Zum Inhalt springen

175. Sitzung der 20. Wahlperiode

Donnerstag, 13. Juni 2024 · Berlin

199 Reden in dieser Sitzung

199Reden83.705Wörter
1.614Vermerke
3 namentliche Abstimmungen in dieser SitzungAnzeigen

„Angenommen“ oder „Abgelehnt“ leitet OpenPlenum aus den Ja- und Nein-Stimmen ab. Bei Abstimmungen, die eine qualifizierte Mehrheit verlangen, kann die amtliche Feststellung des Bundestages abweichen.

Verlauf der SitzungBreite = Reden · Farbton = Reaktionswert
10 Vermerkeca. 921 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als ich BAföG bekommen habe, da hätte ich mir eine Studienstarthilfe gewünscht. Die gab es da noch nicht, und ich habe erst mal ein halbes Jahr gearbeitet, bevor ich mir Studienliteratur gekauft habe. Als ich BAföG bekommen habe, da hätte ich mir gewünscht, dass das Einkommen minderjähriger Geschwister nicht berücksichtigt wird. Bei meiner damals 11-jährigen Schwester war das noch leicht. Aber mein 16-jähriger Bruder hatte beim Zeitungaustragen ein paar Euro verdient, und wir mussten zusammen in seinem Kinderzimmer nach den Nachweisen suchen. Als ich BAföG bekommen habe, da hätte ich mir ein Flexisemester gewünscht; denn dann hätte ich mir während meiner Abschlussprüfung keine Sorgen darüber machen müssen, wovon ich meine Miete bezahle. Mit der heute vorliegenden 29. BAföG-Novelle setzen wir diese Dinge um, und ich freue mich, dass zukünftige Generationen Studierender andere, bessere Bedingungen für ihre Ausbildung vorfinden werden.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Meine Damen und Herren, es erfüllt mich mit einer gewissen Demut und mit großer Dankbarkeit, dass ich heute als Bundestagsabgeordnete die Möglichkeit habe, Dinge zu ändern, die mich selbst in der Vergangenheit betroffen und geärgert haben. Und das will ich auch jungen Menschen sagen – es sitzen ja ein paar hier auf den Tribünen –, die vielleicht in der gleichen Situation sind, die in der Schule, in der Ausbildung, im Studium mit Dingen unzufrieden sind: Man muss nicht akzeptieren, was einen stört, sondern man kann es ändern. Das ist ein großer Vorteil unserer Demokratie. Ich bin damals Mitglied der Jungen Liberalen geworden. Wenn ihr nicht wollt, dass andere über eure Zukunft entscheiden, dann könnt ihr selbst aktiv werden.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Damen und Herren, wir beschließen heute die dritte BAföG-Reform in dieser Legislaturperiode. Ich will deshalb die Gelegenheit nutzen, noch einmal einen Blick darauf zu werfen, was wir alles auf den Weg gebracht haben. Die Altersgrenze haben wir auf 45 Jahre angehoben, um auch Menschen mit Zickzackbiografien und Spätanläufen eine zweite Chance für einen erfolgreichen Studienabschluss zu geben. Wir haben die Antragstellung komplett digitalisiert, einen neuen BAföG-Rechner etabliert und die Voraussetzungen für die hoffentlich zügige Einführung der E-Akte in den Ländern geschaffen. Mithilfe des Nothilfemechanismus schützen wir den studentischen Arbeitsmarkt vor Erschütterung, und mit dieser Novelle werden wir die Freibeträge, also die Grenzen für das Elterneinkommen, um insgesamt 27 Prozent angehoben haben. Das war uns ein zentrales Anliegen im Koalitionsvertrag, und wir wollten damit das BAföG für mehr junge Menschen öffnen. Das ist eine große Unterstützung für sie, aber auch für ihre Eltern.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Denn wenn klar ist, die Kinder wollen studieren, sie haben das Zeug dazu, dann tun die meisten Eltern doch alles dafür, um das zu ermöglichen.

Aber das ist für Familien mit kleinen Einkommen eine große, manchmal eine zu große Herausforderung. Deswegen haben wir dabei die jungen Menschen im Blick, aber auch die Eltern, die wir dabei unterstützen, ihre Kinder bestmöglich zu unterstützen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Bedarfssätze erhöhen wir um insgesamt rund 11 Prozent, die Wohnkostenzuschüsse um insgesamt 17 Prozent, um den gestiegenen Lebenshaltungskosten gerade in den Studienstädten gerecht zu werden. Und vor dem Hintergrund der gestiegenen Energiepreise infolge des russischen Angriffskrieges haben wir zweimal die BAföG-Empfängerinnen und -Empfänger mit insgesamt 575 Euro entlastet. Von den strukturellen Verbesserungen habe ich am Anfang schon gesprochen, nämlich der Studienstarthilfe für die Anfangsinvestitionen wie Laptop oder Studienliteratur. Wir erleichtern den Studienfachrichtungswechsel, führen das Flexisemester ein und schaffen die Anrechnung des Einkommens minderjähriger Geschwister ab. Wir haben während dieser Legislatur Milliarden in die Hand genommen, um jungen Menschen exzellente Bildungschancen zu ermöglichen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Natürlich wird die Opposition dennoch gleich sagen: Es ist zu wenig, es ist zu spät, es ist zu klein. – Das ist das übliche und bekannte Lied der Opposition. Aber Sie stochern im Trüben. Und das hat man auch in der Anhörung im Ausschuss gesehen, wo sich nicht nur ich, sondern wohl auch die Sachverständigen vom Paritätischen Wohlfahrtsverband und dem „freien zusammenschluss von student*innenschaften“ ein bisschen gewundert haben, dass ausgerechnet die Union sie eingeladen hat. Ich finde das ja ehrbar und richtig, dass Sie die Studierenden anhören. Aber ich habe mich gefragt, ob Sie gar keinen Kontakt zum RCDS haben oder ob die differenzierte Position der christdemokratischen Studierenden vielleicht einfach nicht in Ihre Angriffslinie gepasst hat.

Meine Damen und Herren, ich finde, wir haben insbesondere mit der Ausweitung des BAföGs auf mehr Studierende sowie mit den bleibenden strukturellen Reformen viel geschafft. Und sicher: Es bleibt auch in Zukunft die Aufgabe der Politik und auch zukünftiger Regierungen, das BAföG weiterzuentwickeln und für zukünftige Generationen junger Menschen anzupassen. Aus Sicht der Freien Demokraten sind insbesondere eine wissenschaftliche Evaluation, eine stärkere Zielgerichtetheit des BAföGs und auch die Elternunabhängigkeit weitere wichtige Anliegen. Daran werden wir auch in Zukunft arbeiten.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir dürfen gleichzeitig nicht vergessen, dass es nicht nur das Studium gibt. Auch die berufliche Ausbildung ist ein ebenso guter, manchmal sogar besserer Weg in einen Job, der in Zukunft auch gebraucht wird. Als Liberale ist uns das Bürgerrecht auf Bildung ein Kernanliegen; denn es ist die Voraussetzung für Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Mit dem Startchancen-Programm, das im kommenden Schuljahr beginnt, mit der bereits angelaufenen Exzellenzinitiative Berufliche Bildung und mit drei BAföG-Reformen haben wir wesentliche Beiträge dazu geleistet, dass das Bürgerrecht Bildung allen Menschen in unserem Land – unabhängig vom Elternhaus – zuteilwird und für immer mehr Menschen das Aufstiegsversprechen eingelöst wird.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zuletzt möchte ich noch meinen beiden Berichterstatterkolleginnen Lina Seitzl und Laura Kraft danken. Wir haben intensiv beraten, manchmal lange und manchmal auch schwierig. Aber wir sind zu einem guten Ergebnis gekommen. Dafür ganz herzlichen Dank!

Ich freue mich über Ihre Zustimmung zum Gesetz.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Katrin Staffler
Foto: Katrin Staffler/ Julia Rieck
14 Vermerkeca. 801 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir hätten uns eigentlich gefreut, heute mal zu hören, was die Ministerin zu dieser BAföG-Reform sagt. Sie verweigert sich aber leider erneut der Debatte hier, was schade ist.

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Oh!

Das wäre mal ganz spannend gewesen.

Anscheinend doch kein Interesse an dem Thema!

Die Novelle ist ja durchaus ziemlich lang und zu Recht auch vollmundig ambitioniert angekündigt worden. Im Koalitionsvertrag hat man lesen können, dass Sie mit „einem grundlegend reformierten BAföG“ einen „Grundstein für ein Jahrzehnt der Bildungschancen“ legen wollen. Bei dem Ergebnis, das uns heute auf dem Tisch liegt, ist es dann vielleicht aber auch verständlich, dass die Ministerin lieber darauf verzichtet, darüber zu sprechen.

Mann, Mann, Mann!

Denn das Fazit nach fast einem halben Jahr der Beratungen und der finalen Beschlussvorlage, die wir heute auf dem Tisch haben, ist leider, dass genau das, was Sie so groß angekündigt haben, mit dieser Novelle einfach nicht geschieht.

Beifallbei der CDU/CSU

Seit dem ersten Referentenentwurf steht die Novelle auf allen Seiten massiv, scharf in der Kritik. Von Anfang an haben Sie die hohen Erwartungen, die Sie selber geschürt haben, einfach nicht erfüllen können. Mittlerweile haben Sie sich nach monatelangem Streit innerhalb der Koalitionsfraktionen zwar zusammengerauft; aber den großen Wurf beraten wir heute irgendwie nicht.

Sie haben nicht mal einen Änderungsantrag geschafft!

Das, was Sie uns vorlegen, ist keine ernsthafte strukturelle BAföG-Reform, sondern das sind primär marginale Nachbesserungen. Auf den Weg gebracht wurde das alles nach einer Sachverständigenanhörung; Sie haben gerade davon gesprochen, Kollegin Schröder. In der letzten Woche hat parallel dazu im Kabinett eine Abstimmung zu dem stattgefunden, was man an Änderungen auf den Weg bringen will. Dass das Ganze parallel stattfand, ist für sich genommen schon mehr als fragwürdig.

Sie sollten sich auch mal Gedanken darüber machen, warum wir Sachverständige benennen, wie wir sie benennen. Wir benennen sie, weil wir es für richtig halten. Wir hatten keinen Vertreter des RCDS benannt, wie Sie sich es vielleicht gewünscht haben. Ich weiß nicht, warum Sie sich das gewünscht haben; denn der hätte auch nichts anderes gesagt. Sie sollten sich aber bitte mal bewusst machen, dass diese parallele Abstimmung schon ein Stück weit von geringem Respekt gegenüber dem parlamentarischen Beratungsverfahren zeugt und ehrlicherweise auch gegenüber der Sachkompetenz der Experten, die in der Sachverständigenanhörung geladen waren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Eins zeigt das Vorgehen natürlich schon, nämlich wie eilig Sie es gehabt haben, dieses Gesetzesvorhaben doch noch vor der Sommerpause durchs Parlament zu peitschen, ganz im Sinne von: Egal was drinsteht, Hauptsache die Änderungen treten noch wie versprochen zum Wintersemester in Kraft.

Ist auch wichtig!

Ich muss mich schon fragen, ob Sie sich eigentlich mal die Frage gestellt haben oder einen Moment darüber nachgedacht haben, was das jetzt für die BAföG-Ämter heißt. Also, die kriegen jetzt im Juli den Beschluss des Bundesrats vor die Füße gekippt und müssen schauen, wie sie das unter dem hohen Druck und mit dem ohnehin wenigen Personal, das sie zur Verfügung haben, irgendwie noch umsetzen, obwohl sie überhaupt keine Zeit mehr dafür haben.

Gedacht hat bei Ihnen aus der sogenannten Fortschrittskoalition offensichtlich auch niemand daran, dass man endlich mal die Bürokratie im BAföG-Beantragungsverfahren abbauen könnte.

Wir können ja bei den CSU-BAföG-Ämtern anfangen!

Stattdessen packen Sie jetzt noch eine Schippe drauf, nämlich die Studienstarthilfe, die zukünftig ein eigenes Antragsverfahren haben wird. Statt diese zusätzliche Unterstützungsleistung einfach in den Beantragungsprozess des BAföGs zu integrieren und einzugliedern, kommt jetzt noch zusätzlich ein zweites Verfahren obendrauf. Dabei dürften ja wohl – ich glaube, da sind wir uns einig – ohnehin alle Studierenden, die einen Anspruch auf die Studienstarthilfe haben, auch den Anspruch auf Förderung durchs BAföG haben. Also warum sollte man die beiden Anträge trennen?

Dazu muss man wissen, dass natürlich auch der Aufbau dieser zweiten neuen Plattform – sie wird digital sein – Ressourcen bindet. Die Digitalisierung des eigentlichen BAföG-Antragsverfahrens wird sich dadurch um weitere Monate verzögern,

Unglaublich!

sehr zum Schaden der Studierenden, die ohnehin schon viel zu lange darauf warten.

Beifallbei der CDU/CSU

Schade, dass Sie in Sachen Digitalisierung offensichtlich so visionslos unterwegs sind.

Das BAföG braucht die angekündigte Strukturreform. Es braucht sie wirklich, damit es weiterhin als Instrument der Chancengerechtigkeit im Bildungssystem wahrgenommen werden kann. Die Weichen dafür haben wir als GroKo in der letzten Legislaturperiode gestellt, und zwar gerade mit der Digitalisierung der Beantragung. Diesen Weg hätte man jetzt weitergehen müssen. Aber aufgrund Ihrer Weigerung oder Ihres Unvermögens – man weiß es nicht –, sich innerhalb der Koalition auf die wirklich wichtigen Kernpunkte zu einigen, verschlafen Sie es, das BAföG basierend auf dem, was wir angefangen haben, jetzt weiterzuentwickeln und zukunftsfest zu machen. Das ist eine Bankrotterklärung für die Fortschrittskoalition.

Beifallbei der CDU/CSU

Wie es besser gegangen wäre, haben wir in unserem Änderungsantrag deutlich gemacht.

Welchen Änderungsantrag? Das war ein Entschließungsantrag!

Darin zeigen wir, wie eine umfassende Reform des BAföGs an der Stelle hätte aussehen können und ehrlicherweise auch hätte aussehen müssen. Es ist bedauerlich, dass Sie offensichtlich weder die Kraft noch den Ehrgeiz dazu gehabt haben, die notwendigen Reformen einfach mal anzugehen.

Am Ende bleibt: Qualität schlägt Quantität. Die Qualität dieses Gesetzentwurfs reicht einfach nicht aus. Deswegen lehnen wir ihn ab.

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Saskia Esken
Foto: SPD-Parteivorstand / Susie Knoll
15 Vermerkeca. 768 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Guten Morgen, Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich freue mich sehr, dass so viele junge Leute heute auf den Tribünen sitzen; denn um sie geht es ja.

Vor zehn Jahren habe ich hier in diesem Haus meine allererste Rede gehalten. Sie war zum Bundesausbildungsförderungsgesetz, zum BAföG. Als Vizepräsidentin hatte mit Edelgard Bulmahn eine profilierte Bildungspolitikerin damals den Vorsitz über die Sitzung. Das hat mich bei aller Nervosität mit Stolz erfüllt; denn das BAföG ist ja eine durch und durch sozialdemokratische Idee.

Beifallbei der SPD

Wir haben es vor 50 Jahren erfunden und unter Willy Brandt umgesetzt.

– Ist das jetzt der neue Stil bei der CDU, das Dazwischenbrüllen? Ich dachte, das ist Rolle der Fraktion rechts von Ihnen.

Von Stil verstehen Sie ja was! Reden Sie weiter!

Wir waren und wir sind überzeugt, dass alle jungen Menschen ihre Bildungs- und Ausbildungswege frei und unabhängig wählen und gehen können. Dabei ging und geht es uns bei Weitem nicht darum, dass alle jungen Menschen Abitur machen und studieren müssen, sondern um Bildungsgerechtigkeit und um Selbstbestimmung. Das Signal an die jungen Menschen war damals und ist auch heute: Dein Leben gehört dir. – Die junge Generation hat was daraus gemacht.

Doch ganz ehrlich: An diese Erfolge konnten wir zuletzt nicht mehr anknüpfen. Denn ein Viertel der Kinder lernt in der Grundschule nicht genügend gut lesen, schreiben, rechnen. 50 000 Schülerinnen und Schüler verlassen die Schule jedes Jahr ohne Abschluss. 2,5 Millionen junge Menschen sind ohne Ausbildung.

Ich finde, über die existenziellen Sorgen dieser jungen Generation dürfen wir uns nicht wundern. Dabei trägt ja vieles zu ihrer Verunsicherung bei.

Die Regierung!

Da sieht sich eine Generation, die in einer zumeist sorglosen Kindheit aufgewachsen ist, im Erwachsenwerden einer Vielzahl bedrohlicher Krisen gegenüber.

Ja! Die Ampelkrise!

Der Krieg ist zurück in Europa und damit die Angst. Schülerinnen und Schüler, die mich, die uns nach der Wehrpflicht fragen, treibt die ernsthafte Sorge um, ob sie selbst Teil eines Krieges werden könnten. Deshalb ist es so wichtig, dass unser Bundeskanzler dafür sorgt, dass unsere Unterstützung der Ukraine nicht – unter gar keinen Umständen – dazu führt, dass Deutschland oder die NATO Kriegsbeteiligte werden.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Auch die Coronapandemie hat für junge Menschen eine über Monate andauernde, bei vielen noch fortdauernde Einsamkeit erzeugt.

Die Maßnahmen! Nicht Corona!

Das hat tiefe, tiefe Narben hinterlassen. Diese jungen Menschen brauchen Räume für sorglose Begegnungen und offene Austausche, wie zum Beispiel im Rahmen des Aufholpakets; dieses lief leider zu kurz.

Sie brauchen Bildung, um ihre Welt zu verstehen. Sie brauchen Chancen, diese Welt aktiv mitzugestalten und ihren Lebensweg selbstbestimmt gehen zu können. Denn ihre Mitwirkung wird ja gebraucht in unserer Volkswirtschaft, in unserer Gesellschaft, in unserer Demokratie.

Deshalb hat diese Regierung von Anfang an den Plan verfolgt und auch umgesetzt, die Bildungschancen zu verbessern. Mit dem Startchancen-Programm unterstützen wir ganz gezielt Schulen mit einem hohen Anteil benachteiligter Schülerinnen und Schüler. Mit der Ausbildungsgarantie sorgen wir dafür, dass junge Menschen, die keinen Ausbildungsbetrieb finden, eine außerbetriebliche Ausbildung erhalten können. Und wir setzen alles daran, dass das BAföG wieder mehr junge Menschen erreicht, deren Eltern sie finanziell nicht ausreichend unterstützen können, schon gar nicht bei den derzeitigen Lebenshaltungskosten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die horrenden Mieten, die hohen Kosten für Heizung, Strom und Mobilität, das macht jungen Menschen und eben auch ihren Eltern große Sorgen, weil es jeden Monat ihr Budget zu sprengen droht.

Sie sind doch die Ursache!

Deshalb sorgen wir beim BAföG mit höheren Sätzen und Wohnkostenpauschalen dafür, dass diese Sorge etwas kleiner wird.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Bauministerin Klara Geywitz flankiert das mit ihrem Förderprogramm „Junges Wohnen“, das die Schaffung bezahlbarer Wohnheimplätze für Studierende und Auszubildende ermöglicht. Wir fördern mit dem Semesterticket bezahlbare Mobilität für Studierende, und wir erwarten schon, dass die Länder auch beim Azubi-Ticket flächendeckend nachziehen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Denn nur wer bezahlbar wohnen, leben und mobil sein kann, kann mit Ausbildung und Studium unbeschwert in ein eigenständiges Leben starten und sich auf eine gute Zukunft konzentrieren. Das ist so wichtig, weil die junge Generation trotz bester Arbeitsmarktchancen, die sie ja hat, ihre Zukunft leider nicht sehr positiv sieht. Uns, die Politik, empfindet sie als sehr entfernt von ihren Sorgen.

Junge Menschen wollen gesehen und verstanden werden. Sie wollen mitreden, sie wollen mitgestalten. Wir als SPD nehmen das sehr ernst. Ich finde, das sieht man in unserer Fraktion im Bundestag ebenso wie im Europäischen Parlament.

Vor allem an den Wahlergebnissen bei der Europawahl!

Denn in beiden Parlamenten stellen wir mit einem Viertel der Abgeordneten unter 35 die junge Generation ganz gut dar.

Beifallbei der SPD
Zurufvon der AfD: Die wählen AfD!

Junge Menschen erwarten zu Recht von uns, dass ihre Belange, ihre Sorgen, ihre Sehnsüchte in den Parlamenten und Parteien eine Rolle spielen. Mit dieser BAföG-Reform und mit vielen anderen Maßnahmen tragen wir dazu bei, dass junge Menschen ihr Leben wieder sorgenfreier leben und selbstbestimmter gestalten können. Wir wollen, dass sie fühlen: Dein Leben gehört dir.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Götz Frömming
Foto: Götz Frömming/ Olga Grenner
14 Vermerkeca. 1.035 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Kollegin Schröder, sehr geehrte Frau Esken, ja, es ist richtig: Das heute vorliegende Gesetz enthält einige Verbesserungen,

auch welche, die später noch dazugekommen sind. Das erkennen wir an, und deshalb werden wir uns nachher auch enthalten. Denn wenig ist besser als nichts. Warum? Die CDU/CSU will, glaube ich, ablehnen, Die Linke auch. Warum sie das tun, müssen sie dann den Studenten selbst erklären.

Aber, meine Damen und Herren, an dem heutigen Tag muss sich doch die Ampel an ihren eigenen Ansprüchen messen lassen. Da will ich mal daran erinnern, was Sie in der letzten Legislatur hier alles so gesagt und vorgetragen haben. Da haben Sie die Bildungsministerin, damals noch von der CDU, vor sich hergetrieben und haben gesagt, wir bräuchten endlich eine grundlegende Reform des BAföGs. Eine deutliche Erhöhung der Bedarfssätze haben Sie gefordert. Das BAföG sollte elternunabhängiger werden, es sollte maßgeschneidert sein, forderte der damalige Redner und heutige Parlamentarische Staatssekretär Jens Brandenburg. Sie haben einen Antrag vorgelegt: „Baukastensystem“ hieß das, glaube ich. Und so weiter und so fort. Die Grünen haben das massiv unterstützt, und die SPD hat, obwohl sie mit der CDU und der CSU in einer Koalition war, in das gleiche Horn gestoßen. Da müssen wir schon sagen: Angesichts dessen, was Sie hier alles versprochen haben, hätten Sie doch in den letzten drei Jahren Ihr Meisterstück abliefern müssen.

Was haben wir aber vor uns? Das ist nichts weiter als die Fortschreibung des Elends – um es wie einer der vielen Zeitungsschreiber zu sagen, die Ihr Gesetz in den Zeitungen kommentiert haben. Sie haben für die Novelle nicht viel Lob bekommen, und das ist auch richtig so, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Die Bildungsministerin behauptet seit Monaten, es sei kein Geld für die Erhöhung der BAföG-Sätze da. Deshalb sollte es in dem ursprünglichen Gesetzentwurf bei einer Nullrunde bleiben, und das trotz der gestiegenen Lebenshaltungskosten bei Mieten und natürlich auch bei Essen, Trinken usw. Erst unter dem Druck der Oppositionsparteien

Widerspruchbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

– ja, auch unter diesem Druck – und der Interessenvertreter und der Sachverständigen war die Ampel bereit, Nachbesserungen hier vorzunehmen. Sie haben dafür in Kauf genommen, die eigene Ministerin am Nasenring durch die Manege zu führen. Was für eine Blamage, was für eine Demütigung! Frau Ministerin, Sie müssten doch eigentlich zurücktreten.

Lachender Abg. Christine Aschenberg-Dugnus [FDP]

Ich verstehe nicht, wie man zu so einem bösen Spiel noch gute Miene machen kann.

Beifallbei der AfD

Kommen Sie mir bitte an der Stelle auch nicht mit dem vielzitierten Struck’schen Gesetz. Das, was hier stattgefunden hat, hat eine ganz andere Qualität als das, was der Kollege Struck mit seinem Bonmot meinte, dass kein Gesetz so aus dem Bundestag herausgeht, wie es hineingegangen ist.

Genau das hat er gemeint!

Auch die jetzt noch schnell hineingeschriebenen Erhöhungen, meine Damen und Herren, ergeben einen Betrag von 475 Euro, der immer noch deutlich unter der Grundsicherung liegt. Aber Studenten sind doch keine anderen Wesen. Sie müssen genauso essen und trinken und wohnen wie andere Menschen. Und: Sie haben das gleiche Recht auf Solidarität wie etwa Flüchtlinge aus der Ukraine oder Bürgergeldempfänger.

Beifallbei der AfD

Man kann, meine Damen und Herren, die betroffenen Studenten eigentlich nur zu einer Klage ermuntern. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass das Bundesverfassungsgericht Sie an die Einhaltung unserer Verfassung gemahnt; auch das haben wir in dieser Legislaturperiode schon öfter gemerkt. Dabei sollte, finden wir, die Einhaltung der Verfassung doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

Deshalb haben wir Ihnen nicht nur einen eigenen Antrag vorgelegt, den Sie natürlich in Bausch und Bogen abgelehnt haben, ohne sich näher damit zu beschäftigen; sondern wir haben Ihnen auch Änderungsanträge zu diesem Gesetz vorgelegt, mit denen das BAföG wirklich einen großen Sprung nach vorne gemacht hätte.

Darin fordern wir – um mal nur die Kernpunkte zu nennen – eine Anhebung der Bedarfssätze um 10 Prozent. Das wäre das Doppelte von dem, was Sie fordern, und würde die Inflation tatsächlich ausgleichen. Wir fordern des Weiteren eine automatische Anpassung, also eine Dynamisierung der Bedarfssätze und auch der Freibeträge an die Inflation. Damit würde das vermieden, was wir jetzt erlebt haben: eine immer wiederkehrende Hängepartie und ein viel zu spätes Reagieren der Politik. Und wir haben gefordert, dass die Regelstudienzeit der Realität angepasst wird. Sie haben dieses merkwürdige Flexisemester erfunden. Das führt in der Praxis wieder zu zusätzlicher Bürokratie. Wir hätten gesagt: Schauen Sie einfach auf die Realität! Plus zwei Semester, das wäre eine praktikable, vernünftige Lösung gewesen.

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, wir haben im Ausschuss noch ein Thema angesprochen – darüber zu sprechen, davor haben Sie sich regelrecht gedrückt –: Wir halten es für falsch, dass das BAföG, so wie Sie es vorhaben, auch für geduldete Ausländer und Asylbewerber geöffnet wird. Das hat nichts damit zu tun, dass wir an der Stelle etwas gegen diejenigen hätten, die wirklich asylbedürftig sind. Es geht hier darum, dass Sie mit dieser Änderung einen weiteren Magneten für die ohnehin schon aus dem Ruder gelaufene Zuwanderung in unsere Sozialsysteme schaffen.

Wir haben gerade darauf gewartet!

Das konterkariert alle Bemühungen, die Flüchtlingsströme und das Asylchaos wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen.

Beifallbei der AfD

Wir befürchten, dass viele – sicherlich nicht alle, aber eben doch zu viele – dieser Asylbewerber zwar gerne das BAföG nehmen werden, aber niemals ihr Studium beenden, geschweige denn die erhaltenen Kredite zurückzahlen werden.

Widerspruchder Abg. Saskia Esken [SPD]

Schon heute, meine Damen und Herren, bricht ja jeder dritte Student sein Studium ergebnislos ab. Dafür müssen schließlich andere bezahlen. Auch das müssen wir bedenken, wenn wir über Gerechtigkeit sprechen. Nichtakademiker, die vielleicht schon mit 16 Jahren früh aufstehen und zur Arbeit gehen, die unsere Heizungen reparieren, wenn sie kaputt sind, oder die uns morgens die Brötchen verkaufen, bezahlen mit ihren Steuern das Studium von Leuten, die später als Akademiker ein Vielfaches verdienen. Wir sind es diesen Menschen schuldig, darauf zu achten, dass Studenten auch wirklich Studierende sind und nicht erst Abhängende und später Abbrechende und am Ende vielleicht Politiker bei den Grünen.

Beifallbei der AfD

Er hat „Studierende“ gesagt! Er hat gegendert! Skandal!

Deshalb meinen wir: Das BAföG muss eine Sozialleistung bleiben. Wirklich Bedürftige sollen es kriegen, und zwar in angemessener Höhe. Sie wollen das BAföG zum Gradmesser unseres Bildungserfolges machen. Aber wenn Sie das BAföG mit der Gießkanne ausgießen, dann reicht es am Ende eben nur für ein paar Tropfen, und das ist genau das Falsche. Das ist weder sozialpolitisch richtig noch bildungspolitisch richtig.

Kommen Sie zur Vernunft! Eine 360-Grad-Wende bringt uns hier überhaupt nicht weiter, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD
13 Vermerkeca. 737 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Ministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Studierende und Auszubildende! Wo wären wir heute eigentlich ohne BAföG? Ich für meinen Teil wäre vielleicht gar nicht hier.

Das wäre wohl das Bessere!

Denn ich hätte wahrscheinlich nicht studieren können, und somit wären prägende Ankerkoordinaten meines Lebens ganz anders gesetzt. Ich hätte in Siegen-Wittgenstein nicht meine Wahlheimat gefunden, nicht meine Freude an der Wissenschaft entdeckt und wohl auch nicht meine Leidenschaft für die Politik. Ich hätte mich wahrscheinlich nicht getraut, eine berufliche Richtung einzuschlagen, allein weil sie meiner Neigung entspricht, oder sogar ein Auslandsjahr in Betracht zu ziehen. Ja, ich hätte in letzter Konsequenz wahrscheinlich nicht einmal meinen Ehemann kennengelernt; denn den habe ich auch an der Uni getroffen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufvon der CDU/CSU: Aha!

– Nicht dafür; das war mehr Zufall.

Warum konnten meine Eltern mich eigentlich ermutigen, zu studieren, und zwar alles, was ich will? Weil es BAföG gibt. So wie mein Großvater meinen Vater ermutigen konnte; denn schon seit 50 Jahren verändert BAföG Bildungsbiografien. Ich denke, es gibt viele solche Erfahrungen, auch hier im Parlament.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Ja, BAföG ist seit jeher das wichtigste Instrument für mehr Bildungsgerechtigkeit. Zum Abschluss verholfen hat mir aber ehrlicherweise nicht allein das BAföG, sondern vielmehr der beste Currywurstimbiss im Siegerland – danke, liebe Chefs! Denn zur Wahrheit gehört auch, dass das BAföG seit Jahren seinen Zenit in der Erfolgsgeschichte überschritten hat. Immer weniger junge Menschen bekommen überhaupt BAföG, und wenn, dann reicht es nicht zum Leben. Wenn wir Bildung für alle wollen, dann müssen wir es auch allen ermöglichen, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Diese Trendwende umzukehren, das haben wir uns in der Koalition vorgenommen. Dazu legen wir mit der 29. BAföG-Novelle nun die dritte Reform in nur einer Legislaturperiode vor – mit wesentlichen Verbesserungen.

Zurufder Abg. Gitta Connemann [CDU/CSU]

Wir etablieren mit der Studienstarthilfe erstmalig ein wichtiges Instrument, um jungen Leuten ein Studium zu ermöglichen, deren Familien besonders wenig Geld zur Verfügung haben. Wir bauen eine Brücke ins Studium.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Denn junge Menschen aus Bedarfsgemeinschaften können unkompliziert 1 000 Euro erhalten für die ersten Anschaffungen vor dem Studium. Das kann zum Beispiel der Umzug, eine Mietkaution oder auch einfach die Anschaffung eines Laptops sein. Das Konzept trägt eine grüne Handschrift nach dem Vorbild aus Schleswig-Holstein. Das freut mich an dieser Stelle besonders.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Jens Brandenburg [Rhein-Neckar] [FDP]

Als weitere strukturelle Verbesserung bzw. Neuerung sehen wir ein Flexisemester vor, mit dem wir auch endlich über die Regelstudienzeit hinaus BAföG-Bezug ermöglichen. Das BAföG muss sich endlich an die reale Studierendensituation anpassen; sonst bleiben Studierende weiterhin auf der Strecke. Deswegen ermöglichen wir auch einen späteren Fachrichtungswechsel; denn das Studium verläuft halt nicht immer so wie geplant.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wir Grüne haben uns noch einmal deutlich für erhebliche Verbesserungen des ersten Entwurfs der Novelle eingesetzt. Die finanzielle Notlage vieler Studierenden nehmen wir sehr ernst. Eine Nullrunde im BAföG, auch bei den Bedarfssätzen, war für uns untragbar. Und auch die im Entwurf vorgesehene Erhöhung der Darlehensobergrenze haben wir im parlamentarischen Verfahren gestrichen; denn Studierende brauchen in der Situation, in der sie jetzt sind, nicht mehr Schulden, sondern sie brauchen einen auskömmlichen Lebensunterhalt. Somit bringen wir das größte BAföG-Reformpaket auf den Weg, das es bisher gab.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wir haben eine Studienstarthilfe, ein Flexisemester, die Verlängerung bei Fachrichtungswechsel, eine Erhöhung der Freibeträge um insgesamt über 27 Prozent. Das bedeutet: Wir weiten die Gruppe derjenigen, die BAföG überhaupt erstmalig bekommen können, wesentlich aus. Wir haben den Grundbedarf um insgesamt 11 Prozent erhöht. Wir haben die Wohnpauschale erhöht. Wir haben den Kinderbetreuungszuschlag angehoben. Wir haben mehr Geschwisterunabhängigkeit und die Digitalisierung der Antragstellung erreicht. Wir haben eine Anpassung an die Minijobgrenze. Und wir haben mitten in der Krise zwei Heizkostenzuschüsse gezahlt und eine Einmalzahlung für die Studierenden geleistet; denn wir wollten die Studierenden nicht im Regen stehen lassen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Und wir haben parallel das Programm „Junges Wohnen“ auf den Weg gebracht, damit wir auch abseits vom BAföG etwas für Studierende angesichts des angespannten Wohnungsmarkts tun. Und wir haben ein bundesweites Semesterticket eingeführt.

Aber wie soll es jetzt weitergehen? Das BAföG darf jetzt nicht da stehen bleiben. Ich hätte mir gewünscht, dass es auch einen Anpassungsmechanismus gibt. Es wird die Aufgabe einer nächsten Koalition sein, da noch dran zu arbeiten. Denn BAföG muss sich immer mit bewegen; das haben wir im Laufe der letzten 50 Jahre gelernt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Nur dann kann BAföG zuverlässig Bildungsaufstieg ermöglichen.

Ich möchte mich bei allen Kolleginnen und Kollegen bedanken, die mitgewirkt haben. Und dass die Union dieser Reform, die jetzt so dringend notwendig ist, nicht zustimmt, das ist das eigentliche Armutszeugnis hier.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Jetzt freue ich mich auf eine bessere Rede!

Porträt von Gitta Connemann
Foto: Gitta Connemann / Sebastian Werl
18 Vermerkeca. 459 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Gäste auf der Tribüne! Wir alle kennen Blender. Sie sind Meister der Selbstinszenierung, sie versprechen das Blaue vom Himmel, sie erwecken Hoffnung – wie die Ampel.

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sie versprachen in Ihrem Koalitionsvertrag – ich zitiere –:

„Mit … einem grundlegend reformierten BAföG legen wir den Grundstein für ein Jahrzehnt der Bildungschancen.“

Mit diesem Versprechen haben Sie bei jungen Menschen den Eindruck erzeugt: Wir sind für euch da.

Zurufdes Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]

Das ging tatsächlich auch eine Zeit lang gut. In jeder Debatte hier in diesem Haus versprachen Sie das Blaue vom Himmel, hangelten sich von Reförmchen zu Reförmchen.

Ganz genauso war’s!

Welche Reformen haben denn die CDU-Bildungsministerinnen damals gemacht?

Inzwischen doktern Sie zum dritten Mal am Bundesausbildungsförderungsgesetz herum.

Stückwerk statt Strukturreform, Masse statt Klasse.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Holger Mann [SPD]

Davon lässt sich aber niemand mehr blenden.

Die Anhörung zu diesem Gesetz war ein Debakel für die Ampel.

Zurufdes Abg. Alexander Dobrindt [CDU/CSU]

Und auch die Studierenden realisieren inzwischen: Sie haben Ihr Versprechen gebrochen.

Beifallbei der CDU/CSU

Statt eines Jahrzehnts der Bildungschancen erleben diese den BAföG-Stau; denn Sie tun nichts gegen überfordernde Bürokratie und existenzgefährdende Wartezeiten.

Das müssen die Länder regeln! Das wissen Sie genau!

Es gibt nach wie vor kein komplett digitales BAföG-Verfahren, nur Stückwerk. Es gibt kein gemeinsames Vorgehen mit den Ländern, die es ja umsetzen müssen.

Zurufeder Abg. Laura Kraft [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Maria Klein-Schmeink [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Studienstarthilfe hilft nur wenigen, verlängert aber die Bearbeitungszeit für alle, so auch der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Studierendenwerkes.

Und wer im Ausland studiert, sollte von vornherein ein Sparbuch mitbringen – wie René. Er schrieb mir nach der letzten Debatte, er war für ein Semester in Paris – ohne BAföG; denn Antrag und Bearbeitung dauerten länger als das Semester. Sein Fazit: Nennt das Auslands-BAföG lieber ehrlich – ich zitiere –: „Aufwandsentschädigung nach dem Aufenthalt.“ Die Gründe schilderte er: Die Fristen gehen völlig an der Realität vorbei; das Verfahren ist chaotisch und intransparent. BAföG digital – ich zitiere – „kannste beim Auslands-BAföG knicken“.

Gleiche Bildungschancen? René hat das Gefühl, von der Politik schikaniert, ausgebremst und nicht ernst genommen zu werden.

Eijeijei!

Zurufvon der AfD

Damit steht er offenbar nicht allein. Viele junge Menschen, liebe Ampel, fühlen sich von Ihrer Politik geblendet. Schauen Sie sich das Wahlergebnis bei der Wahl am Sonntag an!

Zurufdes Abg. Bernhard Herrmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Bei den 16- bis 24-Jährigen ist die Ampel auf 27 Prozent abgestürzt – alle drei Parteien, vorneweg die Grünen mit 23 Prozentpunkten minus.

Die haben wir fast alleine!

Sie reagieren übrigens, wie man es von einem Blender erwartet:

Zurufdes Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Schuld sind die anderen – Tiktok, die Medien, die Große Koalition, mit der Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPD, natürlich rein gar nichts zu tun haben.

Dabei haben wir ab 2014 gemeinsam substanzielle Reformen auf den Weg gebracht; denn bildungspolitische Vorhaben der Koalition hatten für uns Vorfahrt und haben sie nach wie vor.

Das ist doch Witz in Tüten!

Na, so viel besser war das auch nicht damals!

Wir schlagen Änderungen vor – für Studenten wie René. Verankern Sie zum Beispiel das Auslands-BAföG auf Bundesebene bei einem zentralen Ansprechpartner, vollständig digitalisiert! All das wäre rechtlich möglich. „Kannnicht“ wohnt nämlich in der „Nichtwill“-Straße. Deshalb: Weniger blenden, mehr machen! Stimmen Sie unseren Anträgen zu!

Beifallbei der CDU/CSU
7 Vermerkeca. 543 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Frau Ministerin! Frau Connemann, ich finde es so schade, dass Ihr Pessimismus,

Welcher Pessimismus?

obwohl wir ja insbesondere in den Ländern eine gemeinsame Verantwortung für den Bildungsstandort haben, am Ende ein bisschen eine Gefahr für den Bildungsaufstieg und die Chancengerechtigkeit der Menschen in Deutschland ist.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und ich finde es wirklich schade, dass Sie Ihre Redezeit in diesem Pessimismus ertränken.

Sie sind doch die echte Gefahr für die Zukunftschancen der nächsten Generationen!

Zurufder Abg. Gitta Connemann [CDU/CSU]

Aber zurück zum Thema. Wir wollen heute eine gute Sache beschließen. Bildung und Ausbildung bleiben, ganz besonders im Zeitalter der künstlichen Intelligenz, eigentlich der Garant dafür, dass Menschen ihren persönlichen Weg und ihren gesellschaftlichen Fortschritt gestalten können. Damit Bildungschancen unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, unabhängig von der Herkunft der Eltern und der eigenen Herkunft ergriffen werden können, gibt es schon seit 1971 das Bundesausbildungsförderungsgesetz; wir kennen es viel besser unter dem Titel „BAföG“.

Der Bildungsstandort Deutschland unterscheidet sich relativ deutlich von unseren europäischen, internationalen und transatlantischen Freunden. Wir verfügen über eine hervorragende – sie ist nicht perfekt, aber hervorragend – Bildungslandschaft mit öffentlichen und privaten Einrichtungen und eine staatliche Studienförderung, die Aufstieg durch Bildung nicht nur verspricht, sondern jedem Einzelnen ermöglicht.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Seit dem Honnefer Modell – das war der Vorgänger des BAföG – wurde unsere Ausbildungsförderung stets den Realitäten und Notwendigkeiten der Gegenwart angepasst. Aus den einst vereinbarten Förderrichtlinien des Bundes und der Länder wurde ein Rechtsanspruch für Studierende, für Schülerinnen und Schüler.

Heute beraten wir über das 29. BAföG-Änderungsgesetz und wollen es final beschließen. Es waren – das hat Ria Schröder schon angesprochen – intensive Verhandlungen für die drei Berichterstatterinnen, die das ganz wunderbar gemacht haben. Wir Freie Demokraten haben besonders auf strukturelle und finanzielle Verbesserungen gepocht.

Ich würde gerne eine Reihe davon hier einmal nennen – es ging uns dabei nicht nur um reine Mittelerhöhungen –: Wir werden die Studienstarthilfe einführen. Wir setzen auf ein rein digitales Antragsverfahren. Die Bedarfssätze steigen um 5 Prozent. Der Wohnkostenzuschlag steigt auf 380 Euro. Die Freibeträge für Eltern sowie Ehe- oder Lebenspartner steigen um 5,25 Prozent. Damit sind mehr junge Menschen in diesem Land BAföG-berechtigt – auch etwas, das man immer wieder betonen muss. Studierende können zukünftig bis zu 556 Euro monatlich ohne Auswirkungen auf ihre Förderungen dazuverdienen. Das Flexisemester wurde schon angesprochen. Der Fachwechsel bis zum fünften Semester wurde auch schon erwähnt. Auch für Schülerinnen und Schüler steigt das BAföG. Und es bleibt dabei, dass maximal 10 010 Euro zurückgezahlt werden müssen.

Diese spürbaren Veränderungen beim BAföG macht diese Koalition möglich, die von der Union gerne – auch hier ist es ja schon passiert – für alles gescholten wird, was die Studierenden dieser Republik unter Schavan, Wanka, Karliczek natürlich nie erleben durften. Oder, wie es die Unionsfraktion selbst – und das ist bezeichnend – in ihrem Antrag schreibt – ich zitiere –: „Bafög ist eine Sozialleistung und soll es auch bleiben.“ Meine Kolleginnen und Kollegen, dieses Verständnis von Ausbildungsförderung lehnen wir entschlossen ab. Es spricht deswegen auch für unsere BAföG-Reform. Wer so über Bildungschancen spricht, der verkennt absolut, wie die Lage ist und wie wir sie anpacken müssen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir werden uns deshalb – ich komme zum Schluss, Frau Präsidentin – auch perspektivisch darum kümmern, dass bei den Studierenden nicht gespart wird; das haben wir auch in Zeiten sehr angespannter Haushaltslage gut getan. Wir freuen uns jetzt sehr auf den weiteren Prozess und die abschließende Beratung heute im Parlament.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Daniela Ludwig
Foto: Daniela Ludwig/ Anne Hufnagl
12 Vermerkeca. 545 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wow, jetzt sind wir wirklich geblendet, aber ganz stark:

Zurufvon der CDU/CSU: Der große Wurf!
Zurufder Abg. Laura Kraft [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Der große Wurf, die Superreform, es ist der Fortschritt für die Studierenden. – Jetzt stelle ich mir als einfache Parlamentarierin

Zurufvon der SPD: … die Frage, was Sie gemacht haben?

die Frage: Wenn dem so ist, warum spricht dann eigentlich die federführende Ministerin nicht in dieser Debatte? Warum tut sie es nicht?

Ich kann es Ihnen sagen: Nach der Peinlichkeit, monatelang rumzulaufen, um zu sagen, wir haben für die Studierenden nicht mehr Geld, und dann von der eigenen Fraktion eingefangen zu werden, hätte ich mich heute auch nicht hergetraut, ehrlich gesagt.

Schön, dass Sie trotzdem da sind. Aber es ist dem Parlament gegenüber weder angebracht noch respektvoll. Ich würde bei einer angeblich so großen Reform schon erwarten, dass die Ministerin hier selber spricht.

Dass es kein großer Wurf ist, können Sie nicht nur unseren Reden entnehmen, sondern natürlich auch der Pressemitteilung, die das Studierendenwerk heute Morgen um 8 Uhr herausgegeben hat. Da steht sinngemäß drin: Na ja, besser als nichts, schade, aber deutlich hinter den Erwartungen und vor allem deutlich hinter den Notwendigkeiten zurückgeblieben. – Warum ist das so? Die Kollegin Staffler hat es gerade noch mal in aller Deutlichkeit gesagt: Wir haben steigende Preise bei den Lebensmitteln und beim Lebensunterhalt, eine immer noch viel zu hohe Inflation und damit natürlich auch viel zu hohe Mieten. Alle leiden gleichermaßen darunter, auch die Studentinnen und Studenten in diesem Land.

Deswegen ist es eben nicht in Ordnung, dass man sie mit 5 Prozent Bedarfssatzerhöhung abfindet, während die Inflation bei 7 Prozent liegt.

Ich bin gespannt auf die Anträge der CDU/CSU in den Haushaltsberatungen!

Deswegen ist es eben nicht in Ordnung, dass man sie mit einer – Entschuldigung – minimalen Wohngelderhöhung abfindet, wenn die Mieten so rasant steigen, wie sie es jetzt gerade tun.

Sie wollen ja nicht einmal dem zustimmen, das Wohngeld insgesamt zu erhöhen!

Wissen Sie was? Das Problem ist doch eigentlich ganz klar. Wir brauchen diese jungen Leute mit Perspektive, Vision und Einsatzbereitschaft. Den Bürgergeldempfängern geben Sie 12 Prozent mehr, und das sind Ihnen die Studenten nicht wert. 12 Prozent müssten sie eigentlich kriegen, um wenigstens eine Gleichbehandlung an dieser Stelle zu erhalten.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufeder Abg. Laura Kraft [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Sönke Rix [SPD]

Und wissen Sie was? Die Studentinnen und Studenten in diesem Land spüren das auch. Sie sind bei dieser Reform als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet. Mehr kann man doch dazu nicht sagen.

Gleiches gilt übrigens auch für die Schülerinnen und Schüler. Denn was wir hier noch gar nicht erwähnt haben, ist doch die Tatsache, dass es auch sehr viele Schülerinnen und Schüler gibt, die BAföG erhalten und die Sie genauso schlecht behandeln wie diejenigen, die zu den Universitäten gehen. Das sind auch die Fachkräfte von morgen, um die es hier bei uns gehen muss.

Ich sage Ihnen: Deswegen stimmen wir aus gutem Grund heute dagegen, weil es einfach so weit nicht reicht. Und etwas Schlechtem werden wir immer die Zustimmung verweigern, immer.

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn wir dann hören, digitale Antragstellung sei großartig, Studienstarthilfe könne man auch digital beantragen, sage ich: Wissen Sie, auch das ist natürlich zu wenig. Was hilft es mir denn, wenn ich digital meinen Antrag stellen kann und der dann trotzdem ausgedruckt, per Post verschickt und in irgendeine Handakte reingesteckt wird? Was ist daran digital? Es wäre die Chance gewesen, jetzt den großen Wurf zu machen. Auch das bekommen Sie nicht hin.

Schlagen Sie doch mal was vor!

Sie sind als die Fortschritts- und Digitalisierungskoalition gestartet, als die Bildungskoalition sind Sie gestartet, und nichts davon ist übrig geblieben.

Beifallbei der CDU/CSU
14 Vermerkeca. 430 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen hier im Hause! Liebe Vorrednerin Frau Ludwig, wenn ich Ihnen und auch Ihren beiden Kolleginnen aus Ihrer Fraktion zuhöre, frage ich mich: Was haben Sie denn 16 Jahre lang tatsächlich dafür getan,

Zurufevon der CDU/CSU

dass wir bei der Bildungsgerechtigkeit vorankommen?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP
Lachenund Widerspruch bei der CDU/CSU

– Ich sehe schon, das trifft sehr.

Sie stellen sich hierhin und lehnen ein Gesetz ab, das wesentliche Verbesserungen für die Studierenden und für die Fachschüler/-innen bringt.

Zurufvon der CDU/CSU: Ein bisschen Demut, Frau Kollegin!

Sie haben nichts Besseres zu tun, als all diese Punkte an Verbesserungen, die die Rednerinnen aus unseren Fraktionen sehr deutlich dargestellt haben, abzulehnen. Das muss man sich erst mal leisten wollen. Ich kann das nicht verstehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ich bin eine derjenigen, die von dem Bundesausbildungsförderungsgesetz von vornherein profitieren durfte. Als Mädel vom Land hätte ich in den 70er-Jahren diesen Bildungsweg, den ich dann nehmen durfte, nicht nehmen können. Es wäre vorgezeichnet gewesen, wo ich gearbeitet hätte, wo ich gelebt hätte.

Genau! So ist es!

Genau bei dieser Bereicherung der Möglichkeiten, wie ich als junger Mensch überhaupt leben kann, spielt das BAföG eine enorm große Rolle.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Diese Ampel mag ja an vielen Stellen große Unterschiede haben. Aber sie ist sich einig darin, dass Bildungsgerechtigkeit auf allen Ebenen der Bildung ein ganz wichtiger Schlüssel ist: für die Einzelnen, aber auch für die gesellschaftliche Entwicklung.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Holger Mann [SPD]

Das müssen wir an dieser Stelle schon mal deutlich sagen: Wir gehen hier einen richtigen, einen wichtigen Schritt.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufevon der CDU/CSU

Wenn Sie sich die Förderquote angucken, Frau Connemann und Frau Ludwig, so stellen Sie fest, dass diese nach 16 Jahren CDU-geführter Regierungen bei 11 Prozent der Studierenden lag. 11 Prozent! Wir haben es in zwei Jahren geschafft, Richtung 13 Prozent zu kommen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Es hat nicht funktioniert! Meine Herren! Schauen Sie sich doch mal die Zahlen richtig an!

Wir sind nicht am Ende. Aber wir haben sehr, sehr weitgehende Schritte getan.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Es geht ja gerade darum, dass wir die Gruppe derjenigen, die überhaupt auf das BAföG zugreifen können, deutlich erweitert haben; und das wird sich auch in den nächsten Jahren ganz deutlich niederschlagen.

Genau darum geht es ja.

Gleichzeitig ist es so: Wir haben in drei Schritten – und das in einer wirtschaftlich ausgesprochen schwierigen Situation –

deutliche Verbesserungen gebracht. Wir haben dafür gesorgt, dass die Studierenden einigermaßen gut durch diese schwierige Zeit kommen konnten. Das haben wir in den drei Schritten sowohl hinsichtlich einer Anpassung dessen, was innerhalb der Regelsätze zur Verfügung gestellt wurde, als auch hinsichtlich der Einmalzahlungen deutlich ausgebaut und sind wenigstens annähernd dem gerecht geworden, was zu tun ist.

Wir wissen: Da gibt es noch mehr zu tun; Frau Kraft hat ja auch einige Beispiele genannt. Aber wir sind deutlich vorangekommen Richtung Bildungsgerechtigkeit, Richtung Möglichkeiten schaffen für junge Menschen; und genau darum geht es.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Carolin Wagner
Foto: Dr. Carolin Wagner/ Inga Haar
7 Vermerkeca. 580 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren!

„Der soziale Rechtsstaat, der soziale Unterschiede durch eine differenzierte Sozialordnung auszugleichen hat, ist … verpflichtet, durch Gewährung individueller Ausbildungsförderung auf eine berufliche Chancengleichheit … hinzuwirken.“

Diesen Satz hat die SPD-Bundesjugendministerin Käte Strobel 1971 in die Begründung eines neuen, revolutionären und zukunftsweisenden Gesetzes geschrieben, des BAföG.

Das BAföG, meine Damen und Herren, war und ist ein Meilenstein der deutschen Sozial- und Bildungspolitik und einer der großen Erfolge der Fortschrittskoalition unter Willy Brandt.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Käte Strobel hatte etwas, was für das Amt einer Bundesministerin nicht hinderlich ist: Ideen und Visionen. Sie wollte, was sie in der Bundestagsdebatte zur Einführung des BAföG gesagt hat: Bildungsschranken abbauen. Das ist ihr gelungen. In über 50 Jahren BAföG haben rund 40 Millionen junge Menschen eine BAföG-Förderung erhalten – 40 Millionen kluge Köpfe, die sonst nicht hätten studieren können, die dank des BAföG aber massiv zum Wohlstand unseres Landes beigetragen haben.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das Grundgesetz gibt uns vor, dass in Deutschland niemand benachteiligt werden darf. Der Staat hat außerdem den Auftrag, jedem Kind die Bildung zu ermöglichen, die es zur gleichberechtigten Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben benötigt. Bildung ist über alle Lebensphasen hinweg unser Versprechen, der Benachteiligung zu entkommen, Armut zu verhindern und aktiv am sozialen, politischen und kulturellen Leben teilzunehmen.

Meine Damen und Herren, es ist gut, dass wir beim BAföG jetzt den Förderhöchstbetrag anheben, den Schuldendeckel aber nicht. Auch die Studienstarthilfe ist hier heute bereits völlig zu Recht gelobt worden.

Es ist kein Geheimnis, dass die SPD sich noch mehr hätte vorstellen können. Denn der Handlungsdruck bleibt hoch. Von Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit, wie Käte Strobel sie wollte, können wir auch heute noch nicht sprechen.

Hört! Hört!

Bildung hängt in Deutschland nach wie vor zu sehr von der sozialen Herkunft und vom Geldbeutel der Eltern ab.

Das ist doch Quatsch!

Besonders deutlich sieht man das in meinem Heimatland Bayern. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder von Eltern ohne Abitur und mit geringem Einkommen ein Gymnasium besuchen, ist in Bayern mit 20 Prozent bundesweit am niedrigsten. Die CSU, liebe Frau Ludwig und liebe Frau Staffler, schickt also nicht die besten Köpfe an die höheren Schulen, sondern vor allem die Kinder aus wohlhabenden Familien. Viele Talente bleiben einfach auf der Strecke.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Ria Schröder [FDP]

Oh, nee! Sie wissen genau, dass das Unsinn ist! Das ist längst widerlegt! Dass Sie es nicht besser wissen, ist peinlich!

Auch um dem zu begegnen, reformieren wir das BAföG heute erneut. Wir haben außerdem mit dem Startchancen-Programm das größte bildungspolitische Projekt der letzten Jahre aufgesetzt. So geht moderne und sozial gerechte Bildungspolitik, meine Damen und Herren!

Wir brauchen aber noch mehr, und das wissen wir alle hier. Die kognitiven, emotionalen und sozialen Grundlagen für eine erfolgreiche Bildungsbiografie werden in den ersten Lebensjahren gelegt. Für mehr Bildungsgerechtigkeit brauchen wir also auch eine exzellente frühkindliche Bildung, Startchancen für die Kleinsten, damit alle Talente früh gefördert werden. Wir brauchen Mut und Kraft, uns für mehr Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit von Beginn an einzusetzen.

Käte Strobel hatte die Kraft und den Mut, das BAföG durchzusetzen. Leicht war das nicht, liebe Kolleginnen und Kollegen. Das Grundgesetz musste dafür geändert werden. Aber sie hat damit Millionen von jungen Menschen neue Perspektiven eröffnet und in kluge Köpfe investiert. Getragen war das von einer sozial-liberalen Koalition.

Die Partner von damals sind heute wieder gemeinsam in der Regierung, und wieder können wir – natürlich gemeinsam mit den Grünen – Mut und Kraft beweisen. Die Schuldenbremse, liebe Kolleginnen und Kollegen, verhindert Bildung. Sie verhindert Investitionen und Innovationen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Schuldenbremse ist der falsche Weg.

Wir brauchen auch zukünftig eine moderne Bildungspolitik von der Kita bis zur Berufs- und Hochschule. Bremsen im Kopf und in der Haushaltspolitik brauchen wir nicht.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
3 Vermerkeca. 230 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ganz herzlichen Dank, Frau Präsidentin. – Ich wollte gerne auf die Äußerungen der Kollegin Klein-Schmeink eingehen und sie fragen, ob sie denn wirklich der Meinung ist, dass die Tatsache, dass in unserer Regierungszeit die Zahl der BAföG-Empfänger gesunken ist, ein Problem aufzeigt.

Die Wahrheit ist nämlich, dass die Zahl der BAföG-Empfänger vor allem deshalb gesunken ist, weil wir eine sehr, sehr gute wirtschaftliche Entwicklung hatten,

Beifallbei der CDU/CSU

mit der Folge, dass Familien in unserem Land gute Einkommen hatten und deshalb nicht auf Sozialleistungen angewiesen waren. Wir sind der Meinung, dass es immer besser ist, auf eigenen Füßen zu stehen, als Sozialleistungen zu beantragen.

Wenn man aber dann – deshalb stehen wir total hinter dem BAföG – das BAföG beantragt, dann muss es auch so gut ausgestattet sein, dass man davon tatsächlich ein Studium bestreiten kann. Das ist der zweite Punkt, auf den ich im Zusammenhang mit Ihrer Rede eingehen wollte. Sie haben nämlich gesagt: „16 Jahre: Was haben Sie gemacht?“ Die Kolleginnen haben sehr deutlich gemacht, dass unsere BAföG-Erhöhungen immer deutlich über der Inflation lagen und Ihre BAföG-Erhöhungen schon heute von der Inflation aufgefressen sind.

Beifallbei der CDU/CSU

Deshalb: Echte Sozialpolitik ist, wenn man wirklich hilft, und zwar in der Größenordnung, dass die Menschen – aber auch nur diejenigen, die wirklich etwas brauchen – dann auch davon leben können. Das Wichtigste ist immer eine gute wirtschaftliche Entwicklung. Mich würde interessieren, ob Sie das anders sehen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
4 Vermerkeca. 220 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Danke schön für die Fragen, die mir ja noch mal Gelegenheit geben, weiter auszuholen.

Sie haben gerade gesagt: Ja, weil die Einkommen so hoch waren, ist die Zahl der Studierenden, die BAföG beziehen, gesunken. – Die Wahrheit ist aber, dass die Freibeträge für die Elterneinkommen sehr, sehr lange überhaupt nicht angepasst worden sind.

Und deshalb war die Gruppe derer, die überhaupt an dieser Leistung partizipieren konnten, schon grundsätzlich eingeschränkt.

Das ist leider falsch! Fake News!

Zusätzlich muss man sagen: Dafür zu sorgen, dass die Erhöhung über der Inflation liegt, ist auch eine Frage der Höhe der Inflationsrate. Wenn die Inflation sehr niedrig ist, ist es natürlich einfacher.

Aber die Wahrheit ist auch, dass wir statistisch gesehen feststellen müssen, dass die Zahl derjenigen, die ein Studium aufnehmen und aus Elternhäusern mit Bildungsbenachteiligung und geringem Einkommen kommen, immer weiter zurückgegangen ist. Das hat damit zu tun, dass ich als Kind aus einem solchen Haushalt nicht ermutigt wurde und nicht wusste: Ich habe eine Sicherheit. Wenn ich studieren will, dann habe ich auch die entsprechenden Einkommensmöglichkeiten und eine Absicherung. – Genau darum ging es.

Wir können statistisch sehr, sehr deutlich sehen, dass es da einen massiven Rückgang gegeben hat, und jetzt werden wir Schritt für Schritt nach vorne kommen, um auch die Förderquote zu erhöhen, und das ist richtig und wichtig, weil es Potenziale und neue Möglichkeiten für junge Menschen schafft.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Thomas Jarzombek
Foto: Thomas Jarzombek/ Tobias Koch
19 Vermerkeca. 747 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Diese Debatte ist kein Highlight der Debattenkultur im Deutschen Bundestag. Ich will das mal sehr deutlich sagen. Frau Kollegin Klein-Schmeink, Sie behaupten Dinge, die wirklich falsch sind.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir haben 2019 natürlich die Elternfreibeträge erhöht.

Aber nicht genügend!

Ich höre hier auch die ganze Zeit Argumente, was alles das BAföG leisten soll. Aus der FDP wird gesagt: Es soll eine Leistung für alle werden. – „Es soll deutlich erhöht werden“, höre ich aus der SPD. Meine Damen und Herren, warum findet sich das aber alles nicht in Ihrem Gesetzentwurf, über den hier heute abgestimmt wird?

Beifallbei der CDU/CSU

Nach zweieinhalb Jahren Regierungszeit stehen Sie immer noch hier und machen Absichtserklärungen für die Zukunft. In drei BAföG-Novellen haben Sie absolut gar nichts davon geleistet.

Ich will an dieser Stelle mal sagen, weil es mir wirklich wichtig ist: Es gibt über 600 000 junge Menschen in diesem Land, die etwas aus ihrem Leben machen wollen. Sie machen sich auf den Weg zu einer Bildungskarriere: erst als Schüler und dann als angehende Meister oder als Studenten. Diese jungen Menschen haben Energie, Mut und Kraft, und denen helfen wir; das ist richtig. Ich will sagen: Vor euch bzw. vor Ihnen habe ich großen Respekt.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir müssen ihnen aber auch Möglichkeiten an die Hand geben, um das zu machen. Und die „taz“ hat getitelt: „Ampel blamiert Stark-Watzinger“. Das ist, glaube ich, das, was hier heute vorliegt.

Wir hatten in dem Entwurf der Regierung trotz Inflation und Erhöhung von Sozialleistungen eine Nullrunde für Studierende. Frau Ministerin, Sie haben breit erklärt, es gäbe kein Geld. Sie haben nicht nur eine Nullrunde gemacht, Sie haben auch noch die Idee entwickelt, dass Studierende auch noch mehr zurückzahlen müssen. Wie man auf solche Ideen kommen kann, ist uns schleierhaft. Deshalb ist es gut, dass Ihre eigenen Abgeordneten Ihre Fehler als Bundesregierung hier zumindest zum Teil korrigieren.

Aber ich will noch mal zur Debattenkultur sagen: Wenn uns die FDP vorwirft, dass wir den Paritätischen Gesamtverband und den fzs in die Sachverständigenanhörung einladen,

Ich habe nur gesagt, dass die sich gewundert haben! Das war kein Vorwurf!

weil die nämlich Dinge sagen, die Ihnen nicht passen, und Sie missliebige Meinungen nicht hören wollen,

Nee, die haben sich sehr wohl gewundert, dass sie von Ihnen eingeladen wurden!

ist das der gleiche Sound wie bei der Ministerin, die prüfen lässt, ob den Leuten, die unliebsame Briefe schreiben, am Ende die Mittel gekürzt werden können. Wo ist denn eigentlich in der FDP Ihr Verständnis von Demokratie und Meinungsfreiheit?

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Ali Al-Dailami [BSW]

Ich sage Ihnen mal, wie die Zahlen sind: Sie haben jetzt drei Regierungsjahre hinter sich, und in den drei Jahren, von 2021 bis heute, ist die Inflation um insgesamt 18 Prozent gestiegen. Sie machen in drei Novellen eine BAföG-Erhöhung von 10,75 Prozent. Sie bleiben also deutlich hinter der Inflation zurück.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie bleiben mit der BAföG-Erhöhung aus drei Novellen hinter einer Bürgergelderhöhung zurück.

Zurufvon der SPD: Das ist Quatsch!

Natürlich!

Und das ist es, was uns umtreibt: diese Ungleichbehandlung zwischen jungen Menschen, die aus ihrem Leben etwas machen wollen, und denjenigen, die im Bürgergeldbezug sind.

Blödsinn! Sie wollen die Bürgergeldempfänger gegen die Studierenden ausspielen!

Es muss doch mindestens eine Gleichbehandlung geben.

Beifallbei der CDU/CSU

Was haben Sie eigentlich gegen Bürgergeldempfänger?

Die Zinsen des KfW-Studienkredits sind fast bis an die 10-Prozent-Grenze gegangen. Frau Ministerin, Sie haben gesagt: Da kann man gar nichts machen. – Nachdem wir als Opposition Druck gemacht haben, stellte sich heraus: Man kann doch was machen. Die KfW hat festgestellt, dass sie ihre Verwaltungskosten senken kann. Sie setzen sich nicht für die Studierenden in diesem Lande ein. Die sind Ihnen einfach vollkommen egal.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist die Wahrheit hier heute.

Das ist eine dermaßene Frechheit!

Das kann man keinem erklären!

Meine Damen und Herren, wenn Sie sich fragen, warum wir diesem Verfahren heute nicht zustimmen, dann kann ich Ihnen das erklären: Weil Sie Ihre Hausaufgaben nicht machen. Sie benachteiligen Studierende und junge Menschen gegenüber Sozialhilfeempfängern.

Zurufevon der SPD

Und vor allem: Sie gehen nicht an eine Strukturreform des BAföG, die notwendig ist, heran. Wir haben hier Änderungsanträge vorgelegt, eine Kommission einzurichten, die jährlich Empfehlungen für die Erhöhung gibt. Wir haben hier Anträge eingereicht, dass man die Bürokratie auf bis zu ein Drittel reduziert. Jedes Jahr müssen hier Anträge geschrieben und zig Unterlagen eingereicht werden. Das ist nicht mehr notwendig; das hat unsere Anhörung ergeben. Wir wollen eine Digitalisierung des Verfahrens. Davon wurde hier vorhin zwar erzählt, aber es steht kein einziges Wort dazu in Ihrem Gesetzentwurf.

Das haben wir doch in der 27. Novelle gemacht!

Längst beschlossen!

– Das sind Fake News. Die gesamte Verarbeitung passiert analog, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Es darf nicht sein, dass man bis zu einem Jahr darauf warten muss, bis man das BAföG bekommt. Deshalb: Wenn Sie unseren Vorschlägen folgen, werden wir auch mit Ihnen hier stimmen. Wenn Sie unsere Vorschläge ablehnen, werden wir das weiterhin nicht mitmachen. Das müssen Sie allein dann den jungen Menschen in diesem Land erklären.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Sönke Rix [SPD]
11 Vermerkeca. 419 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist Primetime im Deutschen Bundestag, und wir diskutieren über das Chancengerechtigkeitsgesetz Nummer eins. Studierende sollen nicht von Geldsorgen geplagt werden. Damit Studieren für alle finanzierbar bleibt, kümmern wir uns um das BAföG wie keine Koalition davor.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Zurufvon der CDU/CSU: Oah!

Heute heben wir das BAföG ein weiteres Mal an, bauen Hürden ab und passen es an die Lebensrealität von Studierenden sowie Fachschülerinnen und Fachschülern an; denn wir wollen, dass junge Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft ein Studium aufnehmen können. Chancen für alle auf dem Weg zum Campus – nur das ist fair!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Wir beschließen heute die zweite BAföG-Erhöhung dieser Koalition. Mit dieser Erhöhung stärken wir das BAföG um zusätzlich dreimal 5 Prozent: plus 5 Prozent bei den Bedarfssätzen, plus 5,25 Prozent bei den Freibeträgen und plus 5,5 Prozent beim Wohnkostenzuschuss. Studierende erhalten mehr Geld, und das ist dringend notwendig.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Rechnet man alle Reformschritte dieser Koalition zusammen, können wir mit Fug und Recht sagen: Wir sind BAföG- und Chancenbooster; denn mit uns sind die Bedarfssätze um rund 11 Prozentpunkte gestiegen, der Wohnkostenzuschuss um fast 17 Prozent und die Freibeträge um ganze 27 Prozent.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Einen solchen Schub für das BAföG gab es noch nie innerhalb einer Wahlperiode. Plus 1,5 Milliarden Euro für „Junges Wohnen“, plus Studierendenticket, plus Einmalzahlung mit knapp 600 Millionen Euro, plus Altersgrenzenerhöhung – so viel Reform gab es noch nie.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Mit uns geht es dem BAföG und den BAföG-Empfängerinnen und -Empfängern besser. Das kann sich sehen lassen. Wir machen, statt meckern. Chancen entstehen, wo Hürden fallen. Mit unserer Reform erhalten junge Menschen aus Familien mit Sozialleistungsbezug künftig die neue Studienstarthilfe in Höhe von 1 000 Euro. Schon vor Jahren haben wir Grüne im Bundestag das Konzept dafür vorgeschlagen; Mietkaution, Umzugskosten und Lernmaterialien sind für die, die es am schwersten haben, oft nicht zu stemmen. Der Weg ins Studium muss allen Talenten offenstehen, deswegen bauen wir Hürden jetzt ab.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Wir rücken das BAföG außerdem näher an die Lebensrealität der Studierenden, indem wir ein Flexibilitätssemester einführen und Fachrichtungswechsel erleichtern. 16 Jahre blockiert, jetzt wird es gemacht – beides war überfällig. Es kommt, und es macht das BAföG besser.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Mehr Geld auf dem Konto, Chancen statt Hürden, mehr Lebensrealität!

Ich sage abschließend an die Studierenden und Fachschülerinnen und Fachschüler im Land: Beantragen Sie Leistungen des Bundesausbildungsförderungsgesetzes! BAföG ist kein Almosen – BAföG ist ein Startkapital und eine Bildungsleistung.

Sozialleistung!

Machen Sie davon Gebrauch!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Beanspruchen Sie es! Beantragen Sie es! Es ist einfacher geworden, und es wird besser. Mit BAföG können Sie Ihr Studium besser finanzieren.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Nicole Gohlke
Foto: Nicole Gohlke/ Olaf Krostitz
13 Vermerkeca. 533 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Ja, das BAföG war mal das Instrument für Bildungsaufstieg und Chancengerechtigkeit. Und ja, das BAföG war mal das Vorzeigeprojekt der Sozialdemokratie. Aber es hat einen so gravierenden Bedeutungsverlust erfahren, dass es nicht verhindern kann, dass mittlerweile 36 Prozent der Studierenden in Armut leben. Ich finde es schon bezeichnend, dass alle Redner der Ampel, die sich hier zu Wort melden, erzählen, wie toll das BAföG mal war. Da werden die 70er- und die 80er-Jahre hervorgekramt.

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Wir haben auch über die Zukunft gesprochen!

Leider haben Sie nicht zugehört!

Ja, da war das BAföG natürlich noch gut. Aber das Problem ist doch, dass es heute nicht mehr gut ist und dass die Ampel daran nichts ändert. Das ist das Problem.

Beifallbei der Linken

Das stimmt doch nicht!

Das BAföG ist mittlerweile so schlecht und unzureichend, dass die Studis es schon gar nicht mehr in Anspruch nehmen. Sie scheuen den bürokratischen Aufwand bei der Antragstellung. Sie haben Angst, sich damit zu verschulden für etwas, das am Ende noch nicht mal zum Leben reicht.

Und Sie schüren diese Angst!

Die Wahrheit ist: Das BAföG führt schon lange nicht mehr aus der Armut heraus, sondern treibt die Studierenden, weil es eben nicht armutsfest ist, aufgrund der Verschuldung noch mal tiefer in sie hinein. Daran ändert die Ampel nichts, und das ist verrückt in diesen Zeiten.

Beifallbei der Linken sowie des Abg. Stephan Albani [CDU/CSU]

Was läge näher für eine Bundesregierung, die sich selbst zur Fortschrittskoalition erkoren hat, die ein Jahrzehnt der Bildungschancen ausgerufen hat, als das BAföG endlich mal wieder richtig auf Vordermann zu bringen? Aber trotz anhaltender Krisen, trotz Wohnungsnot, trotz Inflation, trotz der Tatsache, dass die Armutsquote unter Studierenden noch mal deutlich über derjenigen für die Gesamtbevölkerung liegt, geht die Ampel eine echte Strukturreform nicht an. Die Anhebung der Bedarfssätze um 5 Prozent und die Erhöhung des Wohngeldzuschusses um 20 Euro sind keine genügenden Hilfen, genauso wenig wie die Rücknahme der zuerst geplanten Erhöhung des Darlehensanteils. Leute, das ist maximal ein bisschen weniger unverschämt als Ihre Idee, dass die Studis sich noch mehr verschulden sollen.

Beifallbei der Linken

Es ist falsch, dass die Schülerinnen und Schüler schon wieder überhaupt keine Rolle spielen. Vor zehn Jahren wurden noch 312 000 Schülerinnen und Schüler mit dem BAföG gefördert – jetzt sind es 45 Prozent weniger.

Können Sie mal was zum Strukturwandel sagen?

Dabei wissen wir doch, dass Armut natürlich schon vor dem Studium beginnt: Jedes fünfte Kind wächst in Armut auf. Von 100 Grundschülern aus nichtakademischen Elternhäusern beginnen nur 21 ein Studium. Jetzt führt die Ampel eine Studienstarthilfe ein, die gerade mal 15 000 der Studierenden – das sind 3 Prozent – erreichen wird. Ich meine: Merkt ihr noch was? Das ist völlig an dem vorbei, was es braucht.

Beifallbei der Linken

Das ist zielgerichtet!

Kolleginnen und Kollegen, diese 29. Novelle war wohl die letzte Chance für die Regierung, das Versprechen einer Strukturreform einzulösen.

Sie sind in Ihrer Rede nicht auf die Strukturreform eingegangen!

Diese Chance wurde vertan, und Politik wurde unglaubwürdig gemacht. Die Wahrheit ist, dass alles, was mit echten Bildungschancen zu tun hat, dieser Regierung zu teuer ist, weil sie nicht bereit ist, die Schuldenbremse anzutasten oder an das viele Geld ranzugehen, das auf den Konten der Superreichen rumliegt. Das ist Chancenverhinderung und keine Chancengerechtigkeit.

Beifallbei der Linken

Die Linke hat Vorschläge gemacht, wie das BAföG armutsfest und existenzsichernd werden kann und wie es wieder die erreicht, die es auch brauchen. Der Darlehensanteil muss fallen. Das BAföG muss wieder zum Vollzuschuss werden.

Beifallbei der Linken

Ich appelliere an die Abgeordneten mit Bauchschmerzen: Stimmen Sie unseren Anträgen zu!

Hier hat keiner Bauchschmerzen!

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
Porträt von Oliver Kaczmarek
Foto: photothek.net
11 Vermerkeca. 787 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der Vorteil, wenn man schon mehrere Wahlperioden hier im Bundestag ist, ist der, dass man auch mal den Blick auf die Reformen richten kann, die wir in den vergangenen Wahlperioden gemacht haben. Wenn ich mir ansehe, was wir in den vergangenen Wahlperioden gemacht haben, muss ich sagen: Natürlich haben wir das BAföG erhöht. Alles andere wäre ja auch ein Bestreiten der Wahrheit. Aber wenn ich alles zusammennehme, was wir in dieser Wahlperiode leisten, nämlich die Erhöhung des Freibetrags, Frau Schön, nicht um 13 Prozent wie in der Großen Koalition, sondern um 26 Prozent, also um das Doppelte,

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der FDP

die Anhebung der Altersgrenzen, die Einführung eines Notfallmechanismus, zweimal Heizkostenzuschuss, eine Einmalzahlung für Studierende in Höhe von 200 Euro, zwei Erhöhungspakete und jetzt die Strukturreform, wenn ich das alles zusammennehme und mit dem vergleiche, was wir in der Vergangenheit gemacht haben, dann kann ich sagen: Das ist die größte BAföG-Reform seit über 20 Jahren, die wir heute im Bundestag beschließen werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Einige Reden aus der Unionsfraktion kamen mir ein bisschen so vor wie aus einem Paralleluniversum.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Diese Strukturreform ist notwendig, weil wir in den Jahren zuvor zwar Anpassungen, aber keine strukturellen Reformen gemacht haben. Der Hinweis, dass die Erleichterung des Fachrichtungswechsels notwendig ist, der Hinweis, dass wir die Förderhöchstdauer anheben müssen, und der Hinweis auf die Notwendigkeit der Einführung einer Studienstarthilfe sind doch in den vergangenen Wahlperioden gekommen. Wir sorgen jetzt dafür, dass alles das endlich ins Gesetz kommt. Das ist der Fortschritt, den wir mit dieser Novelle erreichen.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Ria Schröder [FDP]

Wenn Sie mich jetzt fragen würden: „Haben wir damit alles geschafft?“, dann würde ich sagen: Natürlich nicht. – Hätten wir uns mehr gewünscht? Natürlich wünschen wir uns mehr. Für die SPD bleibt die Reduzierung und perspektivische Abschaffung des Darlehensanteils beim BAföG weiterhin auf der Tagesordnung und wird auch Bestandteil sein, wenn wir eine neue Regierung bilden, wofür wir uns einsetzen. Das BAföG muss schuldenfrei in Anspruch genommen werden können.

Und wenn Sie uns nach dem Anpassungsmechanismus fragen: Eine regelmäßige Anpassung hätten wir uns auch gewünscht. Aber ich bin, Frau Staffler, im Ausschuss fast vom Stuhl gefallen, als ausgerechnet die Union kritisiert hat, dass es diesen Anpassungsmechanismus nicht gibt. Denn die Wahrheit ist – zum BAföG gehört auch dazu, Wahrheit und Transparenz zu schaffen –, dass die Vorgängerinnen von Frau Stark-Watzinger sich zweimal dazu entschieden haben, die Berichtspflicht beim BAföG auszusetzen und ebendiese Wahrheit und Klarheit nicht herzustellen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Hört! Hört!

Das ist die Wahrheit. Wir sorgen wieder für Klarheit beim BAföG.

Es ist hier schon gesagt worden: Wenn wir insgesamt darauf gucken – das kann man ja nach drei Jahren einer Wahlperiode machen –, wie wir das BAföG modernisieren, wie wir mit der Einführung einer Ausbildungsgarantie das Recht auf Ausbildung umsetzen, wie wir ein Semesterticket eingeführt haben, wie wir mit dem Programm „Junges Wohnen“ Auszubildende und Studierende unterstützen und wie wir die Mindestlohnerhöhungen hier durchgesetzt haben, dann muss man schon sagen: Das ist ein Paket für die junge Generation. Wir haben es in dieser Koalition geschafft, bei jeder Debatte, bei jeder grundlegenden Auseinandersetzung die Interessen der jungen Generation mitzudenken und ganz konkret zu handeln. Das ist ein großer Fortschritt, den wir gemeinsam geschafft haben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich will noch einmal sagen: Das ist ein Gesetz auch für die arbeitende Mitte dieses Landes, für die Menschen, die jeden Tag in die Fabriken, in die Büros, in die Krankenhäuser, in die Verwaltungen oder wo auch immer hingehen und dafür sorgen, dass dieses Land funktioniert. Das ist ein Gesetz für alle diejenigen, die Unterstützung brauchen, weil sie sich Gedanken darüber machen: Kann ich die Ausbildung meines Kindes, das Studium oder die Fachschulausbildung, finanzieren? Kann ich sie vielleicht noch für mein zweites Kind finanzieren? – Das, was wir mit dem heutigen Beschluss zum BAföG deutlich machen, ist: Wir sparen als Koalition nicht zulasten der arbeitenden Mitte. Wir stehen euch bei für die besten Bildungschancen eurer Kinder. Wir lassen euch mit dieser Herausforderung nicht alleine.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Ria Schröder [FDP]

Ich will zum Schluss noch sagen: Daran haben viele mitgewirkt. Ich möchte den Dank noch erweitern um einen Dank an die Mitglieder des Haushaltsausschusses, Wiebke Esdar und ihre Kollegen Berichterstatter aus der Ampelkoalition,

Ja, Bruno Hönel! Toll!

Herrn Hönel und Herrn Meyer, die dafür gesorgt haben, dass wir auch den finanziellen Spielraum für diese BAföG-Novelle bekommen. Diese Haushaltspolitik zeichnet sich dadurch aus, dass sie soziale Politik ermöglicht und nicht verhindert. Wenn wir das beibehalten, dann blicke ich auch zuversichtlich auf den kommenden Bundeshaushalt, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Ria Schröder [FDP]

Zum Schluss schließe ich mich dem Appell an, den Kai Gehring hier ausgesprochen hat: All denjenigen, die einen Anspruch haben, die die Voraussetzungen erfüllen, wollen wir heute sagen: Bitte stellt einen BAföG-Antrag, auch wenn es vielleicht nur eine Teilförderung wird! Wir haben dafür gesorgt, dass es euer Recht ist, und wir werden es heute noch deutlich verbessern.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
6 Vermerkeca. 352 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Auch nach über fünf Jahrzehnten BAföG kann von Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem keine Rede sein, und mit dem vorliegenden Entwurf weigert sich die Bundesregierung, einen tatsächlichen Schritt in Richtung Bildungsgerechtigkeit zu gehen.

Von der ursprünglichen Zielsetzung des BAföG, nämlich jungen Menschen aus einkommensschwachen Familien ein Studium zu ermöglichen, sind wir mittlerweile Lichtjahre entfernt. Nicht einmal 15 Prozent aller Studenten erhalten überhaupt noch BAföG – ich darf daran erinnern: vor zehn Jahren waren es fast doppelt so viele –, und das, obwohl der Zugang zum Studium nach wie vor hauptsächlich vom Geldbeutel der Eltern und eben nicht von den eigenen Talenten und Fähigkeiten abhängt.

Warum studieren dann immer mehr?

Haben zum Beispiel die Eltern einen Hochschulabschluss, so studieren 79 Prozent der Kinder. Haben die Eltern allerdings „nur“ eine Berufsausbildung, so sind es nur noch 24 Prozent der Kinder, die studieren.

Zurufder Abg. Katrin Staffler [CDU/CSU]

Für diejenigen, die es dennoch an die Hochschule schaffen, ist die Lebensrealität viel zu oft von Armut geprägt.

Das hat aber nicht nur was mit Geld zu tun!

Ganze 36 Prozent aller Studenten in unserem Land sind de facto arm. In Anbetracht dieser Zahlen kommen Sie mit einer mickrigen Erhöhung um die Ecke, die an der miserablen Situation ebendieser armen Studenten so gut wie nichts ändern wird. Und das, meine Damen und Herren, ist ein Armutszeugnis für eine angeblich ach so fortschrittliche Regierung.

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Die steigenden Wohn- und Lebenshaltungskosten werden durch Ihr Reförmchen nicht einmal ansatzweise ausgeglichen. Da frage ich mich schon, ob die Bildungsministerin überhaupt Kenntnis von der Lebensrealität der Studenten hat, die auf BAföG angewiesen sind. Denn wie sonst kam sie auf die irrsinnige Idee, in Zeiten hoher Inflation diese Studenten mit einer Nullrunde abspeisen zu wollen? Ohne den Druck der Experten und der Opposition hätte es ja nicht mal die mickrige Erhöhung um 5 Prozent gegeben.

Fakt ist: Aufstieg durch Bildung in Deutschland, das war einmal, meine Damen und Herren. Dazu trägt eine heillos überforderte Bildungsministerin genauso bei wie eine Bundesregierung mit einer insgesamt grottigen Regierungspolitik. In Anbetracht dieser Tatsachen brauchen wir lieber heute als morgen eine neue Regierung, damit endlich mehr Bildungsgerechtigkeit in unser Land einkehrt. Dafür steht das Bündnis Sahra Wagenknecht, nämlich für Vernunft und Gerechtigkeit.

Lachenbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbeim BSW
Porträt von Lina Seitzl
Foto: Lina Seitzl/ Denise Claus/Kleinebildkunst
5 VermerkeZwischenfrageca. 573 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Mir ging es tatsächlich im Studium ähnlich, wie es Ria Schröder und Laura Kraft schon geschildert haben: Auch ich habe während des Studiums vom BAföG profitiert, und ich kenne deswegen auch die Hürden unseres Bildungssystems für Arbeiterkinder. Ich kenne die komplizierten Anträge beim BAföG-Amt ganz persönlich. Und es macht mich ein bisschen stolz und, ja, auch demütig, dass ich als junge Abgeordnete in meiner ersten Wahlperiode nun zum dritten Mal eine Gesetzesänderung zum BAföG mitverhandeln und dann heute hoffentlich auch beschließen darf.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Daran merkt man doch, dass da was nicht stimmt, wenn man es zum dritten Mal machen muss!

Benjamin Franklin sagte einst: „Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen.“ Ich kann mich dem nur anschließen; denn mit Investitionen in Bildung und in unsere Fachkräfte von morgen leisten wir nicht nur einen Beitrag zur Chancengerechtigkeit, sondern eben auch zur Zukunftsfähigkeit in diesem Land. Deshalb haben wir in den letzten zweieinhalb Jahren das BAföG immer wieder modernisiert. Und es ist damit inklusiver, moderner und gerechter geworden, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Lassen Sie mich diese drei Punkte gerne erläutern.

Erster Punkt. Das BAföG wird inklusiver. Wir stoppen den Abwärtstrend bei den Gefördertenzahlen. Insgesamt wurden mit den letzten drei Reformen die Elternfreibeträge kräftig – um 27 Prozent – erhöht. Wir haben die Altersgrenze von 30 auf 45 Jahre ausgeweitet. Wir haben die Vermögensfreibeträge erhöht. Wir haben eine automatische Anpassung der Einkommensfreibeträge von BAföG-Beziehenden an die Minijobgrenze festgeschrieben. Wir führen jetzt die Studienstarthilfe komplett neu ein, die insbesondere Erstakademikerinnen und Erstakademikern hilft. Mit diesen 1 000 Euro kann man die Erstausstattung, den Laptop, vielleicht auch den Umzug finanzieren. Das hilft gerade denjenigen, deren Eltern dieses Startkapital nicht zur Verfügung stellen können.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Und schließlich haben wir mit dem Nothilfemechanismus Krisenvorsorge getroffen. Wir spannen damit für junge Menschen im Bedarfsfall den Rettungsschirm. All das macht das BAföG inklusiver.

Zweiter Punkt. Das BAföG wird moderner. Das war für uns ein wichtiges Ziel; denn jeder, der schon mal einen BAföG-Antrag gestellt hat, weiß, wie kompliziert das ist. Die gute Nachricht ist jetzt, dass diese mühsam per Hand ausgefüllten Formulare der Vergangenheit angehören. Ja, wer BAföG bekommen möchte, dessen Anspruch muss natürlich rechtssicher geprüft werden, und dafür muss man auch viele Angaben machen. Aber die kann man jetzt endlich digital einreichen. Und bei einem erneuten Antrag fallen dann auch viele Prüfschritte weg. Dass es trotzdem immer noch nicht schneller geht mit dem Bescheid – das haben Sie ja angesprochen, Frau Connemann –, gehört leider zur Wahrheit dazu. Da sind jetzt aber die Länder am Zug, endlich die E-Akte flächendeckend auf den Weg zu bringen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das BAföG wird auch bei seinen Fördervorgaben moderner: Endlich werden Studienrealitäten anerkannt. Wir erhöhen die Förderhöchstdauer um ein Flexisemester, und wir weiten die Möglichkeiten zum Fachrichtungswechsel aus. All das macht das BAföG moderner.

Dritter Punkt. Das BAföG wird auch gerechter. Trotz der angespannten Haushaltslage haben wir auch in dieser Novelle eine Nullrunde entschieden abgewehrt. Der Förderhöchstsatz steigt in dieser Legislaturperiode von rund 861 Euro auf knapp 1 000 Euro. Die Wohnkostenpauschale steigt um 55 Euro, und für Studierende mit Kind wird der Kinderbetreuungszuschlag um 5 Prozent erhöht.

Ich finde es, ehrlich gesagt, ziemlich erstaunlich, dass Sie die Chuzpe haben, diese deutlichen Verbesserungen im Geldbeutel von Studierenden, von BAföG-Beziehenden, von Fachschülerinnen und Fachschülern heute abzulehnen. Das finde ich wirklich erstaunlich.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich möchte mich an dieser Stelle bei unseren Haushälterinnen und Haushältern bedanken, die hier an unserer Seite für ein bedarfsgerechtes BAföG im Haushalt gekämpft haben.

Porträt von Katrin Staffler
Foto: Katrin Staffler/ Julia Rieck
8 Vermerkeca. 171 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Wie ich die Ablehnung begründe?

Das müssen Sie erst einmal schaffen!

