es hier nicht mit dummen Menschen zu tun. Wir haben es mit Menschen zu tun, die gar nicht vorhaben, für eine verfallene Bruchbude diesen überteuerten Preis zu bezahlen. Schlimm genug. Aber die eigentliche Tragödie liegt darin, dass sie für die Schrottwohnungen in dieser Schrottimmobilie sofort Mieten kassieren können, meist von besonders armen, verzweifelten und schutzbedürftigen Menschen in aussichtsloser Lebenslage. Diese Mieten werden dann eingestrichen, und die Immobilie verfällt munter weiter. Wir kennen das Problem, wir sehen es im Stadtbild, ja, es fällt uns manchmal buchstäblich auf den Kopf.

Wir dürfen diesem Missbrauch von Recht und Mensch nicht länger zuschauen! Unsere Kampfansage an alle, die sich auf dieses Geschäftsmodell spezialisiert haben, heißt: Schrottimmobilien-Missbrauchsbekämpfungsgesetz.

Beifallder Abg. Dr. Nina Scheer [SPD]

Damit überbringen wir nicht nur schlechte Nachrichten, es gibt auch gute: Jeder, der will, kann diese Schrottimmobilien künftig immer noch ersteigern. Aber die Kommune darf jetzt einen Antrag stellen, damit dieser Person ein Zwangsverwalter an die Seite gestellt wird. Dieser Zwangsverwalter, der vom Gericht bestellt wird, kümmert sich dann zuverlässig um die Immobilie, und zwar so lange, bis das Gebot tatsächlich gezahlt ist. Das heißt: Nichts mehr mit Miete kassieren und dann einfach abhauen!

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der FDP und der Abg. Dr. Ingrid Nestle [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Dieser Zwangsverwalter stellt sicher, dass die Mieten zur Instandhaltung der Immobilie – das verhindert den weiteren Verfall – oder zur Zahlung des Gebots verwendet werden.

Noch kurz zur Klarstellung: Wer das eigene Gebot bezahlt, wird den Zwangsverwalter sofort wieder los, ganz ohne Drama. Niemand muss also Angst vor einer Dauerbegleitung haben – solange er sich an die Spielregeln der Zwangsversteigerung hält.

In der öffentlichen Anhörung der Sachverständigen hier im Deutschen Bundestag wurde deutlich, wie sehr dieses Instrument benötigt wird. Die Oberbürgermeisterin von Gelsenkirchen, Karin Welge, hat eindrücklich von den Problemen mit diesen Immobilien erzählt.

Es ist unsere Aufgabe hier im Bundestag, den Kommunen die notwendigen Mittel zur Lösung dieses Problems zur Verfügung zu stellen. Ich freue mich sehr, dass uns das heute gelingt.

Dieses Gesetz hilft nicht nur den Kommunen, sondern auch all jenen Bietern, die mit ernsthaften Absichten an Zwangsversteigerungen teilnehmen. So profitieren am Ende alle: die Mieter, die redlichen Bieter und vor allem die Kommunen, die bisher oft machtlos zusehen mussten, wie Schrottimmobilien ihre Nachbarschaft verschandeln.

Noch besser, als in die Zwangsversteigerung einzugreifen, wäre es im Übrigen, das Entstehen von Problemimmobilien von vornherein zu verhindern. Auch dafür gibt es gute Lösungen; wir kennen sie bereits, und einige davon stehen sogar in unserem Koalitionsvertrag. Deshalb werde ich weiterhin für politische Mehrheiten auch dafür werben.

Beifallbei der SPD

Heute machen wir ein Geschäftsmodell kaputt, das auf den Nöten der Menschen beruht, die auf dem Wohnungsmarkt sonst keine Chance haben. Wir befreien die Kommunen aus ihrer Machtlosigkeit gegenüber solchen Kriminellen. Ich freue mich, dass wir dem Ziel, unsere Städte wieder ein bisschen schöner, bezahlbarer und lebenswerter zu machen, einen wichtigen Schritt nähergekommen sind.

In 25 Fällen!

Vielen Dank und gute Nacht!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Dr. Ingrid Nestle [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Beifallbei der AfD
Porträt von Gereon Bollmann
Foto: Gereon Bollmann / privat
5 Vermerkeca. 388 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Kollegen! Es geht also um Schrottimmobilien. Herr Dr. Plum, Sie haben es ja eben gerade schon erwähnt: Was ist das eigentlich für ein Begriff, für eine Bezeichnung? Wir sagen zu unserer Regierung doch auch nicht „Schrottregierung“, oder?

Kennen Sie noch die „Problembürger“ in der DDR? Sagen wir doch lieber: Man will den missbräuchlichen Erwerb von Problemimmobilien verhindern.

Zurufdes Abg. Erhard Grundl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Diesen Ansatz kann man voll und ganz verstehen. Wenn jemand eine Immobilie ersteigert, wird er durch den Zuschlag sofort Grundstückseigentümer. Es gibt offensichtlich Leute, die diese Regelung missbrauchen. Die leisten also auf den Zuschlag eine 10-prozentige Sicherheitsleistung, haben aber gar nicht die Absicht, den vollen Kaufpreis zu zahlen. Diese Leute wollen nur über viele Monate hinweg die Miete kassieren. Dies scheint in den betroffenen Gemeinden langsam zu einem Geschäftsmodell geworden zu sein.

Man kann dem Entwurf also immerhin gute Absichten unterstellen. Aber wie heißt es so schön in Goethes „Torquato Tasso“? Man bemerkt die Absicht und ist verstimmt.

Heiterkeitdes Abg. Karsten Hilse [AfD]

Warum? Herr Dr. Plum, Sie haben ja auch schon auf die Zahlen hingewiesen: Wir gehen von 25 Missbrauchsfällen pro Jahr aus – bei rund 21 000 Versteigerungsverfahren. Muss man für gerade einmal 0,12 Prozent der Fälle ein Gesetz ändern?

Selbst wenn man dies bejahte, stellte sich die nächste Frage: Sollte das Problem so gelöst werden, wie die Regierung es vorschlägt? Die Antwort ist eindeutig Nein. Schon jetzt kann die Gläubigergemeinschaft gemäß § 94 Zwangsversteigerungsgesetz einen Antrag auf Anordnung der gerichtlichen Verwaltung stellen. Mit nur einem einzigen Satz, der diese Regelung auf Gemeinden erstreckt, könnte man das Problem lösen. Wenn die Gemeinden nachweisen, dass die gerichtliche Verwaltung erforderlich ist, um öffentliche Belange nicht zu gefährden, dann könnten doch auch die Gemeinden einen solchen Antrag stellen.