– Ach, Herr Kollege. – Frau Kollegin Seitzl, Sie haben uns gerade dafür kritisiert, dass wir diese doch so tolle Erhöhung des BAföG-Satzes ablehnen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zu Recht!

Also, die unionsgeführte Regierung hat 2019 den BAföG-Satz um 5 Prozent erhöht,

Jetzt ist aber 2024!

im Herbst 2020 um 2 Prozent. Als wir ihn um 5 Prozent erhöht haben, lag die Inflation bei 1,4 Prozent, als wir ihn um 2 Prozent erhöht haben, lag sie bei 0,5 Prozent.

Wie viele Jahre war da die letzte Erhöhung her?

Heute sprechen wir von einer Inflation von 6,9 Prozent im Jahr 2022 und von 5,9 Prozent im Jahr 2023. Sie wollen den BAföG-Satz jetzt einmalig um 5 Prozent erhöhen.

Das stimmt doch gar nicht! Wir haben doch vorher auch schon erhöht!

Wollen Sie uns hier wirklich erzählen, dass es sich bei dem, wovon Sie sprechen, um eine großartige Erhöhung handele?

Oder ist es einfach viel zu wenig?

Zurufvon der SPD: Dann lieber gar nicht?

Und da kann ich Ihnen sagen: Es liegt möglicherweise daran, dass die Union den Gesetzentwurf ablehnt – nicht, weil wir den Studenten das Geld nicht gönnen, sondern weil wir der Meinung sind, dass es deutlich zu wenig ist.

Porträt von Lina Seitzl
Foto: Lina Seitzl/ Denise Claus/Kleinebildkunst
9 Vermerkeca. 285 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Liebe Frau Staffler, erster Punkt. Sie vergessen dabei, dass wir in dieser Koalition verschiedene Inflationsausgleichszahlungen an Studierende und auch an BAföG-Beziehende eingeführt haben.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Aber nicht in den letzten zweieinhalb Jahren!

Und Sie vergessen im Übrigen auch, dass wir die BAföG-Sätze insgesamt um 11 Prozent erhöht haben.

Zurufevon der CDU/CSU

– Hören Sie mir doch bitte zu!

Zweiter Punkt. Sie werfen uns hier die ganze Zeit vor, wir würden Strukturreformen ankündigen, sie aber nicht umsetzen.

Jetzt haben wir doch hier diese ganzen neuen strukturellen Maßnahmen: die Einführung der Studienstarthilfe, BAföG digital, das Flexisemester. All diese Dinge haben wir jetzt eingeführt und Sie haben das ja auch immer wieder gefordert. Wir machen das. Und trotzdem lehnen Sie das ab. Wenn alle anderen wie Sie hier in diesem Haus mit Nein stimmen, sorgen Sie dafür, dass sich ab dem 1. August 2024 nichts, aber auch gar nichts für BAföG-Beziehende und Studierende verändert. Das ist doch die Wahrheit.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Liebe Kolleginnen und Kollegen, den Schaden, den das BAföG unter vielen Unionsbildungsministerinnen erleiden musste, können auch wir nicht mit einem Schlag ungeschehen machen. Die SPD hat noch viele Ideen für weitere BAföG-Verbesserungen.

Zurufevon der CDU/CSU

Aber wir arbeiten seit zweieinhalb Jahren daran, die Trendwende nachhaltig zu gestalten, das Vertrauen in das BAföG zurückzugewinnen und die Situation von jungen Menschen ernst zu nehmen. Wir setzen in dieser Koalition kontinuierlich Verbesserungen für junge Menschen um:

Zurufevon der CDU/CSU: Oh!
Wo denn?

neben dem BAföG den Wiedereinstieg in die Förderung von Studi- und Azubiwohnen, das bundesweite Semesterticket, die Inflationsausgleichszahlungen für junge Menschen, die Erhöhung des Mindestlohns, die Ausbildungsgarantie, das 10-Milliarden-Startchancen-Programm. Das ist doch eine Bilanz, die sich sehen lässt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zum Schluss möchte ich mich bei meinen Co-Berichterstatterinnen Laura Kraft und Ria Schröder bedanken: Es war anstrengend, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufder Abg. Dorothee Bär [CDU/CSU]
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Andrea Lindholz
Foto: Andrea Lindholz/ Timo Raab
15 Vermerkeca. 748 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor zwei Wochen wurde der junge Polizist Rouven Laur von einem afghanischen Islamisten gezielt tödlich verletzt. In der vergangenen Woche stand hier im Bundestag zu Recht die Trauer über diesen brutalen, heimtückischen Mord und das Mitgefühl mit den Angehörigen im Vordergrund.

Die daraus aufkeimende Debatte über Konsequenzen aus diesem Vorfall verengten der Bundeskanzler und seine SPD, auch der Kollege Hartmann, im Wesentlichen auf die Ankündigung, Straftäter wieder nach Afghanistan und Syrien abschieben zu wollen. Das begrüßen wir grundsätzlich. Allerdings hatte seine Bundesinnenministerin genau dies schon im März 2023 angekündigt und hat es bis heute nicht umgesetzt.

Beifallbei der CDU/CSU

Noch dazu widersprachen in derselben Aussprache zur Regierungserklärung die Kolleginnen und Kollegen von den Grünen dieser Maßnahme; die FDP stimmte zu. Der grüne Bundeswirtschaftsminister erläuterte dann wiederum einen Tag später in einer Debatte im Fernsehen, er sei doch für die Abschiebung von Straftätern nach Afghanistan. Liebe Kolleginnen und Kollegen von der Ampel, merken Sie was? Es ist eine absolut unseriöse Politik, sich hier vorne so zerstritten hinzustellen und diese Dinge zu fordern, ohne sie ernsthaft zu meinen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist auch deshalb unseriös, weil es dafür ja eine aktuelle Grundlage geben muss, wenn man angeblich schon so lange daran arbeitet. Was glauben Sie eigentlich, von wann der letzte aktuelle Lagebericht aus Afghanistan stammt? Ich sage es Ihnen: Die letzte Lageanalyse stammt vom Oktober 2021. Das war zum Ende der letzten Regierungszeit.

Da kann ich nur sagen: Sie machen einfach gar nichts! Sie reden nur, Sie machen null Komma null irgendetwas.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist so dünn!

Das Schlimme ist allerdings, dass Sie gar nicht merken, dass die Bevölkerung diese Politik der leeren Phrasen und der Nebelkerzen einfach satthat: Ihre Behauptung, Sie wollten abschieben ohne aktuelle Lageanalyse. Ihre Politik, die behauptet, Sie wollten alles tun zur Bekämpfung von Terrorismus und Kindesmissbrauch; Sie sind aber nicht mal in der Lage, zur Verfolgung solcher schweren und grausamen Straftaten eine befristete IP-Adressenspeicherung auf den Weg zu bringen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ihre Politik, die behauptet, Sie würden hinter unserer Polizei stehen; gleichzeitig haben Sie aber hier die Einsetzung eines Polizeibeauftragten beschlossen und die Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte sowie die Kontrollquittung eingeführt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das zeugt von einem tiefen Misstrauen und nicht von Vertrauen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wie oft wollen Sie das denn noch sagen? Davon wir es nicht richtiger!

Wie sehr die Bevölkerung diese Politik wirklich satthat, konnten wir am letzten Sonntag bei der Europawahl sehen. Das hat es noch nie gegeben, dass die Parteien, die die Bundesregierung tragen, noch nicht mal jeden dritten Wähler in unserem Land überzeugen konnten. Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen: Man hat den Eindruck, dass das Ihnen immer noch nicht zu denken gibt. Sie machen einfach weiter so. Ich fordere Sie auf: Beenden Sie Ihre Streitigkeiten, beenden Sie Ihre Politik der leeren Worte, handeln Sie endlich, und lassen Sie endlich auch Taten folgen!

Beifallbei der CDU/CSU

Wir schlagen Ihnen deshalb heute ganz konkret 14 Maßnahmen vor, die Sie sofort umsetzen können, die auch Schlüsse aus der schlimmen Tat von Mannheim ziehen und die unsere innere Sicherheit verbessern würden. Drei davon will ich Ihnen mit auf den Weg geben.

Erstens: Straftäter und Gefährder endlich abschieben. Machen Sie endlich! Dazu gehört die Innenministerin, dazu gehört die Außenministerin. An die Grünen gerichtet sage ich eins: Ihre feministische Außenpolitik bringt uns gar nichts, wenn Sie sich gleichzeitig weigern, schwere Straftäter – und dazu gehören auch Sexualstraftäter – nach Afghanistan abzuschieben.

Hören Sie endlich auf, in jeder Runde hier oder in Talkshows zu erzählen, Sie hätten keinen Kontakt zu den Taliban.

Das hat niemand erzählt!

Das ist nachweislich falsch. Sie haben Kontakte, um Menschen ins Land zu holen. Dann nutzen Sie Ihre Kontakte endlich auch, um Menschen außer Landes zu bringen!

Beifallbei der CDU/CSU

Die Menschen, die Sie hereingeholt haben!

Auch in diesem Jahr sind wieder weit über 100 000 Asylbewerber nach Deutschland eingereist.

Na, wer hat sie denn reingeholt?

Die illegale Migration ist nach wie vor nicht gestoppt. Und ja, auch in unserer Regierungszeit wurden Fehler gemacht.

Aber was wir in den letzten zweieinhalb Jahren gesehen haben, was Sie in den letzten zweieinhalb Jahren verursacht haben, das ist wirklich katastrophal. Deswegen fordern wir Sie zweitens auf: Stoppen Sie die illegale Migration, führen Sie an den Grenzen Kontrollen durch, und weisen Sie die Menschen auch an den Grenzen zurück!

Beifallbei der CDU/CSU

Ein letzter Punkt. Sorgen Sie dafür, dass unsere Bundespolizei mit ausreichend Mitteln ausgestattet wird! Sorgen Sie dafür, dass das Loch von 500 Millionen Euro gestopft wird! Sorgen Sie dafür, dass unsere Polizei Taser bekommt, um sich und andere auch besser schützen zu können! Handeln Sie endlich! Tun Sie etwas, oder geben Sie den Weg frei für Neuwahlen, damit andere endlich anfangen können, die Sicherheitsprobleme in unserem Land zu lösen!

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

„Bravo!“ von der AfD!

Porträt von Daniel Baldy
Foto: Daniel Baldy/ Thomas Trutschel
17 Vermerkeca. 750 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Foo Fighters, die Toten Hosen und sogar ein gefangenes Plektrum von Slash – so bleibt mir mein „Rock am Ring“ 2015 in Erinnerung. Das ist die Erinnerung an ein sicheres „Rock am Ring“, bei dem die Gefahr durch islamistischen Terror bei Weitem nicht so hoch war, wie sie das heute leider ist.

Dann ist ja alles gut!

Aber was hat „Rock am Ring“ mit islamistischer Terrorgefahr zu tun? Letzten Freitag wurde am Flughafen Köln/Bonn ein mutmaßlicher IS-Unterstützer festgenommen, der sich als Sicherheitskraft für Nebenevents der EM beworben hatte, aber eben auch als Ordner für „Rock am Ring“ am vergangenen Wochenende. Seine Festnahme und die Nichtzulassung als Ordner bei den Events zeigen doch: Unsere Sicherheitsbehörden, sei es im Bund, sei es in den Ländern, haben die aktuell hohe Gefahr – sie lässt sich nicht abstreiten – im Blick.

Haben wir ja in Mannheim gesehen!

Sie arbeiten gut zusammen. Unsere Polizistinnen und Polizisten leisten jeden Tag einen tollen Job,

Die Regierung nicht!

damit wir in Deutschland sicher leben können, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufvon der CDU/CSU: Das bestreitet doch keiner!

Die Festnahme erinnert uns leider auch an die hohe, wenn auch aktuell zum Glück nur abstrakte Gefahr für unsere Sicherheit in Deutschland.

In Mannheim „abstrakt“?

Damit die Strafverfolgungsbehörden Gefahren frühzeitig erkennen können, brauchen sie aber auch Befugnisse, die sie rechtssicher bei ihrer Arbeit unterstützen. Und ja, eine solche Befugnis ist auch die Speicherung von IP-Adressen, wie sie im Antrag gefordert wird. Aber – das muss man dann auch schon mal sagen – Sie hätten sich mit Ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem Rechtsausschuss mal absprechen sollen, bevor Sie diesen Antrag stellen. Die haben nämlich schon vor Monaten einen ähnlichen Antrag gestellt. Und in der Anhörung wurde dann sehr schnell deutlich: Sechs Monate Speicherfrist, wie Sie sie hier auch wieder fordern,

Zurufdes Abg. Axel Müller [CDU/CSU]

sind alles andere als eine „auf das absolut Notwendige“ reduzierte Zeit, wie sie das EuGH fordert.

Ja, dann machen Sie es doch mit reduzierter Zeit! Sie machen gar nichts!

Deshalb will ich das mal so deutlich sagen: Das Ziel der IP-Adressen-Speicherung muss sein, dass Straftäter vor Gericht verurteilt werden. Das Ziel darf nicht sein, dass die Regelung selbst vor Gericht abgeurteilt wird. Genau das würden Sie mit diesem Vorschlag aber hier erreichen, liebe Unionsfraktion.

Die Forderungen in Ihrem Antrag umfassen einen breiten Strauß an Befugnissen und Ausstattungswünschen für die Polizei, aber auch den Bereich des Aufenthaltsrechts. Sie werfen der Regierung in Ihrem Antrag auch einen „Kontrollverlust in der Migrations- und Integrationspolitik“ vor. Ja, wir erleben seit 2015 eine angespannte Migrationslage. Das bestreitet niemand. Der Mörder von Rouven L., der Terrorist von Mannheim, lebte seit 2013 in Deutschland. Diejenigen, die auf unseren Straßen ein Kalifat fordern, leben nicht erst seit 2015 hier, sondern lebten auch schon vorher hier. Da waren Sie noch in Verantwortung. Und da können Sie sich mit 16 Jahren Regierungsbeteiligung, mit 16 Jahren Kanzlerschaft, mit 16 Jahren CDU/CSU-Innenministern nicht einfach rausreden, als hätten Sie damit nichts zu tun.

Vorsicht an der Bahnsteigkante, liebe Unionsfraktion. Wenn Sie bei diesem Thema mit dem Finger auf die Ampel zeigen, dann zeigen sehr viele Finger auf Sie zurück. Tun Sie nicht so, als hätten Sie mit der Migrationspolitik der letzten Jahre nichts zu tun.

Tut niemand!

Nur weil Angela Merkel nicht mehr Ihre Vorsitzende ist, sondern Friedrich Merz Ihr Vorsitzender, heißt das nicht, dass das alles nichts mit Ihnen zu tun hat. Friedrich Merz kann das Ihrer Partei und Ihrer Fraktion noch so oft einreden – es glaubt Ihnen niemand, es ist absolut verantwortungslos, es ist billigster Populismus. Sie hätten das, was Sie fordern, auch schon vor drei Jahren anstoßen können, liebe Unionsfraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zu guter Letzt komme ich zu Ihrem Vorwurf – Frau Lindholz, Sie haben ihn ja eben noch mal bekräftigt –, die Ampel wäre polizeikritisch, würde der Polizei immer nur in den Rücken fallen.

Ist ja so!

Da möchte ich schon mal auf die Bilanz dieser Regierung hinweisen, was die Bundespolizei und die Behörden des Bundes angeht. Es war diese Bundesregierung, die die Ruhegehaltsfähigkeit der Polizeizulage wieder eingeführt hat.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Es war nicht Horst Seehofer, es war Nancy Faeser. Es ist die Ampelregierung, die aktuell, nach 30 langen Jahren, eine große Novelle des Bundespolizeigesetzes berät. Wir waren es, die mit dem Polizeibeauftragten des Bundes eine Anlaufstelle für die Polizistinnen und Polizisten des Bundes geschaffen haben,

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

um strukturelle Defizite zu benennen, damit wir sie dann auch für die Polizistinnen und Polizisten beheben können. Bis 2026 erhält die Bundespolizei jährlich 1 000 neue Stellen. Die Ampel hat diesen Aufwuchs beschlossen, während Unionsinnenminister immer nur die Aufgaben verteilt und abgeschoben haben, aber nie die Ressourcen gecheckt haben.

Das ist falsch! Sie behaupten die Unwahrheit!

Das ist kein strukturelles Misstrauen der Ampel. Im Gegenteil: Es ist die strukturelle Unterstützung der Bundespolizei, die die Ampel hier durchsetzt.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das glauben Sie doch alles selber nicht, was Sie hier erzählen! Absolut realitätsfern!

Porträt von Gottfried Curio
Foto: Dr. Gottfried Curio/ Hagen Schnauss
6 Vermerkeca. 477 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Präsidentin! Meine Damen und Herren! Nachdem ein seit zehn Jahren abgelehnter Asylbewerber einen Islamkritiker ermorden wollte und dabei einen eingreifenden Polizisten tötete, überschlagen sich die Verantwortlichen im Werfen von Nebelkerzen. Die längste Zeit wurde der Afghane durch die Parteien der Merkel-GroKo nicht außer Landes gebracht. Schuld an seinem widerrechtlichen Verweilen waren Union und SPD, dann auch Grüne und FDP.

Der Kanzler, der seit seiner großspurigen Ankündigung von Abschiebungen im großen Stil, die nie kamen, im Nebelkerzenweitwurf besonders geübt ist, hat schnell noch vor der EU-Wahl wieder so ein Täuschungsmanöver auf den Weg gebracht: Schwerste Straftäter und Gefährder sollten nach Afghanistan abgeschoben werden. Natürlich nur warme Luft, mit dem grünen Koalitionspartner nicht abgesprochen, die keinen illegalen Migranten wieder hergeben wollen!

Fazit: Schweden und die Türkei machen die Abschiebungen, die Ampel will sie nicht. Und nicht nur, dass das beim Ersttäter von Mannheim ja gar nichts gebracht hätte – nein, die Inkonsequenz war schon einprogrammiert. Denn wenn man also Personen nach Afghanistan abschieben kann, dann kann und muss man das natürlich mit allen abgelehnten Asylbewerbern von dort tun. Dies auszusprechen, war aber selbst dem Blendgranatensprengmeister Scholz zu kühn. Wahrscheinlich wird es für die Woche vor der Bundestagswahl aufgespart, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Wenn man schon täuschen will, muss das also geschickter intoniert werden, was uns zur Union bringt. Die sagt im Antrag selbst, dass sie zuletzt Anträge ebenfalls nur auf Rückführung Straffälliger nach Afghanistan gestellt habe. Allein, was soll man machen? Es stehen schon wieder Wahlen an. Deshalb fällt ihr jetzt plötzlich auf, nach unendlich vielen Morden, Vergewaltigungen und Messerattacken: Da müsste man ja vielleicht mal was Wirkliches fordern. – Und da die AfD trotz einer ganzen Kette von staatlicher Lügenpropaganda wächst und wächst und wächst,

Na ja! Seit Januar eher Schrumpfen und Schrumpfen und Schrumpfen!

was sagt sich da die Union? Ganz klar: Wir müssen noch mehr von der AfD abschreiben.

Meine Damen und Herren, urplötzlich merkt die Union: Auch Abgelehnte aus Syrien müssen doch abgeschoben werden. – Das ist weder mit Rot noch mit Grün zu machen, nur mit der AfD.

Beifallbei der AfD

Urplötzlich merkt sie: Grenzkontrollen, die den Namen verdienen – sprich: inklusive Zurückweisungen –, wären vielleicht doch eine gute Sache. Urplötzlich merkt sie: Das Staatsbürgerschaftsrecht darf nicht weiter verwässert werden. – Das ist alles weder mit Rot noch mit Grün zu machen, nur mit der AfD.

Julian Pahlke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die CDU/CSU gewandt: Na, wo bleibt die Distanzierung aus der Union dazu? Da meldet sich keiner!

Deshalb ist das Fazit beim Thema Abschiebungen völlig klar: Die SPD will blenden, die Grünen wollen es ganz verhindern, nur die AfD will es auch wirklich durchsetzen. Was also will wohl eine Union, die explizit nicht mit den Befürwortern einer Durchsetzung koalieren will, sondern lieber mit den Parteien der Blender und Verhinderer? Will diese Union durchsetzen oder blenden und verhindern? Ich denke, die Antwort ist klar, und das wissen auch die Bürger. Nur das Original steht für wirklich durchgesetzte Abschiebungen. Nur mit der AfD wird die Sicherheitslage für unsere Bürger wieder erträglich. Nur mit der AfD kommt endlich die so dringend notwendige Migrationswende.

Beifallbei der AfD
10 Vermerkeca. 695 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der brutale Angriff auf sechs Menschen, der Mord an einem unserer Polizisten in Mannheim hat uns alle tief erschüttert. Ein Polizist, der täglich für die Gewährleistung unserer Sicherheit eintrat, ist auf tragische Weise aus der Mitte seines Lebens gerissen worden, als er den Angriff auf mehrere Menschen am Stand einer islamkritischen Bürgerbewegung abwehren wollte. Er trat ein für unsere Rechtsordnung, für unsere Meinungsfreiheit. Und damit trat er auch gegen einen Angriff auf uns alle ein: auf die Art, wie wir leben, auf unsere Demokratie und auf unsere freie Gesellschaft. Deshalb will ich noch einmal unser tiefstes Mitgefühl für seine Familie, für seine Freunde, aber auch für all seine Kolleginnen und Kollegen bei der Polizei ausdrücken. Er verdient nicht nur unseren Dank, sondern auch unseren Respekt für diesen Einsatz, meine Damen und Herren.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Wir dürfen nicht vergessen, welchen Risiken sich Polizistinnen und Polizisten aussetzen, um das zu schützen, was ich gerade aufgezählt habe. Aber bei den Dankesworten darf es nicht bleiben. Auf Betroffenheit muss Entschlossenheit folgen. Das sind wir den Opfern, den Hinterbliebenen, den Menschen insgesamt in unserem Land schuldig.

Eine zentrale Lehre ist, dass wir unsere Migrationspolitik noch entschlossener verorten müssen. Wir haben bereits in den letzten drei Jahren wichtige Schritte unternommen.

Welche denn?

Zum Beispiel haben wir Abschiebungen erleichtert und Migration neu geordnet.

Null Ergebnis!

Wir haben rechtliche Hürden für die Abschiebungen gesenkt, beispielsweise den Ausreisegewahrsam von zehn auf 28 Tage angepasst.

Null Wirkung!

Wir haben auch Betretungsrechte verändert. Es ist erwähnt worden: Wir haben bereits zweimal Änderungen vorgenommen. Dadurch stellen wir sicher, dass Personen, die kein Aufenthaltsrecht haben, auch zügig ausgewiesen werden können. Diese wichtigen Schritte zur Ordnung der Migrationspolitik sind eine Aufgabe, die wir aus den nicht geordneten Verhältnissen der Ära Merkel bekommen haben, meine Damen und Herren. Das müssen Sie von der Union auch einfach anerkennen.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Dunja Kreiser [SPD]

Die klare Erwartung der Menschen ist aber, dass wir hier noch entschlossener handeln. Deshalb ist es wichtig und richtig, dass wir auch darüber reden, wie ausländische Straftäter in ihre Herkunftsländer zurückzuführen sind, wo es bisher noch nicht möglich ist. Deswegen bin ich sehr zuversichtlich, dass die Gespräche der Außenministerin und der Innenministerin mit den entsprechenden Ländern, zum Beispiel mit Afghanistan, ein Ergebnis bringen werden. Darum geht es. Das ist die Lösung, damit wir dort vorankommen. Deswegen ist es wichtig, dass diese Gespräche geführt werden. Ich erwarte, dass sie auch bald zu einem Ergebnis führen.

Es ist interessant, dass Sie zum Beispiel in Ihrem Antrag die Rückabwicklung des Staatsangehörigkeitsrechts fordern. In der Novelle des Staatsangehörigkeitsrechts ist das erste Mal gesetzlich festgehalten, dass verurteilte Straftäter und Antisemiten keine deutschen Staatsbürger werden können – etwas, das wir eingeführt haben, meine Damen und Herren. Das war vorher nämlich nicht so.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Neben der Entschlossenheit in der Migrationspolitik, meine Damen und Herren, müssen wir aber auch die Polizei weiter stärken. Wir haben dafür bereits entscheidende Maßnahmen auf den Weg gebracht, vor allem Rechtsunsicherheiten der Vorgängerregierung beseitigt, beispielsweise Rechtsgrundlagen für den Einsatz von Bodycams. Wir haben das jahrelange Hickhack um die verfassungswidrige Vorratsdatenspeicherung beendet und uns darauf geeinigt, dass wir Quick Freeze als rechtssicheres Instrument einführen werden.

Aber jenseits der Beseitigung der Rechtsunsicherheiten werden wir auch an anderen Stellen noch entschlossener darüber reden müssen, welche Verbesserungen wir für unsere Polizei erreichen können. Es ist eine Aufgabe, derer wir uns jeden Tag neu annehmen müssen; denn die Feinde unserer offenen Gesellschaft müssen spüren: Es gibt keine Toleranz für Intoleranz, meine Damen und Herren.

Wer sich nicht an unsere Gesetze, unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung hält, der muss auch mit harten Konsequenzen rechnen. Wir werden es nicht zulassen,

Sie lassen es doch zu!

dass Extremisten unsere Gesellschaft spalten und das Sicherheitsgefühl zerstören. Unsere Antwort auf diese Bedrohung wird entschlossen und vielschichtig sein, sie wird aber vor allen Dingen entschlossen sein, meine Damen und Herren.

Deshalb sage ich an die Adresse all jener, die unsere Art, zu leben, unsere freie Gesellschaft angreifen wollen: Verwechseln Sie unsere Betroffenheit nicht mit Mutlosigkeit. Verwechseln Sie das demokratische Ringen um die beste Lösung nicht mit Schwäche. Verwechseln Sie die kurzen Momente des Innehaltens gerade in dieser Zeit nicht mit dem letzten Wort in der Sache. Das letzte Wort in der Sache werden nicht die Feinde der freien Gesellschaft, sondern ihre Verteidiger sprechen.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Alexander Throm
Foto: Alexander Throm/Tobias Koch
26 Vermerkeca. 633 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir dürfen nach der schrecklichen Terrortat von Mannheim nicht wieder in das übliche Ritual verfallen: Schock, Betroffenheit, Trauer und dann zum nächsten Thema.

Das haben Sie perfektioniert!

Nein, das geht nicht; denn inzwischen gibt es zu viele derartige Taten. Erst vorgestern gab es in Frankfurt wieder eine Messerattacke eines Afghanen auf eine unbedarfte Frau. Oder schauen wir nach Brokstedt und die zwei jungen Menschen, die sterben mussten.

Frau Kollegin Mihalic, ich halte es schon für äußerst bemerkenswert, mit welcher Arroganz und Überheblichkeit

… Sie 16 Jahre regiert haben!

Sie sich hierhinstellen und mit dem Finger auf andere zeigen,

Das ist doch Ihr üblicher Reflex!

wenn Ihre grüne Senatorin dafür verantwortlich ist, dass dieser Täter damals noch frei rumlaufen konnte.

Beifallbei der CDU/CSU

Ansbach! Plattitüden ablassen! Nichts ist passiert! Gar nichts!

Dasselbe gilt für den Kollegen Höferlin. Sie sorgen mit dem neuen Staatsbürgerschaftsrecht, mit der Turboeinbürgerung, dafür, dass auch Menschen nach fünf oder gar nach nur drei Jahren eingebürgert werden,

Hätten wir ihn drei Jahre später eingebürgert, dann wäre das nicht passiert, oder was wollen Sie hier behaupten?

bei denen wir nicht sicher feststellen können, dass sie nachhaltig integriert sind. Die Prüffrist ist zu kurz. Ihre Turboeinbürgerung ist ein Sicherheitsrisiko.

Das gilt auch für Ihr Quick-Freeze-Verfahren. Jeder Sicherheitsfachmann in Deutschland, egal welcher Sicherheitsbehörde, sagt, dass Quick Freeze unzureichend ist. Wir können über die Dauer der Speicherung diskutieren,

aber nicht darüber, dass die Daten nur in der Zukunft abgerufen werden können, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Die Menschen nehmen den Umgang dieses Staates vor allem mit schweren Straftätern und Extremisten inzwischen als Ohnmacht oder gar als Versagen des Staates wahr. Deswegen müssen wir handeln, auch um unsere Demokratie zu schützen.

Das fällt Ihnen aber spät ein!

Warum haben Sie denn so lange an Maaßen festgehalten? Was hat Horst Seehofer da auf der Regierungsbank gemacht? Sie sind blank!

Als wir vor anderthalb Jahren die Wiedereinführung von Abschiebungen nach Afghanistan gefordert haben – Herr Seehofer hat sie in der sogenannten Chaosphase, in der wir unsere Soldaten aus Afghanistan evakuiert haben, nur ausgesetzt;

Sie hatten keine Ahnung, wo die Soldaten sind!

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

das wissen Sie sehr genau –, haben Sie, Frau Kollegin Bayram, mir hier entgegengerufen:

Unverschämt! Herr Throm, Sie sind wirklich unverschämt! Sie wollen mit Taliban verhandeln!

Wo ist Ihre Schmerzgrenze? – Sie haben offensichtlich keine Schmerzgrenze.

Wollen Sie wieder persönlich werden, Herr Throm?

Der Bundeskanzler hat das erkannt; aber dafür musste erst ein Polizist sterben. Sie haben diese Schmerzgrenze offensichtlich immer noch nicht erreicht, zumindest nicht Ihre Außenministerin.

Unfassbar! Die hätten den doch auch nicht abgeschoben!

Die lügt, wenn sie sagt: Es gibt keine technischen Kontakte, Beziehungen zu Afghanistan.

Und ja, wir werden den Kanzler beim Wort nehmen und darauf achten, dass gilt, was drei Tage vor der Europawahl gesagt wurde.

Wir wissen, dass Abschiebungen nach Afghanistan, nach Syrien nicht einfach sind, ebenso in andere Länder.

„Nicht einfach“ ist eine nette Beschreibung!

Deswegen brauchen wir neue Wege. Wir brauchen eine neue Konsequenz;

Mit wem sind Sie eigentlich alles befreundet? Orbán!

denn alle Parteien – auch Ihre Fraktionsvorsitzende Haßelmann sagt: ja, die müssen natürlich das Land verlassen – verweigern sich bei der Umsetzung. Deswegen schlagen wir als CDU/CSU-Bundestagsfraktion Ihnen ein neues Werkzeug vor: Wir wollen den unbefristeten Ausreisearrest – selbstverständlich nach Verbüßung der Strafe –, und zwar so lange, bis der Täter freiwillig nach Afghanistan oder Syrien ausreist, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Beifallbei der CDU/CSU

quasi einen Arrest mit drei Wänden. Der Weg zurück in die deutsche Gesellschaft ist dauerhaft verschlossen; den hat er sich selbst verbaut. Ein Weg aber steht jederzeit offen, nämlich der Weg zurück in sein Heimatland.

Wenn es unkompliziert ist, hättet ihr das längst gemacht!

Über die Dauer dieses Arrestes entscheidet der Straftäter selbst. Ausreisepflichtigen Straftätern muss deutlich gemacht werden, dass sie in diesem Land nach der Haft keinerlei Perspektive, keine Hoffnung auf eine Duldung haben.

Zurufdes Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Er wird seinen Fuß nie wieder auf deutschen Boden setzen. Der einzige Weg, dies zu beenden, ist der Weg zurück in sein Heimatland, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn Sie jetzt Bedenken äußern ob der humanitären Zustände in Afghanistan oder Syrien:

Erhebliche, ja!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Kanzler hat gesagt: Das Sicherheitsinteresse Deutschlands wiegt schwerer als das Schutzinteresse eines solchen Täters. – Recht hat der Kanzler.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wollen Sie mit Assad kooperieren, oder nicht?

Deswegen müssen wir derartigen Schwerstkriminellen und hochgefährlichen Extremisten ein Leben in Syrien, in Afghanistan oder sonst wo, von wo sie herkommen, zumuten.

Wie wollen Sie das denn ermöglichen?

Die Antwort wird uns die CDU gar nicht liefern!

Sie haben sich selbst für diesen Weg entschieden, indem sie unser Gastrecht mit Füßen getreten haben. Jetzt hoffe ich, dass auch bei den Grünen endlich die Schmerzgrenze erreicht ist und sie feststellen, dass wir diese Zustände nicht weiter dulden können.

Schon wieder keine Antwort!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Sebastian Hartmann
Foto: Sebastian Hartmann
11 Vermerkeca. 814 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Teile der Rede von Ihnen, Herr Throm, sind in Auftritt und Lautstärke angesichts des Ereignisses, das heute formal den Rahmen setzt, unangemessen. Wir beklagen den Tod eines Polizisten, und Sie führen einen weiteren innenpolitischen Kotau auf, wie wir es in dieser Wahlperiode schon so häufig von Ihnen erlebt haben. Ich finde, das ist angesichts der Schwere der Tat und der bevorstehenden Beerdigung wirklich unangemessen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kein Polizist muss in diesem Land sterben. Aus jeder Tat ist eine Folge abzuleiten, und wir als Gesetzgeber haben eine Verantwortung. Meine sehr geehrten Damen und Herren, unser Bundeskanzler sagte: „Ohne Sicherheit ist alles andere nichts.“ Recht hat er. Wir leben in einer Epoche der Zeitenwende. Aber mit der Zeitenwende geht einher, dass man aus diesem Ritual herausbricht und sich selbst auch mal infrage stellt. Da nehme ich keine Fraktion, auch nicht meine eigene, oder mich als Person aus.

Bei einem Blick auf das Sammelsurium von Forderungen – 14 Punkte an der Zahl –, die wir so an anderer Stelle schon öfter diskutiert haben, stellt sich die Frage: Was ist denn eigentlich der Schritt von dem Tag vor der Tat zu dem Tag heute? Was ist in Ihrem Katalog jetzt anders?

Ein Mann ist gestorben!

Ich sage Ihnen: Wir haben gemeinsam Verantwortung in unterschiedlichen Regierungszeiten getragen. Auch Sie tragen für die Migrationslage in Deutschland und die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger eine hohe Verantwortung. Sie tragen sie auch in den Ländern, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union. Machen Sie sich hier nicht vom Acker!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir legen Vorschläge vor!

Und hören Sie auf mit den spalterischen Tendenzen – ich wiederhole: spalterische Tendenzen –, indem Sie Zweifel an der Polizei streuen! Sie haben die Kennzeichnungspflicht im Bundespolizeigesetz beklagt, letzte Woche wieder durch Ihren Fraktionsvorsitzenden. Das Bundespolizeigesetz ist seit 1994 unverändert; unter Unionsführung ist keine Änderung gelungen. Diese Kennzeichnungspflicht findet sich in Länderpolizeigesetzen der schwarz geführten Länder; ich kann Ihnen da zum Beispiel Schleswig-Holstein oder Sachsen-Anhalt nennen. Das ist eine Regel, die in einem demokratischen Rechtsstaat nicht ungewöhnlich ist; denn wir stehen zu den rechtstreuen Polizisten. Es ist kein Ausdruck des Misstrauens. Sie schüren Misstrauen, was man sonst von rechter Seite hier im Plenum vernimmt. Das ist der Unterschied. Führen Sie die Debatte mit dem Versuch einer Lösung oder einer weiteren Spaltung unserer Gesellschaft?

Wir haben doch konkrete Vorschläge gemacht! Welchen Vorschlag haben Sie denn?

Wir befinden uns in einer herausfordernden Situation.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Deswegen sage ich in aller Deutlichkeit auch an unseren Koalitionspartner:

Ja, dann mal los!

Es gibt so manchen Auftritt der Liberalen in Talkshows, wo in aller Tiefe und Weite über Waffensysteme philosophiert wird. Aber die Zeitenwende darauf zu reduzieren, dass man im Äußeren einen bestimmten Schritt geht, aber kein anderer Schritt folgt – das umfasst auch die Rechtsänderung –, das ist zu wenig. Die Diskussion über Sparhaushalte wird in einer herausfordernden Situation geführt. Sind wir in einer existenziellen Krise unseres Gemeinwesens? Sind wir durch Menschen wie Putin im Inneren wie im Äußeren bedroht? Aber was ist dann der Schluss? Ein Sparhaushalt? Wollen wir noch mal die Mittel kürzen und im Inneren nur den Bereich der Polizei ausnehmen? Das, meine Damen und Herren, kann nicht die Lösung sein. Wir werden niemals an der Sicherheit im Inneren, im Äußeren und im Sozialen sparen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Philipp Hartewig [FDP]

Gibt es keine Koalitionsrunden mehr?

Es ist im Übrigen auch nicht in Ordnung, bei einer Diskussion über die äußere Sicherheit eine Debatte über die rechtssichere IP-Adressen-Speicherung zu verweigern. Ich interpretiere das Urteil des EuGH anders. Es ist sogar in Bezug auf das Legalitätsprinzip die Pflicht des Gesetzgebers, nicht nur Grundrechtsschutz zu betreiben bei denen, die möglicherweise zu Unrecht unter Verdacht geraten; es geht auch um den Grundrechtsschutz von potenziellen Verbrechensopfern. Das sage ich in aller Klarheit für die SPD.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Ich erwarte auch vom Koalitionspartner in diesem Bereich Tat statt Wort.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir werden gemeinsam auch die Sicherheitslage in Afghanistan und in Syrien rechtlich neu bewerten. Ich erkläre noch einmal in aller Klarheit: § 53 und § 54 Aufenthaltsgesetz gelten. Das Sicherheitsinteresse der hier lebenden Menschen geht vor dem Interesse des Ausländers am Verbleib, insbesondere nach dem Begehen von Straftaten. Das ist keine Frage, sondern ein Auftrag zur Umsetzung.

Der letzte Sicherheitslagenbericht zu Afghanistan ist angesprochen worden; aber er ist falsch dargestellt worden, Frau Lindholz. Natürlich gibt es Entscheidungsgrundlagen. Sie von der Union haben damals das BAMF geführt, und Sie wissen, was mit Blick auf Syrien und auf Afghanistan in die Entscheidungsgrundlagen aufgenommen worden ist. Das haben wir in der gemeinsamen Regierungszeit verantwortungsvoll erkannt. Es geht mir hier nicht darum, eine weitere Spaltung herbeizuführen, sondern darum, zu überlegen, wie wir als demokratische Fraktionen gemeinsam das Sicherheitsbedürfnis der hier lebenden Bevölkerung, und zwar aller Einwohnerinnen und Einwohner, nicht nur der Deutschen, damit in Einklang bringen, dass der Rechtsstaat Abschiebungen rechtsstaatlich durchsetzt.

Ich will nachher kein Scheitern einer solchen Abschiebeanordnung vor einem Gericht. Diese muss vollzogen werden; ansonsten würde das noch mehr Zweifel am Rechtsstaat säen. Wir stehen vor dieser Herausforderung. Das Wort des Bundeskanzlers gilt. Die Bereitschaft der SPD-Bundestagsfraktion ist da. Wir werden nicht nur reden, wir werden handeln.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Steffen Janich
Foto: Steffen Janich
8 Vermerkeca. 457 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Am vergangenen Montag stach ein 19-jähriger Afghane am Frankfurter Mainufer auf den Kopf und in den Hals einer Frau ein, welche dort auf einer Parkbank saß. Die Frau konnte sich zunächst befreien, flüchtete, stürzte aber zu Boden. Daraufhin stach der Angreifer auf das wehrlose Opfer erneut ein, bis mutige Passanten zu Hilfe eilten. – Ebenfalls am vergangenen Montag attackierte ein 32-jähriger Türke einen jungen Mann in einer Regionalbahn kurz vor dem Halt am Saarbrücker Hauptbahnhof. Dem Opfer wurde ebenfalls in den Halsbereich gestochen. Er wurde anschließend notoperiert. – Auch der illegal eingereiste islamistische Terrorist aus Afghanistan, der den Polizisten Rouven Laur ermordete, macht deutlich, dass es sich hier um ein importiertes Problem handelt. Es ist genauso importiert wie die vielen anderen Probleme seit der Grenzöffnung durch Angelika Merkel:

Beifallbei der AfD
Zurufvon der SPD: Angelika?

Gruppenvergewaltigungen, Vielehen, weibliche Genitalverstümmelungen, Zwangsehen, antisemitische Hamas-Demonstrationen, Clankriminalität und eben auch die in diesem Antrag beklagten Sympathiebekundungen für den islamistischen Terror in unserem Land – all das haben die jetzige, aber vor allem auch die vorangegangene Regierung zu verantworten.

Beifallbei der AfD

Statt das Ruder nun endlich herumzureißen, denkt die Ampel gar nicht daran, einen Politikwechsel zu vollziehen. Erst kürzlich enthüllte die „Bild“-Zeitung, dass sich unter den 30 000 bisher eingereisten sogenannten Ortskräften mehrere amtlich bekannte Kollaborateure der Taliban befinden. Die Politik der offenen Grenzen wird zwar durch die Ampel auf die Spitze getrieben, aber die Wahrheit ist: Erfunden hat sie die CDU/CSU.

Beifallbei der AfD

Doch selbst die Union will nun scheinbar eine Politikwende und legt mit diesem Antrag ein Best-of der AfD-Forderungen der vergangenen Jahre vor. Man könnte es fast als Kompliment begreifen, gäbe es da nicht die viel beschworene Brandmauer. Die wichtigsten AfD-Forderungen fehlen allerdings noch. Erstens: Pull-Faktoren beseitigen, Sach- statt Geldleistungen! Es ist keinem Bürger unseres Landes vermittelbar, dass selbst vollziehbar ausreisepflichtig abgelehnte Asylbewerber, die sofort abgeschoben werden müssten, von unserem Staat zumindest nach 36 Monaten in voller Höhe des Bürgergeldes – plus Krankenkasse – alimentiert werden. Und zweitens: Grenzen dicht, Festung Europa!

Beifallbei der AfD

Und wir reden von dichten Grenzen. Jeden illegalen Einwanderer, den wir hier gar nicht erst reinlassen, brauchen wir später auch nicht abzuschieben.

Beifallbei der AfD

Was bleibt zum vorliegenden Antrag zu sagen? Die Forderungen sind gut und unterstützenswert, aber die Union wird nichts davon umsetzen, wenn sie wieder an der Regierung ist. Denn sie wird ausschließlich Koalitionen mit den Ampelparteien eingehen. Nichts anderes bedeutet die sogenannte Brandmauer. Der Antrag ist eine Mogelpackung, nichts weiter.

Beifallbei der AfD

Und der Wähler weiß das. „Klare Konsequenzen aus dem Terror von Mannheim“, wie sie im Unionsantrag gefordert werden, gibt es eben nur mit der AfD. Insbesondere die Menschen im Osten haben dieses Spiel längst durchschaut. Sie werden Ihnen die nächste Quittung bei den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen überreichen. Ihre AfD – wir schaffen das.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Ein echter Sachse!

Porträt von Lamya Kaddor
Foto: Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen/ Stefan Kaminski
13 Vermerkeca. 897 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer! Genau wie Sie alle hier treibt auch mich immer noch der Tod von Rouven Laur um. Ich möchte ihm, seiner Familie und all seinen Kolleginnen und Kollegen nochmals mein Beileid aussprechen, wie ich das gemeinsam mit vielen Mitgliedern dieses Hauses parteiübergreifend vergangenen Freitag in Berlin während des Trauermarsches getan habe.

Als Politik ist es dann auch unsere Aufgabe, zu handeln. Ich verstehe alle, die nach Abschiebungen rufen. Für mich als muslimische Abgeordnete ist es besonders schwer erträglich, mit Islamisten in einem Land zu leben; denn Islamismus ist Hass und Gewalt und bewirkt nichts anderes als Hass und Gewalt. In dieser politischen Ideologie – das ist eigentlich klar – liegt überhaupt nichts Gutes.

Sehr geehrte Damen und Herren, wir leben in einem freiheitlichen Rechtsstaat. Unsere Verfassung steht über allem. Und in einem Rechtsstaat kann man nicht aus dem Bauch heraus entscheiden. Abschiebungen, auch von Straftätern und Gefährdern, nach Afghanistan und in Länder wie Syrien sind aktuell kaum – ich sage bewusst: kaum – möglich. Das wissen wir alle, liebe Kolleginnen und Kollegen. Streuen wir doch den Menschen bitte keinen Sand in die Augen! Denn Politik sollte nichts versprechen, was sie so nicht halten kann.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Gleichzeitig ist es aber auch staatliche Aufgabe, dies genau zu prüfen. Lassen Sie mich das klarstellen: Wir als Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen stehen klipp und klar für eine rechtsstaatliche Abschiebung von Straftätern und Gefährdern in ihre Herkunftsländer; Irene Mihalic hat das gerade sehr treffend ausgeführt. Aber bei Afghanistan und Syrien stoßen wir an Grenzen und haben Fragen, die wir laut stellen.

Liebe Union, bitte erklären Sie uns doch, wie Sie solche Rückführungen rechtsstaatlich durchführen wollen.

Fragen Sie doch mal, wie es die Schweden machen!

Ich habe bislang keinen einzigen Verfahrensvorschlag aus Ihren Reihen gehört. Im Ausschuss gestern haben wir alle die gleichen Fragen gestellt; auch Sie haben die gleichen Fragen gestellt. Niemand hatte eine Antwort parat. Das BMI prüft derzeit geeignete Maßnahmen.

Wie lange wollen Sie denn noch prüfen?

Mit technischen Kontakten jedenfalls wird das nichts werden. Das funktioniert vielleicht bei Hilfsgütern, aber nicht bei Abschiebungen.

Zurufdes Abg. Alexander Hoffmann [CDU/CSU]

Die Taliban nehmen ihre Bürger nicht so einfach zurück. Sie wollen Gegenleistungen. Sie wollen nicht nur Geld, ganz im Gegenteil: Sie wollen diplomatische Aufwertung. In Ihrem Antrag haben Sie aber keinen einzigen Satz dazu geschrieben, wie Sie die Aufwertung von Islamisten in Kabul verhindern wollen.

Auch als stellvertretendes Mitglied meiner Fraktion im Auswärtigen Ausschuss verwehre ich mich einer Zusammenarbeit mit diesem Terrorregime. Wir sprechen hier von Terroristen. Wollen wir als Bundesrepublik und als deutsches Parlament wirklich die Ersten sein, die einem international geächteten Regime helfen, eine diplomatische Anerkennung zu erhalten?

Ganz sicher nicht!

Der Preis wäre aus meiner Sicht zu hoch.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Philipp Hartewig [FDP]

Wer nicht will, findet viele Gründe!

Vor allem löst der Ansatz gar nicht das eigentliche Problem der Abwehr islamistischer Angriffe. Und darum soll es doch gehen. Den Attentäter von Mannheim hätten wir zu keinem Zeitpunkt – selbst Sie nicht – rechtmäßig abschieben können. Weder war er straffällig, noch war er als Gefährder bekannt.

Er war aber abgelehnt! Das ist doch das Grundproblem!

Zurufdes Abg. Alexander Dobrindt [CDU/CSU]

Ich wiederhole deshalb in alle Richtungen: Diese Diskussion lenkt von tragfähigen Ansätzen zur Bekämpfung des Islamismus ab. Das Einzige, was wir damit bewirken, ist die Enttäuschung der Wählerinnen und Wähler über nicht eingehaltene Versprechen, meine Damen und Herren.

Dass das alles nicht ganz so leicht ist, sehen wir vielleicht am Tweet von – er ist, glaube ich, gar nicht mehr da – Ihrem Parteikollegen Thorsten Frei, immerhin Erster Parlamentarischer Geschäftsführer Ihrer Fraktion. Entgegen der Faktenlage behauptete er, 2023 hätte es fast 150 Evakuierungsflüge für Afghaninnen und Afghanen aus Kabul gegeben, was die Machbarkeit von Abschiebungen direkt belegen sollte. Der Tweet ist inzwischen – immerhin – wieder gelöscht, vielleicht auch deshalb, weil es in Wirklichkeit im vorigen Jahr genau null – null! – dieser Flüge gab, wie es auch 2022 null gab. Es gab sie nur über kurze Zeit während der Evakuierungsmaßnahmen, flankiert von der Bundeswehr, im Sommer 2021.

Wenn Sie jetzt Schweden als positives Beispiel heranziehen, möchte ich auch darauf eingehen. Die „FAZ“ hat erst gestern Morgen darüber berichtet: Die von den rechtsextremen Schwedendemokraten tolerierte rechte Regierung benutzt demnach nicht nur zweifelhafte Tricks, um sich solche Abschiebungen zu erkaufen. Es ist Schweden nach Polizeiangaben auch von Januar 2023 bis Mai 2024 – das ist gut ein Jahr – gelungen, gerade einmal neun – ich wiederhole: neun – Personen nach Afghanistan zurückzubringen, weil rechtsstaatliche Standards und Absprachen mit den Taliban eben nicht wirklich gut funktionieren.

Ja, weil das einfach nicht geht!

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, wenden wir uns also bitte den Maßnahmen und Diskussionen zu, die zielführender gegen islamistische Terrorgefahr sind. Unseren Sicherheitsbehörden und der rot-grünen Landesregierung in Niedersachsen ist gestern ein wirklich guter und wichtiger Schlag gelungen.

Die sogenannte Deutschsprachige Muslimische Gemeinschaft in Braunschweig wurde verboten. Die DMG ist eine salafistische Vereinigung, die seit Jahren in den Verfassungsschutzberichten Niedersachsens auftaucht und sich besonders durch sehr aktive Onlineangebote einem überregionalen und jüngeren Publikum zuwendet. Diese Maßnahmen unseres wehrhaften Verfassungsstaats sind jetzt fortzuführen und auch gegen – ich sage das immer wieder – „Muslim Interaktiv“, „Generation Islam“, „Realität Islam“, das IZH und andere unerlässlich.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Deshalb stimme ich Ihnen, Frau Lindholz, sehr bewusst darin zu, dass unsere Sicherheitsbehörden finanziell besser ausgestattet werden müssen.

Nicht nur finanziell!

Das ist ein zentrales Anliegen für die anstehenden Haushaltsverhandlungen.

Generell – ich möchte Irene Mihalics Einladung wiederholen – ist es wichtig, diesen Anlass zu nutzen, um einmal strukturell über den deutschen Islam bewusst als Abgrenzung vom Islamismus – das ist wirklich wichtig – nachzudenken und auch darüber, wie wir eine große Mehrheit der demokratischen Musliminnen und Muslime in diesem Land im Kampf gegen den Islamismus stärken können. Das ist ein wesentlicher Schritt. Dazu werden wir weiter diskutieren.

In diesem Sinne vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Philipp Hartewig [FDP]
11 Vermerkeca. 536 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Mannheimerinnen und Mannheimer! In der Gründungsurkunde meiner Heimatstadt aus dem Jahr 1607 heißt es sinngemäß, dass in Mannheim willkommen ist, wer rechtschaffen und mit Anstand zum Positiven dieser Stadt beitragen will, egal wo er oder sie herkommt.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Oberbürgermeister Christian Specht – seines Zeichens CDU-Mitglied –, der dieses Amt in einer äußerst klugen und vorbildlichen Weise parteiübergreifend wahrnimmt, hat genau an diesen freiheitlichen Geist erinnert, als 8 000 Menschen am Tage nach dem Tod von Rouven Laur auf dem Marktplatz zusammengekommen sind, um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen. Genau dieser freiheitliche Geist ist es, der auf die Würde und die Grundsätze des Einzelnen abstellt, der die Menschenwürde in den Mittelpunkt stellt und nicht Ethnien oder Gruppen. Genau dieser freiheitliche Geist ist es, der Mannheim bei allem, was in dieser Stadt besser werden muss, zu einem Beispiel gelungener Integration hat werden lassen.

Ja, das haben wir ja gesehen!

Es ist genau dieser Geist,

Dieser Geist!

den sich diese Stadt von keinem Extremisten, von keinem Islamisten, von niemandem zerstören lassen wird.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Es ist genau dieser Geist – Herr Baumann, hören Sie mir zu! –, der diese Stadt in dieser Trauer trägt.

Als Gesetzgeber ist uns Zurückhaltung dabei auferlegt, Gerichtsurteile zu kommentieren. Aber ich will zum Ausdruck bringen, dass ich es gut fand, dass Ihnen in letztinstanzlichem Urteil verwehrt worden ist, den Marktplatz in Mannheim, den der Oberbürgermeister zu einem Platz der Trauer erklärt hat, für Ihre politische Kundgebung zu missbrauchen. Sie hätten darauf verzichten können, dort zu demonstrieren. Das haben Sie nicht getan. Das ist würdelos.

Liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU/CSU, Ihr Antrag enthält manch bedenkenswerte Aspekte. Aber ich möchte an Sie folgende Bitte richten: Es geht hier wirklich um die Wortwahl. Wenn Sie schreiben, dass sich das strukturelle Misstrauen gegenüber der Polizei wie ein roter Faden durch die Politik der Ampelkoalition ziehe, dann ist das unredlich. Verzichten Sie auf solche Formulierungen! Das haben Sie doch eigentlich gar nicht nötig.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich sage Ihnen auch, dass ich als Mannheimer Abgeordneter bewusst die Forderung zurückweise, die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts zurückzunehmen. Vor dem Einzug in den Bundestag habe ich als Christ während meiner Berufstätigkeit das Büro über zehn Jahre mit einer Muslima geteilt. Wir haben manches gedeihliche Gespräch über Gott und die Welt geführt, und sie ist stolze Staatsbürgerin dieses Landes geworden.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Frau Bundestagspräsidentin Bas hat in ihren Worten zu dem Mord von Mannheim darauf hingewiesen, dass wir in diesem Hause es in der Hand haben, den Diskurs darüber so zu führen, dass er von den Menschen draußen im Lande verstanden wird, und kein Öl ins Feuer gießen.

Sie gießen doch Öl ins Feuer!

In Teilen wurde diese Debatte von verschiedener Seite so mit Geschrei begleitet, dass ich sagen muss: Mögen wir bitte in uns gehen und das noch einmal überdenken! Die Menschen draußen erreichen wir so nicht.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mannheim wird morgen mit einer großen Trauerfeier von Rouven Laur Abschied nehmen. Wir werden uns vor seiner Leistung, vor dem, wie er unsere Rechte verteidigt hat, verneigen. Wir werden seinen Angehörigen, seinen Kolleginnen und Kollegen unser Mitgefühl ausdrücken. Es ist das Erbe, das wir antreten müssen, die Botschaft der Gründungsurkunde von Recht, Anstand und Gemeinsamkeit mit Leben zu füllen. Dieses Erbe werden wir annehmen. Wir werden die Botschaft mit Leben füllen und uns das von niemandem kaputtmachen lassen.

Ich danke Ihnen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
10 Vermerkeca. 607 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Gut integriert“, so beschrieben die hessischen Behörden den Täter von Mannheim. Ein gut integrierter Asylbewerber aus Afghanistan mit Frau, Kindern und Job geht mitten in Deutschland auf einen Marktplatz und greift bestialisch und aus dem Nichts sechs Menschen an und tötet dabei einen jungen Polizisten. Da muss man sich schon überlegen, was „gut integriert“ eigentlich heißt. Der Integrationsexperte Ahmad Mansour hat neulich gesagt, dass wir davon ausgingen, dass Sprache plus Arbeit minus Kriminalität gleich erfolgreiche Integration bedeute, und wir laut ihm damit einem gewaltigen Irrtum aufsäßen. Was dabei fehle, sei die emotionale Bindung zu unserem Land. Das sollte uns, liebe Kolleginnen und Kollegen, zu denken geben.

Beifalldes Abg. Maximilian Mörseburg [CDU/CSU]

Wenn wir die Tausenden Menschen auf den Straßen Hamburgs sehen, die sich nach Kalifat und Scharia sehnen und Deutschland als Wertediktatur empfinden, dann muss man wohl feststellen, dass Sulaiman A. eben nicht der einzige nicht gut integrierte Zuwanderer in Deutschland ist.

Beifallbei der CDU/CSU

Im Gegenteil, im Netz wird der Terrorist von Mannheim von anderen für seinen heimtückischen Mord gefeiert. Islamistische Akteure zeigen Sympathie für den Attentäter. Die Polizeiliche Kriminalstatistik vermittelt uns auch etwas anderes, nämlich eine erhebliche Zunahme nichtdeutscher Tatverdächtiger. Hier zeigen sich, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Folgen des zunehmenden Kontrollverlustes in der Migrations- und Integrationspolitik. Da müssen wir uns endlich ehrlich machen.

Beifallbei der CDU/CSU

Auch die CDU!

Wir müssen all denen, die unsere Art, zu leben, ablehnen, die unsere Grundwerte von Freiheit, Demokratie und Achtung der Menschenwürde bekämpfen, die unseren Frieden stören, die Straftaten begehen, die Hass und Hetze streuen, mit aller Härte und Entschiedenheit entgegentreten. Ich sagte: „müssen“; denn wir tun es nicht, Sie tun es vor allem nicht. Die Bundesinnenministerin empfand die Demonstrationen von Hamburg als „schwer erträglich“ – ein recht mildes Urteil, wie ich finde. Für ein sofortiges Verbot von „Muslim Interaktiv“ jedenfalls hat es nicht gereicht. Nach der Tat von Mannheim konnte sich der Kanzler jetzt zu dem Satz durchringen:

„Solche Straftäter gehören abgeschoben – auch wenn sie aus Syrien oder Afghanistan stammen.“

Ja, das wäre was. Das fordern wir schon seit März 2023.

Beifallbei der CDU/CSU

Es darf auch nicht wie sonst ablaufen: Der Kanzler kündigt etwas an, um zu beruhigen, um Tatkraft zu zeigen. Aber er hat das in der Koalition nicht abgestimmt. Es wird ihm offen widersprochen. Wenn hier gesagt wird, man könne gar nicht abschieben, der Kanzler aber sagt, er wolle abschieben, dann frage ich mich schon, was da in der Koalition los ist. Es folgt die Flucht in Ausreden wie die Nicht-Umsetzbarkeit, in weitere Ausflüchte, Vorwürfe an die Opposition, wie heute geschehen; aber es tut sich nichts. Das ist unlauter, liebe Kolleginnen und Kollegen. Es ist vor allem auch nicht das, was das Land braucht. Das ist schlicht verantwortungslos.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir machen in unserem Antrag erneut gute Vorschläge, um irreguläre Migration in den Griff zu bekommen, und zeigen auf, wie man mit schweren Straftätern und Gefährdern umgehen soll.

Außer Phrasen habe ich jetzt von Ihnen noch nichts gehört!

Vielleicht greifen Sie jetzt endlich einmal den einen oder anderen Vorschlag auf. Unterstützen Sie die Bundesländer bei den Abschiebungen! Sorgen Sie für einen starken Grenzschutz! Stoppen Sie Ihr Vorhaben gegen V-Leute! Vertrauen Sie den Polizisten, und nehmen Sie einen der größten Fehler Ihrer Regierungszeit, die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts, zurück! Eine Einbürgerung darf nur bei Einordnung in deutsche Verhältnisse möglich sein. Darauf müssen wir bestehen. Das zeigt sich doch gerade ganz deutlich.

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn Sie jetzt sagen, das alles gehe nicht, dann machen Sie doch, dass es geht. Sorgen Sie dafür, dass EU-Gesetze geändert werden! Und vor allem: Ducken Sie sich nicht immer weg mit Ihrer Lieblingsleier, was die Union 2015 gemacht oder nicht gemacht hat!

Sie haben wirklich keine Ahnung! Das muss man mal feststellen!

Wir haben dazugelernt. Wir übernehmen Verantwortung. Wir machen Vorschläge. Fangen Sie damit an, zu handeln und das Land zu regieren!

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Fünf Minuten null Inhalt!

18 Vermerkeca. 578 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Bekämpfung des Islamismus und der Schutz vor islamistischen Tätern sind für uns vordringliche Themen. Wir bekämpfen Islamisten mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen; darauf ist schon eingegangen worden. Die Union erzählt uns hier nichts Neues.

Der getötete Polizist Rouven Laur ist mutmaßlich Opfer eines Islamisten geworden. Es ist unerträglich, wenn Helferinnen und Helfer im Einsatz für andere verletzt oder umgebracht werden. Unsere ganze Unterstützung und Solidarität gilt den Polizeibeamtinnen und -beamten

Beifallbei Abgeordneten der SPD

und auch allen anderen, die für die Gesellschaft ihr Leben riskieren.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Konrad Stockmeier [FDP]

Angesichts des Vorfalls in Mannheim machen sich viele Menschen in unserem Land Gedanken um ihre Sicherheit. Sie machen sich Sorgen, und sie haben Angst. Es ist unredlich, diese Situation zu missbrauchen. Deshalb möchte ich dazu drei Dinge sagen:

Erstens. Wir schützen unsere Bürgerinnen und Bürger hier in diesem Land. Wir garantieren ein extrem hohes Maß an öffentlicher Sicherheit. Wir dulden weder Gewalt noch die Androhung von Gewalt. Unsere Bürgerinnen und Bürger genießen den Schutz durch den Rechtsstaat. Aber: Wer unser Rechtssystem missbraucht, wird bestraft. Gefährder und Straftäter haben hier nichts verloren. Die Sicherheit steht bei uns im Fokus.

Zweitens. Unsere Sicherheitsbehörden machen einen hervorragenden Job. Ich danke allen, die sich auch in diesen Wochen hier und in ganz Deutschland um Sicherheit und Ordnung kümmern.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Drittens. Wir investieren massiv in die innere Sicherheit, in Personal und in Material, auch in Zeiten knapper Kassen. Darauf, meine Damen und Herren, können Sie sich verlassen.

Die Forderungen der Union klingen ja erst mal gut,

Genau! Die sind auch gut!

sind auf den zweiten Blick aber eher zweifelhaft. Ein Beispiel: Sie wollen Informationen zur Staatsbürgerschaft in arabischer Sprache verbieten. Sind Arabisch sprechende Menschen gefährlicher als andere? Ist Arabisch eine gefährliche Sprache?

Bitte nicht! Das ist eine sehr schöne Sprache!

Was wollen Sie uns damit sagen? Der Attentäter von Mannheim hat vermutlich eher Hessisch gesprochen. Und wenn Terroristen, sagen wir mal, Italienisch oder Kroatisch sprechen würden, dann wäre das okay? Nein, natürlich nicht!

Ein Witz ist das!

Vorgestern hat übrigens der brandenburgische CDU-Innenminister eine Strategie gegen Islamisten aus dem Nordkaukasus vorgestellt. Diese Herkunftsregion hat er gemeinsam mit dem Verfassungsschutz besonders im Blick. Dort wird jedenfalls kein Arabisch gesprochen.

Also, wir brauchen keine Augenwischerei, keine hohlen Phrasen. Wir brauchen rechtssichere Lösungen, die Bestand haben.

Dann machen Sie doch!

Es geht um unsere Sicherheit, und die müssen wir ernst nehmen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie regieren doch!

Meine Damen und Herren, dieses Thema taugt nicht dazu, die Bundesregierung vorzuführen. Unsere Innenministerin Nancy Faeser

Zurufvon der AfD: Wo ist sie denn?

hat islamistische Organisationen verboten und wird weitere Verbote aussprechen und durchsetzen.

Wann denn?

Bundeskanzler Olaf Scholz hat darüber hinaus weitere Schritte angekündigt.

Ankündigen reicht nicht!

Wir handeln entschlossen und sorgfältig. Es wäre der Situation angemessen, wenn sich die Union in diesen wichtigen Fragen hinter und nicht gegen die Regierung stellen würde.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Welche Regierung?

Ich sage Ihnen mal, wie das bei uns in der Region ist. Bei uns in Brandenburg finden Grenzkontrollen gegen ungeregelte Migration statt. Ich kenne die Arbeitsbedingungen der Bundespolizei in Forst und stehe mit ihr in engem Austausch. Mein Landkreis hat als erster die Bezahlkarte für Geflüchtete eingeführt.

Zurufvon der AfD: Sie waren bestimmt dagegen!

Wir wissen genau, mit wem wir es zu tun haben.

Aber im Unterschied zur Union hüten wir uns davor, Menschen unter Generalverdacht zu stellen. Der Islamismus ist kein afghanisches Problem. Er hat nichts mit der arabischen Sprache zu tun, und es sind auch nicht allein Asylbewerber, die extremistischen Ideen anhängen.

Das hat doch keiner gesagt!

Sie sehen: Das Problem des Islamismus ist etwas komplizierter und vielschichtiger, als es die Union in ihrem Antrag behauptet. Islamismus ist gefährlich, und es gibt keine einfachen Antworten.

Dann geben Sie lieber gar keine?

Lassen Sie uns deshalb mit wirksamen Mitteln daran arbeiten, ihn zu bekämpfen!

Danke für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Porträt von Gökay Akbulut
Foto: Gökay Akbulut/Thommy Mardo
10 Vermerkeca. 362 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Anschlag von Mannheim hat mich, wie viele andere Menschen in unserem Land auch, tief erschüttert. Ein junger Polizist wurde getötet, weil er das Leben von anderen Menschen retten wollte. Als Mannheimerin macht mich diese Tat tief betroffen. Es ist daher wichtig, dass wir jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Wir müssen dringend Maßnahmen ergreifen, um islamistische Anschläge zu verhindern. Wir müssen islamistische Netzwerke besser bekämpfen und Wege finden, auch zu Menschen durchzudringen, die sich im Stillen radikalisieren.

Beifallbei der Linken

Es gibt ja auch durchaus gute Vorschläge, wie islamistischer Extremismus bekämpft werden kann. Ich erinnere an den Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses zum Anschlag am Breitscheidplatz. Hier gab es von einschlägigen Experten zahlreiche Empfehlungen an die Politik, auch zur Präventionsarbeit und zum Zusammenwirken der Sicherheitsbehörden. Die Unionsfraktion wäre gut beraten, sich diesen Bericht noch mal genauer anzuschauen.

Beifallbei der Linken

Stattdessen legt die Union heute einen Forderungskatalog vor, der weder neu noch besonders innovativ ist. Auf eine sachlich unzuverlässige Weise vermischt sie Terrorismus und Allgemeinkriminalität von ausländischen Staatsangehörigen. Sie kommt zu Ergebnissen, die ziemlich abenteuerlich und unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten völlig inakzeptabel sind.

Beifallbei der Linken

So will die Union einen unbefristeten Ausreisegewahrsam einführen. Sie möchte die Verbote von Abschiebungen nach Syrien und Afghanistan durch Abschiebungen in Nachbarstaaten umgehen. Das ist ein ziemlich perfider Plan.

Beifallbei der Linken

Meine Damen und Herren, zu einer ehrlichen Analyse des Anschlags von Mannheim gehört, zu akzeptieren, dass der islamistische Extremismus auch ein deutsches Problem ist und sich nicht einfach ins Ausland abschieben lässt. Wer hier Straftaten begeht, muss hier seine Strafe absitzen.

Beifallbei der Linken

Diese Fokussierung auf das Thema Asyl und Abschiebung wird der Komplexität der Thematik in keiner Weise gerecht. Mehr Abschiebungen führen verdammt noch mal nicht zu mehr Sicherheit.

Zurufvon der AfD: Doch!

Damit wird nur das Geschäft der Rechtsextremisten betrieben.

Beifallbei der Linken

Gerade jetzt ist es von zentraler Bedeutung, dass die demokratischen Parteien sachlich und vor allem lösungsorientiert bleiben. Sie dürfen nicht in einen populistischen Überbietungswettbewerb verfallen. Wir können unseren Rechtsstaat gegen seine Feinde nicht dadurch verteidigen, dass wir unsere menschenrechtlichen Ansprüche über Bord werfen.

Beifallbei der Linken

Diese Forderungen der Union werden nicht zu mehr Sicherheit führen; sie werden unsere rechtsstaatlichen Standards weiter aushöhlen. Das dürfen wir nicht zulassen. Wir werden die Rechtsstaatlichkeit auch weiterhin verteidigen.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Dunja Kreiser
Foto: Dunja Kreiser/Photothek Media
10 Vermerkeca. 500 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der gewaltsame Tod des jungen Polizisten Rouven Laur, der sein Leben für unsere Sicherheit eingesetzt hat, hat uns alle zutiefst erschüttert. Wir trauern um einen mutigen Beamten, der in Ausübung seines Dienstes sein Leben verlor. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und seinen Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Reinhard Houben [FDP]

Wer einen Polizisten angreift, greift den Staat und seine Ordnung an. Unsere Polizistinnen und Polizisten verdienen unseren vollen Respekt und unsere Unterstützung. Deshalb haben wir auch den ersten Polizeibeauftragten, einen Vertreter für Bürgerinnen und Bürger, einen Vertreter für Polizistinnen und Polizisten, verehrte Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es bedarf einer maximalen und einsatzorientierten Ausstattung und Ausbildung – dafür sorgen wir; die Kollegen haben es schon gesagt –, aber auch klarer Regelungen für Waffenverbotszonen dort, wo das Risiko am größten ist.

Zurufvon der AfD: Bei Terroristen!

Auch müssen wir sicherstellen, dass diejenigen, die unsere Polizei und Sicherheitsbehörden angreifen, schneller und effektiver zur Rechenschaft gezogen werden. Die Übernahme der Ermittlungen durch die Generalbundesanwaltschaft zeigt, wie ernst wir solche Verbrechen nehmen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Dabei spielt es keine Rolle, durch was der Terror motiviert wird und ist. Terror bleibt Terror. Für uns gilt, dass wir den Extremismus in all seinen Ausprägungen bekämpfen müssen. Es darf keinen Raum für Gewalt und Terror in unserer Gesellschaft geben. Bestes Beispiel ist das gestrige Verbot des Vereins „Deutschsprachige Muslimische Gemeinschaft“ in Braunschweig.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Schließlich müssen wir uns auch mit der Frage auseinandersetzen, wie wir als Gesellschaft mit Tätern umgehen, die Schutz in unserem Land suchen, diesen Schutz aber durch kriminelle Handlungen missbrauchen. Wie bereits unser Bundeskanzler in seiner letzten Regierungserklärung gesagt hat, hat die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger sowie unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung oberste Priorität. Deshalb werden derzeit Rückführungsmöglichkeiten geprüft. Herr Throm, wir begrüßen es ausdrücklich, das Auswärtige Amt in dieser Frage miteinzubeziehen. Es geht hier um Vorüberprüfungen, Sicherheitsüberprüfungen. Unser Sicherheitsinteresse ist sehr groß. Das Wort des Kanzlers gilt!

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Dabei werden wir nicht, wie Sie in Ihrem Antrag formulieren, die Menschen unter Generalverdacht stellen, alle Themen miteinander vermischen und das Staatsangehörigkeitsrecht rückgängig machen. Das ist doch rückwärtsgewandt und beleidigend für die guten Menschen, die bereits jetzt Anträge gestellt haben. Das ist beschämend, verehrte Damen und Herren.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wollen ein friedliches und sicheres Zusammenleben. Dabei habe ich volles Vertrauen in unsere Strafverfolgungs- und Sicherheitsbehörden. Neben repressiven und präventiven Maßnahmen setzen wir als Ampelkoalition auch auf Maßnahmen der politischen Bildung, der Vielfaltsgestaltung, der Demokratieförderung und der Extremismusprävention. Wir haben bereits viele Maßnahmen getroffen und werden verfassungsfeindlichen Bestrebungen entschlossen gemeinsam begegnen und damit unsere Demokratie stärken.

Der Tod von Rouven Laur ist ein schmerzlicher Verlust. Lassen Sie uns deshalb gemeinsam für eine Gesellschaft einstehen, die auf Solidarität, Freiheit und gegenseitigem Respekt basiert! Lassen Sie uns Extremismus, Gewalt und Hass entschieden entgegentreten!

Frau Warken, Sie haben gesagt, dass bei der Integration die emotionale Bindung fehlt. Aber glauben Sie wirklich, dass Sie das hier mit Ihren Worten erreichen?

Das haben Sie jetzt falsch verstanden, glaube ich! Müssen Sie noch mal nachlesen!

Unser Land steht zusammen, heute und in Zukunft. Das muss auch in den Reden von Demokratinnen und Demokraten zu erkennen sein.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Gyde Jensen [FDP]
10 Vermerkeca. 287 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ihre gescheiterte Migrationspolitik ist zweifellos einer der Gründe für die herbe Niederlage der Ampelparteien am letzten Sonntag. Die unkontrollierte Zuwanderung schadet unserem Land, und die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger fordert schon lange, dass die Politik endlich handelt. Das erwarten übrigens auch die Millionen rechtschaffenen gut integrierten Moslems,

Es heißt „Muslime“! Die heißen nicht mehr „Moslems“, Frau Wagenknecht! Das hätten Sie wissen müssen!

die am meisten darunter leiden, wenn die Ausbreitung eines radikalen Islamismus die Stimmung im Land zum Kippen bringt.

Beifallbeim BSW

Ja, wir haben ein Problem mit gescheiterter Integration, das durch den Zuzug der letzten Jahre massiv verstärkt wurde. Wir haben ein Problem mit islamistischen Parallelgesellschaften, in denen die Ablehnung unserer Kultur und unserer Werte inzwischen identitätsstiftend ist.

Ist ja wie beim BSW!

Wir haben eine deutliche Überrepräsentanz ausländischer Straftäter, vor allem bei Gewalt- und Sexualdelikten.

Mit Ausnahme der Vorratsdatenspeicherung sind viele Punkte in Ihrem Antrag richtig und überfällig.

Wenn man vermeintlich so weit links ist, dass man rechts wieder rauskommt, dann heißt man Wagenknecht!

Aber wir stünden jetzt nicht da, wo wir stehen, wenn die CDU/CSU das schon in ihrer Regierungszeit umgesetzt hätte.

Beifallbeim BSW

Dann könnte der mutige Polizist vielleicht noch am Leben sein.

Viele Länder in Europa haben die unkontrollierte Migration erfolgreich gestoppt, nur bei uns geht das angeblich nicht. Menschen, die in Afghanistan tatsächlich an Leib und Leben bedroht sind, weil sie etwa mit der Bundeswehr zusammengearbeitet haben, haben wir vielfach schutzlos zurückgelassen; aber Islamisten wie den Attentäter von Mannheim bewahren wir vor Abschiebung. Das können Sie doch niemandem erklären.

Beifallbeim BSW

Ich habe Frau Faeser gefragt, bei wie vielen Asylbewerbern der Verdacht einer Straftat vorliegt bzw. wie viele vorbestraft sind. Antwort: Darüber liegen der Bundesregierung keinerlei Kenntnisse vor. – Das ist doch eine Bankrotterklärung.

Beifallbeim BSW

Wir sagen klar: Wer zu uns kommt und Gewalttaten verübt, der hat das Recht auf Aufenthalt verwirkt, und wer keinen Schutzstatus hat, der kann auch nicht im Land bleiben.

Und deshalb AfD wählen!

Danke schön.

Beifallbeim BSW

Komplizen gefunden, Frau Wagenknecht!

Porträt von Detlef Seif
Foto: Detlef Seif/Laurence Chaperon
8 Vermerkeca. 474 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der Terrorakt von Mannheim berührt uns wie kaum eine andere Tat. Die Bilder dieses heimtückischen Messerangriffs auf den jungen Polizeibeamten Rouven Laur, dessen Tod völlig sinnlos ist, werden uns nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Ein Weiter-so darf es nicht geben, und das haben auch viele Wortbeiträge heute zum Ausdruck gebracht.

Meine Kollegin Nina Warken hat das Thema Kriminalstatistik angesprochen. Auch hier dürfen wir keine Denkverbote an den Tag legen. Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik 2023 werden weit über 40 Prozent der Straftaten von nichtdeutschen Tatverdächtigen begangen, obwohl deren Bevölkerungsanteil nur bei etwa 15 Prozent liegt. Die Doppelstaatler sind nicht berücksichtigt; auch nicht berücksichtigt sind die, die erst vor Kurzem eingebürgert wurden.

Ja, vielen Dank, Frau Merkel!

Asylantragsteller kommen oftmals aus Kulturen und aus Regionen, wo Gewaltanwendung auch mit Waffen dazugehört und zur Lösung von Konflikten weitverbreitet ist.

Das ist unserer Kultur ja völlig fremd! Kennen wir gar nicht!

Unkontrollierte Massenmigration ist deshalb zwingend, wenn man diese Zahlen hört, mit einem überdurchschnittlich hohen Import von Straftätern verbunden. Auch aus diesem Grund müssen wir alle ein Interesse daran haben, die unkontrollierte Massenmigration zu begrenzen.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der AfD: Hört! Hört!

Ich rede hier von einem Systemwechsel in der Asylpolitik. Das ist das Einzige, was uns hier wirklich weiterbringt. Nur wenn wir die Asylverfahren grundsätzlich in sichere Drittstaaten verlagern, können wir in der EU und in Deutschland die Kontrolle zurückerlangen.

Beifallbei der CDU/CSU

Und wer hat es erfunden? Die AfD!

Ismail Celik, mein Freund aus Wesseling, islamischen Glaubens, fragte über 50 Bekannte islamischen Glaubens, wie sie den Terrorakt von Mannheim bewerten. Alle haben die Tat verurteilt, alle haben darauf hingewiesen, dass ein derart menschenverachtendes Verhalten nichts mit dem Islam zu tun hat. Solche Täter dürften sich nicht auf den Islam berufen. Aber auf die Frage von Ismail Celik, ob sie das auch öffentlich sagen, ob sie das auch in der islamischen Gemeinde jeweils aktiv mitteilen, antworteten sie: Nein. Das zeigt, mit welchem Phänomen und Dilemma wir es zu tun haben. Die meisten islamischen Menschen in diesem Land sind friedlich, liberal und gut integriert;

Ja, meine Rede, Herr Seif! Schön, dass Sie das jetzt so sehen!

sie sind aber nicht bereit, ihre Ablehnung und Abscheu gegenüber dem Islamismus öffentlich zu machen.

Warum sage ich das? Hassprediger und Islamisten müssen spüren und die klare Ansage auch aus der islamischen Community erhalten, dass sie nur verbohrte, gewaltbereite und verachtenswerte Extremisten sind und keine Berechtigung haben, für den Islam zu sprechen oder zu handeln.

Danke, Herr Seif!

Eine fehlende Distanzierung an dieser Stelle kann die Extremisten stärken und ermutigen.

Deshalb ist es wichtig, wie es der Journalist Eren Güvercin fordert, dass die muslimischen Dachverbände nicht nur ihre Anteilnahme erklären, sondern sich auch aktiv mit dem Islamismus auseinandersetzen. Güvercin weist darauf hin, dass es in muslimischen Gemeinschaften oftmals gefährliche Überlegenheitsvorstellungen gibt, die unreflektiert zu radikalen Überzeugungen führen können und dann auch Tatbeiträge herbeiführen können. Deshalb sei es die Verantwortung der muslimischen Verbände, dies selbstkritisch zu hinterfragen.

Ich fordere die muslimischen Verbände auf, hier zu einem wichtigen Teil der Lösung zu werden und daran mitzuwirken, dass der islamistische Sumpf trockengelegt wird.

Vielen Dank!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Irene Mihalic
Foto: Irene Mihalic/ Annette Koroll
13 VermerkeZwischenfrageca. 413 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Wir beklagen seit Jahren eine massive islamistische Bedrohung in unserem Land.

Die beklagen Sie nie!

Die Zahl islamistischer Gefährder ist auf einem hohen Niveau von aktuell 448 Personen,

Das sind mehr!

davon sind 178 im Ausland und 97 in Haft. Mit dem furchtbaren Anschlag in Mannheim hat sich diese Bedrohung erneut schmerzlich realisiert. Wir trauern mit den Angehörigen von Rouven Laur und seinen Kolleginnen und Kollegen, für die es unerträglich ist, dass einer von ihnen im Einsatz für unser Land mitten aus dem Leben gerissen wurde.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und der FDP und des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Deshalb gehen wir weiter konsequent und mit aller Härte gegen Islamismus und auch gegen Islamisten vor und müssen unsere Sicherheitsbehörden bestmöglich in ihrer Arbeit unterstützen, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Carina Konrad [FDP]

Islamismus ist doch in Ihren Reihen bei den Grünen! Ist doch bestens!

Wie wichtig uns das ist, machen wir Grüne auch schon seit Jahren deutlich. Schon 2020 haben wir als Konsequenz aus den Terroranschlägen von Berlin, Paris, Nizza und Wien in einem Antrag gefordert, Abschiebungen von islamistischen Gefährdern – also nicht nur von verurteilten Straftätern, sondern auch von Gefährdern – endlich voranzutreiben. Denn als Rechtsstaat, meine Damen und Herren, können wir es uns doch nicht gefallen lassen, dass ideologische Fanatiker und Extremisten unsere Freiheit und Sicherheit bedrohen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Solche Leute, Straftäter nach Verbüßung ihrer Strafe und Gefährder gehören abgeschoben. Dazu gibt es in meiner Fraktion keine zwei Meinungen.

Sie regieren doch! Was fordert ihr?

Und es ist gut, dass das bereits heute gesetzlich möglich ist. Dafür brauchen wir keine unseriösen Schaufensteranträge der Union. Das ist die Praxis und die Realität in Deutschland, und das ist auch gut so, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Frau Lindholz, wenn man Ihren Antrag liest, dann fragt man sich ernsthaft, wirklich ernsthaft, wer eigentlich vor der SPD 16 Jahre lang das Innenministerium geführt hat.

Ach, du lieber Gott!

Sie schreiben hier eine Forderung nach der anderen auf, um die Sie sich in Regierungsverantwortung nicht gekümmert haben. Es ist doch selbstverständlich, dass das Innenministerium fortlaufend prüft, in welche Länder wir Straftäter abschieben können.

Ich darf Sie daran erinnern – jetzt hören Sie einmal gut zu, Frau Lindholz –: Es waren nicht die Grünen – und jetzt gut aufpassen –, sondern es war der CSU-Innenminister Horst Seehofer, der 2021 Abschiebungen nach Afghanistan ausgesetzt hat,

Ja, richtig!

Ja, zum Zeitpunkt des Umsturzes! Wir haben doch heute eine ganz andere Situation!

und zwar nicht aus Mitleid mit den Abzuschiebenden, sondern weil es für die Polizei, die diese Leute begleiten muss, schlicht zu gefährlich war, in dieses Land zu reisen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Ja, im Sommer 2021!

Ich weiß nicht, wie Sie informiert sind, aber nach meiner Kenntnis hat sich die Sicherheitslage in Afghanistan nicht verbessert,

im Gegenteil. Und Sie wollen jetzt unsere Bundespolizistinnen und Bundespolizisten dieser Gefahr aussetzen, Frau Lindholz? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Irene Mihalic
Foto: Irene Mihalic/ Annette Koroll
15 Vermerkeca. 369 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Ich würde gerne fortsetzen.

Wir können uns ja einmal vorstellen – Frau Wittmann, vielleicht passt das zu der Frage, die Sie stellen wollten –: Was passiert denn, wenn diese Straftäter nach Verbüßung ihrer Haftstrafe in Afghanistan sind?

Peinlich! Peinlich!

Die kommen in Kabul an, werden von den Taliban, die übrigens am 11. September beteiligt waren, wie Helden gefeiert und am besten gleich wieder mit falschen Identitäten zurückgeschickt, damit sie den nächsten Anschlag begehen können.

Zurufdes Abg. Martin Hess [AfD]

Was ist denn Ihre seriöse sicherheitspolitische Antwort darauf? Da sind Sie völlig blank, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Aber Ihr Antrag wirft noch mehr Fragen auf. Sie behaupten, wir wollten den Einsatz von verdeckten Ermittlern und V-Personen einschränken, dabei wollen wir deren Einsatz sicher ermöglichen.

Nein, wollen Sie nicht!

Wenn es so läuft wie bisher, dann läuft es so wie im Fall Anis Amri, dem islamistischen Attentäter vom Breitscheidplatz. Dann ist die nächste Katastrophe vorprogrammiert, und das gilt es zu verhindern.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

An anderer Stelle fordern Sie irgendwelche Verschärfungen ohne Begründung. Die Ausweisungsvorschriften wurden dieses Jahr bereits zweimal verschärft, auch mit Blick auf die scheußlichen Sympathiebekundungen von Anhängern der Hamas hier in Deutschland.

Und weil Ihr Antrag noch nicht platt genug ist, bringen Sie noch alte Kamellen wie die Vorratsdatenspeicherung auf den Tisch. Es ist wirklich zum Heulen, meine Damen und Herren.

Ja, weil Sie nichts lösen!

Ja, weil Sie nichts machen!

Mit diesem Ladenhüter sind Sie schon vor 20 Jahren an die Wand gefahren. Dabei ist es Ihnen nie gelungen, eine verfassungskonforme Regelung vorzulegen.

Sie wissen doch, dass das falsch ist! Sagen Sie es doch endlich! Mann, ist das peinlich! Peinlich, peinlich, peinlich!

Fangen Sie doch endlich einmal an, Frau Lindholz, eine substanzielle, seriöse und an Lösungen orientierte Innenpolitik zu machen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Dann können wir auch bei einigen Punkten von Ihnen gemeinsam etwas hinkriegen, wie zum Beispiel eine gute Ausstattung der Sicherheitsbehörden – das ist doch das A und O – oder die Schließung des Islamischen Zentrums in Hamburg.

Sie sind doch in der Regierung! Wahnsinn!

Solche Brutstätten für islamistischen Terror müssen verboten werden, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Auch Terrorverherrlichung und islamistische Propaganda auf Social Media können wir nicht akzeptieren.

Tun Sie doch mal was! Gar nichts machen Sie! Null Komma null!

Sie beschreiben das eigene Totalversagen!

Da haben wir auch schon einiges gemacht. Aber da geht noch mehr. Ich lade Sie dazu ein, Frau Lindholz, dass wir gemeinsam etwas hinkriegen.

In diesem Sinne: Lassen Sie Ihre unseriösen Forderungen in der Schublade, und zollen Sie den Opfern des islamistischen Terrors und ihren Familien dadurch Respekt, dass Sie ernsthaft und faktenbasiert

Ja, dann müssen Sie mal was machen!

mit uns gemeinsam für die Sicherheit unseres Landes arbeiten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Hättet ihr abgeschoben, dann hätten wir die Opfer gar nicht!

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Hansjörg Durz
Foto: Hansjörg Durz/ Hendrik Steffens
20 Vermerkeca. 783 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Nach sechs Monaten Beratungszeit liegt nun das Ergebnis auf dem Tisch. Aus dem Weihnachtspaket – schließlich ist das Postgesetz kurz vor Weihnachten im Kabinett beschlossen worden – ist ein sommerlicher Blumenstrauß mit vielen neuen Regelungen geworden,

Heiterkeitdes Abg. Alexander Hoffmann [CDU/CSU]

Ist doch gut! Parlamentarische Arbeit!

und zwar, wie wir eben gehört haben, mit ganz viel Kontrolle und Bürokratie.

Beifallbei der CDU/CSU

Das aktuelle Postgesetz stammt aus dem Jahr 1997. In diesem Jahr wurde Netflix gegründet, das seine DVDs damals mit der Post verschickt hat. Das erste iPhone kam erst zehn Jahre später auf den Markt und hat unsere Kommunikation fundamental verändert. In der Konsequenz sinken die Briefmengen kontinuierlich; hingegen sind die Sendungsmengen im Paketbereich, getrieben durch E-Commerce und Wettbewerb, extrem angestiegen. Wir sind uns einig: Das Postgesetz muss überarbeitet werden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Wir stimmen weitgehend auch in den Zielen überein; wir haben sie in unserem Antrag formuliert. Wir brauchen auch in Zukunft eine flächendeckende Versorgung mit Postdienstleistungen – von Hiddensee bis zur Zugspitze, überall im Land –, und das zu bezahlbaren Preisen. Wir brauchen gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten der Branche; denn sie leisten viel,

Hört! Hört!

Sommer wie Winter, bei Wind und Wetter. Ihnen allen ein herzliches Dankeschön!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir brauchen aber auch fairen Wettbewerb im Paketmarkt und im Briefmarkt; denn Wettbewerb ist der Garant für niedrige Preise, für gute Qualität und für echte Innovationen.

Zurufder Abg. Gabriele Katzmarek [SPD]

Im vorliegenden Postgesetz ist auch so manches enthalten, das diesen Zielen entspricht. Wenn man sich den sommerlichen Blumenstrauß ansieht, dann entdeckt man sogar – nicht viele, aber immerhin ein paar – Winterblüher, Inhalte also, die im ursprünglichen Entwurf des Gesetzes nicht enthalten waren,

in unserem Antrag oder vom Bundesrat aber bereits im Winter gefordert wurden; ich denke da an die Zustellung von Presseprodukten und Wahlunterlagen.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Zeitungen müssen am Erscheinungstag und Wahlunterlagen rechtzeitig zugestellt werden.

Wenn man sich den Blumenstrauß aber ganz genau ansieht, dann entdeckt man, dass darin richtig viel Regulierungsunkraut wuchert.

Zurufvon der AfD: Stimmt!

Nimmt man den ursprünglichen Auftrag der Bundesnetzagentur ernst, nämlich Regulierung abzubauen und den Postsektor in den freien Markt zu entlassen, dann wäre dies für den Paketmarkt nach mehr als 25 Jahren jetzt möglich gewesen. Aber diese Chance haben Sie verpasst. Statt mehr Freiheit und mehr Wettbewerb im Paketmarkt gibt es mehr Regulierung, und das ist der falsche Weg.

Beifallbei der CDU/CSU

Ihren Begriff von Freiheit kennen wir!

In Ihrem Koalitionsvertrag haben Sie das Postgesetz direkt unter die große Überschrift „Bürokratieabbau“ gestellt und auch Hoffnungen geweckt. Tatsächlich ist dieses Postgesetz aber ein Bürokratieaufbaugesetz und enttäuscht alle Hoffnungen.

Beifallbei der CDU/CSU

In Sonntagsreden wird gerne vom Abbau der Berichtspflichten gesprochen. Und was legen Sie uns heute hier vor? Zu der Vielzahl von Berichtspflichten, denen alle Unternehmen ohnehin in den unterschiedlichsten Gesetzen unterliegen, schreibt das Postgesetz zusätzlich vor: einen Bericht zu Laufzeitmessungen und anderen Universaldienstvorgaben, einen Bericht zur Erprobung neuer Modelle der Postversorgung, eine Anmeldepflicht in einem Anbieterverzeichnis.

Das Wirtschaftsministerium erstellt alle drei Jahre einen Bericht zum Universaldienst. Die Bundesnetzagentur erstellt alle fünf Jahre einen Evaluierungsbericht. Die Bundesnetzagentur erstellt alle zwei Jahre einen Tätigkeitsbericht zum Postsektor. Die Bundesnetzagentur erstellt zukünftig regelmäßig einen Bericht zu Treibhausgasemissionen von Unternehmen ab einem bestimmten Umsatz

Heiterkeitder Abg. Julia Klöckner [CDU/CSU]

und zu den Treibhausgasemissionen des ganzen Sektors. Für das neue Nachhaltigkeitslabel können Unternehmen weitere Daten liefern.

Unternehmen müssen Daten für den digitalen Atlas liefern. Unternehmen müssen ohnehin zu sämtlichen Berichten Daten liefern. So müssen an die Bundesnetzagentur auch Daten zur Erfüllung der Berichtspflichten an die EU-Kommission geliefert werden.

Ja, weil die EU das will!

Zudem werden die Unternehmen zukünftig verpflichtet, ihre Subunternehmer in Bezug auf Arbeitszeit, Arbeitsentgelt und Abführung von Sozialabgaben zu kontrollieren – eigentlich eine staatliche Aufgabe.

Außerdem ist im Postgesetz noch gar nicht alles geregelt. Es gibt auch noch Verordnungen. Weil Sie sich in der Ampel nicht einigen konnten, kommt zum Beispiel bis Ende des Jahres eine Verordnung zu einem „geeigneten technischen Hilfsmittel“ für Pakete über 20 Kilogramm. Oder – ein besonders delikates Beispiel –: Im Referentenentwurf zur Paketzustellungsverordnung, die bald kommen wird, wird jeder Arbeitgeber demnächst verpflichtet, seinen Beschäftigten – ich zitiere – die „Orte zur Nutzung von Sanitäreinrichtungen mitzuteilen“. Liebe Ampel, bei allem Verständnis für die Notdurft: So schaffen wir die Wirtschaftswende nicht.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie sind nicht auf dem neuesten Stand!

Für jede Regelung gibt es irgendwelche Begründungen. In der Summe ist dieser Wust an Bürokratie aber nicht mehr zu bewerkstelligen. Dieses Postgesetz ist ein weiteres Beispiel, warum Bürokratie für die Unternehmen in Deutschland mittlerweile zum Standortnachteil Nummer eins geworden ist. Und das hat maßgeblich mit Ihrer Politik zu tun.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie können auch noch so oft auf Ihr Bürokratieentlastungsgesetz verweisen: Wenn Sie in Fachgesetzen wie dem Postgesetz immer mehr Bürokratie aufbauen, dann wuchert das Unkraut so sehr, dass sogar vom schönsten Blumenstrauß nichts mehr zu sehen ist.

Beifallbei der CDU/CSU

Mehr Vertrauen und weniger Bürokratie würden der Wirtschaft helfen. Damit würden wir auch wieder mehr Freiheit, mehr Wachstum und mehr Zuversicht in unserem Land bekommen. Die Überarbeitung des Postgesetzes ist dringend notwendig. Aber einen solchen Aufwuchs an zusätzlicher Bürokratie können wir nicht mitverantworten.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Sebastian Roloff
Foto: Susie Knoll
15 Vermerkeca. 939 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich sehr, dass wir heute nach 26 Jahren das Postrecht novellieren. Das – es ist schon gesagt worden – ist ein guter Tag für Deutschland, weil wir die flächendeckende Versorgung mit Postdienstleistungen in Deutschland langfristig absichern, und das – das ist eine ganz wesentliche Nachricht – an sechs Tagen die Woche in jedem Teil Deutschlands.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Außerdem bieten wir mehr Schutz für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und gehen auf die Arbeitsbedingungen auf dem Paketmarkt ein. Man kann nicht bestreiten, dass es dort großen Handlungsbedarf gibt. Wir koppeln den Marktzugang daran, dass die Regelungen für Arbeitsbedingungen eingehalten werden. Wer sich nicht an die Spielregeln hält, verliert den Zugang zum Markt wieder. Das ist eine ganz klare Botschaft an alle Anbieter, die vielleicht drüber nachdenken, sich Wettbewerbsvorteile zu erschleichen, indem sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausbeuten, oder die sich nicht an Regeln wie das Arbeitszeitgesetz und den Mindestlohn halten. Dementsprechend ist es gut und richtig, dass wir hier Kontrollmechanismen einführen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Herr Durz, ich bin ja ganz begeistert, dass man acht Minuten über das Gesetz reden kann, obwohl man daran eigentlich gar nichts wirklich auszusetzen hat.

Wenn Sie mit dem Thema Bürokratieabbau kommen, dann müssen Sie bitte noch zur Kenntnis nehmen, dass das Gesetz nicht einfach länger ist, sondern dass wir Verordnungen wie die Postsicherstellungsverordnung oder die Post-Universaldienstleistungsverordnung darin integriert haben. Der Regelungsgehalt ist gar nicht mehr geworden. Nur weil das Gesetz länger geworden ist, würde ich nicht auf mehr Bürokratie schließen.

Über die Länge habe ich gar nicht gesprochen!

Aber ich freue mich, dass Sie uns im Wesentlichen zustimmen; dass das, was wir hier machen, vielleicht nicht ganz falsch ist. Das ist ja schon mal gut.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich habe den Wettbewerb erwähnt. Wir schaffen ein neues Anbieterverzeichnis, mit dem wir die Intransparenz des Marktes beenden. Vor dem Marktzugang erfolgt eine Prüfung auf Zuverlässigkeit, auf Fachkunde und Leistungsfähigkeit mit entsprechend vorzulegenden Unterlagen und Belegen. Schon das wird schwarze Schafe abschrecken. Und denjenigen, die in den letzten fünf Jahren Bußgelder gesammelt haben, zum Beispiel durch Verstöße gegen das Entsendegesetz, das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, das Mindestlohngesetz etc., wird kein Zugang zum Markt gewährt.

Richtig so!

Und wir setzen die Prüfung der schon legendären, weil berüchtigten Subunternehmerketten durch. Die Auftraggeber müssen ihre Subunternehmer regelmäßig auf ihre Zuverlässigkeit überprüfen, und das schneller und häufiger, als es im Kabinettsbeschluss vorgesehen war. Die sechs Monate Diskussion haben sich da durchaus gelohnt. Der Entwurf, den wir heute diskutieren, ist noch mal ein Stück besser als der Regierungsbeschluss, und so muss es sein im Parlamentarismus.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Subunternehmer müssen sich jetzt bestätigen lassen, dass alle in ihrer Kette eingesetzten Unternehmen entsprechend überprüft wurden. Und es gibt eine Pflicht, die schon vorhandenen digitalen Daten aufzubereiten und vorzuhalten, damit es möglich ist, Verstöße gegen den Mindestlohn oder gegen die Arbeitszeit festzustellen und da, wo es Verstöße gibt, diese endlich abzustellen. Das hilft auch dem Zoll und der Bundesnetzagentur bei entsprechenden Kontrollen.

Genau! Und das nennen die anderen Bürokratie!

– Das nennen die anderen Bürokratie. Genauso ist es. Man kann Ausbeutung gut finden, man kann aber auch etwas dagegen machen, ohne gleich alles zu verbieten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Reinhard Houben [FDP]

Dementsprechend haben wir da, glaube ich, einen guten Kompromiss gefunden.

Auch der Gesundheitsschutz war uns wichtig. Klar ist, dass Menschen, die Pakete, die bis zu 31,5 Kilogramm wiegen können, den ganzen Tag schleppen müssen, entsprechend belastet sind. Wir regeln jetzt, dass es ab 10 Kilogramm eine Kennzeichnungspflicht gibt und dass der Regelfall bei Paketen über 20 Kilogramm das Zwei-Personen-Handling ist, außer es gibt ein geeignetes technisches Hilfsmittel.

Die Frage, was ein geeignetes technisches Hilfsmittel ist – darüber kann man sich lustig machen, wie es die CDU macht –, werden wir bis Jahresende in Form einer Verordnung – die wird auch nicht lang; das kann ich Ihnen versprechen – regeln. Ich darf seitens der SPD-Fraktion ganz deutlich sagen: Eine klassische Sackkarre ist kein geeignetes technisches Hilfsmittel, um 28-Kilogramm-Pakete ohne Aufzüge in den fünften Stock zu schleppen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Vorgaben für Filialen und Briefkästen werden nicht reduziert, im Gegenteil. Die Möglichkeiten, den technischen Fortschritt zu nutzen, werden aber eröffnet. Dementsprechend werden keine Poststationen die Filialen verdrängen, das Angebot aber ergänzen. Hier haben wir übrigens auch noch mal nachgeschärft, auch auf die Hinweise von Kollegen Metzler. – Ich hoffe, Sie würdigen das gleich. Wenn nicht, werde ich es dazwischenrufen.

Heiterkeitbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dementsprechend sind wir da auf einem guten Weg, dass wir dieses Jahr im Vorgriff auf unsere Reform zum Beispiel schon keine Nachtflüge für Postdienstleistungen mehr haben. Das ist genauso sinnvoll wie die Regelung, dass die Aufwendungen für eine nachhaltige Postversorgung bei der Portoberechnung berücksichtigt werden und es ein freiwilliges Label für nachhaltige Postdienstleister gibt. Also auch dem Klimaschutz ist Rechnung getragen, und dementsprechend ist auch das eine gute Nachricht am heutigen Tag.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich darf mich zum Abschluss bei meinen Berichterstatterkolleginnen und -kollegen sehr bedanken. Es ist immer eine sehr angenehme Zusammenarbeit mit euch, Kollegin Detzer, Kollege Houben. Manchmal möchte man zwar inhaltlich in die Tischkante beißen;

Heiterkeitbei der SPD

aber wir haben es trotzdem kollegial gut hinbekommen.

Das gilt auch für unsere Vorgesetzten sozusagen, die assistiert haben, und ganz besonders für unsere Mitarbeitenden Hinrich, Milena und Flemming, ohne die das nicht möglich gewesen wäre, ebenso nicht ohne eine tolle Zuarbeit des Hauses. Herr Hartel und Herr Eimer, Sie sind unserer Einladung gefolgt: Danke, dass Sie heute da sind und uns so toll unterstützt haben. Ohne Sie und der wunderbaren Franziska Brantner wäre das so nicht möglich gewesen. Ich freue mich sehr, dass wir das heute so beschließen – wenn wir es denn beschließen –, und hoffe, dass wir uns da so weit einig sind.

Ein allerletzter Dank an diesem Tag geht an die Beschäftigten, die uns nicht nur mit ihrer Expertise und zusammen mit Verdi auf dem Weg begleitet haben, sondern diesen Knochenjob jeden Tag machen, und die wollen wir unterstützen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Bernd Schattner
Foto: Bernd Schattner
7 Vermerkeca. 616 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Heute geht es um nicht weniger als einen zentralen Punkt deutscher Werte, nämlich die deutsche Pünktlichkeit. Wer könnte diesen Punkt besser ausdrücken als die Deutsche Post? Gestern den Brief eingeworfen, und spätestens zwei Tage später ist er da. So war es zumindest bisher.

Ein zentraler Punkt der vorgeschlagenen Änderungen im Postgesetz ist die Verlängerung der Zustellzeit für Briefe von derzeit drei auf fünf Tage. Diese Anpassung hat bereits viele Diskussionen und Kritik ausgelöst, die ich im Folgenden näher beleuchten möchte.

Das Postrechtsmodernisierungsgesetz regelt, wie die Deutsche Post ihre Dienstleistungen erbringen muss. Hierbei hat sie sich in der Vergangenheit stets an den Bedürfnissen der Bürger und Unternehmen orientiert. Der Vorschlag, die Zustellzeit für Briefe auf fünf Tage zu verlängern, stellt eine signifikante Verschlechterung dar, die weitreichende Auswirkungen haben wird.

Warum setzt sich die Bundesregierung im aktuellen Gesetz überhaupt für diese Änderungen ein? Die Deutsche Post argumentiert, dass diese Anpassung notwendig sei, um den gestiegenen Kosten im Briefversand entgegenzuwirken und den Service auch in Zukunft wirtschaftlich aufrechterhalten zu können. Durch den zunehmenden Versand von Paketen und die abnehmende Anzahl von Briefen stünden die Zustellkapazitäten unter Druck. Eine Verlängerung der Zustellzeit könne dazu beitragen, die Effizienz zu steigern und die Kosten besser zu kontrollieren. – So viel zu den Argumenten der Post.

Interessant an dieser Stelle ist jedoch, dass die Deutsche Post nicht nur die Zeiten verlängern möchte. Nein, sie möchte gleichzeitig trotzdem noch die Kosten erhöhen. Wir haben also aus Bürgersicht nicht nur eine Verschlechterung des Services; wir haben gleichzeitig auch noch eine Erhöhung der Kosten. Weniger Services und höhere Kosten: Das kennt man sonst nur von dieser Regierung.

Beifallbei der AfD

Sehr geehrte Zuhörer, besonders getroffen werden Unternehmen, die auf einen schnellen und zuverlässigen Postversand angewiesen sind. Verzögerungen können hier zu wirtschaftlichen Nachteilen führen. Auch für Privatpersonen würde sich eine längere Zustellzeit nachteilig auswirken; denn oft versenden beispielsweise Krankenkassen wichtige Genehmigungen für in Anspruch zu nehmende Behandlungen nur mit der Briefpost. In einer Zeit, in der Flexibilität und Geschwindigkeit entscheidende Faktoren sind, erscheint eine Verlängerung der Zustellzeiten also kontraproduktiv.

Ein weiterer Punkt der Kritik ist die soziale Komponente. Gerade ältere Menschen sind auf den klassischen Briefverkehr angewiesen.

Mein Gott, ist das langweilig!

Eine Verlängerung der Zustellzeit wird deren Teilhabe am gesellschaftlichen Leben weiter erschweren und sie noch stärker isolieren.

Beifallbei der AfD

Doch der gravierendste Aspekt betrifft die Fristen bei Behörden und Verträgen. In Deutschland gibt es zahlreiche rechtliche Fristen, die eingehalten werden müssen, sei es für Widersprüche, Bewerbungen oder Vertragsabschlüsse. Eine Verlängerung der Zustellzeiten könnte genau dazu führen: dass wichtige Dokumente nicht rechtzeitig ankommen und Fristen versäumt werden. Dies könnte dann entsprechend für viele Bürger und Unternehmen gravierende rechtliche und finanzielle Konsequenzen haben.

Es wäre also ratsam, alternative Lösungen in Betracht zu ziehen. Eine Möglichkeit könnte zum Beispiel die Verbesserung der internen Prozesse und die Förderung von Innovationen sein, die die Deutsche Post effizienter machen, ohne die Zustellzeiten zu verlängern. Unsere alternativen Vorschläge haben wir in einem Entschließungsantrag dazu zusammengefasst,

Sehr guter Antrag!

der dem Gesetz beigestellt wurde.

Beifallbei der AfD

Hier empfehle ich Ihnen selbstverständlich die Zustimmung.

Abschließend möchte ich betonen, dass es in dieser Debatte eigentlich darum gehen sollte, einen Ausgleich zwischen wirtschaftlichen Notwendigkeiten und den Bedürfnissen der Bürger zu finden. Stattdessen setzt die Ampel wieder einmal auf Ideologie. So gibt es seit dem 28. April keine Nachtflüge der Post mehr, angeblich um die Umwelt zu schonen. Dafür steigen eben jetzt die CO2-Emissionen auf der Straße, und die Post kommt später: Verbesserungen für den Bürger à la Ampel.

Sie können es nicht, noch nicht einmal beim Postgesetz. Machen Sie es wie Macron: Lassen Sie die Menschen an die Urnen. Machen Sie endlich den Weg frei für einen demokratischen Wiederaufbau dieses Landes. Diesen demokratischen Wiederaufbau wird es nur mit der AfD geben.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
5 Vermerkeca. 448 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Mein herzlicher Dank geht an alle, die diesen Gesetzentwurf möglich gemacht haben, allen voran an meine Kollegin Sandra Detzer und an meinen Kollegen Sebastian Roloff, und an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BMWK.

Die Reform des Postrechts, die wir heute beschließen wollen, ist ein Meilenstein. Das bedeutet Folgendes: Das bestehende Gesetz wurde am 22. Dezember 1997 vom Bundesrat beschlossen und trat am 1. Januar 1998 in Kraft. Damals war Helmut Kohl noch Bundeskanzler, Wolfgang Bötsch war Postminister. Das Ministerium wurde Ende 1997 im Zuge der Privatisierung der Post aufgelöst. Seitdem haben in Deutschland sieben Bundestagswahlen stattgefunden.

Seit Jahren wird von unterschiedlichen Stellen die Novellierung des Postgesetzes gefordert. Allein, es hat bis zum heutigen Tag gedauert, dass dies auch Wirklichkeit wird. Die Welt von 2024 ist natürlich eine völlig andere als die von 1997; es ist ja dargestellt worden. Mit dieser Reform, meine Damen und Herren, kommt das Postrecht endlich im 21. Jahrhundert an. Drei Dinge möchte ich kurz hervorheben.

Erstens. Besonders wichtig war der FDP, dass auch in Zeiten sinkender Brief- und steigender Paketmengen der Wettbewerb weiterhin möglich ist und gestärkt wird. Auf dem Paketmarkt gewährleistet der Erhalt von Subunternehmern Flexibilität für Zusteller und ermöglicht einen unkomplizierten Einstieg in den Arbeitsmarkt, insbesondere für Geringqualifizierte. Auf dem Briefmarkt wird die Umsatzsteuerbefreiung für das Firmenkundenbriefgeschäft der DHL in der Praxis auch für Wettbewerber der DHL erweitert. Für alle gelten somit dieselben steuerlichen Bedingungen.

Zweitens, Herr Durz: Keinem Unternehmen wird künftig durch Überregulierung und Bürokratie der Zugang zum Postmarkt verwehrt.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Kritiker werfen dem Gesetz vor, hohe zusätzliche Bürokratiekosten zu erzeugen. Meine Damen und Herren, dies ist nicht der Fall. Der Nationale Normenkontrollrat beziffert den Erfüllungsaufwand des Gesetzes für die Wirtschaft einmalig bei 194 000 Euro; der jährliche Erfüllungsaufwand steigt um 364 000 Euro bei einem Markt mit mehreren Milliarden Euro Umsatz mit mehreren Hunderttausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dies als Bürokratiebelastung zu bezeichnen, ist unehrlich.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Drittens. Mit dem Gesetz schaffen wir Transparenz und verhindern Quersubventionierung und Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung auf dem Briefmarkt.

Für uns als Ampelpartner war es wichtig, dem Deutschen Bundestag ein ordentliches Gesetz vorzulegen. Der Prozess dorthin hat knapp zwei Jahre gedauert, seit der ersten Lesung noch mal ein halbes Jahr. SPD, Grüne und FDP waren sich bei Weitem nicht immer in allem einig. Diese Meinungsverschiedenheiten sind jedoch nie in offenem Streit ausgeartet. Sie haben auch nur selten den Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Vielmehr haben wir uns im Vertrauen aufeinander zusammengesetzt und versucht, einen Kompromiss zu finden. Dies ist uns gelungen.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Der heutige Tag zeigt, meine Damen und Herren: Die Ampel kann zusammen und geräuschlos vernünftige Politik machen.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Für die CDU/CSU-Fraktion hat jetzt Jan Metzler das Wort.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Jan Metzler
Foto: Jan Metzler/ Tobias Koch
8 Vermerkeca. 760 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Nach 26 Jahren ist das die erste Novelle des Postgesetzes. Ich möchte gleich zu Beginn unterstreichen – der Kollege Durz hat es bereits getan –: Auch wir sehen die Notwendigkeit, dass genau dieses Gesetzespaket einer grundlegenden Neujustierung nach 26 Jahren unterzogen wird.

Ich möchte auch noch mal betonen: Von der grundsätzlichen Ausrichtung, was Universaldienst, was gute Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, was den Wettbewerb anbelangt, sind wir uns auch gemeinsam einig – in den Grundzügen.

Das hätte mich auch gewundert, wenn es anders wäre!

Dementsprechend möchte ich nach vielen Debatten in den Dankesreigen einstimmen und zwei Danksagungen aussprechen.

Ich möchte einmal meinem geschätzten Kollegen Hansjörg Durz danken, der parallel zu Ihrem Gesetzeswerk unseren Antrag maßgeblich mit nach vorne gebracht hat. Und deswegen sage ich auch an dich, lieber Hansjörg: Danke schön!

Beifallbei der CDU/CSU

Ich habe bei Facebook und sonstigen sozialen Medien das ein oder andere verfolgen dürfen – auch Aktivitäten von Kolleginnen und Kollegen. Ich habe es mir an dieser Stelle nicht einfach gemacht. Ich habe nämlich wie einige Kolleginnen und Kollegen ein Praktikum absolviert und habe mir die Postarbeit im praktischen Leben angesehen. Deswegen sage ich zum Zweiten ganz herzlichen Dank an alle, die uns tagtäglich hochwertige Postdienstleistungen zuteilwerden lassen. Ich sage stellvertretend an Alex Riebner und ihr ganzes Team: Herzlichen Dank! Bei ihr durfte ich nämlich das Praktikum machen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Jetzt komme ich noch zu einzelnen Punkten, die mir wichtig sind zu betonen. Das Thema Bürokratie. Die einen mögen es so sehen, die anderen so.

Wie es der Normenkontrollrat sieht, habe ich dargestellt!

Ich bin sehr gespannt, ob das mit dem Erfüllungsaufwand so über die Ziellinie geht. Ich bin auch gespannt, ob es bei der Perspektive in § 109 des Gesetzentwurfs mit Blick auf Stellen für die Bundesnetzagentur – mehr oder weniger – bleibt; wir werden es sehen. Man darf gespannt sein, was den Erfüllungsaufwand insgesamt angeht.

Ich möchte aber darüber hinaus noch zwei zusätzliche Punkte ansprechen, die mir wirklich wichtig sind.

Thema Laufzeit. Ich bitte darum, dass wir darauf alle ein Auge haben. Bei den Laufzeiten ist es so, dass die Qualität durch die Laufzeitverlängerung letztlich verbessert werden soll, nachdem wir viele Beschwerden in diesem Bereich hatten: 2019 18 209 Beschwerden und 2023 43 000. Ich möchte in diesem Zusammenhang betonen – das ist mir auch zu sehr durcheinandergegangen –: Laufzeitbetrachtung ist eine Durchschnittsbetrachtung. Es ist ganz wichtig, das auch im Zusammenhang zu sehen.

In diesem Zusammenhang möchte ich anfügen. Die Vorgabe bisher war: Zustellung von 80 Prozent der Sendungen am nächsten Werktag und 95 Prozent am zweiten. Ab 2025 ist die Vorgabe dann 95 Prozent am dritten und 99 Prozent eben am darauffolgenden vierten Werktag.

Das Briefaufkommen verringert sich; aber die Qualität der Briefe im Einzelnen – insbesondere was behördliche Post angeht – nicht. Ich möchte in dem Zusammenhang daran erinnern, worauf die kommunalen Spitzenverbände hingewiesen haben: dass wir alle ein Auge darauf haben müssen, dass es nicht zu einer Verschiebung in der Form kommt, dass im urbanen Raum die Post entsprechend gemäß der optimalen Laufzeit zugestellt wird und es im ländlichen Raum zum negativsten Wert kommt; das muss man einfach gemeinschaftlich im Blick haben.

Beifallbei der CDU/CSU

Das haben wir berücksichtigt!

Beim Thema „ländlicher Raum“ möchte ich an der Stelle sagen: Sehr geschätzter, lieber Kollege Roloff: Danke, dass dieser Punkt nach meiner letzten Rede mit aufgegriffen worden ist; das weiß ich sehr zu schätzen. Entschuldigung, das muss ich jetzt auch sagen: Es ist schön, wenn Opposition an der Stelle auch wirkt.

Deswegen ist gerade die Versorgung im ländlichen Raum auch mir als jemand, der im ländlichen Raum zu Hause ist, eben etwas besonders Wichtiges.

Der zentrale Punkt in Ihrem Gesetz ist, dass Sie „ein angemessenes Verhältnis zwischen automatisierten Stationen und Universaldienstfilialen“ berücksichtigen möchten. Das ist natürlich etwas vage. Ich bin gespannt, wie es sich dann in der Praxis tatsächlich darstellt.

Wir gehen in unserem Antrag einen Schritt weiter. Wir sagen nämlich: Die Lebensrealität vieler Menschen sieht eben auch so aus, dass eine universaldienstleistende Postfiliale nicht nur ortsgebunden platziert werden könnte, sondern beispielsweise in eine Einrichtung wie einen Supermarkt zwischen Ortszentren eingebettet wird. Da wären wir einen Schritt weitergegangen; das ist ein ganz entscheidender Punkt.

Nichtsdestotrotz – das weiß ich auch wirklich zu würdigen – haben Sie gegenüber dem ersten Ansatz einen Schritt nach vorne gemacht. Ich bin in diesem Zusammenhang wirklich sehr gespannt, wie sich dieses Postgesetz mit all dem, was jetzt drinsteht, über die nächsten Jahre bewähren wird. Ich bin sehr gespannt, ob es wieder 25, 26 Jahre standhält oder ob wir uns bei aller Veränderung nicht früher einbringen werden.

Ich glaube, dass wir mit unserem Antrag heute auch einen aktiven Beitrag zur Modernisierung der Post und der Gesamtdebatte in diesem Land zu diesem Aspekt geleistet haben.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Enrico Komning
Foto: Enrico Komning
5 Vermerkeca. 306 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Kollegen! Liebe Frau Staatssekretärin Dr. Brantner! Seit der Privatisierung der Deutschen Bundespost hat sich im Bereich der Kommunikationsmedien die Welt verändert. Insbesondere der signifikante Rückgang des Briefvolumens von täglich 80 Millionen im Jahr 2000 auf nunmehr nur noch 46 Millionen zwingt den Gesetzgeber zum Handeln. So weit, so gut. Aber das, was Sie hier vorlegen, ist unzumutbar und nicht zustimmungsfähig. Was ist denn die Konsequenz aus diesem Gesetzentwurf? Die Briefpost wird für die Verbraucher teurer, die Zustellung dauert länger, und der Bürokratieaufwand für die Postdienstleister steigt weiter. Dieses Gesetz verschlechtert die Situation für alle Beteiligten. Das ist gelebte Ampelpolitik.

Beifallbei der AfD

Tatsächlich liegt Ihr Augenmerk nicht auf größerer Effizienz, Kostendämpfung oder gar – Gott bewahre! – Verbraucherfreundlichkeit, sondern auch hier auf Ihrem ökosozialistischen Unfug. Und genau dafür haben Sie am vergangenen Sonntag eine historische Ohrfeige bekommen. Nach Ihren Vorstellungen werden Anbieter von Postdienstleistungen verpflichtet, sich in ein hinzukommendes Anbieterverzeichnis – zusätzlich zu den Regeln des Güterkraftverkehrsgesetzes – einzutragen, das dann von der Bundesnetzagentur überprüft wird. Ich frage mich: Was soll das? Außerdem soll künftig der Flottenverbrauch für die Zustelldienste zunächst nur berichtet, später dann aber reguliert werden. Warum eigentlich, wenn doch nach Ihren Vorstellungen das Verbrennerzeitalter bald vorbei ist? Das ist in sich widersprüchlich und völlig unsinnig.

Beifallbei der AfD

Sie bauen hier wieder mal neue bürokratische Monster auf zur Durchsetzung Ihrer orthodoxen Klimareligion, koste es, was es wolle. Dies lehnen wir als einzige noch verbleibende freiheitlich-bürgerliche Kraft in diesem Hause ab.

So ist es!

Fangen Sie endlich an, den Menschen pragmatische Lösungen zu präsentieren, insbesondere bei solchen technischen Gesetzen! In Ihrem Gesetzentwurf fehlen vollkommen moderne Antworten auf das Kosten- und Personalproblem wie beispielsweise Drohnenzustellungen, wie sie in anderen Ländern wie Finnland oder Australien längst erprobt werden. Ebenso wie im Antrag der Union werden hier moderne Erkenntnisse der Ökoideologie geopfert. Daher werden wir beiden Anträgen nicht zustimmen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
6 Vermerkeca. 671 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Postgesetz ist ein Ampelgesetz im besten Sinne des Wortes. Wir sichern gute Arbeitsplätze, wir stärken fairen Wettbewerb, und wir sorgen für mehr Nachhaltigkeit in einer PS-lastigen Branche. Es geht uns auch darum, den Postuniversaldienst aufrechtzuerhalten. Das bedeutet ganz konkret – wir haben es eben gehört –: Briefe und Pakete können von der Zugspitze bis nach Rügen versendet und zugestellt werden, und das zu guten Arbeitsbedingungen.

Ich habe, wie viele Kolleginnen und Kollegen auch, ein Praktikum bei der Post gemacht, und zwar in meinem Wahlkreis in Ayl an der Saar, aber auch in Föhren. Was man mir dort berichtet hat, war: Das Paketaufkommen, das es früher nur zu Weihnachten gab, ist heute der Alltag. Da wird allerhand gesendet: Blumenerde, Hundefutter, Weinkisten. Ich habe Respekt vor den vielen Postlern und Zustellern, die bei Wind und Wetter, bei Eis und Sonne für uns im Land unterwegs sind. Deswegen an dieser Stelle erst mal ein herzliches Dankeschön für die harte Arbeit, die hier geleistet wird!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, daher ist es für mich auch eine Frage des Respekts, Ihnen heute ein Postgesetz vorzulegen und gemeinsam zu verabschieden, das auf der Höhe der Zeit ist. Wir haben im Bundestag schon einiges erreicht; dafür sind wir auch der parlamentarische Gesetzgeber. Wir haben uns ganz konkret den Arbeitsschutz angeschaut, also das, was auf den Rücken der Menschen geht. Da geht es natürlich darum: Wie schwer darf so ein Paket sein? Jetzt machen wir uns doch mal ehrlich: Fünfter Stock, Altbau, das ist harte Arbeit und Schweiß, wenn Sie da hoch- und runtergehen. Ich habe gerade gestern noch mit einem Betriebsrat bei mir vor Ort telefoniert. Der hat gesagt: Das ist gar nicht das einzige Problem. Morgens muss ich erst mal den Wagen beladen. Dann organisiere ich mich im Laufe des Tages um. Dann ist vielleicht mal jemand nicht da. Ob es sich um 19, 20 oder 24 Kilo handelt, es ist in jedem Fall ein verdammt harter Job, der da jeden Tag gemacht wird.

Deswegen haben wir, insbesondere meine Fraktion der Sozialdemokraten, uns für Folgendes eingesetzt: In Zukunft darf man ein Paket nicht mehr allein tragen, wenn es über 20 Kilo wiegt. Ab dem Gewicht gibt es eine Hilfe. Hubertus Heil wird als Arbeitsminister eine Verordnung dafür vorlegen, die genau das regelt: dass es dafür ein geeignetes Hilfsmittel gibt. Lassen Sie mich ganz klar sagen: Eine einfache Sackkarre wird es nicht sein; denn die hilft nicht dabei, in den fünften Stock zu kommen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Das ist ein Gesetz für die vielen Leute, die in diesem Land den Laden am Laufen halten.

Wir werden uns aber auch den Markt anschauen. Fairer Wettbewerb ist wichtig. Wenn man sich selbst an die Regeln hält, andere das aber nicht tun, dann ist das nicht gut. Franziska Brantner hat davon gesprochen, dass der Zoll gemeinsam mit den Staatsanwaltschaften Organisierte Kriminalität in der Branche festgestellt hat. Es werden systematisch Menschen ausgebeutet, Arbeitsschutzregeln umgangen, Steuern und Sozialversicherungsabgaben nicht gezahlt. Scheinselbstständigkeit ist da nicht die Ausnahme, sondern an der Tagesordnung. Diejenigen, die dort hart arbeiten, wissen teilweise gar nicht, wer überhaupt ihr Auftraggeber ist, und kennen ihre Rechte nicht. Dahinter steckt System, und damit ist jetzt Schluss!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

In Zukunft wird konsequenter kontrolliert. Um Pakete auszuteilen, braucht man in Zukunft eine Lizenz, die beantragt werden muss. Wer dann gegen die Regeln verstößt, hat mit Folgen zu rechnen. Es gibt die Gelbe Karte: Bußgeld bis zu 100 000 Euro. Es gibt die Rote Karte: Lizenzentzug. Wer nicht fair spielt und sich nicht an die Regeln hält, der fliegt in Zukunft vom Platz.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich zum Schluss kommen. Mit diesem Gesetz machen wir die Post zukunftsfit. Wir sorgen dafür, dass es gute Arbeitsbedingungen und fairen Wettbewerb geben wird, und wir stärken die Nachhaltigkeit. Deswegen bitte ich heute alle um Zustimmung. Vielleicht kann die Union ihre Bürokratiebedenken mal im Sinne eines größeren Ganzen beiseitelassen; denn heute geht es um die Menschen im Land und nicht um Opposition gegen Koalition. Machen Sie doch bitte heute mit!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
7 Vermerkeca. 874 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine lieben Damen und Herren! Das Postgesetz scheint auf den ersten Blick wie eines der Gesetze, über das man gar nicht so unendlich viel diskutieren müsste. Es scheint ein bisschen angestaubt und manchmal vielleicht etwas aus der Zeit gefallen. Ich glaube, dass das Gegenteil der Fall ist. Das Postgesetz ist eines der Gesetze, die einen Ausgleich schaffen, einen Ausgleich zwischen einer alten und einer neuen Welt. Denn – es ist ein paarmal erwähnt worden; es ist richtig – die Menge an Briefen geht massiv zurück. Im Prinzip sind der größte Teil der alten Welt im Moment noch die Behörden. Das ist ein anderes Problem; wir arbeiten an der Behördendigitalisierung. Aber der größte Teil ist eben noch Behördenpost, und es ist wichtig, dass sie zugestellt wird.

Gleichzeitig schafft dieses Gesetz einen Ausgleich auch für diejenigen, die heute auf eine Zustellung durch die Post angewiesen sind. Und das ist wichtig. Überall, an jeder Stelle in diesem Land, müssen Menschen immer noch Zugang zur Post haben. Das ist die Daseinsvorsorge, die wir brauchen.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und genau da regelt dieses Gesetz eine ganze Menge. Es ist auch gut so, dass wir uns im parlamentarischen Verfahren darüber Gedanken gemacht haben, wie die Menschen Zugang zu Informationen bekommen. Deswegen war es uns als Freien Demokraten ein Anliegen, dafür zu sorgen, dass gerade die kleinen Presseblätter, die vielleicht nicht über große Verteilstrukturen verfügen, sondern die über die lokalen Nachrichten – über das Feuerwehrfest vor Ort oder den lokalen Sportverein – berichten, weiterhin bei den Menschen ankommen können. Dafür geben wir ihnen Zugang zur Post, und das ist richtig so.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es ist richtig so, dass die Menschen in diesem Land weiterhin vor Ort mit Informationen versorgt werden. Ich als FDPler, dem die Digitalisierung massiv am Herzen liegt, sage: Es gibt immer noch Menschen, die andere Medien als die digitalen nutzen, und deswegen ist das richtig.

Das zweite Problem, das dieses Postgesetz angeht, betrifft den Marktzugang; denn wir haben es mit einem staatlich extrem regulierten System zu tun. Man kann durchaus davon sprechen, dass die Post mittlerweile gerade beim Universaldienst ein sehr agiles Unternehmen ist, das mit sehr vielen Privilegien ausgestattet ist. Natürlich sehen wir auch auf dem Paketmarkt einiges an Unwucht: Unwucht zwischen Groß und Klein, Unwucht zwischen Briefen und Paketen. Da stellt sich auch die Frage, ob die Post mit den Gewinnen aus dem Briefbereich nicht das eine oder andere Paket ab und zu quersubventioniert. Deswegen ist es richtig, dass wir diesen Markt und gerade die Transparenz auf diesem Markt massiv stärken; denn nur durch Transparenz entsteht Wettbewerb, und nur Wettbewerb – nur Wettbewerb! – sorgt für niedrige Preise. Das ist gut.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Verena Hubertz [SPD]

Es ist gut, dass wir für diese Stärkung sorgen.

Der dritte große Punkt in diesem Themenkomplex betrifft das Verhältnis und den Ausgleich zwischen der Bürokratie auf der einen Seite und der Überprüfung eines Marktes, der schwarze Schafe kennt, auf der anderen Seite. Es ist nicht zu leugnen – das muss auch die Union zugeben –, dass es schwarze Schafe auf dem Markt gibt.

Aber ich wundere mich dann doch ein bisschen über die Oppositionsreden. Herr Durz, Sie haben eben hergeleitet, dass der große bürokratische Aufwand durch die Berichte an die Bundesnetzagentur und das BMWK hervorgerufen wird. Wenn das die einzige Kritik an dem durch das Gesetz verursachten bürokratischen Aufwand ist, haben wir alles richtig gemacht. Schließlich müssen nicht mehr viele Unternehmen Berichte vorlegen. Im parlamentarischen Verfahren haben wir aus dem Regelungsbereich dieses Gesetzes, das früher 15 000 Unternehmen betroffen hätte, 9 000 Unternehmen herausgenommen. Es ist eine großartige Nachricht, dass wir dieses Gesetz in seinem Regelungsbereich, in seinem Umfang halbieren. Großartig!

Die Zahlen zu den Belastungen hat der Kollege Houben schon vorgelegt. Aber mir stellt sich eine andere Frage. Wenn wir mal gucken, was die Union zum Postgesetz fordert, dann stellen wir fest, dass es um eine ganz andere Spielwiese geht. Der Kollege Laumann möchte den Markt nicht stärken, sondern Subunternehmer verbieten. Der Kollege Laumann von der Union fordert ein Subunternehmerverbot. Und das ist eine ganz überraschende Nachricht angesichts der Tatsache, dass Sie hier über Markt, Marktzugänge und marktwirtschaftliche Förderung sprechen.

Wirtschaftswende funktioniert nicht, indem man Unternehmen verbietet; so leid es mir tut. Vielleicht muss man das der Union ab und zu mal erklären.

Die Frage, die insgesamt im Zusammenhang mit dem Postgesetz aufgeworfen wurde, war: Wie schaffen wir es, auf der einen Seite für Transparenz zu sorgen und auf der anderen Seite dafür zu sorgen, dass die schwarzen Schafe auch herausgefiltert werden? Das tun wir, indem wir mehr Informationen sammeln und den Unternehmen auferlegen, die vorhandenen Informationen so aufzubereiten, dass die Behörden sie überprüfen können und dass insbesondere der Zoll die schwarzen Schafe erkennen kann. Und diese Daten liegen schon vor; die müssen nicht neu erhoben werden. Es ist richtig, Daten zu sammeln und aufzubereiten.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Insgesamt sorgen wir so für Transparenz auf dem Markt, sowohl beim Marktzugang als auch beim Anmeldeverfahren. Da werden noch mal massiv die Hürden reduziert, und gleichzeitig werden Transparenz und Sicherheit für die kleinen Anbieter geschaffen. Es ist richtig, dass wir das in diesem Gesetz machen. Insgesamt freue ich mich sehr darüber, dass wir jetzt diesen großen Schritt mit diesem Gesetz machen und dass ein vielleicht etwas angestaubt wirkendes Gesetz einen echten Ausgleich zwischen denjenigen schafft, die das hinkriegen müssen. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Axel Knoerig
Foto: Axel Knoerig/ Sigi Schritt
9 Vermerkeca. 517 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sind heute zusammengekommen, um über die Novelle zum Postgesetz zu sprechen. Über ein halbes Jahr haben wir darauf gewartet, dass Sie das Gesetz endlich zum Abschluss bringen.

Und wir 25 Jahre!

Ich meine, der Grund für Ihr Zögern ist ein einfacher, war aber auch ein ganzes Stück vorhersehbar. Herr Houben, auch wenn Sie heute so tun, als ob schon über zweieinhalb Jahre Einigkeit geherrscht hätte: Weit gefehlt! Sie sind über viele Monate und Jahre nicht auf einen grünen Zweig gekommen.

Sie sind über die Subunternehmerketten in der Paketbranche gestolpert. Ich erkläre es gerne. Subunternehmerketten bedeutet, einfach gesagt: Ein Unternehmer reicht einen Auftrag an einen anderen Unternehmer mittels eines Werkvertrages weiter. Dieser Unternehmer beauftragt dann wiederum einen weiteren usf. Das wird häufig als kosteneffizient und flexibel umschrieben; aber das Ganze ist undurchsichtig, was die Arbeitsbedingungen angeht. SPD und Grüne waren für ein Verbot solcher Ketten, die FDP war dagegen.

Ich sage: Die FDP hat ihren Willen bekommen. Ich frage Sie, liebe Grüne und SPD: Wo bleibt Ihr Einsatz für den Schutz der Paketboten?

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Beim Thema Werkverträge muss man die Lupe rausholen, um dazu tatsächlich etwas zu finden. Stattdessen doktern Sie an der Haftungsregelung herum, die wir als unionsgeführte Bundesregierung 2019 beschlossen haben. Diese Regelung soll die Firmen in die Pflicht nehmen, Aufträge nur an zuverlässige Subunternehmer zu vergeben. Sie erweitern die Bußgeldtatbestände, kontrollieren mehr, schaffen mehr Bürokratie durch ein Anbieterverzeichnis. Das ist letztendlich Ihr Ergebnis nach monatelangem Ringen miteinander.

Ich sage: Wir als Union gehen da deutlich weiter. Wir fordern: Subunternehmerketten sollten nur noch zu Spitzenzeiten wie Weihnachten möglich sein.

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Es stimmt sicherlich, dass die Wirtschaft Einschränkungen hier kritisch sieht. Aber wir hören auch auf die Bundesländer. Der Bundesrat hat ein komplettes Verbot von Werkverträgen in der Paketbranche gefordert. Sie haben richtigerweise den Namen Karl-Josef Laumann erwähnt. Er ist hier als NRW-Arbeitsminister vorangeschritten.

Weiß denn Herr Linnemann davon?

Wenn Sie den Inhalt unseres Antrags mit den Inhalten Ihres Gesetzentwurfs vergleichen, stellen Sie fest: Die Union ist näher am Arbeitnehmer als die SPD-geführte Bundesregierung.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Weiß Herr Linnemann davon?

Wir schreiten auch bei anderen Inhalten selbstbewusst voran. Wir haben mit unserem Kompromiss mit Blick auf Wirtschaft und Arbeit immer ganz klar gesagt: 23 Kilogramm darf das Gesamtgewicht für einen Zusteller nicht überschreiten. Unsere Arbeitnehmergruppe hat sogar eine Grenze von 20 Kilogramm festgeschrieben. Die Ampelregierung dagegen eiert herum. Jetzt soll ein Paketbote ein schweres Paket auch dann alleine zustellen können, wenn er technische Hilfsmittel bekommt. Ich war kürzlich erst in einem Paketunternehmen, und da haben mir die Zusteller ganz deutlich gesagt, dass sie gar nicht die Zeit haben, solche Geräte einzusetzen, also diese auszupacken, zu bestücken und dann die Pakete hochzutragen. Meine sehr verehrten Damen und Herren, von daher wäre es konsequent gewesen, 20 Kilogramm festzuschreiben und die Subunternehmerketten auf einen einzigen Subunternehmer zu beschränken.

Mit Ihrem Gesetz tun Sie drei Dinge: Sie verschieben Verantwortung, Sie verlagern das Problem in die Zukunft, und vor allem haben Sie nicht auf den Bundesrat gehört. Deswegen muss ich zusammenfassend sagen: Ja, es ist gut, dass wir das Postgesetz erneuern. Doch gerade die SPD-geführte Bundesregierung müsste eigentlich wissen: Paketbotenschutz sieht anders aus.

Beifallbei der CDU/CSU
2 Vermerkeca. 400 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir können heute die Novellierung des Postgesetzes nach den Beratungen abschließen. Wir haben im parlamentarischen Verfahren noch viele Veränderungen vorgenommen. Ich möchte zwei besonders hervorheben.

Erster Punkt. Wir haben 20 Kilo als Auslieferungsmaximalgewicht festgeschrieben, mit der Ausnahme, dass schwerere Pakete, wenn entsprechende technische Möglichkeiten gegeben sind, auch ausgeliefert werden können. Dazu wird es eine Rechtsverordnung geben. Die Betreffenden werden zusammen mit den Betriebsräten und den Gewerkschaften sicherlich Möglichkeiten zur praktischen Umsetzung finden. Das ist wichtig für den Arbeitsalltag. Das hilft ganz pragmatisch und verbessert die Arbeitsbedingungen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Der zweite Punkt, der mir ganz wichtig ist: Wenn Subunternehmer von Hermes, DHL oder DPD Daten zu Arbeitsentgelten und Arbeitszeiten an den Hauptauftraggeber übermitteln, müssen diese Daten nun auch erfasst werden. Das sind elektronische Daten, und damit ist die elektronische Zeiterfassung sozusagen vorausgesetzt. Für viele bedeutet das, dass ihre Arbeitszeit jetzt korrekt erfasst wird. Das hilft ihnen, weil Überstunden nicht mehr verloren gehen. Es macht sich für sie am Ende auch im Geldbeutel bemerkbar, dass alle ihre Überstunden korrekt bezahlt wurden.

Ich möchte auf eins noch hinweisen: Als wir über diesen Gesetzentwurf beraten haben, haben Unternehmerinnen und Unternehmer den einen oder anderen bürokratischer Mehraufwand moniert. Sie haben uns aber klipp und klar gesagt, dass es ihnen ganz wichtig ist, dass es klare Regeln gibt und dass zum Beispiel die 20-Kilo-Marke deutlich macht, welches Paketgewicht noch ohne technische Hilfsmittel transportiert werden darf. Damit haben sie gar kein Problem. Hauptsache, es ist vernünftig etikettiert. Das eine oder andere Transportgut wird dann in zwei Paketen versendet. Das ist für die Wirtschaft kein Problem; das will ich an dieser Stelle ganz klar sagen.

Ich möchte noch einen persönlichen Punkt ansprechen. Mein guter Freund Dennis ist mein Paketbote. Wir beide und unsere Familien sind gut befreundet. Ich weiß, dass seine Familie unter seinen Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten regelrecht leidet. Ihm und seiner Familie kann ich jetzt sagen: Dieses Gesetz verbessert endlich seine Arbeitsbedingungen und die seiner Kollegen.

An die Adresse der AfD: Sie haben hier gesagt, dass die Effizienz für die Wirtschaft gesteigert werden müsse und dass die Kostendämpfung wichtig sei. Für uns sind Dennis und seine Kolleginnen und Kollegen wichtig. Wir als SPD wissen genau, woher wir kommen und wo wir stehen. Das war nicht nur früher so, das ist auch heute so. Wir stehen an der Seite der Arbeiter. Dementsprechend freuen wir uns, diesem Gesetz heute zuzustimmen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Andreas Audretsch
Foto: Andreas Audretsch/Sonja Bahalwan
6 Vermerkeca. 838 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Mehr als 25 Jahre nachdem das Postgesetz in Kraft getreten ist, modernisieren wir es jetzt, weil es deutlich in die Jahre gekommen ist. Wir haben jetzt E-Mails, wir haben Messengerdienste, und viel Kommunikation, gerade die kurzfristige Kommunikation, läuft nicht mehr über den Brief. Trotzdem ist es von größter Bedeutung, dass der Brief sicher kommt, dass er rechtzeitig kommt, dass die Zustellung verlässlich ist und dass das vor allem zu erschwinglichen Preisen passiert. Genau das schaffen wir mit dieser Reform. Die Preise werden unter dem EU-Durchschnitt liegen, und das erreichen wir dadurch, dass wir jetzt etwas verändern.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Die Preise sinken, und die Dinge werden besser, wenn Wettbewerb auf Märkten herrscht. Deswegen sorgen wir mit diesem Gesetz auch dafür, dass wir mehr Wettbewerb haben, zum Beispiel, indem marktbeherrschende Unternehmen von nun an ihre Verträge der Bundesnetzagentur offenlegen müssen, damit andere sehen können, was los ist, und es einfacher ist, in den Markt einzusteigen. Das sorgt dafür, dass wir mehr Wettbewerb haben, und das sorgt auch dafür, dass wir am Ende bessere Leistungen haben.

Und: Wir senken die CO2-Emissionen um 80 Prozent, indem wir umstrukturiert haben, sodass die Post die Routen jetzt einfacher planen kann. Die Nachtflüge können nach 63 Jahren wegfallen. Damit schützen wir das Klima und sorgen gleichzeitig dafür, dass wir günstige Preise haben und die Post verlässlich kommt. Das ist der neue Rahmen, den wir für die Post und für die anderen Betriebe in diesem Zusammenhang setzen, und das ist ein wichtiger Schritt nach vorne in dieser Zeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Eine Sache ist mir besonders wichtig bei dem, was wir heute machen. In den vergangenen Jahren haben wir gesehen, dass die Paketbranche immer größer geworden ist. In dieser Paketbranche herrschen unreguliert verheerende Bedingungen für die Menschen, die dort arbeiten und uns die Pakete täglich an die Haustür bringen.

Paketzusteller werden ausgebeutet; es geht um fristlose Kündigungen und unzählige Überstunden, die nicht bezahlt werden. Es geht darum, dass unter dem Mindestlohn bezahlt wird; das ist gängige Praxis in der Paketbranche. Es grassiert Organisierte Kriminalität. Es geht um Bereicherung, Schwarzarbeit. – Und alles auf dem Rücken von Menschen, die harte Arbeit leisten und dafür sorgen, dass wir unsere Pakete kriegen, die wir beim Onlinedienst irgendwo bestellen! Genau das gehen wir jetzt mit viel Verve an. Das werden wir in der Form, wie wir es im Moment auf dem Markt sehen, beenden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Sie haben sicher noch die Zeit vor Augen, als die Branche der Schlachthöfe so stark in den Medien war. Damals waren Hunderte an Corona infiziert. Damals haben dort Überstunden zur Regel gehört. Damals waren schlechte Wohnungen und unzumutbare Lebensbedingungen die Situation. Damals wurde agiert und in Nordrhein-Westfalen und dann im Bund dafür gesorgt, dass Werkverträge und Leiharbeit in dieser Branche verboten sind.

Jetzt machen wir den nächsten Schritt. Wir gehen die nächste Branche an, sorgen auch dort für faire Arbeitsbedingungen und räumen mit all dem auf, was wir in der Branche sehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Lukas Köhler [FDP]

Erster Punkt dabei: Wir starten bei den einzelnen Personen. Wer täglich schwere Pakete schleppt, der macht sich den Rücken kaputt. Deswegen regeln wir jetzt, dass Pakete, die über 20 Kilogramm schwer sind, von zwei Leuten getragen werden müssen, weil wir die Gesundheit und den Rücken von jedem Einzelnen sehen, der in dieser Branche arbeitet

Zurufevon der CDU/CSU

und dafür sorgen muss, dass am Ende die Pakete eben auch in den fünften Stock kommen.

Wir schauen uns zum einen die Gesundheit der einzelnen Personen an; wir gehen aber auch – zweiter Punkt – das gesamte System an. Deswegen gilt künftig: Wer Pakete ausfahren will, der muss sich bei der Bundesnetzagentur lizenzieren lassen. Dabei wird auf Schwarzarbeit geprüft. Dabei wird auf Steuerhinterziehung geprüft. Dabei wird auf widrige Arbeitsbedingungen geprüft. Und wer an dieser Stelle nicht sauber ist, der kann nicht in den Markt eintreten. Das ist die Barriere. Wir prüfen ganz am Anfang, und wer das nicht erfüllen kann, der kommt nicht in den Markt rein – eine ganz klare Barriere, eine Schranke gegen Schwarzarbeit, eine Schranke dagegen, dass die Ausbeutung in diesem Sektor weitergeht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Daneben führen wir etwas Neues ein: eine digitale Form der Arbeitszeitkontrolle. Jeder kennt das: Jeder weiß, wann das Paket ankommt. Wir kriegen es minutengenau aufs Handy: Noch einen Stopp oder noch zwei Stopps, und dann ist es da. – Diese Daten nutzen wir künftig; das haben wir hier in den parlamentarischen Verhandlungen noch reingebracht. Wir nutzen sie, um künftig zu prüfen, ob es faire Arbeitszeiten gibt, ob die Arbeitsentgelte korrekt sind, ob ein Datenabgleich da ist, und auch, um Sozialabgaben anzuschauen. Das müssen die Subunternehmer plausibel machen.

Die auftraggebenden Unternehmer werden daran gemessen, und wenn sie die Anforderungen nicht erfüllen – sie müssen das kontrollieren –, dann gibt es Bußgelder. Das bedeutet, dass an dieser Stelle am Ende auch eine scharfe Sanktion steht. Wer auf diesem Markt glaubt, mit Ausbeutung von Menschen und schlechten Arbeitsbedingungen Geschäfte machen zu können, dem schieben wir hier einen klaren Riegel vor. Wir haben die Bußgelder in den Verhandlungen noch mal erhöht. 50 000 Euro: Das ist das, was jetzt dort zur Debatte steht.

Das heißt, wir starten am Anfang –

Porträt von Franziska Brantner
Foto: Dr. Franziska Brantner/ Florian Reichelt
Franziska BrantnerGrüne· Parl. Staatssekretärin BMWK· MdB
6 Vermerkeca. 509 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir bringen heute das Postrecht ins 21. Jahrhundert; es ist Zeit, dies endlich zu tun.

Erstens. Wir werden die Grundversorgung zu gleichen Bedingungen in der Stadt und auf dem Land sicherstellen, im Norden wie im Süden, für die Briefe und die Pakete. Wir ermöglichen das, indem wir der Bundesnetzagentur, die nun Zwangs- und Bußgelder verhängen kann, endlich Zähne verleihen, um die Einhaltung der Grundversorgung auch durchzusetzen. Denn, wie Herr Metzler gerade richtig gesagt hat, es braucht dafür jetzt die Kompetenzen der Bundesnetzagentur, dies auch wirklich durchsetzen zu können, damit der Durchschnitt nicht dazu führt, dass ein Teil abgehängt ist und es nicht bekommt. Das war genau unser Ziel. Gut, dass wir das jetzt verankern konnten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Zweitens. Wir verbessern die Arbeitsbedingungen für Hunderttausende tüchtige Beschäftigte in der Postbranche. Ja, es gibt in diesem Bereich leider schwarze Schafe. Der Zoll hat uns attestiert, dass in diesem Bereich nicht nur Missbrauch stattfindet, sondern Organisierte Kriminalität.

Und dann kann man doch als Regierung nicht einfach sagen: Na ja, gut, das lassen wir jetzt mal weiterlaufen.

Auch der Bundesrat hat deswegen mit den Stimmen der CDU die Bundesregierung dringend aufgefordert, hier tätig zu werden. Daher verbessern wir jetzt hier die Rahmenbedingungen. Das ist eben nicht Bürokratie, sondern es ist Bekämpfung von Organisierter Kriminalität; das ist unsere Aufgabe.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Lukas Köhler [FDP]

Es geht hier um die Einhaltung von Arbeitsbedingungen bei Subunternehmen. Wir machen das über einen digitalen Weg, der hoffentlich dann sogar mit KI funktioniert, besonders modern.

Ja, wir haben gesagt: Pakete mit einem Gewicht von über 20 Kilogramm müssen durch zwei Personen oder einem geeigneten technischen Hilfsmittel zugestellt werden. – Herr Durz, jetzt kritisieren Sie, dass die Regierung nicht mit Ihnen zusammen im Gesetz festschreibt, welche Mittel das sind. Aber vielleicht gilt das Gesetz 20 Jahre lang, und vielleicht wird man auf der Strecke dahin das mal anpassen. Deswegen haben wir gesagt: Das regelt eine Verordnung der Regierung. Damit kann man immer regelmäßig anpassen, was technisch gerade der aktuelle Stand ist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Sie kritisieren das und sagen, das sei bürokratisch. Ganz ehrlich: Das ist technologieoffen und zukunftsgewandt.

Wir stärken außerdem – das ist mir sehr wichtig – den fairen Wettbewerb im Postsektor. Wir haben hier endlich in den Bereichen Warensendungen, Zeitungen und Zeitschriften wettbewerbsfördernde Maßnahmen ermöglicht. Und es ist auch richtig, dass wir hier mehr Wettbewerb ermöglichen. Wir schaffen auch mehr ökologische Nachhaltigkeit – ja, Nachtflüge müssen nicht immer sein –, und wir erleichtern Kooperationen für die Reduktion im Treibhausgassektor. Das heißt, hier erleichtern wir die Zusammenarbeit für die Unternehmen.

Und ja, wir haben eine Evaluierung vorgesehen, Herr Durz – ein Evaluierungsbericht in fünf Jahren –, weil wir – genauso wie Herr Metzler sagte – schauen möchten, wie sich das Ganze überhaupt auswirkt und ob es vielleicht Anpassungsbedarf gibt. Wenn Sie uns hier Bürokratie vorwerfen, nur weil wir regelmäßig schauen wollen, wie sich die Gesetze eigentlich auswirken, um sie gegebenenfalls anzupassen, dann weiß ich nicht, was wir überhaupt noch miteinander zu schaffen haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

An der Stelle ein herzliches Danke an Sebastian, an Verena, an Andreas, an Sandra, an Reinhard, an Lukas und an die Teams aus dem BMWK.

Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
4 Vermerkeca. 571 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich kann mich noch sehr gut dran erinnern, als Postler/-innen im Oktober letzten Jahres vor dem Brandenburger Tor standen und Sorge hatten. Sie wussten, dass wir im Koalitionsvertrag vereinbart hatten, den Postdienst ökologischer und sozialer zu machen. Aber sie wussten nicht genau, in welche Richtung es geht. Sie hatten Angst, dass die Tarifbindung, für die sie so lange gestritten hatten, geschwächt wird, dass die zurückgehenden Briefmengen sich auf ihr Geschäft auswirken. Sie hatten Angst vor Jobverlust und davor, dass ihr Leben härter wird.

Zeitgleich hat eine Hauptversammlung von DHL bzw. Post stattgefunden, auf der die Aktionärinnen und Aktionäre diskutiert haben, ob sich die Post aus dem Universaldienst zurückziehen soll, weil er sich eh nicht mehr lohnt; eine solche Daseinsvorsorge in der Fläche des Landes könne doch nicht rentierlich sein. Warum sollte man diesen Geschäftsbereich überhaupt noch aufrechterhalten?

Wir haben mit dem vorliegenden Gesetzentwurf die Sorgen beider Seiten adressiert. Das ist die große Leistung dieses Gesetzes, und dafür danke ich ganz herzlich.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wir haben geliefert. Es wird auch in Zukunft in der ganzen Fläche des Landes jeden Kilometer ein Briefkasten hängen; kein Briefkasten wird abgehängt. Alle 20 000 Anlaufstellen der DHL bleiben in der Fläche des Landes erhalten. Bis zum dritten Tag sind 95 Prozent der Briefe ausgeliefert, und das mit 80 Prozent CO2-Footprint-Reduktion und dem Verzicht auf Nachtflüge. Das waren ganz entscheidende Schritte, die wir da gemacht haben. Deswegen ist es ein gutes Gesetz.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Die große Herausforderung war, in diesem Gesetz die auskömmliche Finanzierung des Universaldienstes, also die verlässliche Zustellung von Briefen und Paketen in der Fläche, mit dem sehr lebendigen Wettbewerb auf dem Paketmarkt zusammenzubringen. Die Vorredner/-innen haben es schon gesagt: Die wichtige Stellschraube dabei ist ganz klar, den Universaldienst festzuzurren, für den Universaldienst eine verlässliche Rendite zur Verfügung zu stellen. Umgekehrt ist aber auch klar: Wir wollen faire Wettbewerbsbedingungen, die nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmer/-innen ausgetragen werden, und dass der Postbereich einen Beitrag zur Ökologisierung der Gesamtwirtschaft leistet. Genau das sind die drei großen Stärken.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Wir führen also Daseinsvorsorge und Wettbewerb zusammen. Es war übrigens interessant, die Reaktionen zu sehen. Wenn man zu dem Thema gepostet hat, dann haben manche Leute gefragt: Ja, habt ihr nichts Wichtigeres zu tun? Was redet ihr die ganze Zeit vom Postgesetz? Da gibt es doch wirklich größere Probleme. – Ich bin fest davon überzeugt, dass dieses Gesetz einen ganz wesentlichen Beitrag dazu leisten wird, dass die Menschen das Gefühl haben: Dieser Staat funktioniert. In diesem Staat werden Briefe eben nicht irgendwo in der Ecke entsorgt, da landen Briefe nicht plötzlich auf dem Gehsteig, weil es sich nicht mehr lohnt, sie auszutragen. – Das ist eine wichtige Stellschraube. Das Gefühl, dass dieser Staat funktioniert, dass die Daseinsvorsorge funktioniert, wollten wir befördern.

Das bringen wir gleichzeitig mit Effizienz und Arbeitnehmer/-innenschutz zusammen. Die Maximalgrenze von 20 Kilo und das Anbieter/-innenverzeichnis wurden schon angesprochen. Wir sichern Bezahlbarkeit – gerade beim Porto natürlich sehr wichtig – und die Renditeabsicherung für die Erbringer des Universaldienstes; das sind DHL bzw. die Post. Sie kann auf Grundlage dieser neuen Regelungen weiterarbeiten – das unterscheidet uns übrigens massiv von anderen europäischen Mitgliedstaaten, in denen der Universaldienst unter Druck ist und nicht genau weiß, wie es in naher Zukunft weitergeht –, und das ohne Subventionen, ohne zusätzliche Steuermittel. Das ist wirklich eine Leistung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

An dieser Stelle abschließend einen ganz herzlichen Dank insbesondere an Staatssekretärin Franziska Brantner, an das BMWK. Den Kolleginnen und Kollegen –

Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
2 Vermerkeca. 25 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– Sebastian Roloff, Reinhard Houben und anderen ganz herzlichen Dank für die sehr konstruktiven Verhandlungen. Ich bin gespannt, was dieses Gesetz in der Fläche bewirkt.

Danke.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Jörg Cezanne
Foto: Jörg Cezanne / Maik Brückner
8 Vermerkeca. 345 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Privatisierung der Post war ein schwerer Fehler.

Beifallbei der Linken

Der Wettbewerb wird auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen – immer mehr Pakete und Briefe in immer kürzerer Zeit, immer mehr Beschwerden von Kundinnen und Kunden. Man kann es leider nicht oft genug wiederholen.

Beifallbei der Linken

Dabei verschlechtern sich die Dienstleistungen der Post seit Jahren. Während vor zehn Jahren noch 92 Prozent aller Briefe am nächsten Werktag zugestellt wurden, waren es 2022 nur noch knapp 80 Prozent, und das bei steigendem Porto. Dazu hat die Post die Angebote in der Fläche immer weiter ausgedünnt. Selbst Briefkästen sind für viele im ländlichen Raum nicht mehr ohne Weiteres erreichbar. Ihr Gesetzentwurf ändert das nicht. Das ist falsch. Wir kritisieren das scharf.

Beifallbei der Linken

Infolge der Privatisierung haben private Dienstleister erhebliche Bereiche übernommen. Diese wiederum beauftragen weitere Unternehmen, was zu schwer überschaubaren Subunternehmerstrukturen führt. Häufig werden Beschäftigte dort schlecht bezahlt, gar nicht bezahlt, die Arbeitszeiten nicht eingehalten. Der vielbeschworene Wettbewerb durch die Privatisierung wird nicht mittels besserer oder zuverlässigerer Leistungen ausgetragen, sondern durch Lohn- und Sozialdumping auf Kosten der Beschäftigten. Es ist und bleibt ein Skandal.

Beifallbei der Linken

Wir sagen: Dieses Subunternehmerunwesen muss beendet werden. Konsequent wäre es gewesen – so wie die Gewerkschaft Verdi und die Betriebsräte bei der Post das gefordert haben –, Subunternehmer grundsätzlich von der Beteiligung auszuschließen.

Beifallbei der Linken

Das hat die Ampel versäumt. Es ist eine windelweiche Scheinlösung, die Sie jetzt hier einführen.

Windelweich ist auch die Regelung für das Problem der schweren Pakete. Die Paketzustellung ist entgegen dem Briefgeschäft der Bereich, der noch erheblich anwächst. Schwere Pakete von 20 Kilo und mehr sind aber eine enorme gesundheitliche Belastung für die Zusteller. Ein Paket muss geladen werden, es muss während der Schicht mehrfach umgewuchtet werden und bei der Auslieferung viele Meter – oftmals mehrere Stockwerke – hinaufgetragen werden. Berechnungen besagen, dass ein Zusteller oder eine Zustellerin pro Tag 2 Tonnen Gewicht austrägt. Die Beschäftigten und Verdi haben eine harte 20-Kilo-Grenze gefordert. Die Linke unterstützt, dass ab diesem Gewicht Pakete immer durch zwei Personen ausgeliefert werden müssen.

Beifallbei der Linken

Die Regierung ist das schuldig geblieben und muss jetzt nachliefern.

Danke schön.

Beifallbei der Linken
Porträt von Bernd Rützel
Foto: Bernd Rützel / DBT/Stella von Saldern
4 Vermerkeca. 453 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Sehr verehrte Damen und Herren! Die Debatte hat jetzt noch mal verdeutlicht und gezeigt, welch zentrale Rolle die Deutsche Post im täglichen Leben der Bevölkerung hat. Sie verbindet Menschen, sie verbindet Unternehmen und Institutionen durch eine zuverlässige Zustellung. Was das alles bedeutet, wird meine Kollegin Nadine Heselhaus auch noch mal ausführen. Ich möchte mich auf die Arbeitsbedingungen bei der Post beschränken.

Kolleginnen und Kollegen, 190 000 Postlerinnen und Postler sind Tag für Tag bei Wind und Wetter unterwegs. Sie haben jeden Tag 60 Millionen Briefe in der Hand und schleppen 10 Millionen Pakete – täglich, jeden Tag!

Zurufdes Abg. Reinhard Houben [FDP]

Sie kommen mit Gütern des täglichen Bedarfs zu uns nach Hause: mit Lebensmitteln, mit Katzenstreu, mit Getränkekisten. Ja, sogar Brennholz, liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen sich die Leute schicken.

Das, was die Paketboten, die Postboten leisten, ist eine verdammt harte Arbeit in einem sehr hart umkämpften Markt, der teilweise von Sozial- und Lohndumping und – das haben wir heute auch gehört – Organisierter Kriminalität begleitet wird. Deswegen müssen wir die Arbeitsbedingungen verbessern.

Ich war – wie viele andere auch – bei einer Tour dabei. Ich habe mir das angeschaut, ich habe angepackt, ich habe zugehört. Ich habe geguckt, wo den Postboten sozusagen der Schuh drückt, und habe auch gesehen, wie groß das Pensum ist. Die haben zu mir gesagt: Na ja, du machst das gar nicht so schlecht, aber du bist viel zu langsam. – Vielleicht war das auch der Grund, weshalb ich 1982 von der Deutschen Bundespost eine Absage bekommen habe. Ich hatte mich damals als Briefträger beworben. Es ist nichts geworden. Ich habe es zum persönlichen Vorstellungsgespräch geschafft, dann war Ende. Dann bin ich zur Eisenbahn gegangen und habe nachts die Postzüge gefahren.

Deswegen ist irgendwie auch die Bahn unpünktlich!

Zurufvon der AfD: Als Briefträger untauglich, aber für die SPD im Bundestag! Unglaublich!

Aber ich glaube, Sie möchten meine persönlichen Geschichten nicht hören. Deswegen frage ich Sie: Wie schwer darf ein Paket sein? 31,5 Kilogramm. Dann könnte man fragen: Wissen Sie, wie schwer 31,5 Kilogramm sind? Die meisten wiegen ihren Koffer, wenn sie ihn in ein Flugzeug mitnehmen. Der darf 20 Kilogramm wiegen. Aber 31,5 Kilogramm sind richtig schwer. Problematisch wird es, wenn diese Masse in einem zerfledderten Karton oder in einem blöd gepackten Paket auf die Paketbotinnen und Paketboten wartet.

Deswegen sorgen wir für eine Kennzeichnung von Paketen ab 10 Kilogramm. Wir sorgen für eine extrem deutliche Kennzeichnung von Paketen ab 20 Kilogramm. Wir sagen: Pakete ab 20 Kilogramm werden nur durch zwei Menschen bewegt, und wenn nicht, dann brauchen wir geeignete Hilfsmittel. Die bestimmt nicht irgendwer; die bestimmt Hubertus Heil, das BMAS. Und der Deutsche Bundestag muss beschließen, was ein geeignetes Hilfsmittel ist.

Ich danke zum Schluss – denn es blinkt hier schon wieder – allen Paketbotinnen und Paketboten, allen Postboten für ihre harte Arbeit. Vielen, vielen Dank dafür!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Nadine Heselhaus
Foto: Photothek Media Lab
1 Vermerkca. 327 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Kommunikation ist ein Grundbedürfnis; denn sie sichert unsere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Wussten Sie, dass ungefähr 3 Millionen Menschen in unserem Land kein Internet nutzen, also auch keine E-Mails, und damit ganz besonders auf Briefe und gedruckte Zeitungen angewiesen sind?

Als Verbraucherpolitikerin schaue ich immer auf den Menschen. Was sind also die wesentlichen Punkte für Sie alle in diesem Gesetz? Sie bekommen Ihre Post weiterhin an sechs Tagen in der Woche. Sie finden weiterhin ein gutes Netz an Postfilialen, -automaten und -briefkästen vor. Sie erhalten weiterhin Ihre Zeitungen nach Hause, auch wenn Sie außerhalb wohnen. Und das alles wird gewährleistet, obwohl die Briefpost und eben auch gedruckte Zeitungen kaum noch in Anspruch genommen werden; jedenfalls nimmt es aufgrund der Digitalisierung weiter ab. – Das sind ganz wichtige Punkte, insbesondere für alle, die in ländlichen Regionen wohnen, so wie ich im Münsterland.

Kamen Briefe nicht oder verspätet an, hat bisher zwar die Bundesnetzagentur davon erfahren, konnte aber nichts dagegen tun. Zukünftig wird sie endlich durchgreifen und auch Strafen verhängen können, um so Verbesserungen herbeizuführen. Ja, Brieflaufzeiten verlängern sich; das ist aber moderat. Bis zum dritten Tag kommen 95 Prozent der Briefe an, bis zum vierten Tag 99 Prozent. Das hilft bei der Finanzierung. Das sorgt für die notwendige Flexibilität bei den Unternehmen. Und vor allem: Diese Laufzeiten sind vertretbar.

Da sich viele immer wieder über die Erhöhungen des Briefportos ärgern, hier eine kurze Einordnung: 85 Cent bezahlen wir in Deutschland für die Briefzustellung. In Europa liegt der Preis im Durchschnitt bei 1,05 Euro. Wir liegen also 20 Cent darunter. In Dänemark und Finnland zahlen Sie dafür weit über 3 Euro.

Meine Damen und Herren, bezahlbare, flächendeckende und zuverlässige Postdienstleistungen sichern allen Menschen die gesellschaftliche Teilhabe, und trotz all der genannten Herausforderungen sorgt dieses Gesetz dafür. Deswegen danke ich all denen, die an den Verhandlungen beteiligt waren, für dieses Ergebnis. Von mir gibt es da eine klare Zustimmungsempfehlung.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Reinhard Houben [FDP]
Porträt von Daniel Baldy
Foto: Daniel Baldy/ Thomas Trutschel
15 Vermerkeca. 843 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist schon skurril, wenn ausgerechnet die AfD in dem vorliegenden Antrag fordert, die Finanzierung von Verfassungsfeinden aus dem Ausland zu unterbinden. Ihre Abgeordneten lassen sich von Putin und China bezahlen,

Das ist eine Falschbehauptung! Das ist doch eine Lüge!

Weiterer Zurufvon der AfD: Quatsch!

und deshalb muss für Sie ja auch das schöne alte Sprichwort gelten: Wer im Glashaus sitzt, der sollte nicht mit Steinen werfen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das ist unglaublich!

Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Sicherheitslage in Deutschland ist angespannt. Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang hat das in dieser Woche in einem Interview noch einmal bekräftigt: Das Risiko islamistischer Anschläge in Deutschland ist leider so hoch wie lange nicht mehr.

Warum ist die Gefährdungslage aktuell so hoch? Die Machtübernahme der islamistischen Taliban in Afghanistan hat einerseits einen Rückzugsort für Islamisten eröffnet und andererseits die Idee eines Glaubenskrieges, eines Gotteskrieges seit 2021 international noch mal neu befeuert.

Der Krieg der Hamas gegen Israel seit dem 7. Oktober führt zu einer zunehmenden Radikalisierung gerade in den Ländern, die zu den größten Unterstützern Israels zählen. Und wir sehen das auch auf unseren Straßen, wir erleben das im Netz. Menschen, die eher unpolitisch waren, solidarisieren sich nicht nur mit der palästinensischen Bevölkerung. Nein, sie radikalisieren sich auch teilweise.

Zusätzlich zu dieser schon angespannten Stimmung kommt natürlich noch die morgen startende Europameisterschaft. Großereignisse bedeuten leider auch immer eine erhöhte Gefährdungslage.

Aber die Festnahme vergangene Woche am Flughafen Köln/Bonn, die Festnahmen im März in Gera, die Festnahmen im November in NRW und weitere Beispiele zeigen doch: Unsere Sicherheitsbehörden sind aufmerksam, sind wachsam, haben die Lage im Blick. Und deshalb kann man unseren Sicherheitsbehörden nicht oft genug dafür danken, dass sie uns jeden Tag in dieser angespannten Zeit schützen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Weiter fordert die AfD-Fraktion in ihrem Antrag, ein – ich zitiere – „aktuelles Lagebild zu Art und Umfang der derzeitigen verfassungs- wie sicherheitsrelevanten Tätigkeiten islamistischer Organisationen und Terrororganisationen vorzulegen“. Abgesehen davon, dass im Innenausschuss – es zeigt sich, dass Sie da offenbar überhaupt nicht zuhören oder mitarbeiten – regelmäßig über ein solches Lagebild informiert wird – das gibt es schon –,

gibt es vor allen Dingen auch ein verschriftlichtes Lagebild. Das gibt es jedes Jahr, und es nennt sich Verfassungsschutzbericht.

Kleines Kapitelchen!

Der nächste Bericht wird kommende Woche vorgestellt. Die Landesämter haben das in den vergangenen Wochen bereits getan. Ich kann auch allen Zuschauerinnen und Zuschauern nur empfehlen, mal in den Verfassungsschutzbericht oder – wem die 380 Seiten zu lang sind – auch in die Zusammenfassung zu schauen. Der Bericht gibt und gab auch in der Vergangenheit immer einen Überblick über die aktuelle Gefährdungslage, aber auch über die Methoden, wie Verfassungsfeinde arbeiten. Und gerade wenn wir über Radikalisierung in den sozialen Medien, im Netz sprechen, dann gilt festzuhalten, dass die Berichte in den letzten Jahren auch schon davor gewarnt haben.

Warum nenne ich ausgerechnet dieses Phänomen so deutlich? Gerade weil Sie von der AfD-Fraktion manchmal gerne so tun, als sei es vollkommen überraschend, dass es Extremismus-Influencer gibt, egal welcher Couleur. Es ist nun aber leider ein bekanntes Phänomen, dass Neuerungen im Internet auch schnell durch Kriminelle, durch Extremisten übernommen werden. Wenn Sie Fußballschuhe online bei Adidas bestellen können, dann können Sie leider auch Waffen im Darknet bestellen. Wenn Sie bei eBay Kleinanzeigen eine Haushaltshilfe finden können, dann können Sie auch Cyberkriminelle für Cybercrime-as-a-Service-Dienstleistungen finden.

Zurufdes Abg. Dr. Bernd Baumann [AfD]

Und wenn Ihnen Influencer tolle Gesichtscremes mit Rabattcode anpreisen, dann werden Ihnen auch Extremisten auf Instagram das Blaue vom Himmel versprechen. Sie identifizieren zwar Islamismus-Influencer als Problem im Alltag, aber dann kommt von Ihnen keinerlei Lösung in Ihrem Antrag.

„Muslim Interaktiv“ verbieten!

Und warum? Weil Sie selbst massiv von Influencer-Extremismus profitieren. Alle Vorschläge, Plattformen bei Extremismusbekämpfung stärker mal in die Pflicht zu nehmen, haben Sie immer abgelehnt. Sie wollen gar keine Bekämpfung von extremistischen Inhalten auf Plattformen. Sie sind der berühmte Brandstifter, der erst das Feuer legt, dann die Feuerwehr ruft und dann auch noch das Feuer selbst löschen will.

Das Feuer legen Sie!

Verfassungsschutzpräsident Haldenwang nannte in dem eingangs erwähnten Interview übrigens drei große aktuelle Gefahren für unsere Sicherheit. Erstens die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus, zweitens das vor allem durch den Rechtsextremismus auch mit den Themen „Fremden- und Muslimfeindlichkeit“ aufgeheizte Klima und drittens die Einfluss- und Spionageaktivitäten fremder Staaten. Für zwei dieser drei aktuell größten Sicherheitsgefahren sind Sie als AfD unmittelbar verantwortlich.

Erstens. Das gesellschaftlich aufgeheizte Klima wird ständig befeuert durch Sie, durch Ihre Falschbehauptungen, durch Ihre Hasskampagnen hier im Parlament, aber auch im Netz.

Und zweitens auch die Spionage- und Einflussaktivitäten anderer Staaten: mal für Russland, mal für China, mal bezahlt, mal unbezahlt,

Alles Unterstellungen! Kein Beleg!

mal durch Ihre Abgeordneten, mal durch Ihre Mitarbeitenden, mal durch die Weitergabe von Infos, mal als verlängerter Arm von Radio Moskau, aber immer mit der vollen Absicht,

Ihr Kanzler Schröder sitzt in Moskau!

unserem Deutschland, der Bundesrepublik Deutschland, zu schaden. Sie sind keine Alternative, Sie sind sogar ein doppeltes Sicherheitsrisiko für dieses Land.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir haben Islamismus fest im Blick. Das zeigt unter anderem auch das gestrige Verbot des salafistischen DMG-Vereins in Braunschweig durch die dortige SPD-Innenministerin Daniela Behrens.

Warum macht denn die Innenministerin nie was? Was ist denn mit der Bundesinnenministerin?

Mit derselben Härte, wie dort vorgegangen wurde und wird, werden wir auch weiterhin im Bund gegen Islamisten vorgehen – sei es gegen „Muslim Interaktiv“, aber auch gegen andere.

Martin Hess [AfD]: Wegen Ihrer Politik lachen die Islamisten über unser Land! Das ist Ihr Totalversagen!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Christoph de Vries
Foto: DBT/ Inga Haar
20 Vermerkeca. 801 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Messerstiche des afghanischen Islamisten von Mannheim waren eben nicht nur Messerstiche in die Körper der Opfer. Das waren auch Stiche in das Herz unserer Demokratie. Diese mörderische Tat, die den Polizisten Rouven Laur das Leben gekostet hat, war eben auch ein Angriff auf die Meinungsfreiheit in unserem Land.

Erst vor wenigen Wochen haben Tausende radikale Islamisten von „Muslim Interaktiv“ in Hamburg die Einführung eines Kalifats, eines islamischen Gottesstaates, gefordert. In einem Kalifat wäre es mit genau dieser Meinungsfreiheit sehr schnell vorbei, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Und schließlich hat die islamistisch-nationalistische DAVA-Partei von Präsident Erdoğan gesteuert aus der Türkei am letzten Sonntag bei der Wahl in Hamburg in einem Stadtteil mit 10 000 Einwohnern 7,5 Prozent geholt, im benachbarten Stadtteil auf der Veddel 8,6 Prozent. Als wir vor wenigen Monaten davor gewarnt haben, kamen Beschwichtigungen und der Hinweis, man solle das nicht aufbauschen. Und was ist passiert? Nichts.

Zurufder Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das sind nur drei Beispiele aus den letzten Wochen, die uns die islamistischen Bedrohungen in unserem Land ganz konkret vor Augen führen. Allein gestern standen im Innenausschuss sieben Tagesordnungspunkte im Zusammenhang mit diesem Phänomen auf der Tagesordnung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die islamistische Bedrohung für unsere freiheitliche Demokratie, für unsere offene Gesellschaft ist gewaltig, und sie wird immer größer. Das ist doch förmlich mit Händen zu greifen.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Menschen in unserem Land haben das längst begriffen, und es macht ihnen Angst.

Die wählen AfD!

Aber diese Bundesregierung hat die Gefahr des fortschreitenden Islamismus immer noch nicht begriffen. Wir erleben das immer wieder, auch jetzt. Sie verharmlosen diese Gefahr, aber vor allen Dingen handeln Sie einfach nicht. Genau das ist das Problem, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Interessant war: Bei der Nachwahlbefragung zur Europawahl von Infratest dimap haben die Bundesbürger als drittgrößte Sorge, die sie haben, angegeben: der Einfluss des Islam in Deutschland. Das waren 61 Prozent, ein Plus von 14 Prozent gegenüber der Europawahl 2019. Unsere Erwartung an die Innenministerin und an Sie als Ampel ist: Nehmen Sie die Sorgen endlich ernst, und zeigen Sie, dass Sie den Willen haben, zu handeln, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Beifallbei der CDU/CSU

Zeigen Sie vor allen Dingen auch, dass Sie den Willen haben, den Islamisten mit derselben Konsequenz zu begegnen wie den Rechtsextremisten. Das ist längst überfällig in unserem Land, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist ganz gefährlich, was für ein Bild Sie hier aufbauen!

Es muss auch aufhören, dass Sie jede Woche hier an unseren Anträgen herumkritteln und sich als Lehrmeister aufspielen, aber seit zweieinhalb Jahren überhaupt nichts im Parlament vorzulegen haben.

Zurufvon der FDP: Das stimmt aber auch nicht!

Das ist einfach zu wenig, meine Damen und Herren.

Wer Politik macht, indem er die Sorgen der Bürger ignoriert und die Islamisten mit Samthandschuhen anfasst, der trägt nicht nur für das Erstarken des Islamismus die Verantwortung,

Sie lesen keine Nachrichten!

sondern der trägt auch die Verantwortung für das Erstarken des rechten Randes in unserem Land, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Dr. Alice Weidel [AfD]

Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, und wir haben hier viele Anträge eingebracht, übrigens auch in Zusammenarbeit mit vielen namhaften Islamismusexperten, die nur noch unter Polizeischutz öffentlichen auftreten können. Friedrich Merz hat hier letzte Woche das Angebot zur Zusammenarbeit gemacht. Aber es sind Sie allein, die die Macht haben, auch etwas zu ändern. Deswegen fordern wir Sie erneut auf: Schließen Sie endlich das Islamische Zentrum Hamburg, und setzen Sie endlich den Willen des Bundestages um, den er hier schon lange formuliert hat!

Beifallbei der CDU/CSU

Machen Sie endlich was gegen islamistische Influencer im Netz, auf Tiktok und anderswo! Natürlich ist das nicht leicht; aber da muss was passieren.

Am besten, ihr kooperiert mit denen!

Und vor allen Dingen: Verbieten Sie sämtliche Vereine und Organisationen, die in Deutschland ein islamistisches System errichten wollen, meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Von zentraler Bedeutung ist, dass wir einen Aktionsplan Politischer Islamismus erarbeiten und vorlegen, so wie wir das beim Rechtsextremismus machen – mit einer konsistenten Strategie, mit konkreten Maßnahmen und auch mit detaillierten Umsetzungsschritten, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Wiederholung festigt!

Sie haben vieles richtig in Ihrem Antrag formuliert. Aber ich will Ihnen auch sagen, warum wir Ihren Antrag gleich ablehnen werden. Das hat zwei Gründe.

Zum einen. Es braucht diese Anträge nicht.

Zurufevon der AfD

Als Union warnen wir seit 2019 vor den Gefahren des politischen Islamismus. Wir haben ein umfangreiches Positionspapier vorgelegt. Wir haben hier zahlreiche Anträge eingebracht. Wir haben den Expertenkreis Politischer Islamismus durch Horst Seehofer etabliert und vieles mehr.

Ja, aber den habt ihr auch nur auf ein Jahr begrenzt!

Das geht in seiner Tragweite um ein Vielfaches über das hinaus, was Sie heute vorlegen. Deswegen brauchen wir Ihre Anträge auch nicht, liebe Kolleginnen und Kollegen von der AfD.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie schreiben von uns ab! Sie haben nichts Originelles!

Zum anderen. Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen Ihnen und uns.

Zurufevon der AfD

Wir betrachten Muslime in unserem Land nicht – und lassen Sie mich Ihre Fraktionsvorsitzende Alice Weidel zitieren – als „Kopftuchmädchen, alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse“.

Ja, genau! Stimmt ja auch!

Recht hat sie!

Wir wollen unsere liberale Demokratie bewahren und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und deshalb entschieden gegen Islamisten und ihre Ideologie vorgehen. Aber wir dürfen Muslime nicht zum Feindbild in unserem Land erklären.

Machen wir auch nicht! Das machen wir nicht!

Wir müssen die Islamisten ins Visier nehmen.

Vielen Dank.

Porträt von Lamya Kaddor
Foto: Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen/ Stefan Kaminski
9 Vermerkeca. 923 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Danke, Frau Präsidentin. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer! Die AfD stellt heute zwei Anträge zu islamistischen Organisationen zur Abstimmung, in denen Begriffe durcheinandergewürfelt, falsche Zusammenhänge konstruiert und noch falschere Schlüsse gezogen werden. So weit, so normal. Sachlichkeit wird zur Nebensache, wenn man eigentlich nur „Remigration“ brüllen will, um den Geifer seiner Anhänger anzustacheln.

Was ist denn das für eine schlechte Rede?

Wer Millionen Menschen deportieren will, der braucht keine sachlichen Argumente in diesem Land mehr, sondern bloß genügend Rückhalt. Wohin das letzten Endes führt, kann sich ja jeder selbst ausmalen.

Wir, der Rest hier in diesem Hohen Haus – für diesen Hinweis danke ich Ihnen explizit, Herr de Vries –, die diesen Antrag lesen mussten, sollten uns zuallererst zur allgemeinen Versachlichung die Begrifflichkeit noch einmal klarmachen.

Islamismus ist eine politische Ideologie, die aus machtstrategischen Erwägungen heraus eine fundamentalistische Auslegung des Islams zur Grundlage menschlichen Zusammenlebens machen will. Sie ist mit dem Ziel verbunden, gesellschaftliche Kontrolle über Individuen zu erlangen und deren Unterwerfung unter willkürlich festgelegte religiöse Regeln zu erreichen, die aus Koran und Sunna zusammengeklaubt wurden. Dabei legt der Islamismus rassistische, also konstruierte Kriterien an, unterteilt Menschen in gute, bessere und schlechte. Islamisten sind Rassisten.