Beifallbei der AfD

Man könnte auch daran denken, den Eigentumsübergang schon mit dem Zuschlag gänzlich abzuschaffen. Warum soll man eigentlich den Eigentumsübergang im Zwangsversteigerungsverfahren anders regeln als sonst bei Grundstückskaufverträgen?

Nach der Gesetzesbegründung kann eine solche Änderung angeblich nicht kurzfristig umgesetzt werden. Das überzeugt allerdings nicht. Es müssten nur zusätzlich die Normen im ZVG geändert werden, die auf der jetzigen Regelung aufbauen. Bei halbwegs zügiger Arbeitsweise geht das innerhalb einer Woche.

Wir stellen also fest, dass der guten Absicht leider keine gute Regelung folgt. Eigentlich müsste der Entwurf wegen Überjustizialisierung abgelehnt werden. Wir werden uns aber enthalten, um die gute Absicht zu honorieren.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Benjamin StrasserFDP· Parl. Staatssekretär BMJ· MdB
18 Vermerkeca. 494 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit dem Gesetzentwurf zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsberichterstattung beraten wir zu später Stunde ein Bürokratiemonster aus der Feder von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, CDU.

Beifallbei der FDP
Lachenbei der CDU/CSU

Diese Nachhaltigkeitsberichterstattungsrichtlinie ist ein elementarer Bestandteil

Falschdarstellung! Falschdarstellung!

– ich weiß, dass Sie das aufregt – des sogenannten Green New Deal von Frau von der Leyen, den sie seit 2019 vehement vorangetrieben hat.

Deshalb gebe ich auch unumwunden zu: Es ist in gewisser Weise frustrierend, wenn wir heute Morgen das größte Bürokratieabbaugesetz einer Bundesregierung mit einem Volumen von 3,5 Milliarden Euro auf den Weg bringen und wenige Stunde später die deutsche Wirtschaft mit 1,6 Milliarden Euro an zusätzlicher Bürokratie belasten müssen.

Zurufdes Abg. Dr. Günter Krings [CDU/CSU]

Das zeigt doch eines: Diese Bundesregierung kann gar nicht so schnell und so viel Bürokratie abbauen, wie sie Frau von der Leyen an anderer Stelle wieder aufbaut. Das muss aufhören, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir haben die Verhandlungen über die CSRD-Richtlinie von der Großen Koalition im Dezember 2021 in der Schlusskurve übernommen. Wir haben es in drei Monaten zwar nicht geschafft, diese Richtlinie komplett zu verhindern, konnten aber konkrete Verbesserungen erreichen.

Patrick Schnieder [CDU/CSU]: Da müssen Sie doch selber lachen!

So müssen beispielsweise betroffene kleine und mittlere Unternehmen erst ab 2029 einen Nachhaltigkeitsbericht abgeben. Und die Konzernklausel, die gestrichen werden sollte, wird nicht gestrichen. Aus Sicht der Bundesregierung müssen jetzt aber zwei Konsequenzen gezogen werden.

Aufhören! Aufhören! Nicht „aus Sicht der Bundesregierung“! Aus Sicht der Bevölkerung!

– Ich treffe bei Ihnen offensichtlich einen wunden Punkt.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Erstens. Die Richtlinie muss eins zu eins umgesetzt werden. Das leisten wir mit diesem Umsetzungsgesetz. Zur Erleichterung haben wir beispielsweise durchgesetzt, dass Unternehmen zumindest nicht doppelt Bericht erstatten müssen. Das heißt, wer einen Nachhaltigkeitsbericht nach den EU-Regeln erstellt, soll nicht noch separat über die Einhaltung des deutschen Lieferkettengesetzes, das auch Sie beschlossen haben,

Lachendes Abg. Stephan Mayer [Altötting] [CDU/CSU]

berichten müssen.

Beifallbei der FDP

Zweitens. Wir müssen der Regulierungswut der Kommission von Frau von der Leyen endlich Einhalt gebieten!

Lachenbei der CDU/CSU

In der Wachstumsinitiative der Bundesregierung haben der Kanzler, der Vizekanzler und der Finanzminister konkret vereinbart, dass wir uns bei der Kommission dafür einsetzen, dass die sehr umfangreichen Vorgaben zum Inhalt der Nachhaltigkeitsberichterstattung deutlich reduziert werden. Das ist deshalb so wichtig, weil der Umfang der Berichtspflichten maßgeblich durch die EU-Nachhaltigkeitsstandards bestimmt wird, die, oh Wunder, von der Europäischen Kommission als delegierte Rechtsakte erlassen werden.

Lachendes Abg. Patrick Schnieder [CDU/CSU]

Diesen verabschiedeten Standards haben wir als Bundesregierung ausdrücklich nicht zugestimmt – im Vergleich zu Ihrer Kommissionspräsidentin.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Deswegen eine kurze Bitte an die CDU/CSU: Wenn Sie deutschen Unternehmen helfen wollen, setzen Sie sich mit der EVP-Fraktion dafür ein, dass Ihre Kommissionspräsidentin endlich zur Vernunft gebracht wird!

Wir erledigen unseren Teil. Wir lassen uns nicht entmutigen von diesen Umständen.

Neben Projekten wie dem Gebäudetyp E – eine entsprechende Debatte wird dieses Parlament bald erreichen –, mit immerhin einer Entlastung in Höhe von 2 Milliarden Euro an Bürokratiekosten,

Oh! Wahnsinn!

werden wir in der nächsten Woche unsere Arbeiten am Jahresbürokratieabbaugesetz 2025 starten.

Für uns ist klar: Wir gehen mit gutem Beispiel voran, damit die Europäische Kommission endlich ihre Hausaufgaben macht.

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Auf Wiedersehen! Das sind die letzten Zuckungen!

Heiterkeitund Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber wir fahren sofort fort. Das Wort erhält Stephan Mayer für die CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Fabian Jacobi
Foto: Fabian Jacobi
4 Vermerkeca. 409 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es soll keiner sagen, der Deutsche Bundestag verfüge nicht über das nötige Maß an Humor und Selbstironie, um in unseren zunehmend grimmigeren Zeiten seine gute Laune zu behalten! Er beweist das aufs Trefflichste mit der heutigen Tagesordnung. Heute Morgen noch haben wir hier ausführlich das überaus ernsthafte Bemühen unserer geliebten Bundesregierung beim allgemeinen Bürokratieabbau in Deutschland behandelt. Heute Abend nun tut der Bundestag das Gegenteil: Er beginnt ein Gesetzgebungsverfahren, mit dem ein neuer, zusätzlicher bürokratischer Amokangriff auf die Unternehmen in Deutschland gestartet wird.