Sehr geehrte Damen und Herren, die Mittel, um zum Ziel zu kommen, reichen von Erziehung, politischer Agitation bis hin zu terroristischen Anschlägen. Islamisten kann man vor allem daran erkennen, dass sie den Koran und die Sunna, also die Weisung des Propheten Mohammeds, ohne Kontextualisierung wortwörtlich auslegen wollen, Frauenrechte, aber auch die Rechte jener, die aus ihrer Sicht sündig leben, massiv einschränken wollen, Anders- und Nichtglaubende als Ungläubige verstehen und damit bekämpfen wollen, ihr Verständnis von Gott und der Welt als absolute Wahrheit verstehen wollen, die unverrückbar ist.

Sehr geehrte Damen und Herren, Islamismus unterteilt sich in verschiedene Strömungen. Eine stellt der Dschihadismus dar. Das arabische Wort „Dschihad“ steht für „Anstrengung“ und „Bemühung“. Dschihadisten verstehen dies so, dass die ganze Welt mit kriegerischen Mitteln

Ja! Gruppenvergewaltigungen! Vergewaltigungen von Frauen!

den religiösen Überzeugungen der jeweiligen treibenden Kraft unterworfen werden soll.

Der überwiegende Teil des religiös-extremistischen Spektrums geht – zumindest nach außen – nichtmilitante Wege, etwa durch gesellschaftliche oder politische Betätigung. Das ist das Spektrum, das andere als „politischen Islam“ bezeichnen. Eine Vielzahl der islamistischen Organisationen in Deutschland versucht genau das. Entsprechend gehen wir in der Bundesregierung gegen diese vor, wie das gestrige Verbot der DMG in Niedersachsen zeigt.

Das ist aber kein Handeln der Bundesregierung! Das ist Handeln einer Landesministerin! Die Bundesregierung macht gar nichts!

Denn tatsächlich bestehen auch bei den großen Islamverbänden, wie beispielsweise der DİTİB, Abhängigkeiten vom Ausland und Verbindungen in nationalistische Kreise. Genau mit diesen Aspekten haben wir uns als Vertreter des deutschen Volkes in diesem Hohen Haus, in den Ländern und Kommunen auseinanderzusetzen. Und das geschieht leider viel zu selten.

Der AfD-Antrag spricht diesen Aspekt daher zu Recht an. Die Herausforderungen im Umgang mit der DİTİB sind groß. Von einer in Teilen extremistischen Partei allerdings, von der sich selbst Marine Le Pen distanziert hat, kann man keine Lösung erwarten, nur menschliches Leid, Schmerz und Angst für unschuldige Bürgerinnen und Bürger dieser Gesellschaft, ganz gleich, ob sie säkular, christlich, jüdisch, muslimisch sind oder anderen Vorstellungen ihrer persönlichen Lebensgestaltung folgen. Das muss man hier deutlich sagen.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, die großen muslimischen Verbände beschwören immer wieder, dass wir sie an unserer Seite im Kampf gegen Extremismus und für gesellschaftlichen Zusammenhalt benötigen. Das ist im Grunde genommen auch richtig.

Die sollen doch mal demonstrieren auf der Straße!

Zurufder Abg. Dr. Alice Weidel [AfD]

– Hören Sie gut zu! – Der Kampf gegen den Islamismus kann nicht ohne die Muslime gewonnen werden, die auch sie in ihren Reihen haben. Aber wir müssen in gleichem Maße von den Verbänden verlangen, gemeinsam mit uns an den Herausforderungen eines deutschen, also zeitgemäßen Islams zu arbeiten, der hier lebbar ist.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, daher müssen wir die großen strukturellen Fragen des Islams in Deutschland angehen. Sind diese Organisationen tatsächlich diejenigen Ansprechpartner, mit denen wir arbeiten können? Es liegen Ideen dazu in der Schublade, auch solche, die mit Ihnen, werte Kolleginnen und Kollegen der Union, gemeinsam erarbeitet wurden. So hatte Jens Spahn gemeinsam mit mir öffentlich das Modell einer Staatsstiftung vorgeschlagen, so wie es in Baden-Württemberg übrigens schon lange etabliert ist. Diese könnte Moscheegemeinden fördern, die bestimmte Kriterien erfüllen: in Deutschland ausgebildete Imame, Predigten auch in deutscher Sprache, Anforderungen an eine integrierende und nicht Abgrenzung suchende Jugend- und Gemeindearbeit zum Beispiel. Ich kann für meine Fraktion nur unterstreichen, wie wichtig es ist, dass wir uns hier weiter miteinander austauschen und vorankommen. Dafür braucht es überparteilichen Konsens.

Sie da drüben vom rechten Rand sind natürlich nicht daran interessiert, diese Fragen zu stellen. Sie wollen ja, dass sich Musliminnen und Muslime vom Islam abwenden, um sich dann weiter zu überlegen, wie man die übriggebliebenen Menschen loswerden kann, die nicht in Ihre Vorstellung vom Deutschsein passen.

Mann, Mann, Mann! Die Wiederholung einer Lüge macht sie nicht wahr, Frau Kaddor!

Es ist klar, dass hier im Hohen Hause niemand Islamisten in Deutschland haben will und dass Verbote geprüft und durchgesetzt werden müssen. Aber Frau von Storch – schade, dass sie nicht da ist – sagte bereits 2016, dass der Islam – also die Religion, nicht der Islamismus – eine politische Ideologie sei, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar sei. Wer meint, das Problem des weltweiten Islamismus ließe sich durch Ausgrenzung, Abschiebung und Menschenrechtsverstöße in Deutschland lösen, irrt gewaltig und vergrößert noch eher das Problem, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich möchte zum Schluss bewusst über den widerlichen Fall von Islamfeindlichkeit heute in Bottrop sprechen. Eine VIKZ-Moschee wurde mit „Fuck Islam“ und einem Hakenkreuz beschmiert,

Von wem denn? Verfassungsschutz, oder wer?

Gegenrufdes Abg. Julian Pahlke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

und das bereits zum zweiten Mal in kurzer Zeit; zuvor stand dort „Kill Islam“. Ich bin erschüttert – und dankbar, dass Polizei und Staatsschutz ermitteln, um den Täter zu finden. Aber auch wir als Gesellschaft sind gefragt, Islamfeindlichkeit geschlossen entgegenzutreten, um muslimisches Leben in Deutschland zu schützen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Bernd Baumann
Foto: Dr. Bernd Baumann
8 Vermerkeca. 375 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! 9 000 lebensgefährliche Messerangriffe im Jahr, das ist die Realität in Deutschland. 25 jeden Tag, so die Statistik. Mannheim zeigte jetzt erstmals – in einem Video ist es dort festgehalten –, wie so ein Messerangriff wirklich aussieht, wie ein radikaler Muslim einem Polizisten von hinten in den Hals und in den Kopf sticht. Bilder, kaum auszuhalten! Das Video zeigt, was sich hinter anonymer Statistik verbirgt. Es ist ein Zeitdokument, meine Damen und Herren, das entlarvt, was unkontrollierte Masseneinwanderung wirklich bedeutet.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]
Zurufdes Abg. Daniel Baldy [SPD]

Vergangene Woche gab es hier im Bundestag eine Debatte zu diesem Polizistenmord. Und in all der Trauer, dem Schmerz und der Bestürzung spricht die Fraktionsvorsitzende der Grünen von Stolz auf die zunehmende Vielfalt in Deutschland – Stolz! Wie kann man stolz sein auf das unkontrollierte Hereinströmen von Migranten, Millionen auf Millionen, aus fremden Kulturen, oft auch mit ganz anderer Gewaltbereitschaft? Die Grünen zwingen mit ihrer Masseneinwanderung Deutschland die links-grüne Wahnidee von Vielfalt und Diversity auf und gehen dabei sprichwörtlich über Leichen.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]

Boah! Es reicht!

Wie kann man darauf stolz sein? Ich sage ihnen: Ihr Weg ist falsch. Ihre Diversity ist mörderisch. Ihre Vielfalt tötet.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]

Dass Sie sich nicht schämen, das hier zu sagen!

Viele radikale Muslime bejubeln auch jetzt offen den Polizistenmord als Teil des organisierten radikalen Islam in Deutschland. Abertausende fordern bereits das Kalifat auf unseren Straßen, diese Gewaltherrschaft, an der Spitze der Verein „Muslim Interaktiv“. Dessen Chef posiert öffentlich mit muslimischen Kumpanen, die den Polizistenmord feiern und bejubeln.

War das nicht einer Ihrer Parteifreunde, der sich mit einem Islamisten auf Youtube unterhalten hat? Was macht denn Herr Tillschneider? Der unterhält sich mit Islamisten auf Youtube, Herr Baumann!

Sie stacheln im Internet Millionen auf. Fast die Hälfte aller muslimischen Schüler befürwortet bereits den islamischen Gottesstaat in Deutschland.

Wir von der AfD fordern heute, hier und jetzt und stellen den Antrag, „Muslim Interaktiv“ endlich zu verbieten.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]

Das ist so heuchlerisch! Sie kuscheln doch mit Islamisten!

Und wir verlangen namentliche Abstimmung, damit die Bürger draußen sehen können, wie jeder einzelne Abgeordnete hier abgestimmt hat, insbesondere die von der CDU und CSU. Sollten Sie unseren Antrag wieder alle ablehnen – wie schon im Innenausschuss –, wird einmal mehr deutlich, wie schutzlos und verloren Deutschland Ihnen allen ausgeliefert ist.

Aber die Deutschen wollen nicht länger wehrlos bleiben. Immer mehr wählen die Alternative zur Ampel, zur Union und zum links-grünen Zeitgeist.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]

Letzten Sonntag schon haben viele diese Alternative gewählt. Und im Herbst werden es noch viel mehr sein. Dann wird das Volk in Sachsen, in Brandenburg und in Thüringen mit Ihnen abrechnen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]
10 Vermerkeca. 582 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr verehrte Damen und Herren! Islamistischer Hass und Hetze, Verherrlichung von Gewalt und Terror, insbesondere auch der Hamas, Aufrufe, Israel von der Landkarte zu löschen, das alles hat bei uns keinen Platz.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Doch! Sie haben den Platz geschaffen!

Vereinigungen, die zu so etwas aufrufen, müssen gestoppt werden. Wir als Parlamentarier können Vereinsverbote nicht verfügen. Das ist in diesem Fall eine Aufgabe des Bundesinnenministeriums oder einer der zuständigen Landesbehörden.

Aber der Bundestag kann sie auffordern!

Aber wir können hier unsere Meinung sagen, beispielsweise jetzt und hier.

Eine Gruppe, die offensichtlich das Gedankengut der bei uns verbotenen islamistischen Vereinigung Hizb ut-Tahrir verbreitet, muss rechtzeitig gestoppt werden. Im letzten Verfassungsschutzbericht 2022 ist „Muslim Interaktiv“ bereits als nahestehend zu Hizb ut-Tahrir benannt worden. Die Forderung von „Muslim Interaktiv“, die Scharia bei uns anzuwenden, und die Forderung nach einem Kalifat haben bei uns keinen Platz.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Nach § 3 des Vereinsgesetzes darf ein Verein aufgelöst werden, wenn er „sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder den Gedanken der Völkerverständigung richtet“ oder seine Zwecke oder Tätigkeiten gegen Strafgesetze verstoßen. Das von „Muslim Interaktiv“ geforderte Kalifat beinhaltet sehr klar, dass es den Staat Israel nicht mehr geben würde. Schon allein das ist ein für mich leuchtend rotes Warnsignal, dass die Voraussetzungen für ein Vereinsverbot erfüllt sein könnten.

Dann machen Sie es doch!

Ein Vereinsverbot ist in einem demokratischen Rechtsstaat, der Meinungsvielfalt nicht nur duldet, sondern auch fördert, aber eine sehr schwerwiegende Maßnahme. Deswegen muss ein Vereinsverbot genau geprüft werden,

Wie lange denn noch?

und es muss vor allem rechtlich wasserdicht sein. Trotzdem darf ein Vereinsverbot nicht zu lange herausgezögert werden, und es bedarf entschlossenen Handelns.

Ja! Dann machen Sie es!

Klar ist: Wir dürfen extremistischem Gedankengut keinen Nährboden bei uns geben und ihm womöglich Zeit lassen, sich ungehindert auszubreiten.

Beifallbei der FDP

Das ist unser Antrag!

Denn Extremismus kann Menschen töten. Das hat uns der grausame Angriff von Mannheim brutal vor Augen geführt. Der Täter hat sich in den letzten Jahren in Deutschland radikalisiert. Extremismus zerstört, und damit meine ich gewaltbereite Islamisten, aber genauso rechts- wie auch linksextremistische Menschen, die bereit sind, in unserem Land Gewalt auszuüben. Sie zerstören Vertrauen in uns und in unser friedliches Zusammenleben.

Extremismus und Demagogie gehen Hand in Hand. Es ist diese Grauzone von populistischem Unsinn, Schwarz-Weiß-Malerei, Emotionalisierung, Ausschlachten von Halbwahrheiten, Ausnutzen von Haarrissen in unserer Gesellschaft, mit der islamistische, aber auch andere Demagogen die Menschen in unserem Land radikalisieren. Wir müssen uns als Politik, aber auch als Bürgerinnen und Bürger unseres Landes fragen, wie wir verhindern, dass immer mehr Menschen Demagogen und Volksverhetzern aller Art auf den Leim gehen. Das ist eine grundsätzliche Frage. Sie betrifft in letzter Konsequenz den Bestand unseres Landes, so wie wir es kennen.

Hier und heute reden wir über Islamisten. Islamisten berufen sich auf den Islam. Hier werden religiös verbrämte Begründungen und religiös begründete Gewalt für politische Zwecke missbraucht. Hier wird der Glaube auf niederträchtigste Weise politisch instrumentalisiert, um unsere Gesellschaft zu sprengen und Hass zu säen. Für die allermeisten Muslime aber in unserem Land ist der Islam allein ihr Glaube. Die allermeisten Muslime in unserem Land haben mit einer politischen Radikalisierung von Glauben nichts, aber auch gar nichts zu tun.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Christoph de Vries [CDU/CSU]: Donnernder Beifall!

Unser Grundgesetz schützt den Islam genauso, wie es andere Religionen schützt. Unser Grundgesetz unterscheidet Menschen nicht nach ihrem Glauben. Unser Grundgesetz will, dass wir in Freiheit und gegenseitiger Verantwortung und Respekt zusammenleben, und letztlich, dass wir alle uns dafür auch einsetzen – unabhängig von unserem Glauben. Jeder Mensch, der unsere Verfassung und unsere Gesetze achtet, gehört zu unserem Land. Wir sind ein freies Land und eine wehrhafte Demokratie. Extremismus hat in unserem Land keinen Platz. Extremistische Vereinigungen müssen verboten werden.

Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Dr. Silke Launert [CDU/CSU]
Porträt von Philipp Amthor
Foto: Philipp Amthor/Tobias Koch
20 Vermerkeca. 654 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der politische Islam, er ist eine große und er ist eine wachsende Gefahr für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung. Und angesichts dieses Befundes muss man feststellen: Es ist gut, dass der Bundeskanzler das zumindest in Worten auch schon einmal feststellte, wenn er nach den Islamistendemos in Hamburg sagte – ich zitiere –:

„Gegen all das, was an islamistischen Aktivitäten stattfindet, muss mit den Möglichkeiten und den Handlungsoptionen unseres Rechtsstaates vorgegangen werden.“

Ja, es „muss“. Es müsste! Das sieht Nancy Faeser offensichtlich auch so. Seit Monaten sagt sie, man habe die islamistische Szene im Visier, man würde das alles angehen, mit hoher Wachsamkeit, einem harten Vorgehen, und es gebe echte Verdachtsmomente gegen das Islamische Zentrum in Hamburg. So weit, so groß die Ankündigungen.

„Islamisch“!

Seit Monaten Ankündigungen – und was ist passiert? Nichts.

Beifallbei der CDU/CSU

Es ist das Handlungsmuster dieser SPD, dieser Koalition: Dinge ankündigen, prüfen und am Ende nichts tun. Dass davon Populisten profitieren, ist Ihre Verantwortung, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich sage das ja äußerst selten, aber man muss insbesondere für den Umgang mit islamistischen Organisationen der SPD-Innenministerin fast empfehlen, einmal auf die Grünen zu hören. Denn ich fand das heute sehr bemerkenswert, was Irene Mihalic heute als Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen zum Islamischen Zentrum in Hamburg festgestellt hat: „Solche Brutstätten für islamistischen Terror müssen verboten werden.“ Kollege Emmerich von den Grünen hat den Umstand, dass das Islamische Zentrum immer noch nicht verboten ist, letzte Woche als einen „sicherheitspolitischen Skandal“ bezeichnet. Ja, es ist „ein sicherheitspolitischer Skandal“. Der ist aber nicht vom Himmel gefallen, sondern der liegt in der Verantwortung Ihrer Regierungskoalition, die Sie mittragen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir fordern hier nicht einfach blind zum Handeln auf oder sagen: Verbieten Sie mal schnell etwas. Wir wollen ein rechtsstaatlich geprüftes Verfahren, aber wir wollen auch, dass, wenn Sie Dinge ankündigen, nach Monaten dann auch erst einmal etwas passiert. Ein Landwirt aus Mecklenburg-Vorpommern hat in einem Gespräch auf ein sehr treffendes Bild gebracht, was passiert, wenn man Ihre Politik betreibt. Er hat nämlich gesagt: Es ist ganz einfach: Wenn man als Huhn immer nur gackert und nie ein Ei legt, dann muss man sich nicht wundern, wenn man politisch gerupft dasteht.

Das ist ein komisches Bild in diesem Kontext!

Auch das ist ein Ergebnis der Europawahl am vergangenen Sonntag, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

So wie Sie agieren, so gefährden Sie nicht nur das Vertrauen in Ihre Parteien, sondern auch das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit unseres Rechtsstaates.

Deswegen haben wir Ihnen konstruktiv hier immer wieder die Gelegenheit gegeben, Ihre Ankündigungen auch in parlamentarisches Handeln umzumünzen.

Was wollen Sie denn? Sagen Sie doch einmal, was!

Die Anträge dazu waren zahlreich. Ich sage ausdrücklich: Es braucht eben auch nicht weitere Anträge der AfD.

Doch, die braucht es!

Man hätte sich diese Debatte ersparen können,

Sonst machen Sie nichts!

wenn Sie sich an Ihre eigenen Ankündigungen gehalten hätten

Sie werden von uns getrieben!

und unseren Anträgen gefolgt wären, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Sonst würden Sie weiter Merkel-Politik machen!

– Weil Sie sich jetzt in der AfD auch aufregen, will ich Ihnen sagen: Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen Ihnen und uns auch im Umgang mit dem Thema „politischer Islam“.

Das stimmt!

Denn es ist so: Wir treten dem politischen Islam und dem Extremismus entgegen, um unsere offene Gesellschaft zu verteidigen,

Das tun Sie nicht! Sie koalieren mit den Grünen und tun nichts!

die Rechte von Frauen, die Rechte von Minderheiten, Grundüberzeugungen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Sie reden nur!

Sie treten dem politischen Islam allerdings entgegen, um Ihre eigene Agitation zu nähren, die sich gegen dieselben Grundwerte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung richtet.

Aha! Aha!

Ein anderer Anspruch, eine andere Herkunft, aber dasselbe Ergebnis. Deswegen: Wir werden den Gegnern der freiheitlich-demokratischen Grundordnung nicht die Verteidigung derselben überlassen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Daniel Baldy [SPD] und Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Uns muss auch klar sein – man hat das in dieser Debatte auch überdeutlich gemerkt –, dass es für jeden Demokraten in diesem Haus doch eine klare Überzeugung geben muss: Die vermeintliche Islamisierung des Abendlandes, wenn man die in den Raum stellt, kann man nicht durch einen politischen Werteverfall des Abendlandes bekämpfen.

Gucken Sie doch in die Städte! In Frankreich, in Belgien, in Schweden, in Großbritannien, in Deutschland!

Deswegen, Herr Baumann: Wenn Sie heute „Vielfalt tötet“ rufen, dann kann ich Ihnen nur entgegnen:

Ihre Vielfalt! Ihre links-grüne Vielfalt! Und Ihre Vielfalt von der Union!

Politische Einfalt, und zwar Ihre politische Einfalt, tötet den Grundanstand der demokratischen Kultur in diesem Land. Und das machen wir nicht mit.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
14 Vermerkeca. 422 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren auf den Tribünen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der große Sozialdemokrat Carlo Schmid hatte recht:

Der dreht sich im Grab um, wenn er die heutige SPD sieht!

Es braucht „den Mut zur Intoleranz denen gegenüber… die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen“.

Der konnte noch was mit Deutschland anfangen!

Heute braucht es diesen Mut mehr denn je; denn unsere Demokratie wird von mehreren Seiten bedroht. Erst vor wenigen Tagen hat der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang,

Ja, das ist der Richtige!

die aktuelle Gefährdungslage eindringlich beschrieben. Demnach haben wir es mit drei Gefahren zu tun – mein Kollege Daniel Baldy hat sie eben auch schon erwähnt –: Erstens: mit dem islamistischen Terrorismus. Zweitens: mit dem vor allem durch Rechtsextremismus aufgeheizten gesellschaftlichen Klima.

Das ist Ihre Politik, die das Klima aufheizt! Das ist Ihre Verantwortung!

Drittens: mit den Einfluss- und Spionageaktivitäten fremder Staaten. – Diese Bedrohungen müssen wir ernst nehmen. Für die SPD-Fraktion kann ich sagen: Wir nehmen sie sehr ernst, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Sie tun aber nichts!

Was heißt das konkret? Unsere Sicherheitsbehörden haben die Lage und die Akteure genau im Visier und handeln entschlossen.

Das haben wir in Mannheim gesehen!

Sie beobachten, sammeln Indizien und schlagen zu.

Lachenbei der AfD

Das ist ja mal was Neues!

Sie verbieten verfassungswidrige Organisationen, sie inhaftieren und klagen an. Ich könnte unzählige Beispiele nennen, von der Reichsbürger-Razzia bis zur Festnahme des mutmaßlichen IS-Unterstützers am Kölner Flughafen letzte Woche.

Dann ist ja alles gut!

Zumindest was die Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Spionage betrifft, dürften Sie von der AfD bestens informiert sein. Schließlich sind Ihre Mitglieder davon betroffen.

Ja, von Ihrem Verfassungsschutz!

Meine sehr geehrten Damen und Herren, noch mal: Es braucht den Mut zur Intoleranz auch gegenüber den Islamisten.

„Den Mut zur Intoleranz“?

Unsere Regierung hat diesen Mut und handelt entschlossen. So führt das Bundesinnenministerium ein vereinsrechtliches Ermittlungsverfahren gegen den Verein „Islamisches Zentrum Hamburg e. V.“ und fünf weitere Vereinigungen. Dazu fanden schon letzten November umfassende Durchsuchungsmaßnahmen statt. Über 800 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte waren im Einsatz. Aktuell läuft die Auswertung des sichergestellten Materials.

Gerade gestern erst hat die sozialdemokratische Innenministerin Niedersachsens in enger Abstimmung mit dem Bund einen salafistischen Verein verboten und Razzien durchgeführt. Das zeigt: Wir brauchen keine vergifteten Ratschläge der rechten Demokratiefeinde, um entschieden gegen den Islamismus vorzugehen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

So wichtig ein konsequentes Vorgehen unserer Sicherheitsbehörden ist, so wichtig ist auch die Prävention. Deshalb fördern wir die Beratungsstelle Radikalisierung. Über eine bundesweite Hotline erhalten Ratsuchende hier Informationen. Mit diesem und vielen weiteren geförderten Präventionsprojekten helfen wir, die Radikalisierungsspirale zu durchbrechen. Das hilft, Menschen aus den Fängen der Scharfmacher zu befreien und für unsere Demokratie zurückzugewinnen. Und das, meine sehr geehrten Damen und Herren, muss doch unser aller Ziel sein:

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

dass wir ein Land der Demokratinnen und Demokraten sind, eine wehrhafte Demokratie, die sich gegen ihre Feinde verteidigt und die den Mut hat, ihre Feinde nicht zu tolerieren.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Marcel Emmerich
Foto: Marcel Emmerich / Moritz Reulein
16 Vermerkeca. 728 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Zunächst einmal in Ihre Richtung, Herr Baumann: Sie haben eben meiner Fraktion, meiner Partei vorgeworfen, dass wir irgendwie über Leichen gehen würden.

Ja, offenbar!

Das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich zurückweisen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Es war zum einen so, dass letzte Woche bei dem Trauermarsch sehr viele Kolleginnen und Kollegen aus diesem Hohen Haus mit dabei waren, unter anderem Minister Özdemir, auch Ministerin Paus.

Ja, das ist aber zu spät!

Ich habe aber auch aus anderen Fraktionen Kollegen gesehen: Herrn Throm oder auch den Generalsekretär der CDU, Herrn Linnemann. Also da waren viele dabei. Auch morgen werden – das will ich ebenfalls sagen – bestimmt einige bei der Beerdigung in Mannheim dabei sein, unter anderem ich.

Das ist aber zu spät jetzt!

Ich will damit ausdrücklich sagen: Das, was Sie hier agitierend vortragen, ist nichts, was in diesem Haus von demokratischen Fraktionen geteilt wird.

Sie müssen mehr die Realitäten wahrnehmen!

Wir bekämpfen den Islamismus, weil er ein Feind unserer Demokratie ist.

Sie bekämpfen nicht genug!

Aber wir lassen es nicht zu, dass Sie so dieses Andenken beschmutzen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Das aktuelle Bedrohungsszenario – das muss man sich gerade einen Tag vor Beginn der Fußballeuropameisterschaft auch noch mal vor Augen halten – könnte wirklich nicht komplexer und bedrohlicher sein. Man muss sich nur mal anschauen, dass Russland und China unsere Schwachstellen testen, dass Desinformation und Propaganda verbreitet werden, aber natürlich auch, dass wir insbesondere seit dem 7. Oktober den Hamasterror und einen verschärften Antisemitismus in den Diskussionen in Deutschland erleben und zur Kenntnis nehmen müssen. Es wird brutal gegen Andersdenkende vorgegangen; gerade dadurch wird auch die Gefahr für islamistischen Terror verstärkt.

Deswegen möchte ich an dieser Stelle bei meiner innenpolitischen Rede auch die Gelegenheit nutzen, gerade den Sicherheitsbehörden und den Einsatzkräften zu danken, die schon bei der Vorbereitung der Europameisterschaft, aber insbesondere während der Europameisterschaft einer besonderen psychischen und vor allem physischen Belastung ausgesetzt sind. In die Richtung der Sicherheitskräfte will ich eindeutig sagen: Sie haben unsere volle Unterstützung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Es ist natürlich vollkommen klar, dass wir den Islamismus mit aller Härte bekämpfen müssen. Er ist menschenverachtend, er ist antidemokratisch, frauenverachtend und antisemitisch. Deswegen ist es gerade auch zum Schutz unserer offenen und freien Gesellschaft sehr wichtig, dass wir entschlossen und wehrhaft dagegen vorgehen. Wie machen wir das?

Es geht einmal darum, dass wir über das Thema Prävention sprechen. Deswegen ist es Unfug, wenn man darüber redet, dass Mittel für Deradikalisierungsprogramme gekürzt werden sollen. Das Gegenteil ist richtig: Sie müssen ausgebaut werden.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es ist auch wichtig, dass wir hart gegen islamistische Vereine und radikale Prediger vorgehen. Sie müssen permanent unter Druck gesetzt werden – wie die Organisierte Kriminalität. Zentren des Hasses und des Terrors auf deutschem Boden müssen wir entschlossen entgegentreten. Wir müssen Organisationen wie das Islamische Zentrum Hamburg natürlich verbieten. Und wir müssen dafür sorgen, dass islamistische Hassprediger nicht länger auf deutschen Servern Desinformation und Propaganda verbreiten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Da muss man schon die Frage stellen: Wie kann es eigentlich sein, dass der auf Huthi-Propaganda ausgerichtete Sender Ansarollah in Deutschland jahrelang unentdeckt einen Münchner Server haben konnte, um darüber antisemitischen Terror zu verbreiten?

Und die AfD schweigt dazu!

Hier müssen wir wachsamer sein und wehrhafter dagegen vorgehen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch das Thema „Einflussnahme von außen“ ist sehr zentral, und dabei ist das Thema Religionsunterricht sehr entscheidend. Wir müssen davon wegkommen, dass wir irgendwelche Abhängigkeiten von außen haben. Wir müssen vielmehr dafür sorgen, dass wir einen wirklich unabhängigen muslimischen Religionsunterricht in Deutschland haben. Da sind auch die Länder gefordert. Frau Kollegin Kaddor hat schon gesagt, dass Baden-Württemberg mit einer Stiftung einen guten Schritt vorangegangen ist. Andere Länder sollten dem folgen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Sandra Bubendorfer-Licht [FDP]

Was ich in dieser Debatte, in der wir über das Thema Islamismus reden, aber gänzlich vermisse, ist die Befassung mit der Frage: Wie kann es eigentlich sein, dass wir das Waffenrecht immer noch nicht angerührt haben?

Lassen Sie uns das gemeinsam angehen! Das ist nämlich wichtig. Es ist wichtig, auch um den Einsatz typischer Tatmittel einzuschränken. Es ist auch wichtig, dass wir die Einrichtung von Waffenverbotszonen verschärft in den Blick nehmen und gemeinsam dafür Sorge tragen, dass Extremisten nicht mehr so einfach an gefährliche Waffen kommen. Das ist auch ein sehr zentraler Beitrag zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit.

Ich würde von Ihnen von der Union erwarten, dass Sie auch diesen Punkt in Ihre Überlegungen aufnehmen und nicht nur die anderen Punkte aufführen. Das ist wichtig, um für mehr Sicherheit in diesem Land zu sorgen.

Zurufevon der CDU/CSU

Denken Sie mal darüber nach! Wir bekämpfen den Islamismus, und wir lassen uns von Ihnen nichts anderes erzählen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wo ist jetzt Ihr umfassendes Konzept?

8 Vermerkeca. 372 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die AfD kritisiert am Kalifat-Staat, es mangele ihm an Gewaltenteilung. Diese Diagnose ist richtig. Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet die AfD sich als Verfechterin der Gewaltenteilung aufspielt – eine Partei, die am laufenden Band die Institutionen unseres Grundgesetzes ins Lächerliche zu ziehen sucht.

Zurufvon der AfD

Dabei ist es die AfD selbst, die die Gewaltenteilung in diesem Land aushebeln will, die den Systemwechsel will, die einen autokratischen Staat zu ihren Gunsten errichten will.

Was für einen Systemwechsel?

Sie erzählen so einen Unsinn wieder! Also wirklich! Was sind denn das für falsche Behauptungen?

Freuen Sie sich nicht zu früh! Das Grundgesetz ist stärker als seine Feinde.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es ist stärker auch als jene, die hierzulande Kalifate errichten wollen.

Bereits im Jahr 2003 hat Bundesinnenminister Otto Schily die Hizb-ut-Tahrir-Bewegung verboten. Sie ist die Mutter von „Muslim Interaktiv“ und anderen Hetzplattformen, und sie war auch Drahtzieherin der Islamistendemonstrationen in Hamburg. Sie findet immer noch Wege, ihre Ideologie in die Köpfe vieler, meist junger, Muslime zu bringen. Das muss aufhören. Die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern müssen gegen verbotene Organisationen hart durchgreifen; und die Betonung liegt auf „hart“. Wir dürfen nicht länger hinnehmen, dass Ableger von Hizb ut-Tahrir ungehindert zu Veranstaltungen und Versammlungen einladen und im digitalen Raum agieren. Polizei und Verfassungsschutz müssen schneller, breiter und tiefer eingreifen, durch verdeckte Ermittlungen und Onlinestreifen zum Beispiel.

Im Ukrainekrieg verwechseln AfD und BSW ja mit Vorliebe Täter und Opfer.

Was hat denn das jetzt mit dem Ukrainekrieg zu tun? Dummes Gerede!

Genau zum selben Trick greifen Organisationen wie „Muslim Interaktiv“, gaukeln ihren Anhängern eine Märtyrerrolle vor und reden vor allem jungen Muslimen ein, sie hätten niemals die Chance, sich hierzulande zu integrieren. Gespickt mit scheinbaren Wahrheiten, versucht der politische Islamismus, einen Keil in die Gesellschaft zu treiben. Auch hier eine Parallele zum heutigen Antragsteller. Aber wir halten dagegen. Wir lassen diese verlogenen Narrative nicht durchgehen.

Wir werden nicht zulassen, dass die Distanz zwischen unserer offenen Gesellschaft und grundgesetzgetreuen Musliminnen und Muslimen sich vergrößert. Auch deshalb folgen wir nicht den realitätsfernen und rechtlich aussichtslosen Vorschlägen der AfD, sondern wir gehen vor, wie es in einem von Gewaltenteilung geprägten Rechtsstaat üblich ist.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Daniel Baldy [SPD]

Wir finden juristisch saubere Lösungen.

Wir fordern auch nicht zu unsauberen Lösungen auf!

Das hat auch den Vorteil, dass Verfassungsfeinde nicht gleich erst- oder zweitinstanzlich Erfolge erzielen, wenn sie den Rechtsweg beschreiten. Die AfD hat damit auch ihre eigenen Erfahrungen und sollte es deshalb besser wissen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Detlef Seif
Foto: Detlef Seif/Laurence Chaperon
9 Vermerkeca. 498 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! In einem Punkt sind wir uns jedenfalls alle einig: Der Islamismus ist eine große Gefahr für unsere Gesellschaft, und das gilt auch und insbesondere für die Menschen, die friedlich sind, die ihren islamischen Glauben hier ausleben und gut integriert sind.

Danke, Herr Kollege!

Zu Recht hat Frau Lamya Kaddor von den Grünen – und da zitiere ich sie auch – in der vergangenen Sitzungswoche darauf hingewiesen, dass das Islamische Zentrum Hamburg, aber insbesondere auch „Muslim Interaktiv“ und andere extremistische Plattformen eine echte Bedrohung für unser Land darstellen.

Die Extremisten nehmen keine Rücksicht auf unsere Gesellschaft, auf die Demokratie, auf die Menschen und wollen unseren freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat abschaffen. Die Straftaten aus dem Phänomenbereich „Religiöse Ideologie“ haben sich im Jahr 2023 mit rund 1 460 Delikten mehr als verdreifacht. Die Bedrohung durch islamistische Terroranschläge ist laut Einschätzung des Verfassungsschutzes höher, und zwar deutlich höher als in den vergangenen Jahren. Aber leider ist auch festzustellen: Die Regierungskoalition tut trotz dieser Erkenntnis eben nicht all das, was wir jetzt machen müssen. Wir hören Lippenbekenntnisse, aber gerade von den erforderlichen Maßnahmen werden nicht alle auf den Weg gebracht.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der SPD: Welche denn?

Erinnern wir uns: In der vergangenen Sitzungswoche hat die Union einen sehr ausführlichen, dezidierten Antrag vorgelegt, um den Islamismus und seine Verbreitung in Deutschland wirksam zu bekämpfen.

Zurufder Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und was hat die Ampel gemacht? Sie hat lamentiert, sie hat diskutiert, sie hat aber keinen eigenen Antrag vorgelegt, und sie hat auch keine Maßnahmen vorgeschlagen. Das gilt bis heute. Sie können wirklich nicht die Maßnahmen eines Landesinnenministeriums jetzt für die Bundesebene verbuchen, meine Damen und Herren.

Auf die zunehmenden Aufrufe zu Gewalt, die zunehmende antisemitische Hetze und die Forderungen nach Errichtung eines Kalifats gibt es keine Antwort von Ihnen. Derartige Aufrufe müssen aber unter Strafe gestellt werden. Die Ampelvertreter, die dies mit Blick auf die Meinungsfreiheit und Demonstrationsfreiheit bestreiten, haben nicht begriffen, dass eine wehrhafte Demokratie selbstverständlich gefährliche Äußerungen verbieten und unter Strafe stellen kann und auch muss.

Es ist unfassbar, dass die Ampelmehrheit es abgelehnt hat, Vereine und Organisationen, die in Deutschland ein islamistisches System errichten wollen, zu verbieten.

Beifallbei der CDU/CSU

Es ist eben nicht nachvollziehbar, dass das Islamische Zentrum Hamburg und „Muslim Interaktiv“ nicht längst verboten und geschlossen sind. Es wurde so viel geprüft; es liegen so viele Erkenntnisse vor. Wir erwarten, dass hier in Kürze tatsächlich auch Verbote ausgesprochen werden.

Na, dann macht mal mit!

Zurufder Abg. Dr. Ann-Veruschka Jurisch [FDP]

Es ist nicht vertretbar, dass die Ampel den von der Union beantragten Aktionsplan gegen eine Radikalisierung im digitalen Bereich abgelehnt hat. Das kann so nicht weiterlaufen. Hier findet eine Riesenradikalisierung statt.

Darüber hinaus bedarf es dringend eines Aktionsplans zur Bekämpfung des Islamismus und auch der Wiedereinsetzung des Expertenkreises im Bundesinnenministerium.

Beifallbei der CDU/CSU

Moscheegemeinden – das müsste eigentlich selbstverständlich sein –, in denen systematisch Hassbotschaften oder Terrorverherrlichung gepredigt werden, müssen geschlossen werden.

Gegen den Islamismus müssen wir im Ergebnis alle präventiven und repressiven Werkzeuge nutzen.

Abschließend appelliere ich an die Ampelvertreter: Zeigen Sie, dass die Bekämpfung des Islamismus für Sie tatsächlich Priorität hat und nicht nur ein Lippenbekenntnis ist! Das können Sie in den nächsten Wochen tun.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufeder Abg. Sebastian Hartmann [SPD] und Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
13 Vermerkeca. 677 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Liebe Gäste! Der Bundeskanzler hat vor einer Woche hier sehr klar gesagt – ich zitiere –:

„Nicht diejenigen sollen sich fürchten ... die in Freiheit und Frieden leben wollen, sondern diejenigen, die unsere Freiheit angreifen und unseren Frieden stören.“

Terrorismus hat in diesem Land nichts zu suchen. Terroristen, Gefährder und Schwerstkriminelle ohne deutschen Pass haben in diesem Land nichts zu suchen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Das ist auch völlig unabhängig davon, ob es wie in Mannheim islamistisch motiviert ist, ob es von ganz rechts oder von ganz links kommt, und auch, gegen wen es sich richtet.

Und ja, es ist völlig richtig – da gibt es überhaupt nichts drum herumzureden –: Die abstrakte Gefahr des Islamismus ist sehr hoch. Aber ich will auch ganz klar sagen, gerade nach den Hassreden, die wir wieder von der AfD gehört haben: Ein Generalverdacht gegen Muslime, gegen den Islam ist nicht nur grundfalsch; er verbietet sich auch mit aller Nachdrücklichkeit, meine Damen und Herren!

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Natürlich sind wir verpflichtet, alles gegen Terrorismus und Islamismus zu tun, was rechtsstaatlich möglich ist – jetzt bei der EM, aber natürlich auch jeden Tag zum Schutz unserer Menschen in ihrem Alltag und unser aller Leben.

Ich muss wirklich noch mal in Richtung der AfD sagen: Tun Sie nicht so, als würden wir nicht handeln! Und in Richtung der CDU sage ich: Tun Sie nicht so, als ob Sie nichts damit zu tun gehabt hätten!

Zurufvon der CDU/CSU

Tun Sie nicht so, als ob Sie keine Verantwortung in den Ländern hätten!

Sie stellen die Landesregierung und die Bundesregierung! Es ist Ihre Verantwortung!

Die Sicherheitsbehörden setzen bei der Bekämpfung von Islamismus, Extremismus und Terrorismus alle Instrumente ein, die wir zur Verfügung haben: von der nachrichtendienstlichen Beobachtung bis hin zu intensiven Ermittlungen. Das können Sie nicht leugnen. Wenn Sie das tun, dann verschließen Sie bewusst die Augen davor.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Meine Damen und Herren, natürlich dulden wir keine Gruppierungen, die Menschen radikalisieren oder neue Islamisten heranziehen wollen. Das haben wir doch gerade diese Woche mit dem Verbot des Vereins „Deutschsprachige Muslimische Gemeinschaft“ wieder gesehen.

Ja, das ist doch kein Handeln der Bundesregierung!

Zurufdes Abg. Christoph de Vries [CDU/CSU]

Wir haben es auch angesichts diverser Festnahmen gesehen. Mein Dank geht an die Beamtinnen und Beamten aus Ländern und Bund, die hierfür zusammengearbeitet haben.

Und ja, natürlich wollen und werden wir auch weitere Verbote durchsetzen; natürlich wollen wir schnellstmöglich das IZH in Hamburg schließen.

Ja, warum machen Sie’s dann nicht?

Aber diese Verbote müssen vor Gericht Bestand haben.

Zurufeder Abg. Philipp Amthor [CDU/CSU] und Christoph de Vries [CDU/CSU]

Wollen Sie, dass das schiefgeht? Ich will das nicht. Und ich hätte mir auch wirklich gewünscht, dass Ihr Innenminister Seehofer hier so viel Engagement an den Tag legt wie unsere Innenministerin.

Die erste Razzia gegen das IZH gab es unter Nancy Faeser, nicht in der Zeit, als Sie in Verantwortung waren.

Das BMI prüft kontinuierlich und gewissenhaft – auch ohne die Forderung von rechts außen wie hier im Antrag der AfD –, welche verfassungsfeindlichen Organisationen verboten werden können. Man sieht doch: Die Erfolgsquote der Verbote des BMI liegt bei 100 Prozent, und so muss es auch weitergehen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufeder Abg. Dr. Silke Launert [CDU/CSU] und Christoph de Vries [CDU/CSU]

Wir legen im Kampf gegen Islamismus den Fokus ganz klar auf Repression mit Maßnahmen wie neuen Regelungen zur Abschiebung, mit weiteren Befugnissen auch für den Verfassungsschutz im Bereich der Finanzermittlungen gegen Extremisten, mit hartem Durchgreifen auf den Plattformen, auch gegen diese ganzen salafistischen Tiktok-Clowns, mit Quick Freeze, Vereinsverboten und Strafrechtsverschärfungen für die hinterlistigen Angriffe wie in Mannheim. Wir brauchen eine Verschärfung des Waffenrechts, Waffenverbotszonen und auch bessere Voraussetzungen für den Einsatz von V-Leuten – all das, mit starkem Fokus auf Repression.

Natürlich gehört auch Prävention dazu. Es gehört eine weitere Förderung von Projekten dazu. Es gehört eine ausreichende Finanzierung dazu. Ich bin auch überzeugt: Wir brauchen noch mehr Dialog und den engeren Austausch mit der muslimischen Zivilgesellschaft, um gerade Jugendliche vor Radikalisierung zu schützen.

Meine Damen und Herren, wir kümmern uns jeden Tag darum, die Sicherheit in diesem Land zu gewährleisten. Ich finde, wir als Politik müssen uns auch die Frage stellen, wie wir sie noch verbessern können. Dafür brauchen wir gut ausgestattete Sicherheitsbehörden mit den erforderlichen Kompetenzen; wir brauchen ausreichende Haushaltsmittel. Deswegen sage ich auch hier ganz klar: An der Sicherheit des Inneren darf nicht gespart werden. Wir kümmern uns um den Schutz der Bürgerinnen und Bürger in diesem Land.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Philipp Hartewig [FDP]
Porträt von Silke Launert
Foto: Silke Launert/ Christian Weber
4 Vermerkeca. 592 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! „Abhängigkeit“ ist so ein Wort, das man nicht gerne hört; das Wort hat so einen unangenehmen Beigeschmack. Bei der Arbeit ist man abhängig vom Vorgesetzten. Im Fall von Krankheit und Alter ist man abhängig von Hilfe und Unterstützung anderer. Aber Abhängigkeit hat noch eine andere Dimension, nämlich aufseiten desjenigen, von dem die Abhängigkeit ausgeht: etwa die Eltern, auf deren Fürsorge das Kind angewiesen ist, die Ärztin, von deren richtiger Diagnose und Behandlung das Wohl des Patienten abhängt, und die politischen Amtsträger, von deren Entscheidungen und Handlungen die Bürgerinnen und Bürger abhängig sind.

Abhängigkeit bedeutet also noch etwas anderes: Es bedeutet, dass diejenigen, von denen jemand abhängig ist, Verantwortung übernehmen. So ist es auch mit unserer Demokratie, einer Staatsform, die bei uns gerade erst ihr 75-jähriges Bestehen gefeiert hat. Sie ist ein Gerüst für unsere Gesellschaft und hält sie zusammen. Auch sie hängt ab – und zwar von uns. Wir sind eine wehrhafte Demokratie, und das heißt: Wir müssen unsere Verfassung schützen, und wir müssen unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung gegen äußere und innere Feinde verteidigen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist unsere Verantwortung.

Alle politisch Verantwortlichen sind deshalb aufgerufen, klar zu bekennen – und ich freue mich, dass ich dies auch immer öfter und ganz klar, zumindest akustisch, von Vertretern der Ampel höre –: Wer öffentlich zu einem Kalifat-Staat, zu einer islamistischen Ordnung auf der Basis der Scharia und damit letztlich zu einer Beseitigung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung aufruft, der missbraucht das Demonstrationsrecht, die Meinungsfreiheit und die Vereinsfreiheit. Das heißt aber auch, dass dann gehandelt werden muss.

Was muss konkret gemacht werden? Wir haben selbst einen Antrag eingereicht, den wir erst kürzlich hier diskutiert haben. Wir haben versucht, einen ganzheitlichen Ansatz zu finden, das heißt ein systematisches Verbot von Vereinen und Organisationen, die in Deutschland ein islamistisches System errichten wollen, natürlich das Verbot von „Muslim Interaktiv“ und die Schließung des Islamischen Zentrums Hamburg. Das ist schon längst überfällig; wir haben ja eigentlich schon längst einen Beschluss gefasst.

Weiter haben wir die umgehende Wiedereinsetzung des Expertenkreises Politischer Islamismus gefordert; dieser wurde von der Bundesministerin mal glatt eingestampft.

Nein! Ist ausgelaufen, nicht eingestampft worden!

Da wäre auch die Möglichkeit, präventiv zu arbeiten, was Ihnen doch so wichtig ist.

Wir wollen die Einführung einer Strafbarkeit von Forderungen nach einem Kalifat.

Ebenso wollen wir im Aufenthaltsrecht neue Regeln, nämlich dass entweder ein besonders schwerwiegendes Ausweisungsinteresse bejaht oder eine neue Regelung zu einer zwingenden Regelausweisung eingeführt wird. Für jemanden, der öffentlich zur Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung aufruft, zum Beispiel durch den Aufruf zur Errichtung eines islamistischen Gottesstaates, muss die Abschiebung sofort zur Regel werden.

Und zu diesem ganzheitlichen Ansatz gehört es natürlich auch, dass alle klar zum Ausdruck bringen: Wir schützen vorrangig die Bevölkerung, und der Schutz von Terroristen und Gewalttätern hat keinen Vorrang vor dem Schutz unserer Bürger. Das muss klar zum Ausdruck gebracht werden.

Sie haben hier jetzt schon – das war bei den ersten Debatten zu unserem Antrag noch anders – zunehmend differenzierter argumentiert; leider Gottes ist natürlich auch ein erschreckender Vorfall hinzugekommen. Allerdings ist es wirklich so: Ankündigungen und schöne Worte reichen eben nicht. Nicht umsonst kritisieren die Union, die AfD und natürlich auch linke Gruppierungen die Bundesregierung dafür, dass zu wenig passiert. Denn es ist wirklich so. Worte allein schützen unser Land und unsere Menschen nicht. Taten tun es. Und wenn diese ganzen Debatten dazu beitragen, dass Sie in Ihrer Regierungskoalition Druck machen und schneller mit einem konkreten, großen, umfangreichen Handlungspaket vorangehen, dann haben wir, glaube ich, alle etwas erreicht. Denn jeder hier will doch unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung erhalten.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
7 Vermerkeca. 233 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der Begriff „islamistisch“ ist eine verharmlosende, westliche Wortschöpfung, um den Islam vom Blut des Terrors reinzuwaschen. Nur wenige Muslime sind Terroristen, aber jeder Terrorakt gegen Ungläubige ist immer vom Islam gedeckt, weil der Koran als gottgegeben gilt und Mohammed als Vorbild.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Völliger Blödsinn! Das ist gefährlich, was Sie hier sagen! Das stimmt doch nicht!

Ein Verbot von radikal-islamischen Organisationen wie den deutschen Ablegern der Muslimbruderschaft ist deshalb mehr als dringlich.

Sie haben doch den Koran noch nicht einmal gelesen!

Mit der muslimischen Masseneinwanderung geht auch eine ständige Zunahme des Israel- und Judenhasses einher, zu beobachten gerade in Berlin mit der regelmäßigen Parole „Juden ins Gas“,

Also, soweit ich weiß, war das eine europäische Idee!

und zwar schon lange vor den palästinensischen Gräueltaten vom 7. Oktober 2023 und dem versuchten Anschlag auf eine Berliner Synagoge.

Die Präsidentin der Technischen Universität, Geraldine Rauch, zeigt deutlich, wie salonfähig Antisemitismus gerade unter Linken ist.

Wieso zeigen Sie auf uns?

Sie hatte einen Beitrag mit einem Bild, auf dem türkische Demonstranten dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu Hakenkreuze auf die Brust gemalt hatten, mit „Gefällt mir“ markiert. Das Kuratorium der TU stellte sich gleichwohl hinter Rauch. Welch ein Skandal! Zumal Studenten, die auf Sylt im Suff dumme Parolen grölen, von ihrer Universität gecancelt werden.

Ja, dann ist es ja nicht so schlimm, Herr Seitz!

Direkt vor der EU-Wahl hat der Bundestag über den politischen Islam debattiert, auf Antrag der Union, der Hauptschuldigen an der ungezügelten Masseneinwanderung durch die Preisgabe unserer Grenzen seit 2015. Liebe Unionskollegen, wenn Ihr Antrag vor einer Woche mehr war als reine Heuchelei und Wählertäuschung, dann müssen Sie heute zustimmen.

Vielen Dank.

Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
15 Vermerkeca. 742 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Ich habe Tinnitus rechts im Ohr, der wird schlimmer, und meine Kollegin Yüksel bat mich gerade, ruhig zu bleiben. Sie hat Sorge um meinen Blutdruck. Ich bemühe mich, liebe Gülistan.

Da sind wir jetzt aber mal gespannt, Herr Lindh!

Daher gehe ich es heute mal ganz nüchtern analytisch an und gucke mir an, was die AfD da vorgelegt hat.

Zurufvon der AfD: Nüchtern wäre wichtig!

Erstens behaupten Sie ja, dass der Kampf gegen rechts eine Methode wäre, um offene Grenzen geradezu zu erzwingen.

Das sagen wir überhaupt nicht!

Ich kann Ihnen erklären – und es ist ja auch ein politischer Bildungsauftrag, den wir hier haben –, dass es sein könnte, dass der Kampf gegen rechts – das heißt gegen rechts außen – etwas mit dem deutschen Grundgesetz zu tun hat. Deswegen: Weniger verschwörungstheoretisches Denken, mehr Grundgesetztreue.

Zurufdes Abg. Martin Hess [AfD]

Wenn Sie in dem Zusammenhang auch fragen, warum wir denn immer wieder hier – auch über die Ampel hinaus; das möchte ich betonen – vor Generalisierung und vor Rassismus gegen Muslime warnen, dann sage ich: Es geschieht deswegen, weil das die Realität ist, die Sie eben auch wieder vorgeführt haben. Deswegen machen wir das und nicht, weil es eine Verschwörung für offene Grenzen in Deutschland gibt.

Es gibt keine Verschwörung!

Zweitens. Sie sagen ja auch entsprechend, das wäre der Versuch der Extremisten, die – ich zitiere – „muslimische Opferrolle“ und auch die – ich zitiere weiter – „angebliche Islamfeindlichkeit“ zu instrumentalisieren, die es gar nicht gebe. Die Realität ist aber nun mal – und dazu haben Sie erheblich beigetragen –, dass diese Feindlichkeit real ist, weil Sie den Islamismus für Ihre rassistische Rattenfängerei missbrauchen. Das ist der Grund.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Deswegen möchte ich darauf hinweisen, dass Sie offensichtlich aufgrund Ihrer eigenen Praxis und Gewohnheit, permanent Instrumentalisierung zur Meisterschaft zu treiben,

Gucken Sie mal auf Ihre Truppe! Das ist wirklich Quatsch! Das wissen Sie auch!

sich diesen Islamisten nicht unähnlich fühlen. Ja, da findet zusammen, was im Geiste zusammengehört.

Denken wir es aber mal logisch zu Ende. Wir alle wissen ja, dass die AfD permanent das Thema Linksextremismus und auch die Gefährdung der AfD durch den Linksextremismus instrumentalisiert.

Das ist nicht das Thema heute!

Wenn man nach Ihrer Logik denken würde, dann gäbe es keinen Linksextremismus, weil er instrumentalisiert wird. Die Realität ist aber: Es gibt ein massives Problem mit Islamismus, mit Salafismus, mit diesen Gefährdungen. Aber dies zu instrumentalisieren und nicht wirklich interessiert zu sein, es zu bekämpfen, sondern das zum Stimmenfang zu nutzen, das ist verwerflich, und das wird niemand hier, der demokratisch gesinnt ist, jemals unterstützen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufvon der AfD: Großer Applaus!

Drittens. Kommen wir zu einem Ihrer Lieblingsthemen, der Studie zur Muslimfeindlichkeit. Nicht nur Sie, sondern auch Teile der CDU regen sich darüber auf.

Alle, nicht nur Teile!

Aber Sie haben es auf die Spitze getrieben. Gerne kann man auch dagegen klagen, was ja übrigens geschehen ist. Aber was ist denn das für eine Haltung gegenüber Wissenschaft,

Das ist keine Wissenschaft!

dass Sie anders als bei anderen Studien in Bezug auf Menschenfeindlichkeit alles versuchen, diese Studie zu verhindern? Sie können sie doch kritisieren und öffentlich darüber sprechen. Warum darf diese Studie nicht erscheinen?

Des Weiteren behaupten Sie auch wieder verschwörungstheoretisch, Islamkritik in Deutschland dürfe nicht öffentlich erscheinen. Permanent und auch zu Recht erscheinen islamkritische, intellektuell ausgeprägte oder weniger ausgeprägte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im deutschen Fernsehen. Mitnichten treten die Autorinnen und Autoren dieser Studie permanent auf. Das ist schlichte Desinformation, die Sie betreiben.

Auch noch etwas anderes, was Sie tun, ist brandgefährlich: Indem Sie alles versuchen, über diese Studie den Mantel des Schweigens zu decken,

Welche denn?

ermöglichen Sie doch erst, dass „Muslim Interaktiv“ und andere sagen: Guckt, wir haben es doch immer gewusst. Ihr als Musliminnen und Muslime werdet nicht akzeptiert. Über Muslimfeindlichkeit wird nicht gesprochen. – Sie spielen denen in die Hände und erweisen sich tragischerweise, schlimmerweise als Brüder und Geschwister im Geiste.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufdes Abg. Dr. Bernd Baumann [AfD]

– Ja, da dürfen Sie ruhig klatschen, Frau Kaddor.

Noch ein vierter Punkt. Sie sagen ja immer, es würde da jetzt manipuliert – was in der Tat der Fall ist –, um dann im Sinne dieser Weltanschauung zu ideologisieren. Aber Sie sprechen doch da von sich selbst. Wenn Sie ernsthaft, wenn Sie seriös diesen Extremismus bekämpfen wollten, wäre ein wenig Momentum von Selbstkritik doch einmal angebracht und auch, sich selbst mal im Spiegel anzuschauen und nicht immer auf die anderen zu blicken,

Das gilt aber für Sie auch!

selbst mal in den Verfassungsbericht zu gucken und zu sehen, wie häufig Sie und Ihresgleichen dort erwähnt sind.

Also, tun Sie uns einen Gefallen: Kämpfen Sie ernsthaft und glaubwürdig gegen Islamismus und Extremismus, aber hören Sie verflucht noch mal auf, Millionen von Menschen, ob gläubig oder nicht, unter diesen Generalverdacht zu stellen. Sie schüren damit Rassismus, Sie schüren damit Stigmatisierung, und Sie machen denen, die wir heute verbieten und in Zukunft verbieten wollen, die Arbeit verdammt leicht. Das ist dämlich, und das ist diesem Parlament nicht angemessen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Martin Hess
Foto: Martin Hess
4 Vermerkeca. 125 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe CDU/CSU, ich finde es zunächst einmal bemerkenswert, dass Sie den Themenpunkt Islamismus eigentlich erst morgen, am Freitag, aufsetzen lassen wollten. Dann haben Sie gesehen: Die AfD hat ihn mit namentlicher Abstimmung schon heute aufgesetzt. Und dann haben Sie ganz schnell dafür gesorgt, dass Ihr TOP Islamismus heute Morgen auch mit namentlicher Abstimmung aufgesetzt wird.

Nehmen Sie sich nicht so wichtig!

Das kann man natürlich so machen. Aber ich sage Ihnen in aller Deutlichkeit: Sie können so viel parlamentarisch tricksen, wie Sie wollen:

Nein, nehmen Sie sich einfach nicht so wichtig!

Der Bürger weiß ganz genau, dass es die CDU/CSU unter Kanzlerin Merkel war, die mit ihrer verheerenden Grenzöffnungspolitik den Islamismus in unser Land geholt hat.

Jawohl! So ist es!

Sie tragen genauso viel politische Verantwortung für den islamistischen Terroranschlag in Mannheim wie diese Ampelkoalition.

Beifallbei der AfD
Porträt von Alexander Throm
Foto: Alexander Throm/Tobias Koch
3 Vermerkeca. 115 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Danke, Herr Hess, dass Sie die Frage zulassen.

So sind wir!

Ich will Sie einfach fragen, ob Sie bereit sind, zur Kenntnis zu nehmen, dass wir in der Tat unseren Antrag, den wir heute Morgen debattiert haben, erst morgen aufsetzen wollten, wir aber dann am Montagabend erfahren haben, dass morgen um 11 Uhr in Mannheim die Trauerfeier für den getöteten Polizisten ist. Deswegen: Es gebietet sich, glaube ich, dass man nicht parallel zu einer solchen Trauerfeier einen solchen Antrag stellt.

Deswegen bedanke ich mich insbesondere bei den Kolleginnen und Kollegen der Ampelfraktionen, dass sie zugestimmt haben, dass wir den Antrag von morgen auf heute vorziehen konnten. – Ich frage Sie, ob Sie bereit sind, das zur Kenntnis zu nehmen.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Manuel Höferlin [FDP], an die AfD gewandt: Respekt und Anstand, das ist Ihnen so fern!
Porträt von Martin Hess
Foto: Martin Hess
15 Vermerkeca. 594 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Throm, also, ich bin Ihnen ja dankbar, wenn Sie solche Hinweise geben. Aber Fakt ist doch zweifelsfrei eines: Sie haben einen neuen Antrag heute eingebracht,

Nein, das ist Quatsch!

und zwar nicht zur ersten Lesung, sondern Sie haben ihn mittels Sofortabstimmung einer namentlichen Abstimmung zugeführt,

Das stimmt gar nicht! Keine Ahnung vom parlamentarischen Ablauf!

um zu bewirken, dass Sie zu diesem Thema vor uns eine namentliche Abstimmung machen können.

Mithilfe der Koa!

Insofern bleibt die Tatsache bestehen, dass es ursprünglich anders geplant war und Sie es jetzt anders haben aufsetzen lassen.

Nein, das ist falsch!

Ich lasse Ihnen ja Ihren Glauben; aber es muss doch erlaubt sein, das hier entsprechend darzustellen.

Beifallbei der AfD

Der Bürger muss sich doch ein Bild von Ihrer Vorgehensweise machen können. Ich sage es noch mal: Sie können so viel parlamentarisch tricksen, wie Sie wollen: Der Bürger weiß, was Sache ist.

Das ist unanständig! Sie haben keinen Anstand!

Sie haben doch jetzt auch die Möglichkeit, zu beweisen, dass Ihr Kampf gegen den Islamismus nicht nur, wie sonst üblich, billiger Populismus ist, sondern Sie können doch heute auch unserem Antrag zustimmen.

Beifallbei der AfD

Wir haben nämlich Ihrem Antrag heute Morgen zugestimmt, weil es uns um die Sache, weil es uns um eine schnellstmögliche Verbesserung der Sicherheitslage in Deutschland geht.

Parlamentarismus ist kein Tauschgeschäft!

Wir werden jetzt sehen, was Sie machen. Wenn Sie nämlich hingehen und unseren Antrag nicht annehmen, dann weiß jeder Bürger in diesem Land, dass es Ihnen hier nicht um die Verbesserung der Sicherheitslage geht.

Beifallbei der AfD

Wir haben eigene Anträge!

Es geht Ihnen einzig und allein um billigen Populismus. Wer CDU oder CSU wählt, der bekommt grüne Politik wie in Nordrhein-Westfalen, und das brauchen wir in Deutschland nicht.

Das, was man heute wieder von der SPD, von der FDP, von den Grünen hört: Also, mit Verlaub, das ist einfach unerträglich; immer nur die gleichen hohlen Phrasen. Es wird immer nur geredet, aber nicht gehandelt, und zwar nicht, weil ein Handeln nicht möglich wäre, sondern weil Sie einfach nicht handeln wollen. Denn das ist der Kern des Problems bei den Debatten in diesem Haus:

Beifallbei der AfD

Sie stellen aus ideologischen Gründen den Schutz von islamistischen und ausländischen Gewaltverbrechern über die Sicherheit unserer eigenen Bürger.

Beifallbei der AfD

Das ist nicht nur unerträglich, sondern auch inakzeptabel. Dafür haben Sie bei der Europawahl zu Recht Ihre Quittung erhalten.

Beifallbei der AfD

Dass Ihnen die Sicherheit unserer Bürger völlig egal ist, beweist doch die Bundesinnenministerin fortwährend. Ich erinnere an den Fall, als in Illerkirchberg in Baden-Württemberg ein Afghane an einer schrecklichen Gruppenvergewaltigung einer 14-Jährigen beteiligt war, der allen Ernstes nach Verbüßung der kurzen Haftstrafe wieder genau in dieser Gemeinde untergebracht worden ist. Allein dieser Umstand ist ja schon eine Verhöhnung des Vergewaltigungsopfers und der Sicherheitsbedürfnisse der Bürger dieser Gemeinde.

Aber die Bundesinnenministerin hat eben noch einen draufgesetzt: Sie hat sich explizit geweigert, diesen Straftäter nach Afghanistan abzuschieben. Und die AfD ist nicht bereit, diese Verweigerung essenzieller Schutzmaßnahmen weiter hinzunehmen.

Beifallbei der AfD

Der Islamismus breitet sich in unserem Land mit rasender Geschwindigkeit immer weiter aus. Die Zahl der Opfer des islamistischen Terrors wird immer größer. Der Polizeibeamte Rouven Laur konnte nur deshalb von einem barbarischen Islamisten ermordet werden, weil die völlig verfehlte Migrationspolitik in unserem Land – und zwar völlig egal, ob ehemals unter Führung der CDU/CSU oder jetzt unter der Ampel – es zulässt, dass eine große Zahl an Islamisten in unser Land kommt und trotz eines abgelehnten Asylbewerberbescheids diese unser Land nicht verlassen müssen.

Zurufder Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das ist unfassbares Staatsversagen, und damit muss endlich Schluss sein.

Beifallbei der AfD

Denn der Messerterror findet immer öfter statt. Erst am Montag wurde wieder eine unschuldige Frau Opfer eines Afghanen, der ihr mit einem Messer in Kopf und Hals stach. Wir brauchen jetzt endlich eine Sicherheitspolitik, die den Ernst der Lage erkennt, die richtigen sicherheitspolitischen Prioritäten setzt und dem Islamismus mit aller Härte und Entschlossenheit – –

Porträt von Lamya Kaddor
Foto: Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen/ Stefan Kaminski
6 Vermerkeca. 239 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Haben Sie gerade „Lohberger Brigade“ gerufen?

Zurufvon der SPD: Ja, hat er!

Das habe ich hier sehr genau gehört. Erklären Sie mir, warum Sie „Lohberger Brigade“ hier reinrufen? – Dann erklären Sie, Herr Hess, mir, warum einer Ihrer Kollegen hier „Lohberger Brigade“ reinruft; erstens.

Was ist das?

Zweitens weise ich hier mit Vehemenz zurück, dass nur irgendeiner in der Ampel irgendeine Verantwortung für den Tod von Rouven Laur trägt.

Die verfehlte Masseneinwanderung!

Wir sind erschüttert über diesen Tod und weisen mit Vehemenz das Narrativ zurück, das Sie hier verbreiten.

Er wäre sonst nicht hier, wenn Sie die Grenzen kontrollieren würden!

– Lassen Sie mich aussprechen; Sie können auch gleich selber drankommen.

Es ist auch unanständig, was Sie hier machen. Es gibt Hinterbliebene dieses Opfers. Ich glaube, dieser Fall ist wirklich nicht geeignet, um uns als Gesellschaft hier zu spalten und uns auf die Seite des Täters zu stellen, den wir hier nicht ertragen wollen; niemand will einen Islamisten hier ertragen. Das möchte ich hier deutlich sagen, und ich finde, das sollten Sie wahrnehmen; einerseits.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Andererseits würde ich schon gerne von Ihnen wissen – Sie haben gerade behauptet, wir würden Islamisten ins Land lassen –: Dieser afghanische Mörder, erklären Sie mir doch mal – das müssen Sie jetzt einmal ausführen, bitte –, wo der islamistisch war, als er ins Land durfte, übrigens unter einer anderen Regierung als unserer. Aber da möchte ich Sie von der Union explizit in Schutz nehmen. Es gab überhaupt keinerlei Erkenntnisse darüber, dass dieser Mann irgendwie islamistisch aktiv oder motiviert war.

Der hätte schon lange abgeschoben sein müssen!

Also, erklären Sie mir, wie Sie diese Aussage hier treffen können. Woher kommt die?

Porträt von Martin Hess
Foto: Martin Hess
6 Vermerkeca. 183 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Kaddor, zunächst mal können Sie zurückweisen, was Sie wollen. Sie haben damals als politische Kraft diese völlig verfehlte Migrationspolitik der CDU/CSU unterstützt.

Beifallbei der AfD

Sie tragen damit – und dabei bleibt es – auch an dem islamistischen Terroranschlag in Mannheim Mitverantwortung.

Deswegen habe ich mir von Ihnen auch keine Belehrungen darüber geben zu lassen, was unanständig ist und was nicht. Unanständig ist eine Migrationspolitik, die Islamisten in großer Zahl hier reinführt und dann zu Todesopfern bei unschuldigen Bürgern führt.

Beifallbei der AfD

Wenn sich hier einer zu schämen hat, Frau Kaddor, dann sind Sie das, aber nicht wir.

Beantworten Sie die Frage!

– Sie dürfen Ihre Frage stellen, wie Sie sie für richtig halten. Aber ich beantworte sie, wie ich es für richtig halte – damit wir das auch mal klargestellt haben.

Beifallbei der AfD

Aha, also können Sie die gar nicht beantworten!

Ich fahre fort. – Falls es Ihnen noch nicht aufgefallen sein sollte: Die Islamisten lachen über die derzeitige Schwäche unseres Staates. Das muss sofort beendet werden. Der Islamismus braucht eine harte und klare Antwort. Deshalb sind unsere Maßnahmen auch umzusetzen. Wer sich dem verweigert – das verspreche ich Ihnen –, der wird sich im September bei den Landtagswahlen im Osten ein weiteres blaues Auge holen.

Beifallbei der AfD
6 Vermerkeca. 273 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Man hat den Eindruck, die Ampel würde im Kampf gegen den Islamismus die Hände in den Schoß legen. Der Bundestag hatte bereits im November 2020 – das ist jetzt fast vier Jahre her – der Bundesregierung einen Prüfauftrag für das Verbot der islamistisch-nationalistischen Organisation der Grauen Wölfe erteilt. Seitdem ist, auch nach mehreren Nachfragen, nichts geschehen im Innenministerium. Ich finde das unfassbar.

Beifallbeim BSW sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke] und Robert Farle [fraktionslos]

Auf wen nimmt diese Bundesregierung hier denn eigentlich Rücksicht? Auf den NATO-Partner Erdoğan, der im Syrienkrieg nachweislich islamistische Terrorgruppen unterstützt hat? Diese fatale Rücksicht, meine Damen und Herren, fördert den Islamismus in unserem Land, und das ist brandgefährlich.

Beifallbeim BSW sowie der Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke] und Robert Farle [fraktionslos]

Warum, fragt man sich, verbieten Sie nicht die Vereine in Deutschland, die die Einführung eines Kalifats, einer islamistisch begründeten Diktatur als Ziel haben? Wollen Sie hier auch wieder jahrelang die Füße stillhalten? Dieses unverantwortliche Verhalten von Innenministerin Faeser gemeinsam mit dieser Ampelregierung riskiert die Sicherheit der Bevölkerung in Deutschland; und das ist unverantwortlich.

Beifallbeim BSW sowie der Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke] und Robert Farle [fraktionslos]

Meine Damen und Herren, das Bündnis Sahra Wagenknecht wendet sich gegen alle Versuche, den notwendigen Kampf gegen den Islamismus und seinen Terror für das Schüren von Ressentiments gegen Muslime zu missbrauchen.

Beifallbeim BSW sowie der Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke] und Robert Farle [fraktionslos]

Die Grauen Wölfe sind rechtsextrem und keine Islamisten!

Das Verbot von Vereinen wie „Muslim Interaktiv“ aber, die die Abschaffung der Demokratie und die Errichtung eines Gottesstaates mit Kalifat und Scharia propagieren, darf nicht länger verschleppt werden. Diese Vereine richten sich gegen uns alle.

Beifallbeim BSW sowie der Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke] und Robert Farle [fraktionslos]

Aus diesen Gründen werden wir als Bündnis Sahra Wagenknecht den entsprechenden Antrag der AfD nicht ablehnen.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Der Meinungsfreiheit einen Maulkorb anzulegen, lehnen wir allerdings ab. Kritik an den USA oder Israel darf kein Maßstab für ein Vereinsverbot sein.

Das Verbot von islamistischen Diktaturvereinen in Deutschland ist lange überfällig.

2 Vermerkeca. 20 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wachen Sie endlich auf in der Ampel! Schauen Sie beim Thema Islamismus und islamistischer Terror nicht weiter weg!

Vielen Dank.

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]
Beifallbei der CDU/CSU
1 Vermerkca. 431 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehen Sie mir nach: Ich muss noch abstimmen. – Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Heute möchte ich Ihnen von Herrn P. und seiner Petition erzählen.

Herr P. geht einem privatrechtlichen Arbeitsverhältnis nach. Sein Arbeitsverhältnis ist aber speziell, so speziell, dass darauf die Grundsätze des Beamtenrechts angewandt werden – unter anderem auch die Beihilfe. Daher ist der Petent zu 50 Prozent bei der Postbeamtenkrankenkasse und zu 50 Prozent über eine private Krankenkasse versichert.

Wie es nun einmal vorkommt, musste sich Herr P. einer Hüft-OP unterziehen. Im Nachgang zu der OP entschied er sich aber gegen eine stationäre Anschlussbehandlung und für eine ambulante. Damit hat Herr P. erhebliche Kosten für seine Versicherungen eingespart.

Aufgrund der OP war der Petent in seiner Bewegungsfreiheit nachvollziehbarerweise stark eingeschränkt. Daher nahm er für den Weg zu seinen ambulanten Behandlungsterminen ein Taxi. Diese Fahrtkosten von insgesamt 380 Euro hat der Petent seinen Krankenversicherungen jeweils zu 50 Prozent in Rechnung gestellt. Bei seiner privaten Krankenkasse war dies gar kein Problem. Die Postbeamtenkasse lehnte seinen Erstattungsantrag ab. Grund dafür war laut dem Schreiben der Kasse das Fehlen einer ärztlichen Anordnung für den Gebrauch eines Taxis. – So weit, so gut, so nachvollziehbar und so richtig.

Der entsprechende Nachweis wurde vom Petenten vorgelegt. Daraufhin erhielt er einen neuen Bescheid, in dem die Kosten grundsätzlich als beihilfefähig anerkannt wurden. Dieses Mal lehnte die Kasse den Antrag mit dem Verweis auf den Eigenbehalt ab.

Die komplette Argumentation wird ab diesem Zeitpunkt kaum noch nachvollziehbar, weder für Herrn P. noch für den Ausschussdienst oder für den Petitionsausschuss. Herr P. hat bisher von einer Klage aufgrund des verhältnismäßig bescheidenen Betrags von 190 Euro abgesehen. Sein Ärger und sein Unverständnis sind aber vollkommen nachvollziehbar, und sein Schritt, sich an uns, den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags, zu wenden, ist richtig.

Die Tatsache, dass verschiedenste Ministerien die Verantwortlichkeit für diese Petition hin und her geschoben haben, unterstreicht auch noch mal, dass hier Handlungsbedarf besteht. Letztendlich ergeben sich aus den Antworten, die der Petent durch die Versicherung erhalten hat – aber auch aus der Frage, wer hier in Berlin eigentlich die Rechtsaufsicht hat –, mehr Fragen als Antworten. Daher überweist der Petitionsausschuss einstimmig diese Petition zur Erwägung an die Bundesregierung, um eine Klärung der ganzen Fragen herbeizuführen und Rechtssicherheit zu schaffen.

Mein Dank geht an dieser Stelle an das Bundeskanzleramt, auf dessen Einwirken hin wir überhaupt erst eine Stellungnahme des BMF bekommen haben; an Herrn P. für seine Petition und damit den Hinweis auf die Problematik; an den Ausschussdienst insbesondere, der diese wirklich komplizierte Petition vorbildlich aufgearbeitet hat, und an Sie für Ihre Aufmerksamkeit.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der Linken
Porträt von Carsten Linnemann
Foto: Carsten Linnemann/CDU/Tobias Koch
17 Vermerkeca. 613 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen! Meine Herren! Arbeitsminister Hubertus Heil hat vor gut anderthalb Jahren – es war der 10. November 2022 – hier gestanden und hat – ich zitiere – „die größte Sozialstaatsreform seit 20 Jahren“ angekündigt. Er meinte damit das Bürgergeld. Das sei – ich zitiere – „auch ein Beitrag zur Fachkräfte- und Arbeitskräftegewinnung“.

Schauen wir uns heute mal die Fakten an. Drei Punkte:

Erstens. Die Zahl der erwerbsfähigen Arbeitslosengeld-II-Empfänger ist von 2006 bis 2022 um 1,5 Millionen gesunken. Anders formuliert: In den 16 Jahren, von 2006 bis 2022, wo wir im Übrigen regiert haben, sind 1,5 Millionen Menschen in Beschäftigung gekommen.

Beifallbei der CDU/CSU

Dann kam das Bürgergeld, und das war der Wendepunkt zum Negativen. Seit Einführung des Bürgergeldes sind 200 000 Menschen mehr im Bürgergeldbezug als zum Start 2023.

Die Union hat doch zugestimmt!

Dieser Befund wiegt besonders schwer, da Hunderttausende Stellen in Deutschland offen sind – so viele wie selten zuvor, ja, so viele wie nie zuvor. Überall fehlen Arbeitskräfte: im Hotelbereich, in der Logistik, in der Gastronomie, im Einzelhandel.

Beifallbei der CDU/CSU

Aber die Union hat doch zugestimmt, oder?

Zweitens. Sie haben das Prinzip „Fördern und Fordern“ de facto ad acta gelegt; denn der neue Kooperationsplan im Bürgergeld ist jetzt rechtlich unverbindlich.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufder Abg. Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Damit haben Sie den Kern des Prinzips „Fördern und Fordern“ abgeschafft.

Jetzt zu Ihren arbeitsmarktpolitischen Ideen im Lichte des Bürgergeldes. Auch hier geht es Ihnen angeblich um Fördern und Fordern, de facto aber nicht. Nehmen wir nur mal den Jobturbo. Der Jobturbo ist ein Instrument, das das Ziel hat, Geflüchtete schnell in den Arbeitsmarkt zu bringen.

Das steht aber nicht im Bürgergeld-Gesetz drin! Das wissen Sie schon, oder?

Ich habe kürzlich mit Unternehmern aus dem Gebäudereinigerhandwerk gesprochen und auch mit dem Verband. Das Gebäudereinigerhandwerk wurde als Pilotprojekt herangezogen für diesen Jobturbo. In dieser Branche sind fast 100 000 Stellen unbesetzt. Und jetzt halten Sie sich fest: Keine einzige Person aus dem Jobturbo-Programm konnte auf eine dieser 100 000 Stellen vermittelt werden. Das ist kein Jobturbo, das ist ein Flopturbo!

Beifallbei der CDU/CSU

Unglaublich!

Zu den Sanktionen. Es wurde von Hubertus Heil groß angekündigt – das war in der nachrichtenarmen Zeit zwischen den Jahren sehr medienwirksam –, dass er bei sogenannten Totalverweigerern das Bürgergeld komplett streichen möchte. Halten Sie sich wieder fest: Es gibt nach meinen Informationen nicht einen einzigen Fall in Deutschland, wo das wirklich passiert ist.

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Alles heiße Luft dieser Ampelregierung! Sie sind ein Ankündigungsminister, aber kein Umsetzungsminister, lieber Herr Heil!

Beifallbei der CDU/CSU

Ich meine, zusammenfassend muss man sagen: Die Bürgergeldreform ist nicht die größte, sondern die schlechteste Sozialstaatsreform seit 20 Jahren.

Beifallbei der CDU/CSU

Der Generalverdacht, dass alle nicht arbeiten wollen, ist unverschämt! Das ist einfach unverschämt!

So viel zur Bürgergeldpartei SPD.

Was es jetzt braucht, ist eine neue Grundsicherung, die Solidarität mit Subsidiarität verbindet. Wir müssen für die Menschen da sein, die Hilfe bedürfen, die einen Schicksalsschlag oder Ähnliches erlebt haben, wie beispielsweise die Erwerbsgeminderten.

Genau! Das ist so beim Bürgergeld!

Da haben wir damals in der Großen Koalition viel gemacht und auch jetzt mit der Regierungskoalition gestimmt, weil das Menschen sind, die unsere Unterstützung brauchen.

Dann reden Sie doch mal über die!

Auf der anderen Seite muss klar sein, dass derjenige, der arbeiten kann, auch arbeiten gehen muss; ansonsten gibt es keine Sozialleistungen.

Nein, das hat mit Arbeitszwang überhaupt nichts zu tun.

Stigmatisierung von Menschen!

Niemand muss in Deutschland arbeiten, niemand. Aber wer Sozialleistungen erhält und arbeiten kann, der kann einfach nicht erwarten, dass das andere für ihn bezahlen, die jeden Tag arbeiten gehen. Das ist der ganz einfache Zusammenhang. Ganz einfach!

Beifallbei der CDU/CSU

Mit welchen Zahlen belegen Sie das?

Wir brauchen wieder Akzeptanz. Das ist das Hauptproblem: Die Akzeptanz des Sozialsystems geht hier vor die Hunde.

Hat das vielleicht was mit Ihnen zu tun?

Wir brauchen eine Union, die Anstand zeigt! Das brauchen wir! Eine Union mit Anstand und mit Respekt!

Wir haben das beste Sozialsystem der Welt, und das wollen wir schützen. Deshalb wollen wir das Bürgergeld in dieser Form abschaffen. Allein der Name suggeriert, dass es sich um ein bedingungsloses Grundeinkommen handelt. Das ist falsch.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir als Union werden eine neue Grundsicherung einführen, zu der auch ein verbindlicher Vorrang der Vermittlung in Arbeit gehört. Für uns steht im Mittelpunkt, die Menschen wieder in Beschäftigung zu bringen.

Vielen Dank.

Anhaltender Beifallbei der CDU/CSU

Das war jetzt aber viel Inhalt! Mann, Mann, Mann! Nur Behauptungen und kein Inhalt!

Porträt von Annika Klose
Foto: Annika Klose/ Anna Voelske
20 Vermerkeca. 699 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Damen und Herren! Die CDU/CSU setzt hier eine Aktuelle Stunde auf mit dem Titel „Lehre aus der Europawahl ziehen – Neue Grundsicherung statt Bürgergeld“. Ich möchte Sie fragen, ob das wirklich Ihr Ernst ist.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufevon der CDU/CSU: Ja!

Es ist ja gut, dass wir hier heute über die Wahlergebnisse des Europäischen Parlaments sprechen wollen,

Genau! Sie haben da verloren!

auch wenn Sie, Herr Linnemann, kein einziges Wort dazu verloren haben. Aber ich muss Ihnen ehrlich sagen: Ich bin entsetzt darüber, mit welchem intellektuellen Kurzsprung und populistischen Zungenschlag die CDU/CSU diese Debatte führen möchte. Glauben Sie wirklich, dass die Menschen bei der Europawahl die Union wegen ihres Konzeptchens der neuen Grundsicherung gewählt haben?

Welches Konzept denn eigentlich?

Diese These ist so steil, dass sie doch ziemlich schnell ins Rutschen kommt.

Zunächst möchte ich Sie daran erinnern, dass die CDU/CSU der Einführung des Bürgergeldes hier im Deutschen Bundestag zugestimmt hat, auch Herr Merz und Herr Linnemann.

Dann möchte ich gerne einen Blick auf die Nachwahlbefragung zu den Europawahlen werfen. Es scheint hier zwar gerade so, als könne die Union vor Kraft nicht laufen. In Wirklichkeit liegt das Ergebnis der Union aber auch nur magere 1,1 Prozentpunkte oberhalb ihres historisch schlechtesten Wahlergebnisses von 2019.

– Das wollen Sie nicht hören, oder? – Die CSU hat gegenüber 2019 satte 0,0 Prozent zugelegt. Mein lieber Scholli, da können Sie aber stolz sein!

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Auf die Frage von Infratest dimap, ob eine CDU-geführte Bundesregierung die anstehenden Aufgaben und Probleme besser lösen könnte als die aktuelle Bundesregierung, antworten aktuell 39 Prozent mit Ja und 49 Prozent mit Nein. Und mit der politischen Arbeit von Friedrich Merz sind gerade mal 31 Prozent der Befragten zufrieden.

Herzlichen Glückwunsch zu diesen tollen Werten!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aus diesen Ergebnissen jetzt also einen Auftrag an die Union für ein spezifisches Sozialstaatskonzept ablesen zu wollen, ist doch, ehrlich gesagt, ziemlich weltfremd. Schauen Sie sich doch mal die Befragungen an!

Zurufder Abg. Dr. Silke Launert [CDU/CSU]

Danach gefragt, welches Thema für die Wahlentscheidung die größte Rolle gespielt hat, haben die meisten Menschen mit „Friedenssicherung“ geantwortet. Gefragt nach ihren größten Sorgen, belegten die Sorgen vor Kriminalität und vor Klimawandel die Plätze eins und zwei. Und ja, soziale Sicherheit hat auch eine große Rolle gespielt. Doch nur für die SPD-Wählerinnen und -Wähler war dies zu einem Anteil von mehr als 35 Prozent wahlentscheidend; bei der Union waren es lediglich 22 Prozent. Die SPD ist schließlich die Partei der sozialen Gerechtigkeit.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich leite aus dem schlechten Abschneiden meiner Partei bei der Europawahl ab, dass wir uns noch mehr reinhängen müssen, um für die Menschen in diesem Land mehr rauszuholen.

Lachenbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Wir sind hier nicht in einer Aussprache des Parteivorstands! Wir sind hier im Plenum!

Wir müssen mit dem Rentenpaket II die Renten in diesem Land sichern. – Ja, lachen Sie ruhig. Ich glaube, die Menschen in diesem Land interessiert das Rentenniveau sehr wohl, Sie aber wohl nicht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Christine Aschenberg-Dugnus [FDP]

Wir brauchen anständige Löhne, damit sich das Arbeiten auch lohnt – mit einem Bundestariftreuegesetz und einem höheren Mindestlohn. Wir müssen den Anstieg der Mieten in unseren Städten begrenzen, damit man sich von seiner Arbeit auch ein Dach überm Kopf leisten kann. Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen, die hier zuwandern, auch gut integriert werden können. Und wir müssen einen Haushalt beschließen, der nicht die Axt an die soziale Infrastruktur legt. Ja, wir als SPD müssen in unserem Kerngeschäft wieder mehr liefern. Das erwarten die Menschen von uns, und das tun sie zu Recht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dann schafft das Bürgergeld ab!

Und für Sie, liebe CDU/CSU, noch mal ganz langsam und zum Mitschreiben: Erstens. Nein, das Bürgergeld ist kein bedingungsloses Grundeinkommen. Zweitens. Nein, das Bürgergeld befördert keinen Sozialmissbrauch.

Überhaupt nicht, nein!

Sprechen Sie mit Expertinnen und Experten! Drittens. Nein, Sanktionen sind nicht die Lösung für all Ihre Probleme, und es gibt sie übrigens auch im Bürgergeld. Viertens. Nein, das Bürgergeld ist keine soziale Hängematte. Dreh- und Angelpunkt des Gesetzes sind die Weiterbildung und Qualifizierung von Menschen.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Zurufevon der CDU/CSU

Jetzt gebe ich Ihnen zum Abschluss noch einen gut gemeinten Rat.

Bleiben Sie mal beim Thema!

Hören Sie endlich auf, Menschen, die wenig haben, und Menschen, die gar nichts haben, gegeneinander auszuspielen!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Damit machen Sie nämlich das Geschäft derer, die hier in diesem Raum ganz rechts außen sitzen. Oder wie erklären Sie, werte Union, sich eigentlich Ihr Abschneiden in Sachsen und Sachsen-Anhalt bei diesen Wahlen?

Gucken Sie sich mal Ihre Zahlen an!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Machen Sie so weiter, und dann sind Sie in Sachsen gar nicht mehr da! 6,5 Prozent in Sachsen!

Wir fahren in der Debatte zur Aktuellen Stunde fort. Für die AfD-Fraktion ist der nächste Redner Norbert Kleinwächter.

Beifallbei der AfD
23 Vermerkeca. 919 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Werte Kollegen von der Union, Sie haben heute extra eine Aktuelle Stunde beantragt, um uns, die AfD, zu unserem hervorragenden Wahlergebnis bei der Europawahl zu beglückwünschen. Vielen herzlichen Dank! Wir sind wirklich stolz auf das Ergebnis. Sie haben sich um ungefähr 4 Prozent gesteigert, wir uns um 45 Prozent. Vielen lieben Dank für die Blumen!

Beifallbei der AfD

Sie kommen von einer Partei, die einen Parteivorsitzenden hat, der noch unbeliebter ist als Olaf Scholz. Das muss man erst mal hinbekommen. Aber ganz ehrlich: Auch der Ampel trauen 76 Prozent der Wähler gar nichts mehr zu. Ich muss ganz ehrlich sagen: Die Wähler vertrauen Ihnen nicht mehr. Sie trauen Ihnen nicht mehr zu, dass Sie die Probleme des Landes lösen. Warum regieren Sie eigentlich noch?

Um Sie zu verhindern!

Es ist wirklich Zeit für einen Rücktritt,

Das hätten Sie gern!

und es ist wirklich Zeit für Neuwahlen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Das Tragische ist aber, werte Kolleginnen und Kollegen der Union, dass Sie die Probleme der Bürger nicht so wirklich verstehen. So schön es ist, von Ihnen Glückwünsche zu bekommen, so falsch ist natürlich die Schlussfolgerung, dass die Leute bei der Europawahl alle AfD gewählt hätten, weil das Bürgergeld so schlecht ist. Ich gebe Ihnen ja vollkommen recht: Das Bürgergeld ist eine Katastrophe. Die Politik der Ampel ist eine Katastrophe. Das Bürgergeld ist ein verkapptes bedingungsloses Grundeinkommen.

Wenn man keine Ahnung hat, sollte man einfach mal ruhig sein!

Das Bürgergeld wird zur Hälfte von Leuten bezogen, die gar keine Bürger sind. Und das Bürgergeld ist natürlich wesentlich teurer, als es die Bundesregierung eingeschätzt hat, weil wir ja wissen, dass Rot und Grün nicht rechnen können. Wir haben von Anfang an gesagt, es wird viel zu teuer. Wir haben von Anfang an gesagt, es wird eine Katastrophe. Sie haben es eingeführt. Jetzt haben wir den Schlamassel.

Beifallbei der AfD

Ich gebe Ihnen auch recht, werte Kolleginnen und Kollegen – ich fühle mich wiederum geehrt –: Natürlich ist das Konzept der aktivierenden Grundsicherung der AfD einsame Spitze. Deswegen ist es wirklich schön, dass Sie „Grundsicherung statt Bürgergeld“ fordern. Ich gebe Ihnen recht: Die aktivierende Grundsicherung löst viele Probleme. Wir werden die Leute in Arbeit bringen, weil wir eben auch Bürgerarbeit einführen,

Zwangsarbeit gibt es in Deutschland nicht!

weil wir die Leute nicht auf der Couch lassen, sondern weil wir sie tatsächlich aktivieren.

Gleichzeitig stellen wir sicher, dass wirklich illegale Migranten keinen Zugang mehr zu SGB II oder XII haben, also zur sogenannten Grundsicherung. Wir werden die nämlich abschieben, und, ja, wir werden das System entlasten. Dafür sorgt die aktivierende Grundsicherung der AfD, und wie alle sozialpolitischen Konzepte der AfD ist dieses Konzept einsame Spitze. Vielen Dank, dass Sie das aufgegriffen haben und uns so dafür loben.

Beifallbei der AfD

Aber so schlecht die Politik der Ampelkoalition ist, so schlecht das Konzept der Bürgerarbeit,

Ja, das Konzept der Bürgerarbeit ist schlecht!

Entschuldigung, des Bürgergeldes ist: Die Leute haben bei der Europawahl anders gewählt, weil sie die Nase voll haben vom Krieg. Die Leute haben anders gewählt, weil sie diesen Krieg in der Ukraine, weil sie den Krieg auf der Straße und in der Gesellschaft, weil sie den Krieg gegen die Eigenheime nicht mehr wollen.

Die Leute wollen Frieden, sie wollen Frieden in der Ukraine. Deswegen ist es ganz wichtig, dass endlich einmal Friedensgespräche stattfinden und keine Debatten über die Einführung einer Wehrpflicht, damit die Mütter und Väter dann auch noch ihre Söhne in einen Krieg schicken können, meine Damen und Herren, bei dem es um die wunderbaren europäischen Freiheiten geht, die wir unter Ursula von der Leyen kennengelernt haben, nämlich seine Oma im Altenheim nur noch dann besuchen zu können, unter 2 G, wenn man ein EU-Covid-Zertifikat auf seinem Handy vorweisen kann.

Das ist die Freiheit, die Sie in Europa erschaffen haben, eine Freiheit, von der erst mal Pfizer profitiert, dann die Waffenlobbyisten und schließlich die Baukonzerne. Das ist nicht die Freiheit, für die wir einstehen.

Beifallbei der AfD

Die Leute wollen Freiheit auf der Straße haben. Sie bemerken doch, wie sich das Straßenbild verändert. Die Frauen fühlen sich oftmals, gerade nachts, nicht mehr sicher.

Ja, wenn ich Leute wie Sie sehe!

Wir haben mittlerweile in Deutschland einen Messerdschihad, tägliche Angriffe auf Leute, meine Damen und Herren.

Widerspruchdes Abg. Kai Whittaker [CDU/CSU]

Und wer was dagegen sagt, der wird von Ihnen beschimpft, der wird von Ihnen kleingemacht als Rassist oder Nazi oder sonst was, obwohl er einfach die Wahrheit definiert,

Beifallbei der AfD

genauso wie bei der Wahrheit, dass es zwei Geschlechter gibt, wenn er nicht gendert. Die Leute wollen Freiheit haben, mit ihrem Auto, mit ihrem Verbrennermotor durch die Gegend zu düsen und sich vielleicht auch mal ein gutes Steak zu grillen, ohne sich dafür eine Kritik anzuhören!

Können Sie auch mal zum Thema reden?

– Das Thema ist hier: die Lehren aus der Europawahl, meine Damen und Herren.

Ist ein Arzt anwesend?

Und die Leute wollen Freiheit haben in Bezug auf ihr Eigentum, in Bezug auf ihr Eigenheim.

Zurufder Abg. Angelika Glöckner [SPD]

Sie wollen in Frieden leben können und keine Sanierungszwänge oder Heizungsverbote auferlegt bekommen von dieser Bundesregierung oder der EU-Kommissionspräsidentin, die Sie von der CDU/CSU nach wie vor stützen. Sie wollen nach wie vor eine Ursula von der Leyen, die aus Joe Bidens Green New Deal einen European Green Deal gemacht hat,

die aus Joe Bidens „Build Back Better“ ein „Build Back Better Europe“ gemacht hat, meine Damen und Herren, die genau diesen wirtschaftlichen, den gesellschaftlichen, den militärischen Krieg gegen die europäischen Bürger führt.

Genau deswegen ist es viel zu kurz gesprungen, wenn Sie als Lehre aus der Europawahl ziehen, dass wir jetzt eine Grundsicherung statt Bürgergeld bräuchten, meine Damen und Herren. Was wir brauchen, ist ein kompletter Kurswechsel in der Politik. Den wünschen sich die Leute, und genau deswegen haben sie die AfD zum Wahlsieger gemacht.

Genau, deswegen haben Sie 15 Prozent!

Denken Sie mal darüber nach, und ziehen Sie die Lehren aus Ihrer schlechten Politik!

Haben Sie vielen Dank.

Beifallbei der AfD

15 Prozent ist noch nicht die Mehrheit!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Christine Aschenberg-Dugnus [FDP]
Porträt von Mathias Middelberg
Foto: Dr. Mathias Middelberg/Tobias Koch
27 Vermerkeca. 666 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Wir haben jetzt Beiträge unterschiedlichster Qualität gehört,

Zurufder Abg. Julia Klöckner [CDU/CSU]

zwei davon im Modus der – ich sage das offen – Realitätsverweigerung und im Attackemodus von SPD und Grünen

Weil Sie die Wahlergebnisse nicht analysieren können!

und einen – der Beitrag von Herrn Teutrine eben –, der von gewisser Einsicht geprägt war.

Und eine Rede mit Behauptungen, mit keinen Belegen!

Das ist zu begrüßen. Sie haben von notwendigen Korrekturen beim Bürgergeld gesprochen. Sie haben Sanktionen und den Berechnungsmodus angesprochen. Das ist sehr lobenswert. Das Problem ist nur: Sie sind in der Regierung, Herr Teutrine; die FDP regiert mit.

Beifallbei der CDU/CSU

Was schlagen Sie denn vor?

Sie könnten es also jederzeit ändern. Dann warten wir auf Ihren konkreten Gesetzesvorschlag in der nächsten Woche. Das wäre hilfreich.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der CDU/CSU: Bravo! Genau so ist das!

Ansonsten macht sich die FDP mitverantwortlich dafür, dass dieser falsche Kurs beim Bürgergeld, bei der Grundsicherung jetzt so weiterläuft.

Es ist angesprochen worden: Wir reden hier heute über die Lehren aus der Europawahl. – Vielleicht sollten gerade Sie von der SPD und den Grünen sich das doch noch mal in Erinnerung rufen.

Zurufder Abg. Annika Klose [SPD]

Das Thema ist „Grundsicherung statt Bürgergeld“! Wir haben noch nichts von der Grundsicherung gehört!

Ich will Ihnen ein paar Daten nennen: 55 Prozent der Wähler haben in der Nachwahlbefragung gesagt, für sie sei nicht die Europapolitik, sondern die Bundespolitik wahlentscheidend gewesen. Die ganze Geschichte war also schon auch eine Abstimmung über Ihre Bundespolitik. Das sollten Sie zur Kenntnis nehmen.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der CDU/CSU: Hört! Hört!

Die zweite Feststellung – und das ist ganz bitter, vor allen Dingen für die SPD –: Die Arbeiter sind gefragt worden, für wen sie denn abgestimmt hätten. 33 Prozent haben gesagt – das muss uns alle beschämen und auch sorgenvoll machen –: für die AfD.

Beifallbei der AfD
Zurufvon der AfD: Jawohl!

24 Prozent haben gesagt: für die Union.

Beifallder Abg. Julia Klöckner [CDU/CSU]

Und gerade einmal 12 Prozent haben für die traditionelle Arbeiterpartei SPD gestimmt.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Aha! Woran mag das liegen?

– Ganz genau: Woran mag das liegen? – 64 Prozent der Leute – das sind fast zwei Drittel – haben in der Nachwahlbefragung gesagt: Es ist richtig, dass die Union das Thema Bürgergeld im Wahlkampf thematisiert hat.

Beifallbei der CDU/CSU

Jetzt sage ich Ihnen ganz ehrlich: Daraus sollten Sie als SPD und Grüne – das ist eine freundlich gemeinte Empfehlung – Konsequenzen ziehen.

Kommt noch irgendetwas über das Bürgergeld? Menschen, die keine Arbeit haben, werden instrumentalisiert! Geht gar nicht!

Wir haben jetzt viel über Vergangenheit gesprochen. Sie sollten daraus die Konsequenzen ziehen. Sie haben eben viel über soziale Gerechtigkeit gesprochen; das ist ja Ihr großes Thema. Das Problem ist, dass die Arbeitnehmer in Deutschland, die arbeiten und diesen Sozialstaat finanzieren, es als ausgesprochen ungerecht empfinden,

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der CDU/CSU: Genau!

dass Leute, die arbeiten könnten, es nicht tun. Das ist das Problem.

Zurufdes Abg. Takis Mehmet Ali [SPD]

Ihr Bürgergeld,

Dem Sie zugestimmt haben!

so wie Sie es ausgestaltet haben, macht es eben vielen zu einfach, diese Option zu wählen und im Bürgergeld zu bleiben. Das ist das Problem. Sie haben dieses Bürgergeld so ausgestaltet, dass es mittlerweile ein bedingungsloses Grundeinkommen geworden ist.

Das ist das Problem. De facto haben wir fast ein Wahlrecht in Deutschland: Entweder arbeite ich und finanziere diesen Sozialstaat, oder ich arbeite eben nicht und nehme lieber Bürgergeld.

Das ist falsch!

Das ist das Problem. Deswegen müssen wir sehr dringend zu einer Änderung kommen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir haben 4 Millionen Menschen im Bürgergeld – 4 Millionen von den 5,5 Millionen Bürgergeldempfängern –,

Warum müssen Sie falsche Informationen verbreiten?

die erwerbsfähig sind.

1,7 Millionen sind arbeitslos!

Davon könnten sehr viele morgen anfangen, zu arbeiten. 2 Millionen sind Arbeitslose – hören Sie genau zu! –, die morgen um 8 Uhr starten könnten. Und die Frage ist doch: Warum starten die nicht, warum sind die im Bürgergeld, und warum machen die keinen Job?

Beifallbei der CDU/CSU

Sie müssen eine Brücke bauen, damit diese Leute anfangen, zu arbeiten.

Was ist denn Ihre Lösung?

Wir machen es jetzt ganz einfach: Die Hartz-Reformen, die Sie so wahnsinnig kritisiert haben,

… die Sie auch nie wollten!

haben dazu geführt, dass die Hälfte der Leute, die damals arbeitslos waren, am Ende der Reform einen Arbeitsplatz hatten. Man kann über diese Reform sprechen, man kann es vielleicht auch intelligenter machen. Aber machen Sie doch endlich einmal etwas!

Beifallbei der CDU/CSU

Sie tun die ganze Zeit das Gegenteil. Wir rutschen doch immer weiter ab.

Wenn Sie – das habe ich Ihnen schon mehrfach vorgerechnet – nur 100 000 Leute mehr aus dem Bürgergeld in die Beschäftigung bringen würden, dann hätten Sie 3 Milliarden Euro mehr in Ihrem Bundeshaushalt.

Hört! Hört!

Rechnen Sie das einmal hoch! Wenn Sie es machen würden wie bei Hartz, dann hätten Sie über 1 Million Menschen mehr in Arbeit. Dann würden Sie 30 bis 40 Milliarden Euro in Ihrem Bundeshaushalt sparen. Kommen Sie endlich in die Pötte!

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Jens Peick
Foto: Jens Peick/ Photothek Media Lab
16 Vermerkeca. 827 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU/CSU-Fraktion! Das ist eine beachtliche Debatte. Leider haben wir bisher sehr wenig über Ihr Konzept der neuen Grundsicherung erfahren.

Oh doch! Das hat Ihnen Herr Linnemann gerade erklärt!

Kein Wort über das Konzept war das! Das wissen Sie selber! Kein Wort!

Fangen wir aber einmal beim Titel dieser Aktuellen Stunde an: die Europawahl. Ja, die war für die Regierungsparteien nicht gut, keine Frage. Bündnis 90/Die Grünen hat neun Sitze verloren, die SPD hat zwei Sitze verloren. Aber – auch das wurde schon gesagt – Ihre eigene Fraktion hat auch keinen Sitz dazugewonnen. Das ist gefährlich, weil die Stimmen bei den Demokratiefeinden gelandet sind. Aber Ihnen fällt trotzdem nichts anderes ein, als dieselbe Leier zu spielen wie schon vor der Wahl. Damit tragen Sie nicht zum Zusammenhalt dieser Gesellschaft bei. Sie spalten diese Gesellschaft vielmehr mit dem, was Sie hier tun,

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Genau! Wir sind schuld!

indem Sie Falschbehauptungen aufstellen. Sie haben keine Antworten auf die tatsächlichen Probleme dieser Zeit.

Sie haben keine Antwort!

Wenn ihr so weitermacht, seid ihr bei 5 Prozent! 5 Prozent in Sachsen! Das ist absehbar!

Die Grundsicherung, die Sie hier präsentieren wollen, hat nichts damit zu tun, wie wir mehr Wirtschaftswachstum generieren. Sie hat nichts damit zu tun, wie wir Fachkräfte sichern, und sie ist auch kein Beitrag zur Gestaltung der Arbeitswelt.

Ihr macht so weiter und seid an der 5-Prozent-Grenze!

Sie arbeiten sich an Regelsätzen ab, deren Anpassungsmechanismus Sie selbst mitbeschlossen haben. Sie behaupten immer und immer wieder, Arbeit würde sich nicht lohnen, und enthalten sich ganz heldenhaft bei der Mindestlohnerhöhung. So können wir die Arbeitswelt nicht modernisieren.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Eure Zustimmung zum Mindestlohn hat euch nicht viel gebracht!

Sie fordern immer mehr Sanktionen. Dabei wurden die Sanktionen nie abgeschafft; aber das behaupten Sie immer. Die Sanktionen wurden nie abgeschafft. Wir haben sie bei Totalverweigerern sogar noch verschärft. Aber kann man Menschen in Arbeit sanktionieren? Nein, das kann man nicht. Und das wissen Sie auch ganz genau. Sanktionen helfen nicht weiter, wenn wir die Menschen in Arbeit bringen wollen. Dafür brauchen wir mehr Unterstützung durch Coaching, durch mehr Weiterbildung. Genau das gehen wir mit dem Bürgergeld an.

Macht so weiter!

Redet ihr eigentlich noch mit Arbeitern?

Trotzdem stellen Sie sich hierhin und erklären uns, wie man – das ist es am Ende – den sozialen Abstieg der arbeitenden Mitte organisiert. Ich möchte an einem Beispiel klarmachen, warum dieser Kurs so gefährlich ist. Wir haben im Ruhrgebiet gerade große Diskussionen,

Vor allem habt ihr im Ruhrgebiet an die AfD verloren! Denkt mal darüber nach!

weil es bei thyssenkrupp Stahl sehr schlecht aussieht.

Redet da noch ein Arbeiter mit euch?

Das Management hat sich über Jahre verzockt. Anstatt auf den sicheren Standort Deutschland zu setzen, hat man mit einem Stahlwerk in Brasilien 8 Milliarden Euro in den Sand gesetzt – wortwörtlich auf Sand gebaut. Das geht jetzt zulasten der Beschäftigten hier. Jetzt will das Management rund 50 Prozent der Belegschaft entlassen. Das sind knapp 14 000 Menschen allein in Duisburg. Ich glaube, ich brauche hier nicht zu sagen, was das für die Menschen, die Stadt, die Jobs, die ganze Region, geschweige denn für die Zulieferer bedeutet. In einer solchen Situation ist auch ein guter und stabiler Arbeitsmarkt nur begrenzt aufnahmefähig. Wir tun natürlich alles, damit es nicht so weit kommt. Wir sorgen dafür, dass die Transformation der Wirtschaft keine Deindustrialisierung bedeutet. Deswegen haben wir thyssenkrupp auch mit 2 Milliarden Euro unterstützt. Aber in einer solchen Situation braucht es auch ein gutes soziales Sicherungsnetz, einen Sozialstaat, der den Beschäftigten, die sich jetzt Sorgen machen, bei ihrem Kampf den Rücken stärkt.

Sie schlagen zum Beispiel die Abschaffung des Schonvermögens vor. Herr Dr. Middelberg, Herr Linnemann, Sie haben gar nicht gesagt, was Sie wollen. Was bedeutet denn diese Grundsicherung konkret, wenn man auf die Menschen schaut? Wenn der Facharbeiter bei thyssenkrupp 30 Jahre lang malocht hat, dann hat er, wenn er jeden Monat 110 Euro für die Altersvorsorge zurückgelegt hat, 40 000 Euro angespart. Wenn der jetzt seine Arbeit verliert und nicht innerhalb eines Jahres neue Arbeit findet, dann wollen Sie ihm diese Altersvorsorge sofort wegnehmen. Aber ich frage: Wer hat denn ein solches Vermögen angespart? Das sind die fleißigen Menschen in diesem Land. Das sind doch nicht die, die faul auf der Couch sitzen und nichts tun.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Das nimmt Ihnen doch keiner mehr ab!

Für die ist das Schonvermögen doch das Bürgergeld.

Ebenso wollen Sie die Karenzzeit für die Unterbringungskosten abschaffen, damit nach der Altersvorsorge sofort die Wohnung dran ist. Das ist sozialer Abstieg, den Sie hier organisieren wollen. Das wissen Sie doch selbst am besten.

Beifallder Abg. Annika Klose [SPD]

Deswegen steht doch zu diesem Thema am Ende in Ihrem Papier, dass es gilt, darauf zu achten, dass Obdachlosigkeit vermieden wird. Sie wissen also selbst, was die logische Konsequenz Ihrer Forderung ist. Nach 30 Jahren schuften geht’s ab auf die Straße, weil sich das Management verzockt hat.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das hat mit Sozialstaat nichts zu tun.

Was ist denn das für ein Unsinn?

– Das steht in Ihrem Papier, Herr Spahn. Das ist gesellschaftlicher Abstieg, und das ist respektlos.

Nach 30 Jahren gibt es erst mal Arbeitslosengeld I! Irgendeine Ahnung, oder was?

Das hat er doch gesagt!

Ich habe es doch gerade schon gesagt: Wenn 14 000 Menschen auf einen Schlag arbeitslos werden, ist der Arbeitsmarkt nicht so aufnahmefähig. Dann landen die Menschen zwangsläufig, wenn es schiefgeht, genau da.

Diesen Menschen zollen wir Respekt, Sie nicht. Nur hart arbeitende Menschen haben sich Vermögen angeschafft. Wir lassen die Menschen nicht im Stich. Wir haben mit dem Bürgergeld einen Sozialstaat für die arbeitende Mitte geschaffen, der absichert und nicht stigmatisiert, der Menschen in Arbeit bringt und nicht auf die Straße. Dafür stehen wir: Sicherheit für die arbeitende Bevölkerung.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Auf dem Weg zu 10 Prozent!

Porträt von Stephan Stracke
Foto: Tobias Koch
20 Vermerkeca. 576 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Heute sind es 179 000 mehr Arbeitslose als noch vor einem Jahr.

Ukrainische Geflüchtete!

Heute sind es 82 000 mehr Bürgergeldbezieher als noch vor einem Jahr.

Ukrainische Geflüchtete, Herr Stracke!

Wie viele Ukrainer/-innen sind dabei?

Das ist ein Offenbarungseid für Ihre Ampelpolitik. Sie sind gescheitert mit Ihrer Arbeitsmarkts- und Sozialpolitik.

Beifallbei der CDU/CSU

Unverschämt! 1 Million Ukrainer haben wir aufgenommen!

Was haben Sie hier bei der Einführung des Bürgergeldes nicht alles vollmundig versprochen? Mehr Leistung, mehr Respekt, mehr Integration in Arbeit. „Pustekuchen“, kann man da nur sagen. Jetzt fordert selbst Bundesfinanzminister Lindner ein Fairness-Update für das Bürgergeld. Ja, das Bürgergeld hat ein Fairness-Problem.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Die bittere Wahrheit ist doch: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich in Ihrer Regierungszeit massiv erhöht. Und schlimmer noch: Die Langzeitarbeitslosigkeit hat sich verfestigt. Das bedeutet, dass mehr Menschen in Arbeitslosigkeit festsitzen und weniger Chancen auf Arbeit haben, um damit selbstbestimmt auf eigenen Beinen zu stehen. Das ist das Ergebnis Ihrer Politik. Ihre Politik nutzt nicht den Menschen, sie schadet den Menschen, sie frustriert, sie deprimiert die Menschen.

Beifallbei der CDU/CSU

Dummes Zeug!

Wir haben in unserer Regierungszeit gezeigt, wie man es besser machen kann. Wir haben die Zahl der Langzeitarbeitslosen mehr als halbiert. Das war das Ergebnis kluger Arbeitsmarktpolitik, weil wir Hilfe in Not mit dem Prinzip „Fördern und Fordern“ verknüpft haben und vor allem auf „Vermitteln, vermitteln, vermitteln“ gesetzt haben.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufevon der SPD

Wir haben unsere Jobcenter starkgemacht, und das Gegenteil davon tun Sie. Deshalb muss dieses Bürgergeld weg und durch unsere neue Grundsicherung ersetzt werden – für mehr Chancen, für mehr Respekt, für mehr Arbeit und Ausbildung. Dafür steht die neue Grundsicherung, die wir vorschlagen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben das Geld gekürzt bei den Jobcentern! Eine Lüge nach der anderen!

Wir wissen: Je länger die Menschen in Arbeitslosigkeit sind, desto schwerer haben sie es, aus dieser Situation wieder herauszukommen.

Ganz genau!

Das ist das einzig Wahre, was Sie bis jetzt gesagt haben! Aber Ihre Schlussfolgerungen daraus sind falsch!

Bestes Beispiel hierfür ist der Jobturbo. Sie als Ampel haben dafür gesorgt, dass den Flüchtlingen aus der Ukraine vom ersten Tag an der Arbeitsmarktzugang ermöglicht wurde.

Ja, und die Kommunen haben sich gefreut!

Aber was haben Sie dann getan? Statt sich vom ersten Tag, von Anfang an, um diese Menschen zu kümmern, haben Sie sie einfach im Bürgergeldbezug geparkt.

Sie haben sich nicht um die Menschen gekümmert. Und jetzt wundern Sie sich, dass die Menschen nicht in Arbeit gekommen sind, sondern in Arbeitslosigkeit verharren. Das war ein schwerer Fehler.

Wir brauchen finanzielle Sicherheit für unsere Jobcenter. Genau das Gegenteil tun Sie. Wir haben zu unserer Zeit die Ausstattung für Personal, für Vermittlung bei den Jobcentern um 30 Prozent erhöht. Diese Erhöhung haben Sie innerhalb von zwei Jahren um die Hälfte zurückgenommen. So schaut die Realität Ihrer Arbeitsmarktpolitik aus.

Beifallbei der CDU/CSU

Dann aber von der Schuldenbremse reden!

– Nein. – Wir haben dafür gesorgt, dass die Jobcenter entsprechend vermitteln können, weil wir sie effektiv entlastet haben.

Warum sind Sie denn so aggressiv?

Arbeit und Mehrarbeit müssen sich in diesem Land wieder lohnen.

Genau! Mit einem Mindestlohn von 15 Euro!

„Mehr Netto vom Brutto“ muss das Prinzip sein.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Vielleicht mal die Angriffe auf das Streikrecht unterlassen!

Die Hinzuverdienstgrenzen müssen sich verändern. Das Zusammenspiel der sozialen Sicherungssysteme muss besser aufeinander abgestimmt sein, damit sich Arbeit tatsächlich mehr lohnt, damit sich vor allem Mehrarbeit lohnt.

Die Grundmelodie, die dieses Bürgergeld durchwebt, müssen wir verändern. Hilfe in Not ist richtig und wichtig. Aber in diesem Bürgergeld steckt viel zu viel bedingungsloses Grundeinkommen.

Beifallbei der CDU/CSU
Widerspruchbei der SPD

Ich will ihnen ein Beispiel dafür nennen. Schauen Sie mal auf die Homepage der Bundesagentur für Arbeit, und rufen Sie da mal „Bürgergeld“ auf! Dann finden Sie: „Finanziell absichern mit Bürgergeld“. So steht es da. „Informieren Sie sich, wie Sie Ihren Lebensunterhalt mit Bürgergeld sichern.“ Das ist die Grundmelodie Ihrer Ampel.

Das stand heute in der „Bild“-Zeitung! Und Sie reproduzieren das! Das ist so wahnsinnig billig!

Wir wollen, dass sich der Lebensunterhalt nicht durch soziale Sicherung abbildet. Der Lebensunterhalt soll durch Arbeit gesichert sein; darum geht es.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir wollen nicht den alimentierenden Staat, sondern den aktivierenden Staat. Dafür steht die neue Grundsicherung.

Beifallbeim BSW
Porträt von Andreas Audretsch
Foto: Andreas Audretsch/Sonja Bahalwan
11 Vermerkeca. 827 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir haben eine Rede gehört, ganz zu Anfang, deren sachlichen Inhalt ich sehr anders sehe als der Kollege Linnemann. Dazu komme ich gleich in aller Ausführlichkeit. Und dann haben wir gerade eine Rede gehört, die an Verachtung für die Demokratie, an Verachtung für die Menschen in unserem Land nicht zu übertreffen ist.

Ich finde, dass wir uns hier darauf konzentrieren sollten, die inhaltlichen Punkte sehr strittig zu diskutieren, und die Trennung ganz klar zwischen den Demokraten und den Antidemokraten ganz rechts außen ziehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Damit bin ich bei Herrn Linnemann und bei der CDU/CSU. Ich möchte einmal daran erinnern – ich habe den Titel Ihrer Aktuellen Stunde tatsächlich auch nicht verstanden –, dass das Bürgergeld nicht letzten Sonntag zur Abstimmung stand, sondern am 25. November 2022 hier im Deutschen Bundestag. Es gibt Menschen von der CDU/CSU, die zugestimmt haben. Ich erinnere mich noch sehr gut, dass Friedrich Merz damals triumphal vor die Presse getreten ist, nachdem das Thema im Vermittlungsausschuss war, und verkündet hat, dass man jetzt alles verändert hat, dass man jetzt ein sehr gutes System entwickelt hat.

Sie müssen sich einmal entscheiden: Sie können alles rundweg ablehnen. Dann sagen Sie aber bitte auch, dass Jens Spahn, dass Herr Stracke miserable Arbeit gemacht haben, dass im Vermittlungsausschuss einfach nichts rausgekommen ist,

Das stimmt! Das ist alles genauso gekommen, wie wir vorhergesagt haben!

was die in irgendeiner Weise hätten rechtfertigen können, und dass Ihr Parteivorsitzender damals mächtig danebenlag. Aber beides andauernd gleichzeitig zu machen, ist absolut unglaubwürdig.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Das ist etwas, was man Ihnen vorhalten muss. Sie schaffen es noch nicht mal in der Opposition, eine konsistente Position zu beziehen.

Ich habe einen komplett anderen Ansatz als Sie: Ich bin stolz darauf, dass wir einen Sozialstaat haben, der Menschen dann unterstützt, wenn sie in Schwierigkeiten geraten.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Das stellen wir gar nicht in Abrede, Herr Audretsch!

Das kann ich mit breiter Brust und in aller Offenheit sagen.

Das Problem bei Ihnen ist, dass Sie bei der Frage, ob wir Menschen in Arbeit bringen wollen, und beim Prinzip, dass derjenige, der arbeitet, mehr hat als Menschen, die wenig arbeiten, keine klare Position beziehen. Wir haben das in der Ampel gemacht.

Ich will es einmal aufdröseln: Sie sagen nicht – das habe ich noch nie von Ihnen gehört –, dass Sie die Regelsätze substanziell senken wollen. Ich höre das von Ihnen nicht, weil Sie genau wissen, was das bedeutet, weil Sie genau wissen, dass Sie damit Alleinerziehende, dass Sie Familien zu den Kirchen, zu den Tafeln treiben. Das wäre die Konsequenz. Sie sagen das nicht, weil das dazu führt, dass ältere Frauen in der Grundsicherung Flaschen sammeln müssten, und weil Sie sagen müssten, dass Sie diese Frauen zum Flaschensammeln treiben würden. Deswegen sagen Sie es nicht.

Genau das ist das Problem: Sie müssen sich auch da einmal entscheiden, was Sie wollen. Wollen Sie die Regelsätze senken? Dann will ich, dass Sie das auch mal deutlich sagen. Wenn nicht, hören Sie auf, dieses Spiel zu spielen, immer gegen die zu treten, die sowieso am allerwenigsten haben!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Thema verfehlt!

Einmal die andere Richtung: Wenn man über Lohnabstand spricht, dann ist der zweite Teil der Geschichte, dass wir in Deutschland anständige Löhne haben. Da sind Sie, um ehrlich zu sein, ein absoluter Totalausfall. Auch hier wieder: Sie sind noch nicht einmal in der Opposition in der Lage, eine Position zu diesem Punkt zu formulieren.

Ihr neu gewählter stellvertretender Bundesvorsitzender Karl-Josef Laumann hat bei Ihrem CDU-Parteitag im Mai dieses Jahres einen Antrag gestellt, der exakt das fordert, was wir wollen. Er hat eine Reform des Mindestlohnes gefordert. Ich zitiere mal aus dem Antrag, den Herr Laumann bei Ihrem Parteitag gestellt hat.

Er wurde gar nicht angenommen!

Wörtlich heißt es da: Wir werden die Empfehlung der Mindestlohnrichtlinie der EU umsetzen und die Höhe des Mindestlohns gesetzlich auf 60 Prozent des Medianlohns festlegen. Aktuell würde das etwa einem Mindestlohn von 14 Euro entsprechen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich ergänze: 2025 wären das 15 Euro Mindestlohn.

Ich frage den Generalsekretär, aber auch die Bundestagsfraktion: Was gilt jetzt eigentlich? Will die Union anständige Löhne? Will die Union, dass Menschen von ihren Löhnen leben können, oder möchte sie es nicht? Möchte die Union einen Abstand haben, sodass Menschen, die arbeiten, mehr haben, oder möchte die Union das nicht? Möchte die Union, dass Herr Laumann, der neue stellvertretende Bundesvorsitzende, der, glaube ich, bei diesem Parteitag das beste Ergebnis hatte, gehört wird? Oder passiert es, dass Sie, Herr Linnemann und Herr Merz, Herrn Laumanns Vorschlag im nächsten Satz wieder abräumen, weil Sie nicht in der Lage sind, eine Position zu formulieren? Ich habe dazu nichts von Ihnen gehört. Wenn Sie einmal ernsthaft über diese Sachen reden würden!

Beifalldes Abg. Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich blicke in ganz große Augen, weil Sie keine Antwort haben, weil Sie absolut blank sind, weil Sie an der Stelle nicht in der Lage sind, Antworten zu formulieren, weil Sie nur darauf aus sind, Unfrieden in die Gesellschaft zu tragen, ohne sich einmal zu fragen, wie eine Antwort in der Sache aussehen könnte.

Das, was Sie innerhalb Ihrer Partei nicht hinkriegen, das haben wir in der Ampel mit bedeutend mehr Klarheit hingekriegt. Bei uns ist völlig klar, dass Menschen, –

Porträt von Andreas Audretsch
Foto: Andreas Audretsch/Sonja Bahalwan
ca. 22 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– die mehr arbeiten, mehr haben. Bei uns ist klar, dass Menschen, die eine Ausbildung machen, jetzt viel mehr behalten dürfen als früher.

8 Vermerkeca. 795 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Carsten Linnemann, Sie haben hier gesprochen, haben das Bürgergeld kritisiert und haben Korrekturen angemerkt. Ich finde, das ist der Job der Opposition, das müssen Sie machen in Zeiten, in denen statistisch erwiesen ist, dass Personen zu 6 Prozent weniger in Arbeit aufgenommen werden. Es lässt auch meine Fraktion nicht kalt, wenn weniger Menschen eine Arbeit aufnehmen, weil es sozial ist, wenn Menschen von ihrer eigenen Arbeit leben können und nicht von Sozialleistungen.

Es lässt mich nicht kalt.

Aber, Herr Linnemann, Ihre Kritik wäre glaubwürdiger, würden Sie auch erwähnen, dass Sie selbst dem Bürgergeld zugestimmt haben. Wir hatten ja im Vermittlungsausschuss beispielsweise mit Herrn Spahn und weiteren Kollegen von Ihnen verhandelt, und Sie haben am Ende im Bundesrat zugestimmt.

Ich sitze gar nicht im Bundesrat!

Friedrich Merz hat eine Pressemitteilung herausgegeben, hat gesagt: Das Bürgergeld ist kein bedingungsloses Grundeinkommen. – Sie können das auf Ihrer Website nachlesen – 20. November 2023 –: Das Prinzip von Fördern und Fordern ist erhalten, nur noch der Name ist gleich. – Zitat Stracke. Das ist der Kollege hinter Ihnen, der für Ihre Arbeitsmarktpolitik zuständig ist. – Wer hat gelogen? Haben Sie damals gelogen, wussten Sie nicht, was Sie beschlossen haben, oder haben Sie Ihre Meinung geändert?

Was zählt eigentlich? Die Fakten? Was ist der Ausgangspunkt von Politik: Fakten oder irgendwelche Geschichten vor zwei Jahren?

Ich finde es in Ordnung, wenn man sagt: Ja, wir üben Selbstkritik, und eine Entscheidung war falsch. – Sich aber hierhinzustellen und nur andere zu kritisieren und nicht zu sagen, dass man selbst einen Beitrag geleistet hat, das geht nicht, das ist unglaubwürdig in der Sache.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Meine Fraktion sagt: Ja, wir sind bereit zur Selbstkritik, wir sind bereit zu Korrekturen.

Es ist alles eingetreten, wie wir es gesagt haben!

Wir finden, es ist in der Politik kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen von Stärke, wenn man sagt: Wir nehmen Fehlentwicklungen wahr. – Und ja, wir sind nicht zufrieden damit, dass weniger Menschen in Arbeit vermittelt werden, weil uns das nicht kaltlässt, weil wir den sozialen Wert von Arbeit kennen. Arbeit hat einen sozialen Wert. Arbeit leistet einen Beitrag zur Integration. Menschen, die in einem Job sind, erfahren Anerkennung und haben das Gefühl, gebraucht zu werden. Deswegen darf es diese Koalition nicht kaltlassen, wenn nicht nur Anekdoten, sondern die Statistik beweist, dass 6 Prozent weniger Menschen in Arbeit vermittelt werden. Deswegen sagt meine Partei: Es braucht ein Fairness-Update, und es braucht Korrekturen beim Bürgergeld. Denn Selbstkritik ist ein Zeichen der Stärke und nicht der Schwäche.

Beifallbei der FDP

Ganz konkret sagen wir, dass wir – erstens – eine Nullrunde bei den Sozialleistungen erwarten, damit sich arbeiten lohnt. Es kann nicht sein, dass Sozialleistungen immer weiter steigen. Das verringert die Erwerbsanreize, die Leistungsgerechtigkeit und den Lohnabstand.

Zweitens. Der Bundesfinanzminister hat sich dafür starkgemacht und öffentlich klar eingefordert: Was bei den Sozialleistungen gilt, muss auch bei der Steuer gelten. Wenn wir die Sozialleistungen an die Inflation anpassen und sie mit der Inflation steigen, dann muss der arbeitende Steuerzahler auch weniger zahlen, wenn die Inflation immer weiter steigt. – Er fordert ein Programm von 23 Milliarden Euro Inflationsausgleich bei der Steuer, rückwirkend für dieses Jahr. Denn Arbeit muss den Unterschied machen für diejenigen, die arbeiten.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das Nächste ist: Wir sind auch bereit, weiter darüber zu sprechen, welche Auswirkungen die Sanktionen haben. Wir sind nicht ideologisch. Enzo Weber, der beim IAB forscht und die Politik gut berät, sagt: Sanktionen sollten früher gelten. Wenn jemand einen Termin schon am Anfang nicht wahrnimmt oder eine Arbeitsgelegenheit ablehnt, dann sollte dies direkt mit einer Kürzung von 30 Prozent sanktioniert werden. Das ist nicht verfassungswidrig, sondern ein Gebot der Fairness gegenüber denjenigen, die jeden Tag arbeiten gehen und diesen Sozialstaat finanzieren.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Einfach nur mehr Härte und mehr Gerechtigkeit gegenüber den Steuerzahlern reichen nicht aus, um mehr Menschen in Arbeit zu bringen. – Es gibt etwas, darüber redet die Union sehr wenig, vielleicht weil Sie sich dafür schämen. Bei Hartz IV war es so: Wenn ein junger Mensch, dessen Familie eine Bedarfsgemeinschaft bildete, gesagt hat: „Ich möchte eine Ausbildung machen, das schützt mich vor Arbeitslosigkeit“, dann durfte er von seiner Ausbildungsvergütung von 800 Euro gerade mal 240 Euro behalten. Der Rest wurde auf die Bedarfsgemeinschaft angerechnet. Diesen jungen Menschen haben Sie mit Hartz IV immer wieder gesagt: Für dich lohnt sich arbeiten nicht, für dich lohnt es sich finanziell nicht, eine Ausbildung zu machen, für dich lohnt sich Schwarzarbeit mehr. – Wir haben die Zuverdienstgrenzen für junge Menschen, für Schüler neben der Schule, für Auszubildende verbessert, damit sie mehr von ihrem eigenen Geld haben. Dass Sie das nie verändert haben und diesen über 1,5 Millionen Kindern immer wieder gesagt haben: „Für dich lohnt sich Arbeit nicht“, ist eigentlich das Gegenteil von Leistungsgerechtigkeit, für die wir beide streiten.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Abschließend: Ich habe gesagt, wir sind nicht dogmatisch; wir wollen auch mehr Qualifizierung „on the job“, anstatt nur in der Arbeitslosigkeit zu qualifizieren. Mehr und bessere Qualifizierung ist gut. Da können wir noch mal ein Update beim Bürgergeld machen, besser werden, –

ca. 26 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– damit wir die Menschen im Job qualifizieren und nicht lange in der Arbeitslosigkeit halten. Wir sind für faire Zuverdienstgrenzen auch für Erwachsene, damit sich Mehrarbeit lohnt.

1 Vermerkca. 19 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Für uns geht es um Leistungsgerechtigkeit und nicht um Lässigkeit. Das ist das Prinzip der Freien Demokraten.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
14 Vermerkeca. 547 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich finde diese Debatte wirklich traurig. In der Überschrift der Aktuellen Stunde steht: „Lehre aus der Europawahl“. Ich finde, zu ernsthafter Politik gehört, dass wir alle Demut zeigen und uns alle hinterfragen. Stattdessen werden arbeitslose Menschen benutzt, um Wahlen zu analysieren. Ich frage Sie: Haben Sie einmal darüber nachgedacht, wie sich diese Menschen angesichts dieser Debatte fühlen?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Haben Sie mal die Bürger gefragt, die die Beiträge zahlen?

Ja, wir als Ampelfraktionen haben Hausaufgaben zu erledigen.

Man kann nicht einfach so weitermachen nach so einem Wahlergebnis!

Und ja, wir haben uns zu hinterfragen. Aber ich finde, wenn wir so ehrlich sein können, das zuzugeben und zu sagen, dass wir an manchen Stellen nachdenken müssen, dann würde Ihnen das vielleicht auch gut zu Gesicht stehen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Schauen wir doch einmal: Was hat sich denn bei Ihnen verändert? Europawahlen sind oft Wahlen, bei denen Regierungskoalitionen abgestraft werden. Das war, als Sie regiert haben, nicht anders. Und das kommt normalerweise den demokratischen Oppositionsfraktionen zugute. Sie haben aber sage und schreibe nur 1,1 Prozent dazugewonnen.

Jetzt reden wir über unser Ergebnis!

Jetzt nehmen Sie als Allererstes das Bürgergeld als Lehre aus der Europawahl und fordern hier eine entsprechende Reform.

Sie sind Teil des Problems! Null Selbstkritik!

Ja, es stimmt, Menschen haben soziale Sicherheit als entscheidend für sich angegeben. Und ja, es stimmt, Menschen haben wirtschaftliche Sorgen. Diese Menschen landen aber nicht bei Ihnen, sondern bei den nichtdemokratischen Parteien.

Lachendes Abg. Dr. Bernd Baumann [AfD]

Vielleicht könnten Sie auch einmal fragen, ob das irgendetwas mit der Kampagne zu tun hat, die Sie seit der Bürgergeldreform fahren.

Schauen wir uns doch einmal das Konzept an, das Sie vorschlagen. Sie sagen, die Regelsätze müssten anders berechnet werden. Wie, sagen Sie aber nicht. Sie sagen, der Anpassungsmechanismus sei notwendig gewesen, aber es gebe Akzeptanzprobleme. Sie sagen, Arbeit würde sich nicht mehr lohnen. Das – mit Verlaub – sind Fake News.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Arbeit lohnt sich im Vergleich zu Nichtarbeit immer. Es gibt einen Bereich, wo sich Mehrarbeit nicht besonders lohnt. Wir haben das im Gegensatz zu Ihnen erkannt. Das war nämlich Bestandteil des alten Hartz-IV-Systems, und Sie haben dies in den 16 Jahren Ihrer Regierungszeit nicht einmal angefasst.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wir haben gerade für junge Menschen an diesen Stellen deutliche Verbesserungen vorgenommen. Einkommen bis 1 000 Euro sind inzwischen deutlich bessergestellt. Wir haben eine Studie in Auftrag gegeben, und auf der Grundlage von Fakten werden weitere Reformschritte kommen. So machen wir das.

Ein weiteres Problem, das Sie ansprechen, ist, dass Menschen gar keine Arbeit aufnehmen wollen. Eine Reduzierung der verfestigten Langzeitarbeitslosigkeit haben Sie in Ihrer Regierungszeit aber überhaupt nicht geschafft. Immer wieder gab es Drehtüreffekte, wonach Menschen aus der Arbeitslosigkeit in niedrig entlohnte, prekäre Jobs gekommen sind und dann wieder in die Arbeitslosigkeit. Und dann greifen Sie den Vermittlungsvorrang auf und wollen ihn wieder einführen. Wir sagen: Menschen sollen qualifiziert werden und eine Ausbildung machen, damit sie in gut entlohnter Arbeit landen

Sie erhalten in dem Sinne Arbeitslosigkeit! 200 000 Menschen zusätzlich!

Zurufdes Abg. Jens Spahn [CDU/CSU]

und eben nicht immer wieder im Sozialleistungsbezug. Das haben wir vor einem Jahr eingeführt. Natürlich muss so etwas wirken; denn üblicherweise dauert das Nachholen eines Schulabschlusses oder das Nachholen einer Berufsausbildung ein bisschen Zeit. Also, bevor Sie sagen, dass das, was wir in Qualifizierung und Vermittlung investieren, nicht wirkt, sollten Sie sich vielleicht erst einmal die Wirkungen angucken.

Zurufdes Abg. Jens Spahn [CDU/CSU]

Auch ansonsten haben Sie keinerlei Respekt vor der Lebensleistung der Menschen. Was sagen Sie denn der selbstständigen Hebamme, die sich einen komplizierten Beinbruch zuzieht und deshalb im Bürgergeldbezug landet.

Um die geht es doch gar nicht!

Sie muss sofort aus ihrer Wohnung.

Ach, das ist doch Blödsinn!

– Natürlich landet die im Bürgergeldbezug.

5 Vermerkeca. 40 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sie haben keinerlei Respekt vor der Lebensleistung von Menschen.

Ist das das Niveau, auf dem wir das hier diskutieren, oder was?

Wenn Sie sagen, Sie wollen über gute Sozialpolitik diskutieren, dann sollten Sie sich vielleicht auch mal fragen,

Jetzt wird es ein bisschen schwurbelig!

wie man über gute Sozialpolitik diskutiert,

Betroffenheitsreden sind doch gar keine Lösung! Unsinn!

ohne die Menschen in diesem Land gegeneinander aufzuhetzen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der Linken
Porträt von Janine Wissler
Foto: DIE LINKE. im Hessischen Landtag, CC BY 4.0/ Hanna Hoeft
8 Vermerkeca. 488 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Union schlägt als Lehre aus der Europawahl vor, das Bürgergeld zu kürzen und die Sanktionen für Erwerbslose zu verschärfen.

Nach dem Motto „Eure Armut kotzt uns an“ machen Sie Stimmung gegen Erwerbslose. Und das, meine Damen und Herren, ist schäbig.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Ist das die 2-Prozent-Partei?

Sie versuchen, Menschen gegeneinander auszuspielen, statt zu realisieren, dass genau das und die Abstiegsängste von Menschen die Rechts-außen-Kräfte stärken.

Sie stellen Bürgergeldbeziehende als faul dar.

Schon wieder eine Verleumdung!

Schauen wir uns die Fakten doch mal an! Von den etwa 5,5 Millionen Bürgergeldbeziehern sind erst mal 2 Millionen Kinder und Jugendliche, die eine echte Kindergrundsicherung brauchen statt viel zu niedriger Bürgergeldsätze.

Beifallbei der Linken

Etwa 1,5 Millionen Bürgergeldbezieher sind in einer Maßnahme, in einer Ausbildung oder pflegen Angehörige. Ein anderer Teil ist chronisch krank, ja, weil Krankheit arm macht und Armut krank.

Mehr als 800 000, also etwa 20 Prozent, der Bürgergeldbezieher arbeiten. Sie verdienen aber so wenig, dass der Staat aufstocken muss. Darunter sind viele Frauen, die alleinerziehend sind und in Teilzeit arbeiten; aber es sind auch Vollzeitbeschäftigte darunter. Hier könnte man tatsächlich Geld sparen beim Bürgergeld. Es kostet die Allgemeinheit nämlich über 5 Milliarden Euro pro Jahr, dass Unternehmen zu niedrige Löhne zahlen und der Staat draufzahlen muss. Arbeitgeber sparen Lohnkosten auf Kosten der Allgemeinheit. Damit hat die Union wohl kein Problem. Aber ich sage: Das ist Sozialleistungsmissbrauch.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Deshalb brauchen wir einen Mindestlohn von 15 Euro. Das würde öffentliche Gelder einsparen.

Und dann schauen wir uns doch mal die Sanktionen an. Im letzten Jahr wurden 2,6 Prozent der Bürgergeldbezieher sanktioniert, die allermeisten übrigens, weil Termine nicht eingehalten wurden, und nicht, weil sie eine Arbeitsannahme verweigert haben. Aber wir reden so viel darüber, als sei das die Mehrheit. Statt Erwerbslose unter Generalverdacht zu stellen und zu sanktionieren, sollten wir an der Stelle doch vielleicht mal über Sanktionen für reiche Steuerhinterzieher reden. Da ist nämlich auch viel mehr zu holen.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir reden hier über 100 Milliarden Euro Schaden pro Jahr. Das interessiert diese Law-and-Order-Partei aber nicht.

Statt Armut zu bekämpfen, bekämpft man die Armen. In diesem Land sitzen 7 000 Menschen wegen Schwarzfahrens, wegen Fahrens ohne Fahrschein, im Knast, aber nur einer wegen Cumex, wegen des größten Steuerraubs in der Geschichte der Bundesrepublik.

Deshalb brauchen wir einen Untersuchungsausschuss!

Bei den einen geht es um ein paar Euro, bei den anderen geht es um Milliarden. Die einen handeln aus Not, die anderen aus Gier. Die einen sitzen im Knast, die anderen nicht.

Was die Union macht, ist schäbig. Und ich frage mich wirklich: Was hat das mit einem christlichen Weltbild zu tun?

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und die SPD? Die hat uns nur Hartz IV eingebrockt. Arbeitsminister Heil hat die Debatte um die angeblichen Totalverweigerer selbst losgetreten, statt Armut zu bekämpfen. Da muss man leider sagen: Gelber wird’s nicht. 8 Millionen Menschen erhalten weniger als 14 Euro Stundenlohn. Aber Finanzminister Lindner beklagt die angeblich fehlende Arbeitsmoral. Kein Beschäftigter hat auch nur einen Euro mehr, wenn die Grundsicherung gekürzt wird.

15 Vermerkeca. 652 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir debattieren hier in einer Aktuellen Stunde über ein Thema, das die CDU/CSU-Bundestagsfraktion aufgesetzt hat. Der erste Teil des Titels dieser Aktuellen Stunde von CDU/CSU lautet: „Lehre aus der Europawahl ziehen“. Das Erste, was mir dabei einfallen würde, liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU/CSU, wäre, dass wir als demokratische Parteien der Mitte Populismus und Fake News aus unseren Debatten heraushalten sollten.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Lieber Kollege Middelberg, Sie haben in Ihrer Rede behauptet, es gäbe 2 Millionen arbeitslose Bürgergeldempfängerinnen und -empfänger, die morgen anfangen könnten zu arbeiten. Das war nicht das erste Mal, dass Sie das hier sagen. Vor einigen Monaten, als Sie noch 1,7 Millionen Bürgergeldempfänger gezählt haben, habe ich Sie schon auf Folgendes hingewiesen: 70 Prozent der arbeitsfähigen Hartz-IV-Empfänger bzw. Bürgergeldempfänger haben keinen Berufsabschluss,

Zurufder Abg. Simone Borchardt [CDU/CSU]

und 25 Prozent von diesen haben keinen Schulabschluss.

Dann müssen sie eine Ausbildung machen!

Schauen Sie sich mal die Statistiken unter dem Gesichtspunkt an, wie viele offen gemeldete Stellen es für Ungelernte gibt! Das sind 500 Stellen im Jahr 2022.

Ja, aber das macht doch die Aussage, die ich getroffen habe, nicht falsch! Im Gegenteil!

Da stellt sich doch die Frage, wie Sie das erreichen wollen.

Indem Sie qualifizieren!

Sie streuen Sand in die Augen der Bürgerinnen und Bürger,

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

und das ist der Populismus, der die Ränder links und rechts bei der Europawahl starkgemacht hat.

Lieber Kollege Middelberg, deshalb haben wir wesentliche Veränderungen von Hartz IV zum Bürgergeld vorgenommen, die unter anderem den Schwerpunkt auf langfristige Vermittlung legen.

Das ist ja ganz hervorragend!

Wir haben den Schwerpunkt darauf gelegt, dass wir es Menschen, die keine Qualifikation haben, ermöglichen, eine Qualifikation zu erwerben, damit sie dauerhaft im Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Das ist doch der Kern dessen, was die FDP in diese Bürgergeldreform eingebracht hat.

Nein, der Kern war, dass Sie das Bürgergeld zweimal hintereinander um 11 Prozent erhöht haben!

Zurufdes Abg. Jens Spahn [CDU/CSU]

Das müssen Sie doch zumindest mal anerkennen. Aber entscheidend ist, lieber Kollege Middelberg: Sie dürfen keine falschen Befürchtungen in den Raum stellen. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU/CSU, ist jener Populismus, der die rechten und die linken Populisten im politischen Spektrum starkmacht.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ihnen ist jeder Ehrgeiz abhandengekommen!

Wenn man sich genauer anschaut, welche Sorgen die Bürgerinnen und Bürger vor der Europawahl hatten, dann stellt man in der Tat fest, dass jeder Zweite die Lebensstandardsicherung thematisiert. In der Tat haben viele im Moment die Sorge, wie sie in Zukunft ihren Lebensstandard halten können. Deshalb ist es auch gut, dass die FDP jetzt mitregiert. Wir lassen den Menschen beispielsweise mehr Netto vom Brutto, damit sie sich wieder etwas aufbauen können, damit sie den Wirkungen der Inflation etwas entgegensetzen können.

Und die Sozialversicherungsbeiträge steigen!

Wir haben einen Vorschlag zur Entlastung gemacht: 7 Milliarden Euro beim Wachstumschancengesetz für die Entlastung der Wirtschaft und damit auch für gute Löhne und gute Arbeitsplätze. Sie, Herr Spahn, lieber Jens, haben das über die Länder im Bundesrat blockiert, sodass am Ende nur noch ein Konsens über 3,2 Milliarden Euro Entlastung gefunden werden konnte. Das ist das Problem, das die Bürgerinnen und Bürger in unserem Land haben,

Das war das Thema der Europawahl! Jetzt fällt es mir wieder ein! Bin ich in jeder Veranstaltung drauf angesprochen worden, auf das Thema! Absolut! Das war das Thema!

nämlich dass Sie als Union nicht konstruktiv mitarbeiten, wenn Sie im Bundesrat die Möglichkeit dazu haben. Das ist das Problem, das die Menschen mit unserer Politik hier haben. Da sollten Sie sich künftig etwas anders im Bundesrat benehmen.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufvon der CDU/CSU: Das hat die Europawahl entschieden! Genau!

Sie haben auch unserem Fachkräfteeinwanderungsgesetz nicht zugestimmt, obwohl Sie gerade bei diesem Punkt allen Grund gehabt hätten, einmal öffentlich anzuerkennen, dass Sie in den letzten 10 bis 15 Jahren falsch gelegen haben. Der Fachkräftemangel, der heute unserer Volkswirtschaft jährlich 90 Milliarden Euro entzieht, ist ja nicht vom Himmel gefallen, er ist auch nicht mit der Bundestagswahl 2021 plötzlich über uns gekommen, sondern den konnte man voraussehen. Denn nichts ist so beständig und so sicher voraussagbar wie die Demografie. Sie haben da immer blockiert, übrigens auch Ihre eigene Ministerin Ursula von der Leyen, und sind hier nicht den richtigen Weg gegangen.

Die Große Koalition hat übrigens ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz gemacht!

Sie kriegen noch den Pöbelpreis heute!

Jetzt haben wir das Fachkräfteeinwanderungsgesetz auf den Weg gebracht. Damit werden wir endlich – leider zu spät – den Weg dafür ebnen, dass Menschen mithilfe eines Punktesystems, wie es erfolgreiche Einwanderungsländer haben, in diesen Arbeitsmarkt einwandern können. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist der richtige Weg.

Der Hinweis „Präsident“ blinkt schon.

2 Vermerkeca. 11 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Liebe Kolleginnen und Kollegen, mehr sachorientierte Politik statt Populismus!

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
9 Vermerkeca. 317 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Lehre aus der Europawahl ziehen“ – ja, dann fangen wir mal an. Die schlechteste Bundesregierung aller Zeiten hat von der Bevölkerung die Entlassungsurkunde bekommen,

Aber Sie haben nicht die Ernennungsurkunde bekommen!

und das ist gut so. Denn wer seit Regierungsbeginn in nahezu allen Politikfeldern gegen die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung anregiert, schadet diesem Land. Jeder Tag, an dem diese Bundesregierung weiterregiert, ist ein schlechter Tag für dieses Land.

Beifallbeim BSW

So tief kann man doch gar nicht sinken!

Die zweite Lehre und der zweite Fakt: Das Bündnis Sahra Wagenknecht hat die erfolgreichste Parteineugründung in diesem Land nach fünf Monaten organisiert. Vielen Dank an die Wählerinnen und Wähler! Mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht ist in Zukunft zu rechnen.

Beifallbeim BSW

Die dritte Lehre, die auch die Union ziehen sollte: Es macht keinen Sinn, jetzt neue Brandmauern zu diskutieren.

Die sollen erst mal die alte Brandmauer einreißen!

Wer wie Herr Merz neue Brandmauern diskutiert, muss dann damit leben, dass es in Ostdeutschland nie mehr einen CDU-Ministerpräsidenten gibt.

Das ist ja schon fast Anbiederung hier!

Deshalb, glaube ich, sollten wir uns auf den September freuen. Das Bündnis Sahra Wagenknecht wird die Verhältnisse im September bei den drei ostdeutschen Landtagswahlen zum Tanzen bringen, und das ist auch dringend notwendig.

Beifallbeim BSW

Was der Union als Lehre aus diesem Wahltag einfällt, ist, die Axt an den Sozialstaat zu legen. Ich sage Ihnen, liebe Union und lieber Herr Middelberg: Wenn Sie über die Aussagen der Arbeitnehmer in den Wahlnachbefragungen diskutieren und wenn Sie mit Arbeitnehmern in diesem Land reden, dann werden Sie Folgendes feststellen: Ihr Grundproblem ist nicht das Bürgergeld. Damit haben sie überhaupt kein Problem; denn sie wissen: Wenn das Bürgergeld gekürzt wird, wie Sie es machen wollen, geht es ihnen keinen Deut besser.

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Wovor die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Land Angst haben, ist die zunehmende Deindustrialisierung durch diese Bundesregierung.

Beifallbeim BSW

Das stimmt!

Die Antwort ist nicht, das Bürgergeld zu kürzen, sondern, in dieses Land zu investieren. Wenn Sie einen Beitrag für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer leisten wollen, dann helfen Sie mit, die Schuldenbremse aufzulösen, damit wir endlich in die Zukunft dieses Landes investieren können.

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Schulden für die Zukunft! Das ist doch ein Witz an sich!

ca. 17 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ein Letztes: Wer einen Lohnabstand herstellen will, der sollte für einen höheren Mindestlohn und mehr Tarifbindung sorgen –

2 Vermerkeca. 9 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– und nicht für eine Absenkung des Bürgergeldes.

Vielen Dank.

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Angelika Glöckner
Foto: Deutscher Bundestag / Stella von Saldern
11 Vermerkeca. 688 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Rolle rückwärts – so lässt sich der heutige Unionsantrag beschreiben. Wieder einmal hat die Union ihre Meinung, ihre Richtung geändert. Wir werden heute eine weitere Debatte zum Lieferkettengesetz hören. Auch da sind Sie umgefallen.

Nö! Wir folgen Herrn Habeck!

Herr Habeck hat das doch auch getan!

Ich erinnere mal an den Atomeinstieg/-ausstieg. Wofür steht diese Unionsfraktion denn eigentlich?

Sortieren Sie sich doch bitte mal, und kehren Sie vor Ihrer Haustür!

Kolleginnen und Kollegen, es stellt sich mir schon die Frage, wenn ich diese Debatte heute verfolge: Was ist denn eigentlich das sozialpolitische Konzept der Union? Mit ihrer Forderung, das Bürgergeld abzuschaffen, nimmt die Union den Bürgerinnen und Bürgern die Sicherheit, dass der Staat dann für sie da ist, wenn ein Mensch den Staat braucht.

Auch ein Blick in Ihr Grundsatzprogramm beantwortet die Frage nach dem sozialpolitischen Konzept nicht. Sie haben keine Idee dazu, wie man Menschen, die längere Zeit aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden sind, wieder erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert. Und ehrlich gesagt: Ich habe heute kein einziges Wort darüber gehört, wie Sie das anstellen wollen.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Stephanie Aeffner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Stattdessen spricht die Union diesen Menschen pauschal den Willen ab, zu arbeiten; sie tituliert sie alle als Menschen, die nicht arbeiten wollen.

Ist doch Quatsch!

Das ist zu kurz gesprungen, werte Kolleginnen und Kollegen der Union, genauso wie mit der Idee, immer wieder nur das Prinzip des Förderns und Forderns anzubieten.

Das haben wir von Gerhard Schröder übernommen!

Das reicht nicht mehr; denn diese Idee – sie ist immerhin fast 20 Jahre alt – passt nicht mehr in die aktuelle Zeit.

Wir haben die Grundidee des Förderns und Forderns behalten, und wir haben sie um weitere zeitgemäße Instrumente ergänzt, beispielsweise den Kooperationsplan, mit dem wir dafür sorgen wollen, dass Menschen auf Augenhöhe gemeinsam mit den Jobcentern daran arbeiten können, wie sie wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden können und wie man Schritt für Schritt dieses Ziel erreicht.

Es ist nicht so einfach, wie hier teilweise gesagt wurde, dass Menschen einfach von heute auf morgen per Knopfdruck wieder in den Arbeitsmarkt zurückfinden. Dieser Wahrheit muss man sich stellen, wenn man ehrliche und realistische Politik machen will, und das tun wir.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ein weiteres Instrument ist die begleitende Hilfe für Menschen, die schon lange aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden sind und einfach mehr Unterstützung brauchen, vielleicht weil sie multiple Hemmnisse haben, die verhindern, dass sie wieder in Arbeit kommen. Nichts davon habe ich heute von Ihnen gehört.

Auch die Fokussierung auf Qualifizierung stellen wir wieder in den Vordergrund. Es geht nämlich nicht um die schnelle Vermittlung in den Arbeitsmarkt und in Arbeit, sondern um die Qualifikation für eine Arbeit, die zu den Menschen passt. Gute Qualifizierung und Zufriedenheit sind doch wichtige Säulen dafür, dass Menschen dauerhaft und nachhaltig in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Wir haben doch beim Hartz-IV-System festgestellt, dass genau das eben nicht der Fall war. Deswegen haben wir doch hier das Bürgergeld weiterentwickelt, damit Menschen nachhaltig und gut qualifiziert im Arbeitsmarkt bleiben können.

Beifallbei der SPD

Gute Qualifizierung nützt natürlich auch den Unternehmen und den Betrieben, die heutzutage doch händeringend gut qualifizierte Fachkräfte suchen. Deswegen war es doch wichtig, von dem ursprünglichen System, an dem Sie offensichtlich immer noch festhalten, wegzukommen, progressiv zu sein, nach vorne zu schauen und ein neues Konzept zu entwickeln. Denn wir – das ist doch klar – wollen alle Menschen fitmachen für den Arbeitsmarkt, auch diejenigen, die es bisher noch nicht so einfach hatten. Für uns als SPD ist klar: Wir wollen alle mitnehmen.

Es wurde schon gesagt: Arbeit ist mehr als Broterwerb. Sie schenkt Menschen Vertrauen und Zuversicht, und sie ermöglicht ein selbstbestimmtes Leben. Deshalb sage ich an dieser Stelle: Das Bürgergeld wirkt. Wir reden hier von einem Gesetz, das noch nicht mal zwei Jahre in Kraft ist. Es muss umgesetzt werden; es muss Fuß fassen. Und es wirkt.

Eines will ich an der Stelle noch sagen: Es waren noch nie so viele Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, wie das heute der Fall ist.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Wenn Sie schon davon reden, dass mehr Menschen ins Bürgergeld abgerutscht sind, dann müssen Sie doch auch anerkennen, dass wir einen Angriffskrieg Putins haben und dass wir 1 Million Ukrainerinnen und Ukrainer in dieses System aufgenommen haben.

Gabriele Katzmarek [SPD], an den Abg. Jens Spahn [CDU/CSU] gewandt: Komisch, oder, Herr Spahn? Vergessen?

Und wie viele offene Fachkraftstellen haben wir, Frau Glöckner? Wie viele Fachkraftstellen haben wir denn offen?

Vorgestern hat Herr Selenskyj uns allen dafür gedankt, und auch Sie haben ihn doch dafür beklatscht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Klar ist: –

Porträt von Angelika Glöckner
Foto: Deutscher Bundestag / Stella von Saldern
2 Vermerkeca. 29 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

– Auch Sie wollen Sozialleistungen kürzen. Ich sage Ihnen ganz offen: Die Kürzung der Sozialleistungen, den Sozialstaat zu rasieren, ist mit uns, mit der SPD, nicht zu machen.

Nicht zu machen! Genau!

Vielen Dank.

4 Vermerkeca. 632 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute den Antrag zur Unterstützung der Wissenschaftskommunikation, den wir schon vor ein paar Wochen hier eingebracht haben, besprochen haben und bei dem wir darauf verwiesen haben, dass wir uns in der Anhörung, die wir im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung durchführen würden, mit Expertinnen und Experten auseinandersetzen würden, die sich mit diesem Thema aus verschiedenen Perspektiven, aus verschiedenen Positionen heraus intensiver beschäftigen.

Wenn wir einen Blick darauf werfen, wie diese Anhörung letztendlich lief, dann sehen wir: Es wurde bei allen Expertinnen und Experten ganz klar deutlich, dass eine große Notwendigkeit da ist, die Wissenschaftskommunikation auszubauen. Dieser Ausbau der Wissenschaftskommunikation ist notwendig, damit die wissenschaftlichen Ergebnisse und Erkenntnisse, die teilweise in sehr komplexen, anspruchsvollen Studien ermittelt und in öffentlichen Publikationen geteilt werden, auch ihren Weg in unsere Gesellschaft finden.

Diesen Weg in die Gesellschaft zu finden, ist natürlich deswegen wichtig, weil das dazu beiträgt, Menschen zu befähigen, sich mit den Herausforderungen, mit denen Problemen, mit der Umwelt, mit ihrem eigenen Dasein auseinanderzusetzen. Das bedeutet, dass wir Menschen damit auch befähigen, sich selbstbestimmt in einer zunehmend komplexer werdenden Welt zu bewegen und ihre Entscheidungen zu treffen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es ist des Weiteren nicht nur deutlich geworden, dass wir diese Vermittlung von Wissen auf verschiedenen Wegen durchführen müssen, dass es eben nicht reicht, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine gewisse Zeit ihrer Tätigkeit dafür verwenden, kurz einen Artikel zu schreiben, vielleicht mal ein Interview zu geben, vielleicht mal kurz einen Podcast zu machen, in dem ihre Erkenntnisse dargestellt werden, sondern es ist auch deutlich geworden, dass es immer darauf ankommt: Wer ist der Sender einer Botschaft, wer ist die Empfängerin einer Botschaft, und über welches Medium geht letztendlich solch eine Botschaft?

Deswegen müssen wir – und das wurde auch deutlich – zielgruppenorientiert diese Wissenschaftskommunikation unterstützen. Das bedeutet, dass das, was im Antrag steht – dass wir uns auf die Befähigung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fokussieren, Wissenschaftskommunikation zu betreiben –, ein wichtiger Punkt ist, dass es aber genauso ein wichtiger Punkt ist, dass wir einen unabhängigen, kritischen, reflektierenden Wissenschaftsjournalismus haben.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Denn es ist auch klar, dass wissenschaftliche Ergebnisse manchmal Ergebnisse sind, die uns selbst in unserer eigenen Weltanschauung nicht so gefallen. Es ist aber trotzdem wichtig, dass wir den Menschen verdeutlichen, dass das eben Wissenschaft ist, dass es eine unabhängige Wissenschaft ist, die diese Erkenntnisse generiert, und dass sie dazu beiträgt, letztendlich Lösungen zu finden – Lösungen für die Herausforderungen, die vom Klimawandel bis zum demografischen Wandel reichen und auch das umfassen, was wir gerade vorher hier besprochen haben, auch: Wie gehen wir letztendlich mit sozialer Gerechtigkeit um?

Ehrlich gesagt – ich muss es manchmal sagen –: Es wäre schön, wenn wir, bevor wir debattieren, vielleicht auch mal die Wissenschaftskommunikation zurate ziehen würden und vielleicht noch mal kurz reflektieren würden, wenn wir über Begriffe reden, über Konzepte reden: „Was ist denn vielleicht genau dieses Detail, auf das es ankommt?“, obwohl wir es ja schon so gut wissen. Denn das würde auch die Qualität unserer Debatten sicherlich noch steigern. Es würde uns befähigen, tiefer in die Problemstellung hineinzuschauen.

Das wäre, ehrlich gesagt, auch ein Beitrag der Wissenschaftskommunikation. Es geht nicht nur um die Bürgerinnen und Bürger, die bei einer Langen Nacht der Wissenschaften unterwegs sind, die sich vielleicht an einem Citizen-Science-Projekt beteiligen, sondern es geht auch darum, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in der Politik verwendet werden, dass sie auch dort reflektiert werden, dass sie auch dort verstanden werden.

Deswegen ist es insgesamt wichtig – darüber bin ich auch froh –, dass wir sowohl innerhalb der regierungstragenden Fraktionen als auch in den Debatten im Ausschuss weitgehend darüber einig waren, dass dieses Thema ein förderungswürdiges Thema ist, dass wir uns da anstrengen müssen, dass es insgesamt helfen wird, die Demokratiefähigkeit unserer Bürgerinnen und Bürger zu stärken und zu unterstützen, und dass wir alle davon letztendlich profitieren können.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Katrin Staffler
Foto: Katrin Staffler/ Julia Rieck
8 Vermerkeca. 570 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist ja schon ein Stück weit bemerkenswert: Das zweite Regierungsvorhaben aus dem Bildungs- und Forschungsministerium, das wir heute hier durch den Deutschen Bundestag winken sollen, und genau wie beim BAföG heute in der Früh hat die Ministerin zu ihrem eigenen Antrag irgendwie wieder gar nichts zu sagen; schon spannend.

Das ist aber ein Bundestagsantrag!

Das ist ein Antrag aus dem Parlament und nicht von ihr!

Bemerkenswert, finde ich, ist der Vorgang gerade auch deswegen, weil es jetzt um Wissenschaftskommunikation gehen soll. Dabei betrifft das ja gerade genau die Ministerin, die in dieser Woche wegen ihrer Reaktion auf einen Brief von Wissenschaftlern und der dann im Nachgang erfolgten Kommunikation von ihr Aufsehen erregt hat – wobei, richtigerweise müsste man sagen: nicht durch die Kommunikation, sondern vielmehr durch die Nichtkommunikation Aufsehen erregt hat.

Beifallbei der CDU/CSU

Deswegen will ich vorneweg eine Sache noch mal deutlich machen: Wenn wir hier richtigerweise darüber sprechen – und das ist wichtig –, wie gute Kommunikation durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aussehen sollte, dann sollte sich meiner Meinung nach die zuständige Ministerin dringend auch noch mal Gedanken darüber machen, wie es mit ihrer eigenen Kommunikation ausschaut, insbesondere mit der Kommunikation gegenüber denjenigen, die an den Unis und an den Forschungseinrichtungen die wissenschaftliche Arbeit machen.

Beifallbei der CDU/CSU

Aus gutem Grund gibt es in Deutschland die grundgesetzlich geschützte Wissenschaftsfreiheit. Das Ministerium sollte der alleroberste Beschützer dieser Freiheit sein und sie nicht selber auch noch infrage stellen. Und statt nur, wie es diese Woche passiert ist, an den Mauern des BMBF in FDP-Farben das Thema Freiheit zu plakatieren, sollte sich die Ministerin endlich zu den unglaublichen Vorgängen erklären. Sie sollte sich entschuldigen, und sie sollte den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in diesem Land deutlich machen und sich dazu erklären, dass sie, auch wenn sie wie wir der Meinung ist, dass die Absender des Briefes mit dem, was sie da schreiben, nicht recht haben, zu unseren grundgesetzlichen Werten steht. Ich finde, es wäre allerhöchste Zeit, und es wäre dringend notwendig.

Beifallbei der CDU/CSU

Damit komme ich zu den Maßnahmen aus dem Antrag, den wir beraten. Die klingen nicht nur verdächtig nach dem, was wir als GroKo in der letzten Legislatur auf den Weg gebracht haben, sondern genau genommen sind sie nichts anderes als einfach nur eine Verstetigung dessen. Und ich sage es Ihnen ganz ehrlich: Ja, das begrüßen wir.

Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen so kommuniziert werden, dass sie bei jedem und jeder Einzelnen ankommen.

Dabei ist die sich verändernde Art und Weise der Nutzung von Kommunikationskanälen ja schon eine Herausforderung; das erkennen wir an. Es ist leider eine Herausforderung, die Ihr Antrag nicht oder nur ungenügend behandelt. Das Potenzial, das sich hier bieten würde, lassen Sie vollkommen ungenutzt liegen.

Außerdem sehen wir kritisch, dass Sie keine Mechanismen zur Evaluation planen. Es hat ja schon eine gewisse Relevanz, welche Bevölkerungsschichten von welchen Maßnahmen tatsächlich erreicht und angesprochen werden können, damit man die Kommunikation hinterher noch viel zielgerichteter aufstellen kann.

Zu guter Letzt kommt in Ihrem Antrag die gezielte Ansprache von formal geringgebildeten Teilen der Bevölkerung aus unserer Sicht viel zu kurz. Denn gerade hier zeigt sich doch, dass der wachsende Verlust des Vertrauens in die Wissenschaft ein Riesenthema ist, und es zeigt sich, wie wichtig eine weitere Stärkung der Wissenschaftskommunikation eigentlich wäre.

Mit der zielgruppengerechten Ansprache könnten wir viel gewinnen, gerade auch im Sinne unserer Demokratie. Aber dafür braucht es mehr Engagement. Dafür braucht es mehr Ehrgeiz von Ihnen und mehr als die schlichte Verstetigung von dem, was wir auf den Weg gebracht haben, egal wie gut diese Maßnahmen auch sein mögen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Holger Mann
Foto: Holger Mann/ Photothek Media Lab
9 Vermerkeca. 516 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wissenschaft erzielt ständig neue Erkenntnisse und forscht an Lösungen für die Zukunft. Wissenschaftskommunikation informiert und klärt auf; sie identifiziert Probleme und bietet Lösungen dafür an. Gute Wissenschaftskommunikation weckt zudem Neugier, schafft Aufmerksamkeit und lädt zur Teilnahme ein. Sie bietet Wissen als Grundlage für demokratische Prozesse an, ermöglicht evidenzbasierte Entscheidungen und wirkt so gegen Fake News und Desinformation.

Wissenschaftskommunikation fördert so Resilienz, Zukunftsfähigkeit und Innovationsbereitschaft. Sie stärkt so das Vertrauen in Wissenschaft und auch politische Entscheidungen. Um die Potenziale dieser Wissenschaftskommunikation auszuschöpfen, ist es deshalb wichtig, sie zu professionalisieren und ihre Reichweite über Wissenschaftsjournalismus zu verstärken.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Dr. Stephan Seiter [FDP]

Zukünftig wollen wir die Rahmenbedingungen für Wissenschaftskommunikation weiter verbessern. Ich kann und muss dank der geschätzten Kolleginnen und Kollegen nicht alle 17 Punkte, die wir übrigens gemeinsam hauptsächlich aus dem Parlament und nicht aus dem Ministerium heraus ersonnen haben

Hört! Hört!

– ja, verrückt, dass Regierungsfraktionen auch noch Ideen haben –,

vorstellen, aber ein paar sind uns als Sozialdemokraten doch besonders wichtig:

Erstens. Die Wissenschaftskommunikation ist systematisch in der Forschungsförderung zu verankern, sodass sie integraler Bestandteil von Forschungsvorhaben ist.

Zweitens. Zugleich braucht es dann eben auch einen umfassenden Kompetenzaufbau, der sich an die Kommunikatorinnen und Kommunikatoren wie auch die Wissenschaftler/-innen auf allen Karrierestufen richtet.

Die zum Antrag durchgeführte sehr gute Anhörung hat zudem auf einige unserer Punkte besondere Aufmerksamkeit gelenkt: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden leider immer öfter angefeindet oder gar bedroht, wenn sie ihre Forschungsergebnisse medial kommunizieren – und das übrigens nicht erst seit ihrer wichtigen Rolle als Auf- und Erklärer in der Coronapandemie. Wenn Forschende also dazu ermutigt werden sollen, ihre Erkenntnisse öffentlich zu kommunizieren, müssen sie bei derartigen Anfeindungen beraten und besser geschützt werden. Deshalb wollen wir mit dem Antrag den Scicomm-Support auch staatlich unterstützen und Angriffe auf Wissenschaftler/-innen national systematischer erfassen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Als kleine Replik auf das eben Gesagte, aber ebenso aus grundsätzlicher Überzeugung will ich festhalten: Die freie Rede und der offene Diskurs sind für die Demokratie genauso überlebenswichtig wie für die Wissenschaft. Es ist für die SPD-Fraktion daher völlig klar, dass es keine politische Verteilung oder gar den Entzug von Forschungsmitteln aufgrund persönlicher Äußerungen einzelner Forschender geben darf.

Im Gegenteil: Wir wollen Forschende und Lehrende ermutigen, sich mit ihrer Kompetenz, ihren Erkenntnissen, auch mit ihren Meinungen in öffentliche Debatten einzumischen.

Beifallbei der SPD

Deshalb sei deutlich gesagt: Wir erwarten von der ganzen Bundesregierung, dass sie Verteidigerin der Wissenschafts- sowie Meinungsfreiheit ist.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zurück zu den konkreten Punkten des Antrags. Die Anhörung hat ebenso herausgearbeitet, dass die Förderung des Kompetenzaufbaus von Wissenschaftskommunikatorinnen und -kommunikatoren und Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten durch eine unabhängige Stiftung ein geeignetes Mittel wäre. Wir werben daher nachhaltig für dieses Regierungs- und Koalitionsprojekt. Ebenso wollen wir – Thema Evaluation – die weitere Forschung zur Wissenschaftskommunikation, also die evidenzbasierte Professionalisierung, weiter unterstützen.

Meine Damen und Herren, beides, Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftsjournalismus, wollen wir stärken und schlagen dazu 17 konkrete Maßnahmen vor.

Ich danke meinen Mitberichterstattern für die gemeinsame Arbeit am Antrag, vielen mehr für ihre Expertise und der Mehrheit des Ausschusses für die Zustimmung. Ich hoffe auf einen ebenso breiten Beschluss heute hier im Plenum und dann auf zeitnahe Umsetzung gemeinsam mit dem BMBF.

Danke schön.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der AfD
15 Vermerkeca. 435 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Geehrte Kollegen! Wissenschaft ist, wenn ein Phänomen unklar und umstritten ist. Alles andere ist Lehrbuchwissen. Das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie gilt so lange, bis es von der nächsten Studie widerlegt ist.

Es steht außer Frage, dass dieser Charakter der Wissenschaft als Widerstreit unterschiedlicher Positionen und Interessen viel zu wenig kommuniziert wird.

Beifallbei der AfD

Vielmehr werden vermeintliche wissenschaftliche Tatsachen als Keulen benutzt, um politische Entscheidungen zu verteidigen.

Wer so vorgeht, der missbraucht nicht nur die Wissenschaft, sondern schädigt auch ihr Ansehen.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Maja Wallstein [SPD]

Und doch kann kein Mensch in einer modernen Gesellschaft leben, ohne wissenschaftliche Erkenntnisse bei eigenen Entscheidungen zu berücksichtigen. Eine Wissenschaftskommunikation, die den Menschen dazu in die Lage versetzt, braucht zwei Voraussetzungen: erstens den mündigen, aufgeklärten und ausreichend gebildeten Bürger und zweitens eine ergebnisoffene, nicht wertende, nicht selektive Vermittlung aller wissenschaftlichen Standpunkte.

Beides ist nicht im erforderlichen Umfang gegeben. Das Bildungsniveau befindet sich im freien Fall. Bevor wir über gelingende Wissenschaftskommunikation sprechen, muss der rasante Niedergang des Bildungssystems umgekehrt werden.

Beifallbei der AfD

Noch viel bedenklicher ist jedoch, dass wir bei vielen Themen, wie bei Corona, beim Klima, ja selbst bei biologischen Tatsachen, eine selektive Kommunikation erleben, die die jeweilige Regierungsagenda stärker widerspiegelt als die tatsächliche wissenschaftliche Debatte.

Beifallbei der AfD

Genau so ist es!

Wer deutlich widerspricht, wird delegitimiert und aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen. Fragen Sie dazu mal beim Netzwerk Wissenschaftsfreiheit nach, das Sie wohlweislich aus allen Debatten zum Thema Wissenschaftskommunikation herausgehalten haben!

Ja! Warum wohl?

Nehmen wir die Coronakrise als Beispiel. Diese führen Sie als gelungenes Beispiel der Wissenschaftskommunikation an. Doch das Gegenteil ist der Fall, wie wir spätestens aus den RKI-Protokollen wissen. Wer damals anmahnte, was auch RKI-intern diskutiert wurde, dass nämlich Schulschließungen, die Isolation alter Menschen oder dauerhaftes Tragen von Masken ernsthafte Schäden nach sich ziehe, wurde als Coronaleugner diffamiert. Das war keine Wissenschaftskommunikation; das war diktatorische Unterdrückung eines wissenschaftlichen Diskurses.

Womöglich ist aber genau das gewollt; genau das ist gewollt. Karl Lauterbach jedenfalls plädiert in seinem Buch „Bevor es zu spät ist“ dafür,

im Falle einer Notlage die Demokratie hinten anzustellen

Hört! Hört!

und ein Diktat der Wissenschaft zu etablieren. Das ist nicht nur wissenschaftlich blanker Unsinn;

Das ist Verleumdung!

es wäre Verfassungsbruch.

Beifallbei der AfD

Verfassung schützen! Grüne stoppen!

Sie fordern in Ihrem Antrag eine Fülle neuer Instrumente und Formate der Wissenschaftskommunikation. Wozu? Wir haben den von Ihnen so geschätzten öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Setzen Sie sich doch dafür ein, dass der seinen Bildungsauftrag erfüllt, statt die Opposition zu bekämpfen!

Sie bewerben mit Scicomm ein neues Instrument, um Wissenschaftler vor Anfeindungen zu schützen. Da habe ich gute Nachrichten für Sie: Dieses Instrument gibt es bereits; es heißt Polizei und Justiz. Widerspruch unterhalb der Strafbarkeitsschwelle hingegen kann jeder erwachsene Mensch aushalten – erst recht in der Wissenschaft, wo Streit und Diskurs der Normalfall sind.

Danke.

Beifallbei der AfD

Sehr gute Rede!

Porträt von Norbert Maria Altenkamp
Foto: Norbert Altenkamp/ Klaas Fahr
3 Vermerkeca. 440 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kennen Sie die Geschichte von Max Planck und seinem Chauffeur? Max Planck übte auf jeder Fahrt ein und denselben Vortrag, und seinem armen Chauffeur blieb nichts anderes übrig, als dieselben Sätze und Pointen immer wieder anzuhören.

Eines Tages sagte er: Nun, Herr Planck, ich habe Ihren Vortrag über Quantenphysik schon so oft gehört, dass ich ihn selber halten könnte. Ich möchte, dass wir die Rollen tauschen: Sie sind der Chauffeur und ich der Professor. – Gesagt, getan. Zwei Wochen später hielt der Chauffeur in der TU München im Brustton der Überzeugung den Vortrag so perfekt, dass niemand den Unterschied merkte.

Ein Student fragte ihn sogar: Wie genau hat Sie Ihre Entdeckung des Wirkungsquantums zur Begründung des quantisierten Energieaustauschs in der Schwarzkörperstrahlung geführt? Der Chauffeur antwortete trocken: Nie hätte ich gedacht, dass in einer so fortschrittlichen Universität eine so einfache Frage gestellt würde; ich werde meinen Chauffeur bitten, diese Frage zu beantworten.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallder Abg. Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Liebe Kolleginnen und Kollegen, warum erzähle ich diese Geschichte? Wissenschaftskommunikation braucht auch heute Begeisterung, Witz, Überzeugung und Esprit. Fantasie und Kreativität sind gefragt, damit mehr Forscher die Leidenschaft für ihre Projekte mit anderen teilen – gerne auch mit ein paar Tricks, damit auch Laien den Nutzen neuer Technologien verstehen, lernen, wie Wissenschaft überhaupt funktioniert, und sich im besten Fall selber vom Forschergeist anstecken lassen.

Die Expertenanhörung zu Ihrem Antrag hat bestätigt: Der intensive Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft wird immer wichtiger in einer Zeit, die von komplexen Herausforderungen und einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft geprägt ist. Guter Wissenschaftsdialog fördert die Innovationsbereitschaft und das Vertrauen in Politik und Wissenschaft. Er ist gleichzeitig das schärfste Schwert gegen Unwissenheit, Technikangst, Fake News, Desinformation, Polarisierung und Ausgrenzung.

Um mehr jüngere Menschen zu erreichen, muss man sie da abholen, wo sie sich wohlfühlen. Deshalb sollten Forscherinnen und Forscher eng mit Social-Media-Experten und Influencern zusammenarbeiten. Die beiden Youtube-Spezialisten der Kanäle „Breaking Lab“ und „Senkrechtstarter“ haben in der Anhörung eindrucksvoll geschildert, wie das gut funktionieren kann. Wie wichtig gerade solche Formate sind, das schreiben Sie in Ihrem Antrag leider nicht.

Leider auch eine Leerstelle im Antrag: Qualitativ hochwertige Wissenschaftskommunikation braucht vor allem mehr finanzielle Unterstützung. Das betrifft auch den in einer Krise steckenden Wissenschaftsjournalismus. Trotz einiger Lücken ist Ihr Antrag ein wichtiger Antrag. Er setzt auf Kontinuität. Deshalb stimmen wir ihm zu.

Zum Schluss kann ich Ihnen eine Bemerkung aber doch nicht ersparen: Wissenschaftskommunikation wirkt nicht nur nach außen, sie hat auch eine besondere Wirkung nach innen. Und die Signale, die über die Wissenschaftskommunikation des Forschungsministeriums kürzlich ausgesandt wurden, gerade mit Blick auf den Umgang mit kritischen Wissenschaftlern, haben leider Gottes mit Wissenschaftsfreiheit nichts zu tun.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Maja Wallstein
Foto: Maja Wallstein/ Susie Knoll
6 Vermerkeca. 562 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Hochgeschätzte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Besucherinnen und Besucher, schön, dass Sie da sind. Es geht um das Thema Wissenschaftskommunikation. Was wir hier an diesem Pult betreiben, ist politische Kommunikation.

Ich würde gerne etwas anderes behaupten; aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir sagen: Wenn wir hier in diesen Sesseln sitzen, sind wir nicht sonderlich produktiv. Warum? Weil die Kollegen aus den Ausschüssen bereits wissen, zumindest ungefähr, was ich zum Thema „Wissenschaft und Forschung“ sagen werde, weil wir das im Ausschuss mehrfach besprochen haben, weil wir Anhörungen und Sitzungen dazu durchgeführt haben. Das hier ist vor allem für Sie, liebe Besucherinnen und Besucher. Ob wir das hier sonderlich gut machen, das müssen Sie selbst entscheiden.

Ich finde, dass Sie, Herr Altenkamp, das – mit kleinen Abzügen – sehr schön gemacht haben.

Beifallder Abg. Dr. Carolin Wagner [SPD]

Fakt ist aber: Es reicht nicht, hier zu kommunizieren. So in etwa muss man sich das bei der Wissenschaftskommunikation auch vorstellen. Darum geht es auch in unserem Antrag. Es geht darum, klarzumachen, dass Wissenschaftskommunikation nichts ist, was Forschende allein machen können. Da müssen wir schon alle ran. Warum ist das wichtig? Der erste Satz in unserem Antrag lautet:

„Wissenschaft erzielt permanent neue Erkenntnisse und forscht an den Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit und Zukunft.“

Alle Erkenntnisse, die in der Wissenschaft gewonnen werden, werden praktisch minütlich, nonstop wieder von der Wissenschaft selbst hinterfragt. Das ist das Faszinierende an Wissenschaft. Das ist das, was Wissenschaft so stark macht. Und darum ist falsch, was die extreme Rechte immer wieder behauptet: dass es eine politisch gesteuerte Wissenschaft gebe.

Das hat doch die Ministerin gerade versucht! Was erzählen Sie denn da?

Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse werden tatsächlich immer wieder überprüft, doch die extreme Rechte kommt jedes Mal mit ihrem Zweifel, den sie an der guten Wissenschaft hat.

Tanzen Sie besser! Das können Sie besser!

All diese Zweifel lassen sich bislang nicht belegen, also so gar nicht, was die extreme Rechte natürlich nicht daran hindert, trotzdem immer wieder alternative Fakten, sprich: Unfug, zu verbreiten.

Moderne Wissenschaft und Forschung ist pluralistisch. Sie verkündet keine alleinige Wahrheit. Die Wissenschaft hat keinen Allmachtsanspruch. Weil das so ist, muss sich Wissenschaft Vertrauen und Rückhalt in der Gesellschaft erarbeiten.