Beifallbei der AfD

Eingebracht wird ein Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Umsetzung einer EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Betroffen sein werden unmittelbar mehr als 15 000 Unternehmen in Deutschland, indirekt noch sehr viel mehr. Kosten soll der ganze Spaß offiziell 1,6 Milliarden Euro im Jahr, nur die unmittelbar betroffenen Unternehmen; die mittelbar betroffenen sind noch gar nicht eingerechnet. Das heißt, es wird ein Mehrfaches.

Und was haben wir hier gerade erlebt? Ich bin immer noch fasziniert von dem, was sich hier gerade abgespielt hat: Zuerst hat gesprochen ein Vertreter der Bundesregierung, der diesen Gesetzentwurf hier eingebracht hat, anschließend ein Vertreter der CDU/CSU. Was haben die beiden gemacht? Sie haben sich gegenseitig in den Senkel stellen wollen, haben sich gegenseitig vorgeworfen, sie hätten etwas verbockt und seien nun schuld an dieser unsäglichen EU-Richtlinie. Das ist an Abstrusität, an Heuchelei wirklich nicht mehr zu überbieten, was Sie hier veranstalten.

Beifallbei der AfD

Denn wer hat uns denn in diese Situation gebracht? Wer hat denn den Deutschen Bundestag zum Schreibbüro der EU degradiert? Wer hat denn dafür gesorgt, dass Deutschland in einer Situation ist, in der uns derartige Dinge wie diese unsägliche Richtlinie übergestülpt werden können zum Nachteil unserer Wirtschaft? Und wir können das Ganze hier nur noch abschreiben. Wer hat denn dafür gesorgt, dass Deutschland in dieser Situation ist? Das sind doch Sie alle gemeinsam.

Beifallbei der AfD

Und Sie alle gemeinsam sind auch dafür verantwortlich, dass sich an dieser Situation nichts ändern wird – solange Sie Ihre unsägliche EU-Affinität nicht ernsthaft infrage stellen. In dem Moment, in dem Sie anfangen, ernsthaft auf uns von der AfD zuzukommen und ernsthaft daran zu arbeiten, dass wir die Gesetzgebungszuständigkeiten aus Brüssel zurückholen hier, wo sie hingehören, zurückholen, in den Deutschen Bundestag, damit wir als gewählte Parlamentarier hier unserer Verantwortung nachkommen und Gesetze für Deutschland machen können, solange Sie dazu nicht ernsthaft bereit sind, können Sie sich das ganze Theater, das Sie hier eben veranstaltet haben, wirklich sparen; das ist absurd.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Stephan Mayer
Foto: DBT/Inga Haar
9 Vermerkeca. 396 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Bundesregierung legt, wieder mal verfristet, einen Gesetzentwurf zur Umsetzung einer EU-Richtlinie vor. Die Frist ist bereits am 6. Juli abgelaufen.

Das haben die gar nicht gemerkt!

Aber das ist gar nicht das Dramatischste, das Schlimmste in der Angelegenheit.

Die Bundesregierung legt uns mit diesem CSRD-Umsetzungsgesetz ein Bürokratiemonster vor. Sie „beglücken“ die deutsche Wirtschaft mit einer Strangulierung, mit Nachhaltigkeitsberichterstattungspflichten, die im Jahr einen Bürokratieaufwand von über 1,5 Milliarden Euro ausmachen werden.

Zurufvon der CDU/CSU: Unglaublich!

Allein der einmalige Erfüllungsaufwand wird über 800 Millionen Euro betragen.

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin schon etwas überrascht, dass ich dem Justizstaatssekretär Strasser heute Nachhilfeunterricht geben muss, was die Gesetzgebung auf europäischer Ebene anbelangt.

Heiterkeitdes Abg. Axel Müller [CDU/CSU]

Sie haben Ihre Kritik immer an einer Person festgemacht. Die Europäische Union ist aber keine Diktatur. Es erlässt nicht eine Person – auch nicht die EU-Kommissionspräsidentin – eine Richtlinie oder eine Verordnung, auch nicht die Kommission, sondern interessanterweise das Parlament und der Rat.

Und die aktuelle Bundesregierung hat im November 2022 der CSRD-Richtlinie zugestimmt.

Sie hatten ein Jahr Zeit, von Dezember 2021 bis November 2022, diese Nachhaltigkeitsrichtlinie zu verhandeln, und Sie haben schlecht verhandelt. Sie haben dieser Richtlinie am Ende unnötigerweise die Zustimmung erteilt. Das ist ein Verschulden der aktuellen Ampelbundesregierung.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der CDU/CSU: Jetzt kommt es raus!

Sie haben uns noch dazu sehenden Auges ein Gesetz vorgelegt, das keine Eins-zu-eins-Umsetzung ist.

Jetzt wird es noch peinlicher!

Sie überziehen. Sie gehen mit Ihren Standards über die Vorgaben der EU-Richtlinie hinaus. Es wird auch nicht so sein, dass, wie Sie in Ihrem Gesetzentwurf schreiben, nur – „nur“ in Anführungszeichen – 15 000 Unternehmen in Deutschland von dieser Nachhaltigkeitsberichterstattung betroffen sein werden, sondern es werden natürlich weitaus mehr Unternehmen betroffen sein: mittelständische, kleinere Unternehmen, die vollkommen überfordert sind mit dem Personalaufwand, der durch diese Nachhaltigkeitsberichterstattung entsteht, durch die Bürokratie, durch die Kosten. Experten sagen ganz klar: Die angenommenen Bürokratiekosten von 1,5 Milliarden Euro werden bei Weitem nicht reichen.