Professor Vogel, der Generaldirektor des Naturkundemuseums hier in Berlin, hat mal gesagt, eigentlich müsse die Wissenschaft einen Tag pro Woche raus zu den Leuten. Das kann ich nur unterstützen. Ich möchte das mit einem Beispiel von mir zu Hause, aus der Lausitz, unterlegen: Das war jahrzehntelang eine Braunkohleregion. Viele hatten Angst vor dem Kohleausstieg, vor der Transformation, dem Strukturwandel, weil wir eben viele Strukturbrüche erlebt haben.

Gleichzeitig haben wir aber keinen Erkenntnismangel, beispielsweise im Bereich der Klimaforschung. Wir erleben auch bei uns zu Hause einen sinkenden Grundwasserspiegel, Hitze, Seen, die austrocknen, immer wieder massive Waldbrände, verursacht durch die Klimakrise. Die Leute sehen das. Was Wissenschaftskommunikation leistet, ist, den Menschen die Notwendigkeit näherzubringen, das Klima zu schützen und Zusammenhänge zu erklären.

Das können die Forscherinnen und Forscher nicht allein leisten. Die Aufgabe ist deutlich größer. In unserem Antrag fordern wir daher:

„Forschende sollen noch systematischer bei ihrer Wissenschaftskommunikation unterstützt werden. Auch mit Bereichen außerhalb der Wissenschaft bedarf es Kooperation und Verzahnung.“

Jetzt kommen Sie ins Spiel:

„Daher ist es wichtig, Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger für die Arbeits- und Funktionsweisen der Wissenschaft noch stärker zu sensibilisieren.“

Denn wenn man weiß, wie Wissenschaft funktioniert, dann glaubt man den Unfug nicht, den die extreme Rechte verbreiten will.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist ja Gott sei Dank keine Glaubensfrage!

Da haben wir offensichtlich noch viel zu tun; aber eben, meine Damen und Herren, wir alle gemeinsam.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Ruppert Stüwe
Foto: Photothek
9 Vermerkeca. 392 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! In diesem Antrag zum Thema Wissenschaftskommunikation sind für mich drei Punkte wichtig.

Erstens. Wir müssen die Möglichkeit schaffen, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kommunizieren können. Dass eigene Erkenntnisse über den Kreis des eigenen Fachs hinaus vermittelt werden, darf kein Nachteil sein, wenn es um die wissenschaftliche Karriere geht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Diejenigen, die kommunizieren wollen, müssen wir dazu auch befähigen. Dafür braucht es entsprechende Angebote. Das heben wir in unserem Antrag hervor, in dem wir fordern, die Wissenschaftskommunikation systematisch auf allen Karrierestufen und in der Förderstruktur des BMBF zu verankern.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Zweitens. Wir müssen nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch die Methoden, mit denen in der Wissenschaft gearbeitet wird, vermitteln. Wir müssen sie erfahrbar machen und dafür sorgen, dass schon Kinder mitbekommen, wie spannend Forschen sein kann, dass wir in Citizen-Science-Projekten möglichst vielen die Möglichkeit geben, Teil des Erkenntnisprozesses zu sein. Die entsprechende Förderlinie wollen wir stärken; auch das steht in unserem Antrag.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass wissenschaftliche Methoden im öffentlichen Diskurs immer öfter infrage gestellt werden. Zu oft ersetzt die Anekdote die Evidenz, zu oft werden wissenschaftliche Erkenntnisse und politische Meinung verwechselt. Auch in diesem Haus haben wir eine Kraft, die das versucht – im Umgang mit Klimawandel oder zum Beispiel bei der Pandemie –, indem sie Meinungen gleichberechtigt nebeneinanderstellt, wo in der Wissenschaft doch ganz klar ist, was die Mehrheit der Wissenschaft meint, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Wir können die methodisch fundierten Erkenntnisse nicht als bloße Meinung abtun, wenn wir vernünftige Politik machen wollen.

Das bringt mich zu meinem dritten Punkt: Dort, wo Wissenschaft kommuniziert, müssen wir sie vor Anfeindungen schützen. Natürlich muss sich Wissenschaft der gesellschaftlichen Auseinandersetzung stellen.

Ja, was jetzt?

Aber das ist etwas anderes als der Hass und die Hetze, die manchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entgegenschlägt.

Hier braucht es entsprechende Unterstützungsstrukturen wie das Projekt Scicomm-Support. Denn nicht die Wissenschaft, sondern die demokratisch legitimierte Politik trifft die Entscheidungen. Wir dürfen uns dabei nicht hinter Wissenschaft verstecken; auch das gehört dazu.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Und wir müssen klarstellen: Arbeitsverhältnisse und Fördermittel in der Wissenschaft werden nach wissenschaftlichen Kriterien vergeben. Wenn es in den letzten Tagen Zweifel an dieser Linie gab, muss das vom Ministerium richtiggestellt werden.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Ich freue mich, dass wir heute einen Antrag beschließen, mit dem wir dafür Sorge tragen, dass wir die wissenschaftliche Erkenntnis in die gesellschaftliche Diskussion einbinden. Stimmen Sie diesem Antrag zu!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
12 Vermerkeca. 717 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kurze Vorbemerkung zur AfD: Wenn wir in einer Diktatur leben würden, dann wären 100 Coronaleugner 100 Häftlinge.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Ich muss ganz ehrlich sagen: Das Land der Meinungs- und Versammlungsfreiheit ist Deutschland,

Das haben wir gesehen, wie es um die Versammlungsfreiheit bestellt war! Mit Schlagstöcken und Knüppeln auseinandertreiben!

auch wenn man hier jeden Schwachsinn auf der Straße verzapfen darf.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Stephan Seiter [FDP]

Zurück zum Thema. Schön geschwungen, mit Lebensräumen für Tiere und Pflanzen: Ob Bäche im Einklang mit der Natur stehen, lässt sich schnell erkennen. Obwohl Biodiversität und intakte Ökosysteme für uns Menschen unverzichtbar sind, wissen wir viel zu wenig über Bäche; denn meistens werden nur die großen Fließgewässer überprüft.

Um das zu ändern, haben Forschende des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig Citizen-Science-Projekte ins Leben gerufen. Ein Beispiel: Bürgerinnen und Bürger erforschen Fließgewässer und schaffen gemeinsam Wissen – kurz: FLOW.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit unserem Antrag, den wir heute abschließend beraten, wollen wir die Bedingungen für Wissenschaftskommunikation verbessern, damit Wissenschaft und Gesellschaft noch enger in den Dialog treten und gemeinsam Wissen schaffen können.

Wissenschaftskommunikation ist neben Forschung und Lehre integraler Bestandteil guter Wissenschaft. Deswegen setzen wir uns dafür ein, dass Forschende schon in der Ausbildung lernen, wie sich Erkenntnisse und Ergebnisse besser kommunizieren lassen und die Gesellschaft stärker einbezogen wird. Dafür braucht es Anerkennung sowie zeitliche und finanzielle Ressourcen. Exzellente Wissenschaftskommunikation sollte für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Karrierevorteil sein.

Diese Peilung bringen wir heute auf den Weg und schlagen auch vor, mit einem neuen, gut dotierten Preis der Bundesregierung zu mehr Sichtbarkeit von Wissenschaftskommunikation beizutragen. Höchste Zeit dafür!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Kriegt dann wieder eine Grüne!

Zurück zu den Bächen. Dank des BMBF-geförderten FLOW-Projekts wissen wir, dass Bäche hierzulande leider durch Pflanzenschutzmittel massiv belastet sind. Über 900 Bürgerinnen und Bürger haben sich beteiligt, Daten über Bäche vor Ort gesammelt und dabei einen Umweltskandal aufgedeckt. Danke dafür!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Stephan Seiter [FDP]

Neben neuem Wissen über Bäche wurde Wissenschaft damit auch erlebbar. Citizen-Science-Projekte, Reallabore und Experimentierräume – wie zum Beispiel InnovationCity in Bottrop – schlagen Brücken. Deswegen wollen wir, dass partizipative Formate weiterentwickelt werden. Denn sie sind Fundgrube für die Wissenschaft und für die Gesellschaft.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Stephan Seiter [FDP]

Wissenschaft und Gesellschaft profitieren beide von dieser Perspektivenvielfalt. Denn wer über den ökologischen Zustand von Gewässern mitforscht, lernt eine ganze Menge über Natur, Umwelt und Landwirtschaft. Wenn Wissen gemeinsam geschaffen wird, entstehen Verbindungen. Teilnehmende erfahren Selbstwirksamkeit. Mitmachen und Kontakte schaffen Vertrauen. Wenn Sie die „Stiftung Kinder forschen“ besichtigen, sehen Sie, wie begeistert Kinder und Jugendliche tüfteln; auch das ist ein großartiges Format von Wissenschaftskommunikation.

All das dient unserer Demokratie und auch faktenbasierten Entscheidungen in der Politik.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Lassen Sie uns uns deshalb weiter anstrengen, auch jene besser durch Wissenschaftskommunikation zu erreichen, die eher wenige Berührungspunkte zur Wissenschaft haben. Wie erreichen wir in unserer sehr vielfältigen Diversity-Gesellschaft andere Communitys? Damit sollten wir uns alle miteinander beschäftigen.

Und hier kommt Journalismus ins Spiel. FLOW wird seit Kurzem im Rahmen der ARD-Mitmachaktion #unsereFlüsse weitergeführt. Bei der Vermittlung von Wissenschaft spielt der Journalismus eine bedeutsame Rolle; denn er erschließt weitere Zielgruppen. Der Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft lebt von einem guten, einem unabhängigen Wissenschaftsjournalismus, der aus der Forschungswelt berichtet, Ergebnisse einordnet und gesellschaftliche Debatten sortiert.

Damit Wissenschaftsjournalismus trotz zahlreicher Umbrüche in der Medienlandschaft besteht, setzen wir uns für eine Stiftung ein, die Wissenschaftsjournalismus fördert – unabhängig und staatsfern. Ideen für eine solche Stiftung liegen vor. Mit einem bundesweiten Kapitalstock in Höhe von einzelnen Millionen Euro könnte eine Verbrauchsstiftung Innovationen im Wissenschaftsjournalismus ordentlich vorantreiben und auch privates Kapital dazu akquirieren. Bewährte Stiftungsmodelle zeigen, dass es geht. Also lassen Sie uns das jetzt aufgleisen!

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Liebe Kolleginnen und Kollegen, in den letzten Wochen haben wir viel über die Angriffe gegenüber Politikerinnen und Politikern diskutiert. Auch Forschende erleben tagtäglich Angriffe, erschreckend viele. Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, die vor einem Monat veröffentlicht wurde, haben 45 Prozent aller Forschenden bereits persönliche Angriffe aufgrund ihrer Forschungsarbeit erlebt – nicht verwunderlich infolge der wissenschaftsfeindlichen Hetze der AfD gegen Virologen, Klima- und Queer-Forschende. Hören Sie damit auf; denn es gehört sich nicht!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Stephan Seiter [FDP]

Wir dürfen nicht zulassen, dass sich Forschende aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Darum ist es gut, dass bottom-up aus der Wissenschaft heraus Scicomm-Support als Anlaufstelle für bedrohte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entstanden ist.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Der nächste Schritt sollte eine nationale Kontaktstelle sein, die berät und schützt – auch, wenn die AfD sie mal wieder beleidigt.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler benötigen unsere Rückendeckung für Freiheit in Verantwortung. Mehr Dialog zwischen Forscherinnen und Forschern mit Bürgerinnen und Bürgern ist vertrauensbildend.

2 Vermerkeca. 9 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vertrauen in Wissenschaft ist ein hohes Gut.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Zwischen dem, was Sie sagen, und dem, was Sie tun, liegen Welten! Welten!

Beifallbei der CDU/CSU
2 Vermerkeca. 453 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wissenschaft ohne Kommunikation ist wie eine Lampe ohne Strom: Es leuchtet, aber niemand kann es sehen. Diese Bemerkung wird dem US-amerikanischen Wissenschaftskorrespondenten Joe Palca zugeschrieben. Recht hatte er.

Wir haben nun schon eine Menge Argumente für eine Stärkung der Wissenschaftskommunikation gehört und ein paar gute Beispiele, auch aus den öffentlich-rechtlichen Medien. Aus eigener Erfahrung kann ich nur bestätigen, wie notwendig, aber auch wie schwierig es zuweilen ist, wissenschaftliche Erkenntnisse unters Volk zu bringen, sie populär – nennen wir es ruhig so – zu vermarkten.

Das habe ich erlebt, als ich in der ersten Legislaturperiode nach der Wende hier in Berlin Pressesprecherin beim Wissenschaftssenator war. Nur mit Medizinthemen war es überhaupt denkbar, auf die allgemeinen Politikseiten einschlägiger Medien zu kommen. Die eigene Betroffenheit potenzieller Leserinnen und Leser war ausschlaggebend dafür, sich für neue Erkenntnisse aus der Welt der Forschung zu interessieren. Und dann brachten es eben auch die Medien. Wie gesagt, nur bei Medizinthemen.

Bei all den anderen, teilweise ja hochspannenden und aufregenden Themen waren wir letztlich angewiesen auf Medien, die sich eigene Seiten für die Wissenschaft gönnen – einmal in der Woche zum Beispiel –, oder auf Fachpublikationen. Dabei hätte es oft sogar einen großen Unterhaltungswert gehabt. Dabei wären diese Erkenntnisse für viele Menschen von Belang und Interesse gewesen. Dabei hätten sogar die infrage kommenden Medien selbst damit glänzen können.

Vor allem: Dabei täten wir alle unserer Gesellschaft und, ja, auch unserer Demokratie einen großen Gefallen;

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

denn es sind die Vordenker, die Intellektuellen, die Geistesgrößen einer Gesellschaft, die unser aller Fortschritt sichern. Sie sind es, die mit ihrem Mut zum Experiment, das immer auch das Risiko des Scheiterns in sich trägt, neue Erkenntnisse gewinnen.

Damit sie dies unabhängig und frei tun können, muss der Staat ihre Freiheiten durch großzügige Rahmenbedingungen schützen und mit Respekt vor der Autonomie der Institutionen, Frau Ministerin, und vor der Freiheit der Wissenschaft agieren. Nur so entsteht Fortschritt, wird Avantgarde möglich. Eine blühende Wissenschaft ist nicht das Ergebnis unseres Wirtschaftswachstums, sondern sie ist dessen Voraussetzung. Sie geht der Wirklichkeit voraus.

Tue Gutes und rede darüber: Diese Maxime gilt allemal auch für das Wissenschaftssystem. Und ja, wir müssen die Forschenden ertüchtigen. Wenn sie ihr eigenes Marketing nicht so beherrschen, dann müssen wir die Echokammer für das sein, was sie uns zu sagen haben. Dann sollten auch die Medien die Verantwortung für die Übersetzung wissenschaftlicher Leistung in populäre Sprache übernehmen.

Und ja, dann müssen wir alle immer wieder bereit sein, Zumutungen auszuhalten, die mit der Verbreitung manch unbequemer Erkenntnisse einhergehen. Und ja, dann müssen wir alle die Überbringer dieser Nachrichten auch beschützen, wenn sie Anfeindungen, zum Beispiel von rechts außen, ausgesetzt sind.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Vor allem aber sollten wir bereit sein, dies alles nicht allein den Wissenschaftlern zu überlassen, –

2 Vermerkeca. 30 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– sondern unseren eigenen Beitrag zu einem offenen und kommunikativen System leisten. Also, die Wissenschaft nicht unter den Scheffel stellen, sondern unter Strom, damit die Leuchte auch wirklich wirkt.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
9 Vermerkeca. 554 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! So sieht konstruktive Oppositionsarbeit aus: Da hat der Wirtschaftsminister einmal eine gute Idee, nämlich die Aussetzung des Lieferkettengesetzes, wird dabei auch noch vom Justizminister unterstützt, und heute bieten wir Ihnen die Gelegenheit zur zeitnahen Umsetzung dieser Idee des Vizekanzlers.

Beifallbei der CDU/CSU

Serviceopposition!

Denn mit bloßem Fordern, lautem Nachdenken darüber – das mag ja in sein –, was man vielleicht tun könnte, müsste oder vielleicht auch doch nicht, ist niemandem geholfen. Taten sind gefragt.

Meine Damen, meine Herren, ich spreche trotz etwas angeschlagener Stimme heute bewusst in dieser Debatte als jemand, der an dem Kompromiss für das deutsche Lieferkettengesetz mitgewirkt hat. Und ich will begründen, warum ich heute für unseren Gesetzentwurf werbe.

Das Gesetz in Deutschland – das ist mein erster Punkt – wollte die Wirksamkeit für Menschenrechte mit der Handhabbarkeit und Rechtssicherheit für unsere Wirtschaft verbinden. Richtiges ist uns dabei gelungen. Ich nenne nur die Differenzierung zwischen dem ersten unmittelbaren Zulieferer und weiteren Zulieferern im Verlauf der Lieferkette. Leider findet sich diese wichtige Differenzierung in der zukünftigen EU-Regulierung nicht mehr.

Beifallbei der CDU/CSU

Bei anderen Punkten – das müssen wir zugeben; das gehört dazu – sind wir über das Ziel hinausgeschossen. Damit meine ich nicht zuletzt die vielfältigen Berichtspflichten, die denen das Leben schwer machen, die sie zu erfüllen haben.

Und das ist ja keine Spezialerkenntnis von uns. Dass diese Berichtspflichten wegmüssen, hat Herr Habeck in einem Interview im September des letzten Jahres gesagt, und er fügte hinzu: Und dies so schnell wie möglich.

Beifallbei der CDU/CSU

Das war vor neun Monaten! Das ist aber Tempo, Herr Habeck!

Hubertus Heil hat beim öffentlichen Ringen um die Ampelpositionierung gegenüber der EU-Regulierung die Aussetzung dieser Berichtspflichten ausdrücklich angeboten. War das jetzt nur Verhandlungsmasse im Koalitionspoker, oder war das wirkliche Überzeugung? Für uns ist jedenfalls klar: Eine Bürokratie, die es nicht braucht, muss weg!

Beifallbei der CDU/CSU

Das gilt – damit bin ich beim zweiten Punkt – erst recht in der augenblicklichen wirtschaftlichen Lage. Wir erleben, spätestens seit dem Angriffskrieg Putins auf die Ukraine, dass weltweit Lieferketten massiv unter Stress geraten sind, zum Teil zerstört wurden. Wir wollen aus politischen Gründen, auch um Abhängigkeiten von einzelnen Ländern wie China zu verringern, die Lieferketten verbreitern, mehr Lieferbeziehungen erzeugen. Diese Diversifizierung darf gerade für kleinere und mittelständische Betriebe nicht erschwert werden. Wer mehr internationalen Handel will, muss internationalen Lieferketten den Rücken stärken

Beifallbei der CDU/CSU

und darf sie nicht ohne Not erschweren.

Damit bin ich beim dritten Punkt. Wenn wir das deutsche Lieferkettengesetz aufheben, dann kommt es ja nicht zu einem ungeregelten Zustand. Wir sind in der Verpflichtung, in den nächsten zwei Jahren eine europäische Richtlinie in nationales Recht umzusetzen; das tritt dann, wie in der Richtlinie vorgesehen, schrittweise in Kraft.

Nun ist es der Ampel leider nicht gelungen, das deutsche Lieferkettengesetz gleichsam zur Blaupause für eine kluge europäische Regelung zu machen.

Mein Gott!

Das führt zu der absurden Situation, dass wir in Deutschland eine Doppelbelastung haben: Die Unternehmen müssen einem noch geltenden Gesetz mit Berichtspflichten genügen; gleichzeitig müssen sie sich auf eine sich davon wesentlich unterscheidende neue Regelung einstellen. Es ist Unsinn, ihnen so etwas zuzumuten.

Beifallbei der CDU/CSU

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, das BAFA, sollte jetzt nicht Berichte anfordern und prüfen, sondern bestmöglich unsere Unternehmen beraten im Hinblick auf die Vorbereitung auf die zukünftig geltenden europäischen Regeln. Das sollte auch der Helpdesk Wirtschaft und Menschenrechte der Bundesregierung tun.

Wir brauchen jetzt eine Stärkung der Menschenrechte, der verantwortlich gestalteten Lieferketten, aber eine Abschaffung unnötiger Bürokratie. Stimmen Sie unserem Gesetzentwurf zu!

Beifallbei der CDU/CSU

Das machen wir natürlich nicht!

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Gerrit Huy
Foto: Gerrit Huy/ Marcus Vetter, Fotostudio Seefeld
11 Vermerkeca. 539 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kollegen! Liebe Zuschauer! Werte Kollegen von der Union, als ich vor zwei Tagen gehört habe, dass Sie hier einen Gesetzentwurf zur Abschaffung des deutschen Lieferkettengesetzes vorlegen wollen, war ich richtig begeistert. Dann habe ich den Entwurf gelesen: Sie wollen das Gesetz nur zugunsten der viel schärferen EU-Richtlinie abschaffen. Meine Damen und Herren, die EU-Richtlinie gehört doch erst recht abgeschafft!

Beifallbei der AfD

Wir von der AfD haben übrigens allein in diesem Jahr schon zweimal den Antrag gestellt, das deutsche Lieferkettengesetz abzuschaffen, und Sie haben es beide Male abgelehnt. Da machen Sie sich doch mit diesem Gesetzentwurf völlig unglaubwürdig.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Jens Spahn [CDU/CSU]

Tatsächlich hat schon das deutsche Lieferkettengesetz zu massiven Verwerfungen im Ausland geführt. Bei meinen Besuchen in Afrika und Südamerika bin ich mehrfach von örtlichen Unternehmern angesprochen worden, die eigentlich mit deutschen Firmen zusammenarbeiten wollten, meistens größere Mittelständler. Die haben aber dann geantwortet: Geht nicht, das Lieferkettengesetz können wir nicht stemmen.

Das gilt doch dann erst recht für die noch viel strengere EU-Richtlinie. Hier müssen extreme Standards erfüllt werden. Um nur ein Beispiel unter vielen zu nennen: Unternehmen müssen zukünftig sicherstellen, dass keinem Arbeiter der Zugang zu Sanitäranlagen erschwert wird. Da können Sie mit Entwicklungsländern nicht mehr viel Handel treiben. Oder wollen Sie den deutschen Unternehmen auferlegen, erst mal die örtliche Sanitärstruktur aufzubauen? Das funktioniert doch alles nicht.

Genauso schlimm: Unternehmen sollen in ihrer Planung zukünftig sicherstellen, dass ihr Geschäftsmodell und ihre Strategie mit dem Pariser Klimaabkommen in Einklang stehen, also sie sollen sicherstellen, dass das 1,5-Grad-Ziel erreicht wird. Das ist schlicht absurd.

Beifallbei der AfD

Dann wird es auch noch richtig ungemütlich. Bei Verstößen gegen Menschenrechte sollen Unternehmen künftig vor europäischen Gerichten zur Rechenschaft gezogen werden können. Wenn irgendwo in einer Unter-unter-unter-Lieferkette ein zwölfjähriges Mädchen mit anpackt, dann müssen die Unternehmen haften und alle Beschädigten und Geschädigten vollständig entschädigen. Vielleicht auch dann, wenn die woke Welt ihre Klimaziele nicht erreicht? Das ist einfach irre und garantiert auf grünem Mist gewachsen.

Beifallbei der AfD

Wissen Sie, was tatsächlich passieren wird? Unsere Firmen werden aus dem Markt hinausreguliert. Oder um es mit Wirtschaftsminister Habeck zu sagen: Den Firmen brechen nicht die Lieferketten ein, sie können nur nicht mehr mit Drittländern handeln. Aber es gibt da schon jemanden, der nur darauf wartet, einzuspringen, und das ist unser großer Konkurrent China.

Ihr Freund!

Die Firmen haben mir gesagt, sie seien schon im Gespräch.

Sie schreiben in Ihrem Gesetzentwurf, die Bundesregierung hätte die EU-Verschärfungen nicht verhindern können.

Das ist eine Feststellung des Ergebnisses!

Wirklich? Der größte EU-Financier kann sich in der EU nicht mehr durchsetzen, kann nicht verhindern, dass unsere Firmen zukünftig für die Ungerechtigkeit der Welt haften müssen? Da kann man doch nur noch den Kopf schütteln.

Beifallbei der AfD

Sie aber, liebe Kollegen von der Union, hätten den ganzen Irrsinn doch stoppen können, indem nämlich die EVP unter ihrem Chef, Unionsmann Manfred Weber, geschlossen gegen die EU-Richtlinie gestimmt hätte. Das ist aber nicht geschehen. Viele Abgeordnete haben es vorgezogen, gar nicht abzustimmen, und 55 haben sogar dafür gestimmt.

Zurufdes Abg. Kai Whittaker [CDU/CSU]

– Sie sind dieselbe Fraktion. So sind Sie doch nicht glaubwürdig, wenn Sie das nicht hinbekommen.

Beifallbei der AfD

Wir stimmen Ihrem Gesetzentwurf dennoch zu. Aber es kann nur ein erster Schritt sein: Weg mit dem deutschen Lieferkettengesetz! Aber der zweite Schritt muss unbedingt folgen: Weg auch mit der europäischen EU-Lieferkettenrichtlinie!

Danke.

Beifallbei der AfD
16 Vermerkeca. 637 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Letzte Woche hat Wirtschaftsminister Habeck angeregt, über die Aussetzung des deutschen Lieferkettengesetzes bis zur Anwendung der Europäischen Lieferkettenrichtlinie nachzudenken.

Christian Lindner übrigens auch!

Diese Woche legt die Union den passenden Gesetzentwurf dazu vor. Mag diese Vorgehensweise – die grüne Regierung ruft, die schwarze Fraktion springt – im Landtag in Stuttgart üblich sein,

Buschmann begrüßt! Buschmann begrüßt Habeck!

hier in Berlin überrascht sie uns dann doch, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie des Abg. Dr. Martin Rosemann [SPD]

Nun fragt man sich: Warum legt die CDU/CSU-Fraktion gleich einen Gesetzentwurf und keinen Antrag vor?

Ja, weil es schnell gehen muss!

Das sieht ein bisschen seriöser aus. Aber vor allem vermeidet die Union auf diesem Wege geschickt, zu sehr auf die eigene Rolle rund um das Thema Lieferkette eingehen zu müssen; da hat sie sich nämlich nicht mit Ruhm bekleckert. Die Positionierung war und ist nicht so klar und eindeutig, wie es Ihr Gesetzentwurf heute suggeriert.

Beifalldes Abg. Reinhard Houben [FDP]

Was habt ihr denn in Europa eigentlich durchgesetzt?

Ich darf daran erinnern: Es war der ehemalige Entwicklungsminister Müller, CSU, der das Lieferkettengesetz vehement gefordert hat. Dann war es der ehemalige Wirtschaftsminister Altmaier, CDU, der das Gesetz lange gebremst hat. Dann war es der ehemalige Gesundheitsminister Gröhe, der das Gesetz bei seiner Verabschiedung gefeiert hat, und nur wenige Monate danach war es die ehemalige Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die das Gesetz verteufelt und die sofortige Aussetzung schon vor der Anwendung überhaupt gefordert hat.

Was will denn jetzt die FDP?

Zurufdes Abg. Stephan Stracke [CDU/CSU]

Danach wiederum hat es nicht lange gedauert, bis der zuständige CDU-Berichterstatter im Europäischen Parlament, Axel Voss, verkündet hat, dass die europäische Richtlinie viel besser sei als das deutsche Gesetz, was wiederum den CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz bewogen hat, festzustellen, das eine, das deutsche Gesetz, müsse ausgesetzt und das andere, das europäische Gesetz, ganz gestoppt werden. Ja, was denn nun?

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das fragen wir uns auch!

Wenn es zum Markenkern einer Volkspartei gehört, gleichzeitig dafür, dagegen oder gegen alles oder unentschieden zu sein, dann sollte sich niemand mehr über die Zersplitterung unserer Parteienlandschaft in diesem Land wundern, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Wer zersplittert denn gerade?

Kollege Spahn und auch andere argumentieren zuweilen, die Lage sei eine andere als damals. Das stimmt wohl. Aber dann hoffen wir mal, dass der Eifer der Union, sich aktiv für die Stärkung der Menschenrechte einzusetzen, nicht vom aktuellen Konjunkturbericht abhängig ist. Jedenfalls habe ich Verständnis für die Kommissionspräsidentin von der Leyen, CDU, die zur Lieferkettenrichtlinie ganz einfach schweigt. Ich vermute, sie ist von der Vielfalt der Unionshaltungen ungefähr so verwirrt wie der Rest der Republik.

Die Haltung der Freien Demokraten hingegen war immer klar, im Bundestag, in der Regierung und auch im Europäischen Parlament.

Beeindruckende Durchsetzungskraft!

Und in der Koalition seid ihr dann der Wackeldackel, oder was?

Erstens. Mehr Regulierung von Lieferketten ist überhaupt nur dann hinnehmbar, wenn dadurch nachweislich Menschenrechte gestärkt und Arbeitsbedingungen verbessert werden.

Zweitens. Der Rückzug von deutschen Unternehmen aus Entwicklungsländern durch ein solches Gesetz muss ausgeschlossen bleiben.

Drittens. Mehr Freihandelsabkommen und mehr Marktöffnung sind das geopolitische Gebot der Stunde.

Jetzt klatscht doch wenigstens mal!

Globale Wertschöpfungsketten bedingen globale Verantwortung. Deutsche Unternehmen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen, da, wo sie Einfluss haben. Deshalb sind deutsche Unternehmen im Übrigen überall in der Welt gern gesehene Geschäftspartner und Investoren. Deswegen sorgen mehr Handel und mehr Investitionen auch für mehr Einfluss auf Arbeits- und Lebensbedingungen und Umweltbedingungen der Menschen im Globalen Süden. Wer sich ernsthaft bessere Arbeits- und Lebensbedingungen im Globalen Süden wünscht, wer ernsthaftes Interesse an erfolgreicher Entwicklungszusammenarbeit hat, der kann nicht gleichzeitig den Rückzug unserer Unternehmen und mehr Geschäfte für Chinesen riskieren.

Lieferketten diversifizieren, Abhängigkeiten abbauen, resilienter werden: Wie sollen wir diese Ziele erreichen, wenn wir gleichzeitig die Erschließung neuer Märkte mit zusätzlichen Haftungsrisiken zu Hause zusätzlich belasten?

Besser ist es, alle laufenden Verhandlungen über Freihandelsabkommen schnell zum Abschluss zu bringen, Mercosur vorneweg.

Beifallbei der FDP

Eine Politik hingegen, die Unternehmen kriminalisiert und unter Generalverdacht stellt, lehnen wir ab. Eine Politik, die unterstellt, ohne Androhung von Strafe gebe es keine Sorgfalt, lehnen wir ab.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Eine Politik, die behauptet, unser Mittelstand gründe seinen wirtschaftlichen Erfolg auf Ausbeutung, lehnen wir ab.

Beifallbei der FDP

Das haben unsere Unternehmen nicht verdient. Sie haben das Gegenteil verdient: mehr Freiheitsvertrauen und mehr Optimismus. Wer Vertrauen sät, wird Verantwortung ernten.

7 Vermerkeca. 567 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Vom Wahlkampf zurück zum Thema Lieferkettengesetz. Das war, glaube ich, das Thema, das wir heute haben.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deswegen: Lassen Sie uns heute einfach mal über Schokolade reden! Trivial? Nein. Es ist ein Beispiel dafür, wie die Sorgfaltspflicht im Lieferkettengesetz, das Sie abschaffen wollen, überhaupt funktioniert. „Weniger schnacken, einfach machen“,

Ja, „Weniger schnacken, einfach machen“ ist ein gutes Prinzip!

das ist ein Spruch aus einem Interview mit dem Ritter-Sport-Chef Andreas Ronken. Der Schokoladenproduzent Ritter Sport ist eines von vielen Unternehmen, das sich seit Jahren für ein Lieferkettengesetz einsetzt und Achtung und Wertschätzung gegenüber Menschen und Umwelt fest in seinem Unternehmensleitbild verankert hat.

Und ins Russlandgeschäft!

In den letzten Jahren wurden Plantagen in den Hauptanbauländern Elfenbeinküste und Ghana von Dürren, Starkregen und Überflutungen getroffen. Auf den dadurch geschwächten Pflanzen breiten sich nun Pilze und Viren aus. Ein Teil der Ernte war und ist aktuell nicht mehr zu retten. Der Weltmarktpreis für Kakao stieg in der Folge von 2 500 Euro pro Tonne Anfang 2023 auf 7 300 Euro pro Tonne im April 2024. Deshalb braucht es Bauern, die gut und fair bezahlt werden und die sich genügend Wissen aneignen können, um mit umweltschonenden und modernen Anbaumethoden den Herausforderungen des Klimawandels zu trotzen. Produktionsbedingungen, die Menschenrechte und Umweltschutz achten, sind Investitionen in die eigene wirtschaftliche Zukunft.

Meine Damen und Herren, Beschäftigte, Kunden, Investoren und die Öffentlichkeit interessieren sich durchaus für die Bedingungen, unter denen ein Produkt entsteht. Bleiben wir beim Kakao. Schokolade macht glücklich. Ich empfehle Ihnen eine Dokumentation aus der ARD-Mediathek: „Die Wahrheit hinter dem Schokohasen“. Dort wird gezeigt, wie Jungs im Alter von 10 bis 18 Jahren auf Kakaoplantagen arbeiten, sechs Tage die Woche, acht Stunden am Tag. Sie besitzen nichts außer ihrer Machete.

Ist das die Dokumentation mit den Batterien und den Kobolden?

Für ihr Essen müssen sie selbst sorgen, schlafen müssen sie in einem tristen Raum. Von ihren Eltern sind sie getrennt. Die Schule endete, wenn sie überhaupt stattfand, im Alter von zehn Jahren. Die meisten haben eitrige Wunden an den Beinen von den Macheten, mit denen sie Unkraut um die Kakaopflanzen wegschlagen müssen. „Gepflegt“ werden dort nur die Kakaobohnen, allerdings mit Pestiziden und Glyphosat. Das Verspritzen erfolgt ohne Schutzkleidung. Das Gift läuft beim Einfüllen in die Kanister über Hände und Beine. Gegen die Wirkung der Pestizide wird den Jungs empfohlen, Milch zu trinken. Das ist die Kehrseite der Schokoladenproduktion: schadstoffbelasteter Kakao, eine schadstoffbelastete Umwelt und Kinder ohne Zukunft. Also: Macht Schokolade glücklich?

Man kann sich jetzt über die deutsche und die europäische Lieferkettenlösung streiten. Was ist besser: Berichtspflichten nach dem deutschen Lieferkettengesetz oder die Haftungslösung nach der europäischen Richtlinie? Man kann auch Unternehmen verstehen, die unter dem Lieferkettengesetz einen erheblichen Mehraufwand leisten müssen, weil sie viele Dutzend Zulieferer haben und weil ihre Produkte aus vielen Dutzenden Rohstoffen bestehen und nicht nur aus Kakao. Aber auch diese Unternehmen haben inzwischen Erfahrungen gesammelt, Recherchen betrieben, Mitarbeiter geschult und ihr Wissen dahin gehend geschärft, dass sie über ihre Lieferketten mehr wissen als vorher. Und das lassen wir den Bach runtergehen? Was ist das für eine Verschwendung von Wissensressourcen, was für eine Verschwendung von betrieblichem Know-how!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Aufhebung des Lieferkettengesetzes, meine Damen und Herren der Union, ist ein Schritt in die Vergangenheit, nicht in die Zukunft, und sie wird den Kompetenzen deutscher Unternehmer und Unternehmerinnen nicht gerecht. Also lassen Sie diesen Unfug! Unternehmen wollen Planungssicherheit, keine Rolle rückwärts. Schnacken Sie nicht, lassen Sie machen, damit Schokolade auch die Bauern und Erzeuger glücklich macht! Ziehen Sie Ihren Entwurf zurück!

Herzlichen Dank. Glück auf!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
6 Vermerkeca. 250 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Das Lieferkettengesetz soll verhindern, dass deutsche Konzerne Profit mit Zwangsarbeit, Kinderarbeit und Ausbeutung machen. Es geht also um elementare Menschenrechte. Die Unionsfraktion legt heute – einen Tag nach dem Welttag gegen Kinderarbeit – einen Gesetzentwurf vor, um letztlich diese Menschenrechte auszusetzen. Sie sollten sich wirklich schämen!

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Beim Einschränken von Arbeitnehmerrechten ist die Union meist vorne mit dabei. Aber es war ja nicht mal deren Idee, sondern es war die Idee des grünen Wirtschaftsministers. Die Begründung für das Aussetzen ist die kürzlich verabschiedete europäische Richtlinie zu den Lieferketten. Die greift allerdings erst 2029 vollumfänglich. Und Union und der grüne Wirtschaftsminister wollen jetzt in trauter Einigkeit Wettbewerbsnachteile für die deutsche Wirtschaft verhindern.

Kinder im Kongo, die in den Minen für unsere Smartphones schuften, ausgebeutete Näherinnen in Bangladesch. Erinnern wir uns an den dramatischen Brand in der Firma Rana Plaza mit Tausenden Toten! Und Sie reden von Wettbewerbsbedingungen. Es ist unglaublich!

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Klaus Ernst [BSW]

Ich sage in aller Deutlichkeit: Wenn deutsche Konzerne ohne Kinder- und Sklavenarbeit nicht mehr wettbewerbsfähig sind, ja, dann müssen sie ihr Geschäftsmodell ändern!

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Klaus Ernst [BSW]

Die FDP hat mit ihrem Motto „Standortnationalismus first, Menschenrechte second“ sowieso schon Deutschland in ganz Europa zum Deppen gemacht. Dieser Kniefall von Habeck und der Union vor den Wirtschaftsverbänden ist allerdings ein neuer Tiefpunkt in der politischen Debatte und mit uns Linken definitiv nicht zu machen.

Beifallbei der Linken sowie des Abg. Klaus Ernst [BSW]

Nicht zu machen! Genau!

Staatliche Regulierung ist keine Bürokratie; denn wo diese versagt und der Profit regiert, geraten Menschenrechte unter die Räder. Schluss mit Ausbeutung! Menschenrechte vor Profite!

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken sowie des Abg. Klaus Ernst [BSW]
10 VermerkeZwischenfrageca. 402 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Herr Spahn, also, ich muss sagen: Dieser Auftritt, der war doch peinlich.

Beifallder Abg. Maik Außendorf [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Zurufdes Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wenn Sie hier über die Einigkeit in der Ampel reden – es ist ja nicht meine Aufgabe, die hier zu verteidigen; das mache ich auch nicht sehr gerne –, dann sage ich Ihnen: Sie und ein großer Teil Ihrer Truppe waren mit dem Gesetz nie einverstanden, Sie wollten es von Anfang an nicht. Ich weiß auch noch, was über Gerd Müller hinter vorgehaltener Hand in Ihrer Truppe gesagt wurde: Nehmt ihr den doch bei den Linken! Wir wollen den gar nicht, der gehört doch eigentlich zu euch. – Ihr wart nie mit dem Gesetz einverstanden, und jetzt wollt ihr die Chance nutzen, das zu kippen. Das ist unredlich, meine Damen und Herren, sehr unredlich.

Beifallbeim BSW sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Ich sage Ihnen auch: Es zeigt, dass Sie null Empathie für die Menschen haben.

Oh meine Güte!

Ich kann Ihnen nur empfehlen: Fahren Sie mal nach Bangladesch! Gehen Sie dahin, wo die Ruine von Rana Plaza steht! Ich war dort gestanden. Ich habe mit den Frauen, die dieses Unglück überlebt haben, gesprochen.

Wie wär’s denn mit ein bisschen Empathie für die Ukraine? Wie wäre es damit?

Zurufdes Abg. Kai Whittaker [CDU/CSU]

– Wenn Sie eine Zwischenfrage stellen wollen, gern. Sonst sind Sie bitte ruhiger; ich kann Sie eh nicht verstehen.

Beifallbeim BSW

Aber das ist genau das Problem: Sie haben die Empathie bei dieser Frage verloren.

Sagt die Kriegspartei!

Ich sage Ihnen: Sie haben in Ihrem Antrag natürlich Punkte drin, die durchaus korrekt sind. Natürlich müssen wir darüber nachdenken, ob jede Regelung – der Bericht des Berichtes – in Ordnung ist, ob wirklich alles genau so sein muss, wie es ist.

Fehlt Ihnen da auch die Empathie?

Das machen wir doch ständig!

Dann hätten Sie einen Antrag stellen und sagen müssen: Das und das wollen wir ändern. – Aber was Sie wollen, ist ja: Sie wollen das ganze Ding weghauen. Das ist ein Rückschritt, ein sozialpolitischer Rückschritt.

Beifallbeim BSW sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Es ist nicht zu überbieten, was Sie hier fordern. Das möchte ich Ihnen mal sagen.

Deshalb nur noch der Hinweis: Das Lieferkettengesetz hat den wesentlichen Sinn nicht in der Berichtspflicht, sondern darin, hinzuschauen, was unsere Unternehmen in anderen Ländern so treiben.

Regelrechtes Misstrauen ist das!

Da gibt es Vernünftige, die das immer gut geregelt haben, und da gibt es andere, die geradezu lustvoll in solche Länder gegangen sind, weil dort die Löhne deutlich niedriger waren. Ich kann mich erinnern an Gerd Müller, wie er mit seinem T-Shirt rumgelaufen ist und gesagt hat: 10 Cent mehr, und denen geht es vernünftig besser. – Das ist Ihnen egal. Sie haben den sozialpolitischen Kompass an dieser Stelle verloren. Nehmen Sie diesen Antrag zurück!

Beifallbeim BSW sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken und des Abg. Bernd Rützel [SPD]
Porträt von Bernd Rützel
Foto: Bernd Rützel / DBT/Stella von Saldern
15 Vermerkeca. 767 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Sehr verehrte Damen und Herren! Vor allem aber spreche ich Sie an, liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU/CSU. Sie legen uns heute einen Gesetzentwurf vor, der das Lieferkettengesetz außer Kraft setzen soll. Und gleich wird darüber auch namentlich abgestimmt. Ich hoffe, dass Ihr ehemaliger CSU-Entwicklungsminister Gerd Müller bei dieser Debatte jetzt nicht zuschaut.

Das kann er ruhig, das macht nichts!

Wenn er diese Debatte im Fernsehen erleben würde, würde er, glaube ich, aus Ihrer Partei austreten und heute noch in die SPD eintreten, der Gerd Müller.

Ich muss meinen Kollegen im Allgäu das mal sagen.

Zehn Jahre lang haben wir für dieses Lieferkettengesetz gekämpft. Es geht darum, dass Menschenrechte weltweit geachtet und eingehalten werden. Zehn Jahre lang hat man alles versucht – von Appellen über Freiwilligkeit, über noch mehr Freiwilligkeit –, und es hat alles nichts geholfen. Wir haben damals in der Großen Koalition, der GroKo, gemeinsam darüber debattiert, wie wir uns auf den Weg zum Lieferkettengesetz aufmachen.

Es war nicht alles schlecht!

– Überhaupt nicht, Alexander Hoffmann: Es war nicht alles schlecht. Es war gut,

Zurufvon der CDU/CSU: Aha!

dass wir das Lieferkettengesetz verabschiedet haben, das Sie heute abschaffen wollen, was furchtbar ist.

Der Wirtschaftsminister will es abschaffen! Nicht aufgepasst?

Wir haben uns damals anhören müssen, dass es gar kein nationales Lieferkettengesetz braucht, weil es ein europäisches geben würde. Heimlich haben alle gedacht: Hoffentlich gibt es nie ein europäisches Lieferkettengesetz, dann gibt es auch kein nationales. – Es gab kein europäisches Gesetz. Dann haben wir gesagt: Wir machen ein nationales Lieferkettengesetz.

Einer der größten Fehler!

Alle haben gehofft, es werde nie ein europäisches Lieferkettengesetz geben. Aber auch wenn sich Deutschland enthalten hat: Wir haben ein europäisches Lieferkettengesetz.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Kolleginnen und Kollegen, wir sind die drittgrößte Wirtschaftsnation der Welt.

Zurufvon der AfD: Noch!

Da kann man von uns erwarten, wir selber können von uns erwarten und voraussetzen, dass wir unser Wirtschaften danach ausrichten, dass Menschenrechte eingehalten werden.

Wir haben mit diesem Lieferkettengesetz viele Schritte nach vorne gemacht, viele Schritte in die Zukunft gemacht. Das hilft auch den deutschen Unternehmen, die widerstandsfähiger sind, die sagen können: Wir wirtschaften gut. – Die Menschen achten heute darauf, wie ihr Kaffee, der Kakao, die Kleidung, die sie tragen, die technischen Geräte, die sie benutzen, hergestellt werden; das wollen die Leute mittlerweile wissen.

Das alles jetzt abzuschaffen, die Zeit zurückzudrehen,

Also finden Sie jetzt Habecks Vorschlag schlecht?

nachdem sich so viele Menschen und so viele Unternehmen auf den Weg für dieses Lieferkettengesetz gemacht haben, das wäre ganz schrecklich für die Menschenrechte, das wäre schrecklich für die deutschen Unternehmen.

– Aber der Reihe nach, lieber Kollege Stracke; weil Sie immer so aufgeregt dazwischenreden. Ich habe Ihren Gesetzentwurf gelesen; ich habe alle gelesen.

Aber auch verstanden?

Es ist auch eine Wiederholung, Sie sind ja vor eineinhalb Jahren schon mal mit so einem Versuch um die Ecke gekommen. Das hat nicht geholfen; diesmal hilft es auch nicht.

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD

Sie haben im ersten Satz Ihres Gesetzentwurfes geschrieben:

„Der Schutz von Menschenrechten und Umwelt ist ein zentrales Anliegen der Bundesrepublik Deutschland …“

Das stimmt. Und dem stimmt, glaube ich, jeder zu. Dann lassen Sie uns bitte jetzt über Menschenrechte sprechen. Denn Menschenrechte sind grundlegende Rechte und Freiheiten. Sie stehen jedem Menschen auf der Welt von Geburt an zu – egal, welche Nationalität die Person hat, welches Geschlecht, welche Religion, welche ethnische Herkunft, welche Sprache, welche weiteren Statusmerkmale. Diese Menschenrechte sind universell, sie sind unveräußerlich, und sie sind auch unteilbar.

Ich frage Sie: Hat denn der kleine Junge im Kongo, der in ein Loch krabbeln muss, um dort Seltene Erden für uns herauszukratzen, hat dieser junge Mensch ein Recht auf Bildung, auf Leben, auf Freiheit, auf Sicherheit, auf Gesundheit? Hat das Mädchen, das allein oder gar mit seiner Mutter zusammen in die Fabrik geht und für uns die Kleidung näht, ein Recht auf Bildung, auf Leben, auf Freiheit, auf Sicherheit, auf Gesundheit? Hat das jemand, der gezwungen wird, auf den Plantagen der Welt Kaffee, Kakao, Baumwolle zu ernten? Wir stärken die Rechte dieser Menschen. Wir dürfen sie nicht ignorieren, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Das Lieferkettengesetz verlangt nicht viel. Wir verlangen, dass hingeschaut wird. Wir verlangen, dass man nicht mehr wegschauen darf. Wir schauen, dass es eine Bemühenspflicht gibt – keine Erfolgspflicht, aber eine Bemühenspflicht. Man hat einen Bericht zu schreiben. Und man hat dafür zu sorgen, dass sich Menschen auch beschweren können. Das ist alles. Mehr wird nicht verlangt.

Die allermeisten Unternehmen – und ich bin viel unterwegs – sagen: Wir haben uns längst damit angefreundet. – Bärbel Kofler, unsere Staatssekretärin, die ich gerade eben auf dem Gang getroffen habe, berichtet mir von einem aktuellen Fall,

Weiß denn der Vizekanzler das alles nicht? Oder was wollen Sie uns jetzt sagen?

von einem Automobilhersteller aus Bayern mit drei Buchstaben, wo man gesagt hat: Wir sind froh, dass es dieses Lieferkettengesetz gibt, weil wir jetzt in den Kobaltminen vor Ort bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen können, die wir bisher nie durchgesetzt haben.

Besinnen Sie sich! Sie sind auf dem falschen Weg.

Was macht denn Ihr Vizekanzler?

Porträt von Bernd Rützel
Foto: Bernd Rützel / DBT/Stella von Saldern
2 Vermerkeca. 23 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Besinnen Sie sich, und ziehen Sie diesen Gesetzentwurf zurück! Denken Sie an Gerd Müller, sonst tritt er in die SPD ein.

Vielen Dank.

12 Vermerkeca. 417 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Abgeordnete! Ich will noch mal betonen, worüber wir hier reden.

Über den Vizekanzler!

Es geht um ein Gesetz der Großen Koalition. Der Kollege Rützel hat die Entstehungsgeschichte eben schon ausführlich geschildert. Einer der Hauptprotagonisten und Unterstützer des Gesetzes war der CSU-Minister Gerd Müller.

Zurufdes Abg. Jens Spahn [CDU/CSU]

Auch der Wirtschaftsminister Peter Altmaier, CDU, und die Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU, haben das Gesetz am Ende dann unterstützt.

Und Herr Habeck? Wie ist noch mal die Position von Herrn Habeck?

Jetzt will die CDU das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz aufheben.

Richtig! Der Vizekanzler will das auch!

Inhaltlich geht es darum, dass Unternehmen in Deutschland die Verpflichtung haben,

Erklären Sie mir doch noch mal die Position von Herrn Habeck!

Sorgfalt walten zu lassen – deswegen Sorgfaltspflichtengesetz; auch das hat der Kollege Rützel eben schon erklärt –, hinzuschauen und da, wo sie Einfluss nehmen können, auch Einfluss zu nehmen,

Habeck allein zu Haus, muss man da ja schon feststellen!

nicht mehr, aber auch nicht weniger. Diese Grundidee haben wir damals unterstützt. In der Opposition fanden wir das richtig und haben dem Gesetz auch zugestimmt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Jetzt will die Union dieses Gesetz wieder abschaffen.

Nee! Der Herr Habeck!

Ich sage ganz deutlich: Diese Rolle rückwärts machen wir geschlossen nicht mit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Also gegen den Vizekanzler!

Denn das wäre schlecht für die Umwelt und die Menschenrechte. Ein solches Hin und Her wäre auch schlecht für die Unternehmen; denn Unternehmen brauchen Planungssicherheit. Das ist auch ein wichtiger Punkt, weswegen wir das aus der Opposition heraus unterstützt haben.

Es ist wichtig für Unternehmen, dass es international gemeinsame Regeln gibt. Deswegen ist es gut, dass es jetzt ein EU-Lieferkettengesetz gibt, was es gilt umzusetzen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Das ist ungefähr das zehnte Thema, bei dem die Fraktion dem Vizekanzler nicht folgt! Das spricht dafür, dass er Spitzenkandidat wird!

Denn es ist gut, dass alle Unternehmen in der Europäischen Union Sorgfaltspflicht gegenüber Menschenrechten, gegenüber Umweltstandards und gegenüber Sozialstandards wahren. Sie wollen das jetzt einfach so wegwischen. Aber es ist für die Unternehmen gut, wenn es ein sogenanntes Level Playing Field mit gleichen Regeln für alle gibt. Deswegen sind wir als Grüne geschlossen dafür, dass dieses Gesetz nicht abgeschafft wird, auch nicht ausgesetzt wird und auch nicht pausiert.

Habt ihr Habeck schon ausgeschlossen?

Was ist jetzt mit dem Habeck? Habt ihr den schon ausgeschlossen aus der Fraktion?

Übrigens hat das auch der Wirtschaftsminister nicht gesagt, sondern er ist da falsch zitiert worden.

Worum es in der Frage geht, hat Herr Gröhe in einem Satz gesagt, der völlig richtig ist. Unternehmen mit tausend Beschäftigten oder mehr haben auf Basis des deutschen Lieferkettengesetzes eine Berichtspflicht. In Zukunft haben sie eine Berichtspflicht auf Basis des europäischen Lieferkettengesetzes. Macht es Sinn, erst mal so ein Berichtswesen auf einer alten Rechtsgrundlage aufzubauen, es dann wieder abzuschaffen und auf Basis einer neuen Grundlage wiederaufzubauen? Nein, das macht keinen Sinn.

An der Stelle macht es Sinn, zu überlegen, wie wir da einen guten Übergang hinkriegen. Das haben wir übrigens auch schon gemacht: Wir haben die Pflicht, den Bericht abzugeben, auf Ende des Jahres verlegt, und wir wollen Berichtspflichten – nicht nur hier – zusammenlegen.

Porträt von Jens Spahn
Foto: Team Jens Spahn/Maximilian König
3 VermerkeZwischenfrageca. 236 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Februar hat der Finanzminister die wirtschaftliche Lage Deutschlands als „peinlich“ bezeichnet. Der Wirtschaftsminister hat von einer „dramatischen Lage“ gesprochen. Vier Monate später stellen wir fest: Deutschland ist weiter in der Stagnation. Kein Wachstum, nirgends! Wir sind Schlusslicht der Industrieländer. Investitionen fließen aus Deutschland ab wie nie zuvor. Wer kann, investiert im Ausland. Kurzum: Die beiden Minister hatten also recht. Die Lage ist peinlich. Die Lage ist dramatisch. Aber es passiert nichts, gar nichts. Diese Regierung tut nichts!

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der FDP: So ein Quatsch!

Seit vier Monaten warten wir darauf, dass was passiert. Nichts passiert! Der Kanzler redet sich die Lage schön. Bei dem hat man eh den Eindruck, der lebt in einer anderen Welt. Man muss sich das mal bewusst machen: Der Wirtschafts- und der Finanzminister der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt streiten seit Monaten vor aller Augen täglich. Ihr Streit ist mittlerweile zum größten Standortrisiko für Deutschland geworden. Die Ampel ist zum größten Standortrisiko für Deutschland geworden, weil es für die Unternehmen keine Sicherheit gibt, wo es langgeht.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Nun erleben wir die neueste Staffel in Ihrer Streitserie. Am letzten Freitag, Herr Strengmann-Kuhn, kündigt der Wirtschaftsminister – wenn mich nicht alles täuscht, noch Mitglied Ihrer Fraktion – von den Grünen an, das deutsche Lieferkettengesetz aussetzen zu wollen, und zwar nicht irgendwann, sondern er hat gesagt: Jetzt sollte man es aussetzen. Der Finanzminister von der FDP sieht das eh schon länger so. Der Justizminister hat das Ganze begrüßt.

Beifallbei der CDU/CSU
3 Vermerkeca. 171 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Vielen Dank, Herr Spahn, dass Sie die Frage zulassen. – Auch durch Wiederholung wird eine verkürzte Berichterstattung in der „FAZ“ nicht zur Wirklichkeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Der Wirtschaftsminister ist nicht dafür, das gesamte Gesetz auszusetzen, und er ist schon gar nicht dafür, das Gesetz abzuschaffen, wie Sie es jetzt beantragen. Es geht nicht darum, das Gesetz auszusetzen, sondern es geht darum, über eine Pausierung der Berichtspflichten nachzudenken und darüber zu reden,

Das ist der Kern des Gesetzes!

wie wir die Berichtspflicht so gestalten können, dass die Unternehmen, die schon berichtspflichtig sind, nach der neuen Lieferkettenrichtlinie einen ähnlichen Bericht abgeben können. Es geht sogar darum, die Lieferkettenrichtlinie möglichst schnell umzusetzen – das hat der Wirtschaftsminister kurz danach in einer Agenturmeldung richtiggestellt –, weil das europäische Lieferkettengesetz auch nach Meinung des Wirtschaftsministers noch besser ist als deutsche Lieferkettengesetz. Deswegen wollen wir das möglichst schnell umsetzen.

Das ist doch eine Parallelrede!

Es geht also darum, die Berichtspflichten so zu gestalten, dass sie möglichst unbürokratisch umsetzbar sind. Er hat nicht gesagt, dass das Gesetz ausgesetzt werden soll, und schon gar nicht, dass es abgeschafft werden muss. – So viel zur Klarstellung.

Porträt von Jens Spahn
Foto: Team Jens Spahn/Maximilian König
5 VermerkeZwischenfrageca. 261 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Herr Kollege, wir bereiten uns ja vor auf diese Debatte, und deswegen haben wir uns noch mal sehr genau angeschaut, was der Wirtschaftsminister – übrigens nicht zum ersten Mal; er hat es auch vorher schon häufiger gesagt, wenn auch nicht immer öffentlich – am letzten Freitag öffentlich gesagt hat. Er hat gesagt, er möchte, dass es jetzt pausiert. Die Berichtspflichten sind übrigens der Kern des Gesetzes; darum geht es in diesem ganzen Lieferkettengesetz. Übrigens hat er recht: Es ist doch Unsinn, von den deutschen Unternehmen zu erwarten, dass sie sich auf das Inkrafttreten der europäischen Lieferkettenrichtlinie vorbereiten sollen, und parallel dazu die noch bürokratischere deutsche Lieferkettenregelung in Kraft zu setzen. Das ist doch einfach Unsinn!

Beifallbei der CDU/CSU

Er hat also recht.

Die Frage, Herr Strengmann-Kuhn, ist mittlerweile eine andere. Sie sind auf dem Weg, Herrn Habeck zum Spitzenkandidaten der Grünen zu machen. Wir erleben das Muster regelmäßig.

Und welchen Spitzenkandidaten hat die Union?

Beim CCS-Gesetz geht Herr Habeck voran, schlägt eine Regelung vor, von der man durchaus sagen könnte: Sie ist vernünftig und pragmatisch. – Die erste Kritik kommt aus den eigenen Reihen. Frau Badum und andere sagen: So ein Gesetz wollen wir nicht haben.

Beifallbei der CDU/CSU

Herr Habeck sagt am Freitag wieder etwas Vernünftiges – „Endlich!“, möchte man rufen –, und die Ersten, die ihn kritisieren, sind Sie. Sie haben hier eine Rede gehalten, als hätte Herr Habeck gar nichts mit Ihnen zu tun. Das ist Ihr Vizekanzler! Er soll Ihr Spitzenkandidat werden.

Sie haben ein Problem bei den Grünen! Das sollten Sie endlich mal klären, aber eben nicht in aller Öffentlichkeit, weil es am Ende nur noch mehr Verwirrung schafft.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Daniel Rinkert
Foto: Daniel Rinkert/ Photothek Media Lab
3 Vermerkeca. 100 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Schönen Dank, Herr Kollege, dass Sie die Frage zulassen. – Mich würde interessieren: Sie haben gerade behauptet, die Ampel habe in den letzten Monaten nichts getan, um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken.

Zurufvon der CDU/CSU: Genauso ist es!

Ist Ihnen entgangen, dass wir in der letzten Woche die größte Novelle zum Bundes-Immissionsschutzgesetz seit 30 Jahren beschlossen haben? Das ist ein richtiges Wirtschaftsstärkungsgesetz. Wir haben viele Sachen geregelt,

Zurufvon der CDU/CSU: Vor allem geregelt!

Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigt – alles, was die Wirtschaft lange Zeit gefordert hat. Können Sie mir erklären, warum Sie, warum die CDU/CSU-Fraktion dagegengestimmt hat, gegen Planungsbeschleunigung, gegen ein starkes Wirtschaftsgesetz, das wir hier letzte Woche beschlossen haben?

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Jens Spahn
Foto: Team Jens Spahn/Maximilian König
4 VermerkeZwischenfrageca. 312 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Das kann ich Ihnen tatsächlich erklären, sogar ziemlich einfach. Das Problem besteht in einem Missverhältnis zwischen Ihrer Ankündigung und der Ankündigung Ihrer Bundesregierung. Es ist ja gar nicht so, dass die Bundesregierung gelegentlich nicht auch das Richtige ankündigt.

Zurufvon der SPD: Ah, da stimmen Sie also zu!

– Stopp! Stopp! Stopp! Ich habe gesagt, dass es gar nicht so ist, dass die Bundesregierung gelegentlich nicht auch das Richtige ankündigt. Da gibt es nur ein Problem. Wir haben das letzte Woche erlebt – vielleicht erinnern Sie sich – in der Handelsdebatte. Die Bundesregierung beschließt, dem Bundestag vorzuschlagen, Wirtschaftsabkommen mit einigen Ländern zu ratifizieren. Wir machen hier eine Debatte und merken: Schon in den die Regierung tragenden Fraktionen gibt es dafür keine Mehrheit. – Insofern stimme ich Ihnen zu: Gelegentlich bringt die Bundesregierung das Richtige auf den Weg. Das Problem ist nur: Sobald es hier bei Ihnen in der Ampel ankommt, zerfleddern Sie es so weit, dass nichts mehr von dem bisschen übrig bleibt. Das ist das Problem der Ampel.

Beifallbei der CDU/CSU
Widerspruchbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Dann denkt man sich: Prima, Wirtschafts- und Finanzminister sind sich endlich einmal einig! Einmal haben Herr Habeck und Herr Lindner die gleiche Meinung! Endlich ist das kapiert und verstanden, endlich passiert was! Und dann? Dann wird der Freitag zum Samstag, und dann kommt die SPD und sagt: Nein, das wird mit uns nicht passieren. Da fragt man sich: Reden Sie überhaupt mal miteinander? Geht der Vizekanzler bei einem solchen Thema, bei dem die ganze deutsche Wirtschaft seit Monaten darauf wartet, dass es ein Signal gibt, einfach raus und redet vorher nicht mit Ihnen? Wie muss man sich das vorstellen? Wie läuft das eigentlich? Wie soll denn Vertrauen in den Standort Deutschland entstehen, wenn der Wirtschaftsminister der drittgrößten Volkswirtschaft mit dem Finanzminister einen Vorschlag macht, um in der Rezession endlich mal ein richtiges Signal zu setzen, und das Erste, was passiert, ist, dass die eigenen Leute Nein sagen? Wie soll so Vertrauen entstehen? Erklären Sie mir das mal!

Erfolgsmodell Zwischenfrage! Super!

4 Vermerkeca. 151 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Schönen Dank, Herr Spahn, dass Sie das zulassen. – Ich hatte gedacht, wir reden hier über Ihr Lieferkettensorgfaltspflichtenaufhebungsgesetz. Dazu sind Sie bislang noch gar nicht gekommen, weil Sie hier auf polemische Art und Weise für Zwietracht – oder was auch immer – sorgen wollen. Deswegen starte ich mal den Versuch, über das Lieferkettengesetz zu sprechen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Konrad Adenauer hat mal gesagt: Wenn die Zivilgesellschaft und die Kirchen Aufgaben des Staates übernehmen, dann muss der Staat mitziehen. – So war der Nukleus der Entwicklungszusammenarbeit entstanden.

Aha! Machen wir wieder Vorlesung?

Heutzutage ist es so, dass alle kirchlichen Organisationen – ich kenne keine kirchliche Organisation, die es nicht tut – sich für das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz einsetzen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Wir reden sehr viel mit ihnen; ich weiß nicht, ob Sie mit den Kirchen reden. Was ich von Ihnen wissen möchte, ist: Reden Sie mit den Kirchen? Haben Sie mit den Kirchen im Vorfeld Ihres Gesetzentwurfs, den Sie vorgelegt haben, geredet, und, wenn ja, was haben die Kirchen Ihnen gesagt?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Jens Spahn
Foto: Team Jens Spahn/Maximilian König
22 Vermerkeca. 468 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Zuerst einmal habe ich ja gerade dargelegt,

Haben Sie mit den Kirchen gesprochen, Herr Spahn?

dass spätestens mit der europäischen Lieferkettenregulierung das deutsche Lieferkettengesetz obsolet ist. Das ist doch der eigentliche Punkt.

Haben Sie darüber mit den Kirchen gesprochen?

– Ich rede genau zu dem Thema.

Was sagen denn die Kirchen dazu?

– Wir haben mit den Kirchen darüber geredet,

Aha! Das überprüfen wir!

aber meine Positionierung ist nicht allein von einzelnen Gesprächen abhängig, sondern von der Gesamtabwägung dessen, was gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Lage in Deutschland notwendig ist.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist doch der Punkt.

Noch einmal: Warum diskutieren wir das heute, am 13. Juni 2024? Warum?

Weil Gerd Müller, Ihr Minister, das vor drei Jahren eingeführt hat! Deswegen! Also sorry!

Abg. Ottmar Wilhelm von Holtz [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] will wieder Platz nehmen

– Ich bin noch nicht fertig mit der Beantwortung Ihrer Frage. – Weil vor nicht mal einer Woche Ihr grüner Wirtschaftsminister angekündigt hat, dass das Lieferkettengesetz pausieren soll.

– Entschuldigung, ich bin eigentlich noch nicht fertig mit der Beantwortung Ihrer Frage, aber ich nehme zur Kenntnis, dass Sie nicht mal die Gepflogenheiten hier einhalten. Alles okay.

Auch durch Wiederholung wird es nicht richtiger! Es ist immer noch falsch!

Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ich höre erst einmal zu, was die Regierung sagt,

Nein, Sie hören nicht zu!

und es wäre gut, wenn auch Sie gelegentlich zuhörten, und zwar nicht, was überall sonst gesagt wird, sondern was Ihr Wirtschaftsminister sagt, und das endlich mal umsetzten.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich frage mich ja, wie das eigentlich gehen soll, wenn Sie einen grünen Spitzenkandidaten haben, der hier in Deutschland antreten soll, und die grüne Fraktion bei allen entscheidenden Dingen, die der Wirtschaftsminister vorschlägt, immer Nein sagt.

Sie haben überhaupt nicht zugehört! Das ist immer noch falsch!

Zurufdes Abg. Erhard Grundl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Da wünsche ich aber gute Reise bei dieser Spitzenkandidatur. Wie soll das eigentlich funktionieren?

Beifallbei der CDU/CSU

Die Ergebnisse der Europawahl am letzten Sonntag waren ein deutliches Misstrauensvotum gegen die Ampel.

Zurufdes Abg. Erhard Grundl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Olaf Scholz hat die Verbindung zu den Deutschen verloren. Ich glaube im Übrigen, dass sich das nicht reparieren lässt. Die Grünen sind out. Ihre Ampelpolitik stärkt vor allem die extreme Rechte und die extreme Linke im Land.

Beifallbei der CDU/CSU

Ihre Brandstifterei macht das! Ihre Brandstifterei ist dafür verantwortlich!

Das ist der Befund vom letzten Sonntag.

12 Prozent der Wahlberechtigten sagen: Die allgemeine wirtschaftliche Lage ist gut. – Nur noch 12 Prozent! Man erinnere sich: Vor drei, vier Jahren waren es fünfmal so viele. Da sagten 60 Prozent: Die wirtschaftliche Lage ist gut.

Zwischendurch gab es einen Krieg!

Wachstum müsste also ganz oben auf der Agenda stehen. Und was machen Sie? Was muss eigentlich noch passieren?

Zurufdes Abg. Erhard Grundl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wenn man sich das am Sonntagabend angeguckt hat: Da kommen die Wahlergebnisse, und Ihre Leute sagen im Fernsehen: Wir müssen unsere Politik besser erklären. – Nein, liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr müsst die Politik nicht besser erklären, ihr müsst eine andere Politik machen, damit Vertrauen in den Standort Deutschland zurückkehren kann.

Beifallbei der CDU/CSU

Vertrauen gewinnt man durch Taten.

Ja, durch Maskendeals!

Ankündigungen, die nichts zählen, sind Gift für die Demokratie.

Beifallbei der CDU/CSU

Folgenlose Ankündigungen sind ein Konjunkturprogramm für Extremisten. Deswegen, liebe Kolleginnen und Kollegen: Wenn der Vizekanzler und Wirtschaftsminister und der Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland der deutschen Wirtschaft, dem deutschen Mittelstand ankündigen, dass das deutsche Lieferkettengesetz ausgesetzt wird und damit massive Bürokratie wegfällt, dann, finde ich, hat die deutsche Öffentlichkeit ein Recht darauf, dass das auch eine Folge hat.

Sie haben das Gesetz eingeführt! Sie waren das!

Denn sonst sind die Worte dieser Regierung nichts mehr wert, und das ist das eigentliche Problem.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben das Gesetz selbst eingeführt! Sie haben dem zugestimmt!

8 Vermerkeca. 496 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen und Gäste! Möchten Sie, dass Ihre T-Shirts, Ihre Hemden in Asien in einsturzgefährdeten Fabriken von Kindern unter zwangsarbeitsähnlichen Bedingungen zu Hungerlöhnen gefertigt werden?

Herr Spahn schon!

Nein, ich möchte das nicht. Und deswegen haben wir ein Lieferkettenschutzgesetz.

Und was macht die Union? Ihre Kollegen im Europäischen Parlament haben gegen das europäische Lieferkettengesetz gestimmt. Hier haben Sie vor ein paar Jahren ein Gesetz verabschiedet, dass Sie jetzt wieder zurückrollen wollen. Sie machen eine Rolle rückwärts bei einem wichtigen Thema, dem Schutz der Menschenrechte weltweit. Und das ist ein Muster: Das Gleiche machen Sie beim Klimaschutz. Ihre Kommissionspräsidentin hat dafür gesorgt, dass es auf europäischer Ebene ein Verbrennermotor-Aus gibt. Was machen Sie? Sie fordern, das wieder zurückzudrehen. Zurück in die 90er-Jahre pur: Das ist CDU heute.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Martin Rosemann [SPD]

Wir folgen nur dem Wirtschaftsminister!

Herr Spahn, ich muss Sie an einer Stelle korrigieren: Sie haben gesagt, die Berichtspflichten seien das Kernstück des Lieferkettengesetzes. Nein, die Berichtspflichten sind ein Vehikel, ein Hilfsmittel, um den Unternehmen zu helfen, ein Risikomanagement aufzubauen und das zu dokumentieren. Darum geht es im Wesentlichen.

Zurufdes Abg. Dr. Yannick Bury [CDU/CSU]

Deswegen ist es auch gut so, dass Robert Habeck vorgeschlagen hat, in Zusammenhang mit der europäischen Richtlinie diese Berichtspflichten zu harmonisieren, um Mehrfachbelastungen zu verhindern; darum geht es.

Wir haben das hier jetzt mehrfach dargestellt – mein Kollege Wolfgang Strengmann-Kuhn hat es Ihnen mehrfach erklärt –, und trotzdem wiederholen Sie die falsche Erzählung, dass Robert Habeck das Gesetz aussetzen wollte. Das stimmt so einfach nicht!

Doch! Hat er gesagt! Wahrscheinlich der Grund, warum er gar nicht da ist!

Worum geht es? Es wurde ja schon weit ausgeholt heute im Laufe der Debatte. Es geht um den Schutz von Mensch und Umwelt innerhalb der Lieferkette. Es geht aber auch darum, dass Menschen, die im Globalen Süden arbeiten, unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten, zu guten Löhnen arbeiten, kurz: teilhaben an der globalen Gesellschaft mit dem Ausblick auf Wohlstand. Und das – das sollte Sie auch interessieren – bekämpft auch Fluchtursachen.

Ja, bei der Umsetzung gibt es Schwierigkeiten; das sehen wir auch. Wir hatten im Wirtschaftsbeirat eine interessante Diskussion. Da hat eine mittelständische Unternehmerin den prägnanten Satz gesagt: Wer einen Konzern als Kunden hat, der braucht keine Behörden mehr. – Denn das ist ein Grundproblem bei der Umsetzung: dass Konzerne die Berichtspflichten an KMU weiterreichen, obwohl das ja laut Gesetz gar nicht vorgesehen, sondern im Gegenteil sogar – auf europäischer Ebene jedenfalls – unterbunden wird. Das ist auch ein Punkt, bei dem wir die Unternehmen und die Unternehmensverbände auffordern, doch für eine Harmonisierung zu sorgen und damit aufzuhören, kleinen Bäckereien, die den Großkonzernen Brötchen liefern, oder Caterern telefonbuchdicke Fragebücher zu schicken. Das muss bitte aufhören.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Was haben wir schon gemacht? Wir haben die Berichtspflichten von Juli auf Dezember verschoben, und wir haben zugesagt, dass wir uns damit beschäftigen, wie wir diese Berichtspflichten harmonisieren, vereinfachen, bürokratiearm umsetzen.

„Pausieren“, war die Ankündigung!

Denn darum geht es: um Verwaltungsqualität, um eine gute Umsetzung. Dann ist es für die Unternehmen auch gut handhabbar.

Ich komme zum Schluss. Es geht darum, Menschen und Umwelt ebenso wie die verantwortlich wirtschaftenden Unternehmen in unserem Land zu schützen vor denen, die das nicht tun.

2 Vermerkeca. 33 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Da entstehen nämlich Wettbewerbsunterschiede, da entsteht ein ungerades Level Playing Field, und diese verantwortlich wirtschaftenden Unternehmen wollen wir auch schützen. Das machen wir mit diesem Gesetz, und deswegen lehnen wir Ihren Antrag ab.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

„Wirtschaftsminister allein zu Haus“, würde ich sagen!

Beifallbeim BSW
4 Vermerkeca. 412 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der vorliegende Gesetzentwurf ist ein Bekenntnis des Deutschen Bundestages zur Stärkung der grenzüberschreitenden Berufsausbildung. Wir haben vor wenigen Wochen hier über dieses konkrete Gesetz gesprochen. Der Ausgang der Wahl hat mich persönlich – ich glaube, viele andere auch – noch mal darin bestärkt, wie wichtig es ist, den jungen Menschen sichtbar zu machen, welche Bedeutung das Europa der offenen Grenzen für sie haben kann.

Es geht heute nicht mehr rein nationalstaatlich, auch nicht in der beruflichen Bildung. Wir können froh sein, dass wir die Grenzkontrollen abgeschafft haben, dass sie nicht mehr vorhanden sind, dass unsere Kinder und unsere Jugendlichen grenzüberschreitend Berufsausbildungen machen können. Die Isolation, die von einigen für Deutschland gefordert wird, hat uns noch nie weitergebracht – ich denke da an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg –; sie war noch nie etwas, wovon Jugendliche profitiert haben. Deshalb ist die grenzüberschreitende Berufsausbildung so wichtig.

Über Erasmus haben mittlerweile 30 Prozent der Studierenden die Möglichkeit, im Ausland Erfahrungen zu sammeln. Ich würde mir das auch für die duale Ausbildung wünschen. Da sind wir noch lange nicht. Dieses Gesetz ebnet den Weg, dahin zu kommen, dass wir de facto auch für die Auszubildenden 30 Prozent erreichen, und das in allen deutschen Grenzregionen, nicht nur an der Grenze mit Frankreich, sondern auch mit anderen Ländern.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ hat in der vergangenen Legislatur eine ganze Reihe von Empfehlungen zum Thema „internationale Mobilität in der Ausbildung“ formuliert. Die Ausgangsbasis ist gut; denn die duale Ausbildung hat über alle Bildungsgruppen hinweg ein sehr gutes Image. Doch dieses Bild muss auch modernisiert und durch entsprechende Angebote unterfüttert werden.

Eine abwechslungsreiche Ausbildung und Berufstätigkeit ist bei jungen Menschen unter den Top-drei-Wünschen. Dazu gehören internationale Erfahrungen und ein fachlicher Austausch über nationalstaatliche, aber auch sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg. Was im Hochschulstudium bereits gelebter Standard ist, muss auch in der dualen Ausbildung ein Schlüssel für die Zukunft werden.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Besonders am Herzen liegen mir generell, aber auch in diesem konkreten Fall die Berufsschulen, die zu Unrecht in den einzelnen Bundesländern ein Schattendasein führen. Die Bundesländer müssen berufsbildenden Schulen zusätzliche Ressourcen und Freiräume geben, um Auslandsaufenthalte in hoher Qualität durchführen zu können. Wichtig ist auch die hochwertige Zertifizierung der zusätzlich erworbenen internationalen Kompetenzen. Auch dort können wir durchaus noch nachlegen, auch bei der Digitalisierung der Angebote.

Wir sollten den jungen Menschen in Deutschland, aber auch in unseren Nachbarländern generell die Möglichkeit geben, von der dualen Berufsausbildung grenzüberschreitend zu profitieren.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
10 Vermerkeca. 657 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Frau Gräßle, ich muss schon sagen, dass ich Ihre Rede auch gehört habe, ihre Konsistenz jedoch, ehrlich gesagt, etwas fragwürdig finde. Denn wir setzen dieses Abkommen hier erneut auf die Tagesordnung, gerade weil uns die internationale Zusammenarbeit wichtig ist,

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

weil wir schon glauben, dass es wichtig ist, über ein Abkommen, das Nationalstaaten gemeinsam schließen, hier noch mal zu debattieren.

Das gibt es seit zehn Jahren!

Wir würden uns wünschen, Ihnen wäre das auch so wichtig.

Ein zweiter Punkt. Vielleicht waren Sie nicht immer anwesend oder haben es nicht mitbekommen: Dies ist einer von fünf Tagesordnungspunkten, die wir in dieser Woche allein zum Thema „Bildung und Forschung“ beraten.

Die anderen sind aber auch nicht besser!

Vielleicht überdenken Sie Ihre Argumentation noch mal.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Im Gegensatz zu Ihnen, im Gegensatz zur Union, möchte ich an meine Rede anknüpfen, die ich schon beim letzten Mal mit Blick auf dieses Abkommen gehalten habe. Natürlich kann man sich hierhinstellen, wie Sie das getan haben, und sagen: Na ja, so ein kleines Abkommen. Was ist das schon? Welche Bedeutung hat das überhaupt? – Ich bin der festen Überzeugung: Es hat eine sehr große Bedeutung. Es ist ein kleiner Baustein, mit dem wir vor allem Anpassungen vornehmen, die mit Blick auf Frankreich notwendig geworden sind, damit diese grenzüberschreitende Ausbildung weiter stattfinden kann. Sie findet nämlich schon statt, und das ist gut so. Das soll auch so weitergehen. Darum geht es hier.

Man kann sagen: Das ist ein kleiner Baustein, nicht der Rede wert. – Ich bin aber der Meinung, es ist genau andersrum. Es ist in einer historischen Freundschaft, die gewachsen ist, ein wichtiger notwendiger Baustein, der zeigt, wie gut diese Freundschaft gewachsen ist.

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Man schaut sich das in der historischen Perspektive an, und darum geht es am Ende nämlich auch. Wir waren über so lange Zeit Erbfeinde, und heute sind wir Freunde. Wie wenig Ihnen das offensichtlich wert ist, zeigt Ihre Reaktion. Die spricht für sich.

– Doch, ich habe sehr wohl verstanden, worum es geht, und zwar geht es darum, die Ausbildung international aufzustellen, vor allem europäisch aufzustellen. Stellt man sich die Frage, wie Geschichte funktioniert, dann kommt es einem oft so vor, als ob es eine Abfolge von Dingen ist, nicht der Rede wert, wie es offensichtlich die Union sieht. Am Ende des Tages ist Geschichte aber eine aktive Entscheidung für europäische Zusammenarbeit oder für rückwärtsgewandte Nationalstaatlichkeit. Diese Entscheidung treffen Bürgerinnen und Bürger, treffen wir hier im Parlament. Diese Entscheidung wird auch mit diesem scheinbar kleinen Abkommen heute von uns noch mal getroffen. Wir entscheiden uns nämlich für die Freundschaft mit Frankreich. Uns ist die Freundschaft mit Frankreich und die europäische Ausbildung wichtig. Damit wird dieses Abkommen an Bedeutung gewinnen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Genau so eine Entscheidung treffen am Ende die Bürgerinnen und Bürger. Ja, auch das wurde gerade schon angesprochen: Auch in der letzten Woche wurde eine Entscheidung getroffen. Aus meiner Sicht – das sage ich ganz deutlich – wurde sich leider zu oft für eine rückwärtsgewandte Nationalstaatlichkeit entschieden. Ich hätte mir gewünscht, dass die Entscheidung an einigen Stellen anders getroffen worden wäre. Meine Partei hat schon vor fast 100 Jahren von den Vereinigten Staaten von Europa geträumt. Vielleicht wären wir damals für diese Idee ausgelacht worden. Heute sind wir dem doch aber so viel nähergekommen, gerade weil Entscheidungen für Europa und für eine gemeinsame Zusammenarbeit getroffen worden sind.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Deshalb kann ich sagen, dass es uns hier nicht um Europäisierung von Ausbildung geht; das weise ich zurück. Wer sich anguckt, was wir bei Erasmus gerade auch mit Blick auf Ausbildung machen, der sieht ganz deutlich, dass wir die Europäisierung und auch den europäischen Austausch antreiben wollen. Meine Idee und mein Wunsch wäre es, dass es feste Freundschaften gibt, zum Beispiel zwischen einem spanischen Tischler und einem deutschen Tischler. Wir müssen dahin kommen, dass es ein Standard in der Ausbildung wird, dass man auch ins europäische Ausland geht. Das ist unsere Vision. Wenn Sie da nicht mitgehen können, dann sei es Ihnen freigestellt. Die Ampel steht in dieser Frage.

Von daher: Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufdes Abg. Thomas Jarzombek [CDU/CSU]
9 Vermerkeca. 657 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sie haben es gerade erlebt. Wenn es um das deutsch-französische Verhältnis geht, dann schlagen einfach die Herzen höher – nicht ganz zu Unrecht. Mit Stolz können wir auf den Elysée-Vertrag von 1963 zurückblicken, den die überzeugten Katholiken Konrad Adenauer und Charles de Gaulle geschlossen hatten. Zentrales Element: Der Jugendaustausch sollte gefördert werden.

Das Niveau von 1963 erreichen die Politiker von heute nicht mehr,

Das sieht man gerade!

der Vertrag von Elysée auch nicht und die Projekte, die vorgeschlagen werden, auch nicht. Die hören sich grundsätzlich wunderbar an, bringen aber niemandem wirklich etwas.

Genauso ist es mit diesem Abkommen zur grenzüberschreitenden Berufsausbildung. Die Idee klingt erst mal toll. Die Ausführung hat Mängel, und der Nutzen ist eigentlich gleich null.

Worum geht es in dem Abkommen? Es geht darum, dass Azubis in dem einen Land die Berufsschule machen können und im anderen Land die Berufspraxis. Also, man kann in Offenburg in der Firma arbeiten und in Straßburg im Centre de Formation quasi die Berufsschule machen. Die Frage ist nur: Warum sollte man? Wer nutzt das eigentlich? Ich weiß nicht, ob es Ihnen entgangen ist, aber die Zahl der Schüler, die in Deutschland Französisch lernen, ist drastisch nach unten gegangen,

Das sind meistens Schülerinnen!

die Zahl der Schüler, die in Frankreich Deutsch lernen, noch mehr. Am Jugendaustausch des Deutsch-Französischen Jugendwerks nehmen heute ein Drittel der Teilnehmer teil, die wir vor zehn Jahren hatten. Auch im Erasmus-Programm sehen wir: Na ja, so richtig Massen sind es nicht, die das nutzen. Ungefähr 6 000 Studenten kommen nach Frankreich, 3 000 nach Deutschland. Da stelle ich Ihnen schon die Frage: Wen wollen Sie damit eigentlich erreichen?

Beifallbei der AfD

Sie müssen ja schon froh sein im internationalen Geist, wenn Azubis im Ausland ihre Ausbildung machen. Aber warum sollte man das aufteilen? Warum sollte man in Offenburg in die Firma gehen und in Straßburg ins Centre de Formation professionnelle und dann mit der Deutschen Bahn jeden Tag hin- und herfahren, oder mit dem Auto, was Sie verbieten wollen? Dirk Spaniel wird beim nächsten Tagesordnungspunkt was dazu sagen. Sie verhindern doch durch Ihre Politik Mobilität, und hier im Abkommen wollen Sie sie fördern. Das macht überhaupt keinen Sinn,

Beifallbei der AfD

zumal durch das Abkommen wieder Bürokratie ohne Ende entsteht. Das sind wirklich naive Vorstellungen.

Zurufder Abg. Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Also, die Ausbildungsschule und der Ausbildungsbetrieb sollen sich miteinander absprechen. Aber ich stelle mir die Frage, wie, wenn der eine die Sprache des anderen nicht spricht und auch die Verwaltungs- und Kommunikationsstrukturen anders sind. Die Ausbildungsbetriebe sollen die Ausbildungsinhalte des Ausbildungssystems des anderen Landes umsetzen. Das heißt, der deutsche Ausbildungsbetrieb soll dann vom französischen Centre de Formation professionnelle die Ausbildungsinhalte umsetzen, kriegt aber nur einen Katalog mit einer Hilfsübersetzung, die nicht rechtsverbindlich ist. Tja, und wenn es dann zu Konflikten kommt, steht im Abkommen, sollen sich beide Seiten gütlich einigen. Zur Not steht der Rechtsweg offen. Wo? Das regelt das Abkommen nicht. Einen Schutz gibt es also nicht.

Sie haben bei diesem Abkommen völlig übersehen, dass die Strukturen, die Bildungssysteme – gerade im dualen Ausbildungssystem – zwischen Deutschland und Frankreich grundverschieden sind. In Frankreich werden eher Zertifikate und Diplome verliehen. Teilweise dauert eine Ausbildung nur ein Jahr. Soll dann ein deutscher Ausbildungsbetrieb, der einen deutschen ganz normalen Azubi und einen sozusagen bilateralen Azubi hat, dem deutschen Azubi was anderes beibringen als dem bilateralen Azubi? Das ist doch völlig verrückt und unsinnig.

Beifallbei der AfD

Dass es Unterschiede im Arbeitsrecht, im Sozialrecht, im Steuerrecht gibt, die natürlich Fragen aufwerfen, haben Sie im Abkommen gar nicht erwähnt.

Meine Damen und Herren, wir werden diesem Abkommen nicht im Weg stehen; wir werden uns enthalten. Wir halten es aber für ein Marginalprojekt, das wirklich mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet. Wissen Sie, die deutsch-französische Freundschaft erhalten Sie am besten dadurch, dass Sie dafür sorgen, dass die Menschen Deutschland lieben, dass die Menschen Frankreich lieben und dass sie die Sprache des jeweils anderen lernen.

Deshalb verstehen Sie sich ja auch so gut mit Frau Le Pen!

Dann atmen Sie den Geist von 1963, und dann tun Sie wirklich was für die deutsch-französische Freundschaft.

Merci.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Lars Rohwer
Foto: Lars Rohwer/ BLEND3/Frank Grätz
3 Vermerkeca. 377 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Glück auf, Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ende Mai hat der französische Präsident Emmanuel Macron in meiner Heimatstadt Dresden zur europäischen Jugend gesprochen. Emmanuel Macron war damit der erste französische Präsident, der Sachsen besucht hat.

In seiner Rede betonte er erstens die Notwendigkeit, mit den USA und China mitzuhalten und mehr Geld in grüne Technologien zu investieren. Zweitens braucht Europa mehr Innovation und KI-Forschung. Er plädierte dafür, mehr öffentliche Gelder in Quantenphysik und künstliche Intelligenz zu investieren. Und er sprach sich drittens für vereinfachte Regularien und weniger Bürokratie aus, um den Binnenmarkt zu stärken.

Zwischen Deutschland und Frankreich besteht eine enge Partnerschaft, die sich in vielen verschiedenen bilateralen Abkommen widerspiegelt. Die deutsch-französischen Kooperationen sind entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union. Sie sind angesichts des Angriffskrieges Putins gegen die Ukraine ein eindrucksvolles Beispiel für gelungene Versöhnung in Europa.

Das vorliegende Abkommen für eine grenzüberschreitende Berufsausbildung ist ein wichtiger Schritt, gerade für junge Menschen und Ausbildungsbetriebe. Als sächsischer Abgeordneter mit Wahlkreis und Heimat in Dresden plädiere ich jedoch für eine Intensivierung der Kooperationen mit Frankreich und Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Dass die Perspektive von jungen Menschen in meinem Bundesland eine andere ist, haben auch die Ergebnisse der Europawahl gezeigt. Der französische Präsident hat deshalb genau die richtige Entscheidung getroffen, Dresden zu besuchen; diese Entscheidung war gut und besonders. Der Raum zwischen Usedom und Erzgebirge ist für Frankreich ein weißer, fast unbekannter Fleck geblieben. Viele französische Unternehmen haben wir bei uns in der Region nicht.

Dresden hat aber eine Menge zu bieten: Gerade hier findet wirtschaftliche Zukunft statt – Stichworte „Energie“, „Digitalisierung“, „Halbleitertechnik“, „Mobilität“. Silicon Saxony beispielsweise ist Europas größter Mikroelektronikstandort. Hier bieten sich unzählige Möglichkeiten der Kooperation. Deshalb will ich das verstärken, was Frau Gräßle angesprochen hat: Wir brauchen dieses Abkommen auch mit den neuen Bundesländern, die zur Bundesrepublik dazugekommen sind.

Unsere Partnerschaft zu Frankreich spielt eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung der großen Aufgaben unserer Zeit.

Beifallbei der CDU/CSU

Europa braucht die deutsch-französische Partnerschaft. Das Abkommen ist ein guter Schritt. Wenn die Bundesregierung jetzt die Förderung der Beziehungen Frankreichs nach Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern stärker in den Blick nimmt und fördert, ist das ein gutes Signal. Wir bauen darauf, dass das auch passiert.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU
3 Vermerkeca. 288 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist wirklich toll, mit welchem Enthusiasmus diese Debatte geführt wird und Jessica das hier vorgetragen hat. Auf einen Punkt möchte ich noch einmal hinweisen: Wenn manche glauben, dass ein kleines Abkommen, bei dem es um eine bisher kleine Zahl von Menschen geht, nicht wichtig ist, ist dem zu entgegnen, dass es vielmehr der Anfang, der Impuls dafür ist, dass es weitergeht. Auch unsere deutsch-französischen Studiengänge, die Austauschprozesse über Erasmus, haben klein angefangen.

Jetzt haben wir die Möglichkeit, ein Modell zu haben – da bin ich bei Inge Gräßle –, dass wir auch auf andere Länder anwenden können. Es geht um die Möglichkeit, den Gedanken aus der akademischen Welt in die Berufsbildung und in Berufsausbildungsprozesse zu übertragen und darauf auszuweiten. Damit haben junge Menschen die Chance, auch international eine Ausbildung zu machen. Das ist wichtig; denn jeder, der solche internationalen Programme betreut, weiß: Menschen kommen zusammen und reden miteinander.

Vielleicht noch mal ein Hinweis, den ich auch immer meinen Studierenden im deutsch-französischen Studiengang sage: Ihr müsst euch immer vorstellen: Mein Großvater hat unter Umständen auf eure Urgroßeltern geschossen, und wir sitzen jetzt zusammen. – Genau diese Idee muss doch Ansporn sein, dass wir solche Abkommen nicht nur mit Frankreich, sondern unter Umständen auch mit Polen und mit anderen Ländern schließen; denn das ist Europa.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Europa ist nicht nationalstaatlich, sondern es geht darum, dass wir gemeinsam die Zukunft dieses Kontinents gestalten.

Deswegen ist so ein kleines Abkommen und ist ein Gesetz mit zwei Paragrafen wichtiger, als es vielleicht aussieht. Nicht immer ist viel Papier wichtig; manchmal reichen auch nur ein paar Zeilen. Deswegen bitte ich um die Zustimmung zu diesem Gesetz, und ich freue mich, dass wir es umsetzen können.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Ruppert Stüwe
Foto: Photothek
9 Vermerkeca. 578 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Deutschland und Frankreich sind seit Jahren eng verbunden. Ich finde, das darf man im deutschen Parlament auch mal hervorheben. Die Verbindungen sind so eng wie zu keinem anderen Land. Das hat auch einen Grund: Beide Länder haben sich verfeindet gegenübergestanden, und wir haben es durch diese engen Verbindungen geschafft, ein neues Miteinander zu schaffen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich finde es nur richtig, dass man das im Deutschen Bundestag auch noch mal ausspricht.

Und, ja, diese Verbindung zeigt sich besonders in den Hochschulen und im Forschungsbereich. Ich finde, wir können das Modell guten Gewissens in den Ausbildungsbereich übertragen. Ich will mal deutlich machen, was wir da heute vorfinden. Zum Beispiel hat die deutsch-französische Agentur ProTandem mit ihrem Netzwerk aus Kammern, Innungen, Bildungseinrichtungen und Ausbildungsbetrieben über 120 000 Auszubildende zusammengebracht. Jedes Jahr gehen 3 000 Menschen in über 50 Berufen in das andere Land. Sie unternehmen Betriebs- und Schulaufenthalte, Praktika und Sprachkurse. Jetzt reden wir tatsächlich darüber, wie wir das für die deutsch-französischen Grenzregionen mit einem Abkommen noch intensivieren können.

Ich muss sagen: Wie die Debatte von der Oppositionsseite geführt wurde, hat mich schon ein bisschen verwundert.

Zum Ersten. Wir haben hier ein internationales Abkommen. Dass das nicht so einfach per Änderungsantrag im Deutschen Bundestag veränderbar ist, sollte eigentlich allen klar sein.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zum Zweiten. Das Abkommen setzt auf Verbindungen und Projekte auf, die es schon lange in diesen Grenzregionen gibt. Änderungen im französischen Recht haben es notwendig gemacht, jetzt ein solches Abkommen auf nationaler Ebene zu schließen.

Das ist das Einzige, worum es geht!

Und dann philosophiert Herr Kleinwächter da rum, was alles nicht funktionieren könnte, wie das denn so generell wäre und was er überhaupt denkt über das Autofahren.

Das ist AfD-Folklore!

Aber das Abkommen funktioniert! Der Gegensatz zwischen uns und Ihnen ist, dass wir uns damit beschäftigt haben und Sie nur irgendwas in den Raum blasen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufder Abg. Nicole Höchst [AfD]

Und dann Kollegin Gräßle. Ich weiß ja, dass Sie für Europa brennen. Aber wenn man keine Lust hat, hier zu reden, dann muss man das auch nicht machen. Das nur mal ein als kleiner Tipp am Rande.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Ria Schröder [FDP]

Wir als Ampelkoalition haben einen Antrag zur internationalen Wissenschaftspolitik eingebracht. Wir diskutieren immer wieder darüber, wie es in Europa weitergeht – im Ausschuss, mit der EU-Kommissarin –, auch im Hinblick auf die neuen Forschungsrahmenprogramme. Uns jetzt vorzuwerfen, wir machten da nichts, nur weil man selber keine Lust hat, sich an einer Debatte zu beteiligen, finde ich einfach nicht fair, richtig und angemessen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das ist unparlamentarisch, was Sie hier machen, Herr Kollege!

Dann gibt es aber noch ein paar Fragen, die mich anlässlich dieses Abkommens wirklich umtreiben. Denn es ist ja so, dass wir mehr tun könnten, damit die Jugendlichen, die Schülerinnen und Schüler, im jeweils anderen Land Deutsch und Französisch lernen. Eine Zahl treibt mich da besonders um, wenn es um das Thema Ausbildung geht. Von denjenigen Schülerinnen und Schülern, die an einem Austausch teilnehmen, gehen nur 9 Prozent nicht auf ein Gymnasium. Ich finde, das ist ein Punkt, bei dem wir ansetzen können: dass wir auch denjenigen, die auf andere Schulen als ein Gymnasium gehen, den Austausch mit Frankreich noch mal deutlich näherbringen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP und der Abg. Nadine Schön [CDU/CSU]

Das zweite Thema, das mich umtreibt, ist etwas, was in der Debatte schon gesagt worden ist: Ich glaube, dieser Vertrag ist gut, richtig und wichtig. Er sollte aber Ansporn sein, die Ausbildungsbeziehungen auf eine neue Stufe zu heben. Ich als Berliner würde da in erster Linie nach Polen gucken. Ich finde, da gibt es viel Potenzial für gemeinsames Vorgehen. Ich werbe für die Zustimmung.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP und der Abg. Nadine Schön [CDU/CSU]
Porträt von Thomas Jarzombek
Foto: Thomas Jarzombek/ Tobias Koch
13 Vermerkeca. 448 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir reden hier heute über ein Abkommen über die grenzüberschreitende Berufsausbildung zwischen Deutschland und Frankreich. Das ist eine tolle Sache. Dieses Abkommen wurde im Jahr 2013 von unserer Regierung verhandelt.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir sind heute hier, weil es aufgrund einer französischen technischen Rechtsänderung einen juristischen Anpassungsbedarf gibt.

Beifallder Abg. Dr. Ingeborg Gräßle [CDU/CSU]

Es gibt in der Sache nichts Neues. Und warum sind einige unserer Redner heute etwas genervt? Weil Sie uns mit solchen Debatten die Plenarzeiten verstopfen. Gesprochen wird über Dinge, die überhaupt keine inhaltliche Veränderung mit sich bringen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie hätten hier heute auflaufen können, um zum Beispiel zu sagen: Wir haben auch ein Abkommen mit den Niederlanden, mit Belgien oder mit Polen geschlossen.

Beifallbei der CDU/CSU

Dann hätten wir gesagt: Toll, ihr habt das weiterentwickelt! – Sie hätten hier heute diesen Debattenplatz – übrigens genauso wie den vorherigen zur Wissenschaftskommunikation, wo auch nur Selbstverständlichkeiten abgefeiert wurden – auch nutzen können, um mit uns mal darüber zu reden, was eigentlich beim Wissenschaftszeitvertragsgesetz gerade so los ist.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Norbert Kleinwächter [AfD]

Die erste Lesung ist verdammt lange her, und wir hören immer nur, dass es bei Ihnen große Uneinigkeit gibt. Wir würden gerne mal darüber reden.

Beifallder Abg. Dr. Ingeborg Gräßle [CDU/CSU]
Zurufdes Abg. Ruppert Stüwe [SPD]

Wir würden auch gerne über das Thema „Antisemitismus an den Hochschulen“ reden und über die Frage der Meinungsfreiheit.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich will Ihnen sagen: Ich sorge mich darum, dass Menschen mit jüdischem Hintergrund und mit proisraelischer Haltung tatsächlich ihre Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit an unseren Hochschulen leben können.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Da sind wir gefordert, hier im Bundestag zu diskutieren, und da mussten wir Ihnen bisher ewig hinterherlaufen.

Jetzt nehmen wir wahr, dass Ihre Ministerin allen Ernstes bei denjenigen, die einen Brief schreiben – einen Brief übrigens, den wir in der Sache total ablehnen; aber gerade weil wir diesen Brief ablehnen, ist es so wichtig, dass es das Recht gibt, diesen Brief zu schreiben;

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

das steht in Artikel 5 des Grundgesetzes: Meinungsfreiheit – und eine andere Meinung haben und diese publizieren, an die beruflichen Grundlagen heranwill. Es darf doch nicht ernsthaft dieser Eindruck entstehen. Deshalb hat sich Frau Stark-Watzinger heute versteckt. In drei Debatten war sie nicht hier Plenum an diesem Pult, um zu reden.

Darüber würden wir hier heute gerne einmal reden. Und das ist ein Thema, das viele Leute draußen beschäftigt. Das will ich Ihnen sagen.

Frau Kollegin Rosenthal, Sie haben diese rein technische Änderung eines alten Abkommens genutzt, um das hier zu einer Frage von Krieg und Frieden zu machen. Die Fragen von Krieg und Frieden können wir hier beleuchten. Ich glaube, Sie könnten in der SPD-Fraktion eine gute Rolle spielen, Deutschland verteidigungsfähig zu machen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich habe allerdings den Eindruck, dass Sie sich da bisher nicht sehr positiv eingebracht haben.

Meine Damen und Herren, lassen Sie uns bitte über die drängenden Fragen reden und nicht über Selbstverständlichkeiten.

Beifallbei der CDU/CSU

Lehnen Sie das Abkommen genauso ab wie das BAföG?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Anja Reinalter
Foto: Anja Reinalter/ Andrea Ege
6 Vermerkeca. 432 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Am Sonntag waren Europawahlen. Das Ergebnis ist nicht schönzureden. Zum Glück konnte ein schlimmerer Rechtsruck im EU-Parlament verhindert werden. Darum steige ich an dieser Stelle ein mit einem herzlichen Dankeschön an alle, die in den letzten Monaten für die Demokratie auf die Straße gegangen sind und für Europa gekämpft haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Aber leider gab es auch zu viele antieuropäische Stimmen, insbesondere auch in Deutschland. Und leider gab es diese auch bei jungen Menschen unter 30. Ich frage mich, ob diese jungen Menschen zu wenig positive Erfahrungen mit Europa gemacht haben. Wenn das so ist, dann müssen wir hier mehr Möglichkeiten bieten. Genau deshalb ist der Gesetzentwurf zum Abkommen über die grenzüberschreitende Berufsausbildung zwischen Deutschland und Frankreich richtig und wichtig. Das ist ein Gesetz, und wir befinden uns in der zweiten und damit letzten Lesung, liebe Union. Man kann schon mal vom Thema abweichen und über Aktuelles debattieren, aber man muss diesem Thema auch mehr Wertschätzung entgegenbringen. Das ist ein wichtiges Abkommen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Dieses Abkommen schafft perfekte Rahmenbedingungen für die grenzüberschreitende Ausbildung. Denn der theoretische Teil kann in der Muttersprache zu Hause gelernt werden, und der praktische Teil kann im Nachbarland gelernt werden. Das macht deutlich: Berufliche Bildung ist international. Das ist total wichtig für die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung. Außerdem wird natürlich die Ausbildung in der Region attraktiver. Denn es ist selbstverständlich: Wenn jemand eine Ausbildung in beiden Ländern macht, die in beiden Ländern akzeptiert wird, dann sind natürlich auch die Jobchancen für diesen jungen Menschen viel besser.

Natürlich nehmen wir es sehr ernst, wenn Menschen – egal welchen Alters – sagen: Ich mache mir Sorgen, dass ich meinen Lebensstandard in Zukunft nicht mehr aufrechterhalten kann. – Natürlich wissen wir auch, dass Frankreich und Deutschland hier in einer besonderen Verantwortung stehen; denn sie sind die beiden größten Volkswirtschaften der Europäischen Union und damit wichtige Säulen des europaweiten Wohlstands.

Um neue wirtschaftliche Dynamik und langfristige Wettbewerbsfähigkeit auf den Weg zu bringen, haben unsere Wirtschaftsminister Habeck und Le Maire unlängst konkrete Initiativen für mehr Wachstum in der Europäischen Union vorgestellt.

Beifallder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Friedhelm Boginski [FDP]

Denn die Sicherung unseres Wohlstands in Deutschland funktioniert nur mit einem starken Europa und in einer engen Kooperation mit Ländern wie zum Beispiel Frankreich.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Darum ist das Abkommen zwischen Deutschland und Frankreich über die grenzüberschreitende Ausbildung eine wirklich gute Sache.

Wir würden uns natürlich freuen, wenn das deutsch-französische Abkommen ein Beispiel für weitere Abkommen mit anderen Ländern wäre; denn das stärkt Europa. Und alles, was wir in diesen Tagen tun können, um Europa zu stärken, ist richtig und sehr wichtig.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Lina Seitzl
Foto: Lina Seitzl/ Denise Claus/Kleinebildkunst
5 Vermerkeca. 315 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Jarzombek, Sie haben gerade von einer Selbstverständlichkeit gesprochen, einer Selbstverständlichkeit – ich habe es jetzt so verstanden – der guten deutsch-französischen Beziehungen. Ich glaube, daran merkt man, dass Sie nicht in einer Grenzregion aufgewachsen sind.

Ich bin in einer Grenzregion aufgewachsen, direkt an der Grenze zu Frankreich. Ich bin in einer Region aufgewachsen, wo sich direkte Nachbarn jahrhundertelang feindlich gegenüberstanden, wo Soldatenfriedhöfe und Schützengräben die Landschaft immer noch prägen,

Uijuijui! Vielleicht eine Nummer kleiner?

wo die Franzosen als Besatzer auch nach Ende des Krieges sehr kritisch angeschaut wurden, auch von meinen Großeltern, und wo mein Opa, der in Frankreich gegen die Franzosen gekämpft hat, irgendwann stolz war, dass das Europäische Parlament in Straßburg angesiedelt ist, in der Nachbarschaft am Oberrhein, direkt bei ihm. Das ist die Wahrheit, und das ist die Realität bei uns vor Ort.

Sie zeigen aber nur die Hilflosigkeit! Wie hilflos muss man denn sein, um sich so zurückzubewegen für so ein Abkommen!

Deswegen sind diese deutsch-französische Freundschaft und diese guten Beziehungen, die wir mit allen anderen Staaten in Europa haben, eben keine Selbstverständlichkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Angesichts des Wahlergebnisses nationalistischer Parteien bei den europäischen Wahlen am letzten Sonntag muss noch mal deutlich werden, dass dieses gute Miteinander in Europa, diese enge Zusammenarbeit, diese Europäische Union keine Selbstverständlichkeit sind, sondern dass wir tagtäglich dafür kämpfen müssen, dass das so bleibt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Und ja, dieses Abkommen ist nur ein ganz kleiner Teil davon; das ist überhaupt keine Frage. Es betrifft eine Region, es betrifft einige Firmen, es betrifft einige Auszubildende, die diese Möglichkeit wahrnehmen möchten. Aber es ist doch trotzdem wichtig, dass es das gibt, dass es diese Möglichkeit gibt, dass junge Menschen im jeweiligen Nachbarland die Ausbildung machen können.

Ich bin voll dafür, das auch auf alle anderen Nachbarländer auszuweiten; das wäre super. Aber Sie wissen doch: Das ist ein Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich, den wir als Deutscher Bundestag jetzt aktualisieren müssen. Deswegen sollten wir alle dem auch zustimmen; denn es ist eine gute Sache. Und gerne mehr davon!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Ingeborg Gräßle
Foto: Dr. Inge Gräßle/ Tobias Koch
10 Vermerkeca. 616 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Boginski, das war jetzt aber tapfer, für diesen zwischenstaatlichen, deutsch-französischen Vertrag zu werben, wo doch die jungen Menschen in Ihrem Wahlkreis in Brandenburg gar nicht daran teilhaben können. Deswegen muss man unterstreichen: Diese Geschichte hier hat Luft nach oben.

Zurufdes Abg. Dr. Lukas Köhler [FDP]

Wir reden heute zum dritten Mal – einmal in erster Lesung, einmal im Ausschuss, jetzt hier in letzter Lesung – über diesen Vertrag. Ich möchte darauf hinweisen, dass sich der Text mit keiner Silbe verändert hat. Wir reden also beständig über den gleichen Text, was wir bedauern, weil wir schon angeregt haben, dass man eigentlich den Text verändern sollte.

Beifallbei der CDU/CSU

Es ist etwas anderes versprochen worden!

– Genau, uns ist anderes versprochen worden. Da hat die Kollegin recht. – Im Übrigen gibt es diesen Vertrag auch schon seit zehn Jahren. Er ist jetzt nur erweitert, ergänzt und aktualisiert worden.

Mit dem, was ich jetzt gesagt habe, wäre eigentlich auch schon alles gesagt, und auch schon von jedem alles gesagt.

Beifallbei der CDU/CSU

Also fragen wir uns: Warum müssen wir solche Tagesordnungspunkte aufsetzen, Frau Präsidentin, und sie in epischer Breite diskutieren? Das zeigt für uns doch nur eines, nämlich wie wenig die Koalitionsfraktionen beim Thema „Bildung und Forschung“ auf der Pfanne haben.

Uns ist die Zusammenarbeit mit Frankreich nun mal wichtig! Was soll das denn heißen?

Deswegen muss das wenige, was Sie hier vorzulegen haben, aufgeblasen werden – PR statt Politik, Framing ist alles. Darum geht es. Der Berg kreißte und gebar eine Maus. Und die wird jetzt zum Löwen aufgeblasen. Wir sind sehr für den zwischenstaatlichen Vertrag, aber wir sind nicht dafür, uns ständig mit den gleichen Dingen zu beschäftigen. Genau das tun Sie: Sie zwingen uns dazu, uns ständig mit den gleichen Dingen zu beschäftigen.

Wir plädieren dafür: Gehen Sie doch mit diesem deutsch-französischen Modell in die europäische Serie, an allen unseren neun Landesgrenzen, auch in Richtung Polen, auch innerhalb Deutschlands, mit einer Harmonisierung von 16 Ausbildungsordnungen. Das wäre übrigens eine tolle Sache.

Wir haben unter Führung von Herrn Professor Seiter eine Delegationsreise nach Polen gemacht. Die Grünen hatten eine Teilnahme nicht nötig.

Zuruf: Hört! Hört!

Aber es war sehr interessant; ich war dort zusammen mit der Kollegin Wallstein von den Sozialdemokraten. Wir haben gesehen, wie notwendig eine Regulierung auch in Polen wäre. Wir haben ein erfolgreiches Modell der dualen Ausbildung in Polen gesehen und uns die Probleme angehört, die auf diesem Modell lasten, mit den Fragen der Berufsausbildung, der Anerkennung der Berufsschulen, auch der Durchsetzung des dualen Elements, nämlich der betrieblichen Ausbildung, im Rahmen der Ausbildung. Es wäre toll, Berufsschul-Curricula aufeinander abzustimmen; es wäre absolut hilfreich und eine praktische Lebenshilfe. In Sachen Rechtssicherheit kann ich nur sagen, Herr Staatssekretär: Machen Sie doch mal!

Beifallbei der CDU/CSU

Wir sehen aber immer wieder: Das Ministerium und seine Ministerin – diese Woche hat sie es wieder schwer; viermal hätte sie hier tolle Termine gehabt, einmal war sie immerhin da – brennen nicht für das Thema Europa,

Das ist doch Quatsch!

sie brennen nicht für das Thema der internationalen und der europäischen Zusammenarbeit. Gerade beim Thema „Bildung und Forschung“ bräuchten wir doch als Exportvizeweltmeister diese Zusammenarbeit. Wir sehen es bei den Großforschungseinrichtungen, wie die europäische Zusammenarbeit verpennt wird. Es tut mir sehr leid, das sagen zu müssen. Sie wollen es nicht wahrhaben; das verstehe ich. – Staatssekretärin Lührmann, Auswärtiges Amt, hat uns in der ersten Lesung allerlei versprochen, mal so dahergeredet, nichts gehalten. Wir werden nachfragen, was denn aus den Zusagen und den Ideen geworden ist.

Ganz grundsätzlich: Die Europawahl war für die Ampel desaströs.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Sie betonen in jedem Interview seitdem: Wir haben verstanden, so geht es nicht weiter, wir müssen unsere Politik ändern. – Die Botschaft hören wir wohl, allein uns fehlt der Glaube.

Sehr richtig!

Sie könnten doch wirklich Dinge fundamental ändern, und Europa wäre da doch ein tolles Thema. Setzen Sie sich den Hut auf! Gehen Sie voran, und zeigen Sie: Das, was mit dem deutsch-französischen Vertrag angefangen wurde, –

Porträt von Chantal Kopf
Foto: Chantal Kopf/ Dominik Butzmann
4 Vermerkeca. 430 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Blick nach Frankreich erfüllt mich in diesen Tagen nach der Europawahl mit ernster Sorge. Die Rechtsextremen sind mit Abstand stärkste Kraft geworden, und für unsere Kolleginnen und Kollegen in der Assemblée nationale steht direkt der nächste schwierige Wahlkampf an. Eine auch künftig prodemokratische und proeuropäische französische Nationalversammlung wünsche ich mir natürlich auch sehr für unsere enge parlamentarische Zusammenarbeit.

Die Ergebnisse der Europawahl machen aber klar und deutlich, dass es uns demokratischen Parteien nicht ausreichend gelungen ist, die Vorteile und den Stellenwert eines geeinten Europas an junge Menschen zu vermitteln. Dabei ist gerade mehr Europa die Antwort auf die großen Herausforderungen unserer Zeit. Mehr Europa bedeutet mehr Freiheit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das immer nur abstrakt zu betonen, ist aber nicht ausreichend überzeugend. Deswegen ist es gut, dass wir hier auch was ganz Konkretes vorlegen wie beispielsweise das Abkommen über die grenzüberschreitende Berufsausbildung. Es zeigt auf ganz pragmatische Weise, wie sinnvoll es ist, grenzüberschreitend zusammenzuarbeiten.

Junge Menschen sehen sich noch immer mit großen Hürden konfrontiert, wenn sie im deutschen oder französischen Nachbarland einen Beruf erlernen oder auch dauerhaft dort arbeiten wollen. Da geht es beispielsweise um die gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen oder den Abbau bürokratischer Hürden, die auch für Unternehmen einen großen Mehraufwand bedeuten.

Das Abkommen setzt genau hier an. Mit standardisierten deutsch-französischen Verträgen werden wir Bürokratie gezielt abbauen. Wir wollen die Ausbildungsabläufe zwischen der deutschen und der französischen Seite klarer definieren und Abschlüsse gegenseitig anerkennen.

Es muss für Unternehmen endlich einfacher werden, junge Menschen beider Länder anzustellen; denn die Vorteile liegen ja auf der Hand: Die grenzüberschreitende Berufsausbildung adressiert den Fachkräftebedarf auf beiden Seiten des Rheins. Darüber hinaus fördert sie die Zweisprachigkeit und schafft ein Verständnis für die jeweiligen kulturellen Unterschiede in der Lebens- und Arbeitswelt Deutschlands und Frankreichs. Menschen, die eine grenzüberschreitende Berufsausbildung genossen haben, sind auch ausgesprochen attraktive Arbeitnehmer; denn sie haben wichtige Erfahrungen gesammelt, sind flexibel und besser in der Lage, interkulturellen Herausforderungen zu begegnen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Was mich besonders freut, ist das große Engagement unserer Regierung und auch des Landes Baden-Württemberg beim Zustandekommen des Abkommens. Vielen Dank dafür! Und auch im Ausschuss für Grenzüberschreitende Zusammenarbeit haben wir alle gemeinsam Druck auf die Umsetzung des Abkommens gemacht. Das verdeutlicht noch einmal den Wert unserer deutsch-französischen Institutionen, und wir werden gemeinsam alles dafür tun, diese vor der Zerstörungskraft der Rechtsextremisten zu schützen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Ich finde es auch etwas befremdlich, dass hier Vertreter der CDU/CSU lachen, wenn die Vorrednerin die historische Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft betont.

Wir haben wirklich nichts verstanden! Wir haben gelacht über eure Dummheit!

Zum Glück sehen das viele Kolleginnen und Kollegen aus Ihrer Fraktion aus meiner Region völlig anders, –

Porträt von Christoph Ploß
Foto: Tobias Koch
20 Vermerkeca. 314 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Heute geht es darum, wie wir eine vernünftige Klimaschutzpolitik mit einer vernünftigen Wirtschaftspolitik verbinden.

Warum stehen Sie denn da vorne?

Da sind Sie ja der Falsche, oder?

Ich sage zu Beginn der Debatte eines ganz klar: Wir als CDU/CSU-Fraktion stehen zum Pariser Klimaschutzabkommen.

Ja, nur nicht in der Umsetzung!

Wir stehen zu den Klimaschutzzielen, und wir stehen dazu, dass die CO2-Ziele insbesondere im Verkehrssektor erreicht werden.

Ui! Nur, „wie?“ ist die Frage!

Ja, ich stehe auch zu vielem!

Aber herauszufinden, wie wir diese Ziele erreichen, ist nicht Aufgabe der Politik, sondern das sollte in einer sozialen Marktwirtschaft Sache von Verbrauchern und Unternehmen sein.

Deswegen ist das, was Teile der Ampelkoalition seit Monaten fordern, völlig falsch. Sie sagen einfach: Wir verbieten eine bestimmte Technologie.

Das stimmt doch gar nicht!

Wir verbieten den Verbrennungsmotor,

Das stimmt doch gar nicht!

selbst wenn er klimaneutral betrieben werden kann.

Sie wissen ja gar nicht, wie dieses System läuft! Flottengrenzwerte!

Ein solches Verbot schadet dem Wirtschaftsstandort Deutschland,

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist Quatsch!

und es sorgt auch dafür, dass wir die Klimaziele nicht besser erreichen, sondern dass wir eine wichtige Option beim Erreichen der Klimaziele kaputtmachen.

Ich will Ihnen eines sehr deutlich sagen: Es sollten nicht Beamte in Brüssel entscheiden,

Es war doch die Kommissionspräsidentin, die das entschieden hat!

Auch nicht die Kommissionspräsidentin?

es sollten auch nicht Politiker im Deutschen Bundestag entscheiden, ob Batterieautos zum Einsatz kommen,

Aber vor allem sollte es Ploß nicht entscheiden!

ob Wasserstofffahrzeuge zum Einsatz kommen oder ob klimafreundliche Verbrenner zum Einsatz kommen.

Laut der Union sollte das von der Leyen entscheiden, oder?

Das ist einzig und allein Angelegenheit der Bürger; das ist einzig und allein Angelegenheit der Verbraucher. Die Verbraucher in Deutschland müssen das Recht haben, sich zu entscheiden.

Die Verbraucher bauen auch ihre Autos selbst, oder?

Sie wollen nicht gegängelt werden, und sie brauchen keine Verbote, sondern sie brauchen Freiheit.

Das Verbrennerverbot ist auch deswegen so unsinnig,

Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

weil unsere deutsche Wirtschaft, weil unsere deutschen Unternehmen führend bei der Verbrennertechnologie sind.

Zurufdes Abg. Michael Sacher [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ganz viele Zulieferer, gerade im Süden Deutschlands und in Nordrhein-Westfalen, hängen an der Verbrennertechnologie.

Und in Thüringen!

Große deutsche Autobauer – ich nenne mal nur BMW als Beispiel – sagen seit Monaten: Bitte lasst Technologieoffenheit zu! Wir wollen die Klimaziele erreichen. Aber bitte lasst Technologieoffenheit zu!

Wer sagt das eigentlich?

Wer sagt das genau? Faktencheck!

Deswegen will ich an die Ampelkoalition appellieren: Setzen Sie auf soziale Marktwirtschaft! Setzen Sie auf Freiheit statt Verbote, und setzen Sie auf Technologieoffenheit!

Tun wir doch! Ihr wart doch immer dagegen!

Stoppen Sie das Verbot des Verbrennungsmotors!

Beifallbei der CDU/CSU

Was ist nur aus der Union geworden? Man staunt! Man staunt!

Porträt von Isabel Cademartori Dujisin
Foto: Photothek Media Lab
15 Vermerkeca. 430 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Meine Herren, vielleicht lassen Sie mich hier vorne mal sprechen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es gab in der letzten Woche vor der Europawahl eine ganz wunderbare Umfrage der CDU/CSU,

Zurufevon der CDU/CSU: Oh!

bei der sie versucht hat, mit einer völlig falschen und tendenziösen Fragestellung die Menschen aufzuschrecken und ihnen zu suggerieren, es drohe ein Verbrennerverbot.

Reden Sie jetzt über Cyberkriminalität?

Das war schon für sich genommen peinlich genug.

Aber noch peinlicher war dann das Ergebnis dieser Umfrage, nämlich dass 85 Prozent gesagt haben, sie würden das sogenannte Verbrennerverbot befürworten.

Das ist gehackt worden!

Schnell war natürlich die Rede von Manipulation, ja sogar von krimineller Energie, wegen einer simplen Umfrage. Ich kann Ihnen wirklich nicht ersparen, zu sagen: Welch eine Ironie, dass eine Partei, die hier das Wort „Technologie“ führt und auf Tüftler setzt, um den Klimawandel zu bewältigen,

Heiterkeitbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

es nicht mal schafft, die Technologie zu beherrschen, um eine simple Umfrage ins Netz zu stellen!

Aber nicht nur die Technologie bei einer Umfrage stellt eine große Herausforderung dar, sondern auch, die richtige Fragestellung zu formulieren, und so war die Fragestellung an sich schon irreführend. Denn es gibt kein Verbot des Verbrenners ab 2035.

Es gibt Flottengrenzwerte, die vorschreiben – Stand jetzt –, dass ab 2035 nur noch Autos neu zugelassen werden dürfen, die null CO2 emittieren.

Stefan Gelbhaar [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an den Abg. Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU] gewandt: Herr Ploß, zuhören! Ganz wichtig!

Und wie diese Vorgabe erreicht werden soll, ist nicht vorgegeben – nur um das noch mal festzuhalten.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Millionen von Autos, die noch mit Verbrennungsmotoren fahren werden, die Gebrauchtwagen, werden natürlich auch nach 2035 auf dem Markt und unterwegs sein. Daran werden wir nichts ändern.

Sie haben in Ihrem Antrag auch gar nicht die Frage beantwortet, wie Sie denn diese Klimaziele, die Sie ja selber hier noch hochgehalten haben, erreichen wollen.

Ja, gute Frage!

Zurufvon der CDU/CSU: Mit Alternativen!

Also, man will nichts vorschreiben; man hat aber eigentlich gar keine Idee und gar keinen Plan von den Rahmenbedingungen, die zu setzen sind, um diese Klimaziele zu erreichen. Das ist unverantwortlich.

Zurufvon der AfD

Insbesondere ist es der Industrie gegenüber unverantwortlich, die Milliarden an Investitionen getätigt hat, um die Klimaziele zu erreichen.

Dieses Industrieharakiri spielen Sie auch auf anderen Themenfeldern. Ich sage nur: Importzölle. Da sagt Merz einerseits: Nein, auf gar keinen Fall! – Die CDU/CSU im Europaparlament sagt andererseits: Ja, finden wir super! – Klar ist nur, dass die Automobilindustrie sich auf die CDU nicht verlassen kann. Wenn wie 2019 Wahlen sind und Fridays for Future auf der Straße ist, dann ist man für den Green Deal, dann ist man für Klimaschutz. Jetzt, wo die Lage sich etwas gedreht hat, wo der Wind einem entgegenbläst, fällt man sofort um. Mit Ihnen kann man keine verlässliche Industriepolitik machen, Klimapolitik sowieso nicht und Verkehrspolitik besser auch nicht.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
16 Vermerkeca. 502 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin ehrlicherweise schon ein bisschen verwirrt

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Das kennen wir!

über den Antrag der Union. Ich kann es mir nur so erklären, dass Sie mit diesem Antrag die Fehler, die Sie selbst in der Vergangenheit gemacht haben, sozusagen kaschieren wollen.

Es ist ja schon erstaunlich – das ist bereits angeklungen –: Wer hat denn das Verbrennerverbot vorangetrieben? Es war doch Ihre Kommissionspräsidentin, die das in Brüssel

Das ändert die auch jetzt wieder!

vorangetrieben hat. Sie wurde da ja auch von namhaften Kollegen unterstützt. So hat Markus Söder mehrfach gefordert: Wir müssen dem Verbrenner ein Enddatum setzen. – Davon hört man jetzt nichts mehr.

Sehr überraschend!

Ich weiß auch nicht, was daran zu kritisieren ist.

Dann hat Volker Wissing in Brüssel interveniert und dafür gesorgt, dass es die Option gibt, mit klimaneutralen Kraftstoffen auch in Zukunft Verbrenner betreiben zu können. Wer hat ihn für sein Vorgehen ganz massiv kritisiert? Manfred Weber.

Merken Sie was, liebe Kolleginnen und Kollegen? Markus Söder, Manfred Weber und – – Wie hieß gleich noch mal unser ehemaliger Bundesverkehrsminister?

Volker Wissing!

Tut jetzt auch nichts zur Sache! Aber merken Sie was? Das war doch die Allianz für das Verbrennerverbot.

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich will an dieser Stelle einmal daran erinnern: Wir haben in der letzten Wahlperiode als FDP-Fraktion einen Antrag eingebracht,

Beifallbei Abgeordneten der FDP

von dem sich jetzt vieles in Ihrem Antrag wiederfindet.

Zurufdes Abg. Dr. Dirk Spaniel [AfD]

Ganz erstaunlich! Es lohnt ja ein Blick in das Plenarprotokoll von damals. Der Kollege Tebroke – ich glaube, er ist heute gar nicht hier – hat damals gesagt, dass „der Einführung der Elektromobilität der Vorzug zu geben ist“, eine „Gleichstellung des Verbrenners … mit Elektrofahrzeugen“ lehnen wir ab. Ja, so ändern sich die Zeiten,

Und dann habt ihr den Umweltbonus abgeschafft!

liebe Kolleginnen und Kollegen der Union.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und der Abg. Isabel Cademartori Dujisin [SPD]

Da klatschen nicht mal die eigenen Leute!

Ich will an dieser Stelle glasklar sagen: Wir als Freie Demokraten setzen uns seit jeher für dieses Thema ein. Wir haben es nicht wie Sie neu entdeckt oder einen kleinen Meinungsumschwung vollzogen. Die Umfrage ist ja schon erwähnt worden. Ich gebe Ihnen mal einen Tipp: Wissen Sie, was wir machen? Wir sprechen mit den Menschen in diesem Land:

Hat man bei der Europawahl gesehen!

Die wollen weiter mit einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor fahren. Und um das zu erfahren, brauchen wir keine Umfrage, die dann noch nicht mal das gewünschte Ergebnis produziert, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Fest steht für uns Freie Demokraten: Wir brauchen Technologieoffenheit. Wir brauchen alle Optionen: egal ob Wasserstoff, ob batterieelektrisch oder E-Fuels. Wir setzen hier glasklar auf Technologieoffenheit; das möchte ich an dieser Stelle noch einmal betonen.

Beifallbei der FDP

Sie können jetzt Anträge in der Form einbringen, wie Sie wollen; das ist Ihr gutes Recht.

Gott sei Dank!

Nur, ich sehe Ihre Wankelmütigkeit. Mal sagen Sie hü; mal sagen Sie hott. Bei der Union sagen die einen so und die anderen so,

Widerspruchbei der CDU/CSU

frei nach dem Motto „Was interessiert uns unser Geschwätz von gestern?“ Es geht nicht um Prinzipien, sondern immer darum, jemandem hinterherzulaufen. Wir als Freie Demokraten haben hier eine klare Agenda; diese haben wir im Übrigen, lieber Enak Ferlemann, seit vielen, vielen Jahren und werden diese auch weiterhin haben.

Ich bin gespannt, was für Anträge in naher Zukunft von den Kolleginnen und Kollegen der Union zu diesem Thema vorgelegt werden.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Lisa Badum
Foto: Lisa Badum / René Ruprecht
12 Vermerkeca. 407 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich möchte mit dem Thema Klimaschutz anfangen. Komisch ist, dass außer Frau Weisgerber aus dem Umweltausschuss, die hier anwesend ist, leider keine weiteren Klimapolitiker/-innen von der CDU/CSU heute da sind – vielleicht kein Zufall.

Wir alle sind Klimapolitiker!

Schauen wir uns an, was die Flottengrenzwerte bringen: bis 2030 eine Einsparung in Höhe von 30 Prozent im Bereich PKW-CO2-Emissionen und von 60 Prozent bis 2035. Herr Ploß, ich habe leider nicht von Ihnen gehört, wie Sie das kompensieren wollen.

Zurufdes Abg. Patrick Schnieder [CDU/CSU]

Ich freue mich natürlich, wenn Sie dann mit Ihrem effizienten fossilen Verbrenner durch Hamburg fahren. Ich hoffe allerdings, Sie können dann auch damit fahren und er wird Ihnen nicht von der Flut direkt unter den Füßen weggespült. Das hoffe ich wirklich sehr für Sie.

Was soll das denn? Das ist ja völlig daneben!

Vielleicht verstehen Sie dann, worum es hier geht.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber Klimapolitik ist offensichtlich abgehakt bei Ihnen.

Kommen wir zur Frage der Wirtschaftspolitik. Ich finde es sehr bedenklich, auch wenn man es lustig finden könnte, dass Markus Söder immer neue Enddaten nennt, andere als früher, und Sie heute wieder mit dem kompletten Gegenteil kommen. Wissen Sie, warum ich es nicht lustig finde? Weil ich aus einer Automobilzulieferregion komme, nämlich aus Bamberg. Das sind über 40 000 Arbeitsplätze bei uns in der Region, und zwar nicht bei den Konzernen, sondern bei den kleinen und mittleren Unternehmen.

Die sind alle durch die Ampel gefährdet! 40 000 Schicksale!

Diese Unternehmen sind abhängig davon, was die Konzerne vorgeben, sind abhängig von der politischen Diskussion. Und sie können keine Unsicherheit brauchen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die müssen wissen: Geht es jetzt um eine Umschulung vom Mechaniker zum Mechatroniker? Geht es für mich als metallverarbeitendem Betrieb darum, neue Standbeine aufzubauen? In welche Richtung geht es für mich?

Diese Kampagnen der CDU/CSU, die im Zwei-, Dreijahrestakt eine völlig andere Industriepolitik verkünden, sind absolut schädlich für uns.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Sie sind die Abrissbirne der Verlässlichkeit in diesem Land! Das ist die CDU/CSU.

In China ist der Anteil der Elektroautos bei den Neuzulassungen von 5 auf 40 Prozent gestiegen – in nur fünf Jahren. Wenn wir Ihrer Politik folgen, dann werden wir nur noch die Schlusslichter unseres Exportmarktes China und der chinesischen Elektroautos sehen.

Dann werden wir da nicht mehr reinkommen.

Deswegen wäre mein Ratschlag, dass Sie sich an Manfred Weber halten, der gestern bei Markus Lanz erklärt hat: „Die Zukunft ist elektrisch“,

Zurufdes Abg. Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU]

dass Sie für eine verlässliche Wirtschafts- und Industriepolitik stehen und aufhören, Verlässlichkeit und Planbarkeit Ihren Kampagnen wie Ihren Beratern zu opfern;

Zurufvon der AfD

denn dafür ist die Lage zu ernst.

Danke.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufevon der AfD
Porträt von Felix Schreiner
Foto: Felix Schreiner/ Tobias Koch
8 Vermerkeca. 302 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Einige meiner Vorredner haben, glaube ich, vergessen, was dieses Land starkgemacht hat: Es war die soziale Marktwirtschaft und ganz sicher nicht eine Politik, die den Menschen aus ideologischen Gründen vorschreibt, ob sie sich ein Auto mit Verbrennungsmotor kaufen dürfen oder nicht. Es ist ganz sicher falsch, den Verbrennungsmotor verbieten zu wollen und aus ideologischen Gründen eben nicht die Technologieoffenheit in diesem Land voranzutreiben.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich möchte mit einem Märchen aufräumen: Aus Sicht des Klimaschutzes gibt es keinen nachvollziehbaren sachlichen Grund für das Verbot des Verbrennungsmotors. Nehmen Sie zur Kenntnis: Es ist entscheidend, was in den Verbrennungsmotor reinkommt und was hinten rauskommt. Bei Technologieoffenheit geht es darum, inwieweit wir auf E-Fuels setzen, wie wir mit HVO umgehen und wie wir dafür sorgen, dass die Unternehmen in unserem Land neue Technologien auf den Weg bringen.

Beifallbei der CDU/CSU

Was denn nun?

Ihnen geht es nur um Ideologie, dabei geht es auch um neue Anreize. Es hängen 600 000 Arbeitsplätze und mehr als 100 Milliarden Euro industrieller Wertschöpfung jährlich an der Verbrennungstechnologie. Das müssen auch die Grünen zur Kenntnis nehmen. Herr Gelbhaar, mit Ihrem Lastenrad – gegen das ich gar nichts habe – werden wir diese 600 000 Arbeitsplätze vermutlich nicht halten können.

Heiterkeitund Beifall bei der CDU/CSU
Beifallbei der AfD

Ich komme aus Baden-Württemberg, Technologieland Nummer eins. In der Zuliefererindustrie gibt es familiengeführte Unternehmen, die sich Sorgen machen. Und natürlich sind sie auch bereit, die Transformation in der Automobilindustrie mitzugehen. Aber dazu braucht es Verlässlichkeit.

Ihr seid doch das Gegenteil von Verlässlichkeit! Ihr seid das doch!

Und was machen Sie? Sie sorgen nicht für einen Markthochlauf bei E-Autos. Aber statt die Förderung sicherzustellen, haben Sie sie gekürzt, Sie haben den Umweltbonus abgeschafft.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Sie haben über Nacht dafür gesorgt, dass im Mai 2024 30 Prozent weniger Elektroautomobile in Deutschland verkauft wurden als im Vorjahrsmonat. Das ist die Wahrheit. Sie, liebe Ampelkoalition,

... können es nicht!

sind das wahre Problem für die Technologieoffenheit in unserem Land.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
10 Vermerkeca. 316 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Laut einer Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung,

– von den Linken, nicht BSW – wird sich der Bestand von Pkws weltweit möglicherweise schon vor 2050 von 1 Milliarde auf über 2 Milliarden erhöht haben. Die Studie besagt auch, die Hälfte davon werden Verbrenner sein; das heißt, wir werden genauso viel Verbrenner haben wie jetzt.

Von denjenigen, die möchten, dass der Verbrenner Geschichte wird, habe ich keinen Vorschlag gehört, wie man trotz dieser 1 Milliarde Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor den CO2-Ausstoß reduzieren will.

Ja! Sehr gut!

Mit Elektro geht es nicht, weil nur die Hälfte der Autos Elektrofahrzeuge sein wird, die andere Hälfte wird noch Verbrenner sein.

Nun weisen manche darauf hin, dass nicht der Motor brennt, sondern das, was man reinschüttet. Die haben vollkommen recht. Deshalb geht es darum, andere Kraftstoffe zu entwickeln, sodass man in diesem Bereich tatsächlich eine CO2-Reduzierung hinkriegt. In dem Ziel, dass wir das wollen, sind wir uns – vielleicht bis auf die AfD – alle einig. Aber die Vorschläge, nur auf Elektro zu setzen, lösen das Problem überhaupt nicht.

Da kommen wir wohl zu anderen Schlussfolgerungen!

Im Übrigen, Frau Badum, wenn es um Arbeitsplätze geht: In Schweinfurt – das kann ich Ihnen sagen – schaut die Welt ganz anders aus. Dort gehen die Leute auf die Straße, weil sie fürchten, ihre Jobs zu verlieren, weil von Ihrer Partei und auch von anderen eine ideologische Diskussion gegen den Verbrenner geführt wird. So ist die Welt.

Beifallbeim BSW sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD

Und wenn wir schon beim Thema Elektro sind:

Sie haben gar nicht so viel Redezeit!

Laut VDI-Studie – schauen Sie nach – erreichen Elektrofahrzeuge nach 90 000 Kilometer eine positive Klimabilanz. Die durchschnittliche Fahrleistung hier bei uns beträgt pro Jahr 11 000 Kilometer. Das bedeutet, jemand, der sich ein Elektroauto kauft, erreicht im Durchschnitt nach 8 Jahren eine positive Klimabilanz.

Das ist falsch! Die Rechnung ist falsch!

– Lesen Sie die Studie!

Diese ideologisch geführte Debatte ist eine Katastrophe für die Arbeitsplätze,

Beifallbeim BSW

Das möchte ich mal sehen!

ist eine Katastrophe für unser Land, weil sie eine bewährte Technologie ruiniert, und Sie sind dabei der Totengräber.

Beifallbeim BSW sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD
Beifallbei der SPD
15 Vermerkeca. 434 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das ist ja eine lebhafte Diskussion hier im Plenum. Als Kind der 70er-Jahre

Zurufvon der AfD: Na, mehr der 68er!

will ich vorwegschicken: Der Verbrenner hat uns viel Wohlstand, viel Freiheit gebracht. Viele Menschen konnten in günstigen Pkws mit Verbrennungsmotor unterwegs sein. Und natürlich war die deutsche Automobilindustrie ein Erfolgsmodell, indem immer effizientere Verbrennermodelle entwickelt wurden. Es gab aber auch Diskussionen über neue Umweltstandards. Ich nenne den Katalysator. Das war eine echte Erfolgsstory.

Die andere Seite der Medaille ist, dass wir in vielen Städten Probleme mit Stickoxiden haben.

– In Stuttgart zum Beispiel, wo wir Maßnahmen ergreifen müssen. – Wir haben vor allen Dingen dann ein Problem, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen.

Wir müssen wissen, dass 98 Prozent des Stickoxidausstoßes – so der Expertenrat für Klimafragen – im Bereich des Straßenverkehrs zu verorten ist.

Es gibt mittlerweile eine steigende Anzahl von Pkws: 49,1 Millionen Pkws auf deutschen Straßen. Der überwiegende Teil ist Verbrenner. Das heißt, wir müssen, wenn wir 145 Millionen Tonnen CO2 einsparen wollen, die Zahl der Verbrenner zügig auf null setzen.

Beifallder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Leider haben wir hier kein besonders großes Erfolgserlebnis.

Das stimmt!

Zur Debatte zum Thema Technologieoffenheit: Ich habe den Eindruck, dass es für die rechte Seite des Hauses und die ganz linke Seite des Hauses relativ einfach ist: E-Fuels sollen an jeder Tankstelle zu einem sehr günstigen Preis zu bekommen sein. Die Produktionskosten für E-Fuels liegen mittlerweile bei ungefähr 3 Euro pro Liter.

Ist das in drei, fünf oder sieben Jahren auch noch so?

– Lesen Sie doch mal die Studien: Es sind 3 Euro. Wir haben derzeit keinerlei Produktionsanlagen für E-Fuels in Deutschland.

Dann brauchen Sie es doch nicht zu verbieten! Lassen Sie es doch einfach sein!

– Natürlich lassen wir zu, dass auch E-Fuels produziert werden. Aber das, was Sie wollen, ist eine Subventionierung von E-Fuels

in einem völlig ineffizienten Bereich. Und das finde ich an dieser Stelle hochgefährlich.

Und wir müssen wissen: Für die Herstellung von klimaneutralen Kraftstoffen – der Kollege Carlos Kasper hat das sehr deutlich gesagt – brauchen wir das Siebenfache an erneuerbarer Energie.

Warum schaltet ihr dann die Kernkraftwerke ab?

– Meinen Sie denn ernsthaft, Herr Ploß, dass wir das mit Kernkraftwerken erreichen würden? Rechnen Sie das doch mal nach! Siebenfach mehr Energie!

Die Franzosen machen genau das! Schauen Sie doch mal nach Frankreich!

Ich will deutlich machen, um was es tatsächlich geht. Wir wollen die Elektromobilität nach vorne bringen. Es gibt viele Unternehmen der Automobilindustrie, die sich entschieden haben, hier zu investieren.

Zum Beispiel in Schweden!

Wir werden künftig günstigere E-Autos produzieren können. Der Kollege Riexinger hat es angesprochen: Wir brauchen günstigere E-Mobile.

Beifallder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir brauchen auch einen hohen Stand an Beschäftigung durch Innovation. Wir müssen Menschen Mobilität ermöglichen, und wir müssen schnell klimaneutral werden. Und dafür steht die SPD.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Was ist aus der früheren Arbeiterpartei geworden!

Zurufevon der CDU/CSU

– Oh, Entschuldigung, Kollege Geissler. – Voraussichtlich letzter Redner in dieser Debatte ist der Kollege Dr. Jonas Geissler für die CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Jonas Geissler
Foto: Jonas Geissler/ CSU-Landesleitung
7 Vermerkeca. 322 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin, vielen Dank, dass Sie mich noch zu Wort kommen lassen.

Heiterkeit

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Also, ganz ehrlich, wir haben jetzt eine unglaublich aufgewühlte Debatte geführt, wo man gemerkt hat, dass es natürlich auch um ganz viele Ängste im Land geht. Das sind einerseits die Ängste dort, wo neue Industriezweige aufgebaut werden, andererseits die berechtigten Ängste der Regionen, wo bestehende Industriezweige sind.

Über all dem schwebt natürlich die Frage: Wie können wir Klimaschutz in Zukunft gewährleisten? Ich komme aus einer der waldreichsten Regionen Deutschlands.

Das kann nicht sein!

Der Landkreis Kronach liegt im Frankenwald, der zweitwaldreichste in Bayern, nach dem Bayerischen Wald. Ich sehe bei mir daheim den Klimawandel jeden Tag vor der Haustür: Wir haben Kahlflächen, weil der Borkenkäfer alles vernichtet, was da ist. Jeden, der den Klimawandel leugnet, lade ich herzlich zu mir nach Hause ein, sich das einmal direkt vor Ort anzuschauen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir sind aber genauso eine der industriestärksten Regionen, wo es natürlich darum geht, wie unsere deutschen Autobauer und Zulieferer in Zukunft nach wie vor wirtschaften können, wie sie Innovationen machen können, wie sie auf neue Technologien setzen können und wie sie die alten Technologien fortsetzen können.

Genau dafür brauchen wir Technologieoffenheit. Jetzt kann man sich hinstellen und sagen: Das mit den E-Fuels funktioniert nicht. – Natürlich funktioniert es nicht, wenn sie bei uns produziert werden. Aber wenn sie in den Ländern, wo das Benzin gerade herkommt, produziert werden,

Die brauchen doch die Energie selber!

dann sind wir schon mal um den Faktor vier besser. Wir sehen das jeden Tag an den Tankstellen: Mit HVO 100, einem Kraftstoff, den Sie selber zugelassen haben, haben wir Kraftstoffe, die mit einem ganz geringen Ausstoß heute schon funktionieren. Das ist der Weg in die Zukunft.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist der Weg, ohne Scheuklappen zu sagen: Das, was möglich ist, machen wir.

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wie wir in der Vergangenheit auch auf Ideen, auf Visionen gesetzt haben, das wollen wir auch in der Zukunft machen. Dafür bitten wir Sie um Ihre Unterstützung.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
17 Vermerkeca. 572 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Vielen Dank. – Frau Vorsitzende! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir reden ja heute nicht das erste Mal über das Verbot von Verbrennungsmotoren.

Da hat er allerdings recht!

Die Kompetenz und Ernsthaftigkeit in diesem Plenum kann man schon daran erkennen, dass da steht „Verbrennerverbot“. Es gibt keine „Verbrenner“; es gibt „Verbrennungsmotoren“. Ich finde es traurig, dass das hier noch nicht mal richtig beim Namen genannt wird.

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, mit dem Aus des Verbrennungsmotors verschwindet die bezahlbare Mobilität für ganz viele Menschen in diesem Land.

Lachenbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Quatsch!

Sie verschwindet deshalb, weil sie keinen privaten Ladepunkt haben.

Beim Verbrennermotor hat man auch keinen privaten Ladepunkt!

Es verschwindet auch ein Hobby von Millionen Menschen in diesem Land, die heute ein Motorrad fahren. Und es verschwinden auch die Arbeitsplätze für sehr viele Menschen in diesem Land, die heute noch in der Automobilindustrie arbeiten.

Beifallbei der AfD

Das Einzige, was nicht verschwindet, sind die CO2-Emissionen im Verkehrssektor, weil nämlich nach wie vor 60 Millionen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren fahren; und dafür haben Sie keine Lösung. Und die Elektroautos in diesem Land, die irgendwann mal fahren, fahren ja auch noch viele Jahre mit Kohle- und Gasstrom, das heißt im Endeffekt auch mit CO2-Emissionen. Das Ganze ist eine Lose-lose-Situation, die lächerlicher nicht mehr sein könnte; und die haben Sie alle hier provoziert.

Beifallbei der AfD

Die ganze Welt setzt auf E-Autos! Die ganze Welt!

Was müssen wir jetzt tun? Wir müssen jetzt zwei Dinge erreichen – Herr Wissing ist noch nicht mal da, um sich das Ganze anzuhören;

Das kann ich ihm nicht verdenken!

aber wenigstens ist der Staatssekretär da –: Deutschland muss in der EU nicht darauf drängen, dass wir eine Sonderkategorie für Fahrzeuge mit synthetischen Kraftstoffen schaffen, nein, wir müssen darauf drängen, dass wir einfache, pragmatische Lösungen bekommen.

Und die wären?

Drängen wir darauf, dass synthetische Kraftstoffe als CO2-neutral anerkannt werden.

Beifallbei der AfD

Und drängen wir darauf, dass diese Kraftstoffe in unserem Land ohne Steuer verkauft werden können. Dann werden wir alle sehen, dass ganz viele Menschen diese Kraftstoffe verwenden. Und dann werden die CO2-Emissionen sinken. Das wird auch dazu führen, dass wir nicht irgendwann in der Zukunft irgendwelche Lösungen haben.

Zurufdes Abg. Mathias Stein [SPD]

Das wird dazu führen, dass wir eine politische Akzeptanz in der Gesellschaft kriegen.

Beifallbei der AfD

Das ist ein schönes Märchen!

Ich sage Ihnen eins: Niemand wird sich eines Kraftstoffes verwehren, der billiger ist als der heutige Kraftstoff. Aus diesem Grund: Wenn Sie es ernst meinen, nehmen Sie die Steuer für synthetische Kraftstoffe weg. Dann senken Sie Ihre CO2-Emissionen, und Millionen Menschen in diesem Land behalten ihre Mobilität. Das ist die pragmatische Politik unserer Partei.

Beifallbei der AfD

Das ist in Ihrem Antrag noch nicht mal drin.

Haben wir auch schon beantragt!

Lassen Sie mich aber noch etwas zur Ehrlichkeit in der Politik sagen. Die Menschen in diesem Land – das haben wir gerade erst wieder gesehen –

Die möchten nicht, dass Politiker bestochen werden aus Russland!

sind angefressen davon, dass Politik ihnen etwas verspricht und hinterher nicht hält. In den Jahren, in denen wir darüber geredet haben, wie wir weiter vorgehen, habe ich von Ihnen von der Union, auch im Verkehrsausschuss, nie gehört, dass es eine Alternative zu dem Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor gibt. Erst jetzt, wo Sie in der Opposition sind, fällt Ihnen das ein. Das ist Ihnen vorher eben nicht eingefallen!

Beifallbei der AfD

Da haben Sie vorher nicht aufgepasst!

Wir haben 2018 Expertenanhörungen im Deutschen Bundestag gehabt. Man hat uns, allen Politikern hier, explizit gesagt – gerade bei Ihrer Frau Weisgerber im Umweltausschuss war diese Anhörung –, was für dramatische Konsequenzen das Verbot des Verbrennungsmotors für die deutsche Industrie, die Menschen in diesem Land und auch im Hinblick auf die CO2-Emissionen haben wird.

Und – Sie können sich nicht rausreden – Sie haben dieser Politik auf europäischer Ebene zugestimmt.

Sie haben unsere Anträge zu diesem Thema abgelehnt.

Zurufvon der CDU/CSU

– Stellen Sie eine Frage dazu, dann antworte ich gern darauf.

ca. 32 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Fakt ist auf jeden Fall: Ehrlichkeit in der Politik bedeutet, dass, wenn man nicht mehr an der Regierung ist, nicht alles auf einmal anders und vergessen ist. Wir wollen eine ehrliche Politik.

ca. 10 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich sage Ihnen eins: Entweder kippt die EU das Verbrennungsmotorenverbot, –

ca. 6 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– oder das Verbrennungsmotorverbot kippt die EU.

2 Vermerkeca. 2 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
9 Vermerkeca. 526 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Bei der CDU hat man immer das Gefühl, wenn es um dieses Thema geht, dass es sich um ein Selbstgespräch handelt – ein Selbstgespräch voller Vorwürfe.

Die sprechen nicht! Die schreien sich an!

Man weiß immer nicht, wer da welche Rolle einnimmt.

Wenn es dann in dem Antrag heißt: „Der Einsatz des Verbrennungsmotors im Pkw ist damit ab 2035 de facto verboten!“, dann ist das zum einen ein Vorwurf der Bundestagsfraktion an die Europäische Kommission unter Führung der CDU, die das natürlich alles mitbestimmt hat,

Was? Die CDU hat das organisiert?

und zum anderen ist das natürlich ein Satz, der einfach in sich völlig falsch ist. Er ist ein Fake.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Denn natürlich ist der Einsatz von Verbrennungsmotoren 2036 noch erlaubt. Das heißt: Wenn Sie einen Käfer finden, mit dem Sie dann noch herumfahren wollen, Herr Ploß, dann tun Sie es.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Oder eine Ente!

Machen Sie das in Hamburg! Fahren Sie da die Straßen rauf und runter! Wenn es für Sie Freiheit ist, mit dem Verbrenner im Stau zu stehen, dann machen Sie das doch!

Also: Es geht nicht um ein Verbrennerverbot – das ist der große Fake, der in diesem Antrag steckt –, sondern es geht um das, was in der Europäischen Kommission mit den Mitgliedstaaten als Kompromiss in Sachen Verbrenner gefunden wurde. Das heißt: Wir dürfen Verbrennerfahrzeuge weiterhin nutzen. Das heißt: Man kann auf Brennstoffzelle setzen. Das heißt: Wer diese Spielerei mag, kann sogar Only-E-Fuels-Fahrzeuge bauen. Herr Ploß, nicht reden, machen! Bauen Sie so ein Ding, wenn Sie es können! Das können Sie alles tun.

Was wir wollen, ist, dass wir in eine echte Technologieoffenheit hineingehen. Deswegen beschließen wir jetzt, übrigens zusammen mit Ihren Ländern, ein Straßenverkehrsgesetz, das dies ermöglicht, nämlich mehr kommunale Entscheidungsfreiheit für Bus, Bahn, Fuß und Fahrrad sowie für Autos. Aber das fehlt in Ihrem Antrag völlig. Wenn Sie über Technologieoffenheit reden, dann sehen Sie nur vier Räder. Das ist schon sehr interessant. Um das mal auf den Punkt zu bringen: Wenn ich ein bestimmtes Wort benutze, fangen Sie gleich an, auszurasten. Das Wort heißt „Lastenrad“.

Lachenbei der CDU/CSU und der AfD

– Zumindest das ist jetzt bewiesen; es ist so.

Zurufevon der CDU/CSU und der AfD

Was wir statt Ihrer Debatte über Technologieoffenheit wollen, ist Technologieführerschaft. Deswegen gehen wir voran beim Netzausbau. Deswegen setzen wir die europäischen Richtlinien um und bauen eine Ladeinfrastruktur. Dafür haben wir jetzt erklärt, dass diese im überragenden öffentlichen Interesse ist. Deswegen sind diese Investitionen so enorm wichtig, übrigens auch in die Straßeninfrastruktur.

Sie wollen ja, dass die Bundesregierung künftig dafür sorgt, dass es keinen Vorrang für Investitionen in die Schiene gibt; das steht in Ihrem Antrag. Dabei sind auch wieder ganz viele Sachen falsch: Erstens: Stichwort „Vorrang für Investitionen für die Schiene“. Die haben Sie heruntergewirtschaftet; natürlich müssen wir das machen. Zum Zweiten entscheidet das gar nicht die Bundesregierung. Das entscheiden wir hier im Deutschen Bundestag, wie wir die Haushaltsmittel einsetzen. Das heißt, Sie fordern die Bundesregierung zu etwas auf, was sie gar nicht leisten kann.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Das heißt: Wieder ein völlig verquerer Antrag, der keinem hilft. Sie unterstreichen damit einmal mehr: Die CDU ist hier auf Schlingerkurs. Sie wollen weiter fossil sein.

Mit dem Lastenrad werden wir unseren Wohlstand nicht verteidigen!

Sie wollen, dass die Debatte von Unsicherheit bestimmt ist, statt einfach klar zu sagen: Wir wollen Investitionssicherheit für die Unternehmen hier in der Bundesrepublik.

ca. 7 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das ist eine Union, die keiner braucht.

2 Vermerkeca. 11 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie machen sich selber überflüssig. Gehen Sie auf den richtigen Kurs!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Beifallbei der FDP
Porträt von Christian Hirte
Foto: Christian Hirte/Tobias Koch
8 VermerkeZwischenfrageca. 234 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin ja etwas irritiert,

Wie Bernd Reuther!

wie sehr die Backen aufgeblasen werden von Frau Cademartori und Herrn Gelbhaar in Anbetracht des Ergebnisses der letzten Europawahl.

Zurufevom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Oah!

Das Ergebnis hat doch auch Gründe

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

und liegt unter anderem daran, dass Sie offenkundig Ihr Handwerk nicht beherrschen. Ich will insbesondere in Richtung der Grünen sagen: Wir haben gerade die Bestätigung des Sachverständigenrates für Umweltfragen erhalten, dass die von Ihnen unterstützte Regierung wahrscheinlich die Klimaschutzziele nicht erfüllen wird.

Also: Hehre Ideologie ist das eine, praktisch vernünftiges Handeln ist das andere.

Beifallbei der CDU/CSU

Was wir erleben, ist, dass Sie Ihrer Ideologie

Zurufdes Abg. Stefan Gelbhaar [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

die notwendigen Schritte für eine echte und vernünftige Klimaschutzpolitik nicht hinterherlaufen lassen. Da habe ich gerade von Ihnen verschiedene spannende Sachen gehört.

Zur Wahrheit gehört, dass es tatsächlich ab 2035 das De-facto-Verbot für Verbrennungsmotoren gibt,

weil die aktuelle Regulatorik vorsieht, dass nur – für diejenigen, die sich auskennen – gemessen wird vom Tank zum Rad bzw. Tank-to-Wheel, also was aus dem Auspuff herauskommt. Also wenn da ein Verbrennungsmaterial im Tank steckt, gibt es eine Emission.

Das ist falsch! Sie kommen aus der DDR und kennen nicht die Grundlagen von Verbrennung! Wasserstoff! Sauerstoff!

Richtigerweise wäre aber der technologieoffene Ansatz, wie von uns als Union gefordert, Cradle-to-Grave; das heißt, wir müssen wirklich offen schauen, was der echte Footprint ist. Es kann doch nicht darum gehen, bestimmte Sachen ideologisch zu verbieten, sondern wir wollen klimafreundliche und perspektivisch vielleicht sogar klimaneutrale Mobilität. Auf dem Weg dahin gibt es ganz verschiedene Möglichkeiten.

Zwischenfrageca. 93 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Herr Hirte, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Wir reden hier die ganze Zeit über das Datum 2035. Meine Frage bezieht sich auf das Datum 2030. Ich finde, es wird hier viel zu wenig darüber geredet, wie sich die Flottengrenzwerte tatsächlich zusammensetzen. Wenn wir über eine tatsächliche Hilfe für unsere Autoindustrie, für die Autofahrer in diesem Land sprechen, dann müssen wir darüber reden, dass bei den Flottengrenzwerten in Europa eben zukünftig auch die Verwendung von synthetischen Kraftstoffen oder ähnlichen Kraftstoffen CO2-neutral angerechnet werden kann. Wie ist Ihre Position denn genau dazu?

Porträt von Christian Hirte
Foto: Christian Hirte/Tobias Koch
9 Vermerkeca. 342 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Dr. Spaniel, wenn Sie mir zugehört hätten,

hätten Sie wahrgenommen, dass ich gerade über den Unterschied gesprochen habe zwischen Tank-to-Wheel und Cradle-to-Grave. Für diejenigen, die das interessiert: Das bedeutet, dass man schaut, was der tatsächliche Footprint bei der Mobilität ist. Und die heutige Regulatorik sieht eben vor, dass man nur schaut, was aus dem Auspuff herauskommt.

Deswegen ist, um Flottengrenzwerte zu erreichen, auch in den nächsten Jahren, wo die nächsten Stufen anstehen, es für die aktuellen OEMs, also für die großen Automobilhersteller, notwendig, neben Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren auch die angeblich null CO2 emittierenden Elektroautos auf den Markt zu bringen, weil die in einer gemeinsamen Flotte dann die Flottenemissionen senken können. Genau das – das hat schon der Kollege Dr. Ploß ausgeführt – ist der falsche Weg, weil es nämlich nicht deutlich macht, was der echte Footprint für unser Klima ist.

Beifallbei der CDU/CSU

Das war mal eine sachliche Antwort!

Da ich gerade bei Ihnen bin: Ich rege doch sehr an, dass Sie hier die Wahrheit erzählen,

wie wir uns als Union verhalten haben, zum Beispiel auch zum Thema Verbrennerverbot. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie, wenn ich Sie jetzt frage, ein einziges Beispiel finden, wo wir als CDU/CSU-Fraktion oder die Kollegen von uns im Europäischen Parlament

ein einziges Mal die Hand dafür gehoben hätten, ein Verbrennerverbot einzuführen. Im Gegenteil: Wir haben es abgelehnt.

Beifallbei der CDU/CSU

Frau von der Leyen ist nicht in Ihrer Partei?

Meine Damen und Herren, entscheidend ist, dass wir es vernünftig machen. Helmut Kohl hat einmal gesagt: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt“.

Lachenbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Bei Ihnen, meine Damen und Herren von der Regierung und auch von den regierungstragenden Fraktionen, ist das offenkundig nicht sehr erfolgreich. Das erkennt ja auch der Bürger in unserem Land;

Deshalb haben Sie auch das zweitschlechteste Ergebnis!

denn er ist hochgradig unzufrieden mit dem, was Sie im Allgemeinen anstellen, auch und vor allem bei Mobilitätsfragen. Da gäbe es noch viele Hausaufgaben für Sie zu erledigen.

Morgen sprechen wir über ein weiteres Thema – darauf freue ich mich schon –: Wir sprechen darüber, wie Sie damit umgehen, wie fortschrittliche Biokraftstoffe aus China oder gefälschte Klimazertifikate behandelt oder auch nicht behandelt werden. Das werden wir aber morgen machen.

Vielen Dank für heute.

14 Vermerkeca. 528 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Heute schauen nicht nur die Menschen auf den Tribünen uns zu, sondern auch die Menschen im Landkreis Zwickau und die Beschäftigten im VW-Werk in Zwickau-Mosel.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sehr richtig!

Denn es ist ihre Zukunft, über die heute hier debattiert wird. Denn in Zwickau steht das einzige Werk von deutschen Autobauern, welches komplett auf E-Mobilität umgerüstet wurde.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das war keine reine Konzernentscheidung, keine Entscheidung von „denen da oben“, von der Politik. Nein, das war eine Entscheidung, die die Belegschaft gemeinsam mit der Betriebsleitung getroffen hat.

Das war ein Fehler!

Fürs Protokoll: Die AfD feixt!

Sie haben entschieden: Wir gehen nach vorn, wir entscheiden uns für die Zukunft. Der vorliegende Antrag setzt ebendiese Zukunft aufs Spiel.

Doch worum geht es überhaupt? Die Union möchte mit diesem Antrag das angebliche Verbrenner-Aus bis 2035 kippen. Was hätte das konkret für Folgen? Es würde bedeuten, dass die Produktion von E-Autos in Zwickau eben nicht hochgefahren werden könnte. Damit würden bei mir zu Hause nicht nur 10 000 Arbeitsplätze direkt bei VW infrage gestellt werden, sondern auch 50 000 Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie. Sie gefährden damit den wirtschaftlichen Erfolg einer ganzen Region; denn das sind nicht irgendwelche Arbeitsplätze. Nein, das sind gut bezahlte Industriearbeitsplätze, die schon seit Langem tarifgebunden sind, die hier auf dem Spiel stehen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich möchte Sie fragen: Wollen Sie das wirklich? Sie reden immer wieder von der Zukunft des Standorts Deutschlands. Dabei sind Sie das größte Standortrisiko für den Landkreis Zwickau.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das sehen die Bürger anders!

Und nicht nur das, die Union erweckt mit diesem Antrag auch den Anschein, die EU wolle den Menschen ihr Verbrennerauto verbieten. Das ist jedoch populistische Angstmache und schlicht falsch. Tatsächlich wurde die Neuzulassung – und nur die Neuzulassung – von herkömmlichen Verbrennerautos ab 2035 untersagt.

Zurufvon der AfD

Alle davor zugelassenen Verbrenner dürfen auch danach noch weiterfahren. Niemand muss seinen Benziner oder Diesel verschrotten, nur weil das Jahr 2035 angebrochen ist.

Zurufvon der AfD

Auch können, anders als die Union es in diesem Antrag behauptet, nach 2035 noch Verbrenner zugelassen werden, sofern diese CO2-neutral fahren. Da kommen die von Ihnen als Zukunftstechnologie angepriesenen E-Fuels ins Spiel. Die Wahrheit ist leider: Für private PKWs wird das keine Zukunftstechnologie sein.

Warum nicht?

Denn E-Fuels sind ineffizient und benötigen in der Herstellung enorm viel Energie. Ich will ein konkretes Beispiel bringen: Ein Windrad produziert pro Jahr eine Leistung von ungefähr 3 Megawatt. Damit allein können 1 600 E-Autos betrieben werden.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Jedoch reicht diese Leistung nur für 250 Fahrzeuge, die mit E-Fuels betankt werden.

Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das sagt nicht eine Vorfeldorganisation der Grünen oder der SPD, nein, das sagt der ADAC.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Deswegen ist völlig klar: Elektromobilität, das ist unsere Zukunft!

Das ist sie nicht!

Und für diese Zukunft haben wir uns alle hier, alle demokratischen Fraktionen darauf geeinigt: Bis 2045 wollen wir spätestens klimaneutral werden. – Diesen Konsens lösen Sie mit diesem Antrag auf; denn Sie sagen nicht, wie wir es schaffen, bis dahin klimaneutral zu werden.

Die Bürger haben etwas anderes gewählt in Sachsen als Sie!

Sie stellen einfach das Verbrenner-Aus infrage. Sie gefährden damit nicht nur das Klima, sondern eben auch den Wirtschaftsstandort Deutschland und den Wirtschaftsstandort Sachsen. Dabei ist, zumindest für uns von der SPD, Ostdeutschland die Zukunftsregion. Wir holen Chipfabriken nach Dresden und nach Magdeburg, damit dort gute Industriearbeitsplätze angesiedelt werden. Und wir stehen an der Seite der bestehenden Industriearbeitsplätze.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
ca. 11 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Denn die SPD steht an der Seite der Beschäftigten in Zwickau.

6 Vermerkeca. 228 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Weg, den Union, AfD, FDP und BSW beim Thema Verbrenner einschlagen, ist klimapolitisch, energiepolitisch, verkehrspolitisch und beschäftigungspolitisch

… genau richtig!

der falsche.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ihr Schönsprech von „technologieoffenem Klimaschutz“ heißt im Klartext: Klimaschutz ist uns nicht wichtig.

Ein Verbrenner mit E-Fuels setzt gerade einmal 13 Prozent der eingesetzten Energie für Fortbewegung um. Beim Elektroauto sind das 67 Prozent. Es ist absurd, wie Sie hier gegen wissenschaftliche Fakten Politik machen.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit Ihrem Fetisch für den Verbrenner lenken Sie von der eigentlichen Aufgabe einer umfassenden sozialökologischen Mobilitätswende ab. Vor allem ist Ihr Kurs hochgefährlich für die Beschäftigten in der Automobilindustrie. Statt auf eine Transformation hin zu einer nachhaltigen Mobilitätsindustrie zu setzen, wollen Sie die Laufzeit des Verbrenners verlängern.

Es muss uns doch vielmehr beunruhigen, dass die Automobilindustrie in Deutschland kein für Normalverdiener bezahlbares Elektroauto auf den Markt bringt. Sie droht gegenüber den asiatischen Ländern sogar weiter zurückzufallen.

Zurufvon der AfD: Das sind auch Kommunisten!

Strafzölle werden da übrigens nicht helfen. Im Gegenteil: Die Preise werden steigen, und China wird mit Zöllen für europäische Autos reagieren. Anstatt China für staatliche Subventionen zu kritisieren, brauchen wir selbst eine aktive Industriepolitik, die besonders die Zulieferer unterstützt.

Beifallbei der Linken

Eine Industriepolitik, die dafür sorgt, dass Busse, Straßenbahnen, Bahnen, Kleinbusse und kleine, günstige Elektroautos, die wir dringend für die Mobilitätswende brauchen, hierzulande produziert werden. Das sichert und schafft neue Arbeitsplätze, schafft die Voraussetzungen für die Mobilität der Zukunft, –

8 Vermerkeca. 613 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz, so umständlich und lang das Wort ist, so umständlich und lang dürfen die Gerichtsverfahren nicht sein! Daher werden wir mit der vorliegenden Reform heute die Verfahren einfacher und effektiver gestalten.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Marianne Schieder [SPD]

Unternehmen müssen regelmäßig Informationen veröffentlichen, zum Beispiel zum Umsatz und anderen Kennzahlen. Auf deren Grundlage entscheiden Anleger, Aktien zu kaufen, zu verkaufen oder zu halten. Bei Falschinformationen können Anleger Schadensersatz verlangen und sich für ein Musterverfahren nach dem KapMuG zusammenschließen. Aus den vielen möglichen Klägern wird ein Musterkläger ausgewählt, der den Prozess stellvertretend für alle führt.

Um die Relevanz und gleichzeitig das Problem des KapMuG zu verstehen, genügen zwei Zahlen: 16 000 und 20. Sie stammen aus dem Musterverfahren zum dritten Börsengang der Telekom. 16 000 Anleger haben einen Schaden erlitten und hätten ohne das KapMuG in 16 000 Einzelklagen um ihr Recht streiten müssen – eine Flut an Fällen, die die Gerichte vermutlich überlastet hätte. Wir brauchen das KapMuG, um solche Massen gleichgelagerter Fälle effizient und kostengünstig bewältigen zu können.

20 Jahre dauerte das Verfahren gegen die Telekom – unvorstellbar lang. In dieser Zeit haben einige der Kläger Kinder bekommen, die vor dem Prozessende schon ihr Abitur hatten. Die KapMuG-Verfahren sind offenbar zu komplex und die Abläufe zu zeitintensiv. Nun ist dieses Verfahren sicherlich ein Extrembeispiel. Aber auch andere Verfahren haben sich über ein Jahrzehnt hingezogen.

Das KapMuG läuft Ende August dieses Jahres aus. Ich bin daher Justizminister Buschmann dankbar, dass sich sein Entwurf nicht darauf beschränkt, die Geltungsdauer für das KapMuG nur zu verlängern, sondern es endlich entfristet und grundlegend modernisiert, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dank der guten Zusammenarbeit mit meinen Koalitionskolleginnen und -kollegen im Rechtsausschuss ist es uns gelungen, ein Gesetz auf den Weg zu bringen, mit dem die Gerichte die Verfahren einfacher führen können und Anleger schneller zu ihrem Recht kommen. Dazu verkürzen wir die Zeit, bis eine normale Klage zu einer Musterklage wird. Zulässige Musterverfahrensanträge müssen nun bereits nach drei statt nach sechs Monaten im Klageregister bekannt gemacht werden. Die notwendige Zahl der Kläger für eine Musterklage kommt so schneller zusammen.

Wir verbessern außerdem den Informationsaustausch zwischen den Ausgangsgerichten und den Oberlandesgerichten, die das Musterverfahren anschließend durchführen. Wenn das Ausgangsgericht seinen Fall dem Oberlandesgericht vorlegt, soll es den Sachverhalt der Klage kurz zusammenfassen und die vorgebrachten Beweise auflisten. Das erleichtert es dem Oberlandesgericht, die Vielzahl der Fälle besser zu ordnen und sich schneller mit den entscheidungsrelevanten Tatsachen zu beschäftigen. Das schafft schnellere Verfahren.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir setzen zudem auf die Vorteile der Digitalisierung. Ab nächstem Jahr sind die Verfahrensakten elektronisch zu führen. Das vereinfacht den Aktenaustausch enorm. Anstatt bergeweise Papier auf den Postweg zu schicken, kann das Oberlandesgericht die Fallakten von den Ausgangsgerichten mit wenigen Klicks abrufen. Das entlastet die Geschäftsstellen der Gerichte und bringt einen deutlichen Schub für die Prozessökonomie. Das ist praktizierter Bürokratieabbau, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Dr. Manuela Rottmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Mit diesem Gesetz geben wir den Oberlandesgerichten mehr Handlungsfreiheit, um die Verfahren straffer zu führen. Bisher waren die vorgelegten Fragen der Ausgangsgerichte bindend. Nun dürfen die Oberlandesgerichte selber entscheiden, welche Feststellungsziele sachdienlich sind. Irrelevantes kann ignoriert und Feststellungsziele dürfen umformuliert werden. Außerdem können sie Musterkläger, die den Prozess nicht gewissenhaft führen, einfacher auswechseln. Mit diesen Maßnahmen bekommt das KapMuG die Flexibilität, die ein Großverfahren benötigt, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ein funktionierendes KapMuG ist wichtig für unseren Wohlstand. Während in anderen EU-Ländern privater Aktienbesitz ein normaler Baustein des Vermögensaufbaus ist, besteht in Deutschland gegenüber der Börse eine Grundskepsis. Sparbuch und Lebensversicherung alleine sind aber keine ausreichende Altersvorsorge mehr. Deutschland braucht mehr Kleinanleger.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Luiza Licina-Bode [SPD] und Dr. Manuela Rottmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Dies bekommen wir nur hin, wenn die Menschen durch den Rechtsstaat effektiven Schutz erhalten. Das wird das neue KapMuG leisten, und daher bitte ich Sie, diesem Gesetz zuzustimmen.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Martin Plum
Foto: Martin Plum/Gebhard Bücker Fotografie
7 Vermerkeca. 698 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz – ein totes Pferd?“ Diese Frage wirft ein Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Köln in der aktuellen Ausgabe der „Zeitschrift für Rechtspolitik“ auf.

Schaut man auf die aktuelle Rechtslage, stellt man fest: Das Pferd ist jedenfalls sehr, sehr träge. Kapitalanlegermusterverfahren sind viel zu langwierig, viel zu kompliziert und viel zu schwerfällig. Die Verfahren beschäftigen Anleger und Emittenten, Gerichte und Anwälte oft viele, viele Jahre – zu viele Jahre.

Die vorgeschlagene Reform des Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetzes ändert diesen Zustand nicht grundlegend. Auch die Änderungsanträge der Koalitionsfraktionen tun das nicht. Sie schlagen zwar durchaus einige sinnvolle Änderungen vor. Ich will hier zwei Beispiele nennen:

Erstens. Es ist richtig, dass bei der Zulässigkeit eines Musterverfahrensantrags ebenso wie bei der Aussetzung und Unterbrechung von Parallelverfahren künftig statt des konkreten Abhängigkeitsmaßstabs des Bundesgerichtshofes ein abstrakter Abhängigkeitsmaßstab gelten soll.

Zweitens. Es ist auch gut, dass die Oberlandesgerichte künftig den Streitstoff abschichten und die Feststellungsziele neu fassen können sollen.

Die Grundlage, auf der die Oberlandesgerichte das tun sollen, bleibt freilich weiterhin unzulänglich. Der Vorlagebeschluss des Landgerichts reicht dafür nach wie vor nicht aus – auch mit der jetzt zusätzlich vorgeschriebenen Angabe der Beweismittel. In Summe ist die Reform so oder so nicht geeignet, das träge Pferd wirklich aufzupäppeln.

Beifallbei der CDU/CSU

Deshalb ist es auch falsch, dieses träge Pferd jetzt einfach auf Jahre weiter zu reiten, indem man das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz entfristet. Dass der Regierungsentwurf allen Ernstes annimmt, das Kapitalanlegermusterverfahren habe sich trotz seiner bisherigen Unzulänglichkeiten grundsätzlich bewährt, überzeugt schon angesichts der überlangen Verfahrensdauern nicht. Ebenso wenig überzeugt sein pauschaler Befund: „Alternativen: Keine.“

Um hier jegliche Missverständnisse zu vermeiden, will ich eins klar sagen: Natürlich ist es richtig, das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz jetzt nicht ersatzlos auslaufen zu lassen. Aber „besser als nichts“ ist doch keine überzeugende Begründung für eine Entfristung, und alternativlos ist das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz auch nicht.

Wir beraten doch gerade im Rechtsausschuss selbst darüber, wie wir den Zivilgerichten helfen können, Massenverfahren in ihrer gesamten Breite besser bewältigen zu können. Deshalb wäre es richtig, das Gesetz nicht nur, wie jetzt vorgesehen, erneut zu evaluieren, sondern das Gesetz auch erneut zu befristen. Wer stattdessen „Alternativen: Keine.“ schreibt, der leugnet letztendlich, dass es überhaupt ein besseres und schnelleres Pferd gibt.

Beifallbei der CDU/CSU

Darüber hinaus wird der Ballast, den die Reform dem trägen Pferd jetzt abnehmen will, auch nur verschoben. Diesen muss die Justiz an anderer Stelle tragen. Dass Parallelverfahren nicht mehr von Amts wegen, sondern nur noch auf Antrag ausgesetzt werden können, reduziert deren gebündelte Verhandlung und Entscheidung. Dass Parallelverfahren nicht mehr ausgesetzt werden müssen, sondern nur noch ausgesetzt werden können, verzögert deren Verhandlung und Entscheidung durch eine anfechtbare Ermessensentscheidung zusätzlich und unnötig. Dass Parallelverfahren nur noch auf Antrag des Klägers ausgesetzt werden können, widerspricht der prozessualen Waffengleichheit, und dass ein rechtsschutzversicherter und anwaltlich vertretener Kläger diesen Antrag nicht stellen wird, das liegt doch auf der Hand.

Das alles führt zu mehr Individualverfahren mit doppelten oder gar drei- oder vierfachen Beweisaufnahmen sowie divergierenden Entscheidungen. Das heißt im Ergebnis: Mehrbelastung für die Justiz und weniger Rechtssicherheit für Anleger und Emittenten.

Beifallbei der CDU/CSU

Letztlich behandelt die Reform nur Symptome und nicht die Ursache für die Trägheit des Pferdes. Heute braucht es in Kapitalanlegermusterverfahren teils eine dreistellige Anzahl an Feststellungszielen, um zu einer Entscheidung zu kommen. Das zeigt eindeutig: Das materielle Recht macht die Entscheidung in Kapitalanlegermusterverfahren so schwierig, so langwierig und so kompliziert. Deshalb reicht es eben nicht aus, die prozessualen Schrauben anzuziehen, wie es die Reform allein macht. Um Kapitalanlegermusterverfahren grundlegend zu beschleunigen, muss man auch und gerade das Rad des materiellen Rechts drehen. Das tut die Reform aber an keiner einzigen Stelle.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Frage, ob das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz ein totes Pferd ist, knüpft der Autor übrigens an eine Weisheit, die den Dakota zugeschrieben wird: „Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab.“ Das ist auch bei einem trägen Pferd sehr ratsam,

Also sollen wir es erschießen?

wie es das Kapitalanlegermusterverfahren ist und nach seiner Reform auch bleiben wird. Deshalb lehnen wir als Unionsfraktion diese Reform heute auch ab.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, schauen wir endlich der Realität ins Auge. Es wird Zeit, sich ernsthaft Gedanken darüber zu machen, wie man aus diesem trägen Pferd ein echtes Rennpferd macht. Mit dieser Reform gelingt das jedenfalls nicht.

Beifallbei der CDU/CSU

Es bleibt ein lahmer Gaul!

11 Vermerkeca. 1.195 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuschauende! Heute verabschieden wir die zweite Reform des Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetzes und stärken damit auch gleichzeitig den Kapitalmarktstandort Deutschland.

Mit dem Gesetz geben wir Geschädigten die Möglichkeit und ein effektives Rechtsmittel an die Hand, um Schadensersatzansprüche im Kollektiv geltend zu machen. Gleichzeitig werden auch die Gerichte entlastet, die oftmals Tausende gleich gelagerte Individualverfahren zu den gleichen komplexen Rechtsfragen führen müssen, die nun durch ein Musterverfahren entschieden werden können.

Justiz, Anwaltskanzleien und Experten aus der Rechtswissenschaft sind sich einig: Das KapMuG hat sich bewährt.

Das stimmt doch gar nicht!

Deshalb entfristen wir das Gesetz und verlängern es nicht einfach noch mal, wie die Opposition das hier gerne machen würde.

Zurufdes Abg. Dr. Martin Plum [CDU/CSU]

Man muss irgendwann auch mal Fakten schaffen, Herr Dr. Plum, und das machen wir hier. Das materielle Recht hätten Sie 16 Jahre lang ändern können.

Oh! Wenn ich kein Argument mehr habe, ne? Die restlichen zehn Minuten können wir uns sparen! Da kann ja nichts mehr kommen!

Jetzt sind wir erst mal beim Prozessrecht. Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ein wesentlicher Punkt, den wir in dem Zusammenhang verbessert haben, ist, dass wir die Dispositionsbefugnis der Kläger/-innen gestärkt haben, indem diese nämlich wieder über das eigene Klageverfahren entscheiden können.

Mit dem neuen § 10 Absatz 2 KapMuG entfällt nunmehr die zwangsweise Aussetzung potenzieller zum Musterverfahren geeigneter Verfahren von Amts wegen. Die Aussetzung eines anhängigen Verfahrens zum Musterverfahren erfolgt zukünftig lediglich auf Antrag der Klagenden, soweit die Voraussetzungen vorliegen.

Vernünftige Klägerinnen und Kläger – um gleich mal der Kritik, die da kommen könnte, zu begegnen – werden einen Antrag stellen,

Das ist sehr blauäugig!

um das Verfahren auszusetzen, ohne dass sie dazu den Zwang des Gerichts brauchen. Die sind anwaltlich beraten

Ja, eben, und rechtsschutzversichert! Das ist doch heute schon das Kernproblem!

– Sie waren ja Richter –, und den Richtern bleibt es unbenommen, einen richterlichen Hinweis zu geben, und in dem Zusammenhang werden die Kläger auch oftmals aus Kostengründen diesem Hinweis nachkommen.