Deswegen fordern wir Sie auf: Setzen Sie sich in Brüssel dafür ein, dass diese CSRD-Richtlinie auf den Prüfstand gestellt und überarbeitet wird! Ich bin der festen Überzeugung, dass gerade die FDP, die ja jetzt von einer Wirtschaftswende für Deutschland spricht, ein offenes Ohr dafür hat, dass wir jetzt wirklich an fundamentale Standards ranmüssen. Wir haben der deutschen Wirtschaft in den letzten Jahren einfach zu viel zugemutet, was Berichtspflichten anbelangt. Hier muss endlich abgespeckt werden! Wir müssen die Standards deutlich zurückfahren. Wir müssen die Berichterstattungen zurückfahren.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Stephan Mayer
Foto: DBT/Inga Haar
ca. 17 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Deswegen werden wir dem Umsetzungsgesetz zu dieser Richtlinie heute natürlich nicht zustimmen. Wir werden aber im Gesetzgebungsverfahren –

Porträt von Stephan Mayer
Foto: DBT/Inga Haar
2 Vermerkeca. 11 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– und auch in der Sachverständigenanhörung das Gesetz intensiv mitverfolgen und begleiten.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der AfD
Tagesordnungspunkt 283 RedenReaktionswert: niedrig
2 Vermerkeca. 462 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Das neu geregelte Kulturgutschutzgesetz aus dem Jahr 2016 hat sich bewährt. Eine Generalrevision war, wie dem Fünfjahresbericht der Bundesregierung über den Zeitraum 2016 bis 2021 zu entnehmen ist, nicht nötig. Bewährt haben sich die zentralen Bestimmungen zur Einfuhr und zur Sorgfalt beim Inverkehrbringen von Kulturgut. Sie stellten keine nennenswerte Mehrbelastung dar, haben Deutschland aber als attraktiven Handelsstandort stabiler gemacht, wie die Umsatzergebnisse am deutschen Auktionsmarkt und der Einstieg von Sotheby’s in diesen gezeigt haben.

Auch die Ausweitung des gesetzlichen Schutzes auf Kulturgut, das sich im Eigentum und Bestand öffentlich getragener Einrichtungen und Sammlungen befindet, durch den erweiterten Begriff „nationales Kulturgut“ erscheint sachdienlich, so der Bericht, ebenso die Einführung einer grundsätzlichen Ausfuhrgenehmigungspflicht für nationales Kulturgut. Damit wurden rechtliche Vorkehrungen getroffen, um im Falle des Abhandenkommens von Kulturgut den internationalen Rechtsrahmen für die Wiedererlangung nutzen zu können.

Eine erneute Überarbeitung wurde aber notwendig aufgrund der Diskrepanzen zwischen dem KGSG und dem sich entwickelnden EU-Rechtsrahmen für den Kulturgüterverkehr. Der vorliegende Entwurf einer Weiterentwicklung des Gesetzes leistet genau das: Durch das Gesetz ist mit der BKM künftig eine Behörde, eine oberste Bundesbehörde, für Kultur und Medien zuständig. Außerdem kann der Zeitraum für die Ausfuhr von Leihgaben bei begründeten Ausnahmen von fünf auf bis zu zehn Jahre verlängert werden, etwa um Folgeausstellungen zu organisieren. Zudem gelten Sorgfaltspflichten künftig erst ab einer Wertgrenze von 5 000 Euro.

Insgesamt erfolgt mit der Weiterentwicklung eine Harmonisierung mit der EU-Verordnung über die Einfuhr von Kulturgütern. Zudem werden der internationale Leihverkehr für Museen und der Handel erleichtert. Die Interessenabwägung zwischen dem Schutz von Kultur und dem Abbau von bürokratischen Hürden für Handel und dem Austausch zwischen Museen ist so in gutem Gleichgewicht.

Darüber hinaus stärken die vorgesehenen Änderungen die Rechtssicherheit: Sicherstellungen durch die Landeskulturbehörden werden künftig klarer geregelt.

Somit erfüllt die vorliegende Weiterentwicklung des Kulturgutschutzgesetzes die Absichten des Koalitionsvertrags. Zugleich unterstreichen die Neuregelungen den besonderen gesellschaftlichen Wert von Kulturgut; denn Kulturgüter und Kunstwerke sind keine Waren wie andere, sie sind keine austauschbaren Gegenstände. Vielmehr geben sie Auskunft über die Zeit und die Geschichte ihrer Entstehung, über ihren Herkunftsort, über die Gesellschaft, aus der sie hervorgegangen sind. Sie enthalten ästhetische und künstlerische Botschaften. Sie sind insofern Anlass zur Reflexion der eigenen kulturellen Identität.

Zugleich reicht Kulturgutschutz weit über nationale Grenzen hinaus; denn der internationale Austausch von Kunst- und Kulturgütern trägt dazu bei, Einblicke in Denken, Erfahrungen und ästhetische Empfindungen anderer Gesellschaften zu erhalten.

Kulturgüter haben generell neben ihrem materiellen immer einen hohen immateriellen Wert. Kulturgüter sind Ausdruck von Menschheitsgeschichte, und ihr Schutz muss in unser aller Interesse sein. Kulturgutschutz, der den Namen verdient, schließt damit den Respekt und die Achtung vor Kulturgütern aus anderen Regionen der Welt ein. Kulturgutschutz muss ebenso die Bereitschaft beinhalten, Kulturgut an die Herkunftsländer zurückzugeben.

Ich danke Ihnen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP
Beifallbei der AfD
Porträt von Götz Frömming
Foto: Götz Frömming/ Olga Grenner
6 Vermerkeca. 388 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Erinnern Sie sich noch? Es ist kaum zwei Jahre her, da haben unsere Außenministerin, Frau Annalena Baerbock, und die BKM, die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, Claudia Roth – herzlich willkommen zu dieser Debatte! –,

Staatsministerin!

gemeinsam und mit viel Tamtam die sogenannten Benin-Bronzen letztlich an wen übergeben? An die Nachfahren von Sklavenhändlern. Und wie geht es diesen Bronzen inzwischen? Viele davon sind verschwunden,

und der Rest ist in einem katastrophalen Zustand. So schützt man keine Kultur, so zerstört man sie, liebe Frau Roth.

Beifallbei der AfD

Die Staatlichen Museen zu Berlin und die Preußische Staatsbibliothek lagerten während des Zweiten Weltkrieges große Teile ihrer Bestände an Orte außerhalb Berlins aus, die heute zu Polen gehören. Die bekannteste Sammlung ist die Berlinka, der Preußenschatz, der sich nun in Krakau befindet. 300 000 wertvolle mittelalterliche Handschriften gehören dazu, ebenso Autographen von Luther, Goethe und Schiller. Weiteres deutsches Kulturgut befindet sich in Depots und Magazinen in Russland und in den umliegenden Staaten. Etwa 1 Million Kunstwerke, mehr als 4 Millionen Bücher und Handschriften sowie umfangreiches Archivgut werden dort vermutet. Wo bleibt eigentlich hier das Engagement der Bundesregierung, meine Damen und Herren, dieses deutsche Kulturgut zurückzuholen?

Beifallbei der AfD

Die nächste wird es dann machen!

Und das vorliegende Gesetz hilft hier leider auch nicht wirklich weiter. Laut Kulturgutschutzgesetz haben die Kirchen ein besonderes Antragsrecht. Das heißt, sie entscheiden selbst, ob das, was sich in ihrem Besitz befindet, ein wertvolles nationales Kulturgut ist oder eben nicht. Und das führt nun zu kuriosen Dingen. Die evangelische Kirche hat nämlich beschlossen, in den kommenden Jahren das Eigentum am sogenannten Danziger Paramentenschatz auf die Marienkirche in Danzig zu übertragen. Noch befindet sich dieser wertvolle Schatz in Lübeck. Der Paramentenschatz gehört zu den bedeutendsten textilen Beständen aus dem Mittelalter. Mit der Verschenkung geht ein einzigartiges nationales Kulturgut verloren,

Zurufvon der AfD: Die Grünen verschenken doch alles!

ohne dass es nach geltendem Kulturgutschutzgesetz überhaupt eine Möglichkeit gibt, dessen Ausfuhr zu verhindern. Die Paramente, so heißt es, sollen an ihren Herkunftsort zurückkehren. Dieser Herkunftsort ist aber nicht mehr deutsch, meine Damen und Herren. „Der Garten in polnischem Besitz, die Gräber teils-teils“, so heißt es in Gottfried Benns Gedicht „Teils-teils“. Politisch gehört Danzig heute zu Polen, aber die Paramente sind deutsches Kulturgut und kein Teils-teils, meine Damen und Herren.

Wenigstens hätte man doch die Gelegenheit nutzen müssen, um im Gegenzug die in Polen lagernden Bestände aus Berlin ebenfalls wieder an ihren Ursprungsort zurückzuholen.

6 Vermerkeca. 485 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist nach 23 Uhr, und wir beschäftigen uns mit den Kosten für eine sichere Versorgung mit Erdgas und damit, was das mit den Grenzübergangspunkten zu tun hat. Es gibt einen guten Grund, warum wir uns in erster Lesung mit dieser Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes befassen.

Doch zunächst der Reihe nach. Wir müssen erst mal ein Jahrzehnt zurückgehen; denn da fängt die Geschichte an. Damals hat Russland den größten deutschen Erdgasspeicher gekauft. Das blieb erst einmal unauffällig; aber schon in den Monaten vor dem brutalen Angriffskrieg Putins auf die Ukraine haben wir bemerkt, wie die Erdgaspreise gestiegen und in immer unerwartetere Höhen geklettert sind, und das, weil Putin diesen Erdgasspeicher, inzwischen in russischem Besitz, mit voller Absicht so widersinnig betrieben hat, dass die Preise hochgehen mussten.

Er hat das in kriegerischer Absicht getan, in Vorbereitung auf den Ukrainekrieg, in der Hoffnung, wir würden dann einfach akzeptieren, mit welcher Brutalität er sein Nachbarland überfallen hat, und die Ukraine nicht unterstützen. Ich bin froh, dass das nicht gelungen ist. Ich bin froh, dass es uns gelungen ist, die Energiepreise wieder auf das Niveau von vor dem von Putin gestarteten Energiepreisangriff auf uns zu senken.

Stimmt doch gar nicht!

Natürlich stimmt das!

Aber ja, wir mussten in dieser Zeit viele Maßnahmen ergreifen. Eine Maßnahme, um insbesondere die Versorgungssicherheit schnell wiederherzustellen, war, sicherzustellen, dass die Erdgasspeicher zum Winter gefüllt und nicht geleert werden; wie Putin es eigentlich vorhatte. Das hat die ganzen Schwierigkeiten ausgelöst.

Dieses Gesetz löst Kosten aus, und diese Kosten müssen getragen werden. Und ja, bis heute erheben wir eine Umlage an den Grenzübergangspunkten – das hat zu viel Streit mit unseren Nachbarländern geführt –, aber das ist gemäß einer Verordnung, die inzwischen in Kraft getreten ist, nicht mehr EU-rechtskonform. Und ja, es ist auch ein Kostenrisiko für alle Gaskunden in unserem Land. Denn sicher ist: Wenn wir das Gesetz nicht ändern werden, wird es ein Gerichtsverfahren gegen unser Land in dieser Frage geben, und wir laufen Gefahr, die erhobene Umlage zurückzahlen zu müssen.

Ich denke, all das sind gute Gründe dafür, uns mit diesem Gesetz zu befassen und heute in erster Lesung entsprechende Änderungen einzubringen. Natürlich sind wir für Anregungen offen, aber mich überzeugt dieser Ansatz. Er schafft Frieden in Europa.

Lachendes Abg. Karsten Hilse [AfD]

– Ja, er kann ein ganzes Stück Unfrieden vertreiben; denn das bisherige Gesetz hat zu vielen Zankereien geführt. Wir können diese Zankereien beilegen. Und ja, ich finde, das ist es wert. Wir wollen ein Europa, in dem wir gut zusammenarbeiten. Andere Länder haben auch Gasspeicher, erheben aber keine Umlage an den Grenzübergangspunkten und bitten uns, das ebenfalls nicht zu tun. Nun ist es an uns, zu sagen: Wir machen es auch nicht – das sieht das EU-Recht auch so vor,

Was brauchen Sie dafür die EU?

wir wollen in Europa zusammenarbeiten. – Ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

In diesem Sinne freue ich mich auf die weiteren Beratungen. Ich hoffe auf die zweite und dritte Lesung.

Danke sehr für Ihre Aufmerksamkeit. Guten Abend.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Beifallbei der AfD
Porträt von Karsten Hilse
Foto: Karsten Hilse/ Hagen Schnauss
16 Vermerkeca. 451 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Landsleute! Und natürlich: Werte Leugner des natürlichen Klimawandels! Die schlimmste Regierung, die die Bundesrepublik je hatte und von der genau 0 Prozent – 0 Prozent! – der Menschen in unserem Land wollen, dass sie ihre asoziale Politik weiterführt, bringt das nächste Wirtschaftszerstörungsgesetz hier im Bundestag ein.

Der Plan, den diese Schrottregierung seit knapp drei Jahren verfolgt,

Ordnungsruf!

ist es, wie informierte Menschen wissen, jedes Unternehmen, das ohne Subventionen produzieren könnte,

Was ein übles Vokabular! Geht’s auch ein bisschen normaler?

aus dem Land zu treiben und damit den Deutschen ihre wirtschaftliche Grundlage zu rauben.

Menschen wie Ricarda, Emilia, Katrin, Markus, Kevin und wie sie alle heißen,

Zweiter Ordnungsruf!

von denen die meisten noch nie in ihrem gesamten Leben einer wertschöpfenden Arbeit nachgegangen sind, maßen sich an, erfolgreichen Unternehmern vorzuschreiben, wie sie ihre Arbeit machen sollen. Das ist das Gleiche, als wenn ein Pinguin einem Adler vorschreiben würde, wie er fliegen soll.

Beifallbei der AfD

Dritter Ordnungsruf!

Nichts gegen Pinguine – die finde ich niedlich –; aber die haben vom Fliegen so viel Ahnung wie grüne Kommunisten vom Arbeiten, von der Realität im Lande, von Physik, Mathematik, Biologie usw.

Zurufdes Abg. Michael Sacher [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

In all diesen Bereichen sind die meisten Grünen sprichwörtlich komplett ahnungslos.

Was Grüne wirklich können, sind Verbotsorgien und ein massiver Aufwuchs von Bürokratie durch komplett unsinnige Berichtspflichten, wie sie in diesem Gesetz unter anderem geplant sind. Man möchte damit die Effizienz der Unternehmen steigern. Ich persönlich kenne keinen einzigen Unternehmer, der Energie verschwendet und damit bares Geld aus dem Fenster hinauswirft. Bei der derzeitigen Regierung sieht das anders aus:

In welchem Gesetz sind Sie eigentlich?

Hunderttausende Euro für Fotograf, Friseur, Make-up, Flüge zum Fußball usw. usw.

Das veranlasste einige alternative Medien übrigens dazu, den Begriff „grüne Feudalherren“ zu kreieren, weil sich die Minister und Staatssekretäre mit grünem Parteibuch genau so verhalten.

Beifallbei der AfD

Aber zurück zum Gesetz. Ein richtiges Schmankerl in diesem ist, dass Unternehmen sogenannte Energiesparmaßnahmenpläne veröffentlichen müssen und die Erfüllung dieser Pläne öffentlich zu dokumentieren haben, wodurch sie quasi am Pranger der grünen RAF stehen.

Zurufvon der SPD: Das sind doch Plattitüden!
Zurufdes Abg. Johannes Schraps [SPD]

Klimaterroristen können also gezielt unliebsame Unternehmen blockieren und im Internet stigmatisieren.

Die Verbots- und Bürokratieorgien sorgen neben den höchsten Energiepreisen der Welt dafür, dass Industrieunternehmen fluchtartig das Land verlassen. Gleichzeitig wenden sich die Wähler mit Grausen von den Grünen und ihren Steigbügelhaltern, den feigen Demokraten, ab.

Fünfter Ordnungsruf!

Folgerichtig flogen die Grünen in Thüringen und Brandenburg aus den Parlamenten. In ganz Deutschland sind die Korken geflogen. Die Verräter der Freiheit

Sechster Ordnungsruf!

sitzen in Thüringen, Brandenburg und Sachsen nur noch auf den Zuschauertribünen der Parlamente. Und auch sonst geben die drei Ostwahlen Hoffnung; denn der größte Teil der Jugend im Osten wählt Blau. Somit sind die Tage der Kartellparteien gezählt.

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Stimmt gar nicht!

Glück auf in die Heimat! Und im Übrigen bin ich der Meinung: Wer Grün wählt, wählt den Krieg.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Fangt doch mal an!

Es wäre wirklich mal richtig schön.

Wir werden hier als Faschisten, als Nationalsozialisten bezeichnet!

– Das ist heute hier nicht gefallen.

Ja, heute vielleicht noch nicht!

Setzen, sechs!

Tagesordnungspunkt 302 RedenReaktionswert: lebhaft
4 Vermerkeca. 494 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Deutschland steht an einem Wendepunkt. Unsere Energiesysteme müssen dringend modernisiert, Bürokratie abgebaut und deren Effizienz gesteigert werden. Was früher funktioniert hat, ist heute oft veraltet. Unser Strom- und Energiesteuerrecht hinkt hinter den technischen Entwicklungen hinterher, und das verursacht unnötige Hürden für Innovationen und Fortschritt. Mit dem Gesetzentwurf, über den wir heute diskutieren, werden wir das ändern.

Denken Sie beispielhaft an die Elektromobilität. Deutschland will zur Leitnation nachhaltiger Mobilität werden. Aber wie kann es sein, dass Fahrer von E-Autos fürchten müssen, steuerlich wie ein Versorger behandelt zu werden? Das ist doch absurd. Mit diesem Gesetz räumen wir diese Absurditäten aus dem Weg. Und die Ladeinfrastruktur? Die kann jetzt ohne bürokratischen Ballast ausgebaut werden. So schaffen wir die Grundlage für eine moderne Mobilität, die diesen Namen verdient.

Aber das ist nur der Anfang. Wir entlasten auch Unternehmen. Bislang drohte die groteske Situation, dass bei der Zwischenspeicherung von Strom schlimmstenfalls zweimal Steuern fällig wurden. Das ist so, als würden Sie für dasselbe Produkt zweimal zur Kasse gebeten. Das ist nicht nur unsinnig, sondern es bremst auch Innovationen aus. Mit diesem Gesetz schaffen wir die doppelte Steuerlast ab und geben neuen Energiespeicherlösungen eine echte Chance. So öffnen wir die Türen für den Fortschritt.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Was bedeutet das für die Wirtschaft? 15,4 Millionen Euro weniger Bürokratiekosten jedes Jahr. Das sind Millionen, die Unternehmen sinnvoller investieren können: in Forschung, in neue Technologien, in Arbeitsplätze. Weniger Papierkram, mehr Fortschritt: Das ist der Weg in die Zukunft.

Doch bei aller Begeisterung fürs Detail dürfen wir nicht das große Ganze aus den Augen verlieren. Deutschland fällt zurück. Im IMD-Competitiveness-Ranking rangieren wir nur noch auf Platz 24 von 67. Das ist nicht der Anspruch eines Landes, das sich als Exportweltmeister versteht.

Die Innovationskraft unserer Unternehmen ist ungebrochen; doch wir als Gesetzgeber müssen dafür sorgen, dass diese Innovationskraft nicht in bürokratischen Hürden erstickt. Unsere Wirtschaft tritt gerade auf der Stelle, nicht weil wir nicht die besten Köpfe oder die besten Ideen hätten, sondern weil wir uns zu oft mit komplizierten, ineffizienten Regelwerken selbst im Weg stehen. Genau hier setzt dieses Gesetz an. Es schafft Klarheit, vereinfacht Prozesse und gibt Unternehmen Raum, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, nämlich auf Innovation und Wachstum.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Unser Ziel ist klar: Wir müssen Deutschland wieder auf den Erfolgspfad bringen. Die heutige Weltwirtschaft verändert sich rasend schnell, und wir dürfen den Anschluss nicht verlieren. Dieser Gesetzentwurf ist ein notwendiger Schritt, um den Weg frei zu machen für eine Wirtschaft, die nicht durch starre Regeln gebremst wird, sondern die sich dynamisch und anpassungsfähig an den Märkten dieser Welt behauptet. Unser Erfolg als Industrieland hängt davon ab, wie wir jetzt handeln: modern, effizient und innovationsfreundlich.

Lassen Sie uns also diesen Gesetzentwurf als das sehen, was er ist: ein Schlüssel für weniger Bürokratie, mehr Innovation und einen stärkeren Wirtschaftsstandort Deutschland. In diesem Sinne freue ich mich auf die weiteren Debatten zum Gesetzentwurf im Plenum und in den Ausschüssen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der AfD
Porträt von Jan Wenzel Schmidt
Foto: Jan Wenzel Schmidt
9 Vermerkeca. 383 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Damen und Herren! Wenn die Ampelkoalition einen Gesetzentwurf mit dem Titel „Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung und zum Bürokratieabbau im Strom- und Energiesteuerrecht“ vorlegt, dann sollten alle Alarmglocken läuten. Modernisierung bedeutet für Sie wieder neue Beamtenstellen, die den Steuerzahler etliche Millionen Euro kosten. Noch besser wird es aber beim Thema Bürokratieabbau. Es geht schon beim Gesetzentwurf los. Mit über 100 Seiten zeigen Sie Ihre Effizienz. Zusätzliche Anpassungen an Vorgaben der Europäischen Union sorgen nur für weitere Bürokratie.

Nur weil Sie lesen müssen, ist es noch lange keine Bürokratie!

Nachdem wir nun nach wenigen Zeilen des Entwurfes feststellen konnten, dass es Ihnen weder um die Modernisierung noch um einen Bürokratieabbau geht, ist die Frage offen, worum es Ihnen überhaupt geht – wie immer, wenn etwas aus dem links-grün-liberalen Block kommt –: um ideologische Politik, die dem Steuerzahler den letzten Cent aus dem Mark pressen soll.

Beifallbei der AfD

Statt unserer gebeutelten Wirtschaft unter die Arme zu greifen, wollen Sie lieber noch mehr Subventionen für Ihre Elektromobilität verschwenden. Sehen Sie es ein: Die Deutschen wollen mehrheitlich keine Elektroautos.

Beifallbei der AfD

Schon die bisherigen Subventionen haben nicht den gewünschten Erfolg erbracht. Weitere werden auch nicht helfen. Ohne Ihre ideologische Politik und ohne die Staatshörigkeit der Managerebene wäre VW nicht ins Wanken gekommen. Verbrennerautos statt E-Autos, das hätte unsere Schlüsselindustrie auch die nächsten Jahrzehnte gut überstehen lassen.

Während der deutsche Steuerzahler dank Ihrer wirkungslosen Sanktionspolitik unter der Inflation leidet, wollen Sie das Steuergeld für noch mehr Windräder verpulvern. Auch hier zeigt sich, dass Ihre Energiewende gescheitert ist. Alle Windkraftanlagen in Deutschland haben im Jahr 2023 etwa 140 Terawattstunden Strom produziert, und das auch nur, wenn Wind weht und nicht zu viel Wind weht.

Das ist ja ein Ding! Da muss man erst mal draufkommen!

Zum Vergleich: Das kürzlich abgeschaltete Kernkraftwerk Isar 2 erzeugte durchschnittlich 11 Terawattstunden pro Jahr.

Und das Endlager bauen wir Ihnen vor die Haustür!

Waren Sie schon mal da? Waren Sie schon mal dort?

Es würden also 13 Kernkraftwerke, welche so klein sind wie Isar 2, ausreichen, um alle Windkraftanlagen aus Deutschland verschwinden zu lassen.

Beifallbei der AfD

Sie haben doch keine Ahnung, von was Sie reden!

Wie bescheuert Ihre Politik ist, lässt sich an den Spritpreisen erkennen. Wenn der Spritpreis steigt, dann steigt auch die Höhe der CO2-Abgabe.

Haben Sie noch was zum Gesetz zu sagen?

Auf diese kommt noch mal die Umsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent. Das heißt, dass wir in Deutschland mittlerweile Steuern mit Steuern besteuern.

Wenn die Bürger in diesem Land wirklich eine Modernisierung und einen Bürokratieabbau im Steuerrecht wollen, dann hilft es nur, beim nächsten Mal anders zu wählen und der Ampel endlich den Stecker zu ziehen.

Beifallbei der AfD

Kein einziges Argument zum Gesetz! Das ist wirklich traurig! Ganz schön dünn!

Porträt von Nyke Slawik
Foto: Nyke Slawik/ Dominik Butzmann
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Zuhörende! Was ist uns der öffentliche Nahverkehr wert? 58 Euro, also plus 18,3 Prozent, soll das Deutschlandticket ab 2025 kosten; so haben es jedenfalls die Verkehrsminister/-innen der Länder am Montag beschlossen. Das ist bitter, zumal es keine Verbesserung im Angebot des Abos geben soll. Wie konnte es eigentlich so weit kommen? Die Finanzierung des Tickets steht auf wackligen Beinen. Daher beraten wir nun im Bundestag einen Gesetzentwurf, um übriggebliebene Mittel aus 2023 zu nutzen, damit der Ticketpreis zumindest noch in diesem Jahr bei 49 Euro stabilisiert werden kann. Gäbe es Alternativen zur Preiserhöhung im nächsten Jahr? Ja.

Alternative eins. Der Bund und die Länder könnten sich bereit erklären, mögliche Zusatzkosten im kommenden Jahr zu übernehmen. Das haben aber leider die Ministerpräsidenten auf ihrer MPK im November letzten Jahres noch ausgeschlossen. Sie haben festgelegt: Es bleibt bei Zuschüssen zum Deutschlandticket in Höhe von jeweils 1,5 Milliarden Euro durch Bund und Länder; mehr soll es nicht geben. Hier wären also die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder gefordert, zu signalisieren, ob sie das immer noch so sehen.

Alternative zwei: klimaschädliche Subventionen abschaffen und das Deutschlandticket gut ausfinanzieren.

Obwohl die Klimakrise eskaliert, steckt Deutschland weiterhin Milliarden in die Subvention fossiler Energieträger. Sie alle haben sicherlich die Hochwasserlage in unseren Nachbarländern Polen, Tschechien und Österreich verfolgt. Genau jetzt wäre doch eigentlich die Zeit, umzusteuern und unsere Steuerpolitik ökologischer auszurichten. Beim Dienstwagenprivileg, also einer Steuervergünstigung dafür, Firmenautos anzuschaffen, versenken wir jährlich 6 Milliarden Euro, bei der Subvention von Kerosin 8,3 Milliarden Euro, bei der Subvention von Diesel 8,2 Milliarden Euro. Das Dieselprivileg abzuschaffen, würde den Liter Diesel 18 Cent teurer machen.

Ja, alles teurer machen!

Wäre es wirklich so falsch, ein paar Hundert Millionen Euro hiervon abzuschichten, um das Deutschlandticket vor einem fast 20-prozentigen Preissprung zu bewahren?

Alternative drei: mehr Abos verkaufen. Gäbe es mehr Abonnentinnen und Abonnenten für das Deutschlandticket, bräuchte es keine Preiserhöhung.

Zwangsabo am besten!

Leider wurde bisher wenig dafür getan, das Deutschlandticket attraktiver zu machen. Wir haben bereits vor über einem Jahr in einem Entschließungsantrag beschlossen, wonach beim Deutschlandticket ein Mitnahmerecht für Kinder verwirklicht werden sollte.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Mathias Stein [SPD]

Machen Sie mal die Bahn attraktiv!

Ebenso wäre denkbar, ein Mitnahmerecht für eine Begleitperson oder ein Fahrrad außerhalb der Stoßzeiten einzuführen. All das fehlt bisher und macht das Abo für manche Menschen unattraktiv.

Die größte Baustelle: Beim Jobticket müssen unbedingt mehr Unternehmen einsteigen. Je mehr Unternehmen einsteigen, desto solider steht das Deutschlandticket. Davon würden Arbeitnehmende und Auszubildende profitieren, indem sie ihren täglichen Weg zur Arbeit stressfrei und kostengünstiger gestalten könnten. Größtes Hindernis dafür ist, dass es immer noch keine Klarheit darüber gibt, ob das Deutschlandticket auch nach 2025 weiterläuft. Die Bund-Länder-Vereinbarung läuft Ende nächsten Jahres aus.

Nun zu einer guten Neuigkeit von der Verkehrsminister/-innenkonferenz vom Montag: Die Bundesländer fordern die dauerhafte Fortführung des Tickets. Diesen Impuls müssen wir im Bund nun endlich aufgreifen und Klarheit schaffen. Vielleicht klappt es dann auch damit, mehr Unternehmen für Jobtickets zu gewinnen. Dann könnten größere Preissprünge vermieden werden.

Wir werden uns dafür einsetzen, dass das Deutschlandticket dauerhaft fortgeführt wird. Ich freue mich auf die Debatten zum vorliegenden Gesetzentwurf.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Beifallbei der AfD
Porträt von Wolfgang Wiehle
Foto: Wolfgang Wiehle
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Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Manche Gesetze beweisen, dass eine Regierung längst nach der Devise „Nach uns die Sintflut!“ lebt. Das Zehnte Gesetz zur Änderung des Regionalisierungsgesetzes ist ein Beispiel dafür. Im gleichen Atemzug ändert die Ampel die Finanzierung des Deutschlandtickets und nimmt den Ländern wieder Geld weg. 350 Millionen Euro für den Regionalverkehr müssen die Länder nächstes Jahr vorstrecken, weil der Bund das Geld nicht herausrücken will. Überall im Haushalt machen Sie solche Tricks, weil Sie beim Bürgergeld und bei der Migration nicht sparen wollen.

Beifallbei der AfD

Im übernächsten Jahr bekommen die Länder die 350 Millionen Euro dann doch. Das Geld kommt dann aber vom nächsten Bundesfinanzminister. Der muss sich das Geld aus den Rippen schneiden. Und heute regiert die Ampel nach dem Prinzip „Nach uns die Sintflut!“.

Beifallbei der AfD

Das Deutschlandticket soll künftig 58 Euro kosten; wir haben es gerade schon gehört. Auch dieser Preis ist ein großes Geschenk an die Bewohner der großen Städte und an die Glücklichen auf dem Lande, die einen Bahnanschluss in ihrer Nähe haben. 3 Milliarden Euro im Jahr kostet dieses Geschenk.

Das ist kein Geschenk!

Und Millionen Menschen ohne Bahnanschluss zahlen es mit ihren Steuern mit.

Ja! Wie bei Autobahnen!

Diese 3 Milliarden Euro fehlen aber für neue und reparierte Bahnstrecken. Sie fehlen auch für neue Buslinien. Manche Städte und Länder kürzen sogar bei Bahnen und Bussen, weil das Geld ausgeht. Das Ganze ist eine Fehlkonstruktion.

Beifallbei der AfD

Wenn die AfD mitbestimmt, bekommt das Deutschlandticket einen ehrlichen Preis, der seinem Wert entspricht. Ein deutschlandweit gültiger einheitlicher Tarif ist wirklich ein gutes Angebot. Für Schüler, Studenten, Rentner und andere, die sehr wenig Geld haben, gibt es dann einen Sozialtarif. Jeder, der es braucht, wird sich das Deutschlandticket leisten können. Dann ist mehr Geld übrig für eine bessere Bahn und neue Strecken. Die Fahrpläne werden nicht mehr ausgedünnt, sondern die Städte und Landkreise können sich auch mal eine neue Buslinie leisten.

Beifallbei der AfD

Die Haltung „Nach uns die Sintflut!“ überwinden wir. Wer ehrlich rechnet, braucht keine Tricks. Dann muss kein Bundesland mehr Geld vorstrecken.

Ich glaube, Sie sind da was Großem auf der Spur!

Statt auf Dauer unbezahlbare Geschenke bieten wir gute Leistung, die ihr Geld wert ist. Das, meine Damen und Herren, dürfen die Bürger von einer AfD-Regierung erwarten.

Beifallbei der AfD

Demnächst in diesem Haus!