Damit schaffen wir einen gesetzlichen Rahmen, nach dem diejenigen Verfahren ausgesetzt werden, bei denen ein Musterverfahren sich eben aus Sicht des Anlegerschutzes auch anbietet, aber auch die Klagenden entscheiden können, ob sie am Musterverfahren teilnehmen und davon profitieren möchten. Nicht zuletzt verhindern wir damit aber auch die Flucht der Beklagten in ein Musterverfahren.

Als weiteren zentralen Punkt haben wir den abstrakten Maßstab der Abhängigkeit eines Verfahrens von den Musterfeststellungszielen, wie von vielen Sachverständigen auch gefordert, nunmehr im Gesetz verankert. Aufgrund der Rechtsprechung des BGH, der bisher einen engen Maßstab vorsah – das haben uns auch die Sachverständigen in der Anhörung berichtet –, kam es immer wieder dazu, dass die Verfahren zu lang gedauert haben, weil die Prüfung des konkreten Maßstabs dann auch zu zeitintensiv und zu komplex war und das ganze Verfahren noch verzögert hat. Aus diesem Grunde haben wir uns für den abstrakten Maßstab entschieden und diesen nunmehr in § 3, § 6 und § 10 des Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetzes verankert. Künftig reicht es aus, dass die Entscheidung des ausgesetzten Rechtsstreits voraussichtlich von den geltend gemachten Feststellungszielen des Musterverfahrens abhängt.

Wie ursprünglich vom Gesetzgeber vorgesehen, können die Gerichte jetzt einfacher die Kernfragen des Verfahrens herausarbeiten und das Musterverfahren definieren. Der breite Aussetzungsmaßstab erleichtert aber auch die Bündelung einzelner Klagen durch die Gerichte und vermeidet, dass ein großer Teil der Klagen in Individualprozessen weitergeführt werden muss. Damit man es vor dem Hintergrund der BGH-Rechtsprechung versteht: Der Aussetzungsmaßstab und die Form der Aussetzung, ob von Amts wegen oder von Klägerseite, sind wichtig, weil sie rudimentär zusammenhängen. Am Ende bedeutet das auch, dass Klägerinnen und Kläger hier noch mal in ihrer Dispositionsbefugnis bestärkt werden und der Rechtsstaat immer dann, wenn er den konkreten Aussetzungsmaßstab anwendet, diesen letztlich auch begründen muss. Das ist einfach zu zeitintensiv, und da sind wir den Sachverständigen gefolgt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ja, jetzt muss er eine Ermessensentscheidung überprüfen! Das ist keine Abwägung!

Im Weiteren stärken wir in § 9 KapMuG die Oberlandesgerichte dadurch, dass wir ihnen mehr Kompetenz an die Hand geben, indem sie laut Vorlagebeschluss nunmehr den Sachverhalt abschichten und die Feststellungsziele neu fassen können. Weiterhin ist zu begrüßen, dass wir nun den Anwendungsbereich des KapMuG noch mal konkretisieren und Anlageinformationsblätter bei Kryptowährungen, Schwarmfinanzierungen sowie Ratings und Bestätigungsvermerke in den Katalog der betroffenen Kapitalmarktinformationen aufgenommen haben. Das ist aus unserer Sicht wichtig; denn wir wollen, dass auch viele Kleinanleger in den Kapitalmarkt gehen. Die müssen wir dann auch ausdrücklich vor Schaden schützen.

Eine weitere Verbesserung, die die Gerichte entlasten wird, besteht darin, dass wir den Anmeldezeitraum für die Ansprüche zum Musterverfahren anpassen und die rückwirkende Verjährungshemmung einführen. Die bisherige Regelung sah vor, dass die Anmeldung gemäß § 13 KapMuG nur binnen sechs Monaten ab Bekanntmachung des Eröffnungsbeschlusses und damit viel zu kurzfristig möglich war. Diese Problematik hat die Praxis geschildert: indem beispielsweise viele Individualklagen nach dem Verstreichen der Frist erhoben wurden, um so die drohende Verjährung zu verhindern. Diese Problematik haben wir nunmehr behoben, indem wir den Zeitraum verschoben haben. Mit dieser Reform passen wir in Artikel 9 den § 204 BGB so an, dass die Verjährungshemmung nun rückwirkend zum Zeitpunkt der Bekanntmachung des Vorlagebeschlusses eintritt, wenn bis dahin eine Anmeldung der Ansprüche zum Musterverfahren erfolgt ist und diese vor allem zu diesem Zeitpunkt noch unverjährt waren. Aber grundsätzlich ist es so, dass wir den Zeitraum erweitert haben und damit Geschädigten mehr Zeit bleibt, sich zu entscheiden, ob sie in das Musterverfahren reingehen wollen oder ob sie sich nicht dazu anmelden wollen.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Dr. Manuela Rottmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Katharina Willkomm [FDP]

Nach § 4 Absatz 1 des Gesetzentwurfs soll die Bekanntmachung von Musterverfahrensanträgen nun binnen drei Monaten ab Eingang des Antrags erfolgen; das ist eine deutliche Beschleunigung. In dieser Zeit ist es möglich, sich dazu anzumelden.

Ein großer Erfolg, der zur Stärkung des kollektiven Rechtsschutzes beiträgt, ist, dass wir uns innerhalb der Berichterstattergespräche darauf einigen konnten, dass wir Beweiserleichterungen nach dem Vorbild von § 33 GWB einführen. Das war ein Punkt, der mir persönlich sehr wichtig war. Ich freue mich, dass wir uns darauf verständigen konnten. Es ist nämlich so, dass sich geschädigte Kläger/-innen regelmäßig einer Organisationsstruktur gegenübersehen, in die sie keinen Einblick haben und wo im Klageverfahren die Beweisführung oftmals deutlich erschwert ist. Zum ersten Mal schaffen wir es jetzt, im kollektiven Rechtsschutz eine Norm einzubringen, die in diesen Konstellationen für deutlich mehr Augenhöhe sorgt. Nach dem Vorbild von § 33 GWB wird es so sein, dass wir auf Antrag die Möglichkeit eröffnen, dass das Gericht die Herausgabe von Beweismitteln zwingend anordnet, die für die Anspruchsbegründung erforderlich sind und vom Anspruchsinhaber hinreichend konkret bezeichnet werden. Das trägt zur materiell-rechtlichen Gerechtigkeit bei, Herr Plum, zumindest in diesem Punkt, und auch zur Überzeugungsbildung des Gerichts.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Katharina Willkomm [FDP]

Ich möchte abschließend noch einen Ausblick geben, was den kollektiven Rechtsschutz angeht. Kollektiver Rechtsschutz ist für uns Sozialdemokraten auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Bürgerinnen und Bürger in diesem Land sollten dort zu ihrem Recht kommen, wo sie überlegenen Akteuren gegenüberstehen. Mit der Verbandsklage, die wir letztes Jahr eingeführt haben, haben wir ein gutes Rechtsmittel geschaffen, bei dem wir auch schon sehen, dass es von den Verbänden gut angenommen wird und auch wirkt. Ein Rechtsmittel muss geeignete Rechtsmittelwege anbieten, anderenfalls führt das zu einem Vertrauensverlust in den Rechtsstaat selber. Der kollektive Rechtsschutz ist aus meiner Sicht aber immer noch nicht zu Ende gedacht. Deshalb lade ich uns, die Ampel, ein, den Weg konsequent weiterzugehen, indem wir uns zeitnah der Einführung einer Gruppenklage widmen.

Abschließend danke ich allen Verhandlungspartnern und -partnerinnen, Frau Rottmann, Frau Willkomm und natürlich auch dem BMJ für die gute und konstruktive Zusammenarbeit. Wir haben einen wichtigen Schritt gemacht und an den richtigen Stellschrauben gedreht. Ich freue mich auf die breite Zustimmung zu diesem Gesetzentwurf.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Fabian Jacobi
Foto: Fabian Jacobi
5 Vermerkeca. 528 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! „Als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet“, so lautet eine gängige Redensart. Für den Vorgang, den wir hier beraten, wäre sie aber vielleicht doch etwas zu harsch. Nüchtern-sachlich kann man festhalten, dass der Justizminister an dem Ziel, das er sich mit dem vorliegenden Gesetzentwurf gesetzt hat, gescheitert ist.

Beifallbei der AfD

Das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz soll zwei Dinge tun: Es soll den Opfern von falschen und irreführenden Kapitalmarktinformationen die Durchsetzung ihrer Schadensersatzansprüche erleichtern, und es soll die Gerichte im Hinblick auf zahlreiche, denselben Fall betreffende, parallele Klageverfahren entlasten. Diesen Anspruch hat das 2005 erlassene Gesetz nach wohl allgemeiner Auffassung nur unvollkommen eingelöst. Zu kompliziert der Ablauf, viel zu langwierig die Verfahren, so das Urteil der Praxis. Eine erste Reform im Jahr 2012 brachte keine grundlegende Verbesserung. Nun also der nächste Reparaturversuch, der aber voraussichtlich ebenfalls nicht wirklich zum Ziel führen wird.

Dem Abstimmungsverhalten der Fraktion der CDU/CSU im Rechtsausschuss nach zu schließen, wird sie den Gesetzentwurf gleich ablehnen. Dem Entschließungsantrag derselben Fraktion zufolge ist ihr wesentlicher Kritikpunkt, dass nach dem Gesetzentwurf zukünftig bei Durchführung eines Musterverfahrens nicht mehr alle in der Sache betroffenen Klageverfahren von Amts wegen ausgesetzt werden, unabhängig davon, ob das in diesen Verfahren auch beantragt wird. Diese Änderung ist in der Tat in verschiedenen Stellungnahmen kritisiert worden. Der Kritik zufolge soll es nämlich zur Erreichung der gewünschten Breitenwirkung des Musterverfahrens nötig sein, wie bisher alle Mitbetroffenen in das Musterverfahren einzubeziehen. Davon nimmt der vorliegende Gesetzentwurf Abschied. Zukünftig sollen nur noch diejenigen Kläger an dem Musterverfahren beteiligt sein, die das auch wollen.

Aus unserer Sicht ist diese Änderung gerade kein Grund, den Gesetzentwurf abzulehnen. Dass dem rechtsuchenden Bürger ein Stück Autonomie und Entscheidungsfreiheit zurückgegeben werden soll, auf welchem Weg er selbst meint, seinen Anspruch am besten verfolgen zu können, ist vielmehr zu begrüßen.

Beifallbei der AfD

Wenn man als Gesetzgeber möchte, dass möglichst viele Kläger sich an einem solchen Musterverfahren beteiligen, dann muss man dieses Verfahren halt so attraktiv gestalten, dass sie das auch freiwillig tun. Tatsächlich begegnet es sogar verfassungsrechtlichen Bedenken im Hinblick auf den Justizgewährleistungsanspruch des Bürgers, wenn man ihn gegen seinen Willen in ein Verfahren hineinzwingt, das oftmals so langwierig ist, dass er mit gewisser Wahrscheinlichkeit seinen Abschluss gar nicht mehr erlebt.

Auch sonst enthält der Gesetzentwurf einige Ansätze, die sich als sinnvoll erweisen könnten. Dass das Oberlandesgericht, bei dem das Musterverfahren durchgeführt wird, nicht mehr an die Formulierung der Feststellungsziele durch das vorliegende Landgericht gebunden ist, sondern diese selbst in zweckdienlicher Weise präzisieren kann, das kann durchaus zur erfolgreichen Beschleunigung der Musterverfahren beitragen. Auch dass die vielfach zeitraubende Akteneinsicht durch die zahlreichen am Musterverfahren Beteiligten mittels einer elektronischen Aktenführung erleichtert und beschleunigt werden soll, mag diesem Zweck dienlich sein. Solche für sich genommen sinnvollen Einzelpunkte sind sicherlich nicht schädlich. Sie ergeben aber in der Summe auch nicht den großen Wurf bei der Neugestaltung des Musterverfahrens, der eigentlich erforderlich wäre. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung ist somit nicht gut genug, um ihn mit unserer Zustimmung zu adeln. Gründe, die seine Ablehnung nötig machen würden, enthält er aber ebenso wenig. Wir werden ihn also schlicht passieren lassen.

Sie werden ihn passieren lassen müssen!

Es mag sich dann zeigen, ob er in der Realität eine wahrnehmbare Verbesserung bewirken kann.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
13 Vermerkeca. 940 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Herr Dr. Plum, es ist gut, sich Gedanken darüber zu machen, wie man das Musterverfahren noch attraktiver, noch schneller macht. Tragisch ist, dass auch nach der Anhörung bei der Union nur ein Gedanke übrig geblieben ist, nämlich es erneut zu befristen. Das finde ich als Ergebnis auf Ihre eigene Aufforderung hin ein bisschen dünn.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ich habe auch in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass es durchaus Interessen bei diesem Thema gibt. Das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz als totes Pferd zu bezeichnen, ist natürlich etwas, was Beklagte wie Ernst & Young oder die deutsche Automobilindustrie durchaus gut finden;

Ein Vorsitzender Richter am OLG Köln hat die Frage aufgeworfen!

denn die haben richtig Probleme mit diesen Verfahren. Wenn man das Gesetz immer wieder nur befristet, dann haben sie auch die Hoffnung, dass dieses Instrument vielleicht überhaupt nicht gegen sie genutzt wird, weil die Musterverfahren zum Beispiel gezeigt haben, dass dort Beweise erhoben werden, die oft sogar noch in den Strafverfahren verwendet werden. Also: Ein totes Pferd ist das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz sicher nicht.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD und der Abg. Katharina Willkomm [FDP]

Habe ich auch nicht gesagt!

Ich würde aber, um mal bei Tiervergleichen zu bleiben, sagen: Es ist ein Spatz in der Hand. Es ist ein Spatz in der Hand, weil wir viel, viel größeren Bedarf an kollektivem Rechtsschutz haben, als wir ihn heute abdecken. Man muss nur mal auf die Tagesordnung der letzten Justizministerkonferenz gucken. Da ging es etwa um Massenverfahren im Arbeitsrecht. Auch im Reisevertragsrecht, bei den Verbraucherschutzrechten oder im Kapitalanlagerecht und in vielen, vielen anderen Rechtsbereichen bräuchten wir mehr kollektiven Rechtsschutz. Das ist die Taube auf dem Dach.

Aber weil es so starke Interessen in Deutschland gibt, jeden kollektiven Rechtsschutz plattzumachen, war ich sehr dankbar, dass wir die Reform des Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetzes in den Koalitionsvertrag aufnehmen konnten.

– Nein, nicht mussten. Ich habe ihn ja verhandelt. Sie waren nicht dabei, Herr Dr. Plum. Jetzt bleiben Sie mal ganz ruhig!

Denn es hat auch eine Besonderheit im kollektiven Rechtsschutz in Deutschland. Es ist kein paternalistisches Verfahren, wo ein Verband für andere Interessen durchsetzt, sondern es ist ein Verfahren, wo sich Geschädigte zusammenschließen können, den Anwalt ihrer Wahl nehmen können und wo auch institutionelle Anleger dabei sein können. Das schafft erst die Augenhöhe mit den Beklagten. Deswegen ist dieses Verfahren so wichtig.

Also: Wir hatten einen Spatz in der Hand, wir hatten eine Befristung. Ich sage mal: Die Große Koalition hat es in dieser Situation oft gerade geschafft, das Datum auszuwechseln,

Das haben Sie doch auch schon gemacht letztes Jahr!

bis zu dem das Gesetz noch gilt. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was wir jetzt vorlegen können, weil es deutlich mehr ist als Kosmetik. Es versucht, nicht nur so oberflächliche Dinge zu machen wie: Wir verkürzen irgendwelche Fristen in der Annahme, die Richterinnen und Richter seien nicht fleißig genug. – Das ist ja Schwachsinn; das ist nicht so. Die Richterinnen und Richter wollen die Verfahren gut führen. Aber wir haben uns eben auch mit den Prüfungsmaßstäben, die sie einhalten müssen, befasst. Wir haben gesagt: Lasst uns die einfacher machen! – Da gibt es – wenn Sie das BGH-Urteil lesen, sehen Sie das – einen Zusammenhang zwischen dem Zwangscharakter des bisherigen Musterverfahrens und dem Prüfungsmaßstab.

Wir sind aber der Gesetzgeber!

Wir haben uns auch damit befasst: Wie können wir das Musterverfahren, wenn wir es auf einen Antrag zurückstellen, trotzdem attraktiver machen? Dass wir es geschafft haben, neue Beweisregelungen einzuführen, ist wirklich – da gebe ich der Kollegin Licina-Bode vollkommen recht – ein großer Schritt nach vorne, mit dem wir uns auch mal was trauen im deutschen Zivilrecht. Wir haben uns darum gekümmert, dass es keinen Zwang zur Klage gibt, weil die Verjährung droht, weil der Verjährungszeitpunkt näher rückt. – Das sind einige Schritte nach vorne. Ich bin den Sachverständigen sehr, sehr dankbar dafür, dass sie uns dafür gute Anregungen gegeben haben.

Ich will aber auch mal ein Beispiel für etwas nennen, was wir nicht umsetzen konnten. Daran kann man vielleicht auch sehen, welche Arbeit noch vor uns liegt, wenn wir es ernst meinen. Wir haben wirklich darüber nachgedacht: Können wir für angemeldete Ansprüche auch eine Bindungswirkung einführen? Das schien uns attraktiv; denn es würde natürlich dazu führen, dass wir bei den Individualklageverfahren noch mal entschlacken oder sie unnötig machen und die Leute ihre Ansprüche einfach anmelden. Aber dann ergeben sich ganz praktische Probleme, nämlich: Was bedeutet es, am Oberlandesgericht diese Register zu führen? Dann muss ja auch wieder das Recht eingeführt werden, dass man sich abmelden kann. Das heißt, man braucht Personal dafür. Es ist aufwendig; die Gebühren fallen beim Land an. Das heißt, ein Klageregister des Bundes, wie wir es bei den Verbraucherrechten haben, passt noch nicht.

Das ist ein Beispiel, an dem man sieht, dass es nicht reicht, hehre Ziele aufzustellen, sondern man muss dann auch mit den Ländern reden: Wie können wir das operativ umsetzen, sodass wir wirklich Tempo reinkriegen? Die Arbeit jetzt einfach nur den Oberlandesgerichten zuzuschieben, wäre nicht in Ordnung gewesen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD und der Abg. Katharina Willkomm [FDP]

Aber ich fordere uns alle auf, dass wir daran weiterarbeiten. Das ist dann, Herr Dr. Plum, schon ein bisschen mehr, als nur zu sagen: Ja, da müssen wir halt das materielle Recht ändern. – Ich habe nicht eine einzige Vorschrift gelesen, die Sie ändern wollen. Das ist eine reine Luftnummer, eine Nebelmaschine.

Das haben Sie doch bei der Sachverständigenanhörung selbst gehört!

Die Taube sitzt auf dem Dach. Jede Regierung – da bin ich sicher –, die nach der nächsten Bundestagswahl regiert, wird sich dem kollektiven Rechtsschutz endlich öffnen müssen und einen großen Wurf machen müssen.

Der wird dadurch aber auch nicht schneller kommen!

Von Ihnen kenne ich aber leider, leider keinen einzigen Vorschlag. „So nicht“ ist ein bisschen wenig in der Debatte.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Ich bin sehr dankbar, dass wir mit dem Justizministerium und den Kolleginnen Willkomm und Licina-Bode trotz des Zeitdrucks, den wir hatten, wirkliche Veränderungen beschlossen haben. Ich bin am Schluss der Meinung: Es ist nicht nur ein Spatz in der Hand; vielleicht ist es sogar schon ein Kanarienvogel.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Stephan Mayer
Foto: DBT/Inga Haar
10 Vermerkeca. 663 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Einig sind wir uns in dieser Debatte, dass die Kapitalanleger-Musterverfahren in Deutschland viel zu lange dauern, viel zu bürokratisch sind und viel zu kompliziert sind. Frau Kollegin Willkomm, Sie haben das Telekom-Verfahren angesprochen, das 20 Jahre gedauert hat – deutlich zu lang. Sie haben zu Recht darauf hingewiesen: In der Zwischenzeit haben einige Kläger Kinder bekommen; die Kinder haben Abitur gemacht. Ich sage mal: Das ist noch zu verschmerzen. Was viel schlimmer ist – auch in menschlicher Hinsicht –: Etliche Kläger sind in diesen 20 Jahren verstorben und haben dann letzten Endes von dem Obsiegen in diesem Verfahren nichts mehr gehabt. Man kann sagen: die Erben schon, aber nicht diejenigen, die diese Klagen angestrengt haben. Ich sage ganz offen: Dies ist eines Rechtsstaats wie Deutschland unwürdig.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Fabian Jacobi [AfD]

Das hat auch aus meiner Sicht, meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, mit effektivem Rechtsschutz und mit der schnellen Durchsetzung des Rechts überhaupt nichts zu tun.

Also: Die Verfahren dauern zu lange, sie sind zu kompliziert. Deswegen ist es richtig, das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz auf den Prüfstand zu stellen. Nur – mit Verlaub –, diese Reform, die jetzt hier von der Ampel vorgeschlagen wird, weist etwas Licht auf, aber deutlich mehr Schatten. Meine große Befürchtung ist, dass dieses Gesetz am Ende eine Verschlimmbesserung bringt, dass es den kollektiven Rechtsschutz nicht stärkt, sondern den kollektiven Rechtsschutz am Ende deutlich reduziert. Vor diesem Hintergrund bin ich der Überzeugung: Es wäre deutlich besser, das jetzt geltende KapMuG noch einmal um fünf Jahre zu verlängern, um die Zeit zu nutzen, um wirklich durchgreifende Änderungen am KapMuG vorzunehmen.

Das kann man auch ohne Befristung!

Es kommt dann von der Ampelseite natürlich der Einwand: Damit wird ja keine Rechtssicherheit geschaffen.

Wenn immer wieder nur eine temporäre Verlängerung, eine Befristung erfolgt, dann kann sich doch niemand darauf einstellen, was tatsächlich gilt.

Zurufder Abg. Sonja Eichwede [SPD]

Das ist doch jetzt auch nicht der Fall. Frau Kollegin Rottmann, Sie haben ja angekündigt: Egal wer die nächste Bundesregierung stellen wird, man wird sich in der nächsten Legislaturperiode auch des Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetzes wieder annehmen müssen. – Auch in der Sitzung des Rechtsausschusses gestern ist von den Berichterstattern der Ampel deutlich gemacht worden, dass es weiterer Änderungen am KapMuG bedarf.

Zurufeder Abg. Esther Dilcher [SPD] und Luiza Licina-Bode [SPD]

Deswegen wäre es doch richtig gewesen, jetzt eine weitere Befristung vorzunehmen, um wirklich auch deutlich zu machen, dass wir weitaus mehr Änderungen benötigen, als sie jetzt von der Ampel vorgenommen werden.

Machen Sie mal einen Vorschlag! Einen einzigen konkreten Vorschlag!

Da kommt immer wieder reflexartig der Vorwurf, wir würden keine Vorschläge bringen.

Ja, das stimmt ja auch!

Wir haben eines deutlich gemacht – und das ist aus meiner Sicht der Kernvorwurf im Zusammenhang mit dem jetzigen Reformvorschlag –, nämlich dass es ein gravierender Fehler ist, die Möglichkeit, Verfahren von Amts wegen auszusetzen, wegfallen zu lassen. Ich prophezeie Ihnen eines: Die Folge wird sein, dass es zu einer deutlich stärkeren Zersplitterung der Verfahren kommen wird. Der kollektive Rechtsschutz wird geschwächt, die Zahl der Individualverfahren wird zunehmen. Es wird dem Ziel, dass insbesondere die notwendigen Tatsachen- und Rechtsfragen schnell, zeitnah und vor allem einheitlich gelöst werden, nicht Rechnung getragen. Es wird eine unterschiedliche Rechtsprechung in den einzelnen Bundesländern geben. Damit wird dem kollektiven Rechtsschutz nicht Vorschub geleistet, sondern es wird genau das Gegenteil erreicht: Er wird deutlich geschwächt.

Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, darüber hinaus wäre es aus meiner Sicht dringend notwendig, dass wir anders an das materielle Recht herangehen.

Es war sehr schön, dass auch in der Sachverständigenanhörung von vielen Sachverständigen erwähnt wurde, dass es über den jetzigen Reformvorschlag hinaus notwendig wäre, an das materielle Recht im KapMuG heranzugehen.

Weil wieder der Vorwurf kommt, wir würden keine Vorschläge bringen, Frau Kollegin Dr. Rottmann, ein ganz konkreter Vorschlag: Wir müssen an das Beweis- und Darlegungsrecht noch weiter herangehen, als Sie es jetzt in dem Reformvorschlag tun.

Änderungsantrag!

Ganz konkreter Vorschlag: Wir müssen an § 1 Absatz 2 Satz 2 herangehen, was die Möglichkeit anbelangt, mit entsprechenden Dokumenten nachzuweisen, dass Verfehlungen im Emissionsverfahren vorgenommen wurden.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Vor dem Hintergrund, meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen: Wie schon vom Kollegen Dr. Plum erwähnt, werden wir aus diesen Gründen dem Gesetz die Zustimmung verweigern und drängen wirklich darauf, –

Porträt von Stephan Mayer
Foto: DBT/Inga Haar
1 Vermerkca. 15 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– dass sich die nächste Bundesregierung dieses Gesetzes schnellstmöglich wieder annimmt.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Marc Henrichmann
Foto: Marc Henrichmann/ Anja Tiwisina
16 Vermerkeca. 810 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vier Tage ist sie her, die Europawahl, und wir staunen heute noch über die Analysen, insbesondere der Ampelfraktionen. Ich glaube, man kann zusammenfassen: Die Menschen fühlten sich im Stich gelassen bei großen Themen wie Migration, Bürgergeld oder Heizungsgesetz.

Reine Spekulation!

Was hat denn das jetzt damit zu tun?

Und so wie die Menschen sich da allein gelassen fühlen, fühlen sich Unternehmen, Institutionen und KRITIS-Betreiber beim Thema NIS-2-Umsetzung verlassen.

Aha! Daher weht der Wind!

Beim zentralen Handlungsfeld der Cybersicherheit riskieren Sie ernsthaft durch Bummelei, das Vertrauen der Bevölkerung, und das in Krisenzeiten, in Zeiten ständiger Bedrohung, zu verlieren.

Warum ist das so?

2022 wurde in Brüssel die sogenannte NIS-2-Richtlinie verabschiedet. Die Sektoren kritischer Infrastruktur sollten damit deutlich ausgeweitet werden. Gleichzeitig haben wir 2022 im Innenausschuss hier über den Hackerangriff auf Satelliten beraten, der die Steuerung von Windkraftanlagen lahmlegte.

Schon das ist falsch!

Ebenfalls 2022 lasen wir in der „Süddeutschen Zeitung“ vom Wunschzettel der Ministerin zur Cybersicherheit.

Was ist denn in Ihrer Parteizentrale los, Herr Kollege?

Da heißt es aus ihrem Munde, digitale Angriffe aus dem Ausland seien geeignet, die Funktionsfähigkeit unseres Gemeinwesens und unserer Wirtschaft massiv zu beeinträchtigen und zu unterbrechen. Und – das ist Zitat der Innenministerin Faeser –: Wir nehmen uns bewusst viel vor. Wir nehmen uns in dieser Periode bewusst viel vor beim Thema Cybersicherheit.

So ist es!

Das stimmt ja auch!

Heute, 2024, zwei Jahre später, stellen wir fest: Bei NIS 2 ist bislang kaum was passiert.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Lehre der Europawahl, die Menschen nicht zu vergessen, sondern Vorhaben umzusetzen, hat die Ministerin vergessen. Wenn man aber sagt: „Wir nehmen uns bewusst viel vor“, und nicht liefert, sein Schicksal aber an die Umsetzung koppelt, dann muss sich eine Ministerin Faeser auch fragen lassen, ob sie an dieser Stelle den nötigen Ernst mitbringt und ob sie die Kraft hat, hier die Schritte zu gehen, die es in diesem Land braucht.

Beifallbei der CDU/CSU

Das müssen gerade Sie sagen! Jahrelang nichts gemacht!

Ein Stück weit helfen wir Ihnen von der Ampel mit dieser Debatte. Wir haben mehrfach im Innenausschuss das Thema NIS-2-Umsetzung angemeldet, und wochenlang haben wir nicht diskutieren können,

Weil Sie sonst noch so viele Fragen haben!

weil Sie es nicht diskutieren wollten. Heute versuchen wir, mit dem Antrag Schwung reinzubringen. Wir hören, wir sehen und wir lesen vom Streit der verschiedenen Ampelministerien:

Gar nicht!

Justizministerium, Außenamt, Finanzministerium, alle wollen mitreden.

Ganz verrückt wird es dann, wenn man mit KRITIS-Betreibern spricht und die sich über den schleppenden Beratungsverlauf beklagen und beschweren, dass keine Gesetzentwürfe oder Referentenentwürfe vorliegen und dann aus Ministerien offenbar Antworten verbreitet wurden wie: Wieso? Sie haben doch die letzten Leaks gelesen. – Das Bundesinnenministerium verlässt sich in der Debatte mit den Playern der kritischen Infrastruktur auf Leaks und nicht auf direkte Informationen. Das Bild, das die Ampel damit aussendet, ist einigermaßen fatal. Sie nehmen Cybersicherheit nicht hinreichend ernst, und das ist schlimm.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Marianne Schieder [SPD]

Dabei ist die Bedrohungslage ernst.

Zurufdes Abg. Daniel Baldy [SPD]

Allein im Jahr 2022 sagen 93 Prozent der betroffenen Institutionen und Unternehmen, dass sie von Cyberangriffen betroffen waren – 93 Prozent! Ein Schaden von über 200 Milliarden Euro im Jahr, ermittelt Bitkom. Da ist es doch ein richtiges Zeichen, dass die EU vorangeht und einheitliche Standards beim Thema Cybersicherheit setzen will. Aber das heißt dann auch: Es braucht eine Bundesregierung, die die richtigen Weichen stellt, die tätig wird und nicht untätig bleibt. Genau diese Untätigkeit kritisieren wir.

Da klatscht noch nicht mal die Union!

Planungssicherheit ist doch das, was KRITIS-Betreiber brauchen. 30 000 Unternehmen und Institutionen werden betroffen sein. Die wenigsten oder nur wenige haben den Sicherheitsstand erreicht, den sie erreichen müssten. Es fehlen Informationen. Es fehlen Fachkräfte, die Cybersicherheit sicherstellen. Es fehlt an einer Perspektive für eine bürokratiearme Umsetzung. Digitale Meldewege zu schaffen – wo bleiben sie? –, Doppelstrukturen zu vermeiden, zwischen BSI und Bundesnetzagentur, zwischen Luftsicherheit und BSI, all das ist wichtig für die Betreiber, ebenso wie wenig Bürokratie und ein tagesaktuelles Lagebild über Angriffsszenarien, damit es einen Unterschied macht, ob man meldet oder nicht, und Unternehmen und KRITIS-Betreiber sehen, dass ihre Sorgen ernst genommen werden.

Statten Sie das BSI mit den Finanzmitteln aus, die es braucht! Auch hier ist man über die Mittel ständig im Streit. Wenn Länder, wenn Betreiber kritischer Infrastrukturen sagen, dass Schwerpunktstaatsanwaltschaften in den Ländern teilweise besser kooperieren als ein BSI, das die Mitarbeiter, die Manpower, das Geld dafür nicht hat, dann ist das ein schlechtes Zeichen. Sprechen Sie mit den Ländern, aber statten Sie, um Himmels willen, auch das BSI endlich so aus, wie es das verdient!

Beifallbei der CDU/CSU

Wirtschaftsminister Habeck hat gestern beim Wirtschaftsrat der CDU gesagt, NIS sei schlecht, und hat Minister Seehofer die Schuld gegeben. Er meinte NIS 2016; darüber kann man reden. Die NIS-2-Umsetzung stammt aus 2022. Sie ist allein das Projekt der Ampel. Minister Habeck weiß das offenbar nicht. Die Sicherheitsüberprüfung, die sich viele Unternehmen wünschen und die in seinem Haus verankert ist, blockiert er. Auch das wäre eine Dienstleistung für die KRITIS-Betreiber.

Sie können es anders machen. Sie müssen das Thema Cyber endlich ernst nehmen. Lösen Sie die Gesprächsblockade mit den Ländern, und stimmen Sie unserem Antrag zu! Wir liefern Ihnen den Weg hin zu einer bürokratiearmen und praxistauglichen Cybersicherheit in Deutschland. Die Hand ist ausgestreckt.

Danke sehr.

Beifallbei der CDU/CSU

Steht leider nichts zur Sache in Ihrem Antrag!

Porträt von Daniel Baldy
Foto: Daniel Baldy/ Thomas Trutschel
8 Vermerkeca. 759 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 200 Milliarden Euro Schaden erleidet die deutsche Wirtschaft jährlich durch Cyberangriffe. Allein das macht doch schon deutlich: Cyberresilienz ist kein Nice-to-have, sondern essenziell für unsere Wirtschaft und auch für unseren Standort Deutschland.

Auf die Gefahren im Cyberbereich macht auch Claudia Plattner, die Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, kurz: BSI, immer wieder aufmerksam. Das ist wichtig, weil eben nicht nur Unternehmen von Cyberangriffen betroffen sind, sondern vielfach eben auch Privatpersonen. Sie fordern in Ihrem Antrag ja vollkommen zu Recht, dass das BSI ein tagesaktuelles Lagebild zur Cybersicherheit erstellen können muss. Wir haben dazu einen Vorschlag für eine Änderung des Grundgesetzes vorgelegt, um das BSI zur Zentralstelle weiterzuentwickeln, ähnlich wie wir das vom BKA oder vom Bundesverfassungsschutz kennen. Das BSI als Zentralstelle kann dann auch ein solches Lagebild liefern. Es braucht aber eben auch die gesetzliche Grundlage dafür. Die liegt auf dem Tisch. Lassen Sie uns gerne darüber verhandeln, liebe Unionsfraktion, wenn uns vieren, der Ampel und Ihnen, das so am Herzen liegt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Manuel Höferlin [FDP]

Diese Woche wurde der Cybersicherheitsmonitor des BSI vorgestellt. Dieser Cybersicherheitsmonitor fragt Internetnutzerinnen und -nutzer nach ihrem Nutzungsverhalten und danach, wie sie sich im Netz vor Angriffen schützen. Von denjenigen, die sich gezielt zur Cybersicherheit informieren, informieren sich 56 Prozent – und damit der höchste Anteil – darüber, wie sie im Ernstfall reagieren sollten. Aber gerade einmal 48 Prozent informieren sich darüber, was sie präventiv gegen einen solchen Ernstfall tun können. Diese Umfrage, aber auch andere Umfragen zu diesem Thema zeigen: Die Menschen fühlen sich leider zu oft zu sicher im Netz. Opfer werden nur die anderen; das ist leider eine sehr gefährliche und meistens auch teure Fehleinschätzung. Deshalb ist klar: Wir müssen nicht nur über Resilienz in der Wirtschaft oder bei der kritischen Infrastruktur sprechen. Es müssen sich auch alle Privatpersonen bewusst sein, dass sie Opfer von Cyberattacken werden können.

Mit wenig Aufwand kann man schon großen und sicheren Schutz erreichen. Aktuelle Software, aktuelle Antivirenprogramme, sichere und regelmäßig aktualisierte Passwörter, Zwei-Faktor-Authentifizierung – das sind nur wenige Maßnahmen, die Sie und Ihre Geräte sicherer machen. Meine Bitte sowohl an Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, als auch an die Zuschauerinnen und Zuschauer: Nutzen Sie solche Möglichkeiten, informieren Sie sich! Schützen Sie sich und Ihre Geräte vor Kriminellen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Aber nicht nur Privatpersonen werden Opfer von Cyberattacken, sondern eben auch Unternehmen, kritische Infrastruktur, öffentliche Verwaltungen und mehr. Das bedeutet enorme Kosten für die Wirtschaft, 200 Milliarden Euro – ich habe es eben schon gesagt – pro Jahr. Um diesen Schaden zu verringern, ist im Januar letzten Jahres die europäische Cybersicherheitsrichtlinie, kurz: NIS 2, in Kraft getreten. Hintergrund waren natürlich die hohen wirtschaftlichen Schäden, aber eben auch die zunehmenden Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur durch staatliche, aber auch quasistaatliche Akteure, sei es aus Russland, China, dem Iran oder anderen Staaten.

Die NIS-2-Richtlinie muss bis Oktober in nationales Recht umgesetzt werden; da haben Sie vollkommen recht. Natürlich drängt da die Zeit. Aber ich will schon deutlich machen, dass auch viel geschehen ist: Wir sind mittlerweile beim dritten Referentenentwurf, um die Interessen der verschiedenen Interessengruppen zu berücksichtigen. Sie haben ja selber angesprochen, wie viele Ministerien da auch Interessen haben. Verbände werden angehört, Verbesserungsvorschläge aufgenommen, und dann werden wir auch zeitnah einen Regierungsentwurf vorgelegt bekommen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Bis wann denn?

Dass der aktuelle Referentenentwurf positiv aufgenommen wird, zeigt ja beispielsweise die Stellungnahme des Bundesverbands der Deutschen Industrie. Knapp 30 000 Unternehmen in Deutschland – auch das haben Sie eben gesagt – werden von der NIS-2-Richtlinie betroffen sein, damit aber auch besser geschützt werden. Der BDI begrüßt zum Beispiel die Aussetzung von Nachweispflichten in den ersten drei Jahren, um die Umsetzbarkeit und Anwendbarkeit in den Unternehmen zu erhöhen.

Zurufvon der SPD: Hört! Hört!

Aber auch die Anpassung der Unternehmenskategorien stellt eine europaweite Harmonisierung dar.

Ansonsten ist es mit diesem Gesetz wie mit jedem anderen Gesetz: Der Entwurf verlässt dieses Parlament nicht so, wie er reingekommen ist.

Er muss erst reinkommen!

Auch wir werden im parlamentarischen Verfahren noch Änderungen vornehmen. Einige Punkte werden beispielsweise in Ihrem Antrag vorgeschlagen, andere in den eingereichten Stellungnahmen. Die werden wir allesamt sorgfältig prüfen und abwägen. Ich freue mich, wenn der Gesetzentwurf zeitnah vorliegt und wir diesen dann auch beraten können. Sie sind, wie gesagt, herzlich eingeladen, Ihre Vorschläge mit einzubringen. Als konstruktive Opposition, wie wir Sie ja kennen und lieben, werden Sie das sicherlich auch tun.

Heiterkeitbei Abgeordneten der FDP

Wir können uns Cyberunsicherheit nicht leisten, die Wirtschaft kann sie sich nicht leisten, die kritische Infrastruktur kann sie sich nicht leisten. Deshalb werden wir mit dem NIS-2-Umsetzungs- und Cybersicherheitsstärkungsgesetz dieses Land im Cyberraum resilienter und sicherer machen.

Vielen Dank und einen schönen Abend.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Steffen Janich
Foto: Steffen Janich
6 Vermerkeca. 404 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es ist keine Frage, ob der nächste großangelegte Cyberangriff auf unsere kritische Infrastruktur stattfinden wird; es ist nur die Frage, wann er passiert.

Fragen Sie doch mal in Moskau nach!

Dies war die Botschaft, welche die Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik uns Abgeordneten im Innenausschuss bei ihrem letzten Besuch mitgab.

Sie werden ja durch Putin vorgewarnt!

Und in der Tat: Wir sehen wöchentlich, welche Gefahren es für KRITIS, Behörden und Unternehmen birgt, wenn Lücken in der digitalen Sicherheitsinfrastruktur bestehen. Denken Sie nur an die Taurus-Abhöraffäre Anfang des Jahres! Denken Sie an den Hackerangriff auf den Hamburger Flughafen zu Pfingsten, an Cyberangriffe auf unsere Kommunalverwaltungen oder auch an den Angriff auf einen Süßwarenhersteller in Aachen im vergangenen Monat. Cyberangriffe treten immer häufiger auf.

Auch Sie, verehrte Kollegen von der SPD, sind Cybergefahren ausgesetzt. Der Cyberangriff von APT 28 auf die SPD im vergangenen Jahr erfolgte durch Schwachstellen im Outlook-Programm. Was auch immer der russische Militärnachrichtendienst GRU als Drahtzieher der Aktion bei der SPD gefunden hat – erfolgreiche Wahlkampfkonzepte können es definitiv nicht gewesen sein.

Wir als AfD-Fraktion nehmen das Thema Cybersicherheit sehr ernst und haben uns schon vor einem Jahr im BSI Freital unterrichten lassen. Wir halten es für richtig, dass der Schutz von kritischen Diensten im digitalen Bereich verbessert wird. Unternehmen brauchen nicht weniger, sondern mehr zeitlichen Vorlauf, bevor NIS 2 umgesetzt wird. Der Staat müsste unsere Unternehmen erst darüber aufklären, ob NIS 2 für sie gelten wird, ob sie eine wesentliche oder eine wichtige Einrichtung darstellen sowie welches Risikomanagement und welche technischen Vorkehrungen sie zum Schutz ihrer Netzwerke treffen müssen. Erst dann können wir die Gesetze verschärfen. Denn wenn Unternehmer die Vorgaben von NIS 2 missachten, drohen ihnen Bußgelder von bis zu 10 Millionen Euro. Dieses Risiko für unseren Wirtschaftsstandort Deutschland will die Union am besten schon morgen erreichen. Wir wollen das nicht.

Beifallbei der AfD

Die Herstellung von gesetzlicher Kohärenz eines Umsetzungsgesetzes mit der sonstigen nationalen Gesetzgebung ist eine Selbstverständlichkeit und bedarf keiner zusätzlichen Erwähnung.

Leider ist bei der CDU/CSU auch keine Rede von einer Bürgerbeteiligung vor dem Erlass des Gesetzes. Erst danach möchte sie in Gespräche mit den Verbänden eintreten, um Cybersicherheit zu gewährleisten.

Abschließend sei noch gesagt, dass für eine einheitliche Rechtsumsetzung innerhalb der EU Verordnungen das Mittel der Wahl sind. Entgegen Ihrer Forderung Nummer 13 ist es gerade der Sinn und Zweck von EU-Richtlinien, den nationalen Gesetzgebern Gestaltungsspielräume zu verschaffen. Aus diesem Grunde können wir Ihren Antrag leider nur ablehnen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Konstantin von Notz
Foto: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion/ Stefan Kaminski
11 Vermerkeca. 396 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der effektive Schutz der Lebensadern unserer Gesellschaft, der KRITIS, ist schon lange eine der drängendsten sicherheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Viele Jahre wurde dieses wichtige Thema sträflich vernachlässigt. Die Minister hießen de Maizière, Friedrich und Seehofer, liebe Kolleginnen und Kollegen der Union.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Aus diesem Nischendasein hat der Koalitionsvertrag von FDP, SPD und Grünen das Thema KRITIS-Schutz endlich herausgeholt. Und das ist eine gute Sache.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Aber obwohl wir im Koalitionsvertrag sehr klare Vereinbarungen haben und obwohl unsere Infrastrukturen jeden Tag angegriffen wurden und werden, ist die Sache in den letzten zwei Jahren nicht richtig vom Fleck gekommen. Das ist auch wieder wahr. Und das muss sich ändern, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Peggy Schierenbeck [SPD]

Die Zeitenwende muss endlich auch beim KRITIS-Schutz ankommen. Wir brauchen einen KRITIS-Schutz aus einem Guss, nämlich genau ein KRITIS-Dachgesetz, das genau dafür steht, für den effektiven Schutz physischer und digitaler KRITIS. Genau das, Herr Kollege Henrichmann, ist der relevante Punkt, um den es geht. Und genau das fehlt in Ihrem Antrag. Es ist zum Verzweifeln, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Steht aber drin! KRITIS! Richtig lesen!

– Ja, KRITIS steht drin. Aber dieser Punkt halt nicht.

Wir brauchen glasklare Zuständigkeiten. Wir brauchen eine One-Stop-Lösung, gerade mit Blick auf die vielen KMUs, die zukünftig unter die abgesenkten Schwellenwerte fallen werden. Sie brauchen unabhängige Beratung und kein Zuständigkeitswirrwarr. Deswegen drängt die Zeit, weshalb ich fest davon ausgehe, Herr Kollege Saathoff, dass uns dieses Gesetz noch vor der Sommerpause erreichen wird.

Bei einem roten Ministerium!

Neben einer einheitlichen Umsetzung der beiden maßgeblichen EU-Richtlinien – das ist der nächste Punkt, Herr Henrichmann – sind es zwei EU-Richtlinien, um die es geht. Die CER-Richtlinie fehlt in Ihrem Antrag leider gänzlich. Aber neben der Umsetzung dieser beiden Richtlinien

Sie setzen nicht mal eine um und wollen schon die nächste!

brauchen wir endlich auch einen Kompromiss bei den kritischen Komponenten, der ebenfalls überfällig ist. Und – Sie werden es erraten, Herr Henrichmann – auch dieser wichtige Punkt fehlt leider in Ihrem Antrag, meine Damen und Herren.

Genauso brauchen wir durchtragende Antworten auf die anhaltenden Versuche strategischer Übernahmen von KRITIS, zum Beispiel in Form von Beteiligungen an Terminals in Häfen, Stichwort „China“. Jetzt raten Sie einmal, wer dazu nichts in seinem Antrag geschrieben hat.

Die CDU/CSU-Fraktion.

Gibt’s ja gar nicht!

Steht denn überhaupt was drin?

Bei alldem sollten Bund und Länder mit gutem Beispiel vorangehen. Deswegen, meine Damen und Herren: Es geht hier um eine zentrale Frage der inneren Sicherheit für Deutschland. Das KRITIS-Dachgesetz muss kommen. Es muss schnell kommen.

Ganz herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
6 Vermerkeca. 501 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! In einer Nachwahlbefragung nach der Europawahl in dieser Woche haben 74 Prozent der Befragten ausgeführt, dass ihnen die Zunahme der Kriminalität Sorgen bereitet – 22 Prozent mehr als bei der Europawahl 2019. Und ja, wir müssen in unserem Land auch über Cyberkriminalität sprechen, über hybride Angriffe, über Cyberattacken auf kritische Infrastruktur,

Oder Parteien!

auf Krankenhäuser, auf Energieversorgungsunternehmen, aber natürlich auch über Angriffe von halbstaatlichen Akteuren, deren Zahl seit 2022 zugenommen hat. Unsere Gesellschaft muss resilienter werden; denn an der kritischen Infrastruktur hängt letztlich auch das Funktionieren unseres Gemeinwesens. Deswegen ist das eine Frage von äußerster Dringlichkeit. Auch der Umfang hat sich in den letzten Jahren dramatisch geändert. Deswegen sind – bei allem Respekt – Vergleiche, die zurückreichen bis zur Zeit, als Hans-Peter Friedrich Innenminister war, nicht sehr zielführend.

Zurufdes Abg. Manuel Höferlin [FDP]

Nur zwei Zahlen als Beispiel: Die Belastungen der Wirtschaft hatten nach einer Studie des Branchenverbands Bitkom durch Cyberangriffe, Datendiebstahl und Lahmlegen von Produktionseinrichtungen im Jahr 2017 einen Umfang von 6 Milliarden Euro und 2022 von 50 Milliarden Euro; manche sprechen auch von 200 Milliarden Euro, wenn sie andere Phänomenbereiche hineinrechnen. Aber allein die Tatsache, dass die Belastungen von 6 auf 50 Milliarden Euro aufgewachsen sind, zeigt, dass das Phänomen erst in den letzten Jahren so richtig Fahrt aufgenommen hat. Deswegen war es richtig, dass die Europäische Kommission und auch das Europäische Parlament im Jahr 2022 die Richtlinie neu gefasst haben. Jetzt gibt es eine Umsetzungsfrist bis Oktober dieses Jahres. Weil dieses Thema so wichtig ist, haben wir große Sorge, dass Sie diese Umsetzungsfrist versäumen und Deutschland bei diesem wichtigen Thema zurückbleibt. Das dürfen wir nicht akzeptieren.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben davon gesprochen, dass es mittlerweile einen dritten Referentenentwurf gibt. Was wir von den Referentenentwürfen erfahren haben, zeigt, dass in vielen Bereichen gute Ansätze da sind; das ist doch gar keine Frage. Wir machen uns aber Sorgen um die Rechtssicherheit für die Unternehmen, die diese Richtlinie umsetzen müssen. Wir sprechen hier von etwa 30 000 Unternehmen. Wir wissen aber nicht genau, wie viele es sind; denn das hängt ja von dem Gesetz ab.

Es ist aber bereits Mitte Juni. Wir haben noch zwei Sitzungswochen vor der Sommerpause und danach die Haushaltswoche. Ein ehrgeiziger Zeitplan mit Anhörungen und parlamentarischer Befassung wird angesichts dieses umfangreichen Themas bis Oktober gar nicht ordentlich zustande kommen können. Und ich möchte nicht, dass wir Strafzahlungen bekommen, dass wir unsere Unternehmen im Stich lassen und dass letztlich der Eindruck entsteht, wir würden als Gemeinwesen, als politisch Verantwortliche den Schutz vor Angriffen nicht ernst genug nehmen. Wir müssen das ernster nehmen, als uns das eigentlich bewusst ist. Deswegen brauchen wir dringend eine Umsetzung dieser Richtlinie.

Sie müssen sich letztlich auch Vorwürfe machen, dass Sie nicht handeln. Unser Antrag ist kein Gesetz. Unser Antrag besagt aber: Nehmt die Dinge ernst!

Tun wir ja! Viel ernster, als Ihr Antrag darstellt!

Es geht hier nicht allein um eine parlamentarische Auseinandersetzung. Es geht vor allen Dingen darum, dass die Menschen und die Unternehmen sehen: Wir nehmen dieses Thema ernst; es ist dringlich. – Deswegen brauchen wir dringend einen Regierungsentwurf, um daran arbeiten zu können.

Beifallbei der CDU/CSU
12 Vermerkeca. 653 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Stellen Sie sich vor, ein plötzlicher Stromausfall legt unsere Stadt lahm! Ampeln fallen aus,

Das wäre gut, wenn die Ampel ausfällt!

Computerbildschirme werden schwarz, Telefone schweigen. Angst und Panik breiten sich aus. Stellen Sie sich vor, Hacker schleusen sich in die Systeme unserer Krankenhäuser ein und manipulieren Patientendaten! Stellen Sie sich vor, Gift wird in die Wasserversorgung geleitet, weil Cyberkriminelle die Kontrollsysteme sabotiert haben!

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Sie können keine Lebensmittel einkaufen, nicht tanken, Ihr Auto nicht laden. – Das sind keine Szenen aus einem Science-Fiction-Film, sondern reale Bedrohungen, denen unsere Gesellschaft heute gegenübersteht. Cyberkriminalität ist keine abstrakte Gefahr, sondern eine konkrete Bedrohung unserer Lebensgrundlage. Jedes Jahr werden circa 200 Milliarden Euro durch Cyberangriffe auf Unternehmen und Behörden gestohlen. Noch schlimmer sind die Folgen für unsere kritische Infrastruktur, die für unser tägliches Leben unverzichtbar ist.

Die Antwort ist klar: Wir müssen auf mehreren Ebenen ansetzen. Auf technischer Ebene müssen wir die Systeme unserer kritischen Infrastruktur durch modernste Sicherheitslösungen schützen. Dazu gehören Firewalls, Intrusion-Detection-Systeme und Abwehrstrategien für Ransomware. Auf organisatorischer Ebene müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Bedrohung durch Cyberkriminalität sensibilisiert werden und sind darin zu schulen, wie sie sich und ihre Systeme schützen können. Des Weiteren müssen wir Notfallpläne erstellen und regelmäßig üben, um auf mögliche Angriffe schnell und effektiv reagieren zu können. Auf politischer Ebene müssen wir die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen, um Cyberkriminalität effektiv bekämpfen zu können. Dazu gehört die Verfolgung von Tätern, die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit und die Förderung von Forschung und Entwicklung im Bereich der Cybersicherheit.

All dies erfordert Investitionen und Anstrengungen. Aber es ist eine Investition in unsere Zukunft, die unabdingbar ist; denn die Kosten eines Cyberangriffs auf unsere kritische Infrastruktur wären ungleich höher. Wir haben die Verantwortung, für die Sicherheit unserer Gesellschaft zu sorgen. Und wir nehmen diese Verantwortung wahr.

Um noch einmal für alle deutlich zu machen, welcher Rhetorik Sie sich da bedienen, liebe Union: Sie bezeichnen das Vorgehen der Bundesregierung als „unverständlich“ und „fahrlässig“. Sie haben aber gerade in mehreren Ausführungen meiner Kollegen gehört, dass wir genau schauen, was jetzt sinnvoll, was jetzt wichtig ist, um genau das zusammenzuführen, um genau nicht vorschnell zu reagieren und damit nach draußen zu gehen, sondern um genau das, was uns auferlegt ist – weil wir wissen, wie groß die Bedrohung ist –, jetzt auf den Weg bringen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dann machen Sie doch!

Sie betonen dabei, dass der bestehende Rechtsrahmen dringend modernisiert werden soll. Ja, das tun wir. Sie waren für die Umsetzung der NIS-Richtlinie aus 2016 zuständig. Sie wissen selbst, wie lange das damals gedauert hat und dass Sie längst nicht in dem Zeitplan waren, der Ihnen vorgegeben war.

Auf andere zu zeigen, ist keine gute Politik!

Wir sind dabei, den bestehenden Rechtsrahmen zu modernisieren. Die Umsetzungsfrist seitens der EU ist mit 21 Monaten sehr ambitioniert.

Das sind fast zwei Jahre!

Wir wollen die NIS-2-Richtlinie schnellstmöglich umsetzen, um das Cybersicherheitsniveau in ganz Deutschland anzuheben – die Frist ist für alle Mitgliedstaaten gleich; die ist nicht für Deutschland besonders –,

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber die Unternehmen brauchen doch Planungssicherheit!

weil das die Situation erfordert. Aber wir greifen auch ein in Unternehmen. Cybersicherheit gibt es für Unternehmen nicht kostenfrei, gleichwohl auch jedes Unternehmen weiß, dass es dringend gefordert ist, Cyberabwehr zu installieren.

Aber die müssen wissen, welche Kosten auf sie zukommen!

– Sie hätten sicherlich gut daran getan; dann wäre Ihr CDU-Büro nicht angegriffen worden.

Das ist überheblich bei 90 Prozent Betroffenheit!

29 500 Unternehmen sind davon betroffen. Das ist ein Anstieg von 4 500 Unternehmen; davon sind 1 800 KRITIS-Betreiber. Das NIS-2-Umsetzungs- und Cybersicherheitsstärkungsgesetz steht in Verbindung mit dem KRITIS-Dachgesetz. Durch die parallele und aufeinander abgestimmte Umsetzung der beiden Richtlinien werden wir uns in einen europäischen Rahmen einbetten, der zu einer höheren Resilienz von Wirtschaft und Verwaltung in ganz Europa führen wird.

Das ist richtig! Wichtiger Punkt!

Wir haben die Verantwortung, unsere kritische Infrastruktur zu schützen, und wir haben die Verantwortung, unseren Kindern und Enkelkindern eine sichere Zukunft zu bieten. Das ist nicht „unverständlich“ oder gar „fahrlässig“, liebe Union, das ist verantwortungsbewusst.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Umsetzen ist verantwortungsbewusst!

Packen wir es an! Zeigen wir den Cyberkriminellen, dass wir uns nicht erpressen lassen! Zeigen wir ihnen, dass wir unsere Zukunft verteidigen!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
5 Vermerkeca. 311 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Wenn Sie als Kommune von einer Cyberattacke betroffen sind, sind Sie ganz allein auf weiter Flur“, sagte gestern Melitta Kühnlein, IT-Chefin der Landeshauptstadt Potsdam. Potsdam war schon zweimal Ziel eines Cyberangriffs. Dabei stünde Potsdam als große und reiche Kommune noch ganz gut da, meinte sie auch. Etwa drei Viertel der knapp 11 000 Kommunen in Deutschland sind sehr klein, wie mein schönes Fürstenberg in Brandenburg, wo genau ein Mitarbeiter für die ganze IT zuständig ist.

Immer häufiger werden Kommunen Opfer von Cyberangriffen mit schweren Folgen, wenn zum Beispiel Meldestellen, Jugendämter oder Kfz-Stellen offline und damit kaum noch handlungsfähig sind. Das Gefahrenpotenzial dafür steigt ständig, und die Ampel muss in der Tat bei der Cybersicherheit einen Zahn zulegen. Das fordert die Union in ihrem Antrag zur Umsetzung der NIS-2-Richtlinie für Cybersicherheitsmindeststandards in der EU völlig zu Recht.

Die Linke kritisiert aber darüber hinaus, dass dieser Gesetzentwurf Kommunen und Länder komplett ausnimmt, und das geht so nicht.

Beifallbei der Linken

Die Sicherheitsstandards in vielen Kommunen sind völlig ungenügend. Die Risiken sind erheblich, und Kommunen sind kritische Infrastruktur. À la Vogel Strauß das Problem einfach auszublenden, ist der völlig falsche Weg, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken

Die Ampel muss mit Ländern und Kommunen eine gemeinsame nationale IT-Sicherheitsstrategie entwickeln, mit dem Ziel, vor allem auch kleinere Kommunen zu unterstützen: beim Aufsetzen von Notfallplänen, bei der Sicherstellung der Arbeitsfähigkeit, falls der Ernstfall doch mal eintritt, damit dann der Schaden möglichst klein bleibt.

Die Linke fordert aber auch den gemeinsamen Aufbau eines Cybersicherheitsnetzwerkes mit mobilen Fachkräfteteams, die Kommunen oder auch KMU in Angriffssituationen anfordern können, damit sie eben nicht mehr allein auf weiter Flur sind, wie es Melitta Kühnlein beschrieb.

Beifallbei der Linken

Für mehr Cybersicherheit braucht es nämlich nicht nur bessere Strategien, sondern auch die Umsetzung wirksamer Maßnahmen und vor allem viel mehr Kooperation zwischen Bund, Ländern und Kommunen.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
9 Vermerkeca. 573 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Gäste auf den Zuschauerrängen! Zunächst mal vielen Dank an die Union, dass wir dieses wichtige Thema hier heute debattieren.

Die Zahl von 200 Milliarden Euro Schaden pro Jahr für die Wirtschaft durch Cyberangriffe ist hier heute schon ein paarmal gefallen; das ist die nackte Zahl. Nicht nur die Haushälter hier im Raum wird interessieren, wenn man mal einen Schritt weiterdenkt: Was heißt das denn? 200 Milliarden Euro Schaden sind in der Regel 200 Milliarden Euro entgangene Gewinne. Über den Daumen gepeilt heißt das: 50 Milliarden Euro entgangene Steuereinnahmen für den Staat auf allen Ebenen.

Nicht nur deswegen ist das wichtig. Denn was heißt das dann faktisch auch? Hinter diesen Schäden steckt meistens der Abfluss von Daten, der Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen, das Verschlüsseln von Daten, das Erpressen von Lösegeldern; das ist das eine. Aber diese Zugänge können anderseits natürlich auch genutzt werden, um Sabotage zu betreiben. Und wenn wir uns dann die zweite Zahl, die hier heute schon mal genannt wurde, noch mal vor Augen führen: „Etwa 90 Prozent der Unternehmen sind davon betroffen“, dann kann man sich denken: Wenn das mal orchestriert betrieben wird – und Geheimdienste gewisser Staaten sind dazu in der Lage –, dann ergibt sich das Horrorszenario, dass plötzlich 90 Prozent der Unternehmen in diesem Lande durch Sabotage über einen Cyberangriff lahmgelegt werden, und zwar ganz ohne militärische Intervention.

Das zeigt eines auch noch mal ganz deutlich: Es wird höchste Zeit, dass wir innere und äußere Sicherheit an dieser Stelle zusammendenken und das integriert betrachten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Meine Damen und Herren, wenn ich mir den Antrag der Union angucke, wird es schon ein bisschen putzig.

Bis jetzt war es gut!

Das ist leider wahr, genau!

Sie schreiben da, nach dem „Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022“ sei das „Vorgehen der Bundesregierung bei der Umsetzung der NIS-2-Richtlinie … unverständlich und geradezu fahrlässig“. Kurz nach dem Angriff haben wir hier im Hause über das Grundgesetz ein Sondervermögen beschlossen: 100 Milliarden Euro für Sicherheit.

Wir haben auch mitgestimmt!

Wir Grüne haben uns den Mund fusselig geredet zum Thema „innere und äußere Sicherheit“ und dafür plädiert, dass wir da auch Cybersecurity mit aufnehmen; denn das kostet auch Geld. Wer hat es verhindert? Die Fraktion von CDU und CSU.

Daher ist es schon ein bisschen schräg, was Sie uns hier alles vorwerfen; denn Sie haben verhindert, dass da nennenswerte Mittel in den richtigen Bereich geflossen sind.

Das ist eine Umsetzungsfrist!

Ich komme noch mal auf die Wirtschaft zurück; denn es ist extrem wichtig, dass wir dieses Gesetz richtig einordnen.

Zurufdes Abg. Dr. Volker Ullrich [CDU/CSU]

Es gibt ja auch schon Vorwürfe, das sei wieder ein neues Bürokratiemonster, das würde die Wirtschaft gängeln. Genau darum geht es nicht. Es ist eine Hilfestellung für die Wirtschaft, und zwar für den besonders kritischen Teil in unserem Land, bei der Cyberabwehr besser zu werden; denn viele Unternehmen sind dazu selber gar nicht in der Lage. Das heißt, es braucht klare Rahmenrichtlinien, klare Regeln, und das ist gut für die Unternehmen. Ich war selber ein Unternehmer, und ich schätze es, wenn es klare Regeln gibt.

Wir müssen dann auch noch ein paar Schritte weiterdenken; das wurde teilweise schon angesprochen. Das KRITIS-Dachgesetz muss endlich kommen, und wir müssen diese Dinge dann harmonisieren. Die NIS-2-Umsetzungsrichtlinie, das KRITIS-Dachgesetz, die CER-Richtlinie: Alles zusammen müssen wir so gestalten, dass es leicht umsetzbar ist.

Das Thema One-Stop-Shop-Lösung ist auch schon genannt worden: ein Ansprechpartner für die Unternehmen und nicht 18, wie es bei anderen Gesetzen ist.

Vielen Dank, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Aber wann, Herr Kollege? Wann?

8 Vermerkeca. 685 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Cybersicherheit ist und bleibt die Achillesferse unserer modernen Informationsgesellschaft. Das gilt im Allgemeinen und insbesondere für den KRITIS-Bereich, also für die kritischen Infrastrukturen. Deshalb, liebe Kollegen der Union, sprechen Sie heute ein wichtiges Thema an. Herzlichen Dank dafür.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wenn ich mir Ihren Antrag aber anschaue – es wurde gesagt; es geht im Cyberbereich immerhin um einen Schaden von 200 Milliarden Euro pro Jahr, der der Wirtschaft in Deutschland entsteht –, dann frage ich mich: Warum stellen Sie diesen Antrag? Die meisten Dinge, die darin stehen, machen wir längst, sind bereits in der Vorbereitung.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Peggy Schierenbeck [SPD]

Das wissen Sie auch ganz genau.

Erst einmal möchte ich Ihnen aber ein Lob aussprechen; denn endlich haben Sie erkannt, wie wichtig Cybersecurity, Cybersicherheit ist. Hätten Sie das früher erkannt, als Sie noch den Innenminister gestellt haben, dann hätten Sie nicht so viel versäumt, und wir müssten heute in Fragen der IT-Sicherheit nicht hinter Ihnen aufräumen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir reden über Ihre Versäumnisse!

Ganz konkret nehme ich mir gerne einen Punkt Ihres Antrags heraus. Sie sagen, Sie möchten keine Doppelstrukturen. Das ist richtig, und genau das machen wir.

Es gibt keinen Gesetzentwurf!

Es darf nämlich für die Unternehmen keine Doppelstrukturen bei den Meldungen geben hinsichtlich KRITIS-Dachgesetz und NIS-2-Richtlinienumsetzung, weil es für die Unternehmen, die angegriffen werden und alle Hände voll zu tun haben, mit dem Angriff fertigzuwerden, unmöglich ist, an unterschiedlichen Stellen unterschiedliche Meldungen mit unterschiedlichen Inhalten abgeben zu müssen. Meine Damen und Herren, das machen wir bereits. Also Haken dran.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Aber es gibt keinen Gesetzentwurf! Sie legen doch nichts vor!

Sie sprechen die personelle Sicherheit an. Es geht darum, dass der Faktor Mensch mitgedacht wird. Sehr richtig. Denn es geht darum, dass in den meisten Unternehmen neben der IT-Technik auch der Faktor Mensch mit abgesichert wird. Da geht es um Zuverlässigkeit. Machen wir. Haken dran, meine Damen und Herren.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ganz spannend finde ich eine Forderung von Ihnen zum Thema „Lagebild Cybersicherheit“. Sie fordern, dass der Wirtschaft täglich ein Lagebild zur Cybersicherheit zur Verfügung gestellt wird, und begründen das damit, dass das für die Unternehmen einen „Mehrwert für den eigenen Meldeaufwand“ darstelle. Das fand ich spannend. Ich habe Ihnen doch in der letzten Legislatur beim IT-Sicherheitsgesetz 2.0 und davor übrigens beim IT-Sicherheitsgesetz 1.0, das Sie auf den Weg gebracht haben, vorgeworfen, dass Sie eine Meldeeinbahnstraße geschaffen haben. Die Unternehmen haben nie etwas davon gehabt, wenn nach Ihren Gesetzen gemeldet wurde. Genau das machen wir anders. Es wird in Zukunft einen Rückweg geben, sodass die Unternehmen auch etwas davon haben, meine Damen und Herren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dann stimmen Sie heute zu! Super!

Wir gehen aber noch viel weiter. Wir werden nicht nur Sicherheit und Resilienz gemeinsam denken, sondern machen auch konkrete Dinge. Der Staat selbst geht nämlich in Vorleistung, IT-Sicherheit zu gestalten. Es kann ja nicht sein, dass Schwachstellen offenbleiben bei Produkten, die in der Breite vorhanden sind – sie wurden heute genannt –, und so Sicherheitslücken entstehen und die Wirtschaft darunter leidet. Deswegen haben wir im Koalitionsvertrag vereinbart – und das werden wir umsetzen –, dass alle Schwachstellen, die bekannt sind, dem BSI zur Schließung gemeldet werden.

Wir haben aber auch an die Strukturen gedacht; denn nur dann wird Cybersicherheit am Ende davon gewinnen. Wir werden an die Strukturen herangehen und ein unabhängigeres BSI aufbauen, das fachlich unabhängig als zentrale Stelle agiert. Es wird einen Koordinator geben, der weisungsfrei im Sinne der Cybersicherheit arbeiten kann. Das ist eine Maßnahme zur Cybersicherheit. Das bricht das Silodenken auf, was Sie über Jahre versäumt haben, meine Damen und Herren.

Beifallder Abg. Peggy Schierenbeck [SPD]

Es wird auch regelmäßige Überprüfungen auf Sicherheitslücken geben. Auch das fehlt in Ihrem Antrag völlig. Es kann nicht sein, dass, wenn nicht überprüft wird, ob ein System sicher ist, man sich darauf verlässt. Deswegen werden wir einführen, dass es eine Überprüfung der Systeme von staatlichen Stellen geben wird. Nur so kann man sicher sein, dass es mit der Cybersicherheit wirklich vorangeht. Das macht Cybersicherheit nachher wirklich aus.

All das vermisse ich in Ihrem Antrag; das steht überhaupt nicht drin. Was Sie in Ihrem Antrag geschrieben haben, ist entweder unnötig oder wird bereits von uns gemacht. Der Kollege von Notz hat einige Punkte aufgedeckt, die in diesem Bereich fehlen. Deswegen glaube ich, dass wir hier deutlich weiter gehen.

Porträt von Marc Henrichmann
Foto: Marc Henrichmann/ Anja Tiwisina
1 Vermerkca. 107 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Geschenkte Zeit ist immer schön. – Vielen Dank, Herr Kollege, dass Sie die Frage zulassen. – Ich nehme gerne zur Kenntnis, dass Sie uns manchmal loben, manchmal kritisieren. Aber eigentlich machen wir jetzt den Job, den wir von den Regierungsfraktionen erwarten. Sie haben ganz oft gesagt: Wir machen das bereits. Wir werden das machen. – Die Frage ist: Wo ist das NIS-2-Umsetzungsgesetz? Auf welchem Stand ist es aktuell? Und bis wann wird es eigentlich umgesetzt sein? Bis jetzt sehe ich, dass Sie gar nichts gemacht haben, dass die Ministerin bis jetzt nichts außer Referentenentwürfe gemacht hat. Wir haben all diese Vorschläge, die Sie jetzt aufgreifen, nicht im Parlament.

Beifallbei der CDU/CSU
11 VermerkeZwischenfrageca. 395 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Vielen Dank, Herr Kollege. – Sehen Sie: Das unterscheidet Sie als Oppositionsabgeordnete von uns als Koalitionsabgeordnete. Wir arbeiten tagtäglich daran, dass die Vorlagen in den Ministerien, von uns begleitet, schon die Punkte enthalten, die wir gerne im Gesetz haben möchten.

Das ist eine interessante Auffassung!

Deswegen spreche ich heute darüber. Es ist ja Ihre Aufgabe, uns dafür zu kritisieren.

Ich gebe Ihnen in einem Punkt recht: Ich wünschte mir, wir wären viel schneller mit dem Gesetz vorangekommen. Am Ende ist aber eines viel entscheidender, nämlich dass all die Punkte, die ich genannt habe, in diesem Gesetz stehen.

Aber wann? Wann ist das?

Wann ist denn das Ende?

Mir ist wichtiger, wir werden am Ende ein unabhängigeres BSI haben. Mir ist wichtiger, wir werden eine zentrale koordinierende Stelle haben, an der jenseits der Silos auch wirklich Cybersicherheit durchgesetzt werden kann. Mir ist wichtiger, dass Schwachstellen in Zukunft geschlossen werden, dass staatliche Stellen bekannte Schwachstellen melden müssen. Mir ist wichtiger, dass wir am Ende regelmäßige Überprüfungen haben.

Zurufdes Abg. Christoph de Vries [CDU/CSU]

Das braucht Zeit. Das kennen Sie als Unionsfraktion übrigens aus eigener Erfahrung. Am Ende kommt es darauf an, dass wir ein gutes Gesetz haben, das all diese Punkte auffasst und umsetzt.

Deswegen gehe ich ebenso wie der Kollege von Notz davon aus, dass wir innerhalb sehr kurzer Zeit einen Entwurf vorliegen haben werden.

Lachendes Abg. Christoph de Vries [CDU/CSU]

Am liebsten hätte ich ihn vor der Sommerpause.

Zurufvon der CDU/CSU

– Ich bin ja nicht die Bundesregierung. Ich bin auch nicht der Sprecher der Bundesregierung.

Gerade haben Sie noch gesagt, Sie arbeiten daran! Das widerspricht sich jetzt!

Sie können die Frage vielleicht mittwochs in der Fragestunde stellen und dann jemand anderem.

Ich hätte den Entwurf lieber morgen als übermorgen. Wir als Parlamentarier – und da sind Sie herzlich eingeladen – werden noch viele Verbesserungswünsche einarbeiten; in diesem Sinne kann man die Cybersicherheit bestimmt noch besser stärken. Und dann werden wir zeitnah ein umfassendes Gesetz für die Cybersicherheit haben. Besser ein richtiges Gesetz am Ende als ein überhastetes schlechtes Gesetz; das ist ja das, was Sie fordern. Sie wollen es umgehend umsetzen, ohne die wichtigen Punkte aufgegriffen zu haben, die wir heute in der Debatte mehrfach gehört haben.

Ich freue mich, dass Ihre neue Begeisterung für IT-Sicherheit heute so sehr auflebt, dass Sie sogar zu dieser späten Stunde noch Zwischenfragen stellen. Nehmen Sie das doch mit in die weitere Beratung! Bringen Sie sich ein, wenn wir die NIS-2-Richtlinie umsetzen, das BSI neu aufstellen und Schwachstellen endlich schneller schließen!

Zurufdes Abg. Christoph de Vries [CDU/CSU]

Am Ende können Sie unserer Gesetzgebung zustimmen, wenn all die Punkte, die Sie heute fordern, darin umgesetzt werden.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Wahlperiode läuft ja noch ein Jahr!

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Frank Schwabe
Foto: photothek
6 Vermerkeca. 487 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Verehrte Damen und Herren! Der Nahostkonflikt zwischen Israel und den Palästinenserinnen und Palästinensern ist zweifellos einer der komplexesten Konflikte weltweit. Er polarisiert und verstellt Lösungsperspektiven leider auch für andere Konflikte bis hin in unsere Gesellschaft, und das auch schon vor dem brutalstmöglichen, perfiden und auch inszenierten terroristischen Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023. Dieser Deutsche Bundestag steht unverbrüchlich als Vertretung Deutschlands an der Seite des Staates Israel.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der AfD

Jüdinnen und Juden brauchen eine Heimstatt, einen Ort, an dem sie sich sicher fühlen können.

Ja, Berlin ist bis jetzt ausgefallen!

Das würde übrigens auch gelten, wenn wir nicht die historische Schuld des Holocaust auf uns geladen hätten. Aber vor dem Hintergrund ebendieser historischen Verantwortung bekräftigen wir das mit dem Begriff der Staatsräson. Deshalb unterstreichen wir das Selbstverteidigungsrecht Israels gegenüber Staaten in der Region – und die gibt es leider –, die Israel am liebsten von der Landkarte tilgen würden, und wir verteidigen auch das Selbstverteidigungsrecht gegenüber der Hamas.

Die Zusage der Staatsräson – das ist allerdings auch klar – gilt gegenüber dem Staat Israel. Sie kann nicht gegenüber einer israelischen Regierung gelten, die durchaus auch Widerspruch von uns – auch von der Mehrheit dieses Hauses – bekommt.

Deshalb kritisieren wir die israelische Regierung auch dann, wenn sie eben nicht in Richtung einer Zweistaatenlösung arbeitet. Wir kritisieren es, wenn jedenfalls Teile der israelischen Regierung Pläne zur Vertreibung von Palästinenserinnen und Palästinensern im Allgemeinen im Gazastreifen haben. Wir kritisieren die israelische Regierung, wenn militärisches Handeln vollkommen unverhältnismäßig ist, und wir haben deswegen auch den Angriff auf Rafah kritisiert. Wir kritisieren es, wenn humanitäre Hilfe – obwohl es besser läuft – immer noch an vielen Stellen nur sehr schleppend erfolgt und es eigentlich nicht verständlich ist, warum das so ist. Und wir kritisieren übrigens auch – der Menschenrechtsausschuss hat sich gestern damit beschäftigt –, wenn es glaubhafte Berichte darüber gibt, dass es in israelischen Gefängnissen schreckliche Behandlungen von Gefangenen und von Kriegsgefangenen gibt.

Was die Frage der Waffenlieferungen betrifft, wissen auch die Antragstellenden, dass Waffenlieferungen, die zur Kriegsführung im Gazastreifen dienen, zurzeit gar nicht anstehen. Wir wollen natürlich nicht – niemand in diesem Hause will das –, dass mit Waffenlieferungen aus Deutschland Kriegsverbrechen, massive Menschenrechtsverletzungen begangen werden.

Zurufder Abg. Sevim Dagdelen [BSW]

Wir müssen aber auch wissen – und das muss man beantworten –, dass die militärische Ausstattung Israels grundsätzlich notwendig ist. Wenn wir das nicht machen würden, dann – das muss man ganz klar sagen – würde der israelische Staat in dieser Region nicht überleben können.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deswegen ist es falsch, pauschal Waffenlieferungen ausschließen zu wollen, zumal, wie ich es gerade schon deutlich gemacht habe – und Sie wissen das auch –, im Moment Waffenlieferungen gar nicht anstehen. Deswegen sollten wir uns auf die Dinge konzentrieren, die jetzt anstehen, die erfolgversprechend sind.

Wir haben den Plan für einen Waffenstillstand von Joe Biden vorliegen, mit der Unterstützung des UN-Sicherheitsrats, inklusive der Freilassung der Geiseln. Es ist jetzt dringend notwendig, dass wir in eine Situation kommen, in der die Waffen schweigen, damit wir endlich wieder zu politischen Lösungen in der Lage sind.

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Armin Laschet
Foto: Staatskanzlei NRW/ Laurence Chaperon
9 Vermerkeca. 329 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das ist keine Nahostdebatte, die wir jetzt führen – dazu bräuchte man natürlich viel mehr Zeit; wir haben drei Minuten pro Redner –, sondern das ist eine Debatte über einen Antrag des BSW, und ich finde, er entlarvt das BSW jedenfalls in außenpolitischen Fragen in dieser Woche eklatant.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD

Sie sind eine Gruppe, eine Partei, die in dieser weltpolitischen Lage keine Empathie für Opfer von auswärtiger Aggression,

Immer auf der falschen Seite!

von Menschenrechtsverletzungen, von Gewalt, von Vergewaltigungen von Frauen aufbringt.

13 000 Kinder, Herr Laschet! Wo ist Ihre Empathie?

Es ist ein einzigartiger Vorgang, dass hier der Präsident eines überfallenen Landes spricht und Sie, wie diese Leute hier rechts von mir, dieser Debatte fernbleiben.

Hey, hey, hey! Moment mal!

Das zeigt Ihre mangelnde Empathie.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Sie müssen ja gar nicht mit Herrn Selenskyj übereinstimmen; aber der Respekt, jemandem beizustehen, wenn er angegriffen wird, ist das Erste.

Das erleben wir jetzt – heute ist Donnerstag: das letzte Mal war am Dienstag – zum zweiten Mal. Sie haben keine Empathie für die, die angegriffen worden sind, für die 1 200 ermordeten Menschen.

Zurufder Abg. Sevim Dağdelen [BSW]

Sie sagen, Sie wollen keine Waffen exportieren. Wie soll sich Israel denn verteidigen? Wie soll es denn die Geiseln befreien? Wie soll es denn ohne Waffen die militärischen Strukturen der Hamas zerschlagen?

Sie können sagen: Bitte Menschenrechtskriterien einhalten! – Okay, darüber kann man Debatten führen. Ob Sie mit dem Menschenrechtsrat, den Sie hier zitieren, mit all den Ländern, die Sie da als Zeugen benennen – Kuba, China, die Malediven, die gerade gegen jeden Israeli ein Einreiseverbot erlassen haben –, die richtigen Freunde und Verbündeten haben, mag ich mal bezweifeln.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dass wir über humanitäres Völkerrecht sprechen, ist völlig in Ordnung; das kann man machen. Aber man muss auch sagen: Man will hier Geiseln befreien, die in Privathäusern untergebracht sind; die Tunnel der Hamas sind unter Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern. Das hätten Sie hier benennen müssen; dann hätten Sie eine ausgewogene Rede gehalten. So haben Sie sich nur selbst entlarvt.

Sie stehen nicht aufseiten der Opfer, nicht aufseiten der Menschenrechte, sondern machen Ihre ideologischen Spiele, und deshalb werden wir Ihren Antrag ablehnen.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

13 000 tote Kinder! Wo ist Ihre Empathie?

Porträt von Deborah Düring
Foto: Deborah Düring/ Ivo Hofsté
3 Vermerkeca. 513 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nach dem furchtbaren Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat sich die Bundesregierung immer wieder zu ihrer Verantwortung für Israels Sicherheit und zu Israels völkerrechtlich verbrieftem Recht, seine Bevölkerung zu verteidigen, bekannt.

Da die Bedrohungen, denen Israel von vielen Seiten ohnehin ausgesetzt ist – wie von der Hamas, von der Hisbollah, von den Huthis, vom Iran –, noch zunahmen, wurden zunächst mehr Rüstungsexporte genehmigt. Seit Januar ist auch – der Kollege Schwabe hat es gerade schon ausgeführt – aufgrund der Kriegsführung im Gazastreifen mit sehr hohen Opferzahlen innerhalb der Zivilbevölkerung die Zahl der Genehmigungen zurückgegangen. Das Umdenken in der Bundesregierung gibt es also durchaus.

Dieser Krieg hat bereits über 36 000 Todesopfer in Gaza gefordert. Noch immer befinden sich 116 Geiseln in den Händen der Hamas. Es gibt unendliches Leid und Trauma auf allen Seiten. Je länger dieser Krieg andauert, desto weiter rückt eine langfristige friedliche Lösung in die Ferne.

Wenn wir über politische Perspektiven von Frieden sprechen, möchte ich in dieser Debatte gerne ein Thema ansprechen, das leider in der öffentlichen Wahrnehmung häufig in den Hintergrund rückt: die Situation im Westjordanland. Seit dem 7. Oktober hat die Gewalt dort rasant zugenommen. Laut UN OCHA wurden über 500 Palästinenser, darunter auch 130 Kinder, getötet, über 5 000 wurden verletzt; 12 Israelis wurden getötet, 105 verletzt.

Rund 2 000 Palästinenser wurden in den letzten acht Monaten von ihrem Land vertrieben. Der völkerrechtswidrige Siedlungsbau wird immer weiter vorangetrieben. Der überwiegende Teil der Straftaten an Palästinensern wird nicht geahndet. Die israelische Regierung hat die völkerrechtliche Verpflichtung, auch in den besetzten Gebieten alle Menschen vor Angriffen und Gewalt zu schützen, Straftaten konsequent zu verfolgen und zu bestrafen.

Beifallder Abg. Misbah Khan [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Außenministerin Annalena Baerbock hat sich in den letzten Monaten unermüdlich mit diplomatischen Mitteln für eine beidseitige Waffenruhe, die Freilassung der Geiseln und den Stopp des Siedlungsbaus eingesetzt. Sie ist oft in die Region gereist, um für eine Zweistaatenlösung zu werben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Es braucht jetzt eine sofortige Waffenruhe. Der Drei-Phasen-Plan der USA liegt auf dem Tisch und wird durch die Resolution 2735 des UN-Sicherheitsrates unterstützt. Nun müssen die letzten Hürden auf dem Verhandlungsweg genommen und sowohl die Hamas als auch die Regierung Netanjahu dazu gebracht werden, dass sie ein solches Abkommen unterzeichnen können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist wichtig, dass wir streiten über die richtigen Hebel und über Lösungen, dass wir reden über den Schmerz, die Wut, die eigene Ratlosigkeit, die sicherlich viele hier angesichts dieses fast ausweglos erscheinenden Konfliktes manchmal verspüren. Aber dazu müssen wir aufhören, uns bei jeder Meinungsverschiedenheit diffamierende Anschuldigungen an den Kopf zu werfen. Denn das hilft niemandem, weder uns hier noch den Menschen dort.

Stattdessen braucht es Mut, die unterschiedlichen Perspektiven im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung auszuhalten. Denn ohne diesen Mut werden wir keinen konstruktiven Diskurs hier hinbekommen.

Und auch wenn wir in unseren Analysen des Konfliktes oder bei den Lösungswegen uneinig sein mögen, bin ich mir sicher, dass wir uns einig sind, dass es eine Zukunft braucht, in der die israelische und die palästinensische Bevölkerung friedlich, selbstbestimmt und gleichberechtigt in zwei Staaten leben können.

2 Vermerkeca. 355 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ein besonderer Gruß vorab an unsere Gäste aus Thüringen auf der Tribüne! Aber zur Sache. Der vorliegende Antrag fordert, deutsche Rüstungsexporte nach Israel zu stoppen und ein Waffenembargo gegen Israel zu verhängen. Israel wird vorgeworfen, schwerwiegende Verletzungen des humanitären Völkerrechts und der Menschenwürde durch die Art der Kriegsführung gegen die Hamas im Gazastreifen zu begehen.

Dabei ist noch mal in Erinnerung zu rufen und festzuhalten, dass die Hamas und der Iran das Existenzrecht Israels negieren und regelmäßig zur Vernichtung Israels aufrufen – so in die Tat umgesetzt durch das brutale Massaker am 7. Oktober des vergangenen Jahres und einen perfiden Plan der Hamas, nämlich durch die aufgrund einer harten israelischen Reaktion zu erwartende hohe Zahl an palästinensischen Opfern die arabische Welt in einen Krieg gegen Israel zu zwingen. Dieser perfide Plan der Hamasführung ist leider im ersten Abschnitt aufgegangen. Die hohe Zahl an palästinensischen Opfern und die weitgehende Zerstörung von Infrastruktur im Gazastreifen sind nur schwer erträglich. Die sich entwickelnde humanitäre Krise in Gaza hat die Welt aufgerüttelt.

Israel hat im Laufe dieses Krieges gegen die Hamas aufgrund seiner harten und kompromisslosen Vorgehensweise viele Kritiker gegen sich aufgebracht, wie der vorliegende Antrag durchaus zu Recht beschreibt. Auch die Schutzmacht USA hat die israelische Regierung zunehmend kritisiert und aufgefordert, das humanitäre Völkerrecht zu achten und unverhältnismäßige Kriegsführung zu vermeiden. Schließlich haben die USA offenbar sogar einen Lieferstopp für eine Munitionsart, nämlich schwere Bomben, verhängt, um eine Mäßigung der israelischen Kriegsführung zu erzwingen. Inwieweit sich die Bundesregierung diesem Lieferstopp für bestimmte Waffen oder Munition angeschlossen hat, ist nicht offen kommuniziert worden.

Der nunmehr vor wenigen Tagen erreichte Sicherheitsratsbeschluss zu einem dreistufigen Waffenstillstandsplan, dem Israel zugestimmt hat, gibt nun seit Langem endlich Hoffnung auf eine schnelle Beendigung des Tötens und der Zerstörung. Allerdings dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass Israel auch an seiner Nordgrenze existenziell bedroht wird. Die bis an die Zähne bewaffnete Hisbollah stellt sogar eine ungleich höhere Bedrohung für Israel dar als die Hamas.

Israel bleibt angewiesen auf seine militärische Stärke, die auch von deutschen Rüstungsexporten abhängig ist. Daher lehnen wir den vorliegenden Antrag ab.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
3 Vermerkeca. 286 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Verehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Selbstverständlich hat Israel, wie jeder andere Staat, das Recht auf Selbstverteidigung nach dem verbrecherischen Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023. Die rücksichtslose Kriegsführung Israels hat mit Selbstverteidigung aber leider nichts mehr zu tun.

Beifallbeim BSW

Während wir hier heute, am 13. Juni 2024, debattieren, rückt die israelische Armee mit Panzern in Rafah vor – trotz aller Beschlüsse des UN-Sicherheitsrats. In der Stadt harren immer noch Hunderttausende Palästinenser aus. Jetzt braucht es einen sofortigen, dauerhaften Waffenstillstand und eine Freilassung aller Geiseln!

Beifallbeim BSW sowie bei Abgeordneten der Linken

Der hängt von der Hamas ab!

Während wir hier debattieren, droht laut Kinderhilfswerk UNICEF 3 000 Kindern der Hungertod, und die Hauptverantwortung dafür trägt die in Teilen rechtsextreme Netanjahu-Regierung, die die humanitären Hilfslieferungen blockiert. Die Ampelregierung muss sich fragen, ob sie sich hier nicht mitschuldig macht.

Beifallbeim BSW sowie bei Abgeordneten der Linken

Ich finde, es ist eine Schande, dass sich hier in diesem Haus eine ganz große Koalition von Grünen bis zur AfD weigert, einen Waffenstopp für Israel zu verhängen. Stattdessen stellt man sich hier nach wie vor bedingungslos hinter Netanjahu, gegen den vor dem Internationalen Strafgerichtshof ein Haftbefehl beantragt worden ist.

Früher einmal war es Konsens in Deutschland – auch bei der SPD und bei der Union –, keine Waffen in Kriegs- und Krisengebiete zu liefern. Heute sehen wir Berichte, wie deutsche Waffen bei diesem Feldzug der israelischen Armee eingesetzt werden, der geprägt ist von Kriegsverbrechen. Mehr als 37 000 Palästinenser wurden bisher getötet, darunter allein über 13 000 Kinder. Und was macht die Bundesregierung? Sie liefert weiter skrupellos Waffen und Munition an Israel, allein in den letzten Monaten Kriegswaffen und Rüstungsgüter für über 10 Millionen Euro.

Wir finden als Bündnis Sahra Wagenknecht: Beenden Sie diese Komplizenschaft! Erklären Sie einen Waffenstopp, wie dies in der EU bereits von Spanien, Irland, den Niederlanden –

2 Vermerkeca. 8 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– und der Wallonie getan worden ist!

Vielen Dank.

Beifallbeim BSW
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP