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128. Sitzung der 20. Wahlperiode

Donnerstag, 12. Oktober 2023 · Berlin

260 Reden in dieser Sitzung

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Porträt von Olaf Scholz
Foto: SPD/ Photothek
Olaf ScholzSPD· Bundeskanzler· MdB
23 Vermerkeca. 1.816 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Botschafter Prosor! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Am Morgen des 7. Oktober ist Israel in einem Albtraum aufgewacht. An diesem jüdischen Feiertag feuerte die Hamas Tausende Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel. Schwerbewaffnete palästinensische Terroristen drangen zur gleichen Zeit in Israel ein und zogen mordend durch Städte und Dörfer. Über 250 junge Frauen und Männer wurden bei einem Musikfestival in der Nähe des Gazastreifens von den Terroristen regelrecht hingerichtet. Die Bilder sind von menschenverachtender Grausamkeit. Dutzende Israelis, darunter Alte und kleine Kinder, wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Viele von ihnen wurden von ihren Entführern schwer an Leib und Seele verletzt und auf widerwärtigste Weise erniedrigt. Weit über 1 000 Bürgerinnen und Bürger Israels sind dem Terror bislang zum Opfer gefallen. Tausende wurden zum Teil schwer verletzt und ringen in den Krankenhäusern des Landes um ihr Leben. In einem Land mit 9 Millionen Einwohnern bedeutet das: Fast jeder kennt eines der Opfer. In ganz Israel wird in diesen Stunden um die Toten getrauert und um die Verletzten und Verschleppten gebangt. Liebe Freundinnen und Freunde in Israel, wir trauern und wir bangen mit euch.

Beifallim ganzen Hause

Unsere Herzen sind schwer angesichts des großen Leids, das Terror, Hass und Menschenverachtung über euer Land, über Israel, gebracht haben. Wir verdammen die Gewalt der Terroristen in aller Schärfe. Und wir sagen in aller Klarheit: Israel hat das völkerrechtlich verbriefte Recht, sich und seine Bürgerinnen und Bürger gegen diesen barbarischen Angriff zu verteidigen.

Beifallim ganzen Hause

Die Sicherheit in und für Israel muss wiederhergestellt werden, und darum muss Israel sich verteidigen können. In diesem Moment gibt es für Deutschland nur einen Platz: den Platz an der Seite Israels. Das meinen wir, wenn wir sagen: Die Sicherheit Israels ist deutsche Staatsräson.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der LINKEN

Unsere eigene Geschichte, unsere aus dem Holocaust erwachsene Verantwortung macht es uns zur immerwährenden Aufgabe, für die Existenz und für die Sicherheit des Staates Israel einzustehen. Diese Verantwortung leitet uns.

Unsere Verbundenheit mit Israel und seinen Menschen ist heute auch auf andere Weise sehr direkt. Viele Deutsche leben in Israel, oft Angehörige beider Staaten. Viele Israelis leben hier in Deutschland. Viele von uns haben Freunde im jeweils anderen Land. Auch deshalb hielten sich zum Zeitpunkt des Angriffs zahlreiche Deutsche in Israel auf. Und so sind unter den über 100 Geiseln der Hamas mehrere Deutsche.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin dankbar, dass dieses Haus unmittelbar auf den Terrorangriff reagiert hat. Fünf deutsche Parteien haben ihre Solidarität mit Israel bereits am Sonntag in einer gemeinsamen Erklärung klar zum Ausdruck gebracht. Und ich begrüße den fraktionsübergreifenden Antrag, der heute beschlossen werden soll. Das sind wichtige, notwendige Zeichen unserer Solidarität mit Israel im Kampf gegen den Terror.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD

Ich habe diese Solidarität auch gegenüber Premierminister Netanjahu betont, als wir am Sonntag miteinander telefoniert haben. Auch mit Präsident Macron, Präsident Biden, Premierminister Sunak und Premierministerin Meloni habe ich mich in den vergangenen Tagen eng abgestimmt. Wir sind uns vollkommen einig: Unsere Länder werden Israel unterstützen, sich und sein Volk gegen solche Gräueltaten zu verteidigen. Und klar ist: Unsere Solidarität erschöpft sich nicht in Worten. Ich habe Premierminister Netanjahu gebeten, im engen Kontakt zu bleiben und uns über jeglichen Unterstützungsbedarf zu informieren. Das gilt zum Beispiel für die Versorgung Verwundeter; aber auch andere Unterstützungsbitten Israels werden wir unverzüglich prüfen und auch gewähren.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, unsere unmittelbare Sorge gilt heute den Kindern, Frauen und Männern, die in den Gazastreifen verschleppt wurden. Ihr Schicksal bewegt uns alle zutiefst. Wir befürchten, dass die Hamas sie in den nächsten Wochen weiter als menschliche Schutzschilde missbrauchen wird. Und wir arbeiten mit ganzer Kraft daran, dass alle Geiseln wieder freikommen – in enger Abstimmung mit Israel und natürlich mit der gebotenen Vertraulichkeit.

Unsere zweite große Sorge gilt der regionalen Dimension des Konflikts. Wir haben bisher zwar keine handfesten Belege dafür, dass Iran diesen feigen Angriff der Hamas konkret und operativ unterstützt hat. Aber uns allen ist klar: Ohne iranische Unterstützung über die letzten Jahre wäre die Hamas zu diesen präzedenzlosen Angriffen auf israelisches Territorium nicht fähig gewesen. Die jubelnden Äußerungen der Spitze des iranischen Regimes und manch anderer Regierungsvertreter in der Region sind abscheulich. Die Führung in Teheran zeigt ohne Scham ihr wahres Gesicht und bestätigt damit ihre Rolle in Gaza.

Unser regionales Augenmerk liegt zudem auf dem Süden des Libanon. Wie die Hamas unterhält auch die Hisbollah enge Verbindungen mit dem Iran. Auch sie stellt das Existenzrecht Israels infrage. Die Hisbollah darf nicht in die Kämpfe eingreifen. Das hätte nicht nur eine gerechtfertigte und harte israelische Reaktion zur Folge. Der Libanon, der durch das unselige Handeln der Hisbollah ohnehin destabilisiert ist, geriete an den Rand des Abgrunds. Vor allem aber drohte dann ein verheerender Flächenbrand mit möglichen Auswirkungen bis nach Nordafrika und in den Jemen.

Viele Länder im Nahen und Mittleren Osten haben in den letzten Jahrzehnten bereits großes Leid gesehen. Die Gräueltaten des sogenannten Islamischen Staats, des IS, liegen nicht einmal ein Jahrzehnt zurück. Gemeinsam mit unseren Partnern nutzen wir daher alle unsere Kanäle, um ein solch apokalyptisches Szenario zu verhindern. Gemeinsam rufen wir alle in der Region auf, von weiteren feindseligen Akten gegen Israel abzusehen. Unsere Botschaft ist klar: Es wäre ein unverzeihlicher Fehler, Israel anzugreifen.

Beifallim ganzen Hause

Ich stehe in engem Kontakt mit dem ägyptischen Staatschef el-Sisi, der über Gesprächskanäle auch nach Gaza verfügt. Heute noch spreche ich mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. Zudem empfange ich den Emir von Katar, dessen Land eine wichtige Vermittlerrolle innehat, die es gerade dieser Tage auch nutzt.

Zurufvon der CDU/CSU

Alle drei können bei der Vermittlung und Deeskalation in der aktuellen Lage eine wichtige Rolle spielen. Den Kritikern solcher Kontakte und der Tatsache, dass wir sprechen, sage ich: Es wäre unverantwortlich, in dieser dramatischen Lage nicht alle Kontakte zu nutzen, die helfen können!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der AfD und der LINKEN und der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Matthias Helferich [fraktionslos]

Wir tun dies im Übrigen in enger Abstimmung mit Israel und für diejenigen, die von der Hamas entführt wurden. Nächste Woche werde ich zudem den jordanischen König empfangen, der eine besondere Rolle im israelisch-palästinensischen Verhältnis spielt.

Meine Damen und Herren, Konsequenzen hat der Angriff der Hamas auf Israel auch für unsere Zusammenarbeit mit den Palästinensern. Ich frage mich: Wo bleibt die klare Verurteilung der terroristischen Gewalt durch die Autonomiebehörde und durch ihren Präsidenten Mahmud Abbas?

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der LINKEN und des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Ich sage: Ihr Schweigen ist beschämend!

Wir stellen unsere gesamte Entwicklungszusammenarbeit mit den Palästinensischen Gebieten auf den Prüfstand. Unser Maßstab dabei wird sein, ob und wie unsere Projekte den Frieden in der Region unterstützen und der Sicherheit Israels am besten dienen. Darüber werden wir wie bisher auch mit der israelischen Regierung sprechen, die in der Vergangenheit an vielen unserer Projekte Interesse hatte. Bis diese Überprüfung abgeschlossen ist, werden wir keine neuen Mittel der Entwicklungszusammenarbeit bereitstellen können.

Unsere humanitäre Hilfe sichert mehr als der Hälfte der Bevölkerung vor allem im Gazastreifen die elementarsten Dinge zum Überleben: Nahrung und eine grundlegende Gesundheitsversorgung. Die Hamas hingegen bietet ihnen nichts als Armut und Leid.

Beifallim ganzen Hause

Die Hamas handelt nicht im Sinne der palästinensischen Bevölkerung. Und es ist leider absehbar: Das Leid und die Not der Zivilbevölkerung im Gazastreifen werden eher noch wachsen. Auch dafür trägt die Hamas mit ihrem Angriff auf Israel Verantwortung.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN sowie bei Abgeordneten der AfD

Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch wenn uns das angesichts der fürchterlichen Berichte und Bilder aus Israel und dem Gazastreifen im Moment schwerfällt: Wir müssen auch auf die langfristige Perspektive des Nahen und Mittleren Ostens schauen. In jüngerer Zeit gab es dort durchaus Veränderungen zum Besseren: die Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain 2020, das Ende der Katar-Krise 2021, die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Iran und Saudi-Arabien 2023, zuletzt die Chance auf eine Normalisierung der Beziehungen auch zwischen Israel und Saudi-Arabien. Wir dürfen nicht zulassen, dass der Terror diese positiven Entwicklungen zerstört. Und gerade das mag das Ziel des Terrors sein.

Beifallim ganzen Hause

Umso mehr werden wir mit diplomatischen Mitteln weiter um Lösungen für die zahlreichen Konflikte der Region ringen. Wir geben dabei das Ziel nicht auf, dass unsere israelischen Freundinnen und Freunde und die Palästinenserinnen und Palästinenser, die Frieden wollen, eines Tages Seite an Seite und ohne Terror leben können, auch wenn das heute weiter denn je entfernt erscheint.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der LINKEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Tausende Bürgerinnen und Bürger haben in den vergangenen Tagen hier in Berlin und in anderen deutschen Städten im wahrsten Sinne des Wortes Flagge gezeigt für Israel. Die blau- weißen Fahnen mit dem Davidstern vor dem Brandenburger Tor haben ein gutes Zeichen der Solidarität, Freundschaft und Verbundenheit mit Israel in die Welt gesandt. Es gab am vergangenen Wochenende aber auch andere, beschämende Bilder aus Deutschland, Bilder von Männern und Frauen, die auf unseren Straßen den Terror der Hamas feiern, die ihrem Hass gegen Israel und gegen unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger freien Lauf lassen. Das ist abscheulich. Das ist menschenverachtend. Das widerspricht allen Werten, denen wir als Land verpflichtet sind. Hass und Hetze nehmen wir nicht tatenlos hin!

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN sowie bei Abgeordneten der AfD und des Abg. Matthias Helferich [fraktionslos]

Antisemitismus dulden wir nicht. Null Toleranz gegenüber Antisemiten! Das müssen und das werden unsere Sicherheitsbehörden mit aller Konsequenz durchsetzen.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der LINKEN

Wer die Verbrechen der Hamas verherrlicht oder ihre Symbole verwendet, macht sich in Deutschland strafbar. Wer Mord und Totschlag billigt oder zu Straftaten aufruft, macht sich strafbar. Wer israelische Flaggen verbrennt, der macht sich strafbar. Wer eine Terrororganisation wie die Hamas unterstützt, der macht sich strafbar.

Zurufvon der AfD: Vollzug!

Die Strafverfolgungsbehörden von Bund und Ländern werden jeden, der so etwas tut, zur Rechenschaft ziehen – mit allen Mitteln, die unser wehrhafter Rechtsstaat bietet.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der LINKEN und des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Zu diesen Mitteln gehören ausdrücklich auch Vereins- und Betätigungsverbote. Das Bundesinnenministerium wird ein Betätigungsverbot für die Hamas in Deutschland erlassen.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der LINKEN und der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Matthias Helferich [fraktionslos]

Ein Verein wie Samidoun, dessen Mitglieder brutalste Terrorakte auf offener Straße feiern, wird in Deutschland verboten.

Beifallim ganzen Hause

Unser Vereinsrecht ist ein scharfes Schwert, und dieses Schwert werden wir als starker Rechtsstaat hier ziehen.

Unmittelbar nach Beginn des Terrorangriffs auf Israel haben wir hierzulande zudem den Schutz von jüdischen und israelischen Einrichtungen erhöht. Das ist leider nötig; schließlich kursieren im Internet und in den sozialen Medien antisemitischer Hass und Hetze, die Israel für die Angriffe verantwortlich machen. Dazu sage ich: Das ist Täter-Opfer-Umkehr der perfidesten Art.

Beifallim ganzen Hause

Ich habe in den vergangenen Jahren oft mit israelischen Verantwortlichen gesprochen, auch mit Vertretern der aktuellen Regierung. Dabei habe ich immer auch kritische Fragen thematisiert wie etwa Siedlungspolitik oder die schwindende Perspektive für eine Zweistaatenlösung. Aber nichts rechtfertigt auch nur im Entferntesten Gewalt gegen unschuldige Frauen und Männer! Nichts, aber auch gar nichts rechtfertigt den Terror der Hamas!

Beifallim ganzen Hause

Da gibt es auch nichts zu relativieren. Jedes „Ja, aber“ ist angesichts der Brutalität und Menschenverachtung der Terroristen völlig fehl am Platze, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der LINKEN

Der Bundespräsident und auch Sie, Frau Präsidentin, haben uns dazu aufgerufen, wachsam zu sein und uns klar an die Seite der angegriffenen Bürgerinnen und Bürger Israels zu stellen. Das tun wir heute und auch in Zukunft, indem wir uns unmissverständlich zur Sicherheit Israels bekennen und indem wir uns auch hier in Deutschland schützend vor unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger stellen. Wir tun das aus Verantwortung für unsere Geschichte und in tiefer Verbundenheit und Freundschaft mit dem jüdischen Staat Israel.

Schönen Dank.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der LINKEN
Porträt von Friedrich Merz
Foto: Friedrich Merz/Tobias Koch
19 Vermerkeca. 1.162 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Botschafter, lieber Ron Prosor! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich zunächst in diesen uns alle sehr belastenden und beschwerenden Tagen einige Worte des Dankes sagen. Ich danke den Parteivorsitzenden der SPD, der CSU, der FDP und insbesondere Omid Nouripour für Bündnis 90/Die Grünen, von dem die Initiative ausging, dass wir bereits am Sonntag eine gemeinsame Erklärung der Parteivorsitzenden zu den schrecklichen Terroranschlägen in Israel abgeben konnten. Ich möchte den Bundestagsfraktionen, unseren Parteien hier im Haus danken, dass wir heute einen gemeinsamen Entschließungsantrag verabschieden werden. Und ich möchte Ihnen, Herr Bundeskanzler, für Ihre Regierungserklärung danken.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dieser 7. Oktober 2023, den Sie heute Morgen noch einmal in einigen seiner grauenhaften Einzelheiten beschrieben haben, wird als ein schwarzer Tag in die Geschichtsbücher des jüdischen Volkes eingehen. Ich möchte den Bürgerinnen und Bürgern Israels sagen: Auch wir nehmen diesen Tag in unsere Geschichtsbücher auf. Sie sind in Ihrer Trauer, aber auch in Ihrer Entschlossenheit nicht allein. Jeder zivilisierte Mensch, egal woher er kommt oder an was er glaubt, und vor allem wir Deutsche stehen in diesen Tagen ganz besonders an Ihrer Seite und gegen diese unfassbare Barbarei.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der LINKEN und der Abg. Joana Cotar [fraktionslos], Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Unser tiefempfundenes Mitgefühl gilt dem gesamten israelischen Volk, insbesondere den Familien der Toten, der Verletzten und der Geiseln. Die Bilder verzweifelter Mütter und Väter, Töchter und Söhne, Schwestern und Brüder erfüllen auch uns mit großer Trauer. Als Familienvater kann ich den unermesslichen Schmerz der Familien in ganz Israel, aber auch bei uns hier in Deutschland, die nahe Angehörige oder Freunde verloren haben oder um deren Leben sie bangen, nur erahnen. Es gibt für diesen feigen und abscheulichen Exzess der Gewalt keinerlei Rechtfertigung.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der LINKEN und der Abg. Joana Cotar [fraktionslos], Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Israel reagiert auf diesen Terror im Rahmen seines völkerrechtlich verbrieften Rechts auf Selbstverteidigung. Ben-Gurion, Israels erster Premierminister, hat einmal gesagt: Das Schicksal Israels hängt von zwei Dingen ab, seiner Stärke und seiner Gerechtigkeit. – Wir wünschen dem Staat Israel, dass er sein Selbstverteidigungsrecht eben mit Stärke und Gerechtigkeit ausübt. Der Unterstützung des Deutschen Bundestages kann sich Israel dabei sicher sein.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der LINKEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist in den letzten Tagen einige Male gesagt worden: Seit dem Menschheitsverbrechen der Shoah sind an keinem Tag so viele Jüdinnen und Juden gewaltsam um ihr Leben gebracht worden wie eben an diesem schicksalhaften 7. Oktober 2023. Gerade für uns Deutsche gilt daher: Wo immer jüdisches Leben bedroht, gefährdet oder gar vernichtet wird, stehen wir für Schutz und Freiheit in ganz besonders herausragender Verantwortung.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der LINKEN

Deshalb – Herr Bundeskanzler, Sie haben das angesprochen – schämen wir uns, dass auf deutschen Straßen der Tod von Jüdinnen und Juden gefeiert wird. Unser demokratischer Staat darf solche Zustände nicht dulden.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der LINKEN und der Abg. Joana Cotar [fraktionslos]

Er muss mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unseres Rechtsstaates sicherstellen, dass jede Form antisemitischer Gewaltverherrlichung unterbunden wird, ohne Wenn und Aber.

Zurufvon der AfD: Wir schaffen das!

Doch damit ist es nicht getan. Ich biete für die Unionsfraktion an, dass wir gemeinsam aus der Mitte dieses Hauses den Kampf gegen Antisemitismus in unserem Land noch entschlossener fortsetzen. Dazu zählt, dass Vereine und Organisationen, die die Hamas oder andere islamistisch-militante Organisationen unterstützen, verboten werden. Wer für Terroristen Geld einsammelt oder offen mit ihnen sympathisiert, kann sich nicht auf Meinungsfreiheit berufen.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der Abg. Joana Cotar [fraktionslos]

Es sind Straftaten, die wir nicht dulden dürfen. Dazu zählt, dass als Kunst getarnter Antisemitismus, etwa auf der Kasseler Documenta, als das bezeichnet und unterbunden wird, was er tatsächlich ist, nämlich widerlicher und abscheulicher Judenhass.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der Abg. Joana Cotar [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Dazu zählt, dass Demonstrationsverbote konsequent durchgesetzt werden. Die Bilder vom vergangenen Samstag und erneut die vom gestrigen Abend, liebe Kolleginnen und Kollegen, sind unerträglich und müssen abgestellt werden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dazu zählt auch – Herr Bundeskanzler, Sie haben das in Ihrer Regierungserklärung angesprochen –, dass die Iranpolitik endlich von allen Illusionen befreit wird.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Das Mullah-Regime in Teheran ist eine existenzielle Bedrohung nicht nur für Menschenrechte und die Freiheit im eigenen Land, sondern auch für das Leben der Menschen in Israel und den Fortbestand ihres ganzen Staates.

Dazu zählt auch – auch das haben Sie dankenswerterweise erwähnt –, dass wir alle Zahlungen an die Palästinensischen Gebiete und Organisationen auf den Prüfstand stellen. Unser Maßstab dabei muss klar sein: Wer Israel vernichten will oder den Holocaust verharmlost, der darf kein deutsches Steuergeld mehr erhalten.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der LINKEN und der Abg. Joana Cotar [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Zu dieser Entschlossenheit gegen Antisemitismus zählt schließlich, dass wir keine rechtsfreien Räume in Deutschland dulden, in denen der Hass gegen Israel gepredigt wird. Ich mache es konkret. Ich rufe Sie, Frau Bundesinnenministerin, dazu auf: Schließen Sie endlich das Islamzentrum in Hamburg.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der AfD

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, vor einem halben Jahr, am 12. Mai 2023, haben wir hier im Deutschen Bundestag den Jahrestag der Gründung des Staates Israel gewürdigt. Wir haben gemeinsam die Zusage erneuert, dass die Sicherheit und das Existenzrecht Israels Teil der deutschen Staatsräson sind. Wir hätten uns vermutlich alle nicht vorstellen können, dass es mit dieser Zusage nun ernst wird. Wie ernst es werden könnte, das wissen wir noch nicht. Aber seit dem vergangenen Samstag wissen wir, dass neben dem Krieg in der Ukraine an einem nächsten Ort in unserer weiteren Nachbarschaft die Freiheit und der Friede verteidigt werden müssen.

Wir begrüßen es daher ausdrücklich, Herr Bundeskanzler, dass Sie heute Morgen angekündigt haben, dass Deutschland zusammen mit den europäischen Partnern vor allem und zunächst alle diplomatischen Mittel ausnutzen will, um auf die Nachbarstaaten Israels mäßigend einzuwirken. Ein Flächenbrand in der Region und gegen Israel muss unter allen Umständen verhindert werden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der AfD und der Abg. Joana Cotar [fraktionslos], Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Meine Damen und Herren, der Jom-Kippur-Krieg begann an einem 6. Oktober. Der Krieg dauerte 20 Tage und endete mit dem Sieg Israels über die angreifenden arabischen Staaten. Wie lange dieser Krieg nun dauern wird, vermag niemand von uns zu sagen. Doch eines ist schon jetzt klar: Unsere Solidarität darf keine Risse bekommen, auch dann nicht, wenn Israel das Notwendige tut, um seine Sicherheit wiederherzustellen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP und der Abg. Joana Cotar [fraktionslos]

Ich möchte in diesem Zusammenhang einen weiteren großen Premierminister Israels zitieren. Von Yitzhak Rabin stammt der Satz: Wir feiern den Tod unserer Gegner nicht. – Gerade in einer solchen Ausnahmesituation, wie wir sie seit dem letzten Samstag sehen, zeigt sich eben der ganze Unterschied zwischen einer zivilisierten Demokratie und einer hasserfüllten Terrorgruppe.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD

Israel weist für die Bevölkerung in Gaza Schutzzonen aus, bevor Angriffe auf die Hamas geflogen werden. Israel bombardiert nicht wahllos zivile Infrastruktur. Israel behandelt seine Gefangenen gemäß den internationalen Konventionen. Das, meine Damen und Herren, um es noch einmal zu sagen, ist der Unterschied zwischen Zivilisation und Terror.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP und der Abg. Joana Cotar [fraktionslos]

Ich selbst war im Frühjahr dieses Jahres das letzte Mal in Israel, um Staatspräsident Herzog, Premierminister Netanjahu, Oppositionsführer Lapid und Vertreter der Zivilgesellschaft zu treffen. Für einen Deutschen ist so ein Besuch immer noch etwas Besonderes.

Nach dem Holocaust haben die Jüdinnen und Juden aus einer kargen Wüste ein blühendes Land geschaffen. Konrad Adenauer hat mit Israel 15 Jahre nach den Grauen des Zweiten Weltkriegs Frieden geschlossen. Das Treffen zwischen Ben-Gurion und Konrad Adenauer am 14. März 1960 in New York hat Weltgeschichte geschrieben. Diese Aussöhnung mit Israel ist für uns auch heute und immer noch ein großes Geschenk. Aber dieses Geschenk verpflichtet uns auch bis heute.

Israel ist stark. Es liegt jetzt an uns, ein starker Verbündeter Israels zu sein.

Herzlichen Dank.

Anhaltender Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie der Abg. Joana Cotar [fraktionslos], Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Katharina Dröge
Foto: Katharina Dröge/ Dominik Butzmann
8 Vermerkeca. 858 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Botschafter, lieber Ron Prosor, vor genau fünf Monaten haben wir Ihnen hier im Deutschen Bundestag zum 75-jährigen Jubiläum der Staatsgründung Israels gratuliert. Und unser wichtigster Wunsch damals für Sie, für Israel war Frieden. Heute wissen wir, dass dieser Wunsch auf brutalste Art und Weise nicht erfüllt wurde.

Der 7. Oktober 2023 wird in unser aller Gedächtnis eingehen als einer der vielleicht dunkelsten oder der dunkelste Tag seit Staatsgründung Israels. Die Angriffe der Terroristen der Hamas waren darauf ausgerichtet, so viel Leid und so viel Zerstörung wie nur irgendwie möglich zu erzeugen, so viele Menschenleben wie nur irgendwie möglich zu vernichten. Und die Nachrichten sind so brutal, dass einem die Worte dafür fehlen.

Ich möchte in dieser Debatte einer derjenigen eine Stimme geben, die das in Israel selbst erlebt hat. Die Schriftstellerin Zeruya Shalev schreibt heute in einem Artikel:

„Am vergangenen Sabbat bewahrheiteten sich die Albträume meiner Kindheit in den israelischen Siedlungen in der Nähe des Gazastreifens. Hamas-Terroristen stürmten in die Häuser, rissen Babys und Kinder aus den Betten, ermordeten ganze Familien oder setzten die Häuser über ihren Bewohnern in Brand … Auf israelischem Staatsgebiet saßen Menschen in belagerten häuslichen Sicherheitsräumen und flehten stundenlang um Hilfe, bis ihre Stimmen verstummten. In unserem Staat mussten Eltern ihre Babys zum Schweigen bringen, damit das Weinen ihr Versteck nicht verriet. Es waren Stimmen, wie sie aus den Erzählungen aufstiegen, die ich in meiner Kindheit hörte.“

Lieber Ron Prosor, wir sind heute vereint in tiefer Trauer und in tiefem Schmerz. Wir trauern mit den israelischen Menschen, mit unseren Freundinnen und Freunden, mit dem gesamten israelischen Volk. Wir hoffen und wir bangen gemeinsam mit den Angehörigen derjenigen, die als Geiseln genommen und verschleppt wurden. Es gehört zu den perfidesten Methoden der Hamas, israelische Zivilistinnen und Zivilisten, Soldatinnen und Soldaten, aber auch die palästinensische Bevölkerung als menschliche Schutzschilde in ihrem brutalen Krieg zu missbrauchen. Wir alle stehen zusammen in dieser furchtbaren Zeit, und wir verurteilen das zutiefst.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der LINKEN

Aber während wir hier miteinander diskutieren, gehen die Kämpfe weiter. Israelische Soldaten verteidigen ihr Land gegen die Hamas im Gazastreifen. Es geht darum, jede einzelne Geschichte jedes Opfers zu erzählen. Aber es geht eben auch um die Sicherheit des Staates Israels als Ganzes – ein Staat, der gegründet wurde, um jüdischen Menschen Schutz zu bieten, die in der Geschichte immer wieder schlimmster Verfolgung und Vernichtung ausgesetzt wurden, bis zum Menschheitsverbrechen des Holocausts, ein Staat, der Sicherheit und Schutz bietet. Und diese Sicherheit stellt die Hamas infrage, diese Sicherheit bedroht die Hamas, und das werden wir niemals akzeptieren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Deshalb ist es so wichtig, dass dieses Parlament gemeinsam – ich danke allen Fraktionen dafür – noch einmal sein Versprechen an Sie heute mit diesem Beschluss erneuert. Das Existenzrecht und die Sicherheit Israels sind deutsche Staatsräson. Sie können sich auf uns verlassen, gerade in dieser schweren Zeit. Wir werden alles dafür tun, was wir können, um Ihnen in dieser Zeit beizustehen und zu helfen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Israel hat ganz klar, ganz unmissverständlich das Recht, sich in dieser Zeit gegen die Terroristen im Gazastreifen selbst zu verteidigen; da gibt es kein Wenn und Aber. Das Völkerrecht beschreibt den Weg. Es ist zentraler Kern unserer deutschen Außen- und Sicherheitspolitik, hier an der Seite Israels zu stehen. Und wir werden alles tun, was Sie für nötig halten.

Auch wenn es an diesem heutigen Tag so unfassbar weit weg scheint: Unser wichtigster Wunsch ist und bleibt Frieden für Israel. Denn Frieden ist die Garantie für Sicherheit. Dazu gehört, dass die Annäherung mit den arabischen Nachbarstaaten und die Gespräche mit Saudi-Arabien fortgesetzt werden. Gerade das darf nicht zerstört werden durch den Terror der Hamas. Denn genau darauf hat sie es abgesehen. Die Abraham Accords sind ein so wichtiger Beitrag für Frieden und Stabilität in der Region.

Wir brauchen in dieser Zeit alle Facetten der Diplomatie. Wir brauchen in dieser Zeit natürlich auch Maßnahmen zum Schutz der Zivilisten. Es ist gut, dass hier Gespräche über sichere Fluchtwege für unschuldige Zivilisten geführt werden. Und es ist auch wichtig, dass weiterhin humanitäre Hilfe geleistet wird.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Heidi Reichinnek [DIE LINKE]

Und es braucht in dieser Zeit alle Härte gegen die Feinde der Demokratie, gerade gegenüber dem Iran, der das erklärte Ziel hat, Israel von der Landkarte zu löschen. Deswegen ist es so wichtig, dass wir gemeinsam alle Sanktionen gegen den Iran schon ergriffen haben, dass unsere Außenministerin auf europäischer Ebene genau dafür als eine der stärksten Stimmen wirbt, dass wir uns auch weiter gemeinsam mit Nachdruck auf europäischer Ebene dafür einsetzen werden, dass die Revolutionsgarden als Terrororganisation gelistet werden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wir müssen mit Bestürzung feststellen, dass gerade in dieser Zeit der Antisemitismus auf deutschen Straßen wieder zunimmt. Und unsere klare Aussage ist: Wir werden das in Deutschland nicht akzeptieren. Wir werden niemals akzeptieren, dass diese grauenvollen Taten verherrlicht und gefeiert werden. Hier wird der Rechtsstaat mit all seiner Konsequenz eingreifen, und wir werden dafür sorgen, dass Vereine, die das tun, verboten werden. Wir versprechen den jüdischen Menschen in diesem Land: Euer Schutz ist unsere Verpflichtung. Wir werden alles dafür tun, um jüdische Einrichtungen, um jüdische Institutionen, aber auch das Leben auf deutschen Straßen für jüdische Menschen, so gut wir können, zu schützen und zu sichern,

Vor wem bloß?

gerade heute.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Beifallbei der AfD
Porträt von Alexander Gauland
Foto: Dr. Alexander Gauland/Deutscher Bundestag, Foto- und Bildstelle
11 Vermerkeca. 437 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Herr Botschafter! Meine Damen und Herren! Wenn es um Israel geht, beginnt die Stunde der wohlmeinenden Lippenbekenntnisse.

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sie sprechen über sich!

Das berühmteste von allen hat der deutsche Bundeskanzler heute wiederholt. Es stammt von der Amtsvorgängerin von Herrn Scholz und lautet: Die Verteidigung Israels ist deutsche Staatsräson. – Als Frau Merkel das aussprach, flossen zugleich deutsche Steuergelder an antisemitische NGOs und Hilfswerke, und die Sicherheit von Juden auf deutschen Straßen konnte die deutsche Regierung nicht garantieren. So ist es leider bis heute geblieben.

Jetzt gibt es neue Ankündigungen, das zu ändern. Solidaritätserklärungen helfen weder den Israelis, noch machen sie den geringsten Eindruck auf die Terroristen und ihre Unterstützer.

Beifallbei der AfD

Dieser barbarische Angriff mit fast ausschließlich zivilen Opfern muss radikal beantwortet werden. Man muss den Terror an seinem Lebensnerv treffen: am Geld. Dass ein Teil dieser Raketen, ein Teil dieser von der Hamas eingesetzten Waffen womöglich mit deutschen Steuergeldern bezahlt wurde, ist ein unglaublicher Skandal.

Beifallbei der AfD

Wenn die sogenannte Staatsräson mehr als eine Floskel sein soll, müssen die deutschen Zahlungen an Palästinenserorganisationen sofort aufhören, meine Damen und Herren. Das gilt für alle diese Zahlungen.

Beifallbei der AfD

Die Außenministerin hat versichert, mit deutschem Geld werde kein Terror finanziert.

„Vogelschiss“ der Geschichte! Sie sollten bei sich selber anfangen!

Pardon, Frau Baerbock: Die Vorstellung, das Geld fließe ausschließlich in humanitäre Projekte, ist bestenfalls naiv. Die Hamas kontrolliert Gaza. So sicher, wie ein Teil der deutschen Entwicklungshilfe im Fuhrpark afrikanischer Diktaturen ankam, so sicher landete ein Teil dieser sogenannten Hilfsgelder auch bei der Hamas. Das, meine Damen und Herren, muss sich ändern.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Johannes Huber [fraktionslos]

Denn man hilft mit diesem Geld nicht den Palästinensern, sondern ihren Führern, die ihnen das Leben im Gazastreifen zur Hölle machen und sie immer wieder in sinnlose Kriege stürzen. Die Schlächter und Kindermörder der Hamas sind keine Opfer. Die Hamas ist eine Organisation, die zu einem einzigen Zweck gegründet wurde: die Juden zu töten. Ihre Führer haben das immer wieder ganz unverblümt erklärt. Der Angriff auf Israel ist kein Aufstand von Unterdrückten, sondern von grausamen Fanatikern.

Beifallbei der AfD sowie der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Dass sie auf deutschen Straßen offene Unterstützung finden, dass in Deutschland skandiert wird: „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“, ist unerträglich.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Johannes Huber [fraktionslos]

Wie viele dieser Freudenfeiern und Aufrufe zum Judenmord hat es in Deutschland gegeben? Und welche polizeilichen und juristischen Maßnahmen dagegen gibt es? Ich hoffe, Herr Bundeskanzler, dass Ihre heutigen Ankündigungen das ändern.

Meine Damen und Herren, mit dem ist nicht nur Israel gemeint, damit sind auch wir gemeint, der gesamte Westen. Israel, das ist der Westen in einer Umgebung, die den Westen ablehnt und bekämpft. Wenn wir uns an die Seite Israels stellen, verteidigen wir auch unsere Art, zu leben und zu denken, gegen einen politisierten Islam.

Beifallbei der AfD

Das, meine Damen und Herren, ist ganz bestimmt deutsche Staatsräson.

Ich bedanke mich.

Lebhafter Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
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Frau Präsidentin! Hochverehrter Herr Botschafter! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sie waren gestern zu Gast und auch davor, am 12. Mai, als wir hier gemeinsam die Gründung des Staates Israels im Deutschen Bundestag besprochen und uns an die Seite Israels gestellt haben, in Zeiten, als noch Frieden herrschte. 75 Jahre sind seit der Gründung des Staates vergangen. Und dann kamen die schrecklichen Ereignisse der letzten Tage, die uns alle zutiefst erschüttert haben.

Der 7. Oktober markiert den Tag der größten Gewalt gegen jüdisches Leben seit den Verbrechen der Shoah. Über 4 500 Raketen hat die terroristische Hamas auf Israel abgefeuert, über 1 200 Zivilisten und Soldaten haben ihr Leben verloren. Hunderte Menschen wurden verschleppt, mehr als 2 700 sind verletzt. Gestern haben uns entsetzliche Berichte erreicht, dass die Hamas 40 Babys getötet hat. Das Ausmaß des Bösen, es ist kaum fassbar. Die Menschen in Israel müssen unter Angst und Gewalt leiden. Verehrter Herr Botschafter, unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Wir fühlen mit Ihnen und Ihrem Volk, Herr Botschafter.

Beifallbei der FDP, der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Sicherheit und das Existenzrecht Israels sind und bleiben deutsche Staatsräson. Die Beziehung zwischen Deutschland und Israel ist heute von tiefer Verbundenheit, sie ist von Freundschaft geprägt. Sie ist und bleibt aber für alle Zeit untrennbar verbunden mit der Verantwortung Deutschlands gegenüber allen Jüdinnen und Juden. Unser „Nie wieder!“ gilt nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland, sondern insbesondere in Israel und auch überall sonst auf der Welt. Israel ist nicht nur unser engster Verbündeter, sondern Israel ist ein Symbol für die Werte der Demokratie in einer Region, die von Konflikten und Unruhen gekennzeichnet ist.

Der menschenverachtende Angriff der Hamas auf Israel ist ein Verstoß gegen das Völkerrecht. Dieser Angriff zielt nicht nur auf israelische Städte und Gemeinden, sondern bedroht auch die Aussichten – der Bundeskanzler hat es gesagt – auf Frieden und Stabilität in der Region, und zwar ganz bewusst. Wir verurteilen diese fürchterliche Gewalt auf das Schärfste und fordern die sofortige Einstellung der terroristischen Angriffe. Herr Botschafter, ich will es in aller Deutlichkeit sagen: Israel hat die volle Unterstützung, auch des Deutschen Bundestages, sich selbst zu verteidigen. Dieser Unterstützung können Sie sich sicher sein, Herr Botschafter.

Beifallbei der FDP, der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Wahrheit ist, meine Damen und Herren: Die Distanz zwischen Wort und Tat haben auch wir unterschätzt. Das, was die Hamas in den letzten Jahren und Jahrzehnten propagiert hat, hat sie in die Tat umgesetzt, und deshalb müssen wir auch auf das Wort achten. Wir müssen unsere Blicke auch auf die Ereignisse in Deutschland richten. Die Bilder aus Berlin und Duisburg, die wir am vergangenen Samstag und Sonntag gesehen haben, erfüllen uns mit tiefster Scham. Menschen, die den Terrorismus bejubeln und feiern, zeigen damit, dass sie die grundlegenden Werte der Bundesrepublik Deutschland ablehnen. Ich nehme es nicht hin, dass die terroristischen Angriffe der Hamas und die Verteidigung der israelischen Streitkräfte öffentlich gleichgesetzt werden. Ich will es in aller Deutlichkeit sagen: Das ist eine beschämende Verzerrung der Tatsachen. Der Bundeskanzler hat es gesagt: Täter und Opfer werden bewusst verwechselt, aus politischen, aus terroristischen Gründen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Jürgen Braun [AfD]

Klar ist für uns Demokraten: Wir stellen uns jeder Form von Antisemitismus entschieden in den Weg, egal ob von rechts, von links oder von radikalen Muslimen. Es ist mir wichtig, klarzustellen, dass wir in Deutschland weltoffen sind für alle Menschen, egal welcher Religion, die unsere Werte teilen und sich zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekennen. Sie sind herzlich willkommen in unserem Land. Jüdisches Leben ist ein fester Bestandteil in unserem Land, den wir schützen, den wir fördern müssen. Diese Verantwortung für jüdisches Leben gilt gleichermaßen für alle Menschen, für alle Einwanderinnen und Einwanderer, die nach Deutschland kommen und die in unsere Gesellschaft eintreten. Es ist nämlich unabdingbar, dass dieser Grundsatz von allen akzeptiert wird. Meine Damen und Herren, ich sage es in aller Deutlichkeit: Wer zu uns nach Deutschland kommt, um auf den Straßen gegen jüdisches Leben zu hetzen, ist in unserem Land nicht willkommen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Johannes Huber [fraktionslos]

Ich erwarte auch von muslimischen Verbänden in Deutschland eine klare Haltung und Distanzierung vom schrecklichen Terror der Hamas. Wir werden dafür sorgen, dass Organisationen und Vereine, die die Hamas und ihre terroristischen Aktivitäten direkt oder indirekt unterstützen, in unserem Land verboten werden. Dazu gehören zum Beispiel das Islamische Zentrum Hamburg und andere Organisationen, die Verbindungen zur Hamas und Hisbollah unterhalten. Wir werden Antisemitismus und die terroristische Organisation des Antisemitismus in Deutschland nicht dulden und dem gemeinsam entschieden entgegentreten, meine Damen und Herren.

Beifallbei der FDP, der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Deswegen will ich allen Fraktionen der demokratischen Mitte dieses Hauses danken, dass wir uns am heutigen Tag auf einen gemeinsamen Entschließungsantrag einigen konnten. Es ist ein wichtiges und notwendiges Signal, ein angemessenes Zeichen in diesen schwierigen Zeiten, dass wir diesen Antrag heute gemeinsam in den Bundestag einbringen und beschließen werden.

Herr Merz, ich will auch Ihnen als Vorsitzenden der größten Oppositionsfraktion dafür danken, dass Sie hier über die Grenzen von Regierung und Opposition hinweg in den letzten Tagen klare und deutliche Signale gesetzt haben. Dieser Antrag heute ist auch ein Unterstreichen unserer Glaubwürdigkeit und gleichzeitig ein Versprechen in die Zukunft, meine Damen und Herren.

Herr Botschafter, Sie waren am Dienstag bei uns in der FDP-Bundestagsfraktion zu Gast, und Sie haben einen Satz gesagt, den ich hier gerne wiederholen möchte. Sie haben gesagt: Wenn wir zusammen sind, dann sind wir unbesiegbar. – Wir sind zusammen.

Ich danke Ihnen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Beifallbei der LINKEN
Porträt von Dietmar Bartsch
Foto: DBT/ Inga Haar
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Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Botschafter! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was wir am 7. Oktober in Israel erlebten, das ist nur schwer zu ertragen, und es markiert eine neue, äußerst besorgniserregende Qualität des Terrors. Daher begrüße ich es ausdrücklich, dass der Bundeskanzler heute eine Regierungserklärung abgegeben hat. Und ich will auch der Bundestagspräsidentin für ihre gestrigen Worte zu Beginn der Sitzung herzlich Danke sagen.

Beifallbei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Es ist absolut richtig, dass wir unsere Solidarität mit Israel bekunden. Ja, wir trauern mit euch, mit den Betroffenen; wir stehen an ihrer Seite.

Meine Damen und Herren, was am Wochenende passiert ist, ist eine neue Dimension des Terrors. Verantwortlich für das, was passiert ist – das will ich unmissverständlich deutlich machen –, ist die Hamas, ohne Wenn und Aber.

Beifallbei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich will wiederholen: Seit der Shoah sind nicht mehr so viele Jüdinnen und Juden an einem Tag ermordet worden. Das muss uns allen hier in diesem Haus, in unserem Land besonders nahegehen. Nichts rechtfertigt diesen Ausbruch an menschenverachtender Brutalität. Frauen, Kinder, sogar Babys öffentlich zu misshandeln, das ist kein Freiheitskampf, das ist Barbarei.

Beifallbei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Den Terroristen war völlig egal, ob es sich um Rechte, um Linke, um Säkulare oder um Orthodoxe handelt. Das war denen völlig egal. Sie wollten einfach nur Juden abschlachten.

Meine Damen und Herren, ich war wie einige aus diesem Haus am Montag in der Chabad-Synagoge, um unsere Trauer, unsere Solidarität mit Israel und vor allen Dingen mit den Jüdinnen und Juden zu zeigen. Wir dürfen uns keiner Illusion hingeben: Dieser Konflikt ist untrennbar mit übelstem Antisemitismus verbunden. Die Tatsache, dass jüdische Menschen auf der ganzen Welt nach diesen Terrorakten Angst vor Übergriffen haben müssen, verdeutlicht, dass es hier nicht nur um einen Konflikt im Nahen Osten zwischen Israel und Palästinensern geht. Das Gutheißen dieses Hamasterrors von Katar, Tunesien und anderen oder auch die Jubelfeiern auf der Sonnenallee oder gestern Abend sind furchtbare Beispiele dieses Judenhasses.

Was erwartet uns nun? Israel wird alles daransetzen, die entführten Staatsbürger zu befreien. Ich begrüße es ausdrücklich, dass Deutschland mit ganzer Kraft daran arbeitet; ich hoffe auf deutsche Diplomatie, dass wir hier einen Beitrag leisten können. Aber es wird eine Notstandsregierung geben. Es wird Notstandsgesetze geben, eine Bodenoffensive.

Meine Damen und Herren, wir dürfen nicht vergessen, dass die Hamas nicht nur 1 200 jüdische Menschen ermordet und abgeschlachtet hat, sondern dass sie auch die Menschen im Gazastreifen unterdrückt. Ich war im Gazastreifen; ich habe dieses Elend dort gesehen. Es ist furchtbar!

Wir müssen uns bewusst machen, dass die Mehrheit der Bevölkerung im Gazastreifen aus Kindern und älteren Menschen besteht. Ja, diese werden von der Hamas als menschliche Schutzschilde eingesetzt. Aber es ist auch unsere Verantwortung, vor allen Dingen die der Weltgemeinschaft, in besonderer Weise im Übrigen auch der arabischen Welt, dass die Zivilisten im Zweifel geschützt werden, dass die Menschen Gaza verlassen können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist allerhöchste Zeit, dass wir unsere Iranpolitik überdenken. Wir hatten dazu unlängst eine nachdenkliche Aktuelle Stunde. Wir wissen, dass der Iran Israel zerstören will, und wir wissen, dass der Iran die Hamas aktiv unterstützt. Wir müssen aufhören, Wissen und Technologie an den Iran zu exportieren; denn die Ingenieure hinter den Hamasbomben haben ihr Know-how aus dem Iran.

Meine Damen und Herren, die Exporte im Jahre 2022 in den Iran sind gestiegen. Sie sind gestiegen! Das Verhältnis des Westens zum Islamfaschismus – so müssen wir es nennen – ist seit Jahrzehnten ambivalent: Radikal in der Phrase, aber wenn es konkret wird, wurden islamische Gruppen in der Vergangenheit gerne als nützliche Idioten, mit denen im Zweifel auch gegen progressive Kräfte vorgegangen wurde, betrachtet.

Diesen Wahnsinn erleben wir im Übrigen aktuell auch bei der Auseinandersetzung mit Aserbaidschan und Armenien. Wir erleben diesen Wahnsinn in Nordsyrien, wo die Türkei brutalst gegen Kurdinnen und Kurden vorgeht. Auch das gehört mit zur Wahrheit.

Meine Damen und Herren, wenn wir solidarisch mit Israel sein wollen – ich hoffe, daran besteht kein Zweifel hier im Hohen Hause –, dann müssen wir aufhören, islamistische Gruppierungen und Regierungen im Zweifel für geopolitische Interessen des Westens zu nutzen.

Beifallbei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir können nicht Solidarität verkünden und dann Technologie an Israels größte Feinde exportieren. Denn Israel, meine Damen und Herren, ist ohne Alternative.

Am Israel Chai!

Beifallbei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Lars Klingbeil
Foto: SPD/ Maximilian König
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Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Botschafter! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Musik ist Freiheit. Musik verbindet über Grenzen hinweg. Ich kann mir kaum etwas Friedlicheres vorstellen als junge Menschen, die glücklich auf einem Musikfestival tanzen, die für einen Moment die Sorgen des Alltags vergessen, die ihre Jugend und das junge Erwachsensein feiern und genießen, die sich fallen lassen. Egal wo du herkommst, egal wer du bist: Musik ist Freiheit, und Musik verbindet.

Ich kann Ihnen gar nicht beschreiben, wie mich die Bilder und die Geschichten der Menschen auf dem Supernova-Festival in Israel aus der Bahn geworfen haben. Junge Menschen, die friedlich miteinander tanzten, die ein unbeschwertes Miteinander feierten – und dann änderte sich alles, von einer Sekunde auf die nächste. Aus friedlichen, unbeschwerten jungen Menschen, die feierten, wurden Gejagte, Menschen, die um ihr Leben rannten. 260 von ihnen haben es nicht geschafft. Sie wurden kaltblütig ermordet, vergewaltigt, geschändet. Es waren furchtbare Nachrichten und grausame Bilder, die uns am letzten Samstag aus Israel erreicht haben: 1 200 Tote, viele Tausend Verletzte, 5 000 Raketen.

Um es hier gleich zu Beginn in aller Deutlichkeit und in aller Klarheit zu sagen: Es gibt keine Relativierung. Es gibt keine Verharmlosung. Es gibt kein „Ja, aber“. Nichts rechtfertigt diese barbarischen Attacken der Hamas. Nichts, wirklich gar nichts, rechtfertigt den Terror, der gegen den Staat Israel und seine Bürgerinnen und Bürger verübt wurde.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der LINKEN

Auch heute, fünf Tage nach diesen grausamen Anschlägen, fällt es mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Meine Gedanken sind bei denen, die Angehörige verloren haben, deren Angehörige als Geiseln verschleppt wurden, bei zahlreichen Frauen, Kindern und Jugendlichen, die Opfer dieser feigen Angriffe geworden sind. Ich bin dankbar, dass wir heute hier im Parlament zusammenkommen und versuchen, eine gemeinsame Sprache zu finden, dass wir gemeinsam versuchen, die Sprachlosigkeit zu überwinden, mit der Debatte, mit dem Antrag. Klar ist aber auch: Worten müssen Taten folgen.

Sehr geehrter Herr Botschafter, seien Sie versichert, dass wir, die hier in der Mitte des Parlaments zusammengekommen sind, fest an der Seite Israels stehen. Ich bin der Bundestagspräsidentin dankbar, dass sie gestern die richtigen Worte für uns als Parlament gefunden hat. Ich bin dem Bundeskanzler Olaf Scholz für seine klaren und unmissverständlichen Worte dankbar. Ich bin für klare Hilfs- und Unterstützungszusagen dankbar. Unsere Solidarität mit dem Staat Israel und der Bevölkerung Israels ist und bleibt ungebrochen. Das unterstreichen wir heute auch gemeinsam hier im Parlament.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Es ist mir – und das darf ich auch für Saskia Esken sagen – ein persönliches Anliegen, Ricarda Lang, Christian Lindner, Friedrich Merz, Markus Söder und Omid Nouripour vor allem dafür zu danken, dass wir es an einem Wahlsonntag, wo es für unsere Parteien jeweils um viel ging, geschafft haben, mit der demokratischen Mitte dieses Parlamentes eine gemeinsame Stellungnahme abzugeben. Das zeigt, wie wichtig das Thema Israel für uns als Demokratinnen und Demokraten ist. Dafür an alle Parteien, die mitgezeichnet haben, ein großer Dank!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben uns als Deutschland nach dem Krieg geschworen: „Nie wieder!“ Nie wieder schauen wir weg. Nie wieder schweigen wir, wenn jüdisches Leben bedroht ist. – Israel hat sich in den letzten 75 Jahren zu einem Schutzraum für jüdisches Leben entwickelt als Antwort auf den Schrecken des Holocausts, den unser Land zu verantworten hatte. Unter dem Eindruck der Attentate vom vergangenen Samstag müssen wir festhalten: Dieser Schutzraum war nicht mehr sicher.

Als ich Anfang des Jahres als Parteivorsitzender Israel besuchte und in der Gedenkstätte Yad Vashem einen Kranz niederlegte, waren es auch diese zwei Worte – „Nie wieder“ –, die auf dem Kranz zu lesen waren. Und denen, die meinen – und wir merken doch, dass sich das in unserer Gesellschaft einschleicht –: „Das ist doch alles Jahrzehnte her, irgendwann ist doch auch mal gut mit der Verantwortung; wir sind doch heute eine andere Generation“, sagen wir hier gemeinsam laut und deutlich: „Nie wieder!“ hat kein Schlussdatum. „Nie wieder!“ ist eine Haltung. Und wir haben als Deutschland aus unserer Geschichte gelernt, dass man diese Haltung niemals aufgeben darf.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Israel ist ein Schutzraum. Aber Israel ist mehr als ein Schutzraum: Es ist ein Land mit Lebensfreude, ein kulturell reiches Land mit einer lebendigen und kämpferischen Demokratie, einer innovationsstarken Wirtschaft. Es ist auch – und das ist mir sehr wichtig; ich weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit ist – ein Partner und Freund Deutschlands. Wir haben das Bewusstsein für unsere historische Verantwortung, und wir wissen, welche gemeinsamen Werte die deutsch-israelische Freundschaft ausmachen. Für diese Freundschaft, Herr Botschafter, bin ich ausdrücklich dankbar, und das darf ich im Namen meiner Partei festhalten.

Wir sind tief erschüttert über den blutigsten Angriff auf Jüdinnen und Juden, den wir seit der Shoah erleben mussten. Israel hat das völkerrechtlich verbriefte Recht, sich zu verteidigen, sein Volk und seine Existenz zu beschützen. Im Kampf gegen die Terroristen der Hamas und die Feinde Israels stehen wir fest an der Seite Israels und seiner Bevölkerung. Wir werden unterstützen. Die Sicherheit Israels ist Teil unserer deutschen Staatsräson.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Der brutale Terror der Hamas bringt Leid und Zerstörung in der gesamten Region. Wir wissen: Die Hamas will keinen Frieden – auch nicht für die Menschen in den Palästinensischen Gebieten, die in Frieden leben wollen. Die Hamas bringt eine humanitäre Katastrophe über die Menschen in den Gebieten dort. Die Hamas will Hass und Leid. Es ist richtig, dass US-Präsident Biden vorgeschlagen hat, Zivilisten, Frauen und Kindern einen sicheren Ausweg aus Gaza zu eröffnen. Auch denen muss Schutz gegeben werden, die auf palästinensischer Seite durch Terror der Hamas bedroht sind. Die Hamas bringt Instabilität in die gesamte Region.

Es ist richtig, dass wir auch die Rolle des Irans in diesem Antrag klar benennen. Es ist richtig, dass mit diesem Antrag auch deutlich wird: Unsere Perspektive und unser Blick auf den Iran muss sich verändern. Es ist richtig, dass andere Länder in der Region auch in die Verantwortung genommen werden, sich klar von dem Terror der Hamas zu distanzieren. Und es ist auch richtig, dass wir das sehr klar von der Palästinensischen Autonomiebehörde erwarten. Es darf hier kein Wegducken geben, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Heute ist ein Tag der Solidarität. Es geht darum, dass der Terrorismus in Israel konsequent bekämpft wird. Es geht um den Terrorismus, der den Staat Israel gefährdet. An einem Tag wie heute möchte ich auch an die Worte des ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin erinnern. Rabin sagte, Israel müsse den Terror bekämpfen, als gäbe es keine Verhandlung, und Verhandlungen führen, als gäbe es keinen Terror. Wir alle wissen, dass ein nachhaltiger Frieden mit den Terrorakten der Hamas vom vergangenen Samstag in weite Ferne gerückt ist. Jetzt gilt es, den Terror konsequent zu bekämpfen. Die Perspektive auf einen nachhaltigen Frieden in der Region dürfen wir aber auch an solchen Tagen nicht aufgeben. Wir stehen fest an der Seite Israels.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der LINKEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
9 Vermerkeca. 670 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Botschafter Prosor! Meine Kolleginnen und Kollegen! Der 7. Oktober ist der Tag, an dem der Terror gegen Juden Hunderte Menschenleben abscheulich vernichtet, Tausende Familien zerstört und der Welt gezeigt hat, dass der Hass zur Vernichtung des Staates Israel von den Terror- und Mörderbanden wie der Hamas ausgeht und abscheuliche Realität ist. Deswegen, sehr geehrter Herr Botschafter Prosor, will ich Ihnen und den Menschen, unseren Freunden in Israel, an diesem Tag sechs dieses barbarischen Terrors sagen: Je stärker der Angriff auf das Existenzrecht Israels ist, umso stärker wird unsere Unterstützung für die Herstellung der Sicherheit Israels und die Verteidigung des Existenzrechts des Staates Israel sein.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ja, die Sicherheit und das Existenzrecht Israels gehören zur Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland. Das ist nicht erst seit heute so, sondern seit langer Zeit, und das nicht nur in Worten, sondern in Taten. David Ben-Gurion hat 1966 einen Brief nach München geschickt mit folgenden Zeilen:

„Ich möchte betonen, wie sehr ich deine Freundschaft gegenüber Israel schätze, eine Freundschaft, die du nicht nur in Worten, sondern mit Taten ausgedrückt hast.“

Der Brief war an Franz Josef Strauß gerichtet. Strauß hat als Verteidigungsminister der israelischen Armee Waffen geliefert – damals noch geheim und nur mit Kanzler Adenauer abgesprochen. Diese Waffen hatte Israel im Sechstagekrieg, im Kampf um die eigene Existenz dringend gebraucht. Strauß sprach von einer „Freundschaft der mutigen Tat“. Und wenn das Existenzrecht Israels bedroht und angegriffen, wenn Israel mit Terror überzogen wird, gibt es für Deutschland nur einen Platz, und zwar an der Seite Israels, der Freundschaft und der mutigen Tat, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Omid Nouripour [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Herr Botschafter, Sie waren am Dienstag dieser Woche bei uns in der CDU/CSU-Fraktion; meinen aufrichtigsten Dank für Ihre sehr bewegende Rede. Sie haben uns und Sie haben der Öffentlichkeit in diesen Tagen in Erinnerung gerufen, dass der Staat Israel gegründet wurde, damit Juden nie wieder Opfer von solchen Massakern, von solchen Gräueltaten werden, wie sie die Hamas am 7. Oktober bestialisch begangen hat. Ich hoffe, Sie spürten unsere Anteilnahme, unsere Trauer und vielleicht unsere Wut. Das ist die einzig mögliche Reaktion auf diesen Terror, den wir sehen: Trauer, Anteilnahme und vielleicht auch Wut. Nichts anderes ist zu akzeptieren – auf keinen Fall Freude und Feiern auf den Straßen, wie wir es in Neukölln und anderswo in Deutschland gesehen haben, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN und des Abg. Jürgen Braun [AfD]

Hier geht es nicht um Fragen von Stil oder Anstand. In einem Land, das die Shoah zu verantworten hat, darf Freude über Terror gegen Juden schlichtweg keinen Platz haben. Wer den Mord an Juden bejubelt, begeht eine Straftat, und, ja, er muss verurteilt werden. Wer den Hamasterror befeuert und befeiert und Gast in Deutschland ist, der hat in diesem Land nichts mehr verloren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Jürgen Braun [AfD], Joana Cotar [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Übrigens: Die Bekämpfung des Terrorismus, die beginnt auch mit den richtigen Worten. Man liest in den letzten Tagen von „Hamaskämpfern“. Meine Damen und Herren, wer auf einem Festival Jugendliche grausam tötet oder in einem Kibbuz Kleinkinder ermordet, der ist kein Kämpfer, sondern ein abscheulicher Terrorist.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der AfD und der Abg. Joana Cotar [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Wer in Deutschland offen für die Hamas sympathisiert, der ist kein Palästinaaktivist, sondern ein Terrorunterstützer. Das muss man benennen und auch danach handeln, und nicht anders.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Der Deutsche Bundestag hat in der vergangenen Wahlperiode das Verbrennen von ausländischen Flaggen unter Strafe gestellt. Dabei ging es in besonderer Weise um die israelische Flagge. Damals gab es Stimmen, die von „schlichtem Unfug“ gesprochen haben. Meine Damen und Herren, wer die Israelflagge zerstört und verbrennt, der will in Wahrheit den Staat Israel zerstören. Das ist kein Unfug. Das ist offene Sympathie und Unterstützung für Terror. Da gibt es keinen Millimeter Toleranz.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich will heute auch danksagen. Ich will allen Kolleginnen und Kollegen der SPD, der Grünen und der FDP-Fraktion danksagen, dass es gelungen ist, mit der CDU/CSU-Fraktion einen gemeinsamen Antrag im Deutschen Bundestag zu formulieren. Ich will auch für die Klarheit dieses Antrages danken und möchte an der Stelle sagen: Lieber Herr Botschafter, unsere Botschaft in diesem Haus ist klar: Die Solidarität mit Israel ist eine Freundschaft der mutigen Tat.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Omid Nouripour
Foto: Omid Nouripour/Stefan Kaminski
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Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Botschafter! Meine Damen und Herren! Wir erleben eine internationale Verschwörung gegen Israel. Was die Hamas begann, wird nun von der Hisbollah aus dem Libanon fortgesetzt. Wir sehen Beschüsse von syrischen Stellungen aus. Es gibt den berechtigten Verdacht, dass der Iran das alles koordiniert. Und die gesamte islamistisch-dschihadistische Szene feiert das, von Jemen bis nach Afghanistan.

Wir reden nicht über Widerstand, wenn Babys umgebracht werden, wenn Holocaustüberlebende verschleppt werden, wenn Leute massakriert werden. Wir reden über blanken Terror – einen Terror, der verurteilt gehört und der sofort beendet werden muss,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD, der CDU/CSU, der FDP und der LINKEN

einen Terror, unter dem in diesen Tagen in erster Linie die Menschen in Israel leiden, unter dem aber auch die Menschen in Palästina, in Gaza und in der Westbank leiden.

Wir stehen in dieser Situation selbstverständlich an der Seite Israels. Dazu gehört im Übrigen auch die Zurückweisung all derjenigen, von denen ich in den letzten Tagen gelesen habe, dass sie beide Seiten zu irgendetwas auffordern. Es geht nicht darum, dass da gerade zwei Streitparteien zugange sind. Es geht um einen demokratischen Staat, der sich gegen blanken Terror wehrt. Deshalb gibt es keine Äquidistanz, zu niemandem. Wir stehen nur an der Seite Israels.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD, der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der LINKEN

Das tun wir nicht nur aus unserer historischen Verantwortung; das tun wir auch, weil es eine Wertegemeinschaft zweier Demokratien gibt, über die wir hier sprechen. Das tun wir auch, weil wir so verwoben sind: So viele Beziehungen, so viele Freundschaften, so viele Ehen, so viele Kinder sind deutsch-israelisch. Wir sind eins. Deshalb gehört es sich, dass wir an dieser Stelle selbstverständlich an der Seite von Israel stehen.

Beifallder Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

So viele Leute in diesem Raum haben in den letzten Tagen mit Menschen geschrieben und telefoniert, die in Bombenbunkern gesessen haben oder die erlebt und berichtet haben, wie Familienmitglieder jetzt unter die Räder des Terrors kommen. Auch deswegen sind wir verpflichtet.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP

Der Staat Israel hat noch eine Besonderheit. Er ist der einzige Staat auf der Welt, der seit 75 Jahren jeden einzelnen Tag seiner aggressiven Nachbarschaft militärisch überlegen sein muss, um überleben zu können. Deshalb reicht es nicht, nur zu sagen, dass es Staatsräson ist, Verantwortung für die Sicherheit Israels zu übernehmen und diese zu unterstützen, sondern wir müssen auch proaktiv dafür eintreten, und das tun wir über Parteigrenzen hinweg.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und der FDP

Ich möchte hier einen herzlichen Dank aussprechen an die Kollegin Heinrich, an den Kollegen Wadephul, an den Kollegen Link, an die Kollegin Brugger, dass sie diesen gemeinschaftlichen Antrag auf den Weg gebracht haben. Im Namen von Ricarda Lang und meiner Partei möchte ich einen Riesendank aussprechen an Saskia Esken und Lars Klingbeil, an Friedrich Merz, an Markus Söder und an Christian Lindner, dass wir damit ein gemeinsames Signal senden können, weil es Dinge jenseits des demokratischen Wettbewerbs und des Streites gibt, bei denen es keinen Dissens geben darf und bei denen es keine Zweifel gibt, dass wir zusammenstehen, und zwar an der Seite des Staates Israel, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD, der CDU/CSU und der FDP

Ich kann nur wiederholen, was so viele gesagt haben: Das gilt eben nicht nur international; das gilt natürlich auch für das, was wir in Deutschland erleben. Ich muss einfach zugeben, dass mir als Deutschem muslimischen Glaubens speiübel ist, wenn ich sehe, dass Leute es feiern, dass andere, Zivilistinnen und Zivilisten, auf Musikfestivals abgeschlachtet werden. Das ist Verhetzung. Das können wir nicht zulassen. Diesen Leuten rufe ich zu: Wir lassen das nicht zu. – Es gibt ein Strafgesetzbuch in diesem Land, das für diese Leute genauso gilt wie für alle anderen auch und das mit Härte angewandt werden muss.

Wir werden natürlich auch an der Seite von TuS Makkabi Berlin stehen. Es kann nicht sein, dass der Verein jetzt den Spielbetrieb einstellen muss, weil seine Sportler nicht sicher sind.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD, der CDU/CSU, der FDP und der LINKEN sowie der Abg. Joana Cotar [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

All den Leuten, die Hass und Hetze treiben, rufen wir von dieser Stelle aus zu: Lang lebe Israel! Am Israel Chai!

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD, der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der LINKEN
Beifallbei der AfD
Porträt von Matthias Moosdorf
Foto: Matthias Moosdorf
5 Vermerkeca. 417 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Verehrter Herr Botschafter! Meine Damen und Herren! Wenn diese Bundesregierung durch die Außenpolitik stolpert – Afghanistan, Syrien, Ukraine, China, Mali, Niger –, kennzeichnet sie ein Kontinuum: zu spät, zu halbherzig, realitätsfremd, unprofessionell und, ja, gefährlich für unsere Interessen. Spätestens seit Samstag bewahrheitet sich diese Erkenntnis ein weiteres Mal, ausgerechnet in Israel, dessen Schutz als einzige Demokratie im Nahen Osten schon aus unserer gemeinsamen Geschichte heraus besondere Verantwortung erfordert.

Seit dem Osloer Friedensvertrag flossen unglaubliche 8,3 Milliarden Euro in Palästinensische Gebiete und finanzieren unter anderem Organisationen, die offen Terror gegen Israel verherrlichen und mit ähnlichen Gruppen im Libanon und im Iran in Verbindung stehen. Die AfD hat gegen die Stimmen aller hier in diesem Haus mehrfach gefordert, die Hilfsgelder für UNRWA zu streichen, weil seit 2012 95 Prozent ihrer Mitglieder der Hamas angehören und diese Hamas die Gelder verteilt. UNRWA bestreitet das Existenzrecht des jüdischen Staates und dessen Recht auf Selbstverteidigung gemäß UN-Charta. Sie steht damit im Gegensatz zu der von der Bundesregierung 2008 verkündeten Position, dass Israels Sicherheit Teil der deutschen Staatsräson sei.

UNRWA etabliert im Gazastreifen den größten Wohlfahrtsapparat der Welt. Mit einem Etat von 1,2 Milliarden Euro werden 80 Prozent der Einwohner versorgt, die als Flüchtlinge gelten. Dieser Status ist unter UNRWA vererbbar und erlischt nicht bei Annahme einer Staatsbürgerschaft. Aus 600 000 Flüchtlingen im Jahr 1949 wurden so aktuell 5,6 Millionen mit steigender Tendenz. Hier rekrutiert die Hamas – auch mit deutschem Geld und nahezu ohne Kontrolle. Ihre zur Schau getragenen humanistischen Taten finanzieren so auch Terror. Ihre Meinungsvielfalt, Claudia Roth und die Documenta, das regelmäßige Verbrennen von Israelfahnen in Berlin fördert den Antisemitismus.

Beifallbei der AfD sowie der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Matthias Helferich [fraktionslos]

Die Jusos unter Kevin Kühnert erklären gar die extremistische Jugend der Fatah zu ihrer Schwesterorganisation. Diese ruft zum Boykott von Israel auf. Ihr Logo ist eine Landkarte ohne Israel, gefärbt in den Farben Palästinas. Schämen Sie sich!

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Abbas kann im Beisein des Kanzlers den Holocaust relativieren, und jüdische Bürger sind hierzulande wie niemals zuvor extremer Gewalt ausgesetzt. Die deutschen Vertreter stehen auf, wenn Pakistan in den UN angeblich Märtyrer der Hamas gedenkt. Jährlich 9 Millionen Euro werden über den Haushaltstitel für Lehrmittel ausgegeben, die laut Leibniz-Gutachten überall antisemitische und antiisraelische Hetze verbreiten. Lehrkräfte der Hamas erziehen die Kinder zu Attentätern, und Deutschland bezahlt sie. Last, but not least: Die Hamas bedankt sich für westliche Waffen aus Afghanistan und der Ukraine.

Liebe Kollegen, all das ist in unseren Augen struktureller Antisemitismus,

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

und diese Bundesregierung trägt dafür die Verantwortung. Ihre Worte der Anteilnahme verhöhnen die Opfer.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Russlandfreunde!

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
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Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Lieber Herr Botschafter! Lieber Ron! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der 7. Oktober 2023 wird als schwarzer Tag in die Geschichte Israels eingehen. An diesem Tag ist Israel, die einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten, von palästinensischen Terroristen überfallen worden.

Die Bilder, die uns aus Israel erreicht haben, waren zutiefst verstörend. Das Ausmaß von Tod und Verbrechen ist schockierend.

Im Kibbuz Kfar Aza mussten sich selbst erfahrene israelische Soldaten gegenseitig Trost spenden. Die Spuren des Terrors, die sie vorgefunden haben, waren so schrecklich, dass selbst erfahrene Soldaten und Polizisten große Mühe hatten, das Geschehene in seiner Dimension überhaupt zu begreifen. In diesem Kibbuz lebten einst Menschen, Familien, die glücklich waren, Träume und Sorgen für die Zukunft hatten und mit viel Liebe und Zuversicht für sich und für ihre Kinder und Familien ein Heim und ein Zuhause aufgebaut hatten. Davon ist heute nichts mehr geblieben. Diejenigen, die das Massaker überlebt haben, berichten von grauenhaften Verbrechen und werden sich seelisch vermutlich nie wieder ganz davon erholen können.

Hinter den Zahlen zu den Toten und den Opfern stehen Menschen mit individuellen Biografien, deren Schicksale uns sehr nahe gehen. In den sozialen Medien schreibt eine Frau über ihre 22-jährige getötete Schwester: „Meine Schwester ist jetzt im Himmel. Unsere Herzen sind für immer gebrochen.“

Meine Damen und Herren, auch unsere Herzen sind durch die Ereignisse der letzten Tage gebrochen. Wir wünschen uns Frieden und Sicherheit für Israel und die Menschen in der Region. Wer aber die Zukunft gestalten will, muss in der Gegenwart leben. Die Gegenwart jedoch muss realistisch betrachtet werden. Israel, die einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten, ist umgeben von Feinden, die seine Vernichtung und Auslöschung wollen. Das fordern sie aus tiefstem Antisemitismus heraus, aus Hass auf Jüdinnen und Juden in Israel und weltweit.

Worte der Solidarität für Israel sind in dieser historischen und extrem bedrohlichen Situation wichtig, aber sie werden nicht reichen, meine Damen und Herren. Politisches Handeln ist in dieser Situation wichtiger denn je.

Den brutalen Terror der Hamas muss die Politik in Deutschland und Europa zum Anlass nehmen, Geldzahlungen für palästinensische Organisationen zu prüfen und, wo nötig, einzustellen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Jürgen Braun [AfD]

Die Freigabe deutscher Finanzmittel für Organisationen in den Palästinensergebieten muss künftig klar konditioniert werden. Geld darf nur dann fließen, wenn das Existenzrecht Israels anerkannt wird und Organisationen und Verbände vollständige Transparenz gewährleisten können.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, spätestens jetzt ist hoffentlich auch jedem klar: Die Europäische Union braucht eine neue Strategie im Umgang mit dem Mullah-Regime in Teheran. Dort sitzen die Drahtzieher, die Planer und die Geldgeber des Terrorismus. Seit 1979 verfolgt die Islamische Republik das Ziel, Israel von der Karte zu tilgen. Das ist keine Propaganda, sondern das erklärte Ziel dieses Regimes. Die islamistischen Revolutionswächter, meine Damen und Herren, gehören auf die Terrorliste der EU; denn diese sind die zentrale Säule dieses Regimes und kontrollieren dort die Wirtschaft.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der AfD

Sie sind für eklatante Menschenrechtsverletzungen in der gesamten Region verantwortlich. Hier erwarten wir auch ein entgegenkommendes Umdenken auf europäischer Ebene und die Unterstützung von Kommissionspräsidentin von der Leyen für diese Kursänderung in der Iran-Politik.

Meine Damen und Herren, Israel hat in seiner Geschichte viele Probleme, Angriffe, Konflikte und existenzielle Herausforderungen erlebt. Doch Israel ist enorm stark, und ich bin davon überzeugt, dass Israel auch die aktuelle Lage meistern wird.

Herr Botschafter, wir stehen zu unseren Freundinnen und Freunden in Israel. Dafür stehen wir nach innen ein, aber auch außenpolitisch und in internationalen Gremien.

Vielen Dank, meine Damen und Herren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der AfD
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Rolf Mützenich
Foto: Rolf Mützenich / Photothek Media Lab
10 Vermerkeca. 886 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Botschafter! Exzellenz! Der Überfall der Hamas auf Israel ist ein barbarischer Akt. Eine derartige Brutalität und Entschlossenheit hätte ich mir auch persönlich niemals in dieser Dimension, in dieser Rücksichtslosigkeit vorstellen können.

Morden verstößt gegen alle Gebote und Verbote. Ich bin der festen Überzeugung: Ein demokratischer Rechtsstaat, aber auch alle Religionen müssen dieses Postulat immer wieder neu begründen. Morden verstößt gegen alle Gebote und Verbote, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Und mehr noch: Wer wahllos und unterschiedslos mordet, steht abseits jeder menschlichen Ordnung und zerstört die zivilisatorischen Errungenschaften und das Selbstverständnis aller Kulturkreise.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deswegen, meine Damen und Herren, ist es gut, dass wir heute diese Regierungserklärung des Bundeskanzlers gehört haben. Ich danke für meine Fraktion der Bundestagspräsidentin, aber auch den Parteivorsitzenden ausdrücklich für ihre Erklärung. Ich will meinen Dank auch an die CDU/CSU-Fraktion aussprechen, dass wir zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen sind. Sie wissen: Ich hätte auch gerne die Fraktion der Linken in diese Erklärung eingebunden. Aber ich denke, alle demokratischen Fraktionen in diesem Hause haben in dieser Stunde bewiesen, was es heißt, solidarisch zu Israel zu stehen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Deswegen habe ich für meine Fraktion, Herr Botschafter, Ihnen am Sonntag einen Brief geschrieben – auf meine Art, nicht auf Twitter – mit persönlichen Worten, nicht zum Kopieren gedacht. Darin habe ich Ihnen die Solidarität des Hauses, aber auch meiner Fraktion zum Ausdruck gebracht.

Israel hat das Recht auf Selbstverteidigung, das Recht, Maßnahmen durchzuführen, die diese Selbstverteidigung sichern, und, ja, Herr Botschafter – das richtet sich auch an die israelische Regierung –, auch Maßnahmen durchzuführen, die weitere Angriffe verhindern werden. Dies wird uns in den nächsten Tagen begleiten. Und ich bin ganz sicher: Ein demokratischer Staat wie Israel wird zuerst seine Bürgerinnen und Bürger, jüdisches Leben schützen; aber gleichzeitig auch das humanitäre Kriegsvölkerrecht zum Maßstab dieser Maßnahmen machen. Ich wünsche mir das und danke Ihnen sehr, wenn Sie dies Ihrer Regierung vonseiten des Deutschen Bundestages sagen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN

Herr Botschafter, sagen Sie uns, was jetzt gebraucht wird. Der Bundeskanzler und alle Fraktionen haben hier erklärt: Medizinische Hilfe, die Versorgung mit Medikamenten, Unterstützung bei der Evakuierung derer, die jetzt noch aus Israel evakuiert werden können und wollen – all das, was erforderlich und gewünscht ist, wird Ihnen Deutschland liefern. Das sage ich auch für meine Fraktion. Gleichzeitig wird Deutschland – ich finde, auch darüber muss in einer ernsthaften Debatte gesprochen werden –, wenn es erforderlich und gewünscht ist, seinen Beitrag leisten, wenn es zu Verhandlungen über die Freilassung von Geiseln kommt. Aber dies muss vonseiten des israelischen Staates uns gegenüber gesagt werden, wie in der Vergangenheit. Ich bin der festen Überzeugung: Dann wird die Bundesregierung in aller Vertraulichkeit und mit allen ihren Möglichkeiten dabei helfen, weitere unschuldige Opfer zu verhindern, Herr Botschafter; das ist auch an die Regierung Israels gerichtet.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und der LINKEN

Bei uns Gewalttaten und Verbrechen gutzuheißen, ist nicht nur verboten – ich sage gleichzeitig: auch unsittlich –, sondern muss auch geahndet werden. Deswegen, Herr Kollege Merz, nehme ich Ihr Gesprächsangebot gerne auf, uns noch einmal zusammenzusetzen und zu beraten, was neben den bereits erfolgten Maßnahmen noch alles notwendig ist.

Ja, ich bedaure, dass einzelne Verbände in Deutschland, die glauben, die muslimische Gemeinschaft vertreten zu können, nicht ausreichend auf diesen Terrorakt reagiert haben.

Sie müssen sich distanzieren; sie müssen auch auf das Innere der Vereine einwirken. Aber ich würde hier auch gern mal die Frage stellen: Glauben wir wirklich, dass diese muslimischen Vereine noch alle Menschen muslimischen Glaubens in Deutschland vertreten? Deswegen ist es gut, auch auf die zuzugehen, die in privaten Gesprächen oder auch in Verlautbarungen gesagt haben, dass sie diesen Terror verachten und letztlich, dass er im Namen der Religion geführt wird. Das sind Muslime in Deutschland, denen heute, meine Damen und Herren, eine Stimme gegeben werden muss.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Es ist unangebracht, dass bei uns Stimmen laut geworden sind, die das eine gegen das andere aufrechnen. Ich vertraue der Demokratie Israels – das haben wir in den letzten Wochen und Monaten gesehen –, nicht zu diesem Zeitpunkt – zu diesem Zeitpunkt wird der Überlebenskampf geführt –, aber zu späteren Zeitpunkten eigene Fehler und vielleicht auch Versäumnisse aufzuarbeiten. Da braucht Israel keine Hinweise, schon gar nicht von uns; das sage ich auch allen, die meinen, spitzfindig etwas zu dieser Debatte beitragen zu können.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Unglaublich!

Zum Schluss: Ja, wir müssen mit allen Mitteln und Möglichkeiten dazu beitragen – mithilfe der Diplomatie, mithilfe von Gesprächen –, einen Flächenbrand in der Region zu verhindern. Auch wenn dieser Terror schon ein Ausmaß angenommen hat, das undenkbar gewesen wäre, wäre ein Flächenbrand eine noch größere Katastrophe für diese Region, einschließlich Israel. Deswegen bin ich der festen Überzeugung, dass es gut ist, auch über Hoffnung zu sprechen. Der israelische Historiker Tom Segev hat, glaube ich, am Sonntag dieser Woche in einem Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ auf seine Art daran erinnert, dass am Ende des Jom-Kippur-Krieges Frieden geschaffen wurde zwischen Ägypten und Israel, weil es den Premierminister Begin und den Präsidenten Al-Sadat gab, die bereit gewesen waren, sich die Hand zu geben. Und es gab auch einen Jimmy Carter, der dabei geholfen hat. Ich würde mir das für die internationale Politik, für die internationale Gemeinschaft wünschen. Ich sehe zurzeit keinen Menachem Begin, aber auch keinen Al-Sadat. Deshalb ist die Lehre, wie es auch Tom Segev so gesagt hat: Am besten schließen Staaten Frieden. – Das ist, glaube ich, auch die Verpflichtung für die deutsche Diplomatie in der Zukunft.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN sowie des Abg. Johannes Huber [fraktionslos]
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Agnieszka Brugger
Foto: Agnieszka Brugger/Anne Hufnagl
8 Vermerkeca. 695 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Botschafter! Meine Damen und Herren! In Israel leben heute noch Menschen, die die brutalsten Verbrechen der Shoah überlebt haben, so viele Familien, in denen die Wunden des Holocausts nie verschwinden werden.

Der grausame und verabscheuungswürdige Überfall der Hamas, der am 7. Oktober 2023 begann, stellt eine furchtbare Zäsur dar. Es ist der tödlichste und blutigste Angriff auf Jüdinnen und Juden, seitdem der Staat Israel nach den menschenverachtenden Verbrechen der Nazizeit gegründet wurde. In unserem gemeinsamen Antrag von SPD, CDU/CSU, FDP und Grünen bringen wir als demokratische Fraktionen unmissverständlich und in großer Geschlossenheit zum Ausdruck, dass wir in diesen schweren, schlimmen Stunden in allergrößter Solidarität an der Seite unserer israelischen Freundinnen und Freunde stehen,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

dass den Menschen in Israel, den Opfern, den Verletzten, den Geiseln und ihren Angehörigen unser tiefstes Mitgefühl gilt und dass wir den barbarischen Terror der Hamas und auch die Angriffe der Hisbollah auf Israel auf das Allerschärfste verurteilen und ihre sofortige Einstellung fordern.

Natürlich und selbstverständlich ist es Israels völkerrechtlich verbrieftes Recht, sich gegen diesen Terror zu verteidigen und seine Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Wir stehen dabei bereit, jedwede von Israel gebrauchte und erbetene Unterstützung auf Grundlage des Völkerrechts zu gewähren; denn das Existenzrecht Israels ist nicht verhandelbar.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und der FDP

Die Sicherheit Israels ist deutsche Staatsräson. Das ist nicht nur ein Satz, den wir alle auch heute immer wieder sagen. Das ist nicht nur ein Satz, der in unserem Antrag steht. Das ist tiefste Überzeugung, konkrete Verantwortung und große Verpflichtung.

Meine Damen und Herren, die Menschenverachtung der Hamasmörder ist grenzenlos. Ihnen geht es um nichts anderes als um Zerstörung, Gewalt und Hass auf Israel und die Jüdinnen und Juden. Es geht ihnen nicht darum, dass das Leben für die Menschen in den besetzten Palästinensischen Gebieten besser wird. Das kleine Kind in Gaza bekommt kein besseres Leben, wenn jüdische Babys ermordet werden. Die junge palästinensische Frau hat keine bessere Zukunftsperspektive, wenn sie stirbt, weil die Hamas ihre Kommandozentrale bewusst in ein Krankenhaus verlegt, um die Zivilbevölkerung als Schutzschild zu missbrauchen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP und des Abg. Dr. Johann David Wadephul [CDU/CSU]

Meine Damen und Herren, es ist das hasserfüllte Kalkül der Hamas, mit ihren blutigen Taten die Annäherung der letzten Zeit zwischen Israel und einigen arabischen Staaten ebenso wie jegliche Idee einer friedlichen Lösung im Rahmen von zwei Staaten, die allen Menschen in der Region ein Leben in Sicherheit, in Freiheit, in Würde ermöglichen kann, zu zerstören.

Auch wenn es sich angesichts der furchtbaren Ereignisse gerade extrem fern anfühlt: Neben all dem, was wir sofort für ein Ende des Terrors tun müssen, dürfen wir alle Bemühungen für eine langfristige Friedenslösung nicht aufgeben. Es ist auch unsere Verantwortung, mit dafür zu sorgen, dass das skrupellose Kalkül dieser Terroristen am Ende nicht aufgehen kann.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Meine Damen und Herren, nicht zuletzt bekräftigen wir mit unserem Antrag aber auch eine sehr klare Ansage an alle in unserem Land, die meinen, mit Taten oder mit Worten das Existenzrecht Israels infrage stellen oder gar gefährden zu können: Ihr habt mit unserem heftigen Widerstand und der vollen Härte unseres Rechtsstaates zu rechnen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Auch wer Terror feiert und die Gräueltaten bejubelt, soll wissen, dass er außerhalb des Grundkonsenses in unserem Land steht. Ob es in Duisburg, in Neukölln oder durch Rechtsextreme passiert: Es muss und wird konsequent aufgeklärt und geahndet werden.

Meine Damen und Herren, wenn Sie mir diese eine Bemerkung erlauben – ich habe es in den Gesichtern vieler Kolleginnen und Kollegen gesehen, und ich will Ihnen da auch recht geben, Herr Laschet –: Ich fand es schier unerträglich, dass in dieser wichtigen Debatte heute jemand gesprochen hat, der die schlimmste Zeit in der deutschen Geschichte in der Vergangenheit derart relativiert hat.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der LINKEN

Meine Damen und Herren, die israelisch-deutsche Freundschaft und das wiederentstandene vielfältige jüdische Leben als fester, schöner Bestandteil unserer Gesellschaft sind große Geschenke, und sie gehören zu den größten Errungenschaften der Nachkriegszeit, für die wir zutiefst dankbar sind. Es ist unsere Aufgabe, sie zu schützen – immer und heute mehr denn je. Wir sprechen heute den Menschen in Israel und den vielen Jüdinnen und Juden unser Mitgefühl und unsere Solidarität aus. Es muss eine beständige Solidarität sein, eine der gemeinsamen Werte, der Verantwortung aus unserer eigenen dunklen Geschichte und eine der konkreten Taten.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Beifallbei der AfD
8 Vermerkeca. 420 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Exzellenz Botschafter Prosor, ich freue mich, dass Sie uns hier beiwohnen. – Nach dem Auszug aus Ägypten irrte das Volk Israel 40 Jahre lang durch die Wüste, doch der Herr ließ es nicht fallen, und am Ende dieser Wüstenwanderung stand die Rückkehr ins Gelobte Land. Daran erinnert das Laubhüttenfest Sukkoth, das Juden seit 3 000 Jahren im Kreise ihrer Familie feiern. Nicht so dieses Jahr: Am letzten Tag des Sukkoth vergangenen Samstag wurde Israel Opfer eines Terrorangriffs. Deutlich mehr als 1 000 Juden, fast ausschließlich Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, sogar Kleinkinder, wurden brutal massakriert. Unzählige wurden zuvor gefoltert, Unzählige noch als Leichen geschändet. Ein solches Blutbad hat es in der Geschichte des Staates Israel noch nicht gegeben. Seit der Shoah gab es keinen Tag, an dem derart viele Juden ermordet wurden.

Die Szenen in Berlin-Neukölln zeigen: Genau solche Menschen wie die Meuchelmörder von Gaza haben die Altparteien jahrelang ungestört in unser Land einreisen lassen.

Beifallbei der AfD sowie der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Zugleich haben sie die einzige Partei verleumdet, die sich klar gegen die Einwanderung von Judenhassern und Massenmördern gestellt hat.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Nur die AfD wollte diese Gestalten nie in Deutschland haben. Kanzler und Oppositionsführer verschweigen heute wieder, wer in Neukölln gejubelt hat. Dieser Islam gehört nicht zu Deutschland.

Beifallbei der AfD

Schon vor fast 20 Jahren zog sich Israel aus dem Gazastreifen zurück. Es zog seine Truppen restlos ab. Die Araber hätten dort, wenn sie nur gewollt hätten, einen florierenden Staat aufbauen können. Israel hätte sie dabei sogar unterstützt. Aber stattdessen wählten sie die islamistische Hamas und damit den Krieg. Das Hilfswerk für die sogenannten Palästinenser, die UNRWA, hält den Krieg am Laufen. Sie wird praktisch von der Hamas kontrolliert. Für die UNRWA ist der Flüchtlingsstatus erblich. Die UNRWA speist den illusorischen Anspruch auf Rückkehr und fördert damit den Terror. Und trotzdem wurde die UNRWA jahrzehntelang mit Abermillionen gefördert. Deutschland war zeitweise sogar der größte Geldgeber weltweit.

Zurufvon der AfD: Ui!

Nur die AfD ist im Ausschuss für Menschenrechte und anderswo seit Jahren für die Streichung der Gelder eingetreten; doch die Altparteien, auch die Union und die FDP, waren strikt dagegen.

Beifallbei der AfD

„Natürlich machen wir keine Terrorfinanzierung“, lautet das Dementi der Außenministerin Baerbock. Sie hat schon letztes Jahr hier im Bundestag rundheraus bestritten, was auf der Hand liegt: dass die Parteistiftung der Grünen Judenmörder finanziert. Was in Baerbocks heile Welt nicht reinpasst, wird einfach geleugnet.

Beifallbei der AfD

Dass dieser Angriff der Hamas überhaupt möglich war, ist nicht zuletzt die Folge grün-linker Realitätsverweigerung. Und es ist die gleiche Realitätsverweigerung, die uns in Deutschland Millionen von Terrorsympathisanten beschert hat.

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Heuchler!

Es ist höchste Zeit für eine Umkehr.

4 Vermerkeca. 357 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Herr Botschafter! Jeder, der die schrecklichen Bilder des Terrorangriffs auf Israel am 7. Oktober gesehen hat, wird sie so schnell nicht mehr vergessen. Mir geht vor allen Dingen ein Video nicht mehr aus dem Kopf, in dem eine Frau mit blutiger Hose in einen Jeep gestoßen und verschleppt wird. Das Blut auf der Hose zeugt davon, was dieser Frau vorher angetan wurde, und wir alle wissen, was jüdischen Mädchen und Frauen zurzeit im Gazastreifen angetan wird.

Frau Baerbock spricht immer von feministischer Außenpolitik. Wenn es tatsächlich einmal Zeit war für feministische Außenpolitik, dann ist diese Zeit jetzt. Ich fordere Sie auf, sämtliche Zahlungen an die palästinensischen Gebiete einzustellen. Seit dem Osloer Abkommen flossen 8,5 Milliarden Euro von der EU in diese Gebiete. Und schauen Sie sich das Elend vor Ort an! Das Geld kommt nicht der armen Bevölkerung zugute, das Geld kommt den Terroristen von der Hamas zugute. Und das muss ein Ende haben.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Es reicht nicht, das Brandenburger Tor mit der israelischen Flagge anzustrahlen. Den Worten und den Hashtags müssen jetzt Taten folgen. Das ist das eine.

Das andere sind die unerträglichen Feiern dieser Gräueltaten auf deutschen Straßen, Menschen, die tote Juden bejubeln, mitten in Berlin. Herr Buschmann twitterte, wer öffentlich Mord billige, mache sich strafbar. Ich frage Sie: Wie viele von diesen Typen sitzen zurzeit im Gefängnis? Bei wie vielen wird die Abschiebung geprüft? Und wie stellen Sie sicher, dass keiner der jubelnden „Flüchtlinge“ aus den griechischen Erstaufnahmelagern bei uns in Deutschland aufschlägt?

Beifallbei Abgeordneten der AfD und des Abg. Johannes Huber [fraktionslos]

Wenn wir „Nie wieder!“ sagen, dann müssen wir „Nie wieder!“ meinen. Unsere falsche Toleranz muss ein Ende haben, auch aus Selbstschutz. Das beinhaltet auch eine neue und harte Linie bei der illegalen Migration. Wir wollen die Schlächter der Hamas und ihre Sympathisanten nicht in unserem Land haben. Und dafür haben Sie die Verantwortung zu tragen. Schützen Sie unsere Grenzen! Schützen Sie unser Land, und schützen Sie jüdisches Leben in Deutschland!

Die Ampel hat bisher in so vielen Punkten versagt. In diesem Punkt darf sie nicht versagen; denn hier geht es nicht nur um eine historische Verantwortung, hier geht es ganz aktuell um Leben und Tod.

Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der AfD und des Abg. Johannes Huber [fraktionslos]
Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Gabriela Heinrich
Foto: Photothek Media Lab
7 Vermerkeca. 736 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Exzellenz! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Bilder, die uns aus Israel erreichen, machen uns traurig und wütend und fassungslos. Ich glaube, dass das in vielen Reden hier auch spürbar ist. Der Terror der Hamas hat ein Ausmaß, das wir seit den Gräueltaten des „Islamischen Staates“ nicht mehr gesehen haben, das Israel in seiner Geschichte noch nicht erlebt hat. Die Verbrechen der Hamas verstoßen gegen das humanitäre Völkerrecht, sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit und durch nichts zu rechtfertigen; ein Terrorangriff der Hamas gegen Zivilisten, gegen Kinder, Frauen und Männer mit ungeheurer Brutalität. Israel hat jedes Recht, sich zu verteidigen und seine Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Und ich bin froh, dass wir uns heute an dieser Stelle einig sind.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die Menschen in Israel, ihre Angehörigen und die Jüdinnen und Juden in aller Welt haben unser tiefes Mitgefühl. Die Raketen der Hamas schlagen geografisch weit entfernt von den deutschen jüdischen Kultusgemeinden ein, und doch sind sie emotional sehr nah; denn die kollektive Angst vor Angriffen, vor Tod und Gewalt ist auch hier in Deutschland spürbar. Dass Jüdinnen und Juden in Deutschland unter Polizeischutz leben müssen, ist nicht neu. Wir alle sehen in unseren Wahlkreisen die strenge Bewachung der jüdischen Einrichtungen, Synagogen, Schulen, Altenheime. Und warum müssen sie bewacht werden? Weil es hier in Deutschland nicht nur einen latenten Antisemitismus hinter vorgehaltener Hand gibt, sondern weil potenzielle Täter ein Risiko für Leib und Leben der Jüdinnen und Juden, unserer Freundinnen und Freunde, hier in Deutschland darstellen. Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen, das darf kein Normalzustand sein, mit dem wir uns abfinden. Hass ist keine Meinung. Antisemitismus ist keine Meinung. Er darf in Deutschland keinen Platz haben, egal aus welcher Ecke er kommt, ob von rechts oder links, ob von Christen oder Muslimen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Antisemitismus gibt es weltweit. Deshalb ist es das Urbedürfnis der Menschen in Israel, sicher und geschützt vor Gewalt zu sein. Und mitten in dieses Urbedürfnis schlagen jetzt die Raketen der Hamas ein. Als Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe habe ich meinem Gegenüber in der Knesset sinngemäß geschrieben: Die Sorgen der Angehörigen der Opfer und von Geiseln sind für uns jenseits aller Vorstellungskraft. Wir müssen es versuchen, aber ob es gelingt, da bin ich mir nicht sicher. – Wie schwer muss es für unsere Kolleginnen und Kollegen in Israel jetzt sein. Nicht umsonst wurde gestern eine Notstandsregierung unter Beteiligung der Opposition gebildet. Regierung und Opposition in der Knesset müssen jetzt sehr schwere Entscheidungen treffen, von denen das Leben unvorstellbar vieler Menschen abhängt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben es heute schon mehrfach gehört: Die Sicherheit Israels ist deutsche Staatsräson. Wir werden heute einen gemeinsamen Antrag von Ampel und Union verabschieden, und dafür möchte ich mich – auch wenn Omid Nouripour es schon getan hat – noch einmal sehr herzlich bei meinen Partnerinnen und Partnern bedanken: bei Agnieszka Brugger, bei Michael Link und vor allen Dingen auch bei Johann Wadephul.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dass dies gelingen würde, war uns ein Bedürfnis. Ich glaube, auch das ist wichtig noch einmal auszudrücken. Ich halte es übrigens für selbstverständlich – wir haben in diesem Antrag auch einiges an Hausaufgaben formuliert –, dass wir noch mal prüfen, ob Gelder der Entwicklungszusammenarbeit für hilfsbedürftige Palästinenser zweckentfremdet werden können. Erst wenn diese Prüfungen erneut bestätigen, dass wir damit nicht Gefahr laufen, den Terror zu finanzieren, erst dann können wir weitere Verpflichtungen eingehen.

Humanitäre Hilfe, auch das sagt unser Antrag, werden wir jedoch weiterhin leisten und leisten müssen; denn viel zu viele Palästinenserinnen und Palästinenser sind auf lebensnotwendige Hilfen von internationalen Organisationen angewiesen. Und ich finde, wer das leugnet, hat ein merkwürdiges Menschenrechtsverständnis.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Klar ist zweitens: Demonstrationen, auf denen der Terrorismus der Hamas gefeiert wird, sind nicht nur menschlich schwer zu ertragen, sondern schlicht volksverhetzend.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Ereignisse in Neukölln und anderswo müssen aufgearbeitet werden, und dem Antisemitismus müssen wir mit allen Mitteln des Rechtsstaates beikommen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Drittens müssen wir auf dem internationalen Parkett doch mehr tun, um all diejenigen zu isolieren und zu sanktionieren, die verbal oder verbrecherisch gegen Israel vorgehen; allen voran – auch das wurde heute schon gesagt – gilt das für das Regime des Iran.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der 7. Oktober ist ein schrecklicher Einschnitt für Israel, ein schrecklicher Einschnitt für die Jüdinnen und Juden in der Welt. Die Menschen in Israel sind vereint, um ihr Land, ihre Demokratie und ihre Zukunft zu verteidigen. Dabei stehen wir fest an ihrer Seite. Ich wünsche Israel von ganzem Herzen Frieden.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Jetzt rufe ich den fraktionslosen Abgeordneten Johannes Huber auf.

ca. 305 WörterReaktionswert: ruhig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Botschafter! Liebe Mitbürger! Am 1. Januar 2024 wird Saudi-Arabien neben dem Iran, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten, Äthiopien und Argentinien Mitglied im BRICS-Bündnis.

Die USA, die im Nahen Osten ihren Einfluss nicht an China verlieren wollen, haben daraufhin die Initiative ergriffen, einen Normalisierungsvertrag zwischen Israel und Saudi-Arabien auszuverhandeln. Das Königreich, in dem vor allem die jüngere Generation diplomatische Beziehungen zu Israel aufnehmen will, sollte Sicherheitsgarantien der USA vor dem Iran sowie Technik zum Aufbau eines zivilen Atomprogramms erhalten. Israel hätte den Ausbau der Siedlungen in den Palästinensischen Autonomiegebieten stoppen müssen. Und vor allem die USA wollten eine Zweistaatenlösung weiterhin nicht ausschließen – wie auch Deutschland nicht, so steht es im Entschließungsantrag.

Der barbarische und nicht zu rechtfertigende Angriff der Hamas- und Dschihad-Gruppen auf unschuldige Frauen, Männer und Kinder entspringt dem gezüchteten Hass auf Israel, der jetzt in allen europäischen Einwanderungsländern sichtbar wird. Es ist aber auch eine Botschaft an den in der muslimischen Welt um Gesichtswahrung kämpfenden saudischen Kronprinzen und liegt im Interesse des Iran und seines wichtigsten Stellvertreters in der Region, der Hisbollah.

Dass aber die politisch nützlichen Hamasterroristen die Regierung von Netanjahu, die mit die besten Überwachungstechniken in alle Welt exportiert, überrascht haben sollen, findet nicht nur Edward Snowden auf seinem X-Profil wenig überzeugend. Selbst im zweiten deutschen Staatsfernsehen wurde am 7. Oktober im „heute-journal“ darüber diskutiert, dass ein Angriffsszenario mit Geiselnahmen im Vorfeld bekannt war. Der ägyptische Geheimdienstchef hatte wiederholt davor gewarnt, und trotzdem wurden Truppen von der Grenze zu Gaza abgezogen.

Zum Schluss stellen sich damit viele Beobachter die Frage, ob der Zweck, dass die USA jetzt von der Zweistaatenlösung abrücken und sogar Flugzeugträger gegen den Iran in Stellung gebracht sind, die Mittel heiligt, dass unschuldige Menschen auf beiden Seiten möglicherweise ohne Rücksicht auf das humanitäre Völkerrecht sterben müssen.

3 Vermerkeca. 227 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, ich schließe mich Ihren Solidaritätsbekundungen mit Israel und Ihrer Anteilnahme mit den Opfern ohne jede Einschränkung an. Mein Mitgefühl gilt den Opfern dieser terroristischen Gräueltaten.

Ich halte es für wichtig – das haben Sie besonders betont –, nichts unversucht zu lassen, damit sich dieser Konflikt nicht zu einem Flächenbrand in der ganzen Region entwickelt. Kevin McCarthy hat folgenden Ausspruch getätigt – ich zitiere –: Hamas ist eine Marionette des Iran. Sie rühmen sich, dass Iran ihnen beim Angriff auf Israel geholfen habe. Wir müssen uns dieser neuen Machtachse stellen. Dies ist eine Achse des Bösen, bestehend aus Iran, Russland und China.

Wenn man dieser Logik folgt, braucht es nicht viel, um zu verstehen, warum dort jetzt riesige Flugzeugträger aufkreuzen. Wir brauchen keinen Krieg im ganzen Nahen Osten, in den wir auch noch mit hineingezogen werden. Ich unterstütze ganz besonders alle Bemühungen, mit den Kräften, mit denen Deutschland in Kontakt treten kann, zu sprechen, um einen Krieg zu verhindern.

Beifallder Abg. Dr. Christina Baum [AfD]

In Deutschland müssen wir alles gegen Antisemitismus tun – richtig. Aber auch der Finanzsumpf muss ausgetrocknet werden, über den Gelder der UN in diese Region geflossen sind und über den das Außenministerium immer noch Gelder fließen lassen will. Schluss damit. Kein Geld aus Deutschland für den Terrorismus und auch ein Stopp der Mittel, die wir an die Ukraine liefern: keine indirekten Waffenlieferungen in Konfliktgebiete.

Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der AfD
Porträt von Dirk Wiese
Foto: Dirk Wiese/ Marco Urban
7 Vermerkeca. 682 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Als am Samstagmorgen die ersten Meldungen eingetroffen sind, als man die ersten Bilder gesehen hat, die ersten Videos bei Twitter sehen konnte, da wusste man ehrlicherweise nicht, wie man Worte für diese pure Brutalität, diese Unmenschlichkeit finden soll. Da gibt es kein „Ja, aber“; das haben viele Rednerinnen und Redner heute gesagt. Darauf gibt es tatsächlich nur eine Antwort: Das, was da passiert ist, ist brutalster Terror. Das ist nichts anderes. Und es ist richtig, dass heute noch einmal von allen hier gesagt worden ist: Wir stehen in dieser Situation uneingeschränkt an der Seite unserer israelischen Freundinnen und Freunde. Da gibt es kein „Ja, aber“ und keine Abwägung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN

Genauso richtig ist, dass wir genau hinschauen: Was können wir zum Schutz der Jüdinnen und Juden, der jüdischen, israelischen Einrichtungen bei uns hier in Deutschland tun? Denn unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger haben bei uns im Land aktuell Angst. Es ist richtig, dass die Bundesregierung sehr schnell reagiert hat und den Schutz der Einrichtungen noch einmal hochgefahren hat. Ich bedauere zutiefst, dass das in unserem Land überhaupt nötig ist; aber in dieser Situation ist es erforderlich.

Ich habe einen Brief des Jungen Forums der Deutsch-Israelischen Gesellschaft gelesen, in dem steht: Wir haben die große Sorge, dass dieser Terror nicht nur gegenüber Jüdinnen und Juden in Israel erfolgt, sondern weitere Terrortaten nach sich zieht. – Und umso wichtiger ist es, alles dafür zu tun, dass sich Jüdinnen und Juden bei uns im Land sicher fühlen. Das ist unsere gemeinsame Verantwortung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN

Und darum ist es richtig, die Mittel, die uns der Rechtsstaat schon jetzt zur Verfügung stellt, anzuwenden. Ich will sehr deutlich sagen: Wir haben diese Mittel. Wir haben schon jetzt die Möglichkeit, Demonstrationen zu verbieten, wenn von Demonstrationen nachweislich Straftaten ausgehen. Und es ist nichts anderes zu erwarten gewesen von diesen Demonstrationen in Duisburg und Neukölln, die uns fassungslos gemacht haben. Daraus müssen wir entsprechende Schlussfolgerungen ziehen. Ich bin dankbar, dass Behörden bei uns im Land jetzt gesagt haben: Weitere Demonstrationen schauen wir uns genau an, und dann werden diese Demonstrationen gegebenenfalls verboten.

Denn diejenigen, die auf diesen Demonstrationen unterwegs sind – ich schere eine Volksgruppe nicht über einen Kamm – und die diesen Terror verherrlichen, die gehören nicht zu diesem Land. Und ich will auch sehr deutlich sagen: Damit sind wir gefordert, das auch klar auszusprechen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich will das auch noch einmal klarmachen – es ist richtig, dass der Bundeskanzler das heute deutlich gemacht hat –: Das Betätigungsverbot der Hamas und ebenso des Samidoun ist eine richtige Folgerung.

Wir müssen auch gucken, ob die Instrumente ausreichend sind, wenn wir gegen diese Organisationen im Vorfeld vorgehen, auch in den Ermittlungen und den Observationen, die unsere Dienste letztendlich durchführen. Wir müssen auch hinschauen, ob es weitere gibt. Das gilt gerade auch für die Palästinensische Gemeinschaft hier in Deutschland, die vorwiegend von Mitgliedern der Hamas getragen wird. Auch da müssen wir hinschauen. Wir müssen auch in Schulen gucken, um Präventionsmaßnahmen auszubauen, weil es nicht sein kann, dass sich dieser Hass in den Köpfen festsetzt, wie wir es jetzt auch auf den Bildern gesehen haben.

Das ist etwas, was nicht von heute auf morgen gelingt. Dazu braucht es Kraftanstrengung, und, ja, dafür braucht es Geld. Das ist auch genauso wichtig. Aber jetzt müssen wir hinschauen: Was können wir tun, um diese Demonstrationen zu untersagen? Ganz offen gesagt: Diejenigen, die auf Demonstrationen Straftaten begehen, die öffentlich zu dem Hass gegen Israel aufrufen, aus diesem Land auszuweisen, auch das ist richtig, und das muss auch erfolgen.

Ich will einen letzten Satz sagen, weil es mich doch sehr gewaltig stört, welche Aussagen der AfD ich hierzu gelesen habe. Ich will mal sagen, warum ich das, was Sie hier gesagt haben, eine verlogene Solidarität nenne. Ihre Fraktionskollegen sind nach Syrien gereist; sie haben dem Hamasregime die Aufwartung gemacht. Das ist das Regime, das die Hisbollah in diesen Stunden unterstützt, da Israel vom Norden angegriffen wird.

Völliger Blödsinn! Das haben die niemals gemacht! Verlogen!

Keinen Ton haben wir dazu gehört.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Das ist die Unglaubwürdigkeit, die Sie hier an den Tag legen. Sie unterstützen ein syrisches Regime, das die Hisbollah forciert,

Die Wahrheit siegt, Frau von Storch!

und kein Ton ist von Ihnen dazu gesagt worden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Armin Laschet
Foto: Staatskanzlei NRW/ Laurence Chaperon
9 VermerkeZwischenfrageca. 230 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Herr Botschafter! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, das waren wohltuende 90 Minuten, weil in dieser Frage die Polarisierung in unserer Gesellschaft, jedenfalls bei den demokratischen Parteien, bezogen auf das Thema Israel aufgehoben ist. Der Oppositionsführer, der Bundeskanzler – –

Erbärmlich! Erbärmlich, was Sie sagen!

– Ja, bei Ihnen nicht. Aber hier im Haus, bei den Demokraten, gibt es gemeinsame Töne.

Wenn Präsident Herzog sagt, dass das seit der Shoah die größte Ermordung von Jüdinnen und Juden war, dann ist das eine Zeitenwende im Nahen Osten und dann muss uns das auch dazu bringen, alles wie bei der anderen Zeitenwende auf den Prüfstand zu stellen und nicht die üblichen Sprüche diplomatischer Art zu machen.

Dummes Zeug! Was für dummes Zeug! Das sind die Spalter!

Ich möchte an das anknüpfen, was Rolf Mützenich gesagt hat: Ja, der Jom-Kippur-Krieg, fast auf den Tag genau – auch an einem Feiertag – vor 50 Jahren, wo Syrien und Ägypten Israel überfallen haben,

Alle reingelassen!

hat am Ende zu dem mutigen Schritt von Anwar Al-Sadat geführt, der in die Knesset gereist ist und Israel anerkannt hat.

Diesen Typen da nach vorne bringen! Unglaublich!

Zwei Nachbarstaaten tun das schon länger: Jordanien und Ägypten. Und deshalb, finde ich, dürfen wir nicht sagen – –

Das ist ja ein Witz, was er hier erzählt! Der ehemalige Integrationsminister, der Versager! Der tolle Integrationsminister!

Halten Sie doch mal den Mund!

– Können Sie wenigstens bei diesem Thema mal kurz dieses Geschwätz lassen?

Warum müssen Sie denn den Zuschauern die ganze Zeit zeigen, dass Sie nicht mit uns einig sind?

Mit Ihnen nicht!

Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die AfD gewandt: Fürchterlicher Dreck!

Wir haben es verstanden.

Ich möchte zurückkommen zu dem, was ich gerade gesagt habe.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der LINKEN

Ja! Nee, das geht nicht!

Herr Laschet, Sie haben das Wort.

Porträt von Armin Laschet
Foto: Staatskanzlei NRW/ Laurence Chaperon
8 Vermerkeca. 509 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Jetzt haben Sie wahrscheinlich bewusst abgelenkt von dem, was ich hier sagen wollte.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Frau Baerbock, Sie sagen immer: Wir reden mit den Golfstaaten. – Aber vielleicht bedeutet Zeitenwende auch, hier einmal zu differenzieren. Es gibt Golfstaaten, die Israel anerkannt haben, die mit den Abraham Accords diplomatische Beziehungen aufgenommen haben, die regionale Kooperation wollen, die eine Freihandelszone verabredet haben, die wie die Vereinigten Arabischen Emirate plötzlich eine Synagoge im Abrahamic Family House bauen, die religiöse Toleranz wollen. Die gibt es. Die muss man auch so benennen; die muss man auch unterstützen. Seit 2020 gibt es vier neue Länder, die sagen: „Wir erkennen Israel an“: Marokko, Bahrain, Vereinigte Arabische Emirate und Sudan.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Die Emirate ändern gerade ihre Curricula für die Schulbücher. Zum ersten Mal wird in einem arabischen Land der Holocaust als Thema im Unterricht vermittelt. Dies zu unterstützen, muss Aufgabe der deutschen Außenpolitik werden.

Beifallbei der CDU/CSU, der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN

Wir müssen uns hier stärker in den Ländern engagieren, die willens sind, zu kooperieren.

Und die anderen? Katar? Die Erklärung des Außenministers von Katar am letzten Sonntag lautete: Die alleinige Verantwortung für diesen Anschlag liegt bei Israel. – Das ist Katar, auch ein Golfstaat. Im Fernsehen sieht man auf Al Jazeera, dem Staatssender, ständig die Aufrufe der Hamasführung. Die sitzen in Doha, leben im Luxus und dirigieren von dort aus den Terror, um den es hier geht. Deshalb muss man, wenn es um eine Zeitenwende im Nahen Osten geht, zu einer Differenzierung kommen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Herr Bundeskanzler, Sie sind kritisiert worden, weil Sie gleich zum Mittagessen den Emir von Katar treffen. Ich tue das nicht; ich kritisiere das nicht. Ich finde es richtig, in dieser Zeit solche Gespräche zu führen. Aber man muss ihm sagen: Beenden Sie das Gastrecht für die Führung der Hamas! Stoppen Sie die finanzielle Unterstützung für die Hamas!

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der LINKEN

Machen Sie mit bei der regionalen Kooperation! Und unterbinden Sie vor allem, dass der Hamasführer weiter zu Anschlägen gegen jüdische Einrichtungen in der ganzen Welt am kommenden Freitag aufruft! Das kommt aus Katar. Meine Bitte ist, in diesem Gespräch auch Klartext zu reden.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der LINKEN

Meine Damen und Herren, wir wissen, dass Saudi-Arabien dabei war, sich anzunähern. Der Kronprinz hat wenige Tage vor dem Krieg gesagt, er schaue nicht mehr auf Israel als Feind, es gebe viele gemeinsame Interessen, die man verfolgen wolle. Es gab die Hoffnung, dass Saudi-Arabien sich diesen Abraham Accords anschließt. Die einzige Absicht hinter diesem Angriff ist die Zerstörung dieser Friedenshoffnung. Es gab keinen anderen Anlass für die Hamas, die weiß, dass bis zum Frühjahr – das heißt vor den amerikanischen Wahlen – diese Annäherung möglich ist. Deshalb müssen wir sagen: Jetzt erst recht! Wir haben eine parteiübergreifende Parlamentariergruppe, die diese Abraham Accords unterstützen will. Die Europäische Union muss auch wieder ins Geschäft. In Oslo und Barcelona war die EU dabei; jetzt sind es nur Tony Blinken und die Amerikaner. Wir müssen mehr machen, um die Staaten zu unterstützen, die Frieden wollen, die religiöse und kulturelle Toleranz wollen, und dürfen nicht in undifferenzierter Art sagen: Ja, das sind alles Nachbarstaaten. – Nein, es gibt Unterschiede. Und wir stehen an der Seite derer, die Israel anerkennen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der LINKEN
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Steffi Lemke
Foto: Steffi Lemke/ Klaus Mellenthin
Steffi LemkeGrüne· Bundesministerin BMUV· MdB
6 Vermerkeca. 581 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Debattenfolge in unserem Parlament verlangt manchmal abrupte Themenwechsel. Aber ich möchte eingangs die Bemerkung machen, dass mir das heute angesichts der Lage in Israel und angesichts der Katastrophe, die sich für viele Menschen dort abgespielt hat und noch abspielt, tatsächlich schwerfällt.

Dennoch ist es wichtig und richtig, dass wir im Deutschen Bundestag in dieser Woche über Nachhaltigkeit diskutieren und dafür auch ein besonderes Debattenformat im Parlament gewählt haben; denn Nachhaltigkeit ist häufig auch der Spiegel von Chancen, aber eben auch von Grenzen internationaler Diplomatie. Das wissen alle diejenigen, die auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit schon verschiedene internationale Abkommen besprochen oder verhandelt haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Carina Konrad [FDP]

Sie alle kennen die Geschichte des Begriffes der Nachhaltigkeit, der manchmal etwas sperrig ist, manchmal schwer zu erklären ist, wenn man als Bundestagsabgeordneter spricht. Dass er aus der Forstwirtschaft kommt, dass er quasi der Beobachtung der Natur entstammt, das möchte ich heute noch einmal in unsere Erinnerung rufen. Das heißt, er stammt von den Förstern, den Waldarbeitern, die die Vorgänge im Wald betrachtet haben, um festzustellen, in welcher Wirtschaftsweise, die ja erst über viele Jahrzehnte hinweg einen Ertrag abwirft, man tatsächlich nachhaltig wirtschaften kann. Dies ist wichtig; denn es gibt uns Fingerzeige für das, was wir in dieser Zeit tun sollten.

Jeder, der die Entwicklung im Wald momentan verfolgt, sprich: die Natur im Wald beobachtet, weiß, dass wir ein Riesenproblem haben und dass dieses Problem in Zukunft noch größer werden wird. Einerseits haben wir bereits jetzt verdorrte Wälder. Wir haben bereits jetzt ratlose Förster, die nicht mehr wissen, wie sie der Schäden Herr werden sollen, was sie in Zukunft für den deutschen Wald tatsächlich an Baumarten auswählen sollen. Wir brauchen andererseits Wälder, wir brauchen Moore, wir brauchen renaturierte Auen, um uns vor den Folgen der Klimakrise zu schützen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Genau deshalb hat das Bundesumweltministerium und habe ich das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz ins Leben gerufen. Wir werden in dessen Rahmen mit 4 Milliarden Euro in den nächsten Jahren Auen renaturieren, alte Wälder schützen und Moore wieder vernässen, all das, um CO2 in den Ökosystemen einzuspeichern, also einen Beitrag für den Klimaschutz zu leisten und uns dabei auch auf die Folgen der Klimakrise vorzubereiten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Wir hatten vor zwei Wochen die UN-Nachhaltigkeitskonferenz, auf der die Halbzeitbilanz für die globalen Nachhaltigkeitsziele, die SDGs, gezogen wurde. Sie alle hier wissen, dass diese Bilanz nicht gut ist, dass diese Halbzeitbilanz ziemlich mies ausfällt, bei keinem der Ziele die Umsetzung auf einem wirklich guten Pfad ist und die Vereinten Nationen alle Mitgliedstaaten aufgerufen haben, ihre Anstrengungen zu verstärken.

Genau das tun wir in Deutschland. Die Bundesregierung handelt mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, mit dem Klimaanpassungsgesetz und mit unserer Wasserstrategie, und auch mit dem UN-Hochseeschutzabkommen hat es einen wirklichen Durchbruch für globalen Naturschutz in den letzten Monaten gegeben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ich will dem noch eines hinzufügen: Wir haben in der letzten Woche in Bonn das globale Chemikalienabkommen verhandelt und erfolgreich abgeschlossen, ein Thema, das häufig ein bisschen unter dem Radar durchfliegt, obwohl es so viel mit dem Schutz unserer Bevölkerung, der Arbeitenden im Betrieb vor gefährlichen Chemikalien zu tun hat. Es geht dabei also nicht nur um die Umwelt, sondern in allererster Linie um den Schutz unserer Bevölkerung. Deshalb ist es sehr gut, dass wir auch dieses Abkommen hinbekommen haben.

Wir brauchen für das Umsetzen der Nachhaltigkeitsziele die Akzeptanz in der Gesellschaft, in der Bevölkerung. Solche Umweltvorhaben, die sich mit dem Schutz unserer Bevölkerung ganz intensiv befassen, helfen uns dabei sehr. Ich wünsche der Debatte viel Erfolg.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Steffen Bilger
Foto: Steffen Bilger/ Tobias Koch
8 Vermerkeca. 719 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die heutige Debatte zur Nachhaltigkeit haben wir gemeinsam vereinbart, und dieses Format bringt sicherlich mit sich, dass die eigentlich übliche Debattenstruktur – Regierung gegen Opposition – auch ein wenig zur Seite gestellt werden kann. Ich habe die Konsensorientierung in unserem Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung immer als sehr wohltuend empfunden, vielleicht auch, weil sie sich doch sehr von den anderen Abläufen, die wir hier gewohnt sind, unterscheidet.

Wenn wir alle hier gefragt werden würden, ob wir für Nachhaltigkeit sind, dann würde wahrscheinlich keiner widersprechen. Das Spannende in der politischen und gesellschaftlichen Debatte ist, dass es ganz unterschiedliche Interpretationen von Nachhaltigkeit geben wird.

Bei einem sind wir uns aber sicher einig: Viele Fragen, die uns beim Thema Nachhaltigkeit beschäftigen, sind viel größer, als dass sie in einer Legislaturperiode abschließend beantwortet werden könnten. Und die Politik wird keine tragfähigen, wirtschaftlich machbaren, sozialverträglichen Antworten bei Generationenaufgaben wie der Bekämpfung von Armut und Hunger in der Welt oder dem Klimaschutz geben können, wenn jeder nur auf den nächsten Wahltag schielt. Ich kann für meine Fraktion jedenfalls festhalten, dass wir uns dessen bewusst sind und dass wir dieser Verpflichtung jederzeit gerecht werden wollen.

Beifallbei der CDU/CSU

Nachhaltigkeit bedeutet für uns etwas Umfassendes: immer die kommenden Generationen im Blick, dabei die Umwelt und das Klima schützen, die Wirtschaft stärken sowie Arbeit und Wohlstand schaffen – und das alles gleichzeitig und gleichermaßen.

Genau deshalb muss ich trotz aller einigenden Bekenntnisse, die wir heute sicherlich noch hören werden, der Regierung schon auch den Spiegel vorhalten; denn sie wird genau diesem Anspruch eines umfassenden Verständnisses von Nachhaltigkeit nicht gerecht. Weder beim Klimaschutz noch bei den Staatsfinanzen oder unseren sozialen Sicherungssystemen, den großen Fragen, die die Zukunft der jungen Generation maßgeblich bestimmen werden, handelt diese Bundesregierung nachhaltig.

Ihre Haushaltspolitik geht zulasten der Jüngeren; das ist nicht nachhaltig, meine Damen und Herren. Wer in der aktuellen Lage freiwillig auf CO2-Einsparungen durch Kernkraftwerke verzichtet und lieber wieder die Kohlewinterreserve anschmeißt, der handelt nicht nachhaltig. Kein Wunder! So wie wir die Regierung erleben – die Ampelkoalition ist in den meisten Fragen zerstritten, findet keine gemeinsame Richtung –, kann sie auch kein ausgewogenes Nachhaltigkeitskonzept verfolgen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich würde mir wünschen, dass Sie bei der Suche nach Lösungen offener wären für mehr Nachhaltigkeit durch Technologie und durch Innovation. Alte reflexhafte Denkmuster behindern und verhindern dies. Wir sprechen beispielsweise gleich noch über das Thema der Kohlenstoffspeicherung als Chance für den Klimaschutz und bestimmt auch über Ihre internen Konflikte dabei.

Ein anderes Beispiel. Die EU-Kommission macht einen, wie ich meine, sehr vernünftigen Vorschlag zu neuen Züchtungsmethoden, die helfen, nachhaltiger zu wirtschaften und besser mit veränderten Klimabedingungen zurechtzukommen. Die SPD-Entwicklungsministerin kommentiert dies mit – ich zitiere –:

„Die Gentechnik hat in ihrer Geschichte noch keinen wesentlichen Beitrag zur Ernährungssicherung geleistet.“

Das ist ein Witz!

„Ihr gesellschaftlicher Nutzen wird in der Theorie oft behauptet, aber in der Praxis zielt die Gentechnik auf Patente und Profite.“

Zitat Ende. – Kein Wort zu den Chancen für einen reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

So wird Wissenschaft ignoriert!

oder für einen Anbau von klimaresistenten Nahrungsmitteln. Eine solche Aussage, die nur an Ängste appelliert, anstatt dem wissenschaftlichen Rat zu folgen, gefährdet mehr Nachhaltigkeit durch Innovation.

Beifallbei der CDU/CSU

Natürlich ist es der Job der Bundesumweltministerin, die Belange des Umweltschutzes besonders zu betonen; aber das darf nie isoliert und losgelöst von den wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Folgen passieren. Mit ihrer Hardliner-Position bei den sogenannten PFAS-Chemikalien und ihrem Einsatz für ein möglichst umfassendes Verbot auf EU-Ebene drohen ganz erhebliche Nachteile für die Medizintechnik, für die Halbleiterindustrie, für den Umbau unserer Energieversorgung hin zu den Erneuerbaren und unserer Industrie zu einem nachhaltigeren Wirtschaften. Wir sind sehr für Vorsorge und Risikominimierung, aber eben auch für eine sachliche Abwägung von Risiken und Nutzen. Und dieses Abwägen lassen Sie immer wieder vermissen.

Beifallbei der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, mein Appell ist klar: Lassen Sie uns für eine nachhaltige Entwicklung den Blick öffnen! Lassen Sie uns offen diskutieren und abwägen, statt einseitige, ideologisch verengte Debatten zu führen, wie dies diese Regierungskoalition leider viel zu oft tut! Lassen wir Wissenschaftlichkeit nicht nur dann zu, wenn es in die eigene grüne Agenda passt, sondern auch dann, wenn es um den Einsatz von Technologie, insbesondere neuer Technologien geht! Wirklich langfristig tragfähig sind Entscheidungen jedenfalls nur dann, wenn sie wirtschaftlich, sozial und ökologisch gleichermaßen vertretbar sind. Für diesen Ausgleich stehen wir. Nur solche Ansätze bringen uns bei der Nachhaltigkeit auch tatsächlich weiter. Dafür möchte ich heute ausdrücklich werben.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Bärbel Kofler
Foto: Photothek Media Lab/ Thomas Köhler
Bärbel KoflerSPD· Parl. Staatssekretärin BMZ· MdB
5 Vermerkeca. 803 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich sehr, bei dieser wichtigen Debatte internationale Aspekte, Aspekte der Entwicklungszusammenarbeit einbringen zu können. Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze hat hier im Deutschen Bundestag vor einigen Wochen über eine ernüchternde Halbzeitbilanz der Agenda 2030 gesprochen. Es ist klar: Wenn wir als internationale Gemeinschaft so weitermachen wie bisher, werden wir keines der 17 Nachhaltigkeitsziele erreichen.

Wir haben uns als Weltgemeinschaft aufgemacht, den Hunger nachhaltig zu bekämpfen, Klimaschutz voranzubringen, faire Arbeitsbedingungen voranzubringen, und das alles in einem Dreiklang von Ökologie, Wirtschaft und Sozialem. Wenn wir diese Aufholjagd, die dringend nötig ist, jetzt angehen wollen, müssen wir sehen, welche Hebel wir nutzen können, um hieran verstärkt zu arbeiten. „Ungleichheit bekämpfen“ ist einer dieser Hebel, „mehr Investitionen tätigen“ ein zweiter und das Thema „Geschlechtergerechtigkeit voranbringen“ ein dritter wesentlicher Hebel, um die 17 Nachhaltigkeitsziele doch noch erreichen zu können.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Lassen Sie mich das an einem Beispiel aus der Landwirtschaft und der Frage der Ernährungssicherheit deutlich machen; denn das ist ein Bereich, in dem die Ungleichheit riesig und der Investitionsbedarf für nachhaltige Entwicklung enorm ist und in dem wir konkret als deutsche Entwicklungspolitik fördern und unterstützen. Die Ungleichheit in diesem Bereich ist riesig. Im letzten Jahr hungerten mehr als 730 Millionen Menschen auf diesem Planeten. Das ist fast jeder zehnte Mensch. Frauen und Mädchen machen davon den größten Anteil aus. 60 Prozent der Menschen, die an Hunger leiden, sind Frauen und Mädchen. Grund dafür ist oftmals die strukturelle Benachteiligung von Frauen. Weniger als 20 Prozent der Landbesitzer weltweit sind Frauen, aber 60 Prozent derer, die im ländlichen Raum in Ländern des Globalen Südens arbeiten, sind Frauen. Diese strukturelle Benachteiligung trägt zu einer Verfestigung von Hungersituationen und zu schlechten Produktionsmöglichkeiten bei.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es geht in diesem Bereich aber auch um Investitionen; denn fast ein Drittel der Lebensmittel gehen auf dem Weg zwischen Acker und Teller verloren. Probleme liegen in der Frage der Lagerung, im Transport, aber auch in der Art und Weise, wie diese Nahrungsmittel produziert werden. All das ist beileibe nicht nachhaltig.

Es geht natürlich darum: Was können wir konkret tun, auch im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit, um Nachhaltigkeit, wie wir sie auch in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie festgelegt haben, zu fördern und zu befördern? Es geht darum, die drei Komponenten „wirtschaftliche, ökologische und soziale Nachhaltigkeit“ nach vorne zu bringen.

Ich nenne ein Beispiel dafür, wie wichtig Investitionen im ländlichen Bereich sind. Ich war im letzten Jahr in Sambia und habe gesehen, unter welch schwierigen Bedingungen dort Menschen in ihren Dörfern Produkte anbauen. Wenn wir investieren – und das tun wir mit der Entwicklungszusammenarbeit –, um die Mechanisierung der Landwirtschaft in diesen Regionen voranzubringen, dient das den Menschen, weil sie dann bessere Arbeitsbedingungen haben und es bessere Nahrungsmittel gibt. Es hilft aber auch bei der Nachhaltigkeit und der Menge der produzierten Nahrungsmittel.

Wir tun es auch, wenn wir uns Folgendes genau anschauen: Unter welchen Bedingungen arbeiten Menschen, produzieren Menschen und verkaufen Menschen ihre Produkte? Es geht also in der Entwicklungszusammenarbeit, auch in der Landwirtschaft, um die Frage existenzsichernder Einkommen für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Auch das ist ein wesentlicher Bestandteil, wie wir zu mehr Nachhaltigkeit in der Produktion beitragen können. Ich nenne auch hier ein Beispiel. An der Côte d’Ivoire unterstützen wir kleinbäuerliche Kakaoproduzenten und -produzentinnen darin, ihre Anbaupraktiken zu professionalisieren und so zu besseren Einkommen und besseren Strukturen vor Ort zu kommen.

Und es geht darum, Frauen – ich habe es schon angesprochen – in den Mittelpunkt unserer Bemühungen zu stellen. Ernährungssicherheit in vielen Familien und Gemeinden kann nur verbessert werden, wenn Frauen den gleichen Zugang zu Ressourcen im ländlichen Raum haben wie Männer.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Eine Studie der FAO belegt eindeutig, dass die Erträge gesteigert werden könnten um bis zu 30 Prozent – um bis zu 30 Prozent! –, wenn Ressourcen im ländlichen Raum im gleichen Maße in die Hände von Frauen gelegt würden wie in die von Männern.

All diese Themen unterstützen wir im Rahmen unserer bilateralen Zusammenarbeit. Wir tun es aber auch auf multilateraler Ebene, auf internationaler Ebene. Diese Themen sind ganz oben auf unserer Agenda, zum Beispiel im Bündnis für globale Ernährungssicherheit, das Bundesministerin Schulze während der deutschen G-7-Präsidentschaft gemeinsam mit der Weltbank initiiert hat.

Es geht um die Bündelung von Expertisen und Ressourcen aller in diesem Bereich, um einen Beitrag leisten zu können, Landwirtschaft weltweit nachhaltig aufzustellen und neue Krisen zu verhindern. Wir werden das auch im Rahmen der geplanten Hamburg Sustainability Conference im nächsten Juni tun, die eine Vorbereitung für weitere Treffen in New York sein soll, indem wir die Akteurinnen und Akteure zusammenbringen wollen, um sich für nachhaltige Entwicklung in ihrer Breite einzusetzen und mit neuen Ideen voranzugehen.

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, die deutsche Entwicklungspolitik setzt sich also auf verschiedenen Ebenen – konkret vor Ort bis zu den Vereinten Nationen in New York – für nachhaltige Entwicklung und strukturelle Veränderungen in diesem Bereich ein.

Ich danke Ihnen ganz herzlich für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der AfD
Porträt von Rainer Kraft
Foto: Rainer Kraft/Hagen Schnauss
9 Vermerkeca. 783 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geschätzte Präsidentin! Werte Kollegen! Nachhaltigkeit oder nachhaltige Entwicklung bedeutet, die Bedürfnisse der Gegenwart so zu befriedigen, dass die Möglichkeiten zukünftiger Generationen nicht eingeschränkt werden. Jede Familie, die unter hohen Energiekosten leidet, weiß, wie wenig Ihnen dieses Ziel tatsächlich bedeutet. Jedes mittelständische Unternehmen, das durch Ihre Zumutungen für immer in die Knie gezwungen wird, weiß, dass es keine nächste Generation an Lehrlingen geben wird.

Das durchaus Perfide ist: Ihre Ziele sind überhaupt gar keine schlechten, nur fehlt Ihnen jeder Bezug zur Lebensrealität dieses Volkes. Wie damals im sozialistischen Deutschland arbeiten Sie mit Zahlen und Statistiken, die die Realität eben nicht abbilden. Und wie das Politbüro sprechen Sie nur mit ausgewählten Bürgern und besuchen nur Musterbetriebe und nicht die Ruinen Ihrer Wirtschaftspolitik.

Beifallbei der AfD

Aus gegebenem Anlass aber zu etwas anderem. Das Prinzip 5 der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie verlangt, den sozialen Zusammenhalt in einer offenen Gesellschaft zu wahren und zu verbessern. Der soziale Zusammenhalt in diesem Land sieht in diesen Tagen dergestalt aus, dass sich Tausende Menschen in Deutschland über den hundertfachen Mord an wehrlosen Zivilisten, Männern, Frauen, Kindern und Babys nicht nur klammheimlich, sondern ganz offen freuen. Menschen feiern auf unseren Straßen die Enthauptung von Säuglingen, Massenvergewaltigungen und die Ermordung Unschuldiger.

Diese Menschen haben Sie zu Hunderttausenden in unser Land geschleust – ohne Kontrolle, ohne Feststellung der Identität. In ihren Parallelgesellschaften leben sie offen ihren Antisemitismus und ihren Hass auf unsere Zivilisation aus. All dies ist seit Jahren bekannt, und seit 2017 macht die AfD auf diese Missstände aufmerksam, um dafür von Ihnen beschimpft zu werden.

Gedenkveranstaltungen für die Opfer der Terroristen müssen in Deutschland durch die Polizei vor dem wütenden Mob fanatischer Terrorunterstützer geschützt werden. Muslime gehen Hand in Hand mit Linksextremen, die diese Gesellschaft, diesen Staat und diese Zivilisation ablehnen.

Beifallbei der AfD

Glauben Sie wirklich, dass Menschen, die die Bestien der Hamas feiern, sich für den sozialen Zusammenhalt in einer offenen Gesellschaft interessieren? Oder könnte es vielleicht sein, dass diese Menschen sich auch über unseren Tod, den Tod der Ungläubigen, genauso freuen würden?

Die offene Gesellschaft, sie wurde zerstört durch offene, unkontrollierte Grenzen und kollaborierende Politiker, die aus politischer Bequemlichkeit dem Antisemitismus und der Gegenaufklärung in Deutschland den Weg geebnet haben. Den sozialen Zusammenhalt haben Sie auf dem Altar der woken Diversität geopfert.

Beifallbei der AfD

Kommen wir zu Nachhaltigkeitsziel 16: eine friedliche Gesellschaft mit Zugang zur Justiz sowie funktionierende, rechenschaftspflichtige Institutionen. Einer der Indikatoren erfasst den Anteil der Bevölkerung, der sich in seiner Wohnumgebung nachts alleine nicht sicher fühlt.

Ihnen möchte ich nachts auch nicht begegnen! Ist ja lebensgefährlich!

Setzen Sie sich einfach mal hin!

Zwischen 2012 und 2020 ist der Anteil der Menschen, die sich nachts zu Hause sehr sicher fühlen, um fast 40 Prozent zurückgegangen. Der Anteil der Personen, die sich unsicher oder sogar sehr unsicher zu Hause fühlt, ist im gleichen Zeitraum um 60 Prozent angestiegen. Diese Zahlen sprechen nicht für das Vorhandensein von – Zitat – leistungsfähigen rechtsstaatlichen Institutionen, wie das Ihre Nachhaltigkeitsstrategie fordert. Diese Zahlen zeigen, dass Sie die Kontrolle verlieren.

Beifallbei der AfD

Gleichzeitig ist es an der Zeit, mit einem anderen, weitverbreiteten Märchen aufzuräumen: der flächendeckenden Diskriminierung in Deutschland. Die hier im Rahmen der Indikatoren erfassten Werte – sie sind ohnehin auf einem niedrigen Niveau – sind zwischen 2015 und 2021 noch mal um 39 Prozent zurückgegangen. Sofern Sie also kein AfD-Mitglied sind, haben Sie gute Chancen, in Deutschland nicht diskriminiert zu werden.

Lachenbei Abgeordneten der SPD und der LINKEN

Zuletzt noch ein Blick auf das Hauptziel der Nachhaltigkeitsstrategie: die Bekämpfung der Armut. Der dortige Indikator war bis 2019 immer unterhalb des EU-Mittelwertes. Also, es gab weniger Armut in Deutschland. Aber dann wurde die Erhebungsmethode angepasst und an das EU-Niveau angeglichen. Das Ergebnis der bislang einzigen Auswertung in 2020 ist, dass Armut und starke Armut in Deutschland auf dem Niveau der EU liegen, die Armutsquote sogar leicht darüber. Daraus folgt: Deutschland ist kein reiches Land. Wir liegen bei der Armut im EU-Durchschnitt, zahlen aber weiterhin den Großteil der sozialen Wohltaten für andere Staaten, damit Sie weiterhin Ihre Lebenslüge vom reichen Land träumen können. Und das ist sicher nicht nachhaltig.

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, die sechs Prinzipien der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie nehmen nur zwei Seiten innerhalb des 391 Seiten starken Bandes zur Nachhaltigkeitsstrategie ein. Sie verlieren sich damit in den bürokratischen Erklärungsabläufen, welchen Weg Nachhaltigkeit im Regierungsapparat nimmt und wie viel Umweltpapier Sie gekauft haben, sowie den statistischen Arbeitsnachweisen von Sitzungen des Staatssekretärsausschusses. Ihre sogenannte Strategie lebt davon, dass Sie weiter die Realität ignorieren und sich selbst mit Ihrer Heile-Welt-Rhetorik trösten.

Die Welt verändert sich momentan rasant. Neue Konflikte entstehen, alte eskalieren. Unsere Wirtschaft stagniert. Deutsche Bürger werden im In- und Ausland Opfer von Gewalt. Und Sie produzieren planwirtschaftliche Denkschriften und warme Worte in der „Tagesschau“. – Wissen Sie, was unsere Nachhaltigkeitsstrategie ist? Eine Zukunft für unsere Kinder in Sicherheit und Wohlstand. Ihre Arbeit zeigt jeden Tag aufs Neue, dass dies ausschließlich mit der AfD zu erreichen sein wird.

Beifallbei der AfD
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Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Nachhaltigkeitsdebatte ist eine sehr umfassende Debatte. Allein die Tatsache, dass es 17 Nachhaltigkeitsziele gibt, auch in der deutschen Bundespolitik, über die wir heute an dieser Stelle reden, zeigt, dass es bezogen auf diese Nachhaltigkeitsziele Konflikte gibt, dass es nicht den einen Weg gibt, sie zu erreichen, sondern dass um jeden Weg immer wieder neu gestritten werden muss. Deshalb ist es auch wichtig, dass heute hier eine umfassende Nachhaltigkeitsdebatte stattfindet. Darüber bin ich sehr froh.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Herr Kollege Bilger, es gibt ganz viele Nachhaltigkeitsziele. Da ist die Rede von Industrie, von Innovation, von Infrastruktur. Da ist davon die Rede, dass es keinen Hunger mehr geben soll, dass es bezahlbare und saubere Energie geben soll. Da Sie diese Debatte, die eigentlich über Legislaturperioden hinaus wirken soll, doch politisch geführt haben, will ich sagen: Man muss mit Blick auf die Energieversorgung nicht nur überlegen, aus was man aussteigt, sondern auch, wo man wieder einsteigt. Und das wurde in der Vergangenheit sträflich vernachlässigt.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vielleicht sollten wir daraus lernen – auch Bildung ist ein Nachhaltigkeitsziel –, dass in Zukunft erst in neue Technologien eingestiegen wird, bevor man aus alten aussteigt. Das wäre ganz zentral.

Beifallbei der FDP

Obwohl wir in einer Krise sind, hält diese Bundesregierung die Schuldenbremse ein. Auch das ist ganz zentral für die Nachhaltigkeit und für die zukünftigen Generationen in unserem Land.

Beifallbei der FDP

Meine Damen und Herren, wir sind in einer Krise. Unsere Wirtschaft wächst nicht mehr. Aber um Wohlstand zu erhalten, um die Zukunft unseres Landes für die nächsten Generationen zu ebnen, muss die Wirtschaft wieder wachsen. Deshalb ist es wichtig, dass sich diese Bundesregierung auf den Weg macht und morgen um 9 Uhr hier an dieser Stelle das Wachstumschancengesetz diskutiert wird. Ein erster wichtiger Schritt, um die Wirtschaft wieder zum Wachsen zu bringen.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Isabel Cademartori Dujisin [SPD]

Die Infrastruktur in unserem Land ist die Voraussetzung für gemeinsames Leben und dafür, dass die Wirtschaft einen starken Standort hat, dass Menschen in Arbeit sind und dass auch alle sozialen Faktoren berücksichtigt werden können. Ein modernes Land braucht eine moderne Infrastruktur, und die wurde in den vergangenen Jahrzehnten sträflich vernachlässigt. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns jetzt mit viel Geld und großer Kraftanstrengung auf den Weg machen, die Infrastruktur zu modernisieren, sie zu erneuern und die Planungen und Genehmigungen zu beschleunigen. Das ist ein wichtiger Schritt, den diese Bundesregierung angeht. Da danke ich allen, die unter hartem Ringen daran beteiligt sind.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Was mir als Landwirtin ein besonderes Anliegen ist, ist, dass es keinen Hunger auf der Welt mehr geben darf. Agrarpolitik ist europäische Politik. Europa hat 30 Jahre lang die Chancen, die in neuen Verfahren liegen, die in gentechnischen Verfahren liegen, sträflich vernachlässigt und sie nicht genutzt. Sie wurden auf anderen Teilen der Welt weiterentwickelt, genutzt und haben dafür gesorgt, dass auch Wohlstand in Regionen entstanden ist, in denen man es nicht für möglich gehalten hätte.

Wir haben jetzt eine neue Chance; denn es gibt mit der Genschere CRISPR/Cas eine neue Chance, Züchtungen im Pflanzenbau zu modernisieren, neue zu entwickeln, dies maßgeblich zu beschleunigen und auch schneller an die Veränderungen durch den Klimawandel anzupassen. Es wäre fahrlässig, wenn wir diese Chancen nicht nutzen würden.

Deshalb gilt es jetzt, auf allen Ebenen – da schließe ich alle mit ein – neu zu diskutieren, neu zu streiten und am Ende die Chancen zu nutzen. Wir sollten nicht immer nur darüber diskutieren, was alles nicht geht, sondern auch darüber, was geht. Das ist zentral.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Meine Damen und Herren, Carl von Carlowitz, der das Nachhaltigkeitsprinzip erfunden hat, wurde hier schon erwähnt. Er hat damals für den Bereich der Forstwirtschaft ganz einfach gesagt, dass für jeden Baum, den er entnimmt, auch wieder ein neuer gepflanzt werden muss. Er hat sogar eins draufgesattelt. Er hat gesagt: Für jeden Baum, den er entnimmt, pflanzt er zwei neue. – Das ist ein Leitprinzip. Ich glaube, wenn man sich im Wald aufhält, dann kann man sich vor Augen führen, wie wichtig dies ist. Wir dürfen diese Ursprünge nicht aus den Augen verlieren, müssen in Zukunft aber auch die Chancen durch Innovationen stärker nutzen. Das ist mein Plädoyer heute Morgen zur Nachhaltigkeitsdebatte.

Vielen Dank für die fünf Sekunden, Frau Präsidentin.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Tessa Ganserer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
13 Vermerkeca. 974 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die 2015 verabschiedeten Nachhaltigkeitsziele sind ein positives Beispiel dafür, was weltweite Kooperation leisten kann.

Die Nachhaltigkeitsziele sind ein wahrer Lichtblick in der Menschheitsgeschichte: Armut beenden, kein Hunger, gesundes Leben für alle Menschen, hochwertige Bildung gewährleisten, Geschlechtergleichstellung, Verfügbarkeit von Wasser und nachhaltiger Energie für alle, menschenwürdige Arbeit, Ungleichheit verringern, Maßnahmen gegen den Klimawandel und seine Auswirkungen, friedliche und inklusive Gesellschaften fördern.

Die globalen Entwicklungsziele überzeugen auch deshalb, weil sie keine eindimensionalen Antworten geben. Die Agenda 2030 erkennt an, dass ein Ziel nicht ohne das andere zu erreichen ist. Ohne friedliche Entwicklung keine effektive Bekämpfung des Hungers.

Beifallbei der LINKEN

Ohne Bekämpfung der Armut wird es schwer, hochwertige Bildung zu gewährleisten. Würden sich alle 193 Mitgliedstaaten tatsächlich an diese Vorgaben halten, wäre es um den Zustand in der Welt und auch in Deutschland besser bestellt.

Beifallbei der LINKEN

Die Welt befindet sich seit einigen Jahren im Dauerkrisenmodus. Verschiedene Krisen wie Gerechtigkeitskrise, Klimakatastrophe, wirtschaftliche Stagnation und hegemoniale Krisen mit erhöhter Kriegsgefahr treten gleichzeitig auf, verschränken und verstärken sich gegenseitig. Verschiedene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnen mittlerweile vor der Gefahr einer globalen Polykrise, bei der die lebenswichtigen natürlichen und sozialen Systeme der Erde durcheinandergeraten und sich die Aussichten der Menschheit irreversibel verschlechtern.

Es ist offensichtlich: Eine auf Profit und grenzenlosem Wachstum aufgebaute Weltwirtschaftsordnung, die die vorhandenen Ressourcen plündert, in vielen Teilen der Welt keine Rücksicht auf das Klima und die Gesundheit der Menschen nimmt und die Aneignung des erarbeiteten Reichtums in wenigen Händen konzentriert, kann die Krisen unserer Zeit nicht lösen.

Beifallbei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Der traurigste und tragischste Ausdruck davon ist, dass der Hunger in der Welt nicht besiegt wird. 735 Millionen Menschen auf der Welt hungern. Eine Weltwirtschaftsordnung, die es trotz ausreichend vorhandener Nahrungsmittel nicht einmal schafft, dass kein Mensch hungern muss oder ständig unterernährt ist, hat kein moralisches Recht, fortzubestehen.

Beifallbei der LINKEN

Sehr geehrte Damen und Herren, leider ist auch der jüngste Weltnachhaltigkeitsbericht ein Ausweis des Scheiterns. Beseitigung extremer Armut: wenig oder gar keine Fortschritte. Ernährungssicherheit: verschlechtert. Zugang zur Schulbildung: Rückschritt. Klimaschutz, biologische Vielfalt: negative Entwicklung. Geschlechtergerechtigkeit: keine Bewegung.

Sieht es zumindest in Deutschland besser aus? Leider nein. Der letzte Indikatorenbericht zur Nachhaltigkeitsstrategie für Deutschland spricht ebenfalls eine erschreckende Sprache. Rund ein Achtel der Indikatoren stagnieren bzw. verschlechtern sich bei der Zielerreichung. Rund 40 Prozent der Indikatoren entwickeln sich so schwach, dass eine Zielerreichung nicht zu erwarten ist. Die Krisen auf globaler Ebene taugen dafür aber nicht als Ausrede. Krisen bieten auch Chancen, ungeeignete Politik zu beenden und neue Entwicklungspfade aufzumachen.

Wer die Preisgestaltung von Energie dem Markt und wenigen großen Konzernen überlässt, muss sich über den rasanten Preisanstieg bei Energie, über hohe Inflation und zunehmende Armut nicht wundern. Wer lieber 100 Milliarden Euro in Militär investiert statt in Mobilitätswende, Energiewende und sozial-ökologische Transformation, darf sich über das Verfehlen der Klimaziele nicht wundern.

Wer zu wenig Geld in Bildung und Erziehung investiert, nicht rechtzeitig und nicht genügend Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erzieher ausbildet, verantwortet den Bildungsnotstand und das Rekordhoch von 2,64 Millionen junger Menschen zwischen 20 und 35 ohne Berufsausbildung. Das ist komplettes Bildungsversagen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der LINKEN

Ich bin überzeugt: Ohne eine grundsätzliche Änderung unserer Wirtschafts- und Lebensweise werden wir auch in den nächsten Jahren die Nachhaltigkeitsziele nicht erreichen. Wir brauchen eine Wirtschaftsweise, bei der nur so viele Ressourcen verbraucht werden, wie nachwachsen, bei der die Emissionsziele erreicht werden und die vor allem nicht an Profit und Wachstum orientiert ist, sondern am guten Leben für alle.

Beifallbei der LINKEN sowie des Abg. Johannes Wagner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Dazu gehören vor allem gute Löhne, gute Arbeitsbedingungen und sinnvolle Arbeit.

So wie im Sozialismus, ne?

Es müsste bei der Debatte um Nachhaltigkeit klar sein, dass die Steigerung des Bruttoinlandsproduktes nicht gleichbedeutend mit Wohlstand für alle ist. Verkehrsunfälle erhöhen das Bruttoinlandsprodukt, wohl aber kaum die Lebensqualität. Neue Autobahnen führen zu Wirtschaftswachstum, aber nachweislich zu keinem Zeitgewinn bei der Mobilität, zerstören die Natur und verursachen den Ausstoß von noch mehr Emissionen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir brauchen keine Steigerung des Konsums von schnell verschleißenden und ressourcenfressenden Waren; stattdessen müssen wir langlebige, reparaturfreundliche Güter produzieren. Das schont Energiereserven und Ressourcen und schafft qualifizierte Arbeit für die Reparatur von Handys, Elektrogeräten, Kleidung, Möbeln und vielem anderen mehr.

Beifallbei der LINKEN

Wir können und müssen Wohlstand anders definieren. Gutes Leben hängt nicht an den Versprechungen der Werbung, sondern am Zugang aller zu guter Erziehung und Bildung, zu wohnortnaher Gesundheitsversorgung und bezahlbarem Wohnraum. Gutes Leben braucht eine gute öffentliche Infrastruktur, Kultur und Sport, eine Garantie für nachhaltige Mobilität, ohne ein Auto besitzen zu müssen, das Recht auf saubere Luft, eine gesunde Umwelt, Energieversorgung, sauberes Wasser, die Gestaltung und Ausdehnung des öffentlichen Raumes und geschützte Räume für Kinder und Jugendliche sowie einen pfleglichen Umgang mit alten und kranken Menschen. „Gutes Leben“ heißt: gleichberechtigte Beteiligung und gleichberechtigte demokratische Aneignung der Gesellschaft.

Beifallbei der LINKEN sowie des Abg. Johannes Wagner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Einige der Nachhaltigkeitsziele enden in der Überschrift mit zwei Wörtern: für alle. Es geht um ein gutes Leben, um vielfältige Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten in einer intakten Umwelt für alle Menschen, nicht nur für die oberen 10 oder 30 Prozent, nicht nur für die sogenannten Inländer, auch für Migrantinnen und Migranten und Geflüchtete, nicht nur für die Menschen in den reichen Ländern, sondern auch für die Menschen im Globalen Süden, nicht nur für die jetzigen, sondern auch für künftige Generationen. „Alle“ heißt „alle“, und das ist das Gegenteil von sozialdarwinistischem oder rassistischem Ausschluss großer Teile der Menschheit.

Beifallbei der LINKEN sowie der Abg. Isabel Cademartori Dujisin [SPD]

Die politisch Gewählten haben die Aufgabe, dafür die gesellschaftlichen Bedingungen zu schaffen. Diese Bundesregierung schafft das nicht. Statt die unerträgliche Kinderarmut zu beseitigen, wird eine nur unzureichende Kindergrundsicherung auf den Weg gebracht. Statt armuts- und altersarmutsfeste Löhne zu sichern, wird der Mindestlohn real, in Kaufkraft gemessen, abgesenkt. Statt für eine nachhaltige Verkehrswende einzutreten, werden in Beschleunigungsverfahren neue Autobahnen und Bundesstraßen gebaut. Statt geeignete Maßnahmen auf den Weg zu bringen, um die verfehlten Klimaziele im Verkehr und bei Gebäuden zu korrigieren, wird das Klimaschutzgesetz verschlechtert.

So geht das nicht, meine Damen und Herren. Das müssen wir dringend ändern und ein anderes Tempo bei der Nachhaltigkeit vorlegen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der LINKEN
6 Vermerkeca. 365 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit der Agenda 2030 hat die Weltgemeinschaft ein Versprechen abgegeben, mit einer nachhaltigen Entwicklung allen Menschen auf diesem Planeten ein gutes Leben in Würde zu ermöglichen. Um dieses Versprechen auch gegenüber unseren Kindern und Enkelkindern einzulösen, müssen wir bei allem, was wir tun, auch die globalen Grenzen im Blick behalten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Aber genau hier schlägt die internationale Forschergemeinschaft Alarm. In sechs von neun Bereichen haben wir die planetaren Grenzen bereits überschritten, zum Beispiel in den Bereichen „Entwaldung“, „Stickstoffkreisläufe“, „Verbrauch von Süßwasser“, „Erhalt der biologischen Vielfalt“, „Eintrag von Schadstoffen“. Man kann sagen: Unser Planet ist in seinem Immunsystem massiv geschwächt, und wir wissen nicht, wann er als Nächstes auf die Intensivstation verlegt werden muss.

Entsprechend nüchtern fällt auch die Halbzeitbilanz der Agenda 2030 aus. Unsere Umweltministerin Steffi Lemke ist bereits darauf eingegangen. Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, werden wir bis zum Jahr 2030 die Anzahl der Menschen, die auf dieser Welt Hunger leiden müssen, nicht reduzieren können, und um Geschlechtergerechtigkeit global zu erreichen, werden wir noch über 300 Jahre brauchen. Damit können wir uns nicht zufriedengeben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Nils Gründer [FDP]

Und der Ehrlichkeit halber muss man sagen, dass auch die Bilanz in Deutschland relativ ernüchternd ausfällt: 33 von 75 Indikatoren sind gerade nicht im Zielbereich. Auch hier – das muss man ehrlich sagen – haben wir noch etwas zu tun.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber was schließen wir daraus? Ein Weiter-so ist nicht möglich; ein Aufgeben kommt aber auch nicht in Frage.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Denn beim Thema „nachhaltige Entwicklung“ spielen wir in der Champions League der Politik. Ja, wir sind zur Halbzeit im Rückstand; aber deswegen gehen wir erst recht raus aufs Spielfeld, nehmen den Ball an, verstärken unsere Kraftanstrengungen und spielen weiterhin auf Sieg. Das heißt, wir werden nicht nur beim Ausbau der erneuerbaren Energien und im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz konkrete Maßnahmen ergreifen, sondern wir müssen auch die Nachhaltigkeitsstrategie bzw. -architektur weiter stärken, sowohl regierungsseitig als auch im Parlament.

Die Bundesregierung hat den Prozess zur Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie bereits gestartet, und in den nächsten Wochen wird auch der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung dem Parlament Vorschläge präsentieren, wie man die Nachhaltigkeitspolitik und dieses Gremium weiterentwickeln kann. Deswegen freue ich mich auf die weiteren Debatten.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Kerstin Griese
Foto: DBT/ Inga Haar
Kerstin GrieseSPD· Parl. Staatssekretärin BMAS· MdB
6 Vermerkeca. 801 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Bundesregierung hat sich durch die Unterzeichnung der Agenda 2030 im September 2015 verpflichtet, die sogenannten Nachhaltigkeitsziele, die Sustainable Development Goals, durch eine nationale Strategie umzusetzen. Und nach der Agenda 2030 gehören die schwächsten und verwundbarsten Menschen in den Mittelpunkt unserer Politik und sollen durch die Bildung von inklusiven Gesellschaften gefördert werden. Niemand – das ist der Grundsatz – soll zurückgelassen werden: „Leave no one behind“ heißt es da. Ich freue mich, dass sowohl die Agenda 2030 als auch die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie auf dem Grundsatz beruht, dass die ökologische, die ökonomische und die soziale Dimension der Nachhaltigkeit gleichwertig sind.

Die Bundesregierung hat sich immer auch für die soziale Dimension der Nachhaltigkeit starkgemacht. Durch diese Schwerpunktsetzung und unsere Maßnahmen im Rahmen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie stellen wir die Weichen für eine Politik, die die Menschen in unserer Gesellschaft zur Teilhabe befähigt und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Um es ganz konkret zu machen: Vor diesem Hintergrund wollen wir als Bundesregierung die nachhaltigen Angebote der formellen und informellen Bildung in allen Lebensphasen und der Ausbildung, der Fortbildung und der Weiterbildung weiter ausbauen und stärken. Dazu haben wir zum Beispiel hier am 23. Juni dieses Jahres das Aus- und Weiterbildungsgesetz beschlossen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Einführung einer Ausbildungsgarantie ist dabei eine Zusage an alle jungen Menschen, die eine Ausbildung aufnehmen wollen, dass sie individuell die bestmögliche Unterstützung hierzu erhalten. Auch das ist Nachhaltigkeit.

Wir wollen weiterhin auch Unternehmen, die ganz besonders von der Transformation betroffen sind, künftig mit einem an das Kurzarbeitergeld angelehnten Qualifizierungsgeld bei der Weiterbildung ihrer Beschäftigten unterstützen. Auch das ist Nachhaltigkeit.

Auch mit der Einführung des Bürgergeldes, das wir ja hier mit einer großen Mehrheit beschlossen haben, haben wir den Fokus auf Weiterbildung, auf nachhaltige Beschäftigungsaufnahme gelegt. Die haben wir verstärkt. Wir haben damit auch Chancengerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe in unserem Land ausgebaut.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die ökologische Transformation ist ohne Alternative; das ist klar. Wir brauchen wirksamen und schnellen Klimaschutz, auch, um neuen Ungerechtigkeiten vorzubeugen; denn unter den Folgen des Klimawandels leiden bereits heute zuerst und zumeist die schwächsten Gruppen unserer Gesellschaft. Deshalb bringen wir den Umbau hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft und Gesellschaft voran. Gleichzeitig – und ich will betonen: das geht nur zusammen – wollen wir auch all das, was unser Land ausmacht – die Innovationskraft, die wirtschaftliche Stärke, aber auch die Solidarität, die Chancensicherung, die soziale Sicherung, die Demokratie und den Zusammenhalt –, stärken.

Beifallbei der SPD

Es bringt nämlich nichts, wenn wir am Ende zwar ohne Emissionen, aber auch ohne Industrie, ohne gute Arbeitsplätze und ohne gesellschaftlichen Zusammenhalt dastehen. Deshalb sage ich es noch mal: Wir denken das zusammen. An diesem Zusammenhalt, an sozialem Fortschritt arbeiten wir im Strukturwandel.

Es ist Aufgabe des Staates, die ökologische Transformation sozial gerecht zu gestalten; davon bin ich fest überzeugt. Wir brauchen also zum einen natürlich Brücken für die Industrie, wir brauchen aber eben auch Brücken für Menschen in unserem Land, damit niemand zurückgelassen wird, damit alle teilhaben können und damit die ökologische Wende nicht zur Spaltung in der Gesellschaft und zu größerer Ungleichheit führt. Dabei geht es nicht darum, dauerhaft zu subventionieren oder zu alimentieren – man kann auch nicht jede Belastung ausgleichen –; aber wir können auch nicht zulassen, dass einige sich freikaufen können, während andere auf alles verzichten sollen. Stattdessen müssen wir uns fragen: Wie können wir gezielte Unterstützung leisten, besonders um denjenigen, denen die finanziellen Möglichkeiten zur ökologischen Veränderung fehlen, einen Weg in die Klimaneutralität zu ermöglichen?

Denn klar ist auch: Diejenigen mit niedrigen und mittleren Einkommen tragen heute deutlich höhere Belastungen als Bezieherinnen und Bezieher hoher Einkommen. Sie geben nämlich proportional mehr von ihrem Einkommen – viel mehr – für Energie und für energieintensive Güter aus.

Wer hat Gas denn teuer gemacht?

Sie haben weniger Spielraum, auf klimaneutrale Alternativen umzusteigen, sei es in der Mobilität, bei der Heizung, beim Kauf von Lebensmitteln. Gleichzeitig ist ihr ökologischer Fußabdruck kleiner als der von sehr gut Verdienenden oder Vermögenden. Deshalb ist es uns wichtig, dass künftig noch stärker als bisher alle Klimaschutzmaßnahmen von Beginn an sozial gerecht konzipiert werden und dass dies auch systematisch überprüft wird.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Johannes Wagner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung mit dem Klimaschutzprogramm 2023 ein „Sozialmonitoring Klimaschutz“ beschlossen. Das gilt es nun mit Leben zu füllen, damit künftig frühzeitig alle notwendigen Informationen über soziale Auswirkungen von Klimaschutz auf dem Tisch liegen und eben auch in die Politikgestaltung einfließen können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, insgesamt – das will ich noch mal betonen – muss es unser Ziel sein, die Fragen der sozialen Dimension innerhalb der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie deutlich weiter auszubauen und ihnen auch einen hohen Stellenwert zu geben, auch einen höheren als bislang. Denn eine ökologische Transformation kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie eine sozial-ökologische Transformation ist. Das ist die Voraussetzung für Akzeptanz in der gesamten Gesellschaft und damit auch die Voraussetzung für das Gelingen einer fortschrittlichen, einer guten und nachhaltigen Zukunft. Dafür bitte ich Sie um Unterstützung.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der AfD
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Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Mit der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie sind Ziele verbunden, die unser aller Anstrengungen bedürfen. Dabei benötigt die konkrete Umsetzung wirklich großen Durchhaltewillen. Zusammen mit den Nachhaltigkeitszielen der UN können wir noch zu unseren Lebzeiten eine bessere und auch friedlichere Welt schaffen. Ich finde, diese Hoffnung ist jedes Engagement wert.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dabei ersetzt die grundsätzliche Zustimmung – hinter dem Begriff der Nachhaltigkeit kann sich ja jeder vernünftige Mensch versammeln – natürlich keineswegs die Diskussion um das Ringen um die richtigen Wege zur Erfüllung dieser Vorgaben. Naturgemäß verfolgen unterschiedliche politische Akteure unterschiedliche Ansätze, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Als Freund der sozialen Marktwirtschaft befürworte ich den Wettbewerb um die besten Ideen als das zentrale Instrument zur Zielerreichung. Die historischen Erfahrungen zeigen,

Nee, eben nicht! Wo nehmen Sie das her?

dass nur so die besten Lösungen für notwendige Änderungen und Weichenstellungen gefunden werden.

Wichtig ist auch, dass die letztlich gefundenen Kompromisse von einer breiten Basis aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft mitgetragen werden. Für mich als Finanzpolitiker steht dabei natürlich im Fokus: Nachhaltigkeit ist keineswegs nur eine Frage von Klimaschutz und Biodiversität, Nachhaltigkeit ist auch eine große Frage der Finanzpolitik. Ohne gesicherte Finanzierung scheitern auch die besten Absichten.

Zurufdes Abg. Dr. Michael Kaufmann [AfD]

Gerade der langfristige Erfolg ist nur dann zu gewährleisten, wenn weder Verschuldungsgrad noch Zinsverpflichtungen Gestaltungsmöglichkeiten beschneiden. In diesem Sinne ist es erforderlich, dass sich Deutschland seine Handlungsfähigkeit erhält. Überhandnehmende Schulden würden die Axt an diese Fähigkeit legen. Bereits die aktuellen Zinszahlungen hängen unserem Land wie ein Mühlstein um den Hals. Jeder Ruf nach noch mehr Schulden ist daher aus meiner Sicht absolut fehl am Platz.

Beifallbei der FDP

Allein auf der Basis der jüngsten, grundsätzlich begrüßenswerten Zinserhöhungen haben sich von 2021 bis 2024 die Zahlungen für den Schuldendienst im Bundeshaushalt verzehnfacht. Das verdeutlicht eindringlich, wie wichtig und auch nachhaltig Haushaltsdisziplin ist. Präzise Ausgabenplanungen und Wachstumsinvestitionen sind klug miteinander in Einklang zu bringen. Mit seinem klaren Kurs für die Einhaltung der Schuldenbremse sorgt Finanzminister Christian Lindner dafür, dass Deutschland auch in Zukunft handlungsfähig bleibt.

Beifallbei der FDP

So gewährleistet die Schuldenbremse Nachhaltigkeit gegenüber zukünftigen Generationen. Zudem sorgt dieser Kurs dafür, dass mit vorhandenen Ressourcen zurückhaltend umgegangen wird.

Wenn wir eine realistische Chance auf Umsetzung der ambitionierten Ziele haben wollen, dürfen wir diesen Weg der finanziellen Vernunft nicht verlassen. Dabei verstehe ich selbstverständlich, dass sich diese Ziele nicht alleine in bestehende Muster von Kosten-Nutzen-Rechnungen oder gar Gewinnschwellen pressen lassen, aber eben auch. Politik muss Standards, beispielsweise beim Bau, so setzen, dass übermäßige Kosten für vergleichsweise geringen Nutzen vermieden werden.

Auch bei der angestrebten Stärkung einer nachhaltigen Wirtschaft muss es daher darum gehen, Gewinnstreben und Nachhaltigkeitsziele in eine gesunde Balance zu bringen. Ansonsten droht durch die zu einseitige Vorgabe und Verbote eine sehr gefährliche Schieflage.

Das mag für manche abgedroschen klingen, aber nur mit einer gesunden Wirtschaft und deren Steuerzahlungen sind Vorhaben wie die Nachhaltigkeitsstrategie auch umsetzbar. Die Gewährleistung dieser Grundlagen ist erklärtes Ziel von uns Freien Demokraten. Unter anderem mit dem Wachstumschancengesetz und einer vernunftsorientierten Haushaltspolitik setzen wir die richtigen Grundpfeiler.

Ich freue mich, wenn uns eine möglichst breite Mehrheit im Deutschen Bundestag auf diesem Weg unterstützt, und danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
7 Vermerkeca. 683 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Bundesministerin Steffi Lemke hat es bereits gesagt; auch ich will in dieser Debatte nicht einfach so an dem Terror der Hamas vorbei. Das ist das eine, was uns als Demokraten gerade alle miteinander beschäftigt. Gleichzeitig findet nach wie vor der schreckliche Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine statt.

Ein weiteres Thema, das die Menschheit insgesamt beschäftigt, ist das Thema „Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen“. Das könnte einen dazu bringen, dass man verzweifelt und die Hoffnung fahren lässt. Die gute Nachricht ist aber: All diese Krisen, die Kriege und die Klimakrise, sind menschengemacht; also liegt es auch in unserer Hand, etwas dagegen zu tun. Wir müssen es nur alle miteinander anpacken.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

So ein Quatsch!

Unser Handeln macht eben den Unterschied, beispielsweise wenn es um die Zukunft der Landwirtschaft geht. Ich habe mich sehr gefreut, Kollege Felix Schreiner, als Sie vorhin mehr Ehrgeiz eingefordert haben bei der Einhaltung der Nachhaltigkeitsziele. Es ist immer gut, wenn die Opposition auf die Regierung Druck macht, entschiedener vorzugehen.

Nur, das passt dann nicht zu dem, was wir bei anderen Debatten hören, wenn wir über Landwirtschaft reden, hier im Bundestag oder auch im Europaparlament. Dann hören wir von Ihren Kolleginnen und Kollegen der EVP, wir sollen uns jetzt vom Green Deal verabschieden, wir sollen uns von Farm to Fork verabschieden.

Stimmt gar nicht!

Weitere Zurufe von der CDU/CSU

Das sind Ziele, auf die wir uns gemeinsam verständigt haben. Meine Bitte: Lassen Sie uns daran festhalten, nicht nur hier in dieser Debatte, sondern bitte schön auch in den anderen Debatten!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sehr gut!

Es muss uns gemeinsam darum gehen, die Produktionsfaktoren zu schützen und zu schonen, von denen die Menschen in der Landwirtschaft, auch im vor- und nachgelagerten Bereich, und damit auch unsere Ernährung abhängen: Boden, Wasser, Luft, Klima und Artenvielfalt. Wir müssen sie schützen und gleichzeitig nutzen. Wir müssen beides schaffen, und zwar im Interesse der Menschen heute, aber auch im Interesse der künftigen Generationen.

Wohin die Reise geht – um auch da etwas Zuversicht und Optimismus in die Debatte zu bringen –, das konnte ich bei der gestern zu Ende gegangenen Anuga, der größten Messe der Welt in Sachen Lebensmittel, sehen: Es haben sich viele Unternehmen längst auf den Weg gemacht, und zwar nicht – ich will mich gar nicht mit fremden Federn schmücken –, weil es der Minister so angeordnet hat, nein, sondern weil sie sehen: Da sind wichtige Märkte. – Und der Wandel findet längst auf dem Teller statt, gerade weil die Jüngeren wissen, dass mehr Nachhaltigkeit gut ist für die Gesundheit, aber gleichzeitig eben auch für den Planeten – und auch noch gut schmeckt.

Darum ist das Thema „nachhaltig erzeugte Lebensmittel“ auch eine Chance für unsere deutschen Märkte.

Wir sehen auf der einen Seite: Die Zahl der Flexitarier nimmt zu. Sie wollen weniger Fleisch essen, nicht auf Fleisch verzichten und wollen gleichzeitig gutes Fleisch. Der Landwirtschaftsminister sagt natürlich gerne: auch deutsches Fleisch aus unserem Land.

Auf der anderen Seite gibt es einen Markt, nämlich den für die Fleischalternativen; auch das konnte man auf der Anuga sehen. Darum passt es ganz genau zur Politik dieser Bundesregierung, dass wir auf der einen Seite mit dem Tierhaltungskennzeichen ein Angebot für die machen, die sagen: „Wir wollen Fleisch essen“ – übrigens auch, weil wir wissen, dass wir für Kreislaufwirtschaft Tierhaltung brauchen –, und auf der anderen Seite für diejenigen, die sagen: „Wir wollen kein Fleisch essen“, ein Angebot mit der Eiweißpflanzenstrategie machen. Auch da machen wir gute Angebote für unsere Landwirtschaft. Das ist der Weg: Ohne Ideologie; alle mitnehmen in der Gesellschaft!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir tun das auch, indem wir den ökologischen Landbau fördern, weil er besonders ressourcenschonend ist. Wir tun das auch mit der Außer-Haus-Verpflegung, indem wir eben allen Menschen in der Gesellschaft ein Angebot machen, zu wählen, sich gesund zu ernähren, und gleichzeitig ein Angebot machen, das der Nachhaltigkeit hilft. Darin liegt der Weg in die Zukunft: Wirtschaft und Klimaschutz zu verbinden, wenn es darum geht, was wir essen, wie wir Lebensmittel herstellen, ob wir verschwenderisch damit umgehen. All das hat Auswirkungen auf unsere natürlichen Lebensgrundlagen.

Und die gute Nachricht zum Schluss: Mit so etwas Großartigem wie gutem, leckerem Essen können wir den Unterschied machen. Ist das nicht eine tolle Nachricht?

Danke sehr.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Julia Klöckner
Foto: Julia Klöckner/ Tobias Koch
16 Vermerkeca. 619 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ein bisschen reizt es mich schon, lieber Herr Minister Özdemir. Das ist so der Anspruch der Grünen; es klingt alles so schön. Aber Ihre Ergebnisse sind genau das Gegenteil von dem, was Sie erzählen.

Gehen wir doch mal rein! Sie wollen den Menschen vorschreiben, was sie essen sollen; haben Sie ja bei Ihrer Kantine im Ministerium gemacht.

Was ist die Folge? Sie haben keinen Betreiber mehr für die Kantine. Die Leute, denen Sie die Currywurst verbieten wollen, können bei Ihnen nichts mehr essen. Jetzt gehen sie um die Ecke und essen die Currywurst, egal wo sie herkommt, egal was der Landwirt dafür bekommen hat.

Also, Nachhaltigkeit heißt nicht: Hände vor die Augen tun; ich sehe nix, und deshalb ist Nachhaltigkeit da. Und ganz ehrlich: Wenn man deutsches Fleisch will, dann finanzieren Sie das auch,

Das haben Sie doch auch nicht geschafft!

und lassen Sie die Borchert-Kommission nicht austrocknen, die genau vorgelegt hat, wie man das finanzieren kann!

Am Ende ist es ja nicht so, dass kein Fleisch gegessen wird; sondern durch die Kennzeichnung nur für die deutschen Landwirte heißt das, dass sie es schwieriger haben, weil die anderen eben nicht verpflichtet sind, zu kennzeichnen. Das heißt, die Leute greifen dann nach den günstigeren Varianten, und die sind nicht immer nachhaltig. Also: Holistischer denken, nicht nur in den eigenen Grenzen! Das ist nachhaltig.

Beifallbei der CDU/CSU

Deshalb erkennt wirklich nachhaltige Politik die Wechselwirkung zwischen Ökologie, Ökonomie und der sozialen Frage auch an

Zurufder Abg. Linda Heitmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

und fördert im Übrigen die Forschung und die Innovation

Sie waren doch Ministerin!

und verabsolutiert keine Einzelziele – auch nicht das Klimaziel. Das ist ein Beispiel, das vorhin auch die Kollegin der FDP erläutert hat: Wenn wir Nachhaltigkeit wollen, zum Beispiel weniger Pflanzenschutzmittel, weniger Düngemittel einsetzen, oder eine höhere Klimaresilienz und -resistenz, Trockenresistenz – das geht; das kriegt man hin durch Forschung,

Zurufder Abg. Linda Heitmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

das kriegt man hin durch CRISPR/Cas. Und Sie sind genau diejenige der Parteien, die diese neuen Forschungsergebnisse den Leuten aus der Hand schlägt. Sie fordern was, aber fördern nicht, wie wir dort hinkommen. So etwas halte ich wirklich für eine Doppelmoral.

Beifallbei der CDU/CSU

Der Mittelstand in unserem Land – und damit will ich den Fokus auf die Wirtschaft legen – ist für mich ein gelebtes Beispiel für Nachhaltigkeit. Viele mittelständische Betriebe sind schon seit Generationen im Geschäft, und so soll es auch weitere Generationen sein. Sie denken nicht in Quartalen, sie denken in Generationen, bieten gut bezahlte Arbeitsplätze, sichere Arbeitsplätze, sind regional verwurzelt, sind sparsam im Umgang mit Energie und effizient im Umgang mit Ressourcen. Und nachhaltig ist es eben nicht, wenn der Staat, wenn ein Bundeswirtschaftsminister die Technologien vorgibt. Das würgt Innovationen und technische Entwicklungen ab, die im Übrigen der Nachhaltigkeit dienen würden. Sie sind als Grüne der Meinung, es hilft für die Nachhaltigkeit, wenn Sie die Kernkraft abschalten.

Das waren Sie doch! Das haben Sie doch beschlossen!

Ergebnis: Anstieg des CO2-Ausstoßes um 15 Millionen Tonnen. Ich würde sagen: Das wird jetzt nicht so sehr mit der Nachhaltigkeit und dem Klimaschutz einhergehen.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Jürgen Coße [SPD]

Wir haben im Quartal von April bis Juni so viel Strom importiert wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen 1991. Das ist das Ergebnis Ihrer Ideologie: Nachhaltigkeit fordern, aber am Ende das Gegenteil fördern.

Beifallbei der CDU/CSU

Deshalb darf Nachhaltigkeit kein Elitenprojekt sein. Gerade beim Klimaschutz besteht diese Tendenz, wenn wir uns die Themen „Heizungsgesetz“ oder „Fahrverbot“ anschauen. Das ist doch das Problem. Und wir als Union haben gezeigt, dass beides geht: Klimaschutz und Wirtschaft und Wachstum.

Überhaupt nicht!

Wir haben den CO2-Ausstoß seit 1990 um 40 Prozent reduziert,

seit 2002 alle Klimaschutzziele erreicht, und gleichzeitig hat sich das BIP, das Wirtschaftswachstum verdoppelt, bei minus 40 Prozent CO2-Ausstoß. Wir haben einen Marktpreis für CO2 eingeführt,

Das stimmt!

und wir haben den Anteil der Erneuerbaren am Bruttostromverbrauch von 10 Prozent auf 45 Prozent erhöht. Das heißt, wir machen es, und wir zeigen, dass beides zusammen geht: Klimaschutz und Wirtschaft.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir sind die Partei der Nachhaltigkeit!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
4 Vermerkeca. 497 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Weltschmerz, damit begannen in den letzten Monaten viele meiner Wochen: Erdbeben in Afghanistan, der andauernde Krieg in der Ukraine und jetzt der Terror der Hamas in Israel. Nachhaltigkeit verhindert heute nichts davon, aber sie beugt für morgen vor.

Was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich? Was bedeutet sie für Sie, was bedeutet sie für mich? Für mich bedeutet Nachhaltigkeit zum Beispiel: Ich kann nachhaltig einkaufen, indem ich im Supermarkt zu unverpackten Artikeln greife. Ich kann nachhaltig wirtschaften, aus meinem Geld am meisten rausholen. Auch Beziehungen können nachhaltig sein: von der zu meinem Kumpel aus der Schulzeit bis hin zur nachhaltigen Partnerschaft zwischen zwei Staaten. Zusammengefasst: Nachhaltigkeit betrifft alles. Es ist etwas, das weder Grüne noch sonstige Weltverbesserer für sich gepachtet haben. Es ist etwas, das uns alle betrifft, alle, die wir hier sitzen.

Aus der riesigen Bandbreite möchte ich heute ein Nachhaltigkeitsziel herausstellen, welches mir in der gesamtdeutschen Nachhaltigkeitsdebatte zu kurz kommt. Das ist Ziel 16: Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen in der ganzen Welt. Warum kommt es mir zu kurz? Sind wir doch mal ehrlich: Es kommt zu kurz, weil Nachhaltigkeit und Sicherheit in den meisten unserer Köpfe zu selten zusammengedacht werden und weil sich die Aggressoren und Terroristen immer mehr Spielräume nehmen.

August 2021: Taliban. Februar 2022: Putin. Oktober 2023: Hamas. Im Nachhinein ist man immer schlauer. Nachhaltiges Denken hätte aber in vielen dieser Krisen einen Beitrag leisten können. Unsere Abhängigkeit von russischem Gas war nicht nachhaltig. Unser Ansatz zum Nation-Building in Afghanistan war nicht nachhaltig. Hier müssen wir aus unseren eigenen Fehlern lernen und nicht nur in die Welt, sondern vor allem auch zu uns nach Hause schauen. Auch unsere Institutionen müssen nachhaltig sein, damit wir als Staat in Zukunft handlungsfähig sind.

Beifallbei der FDP

Ich bin in meinen Zwanzigern. Es ist nur fair und gerecht meiner und den kommenden Generationen gegenüber, dass wir in einem intakten System aufwachsen und in eine intakte Gesellschaft zurückkehren. Es ist auch eine Frage des Respekts. Es ist eine Frage des Respekts vor unseren Bedürfnissen, es ist eine Frage des Respekts vor unseren Rechten. Aber vor allem ist es eine Frage des Respekts vor unseren Möglichkeiten. Die „Nach mir die Sintflut“-Mentalität, die wir auch hier in der Debatte ja schon zur Genüge gehört haben, hat uns noch nie weitergebracht, und sie wird uns auch in Zukunft nie weiterbringen.

Das große Problem an der Nachhaltigkeit ist, dass sie keine Sofortlösung ist. Nachhaltigkeit ist immer ein Marathon, den man langfristig und in Etappen denken muss. Losgelöst von jeder Wahl muss es uns, die wir alle hier sitzen, doch interessieren, dass wir Probleme langfristig lösen, dass wir Probleme nicht nur über Legislaturperioden definieren, sondern dass wir über den Wahltag hinausdenken.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Johannes Wagner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Es fängt bei mir zu Hause in der Oberpfalz an und geht hoch bis in die großen internationalen Organisationen: Nachhaltigkeit ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Deswegen auch der Appell an alle Fraktionen der Mitte hier im Haus: Lassen Sie uns zusammen Sicherheit und Nachhaltigkeit denken und zusammenarbeiten!

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Lisa Badum
Foto: Lisa Badum / René Ruprecht
5 Vermerkeca. 397 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte mich den nachdenklichen Worten des Kollegen Gründer anschließen. Diese Debatte zur Nachhaltigkeit wurde, wenn ich mich richtig erinnere, auch von Frau Kollegin Weisgerber in der letzten Legislaturperiode mit angeregt, um genau darüber zu sprechen: Wie können wir parteiübergreifend Zukunft sichern? Deswegen ist es ja eine wiederkehrende Debatte, die nicht mit der Legislaturperiode endet.

Ich habe mich zurückerinnert an den März 2019, als hier im Bundestag debattiert wurde, während draußen 3 Millionen Menschen für mehr Klimaschutz demonstriert haben.

3 Millionen?

Sie meinte 30!

Ich habe mich an unsere Debatte von damals erinnert, in der wir gesagt haben: Ja, wir haben hier im Bundestag die Verantwortung für junge Menschen, für deren Zukunft. Es geht darum, dass wir ihnen nicht nur erzählen, was Sache ist, oder sie von oben herab loben, sondern dass wir auch wirklich gemeinsam lernen, wie wir diese Zukunftsaufgaben lösen. Sie haben uns zugerufen: Es soll weniger um Machtpolitik gehen, es soll weniger um Parteipolitik gehen. Es soll darum gehen, wie wir die Mittel, die wir haben, für die Lösung der Krisen des 21. Jahrhunderts einsetzen.

Ich konstatiere, wo wir jetzt stehen: Wir haben sehr viel erreicht – auch die vorhergehende Regierung hat manches erreicht, auch wenn sie leider viel verhindert hat –: Das Beschleunigungspaket für Erneuerbare und auch die Wärmewende haben wir angeschoben. Aber die Debatte, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist in den letzten Wochen und Monaten leider sehr stark vergiftet worden. Frau Klöckner, Sie haben das Heizgesetz angesprochen. Es gab Fake News, es wurde Angst verbreitet, es wurde der Bevölkerung gesagt: Wir schaffen es nicht,

Nein, das haben Sie falsch verstanden!

Immer noch keine Selbstkritik!

wir können es nicht finanzieren. – Es wurde ein Kulturkampf daraus gemacht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Warum habt ihr es dann geändert, wenn das Fake News waren?

Das ist es, liebe Kolleginnen und Kollegen, was die Akzeptanz für Klimaschutz, für Nachhaltigkeit in der Bevölkerung pulverisiert und was am Ende des Tages allen demokratischen Parteien, die sich unserer Verfassung verpflichtet fühlen, zum Schaden gereicht. Das Bundesverfassungsgericht hat uns gesagt: Die Freiheit des Einzelnen muss gewahrt werden, auch in der Zukunft. Die dürft ihr nicht beschneiden.

Von daher wäre mein Appell: Kehren wir wieder zurück zu dieser gemeinsamen Grundlage! Auf dieser gemeinsamen Grundlage können wir dann sagen: Ja, es wird sich in eurem Leben etwas verändern. Klimaschutz wird nicht gehen, ohne dass es sichtbar wird. Aber am Ende des Tages geht es darum, dass wir besser dastehen, dass wir eine gemeinsame Zukunft haben. – Diesen Geist würde ich gerne hier in die Debatte bringen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Wolfgang Stefinger
Foto: Prof. Dr. Wolfgang Stefinger/ Nils Schwarz
4 Vermerkeca. 521 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir heute über Nachhaltigkeit diskutieren und debattieren, was ich sehr richtig finde, dann müssen wir uns die Nachhaltigkeitsziele anschauen. Da kommen wir – Frau Staatssekretärin Kofler hat es schon gesagt – an der Entwicklungspolitik und der Entwicklungszusammenarbeit nicht vorbei. Leider gibt es hier im Hause auch Stimmen – das haben wir gerade wieder gehört –, die die Entwicklungspolitik durchaus als unwichtig oder als Verbrennen von Steuergeld ansehen.

Ich möchte schon betonen, dass jeder von uns, die wir hier sitzen, auch Sie auf den Tribünen und an den Fernsehbildschirmen, jeden Tag mit Entwicklungsländern zu tun hat.

Das beginnt schon am Morgen, wenn wir uns anziehen. Unsere Kleidung ist aus Baumwolle. Die kommt nicht aus Mecklenburg-Vorpommern und auch nicht aus Bayern, sondern sie kommt aus Entwicklungsländern. Die Kleidung wird heute überwiegend in Entwicklungsländern in Asien produziert, oft unter prekären Bedingungen. Für wenige Cents müssen Näherinnen und Näher dort arbeiten und unsere Kleidung produzieren. Ist das nachhaltig?

Vielleicht haben Sie heute Morgen, so wie ich, eine Tasse Kaffee getrunken. Der Kaffee kommt nicht aus Hamburg und auch nicht aus München, auch wenn das vielleicht auf der Packung steht, sondern die Bohnen kommen aus Äthiopien, aus Kenia, aus Bolivien, aus Kolumbien, aus Entwicklungsländern.

Aus Vietnam!

Wir haben also auch hier mit Entwicklungsländern zu tun, jeder von uns jeden Tag.

Vielleicht haben Sie, so wie ich, bei der Tasse Kaffee die Nachrichtenlage auf Ihrem Smartphone oder Ihrem Tablet gecheckt. Die Bestandteile dieser Geräte kommen auch nicht aus Europa, sondern die Seltenen Erden wie Kobalt und all die Bestandteile kommen aus Entwicklungsländern. Das heißt, wir haben in unserem Leben und auch in unserem Wohlstand, den wir sichern wollen, tagtäglich mit Entwicklungsländern zu tun. Deswegen ist es ganz wichtig, dass wir auch diesen Aspekt mit betrachten.

Leider ist die Umweltministerin nicht mehr anwesend; wir müssen uns hier ein Stück weit ehrlich machen und auch den Zielkonflikt zwischen Klimapolitik und Umweltschutz ansehen. Noch nie wurde die Erdkruste so zerstört wie aktuell, um die Seltenen Erden zu gewinnen, um unsere Photovoltaikanlagen zu produzieren, um die E-Mobilität voranzubringen, um Batterien zu produzieren. Noch nie wurde die Erdkruste so zerstört, und diesen Konflikt muss man auch ansprechen dürfen und entsprechend diskutieren.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte noch einen weiteren Punkt ansprechen. Der Wirtschaftsminister ist jetzt leider nicht mehr anwesend. Frau Staatssekretärin, vielleicht richten Sie es ihm aus. 90 Prozent des weltweiten Warenhandels erfolgt über Schiffe. Wäre die Schifffahrt als eigener Staat gelistet, wäre die Schifffahrt auf Platz 6 des weltweiten CO2-Ausstoßes. Das sind die großen Hebel, bei denen Sie und auch ein Wirtschaftsminister ansetzen müssen, bei denen er vorangehen muss und nicht bei der Heizung, nicht beim Diesel und bei sonstigen Themen. Das sind die großen Hebel, bei denen wir weltweit vorankommen können bei Nachhaltigkeit und Klimaschutz, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Deshalb appelliere ich an Sie: Hören Sie auf mit dem Klein-Klein, machen Sie die globale Nachhaltigkeitspolitik zu Ihrer Agenda, und hören Sie auf, den Leuten die Lust auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu nehmen. Damit hätten Sie viel mehr erreicht als mit Ihrem Klein-Klein, das Sie hier in der Politik vollführen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Jakob Blankenburg
Foto: Jakob Blankenburg / Johann Floeter
6 Vermerkeca. 724 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bevor ich zu meiner Rede komme, Herr Dr. Stefinger: Wir haben es gerade gehört: Wir müssen global denken, aber lokal handeln – Treibhausgase bei uns als Klein-Klein zu bezeichnen, finde ich angesichts der Größe der Herausforderung, die vor uns liegt, doch ein bisschen zu kurz gedacht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

„Wir sind derzeit nicht auf dem richtigen Weg.“ Mit diesen Worten hat Bundeskanzler Olaf Scholz die Lage auf dem SDG-Gipfel der Vereinten Nationen Mitte September in New York zusammengefasst – ein erschreckendes Fazit mit Blick auf die Erreichung der international vereinbarten Ziele für nachhaltige Entwicklung.

Die Halbzeitbilanz der Agenda 2030, in der diese Ziele festgelegt sind, ist ernüchternd: hier bei uns in Deutschland, aber auch weltweit. Wir sind längst nicht da, wo wir zum Erreichen der Ziele der Agenda 2030 längst sein müssten. Globale Krisen wie die Coronapandemie, Klimaextreme wie Fluten und Dürren sowie kriegerische Auseinandersetzungen haben uns bei der Erreichung der SDGs zurückgeworfen. Aber das darf keine Entschuldigung sein. Vielmehr gilt es, sie zum Anlass zu nehmen für mehr Tempo, mehr Entschlossenheit bei uns in Deutschland und auch weltweit.

Die Vereinten Nationen haben ihre Mitgliedstaaten deshalb dazu aufgefordert, konkrete Beiträge zu einem „Rettungsplan für die Menschheit und den Planeten“ zu leisten. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das klingt dramatisch, aber die Lage ist es auch. Die Herausforderungen sind vielfältig.

Ich bin Umweltpolitiker, und als Umweltpolitiker möchte ich hier die Artenkrise exemplarisch herausgreifen, die auf verschiedene SDGs Einfluss hat. Der Mensch hat im Laufe der Geschichte die Landoberfläche und die Ozeangebiete massiv verändert. Das hat zu einem großen Verlust an Biodiversität geführt. Inzwischen sind 80 Prozent der natürlich vorkommenden Säugetiere und 50 Prozent der Pflanzen verloren und mehr Arten vom Aussterben bedroht als je zuvor. Neben dem Klimawandel sind hier vor allem die intensive Nutzung und Zerstörung natürlicher Ökosysteme durch Industrie, Landwirtschaft und Fischerei als Auslöser zu benennen. Und genau hier setzt der Beschluss der Weltnaturkonferenz in Montreal aus dem Dezember des letzten Jahres an. Ziel ist es, mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen bis 2030 unter effektiven Schutz zu stellen und so den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen oder diesen Trend sogar umzukehren. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich finde, dieser Beschluss macht Mut und zeigt, dass die Weltgemeinschaft handlungsfähig ist.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Davon ist auch die Bundesregierung überzeugt. Wir haben es in den verschiedenen Reden der Staatssekretärinnen, der Ministerin und des Ministers gehört: Deutschland ist dem Aufruf der Vereinten Nationen nach Mitarbeit an dem angesprochenen „Rettungsplan für die Menschheit und den Planeten“ gefolgt.

Beim SDG-Gipfel in New York hat die Bundesregierung zwölf Schlüsselbeiträge vorgestellt, die bei der Erreichung der globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung helfen sollen. Diese Beiträge reichen von der Stärkung der Ernährungssicherheit, der Verbesserung der Gesundheitssysteme und der Pandemieprävention bis hin zu Maßnahmen zur Gestaltung einer sozial gerechten Energiewende und der Reform der Entwicklungsfinanzierung. Genau diese Spannbreite unterstreicht die Vielschichtigkeit des Komplexes Nachhaltigkeit. Es geht längst nicht nur um den Bereich „Umwelt und Klimaschutz“.

Um zu Fortschritten in den verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigkeit zu kommen, braucht es den Willen der Weltgemeinschaft, aber es braucht auch das Zusammenspiel einer Vielzahl von Akteuren: auf der internationalen Bühne, aber auch hier in Deutschland. Ein zentraler Akteur für die Zusammenarbeit ist der Rat für Nachhaltige Entwicklung. Seine Jahrestagung am Dienstag, die auch Anlass für die heutige Debatte ist, hat der Rat unter die Überschrift gestellt „Blockaden überwinden: neue Wege in der Nachhaltigkeitspolitik!“ Das passt gut in die Zeit, wie ich finde, in der die Transformation unserer Energieversorgung und unserer Wirtschaft hin zur Emissionsfreiheit tatsächlich Realität wird. Diese Transformation – das merken wir Abgeordnete jeden Tag in den Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern an den Infoständen, an Stammtischen, an Haustüren – führt aber auch zu Sorgen und zur Abwehrhaltung. Hier sind wir als Politikerinnen und Politiker gefordert. Auch wir müssen besser werden im Erklären, müssen die Menschen mitnehmen auf unserem Pfad der Veränderung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Aus meiner Sicht ist dabei zentral, zu erklären, dass nachhaltiges Leben und Wirtschaften im Interesse jedes und jeder Einzelnen ist. Es geht um nichts Geringeres als den Erhalt unserer Lebensgrundlagen und den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Eine Wirtschafts- und Lebensweise, die auf der Ausbeutung von Menschen und Natur beruht, kann auf Dauer nicht gut gehen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich komme zum Schluss, Frau Präsidentin. Lassen Sie uns deshalb gemeinsam die nachhaltige Transformation vorantreiben: hier bei uns in Deutschland, aber auch weltweit.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
9 Vermerkeca. 470 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bestehendes verbessern, neue Techniken erforschen – das eröffnet nicht nur Unternehmen, sondern auch Verbrauchern und Verbraucherinnen neue Möglichkeiten. In einem ressourcenarmen Land wie Deutschland ist ein ständiger Fortschritt einfach notwendig, um uns im weltweiten Wettbewerb an der Spitze zu halten.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Daniel Rinkert [SPD] und Johannes Wagner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Kehrseite der begrüßenswerten Technologiesprünge der letzten Jahrzehnte sind schnellere Entwicklungszyklen bei den Herstellern und kürzere Lebenszeiten bei den Produkten. Diese Jagd nach technischer Weiterentwicklung bedeutet für Verbraucher ein großes Problem: Wer sich nicht ständig neue Technik kaufen will oder kann, dessen Geräte werden obsolet. Das ist mindestens ärgerlich. Das ist mit Blick auf einen unnötig hohen Ressourceneinsatz und angesichts weltweit strapazierter Lieferketten einfach wirtschaftlich unvernünftig,

In Zeiten einer zunehmenden Vernetzung von Smartgeräten in Industrie und im eigenen Zuhause ist das auch ein Sicherheitsrisiko. Es kann nicht richtig sein, dass Verbraucher, die sich nur ein günstiges Smartphone leisten können, um die Sicherheit ihrer Daten fürchten müssen, weil Hersteller nach kurzer Zeit keine Updates mehr liefern. Wenn es um die Nutzbarkeit von moderner Technik geht, muss die Software der Hardware folgen und nicht umgekehrt.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Daniel Rinkert [SPD] und Johannes Wagner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Deswegen arbeitet diese Koalition an zwei wichtigen Punkten: Wir werden Hersteller in die Pflicht nehmen, damit sie Updates für die übliche Nutzungszeit eines Geräts bereitstellen, und wir werden ausloten, wie man es Herstellern ohne ein neues Haftungsrisiko erleichtert, ihren älteren Geräten über Open-Source-Lösungen und die Freigabe von Software ein zweites Leben zu schenken. Das vermeidet Elektroschrott.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir sorgen auch dafür, die Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger an den Entwicklungen dieses Landes zu sichern, egal wie tief ihre Taschen sind. So wichtig Updates sind, so wichtig ist es, die Geräte an sich möglichst lange nutzen zu können.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und der Abg. Daniel Rinkert [SPD] und Johannes Wagner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Recht auf Reparatur verfolgt deshalb ein gutes Ziel: Wenn Verbraucher auf eine Reparatur bestehen können, werden Produkte im Eigeninteresse der Unternehmer leichter reparierbar designt.

Und wenn der Zugang zu Ersatzteilen und Anleitungen es erleichtert, Geräte selbst zu reparieren, erspart das sicherlich die eine oder andere Neuanschaffung.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Daniel Rinkert [SPD]

Bei der konkreten Ausgestaltung gibt es aber noch einige Fallstricke. So darf der Wunsch nach Reparatur nicht am Zuständigkeitspingpong zwischen Verkäufer und Hersteller scheitern. Außerdem sollten wir kleine Reparaturbetriebe nicht mit neuen Formularen und zusätzlicher Bürokratie überfrachten, sondern Bürokratie abbauen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Bisher habe ich das Wort „Nachhaltigkeit“ vermieden; denn wir müssen aufpassen, „nachhaltig“ nicht zu einem bloßen Füllwort verkommen zu lassen, einem Adjektiv, das man halt irgendwie nennt, um grün zu erscheinen. Denn Nachhaltigkeit ist nicht bloß öko; sie ist auch das Prinzip der schwäbischen Hausfrau. Sie ist die Erkenntnis, dass man nicht auf Dauer über seine Verhältnisse leben kann. Diese simple Erkenntnis hat diese Koalition verinnerlicht. Bei der Schuldenbremse wenden wir diese Erkenntnis bereits konsequent an. Mit ihr werden wir auch die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie sinnvoll weiterentwickeln, um eine florierende Wirtschaft mit den Ressourcen zu schaffen, die wir haben.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
13 Vermerkeca. 326 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das war in weiten Teilen eine gute Debatte; aber an manchen Stellen war ich doch etwas frustriert.

Beifalldes Abg. Holger Mann [SPD]

Bis Sie angefangen haben zu reden!

– Ach Gott!

Heiterkeitbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Gibt es hier heute Hetero-Macho-Preise? Ich schlage Sie vor.

Ich will Ihnen auch sagen, warum ich fast schon frustriert bin: Frau Klöckner hat hier kein Wort dazu gesagt, was Sie eigentlich wollen.

Also, wenn Sie mal so zimperlich wären bei Ihren Zwischenrufen!

– Ich verstehe Sie eh nicht, weil ich jetzt lauter rede. Besorgen Sie sich Redezeit!

Frau Klöckner hat an dieser Stelle geschimpft und geschimpft.

Zurufder Abg. Gitta Connemann [CDU/CSU]

– Ich weiß, Sie sind befreundet, Frau Connemann. Außer Frau Klöckner ist Ministerin, dann bekämpfen Sie sie.

Frau Klöckner hat hier gemeckert ohne Ende – den Satz will ich noch loswerden – und hat dann sogar noch das Landwirtschaftsministerium wegen der Kantine angegriffen. Dabei hat sie das Haus gebaut und weiß: Es hat gar keine Kantine, meine Damen und Herren.

Also, so können wir nicht über die Zukunft Deutschlands reden.

Es reicht nicht, wenn wir hier nur lauter schöne Worte machen; es reicht nicht, es nur zu sagen. Ich sage auch an meine Koalitionskollegen: Es reicht auch nicht, im Jahr 2023 einen Wettbewerb der Ideen auszurufen und zu glauben, das würde uns in den nächsten Jahren bis 2030 helfen.

Na, da unterschätzen Sie aber die Marktwirtschaft!

Ideen, die erst später kommen und später im Markt implementiert sind, kann man alle haben; aber Sie werden den Mut haben müssen, jetzt aktiv zu werden, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Was wir in diesem Bereich – da geht es um Finanzen und Steuern bis hin zu Agrarsubventionen, bis zu ökologisch-schädlichen Subventionen – brauchen, ist der Mut, jetzt den Green Deal – den nehme ich mal als kurzen Begriff – endlich anzupacken. Wir brauchen einen Umbau der Agrar- und Ernährungssysteme; denn es geht bei Ernährung um den Welthunger, aber auch um die Frage, ob bei uns in Deutschland ein Normalverdiener in Zukunft sein Essen noch bezahlen kann.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Alles aus Drittstaaten importiert!

Da brauchen wir jetzt den Mut, tatsächlich umzusteuern, meine Damen und Herren. „Nachhaltigkeit“ heißt: ökonomisch, ökologisch und sozial. Ein besseres Wort gibt es gar nicht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Andreas Jung
Foto: Andreas Jung/ Bildbrauerei
11 Vermerkeca. 710 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Halbzeit der Agenda 2030 fällt zusammen mit der Halbzeit der Ampelregierung, deshalb nutzen wir nicht zuletzt diese Debatte, zu fragen: Wo sind die Fortschritte in dieser Legislaturperiode? Wie ist der Stand des Vorankommens der Nachhaltigkeit in Deutschland?

Ich will mich auf den Bereich des Klimaschutzes beziehen. Da haben Sie Maßnahmen zur Beschleunigung des Ausbaus der erneuerbaren Energien vorangebracht. Wo das sinnvoll ist, haben wir es unterstützt, und wo es sinnvoll ist, werden wir es unterstützen.

Ich frage aber: Wo ist jetzt das Solarpaket? Das hat uns diese Woche beschäftigt. Es war für März angekündigt. Es gibt Streit in der Koalition. Niemand kann sagen, wann das Solarpaket kommt. Legen Sie es vor! Nehmen Sie unsere Vorschläge auf! Bringen Sie das voran!

Beifallbei der CDU/CSU

Ich fordere Sie auf: Bringen Sie die erneuerbaren Energien in der ganzen Breite voran! Wind und Sonne, ja, aber eben auch die Strategie für die Geothermie, die Strategie für die Wasserkraft. Und wo ist die Strategie – das frage ich auch den Bundeslandwirtschaftsminister – für nachhaltige Bioenergie? Nicht immer mehr nur Vermaisung, sondern die Nutzung von Reststoffen, pflanzlichen Reststoffen, tierischen Reststoffen. Bringen Sie da was voran! Wir brauchen bei ehrgeizigen Zielen alle Potenziale und nicht die ständige Deckelung der Bioenergie. Alle Potenziale müssen genutzt werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Dann reden wir über Nachhaltigkeit. Dazu will ich Ihnen wirklich sehr deutlich sagen: Ja, beim Klimaschutz brauchen wir Veränderungen. Aber für diese Veränderungen brauchen wir Akzeptanz. Vernachlässigen Sie die soziale Dimension nicht! Sie haben immer wieder beim Heizungsgesetz beteuert: Wir beschließen beides zusammen. Die Regeln, die neuen Pflichten und die Förderung, gehören zusammen. Wir beschließen es zusammen. – Und was haben Sie gemacht? Sie haben die neuen Pflichten beschlossen, und über die Förderungen streiten Sie sich; wir haben es diese Woche im Ausschuss erneut erleben können. Und das, was auf dem Tisch liegt – Sie haben einmal die Heizungsförderung gekürzt –, wäre in ganz vielen Fällen keine bessere Förderung, sondern eine zusätzliche Kürzung. Das darf nicht das letzte Wort sein. Machen Sie die soziale Flanke, die Sie haben entstehen lassen, zu! Das ist ein wichtiger Beitrag zur Akzeptanz.

Beifallbei der CDU/CSU

Dann wird gesagt: Ja, wir haben Dinge gemeinsam vereinbart. Dazu gehört das Klimaschutzgesetz. Das haben Union, SPD und andere gemeinsam auf den Weg gebracht. Den Grünen war es nicht hart genug.

Und jetzt will diese Bundesregierung, die eine Klimaregierung sein will, das Klimaschutzgesetz aufweichen, sie will es entkernen. Da geht es nicht um Flexibilität zwischen den Sektoren – diese gab es vorher; sie soll jetzt erleichtert werden –, sondern es geht darum, dass es jetzt, wenn eine Lücke entsteht, die Pflicht gibt, sofort nachzusteuern. Und die wollen Sie abschaffen. Das wäre kein Fortschritt; das ist ein Rückschritt. Verhindern Sie es in den parlamentarischen Beratungen!

Beifallbei der CDU/CSU

Um Wirtschaft und Klimaschutz voranzubringen, brauchen wir Technologien. Ich will es an einem Beispiel deutlich machen: Wir brauchen die Wasserstoffinitiative, den Wasserstoffhochlauf.

Zurufdes Abg. Karsten Hilse [AfD]

Und dafür brauchen wir Europa. Wir brauchen eine europäische Wasserstoffunion, und für Europa brauchen wir Deutschland und Frankreich.

Zurufdes Abg. Karsten Hilse [AfD]

Aber statt deutsch-französischer Gemeinsamkeit gibt es deutsch-französischen Streit. Auf dem Ministerrat im Januar – im Januar! – hat die Bundesregierung gesagt: Wir setzen eine Arbeitsgruppe ein, die im April Ergebnisse vorlegen wird. – Jetzt haben wir Oktober. Es gibt null Ergebnisse, null Fortschritt, stattdessen Fischbrötchen in Hamburg.

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Oah!

Also, nachhaltige Fischerei ist wirklich wichtig!

Aber Fischbrötchen ersetzen nicht eine gemeinsame Strategie. Das ist unsere Erwartung.

Da wird eine Regierungsklausur abgehalten, die zu keinerlei Ergebnissen führt. Früher hat man gesagt: Wenn Deutschland und Frankreich zusammenkommen, dann braucht es Ergebnisse.

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Man hat gemeinsame Strategien vorangebracht. Man hat Papiere gemacht. Und jetzt gab es eine Begegnung in Hamburg ohne politischen Anspruch. Es beschädigt die deutsch-französische Freundschaft, wie da vorgegangen wird, wie auch Olaf Scholz in Europa auftritt. Da gibt es diese Gemeinsamkeit nicht, die brauchen wir aber, weil es der Schlüssel für den Fortschritt in Europa ist. Das ist ein wichtiger Beitrag, um Nachhaltigkeit insgesamt voranzubringen. Da brauchen wir jetzt Ergebnisse, und die erwarten wir von Ihnen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Heiterkeitund Beifall bei Abgeordneten der SPD

Da fühlte ich mich gleich ganz wohl.

Wir fahren fort. Mir wurde gesagt, dass schon streng auf das Einhalten der Redezeit geachtet wurde. Das werde ich jetzt natürlich auch machen; denn wie Sie alle wissen: Es geht heute ungefähr bis 1.39 Uhr. Und diese Uhrzeit wollen wir nicht noch stärker nach hinten verschieben.

Die nächste Rednerin ist Isabel Cademartori für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Isabel Cademartori Dujisin
Foto: Photothek Media Lab
9 Vermerkeca. 647 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Es ist sicherlich das richtige Signal, dass wir heute über Nachhaltigkeit debattieren, in einer Woche, in der es wieder so scheint, dass die Krisen uns überrollen, und, wie ich glaube, auch bei vielen Bürgerinnen und Bürgern das Gefühl entsteht, dass sie vor lauter Krisen gar nicht wissen, welchem Thema sie sich zuerst widmen sollen.

Es bleibt dennoch festzuhalten, dass die Klimakrise und die daraus folgenden Handlungsfelder einfach nicht auf die Lösung anderer Krisen warten. Deswegen ist es wichtig, sich auch in solchen Zeiten die Zeit zu nehmen, um über diese Themen ernsthaft zu sprechen.

Beifallbei der SPD

Eine gute Nachhaltigkeitsstrategie braucht natürlich auch ambitionierte Maßnahmen im Verkehrssektor. Denn wir wissen: Verkehr ist weltweit der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen – nach Energie- und Stromerzeugung. In Deutschland ist er für 20 Prozent aller Emissionen verantwortlich. Daher ist die Senkung der CO2-Emissionen im Verkehrsbereich elementar für die Erreichung der Klimaziele und damit ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Muhanad Al-Halak [FDP]

Als Ampel haben wir uns vor zwei Jahren das klare Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor bis 2030 im Vergleich zu 2019 zu halbieren. Große Ziele sind wichtig, aber es kommt natürlich auf die Umsetzung an. Die von der SPD geführte Ampelkoalition hat viele Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Verkehrswende klimagerecht, aber eben auch sozial voranzutreiben. Denn wir sind der festen Überzeugung: Man kann den Menschen keine Verhaltensänderungen abverlangen, wenn man ihnen dafür nicht auch sozial gerechte Angebote macht.

Diese Angebote zu schaffen, war ein Schwerpunkt in den ersten zwei Jahren unserer Regierung. Ich denke, wir haben da auch eine ordentliche Bilanz vorgelegt. An erster Stelle ist hier natürlich das 49-Euro-Ticket zu nennen. Nach dem Erfolg des 9-Euro-Tickets haben wir ein langfristiges, deutschlandweites, digitales, einfaches und bezahlbares Angebot geschaffen, um klimafreundlich mit dem ÖPNV zu fahren.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wie geht es denn weiter?

Damit haben wir den ÖPNV für Millionen von Menschen attraktiver gemacht. 47 Prozent der Kundinnen und Kunden besitzen mit dem Deutschlandticket zum ersten Mal ein Abonnement im ÖPNV. 8 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer haben den ÖPNV vorher gar nicht benutzt.

Für viele bedeutet das 49-Euro-Ticket mehr als die Halbierung dessen, was bisher für Monatskarten gezahlt werden musste. Das ist sozialer Klimaschutz zum Anfassen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Wir sind auch sicher und werden alles dafür tun, dieses Angebot zu verstetigen und es sukzessive auf Studierende und weitere Gruppen auszuweiten.

Ein ÖPNV ist aber nur so gut wie die Infrastruktur, die er nutzt. Wir haben feststellen dürfen, dass nach vielen Jahren CSU-geführten Verkehrsministeriums unsere Infrastruktur, insbesondere die Schiene, in einem absolut desolaten Zustand ist.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wer war der Finanzminister?

– Ja, da wir jetzt einen guten Finanzminister und einen guten Verkehrsminister haben, investieren wir bis 2027 zusätzlich 40 Milliarden Euro in die Bahninfrastruktur.

Der Finanzminister ist besser als früher, das stimmt!

Das heißt, der alte Finanzminister war schlecht, oder? Das ist aber Ihr Kanzler!

40 Milliarden Euro für Bahninfrastruktur in einer Zeit, in der wir sparen müssen: Wir haben hier eine klare Schwerpunktsetzung vorgenommen, damit sich die Zahl der Bahnreisenden bis 2030 verdoppeln kann, so wie wir es uns vorgenommen haben. Die Nachfrage fehlt im Bahnsektor nicht. Es wollen immer mehr Menschen Bahn fahren. Aber das Angebot – das erleben wir alle hier, die wir tagtäglich viel mit der Bahn unterwegs sind – muss besser werden; Stichworte sind die Digitalisierung, die Elektrifizierung.

Deshalb starten wir im nächsten Jahr mit der Sanierung der Hochleistungskorridore, die bis 2030 erhebliche Verbesserung in der Schieneninfrastruktur bringen wird, die Bahn zuverlässiger und pünktlicher machen wird.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Auch im Schwerlastverkehr setzen wir Klimaschutz um. Wir werden mit der ambitionierten Umgestaltung der Maut und der CO2-Komponente auch hier die Anreize setzen, damit sich im Lieferverkehr, der einer der Hauptemittenten ist, auch die Antriebswende realisieren lässt; genauso wie wir unsere Regulatorik für die Elektromobilität so gestalten werden, dass E-Auto zu fahren in Zukunft immer günstiger sein wird, als Verbrenner zu fahren.

Wir sind also auf einem guten Weg. Wir werden auf diesem Weg fortschreiten, um unseren Beitrag zur Nachhaltigkeitsstrategie weiterhin zu leisten.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der AfD
Porträt von Katharina Beck
Foto: Katharina Beck/Oliver Hadji
5 Vermerkeca. 328 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Nachhaltigkeit sei unklar zu definieren – das stimmt gar nicht. Nachhaltigkeit ist ganz klar eine Vision, die sich 193 Staaten im Jahr 2015 gemeinsam gegeben haben. Das hat auch nichts mit Kommunismus zu tun, sondern das hat was mit einer schönen Zukunft zu tun.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Das ist eine wunderschöne Vision für die Menschheit, für die wirklich alle zusammengekommen sind.

Gerade in den heutigen Zeiten, wo wir Krieg in Europa haben, wo furchtbarste Angriffe der Hamas auf Israel stattfinden, ist doch dieses Zusammenstehen der Staatengemeinschaft, eine gemeinsame Vision mit 17 gemeinsamen Zielen zu haben, großartig. Wasser – Herr Al-Halak hatte das gerade angesprochen – ist eines davon, aber auch Klimaschutz sowie der Kampf gegen Armut und Hunger in dieser Welt.

Ist uns eigentlich klar, dass in dieser Welt heute immer noch ein Zehntel, also jeder zehnte Mensch, in absoluter Armut lebt? Da kann man fast nur noch auf die Idee kommen, zu flüchten. Gerade deswegen ist es doch so wichtig, dass wir international zusammenarbeiten, dass an jedem Ort auf dieser Welt ein lebenswertes Leben möglich ist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Und was wir dafür auch brauchen, ist Geld. Es gibt eine Finanzierungslücke von weltweit circa 4 Billionen US-Dollar. Dieses Geld wird auch einen Return bringen, weil ebendiese positive Entwicklung im Endeffekt für alle gut ist. Nachhaltiges Wirtschaften ist auch Teil davon. Aber beim Thema Geld müssen wir zusehen, dass es in die richtige Richtung geht. Wir leisten uns immer noch viel zu viele umweltschädliche Subventionen. Da werden wir in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren noch sehr stark dafür kämpfen, dass diese negativen Subventionen abgebaut werden.

Es ist eine positive Vision, selbst Armut zu bekämpfen; das ist mir auch noch mal ganz wichtig. Es kommt mir in den sozialpolitischen Debatten viel zu kurz, dass wir dadurch auch die Binnennachfrage stärken können. Wenn nämlich Menschen mit kleinem Geldbeutel mehr Geld in der Tasche haben, dann wird es auch der Prosperität in diesem Land guttun.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Katharina Willkomm [FDP]
Beifallbei der CDU/CSU
5 Vermerkeca. 509 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das ist eine wichtige Debatte, die heute hier im Zentrum steht. Beim Thema Nachhaltigkeit geht es um die Lebensgrundlagen der Menschheit. Schon vor über 50 Jahren hat der Club of Rome einen Bericht veröffentlicht, der mit dem Titel „Grenzen des Wachstums“ aufgezeigt hat, dass die Menschheit mit ihren Ressourcen anders umgehen muss, weil sie eben nicht mehr für alle reichen. Und das führt zu sozialen Schieflagen, zu Verteilungskämpfen, ist aber auch ökologisch schädlich für diesen Planeten.

Deshalb ist es richtig, dass sich frühere Bundesregierungen auf den Weg gemacht und einen Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung eingesetzt haben. Ich habe diesem zwei Legislaturperioden angehört und fand die Debatten parteiübergreifend immer sehr klug und verantwortungsvoll geführt. Und lieber Andreas Jung von der CDU, ich glaube, wir haben schon niveauvoller diskutiert als über den Hinweis mit den Fischbrötchen. Wir sollten die Themen, die uns hier beschäftigen, ernst nehmen, weil wir eine gemeinsame Verantwortung haben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Widerspruchdes Abg. Andreas Jung [CDU/CSU]

Global betrachtet: Im September 2015 hat sich die Weltgemeinschaft auf der Ebene der Vereinten Nationen zu 17 Nachhaltigkeitszielen verständigt, und im gleichen Jahr, im Dezember 2015, wurde das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet. Denn das größte Problem der Menschheit ist der menschengemachte Klimawandel. Und deshalb ist es wichtig, dass sich die Weltgemeinschaft auf den Weg gemacht hat – nicht um irgendwelche Unternehmen zu gängeln, Frau Connemann, sondern um klare Regeln zu vereinbaren. Und die werden jetzt national politisch verantwortungsvoll auch umgesetzt.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Tessa Ganserer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Europäische Zentralbank hat erst kürzlich eine Risikobewertung vorgenommen und einen Bericht dazu veröffentlicht. Hierbei geht es darum, was es bedeutet, wenn wir verzögern, wenn wir verschieben, wenn wir sagen: Das geht nicht. – Das Ergebnis: Wenn wir diese Investitionen jetzt nicht tätigen, sondern in die Zukunft verschieben, dann wird das ein Kreditausfallrisiko mit sich bringen. Es darf jetzt keinen Aufschub mehr geben. Das ganze Zögern können wir uns weder ökologisch noch wirtschaftlich und schon gar nicht sozial erlauben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Technologien, Innovationen, die in Unternehmen entwickelt werden, von Wissenschaftlern in Forschungseinrichtungen und in Universitäten, von Start-up-Unternehmen, aber auch von innovativen Handwerksbetrieben, vom Mittelstand, von der Industrie, helfen uns, diese Probleme zu lösen. Das heißt, die Industrie und der Mittelstand und alle, die in den entsprechenden Bereichen beschäftigt sind, tüfteln daran, wie es gelingt, mit Ressourcen vernünftig umzugehen. Mein Vorredner eben hat etwas zum Umgang mit der Ressource Wasser gesagt. Recycling, Kreislaufwirtschaft zu verbessern, Dinge zu reparieren, statt sie wegzuschmeißen – das alles sind Initiativen, die sehr, sehr viel Mut machen.

Und ich will einen letzten Punkt ansprechen, weil viele von der AfD sagen, das sei ja alles Unsinn, wir würden die Leute belasten. Wenn ich sehe, wie viele Projekte vom Rat für Nachhaltige Entwicklung jedes Jahr ausgezeichnet werden, in Schulen, in Kommunen, wenn sich Gemeinden und Ortsräte darum kümmern, die Kommunen zukunftsfähig aufzustellen, wie Unternehmen, Verbände mit klugen Ideen sehr erfrischend und sehr motiviert an dieses Thema herangehen, dann ist mir nicht bange, dass dieses Thema eine größere Relevanz kriegt und viele Menschen in unserem Land das schon eingesehen haben und längst unterwegs sind.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der AfD
5 Vermerkeca. 261 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Nachhaltigkeit ist ein Begriff aus der sächsischen Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts: nicht mehr Ressourcen verbrauchen, als sich im gleichen Zeitraum neu bilden. – Ein urkonservatives Prinzip, das durchaus geeignet wäre, die Schattenseite der modernen Wachstumswirtschaft, nämlich den bedrohlich steigenden Ressourcenverbrauch, in den Griff zu bekommen und den Wohlstand und eine intakte Natur auch für künftige Generationen zu bewahren.

Leider sind aber Nachhaltigkeitsdiskurs und -politik in die Hände von linken Sozialingenieuren geraten und dadurch gründlich verdorben worden.

Beifallbei der AfD

Die vorsichtige Weisheit der Nachhaltigkeit wurde in eine aggressive Hypermoral umgebogen, die direkt oder indirekt auf Enteignungen unseres nationalen, aber auch privaten Vermögens hinarbeitet. „Du wirst nichts mehr besitzen, aber glücklich sein“, tönt es aus Klaus Schwabs Weltwirtschaftsforum. Und schulden wir nicht dem Klimaflüchtling unseren Wohlstand im Namen globaler und historischer Gerechtigkeit? Das Narrenschiff der sozialistischen Utopie segelt heute unter der Flagge der Nachhaltigkeit.

Beifallbei der AfD

Alle linken Lieblingsideen werden diesem missbrauchten Begriff untergeschoben.

So werden Gleichstellungs- und Genderpolitik von unserem Bildungsministerium als „Nachhaltigkeitsmaßnahmen“ eingestuft, und laut Nationalem Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung sollen Studenten zu „Change Agents“ im Dienst der großen Transformation erzogen werden. Nie war Friedrich von Hayeks Warnung vor der verhängnisvollen Wissensanmaßung des Sozialismus aktueller als heute.

Beifallbei der AfD

Jede Planwirtschaft, wusste er, muss scheitern, weil prinzipiell kein ökonomisches Modell der Komplexität der Wirklichkeit gerecht werden kann.

Um wie viel mehr muss scheitern und Katastrophen herbeiführen, wer glaubt, das Weltklima regulieren und die totale globale Gerechtigkeit herbeiführen zu können? Zu echter Nachhaltigkeit würde gehören, von solchem Planungswahn Abstand zu nehmen. Sie führen den Begriff „Nachhaltigkeit“ zu Unrecht im Munde.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
3 Vermerkeca. 384 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Das Thema Nachhaltigkeit – das haben wir ja heute in dieser Debatte gesehen – hat drei verschiedene Dimensionen: sozial, ökologisch, ökonomisch. Und leider wird es auch immer wieder so betrachtet, dass diese drei Dimensionen nicht vereinbar zu sein scheinen.

Aber lassen Sie mich als Volkswirt kurz erwähnen: Wir können ökonomische Instrumente einsetzen, um das große Problem der Nachhaltigkeit in den Griff zu bekommen, nämlich den Umgang mit knappen Ressourcen. Das heißt, wir brauchen Instrumente wie Wettbewerb, wir brauchen Instrumente wie Markt, um einen kosteneffizienten Umgang mit diesen knappen Ressourcen zu ermöglichen. Das ist die eine Seite der Nachhaltigkeit.

Aber eine Voraussetzung für gelingende Nachhaltigkeit ist natürlich das Wissen um die Zusammenhänge: Zusammenhänge technologischer Natur, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge. Das bedeutet: Wir brauchen Forschungsaktivitäten, die dieses Wissen generieren. Um dieses Wissen dann auch zu vermitteln, brauchen wir Bildung. Und das bedeutet – das ist meines Erachtens bisher etwas zu kurz gekommen –: Wenn wir über Nachhaltigkeit reden, müssen wir betonen, dass wir Forschung voranbringen müssen, und zwar technologieoffen; denn keiner von uns weiß, welche Technologie in Zukunft die richtige ist. Auch der Club of Rome war sich nicht sicher, welche Technologie in der Zukunft die richtige ist.

Das andere ist, dass wir junge Menschen brauchen, die bereit sind, sich mit diesen neuen Herausforderungen – so neu sind sie tatsächlich gar nicht – auseinanderzusetzen. Das bedeutet: Wir brauchen auch eine stärkere Förderung der Bereitschaft, MINT-Fächer zu studieren; denn nur mit Technologiefächern werden wir das letztendlich erreichen.

Beifallbei der FDP, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Hier will niemand jemandem etwas vorschreiben, was er oder sie zu studieren hat, sondern wir müssen Optionen zeigen, wir müssen die Möglichkeiten aufzeigen. Dann können wir letztendlich auch die scheinbaren Widersprüche überwinden.

Der Mittelstand trägt zur Problemlösung bei. Ja, das braucht man einem Schwaben nicht zu sagen. Wir haben genug Mittelständler, die Lösungen finden, und der Mittelstand braucht dafür gute Rahmenbedingungen. Aber wir brauchen auch in manchen Bereichen andere Unternehmensgrößen, die die Ziele skalieren und auch erreichen können.

Lassen Sie uns in der Nachhaltigkeitsdebatte weniger über Gegensätze reden, sondern schauen: Wo können wir gemeinsam Dinge in Forschung, Bildung und Transfer erreichen? Wir haben als Regierung schon Dinge auf den Weg gebracht, sei es das SPRIND-Freiheitsgesetz, sei es DATI oder seien es andere Instrumente der Innovationspolitik, die wir in den nächsten Wochen und Monaten diskutieren werden.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Swantje Henrike Michaelsen
Foto: Swantje Michaelsen / Stefan Kaminski
6 Vermerkeca. 308 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Nachhaltige Mobilität ist ein großes Wort und eine riesige Aufgabe. Der Mobilitätssektor ist nach wie vor ein großes Sorgenkind beim Klimaschutz, aber auch beim Umwelt- und Gesundheitsschutz. Die Herausforderung ist auch deshalb so groß, weil Mobilität die Basis für Teilhabe ist und weil wir uns über die letzten Jahrzehnte an eine Form der Mobilität gewöhnt haben, die vermeintlich bequem, unabhängig und immer verfügbar ist. Allerdings: Bei genauem Hinsehen kommen uns Zweifel. Statt Bequemlichkeit erleben viele Menschen Ärger über Stau und Stress durch volle Straßen.

Oder durch Klimakleber!

Statt unabhängig fühlen sich viele Menschen vom Auto abhängig, fehlen ihnen doch im Alltag oft die Alternativen, weil der Bus nur zur Schule fährt und der Radweg an der Bundesstraße endet. Und „immer verfügbar“ gilt nur für einen Teil der Bevölkerung. Der Autobesitz sinkt drastisch mit geringerem Einkommen. Mehr als ein Drittel der Menschen in Deutschland hat keinen Führerschein und ist damit von Automobilität als selbstständiger Form des Unterwegsseins ausgeschlossen. Damit ist die Verkehrswende auch eine soziale Verpflichtung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Lachenbei Abgeordneten der AfD

Die Lösungen liegen auf der Hand. Wir müssen Bus und Bahn stärken und Rad- und Fußwege ausbauen. Viel mehr Menschen warten längst auf ein Angebot für Bus, Bahn oder Rad. Jede neue Busverbindung, jede neue Nachtzugverbindung und jeder neue Radweg werden begeistert begrüßt und sind kurz nach der Eröffnung ausgelastet.

Lachendes Abg. Karsten Hilse [AfD]

Das zeigt uns: Viele Menschen nutzen die Alternativen, wenn wir sie ihnen anbieten.

Lassen Sie uns also investieren in bessere Bus- und Bahnverbindungen. Lassen Sie uns investieren in attraktive Radwege, und lassen Sie uns investieren in lebenswerte Städte und Gemeinden, in denen die alltäglichen Orte – Lebensmittelhandel oder Bücherei, Schule oder Sporthalle – zu Fuß und mit dem Rad erreicht werden können und begrünte Straßen auch zum Verweilen einladen. Dann gewinnt nicht nur das Klima, sondern dann erhalten viel mehr Menschen die Möglichkeit, aktiv und nachhaltig unterwegs zu sein.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Johannes Steiniger
Foto: Johannes Steiniger/Tobias Koch
11 Vermerkeca. 543 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Herr Kollege Westphal, der schon gegangen ist, hat uns gerade in der Debatte angegriffen und gesagt, wir nähmen diese Debatte nicht ernst.

Ich habe mir die Besetzung der Regierungsbank in den letzten 40 Minuten angeschaut: halb leer, kein einziger Minister in dieser wichtigen Debatte. Also, meine sehr geehrten Damen und Herren, es scheint offensichtlich die Ampelbundesregierung zu sein, die diese Debatte nicht ernst nimmt.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Es waren doch zwei Minister da!

– Jetzt kommt hier der Zwischenruf: „Es waren doch zwei Minister da!“ Ja, es waren zwei Minister da, zwei Minister der Grünen. Offensichtlich ist Nachhaltigkeit in dieser Bundesregierung nur ein Thema der Grünen. Wo waren eigentlich die anderen Minister in dieser Debatte?

Die Große Koalition hat eine regelmäßig wiederkehrende Debatte über die Nachhaltigkeitsziele eingeführt – auch als Reaktion auf die Proteste auf den Straßen, die vorhin erwähnt worden sind –, damit sich die Bundesregierung anhört, was das Parlament in Klimaschutz- und in Nachhaltigkeitsfragen zu sagen hat. So wie es jetzt abläuft, ist dies einfach nur ein Armutszeugnis und geht so auch nicht.

Beifallbei der CDU/CSU

Was haben Sie denn zum Klimaschutz zu sagen?

– Jetzt wird gefragt, was wir zu sagen haben.

Erster Punkt. Eine nachhaltige Steuer-, Finanz- und Wirtschaftspolitik ist die Basis all dessen, was wir hier heute diskutiert haben. Denn wenn wir nicht ordentlich mit den Finanzen umgehen, dann können all die Wünsche, die von vielen Kolleginnen und Kollegen hier heute adressiert worden sind, eben nicht erfüllt werden, dann kann es zu keiner Nachhaltigkeit kommen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Deswegen ist es gut, dass in den 16 Jahren der unionsgeführten Bundesregierung die Union immer darauf geachtet hat, dass die Finanzen in guten Händen sind und dass die schwarze Null steht.

Olaf Scholz war Finanzminister!

– Ah, da schreit die politische Linke. Ich freue mich sehr. – Es war gut, dass wir Ihnen nicht gefolgt sind. Sie, die Grünen, die SPD und Sie Linke, waren es ja – Stichwort „Modern Monetary Theory“ –, die gesagt haben: Schulden sind was Gutes; wer keine Schulden macht, ist blöd. – Ich sage Ihnen eins: Wenn wir auf Sie gehört hätten, dann hätten wir jetzt noch ein riesengroßes Problem im Haushalt, uns würde der Haushalt komplett um die Ohren fliegen. Wir haben jetzt schon eine Verzehnfachung der Zinskosten zu verzeichnen. Es wäre noch viel schlimmer, wenn wir an dieser Stelle auf Sie gehört hätten.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben nicht in die Infrastruktur investiert!

Zweiter Punkt. Wir brauchen auf der Einnahmenseite aber auch eine starke Wirtschaft. Wir brauchen die Steuereinnahmen auf Basis von guten Arbeitsplätzen und Unternehmen, die gutes Geld hier in unserem Land verdienen. Und da habe ich schon große Sorge. Wenn man in den Wahlkreisen unterwegs ist, dann sieht man: Die Kipppunkte sind für viele Unternehmen schon erreicht. Die schleichende Deindustrialisierung in unserem Land findet statt, und zwar aufgrund hoher Energiepreise; sie sind das Problem. Aber die Ampel findet einfach kein Mittel dagegen. Man muss es so klar sagen: Statt für wettbewerbsfähige Strompreise zu sorgen, zieht die Ampel dem Mittelstand den Stecker, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Und dann wird immer gesagt – das haben einige Kollegen von Ihnen in der Debatte auch gemacht –, Deutschland müsse Vorbild sein. Ja, das stimmt, aber derzeit ist es anders. Meine sehr geehrten Damen und Herren, niemand auf der Welt sieht Deutschland derzeit als leuchtendes Vorbild.

Zurufder Abg. Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Wirtschafts- und Energiepolitik der Ampel ist eher ein abschreckendes Beispiel. In diesem Sinne: Mehr Ernsthaftigkeit in dieser Diskussion, sowohl bei Ihnen als auch auf der Regierungsbank!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Schwache Rede!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Sonja Eichwede
Foto: DBT/ Inga Haar
5 Vermerkeca. 516 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen!

Widerspruchbei der AfD

Die Nachhaltigkeitsziele sind wichtig. Sie sind eine wichtige Richtschnur für unsere gesamte Politik und für den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und weltweit. Die Nachhaltigkeit der Rechtsordnung, der Rechtsetzung und der Durchsetzung des Rechts ist auch fundamental für die Nachhaltigkeit unserer Gesellschaft. Deshalb ist es sehr wichtig, dass auch dies in den 17 Nachhaltigkeitszielen unter Nummer 16 verankert ist.

Lassen Sie mich hier über zwei wichtige Beispiele sprechen: die Umweltkriminalität und den Verbraucherschutz. Zur Stärkung der Nachhaltigkeit bei uns in Deutschland, aber auch weltweit müssen wir konsequent gegen Umweltkriminalität vorgehen. Organisierte Kriminalität ist seit Jahren weltweit eines der am schnellsten wachsenden Probleme neben der Umweltkriminalität. Das sehen wir nicht nur an den wilden Müllkippen in unseren Wahlkreisen, sondern auch im Bereich des Handels mit Wildarten oder am illegalen Holzeinschlag.

Auf der Liste der Organisierten Kriminalität hat die Umweltkriminalität den Bereich des Menschenhandels überholt und steht nach dem Drogenhandel und der Warenfälschung auf Platz drei der Liste der am meisten auftretenden Organisierten Kriminalität, mit einem Umsatz von 150 Milliarden bis 288 Milliarden US-Dollar. Die steigenden hohen Gewinne in Kombination mit geringer Wahrscheinlichkeit, der Strafverfolgung ausgesetzt zu sein, stellen ein sehr großes Problem dar, auch in Bezug auf die Nachhaltigkeit. Es wirkt als Brandbeschleuniger für den Klimawandel und auch hinsichtlich des in dieser Debatte schon sehr oft angesprochenen Artensterbens. Im Sinne der Nachhaltigkeit müssen wir konsequenter auch gegen diese Kriminalität vorgehen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Nancy Faeser als Bundesinnenministerin im vergangenen Jahr beim BKA eine Stabsstelle gegen Umweltkriminalität eingerichtet hat, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Johannes Wagner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir müssen aber auch das Strafrecht anpassen. Damit sich Umweltkriminalität nicht lohnt, müssen Gewinne daraus besser ermittelt und abgeschöpft werden können. Und wir brauchen ein effektives Unternehmenssanktionsrecht; denn die redlichen Unternehmen, die sich gut um die Nachhaltigkeit, den Umweltschutz und den Klimaschutz in unserer Gesellschaft kümmern, brauchen einen fairen Wettbewerb. Für diejenigen, die unsere Regeln brechen, brauchen wir ein Unternehmenssanktionsrecht.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Johannes Wagner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ein erheblicher Teil der Rechtspolitik beschäftigt sich aber auch mit dem Ausgleich der Interessen verschiedener Wirtschaftsteilnehmer. Ganz besonders deutlich wird das beim Verbraucherrecht. Ich spreche bewusst nicht von Verbraucherschutz, sondern von Verbraucherrecht; denn Verbraucherpolitik ist mehr als Schutz. Sie hat auch die Aufgabe, unser Zusammenleben nachhaltig zu gestalten. Verbraucherrechte sind Hebel, die in unserer Gesellschaft für ein Wirtschaften aller Akteure auf Augenhöhe sorgen sollen. Wenn Verbraucherrechte klug gemacht sind, können sie Leitplanken für ökologisches und nachhaltiges Wirtschaften sein. Dabei ist fundamental, dass die Dauer der Gewährleistungsfrist ein effizienter Hebel ist, um die Langlebigkeit der Produkte zu fördern. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt, das Klima und die Ressourcen in unserem Land und weltweit. Deshalb haben wir als Ampel vereinbart, für langlebige Güter eine flexible Gewährleistungsdauer einzuführen, je nachdem, was die Hersteller hinsichtlich der Lebenszeit der Produkte bestimmen. Dadurch schaffen wir einen wirtschaftlichen Anreiz für die Herstellung langlebigerer Produkte. Für nachhaltiges Wirtschaften muss es neben bewusstem Konsum langlebige Produkte in unserer Gesellschaft geben. Produkte müssen auch repariert werden können; wir brauchen ein Recht auf Reparatur für die Nachhaltigkeit in unserer Gesellschaft und in unserem Zusammenleben.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der AfD
9 Vermerkeca. 376 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir hier über die Nachhaltigkeitsstrategie reden, reden wir über nichts Geringeres als über den Erhalt unserer Lebensgrundlagen. Wenn wir über die Begrenzung der Klimakrise reden, über den Erhalt der Artenvielfalt, über globale Gerechtigkeit, dann reden wir über unsere natürlichen Lebensgrundlagen, über die Voraussetzungen für ein globales Miteinander in Freiheit und Frieden. Um diese Ziele zu erreichen, braucht es auch eine Wirtschaft, die uns mit Waren und Dienstleistungen versorgt, sichere und gute Arbeitsplätze schafft und nicht zuletzt auch die Steuermittel erwirtschaftet, mit denen wir unsere Demokratie und die staatlichen Leistungen finanzieren. Genau deswegen ist es so elementar, dass wir die Wirtschaft dabei unterstützen, sich weiterzuentwickeln – nachhaltig und klimaneutral –, um auch zukünftig unsere Lebensgrundlagen im Sinne der Nachhaltigkeitsziele und im Sinne wirtschaftlicher Stabilität zu sichern.

Es ist schade, dass Frau Klöckner schon gegangen ist. Gestern hat sie auch hier geredet. – Wir als Grüne machen etwas. Wir haben gestern hier dargestellt, wie wir die Exportkreditfinanzierung reformieren wollen. Wir wollen nämlich keine Kohle- und Ölförderung mehr fördern. Sie von der Union fordern, das beizubehalten. Auf der anderen Seite wollen wir Technologie stärker fördern, die CO2-neutral ist. Das wollen Sie nicht. Sie tun das Gegenteil dessen, wofür Sie hier vorgeben zu sein.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Quatsch! So ein Blödsinn!

Frau Connemann, wenn Sie hier behaupten, wir hätten den Mittelstand nicht im Blick, dann lege ich Ihnen nahe, öfter mal im Wirtschaftsausschuss vorbeizukommen. Da haben wir nämlich viele Dinge beschlossen. Zum Beispiel haben wir die EEG-Umlage abgeschafft –

Das hat die GroKo abgeschafft, die EEG-Umlage, nicht Sie!

eine Riesenentlastung für den Mittelstand. Wir haben es vereinfacht, selbsterzeugten Strom zu nutzen – eine Riesenentlastung für den Mittelstand. Viele weitere Programme haben wir und das BMWK auf den Weg gebracht. Schauen Sie sich die mal an!

Deswegen läuft es ja auch super in der Wirtschaft!

Wir als grüne Bundestagsfraktion haben im März dieses Jahres einen Kongress zur Digitalisierung und Nachhaltigkeit ausgerichtet.

Schauen Sie sich doch mal den Mittelstand an!

Denn das ist auch ein Zukunftsthema. Mit digitaler Innovation lassen sich rund 30 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland einsparen. Leider habe ich jetzt keine Zeit mehr,

die ganzen Details und Beispiele hier zu nennen.

Sehr weise Entscheidung der Fraktion!

Ich komme zum Schluss. Jetzt müssen wir die Nachhaltigkeitsstrategie hier täglich im parlamentarischen Handeln umsetzen und dürfen sie nicht blockieren. Ich fordere Sie auf, es nicht bei Lippenbekenntnissen bewenden zu lassen, sondern hier mit uns Gesetze zu machen, die Nachhaltigkeit und Klimaneutralität erzeugen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wer blockiert denn Innovation immer? Das sind doch Sie! Hohle Phrasen!

Beifallbei der CDU/CSU
6 Vermerkeca. 464 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

„Nachhaltigkeit oder nachhaltige Entwicklung bedeutet, die Bedürfnisse der Gegenwart so zu befriedigen, dass die Möglichkeiten zukünftiger Generationen nicht eingeschränkt werden.“

So die Definition auf der Internetseite des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Das bedeutet: Wir müssen in Generationen und Zusammenhängen denken, und wir müssen dabei auch über unseren eigenen Tellerrand ab und an hinausschauen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich finde es wichtig, dass wir uns hierbei nicht in völlig abstrakten Debatten verlieren. Meine Schwerpunktthemen – die Wasserpolitik, die Landwirtschafts- und Fischereipolitik – sind gute Indikatoren für Nachhaltigkeit. Deshalb möchte ich hier auf einige Punkte der aktuellen Bundespolitik eingehen.

Wasser ist unsere wertvollste Ressource. Die Nutzungsansprüche haben sich jedoch stark verändert, und Dürreperioden und Starkregenereignisse werden durch den fortschreitenden Klimawandel immer häufiger. Die Ansätze der Nationalen Wasserstrategie sind deshalb durchaus richtig und auch wichtig. Aber ich möchte die Gelegenheit schon nutzen, die Bundesregierung zu fragen: Wie weit sind Sie eigentlich mit der Umsetzung dieser Strategie? Wann legen Sie uns den notwendigen – übrigens ressortübergreifenden – Finanzplan für den umfangreichen Maßnahmenkatalog vor? Denn auch das wäre ein Akt der Nachhaltigkeit.

Beifallbei der CDU/CSU

Denken Sie bei weiteren Maßnahmen die Verfügbarkeit von Wasser wirklich immer mit, zum Beispiel bei der zunehmenden Urbanisierung unseres Landes, bei der Energiewende – ich nenne hier den Braunkohleausstieg – oder bei neuen Industrieansiedlungen. Und denken Sie auch die Wasserverfügbarkeit bei der Weiterentwicklung unserer Landwirtschaft mit. Denn unserer Landwirtschaft haben wir es zu verdanken, dass es für uns selbstverständlich geworden ist, jederzeit ausreichend Essen zur Verfügung zu haben. Das heißt, wir brauchen auch für die Zukunft innovative Systeme zur Wasserversorgung für unsere Landwirtschaft. Denn wenn uns das nicht gelingt, dann werden wir in Zukunft noch mehr Obst und Gemüse importieren müssen. Und das, verehrte Kolleginnen und Kollegen, ist nun wirklich nicht nachhaltig.

Beifallbei der CDU/CSU

Zum Thema Ernährung gehört auch die landwirtschaftliche Tierhaltung. Hier ist die Novellierung des Tierschutzgesetzes angekündigt. Und, verehrte Kolleginnen und Kollegen der Ampel, ich werde das Gefühl einfach nicht los, dass Ihre Politik durchaus darauf abzielt, die Nutztierhaltung in unserem Land immer weiter zurückzudrängen. Das aber würde bedeuten, dass Tierhaltung in Länder mit deutlich niedrigeren Tierschutz- und Umweltstandards verlagert wird. Und die Menschen hören deshalb nicht auf, Fleisch zu essen. Das würde wiederum bedeuten, dass wir noch mehr tierische Nahrungsmittel importieren, und das hat mit Nachhaltigkeit überhaupt nichts zu tun.

Beifallbei der CDU/CSU

Das hat Herr Özdemir eigentlich alles gesagt!

Nachhaltige Wassernutzung zu erreichen – das sehen Sie an diesen wenigen Beispielen –, ist außerordentlich herausfordernd. Deshalb halte ich es auch für besonders wichtig, dass wir endlich zu einer klaren Priorisierung in der Wassernutzung kommen. Hier gehört, denke ich, Trinkwasser natürlich an die erste Stelle; aber nahezu gleichwertig ist für mich die Wassernutzung für die Nahrungsmittelproduktion. Die Landwirtschaft darf in öffentlichen Diskussionen nicht immer nur als Konkurrent in der Wassernutzung verstanden werden; denn, verehrte Kolleginnen und Kollegen, die Landwirtschaft sichert unsere Ernährung und damit auch unser Wohlergehen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
7 Vermerkeca. 535 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Die heutige Debatte hat schon gezeigt, dass Nachhaltigkeit nahezu überall eine Rolle spielt und spielen muss. Deswegen ist der Rahmen, über den wir heute reden, sehr breit. Er fängt an bei internationalen Abkommen, die Ministerin Lemke in ihrer ersten Rede erwähnt hat und die zeigen, dass wir viele Fragen eben nicht alleine lösen können, erstreckt sich über Bereiche, wo wir international bereits erfolgreich sind – zum Beispiel das Verbot des FCKW, das mittlerweile ein Stück zurückliegt –, bis hin zu den aktuellen Debatten über Umweltabkommen, über ein Lieferkettengesetz und auch über eine globale Mindestbesteuerung, wenn es um die soziale Dimension von Nachhaltigkeit geht. Wir liefern und kommen auch Schritte vorwärts.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dann geht es aber auch um die lokale Dimension, vom Globalen zum Lokalen. Es geht um die Bildung. Es geht darum, anhand von Projekten – zum Beispiel zu Blühstreifen und Insektenhotels – Kindern und Jugendlichen begreiflich zu machen, welche Rolle Nachhaltigkeit einnimmt. Ich möchte hier alle Schulen grüßen, die das in besonderem Maße tun, zum Beispiel die Staatliche Regelschule „Thomas Müntzer“ in Mihla, die als eine von vielen Umwelt- und Nachhaltigkeitsschulen genau das tut.

Gleichzeitig wissen wir: Ja, die Debatte um Nachhaltigkeit wird auch damit einhergehen, dass wir Anstrengungen unternehmen müssen, dass sich Gewohnheiten ändern werden und dass der Berg, den wir bewältigen müssen, einem manchmal schier sehr groß vorkommen kann. Zum Beispiel die 1 700 Krankenhäuser und die 230 000 Sportstätten, die wir in Deutschland haben, klimaneutral umzugestalten, ist viel. Wir müssen es aber schaffen – nicht für das Klima, nicht für den Planeten, sondern für uns; denn Klimaschutz und Nachhaltigkeit haben einen Einfluss auf unser Leben und auf unsere Gesundheit. Es geht nicht darum, das Klima oder den Planeten zu retten. Es geht darum, uns zu retten, meine Damen und Herren. Und hierzu müssen wir mehr Anstrengungen unternehmen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Lassen Sie es mich so deutlich sagen: Nachhaltigkeit ist kein Modewort, das ist kein Selbstzweck, sondern es geht um uns. Man kann sich jetzt hinstellen und im Gesundheitsausschuss fordern, die Übersterblichkeit genauer zu betrachten. Dabei schafft man es offensichtlich noch nicht einmal, in die Dokumente, die als Quellen in den Anträgen angeführt werden, selber hineinzuschauen. Das Statistische Bundesamt, das dort verlinkt ist, macht selber deutlich, wodurch die Übersterblichkeit unter anderem verursacht wird, nämlich dadurch, dass wir jeden Sommer mehr Hitzetote und Tote aufgrund der Folgen des Klimawandels zu beklagen haben.

Das sehen wir anders!

Was zu 8 000 Hitzetoten in Deutschland geführt hat, was 250 000 Menschen weltweit betreffen wird und was dafür sorgen wird, dass sich wahrscheinlich über 1 Milliarde Menschen in den nächsten 20 Jahren auf der Flucht befinden, sind die Folgen des Klimawandels.

Ach was!

Meine Damen und Herren, wir müssen es schaffen, dem etwas entgegenzusetzen. Das geht uns alle an – wenn schon nicht aus humanitären Gründen, dann, weil es auch um uns geht, weil es darum geht, dass wir diese Probleme gemeinschaftlich lösen müssen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist der eine große Punkt. Ich könnte noch viel über den Gesundheitssektor reden; aber ich möchte es bei diesem einen Punkt belassen. Nachhaltigkeit ist kein Modewort. Nachhaltigkeit ist nichts, womit wir uns nicht beschäftigen können. Nachhaltigkeit geht uns alle an. Deswegen: Lassen Sie uns zusammenarbeiten – für uns alle, für eine lebenswerte Zukunft.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
5 Vermerkeca. 258 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nachhaltigkeit ist engstens verknüpft mit Chancen- und Generationengerechtigkeit und eben kein Elitenprojekt, wie Julia Klöckner behauptet hat. Laut UNESCO-Weltbildungsbericht 2023 besuchen über 200 Millionen Kinder zwischen 6 und 18 Jahren keine Schule – über 200 Millionen Kinder, denen das SDG und Menschenrecht auf Bildung verwehrt bleibt. Das ist himmelschreiend ungerecht und muss sich dringend ändern!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Bildung ist Chancengeber, Antrieb und Kompass für die Erreichung der SDGs. Darum darf Bildung auch in unserer heutigen Debatte nicht fehlen. Bildung befähigt, die Welt um uns herum zu verstehen und sie aktiv zu gestalten. Bessere Zugänge zu Bildung bekämpfen Kinderarmut und Kinderarbeit, verbessern Gesundheit und Wohlergehen, eröffnen Teilhabe und Persönlichkeitsentwicklung. Alle Menschen brauchen Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung, unabhängig von ihrem sozioökonomischen Status, Wohnort und Alter. Dafür müssen wir uns fraktionsübergreifend einsetzen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Wir müssen sicherstellen, dass unser Bildungssystem Future Skills vermittelt, also Zukunftskompetenzen für das 21. Jahrhundert wie Kooperation, Kreativität, kritisches Denken, soziale und digitale Skills. Sie helfen, Zukunft zu gestalten und Herausforderungen zu meistern. Die UNESCO führt über Future Skills eine sehr wichtige Debatte. Lassen Sie uns diese in den Parlamenten stärker aufgreifen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Bildung für nachhaltige Entwicklung muss einen wichtigeren Platz in Schulen und auch danach einnehmen; denn das SDG 4 fordert neben inklusiver, gerechter und hochwertiger Bildung für alle auch die Förderung des lebenslangen Lernens. In einer Welt im Wandel brauchen wir mehr Weiterbildung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, schaffen wir also eine nachhaltigere Zukunft für alle durch gerechteren, inklusiveren Zugang zu Bildung mittels Future Skills, Bildung für nachhaltige Entwicklung und lebenslangem Lernen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Armand Zorn
Foto: Armand Zorn / Photothek Media Lab
6 Vermerkeca. 592 WörterReaktionswert: lebhaft
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Geschätzte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! 620 Milliarden Euro: Laut einer Studie der KfW braucht es 620 Milliarden Euro an zusätzlichen Mitteln, um dafür zu sorgen, dass wir in Deutschland bis 2035 Klimaneutralität erreichen. Global geht es um 6,9 Billionen US-Dollar, die es braucht, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie merken: Beim Thema Nachhaltigkeit ist eine der wichtigsten Fragen die der Finanzierung. Wie gelingt es uns, genug Ressourcen zu mobilisieren, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen?

Dafür gibt es zwei Hebel. Es gibt staatliche Hebel, und es gibt private Hebel. Auf staatlicher Ebene können wir sagen, dass bei uns, in der Bundesrepublik Deutschland, die Bundesregierung derzeit alles Mögliche dafür tut, damit mehr in Nachhaltigkeit investiert wird.

Das geht über die Steuerpolitik; das geht über den Haushalt. Im Haushalt für dieses Jahr und auch in den letzten Jahren haben wir mit einem hohen Investitionsanteil dafür gesorgt, dass Geld in die richtige Richtung fließt.

Auf staatlicher Ebene funktioniert das aber auch über eine Vorbildfunktion, über die Governance. Das heißt, dass der Staat selbst dafür sorgt, dass mehr auf Nachhaltigkeit gesetzt wird – ob das bei der Beschaffung ist oder im Hinblick auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Ich kann mit Stolz sagen, dass diese Ampelregierung dafür sorgt, dass der Staat seiner Vorbildfunktion gerecht wird und so gut es geht mehr Mittel in Richtung Nachhaltigkeit verschiebt.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, die 620 Milliarden Euro, die wir brauchen, werden nicht allein aus dem staatlichen Haushalt kommen können. Deswegen ist es auch wichtig, dass wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, um zusätzliches Kapital aus der Privatwirtschaft, aus der Finanzwirtschaft mobilisieren zu können, und da macht die Europäische Union schon die richtigen Schritte. Die ESG-Berichterstattungskriterien sind zwar sehr schwierig und komplex – das müssen wir zugeben –, aber sie sind der beste Weg, um für die größtmögliche Transparenz in Bezug auf alle möglichen Risiken zu sorgen, nicht nur die ökonomischen, sondern auch die sozialen und ökologischen Risiken.

Es dauert nämlich nicht lange, bis die ökologischen und sozialen Risiken in der Bankbilanz zu ökonomischen Risiken werden. Deswegen ist es richtig, dass wir diesen Schritt gehen, mehr Daten zu sammeln und die größtmögliche Transparenz zu schaffen, um Nachhaltigkeit auch in der Privatwirtschaft vorantreiben zu können.

Beifallbei der SPD

Ich will mit einem Punkt schließen, an dem wir noch arbeiten müssen. Ja, es ist richtig, dass wir mehr Mittel mobilisieren müssen; es ist aber auch wichtig, dass wir den Weg dorthin klarer beschreiben. Das Bild, wo wir hinwollen, wird immer klarer; der Weg dorthin muss noch klarer werden. Das hat die Europäische Kommission erkannt, und das hat auch die Bundesregierung erkannt.

Deswegen werden wir mehr Transitionspläne brauchen. Deswegen werden wir klarer beschreiben müssen: Wie wollen wir von fossilen Energien hin zu nachhaltigen Energien kommen? Wie wollen wir bei Geschäftsmodellen, die heute vielleicht noch nicht nachhaltig sind, dahin kommen, dass sie in Zukunft nachhaltig sind? Wir sind auf einem guten Weg, und ich kann nur alle Fraktionen in diesem Haus einladen, mitzumachen.

Damit komme ich zum Schluss. Liebe AfD, wenn Sie gegen Migration sind, wenn Sie dafür sind, dass weniger Menschen nach Deutschland kommen,

Wir sind gar nicht gegen Migration! Wir sind gegen illegale Migration!

dann müssen Sie dafür sorgen, dass mehr Länder in dieser Welt in der Lage sind, die Risiken und die Herausforderungen, die gerade entstehen, auch selbst zu lösen.

Die Frage nachhaltiger Finanzen ist ein Thema, das wir gemeinschaftlich angehen müssen. Sie haben heute wieder bewiesen, dass Sie gar keine Lösungen haben, sondern nur blanken Populismus betreiben.

Sie müssen mal zuhören!

Sie haben nur bewiesen, dass Sie nicht zuhören können!

Damit werden Sie nichts erreichen; das verspreche ich Ihnen. Alle Fraktionen in diesem Haus werden dagegen kämpfen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
3 Vermerkeca. 222 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Im Pariser Klimaabkommen von 2015 ist der Ausstieg aus den fossilen Energien nicht festgeschrieben. Aktuell erleben wir global sogar Neubau von fossiler Infrastruktur.

Ein besonderes Beispiel ist hier die EACOP, die vom Konzern TotalEnergies gebaut wird und durch Uganda und Tansania führt. Für diese Pipeline werden 100 000 Menschen zwangsumgesiedelt. Ich war dort und habe mit den Betroffenen gesprochen. Das Erste, was sie mir erzählt haben, war, dass die Klimakrise bereits ihre Subsistenzlandwirtschaft gefährdet und dass die Pipeline nun ihre fruchtbaren Felder und ihre Dörfer bedroht. Gleichzeitig werden sie und die Zivilgesellschaft bedroht. Erst vor Kurzem wurden friedlich protestierende Studenten inhaftiert. TotalEnergies nimmt hier Menschenrechtsverletzungen billigend in Kauf.

Vor einem Jahr haben wir im Deutschen Bundestag genau deswegen auch eine Erklärung dagegen beschlossen. Das war ein sehr wichtiges Zeichen. Vielen Dank!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Aber was können wir als Abgeordnete als Nächstes tun? Auf dem Climate Summit in New York wurde eine neue Initiative diskutiert, die bereits von vielen Abgeordneten aus anderen Parlamenten, unter anderem aus Frankreich und Belgien, unterstützt wird: ein globaler Vertrag mit dem Ziel, aus fossilen Brennstoffen auszusteigen, der Fossil Fuel Non-Proliferation Treaty.

Mit Blick auf die nächste COP wird es sehr wichtig sein, dass diese Initiative von weiteren Abgeordneten unterstützt wird, auch aus diesem Hause. Dafür möchte ich sehr werben.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Katrin Staffler
Foto: Katrin Staffler/ Julia Rieck
10 Vermerkeca. 582 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir diskutieren über Nachhaltigkeit. Insgesamt reden wir aber für meinen Geschmack heute ein bisschen zu viel darüber, wo wir noch gesetzliche Regelungen schaffen können, wo wir was verbieten müssen, um ans Ziel zu gelangen.

Wie wäre es denn, wenn wir stattdessen mal über die Chancen sprechen, die uns Innovationen ermöglichen?

Beifallbei der CDU/CSU

Ja, natürlich gibt es bei neuen Technologien immer Befürworter und Skeptiker; davon lebt der politische Diskurs. Mit neuen Technologien sind immer auch Versprechungen und Erwartungen verbunden. Und die Geschichte zeigt: Nicht immer kann man die auch einlösen. Trotzdem: Das Scheitern gehört zur Forschung. Viel wichtiger ist doch, dass man erst mal ganz grundsätzlich offen ist für das, was an neuen Technologien auf uns zukommt, und mir hat heute in der Debatte diese Offenheit gefehlt.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Deshalb möchte ich klarstellen: Wenn wir erfolgreich sein wollen, müssen wir ideologiefrei denken, und wir dürfen auch keine Tabus haben, wenn es um das Nachdenken über neue Technologien geht. Denn ohne Innovationen, ohne diese neuen Technologien werden wir zum Beispiel den Klimawandel ganz sicher nicht meistern können. Ohne Forschung wissen wir nicht, was wir brauchen, wir wissen nicht, wo wir es brauchen, und vor allem wissen wir nicht, wie es funktioniert.

Deshalb: Lassen Sie uns doch bitte in dieser Debatte auch endlich in der Öffentlichkeit eine Lanze für Forschung und Innovation brechen!

Haben wir doch!

Das habe ich bislang – seit drei Stunden diskutieren wir – einzig und allein von einem Kollegen gehört, und zwar vom Kollegen Seiter.

Dann haben Sie nicht zugehört!

Ich finde es schade, dass es nur ein Kollege war. Noch viel trauriger, finde ich, ist, dass niemand aus dem BMBF dieses Thema für relevant genug angesehen hat, um hier heute zu sprechen.

Beifallbei der CDU/CSU

Da sitzt ein Staatssekretär, und es haben viele Leute dazu geredet! Frau Staffler, Sie sind wohl gerade erst gekommen! Das ist eine Frechheit!

Deswegen: Lassen Sie uns bitte endlich den Zukunftstechnologien der Forschung in Deutschland in der Debatte den Stellenwert geben, den sie verdient haben! Denn Deutschland kann und muss in dem Bereich einen großen Beitrag leisten. Wir haben hier eine unglaublich starke Forschungslandschaft; aber die müssen wir noch besser nutzen. Und wir brauchen dafür ebendie politische Unterstützung, von der ich heute deutlich zu wenig gehört habe.

Beifallbei der CDU/CSU

Das gilt insbesondere auch im wichtigen Bereich der neuen Züchtungstechnologien. Sie bieten uns die Chance, dass wir Nahrungs- und Lebensmittel ressourcenarm herstellen, und zwar auch unter schwierigsten klimatischen Bedingungen. Leider überwiegt in Teilen des Hauses die Skepsis. Und ich finde es ehrlicherweise schon bemerkenswert, dass der Bundeslandwirtschaftsminister sich heute in einer Debatte zur Nachhaltigkeit hierhinstellt und kein einziges Wort zu diesen neuen Züchtungstechnologien verliert.

Beifallbei der CDU/CSU

Deswegen die dringende Bitte, gesprochen an die Kollegen und Kolleginnen aus der FDP: Machen Sie hier Ihren Koalitionspartnern bitte Druck! Denn offensichtlich brauchen wir diesen Druck. Es kann nicht sein, dass sich Deutschland bei dieser wichtigen Frage am Ende auf europäischer Ebene enthalten muss.

Es geht aber nicht nur um Forschung und Innovation an sich; Nachhaltigkeit ist immer auch mit dem Thema Bildung verbunden. Ich meine damit nicht nur die Chancengerechtigkeit oder die Tatsache, dass unsere Kinder lernen müssen, was „nachhaltig“ bedeutet und wie man sich nachhaltig verhält, sondern wir müssen sie auch frühzeitig für technische Berufe begeistern, weil wir den Nachwuchs in dem technischen Bereich brauchen. Das gilt für das Studium, aber – das möchte ich deutlich sagen – ganz eindeutig auch für den Bereich der beruflichen Ausbildung.

Beifallbei der CDU/CSU

Abschließend will ich feststellen: Innovation kann und darf nicht isoliert stattfinden. Unsere Verantwortung ist, dass wir hier die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Deshalb ist es das falsche Signal, gerade am Bildungs- und Forschungshaushalt zu sparen. Das ist die falsche Prioritätensetzung und zeigt, dass die Bundesregierung keine Lust auf Zukunft hat.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Franziska Kersten
Foto: SPD Sachsen-Anhalt
4 Vermerkeca. 424 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich will diese sehr anregende Debatte mal ein bisschen erden und den Blick auf den Boden unter unseren Füßen richten. Neben Wasser und Luft ist der Boden ein zentrales Element für unsere wirklich elementaren Lebensgrundlagen. Böden sind Grundlage für das Wachstum von Pflanzen und Pilzen und auch der wichtigste Filter für unser Grundwasser. Gesunde Böden sind entscheidend für unsere Umwelt, aber auch für eine Berufsgruppe, die in ganz direktem Zusammenhang mit dem Boden steht: unsere Landwirtinnen und Landwirte.

Nur mit guten Böden und ausreichend zur Verfügung stehenden Flächen können wir auch in Zukunft nachhaltig Lebensmittel produzieren und Ernährungssicherheit gewährleisten. Wir bekennen uns in der Nachhaltigkeitsstrategie deshalb zur Wiederherstellung und Erhaltung gesunder Böden. Das geschieht durch eine Vielzahl von Maßnahmen: von der Altlastensanierung über die Ackerbaustrategie und das Dünge- und Pflanzenschutzrecht bis hin zur Reduzierung der Bodenversiegelung.

Und wenn wir über Bodenversiegelung reden, müssen wir auch über das Thema Flächenverfügbarkeit reden. Fläche ist eine umkämpfte Ressource. Schauen Sie sich doch um! Wir wollen Flächen für Landwirtschaft. Wir wollen Wohnraum schaffen. Wir wollen neue Gewerbeeinheiten. Wir wollen Innovationen stärken. Wir wollen Windkraft und Solaranlagen bauen. Wir wollen die Netze aufbauen. Wir wollen aber ebenso Naturflächen sichern und aufwerten, Biotope verbinden, Moore wiedervernässen und Wälder schützen.

Das Ziel der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie ist die Reduzierung des Flächenverbrauchs unter 30 Hektar pro Tag bis 2030 und bis 2050 sogar auf netto null. Der Koalitionsausschuss hat im März beschlossen, dass wir ein Flächenbedarfsgesetz entwickeln wollen; das wird aktuell noch verhandelt. Bei der wertvollen Ressource Fläche wollen wir nicht Kraut und Rüben, sondern Vernetzung von Biotopen und Wiederherstellung von wirklich gesunden Ökosystemen durch eine stärkere Steuerung der Eingriffsregelung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Jeder Eingriff in Natur und Landschaft muss kompensiert werden. Das passiert durch einen direkten Ausgleich am selben Ort – funktionaler Zusammenhang – oder durch Ersatzkompensation mit gleichwertigen Maßnahmen vor Ort, aber nur in Ausnahmefällen auch mit Ersatzgeld.

Deshalb sind für mich folgende Punkte wichtig: Wir sollten das Flächenmanagement den gut funktionierenden Strukturen der gemeinnützigen Landgesellschaften und Flächenagenturen der Länder übergeben oder sie zumindest beteiligen. Und wir sollten die Flächen, die dem Bund gehören, also BImA- und BVVG-Flächen, in einen Flächenpool packen. Das haben wir im Koalitionsvertrag so vereinbart, und das sollte jetzt tatsächlich in dieses Gesetz aufgenommen werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir müssen dafür sorgen, dass eine gute und vielseitige Agrarstruktur – der Bauer aus dem Dorf – erhalten bleibt. Ich plädiere also im Sinne der Nachhaltigkeit dafür, das Thema Fläche aus Umwelt- und Agrarperspektive zu betrachten. Als Grundsatz muss gelten: Jeder investierte Euro muss von Fläche begleitet sein.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Johannes Wagner
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen/ Stephan Kaminski
9 Vermerkeca. 518 WörterReaktionswert: lebhaft
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Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Lassen Sie mich zu Beginn kurz etwas zu der Union sagen. Sie haben in der Debatte mehrfach die Worte „Technologieoffenheit“ und „Atomkraft“ benutzt. Ich möchte Ihnen was sagen: Wer bei Atom immer nur über CO2 spricht und nicht über Abbau, Endlagerung und die Risiken des Betriebs, hat wohl in Physik nicht aufgepasst und diese Technologie nicht verstanden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir nehmen im Gegensatz zu euch Klimaschutz ernst!

Und wenn Sie jetzt vielleicht auf den Fusionsreaktor abzielen, sage ich: Den gibt es noch nicht. Ich bin ja durchaus ein sehr hoffnungsvoller Mensch. Aber bei der Bekämpfung der Klimakrise die Hände in den Schoss zu legen und auf zukünftige Technologien zu warten, halte ich nicht nur für naiv, sondern auch für verantwortungslos den jungen Generationen gegenüber.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Aber Braunkohle verstromen! Super! Kohle verstromen!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuschauende, es ist eine lange Debatte, und nach fast drei Stunden lässt sich sagen: An großen Worten mangelt es uns hier in diesem Haus nicht. Aber wie kommt es, dass wir es trotzdem nicht schaffen, die eigenen Klimaziele einzuhalten? Der UN-Gipfel dazu hat uns vor Kurzem attestiert: Wir machen sogar Rückschritte.

Momentan haben wir sechs von neun sogenannten planetaren Grenzen überschritten. Diese Grenzen zeigen an, wie viele Emissionen, wie viel Ressourcenverbrauch wir unserem Planeten zumuten können, ohne dauerhaft unsere Lebensräume zu zerstören. Würden alle Menschen so leben, wie wir es gerade in Deutschland tun, bräuchten wir eigentlich drei Erden. Wir haben aber keine drei Erden; wir haben nur eine Erde, und die hat natürliche Grenzen, über die wir nicht hinauswachsen können.

Unsere Wirtschaft braucht aber Wachstum, um zu funktionieren. Deswegen müssen wir auch über Wachstum sprechen. Politische Debatten darüber führen aber oft zu großen Antikampagnen und politischem Misserfolg. Das muss sich ändern. Wir müssen darüber sprechen, wie wir im Einklang mit den planetaren Grenzen und trotzdem auch in Wohlstand leben können.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Denn Nachhaltigkeit darf kein Luxusgut sein, das sich nur die Reichen leisten können.

Lassen Sie mich das veranschaulichen: Ich werbe nicht dafür, Autos zu verbieten. Ich werbe dafür, dass wir Mobilität für alle ermöglichen: durch Carsharing, einen guten ÖPNV und sichere Radwege.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich werbe auch nicht dafür, dass wir unsere Wäsche wieder mit der Hand waschen. Ich werbe dafür, dass wir keine 500 000 Tonnen Klamotten jedes Jahr in den Müll werfen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Und ich werbe auch nicht dafür, dass wir Fleisch verbieten. Ich werbe dafür, keine 11 Millionen Tonnen gute Lebensmittel jedes Jahr in den Müll zu kippen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Meine Damen und Herren, wir brauchen dringend eine große gesellschaftliche Debatte darüber, ob es nicht genug ist, beispielsweise ein Auto zu mieten, eine Bohrmaschine auszuleihen oder eine Waschmaschine teilen zu können. Das sind nur einige einfache Beispiele, die aber zeigen sollen, dass ein Leben – ein gutes Leben – auch innerhalb der planetaren Grenzen möglich ist.

Natürlich bedeutet das für viele erst mal eine Veränderung. Aber ganz ehrlich: Waldbrände und Überflutungen sind auch eine Veränderung, und zwar eine katastrophale; denken wir nur ans Ahrtal.

Die planetaren Grenzen konfrontieren uns mit der Frage: Was ist genug? Ich habe mir vorgenommen, diese Frage häufiger zu stellen, mir und auch den Menschen, denen ich begegne. Die Antworten können uns vielleicht überraschen. Was ist genug, meine Damen und Herren?

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
5 Vermerkeca. 167 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir diskutieren zu sechs Prinzipien der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie; aber ich werde jetzt nur zu dreien was sagen.

Erstens: Natürliche Lebensgrundlagen schützen! Für Windparks werden Wälder abgeholzt,

sauberes Erdgas wird durch dreckiges Fracking-Gas ersetzt, es werden LNG-Terminals in Touristikgebieten errichtet, CO2-freie AKWs dichtgemacht, Kohlekraftwerke hochgefahren, und der CO2-Ausstoß in Deutschland steigt.

Nachhaltiges Wirtschaften? Das genaue Gegenteil ist der Fall: Die Pleitewelle rollt, Deutschland ist in der Rezession – minus 0,5 Prozent dieses Jahr –, und die Bundesregierung treibt über CDU-CO2-Steuern und Lkw-Maut die Inflation immer weiter nach oben.

Lachenbei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufvon der SPD: CDU-Steuern!

– Lachen Sie ruhig! Sie zeigen damit, dass Sie von Wirtschaft gar nichts verstehen.

Fakt ist: Sozialer Zusammenhalt? Deutschland ist so tief gespalten wie nie

Zurufdes Abg. Jakob Blankenburg [SPD]

angesichts wachsender Armut, Wohlstandsvernichtung und Arbeitsplatzabbau. Deswegen sage ich: Nachhaltig in Deutschland ist nur eins: dass die Ampel Deutschland, unser Land, immer mehr schädigt. Da hilft nur eins, um schnellstmöglich zur Nachhaltigkeitsstrategie zu kommen: Die Ampel muss abgelöst werden.

Vielen Dank.

Da hat er recht!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Felix Schreiner
Foto: Felix Schreiner/ Tobias Koch
6 Vermerkeca. 556 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir die furchtbaren Bilder aus der Ukraine und seit vergangenem Samstag aus dem Nahen Osten sehen, dann wird uns doch eines bewusst: was Frieden und Freiheit für uns alle, aber vor allem für den Zusammenhalt eines Landes, ja eines ganzen Kontinents bedeuten und welches Glück dahintersteckt. Eine der Botschaften dieser Vereinbarten Debatte muss angesichts der Krisenherde und der unmittelbaren Auswirkungen lauten, den sozialen Zusammenhalt in unserem Land zu stärken.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir müssen die langfristigen Themen, die über Wahlperioden hinausgehen, in diesem Parlament bewusst in den Mittelpunkt der Debatten stellen. Ich schließe mich deshalb ausdrücklich den Worten von Steffen Bilger an: Nachhaltig sind Entscheidungen nur dann, wenn sie wirtschaftlich, sozial und ökologisch gleichermaßen tragfähig sind.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Reduzierung des Nachhaltigkeitsbegriffes nur auf die Bereiche Klima und Umwelt, wie sie vor allem die linke Seite dieses Hauses so oft vorschlägt, geht an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei. Wir müssen den Begriff vollumfänglich denken, meine lieben Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Es hat übrigens nichts mit nachhaltiger Entwicklung zu tun, wenn man zum Beispiel auf Biegen und Brechen ein Heizungsgesetz durch den Deutschen Bundestag peitscht, dieses als klimafreundlich etikettiert, ohne zu wissen, wie viel CO2 dadurch tatsächlich eingespart wird, und wenn man ein Förderkonzept erstellt, das die Technologieoffenheit konterkariert und die Menschen und Betriebe verunsichert zurücklässt. Das ist das eigentlich Dramatische; denn es ist nicht nachhaltig. Es ist Ideologie, und es geht auf Kosten der Glaubwürdigkeit der Politik, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ökologie, Ökonomie und die sozialen Entwicklungen nicht gegeneinander auszuspielen, sondern zusammenzubringen, eine Klammer darum zu bilden, ist die wichtigste Aufgabe, um die Zukunftsfähigkeit unseres Landes zu sichern. Das ist unser Ansatz als Christdemokraten.

Ein Beispiel dafür ist die Einführung der Schuldenbremse, die 2014 zum ersten Mal seit 45 Jahren den Weg für die schwarze Null ebnete. Es ist nicht akzeptabel, wenn wir auf Kosten künftiger Generationen leben und ihnen einen Schuldenberg hinterlassen, der nicht abgetragen werden kann. Deshalb an die Adresse der Regierungskoalition: Es ist mehr Anstrengung geboten, was dieses Feld anbelangt, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Unbestritten ist die Agenda 2030 der Vereinten Nationen die größte Errungenschaft; das stimmt. Wir haben aber Halbzeit, und die Bilanz ist ernüchternd: Nur 15 Prozent der Ziele sind erreicht, bei 37 Prozent gibt es Stagnation oder sogar Rückschritte. Um es klar zu sagen: Hier braucht es einen Schulterschluss von allen demokratischen Kräften in diesem Haus. Wir müssen hier dringend nachbessern.

Und anstatt nach New York zu reisen und angesichts dieser verheerenden Zahlen eine Führungsrolle zu übernehmen, wurden die Erwartungen durch die Bundesregierung bereits vor dem UN-Gipfel im vergangenen September bewusst gedämpft. Es war ein fatales Signal, das insbesondere die Bundesentwicklungshilfeministerin ausgesendet hat. Das könnte sich noch als echter Bärendienst für die Nachhaltigkeitsziele erweisen.

Und ja, ich muss es so sagen: Dieser Bundesregierung fehlt der Wille, Tempo bei der Umsetzung der Agenda 2030 zu machen. Das zeigt auch der ein oder andere Redebeitrag heute seitens der Regierung. Das wird unterstrichen durch das oberflächlichste Papier zur Nachhaltigkeit, das wir in diesem Haus je gesehen haben und das Sie uns in der vergangenen Woche vorgestellt haben; es beinhaltet im Grunde nichts Neues. Deutschland muss als zweitgrößter Geber der Vereinten Nationen eine Führungsrolle bei der Umsetzung der globalen SDGs einnehmen! Denn machen wir uns nichts vor: Wenn wir es nicht vorleben, wird uns niemand auf der Welt folgen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Felix Schreiner
Foto: Felix Schreiner/ Tobias Koch
2 Vermerkeca. 49 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich komme zum Schluss, indem ich Sie bitte: Füllen Sie Ihre Politik mit Leben! Sorgen Sie für etwas Hoffnung in der Welt! Aber fördern Sie vor allem Innovationen, globale Partnerschaften, und schaffen Sie die Grundlage, die extreme Armut in der Welt durch Bildung und Teilhabe zu bekämpfen!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
7 Vermerkeca. 473 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Nachhaltigkeit für Deutschland hat zum Ziel, dass unser deutsches Volk auf unserem deutschen Staatsgebiet auf Dauer in Wohlstand, in Sicherheit, in Freiheit, in Demokratie und in einer gesunden Umwelt leben kann.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Bernd Riexinger [DIE LINKE]

Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir in unserem Deutschland vor allem eine leistungsfähige und innovative Industrie, eine zuverlässige, bezahlbare und ausreichende Energieversorgung, ein solides Bildungssystem und einen verantwortungsbewussten Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen.

Diesen Zielen wird jeder Bürger unseres Landes zustimmen. Doch Sie haben es geschafft, dass Nachhaltigkeit für immer mehr Menschen in unserem Land eine Drohung ist. Wenn ein Ampelpolitiker von Nachhaltigkeit spricht, dann wissen die Bürger inzwischen: Jetzt geht es uns ans Geld. Jetzt soll unser Wohlstand und unsere Freiheit eingeschränkt werden.

Beifallbei der AfD

Denn unter dem Deckmantel „Schutz von Mensch und Umwelt“ betreiben Sie nichts anderes als eine Umgestaltung unseres Gemeinwesens in eine ökosozialistische Dystopie, in der die Leistungsträger der Gesellschaft hemmungslos ausgebeutet werden.

Beifallbei der AfD
Lachender Abg. Gabriela Heinrich [SPD]

Nichts anderes ist mit Ihrem Kampfbegriff „Transformation“ unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit gemeint.

Aber Sie werden Ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht. Sie scheitern an Ihren selbstgesteckten Zielen. Sie sprechen davon, dass Veränderungen sozialverträglich und generationengerecht sein müssen. Doch fragen Sie mal die Hausbesitzer, die sich wegen Habecks Heizhammer berechtigte Sorgen um ihr Eigentum machen, wie sozialverträglich die Ihre Politik finden. Und generationengerecht? Im Namen Ihrer eigenwilligen Interpretation von Nachhaltigkeit werden gerade Schulden aufgehäuft, die unsere Kinder und Enkelkinder noch abzahlen werden, während Sie gleichzeitig die wirtschaftliche Grundlage unseres Wohlstands vernichten. Das ist ein schlechter Witz, aber nicht nachhaltig.

Beifallbei der AfD

Sie fordern – ich zitiere –:

„Unser Handeln in Deutschland soll möglichst nicht zur Belastung für die Menschen und die Umwelt in anderen Ländern führen.“

Zugleich aber muten Sie den eigenen Bürgern immer größere und unerträglichere Belastungen zu, und unseren Naturraum zerstören Sie mit Anlagen Ihrer sogenannten Energiewende. Windkraft- und Photovoltaikanlagen sind auf eine Nutzungsdauer von gerade einmal 20 Jahren ausgelegt. Danach sind sie kaum recycelbarer Schrott. Das ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit.

Beifallbei der AfD

Ähnlich sieht es bei Akkus und Komponenten der Elektromobilität aus. Die Produktion vieler dieser Komponenten und Grundstoffe wird nach China und in andere Länder ausgelagert. Dort pfeift man auf unsere Nachhaltigkeitsprinzipien. Darin ist weder ein Vorteil für die Umwelt in Deutschland noch sonst wo in der Welt erkennbar. Und unser miserables Bildungssystem, das Sie hier alle zu verantworten haben, spricht jeder Nachhaltigkeit hohn.

Das sieht man ja!

Sie sind ein gutes Beispiel dafür! Das stimmt!

Wenn Sie mit unseren Ressourcen verantwortungsvoll umgehen wollen, ohne unser Land dabei ins Mittelalter zurück zu transformieren, dann sorgen Sie zunächst einmal für eine preiswerte und zuverlässige Energieversorgung. Beenden Sie die Vernichtung unseres Wohlstands, und hören Sie auf, den Menschen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben!

Beifallbei der AfD

Verabschieden Sie sich von der Illusion, eine wachsende Bevölkerung, national wie global, mit einem sinkenden Ressourcenverbrauch kombinieren zu können. Eine wachsende Bevölkerung ist nicht nachhaltig, nirgends auf der Welt.

Nicht mit Mangel, sondern mit kreativen Lösungen Wohlstand schaffen, dafür steht die AfD.

ca. 9 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir sind und bleiben die Stimme der Millionen Menschen –

2 Vermerkeca. 15 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– in unserem Land, die von Ihrer Gängelung und Inkompetenz die Nase voll haben.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Bravo! Sehr gut, Herr Professor!

Porträt von Nina Scheer
Foto: Nina Scheer
7 Vermerkeca. 522 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Über die Nachhaltigkeitsfragen zu diskutieren, wird ja teilweise damit abgetan, dass das alles nur ein großes Reden sei, dass es nichts brächte. Und in der Tat haben wir die Problematik, dass die Nachhaltigkeitsziele sehr schwer erreichbar zu sein scheinen. Aber es ist trotzdem wichtig, dass wir diese Nachhaltigkeitsziele definiert haben, dass wir eine internationale Gemeinschaft haben, die sich diesen Nachhaltigkeitszielen verschrieben hat, und dass wir mit den Prinzipien der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, die wir heute hier debattieren, auch versuchen, das auf die nationale Ebene runterzubrechen. Denn es ist Bestandteil der Nachhaltigkeitsüberzeugung, die wir international verfolgen, global zu denken, aber lokal zu handeln. Genau deswegen geht es darum, lokal – und das heißt in diesem Kontext auch national, auf der Ebene der einzelnen Bundesländer und in den Kommunen – alle Hebel in Bewegung zu setzen, dass es ein Stück mehr Nachhaltigkeit und nicht ein Stück weniger Nachhaltigkeit gibt. Denn nur so kann auch in der praktischen Umsetzung tatsächlich die Verantwortung für die Nachhaltigkeit übernommen werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Nils Gründer [FDP]

Ich habe diese Kaskade auch deswegen noch mal dargelegt, weil es gar nicht so leicht ist, das tatsächlich wiederzufinden, wenn es dann um den Konzeptvergleich geht. Wenn ich jetzt höre, dass auch aus den Reihen der Union wieder vorgeschlagen wird, die Atomenergie zu nutzen, sage ich dazu: Genau diese Konzeptkaskade wird nicht eingehalten.

Denn es ist nicht nachhaltig, auf Dauer den nachfolgenden Generationen über Millionen Jahre Müll zu hinterlassen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]

Es ist nicht nachhaltig, dabei – Frau Klöckner, Sie haben das Nachhaltigkeitsdreieck und den Zusammenhang zwischen Sozialem, Ökologie und Ökonomie gerade noch einmal erwähnt; das ist ja das Nachhaltigkeitsdreieck – einfach zu ignorieren, dass weltweit keine einzige Nutzung von Atomenergie ohne eine staatlich gesetzte Versicherungshöchstgrenze existiert.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des Abg. Johannes Wagner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das ignorieren Sie einfach. Es gibt, wie gesagt, weltweit keinen Staat, der ohne eine staatlich verordnete Versicherungshöchstgrenze auskommt.

Warum denn? Weil Atomenergie nicht ökonomisch ist. Weil es diesen Zusammenhang von Ökonomie und Ökologie bei der Atomenergie nicht gibt. Und es ist eben auch nicht sozial, wie gesagt, den Menschen den Atommüll zu hinterlassen und die Restrisiken einzugehen. Das ist nicht nachhaltig.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Insofern geht es eben auch um Folgendes – das möchte ich kurz erwähnen –: Wir leisten harte Arbeit im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung, die ich einfach auch mal an dieser Stelle würdigen möchte. Ich möchte Dank an die Mitglieder des Parlamentarischen Beirats richten dafür. Wir müssen dafür sorgen, dass die Gesetzgebung, die wir hier durch das Hohe Haus bringen, einer Selbstüberprüfung unterzogen wird. Auf der Ebene des Kabinetts gibt es das schon, aber es kann noch vertieft werden. Es ist im parlamentarischen Raum aber, sagen wir mal, noch nachbesserungsfähig, dass wir diese Nachhaltigkeitschecks auch wirklich machen. Daran wird gearbeitet. Es ist wichtig, dass wir eine solche Debatte dazu nutzen, darauf hinzuweisen, welche Möglichkeiten wir auch im regulativen Rahmen haben.

Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass die Nachhaltigkeitsgarantien, die uns auch ökonomisch gegeben sind, von der wirklich fabelhaften Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom – ich habe es neulich schon mal erwähnt –, die leider schon verstorben ist, dargelegt wurden. Sie hat den Nobelpreis bekommen dafür, dass sie das Dezentralitätsprinzip als überragendes Prinzip festgestellt hat. Und genau darin liegt auch der Erfolg von erneuerbaren Energien.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Nina Scheer
Foto: Nina Scheer
2 Vermerkeca. 22 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Okay, gut. – In diesem Sinne: Lassen Sie uns im Gedenken an Elinor Ostrom an der Dezentralität der Energiewende massiv weiterarbeiten.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Markus Frohnmaier
Foto: Jana Schneider
4 Vermerkeca. 237 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie ist die Umsetzung der Agenda 2030; der Agenda 2030, die unseren Wohlstand in den Globalen Süden umverteilen will; der Agenda 2030, die allen Staaten eine Art links-grüne Genderideologie auferlegen will; der Agenda 2030, die ein weltweites Recht auf Migration schaffen will.

Ihre Schallplatte hat einen Sprung!

Die Kommunen leiden, Landräte verzweifeln, Bürger sorgen sich völlig zu Recht um die Sicherheit ihrer Familien. Trotzdem schreibt die Ampel auf Seite 256 ihrer Nachhaltigkeitsstrategie – ich zitiere –: Die Migration von Menschen soll erleichtert werden. – Damit sind natürlich alle Verlautbarungen, die wir dieser Tage von Scholz, Habeck und Faeser hören können, ein reines Täuschungsmanöver, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Denn eines wird doch deutlich: Die Ampel, die will Migration nicht beschränken. Sie will damit auch Migration nach Deutschland erleichtern. Ich sage Ihnen: Die Ampel vollstreckt mit der Umsetzung dieser Agenda 2030 ein UN-Papier gegen die Interessen der eigenen Bürger. Für mich ist die Agenda 2030 der Kommunismus des 21. Jahrhunderts.

Beifallbei der AfD
Zurufeder Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Kathrin Vogler [DIE LINKE]

Es wäre einfach, uns von diesem Kommunismus zu befreien. Wir bräuchten einfach nur eine vernünftige Regierung: eine Regierung, die keine Schuldenschnitte für Entwicklungsländer macht, sondern deren Wirtschaft und unsere eigene durch Zusammenarbeit stärkt; eine Regierung, die sich nicht in innere Angelegenheiten fremder Staaten einmischt – Frau Baerbock ist da Experte – und die auf Belehrungen verzichtet; eine Regierung, die keinen Globalen Pakt für Migration, sondern einen globalen Pakt für Rückführungen und Begrenzung der Migration abschließt, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD
Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
ca. 322 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Hans Carl von Carlowitz – er wurde schon mehrfach erwähnt – hat das Prinzip der Nachhaltigkeit vor ungefähr 300 Jahren erfunden und wollte dadurch ein stabiles Gleichgewicht im Wald schaffen: nur so viel entnehmen, wie man hinterher auch wieder nachpflanzt. Sie haben das Ganze gesellschaftlich sozusagen transformiert und 2017 die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung verkünden lassen.

Die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung beschäftigt sich damit, dass mit Visionen, Fantasie und Kreativität die Zukunft gestaltet und eine Handlungsanleitung für eine umfassende zukunftsfähige Politik gegeben werden soll. Das hört sich gut an. Jetzt schauen wir uns doch einmal an, wie Ihre Früchte, Ihre Fantasie und Ihre Kreativität aussehen.

Die Zahl der Regelinsolvenzen in diesem Land ist auf dem Höchststand: 24 Prozent mehr als im Juli letzten Jahres. Die Inflation galoppiert. Wir haben 2,6 Millionen Arbeitslose in Deutschland, 140 000 mehr als im vergangenen Jahr. Der Internationale Währungsfonds erwartet eine Rezession, eine Schrumpfung der deutschen Wirtschaft um ein halbes Prozent; vor Kurzem waren es noch 0,3 Prozent. Wir haben in diesem Land ein Finanzierungsdefizit im ersten Halbjahr von 40 Milliarden Euro. Wir haben 251 000 gestellte Asylanträge per heute. Das sind mehr als im gesamten Jahr 2022. Zwischen Januar und August dieses Jahres sind 70 000 Menschen unerlaubt nach Deutschland eingereist; im letzten Jahr waren es 45 000. Die Sozialleistungen sind auf einem Höhepunkt. Über 1,1 Billionen Euro werden an Sozialleistungen herausgehauen. Auf der anderen Seite haben Sie eine Belastung sondergleichen: Alleinstehende in Deutschland haben eine Steuer- und Abgabenlast von ungefähr 47 Prozent. Die Unternehmen in Deutschland werden belastet wie nirgendwo sonst in Europa außer in Spanien. Der Strompreis ist so hoch wie nirgendwo in Europa. Wir haben Unternehmensteuern, die sich weltweit nicht sehen lassen können. Die Wirtschaft wird geknechtet. Wir haben bei den Alleinstehenden erhebliche Probleme, was die Abgabenlast angeht.

Meine Damen und Herren, wir haben einen Ausländeranteil bei der Kriminalität, der deutlich über dem Ausländeranteil in der Bevölkerung liegt.

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
1 Vermerkca. 10 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– und das ist die Nachhaltigkeitsstrategie, die Sie in Deutschland verfolgen.

Beifallbei Abgeordneten der AfD
Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
2 Vermerkeca. 11 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Es gibt nur ein Nachhaltigkeitsprogramm, und das heißt AfD.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Heiterkeitbei Abgeordneten der AfD
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
9 Vermerkeca. 257 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Wertes Präsidium! Werte Kollegen! Liebe Bürger vor den Bildschirmen! Für die Bereiche „Verkehr“ und „Tourismus“ ist Nachhaltigkeit zur ideologisch leeren Worthülse geworden. Beispiel: Gerade das 49-Euro-Ticket ist weder wirtschaftlich noch nachhaltig, Frau Kollegin Cademartori. Der Verkehrsminister Wissing wird unsere Bürger, die Länder, unsere Landkreise und die kommunalen Betriebe mit den Kosten ab 2024 einfach im Regen stehen lassen.

Das ist Quatsch! Einfach Quatsch!

Die Verkehrsunternehmen können jetzt weder vor- noch nachhaltig, geschweige denn ökonomisch planen, Herr Müller.

Beifallbei der AfD

Im Klartext: Unsere Verkehrs- und Tourismuswirtschaft braucht sofort günstige, verfügbare, langfristige Energie, Stabilität und Zuverlässigkeit.

Beifallbei der AfD

Wir brauchen für unsere Bürger, besonders im ländlichen Raum, individuelle Mobilität, Technologieoffenheit für den Erhalt des Verbrennermotors und damit auch nachhaltige E-Fuels.

Beifallbei der AfD

Die Bürger in Bayern und Hessen haben ja letzten Sonntag gezeigt, was für unsere gemeinsame Zukunft wirklich nachhaltig ist: Das ist die Alternative für Deutschland.

Beifallbei der AfD

Die Bundesregierung redet von Maßnahmen in Deutschland mit weltweiten Wirkungen. Niemand folgt dieser politischen Planwirtschaft. Durch deutsche Nachhaltigkeit soll die ganze Welt genesen? Unsere Bürgerinteressen müssen für uns im Vordergrund stehen und nichts anderes!

Beifallbei der AfD

Nächstes Jahr wählen nicht nur wir in Sachsen mit unseren ganz eigenen, besonderen Erfahrungen mit wahrer Nachhaltigkeit und Planwirtschaft. Durch die AfD werden hier politische Lösungen erreicht, und das wird nachhaltiger, als Sie es sich jemals vorstellen können.

Beifallbei der AfD

Wir, die AfD-Fraktion, werden effektiv, aktiv und zielgerichtet die ökonomischen und politischen Verhältnisse in Deutschland nachhaltig verbessern. Denken Sie an meine Worte! Die Friedliche Revolution von 1989 wird 2024 im Osten erst mal richtig nachhaltig.

Beifallbei der AfD

Die AfD ist die Partei der politischen Nachhaltigkeit für unser deutsches Volk.

Rassismus! Nachhaltiger Rassismus!

2 Vermerkeca. 8 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Liebe Bürger, seid schlau, wählt Blau!

Glück auf!

Beifallbei der AfD
Zurufvon der SPD: Schande über die, über 89 zu reden!
Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
7 Vermerkeca. 484 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ein Gespenst geht um in Europa.

Zurufvon der AfD: Der Kommunismus!

Und anders als vor 150 Jahren wissen wir diesmal, mit diesem Gespenst umzugehen. Es ist das Gespenst der Wasserknappheit. Es ist ein Gespenst, das Millionen betrifft – weltweit. Es ist ein Gespenst, das Millionen vertreibt – weltweit. Es ist ein Gespenst – man mag es ja gar nicht sagen –, das uns auffordert, unseren Verstand, unsere Innovationskraft und unseren Markt zu nutzen.

Denn selbst Gespenster lernen dazu, zum Beispiel in dem Punkt, dass wir in Deutschland noch auf einer Insel der Glücklichen leben. Dass dies nicht selbstverständlich ist, haben uns Dürre und halb ausgetrocknete Flüsse in den vergangenen Jahren gezeigt. Doch insgesamt sind wir noch ein reiches Land, wenn es ums Wasser geht. Und dieser Vorteil muss uns antreiben, unser Wissen um die nachhaltige Nutzung der Ressource Wasser zu stärken; denn dieses Wissen ist eine Ressource an sich.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten und der SPD

Deswegen ist es auch zwingend notwendig, dass wir frühzeitig junge Menschen bilden, dass wir innovative Technologien in der Wasserwirtschaft, in der Landwirtschaft und Industrie als Know-how für die Zukunft begreifen; denn wenn es in diesem Land an einem nicht mangeln darf, dann sind das Innovationen und Ideen und der politische Wille, diese Innovationen umzusetzen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Schon diese zwei Punkte, Landwirtschaft und Industrie, bieten enorme Chancen. Für die Landwirte ist der nachhaltige Umgang mit Wasser sowieso eine zentrale Frage. Hier sind nachhaltigere Bewässerungstechniken oder die Wiederverwendung aufbereiteter Abwässer schon heute das Gebot der Stunde. Die Industrie benötigt ebenfalls viel Wasser, gerade auch zum Kühlen. Dieses Kühlwasser ist so zu reinigen, dass es schadstofffrei direkt wieder in den natürlichen Wasserkreislauf gehen kann.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Chancen auf neue Systeme zum Wassermanagement sind bei uns in Deutschland groß. Enorm werden diese Chancen aber, wenn wir über den Tellerrand schauen. Und dafür brauchen wir nicht weit zu schauen; denn viele unserer europäischen Freunde haben handfeste Probleme mit Dürre und sinkendem Grundwasser. Warum sollten sie nicht mit unserem Know-how und den Lösungen unserer Unternehmen eine nachhaltige Basis der Wassernutzung schaffen? Das ist doch eine Win-win-win-Situation: europäische Freunde zufrieden, Wasserkreisläufe zufrieden, Wirtschaft zufrieden – Al-Halak ist zufrieden.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Oder nehmen Sie das Thema Meerwasserentsalzungsanlagen, ein Potenzial, welches hierzulande nur marginal diskutiert wird. Dabei sind unsere Süßwasserquellen verschwindend gering. Das Wasser unserer Ozeane hingegen ist unerschöpflich. Und wenn wir diese Technologie auch noch energieneutral betreiben, dann ist das künftig kein marginales Thema mehr, sondern ein Gamechanger. So gehen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand, meine Damen und Herren!

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Deshalb müssen wir in unserem Land der Tüftler und Denker den nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser immer auch als Chance begreifen. Ich will sagen: Wir werden künftig größer denken müssen, mutiger werden müssen, denn: kein Wasser: kein Grün; kein Wasser: keine Wirtschaft, keine Wirtschaft – keine Perspektive. Deswegen bin ich für einen europäischen Blue Deal: für unsere privaten Haushalte, für unsere Wirtschaft, für den Zusammenhalt in der EU und für die Bekämpfung von Fluchtursachen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
2 Vermerkeca. 35 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ein Gespenst geht um in Europa und der Welt, und wir, meine Damen und Herren, sind die Ghostbusters. Also lassen Sie uns diese Welt zu einem besseren Ort machen und dabei Deutschland stärken.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Gitta Connemann
Foto: Gitta Connemann / Sebastian Werl
12 Vermerkeca. 481 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Was ist nachhaltig? Das Elektroauto?

Zurufvon der AfD: Nein!

Der „Atomkraft? Nein danke!“-Aufkleber? Es klingt gut, aber tatsächlich ist die Klimabilanz eines Diesels heute kaum zu toppen. Und wer lieber Kohle verstromt, statt CO2-freie Kernenergie zu produzieren, hat mit dem Klima ohnehin nichts am Hut.

Oah! Die alte Leier wieder!

Liebe Grüne, was ist also echte Nachhaltigkeit? Die Erfinderin der Nachhaltigkeit, übrigens die Forstwirtschaft, hat es auf den Punkt gebracht: Man darf nur so viel entnehmen, wie nachwächst.

Haben Sie schon ein Endlager gefunden? Für Brennstäbe?

Die EU hat versucht, diese Nachhaltigkeit neu zu definieren mit der sogenannten Taxonomie. Gut gemeint, ist aber schlecht gemacht. Man wollte die Kriterien für nachhaltige Investitionen definieren; aber man bekommt die Rückkehr zur Planwirtschaft und massive Probleme für die Finanzierung, gerade im Mittelstand. Die Bundesregierung schweigt oder enthält sich – the German Vote.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Dabei ist es so leicht: Wer echte Nachhaltigkeit sucht, findet diese im deutschen Mittelstand; genau darauf hat Frau Klöckner hingewiesen. Denn dieser lebt alle Nachhaltigkeitsprinzipien, übrigens seit Generationen, ohne politisch mahnenden Finger, und zwar wirtschaftlich, ökologisch und sozial.

Beifallbei der CDU/CSU

Der Mittelstand übernimmt Verantwortung für Mitarbeiter, für deren Familien, für das Dorf. Er nimmt Rücksicht auf die Umwelt und Ressourcen. Allerdings kann und will das nicht jeder sehen. Der Wirtschaftsminister ist mittelstandsblind.

Das stimmt nicht!

Er ist für Intel, aber gegen eine Entlastung für die Kleinen. Und Teile der Ampel führen nichts anderes als stete Regulierungen im Schilde; auch dies war heute in der Debatte zu hören.

Jede Vorschrift ist Ausdruck von Misstrauen. Dabei hat der Mittelstand unseren Respekt verdient: weniger Vorgaben, weniger Eingriffe, weniger Bürokratie,

Was soll denn konkret weg?

ein Belastungsmoratorium und Planungssicherheit.

Können Sie mal was zur Nachhaltigkeit sagen?

Wie ist es um die Planungssicherheit aktuell bestellt? Fehlanzeige! Dem Wohnungsbau wird über Nacht die KfW-Förderung für sparsame Neubauten genommen.

Stimmt doch gar nicht!

Fake News!

Der deutschen Landwirtschaft wird die Fläche genommen, damit man dann Produkte aus dem Ausland importiert, und, und, und.

Dabei investiert der Mittelstand schon seit Jahren in den Klimaschutz und hat noch eine Mammutaufgabe vor sich. Kleine und mittlere Unternehmen müssen laut KfW jedes Jahr 60 Milliarden Euro investieren, um bis 2045 klimaneutral zu sein.

Das stimmt nicht, was Sie behaupten!

Sie investieren trotzdem, sie sorgen mit klugen Produkten, mit Technologien, mit Innovationen für CO2-Minderung.

Aber was bringt’s? Ein Spediteur in meiner Heimat hat ein kluges Konzept aufgestellt: Er hat Wohnungen an allen Routen angemietet, damit die Fahrer in einer Wohnung schlafen können, der Lkw aber nie steht. Er hat auf LNG umgestellt. Alles passte. Aber dann: Die LNG-Förderung wurde gekippt. Und jetzt droht ihm noch ein finanzieller Doppelschlag durch Lkw-Mautexplosion

Mit Maut kennt sich die Union aus!

und CO2-Verteuerung. LNG war nicht gewollt, E-Lkws sind nicht bezahlbar, Wasserstoff-Lkws nicht zu kaufen: Das ist Ideologie pur, aber nicht nachhaltig. Antriebswende: Prost Mahlzeit!

Liebe Ampel, sehen Sie es endlich ein: Starke Wirtschaft und Klimaschutz sind kein Gegensatz. Sie gehören zusammen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Dafür brauchen wir aber echte Technologieoffenheit und Vertrauen. Unser Mittelstand ist kein Gegner, sondern Verbündeter. Aber er braucht endlich ein Konzept, das ihn mitnimmt, bürokratisch entlastet, Unternehmergeist fordert und fördert, nicht unterdrückt und gängelt.

Porträt von Gitta Connemann
Foto: Gitta Connemann / Sebastian Werl
2 Vermerkeca. 18 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Lassen Sie unseren Mittelstand einfach arbeiten, und zwar nicht an Nachhaltigkeitsberichten, Ökoprognosen oder Lieferkettenprüfberichten, sondern für die Zukunft.

Beifallbei der CDU/CSU

Das Lieferkettengesetz haben Sie doch gemacht!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Karsten Hilse
Foto: Karsten Hilse/ Hagen Schnauss
2 Vermerkeca. 333 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wertes Präsidium! Meine Damen und Herren! Liebe Landsleute! Die Bundesregierung – im Moment nicht da – verstößt mit ihrer sogenannten Klimapolitik gegen das siebte Ziel der Agenda 2030, in dem gefordert wird, den Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle zu sichern. Die ideologisch motivierte Energiewende, die in Deutschland mit religiösem Eifer betrieben wird, konterkariert dieses Ziel, weil mit ihr die Energie teuer und unverlässlich wird. Sie zerstört unsere Umwelt und unsere Lebensgrundlagen mit Vogelschreddern und Insektenfallen.

Schaut man sich die Geschichte und Gegenwart Deutschlands an, drängt sich der Vergleich zum fiktiven Städtchen Schilda auf. Die Schildbürger galten, bevor sie sich zu Narren machten, als besonders klug. Auch Deutschland war einst eine Wiege von fortschrittlicher Technik, Kunst und Kultur. Es gab Zeiten, in denen die meisten wissenschaftlichen Abhandlungen weltweit in Deutsch verfasst wurden, in denen man beeindruckt von deutschem Erfindergeist auf Deutschland schaute. Auch heute noch gibt es in Deutschland großartige Wissenschaftler und Ingenieure, die großartige Erfindungen machen, deren Nutzbarkeit für die Menschen aber durch die Narren verhindert wird.

Typische Beispiele in der Vergangenheit waren der Transrapid, der Kugelhaufenreaktor, der Schnelle Brüter und andere geniale Erfindungen. In der Gegenwart ist es beispielsweise der Dual-Fluid-Reaktor, ein Kernreaktor, der absolut sicher ist, der Unmengen an Energie auf kleinstem Raum zur Verfügung stellen kann und dessen hochradioaktive Reststoffe nicht mehr in geologischen Zeiträumen gelagert werden müssen.

Statt nun aber diese Spitzentechnologien in Deutschland zu entwickeln, werden die Erfinder von den Narren ins Ausland getrieben.

Beifallbei der AfD

Nun versuchen die Narren, mit der sogenannten Wasserstoffstrategie die sogenannte Energiewende zu retten. Dies ist vergleichbar mit dem wohl bekanntesten Streich der Schildbürger, ein Rathaus ohne Fenster zu bauen, woraufhin die Schildbürger versuchten, mit Eimern und Schüsseln das Licht ins Rathaus zu tragen. Dass die ganze Welt sich nun anbietet, uns die Schüsseln und Töpfe teuer zu verkaufen, ist verständlich. Das einzig Nachhaltige an Ihrer Politik ist der nachhaltige Schaden, den Sie Deutschland zufügen. Eine AfD-geführte Bundesregierung wird dieses Schildbürgertum beenden.

Beifallbei der AfD

Und im Übrigen bin ich der Meinung: –

Porträt von Volker Mayer-Lay
Foto: Volker Mayer-Lay/Tobias Koch
1 Vermerkca. 209 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauer! Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht. Manchmal habe ich den Eindruck, dass genau das bei Nachhaltigkeitsthemen auf internationaler Ebene das Credo der Ampelbundesregierung ist.

Es gibt das Nachhaltigkeitsziel 17. Das sieht vor, dass die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung gefördert wird. Ich kann von Partnerschaft aber leider ziemlich wenig spüren. Es ist nämlich keine Partnerschaft, wenn wir – Deutschland, die deutsche Bevölkerung – die Klimasünden der ganzen Welt auf unseren Schultern tragen sollen, meine Damen und Herren. Die Welt fällt immer mehr unter die Herrschaft absoluter Regime, denen Nachhaltigkeitsthemen wie das Weltklima völlig egal sind. Die gleiche Haltung haben auch Staaten, die jetzt ein der Bevölkerung gemachtes Aufstiegsversprechen einlösen wollen durch neue Industriezweige, die meistens auf fossilen Energieträgern beruhen. Nachhaltiges politisches Handeln würde an dieser Stelle bedeuten, gerade auch mit solchen schwierigen Staaten in einen vertieften Dialog zu treten. Bei einer Weltbevölkerung von 8 Milliarden Menschen müssen alle nach ihren Möglichkeiten einen Beitrag leisten, um eine gute Zukunft für Mensch, Natur und würdige Lebensverhältnisse zu schaffen.

Es wird immer erzählt, dass der Rest der Welt unserem guten Vorbild folgen würde. Aber was haben wir denn da bisher wirklich erreicht? Ich möchte das mal in den nächsten zehn Sekunden veranschaulichen.

Der Redner schweigt
Porträt von Volker Mayer-Lay
Foto: Volker Mayer-Lay/Tobias Koch
5 Vermerkeca. 330 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ja, meine Damen und Herren, so viel haben wir gefühlt erreicht. Genau so fühlt sich übrigens auch das Schweigen der Ampelregierung bei so vielen wichtigen Themen an, meine Damen und Herren.

Heiterkeitund Beifall bei der CDU/CSU
Heiterkeitbei der AfD

Eine aktuelle Zwischenbilanz zu den Nachhaltigkeitszielen bis 2030 der Vereinten Nationen ist verheerend. Von den selbstgesteckten Zielen ist man Lichtjahre entfernt. Darüber können nationale Alleingänge Deutschlands nicht hinwegtäuschen. Die größten Nachhaltigkeitsdefizite gibt es nämlich in ganz anderen Teilen der Welt. Aber die Menschen haben langsam den Eindruck, dass die europäische und insbesondere die deutsche Bevölkerung für alles geradestehen muss, was auf der Welt schiefläuft. Andere Länder der Welt verpesten weiterhin fröhlich die Luft, nehmen gerne unseren freiwillig aufgegebenen wirtschaftlichen Spitzenplatz und belächeln uns verständnislos.

Beifallbei der CDU/CSU

Wo ist da die Nachhaltigkeit? Wo bleibt da ein zukunftsorientiertes Handeln? Wir reißen nicht andere mit, sondern wir schaffen uns selber ab. Das ist kein ganzheitlicher Ansatz, das ist die reinste Selbstaufgabe, meine Damen und Herren.

Ja, das Erzählte reicht nicht; das Erreichte zählt. International, bei den ganz großen Emittenten wie beispielsweise China oder Indien, haben wir null Komma nichts erreicht. Für jede Tonne CO2, die wir einsparen, wird dort im Jahr um ein Vielfaches mehr produziert. Wir müssen jetzt verstärkt unser Engagement bei der Entwicklungshilfe, bei Hilfsgeldern aller Art, bei diplomatischen Beziehungen als Verhandlungsmasse einsetzen, damit wir nicht alleine einen Kampf führen, den wir alleine nicht gewinnen können, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Nur ein wirtschaftlich starkes Deutschland wird genug Einfluss in der Welt haben, um den Gedanken der Nachhaltigkeit – und zwar ökologisch, ökonomisch und sozial – verbreiten und dafür werben zu können. Ein sich selbst verzwergendes Land wird nicht mehr ernst genommen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, vielleicht haben Sie es gemerkt: Ich bin nicht zufrieden damit, wie es hier läuft. Das Erzählte reicht mir nicht. Ich will, dass dieses Land, unser Land, etwas erreicht, und zwar national und global. Dazu müssen wir auch unsere eigene Stärke erhalten und dürfen uns nicht selbst abschaffen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Der nächste Redner ist für die SPD-Fraktion Armand Zorn.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
3 Vermerkeca. 569 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte zum Ende dieser Debatte unseren Blick noch einmal auf einen Aspekt der Nachhaltigkeit lenken, der hier für mich ein bisschen zu kurz kam. Ich weiß, das sagt jeder über einen ihm wichtigen Aspekt in der Debatte. Trotzdem würde ich gerne über Digitalisierung sprechen; denn Nachhaltigkeit ist viel mehr als Ressourcenschutz. Das zeigen ja auch die 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, die SDGs. Es liegen enorme Chancen in einer nachhaltigen Digitalisierung. Sie hat auch das Potenzial, alle und jedes einzelne Ziel der SDGs zu unterstützen und zu beschleunigen. Diese Chance sollten wir unbedingt nutzen.

Beifallbei der CDU/CSU

Der digitale Wandel führt uns in neue Realitäten und Möglichkeiten. Insbesondere die rasanten Entwicklungen rund um künstliche Intelligenz zeigen uns doch: Digitalisierung und nachhaltige Entwicklung müssen konsequent zusammengeführt und vor allem auch ermöglicht werden. Dazu sollten wir aus meiner Sicht vor allem zwei Punkte verfolgen.

Erstens: digitale Technologien nachhaltig entwickeln und ausbauen. Was heißt das? Schon in der Entwicklung muss – und das wird es ja auch schon oft – Nachhaltigkeit berücksichtigt werden. Dabei müssen wir zu Methoden und Technologien greifen, die den Energie- und Ressourcenverbrauch digitaler Infrastrukturen reduzieren und, wenn möglich, die Wiederverwertung eingesetzter Produkte mitberücksichtigen. Das heißt konkret: Nachhaltigkeit im Produktdesign berücksichtigen, Hardware ressourcenschonend produzieren, verpacken und recycelbar machen und den Produktlebenszyklus verlängern. Denn eine längere Nutzung von Produkten kann nicht zuletzt auch unsere Abhängigkeit von Ressourcen mindern.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Erst gestern wurde vom Verband der Internetwirtschaft, eco, eine Studie präsentiert, welche die Potenziale digitaler Technologien zur Reduktion von CO2-Emissionen untersucht hat. Durch einen sogenannten digitalen Hebel können bis 2050 in Industrie, in urbanem und ländlichem Raum rund 20 Prozent des prognostizierten Schadstoffausstoßes eingespart werden, rund die Hälfte zudem durch Einsparungen bei Datenspeicherung und -übertragung. Der größte Teil der Potenziale ergibt sich im Bereich Industrie durch den Einsatz von Smart-Industry-Systemen wie Augmented Reality, digitalen Zwillingen, Automatisierung und künstlicher Intelligenz, nicht zuletzt auch bei intelligenten Stromnetzen.

Deswegen nun mein zweiter Punkt: Wir brauchen digitale Kompetenzen. Digitale Kompetenzen aller Alters- und Ausbildungsstufen müssen wir besser fördern; denn auch wenn fast jeder Mensch heute schon auf die eine oder andere Weise Teil der digitalen Welt ist, fehlt vielen ein grundlegendes Verständnis und grundlegendes Wissen über Datenschutz, Desinformation und darüber, wie man sich vor Gefahren im Netz schützen kann. Insbesondere Kindern und Jugendlichen, aber auch älteren Menschen sind wir diesen Schutz schuldig.

Beifallbei der CDU/CSU

Es verstört mich deswegen zutiefst, wenn ich in diesen Tagen höre, wie auf Handys von Schülerinnen und Schülern Videos von Morden und Gewalttaten der Hamas, unter anderem an Frauen und Kindern, kursieren. Die Sicherheit von digitalen Technologien, die das Individuum und seine Rechte schützen, ist die Vertrauensbasis für nachhaltige Innovation. Vor allem auch Cybersicherheit ist für alle Akteure, nicht nur für die Wirtschaft, zentral; denn nichts kann nachhaltig wachsen, wenn man es nicht schützt.

Klar ist: Digitale Technologien haben auch negative Auswirkungen. Bereits 2021 waren sie für 4 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich, Tendenz steigend. Darüber hinaus sind auch negative Auswirkungen – die möchte ich nicht verschweigen – auf Demokratie, Menschenrechte, psychische Gesundheit und sozialen Zusammenhalt in den letzten Jahren deutlich geworden.

Es ist aber nicht nur unsere Aufgabe, Rahmenbedingungen, Anreize und Impulse zu setzen, sondern konkret messbare und belastbare Kriterien zu definieren, mit denen man Nachhaltigkeit erreichen kann. Das gibt es zum Beispiel mit den Digital Responsibility Goals, die sieben Leitprinzipien für eine nachhaltige Zukunft benennen wie digitale Kompetenz, Cybersicherheit und auch menschliche Verantwortung.

2 Vermerkeca. 29 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich bin überzeugt, dass wir damit auch vorankommen werden. Mit konkret messbaren und belastbaren Kriterien erreichen wir nämlich auch konkreten Fortschritt. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Adis Ahmetovic
Foto: Adis Ahmetović/ Benush Martinez
2 Vermerkeca. 466 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Heute sprechen wir – schon seit fast drei Stunden – über die sechs Prinzipien der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Angesichts der aktuellen politischen Lage mag es den Anschein erwecken, dass diese Debatte nicht zur richtigen Zeit geführt wird. In einer schwierigen weltpolitischen Lage, in der zum Beispiel Imperialismus und Krieg wieder nach Europa zurückgekehrt sind – ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg –, in der viele Bürgerinnen und Bürger mit den sozialen Folgen der Inflation ringen und in der zahlreiche Menschen in Deutschland verunsichert sind und nachvollziehbare Zukunftsängste haben, sollten wir da nicht lieber über diese Alltagsprobleme statt über Nachhaltigkeitsprinzipien sprechen?

Meine Damen und Herren, es gibt spalterische und politische Kräfte in unserem Land, die daraus bewusst Widersprüche und Gegensätze machen. Ihnen geht es darum, Ängste zu verstärken, Lösungen zu verhindern. Umso wichtiger ist es, dass wir heute klarmachen, dass die alltäglichen Herausforderungen auf der einen Seite und Nachhaltigkeit und der Schutz von Umwelt und Klima auf der anderen Seite keine Entweder-oder-Entscheidung sind. Beide Dinge gehören zusammengedacht, um mit aller Ernsthaftigkeit die großen Herausforderungen der Zukunft anzupacken und zu lösen. Deshalb ist es richtig und gut, dass wir diese Debatte heute führen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Als Bundesrepublik Deutschland sind wir der Motor innerhalb Europas. Dies geht einher mit Verantwortung, nicht nur für uns national, sondern auch europäisch und global. Unsere Außen- und Innenpolitik, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit sind eng miteinander verzahnt. Eine nachhaltige Klimapolitik ist also auch eine Frage der nationalen Sicherheit und das Fundament sozialer Gerechtigkeit.

Wir leben in einer globalisierten, vernetzten Welt. Krisen wie Kriege oder Pandemien machen niemals vor Ländergrenzen halt und verstärken Alltagsprobleme vor Ort. Gleich verhält es sich auch mit dem Klimawandel als Konfliktursache und -treiber. Unruhen durch Ressourcenknappheit, Extremwetter, klimabedingte Flucht sind dabei nur ein paar Faktoren von vielen. Deshalb zählen wir als Deutschland mit zu den größten Förderern im Bereich der internationalen Klima- und Energiepolitik. Es geht dabei um effektiveren Klimaschutz und die Verbesserung von Lebensrealitäten und -bedingungen, insbesondere auch im Globalen Süden.

Kurzum: Mit unserer globalen Verantwortung, die wir damit wahrnehmen, schaffen wir nicht nur neue multilaterale Bündnisse im Sinne von Frieden und Freiheit, sondern sorgen am Ende für sozialen Zusammenhalt, global, aber auch lokal, in unseren Städten, Gemeinden und unseren Nachbarschaften. Deshalb ist es gut und richtig, dass wir unser Land im Sinne des Klimaschutzes anpassen, damit am Ende alle – nicht durch fossile, sondern durch erneuerbare Energien – daran mitwirken können, dass Klimaschutz nicht nur auf Akzeptanz stößt, sondern zu einem Gewinn für alle wird. Wir lassen niemanden zurück. Am Ende soll Klimaschutz für alle einen Gewinn darstellen, meine Damen und Herren: global, national, lokal.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ein Drittel meines Lebens habe ich hinter mir, zwei Drittel – mindestens – stehen noch vor mir. Deshalb habe ich nicht nur persönlich und auch für Sie –

Porträt von Adis Ahmetovic
Foto: Adis Ahmetović/ Benush Martinez
ca. 21 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– das Interesse, dass wir diese Ziele umsetzen, sondern vor allem für die nachfolgenden Generationen. Lassen Sie uns deshalb mit aller Kraft –

Porträt von Adis Ahmetovic
Foto: Adis Ahmetović/ Benush Martinez
1 Vermerkca. 23 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– daran arbeiten, den Klimaschutz voranzutreiben. – Und immer, wenn ich spreche, wechselt es von der Präsidentin zum Präsidenten; gestern und heute auch.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Ralph Brinkhaus
Foto: Ralph Brinkhaus/TOKORAPHY/Tobias Koch
9 Vermerkeca. 687 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir haben drei Stunden Debatte hinter uns, und wir haben jetzt, glaube ich, den dritten Präsidenten. Die Debatte hat also schon ziemlich viel verschlissen.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das war gut und wichtig.

Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, jetzt mal ganz ernsthaft: Ändert sich was durch diese Debatte? Hat sich was geändert? Wird sich etwas ändern durch diese Debatte?

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wenn wir ganz ehrlich sind – das ist auch vom Kollegen gesagt worden –: Leider nein. Nachhaltigkeit – das gilt für diese Bundesregierung; das galt aber auch für die alte Bundesregierung – ist halt nicht das Kernprinzip der Politik. Es ist nicht so, dass wir strategisch vorgehen.

Zurufdes Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Denn das würde bedeuten, dass wir heute viel systematischer diskutieren würden.

Zurufeder Abg. Jakob Blankenburg [SPD] und Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und ja, wir haben eine Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie; die ist wichtig. Diese Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie ist gut. Wir orientieren uns an 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Die sind übrigens durch 75 Indikatoren operationalisiert worden, die jedes Jahr von Destatis gemessen werden. Aber ganz ehrlich – ich würde jetzt zu den Mitgliedern der Bundesregierung sprechen, wenn sie denn noch da wären –: Wer steht denn morgens auf und sagt: „Ich habe meine Nachhaltigkeitsziele noch nicht erreicht, und jetzt müssen wir auch mal wirklich was tun“? Wenn es jemand täte, dann müssten wir hier im Bundestag anders diskutieren.

Jetzt könnte ich die Regierung dafür kritisieren und sagen: Na ja, okay, Staatssekretärsausschuss für Nachhaltigkeit – das galt auch für die vorherige Regierung – ist nicht Chefsache; der ist irgendwo weiter hinten und muss auch noch mitgemacht werden. Ich könnte sagen, dass Ihr Bericht, den Sie jetzt für die Agenda 2030 vorgelegt haben, sehr viel Prosa, wenig Messbares enthält, dass die Berichterstattung sehr dünn ist, dass wir auf wichtige Themen wie „Migration“, „Ernährungssicherheit“, „Souveränität gegenüber China und anderen Ländern“ nicht eingehen.

Aber ganz ehrlich: Wenn das Parlament mit einem Finger auf die Regierung zeigt, zeigen drei Finger auf das Parlament zurück; denn die Regierung macht das, was das Parlament sagt und wie der Rahmen gesetzt wird. Da müssen wir als Deutscher Bundestag uns selber mal fragen: Nehmen wir uns eigentlich noch ernst?

Wir haben hier 2019 beschlossen, dass wir eine Nachhaltigkeits- und Klimawoche durchführen. Davon sind jetzt drei Stunden übrig geblieben.

Zurufder Abg. Katharina Willkomm [FDP]

Wir haben 2020 gesagt, dass wir Mitte dieser Legislaturperiode Wert darauf legen, dass wir ausführlich über die Erreichung der Agenda-2030-Ziele sprechen. Da sind jetzt drei Stunden draus geworden. Nehmen wir uns da wirklich ernst?

Wir haben einen Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung; da wird sich wirklich Mühe gegeben. Aber ich gucke jetzt Herrn Kleebank an: Die Wirkmächtigkeit und die Kompetenzen dieses Beirates sind sehr, sehr übersichtlich. Da müssen wir uns auch fragen: Ist das richtig und gut?

Und dann gibt es die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, das Kernstück der Nachhaltigkeit in Deutschland. Wie gesagt: 17 Oberziele, 75 Einzelindikatoren. Diese Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie wird von der Bundesregierung beschlossen, die wird von der Bundesregierung auf den Weg gebracht

Zurufdes Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

und uns zur Kenntnis gegeben. Wir sind hier Zuschauer in der ganzen Sache. Diese Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie wird von der Bundesregierung selbst gemessen und dann entsprechend in eine Berichterstattung eingebracht.

Ich finde, meine Damen und Herren, bei all diesen schlechten Nachrichten gibt es auch eine gute Nachricht: Wir können das ändern. Wir können das ändern, indem wir die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie hier in den Deutschen Bundestag hineinziehen,

Beifallbei der CDU/CSU

indem wir hier im Deutschen Bundestag über alle Ziele ausführlich und intensiv sprechen, so wie das teilweise auch gemacht worden ist. Dazu gehören Dinge wie Wasser, wie Boden und viele andere Dinge. Wir sind da in der Nachhaltigkeitsdiskussion manchmal viel zu eng, auch im sicher sehr wichtigen Bereich Klima. Nachhaltigkeit ist eben noch mehr. Wir als Deutscher Bundestag können uns die Nachhaltigkeitsstrategie zurückholen.

Was gibt es denn Schöneres für den Deutschen Bundestag, als sich über die Ziele, wie das Land auszusehen hat, auszutauschen, zu debattieren und Maßnahmen zu beschließen?

Zurufdes Abg. Holger Mann [SPD]

Was ist denn wichtiger, als dass wir das genau hier an dieser Stelle tun? Hier ist die Plattform, hier ist das Forum, wo Demokratie stattfindet, nicht in irgendwelchen Staatssekretärsausschüssen, nicht in irgendwelchen Koalitionsausschüssen.

Ja, dann machen Sie doch einen Antrag!

Deswegen meine ganz herzliche Bitte: Lassen Sie uns die die Nachhaltigkeitsstrategie zurück in den Bundestag holen! Lassen Sie uns leidenschaftlich darüber debattieren! Und lassen Sie uns das so machen, –

Porträt von Ralph Brinkhaus
Foto: Ralph Brinkhaus/TOKORAPHY/Tobias Koch
ca. 13 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich habe jetzt einen strengen Präsidenten gekriegt; deswegen höre ich jetzt auch auf.

Porträt von Holger Mann
Foto: Holger Mann/ Photothek Media Lab
3 Vermerkeca. 480 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich will nach Ihrem Wortbeitrag, Herr Brinkhaus, allen demokratischen Fraktionen sagen: Danke für die Debattenbeiträge!

Zurufvon der AfD: Nichts zu danken!

Ich glaube, da ist gut und breit dargestellt worden, was wir für die drei Dimensionen von Nachhaltigkeit – ökologisch, wirtschaftlich und sozial – gemeinsam bewegen, aber vor allen Dingen noch tun können.

Sie haben es gerade angedeutet: Wir haben leider das Problem, nämlich dass diese drei Prinzipien, dieses Nachhaltigkeitsdreieck, allzu oft in Konkurrenz stehen oder gebracht werden. Ich habe da noch ein beredtes Beispiel aus der letzten Debatte um das Heizungsgesetz – oder nennen wir es „die Wärmewende“. Da habe ich so meine Zweifel, ob manche Worte, die gerade in der Debatte geäußert wurden, ausreichend ernst genommen wurden.

Deshalb will ich einer Hoffnung Ausdruck verleihen, die leitendes Prinzip für uns alle sein sollte und nicht nur ein Traum bleiben darf: Wir, gerade als Politiker, müssen lernen, in all unseren Entscheidungen die Folgen für die zukünftigen Generationen mitzudenken. Wir müssen die zukünftigen Folgen unseres Handelns auf die natürlichen Lebensgrundlagen stärker berücksichtigen, auch wenn viele hier nur auf die nächste Legislatur blicken.

Jetzt darf man fragen: Wie? Zwar kann keine und keiner von uns in die Glaskugel schauen und sehen, was kommt, aber – das will ich auch mal ganz selbstbewusst hier sagen –: Wir haben in Deutschland die weltbeste Klima- und Klimafolgenforschung, ebenso für Polar-, Meeres-, Raum- und Naturforschung. Es sind Städte wie Bremerhaven, Kiel, Koblenz, Leipzig oder Offenbach, die inzwischen die Hotspots für die weltweite Forschungscommunity für Biodiversität, Klima- oder Wetterforschung darstellen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufdes Abg. Karsten Hilse [AfD]

Genau das haben wir in den letzten zwei Jahren über das BMBF und BMWK weiter gefördert. Die Strategie „Forschung für Nachhaltigkeit“ wurde in acht Handlungsfeldern mit konkreten Maßnahmen untersetzt. Um das zu erläutern, dafür bleibt hier jetzt leider nicht die Zeit. Wir haben auch in der Zukunftsstrategie Forschung und Innovation mit der zweiten Mission Nachhaltigkeit ins Zentrum gestellt und arbeiten mit weiteren Missionen an der erfolgreichen sozialen und ökologischen Transformation. Ein Beispiel im aktuellen Bundeshaushalt: Wir haben genau diese Forschung trotz schwieriger Haushaltslage um 100 Millionen Euro aufgestockt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Unsere exzellenten Wissenschaften und die Grundlagenforschung geben uns dadurch belastbare Expertise, berechenbare Szenarien und zunehmend konkrete Handlungsempfehlungen. Davon konnte ich mich übrigens erst diese Woche wieder beim ForschungsVerbund Erneuerbare Energien in ihrer Jahrestagung zum Thema „resilientes Energiesystem“ überzeugen, und ich empfehle allen, die Ergebnisse wahrzunehmen. Kurz: „Science is beautiful“, und Wissenschaft ist Teil der Lösung.

Und ja, auch Technologie ist Teil der Lösung. Weil hier viele ein bisschen zu einseitig auf Technologie gesetzt haben, noch ein Gedanke – nicht zuletzt, weil die AfD sich mehrfach am Erbe von Carl von Carlowitz vergangen und es geschändet hat und auch den Mythos vom deutschen Wald wieder bemühte –: Ich bin im Erzgebirge aufgewachsen. Es wurde von Menschen über Jahrhunderte geformt, durch den Bergbau und vor allen Dingen durch Technologie. Allein bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts hat die Region 80 Prozent der Waldfläche dadurch verloren.

Porträt von Holger Mann
Foto: Holger Mann/ Photothek Media Lab
ca. 5 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Mache ich gleich, Herr Präsident.

Porträt von Holger Mann
Foto: Holger Mann/ Photothek Media Lab
2 Vermerkeca. 34 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Carl von Carlowitz hat auf diese ökologische und ökonomische Katastrophe reagiert,

Es wird nicht mehr besser!

indem er eine soziale Innovation eingeführt hat, nämlich die Wiederaufforstung. Denken Sie mal drüber nach!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Nächster Redner ist der fraktionslose Abgeordnete Robert Farle.

2 Vermerkeca. 326 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie uns die Debatte zur Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie würdevoll zu Ende bringen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich will mich gern bemühen und freue mich, einiges zu den landwirtschaftlichen Perspektiven sagen zu dürfen. Denn die Landwirtschaft hat, im Schlechten wie im Guten, noch ein hohes Transformationspotenzial. Die Abschlussberichte der Borchert-Kommission und der Zukunftskommission Landwirtschaft geben uns hier klare Wege vor. Die Ziele sind ganz eindeutig: mehr Klimaschutz, mehr Tierschutz, mehr Nachhaltigkeit.

2022 haben wir die Nationale Moorschutzstrategie und in diesem Jahr das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz beschlossen. Auch beim Tierwohl hat sich mit der ersten verbindlichen Tierhaltungskennzeichnung einiges getan. Hier muss es allerdings weitergehen.

Das nachhaltige System für die Pflanzen, die unsere Ernährung sichern, ist seit vielen Jahren durch Label wie „Bio“ und „Öko“ geschützt. Analog stellt die regenerative Landwirtschaft den Ackerboden ins Zentrum. Regenerative Landwirtschaft kann und sollte der zentrale Baustein für eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung werden und Anreize für all diejenigen schaffen, die nicht auf Bio umsteigen können und wollen, sich aber auf den Weg in Richtung einer nachhaltigen Landwirtschaft begeben. Die einzelnen Maßnahmen der regenerativen Landwirtschaft sollten daher in der GAP und in ihrer Fortschreibung berücksichtigt werden, um unsere Böden noch zielgerichteter vor der Degradation zu schützen.

Wie wichtig das ist, bestätigt auch die derzeitige Diskussion im europäischen Agrarrat über die Richtlinie zur Bodengesundheit. Deren Hauptziel ist es, bis 2050 klimaresiliente und gesunde Böden in der EU zu schaffen. Da Bodengesundheit und Biodiversität einander bedingen, müssen sie auch zusammen gedacht werden. So wie in der Richtlinie sollte sich das auch in unserer Bundesgesetzgebung und in der Überarbeitung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie wiederfinden. Denn klar ist: Ein gesunder Boden liefert gesundes Futter und gesundes Essen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Auch in den Bericht zum Transformationsbereich 5 der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie „Nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme“, der Anfang 2024 dem Bundeskabinett vorgelegt werden soll, müssen die genannten Themen ganz konkret eingearbeitet werden.

Im Wald denken wir in Generationen. Neben den alten Buchenwäldern brauchen wir mehr arten- und strukturreiche Mischwälder –

1 Vermerkca. 17 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– und, wenn möglich, eine Vergrößerung der Waldfläche. – Vielen Dank, Herr Präsident.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Lisa Badum
Foto: Lisa Badum / René Ruprecht
10 Vermerkeca. 608 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Und täglich grüßt das Murmeltier“: Wieder einmal beraten wir einen Antrag des Kollegen Grundmann zu seinem Lieblingsthema Kohlenstoffabscheidung und -speicherung. Es ist immer wieder überraschend, wie viel Ehrgeiz Sie, Herr Grundmann, entwickeln, wenn es um Technologien geht, die am Anfang stehen, und wie krass Sie auf Technologien einschlagen, die es schon gibt und die praktikabel sind, wie zum Beispiel die Wärmepumpe, die Sie total verteufeln.

Das stimmt doch gar nicht! Was reden Sie denn da?

Darauf mache ich mir keinen Reim. Manchmal wünsche ich mir, ehrlich gesagt, eine starke Linke zurück, wie letzte Legislatur, als sie wirklich immer progressive klimapolitische Vorschläge gebracht und uns getrieben hat.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich finde das, was Sie bringen, immer ein bisschen fantasielos. Aber gut, wir müssen uns mit dem befassen, was wir haben.

Deswegen möchte ich gern auf Ihren Antrag eingehen:

Ihr Punkt 1: Sie fordern den Deutschen Bundestag auf, einen nationalen CCS- und CCU-Strategieprozess jetzt zu starten, mit Stakeholdern der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft usw. Das finde ich gut. Wir wollen uns das Ganze technologieoffen angucken. Ich habe Neuigkeiten für Sie: Diesen Prozess gibt es bereits; er heißt: Carbon-Management-Strategie. Den Punkt kann man also abhaken.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Passiert ja noch nichts!

– Na ja, Sie wollen alle Akteure einbeziehen, aber wissen schon vorher das Ergebnis. Das finde ich demokratietheoretisch ein bisschen schwierig.

Beifalldes Abg. Dr. Jan-Niclas Gesenhues [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Gehen wir weiter zu Ihrem Punkt 5, mit dem Sie den Bundestag auffordern, einen Finanzierungsmechanismus für CCS auf europäischer Ebene zu etablieren, kofinanziert von öffentlicher und privater Hand, für Speicherstätten, für Infrastruktur, für Transport usw. Ehrlich gesagt, verstehe ich nicht, warum Sie als marktorientierte, wirtschaftsliberale Kraft hier eine Kofinanzierung der öffentlichen Hand im Umfang von vielleicht 50 Prozent wollen, wo sich das Ganze doch angeblich selbst trägt. Und welche Einnahmen sollen dafür hergenommen werden? Auch die Antwort darauf bleiben Sie uns leider schuldig.

Ihr Punkt 8: Deutschland muss in die Spitzenliga bei CO2-Entnahmetechnologien, inklusive Direct Air Capture, auch mithilfe von Forschungsgeldern. „Direct Air Capture“ bedeutet: Man nimmt CO2 direkt aus der Luft. Es ist jetzt nichts dagegen zu sagen. Ich würde hier mal kurz die Zahlen vortragen: Um nur 1 Prozent der jährlichen CO2-Emissionen weltweit der Atmosphäre zu entziehen, brauchen wir 3 683 Direct-Air-Capture-Anlagen mit einer CO2-Entnahmeleistung von 100 000 Tonnen pro Jahr. Der Strombedarf dieser Anlagen würde das globale Stromangebot überschreiten.

Ich lasse einfach mal die Zahlen so stehen – zu den Kosten würde ich jetzt nichts sagen –, nur zur Einordnung, wo wir mit dieser Technologie aktuell stehen, welchen Beitrag sie leisten kann.

Aber ich gebe Ihnen recht: Wir sollten in der Spitzenliga spielen, was Innovationen angeht. Vielleicht erinnern Sie sich: Wir waren in Deutschland beim Thema Photovoltaik, bei der Panelproduktion in der Spitzenliga, wir waren sozusagen weltweit führend. 40 000 Arbeitsplätze sind hier in der Regierungszeit von CDU/CSU weggefallen oder abgewandert.

Wirtschaftsfeindlich!

Woran liegt’s?

Das war der Punkt: Sie haben in der Praxis Arbeitsplätze in Deutschland vernichtet. – Hier jagen Sie wieder einem Fantasiegespenst hinterher,

„Fantasiegespenst“?

einer Technologie, bei der wir kaum noch Möglichkeiten sehen. Deswegen meine Anregung an Sie: Stellen Sie sich einfach den Fakten. Und dann können wir hier sehr gern darüber reden: Was muss bei CCS für unvermeidbare Restemissionen passieren?

Warum ich es aber wichtig finde, dass Sie sich hier den Zahlen und Fakten stellen, ist: Eine Weltklimakonferenz kommt auf uns zu,

und es gibt diverse Staaten – Saudi-Arabien und andere –, die gern ihre fossilen Geschäftsmodelle mit Öl und Gas weiterführen würden, und zwar mit CO2-Abscheidung und -Speicherung. Da haben auch Sie als einer der deutschen Vertreter eine Verantwortung, auf der COP stark für Klimaschutz und Klimaneutralität einzutreten und nicht in den Geruch zu kommen, für die fossile Lobby unterwegs zu sein. Ich bitte Sie, diese Verantwortung auch wahrzunehmen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
Porträt von Helmut Kleebank
Foto: Helmut Kleebank/ Foto Fehse
14 Vermerkeca. 954 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Auch wenn wir als SPD-Bundestagsfraktion nicht direkt angesprochen worden sind, will ich meine Redezeit nutzen, um einmal kurz darzustellen, weshalb die Ablehnung Ihres Gesetzentwurfes und Ihrer Anträge nichts mit Ideologie zu tun hat. Das komplette Gegenteil ist nämlich der Fall.

Beifallbei der SPD

Nichts mit Ideologie! Aha!

Dieser sehr unspektakuläre, kurze Gesetzentwurf – ich würde sagen: „Er ist zutiefst unterkomplex“, und ich werde es gleich erklären – macht ja erst mal nur – das haben Sie geschrieben – den Export von CO2 mit dem Ziel der Verpressung im Meeresboden möglich. Sie ignorieren sozusagen die gesamte komplizierte Gemengelage. Sie erwähnen sie ein klein wenig im Antrag, aber auch hier lassen Sie wesentliche Dinge weg und machen einen großen Bogen darum.

Wie ratifizieren Sie denn sonst internationale Verträge?

Deswegen kurz zur Erklärung. Der Kontext der Frage, warum wir uns mit der sogenannten CCS-Technologie auseinandersetzen, ist der menschengemachte Klimawandel. Wir haben das Ziel und müssen es haben, unsere Emissionen auf null abzusenken.

Deutschland ist ein Industriestaat! Was ist denn das für ein Blödsinn?

Die Studien, auch die des Weltklimarates, zeigen, dass das aber nicht reichen wird. Dummerweise werden wir am Ende Restemissionen wohl nicht vermeiden können; jedenfalls ist das im Moment die Perspektive.

Das ist Ihre Perspektive! Unfassbar!

Deswegen müssen wir uns auch mit Negativemissionen auseinandersetzen, nicht nur mit technischen, sondern auch mit biologischen. Da ist natürlich die Frage zu stellen, wie das mit technischen Lösungen machbar ist. Aber das Ziel muss eine weitgehend CO2-freie Wirtschafts- und Lebensweise sein, und das kommt in Ihrem Antrag wesentlich zu kurz, liebe Kollegen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Jens Spahn [CDU/CSU]

In nahezu jedem Positionspapier zu diesem Thema aus der Wissenschaft, aus dem Umweltschutz oder aus der Industrie wird deutlich gemacht: Der Fokus liegt auf der CO2-Reduzierung. – Überall, wo es möglich ist, müssen wir genau das tun. Und die Ampelregierung tut genau das. Zugegebenermaßen sind die größten Erfolge im Bereich „Strombereitstellung, Energieerzeugung“ zu verzeichnen. Ich erinnere an die EEG-Novelle, an das Windenergieflächenbedarfsgesetz, an das Windenergie-auf-See-Gesetz, an die Ausschreibungsmengen, die angehoben worden sind. Wir werden hier nächste Woche wieder ein Photovoltaikpaket in der ersten Lesung behandeln, mit wesentlichen Planungsbeschleunigungen, mit wesentlichen Erleichterungen.

Es sind auch erste Erfolge messbar. Die PV-Zubauziele für dieses Jahr sind bei 109 Prozent bereits erfüllt.

Ich höre schon wieder nur: Sonne, Sonne, Sonne, Sonne!

Im Juli wurden 70 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt und im ersten Halbjahr durchschnittlich 57,7 Prozent. Das sind Erfolge, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Sie anerkennen müssen – ich finde, sie sind richtig groß –, auf dem richtigen Weg: Erneuerbare ausbauen und CO2 vermeiden.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ein weiteres Zitat vom Umweltbundesamt aus dem letzten Monat – ich zitiere –:

„CCS“

– also die Verpressung von Kohlendioxid in der Erdkruste –

„in Kombination mit dem Festhalten an … fossilen Techniken … würde zu einer stetigen Verschärfung dieser Herausforderungen führen.“

Ich erinnere an die Rede des Kollegen Grundmann in der ersten Lesung; ich habe sie mir ausdrucken lassen. Das ist nämlich genau der Punkt. Sie bezeichneten als ein großes Tabu – ich zitiere –, „dass man CO2 aus dieser fiesen Kohleverstromung vielleicht auffangen würde, um es dann sicher einzulagern!“. Ich sage: Es ist zu Recht ein großes Tabu, aber nicht wegen der Möglichkeit, möglichst viel CO2 in die Welt zu pusten, sondern um das zu verhindern, worauf ich jetzt noch komme, nämlich auf die auch von Ihnen benannten Lock-in-Effekte. Zur Ehrenrettung sage ich: In einem weiteren Beitrag haben Sie auch gesagt: Am Kohleausstieg ist nicht zu rütteln. – Auch das haben Sie so geäußert.

Das ist beschlossene Sache! Das wird nie verlängert!

Der wesentliche Punkt ist aber folgender: Kohlenstoff ist ein wesentliches Element für unsere gesamte chemische Industrie. Wir vergessen das gerne, wir schimpfen über CO2; aber das Wesentliche ist der Kohlenstoff. Bisher kommt der größte Teil des Kohlenstoffs aus fossilen Quellen. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts hat ergeben, dass allein bei der organischen Chemieproduktion in Deutschland ein jährlicher Kohlenstoffbedarf von 20 Millionen Tonnen besteht – jährlich! Derzeit kommen davon 74 Prozent allein aus Erdöl. Das heißt: Was passiert eigentlich mit diesem Grundstoff Kohlenstoff nach dem Ende des fossilen Zeitalters, das wir alle – oder jedenfalls fast alle – hier wollen? Bisher funktioniert es ganz einfach so: Wir fördern an einer Stelle Erdöl, wir haben eine Quelle, wir verarbeiten es, wir verbrauchen es, und am Ende gibt es Müll, zum Beispiel in Form von CO2.

Die Zukunft der Wirtschaft wird auch beim Kohlenstoff so aussehen, dass wir die Enden zusammenbinden müssen. Wir müssen daraus einen Kohlenstoffkreislauf, eine Kreislaufwirtschaft machen. Das ist der Kern. Deswegen warten wir auf die Carbon-Management-Strategie und, damit in Verbindung, auf die Kreislaufwirtschaftsstrategie. Beide sind in Arbeit.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Bis ihr so weit seid, ist keine Industrie mehr da!

Wir als SPD-Bundestagsfraktion haben uns mit dieser Frage intensiv und sehr gründlich auseinandergesetzt; das steht im Gegensatz zu dem, was Sie hier abliefern. Wir haben Bedingungen und Leitplanken formuliert. Ich will sie noch einmal kurz zusammenfassen: CO2-Vermeidung vor CO2-Abscheidung! Nur unvermeidbare Restemissionen – diese definieren Sie in Ihrem Antrag in keiner Weise – können für CCS in Erwägung gezogen werden. Ein wesentlicher Grundsatz ist: Verwendung vor Abspeicherung. Wir wollen keine Investition in eine CO2-Infrastruktur, die zu langfristigen Abhängigkeiten von der fossilen Technologie führt. Risiken für Mensch und Umwelt müssen ausgeschlossen sein. Auch dazu kein Wort in Ihrem Antrag. Zudem fordern wir den Ausbau und Schutz natürlicher Senken; das ist klar. Das sind für uns Kriterien für eine zukünftige Carbon-Management-Strategie. Wir sind sehr gespannt darauf.

Ein Fazit: Dieser Gesetzentwurf würde ein fatales Signal senden.

Welches denn?

Er verstärkt nämlich die Gefahr für fossile Lock-Ins. – Ich habe es gerade beschrieben. – Wir würden die Pfadabhängigkeit stärken, indem wir fossile Technologien preisgünstiger machen.

Durch die Ratifizierung des London-Protokolls?

Es ist gerade schon davon gesprochen worden, dass die Einspeicherung im Emissionshandel berücksichtigt werden soll. Damit würden fossile Anwendungen im Vergleich zu den erneuerbaren Energien billiger werden und das entscheidende Hindernis für den weiteren Ausbau darstellen. Das gilt es auf jeden Fall zu vermeiden; auch hierzu kein Wort in Ihrem Antrag.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Stattdessen brauchen wir das klare Signal „fossil ist vorbei, Kohlenstoff ist ein Rohstoff“. Lassen Sie uns Kohlenstoffkreisläufe installieren!

In diesem Sinne: Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Wollen wir jetzt CCS oder nicht?

12 Vermerkeca. 574 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Frage, wie wir mit der Einspeicherung von CO2 umgehen, ist in der Tat einer der Parameter für die zukünftige Klimapolitik Deutschlands. Wollen wir im Umgang mit schwer vermeidbaren Restemissionen moderne Technologien nutzen und damit ganz pragmatisch das Klima schützen? Wir Freie Demokraten beantworten das mit einem klaren Ja.

Beifallbei der FDP sowie des Abg. Oliver Grundmann [CDU/CSU]

Wollen wir international Vorreiter sein, mit anderen Staaten zusammenarbeiten und auf Innovation und Effizienz setzen? Auch hier kommt von uns ein klares Ja.

Beifallbei der FDP

Genau deshalb stellt die Bundesregierung jetzt die Weichen dafür.

Aha! Wann geht es los?

Die Fakten zum Umgang mit schwer vermeidbaren Restemissionen liegen mittlerweile auf dem Tisch. Die Notwendigkeit von CCS und CCU bei schwer vermeidbaren Restemissionen ist mittlerweile fraktionsübergreifend unumstritten; denn wir alle haben uns den Pariser Klimazielen verpflichtet. Auch der Weltklimarat hat mittlerweile mehrfach betont, dass wir uns den Verzicht auf CO2-Speicherung nicht leisten können, wenn wir diese Ziele erreichen wollen.

Beifallbei der FDP

Weiß Herr Kleebank davon? Hat er das schon mal gehört?

Genau so steht es im Evaluierungsbericht der Bundesregierung zum Kohlendioxid-Speicherungsgesetz.

Es besteht also kein Zweifel: Wenn wir auf Netto-Null kommen wollen, müssen wir den Umgang mit schwer vermeidbaren Restemissionen klären. CCS ist nicht alternativlos. Aber die Alternative wäre doch, diese Emissionen in die Atmosphäre zu lassen. Das kann nun wirklich keiner wollen.

Beifallbei der FDP

Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen der Unionsfraktion, lieber Kollege Spahn, Sie müssen uns dazu ganz sicher nicht treiben.

Wenn Sie mit der Konsequenz, wie Sie hier Ihre Anträge zum wiederholten Male vortragen, zu Regierungszeiten gearbeitet hätten, dann könnten wir uns diese Debatte schlicht sparen, weil wir mit der Arbeit bereits begonnen hätten.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Seit zwei Jahren die gleiche Leier!

Aber egal, das Momentum ist da. Und Sie haben ja sogar recht: Es ist Zeit, ins Handeln zu kommen. Genau das tun wir in der Koalition und in der Bundesregierung.

Ja, dann mal los!

Im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz wird gerade die Carbon-Management-Strategie der Bundesregierung entwickelt. Der Stakeholder-Prozess dazu ist bereits abgeschlossen. Und natürlich werden darin CCS und CCU

Bis ihr fertig seid, ist keine Industrie mehr da!

und selbstverständlich auch die Ratifizierung von Artikel 6 des Londoner Protokolls enthalten sein. Die beteiligten Häuser haben sich hierzu bereits positiv geäußert. Wir gehen als Freie Demokraten daher davon aus, dass wir nun schnell ratifizieren werden.

Das allein wird aber nicht reichen. Eine umfassende Strategie beinhaltet mehr als nur das Londoner Protokoll. So wird das Kohlendioxid-Speicherungsgesetz überarbeitet, um auf nationaler Ebene bestehende rechtliche Hürden zu beseitigen. Zudem hat sich die Koalition unter anderem auch auf Klimaschutzverträge geeinigt, wodurch Investitionen für Unternehmen im Bereich der CO2-Abscheidung abgesichert werden. Das und vieles mehr wird dazu führen, dass Deutschland auch international im Bereich der CO2-Speicherung nachziehen wird.

Zudem haben wir in Deutschland das große Glück, erstklassige Forschungseinrichtungen zu beherbergen. So beschäftigt sich etwa das Forschungsprojekt CDRmare mit den Möglichkeiten der CO2-Speicherung im Meeresboden. Diese Expertise sollten wir nutzen, weiterentwickeln und in praktische Umsetzung bringen.

Selbstverständlich reden wir dabei auch über Meeresschutz. Nicht umsonst ist das Londoner Protokoll ein Meeresschutzabkommen. Das Verbot der Verbringung schädlicher Stoffe ins Ausland zum Zwecke der Einspeicherung hatte zur Entstehung des Abkommens auch seinen Sinn; aber mittlerweile ist es überholt. Modernste Technologien lassen es zu, CO2 im Meeresboden zu speichern, ohne dabei die Meeresumwelt zu gefährden. CCS im Meeresboden ist keine Verschmutzung der Ozeane. Ganz im Gegenteil: Die Auswirkungen des Klimawandels wären deutlich gravierender für unsere Ozeane.

Insgesamt sind wir bei der Nutzung von CCS und CCU in Deutschland sowie dem Export von CO2 auf einem guten Weg. Wir werden zeitnah rechtliche Grundlagen schaffen und eine ganzheitliche Strategie auf den Weg bringen.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der LINKEN
6 Vermerkeca. 619 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich glaube, diejenigen, die sagen: „Es darf einfach nicht sein, dass wir CO2 verpressen“,

Sagt ja niemand hier! Wer hat das gesagt?

verkennen, dass wir Länder in dieser Welt haben, die nach wie vor auf fossile Energien wie Kohle setzen, ob uns das gefällt oder nicht. Mir gefällt es auch nicht. Sie tun es aber trotzdem. Da ist natürlich die Frage: Was sagen wir denen eigentlich? Sollen auch sie diese Technik nicht einsetzen? Was sagen wir den Südafrikanern, was sagen wir den Australiern? Also, dass diese Technik vorhanden ist und inzwischen funktioniert, ist doch erst mal positiv.

Warum denn? Was kostet das?

Deshalb halte ich es für vollkommen falsch, zu sagen: Das geht überhaupt nicht.

Das sagt niemand, Herr Ernst! Hat niemand gesagt!

Auf der anderen Seite müssen wir natürlich berücksichtigen, dass es relativ teuer ist und dass natürlich ein Restrisiko bleibt, wenn man das macht. Was reinkommt, kommt vielleicht auch irgendwann wieder raus, ohne dass man es will. Aber auch ich bin der Auffassung – wo ist er, der Herr in der Beek? –, dass wir technisch diese Möglichkeiten nutzen und das Risiko, das darin besteht, möglichst reduzieren müssen.

Was wir wollen, ist weniger CO2. Wenn die Länder, die diese Möglichkeit nutzen, einen Filter einbauen und das CO2 erst mal in der Erde verpressen, bedeutet das weniger CO2. Und das ist doch, vom Ergebnis her gesehen, erst mal richtig, wenn man will, dass wir weniger CO2 in der Atmosphäre haben. Insofern kann ich nur sagen: Das generell abzulehnen, ist vollkommen falsch.

Jetzt kommt die Frage: Wie gehen wir mit der weiteren Entwicklung um? Die CDU/CSU schlägt jetzt vor, dass wir die gesetzlichen Voraussetzungen schaffen, das CO2 auch bei uns verpressen zu können. Wir wissen ganz genau, dass es bei uns Problemtechniken gibt, so sage ich es jetzt einmal, die nach wie vor CO2 produzieren – die Zementindustrie zum Beispiel, aber auch andere Industrien –, für die wir momentan noch keine Alternativen haben. Es wird CO2 anfallen, ob uns das gefällt oder nicht. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Wir könnten sagen: „Dann gibt es halt keinen Zement mehr“ oder: „Wir schließen diese Industrien“. Aber das wäre nicht der richtige Weg. Wenn wir also angesichts der Entwicklung der eigenen Industrien in Deutschland noch keine andere Lösung haben, als dass CO2 ausgestoßen wird, dann müssen wir doch bitte schön dazu kommen, dass wir es, wenn es geht, so organisieren, dass kein CO2 in die Atmosphäre gelangt, und zwar kurzfristig. Wir haben gegenwärtig das Problem, dass wir zu viel CO2 in der Atmosphäre haben.

So ist es! Genau! Ja!

Insofern bin ich keinesfalls der Auffassung, dass wir uns dieser Technologie generell verschließen könnten. Aber natürlich sehe ich auch Risiken.

Ich weiß ja, wer das befördert: Exxon Mobil, Shell, Chevron, Total setzen sich massiv für diese Technologie ein; das ist ja aus deren Interessenlage auch verständlich. Natürlich gibt es, wenn wir diese Technologie zulassen würden, den Anreiz, dass einige glauben: Dann können wir auf ewige Zeiten weiter unsere CO2-produzierende fossile Energie in Umlauf bringen. – Das muss man natürlich regeln. Man muss regeln: Erstens. Das ist für die Industrien sinnvoll, bei denen es momentan noch keine Alternative gibt. Zweitens. Es ist für die Bereiche sinnvoll, die momentan – aus welchen Gründen auch immer – generell auf fossile Energien setzen. Und drittens ist das so zu organisieren, dass die möglicherweise negativen Wirkungen, die entstehen, durch technische Lösungen abgemildert bzw. verhindert werden. Das, glaube ich, wäre ein sinnvoller Weg, den wir gehen könnten.

Ich halte die generelle Ablehnung für genauso falsch, wie einfach zu sagen: Wir öffnen es für alle. – Ich glaube, der gesunde Weg liegt in der Mitte: dass wir das tun, was uns nutzt, und gleichzeitig verhindern, dass dabei etwas entsteht, was uns nicht nützt. Wenn wir das hinbekämen, hätten praktisch alle miteinander gewonnen, vor allen Dingen aber das Klima.

Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der LINKEN sowie des Abg. Oliver Grundmann [CDU/CSU]

So schlaue Sachen aus der Linken!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
8 Vermerkeca. 744 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Wir lehnen den Antrag der Union ab, nicht etwa die Technologie; denn es geht jetzt nicht darum, einen Markt für CCS zu schaffen. Wir wollen in Deutschland bis 2045 klimaneutral werden; darum geht es.

Unsere Klimaschutzpolitik beinhaltet vor allem die Vermeidung von Treibhausgasemissionen durch den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien, ein effizientes Energiemanagement, die Dekarbonisierung unserer Industrie und eine umfassende Kreislaufwirtschaft. Und ja, wir brauchen Negativemissionen auf unserem Weg in die Klimaneutralität. Doch ihre Entwicklung bringt neben den Chancen eben auch Risiken mit sich, die nicht ganz unerheblich sind. Dennoch lehnen wir diese Technologie gar nicht ganz ab. Ich verstehe auch die Ungeduld in diesem Moment nicht.

Die deutsche Industrie wandert jeden Tag ab!

– Ja, aber das können wir in diesem Moment damit gar nicht ändern. Diese Schwarzmalerei hilft unserer Industrie im Übrigen auch überhaupt nicht.

Beifallbei der SPD

Kriegt ihr überhaupt mit, was los ist in diesem Land? 8 Prozent in Bayern, sage ich nur! 8 Prozent!

– Herr Spahn, Sie hatten doch, glaube ich, schon gesprochen, oder nicht? Sie bekommen in Kürze wieder Redezeit von Ihrer Fraktion. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Also, ja, wir brauchen Negativemissionen, aber bei aller Euphorie für CCS gilt es eben auch, den Meeresschutz zu fokussieren, und zwar nicht nur als Nutzungskonkurrenz, sondern als Maxime. Keine der gewaltigen und globalen Herausforderungen ist ohne intakte Weltmeere zu bewältigen. Das gilt auch für die Klimakrise.

Einige Prinzipien der CCS/CCU-Entwicklung, die ich hier teilweise gerne wiederhole, lauten: Wir folgen immer dem Grundsatz „CO2-Vermeidung vor CO2-Abscheidung“.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Negativemissionstechnologien kommen nur für die wirklich unvermeidbaren Restemissionen in Betracht. Alle Anwendungen müssen dem Vorsorgeprinzip und strengen Kriterien nach aktuellem Forschungsstand entsprechen; sie werden also auch dynamisch sein.

Was ist aus dieser Industriepartei geworden?

Die Schaffung von Nutzungskonkurrenzen zu erneuerbaren Energien und deren Speicherung muss ebenso ausgeschlossen werden wie mögliche Risiken für die Bevölkerung und für wertvolle Ökosysteme durch Transport und Lagerung von CO2. Den Einsatz von CCS im Zusammenhang mit fossiler Energiegewinnung und -versorgung wollen wir in Deutschland ausschließen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Olaf in der Beek [FDP]

Treibhausgasneutralität in diesem Sektor erreichen wir durch den Ausbau der Erneuerbaren und den Hochlauf einer grünen Wasserstoffwirtschaft. Die Kosten der Endlagerung dürfen nicht nachfolgenden Generationen auferlegt werden. Auch eine Vergesellschaftung dieser Kosten lehnen wir ab. Und für die Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre sind der Ausbau und Schutz der natürlichen Senken vordringlich. Da geht es beispielsweise um die Wiederaufforstung der Wälder, die Renaturierung und Wiedervernässung von Mooren. Kollege Grundmann, Sie wissen, was das für ein krasser Transformationsprozess ist, den wir auch in unserer Region noch vor der Brust haben. Aber es geht auch um den Schutz der Meere.

Die Umsetzung von CCS hat noch einen langen Weg vor sich. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass sie die Technologie erst in den 30er-Jahren so richtig hochlaufen lassen können, vielleicht 2035. Uns stehen komplizierte Abwägungen etwa in der Meeresraumplanung bevor, da es hier ganz sicher zu Nutzungskonflikten kommen wird. Wir müssen mit allergrößter Sorgfalt geeignete Speicherstandorte erkunden. Das sind dann wohl oft Sandsteinformationen, von mächtigen Tonschichten umschlossen. Aber im Falle von Leckagen kommt es eben zu schädlichen Wirkungen auf das Grundwasser, auf den Boden, gerade auch schon benannt. Wir müssen auch mal bedenken, dass wir es allein in den Gebieten der Nordsee mit 20 000 Bohrlöchern, die kilometerweit in den Meeresgrund gehen, zu tun haben. Also, so ungefährlich ist das Thema der Leckagen noch lange nicht.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Also dagegen!

– Nein, überhaupt nicht dagegen, gegen die Technologie. Wir brauchen aber ein bisschen Zeit. Es braucht ein bisschen Vernunft und ein bisschen Weitsicht an dieser Stelle; aber durchaus Tempo, da gebe ich Ihnen recht.

Es gilt auch, die konsequente Verfolgung von CO2-Strömen sicherzustellen und ein umfassendes Monitoringsystem zu entwickeln, um Schlupfverluste zu identifizieren, also das Entweichen von CO2 gut zu managen. Und das ist alles andere als trivial. Da ist noch viel Forschung und Entwicklung nötig.

Trotz der ungeklärten Fragen ist es wichtig, die Technik zu erproben. Das Umweltbundesamt rät ja dazu, das Abscheiden und Speichern von CO2 in der Abfallwirtschaft zu erproben. Das in Müllverbrennungsanlagen freigesetzte CO2 entsteht am Ende einer langen Wertschöpfungskette. Ein weiterer Vorteil besteht bei dem sogenannten Waste-CCS in der Nutzung der Abwärme, sodass es kaum zusätzliche fossile Energieträger braucht. Da reden wir im Übrigen auch von 20 Millionen Tonnen CO2-Emissionen, die wir da kompensieren können. Das ist ein beachtlicher Teil in Bezug auf die Restemissionen.

Meine Damen und Herren, die Ozeane sind unsere mächtigsten Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise. Wir müssen sie besser schützen. Der Umweltzustand unserer Meere ist heute schon schlecht, und der Druck steigt. Das gilt es zu berücksichtigen, gerade auch beim Thema CCS.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der AfD
Porträt von Steffen Kotré
Foto: Steffen Kotré/ Hagen Schnauss
7 Vermerkeca. 381 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Anträge der Union zu CO2-Speicherung und -Abscheidung wollen den Eindruck einer gewissen Opposition vermitteln, sind aber überwiegend Regierungskurs. Gleich im ersten Satz machen Sie klar, dass Sie auch der Klimahysterie verfallen sind. Sie schreiben, Deutschland habe sich eben verpflichtet, bis 2045 die sogenannte Klimaneutralität zu erreichen, und daraus leiten Sie dann Ihre Maßnahmen ab.

Aber was bedeutet das eigentlich? Und da hören wir mal zu, was Ihre Frau Merkel gesagt hat:

„Transformationen von gigantischem, historischem Ausmaß“

und – ich zitiere weiter –

„… die gesamte Art des Wirtschaftens und des Lebens, wie wir es uns angewöhnt haben, werden wir in den nächsten 30 Jahren verlassen.“

Aha! Gut, dass sie nicht mehr da ist!

Das steckt hinter der Klimahysterie. Darum geht es doch eigentlich, dass Wirtschaft und Gesellschaft sich von der Marktwirtschaft abwenden sollen und Planwirtschaft hier Einzug hält.

Beifallbei der AfD

Nur Deutschland ist so dumm, eine solche Politik zu verfolgen, weltweit Märkte aufzugeben, den Konsum zu subventionieren, anstatt Investitionen zu tätigen und Steuergelder ins Ausland zu transferieren.

Herr Kleebank, Sie haben vorhin gesagt, Sie hätten Angst, dass die Fossilen weiterhin wettbewerbsfähig bleiben, und deswegen lehnen Sie diese CO2-Abscheidung auch ab. Das lässt tief blicken. Aber Sie haben es ja schon gesagt: Die Fossilen sind wettbewerbsfähiger als Sonne- und Windstrom. Vermutlich wollen Sie nur Sonne- und Windstrom haben, wie es heute schon angeklungen ist. Das unterstützen Sie, und das ist natürlich grundfalsch.

Zurufdes Abg. Olaf in der Beek [FDP]

Deswegen ist es auch falsch, wenn Sie immer von Technologieoffenheit reden. Genau an dieser Stelle wird das entlarvt.

Beifallbei der AfD

Weiter zum Antrag der CDU/CSU. Sie schreiben hier:

„Die Versorgung mit bezahlbarer Energie muss gesichert und zugleich die Entwicklung hin zu einer klimaneutralen Volkswirtschaft … vorangetrieben werden.“

Das schreibt die CDU/CSU, die verantwortlich ist für die Abschaltung von Kernkraftwerken. Mit Kernkraftwerken hätten Sie auch eine bezahlbare und preiswerte Stromversorgung unterstützt und auch, wie Sie wollen, CO2 eingespart. Also, das passt einfach nicht zusammen: bezahlbar, preiswert, umweltverträglich zu sein, dabei aber Kernenergie abzuschalten.

Beifallbei der AfD

Wenn Sie – und da wende ich mich wieder an Sie von den Koalitionsparteien – zum Beispiel LNG-Terminals in die Landschaft setzen, ist das alles andere als umweltverträglich, das ist vielmehr Umweltverschmutzung. Das ist irgendwo natürlich auch links-grüne Lobbyarbeit, die Sie hier betreiben. Als nichts anderes kann man das leider bezeichnen. Und das lehnen wir ab, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
9 Vermerkeca. 699 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich muss einen Satz zu meinem Vorredner sagen. Mich hat doch die Aussage über die LNG-Lobbyarbeit der Grünen ein bisschen verwundert. Ich weiß nicht, wo Sie, Herr Kotré, die gesehen haben. Das wären jetzt nicht die Ersten, wo ich lobbyieren würde, um LNG-Terminals zu bauen.

Zurufdes Abg. Andreas Bleck [AfD]

Meine Damen und Herren, klar ist: Die Speicherung von CO2 ist absolut notwendig, um das Pariser Klimaschutzabkommen zu erfüllen, da beißt die Maus keinen Faden ab. Es besteht ohne die Speicherung von CO2 tatsächlich keine Möglichkeit, Klimaneutralität zu erreichen.

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU

Neutralität bedeutet nämlich, dass all das, was an CO2 ausgestoßen wird, auch gespeichert werden muss. Und es gibt eben Emissionen, die nicht vermeidbar sind, ganz klar. Im einfachsten Fall ist das so beim Zement. Da muss ich Kalk aufbrechen, um Zement herzustellen, und da kann ich eben eine CO2-Emission nicht vermeiden. Es macht durchaus Sinn, CO2 zu nutzen, und es macht auch Sinn, CO2 zu speichern. Ebenso macht es Sinn, CO2 zu vermeiden.

Natürlich setzen wir viel daran, die Vermeidung von CO2 voranzubringen. Die anderen Aspekte kann man aber nicht ignorieren; die müssen umgesetzt werden. Ohne das erreichen wir kein Ziel; denn wer sagt: „Kein CCS“, der sagt auch: „Keine Klimaneutralität“. Da ich mir absolut sicher bin, dass wir sowohl das im Koalitionsvertrag Vereinbarte als auch das von der Union Beschlossene umsetzen wollen, werden wir das in diesem Hohen Haus und in der Bundesregierung auch tun.

Es gibt eine Carbon-Management-Strategie, und es gibt den von der Union eingeforderten Dialogprozess schon längst: Das ist der Stakeholder-Dialog, in dem Stakeholder, also die Betroffenen, bei der Diskussion um CO2-Speicherung mitmachen. Das ist abgehakt, da sind wir dabei. Also, den Teil haben wir erfüllt.

Ich wundere mich jetzt schon ein bisschen, lieber Kollege Spahn, wenn Sie Dinge einfordern, die Sie selber nicht umsetzen. Sie haben 2019, wenn ich mich richtig erinnere, in der Bundesregierung einen Dialogprozess zu CO2 angekündigt. Es ist ja nicht so, dass Sie keiner Fraktion, keiner Partei die Möglichkeit geben wollten, schlauer zu werden und der FDP zu folgen. Das haben Sie gemacht, das freut mich.

Na siehste!

Aber in der letzten Bundesregierung – da waren Sie ja dabei – haben Sie zwar schon mal einen Dialogprozess angekündigt, aber es ist nur nichts passiert. Das, was Sie eingefordert haben, und zwar 2019, haben Sie nicht umgesetzt. Sie hätten übrigens auch die Gelegenheit gehabt, in der letzten Legislaturperiode dem Londoner Protokoll zuzustimmen, eine Ratifizierung umzusetzen. Auch das wäre möglich gewesen. Es wundert mich, dass Sie das jetzt in der Opposition einfordern. Es ist schön, dass wir das tun werden. Da haben Sie – und das hatten Sie auch gerade schon zitiert – die Regierung an der Seite.

Dann können wir das ja jetzt zusammen machen!

Natürlich muss der Transport und die Speicherung von CO2 in eine Gesamtstrategie eingefügt werden. Natürlich können wir nicht einfach sagen: „Wir ratifizieren jetzt mal schnell das Londoner Protokoll“, haben aber noch keine Ahnung, wie der Leitungsbau vorangehen soll, und haben noch keine Ahnung, wie ein Klimaneutralitätsnetz – das zum Beispiel auch im Koalitionsvertrag steht – umgesetzt werden soll. Wir werden in Deutschland keine CO2-Speicherung betreiben, wenn wir keine Gesamtstrategie dafür haben. Und die setzen wir gerade um.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Herr Kollege Spahn, Sie machen das als Oppositionspolitiker sehr gut und auch immer wieder: Anträge einbringen, denen wir zustimmen können und sollten, weil das die Bundesregierung eh auf den Weg bringt. Ich wundere mich jetzt so ein bisschen, warum Sie das 2021 nicht gemacht haben; das ist ja noch nicht so lange her, erst zwei Jahre. Da haben wir einen Antrag eingebracht, der all die Punkte, die Sie gerade aufgezählt haben, enthalten hat. Ich habe mich sehr gewundert, dass die Union dem nicht zugestimmt hat. Gerade nach Ihrer letzten Rede wundere ich mich umso mehr, dass Sie den Oppositionsanträgen nicht zugestimmt haben.

Ich glaube, meine Damen und Herren, wir sollten keine Spielchen spielen;

Wer spielt denn hier seit drei Minuten Spielchen?

denn Klimaschutz und gerade die CO2-Speicherung sind zu wichtig.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich glaube, ein zentraler Bestandteil ist, dass wir gemeinsam an der Umsetzung arbeiten. Und da wird es zum Schwur kommen, liebe Union; denn das wird auch in den Ländern nötig sein. Und wie wir wissen, sind Sie an ganz vielen Landesregierungen beteiligt. Ich freue mich auf Ihre Unterstützung.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Thomas Gebhart
Foto: Dr. Thomas Gebhart/ Laurence Chaperon
9 Vermerkeca. 474 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Erinnern wir uns: Vor 30 Jahren hatten wir in Deutschland einen Müllnotstand. Die Müllberge sind gewachsen. Man wusste gar nicht, wohin mit den ganzen Verpackungsabfällen. Damals hatte Klaus Töpfer, der frühere Bundesumweltminister, eine Idee – er hat sie umgesetzt, und sie war erfolgreich –: Jeder, der in Deutschland eine Verpackung auf den Markt bringt, muss sie hinterher wieder zurücknehmen, muss sie verwerten oder muss für die Entsorgung des Mülls bezahlen. – Und damit, meine Damen und Herren, entstehen Anreize, Verpackungsabfälle zu vermeiden, und wenn sie entstehen, müssen sie wiederverwertet werden. Aus Abfällen werden neue Produkte; es entsteht eine Kreislaufwirtschaft.

Meine Damen und Herren, ich frage: Warum greifen wir heute diese Idee von damals nicht auf, um das Klimaproblem von heute, das CO2-Problem, in den Griff zu bekommen? Das, was damals die Müllberge waren, ist heute die zu hohe CO2-Konzentration in der Atmosphäre.

Beifallbei der CDU/CSU

Und deswegen muss doch gelten: Je mehr CO2 beispielsweise durch eine bestimmte Produktionsweise ausgestoßen wird, desto höher der Preis. Das schafft Anreize, CO2 zu vermeiden. Und wir müssen dafür sorgen – jetzt gehen wir einen Schritt weiter –, dass CO2 nicht nur als Abfallprodukt betrachtet wird, sondern als Wertstoff, als Rohstoff für neue Produkte gesehen wird. Es muss gelten, dass CO2 dort, wo es entsteht – oder an anderer Stelle –, möglichst wiederverwertet wird, um eine echte CO2-Kreislaufwirtschaft zu etablieren.

Meine Damen und Herren, wir haben heute zu diesem Tagesordnungspunkt zwei Anträge eingebracht, die wir debattieren und über die wir gleich abstimmen. Und in diesen Anträgen machen wir ganz konkrete Vorschläge, wie wir Hürden aus dem Weg räumen können, um zu einer CO2-Kreislaufwirtschaft zu kommen. Und es gibt heute vielversprechende, beeindruckende Technologien, die es ermöglichen, aus CO2 wieder neue Produkte herzustellen, beispielsweise in der chemischen Industrie synthetische Kraftstoffe. Das Potenzial für die Wirtschaft ist riesig.

Beifallbei der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, die Union steht für Klimaschutz,

Seit wann denn? Seit Sie das Gebäudeenergiegesetz blockiert haben?

und die Union steht für eine starke Wirtschaft. Und die Union steht dafür, dass wir mit marktwirtschaftlichen Lösungen und technologischen Innovationen beides zusammenbringen: Klimaschutz und eine starke Wirtschaft. Meine Damen und Herren, ich sage an die Adresse von Herrn Minister Habeck: Herr Minister Habeck, seien Sie doch der Klaus Töpfer von heute.

Lachendes Abg. Dr. Johannes Fechner [SPD]

Er ist der Habeck von heute!

Lassen Sie uns eine CO2-Kreislaufwirtschaft etablieren. Das wäre doch die Chance, um dieses gigantische Problem in den Griff zu bekommen, und eine riesige Chance für unsere Wirtschaft.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich appelliere an die Regierung: Legen Sie mal Ihre Reflexe zur Seite,

gehen Sie auf unsere Vorschläge ein – es sind sehr gute Vorschläge –, und lehnen Sie sie nicht einfach ab, nur weil sie von der Opposition kommen.

Was ihr seit Jahrzehnten gemacht habt!

Es geht darum, dass wir einen Weg gehen, der gut für unser Land, für die Zukunft dieses Landes und vor allem für die Zukunft unserer Kinder ist. Und deswegen bitte ich Sie: Gehen Sie auf diese Vorschläge ein, und greifen Sie diese Vorschläge auf.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Jan-Niclas Gesenhues
Foto: Jan-Niclas Gesenhues/ Sascha Hilgers
9 Vermerkeca. 428 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, es ist richtig: Wir wollen viel CO2 in unserer Natur speichern, weil das der Weg ist, um unsere Klimaziele zu erreichen. Aber – und das wird Sie jetzt vielleicht überraschen – wir werden ganz, ganz viel davon ohne CCS in der Natur speichern,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Olaf in der Beek [FDP]

weil unsere wichtigsten Verbündeten für den Klimaschutz unsere natürlichen Ökosysteme sind. Es ist angesprochen worden: Das sind Moore, Wälder, Feuchtgebiete und natürlich insbesondere die Meere, die 30 Prozent des menschengemachten Kohlenstoffdioxids einspeichern. Die Meere, das sind die echten Verbündeten für den Klimaschutz, und deswegen ist es gut, dass diese Bundesregierung auch richtig viel für den Meeresschutz tut, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wir legen eine nationale Meeresschutzstrategie auf. Wir bringen das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz auf den Weg, und wir stellen so viel Geld für den Meeresschutz zur Verfügung wie keine Bundesregierung vor uns. Und das sind richtig gute Nachrichten für die Biodiversität in unseren Meeren und auch für die CO2-Speicherung in unseren Meeren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Trotzdem ist es völlig richtig: Es werden, auch wenn wir viel ambitionierten Klimaschutz machen, am Ende Emissionen übrig bleiben, die sich nicht vermeiden lassen; Zementindustrie und Müllverbrennung sind angesprochen worden.

Der Unterschied zwischen Ihnen und uns ist: Wir konzentrieren uns konsequent auf diese unvermeidbaren Restemissionen, wohingegen die Union sagt: Wir machen eigentlich CCS für alles Mögliche, am Ende noch für Gas und Kohle. – Ich glaube, der Grund dafür, dass Sie das tun, ist, dass Sie in Ihrer Regierungszeit beim Klimaschutz schlicht und einfach nichts hinbekommen haben

Widerspruchbei der CDU/CSU

und für Sie CCS das letzte Heilsversprechen ist,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

weil Sie in Wahrheit das fossile Zeitalter verlängern wollen. Das ist scheinheilige und naive Politik, liebe Kolleginnen und Kollegen, und das werden wir nicht mitmachen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das ist doch falsch! Das stimmt doch gar nicht!

Und deswegen können wir auch auf das verzichten, was Herr Spahn so großzügig anbietet: Wir wollen Ihnen ja nur helfen. – Wir können auf diese Hilfe verzichten. Mein Opa hätte dazu gesagt: Wenn Sie anpacken, das ist, wie wenn zwei andere loslassen.

Heiterkeitund Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Ich glaube, das ist keine gute Beratung für den Klimaschutz.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ihr Antrag sagt nichts zu den Risiken und den Herausforderungen, die wir auch im Blick behalten müssen. Wir brauchen Dichtigkeit über Tausende Jahre. Wir müssen seismische Komplikationen im Blick behalten, die Wasserkontamination, Schwermetalle, Versauerung. Wir müssen Schutzgebiete konsequent ausschließen, die Nutzungskonkurrenz zu Geothermie in den Blick nehmen und auch den extrem hohen Energieverbrauch im Blick behalten. Und deswegen geht bei uns Gründlichkeit vor.

Und für uns ist klar: CCS für unvermeidbare Restemissionen ja, aber in engen Grenzen mit einer konsequenten Regulierung und vor allem einer ambitionierten Klimaschutzpolitik, damit die Restemissionen so klein wie möglich werden.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Jens Spahn
Foto: Team Jens Spahn/Maximilian König
14 Vermerkeca. 544 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir legen heute einen Antrag und einen Gesetzentwurf vor, um die Abscheidung, Lagerung und Nutzung von Kohlenstoffdioxid, von CO2, insgesamt CCS und CCU genannt, in und für Deutschland zu ermöglichen.

Auch wir als Union – das gehört zur Wahrheit dazu – haben uns bei diesem Thema lange schwergetan – zu lange. Denn, Frau Badum, wenn die Zeit drängt, wenn internationale Experten sich einig sind, wenn unsere Wirtschaft bereitsteht, wenn die Technologie so weit ist und auf ihren Einsatz wartet, spätestens dann muss doch klar sein: Wir brauchen jetzt endlich CO2-Abscheidung und -Speicherung hier in Deutschland.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Entscheidungen müssen jetzt getroffen werden und nicht irgendwann.

Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Deswegen bin ich den Kolleginnen und Kollegen in der Bundestagsfraktion ausdrücklich dankbar, dass sie bei diesem Thema vorantreiben.

Wir schlagen Ihnen dazu, Frau Badum, einen umfassenden Rahmen vor, konkrete erste Schritte, einen rechtlichen Rahmen, Forschung und Entwicklung zu fördern, die Infrastruktur aufzubauen, und ganz konkret einen Gesetzentwurf, um das London-Protokoll zu ratifizieren. Was heißt das in einfachen Worten? Dieser Gesetzentwurf ist die Voraussetzung dafür, dass wir mit Norwegen, mit Dänemark, mit den Niederlanden, mit Schweden, mit anderen Ländern, die bereit sind, CO2 etwa unter der Nordsee zu speichern – auch aus Deutschland, gegebenenfalls mit einer Pipeline verbunden –, dass wir mit diesen Ländern endlich Verträge schließen können. Die halbe Bundesregierung reist durch diese Länder und will andauernd Abmachungen treffen. Dann sollte der Deutsche Bundestag endlich die rechtliche Grundlage dafür schaffen, und das können Sie heute hier, indem Sie unserem Gesetzentwurf zustimmen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn wir dann schauen: Es passiert leider wieder nichts. Der Minister scheint, jedenfalls nach dem, was er sagt, für das Thema „CCS/CCU“ offen zu sein. Von Deutschlandgeschwindigkeit ist aber ansonsten in der Umsetzung wenig zu spüren.

Den Grund dafür, Frau Badum, haben wir ja gerade erlebt. Der Grund dafür ist die grüne Partei.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Fortschrittsfeindlich!

Bei jeder neuen Technologie haben Sie Angst, dass das irgendwie den Ausbau von Sonnen- und Windenergie bremsen könnte; das ist ja schon fast pathologisch.

Sie bremsen doch ganz konkret die Erneuerbaren, Herr Spahn! Das ist doch unglaubwürdig, wenn Sie sich jetzt als Klimaschutzritter ausgeben!

Wenn es um die Erneuerbaren geht, dann sind das auch Wasserkraft, Geothermie, Holz, Biogas. All diese erneuerbaren Energien bremsen Sie aus. Sie wollen immer nur Sonnen- und Windenergie fördern.

Was ist denn mit den Technologien, die schon existieren?

Statt zu sagen: „Jeder klimaneutrale Wasserstoff ist uns willkommen“, führen Sie abstruse Debatten zur Farbenlehre und bremsen damit den Hochlauf bei der Wasserstofferzeugung aus, weil Sie nur Wasserstoff aus Wind- und Sonnenenergie wollen.

Beifallbei der CDU/CSU

Beschämend!

Bei CCS/CCU genau die gleiche ideologische Debatte:

Haben Sie die Zahlen gesehen? Haben Sie die Kosten gesehen? 1 000 Kilowattstunden für 1 Tonne CO2! Die müssen erst produziert werden, Herr Spahn!

Es geht dann um den nicht vermeidbaren CO2-Ausstoß. Wer definiert eigentlich, was vermeidbar ist? Am Ende wird auch diese Frage, wenn man Ihnen mal in Ruhe zuhört, vor allem von der Sorge getriggert, dass es den Ausbau von Wind- und Solarenergie stoppen könnte.

Deswegen, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist doch entscheidend: Was ist das eigentliche Ziel, das Oberziel sozusagen?

Das würde ich auch gern wissen, was Ihr Oberziel ist!

Das ist doch: kein CO2 mehr in die Atmosphäre und dazu eine Dekarbonisierung von Industrie und Energiewirtschaft.

Dann machen Sie doch endlich was! Energiewende! Bayern verschleppt seit Jahrzehnten!

Wenn das aber das Oberziel ist, dann sollten Sie aufhören, alle Maßnahmen dahin immer wieder mit ideologischen Vorgaben, Details und Beschränkungen irgendwie zu verunmöglichen.

Es ist gerade kein Wahlkampf! Sie können aufhören!

Wenn wir das Ziel erreichen wollen, müssen wir alle Technologien nutzen, um das tun zu können.

Beifallbei der CDU/CSU

Deswegen: Ja, der Ausbau von Wind- und Solarenergie ist ja ausdrücklich richtig. Wir unterstützen ihn ja.

Lachender Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Aber wir wollen eben, dass es nicht darauf beschränkt bleibt. Es braucht wieder mehr Pionier– –

Porträt von Jens Spahn
Foto: Team Jens Spahn/Maximilian König
4 Vermerkeca. 241 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Kollegin Künast, als wir von Ihnen, von Rot-Grün, 2005 übernommen haben, waren wir im einstelligen Bereich beim Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung. Als Sie von uns vor zwei Jahren übernommen haben, waren wir bei fast 50 Prozent Erneuerbarenanteil bei der Stromerzeugung.

Ja! Aber bestimmt nicht wegen euch!

Seitdem ist relativ viel weniger passiert. Sie haben Kohlekraftwerke angeschaltet. Erzählen Sie uns nichts von Klimaschutz in der Energieerzeugung!

Beifallbei der CDU/CSU

Übrigens merken die Menschen Ihre ideologische Engführung. Wie erklären Sie sich eigentlich sonst – ich weiß nicht, ob Sie mal geschaut haben –, was da am Sonntag passiert ist? Bei der Frage „Wer hat Kompetenz beim Klimaschutz?“ haben sich die Werte der Grünen halbiert; sie sind um 35 Prozentpunkte gesunken.

Haben Sie sich mal gefragt, woran das liegt? Könnte es was damit zu tun haben, dass Sie beim Heizungsgesetz am Ende genau die gleiche ideologische Engführung hatten, wie Sie sie bei diesem Thema haben?

Haben Sie sich die Werte der CSU mal angesehen?

Könnte es daran liegen, dass die Menschen spüren, dass Sie Klimaschutz am Ende immer nur mit einer Technologie verbinden: Sonne und Wind? Ich sage noch einmal: Die ist richtig. Aber es reicht eben nicht, um ein Industrieland – wir wollen jedenfalls, dass Deutschland Industrieland bleibt – klimaneutral zu machen. – Das spüren die Menschen, und deswegen gehen Ihre Werte bei Klimakompetenz runter, und zwar drastisch.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie sollten mal darüber nachdenken, warum das so ist.

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, es gibt im Deutschen Bundestag eine Mehrheit in der demokratischen Mitte für CCS und CCU. Deswegen sage ich:

Porträt von Andreas Bleck
Foto: Andreas Bleck/ Georg Krimmel
5 Vermerkeca. 537 WörterReaktionswert: niedrig
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Werter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass sich ausgerechnet die Union über die Ampel beschwert, insbesondere über ihre Technologie- und Innovationsfeindlichkeit. Ich erinnere Sie sehr gerne daran – Sie erinnern sich wahrscheinlich sehr ungern daran –, dass Sie unter Bundeskanzlerin Angela Merkel doch den Grundstein für genau diese Technologie- und Innovationsfeindlichkeit selbst mitgelegt haben.

Beifallbei der AfD

Genau so ist das!

Wir erinnern uns: planwirtschaftlicher Ausbau der sogenannten erneuerbaren Energien, unverantwortlicher Ausstieg aus der Kernenergie, verstärkte Abhängigkeit von russischem Öl und Gas, Kampf gegen den Benziner und Diesel, unnötige Einführung des übergriffigen Klimaschutzgesetzes usw. usf. Man könnte jetzt sagen, dass die Ampel eigentlich nur auf dem Fundament aufbaut, das die Union ihr gelegt hat. Doch statt aus ihren Fehlern wirklich zu lernen und die Ursachen der Probleme an der Wurzel zu packen, doktert die Union jetzt lieber an Symptomen herum. Nun sollen CCU, CCS und Wasserstoff das richten, was man in der Vergangenheit verbockt hat. Doch das können diese Technologien gar nicht. Sie sind nämlich ineffizient, teuer und potenziell umweltschädlich; denn zur Abscheidung und Einlagerung von CO2-Emissionen wird viel Energie benötigt, Energie, die wir wegen der dümmsten Energiepolitik der Welt gar nicht haben, und Energie, die wir aufgrund der unsinnigen Elektrifizierung aller Sektoren für Verkehr und Wärme viel dringender benötigen.

Beifallbei der AfD

Im Übrigen bräuchten wir diese Technologien auch nicht, wenn wir eine vernünftige Energiepolitik hätten.

Wer glaubt denn ernsthaft, dass deutscher Stahl oder Zement mit CCU, CCS und Wasserstoff international wettbewerbsfähig ist? Wer glaubt denn ernsthaft, dass aufstrebende Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien nicht ihre Wirtschaft, sondern den Klimaschutz an erste Stelle setzen? Stimmt, die Ampel glaubt das bzw. gibt vor, es zu glauben. Sie sieht CCU und CCS als Bausteine für eine klimaneutrale und wettbewerbsfähige Industrie. Und diese falsche Einschätzung ist ein Beispiel dafür, warum immer mehr Industrie aus Deutschland abwandert.

Beifallbei der AfD

Die anderen Länder reiben sich bereits die Hände: die einen, weil sie die aus Deutschland abwandernde Industrie gerne aufnehmen, die anderen, weil sie sich mit der Einlagerung von deutschen CO2-Emissionen Gewinne erhoffen. Beispiel Norwegen: Die Norweger sind um ihre fähige Regierung wirklich zu beneiden. Sie exportiert Öl aus vollen Lagerstätten nach Deutschland, um irgendwann die sich daraus ergebenden CO2-Emissionen aus Deutschland zur Einlagerung in leere Lagerstätten zu importieren. Dabei würde Norwegen gleich doppelt abkassieren. Und um die unfähige Bundesregierung beneidet die Deutschen hingegen niemand. Ausgerechnet Robert Habeck, der in seiner Heimat Schleswig-Holstein CCS noch abgelehnt hat, zeigte sich bei seiner Pilgerreise als Bundeswirtschaftsminister nach Norwegen regelrecht beeindruckt. Diese bigotte Politik kennen wir zur Genüge: Ausländische Kernenergie ja, ausländisches Fracking-Gas ja, aber wehe, es sind heimische Kernkraftwerke und heimische Lagerstätten.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ja, werte Kolleginnen und Kollegen, so viel Geschäftssinn wie bei der norwegischen Regierung wünscht man sich eigentlich auch von der Bundesregierung. Doch stattdessen betreibt sie lieber den Ausverkauf Deutschlands, Sie an erster Stelle, Frau Badum. Deutschland braucht keine ruinöse CO2-Abgabe, keine umweltschädlichen Wind- und Photovoltaikindustriegebiete in unseren Wäldern und Schutzgebieten. Wir brauchen kein ineffizientes und teures CCU und CCS, und vor allem brauchen wir keine utopische Wasserstoffwirtschaft.

Was braucht Deutschland? Wir brauchen eine bezahlbare, sichere und zuverlässige Energieversorgung mit CO2-neutraler, grundlastfähiger und flächenschonender Kernenergie.

Beifallbei der AfD

Deutschland braucht eine Entbürokratisierung sowie eine Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung. Und vor allem braucht Deutschland endlich wieder Planungssicherheit.

Porträt von Armin Grau
Foto: BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN RLP/ Alexander Sell
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen von den demokratischen Parteien! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Zum wiederholten Male bringen Sie von der Union das Thema „CO2-Speicherung, CCS“ mit denselben Argumenten auf die Tagesordnung. Dazu zunächst mal ein Zitat:

„Die Hoffnungen, die von einigen Akteur*innen mit der CCS-Technologie verbunden werden, können klimapolitische Versäumnisse kaschieren, aber nicht reparieren.“

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Helmut Kleebank [SPD]

Dieser Satz stammt nicht von uns Grünen, sondern vom Umweltbundesamt.

Ah! Das Umweltbundesamt, diese neutrale Behörde!

Im Weiteren sagt das UBA:

„Es besteht die Gefahr, dass das Potenzial von CCS erheblich überschätzt, Alternativen vernachlässigt und dadurch die sonstigen generationsübergreifenden Aufgaben und Herausforderungen im Klimaschutz unterschätzt werden.“

Hört! Hört!

Das bringt es völlig auf den Punkt.

Es ist ja verständlich: Sie von der Union wünschen sich ein Wundermittel, das 16 Jahre unzureichende Klimapolitik einfach so wegzaubern soll.

Wer bricht denn das Klimaschutzgesetz seit zwei Jahren?

Zurufder Abg. Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]

Leider gibt es dieses Mittel nicht. Sie wollen CCS unter dem Meer und erwähnen nicht, dass die deutsche Nordsee durch Überfischung, Überdüngung, Versauerung, hohe Stickstoffeinträge und große Mengen Plastikmüll völlig übernutzt ist. Und da reden Sie, Herr Spahn, von „ideologischer Engführung“. Sie wollen CCS auch auf dem Land; dabei hat noch keine Landesregierung mit Unionsbeteiligung „Hier!“ gerufen, wenn es um CO2-Speicherung in ihrem Bundesland ging.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Sie erwähnen auch nicht die Nutzungskonflikte auf See, etwa mit Offshorewind, und an Land, zum Beispiel mit der Tiefengeothermie. Auch wenn bisher keine großen Unfälle aufgetreten sind, bleiben doch relevante Umweltrisiken wie CO2-Leckagen in die Wassersäule mit der Folge der Übersäuerung und offene Fragen, insbesondere zu Langzeitmonitoring und Betreiberhaftung. Ihr Antrag ist unterkomplex, wie Kollege Kleebank schon gesagt hat.

Sind Sie jetzt für CCS oder nicht?

CCS ist auch teuer und energieintensiv, und es gibt große Verluste in der Prozesskette. Aktuell landen immer noch 15 Prozent des CO2 in der Atmosphäre. Auch mit CCS können fossile Prozesse nicht treibhausgasneutral werden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Helmut Kleebank [SPD]

Wir brauchen auch dringend Forschung zur Weiterentwicklung der Speichertechnik, also Technologieoffenheit. Generell bietet die Umwandlung von CO2 in einen festen Aggregatszustand wie Kohlenstoffpulver oder Graphite eine erhöhte Speichersicherheit und Grundstoffe, etwa für die Chemie. CCS ist nicht die große Lösung unserer Klimaprobleme, sondern nur ein kleiner Teil der Lösung.

Porträt von Jens Spahn
Foto: Team Jens Spahn/Maximilian König
1 Vermerkca. 63 WörterReaktionswert: niedrig
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Die wird auch vergleichsweise kurz, Herr Präsident. – Die gegenwärtige Ampelbundesregierung hat am 21. Dezember 2022 gesagt – Seite 140 im Evaluierungsbericht –:

„Die Bundesregierung empfiehlt daher: Ratifizierung der Ergänzung des Art. 6 des London-Protokolls ...“

Deswegen habe ich eine ganz einfache Frage. Die Bundesregierung inklusive der grünen Minister, wenn mich nicht alles täuscht, empfiehlt die Ratifizierung des London-Protokolls.

Was sagt die grüne Bundestagsfraktion dazu?

Porträt von Armin Grau
Foto: BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN RLP/ Alexander Sell
7 Vermerkeca. 348 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Spahn, ich versuche, das ganze Thema hier einzuordnen. Wenn man Ihre Anträge und Ihren Gesetzentwurf liest, dann sieht man: Die sind völlig unterkomplex. Sie bezeichnen Maßnahmen wie CCS mehr oder weniger als Wunderwaffe, und das sind sie nicht. Wir werden jetzt eine Carbon-Management-Strategie entwickeln – das ist mehrfach hier gesagt worden –,

Ratifizieren oder nicht?

und in diesem Rahmen werden dann auch Gesetzentwürfe kommen.

Ratifizieren oder nicht?

Aber wir werden nicht einzelne Aspekte herausgreifen, so wie Sie das jetzt tun.

Sehr richtig!

Wir werden dann zweifelsohne auch darüber debattieren, das London-Protokoll zu ratifizieren. Sie aber greifen jetzt einen Aspekt aus der umfassenden Carbon-Management-Strategie heraus

Grenzüberschreitend die Möglichkeiten zusammenbringen! Mehr nicht!

und versuchen, ihn uns als das Wundermittel schlechthin zu verkaufen, und darin liegt der Fehler.

Die Grünen sind mal wieder gespalten!

Deswegen lehnen wir Ihre Anträge ab.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Unser Fokus muss zunächst auf den rund 97 Prozent vermeidbaren Emissionen liegen, und nur für die rund 3 Prozent heute noch nicht vermeidbaren Restemissionen kommt CCS infrage. Diese Restemissionen gibt es vor allem aus der Zementindustrie und der Abfallwirtschaft. Herr Ernst, wir lehnen das ja nicht global ab, überhaupt nicht. Für die Restemissionen brauchen wir dann klare Definitionen; die haben wir noch nicht. Wir brauchen CCS-Mengenfestlegungen, die nachgesteuert und laufend verkleinert werden. Durch technischen Fortschritt wird auch der Bedarf an CCS sukzessive sinken.

Wovon Sie nicht sprechen, ist das Potenzial der natürlichen Senken, der Wälder und Moore. Das ist bislang bei Weitem nicht ausgeschöpft. Allein durch die Wiedervernässung der Moore kann Deutschland CO2 in der Größenordnung der heute noch unvermeidbaren Restemissionen binden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Helmut Kleebank [SPD]

Warum legen Sie darauf nie ein Augenmerk? Wir haben dazu das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz aufgelegt, mit dem wir neben dem Klimaschutz auch den Artenschutz in den Fokus nehmen und Synergien schaffen.

Sie schlagen eine Verrechnung von mittels CCS entzogenem CO2 mit anderen Emissionen vor. Das ist hochproblematisch, gerade für Transparenz und Erfolgskontrolle. Wir brauchen eine getrennte Sektorbuchführung, also eine Trennung zwischen der Minderung von Treibhausgasen in den verschiedenen Sektoren, den natürlichen Senken wie Mooren und Wäldern, und den technischen Verfahren wie CCS. Nur so können wir Fehlanreize gegen CO2-Reduktion, also Lock-in-Effekte, vermeiden.

Fazit: CCS ist nicht die große Lösung unserer Klimaprobleme, –

Porträt von Armin Grau
Foto: BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN RLP/ Alexander Sell
2 Vermerkeca. 25 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Daher wird CCS in der Carbon-Management-Strategie der Bundesregierung sicher auch eine große Rolle spielen und dann auch gesetzlich geregelt werden. Aber Ihren Antrag – –

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Beifallbei der CDU/CSU
11 Vermerkeca. 667 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen hier zum vierten Mal zum Thema „CCU und CCS“ und im Detail über die Verbringung von CO2 über Landesgrenzen hinweg, und das machen wir aus einem wesentlichen Grund: weil die Zeit jetzt reif ist, weil wir als Union zu diesem Thema eine klare Neupositionierung vollzogen haben.

Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

– Ja, nach vielen Jahren haben wir das gemacht. – Und wir treiben das Thema jetzt mit aller Entschlossenheit voran,

Beifallbei der CDU/CSU

weil wir es öffentlich hier im Deutschen Bundestag, in den Ausschüssen diskutieren wollen und nicht nur in Hinterzimmern, hinter verschlossenen Türen, in irgendwelchen Stakeholder-Dialogen, wo ehrlicherweise Frau Badum und andere versuchen, das Thema zu zerreden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, natürlich sind wir für den Ausbau der Erneuerbaren. Das muss schneller gehen, und wir brauchen auch Transportleitungen in Deutschland; die sind noch lange nicht fertig. Aber wenn wir es mit einer echten CO2-Kreislaufwirtschaft ernst meinen, wenn wir schnell und günstig CO2-armen Wasserstoff hochlaufen lassen wollen, wenn wir dafür natürlich auch blauen Wasserstoff brauchen und uns andere europäische Länder dazu einladen, den zu liefern, wenn wir auch CO2-Industrieemissionen sicher unter die Erde bringen wollen, dann müssen wir doch verdammt noch mal irgendwann auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür schaffen. Dafür ist heute der richtige Zeitpunkt – nicht irgendwann, sondern jetzt.

Beifallbei der CDU/CSU

Du hast doch dagegengestimmt!

Heute soll in diesem Parlament ernsthaft die Ratifizierung des London-Protokolls abgelehnt werden. Nur darum geht es in unserem Antrag.

Das stimmt überhaupt nicht!

Wir stellen im Grunde nur dar, was von der Bundesregierung eingefordert wird, also die zwingende Notwendigkeit, grenzüberschreitende CO2-Transporte zu ermöglichen. Unsere europäischen Nachbarn öffnen die Arme; sie laden uns ein: Dänemark, Norwegen, Niederlande, Großbritannien. Sie haben diese Technologien entwickelt. Das Land mit den mit Abstand höchsten CO2-Emissionen – Jens Spahn hat es ausgeführt – nimmt die Kernkraftwerke vom Netz. Durch die Abschaltung der Kernreaktoren haben wir jetzt 30 Millionen Tonnen zusätzliches CO2, das wir emittieren.

Zurufdes Abg. Andreas Bleck [AfD]

Und da eiern Sie in Sachen Carbon-Management-Strategie herum. Selbst einen Minimalkompromiss, dass wir zumindest das London-Protokoll beschließen, schließen Sie aus. Das ist arrogant und überheblich. Es ist eigentlich eine traurige Stunde, die wir hier heute erleben.

Beifallbei der CDU/CSU

Teile der selbsternannten Fortschrittskoalition diskutieren ernsthaft darüber, ob wir zukünftig überhaupt Leitungen oder Pipelines bauen. Wie realitätsfern und starrköpfig sind Sie denn? Ich sage es immer wieder, gerade an diesen Teil des Hauses gerichtet: Die Ideologie ist der natürliche Feind des Verstandes. – In Ihren Reihen gibt es leider viel zu viele, die der Ideologie folgen. Wir als Union stehen für Wissenschaft und für seriöse Fakten.

Lachenbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich will Ihnen eines sagen – da bin ich gleich bei Minister Habeck; bei diesem Punkt stimmen wir mit ihm überein –:

Wir stehen hinter Habeck, die Grünen nicht!

Jede Tonne CO2 unter der Erde ist gut für unseren Planeten. Das ändert nichts daran, dass wir die Regenerativen natürlich weiter ausbauen wollen; aber CO2 unter der Erde ist gut.

Fakt ist: Die notwendige Infrastruktur – Pipelines, Verflüssigungsanlagen, Export-Terminals und Verbringungsinfrastruktur – wird es nur dann geben, wenn wir erst einmal einen Grundsatzbeschluss fassen, dass die Möglichkeit des Transportes nach Dänemark oder in andere Länder überhaupt realisiert werden kann.

Abschließend zur Praxis. Lisa Badum,

wir als Unionsfraktion waren vor wenigen Tagen mit einer Delegation in Rüdersdorf und haben uns mal ein Zementwerk angeschaut. Wir haben uns im Detail angesehen, was wir vorher von PowerPoint-Präsentationen wussten.

Schadet nicht!

Also, ein Gesteinsbrocken Kalziumkarbonat besteht aus 50 Prozent CO2. Das wird rausgelöst. Ich habe Ihnen mal die Zahlen mitgebracht: Eine Tagesproduktion in Rüdersdorf entspricht einem CO2-Transport per Bahn von zwei Ganzzügen à 700 Metern mit 36 Waggons; 2 080 Tonnen CO2 müssen dort pro Zug transportiert werden. Das können Sie noch in Lkw-Ladungen umrechnen. Die Beladung eines solchen Zuges dauert zehn bis elf Stunden, und unser Schienennetz kennen Sie ja. Vor dem Hintergrund: Herzlichen Glückwunsch! Wenn Sie keine Pipelineinfrastruktur in Deutschland bauen, dann verlieren Sie alles. Als Zwischenlösung kann man das vielleicht akzeptieren, aber ansonsten brauchen wir für die grenzüberschreitende Verbringung natürlich Pipelines.

Beifallbei der CDU/CSU

Pipelines sind kostenlos, oder was?

Ein Satz am Ende: In der Nähe Kopenhagens wird demnächst, im Jahr 2025, die CO2-Verpressung realisiert. Wir haben diese Technologie in Brandenburg entwickelt.

2 Vermerkeca. 25 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wenn wir Industriearbeitsplätze behalten wollen, dann müssen wir auch darüber nachdenken. Deswegen treiben wir das Thema in der Zukunft mit aller Entschlossenheit voran.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
21 Vermerkeca. 1.138 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Zu Beginn werde ich auf das, was wir von der Opposition gehört haben, eingehen. Die AfD hat uns wieder einmal die Welt gemalt, wie sie nicht ist. Da wurde der Eindruck erweckt, Deutschland denke sich verrückte Sachen aus, wie CO2 einzusparen, und alle anderen Länder würden das nicht machen, und dann würde die Industrie nach China abwandern, weil China nie auf die Idee käme, CO2 einzuspeichern.

Doch! Die machen es! Aber die machen auch CCU!

Die Realität ist,

Die deutsche Wirtschaft blüht! Ist das die Realität?

dass China seine CCS-Fähigkeiten massiv ausbaut und in diesem Bereich weiter ist als Deutschland. Die Realität ist auch, dass China tatsächlich mehr erneuerbare Energien ausbaut als alle anderen Länder auf der Welt.

So ist es!

Es gibt noch viele andere Probleme im Zusammenhang mit China, auch was die Energiepolitik angeht; aber was Sie sagen, ist falsch. Die Welt ist anders und erfreulicherweise oft schöner, als sie sich zwischen Ihren beiden Ohren darstellt, wenn Sie darüber nachdenken.

Im Willy-Brandt-Haus vielleicht!

Und wir haben noch etwas anderes von der Opposition gehört: Die CDU/CSU hat sich auf das London-Protokoll versteift und fordert, das müsse jetzt ratifiziert werden, das London-Protokoll müsse schon sein.

– Danke, dass Sie das noch mal bekräftigen. – Aber die Wahrheit ist doch: Wir helfen keinem einzigen Unternehmen oder dem Klima,

Wir helfen der Bundesregierung!

wenn wir jetzt einfach das London-Protokoll beschließen; denn es bietet längst keine Rechtssicherheit für Unternehmen, die jetzt in CCU/CCS investieren wollen, da es noch viel zu viele Unklarheiten gibt. Deswegen bitte ich Sie, nicht den Eindruck zu erwecken, der – leider ähnlich wie das vorige Beispiel – einfach nichts mit der Realität zu tun hat.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Olaf in der Beek [FDP]

Was ist die Realität? Wir wollen den Klimawandel aufhalten, dazu müssen wir klimaneutral werden. Es ist richtig, dass es Branchen gibt, die Dinge liefern, die wir dringend brauchen, zum Beispiel Kalk, die – Stand heute – nicht arbeiten können, ohne CO2 auszustoßen. Und für diesen Fall müssen wir uns was einfallen lassen. Wir wollen kein CO2 ausstoßen.

Ah! Er hat es! Sehr gut!

– Ja, ich habe es, aber Sie nicht.

Ich will Ihnen das anhand Ihres Antrags zeigen. Sie haben einen zwei Seiten langen Antrag geschrieben. Darüber haben Sie sich ja Gedanken gemacht, und Sie haben sich innerhalb Ihrer Fraktion ausgetauscht, wie Sie das formulieren. Sie haben intern ein bisschen miteinander gerangelt und überlegt: Was kommt da jetzt rein? Bei den vielen Worten in dem Antrag fällt mir auf, dass nicht ein einziges Mal das Wort „unvermeidbar“ vorkommt.

Schwer vermeidbar! Wir halten uns an die FDP!

Sie geben vor, auf Basis eines wissenschaftlichen Konsenses zu arbeiten. Aber wie Sie das Problem der unvermeidbaren Restemissionen lösen wollen, steht nicht in Ihrem Antrag. Das steht da nicht drin. Herr Spahn oder der Kollege Grundmann sprechen von Zement. Auch das Wort „Zement“ kommt in dem Antrag nicht vor.

Darum geht es doch gar nicht!

„Weihnachtsmann“ kommt auch nicht vor!

Das Wort „Kalk“ kommt in dem Antrag nicht vor. Und da muss ich schon sagen: Sie kommen hier mit einer Vehemenz daher, die irgendwie Dynamik versprühen soll, und im Umkehrschluss behaupten Sie, wir wären unentschieden und ideologisch.

Jetzt war ich ja bislang sehr sachlich. Lassen Sie mich das mal verbildlichen: Wie sich die CDU/CSU hier aufführt, ist so wie ein Gast, der in einem Restaurant sitzt und sagt: Ich will jetzt essen. – Und dann kommt der Kellner und fragt: Was hätten Sie gerne? – Der Gast antwortet: Ich will jetzt essen, und zwar schnell.

Heiterkeitund Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und in dem Fall wäre es doch so, dass man dann entweder nicht bedient wird oder irgendwas zu essen bekommt. Und das ist dann vielleicht etwas, was man nicht mag. Und so wäre das mit CCU/CCS auch. Das ist einfach völlig unpräzise, eines Antrags überhaupt nicht würdig.

Oder noch mal eine andere Perspektive: Sie reden zu einem Kind ja auch nicht mit dieser Macher-Mentalität oder mit einem Gewinner-Mindset – oder wie man das in Ihren Workshops so nennt –: Kind, wir stehen hier vor einer vierspurigen Straße. Einfach mal machen. Komm, mach mal, Kind. – So machen wir das doch nicht, weil uns unsere Kinder lieb sind.

Ihr macht lieber gar nichts!

Ich mache das jedenfalls nicht so. Und weil mir die Erde auch lieb ist, sage ich auch nicht: Hier, jetzt alle mal fröhlich CO2 irgendwo wegspeichern. – Nein, ich halte etwas davon, vorher nachzudenken.

Denken wir so lange nach, bis keine deutsche Industrie mehr da ist!

Und das ist bei Ihrem Antrag wohl nicht ausreichend passiert.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Sie sollten zum Schluss kommen!]

Deswegen ist es schon dreist, zu sagen, wir wären unentschieden, und zu behaupten, Sie wären entschiedener. Was haben Sie denn entschieden? Sie haben sich entschieden, heute sehr oft das Wort „London-Protokoll“ zu sagen; aber Sie haben sich nicht entschieden, wie Sie mit CCU/CCS in Deutschland irgendwie Land gewinnen wollen.

Und da sind wir wesentlich entschiedener. Die SPD-Fraktion hat ein klares Positionspapier, wie wir uns das vorstellen können.

So gut wie nichts!

Wir sagen klar, dass es eben um unvermeidbare Restemissionen geht, was heißt, dass wir erst mal alles vermeiden wollen, was geht.

Die FDP sagt etwas anderes! Was gilt denn?

Das ist übrigens auch keineswegs ideologisch; vielmehr haben wir die Industrie auf unserer Seite, die Wissenschaft auf unserer Seite. Da stehen Sie mit ziemlich wenig in der Hand da.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Das heißt, wir wollen vermeiden, was geht; nur alles das, was übrig bleibt, kommt überhaupt erst in Betracht, einer Lösung zugeführt zu werden.

Dann ist für uns auch ganz wichtig, dass sich die Situation ja verändern kann. Wir haben Fortschritte in diesem Land, und die sind oft schneller, als viele glauben. Wir haben es in der Vergangenheit geschafft, den CO2-Ausstoß in ganz unterschiedlichen Branchen zu verringern, und das soll uns weiter gelingen. Deswegen ist uns wichtig, dass es dann, wenn wir von unvermeidbaren Restemissionen sprechen, was Sie nicht einmal machen, unser Ziel ist, dass sich das auch in Zukunft verändern kann und dass wir besser werden, CO2 zu vermeiden. Da ist uns wichtig, dass die Forschung den Anreiz hat, den sie heute hat – am besten einen noch stärkeren –, nämlich sich darauf zu konzentrieren, CO2 zu vermeiden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Im Hinblick auf das, was dann übrig bleibt, können wir dann darüber reden, CCU/CCS zu machen. Da ist natürlich logisch, dass wir, wenn wir CO2 haben, was wir irgendwo in Deutschland als Rohstoff brauchen,

Zurufdes Abg. Jens Spahn [CDU/CSU]

es dort wiederverwenden. Was dann noch übrig ist, käme dann überhaupt erst in Betracht, verpresst zu werden.

Weil Sie ja immer loslegen wollen, sage ich: Zum Loslegen brauchen Sie auch Infrastruktur. Wenn Sie jetzt irgendwo Pipelines quer durch Deutschland legen, dann ist das kein Rezept, das der Industrie hilft, das irgendjemandem in Deutschland hilft. Das stiftet Verwirrung, das sorgt für Lock-in-Effekte; denn wenn eine Pipeline daliegt, will auch was durchgeleitet werden,

Zurufdes Abg. Oliver Grundmann [CDU/CSU]

und das hilft dem Klima überhaupt nicht.

Deswegen ist es am Ende so: Wir haben sehr klar entschieden, wie wir mit CCU/CCS in Deutschland umgehen wollen. Wir sehen auch, dass die Industrie und viele hier Klarheit brauchen. Deswegen kommt die Carbon-Management-Strategie ja jetzt, und davon ausgehend können wir dann kluge Schritte tun, um eben unsere Welt zu schützen. Wir wollen, um beim vorherigen Bild zu bleiben, ein Kind zwar nicht bei der Hand nehmen, aber es auch nicht einfach auf die Straße rennen lassen, wie Sie es vorschlagen.

Porträt von Anja Weisgerber
Foto: Dr. Anja Weisgerber/Tobias Koch
8 Vermerkeca. 507 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Klimaneutralität bis 2045, das ist mit Ausnahme einer Fraktion hier im Hohen Haus unser gemeinsames Ziel. Aber bezüglich des Weges dahin haben wir unterschiedliche Positionen.

Wenn wir diese Transformation, wenn wir Klimaneutralität wirklich schaffen wollen, dann dürfen wir keine Scheuklappen haben, sondern dann müssen wir in allen Sektoren Technologie und Innovation wirklich nutzen. Dazu zählt eben auch die Speicherung und Nutzung von CO2. Selbstverständlich müssen wir in erster Linie, weil das immer wieder der pauschale Vorwurf ist, CO2 vermeiden. Das sagen auch wir. Das ist keine Frage.

Es ist auch kein gutes Argument, wenn immer wieder gesagt wird: Wir nutzen CCS nicht, weil wir ja hauptsächlich vermeiden wollen.

Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ja, klar, wir wollen vermeiden. Aber es gibt eben, wie Sie selbst auch sagen, die unvermeidbaren Restemissionen,

Schwer vermeidbar!

zum Beispiel aus industriellen Prozessen. Diese Restemissionen können wir nur durch CCS, die Speicherung des Klimagases CO2 in der Erde, und CCU, die stoffliche Verwertung, der Atmosphäre entziehen. Das ist die Wahrheit. Wir müssen diese Technologien nutzen und nicht mit spitzen Fingern anpacken, wie Sie es tun.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Alle Experten, wie zum Beispiel auch der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Professor Edenhofer, bestätigen, dass wir diese Abscheidung und Speicherung von CO2 wirklich brauchen, um im Ergebnis klimaneutral werden zu können. Das ist die Wahrheit.

Sie müssen ins Detail gehen! Wie genau?

Deshalb nennt auch der Weltklimarat explizit – Kollege Lukas Köhler hat es auch gesagt – die CO2-Abscheidung als eines der Instrumente auf dem Weg zur Erreichung unserer Klimaziele.

Was machen jetzt die Vertreter der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen?

Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Sie nehmen diese Fakten nicht zur Kenntnis, sondern machen pauschale Vorwürfe. So unterstellte Lisa Badum in der Debatte zum Thema CO2-Speicherung im Januar hier im Hohen Haus und heute auch wieder, dass all diejenigen, die sich für die CO2-Speicherung und CO2-Nutzung, für CCS und CCU, aussprechen, CO2 gar nicht reduzieren wollen. Das ist völlig daneben, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das habe ich auch nicht gesagt!

Wir haben 2020 unser Klimaziel erreicht. Wir haben zusammen mit der SPD ein Klimaschutzgesetz verabschiedet und auf den Weg gebracht, das Sie jetzt aufweichen wollen. Machen Sie doch endlich mal in der Gegenwart Ihre eigenen Hausaufgaben, anstatt uns ständig Vorwürfe zu machen!

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufeder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Olaf in der Beek [FDP]

Völlig daneben ist auch der Vorwurf, dass all die, die für die Nutzung der Technologie CCS/CCU eintreten, als verlängerter Arm der fossilen Energiebranche agieren. Das ist vor allen Dingen vor dem Hintergrund völlig daneben, dass die aktuelle Bundesregierung erst letzte Woche den Weg für die Winterreserve, die Reaktivierung von Kohlekraftwerken, freigemacht hat. Da sprechen Sie und Ihr Klimaminister Habeck – ich sage bewusst: Klimaminister – mit gespaltener Zunge, werte Kolleginnen und Kollegen von den Grünen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Sagen Sie doch mal was zum Emissionshandel!

Auch die Carbon-Management-Strategie, die Minister Habeck angekündigt hat, lässt weiter auf sich warten. Aber von der Ampelregierung kennen wir nichts anderes: Nach Ankündigungen kommen erst sehr lange interne Streitigkeiten, und dann kommt ganz lang eben auch immer noch nichts. Wir machen zum Thema „Speicherung von CO2“ heute wieder ganz konkrete Vorschläge, die Sie einfach nur annehmen müssen.

Auch hinsichtlich unserer Vorschläge zur Ratifizierung des London-Protokolls muss sich Umweltministerin Lemke endlich bewegen.

Porträt von Anja Weisgerber
Foto: Dr. Anja Weisgerber/Tobias Koch
2 Vermerkeca. 17 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Kommen Sie endlich in den Handlungsmodus zu dem Thema und machen Sie Ihre eigenen Hausaufgaben!

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Sonja Eichwede
Foto: DBT/ Inga Haar
8 Vermerkeca. 803 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum. Insofern geben wir der Linken und ihrem Antrag recht, auch wenn wir mit vielen ihrer Schlussfolgerungen nicht übereinstimmen.

In der Tat ist es bundesweit so, dass circa jeder zehnte Haushalt über 40 Prozent des verfügbaren Einkommens für seine Wohnung aufbringen muss. In München liegt der Kaltmietendurchschnitt für eine 100-Quadratmeter-Wohnung inzwischen bei circa 20 Euro pro Quadratmeter. Das ist zu viel. Das können sich viele Familien in unserem Land nicht leisten, insbesondere wenn sie noch Geld für die Ausbildung der Kinder, für die Rente und gegebenenfalls für die Pflege der Angehörigen zurücklegen müssen. Deshalb wollen wir und werden wir hier auch etwas tun.

Folglich ist die Zielrichtung dieses Antrags richtig. Wir brauchen Wohnungspolitik für die Menschen, nicht für die Märkte. Mieten und Wohnungen sind keine Spekulationsobjekte. Wohnungen sind individuelle Rückzugsräume, die sehr wichtig sind für jede und jeden von uns; denn Wohnen darf kein Luxus sein. Wohnen ist ein Menschenrecht, sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und ja, es stimmt auch: Es reicht nicht, ausschließlich zu bauen. Aber wir müssen bauen. Wir müssen Anreize für die Wohnungswirtschaft setzen. Wir brauchen insgesamt mehr Wohnraum. Aber wir müssen auch bei der Entwicklung der Bestandsmieten anknüpfen und diese im Fokus haben. Sonst wird es so sein, dass sich ein großer Teil der Bevölkerung, der gerade in den Städten lebt, das Leben in den Städten, in seiner sozialen Infrastruktur nicht mehr leisten kann.

Deshalb haben wir als Ampel auch im Koalitionsvertrag eine Mietrechtsreform vereinbart. Diese muss bald kommen. Die Kappungsgrenze für Mieterhöhungen muss heruntergesetzt werden, und der Mietspiegelbetrachtungszeitraum muss ausgeweitet werden. Das wird spürbare Verbesserungen auf dem Wohnungsmarkt und im mietrechtlichen Bereich bringen. Dieser Preisexplosion müssen wir etwas entgegensetzen. Wir warten voller Spannung und mit etwas Ungeduld auf den Referentenentwurf aus dem Justizministerium, der dann hoffentlich bald zu einem Regierungsentwurf führt, den wir dann hier im Parlament beraten können.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Als SPD-Fraktion ist uns auch klar, dass wir auf die veränderte Lage auf dem Wohnungsmarkt reagieren müssen – eine veränderte Lage, die durch die gestiegenen Kosten und die Inflation gerade entstanden ist. Ein wichtiger Punkt sind die gestiegenen Mieten in Indexmietverträgen. Darauf müssen wir reagieren und brauchen einen neuen Anknüpfungspunkt. Denn viele Tausende Mieterinnen und Mieter ächzen unter der enormen Inflation, und dann ist auch noch ihr Mietvertrag an den Verbraucherpreisindex gekoppelt, und die Miete steigt insofern mit.

Indexmietverträge waren lange Zeit ein unkomplizierter Weg für Mieter und auch für Vermieter, um eine moderate Mieterhöhung ohne großen Verwaltungsaufwand und Gerichtsverfahren zu haben. Ursprünglich waren sie insbesondere für gewerberechtliche Mietverträge gedacht. Jetzt ist es so, dass dadurch große Zufallsgewinne generiert werden. Das ist eine zu große Belastung für Mieterinnen und Mieter. Dem müssen wir etwas entgegensetzen. Die Antwort meiner Fraktion darauf ist eine Kopplung an den Nettokaltmietenindex. Dann haben wir einen fairen Ausgleich der Interessen von Mietern und Vermietern und auch eine langfristige Planbarkeit für beide Vertragsparteien, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Nina Stahr [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Außerdem brauchen wir eine Schließung der Schlupflöcher der Mietpreisbremse. Das Bundesjustizministerium hat eine gute Studie zu möbliertem Wohnraum vorgelegt, aus der mehr als deutlich wird, dass viele Menschen heute in Großstädten in überteuerte möblierte Wohnungen ziehen, weil sie schlicht keine andere Möglichkeit haben und keinen anderen Wohnraum finden. Wie viel sie dabei für die Miete und wie viel für die Möbel bezahlen, wissen sie meist gar nicht. Wir fordern deshalb eine Transparenz für den Möblierungszuschlag. Dieser sollte gesondert ausgewiesen werden, und er sollte auf einer einheitlichen Berechnungsgrundlage beruhen, damit klar wird, wie viel für die Möblierung ausgegeben wird.

Außerdem brauchen wir klare Regeln, wann eine Wohnung nur zum vorübergehenden Gebrauch vermietet wird. Die Rechtsprechung hat hier gute Kriterien aufgestellt. Diese wollen wir in Gesetzesform gießen, damit wir in diesem Bereich mehr Transparenz haben. Wir sagen: Für einen Mietvertrag mit einer Länge von über fünf Monaten muss zwingend die Mietpreisbremse gelten; eine Wohnung mit einem Mietvertrag über einen Zeitraum, der darüber hinausgeht, ist nicht mehr zu einem vorübergehenden Gebrauch.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich gebe denjenigen recht, die sagen: Wir müssen diese Anreize schaffen, um mehr Wohnungen zu bauen. – Wir müssen die Wohnungswirtschaft wieder ankurbeln; das ist ganz klar,

So gelingt das aber nicht!

und daran arbeiten wir als Ampel. Das hat der Baugipfel im Kanzleramt in der letzten Sitzungswoche

… nicht gezeigt!

gezeigt. Wir brauchen aber ebenso Regelungen für den Bestand, und wir müssen dafür sorgen, dass sich die Bürgerinnen und Bürger das Leben in unserem Land – auch in meinem Wahlkreis in Brandenburg an der Havel oder in Rathenow – auch leisten können, dass sie dort leben können, wo sie arbeiten. Das gehört zu einem guten, sozialen Land dazu, und in einem solchen leben wir.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Daniel Föst [FDP]

Was so viele im Mieterland Deutschland dringend benötigen, werden wir als Ampel angehen. Dazu haben wir Vorschläge im Koalitionsvertrag und darüber hinaus als SPD-Bundestagsfraktion gemacht. Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum in unserem Land!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Daniel Föst [FDP]
22 Vermerkeca. 654 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Vielen Dank. – Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Lieber Kollege Luczak, Sie hätten auch gleich sagen können, Sie wollen nicht zum Mietrecht reden, sondern Sie wollen nur den Wohngipfel kritisieren. Aber dann hätten Sie sich hier anhören müssen: Thema verfehlt!

Dazu habe ich zwei Sätze gesagt!

Zuhören!

Auch wenn Sie es leugnen – es braucht ja kaum Zeugen –: Sie haben in den letzten Jahren, in denen Sie in politischer Verantwortung waren, kaum was für die Mieter/-innen getan.

Ich könnte Ihnen jetzt fünf große Mietrechtsreformen aufzählen!

Aber, meine Damen und Herren, die Ampel hat sich etwas anderes vorgenommen. Wir wollen Mieter/-innen schützen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Und ihr habt nichts gemacht!

Da hilft auch keine Debatte über fehlenden Wohnraum; darüber müssen wir uns gar nicht unterhalten.

Doch! Das hängt ja zusammen!

Ich weiß, Sie wollen das nicht! Das tut nämlich weh!

Gerade bei dem Wohngipfel wurde sich ja ausführlich darüber unterhalten.

Unterhalten reicht nicht! Machen!

Ich glaube, Sie müssen sich erst mal die Beschlüsse, die dort gefasst wurden, anschauen, bevor wir uns hier vertiefend darüber unterhalten können. Da wurde einiges auf den Weg gebracht. Aber was dort gefehlt hat, war das, was wir heute diskutieren wollen, nämlich das Mietrecht.

Jetzt könnte ich hier ganz entspannt sagen: Es bräuchte diesen Antrag der Linken nicht, um die Mieter/-innen zu schützen, meine Damen und Herren – wenn es uns denn als Ampelkoalition gelingen würde, den Fortschritt, den wir den Menschen versprochen haben, in Gesetze zu gießen, mit denen wir die Dinge, die wir zum Mietrecht im Koalitionsvertrag vereinbart haben, umsetzen.

Da guckt der Kollege Lieb aber schon ein bisschen sauer!

Das nimmt Ihnen doch sowieso keiner mehr ab!

Sie werden sich jetzt wundern, dass ich nicht nur, wie ich es hier schon einige Male gemacht habe, Herrn Buschmann auffordere, endlich mal die Referentenentwürfe, die ja schon fertig im Bundesjustizministerium liegen, in den Deutschen Bundestag einzubringen, uns hier diskutieren und beschließen zu lassen.

Gut, dass er das nicht macht!

Nein, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich greife sehr gerne auch das auf, was die Kollegin Lay an meine lieben Kolleginnen und Kollegen von der SPD-Fraktion gesagt hat: Es ist leider auch keine Hilfe, wenn die SPD-Bundestagsfraktion

Könnt ihr das nicht zu Hause unter euch ausmachen?

noch ein oder zwei radikalere Beschlüsse darüber fasst, wie das Mietrecht noch verändert werden kann, solange wir nicht mal die Dinge, auf die wir uns verständigt haben, in Bundesgesetze gießen. Da muss man doch wirklich sagen: Da hat die Kollegin von der Linken recht, wenn sie sagt: Wo ist denn die starke Fraktion, die den Kanzler stellt

Da müsste Die Linke jetzt mal klatschen!

und bei anderen Themen auch das Soziale bedient? Warum lässt sie uns beim Thema Mieten alle warten?

Beifallbei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ehrlich gesagt, fehlt einem manchmal auch das Verständnis dafür, warum wir seltsame Debatten über Mieter/-innenschutz führen, die keinem helfen.

Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU], an den Abg. Dr. Thorsten Lieb [FDP] gewandt: Ihr tut uns schon ein bisschen leid!

Liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPD-Fraktion, tun Sie mir den Gefallen: Geben Sie Herrn Luczak nicht den Raum, dass er hier wieder die Reden über das Mietrecht hält, die er hält!

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Caren Lay [DIE LINKE]

Wir lassen uns von Ihnen nicht sagen, wen wir reden lassen!

Liebe Kolleginnen und Kollegen von der FDP-Fraktion, bitte lassen Sie uns diese Gesetze gemeinsam beschließen, damit Herr Luczak hier nicht die Reden halten kann, die er hält!

Ist das Ihr Verständnis von Demokratie, den anderen das Wort zu verbieten, oder was?

Eins ist doch klar: Auch die Vermieterinnen und Vermieter brauchen Rechtssicherheit.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Mieterinnen und Mieter brauchen Schutz. Da wäre es doch das Leichteste, dass wir das, worüber wir uns in nächtlichen Sitzungen – ich war ja in der Verhandlungskommission – verständigt haben, worüber wir uns auch wirklich gefreut haben, dass uns das in der Fortschrittskoalition gelungen ist,

„Fortschrittskoalition“ habe ich jetzt selbst von den Ampelfraktionen länger nicht mehr gehört!

in Gesetze gießen, die Eingang in Verträge finden, die dann von den Gerichten angewandt werden können.

Richtig gute Debatte! Hoffentlich hören viele zu!

Denn, meine Damen und Herren, ich sage es nicht zum ersten Mal: Bei mir melden sich Richterinnen und Richter, die sagen: Ich will die ordentliche Kündigung nicht anders behandeln als die außerordentliche. Ich will Gesetze, mit denen ich Recht sprechen kann, sodass danach auch wirklich Frieden herrscht.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Sonja Eichwede [SPD]

Denn soziales Mietrecht bringt immer auch sozialen Frieden, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Sonja Eichwede [SPD]

Und es ist in unserer Verantwortung, dass wir das gewährleisten.

Damit ich hier nicht so negativ ende,

Das sind wir gewohnt von Ihnen, Frau Kollegin!

Darauf kommt es jetzt nicht mehr an!

möchte ich sagen: Letztes Jahr, Herr Buschmann, haben Sie mir den Entwurf zum Mietrecht bis Weihnachten in Aussicht gestellt. Sie haben dieses Jahr wieder die Gelegenheit, weil auch dieses Jahr wieder das Weihnachtsfest stattfinden wird.

Für Sie gibt es nur eine Rute!

Lieber Herr Buschmann, lachen Sie ruhig. Ich lache mit Ihnen, wenn Sie uns dieses Geschenk zu Weihnachten bescheren.

Vielen herzlichen Dank.

Ist ja komisch, dass die FDP gar nicht geklatscht hat! Die SPD auch nicht!

Beifallbei der AfD
12 VermerkeZwischenfrageca. 723 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! „Vermieterinnen und Vermieter enteignen – Wohnraum nachhaltig entwerten“, das wäre der richtige Titel dieses Antrages, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie des Abg. Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]

Denn Sie machen mit diesem Antrag schlicht nichts anderes, als die Vertragsfreiheit im Mietrecht im Grunde genommen nachhaltig abzuschaffen. Meine Fraktion wird das nicht mitmachen – definitiv nicht, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP

Sagt das mal eurem Koalitionspartner SPD!

Im vergangenen Jahr habe ich bei einem anderen Antrag, der sehr ähnlich war, die Formulierung „aus dem sozialistischen Gruselkabinett“ gebraucht. Dieser Antrag geht noch ein Stück weiter: Das ist eine echte Geisterfahrt für noch mehr Wohnungsmangel in diesem Land, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Aber im Ernst: Dass wir diese Herausforderungen und Sorgen haben, dass wir mehr Wohnraum zu angemessenen Preisen brauchen, die sich Menschen aus der Mitte der Gesellschaft leisten können, das ist klar; da sind wir uns ja auch alle einig. Sie greifen – das ist durchaus richtig – in dem Antrag den Wohngeld- und Mietenbericht 2021/2022 auf. Wenn man aber den Antrag liest, hat man zwei Eindrücke: Die Zahlen in dem Bericht haben Sie nicht richtig gelesen und verstanden, und den zentralen Teil zu den wichtigen Herausforderungen der Wohnungspolitik haben Sie auch vollständig ignoriert.

Sie suggerieren zum Beispiel in dem Antrag, der Anstieg von Mieten sei im Vergleich zu sonstigen Preissteigerungen über die Maßen erfolgt. Das Gegenteil ist aber der Fall. Wenn wir uns etwa ganz aktuell den in dieser Woche veröffentlichten Verbraucherpreisindex anschauen, sehen wir: Der Preisanstieg gegenüber dem Vorjahr bei den Nettokaltmieten liegt bei 2,2 Prozent – sicherlich kein Inflationstreiber – und gegenüber 2020 bei insgesamt 5,9 Prozent.

Weil Sie vorhin zu den Berliner Zahlen etwas gesagt haben: Ich habe die echten Zahlen. Es gab eine Mietpreissteigerung von 5,4 Prozent in zwei Jahren; heißt: von 2,7 Prozent pro Jahr. Hier wird ein Schreckgespenst an die Wand gemalt, liebe Kolleginnen und Kollegen, das mit der Realität nichts zu tun hat.

Zurufder Abg. Caren Lay [DIE LINKE]

Die Kostentreiber liegen nämlich völlig woanders: Haushaltsenergie plus 55 Prozent, Instandhaltung und Reparatur plus 13 Prozent. Die Änderung des Mietrechts hilft bei den Kostentreibern gar nichts; das ist der falsche Weg, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie des Abg. Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]

Der ganze Antrag unterliegt einem ganz fundamentalen Irrtum, nämlich der Idee, Wohnraummangel über das Mietrecht zu lösen. Die Idee gibt es seit über 200 Jahren. Das erste Mal wurde es mit dem Preußischen Allgemeinen Landrecht versucht. Der nüchterne Blick auf die heutige Realität ist: Keine einzige Mietrechtsänderung hat den Wohnraummangel beseitigt. Deswegen brauchen wir andere Instrumente, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP

Ich habe eine Idee – wir haben sie heute schon mal gehört –: Bauen. Das wäre eine Idee. Oder – das finden wir auch, wenn wir in den Mietenbericht schauen –: Begrenzung von Baukosten, nachhaltige Bodenpolitik, Beschleunigung von Planung und Genehmigung, investive Impulse, Konzepte für klimagerechten, ressourcenschonenden Wohnungsbau.

Abg. Pascal Meiser [DIE LINKE] meldet sich zu einer Zwischenfrage

– Nein. – Und – das haben wir in der Koalition verabredet – wir wollen das Mietrecht genau dahin gehend evaluieren, welchen Einfluss es auf den Wohnungsmangel hat. Denn das ist die richtige Antwort auf die Frage, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP

Eine Absenkung der Baukosten ist dringend erforderlich. Dafür ist zum Beispiel eine umfassende Betrachtung von Baustandards notwendig und erforderlich. Der zu wenig verfügbare Boden ist entsprechend teuer und erlaubt schon deshalb kaum den Bau von neuem Wohnraum; auch das ist bekannt, liebe Kolleginnen und Kollegen. Das Potenzial im ländlichen Raum ist schlecht erreichbar. Wir brauchen zum Beispiel einen Ausbau des ÖPNV. Das sind Lösungsansätze für diesen Bereich.

Wir brauchen mehr Digitalisierung. Die Flut an Vorschriften muss endlich beseitigt werden. Wir brauchen mehr Standardisierung und Digitalisierung im Bereich der Bauverfahren, um endlich diese Verfahren zu beschleunigen. Die Länder brauchen mehr Freiheiten bei der Grunderwerbsteuer. Es muss die Möglichkeit bestehen – wir fordern das seit Langem –, dass wenigstens beim Ersterwerb keine Grunderwerbsteuer anfällt.

Das sind Konzepte, die uns nach vorne bringen, liebe Kolleginnen und Kollegen, und nicht das Herumarbeiten am Mietrecht.

Beifallbei der FDP sowie des Abg. Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]

Wir brauchen Investitionsanreize für zusätzlichen Wohnraum, und im Bereich des sozialen Wohnungsrechts – natürlich ist das ein wichtiger Punkt – brauchen wir, statt uns die komplizierten Regelungen zum sozialen Wohnungsbau anzuschauen, endlich einen noch stärkeren Blick auf die Subjektförderung und weniger auf die Objektförderung.

Und wieso habt ihr dann die neue Wohngemeinnützigkeit vereinbart?

Das führt zu Entbürokratisierung, und das führt auch dazu, dass das am Ende alles besser funktioniert.

Langer Rede kurzer Sinn: Was stellen wir im Ergebnis fest? Wir brauchen einen umfassenden Ansatz zur Lösung der Herausforderungen beim Wohnungsmangel auf dem deutschen Markt statt Geisterbahnlösungen und Geisterfahrerei im Mietrecht. Daher lehnen wir den Antrag ab.

Ganz herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Carsten Müller
Foto: Carsten Müller/ Tobias Koch
23 Vermerkeca. 752 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich war nicht vollständig davon überzeugt, dass wir diese Debatte, nachdem wir sie in der Vergangenheit schon mehrfach geführt haben, heute noch mal brauchen. Aber ich bin korrigiert worden. Interessante Ergebnisse!

Ich fange bei meinem unmittelbaren Vorredner an. Sie haben eben gerade einen Redner einer Regierungsfraktion gehört.

Zurufevon der CDU/CSU: Ja!

Denkt man gar nicht. Sie sprachen von „Man müsste …“, „Man sollte …“, „Wir wollen eigentlich …“ und von der Lösung großer Probleme.

Gott sei Dank!

Ja, aber Sie sind dafür verantwortlich – die Grünen auch, Sie im Übrigen auch.

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sie nicht!

Es gibt wenig Politikfelder, in denen die Ampelkoalition, die sich in Teilen immer noch „Fortschrittskoalition“ nennt – da müssen Sie sich selber das Lachen verkneifen –, so krachend an den eigenen Zielen gescheitert ist.

Das stimmt!

Geplant waren 400 000 neue Wohnungen pro Jahr. Sie sind bei knapp 50 Prozent davon. Das ist das Kernproblem.

Ja! So ist es!

Wer den Wohnungsmarkt entlasten will, der muss neue Wohnungen bauen.

Da war die CDU ganz weit vorne, beim sozialen Wohnungsbau! Da ist gar nichts passiert!

Und es reicht nicht, wenn man den Mangel verwaltet. Dieser Hinweis, dass Sie krachend gescheitert sind, ist im Grunde genommen das einzig Richtige im Beitrag der Kollegin Lay von den Linken gewesen. Ansonsten sind Sie nämlich dem Irrtum erlegen, dass man ein Problem löst, indem man einen Mangel verwaltet, bürokratisch verwaltet. Das löst nicht ein Problem; Jan-Marco Luczak hat es dargestellt.

Beifallbei der CDU/CSU

Was ich besonders verheerend finde – da waren Ihre ersten Worte sehr erhellend –, ist, dass Ihnen das Thema „Interessenausgleich auf dem Mietenmarkt“ vollkommen fremd ist.

Zurufder Abg. Caren Lay [DIE LINKE]

Sie haben damit angefangen, von den großen Wohnungsbaukonzernen zu reden. Meine Damen und Herren, mehr als zwei Drittel aller Wohnungen in Deutschland werden von privaten Kleinvermietern vermietet.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist genau der Sektor, in dem wir praktisch kaum messbare Mietensteigerungen haben, weil nämlich die Kleinvermieter genauso wie die Mieter ein Interesse daran haben, dass das Mietverhältnis möglichst störungsfrei, geräuschlos, angenehm für beide Beteiligten läuft.

Ja, deswegen betrifft es ja auch alle!

Das ist das Bild, das wir als Unionsfraktion vermitteln wollen.

Meine Damen und Herren, ich will noch mal auf den Kollegen Lieb zu sprechen kommen. Welche Gründe gibt es denn noch dafür, dass der Wohnungsneubau so eingebrochen ist? Sie waren doch dabei, als die von Ihnen mitgetragene Koalition Ende Januar letzten Jahres über Nacht – und zwar wortwörtlich über Nacht – wichtige Förderprogramme der KfW mit einem Handstreich weggefegt hat

Das war Ihre Regierung, die das auslaufen lassen hat!

Zurufder Abg. Sonja Eichwede [SPD]

und damit das Vertrauen in den Wohnungsneubau und die Förderung desselben vollkommen zerrüttet hat.

Genau so war das!

Das ist Ihre Verantwortung, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

War das nicht der Herr Altmaier, der das Programm auslaufen ließ?

Meine Damen und Herren, dieser Einbruch, den Sie zu verantworten haben, wird auch nicht geringer, indem man ihn regelt. Die Kollegin Eichwede hat ein Beispiel gebracht. Die Kollegin Eichwede hat auf die schlimme Situation in München rekurriert. Da frage ich mich: Wer trägt eigentlich in der Stadt München seit Jahrzehnten die politische Verantwortung und damit auch die politische Verantwortung für den Wohnungsmangel? Ich habe eben noch mal nachgeguckt: Das ist Ihre eigene Partei.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufevon der CDU/CSU: Hört! Hört!

München ist seit Jahrzehnten SPD-regiert.

Gott sei Dank!

Und wenn wir uns die sonstigen Dollpunkte anschauen, in denen die Wohnungsnot mit Händen zu greifen ist, dann sind das in der Regel Städte, die von der SPD regiert werden.

Aber die Höhe der Preise hat nicht ausschließlich was mit der Menge der Wohnungen zu tun!

Manchmal sind die Grünen dabei.

Und jetzt gucken wir mal nach Berlin – es wundert mich, dass Frau Lay darauf gar kein Wort verwendet hat –: Es ist doch Ihre Partei, die bis vor wenigen Monaten hier Verantwortung getragen hat, die mit Frau Lompscher die zuständige Senatorin, die sogenannte Nichtbausenatorin, gestellt hat. Sie haben doch diese Probleme zu verantworten, unmittelbar, und Sie sind an der Lösung krachend gescheitert.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir sind für einen fairen Interessenausgleich: Wir wollen, dass Mieterinnen und Mieter einen starken Mieterschutz bekommen, und wir wollen, dass Vermieter und Vermieterinnen nicht vollkommen schutzlos ausgeliefert sind.

Was tun Sie für einen starken Mieterschutz?

Das ist es nämlich auch, was Sie in Ihrem wirklich abenteuerlichen Maßnahmenprogramm hier vorschlagen.

Wie wir – auch darauf will ich noch mal hinweisen – im Mietwohnungsbestand das Thema Klimaschutz bearbeiten, das ist Ihnen vollkommen schnuppe, dazu sagen Sie gar nichts.

Was sagen Sie denn dazu?

Sie liefern nicht den Hauch einer Antwort auf die Frage, wie

Jetzt reicht es aber!

– ja, ich weiß, dass Ihnen das reicht; das tut fürchterlich weh – eigentlich private Kleinvermieterinnen und private Kleinvermieter mit Sanierungs- und Reparaturkostensteigerungen von 13,5 Prozent umgehen sollen, wenn sie das nicht irgendwie umlegen können. Es wird dann niemand bauen. Das sehen Sie, das sehen wir. Wir bedauern das, und wir würden das gerne ändern. Mit Ihnen geht es nicht, mit Teilen der SPD auch nicht. Und, wie gesagt: Für uns war erhellend, wie uneinig diese Koalition ist.

Eine Nichtkoalition!

Wir freuen uns auf weitere Debatten.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich habe keine Lösung gehört!

Einen kleinen Moment, bitte. Da die Kollegin Lay sich persönlich angegriffen fühlt,

Caren Lay fühlt sich immer persönlich angegriffen!

erlaube ich eine Kurzintervention der Fraktion Die Linke. Frau Lay, Sie haben das Wort.

Porträt von Caren Lay
Foto: Caren Lay/ Frank Grätz
3 Vermerkeca. 225 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Leider konnte ich die Frage jetzt nicht mehr an Sie persönlich stellen, Herr Müller. Aber Sie haben hier einfach einen Haufen von unwahren Dingen behauptet gegenüber uns als Linksfraktion, aber auch im Hinblick auf die Regierungstätigkeit der Linken bzw. von Rot-Rot-Grün in Berlin. Sie haben behauptet, dass Frau Lompscher bzw. Rot-Rot-Grün damals wenig gebaut habe. Deswegen will ich Ihnen sagen: Es ist nicht die Wahrheit, dass unter Rot-Rot-Grün, unter der Bausenatorin Lompscher weniger gebaut wurde.

„Elisabeth-Aue“, sage ich nur!

Die Wahrheit ist: Unter Rot-Rot-Grün sind deutlich mehr Wohnungen gebaut worden als zuvor unter der Regierung der Großen Koalition. Das ist die Wahrheit.

Beifallbei der LINKEN

Die wenigsten Wohnungen in Berlin wurden gebaut in denjenigen Bezirken, wo die CDU den Bürgermeister stellt; das ist die Wahrheit. Also hören Sie bitte auf, hier solche ideologischen Unwahrheiten zu behaupten. Als CDU in Regierungsbeteiligung in Berlin sind Sie Ihrer Verantwortung nicht nachgekommen. Deswegen weise ich das mit aller Entschiedenheit zurück.

Und ich bin, ehrlich gesagt, gespannt, wie die Bilanz der jetzigen Regierung von Berlin aussehen wird. Da ziehen wir dann am Ende mal Bilanz. Ich bin davon überzeugt, dass diese Regierung, wie sie jetzt in Berlin sich aufstellt, auch diesen Zielen nicht gerecht wird.

Also nehmen Sie bitte Ihre Beleidigungen gegenüber der Linken, aber auch gegenüber Frau Lompscher und gegenüber Rot-Rot-Grün zurück.

Beifallbei der LINKEN

O mein Gott!

Porträt von Carsten Müller
Foto: Carsten Müller/ Tobias Koch
6 Vermerkeca. 86 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Wir kennen die Kollegin Lay als in der Sache wenig kenntnisreich und häufig ganz schnell beleidigt.

Also jetzt reicht es aber!

Meine Damen und Herren, ich will Ihnen Folgendes entgegenhalten

Jetzt reicht es aber wirklich!

– hören Sie mir bitte zu; ich habe das bei Ihnen auch ertragen müssen –:

Sie haben keine Ahnung von den Zahlen, von denen Sie reden!

Sie haben weder das Tempelhofer Feld bebaut noch die Elisabeth-Aue. Ihre Parteigenossin Lompscher ist als Nichtbausenatorin in die Geschichte Berlins eingegangen.

Widerspruchdes Abg. Pascal Meiser [DIE LINKE]

Sie haben keine messbaren Erfolge gebracht. – Das müssen Sie aushalten. Es tut weh, aber Sie sind Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist eine persönliche Beleidigung!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
6 Vermerkeca. 928 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Parteien!

Jawohl! Grüße zurück!

Liebe Mieterinnen und Mieter! Wie schön, dass wir als Bundestag wieder über die Rechte und den Schutz von Mieterinnen und Mietern diskutieren. Ich freue mich als Sozialdemokratin, für politische Mehrheiten zu werben, für ein noch besseres, für ein sozialeres Mietrecht. Ich finde, das steht uns gut an im Mieterland Deutschland. Gerade jetzt in der Not auf dem Wohnungsmarkt, wo leider viel zu wenige bezahlbare Wohnungen angeboten werden, wo die Menschen aber auf bezahlbare Wohnungen angewiesen sind, gerade jetzt können wir die Mieter nicht im Stich lassen und Schlupflöcher für Vermieter dulden.

Aber während auch wir als SPD zu Recht neue und bessere Gesetze einfordern, dürfen wir Umsetzungslücken nicht vernachlässigen. Dass die Gesetze, die schon geschaffen sind, auch angewendet werden und der Mieterschutz wie gedacht auf allen Ebenen umgesetzt wird, das ist mindestens genauso wichtig. Es ist nie einfach, gegen Widerstände hier im Bundestag mehr Mieterschutz durchzusetzen. Wenn dann auch noch der Schutz, den wir so hart erkämpft haben, vor Ort in den Ländern, in den Kommunen bei den Mieterinnen und Mietern nicht ankommt, ist das frustrierend, nicht nur für die Betroffenen, sondern, ehrlich gesagt, auch für mich als Politikerin.

Was ich damit meine, möchte ich Ihnen konkret kurz schildern, direkt aus meiner Nachbarschaft in meinem Düsseldorfer Wahlkreis, anhand eines Klassikers im Mietmissbrauch – überhaupt kein Einzelfall und beispielhaft für die vielen Fälle in unserem Rechtsstaat, in denen Mieter zwar recht haben, aber keines bekommen –: Ein Mietshaus wechselt den Eigentümer. Der neue Eigentümer kündigt die Modernisierung des Hauses an. Drei von vier Mietern ziehen direkt aus, da sie eine überhöhte Mietsteigerung fürchten. Der Polizist Burhan, der dort seit elf Jahren und gerne wohnt, weigert sich, auszuziehen, und bleibt als einziger Mieter im Haus – sein gutes Recht. Eines Tages steht ein Baugerüst vor seinen Fenstern, Bauarbeiten beginnen ohne Ankündigung. Wegen eines angeblichen Wasserschadens stellt der Vermieter mitten im Winter die zentrale Heizungsanlage ab. Die Stemmarbeiten im Haus sind so brachial, dass Burhan plötzlich die Decke seiner Mietwohnung im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf fällt: Zunächst bricht die Decke im Schlafzimmer ein, die Zimmerdecke im Wohnbereich folgt zwei Tage später.

Die physikalischen Gesetze der Schwerkraft konnte auch der Eigentümer nicht ignorieren – im Gegensatz zu unseren Bauvorschriften. Denn die Nachfrage beim Düsseldorfer Bauaufsichtsamt offenbart: Die Bauarbeiten erfolgten ohne Baugenehmigung, waren illegal. Das Bauaufsichtsamt erklärt die Wohnung sofort für nicht mehr bewohnbar. Burhan muss schnell, mit nur ein paar Habseligkeiten, raus und alles andere von jetzt auf gleich, bis zum heutigen Tag, zurücklassen; das war im November 2021.

Seitdem versucht er, als Mieter vor Gericht zu seinem Recht zu kommen, und muss sich nun auch gegen mehrere fristlose Kündigungen seines Mietverhältnisses wehren. Hätte die Kündigung Erfolg, hätte der Eigentümer genau das erreicht, was er vermutlich von Anfang an wollte: eine leere Wohnung, die er neu und teuer vermieten kann; wie ein Inserat für eine andere Wohnung im gleichen Haus zeigt: für das Dreifache der früheren Miete, 30 Euro pro Quadratmeter. Dies alles dulden wir in unserem Rechtsstaat,

Nein, das dulden wir nicht!

ohne dass der Eigentümer die Wohnung schnellstens wieder in einen bewohnbaren Zustand hätte versetzen müssen oder für sein rechtswidriges Verhalten sanktioniert worden wäre. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das hat ein brutales System: rausekeln, neu vermieten, das Dreifache kassieren.

Dass die Mieter sich allein kaum dagegen wehren können, das hat der Gesetzgeber schon vor einigen Jahren erkannt. Der Bundestag hat hier, an dieser Stelle, mit dem Mietrechtsanpassungsgesetz 2018 die Mieterrechte in den Fällen gestärkt, dass ein Vermieter Modernisierungen lediglich mit der Absicht durchführt, Altmieter zur Kündigung oder Aufhebung des Mietverhältnisses zu bewegen.

Genau! Das hat damals die CDU/CSU durchgesetzt! War unser Vorschlag!

Zum Schutz der Mieter und zur Eindämmung der weiteren Gentrifizierung von Stadtteilen wurde eine neue Ordnungswidrigkeit in das Wirtschaftsstrafgesetz eingeführt: wegen Durchführung einer baulichen Veränderung in missbräuchlicher Weise, also wegen bewussten Herausmodernisierens. Dafür gibt es eine Geldbuße von bis zu 100 000 Euro.

Und wer hat das durchgesetzt?

Nur, in welcher Stadt wird diese Geldbuße verhängt? In welchem Land wird im Sinne der Mieter agiert und die Ordnungswidrigkeit mit der Schärfe unseres Bundesgesetzes verfolgt? Mit dem Wirtschaftsstrafgesetz verfügen die Bundesländer über ein rechtliches Instrument, das sie zugunsten der Mieter aktiv nutzen müssten. Nur, es geschieht in der Praxis oft nichts oder zu wenig, sehr zum Leidwesen vieler Mieter/-innen.

Wer im Einzelfall recht hat, darüber entscheiden im Rechtsstaat letztendlich Gerichte, und das ist gut so. Was nicht gut ist: Dass wir ein Gesetz haben, mit dem wir als Bundestag zwar die Mieterrechte gestärkt haben, das aber in kaum einem Bundesland angewendet wird, vermutlich bis auf Hessen und Niedersachsen.

Bis heute ist es mir nicht gelungen, zu erfahren, wer denn nun eigentlich in meinem Bundesland, NRW, und in meiner Stadt, Düsseldorf, für den Schutz der Mieter sorgt, welche Behörde für die Verfolgung und Ahndung dieser Ordnungswidrigkeiten zuständig ist. „An wen müssen sich die Mieter in NRW wenden, um Schutz gegen die Herausmodernisierung zu erfahren?“, das habe ich vor gut einer Woche schriftlich die Landesbauministerin gefragt. Das Land darf sich doch hier nicht aus der Verantwortung stehlen und den Schutz der Mieter, den wir hier im Bundestag geschaffen haben, konterkarieren. Die Antwort lässt noch auf sich warten, und ich bin sehr gespannt.

Bis dahin könnte vielleicht auch der Mieterverein prüfen, ob eine Quadratmetermiete von 30 Euro selbst in einem gefragten Stadtteil und nach einer Renovierung rechtens ist und nicht bereits gegen die Mietpreisbremse verstößt. Auch dies ist eine gute gesetzliche Regelung, die zu oft einfach missachtet wird – ohne Konsequenzen? Oder müssen wir unsere Taktik als Abgeordnete in aller Zynik ändern: keine neuen Gesetze, solange die alten nicht umgesetzt werden?

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD

Nächster Redner ist der Kollege Fabian Jacobi, AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Hanna Steinmüller
Foto: Hanna Steinmüller/ Julia Bornkessel
9 Vermerkeca. 699 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Jetzt wissen wir mal wieder, was die AfD alles nicht will.

Wir wissen, dass Ihnen Mieterinnen und Mieter im Zweifelsfall vollkommen egal sind, dass Sie immer auf der Seite der Vermietenden stehen, aber konkrete Vorschläge, wie Sie die realen Probleme lösen wollen, darauf warten wir immer noch.

Weniger Sozialismus!

– Wow, realitätsnahe Lösungen! Gut.

Ich habe meine letzte Rede hier begonnen mit dem Beispiel aus meiner Nachbarschaft im Gesundbrunnen. Ich habe von einem dort errichteten Neubau mit Durchschnittsmieten von ungefähr 25 Euro pro Quadratmeter gesprochen. Konkret bezahlt man für die 40-Quadratmeter-Wohnung 1 200 bis 1 400 Euro, und die 110-Quadratmeter-Wohnung, 3 Zimmer, ist im Gesundbrunnen, ungefähr 15 S-Bahn-Minuten von hier entfernt, für 2 850 Euro vermietet worden. Diese Mieten sind weit jenseits dessen, was sich die meisten Menschen in meiner Nachbarschaft leisten können.

In dieser Diskussion hier gibt es bestimmte Argumente, die, wie bei einer kaputten Schallplatte, immer, immer wieder wiederholt werden. Das eine Argument ist, man bräuchte kein Mietrecht mehr, wenn es ausreichend Wohnungen gäbe; der Markt würde das ganz allein regeln. Das zweite Argument ist, dass ein strenges Mietrecht Neubau verhindere. Ich bin fest überzeugt: Beides ist falsch.

Es reicht nur nicht, wenn man sich das ganz fest wünscht!

Erstens. Viele mietrechtliche Regelungen gelten nicht für den Neubau. Die Mietpreisbremse nimmt Wohnungen, die nach 2014 gebaut wurden, pauschal aus. Selbst umfassende Modernisierungen führen dazu, dass die Mietpreisbremse nicht angewendet wird. Diese hohen Neubaumieten, von denen ich gerade berichtet habe, sind vollkommen legal. Und wir brauchen Neubau. Wir brauchen Neubau in bestimmten Ballungsgebieten, wo es einen Wohnraummangel gibt. Der Neubau ermöglicht Barrierefreiheit, die im Bestand zu erreichen oft schwierig und trotzdem notwendig ist. Auch Energieeffizienz ist im Neubau oft schneller zu erreichen als im Bestand; und trotzdem muss man auch im Bestand dafür sorgen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Neubau sorgt an sich nicht automatisch für bezahlbare Mieten. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn der Wohnungsmarkt so entspannt wäre, dass Mieterinnen und Mieter auch in angespannten Wohnungsmärkten Auswahl hätten. Aber davon sind wir weit, weit entfernt. Deswegen ist es sinnvoll, dass es Mietenregulierung gibt, um eine Preisexplosion zu verhindern.

Und es stimmt einfach nicht, dass die Mietenregulierung den Neubau ausbremst. Es gibt eine Studie vom DIW im Auftrag des BMJ, die empirisch aufzeigt, dass die Mietpreisbremse im Gegenteil sogar Investitionen angeschoben hat und dass es zu mehr Neubautätigkeit kommt, im Sinne der Mieterinnen und Mieter, aber auch der Investorinnen und Investoren.

Zweitens. Die Diskussion über den Neubau, die wir hier immer führen, lenkt davon ab, dass die allermeisten Menschen im Bestand wohnen. Wenn wir auf den Wohnungsbestand in Deutschland schauen, sehen wir: Es sind seit 2011 3 Prozent mehr Wohnungen dazugekommen, das heißt, die allermeisten leben in Bestandsgebäuden.

Ja, geht auch nicht anders!

Das ist gut, weil es dort günstigere Mieten gibt, es gibt oft eine etablierte, gewachsene soziale Mischung, und sie bieten vielen Menschen ein Zuhause.

Es gibt im Mietrecht aus guten Gründen eine Unterscheidung zwischen den normalen Wohnungsmärkten und den angespannten Wohnungsmärkten. 15 von 16 Bundesländern, nur das Saarland nicht, weisen diese angespannten Wohnungsmärkte auf. Wenn Sie mal gucken: Es gibt lange Listen von ganz vielen Kommunen, die offensichtlich ein Problem haben, weswegen es diese Unterscheidung im Mietrecht gibt. Damit es dort nicht zu einer Verdrängung kommt, brauchen wir im Bestand ein starkes Mietrecht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN

Denn das Problem in den angespannten Wohnungsmärkten ist ja – deswegen heißen sie „angespannt“ –, dass die Mieten in der Regel nicht mehr sinken. Was einmal teuer ist, bleibt teuer. Damit der Anstieg nicht so schnell erfolgt, haben wir die Mietpreisbremse, haben wir Kappungsgrenzen. Und wir wollen, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, auch noch weitergehen.

Ein letztes Argument. Manchmal wird gesagt: Wer sich hohe Mieten leisten kann, soll sie auch zahlen. – Dabei wird aber außer Acht gelassen, dass die hohen Mieten, wenn man auf die Kappungsgrenzen verzichtet, wenn die Mietpreisbremse nicht angewendet wird, dazu führen, dass der Mietpreisspiegel steigt und damit die Mieten für alle Menschen, egal ob sie es sich leisten können oder nicht, ansteigen. Deswegen ist es wichtig, dass wir diese Mietpreisregulierung haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir brauchen beides: Wir brauchen Neubau in den Gebieten mit Wohnraummangel, und wir brauchen ein starkes Mietrecht zum Schutz der Mieterinnen und Mieter im Bestand, damit jeder und jede ein sicheres Zuhause hat.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie des Abg. Daniel Föst [FDP]
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Susanne Hierl
Foto: Susanne Hierl/Christian Kaufmann
9 Vermerkeca. 696 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben im Verlauf der Debatte schon vielfach von der angespannten und schwierigen Lage auf dem Wohnungsmarkt gehört. Seit 2013 gab es viele Änderungen im Mietrecht, meist im Hinblick auf die angespannten Wohnungsmärkte. Wir haben die Mietpreisbremse, wir haben Kappungsgrenzen. Genutzt hat es nichts; das haben wir heute schon mehrfach gehört.

Die Linke fordert nun weitere Änderungen im Mietrecht, vor allem mit Regelungen, die die Vermieter betreffen. Wer sind eigentlich diese Vermieter? Zwei Drittel aller Wohnungen in Deutschland werden von Privatpersonen vermietet.

Hört! Hört!

Meist bietet diese Gruppe eine oder wenige Wohnungen an. Es handelt sich in der Regel also nicht um den Miethai oder den Immobilienkonzern, den Die Linke bei diesem Thema so gern bemüht. Diese privaten Vermieter haben persönlichen Kontakt zu den Mietern. Sie wollen ihren Wohnraum langfristig vermieten. Sie wollen keinen Stress mit dem Mieter haben und stabile Einnahmen erzielen. Mit den Einnahmen halten sie die Wohnungen instand und zahlen Steuern. Missbrauch mit System, wie von Ihnen, Frau Dr. Martens, geschildert, ist nicht die Regel, und das ist auch heute schon als Nötigung strafbar.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Daniel Föst [FDP]

Die Linke fordert unter anderem eine Reform der Mietspiegelberechnung. Ich möchte Ihnen das mal aufzählen: Es sollen zunächst alle Bestandsmieten in kommunalen Mietenkatastern erfasst werden. Aus diesen Informationen sollen dann echte lokale Durchschnittsmieten gebildet werden, und das bildet dann die ortsübliche Vergleichsmiete. Weiter erfolgt eine Einteilung der Kommunen in drei Kategorien, je nachdem, wie knapp der Wohnraum ist. Und in Wohnungsnotgebieten soll der Mieter ein Recht haben, die überhöhte Miete bis zur lokalen Durchschnittsmiete abzusenken. Komplizierter geht es nicht! Wir sprechen beinahe täglich vom Fachkräftemangel und von der Notwendigkeit, Bürokratie abzubauen, auch in den öffentlichen Verwaltungen. So eine Regelung belastet die Kommunen noch mehr und bringt uns in der Sache kein Stück weiter.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Das zeigt, dass Sie mit dem Ansatz der weiteren Regulierung auf dem falschen Weg sind. Mehr Regelungen schrecken Bauherren wie Vermieter ab, sodass sie nicht mehr in den Wohnungsneubau investieren. Es werden keine neuen Wohnungen entstehen, und die bestehenden Wohnungen werden nicht mehr instandgehalten. Meine Damen und Herren, wir können niemanden zu einer Investition zwingen. Investitionen müssen sich lohnen, genauso wie Arbeit.

Weiterhin behaupten Sie in Ihrem Antrag, dass eine Neubauoffensive, also eine Vergrößerung des Angebots auf dem Wohnungsmarkt, die Probleme nicht lösen wird. Die Verbreiterung des Angebots führt aber dazu, dass die Mieten wieder günstiger werden. Deshalb würde ich es sehr begrüßen, wenn die Bundesregierung ihren Ankündigungen endlich Taten folgen lassen würde und damit beginnen würde, die versprochenen 400 000 Wohnungen pro Jahr zu bauen.

Die Realität sieht nämlich anders aus: Im Jahr 2022 wurden knapp 300 000 neue Wohnungen fertiggestellt, dieses Jahr werden es wohl nur gut 220 000 werden, und im kommenden Jahr rechnen wir sogar nur mit 180 000. Gleichzeitig wächst aber in Deutschland der Bedarf an Wohnungen. Und die Zahl der erteilten Baugenehmigungen im Neubaubereich sinkt weiter.

Statt uns über noch mehr Regulierungen im Mietrecht zu unterhalten, die die Investitionen weiter ausbremsen, sollten wir den Wohnungsneubau ankurbeln. Wir als Union schlagen zum Beispiel vor, eine neue Sonderabschreibung für den sozialen Wohnungsbau einzuführen: Wenn Unternehmen Mietbegrenzungen garantieren und so bezahlbaren Wohnraum schaffen, erhalten sie dafür zusätzliche Abschreibungsmöglichkeiten.

Auch müssen wir die Baukosten senken. Dazu gehört, das kürzlich erst beschlossene Gebäudeenergiegesetz zurückzunehmen oder zumindest sinnvolle Förderkriterien vorzulegen, um die rechtlichen Verpflichtungen sozial zu flankieren und wirtschaftliche Überforderung zu vermeiden.

Zurufder Abg. Hanna Steinmüller [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Der Kollege Lieb machte ja ein paar gute Vorschläge. So würde ich ihm vorschlagen, unserem Antrag für bezahlbares Wohnen zuzustimmen, wenn er debattiert wird.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Auch ist es notwendig, die Zuständigkeiten für das Thema „Bauen, Wohnen und Sanieren“ beim Bauministerium zu bündeln. Aktuell liegen sie beim Wirtschaftsministerium, während die Zuständigkeit für die Förderungen beim Finanzministerium liegt. Das gehört alles zusammen. Die unterschiedlichen Zielsetzungen bremsen die Bemühungen im Bereich Wohnungsbau aus. Wir brauchen nicht mehr Regulierung und mehr Vorschriften, sondern wir müssen Anreize schaffen, damit wieder mehr Wohnungen gebaut werden, und das Angebot vergrößern. Anders werden wir die Lage auf dem Wohnungs- und Mietmarkt nicht in den Griff bekommen.

So ist es!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich muss schneller sein, weil Wolfgang Kubicki gesagt hat, ich müsse streng sein und fix. Also, wenn ich jetzt in den Beifall reinrede, dann wissen Sie, warum. – Bitte schön.

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
11 Vermerkeca. 356 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Soziales Mietrecht ist ein wichtiges Thema. Aber was Die Linke hier versucht, ist nichts anderes, als sozialistisches Mietrecht in Deutschland umzusetzen. Das, was wir hier bei den Linken erleben, ist der Griff in die modrige, sozialistische Gruselkiste, ein letztes Aufflackern der DDR-sozialistischen Glühbirne hier in diesem Parlament.

Beifallbei der AfD

Das sind letzte parlamentarische Zuckungen einer Fraktion, die es bald nicht mehr geben wird. Was macht diese Fraktion? Sie legt einen Antrag vor mit zwei bis drei Dutzend wurschtigen Forderungen, die allerhand sozialistische Ladenhüter wieder hervorkramen, zum Beispiel die Mietpreisbremse, den Mietpreisstopp.

Schauen wir uns das mal an in der Historie. Wie lief das? Ich habe das mal nachgelesen: 1922 gab es ein Reichsmietengesetz; da wurde so was erstmalig angedacht. 1931 wurde die Miete durch Notverordnung in Deutschland gesenkt. Und das erste Mietpreisstoppgesetz wurde im Oktober 1936 von den Nationalsozialisten in Deutschland erlassen.

Zurufder Abg. Caren Lay [DIE LINKE]

Die „Berliner Zeitung“ hat 2018 herausgearbeitet, dass dieses NSDAP-Mietpreisstoppgesetz eigentlich die Geburtsstunde der Mietpreisbremsendebatte in Deutschland war. Wie ging es nach 1936 weiter? Das alles nahm ein unrühmliches Ende; wir erinnern uns: 1945. Dann hat die DDR das übernommen, nachdem die kommunistische, die sowjetische Militäradministration das verlängert hatte. Also, was Sie hier machen, meine Damen und Herren von den Linken, ist rückwärtsgewandte sozialfaschistische Politik. Anders kann man das gar nicht bezeichnen.

Beifallbei der AfD
Widerspruchbei der LINKEN

Es wäre mir peinlich, einen solchen Antrag hier im Deutschen Bundestag auch nur anzudenken, geschweige denn so einen Unsinn hier einzubringen.

Zurufdes Abg. Pascal Meiser [DIE LINKE]

Sozialismus, sagen wir immer, egal ob braun oder rot, ab damit in die Tonne. Rot-grünen Sozialismus wollen wir auch nicht.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Pascal Meiser [DIE LINKE]

Erich Honecker hat mal gesagt: „Den Sozialismus in seinem Lauf“ – das war Ihr Parteivorsitzender vor gar nicht allzu langer Zeit – „hält weder Ochs noch Esel auf.“

Zurufeder Abg. Caren Lay [DIE LINKE] und Pascal Meiser [DIE LINKE]

Ich sage Ihnen, meine Damen und Herren von den Linken: Rot-grünen Sozialismus in seinem Lauf hält in Deutschland nur die AfD auf.

Beifallbei der AfD

Das mag jetzt kein fantastisches Versmaß gewesen sein, aber es trifft den Nagel auf den Kopf.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

– Geht es jetzt? Dann würde ich gern was sagen. – Für das Wort „sozialfaschistisch“ erteile ich Ihnen einen Ordnungsruf. Das ist unparlamentarisch.

Beifallbei der SPD und der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Aha! Das werden wir uns mal merken!

Für die SPD-Fraktion spricht Kaweh Mansoori.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
3 Vermerkeca. 120 WörterReaktionswert: lebhaft
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Herr Kollege Mansoori, Sie sind ja schon mit Schaum vor dem Mund gestartet

und haben nicht nur alle anständigen Mieter und Vermieter in Deutschland verunglimpft,

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

sondern auch alle Kollegen hier in diesem Raum, die – leider parallel zum Plenum – gelegentlich an Ausschusssitzungen teilnehmen müssen. Wir als Alternative für Deutschland haben vor einiger Zeit einen Antrag eingebracht: keine Parallelveranstaltungen zu Plenarsitzungen. Der wurde von Ihnen allen abgelehnt. Heute war es so weit: Ich habe mich von 16 Uhr bis 17 Uhr im Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung befunden. Verraten Sie mir, wie ich zeitgleich an zwei Orten sein kann oder wie es mir erspart bleibt, dass Sie mir hier unsinnigerweise vorwerfen, ich sei nicht da gewesen, wenn ich woanders hingehen musste!

Zurufvon der LINKEN
5 Vermerkeca. 153 WörterReaktionswert: lebhaft
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Herr Brandner, erstens. Ich kenne Ihren Kalender nicht; das ist auch völlig wurscht.

Dann seien Sie doch lieber ruhig!

Aber die Art und Weise, wie Sie hier in den Saal gekommen sind, und dass Sie noch telefonieren, während hier eine Debatte stattfindet, in der Sie selber sprechen wollen, das ist dem Haus gegenüber respektlos. Das will ich Ihnen in aller Deutlichkeit sagen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der FDP und der LINKEN

Es ist übrigens auch nicht das erste Mal, dass Sie mit vorgeschriebenen Reden, die völlig am Thema vorbeigehen, sich hier ans Redepult stellen und die abenteuerlichsten Reden halten. Ich habe eigentlich die ganze Zeit darauf gewartet,

Ja, sehr gut! Da wurden Sie nicht enttäuscht!

dass Sie noch ein bisschen gegen Zuwanderung hetzen; das hat aber Ihr Kollege, Herr Seitz, vor Ihnen gemacht. Deswegen will ich an der Stelle noch mal in aller Klarheit sagen: Wir haben hier eine weitestgehend sachliche Debatte über die Frage geführt, wie wir das Zuhause von Millionen von Menschen in Deutschland wieder bezahlbar machen.

In der Sie den größten Elefanten im Raum konsequent verschweigen wollten! Alle!

Sie haben hier nur billige Polemik verteilt.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und der LINKEN
Porträt von Caren Lay
Foto: Caren Lay/ Frank Grätz
11 Vermerkeca. 490 WörterReaktionswert: lebhaft
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Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Wohnungskonzern LEG kündigte in dieser Woche an, die Mieten in seinen fast 170 000 Wohnungen deutlich anzuheben. Auch Vonovia hat erhebliche Mieterhöhungen angekündigt. Die Konzerne kriegen den Hals nicht voll. Die Mieten schießen ungebremst durch die Decke, selbst in kleineren Städten: in Worms und Weiden ein Plus von 12 Prozent, in Hof und Flensburg ein Plus von 10 Prozent in nur einem Jahr.

Unfassbar!

60 Prozent der Deutschen haben Angst, dass Wohnen unbezahlbar wird. Das besagt eine aktuelle Studie vom heutigen Tag.

Und was macht die Ampel? „Was schert mich mein Geschwätz von gestern?“ müssen sich die Ampelparteien gedacht haben, nachdem sie die Bundestagswahl gewonnen haben, nicht zuletzt mit vielen Stimmen der Mieterinnen und Mieter. Die SPD forderte im Wahlkampf noch einen Mietenstopp. Auch die Grünen wollten Mieterhöhungen deutlich begrenzen. Und jetzt? Pustekuchen! Keine dieser Maßnahmen hat es überhaupt in den Koalitionsvertrag geschafft, und das bisschen, was dort steht, ist bis heute noch nicht einmal angepackt worden. Zwei Jahre im Amt, zwei Jahre ist nichts passiert. Das ist unterlassene Hilfeleistung für die Mieterinnen und Mieter, und das ist völlig inakzeptabel.

Beifallbei der LINKEN

Selbst dort, wo die Mietpreisbremse gilt, steigen die Preise für Mietwohnungen extrem – allein im ersten Halbjahr 2023 hier in Berlin um fast 17 Prozent. Allein das ist der Beweis dafür, dass die Mietpreisbremse in ihrer jetzigen Fassung ein zahnloser Tiger ist, und noch nicht einmal die wurde verlängert.

Beifallbei der LINKEN

Wir als Linksfraktion machen der Ampel heute Beine. Wir fordern 14 Maßnahmen zum Schutz der Mieterinnen und Mieter.

Wird ja immer weniger, die Linksfraktion!

Die Mietpreisbremse muss nicht nur verlängert, sie muss deutlich verschärft werden, meine Damen und Herren.

Beifallbei der LINKEN

Wir brauchen endlich einen bundesweiten Mietenstopp. Die Mieter/-innen brauchen Luft zum Atmen.

Beifallbei der LINKEN

Wir fordern, die Abzocke mit der Vermietung von möblierten Wohnungen endlich zu beenden.

Beifallbei der LINKEN

Wir wollen ein Verbot von Indexmietverträgen. Es kann doch nicht sein, dass die Mieten mit der Inflation steigen.

Beifallbei der LINKEN

Wir wollen die Modernisierungsumlage abschaffen. Wir wollen den Kündigungsschutz verbessern. Zwangsräumungen in die Wohnungslosigkeit müssen endlich verboten werden.

Beifallbei der LINKEN

In bereits bestehenden Mietverträgen sind selbst in angespannten Wohnungsmärkten aktuell 5 Prozent Mieterhöhungen im Jahr ganz legal. Die Ampel hat nun versprochen, das auf 3,7 Prozent im Jahr abzusenken. Abgesehen davon, dass wir das immer noch viel zu viel finden, ist auch das noch nicht einmal angepackt worden. Also beeilen Sie sich bitte mit diesem Gesetz, bevor die nächste Bundesregierung einen besseren Mieterschutz gleich wieder kassieren wird.

Beifallbei der LINKEN

Wir als Linke wollen einen bundesweiten Mietendeckel. Der muss natürlich in München anders sein als in Schirgiswalde. Aber wir brauchen eine bundesweite Regulierung der Mietpreise. So kann es nicht weitergehen.

Beifallbei der LINKEN

Lassen Sie mich noch eines sagen. SPD und Grüne schieben die Schuld ja gerne auf die FDP. Die Tatenlosigkeit von Minister Buschmann stinkt in der Tat zum Himmel, aber so einfach können Sie es sich nicht machen. Die Richtlinienkompetenz liegt beim Kanzler, und er hat sie ja auch schon genutzt: 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen Rüstung, Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken oder –

Porträt von Caren Lay
Foto: Caren Lay/ Frank Grätz
2 Vermerkeca. 30 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– die Zustimmung Deutschlands zum Asylkompromiss in Europa. Herr Scholz, sprechen Sie endlich ein Machtwort zugunsten der Mieterinnen und Mieter! Die Zeit der Ausreden ist vorbei. Das Wohnopoly muss beendet werden.

Beifallbei der LINKEN
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Jan-Marco Luczak
Foto: Jan-Marco Luczak/ Tobias Koch
16 Vermerkeca. 1.221 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte ganz gerne in die Debatte mit etwas einsteigen, was ich heute Morgen in der Zeitung gelesen habe. Die HOWOGE – das ist eine städtische Wohnungsbaugesellschaft hier in Berlin, in meiner Heimatstadt – hat vor Kurzem zwei Projekte zur Vermietung angeboten. Insgesamt ging es um 288 Wohnungen, die sie in ihr Vermietungsportal eingestellt haben. Das Vermietungsportal war für beide Projekte jeweils 30 Minuten offen, dann musste es wieder geschlossen werden, weil sich innerhalb dieser jeweils 30 Minuten 43 000 Bewerber auf diese 288 Wohnungen beworben hatten. 43 000 Bewerber! Es gibt aber nur diese 288 Wohnungen. Das heißt, am Ende gehen 42 712 Menschen nach Hause und haben keine Wohnung.

Ich habe mich mit Blick auf die heutige Debatte gefragt: Wenn wir jetzt all das machen würden, was in diesem Antrag der Linken niedergeschrieben steht, hätten wir dann diesen 42 712 Menschen irgendwie geholfen? Ich komme da zu einem sehr klaren Ergebnis: Nein, hätten wir nicht.

Das ist aber auch wirklich sehr kurzsichtig!

Zurufder Abg. Caren Lay [DIE LINKE]

Denn die hätten am Ende immer noch keine Wohnung. Das zeigt, glaube ich, sehr gut, wo wir in Deutschland stehen. Wir haben nämlich kein Problem damit, dass wir zu wenig Regulierung in diesem Land haben, sondern wir haben das Problem, dass wir zu wenig Wohnungen haben.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP

Wenn wir das machen, was Sie hier vorschlagen – das ist ein wahres Sammelsurium des Schreckens; Sie haben wahrscheinlich alle sozialistischen Planspiele, die Sie mal gemacht haben, in einen Antrag zusammengegossen –,

Mietobergrenze!

dann erreichen wir am Ende genau das Gegenteil. Das, was Sie hier vorschlagen, ist ein wohnungspolitischer Offenbarungseid, nichts anderes. Denn was passiert, wenn Sie diese Vorschläge tatsächlich umsetzen würden?

Ich glaube, Sie haben gar keine Vorstellung davon, wie die Debatten, die wir hier im Deutschen Bundestag führen, und die Vorschläge, die Sie gemacht haben und die – das muss man auch sagen – auch von Teilen der Ampel kommen – ich denke etwa an das SPD-Papier von vor einigen Wochen, in dem ein bundesweiter Mietenstopp gefordert wurde –,

Ja! Ist doch vernünftig!

zum Beispiel auf internationalen Investorenkonferenzen wahrgenommen werden. Das wird sehr genau registriert,

Genau deswegen ja auch!

und dann kommen Fragen auf: Stehen wir vor einer weiteren Enteignungsdebatte? Stehen wir vor der Einführung eines Mietendeckels?

Die Investoren fragen sich: Investiere ich noch in Deutschland?

Ganz genau!

Das müssen sie keineswegs, gerade in Zeiten steigender Zinsen und in Zeiten, wo andere Asset-Klassen jenseits des Betongoldes mittlerweile wieder sehr attraktiv geworden sind. Da sagen sehr viele Investoren: „Nein, dann investiere ich nicht“, mit der Folge, dass auch keine Wohnungen gebaut werden, mit der Folge, dass diese 42 712 Menschen am Ende immer noch ohne Wohnung dastehen. Meine Damen und Herren, liebe Linke, damit sind Sie mit Ihren Vorschlägen am Ende dafür verantwortlich, dass der Wohnungsbau in Deutschland so eingebrochen ist

Widerspruchbei der LINKEN

und wir nicht vorankommen.

Weil die 16 Jahre im Bund regiert haben, oder was?

So ist es und nicht anders.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich wusste gar nicht, dass Die Linke so eine starke Kraft ist!

Es wundert einen schon, dass Sie hier das Hohelied des Mietenstopps, das Hohelied des Mietendeckels singen – die SPD macht das in gleicher Weise –; denn wir haben ja Erfahrungen mit dem Mietendeckel. Hier in Berlin hat Rot-Rot-Grün einen Mietendeckel ins Werk gesetzt. Der ist nicht nur krachend vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert,

Zurufevon der LINKEN

weil Sie alle verfassungsrechtlichen Bedenken, die es gegeben hat, in den Wind geschlagen und ignoriert haben; darüber kann man ja noch streiten. Sondern was war die Folge auf dem Wohnungsmarkt in Berlin? Das Angebot an verfügbaren Mietwohnungen ist dramatisch eingebrochen; um mehr als die Hälfte ist das Angebot zurückgegangen.

Das hat der Wohnungsmarkt in Berlin bis heute nicht weggesteckt. Ganz viele der vermietenden Eigentümer haben sich zu der Zeit des Mietendeckels gesagt: Dann vermiete ich meine Wohnung gar nicht mehr; ich wandele sie um, verkaufe sie oder mache irgendwas anderes damit, lasse sie vielleicht auch leer stehen. – Diese Wohnungen sind immer noch nicht auf den Wohnungsmarkt zurückgekommen.

Zurufdes Abg. Pascal Meiser [DIE LINKE]

Trotz dieser Erfahrungen, dieser verheerenden Folgen, auch in Form von massiven sozialen Verwerfungen, sagen Sie: Jetzt brauchen wir einen Mietendeckel, und zwar nicht nur in Berlin, sondern bundesweit. – Da kann ich mir doch nur an den Kopf fassen! Sie haben ganz offensichtlich nichts aus der Geschichte des Mietendeckels hier in Berlin gelernt, liebe Linke.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP

Sie haben ihn doch zu Fall gebracht! Das ist die Wahrheit!

Ähnliches gilt für die Mietpreisbremse. Sie fordern sozusagen im Wochenrhythmus, dass die Mietpreisbremse verschärft werden muss,

Ja! So lange, bis es passiert ist!

dass sie unbefristet gelten muss, dass sie flächendeckend ausgeweitet werden muss.

Es ist eigentlich eine rechtspolitische Debatte. Aber ich möchte nicht weglassen, was das Bundesverfassungsgericht dazu sagen würde. Sie kennen vielleicht die Entscheidung aus dem August 2020, in der das Bundesverfassungsgericht sehr klar ausgeführt hat, dass die Befristung der Mietpreisbremse und auch die Ausnahmen von der Mietpreisbremse, die Sie laut Ihrem Antrag abschaffen wollen, gerade die Vehikel sind, um die Mietpreisbremse verfassungsrechtlich überhaupt halten zu können. Wenn Sie das alles abschaffen würden, würde die Mietpreisentwicklung völlig vom Markt entkoppelt. Sie würden in die Substanz des Eigentums eingreifen, und damit wäre das Ganze am Ende verfassungswidrig. Das ist die Rechtsdebatte.

Aber blicken wir mal auf die Menschen. Ich glaube, den Menschen ist die verfassungsrechtliche Dimension möglicherweise nicht so wichtig. Den Menschen ist aber ganz wichtig: Führt das dazu, dass ich am Ende eine bezahlbare Wohnung habe?

Zurufder Abg. Nicole Gohlke [DIE LINKE]

Wenn Sie jetzt hingehen und die Ausnahmen von der Mietpreisbremse zum Beispiel beim Neubau abschaffen, dann führt das zu Folgendem: Die Durchschnittsmiete in Berlin beträgt 7,17 Euro. Das ist die Durchschnittsmiete; ortsübliche Vergleichsmieten sind ein bisschen anders. Beim Neubau entstehen Kosten – Sie haben es gerade selber erwähnt, Stichwort „Vonovia“ – in Höhe von 18 bis 20 Euro. Vermieten dürfen Sie aber nur zu 7,17 Euro. Dann haben Sie ein Delta von 12, 13 Euro. Daher frage ich Sie: Wer in aller Welt soll denn in unserem Land neue, bezahlbare Wohnungen bauen, wenn Sie eine solche Regelung schaffen, nach der die Unternehmen mit Ansage pleitegehen werden? Das macht kein Mensch. Deswegen ist dieser Vorschlag absolut absurd.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Carina Konrad [FDP]

Das Gleiche gilt im Übrigen für die Abschaffung der Ausnahmen von der Mietpreisbremse für umfassend modernisierte Wohnungen. Wir haben in den letzten Wochen wirklich um die Frage gestritten, wie wir das Heizungsgesetz gestalten können. Dazu hat die Ampel einen Vorschlag gemacht; der ist daneben. Aber wir waren uns am Ende über eine Sache einig: Wir müssen unsere ehrgeizigen Klimaschutzziele erreichen. Wir wollen CO2 einsparen. Wenn Sie jetzt aber hingehen und das Mietrecht so umgestalten, dass diejenigen, die in die energetische Sanierung ihrer Bestandswohnung investieren, am Ende keinerlei Möglichkeit mehr haben, irgendetwas umzulegen oder die Mieten anzupassen und damit ihre Investition zu refinanzieren, ja, was wird dann passieren? Keiner wird mehr investieren. Der Klimaschutz bleibt auf der Strecke. Das ist nicht nur ein wohnungspolitischer Offenbarungseid, sondern es ist auch ein Offenbarungseid, was den Klimaschutz anbelangt. Es ist völlig absurd, was Sie hier vorschlagen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das, was wir jetzt benötigen, ist nicht noch mehr Regulierung. Noch mal: Wir als Union sind selbstverständlich immer dafür, dass wir starke soziale Leitplanken im Mietrecht haben. Aber wenn wir nachhaltig etwas gegen steigende Mieten tun wollen, wenn wir nachhaltig diesen 42 000 Menschen helfen wollen, die auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung sind, dann müssen wir dafür sorgen, dass in unserem Land mehr, schneller und kostengünstiger gebaut werden kann. Wir müssen die Fesseln beim Wohnungsbau lösen. Wir müssen Bürokratie abschaffen. Wir brauchen weniger Regulierung. Wir brauchen Verlässlichkeit bei der Planbarkeit, bei der Investitionssicherheit. Wir müssen die Baukosten senken. Und das – weil es gerade angesprochen wurde –, was der Baugipfel dazu gemacht hat, ist ein Witz. 45 Milliarden Euro Kosten, 30 000 Wohnungen, die davon induziert werden, das reicht in keiner Weise aus.

7 Vermerkeca. 415 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wohnraum wird seit Jahren in Deutschland immer knapper und Wohnen unbezahlbar. Der Antrag der Linken reduziert das Problem auf eine Mietenkrise mit drei Seiten Forderungskatalog als Lösung. Trotz massivster einseitiger Änderungen des Mietrechts zum Nachteil der Vermieter tauchen die Begriffe „Vertragsfreiheit“ bzw. „Privatautonomie“ nicht einmal auf, was entlarvt, wie sehr der Sozialismus im nun „Linke“ genannten Kadaver der SED weiterlebt.

Und nicht nur dort. Das sage ich auch allen anderen Rednern, die ebenfalls zur Vertragsfreiheit nichts zu sagen haben.

Was auch die Sozialisten aus der Chaoskoalition – wie meine Vorrednerin – wollen, wird ehrlich gesagt. Der Wohnungssektor soll langfristig verstaatlicht werden, in den nächsten zehn Jahren laut Antrag mindestens 30 Prozent des bundesweiten Wohnungsbestandes, in Städten ab 20 000 Einwohnern sogar mindestens 50 Prozent. Wie Deutschland dann in 30 Jahren aussehen wird, weiß jeder, der einmal Bilder der DDR aus dem Jahre 1990 gesehen hat.

Aber selbst in der Chaoskoalition gibt es manchmal lichte Momente, hier bei Bundesjustizminister Buschmann – Zitat –:

„Unser Problem bei den Mieten ist doch nicht, dass wir zu wenig Regulierung haben, sondern zu wenig Wohnraum.“

Auch das ist unterkomplex, denn die Feststellung „zu wenig Wohnraum“ muss primär als „zu viele Wohnungssuchende“ verstanden werden.

Beifallbei der AfD

Ein Markt wird eben bestimmt durch Angebot und Nachfrage. Bei beidem versagt die Chaosregierung unter Totalversager Scholz. Und die Union hat keinen Grund, sich aufzuplustern; denn die GroKo unter der Verfassungsverräterin Merkel war kaum besser.

Das müsste doch einen Ordnungsruf geben: „Verfassungsverräterin“!

Das sind Begriffe!

Was gehört beim Thema Mietenkrise wirklich angesprochen?

Erstens: die beschämend niedrige Eigentumsquote, weil Deutschland – mit Ausnahme der Schweiz – mit weitem Abstand hinter allen anderen europäischen Ländern rangiert.

Zweitens: die verheerende Baukostenentwicklung bei Wohnungsgebäuden mit einem Anstieg seit 2000 um 80 Prozent und allein seit 2015 um fast 40 Prozent. Ursächlich ist nicht nur die Geld- und Zinspolitik der EZB, sondern vor allem der Gesetzgeber, der Jahr für Jahr das Bauen verteuert.

Beifallbei der AfD

Baukosten und Mieten werden aber künftig erst recht durch die Decke gehen, wenn der Habeck’sche Heizungshammer nicht wieder rechtzeitig von einer AfD-Regierung gekillt wird.

Von einer was?

Der dritte und wichtigste Punkt ist die Nachfrage, die vor allem durch illegale Migration befeuert wird.

Unfassbar!

Selbst die „Tagesschau“ hat die Nettozuwanderung nur für die Jahre 2020 bis 2022 mit 2 Millionen Menschen beziffert. Fertiggestellt wurden 2022 knapp 260 000 Wohnungen. Für 2024 wird mit 214 000 Wohnungen gerechnet.

Die Implosion des Wohnungsmarktes ist Folge des Regierungshandelns. Wir als AfD warnen seit 2015 davor.

Beifallbei der AfD

Mietenstopps und Mietpreisbremsen bauen keine Wohnungen. Wer Wohnen in Deutschland bezahlbar halten will, muss Grenzen schützen –

1 Vermerkca. 14 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

– und vor allem abschieben.

Furchtbar!

Wir brauchen die Festung Europa, wir brauchen die Festung Deutschland, –

3 Vermerkeca. 7 WörterReaktionswert: niedrig
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– auch im Interesse unserer Mieter.

Das ist Mieterschutz! Sehr gut!

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Fabian Jacobi
Foto: Fabian Jacobi
3 Vermerkeca. 304 WörterReaktionswert: niedrig
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Ampelregierung macht wie schon ihre Vorgängerin aus Deutschland ein offenes Siedlungsgebiet für den ganzen Planeten und sorgt damit für millionenfachen Zuzug. Gleichzeitig tut sie ihr Möglichstes, um die Errichtung neuen Wohnraums durch Auflagen und Kostensteigerungen zu behindern. Das Resultat ist, wie jedes Grundschulkind vorher an zwei Fingern hätte abzählen können, eine akute Mangellage.

Beifallbei der AfD

Die Fraktion Die Linke möchte über die Ursachen dieser Wohnungsnot schweigen. Stattdessen möchte sie mit dem Antrag, über den wir hier reden, die Mietpreise noch viel weiter gehend staatlich reglementieren, als das ohnehin schon der Fall ist. Die Folgen sind wiederum absehbar: Der Neubau kommt endgültig zum Erliegen, der Bestand verrottet. Ich bin alt genug, um gesehen zu haben, wohin das führt. Ich bin 1989 nach der Maueröffnung durch Ostberlin gelaufen und habe die Ruinen des Sozialismus gesehen. Später konnte ich die Ruinen als auf Baustellen jobbender Student auch handgreiflich erleben. Meine Schlussfolgerung daraus ist klar: Nie wieder Sozialismus!

Beifallbei der AfD

Sozialismus zerstört nicht nur materiell, sondern schafft auch kulturell Ruinen.

Die Linke fordert ein Recht auf Wohnungstausch. Wohnungstausch ist eine sinnvolle Sache, wenn einschlägige Vereine dafür sorgen, dass Tauschwillige zusammenfinden. Die Linke allerdings will nicht die freie Vereinbarung aller Beteiligten, sie will dem Vermieter einen neuen Vertragspartner auch gegen seinen Willen aufzwingen. Die freie Wahl des Vertragspartners gehört zum Fundament der freiheitlichen europäischen Zivilisation. In dem Wunsch nach ihrer immer weiteren Einschränkung, nach immer mehr staatlicher Bevormundung zeigt sich die Absicht, diese Zivilisation zu zerstören. Unsere Gesellschaft soll zurückgeworfen werden vor die bürgerliche Revolution des 19. Jahrhunderts, hin zu einem System, in dem die Menschen wiederum unfrei sind wie ehedem, nur dass der allweise sozialistische Staat an die Stelle des alten Feudalherrn tritt.

Beifallbei der AfD

Um den Anfängen zu wehren, ist es dabei längst zu spät. Die Anfänge dieser Entwicklung haben wir schon lange hinter uns gelassen.

Porträt von Fabian Jacobi
Foto: Fabian Jacobi
2 Vermerkeca. 11 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Umso dringlicher ist es, dass wir ihr entschlossen entgegentreten.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

So! Sozialismus nicht, Kapitalismus nicht! Was wollen Sie denn?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
7 Vermerkeca. 640 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich begrüße es sehr, dass wir ein bisschen Dampf in die Debatte bekommen; das wird eh ein langer Abend. Ich werde meinen Beitrag dazu leisten, dass wir etwas Dampf in die Debatte bekommen.

Sehr gut! So kennen wir dich!

Ich muss nur ganz kurz auf Kollegin Hierl antworten, weil sie meinte, Thorsten Lieb habe gute Ideen formuliert und deswegen könnten wir ihrem Antrag zustimmen. Ich weiß nicht, meinen Sie den Antrag, den wir in der letzten Sitzungswoche beraten haben, wobei klar wurde, dass ein Großteil Ihrer Forderungen durch die Regierung bereits abgearbeitet ist?

Nein! Das kann nicht sein!

Nein! Die Regierung hat noch gar nichts abgearbeitet!

– Ach ja, genau! Eben, Sie haben ja noch gar keinen Antrag vorgelegt. Danke, das wollte ich hören.

Es steht völlig außer Frage, dass wir die Wohnkosten unter Kontrolle bekommen müssen. Das steht völlig außer Frage! Tatsächlich ist die Belastung durch das Mieten, durch das Wohnen eine soziale Frage. Die kann gar nicht hoch genug von uns Politikerinnen und Politikern hier im Deutschen Bundestag angesiedelt werden.

Ich muss jetzt allerdings mal ein paar Redebeiträge, die im Laufe dieser Debatte vorgetragen wurden, zurechtrücken, weil da viel behauptet wird, was einer genauen Betrachtung einfach nicht standhält. Zur wertgeschätzten Frau Kollegin Lay: Wir haben ja festgestellt, dass Rot-Rot-Grün in Berlin diese Stadt als ihren Experimentierraum, als ihren Spielkasten, als ihren Sandkasten missbraucht hat,

indem es hier einfach mal jede dämliche Idee zum Mietrecht ausprobiert. Sie sind damit krachend gescheitert. Es tut mir leid, wenn ich den Kollegen Luczak zitieren muss. Trotz 43 000 Bewerbern auf 288 Wohnungen stellen Sie sich hier hin und sagen, es gebe ein Problem im Mietrecht? Nein, das ist kein Problem im Mietrecht, das ist ein Problem beim Neubau, und zwar in ganz Deutschland.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und der CDU/CSU

Da hat er recht!

Zweiter Punkt. Weil gern gesagt wird: „Wir brauchen ein starkes Mietrecht“, sage ich: Wir haben ein starkes Mietrecht, wir schützen völlig zu Recht Mieterinnen und Mieter – völlig zu Recht. Die Wissenschaft geht davon aus, dass der Wohnungs- und Immobilienmarkt der am zweitstärksten regulierte Markt in Deutschland ist, nach dem Gesundheitswesen. Also, wer behauptet, wir hätten hier Regelungslücken, der – tut mir leid – muss sich mal intensiv mit der Gesetzeslage beschäftigen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich will gar nicht infrage stellen, dass wir einen überregulierten Markt haben, bzw. ich will gar nicht diskutieren, ob wir einen überregulierten Markt haben. Aber wer behauptet, das Mietrecht sei zu schwach, der verkennt die Realität. Wir haben die Mietpreisbremse, wir haben die Kappungsgrenze, wir haben die Mietspiegel, die in die Vergangenheit schauen. Wir haben viele Maßnahmen, um Mieterinnen und Mieter zu schützen, und das auch zu Recht. Das sollten wir hier mal anerkennen und nicht immer behaupten, wir hätten kein starkes Mietrecht.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Ich komme zu einem weiteren Punkt, der mir wichtig ist. Es wird immer wieder erwähnt: Der Markt kann das nicht richten. – Hui! Der Markt kann das nicht richten? Lassen wir denn den Markt es richten? Sie bauen keinen einzigen Stein auf den anderen. Sie machen für Vermieter und Mieter gar nichts. Sie werden auch keine Wohnung verkaufen oder aufteilen, ohne dass der Staat es Ihnen erlaubt. Bauen und Wohnen ist nur möglich, wenn der Bund, das Land und die Kommune sagen: Ja, du darfst. – Zu behaupten, der Markt würde nicht funktionieren, obwohl wir es ihm gar nicht ermöglichen, zu funktionieren, ist, finde ich schon immer, zu kurz gesprungen und falsch. Wir müssen es den Investoren, den Wohnungsgesellschaften, auch den Genossenschaften, meinetwegen auch den Kommunen und den Ländern erlauben, Wohnungen zu bauen. Es ist keine Frage des Marktversagens, es ist eine Frage des Politikversagens, dass in Deutschland keine Wohnungen gebaut werden. Und weil die Union gleich wieder feixt, sage ich: Es ist Aufgabe der Kommunen und der Länder, das Bauen zu vereinfachen und Bauland auszuweisen.

Beifallbei der FDP

Der letzte Punkt, den ich in den drei verbliebenen Sekunden meiner Redezeit noch ansprechen möchte: Indexmietverträge sind kein neues Thema. Im Bundestagswahlkampf 2021 war die Forderung präsent, die Mieten grundsätzlich an die Inflation zu koppeln.

2 Vermerkeca. 16 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich bin sofort fertig. – Sie können sich bedanken, dass die FDP das verhindert hat. Gern geschehen!

Beifallbei der FDP
3 VermerkeZwischenfrageca. 166 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich finde, es darf in diesem Haus nicht unwidersprochen bleiben, dass Stephan Brandner dieser Debatte fast eine Stunde ferngeblieben ist, am Ende hier reinstolpert, noch telefoniert und dann so billige Polemik hier in die Debatte gießt.

Das ist der Unterschied zwischen den demokratischen Fraktionen und Ihnen. Wir ringen sachlich miteinander um Lösungen. Sie verteilen nur billige Polemik. Deswegen werden wir niemals zulassen, dass einer von Ihnen Verantwortung in diesem Land übernimmt.

Wohnen darf kein Luxus sein. Ein Zehntel der Haushalte in diesem Land zahlt mehr als 40 Prozent des Haushaltseinkommens für Wohnen. In meiner Region, in Frankfurt, ist es noch mehr: bis zu 60 Prozent. Das ist ein Problem, wenn man bedenkt: Unter den 10 Prozent der Bevölkerung mit dem niedrigsten Einkommen wohnen sogar 90 Prozent der Haushalte zur Miete. Von diesen Menschen sind viele nicht in der Lage, ihre Mieten zu bezahlen. Der Markt regelt eben nicht alles. Wohnen ist ein Jedermannsrecht und darf kein Luxus sein.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
1 VermerkZwischenfrageca. 9 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ich möchte nicht, dass Herr Brandner eine Zwischenfrage stellt.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Caren Lay [DIE LINKE]
6 Vermerkeca. 481 WörterReaktionswert: niedrig
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Deswegen handelt diese Koalition auch gegen Mondmieten. Wir haben uns vorgenommen, die Mietpreisbremse zu verlängern, damit weiterhin eine Orientierung an den ortsüblichen Vergleichsmieten stattfindet. Wir werden auch die Kappungsgrenze bei Mieterhöhungen auf 3,7 Prozent absenken. Und wir werden Mietspiegel ausweiten, damit es für Mieterinnen und Mieter einfacher ist, ihre Rechte durchzusetzen.

Ich bin sehr bei meinen liberalen Freunden, die deutlich gemacht haben, dass es auch ein wirksames Mittel gegen Mietsteigerungen ist, in Holz, Stein, Stahl und Beton zu investieren. Wir müssen mehr Wohnungen bauen und Investitionen erleichtern, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der FDP und der Abg. Anja Liebert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Deswegen ist es gut, dass die Regierungskoalition Vorschläge macht, wie das gehen soll, beispielsweise indem es steuerliche Anreize für gemeinnützigen Wohnungsbau gibt, beispielsweise indem wir die Bundesmittel für den sozialen Wohnungsbau auf Rekordniveau halten und ihn weiter ausbauen werden, beispielsweise indem Baugenehmigungen durch Digitalisierung und Genehmigungsfiktion erleichtert werden sollen; denn der Zubau ist der einzige Weg, gerade in den Großstädten, Entspannung in angespannte Wohnungsmärkte zu bringen. Dafür brauchen wir den öffentlichen Wohnungsbau, dafür brauchen wir auch den privaten Wohnungsbau. Ich will in der Debatte aber auch deutlich machen: Wir brauchen mehr anständige Vermieterinnen und Vermieter und weniger Vonovia, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Es muss darum gehen, gerade in den Großstädten zu verhindern, dass die Stadtkerne an rein renditeorientierte Immobilienhaie und an Spekulantinnen und Spekulanten ausverkauft werden. Weil das Beispiel München gebracht und mit der SPD verknüpft worden ist, auch von Ihrer Fraktion: In keiner Großstadt ist das kommunale Vorkaufsrecht, als es noch ging, so häufig ausgeübt worden wie in München. Auch das ist ein Beitrag, um zu verhindern, dass Innenstädte ausverkauft werden, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Deswegen wollen wir das Gesetz wieder scharfstellen.

Unabhängige Berechnungen zeigen, dass im letzten Jahr in sechs großen Städten der Ausverkauf von 450 großen Mietshäusern an Immobilienspekulanten hätte verhindert werden können, wenn das Vorkaufsrecht wieder scharfgestellt gewesen wäre. Deswegen freuen wir uns sehr, die Vorschläge von Klara Geywitz zeitnah hier im Parlament beraten zu können.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Da sind wir mal gespannt!

Am Ende dieser Debatte will ich auch deutlich machen, dass die vielen Menschen, die in diesen Zeiten mit ihren Haushaltseinkommen unter Druck sind, nicht alleine sind und dass wir nicht über Lösungen in ferner Zukunft reden, sondern dass die Regierungskoalition bereits handelt. Ich will daran erinnern, dass wir das Wohngeld reformiert haben, dass doppelt so viele Haushalte wie vorher Wohngeld bekommen und dass die, die Wohngeld bekommen, im Schnitt doppelt so viel bekommen wie vorher. Ich will daran erinnern, dass wir alles unternehmen, um die Energiekosten in diesem Land zu senken, weil, wie in der Debatte schon richtig angesprochen wurde, die Nebenkosten ein Riesenproblem für die Mieterinnen und Mieter sind.

Die Mehrwertsteuer bei Gas wird erhöht zum Beispiel!

Deswegen will ich am Ende sagen: Ein bezahlbares Zuhause, das ist die soziale Frage im Land. Das ist die Voraussetzung für sozialen Frieden. Es würde mich freuen, wenn wir in Zukunft ein bisschen sachlicher darüber reden, wie wir das einlösen können.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Simone Borchardt
Foto: Simone Borchardt
4 Vermerkeca. 310 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich danke der Petentin sehr für die jetzige Petition. Sie machte darauf aufmerksam, dass Menschen, die von Geburt an geistig oder mehrfach behindert sind, bei der Eingliederungshilfe und dem Pflegegeld große Nachteile erfahren, und fordert, dies abzuschaffen. Um das zu verstehen, muss man das System kennen.

Aktuell benötigen viele Menschen mit einer geistigen Behinderung Eingliederungshilfe, um letzten Endes ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Doch nicht selten wird das von einem Pflegebedarf begleitet. Momentan ist es so, dass diese Menschen ab Pflegegrad 2 nur 266 Euro pro Monat vergütet bekommen oder diese Summe abgerechnet wird.

Meine Damen und Herren, man muss kein Pflegefachmann sein, um zu erkennen, dass das völlig unzureichend ist.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der AfD

Deshalb wird aktuell die Kostentragung für die Pflegeleistung überwiegend aus der Eingliederungshilfe mitfinanziert und dementsprechend zugeordnet. Das ist nicht zielführend. Es freut mich sehr, liebe Kollegen aus dem Petitionsausschuss, dass Sie alle genauso denken und dass wir uns da wirklich einig sind.

Das einstimmige Votum zeigt, dass es einen eindeutigen Klärungsbedarf zum Verständnis der Eingliederungshilfe und der Pflege gibt. Dieser Umstand muss umgehend angegangen und verändert werden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der AfD

Denn eine Klärung führt nicht nur zu einer gesicherten Finanzierung; vielmehr ermöglicht sie den Betroffenen endlich ein selbstbestimmtes Leben.

Für ein selbstbestimmtes Leben sind auch besondere Wohnformen unerlässlich. Die Kostenübernahme größtenteils nur aus der Eingliederungshilfe zu realisieren, ist schlichtweg unmöglich. Auch diese Menschen haben einen Anspruch darauf, entsprechend ihrem Pflegegrad Pflegegeld oder die Pflegesachleistung zu erhalten, und dafür müssen wir uns starkmachen und kämpfen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der AfD

Eine Unterstützung der selbstbestimmten Lebensweise wird auch dazu führen, dass diese Menschen eben nicht in eine stationäre Pflegeeinrichtung müssen, sondern in ihrem Zuhause bleiben können. Das muss das Ziel sein.

Da wir uns ja alle einig waren, kann ich nur sagen: Liebe Ampel, der Ball liegt jetzt bei Ihnen. Bitte setzen Sie sich für diese Veränderung ein.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der AfD
1 Vermerkca. 474 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten auf einer Krankenhausstation für sehr kleine Frühchen. Stellen Sie sich vor, Sie haben während der Coronazeit um das Leben der Kleinsten gekämpft. Stellen Sie sich vor, Sie sind für diese Versorgung das einzige medizinische Angebot im Umkreis von über 100 Kilometern. Stellen Sie sich vor, Sie werden dann plötzlich mit der Entscheidung konfrontiert, dass Ihre Station schließen muss aufgrund einer gesetzlichen Regelung, die explizit mit dem Versprechen eingeführt worden ist, den ländlichen Raum zu berücksichtigen.

Ihre Station muss schließen, obwohl die eigene Landesregierung eine Fortsetzung der Arbeit auf der Station will und obwohl die Daten beweisen, dass Sie genauso qualitativ arbeiten wie größere Stationen. Ihre Station muss schließen, weil die Krankenkassen per Gesetz ein Vetorecht besitzen und damit über die gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum entscheiden. Aber Ihre ganze Region will das nicht akzeptieren. Sie führen deshalb Gespräche mit Politikern, laden die Krankenkassen ins Klinikum ein, ohne eine Antwort zu erhalten. Sie organisieren Mahnwachen, Demonstrationen, aber Sie kommen nicht weiter. Dann ergreifen Sie eine letzte Chance: eine öffentliche Petition an den Deutschen Bundestag. Und tatsächlich, kurz vor Weihnachten, schaffen Sie es, und über 119 000 Menschen unterstützen Ihr Anliegen. Ihre einzige Hoffnung ist jetzt der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages. Dann gelingt es tatsächlich: Der gesamte Petitionsausschuss schließt sich Ihrer Forderung mit dem höchsten Votum an.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der AfD und der LINKEN

Das Ganze haben Renate Krajewski und ihre Mitstreiter und Mitstreiterinnen erreicht, die heute auf der Tribüne sitzen und uns im Livestream folgen. Renate Krajewski ist Vorsitzende der Mitarbeitervertretung des Klinikums in Neubrandenburg und Krankenschwester aus Leidenschaft.

Das Bonhoeffer-Klinikum hat seit Beginn des Jahres ein Behandlungsverbot erhalten, weil das dortige Perinatalzentrum Level 1 die vom Gemeinsamen Bundesausschuss festgelegte Mindestzahl von 25 Behandlungen von Extremfrühchen pro Jahr nicht erreicht. Trotz Antrag auf Sondergenehmigung durch die Landesregierung haben die Krankenkassen eine Fortsetzung der Behandlung untersagt.

Tausende Menschen in Mecklenburg-Vorpommern haben die Petition unterschrieben, weil sie eine zentrale Frage stellt: Wer entscheidet über die Absicherung einer flächendeckenden und qualitativ guten medizinischen Versorgung im ländlichen Raum? Seitdem die Station in Neubrandenburg geschlossen wurde, müssen die werdenden Mütter entweder nach Greifswald oder nach Berlin fahren. Kein Perinatalzentrum Level 1 zwischen Ostsee und Berlin: Das heißt deutlich längere Fahrzeiten und deutlich mehr Verunsicherung.

Stellen Sie sich vor, Sie müssen sich in der Ausnahmesituation einer Frühchengeburt auch noch darum kümmern, wie Sie die Fahrzeit von ein bis zwei Stunden meistern. Die Schließung von Perinatalzentren ist kein Problem, das nur Neubrandenburg betrifft. Deutschlandweit erreichen im nächsten Jahr 31 Kliniken die Mindestfallzahl nicht. Deshalb ist die Petition von Renate Krajewski so wichtig. Stellvertretend für viele Regionen lenkt sie den Scheinwerfer auf ein gewaltiges Problem.

Ich bin sehr stolz, dass der Petitionsausschuss einstimmig das höchste Votum für diese Petition vorschlägt und möchte mich bei meinen Kolleginnen und Kollegen dafür bedanken.

1 Vermerkca. 30 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es liegt nun an uns als Politik, für dieses Problem eine Lösung zu finden. Wir sind das den Eltern und vor allem den Extremfrühchen im ländlichen Raum schuldig.

Danke schön.

Beifallim ganzen Hause
Porträt von Rita Schwarzelühr-Sutter
Foto: Rita Schwarzelühr-Sutter/ Photothek Media Lab
Rita Schwarzelühr-SutterSPD· Parl. Staatssekretärin BMI· MdB
4 Vermerkeca. 616 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Der demokratische Verfassungsstaat und das friedliche Zusammenleben in Deutschland werden immer wieder bedroht. Wir, die Bundesregierung, treten dem entschieden entgegen. Im vergangenen Monat haben wir beispielsweise zwei rechtsextreme Vereinigungen verboten, und das sind wichtige Erfolge. Das ist ein echter Gewinn für die Sicherheit in Deutschland.

Grundlage für solche Verbote und andere Maßnahmen ist die gute Zusammenarbeit unserer Sicherheitsbehörden im Bund und auch in den Ländern. Unsere Nachrichtendienste sind dabei unverzichtbar, und das hat auch das Bundesverfassungsgericht in seinem Grundsatzurteil im letzten Jahr bestätigt.

Welches von den beiden?

Ja, die gegenwärtige Sicherheitslage ist herausfordernd: Noch nie gab es so viele extremistische Straftaten. Das gilt vor allem beim Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus; aber auch andere Phänomenbereiche entwickeln sich dynamisch.

Deutschland ist keine Insel. Die aktuellen weltpolitischen Ereignisse wirken natürlich auch hier. Der verbrecherische russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die Sicherheitslage verschärft; ich nenne Spionage, Desinformation und Cyberangriffe. Der abscheuliche Angriff auf Israel, aber auch die völlig inakzeptablen Reaktionen auf deutschen Straßen unterstreichen, dass wir uns weiter deutlich und konsequent gegen jeglichen Antisemitismus stellen müssen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Dazu müssen unsere Sicherheitsbehörden Bedrohungen rechtzeitig erkennen; dann können wir entschlossen dagegen vorgehen. Ohne nachrichtendienstliche Aufklärung und Weitergabe von Erkenntnissen an die zuständigen Stellen geht das nicht.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, um uns zu schützen, benötigen die Nachrichtendienste einen angemessenen Rechtsrahmen, einen, der wirksam und zeitgemäß ist. Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf gehen wir genau diesen Weg.

Wir gehen zuerst den zeitlich vordringlichsten Teil an: Wir passen die Übermittlungsregelungen an die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts an, sowohl im Bundesverfassungsschutzgesetz als auch im Gesetz über den Militärischen Abschirmdienst. Damit fassen wir die Übermittlungsvoraussetzungen deutlich enger. Die Übermittlungen bleiben dort zulässig, wo sie wirklich wichtig sind: dann, wenn eine Gefahr so weit konkretisiert ist, dass die Polizei einschreiten kann, aber auch dort, wo Ordnungsbehörden bereits vorbeugend gefordert sind. Beispiele sind der Extremist, der keine Waffenerlaubnis erhalten soll, oder die extremistische Veranstaltung, die unterbunden werden muss.

Möglich bleibt auch die analytische Zusammenarbeit, wenn etwa Vorgehensmuster ausgewertet oder Lagen eingeschätzt werden. Zulässig bleibt die Übermittlung zur Strafverfolgung in dem engen Rahmen, den das Bundesverfassungsgericht vorgegeben hat, also bei besonders schweren Straftaten und verdichteten Verdachtserkenntnissen. Insgesamt sind die neuen Regeln praktikabel. Wir haben eine gute Balance gefunden.

Wir wollen natürlich auch Regelungen zum Eigenschutz einführen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz und der Militärische Abschirmdienst müssen sich vor gegnerischen Nachrichtendiensten und Innentätern ausreichend schützen können.

Für den Bundesnachrichtendienst hat die Bundesregierung entsprechende Regelungen in einem eigenen Gesetzentwurf vorgelegt. Sie folgen den gleichen Strukturprinzipien, gestalten sich aber aufgabenspezifisch natürlich anders aus. Der BND braucht eigene, zu seinen Aufgaben passende Regelungen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die beiden Gesetzentwürfe sind nicht der Schlusspunkt einer notwendigen Reform; vielmehr muss das Nachrichtendienstrecht insgesamt rechtsklarer und systematischer werden. Das gilt auch für die nachrichtendienstliche Informationsbeschaffung.

Heute startet die parlamentarische Beratung zur vordringlichen Anpassung der Übermittlungsregelungen. Maßgabe sind dabei die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts. Diese Regelungen müssen noch in diesem Jahr in Kraft treten, damit die notwendigen Übermittlungen möglich bleiben; sonst droht eine Lücke, die nicht akzeptabel ist und die auch nicht zu verantworten wäre.

Meine Erfahrung sagt mir natürlich auch, dass gerade bei dieser hochpolitischen Materie das Struck’sche Gesetz gilt: Kein Gesetzentwurf verlässt den Bundestag unverändert. Wichtig ist, Herr Kuhle, dabei natürlich die Balance zwischen Sicherheit und Grundrechten zu finden.

Nachrichtendienste sind ein tragender Pfeiler unserer Sicherheitskultur. Und wenn wir sie regulieren, geht es nicht einfach abstrakt um unsere Sicherheit. Es geht ganz konkret um den Schutz der Menschen, um den Schutz unserer Freiheit. Und ich glaube, es war nicht deutlicher als in diesen Tagen, wie wichtig das für unsere Demokratie und für unsere Freiheit ist. In diesem Sinne hoffe ich auf konstruktive Beratungen und freue mich darauf.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
8 Vermerkeca. 549 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich will da anfangen, wo Sie aufgehört haben, Frau Staatssekretärin. Es wird in der Tat selten deutlicher als in diesen Tagen, wie sehr unsere Sicherheit bedroht ist. Das zeigen die schrecklichen Ereignisse, die wir in der letzten Woche aus Israel gesehen haben, und natürlich hat das Auswirkungen auch in unserem Land. Wir hatten gestern die Gelegenheit, im Innenausschuss mit dem Vizepräsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz genau darüber zu sprechen.

Heute reden wir im Deutschen Bundestag über eher technische Regelungen in unserem Sicherheitsrecht. Aber ich glaube, wir sollten diese Gelegenheit nutzen, an dieser Stelle einmal den tüchtigen Frauen und Männern in unseren Sicherheitsbehörden zu danken, insbesondere in den Nachrichtendiensten, die ganz wichtige Arbeit leisten.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Kontrolle von Regierung und Behörden vollzieht sich im demokratischen Rechtsstaat in der Öffentlichkeit, vor allem hier in öffentlicher Sitzung des Deutschen Bundestages. Und es liegt in der Natur der Sache, dass diese notwendige Transparenz bei der Kontrolle unserer Nachrichtendienste nicht vollständig bestehen kann. Deswegen haben wir dafür bestimmte Gremien, die unter bestimmten Geheimhaltungsvorschriften tagen.

Umso wichtiger ist es deshalb, dass es für die Arbeit unserer Dienste eine tragfähige und am Ende unzweifelhafte rechtliche Grundlage gibt. Das gilt für die eigentliche Arbeit – Aufklärung, Observation, alles, was dazugehört –, aber insbesondere dann, wenn Informationen, die dort gewonnen worden sind, ausgeleitet werden an Polizei und Strafverfolgungsbehörden. Und an dieser Stelle hat uns das Bundesverfassungsgericht – am Ende uns allen gemeinsam, die wir in den letzten Jahren Verantwortung getragen haben – einiges ins Stammbuch geschrieben.

Frau Staatssekretärin, Sie haben es gesagt. Sie haben diese Änderungen heute auf den Weg gebracht. Das ist offenbar der kleinste gemeinsame Nenner in der Koalition, auf den Sie sich einigen konnten.

Zurufdes Abg. Konstantin Kuhle [FDP]

Aber ich will Ihnen sagen: Sie sind damit verdammt spät dran. Sie haben es selbst gesagt: Im Dezember brauchen wir eine Regelung. – Und es ist ja nicht erst das Urteil aus dem September letzten Jahres, das uns diesen Auftrag gegeben hat, sondern den Auftrag haben wir schon durch ein Urteil aus dem April 2022 bekommen, also vor über anderthalb Jahren.

Da haben Sie recht!

Das ist leider richtig!

Wir wissen eigentlich, was zu tun ist, aber Sie waren offenbar nicht in der Lage, hier einen gemeinsamen Gesetzentwurf vorzulegen.

Die Gesetzentwürfe, über die wir heute beraten, setzen diese Urteile teilweise zutreffend um, teilweise bleiben sie weit hinter dem, was erforderlich wäre, zurück, und an anderer Stelle gehen sie deutlich über das Ziel hinaus.

Sagen Sie mal konkret!

– Ja, das mache ich gerne, Herr von Notz.

Beispielsweise fehlt künftig die Befugnis zur Übermittlung von Erkenntnissen aus einem Verfahren einer für verfassungswidrig erklärten Partei.

Ich glaube nicht, dass das stimmt!

Aus unserer Sicht eine große Sicherheitslücke. Wir halten das sicherheitsrechtlich für nicht tragbar. An anderer Stelle werden diejenigen Hürden, die Sie aufgestellt haben für Erkenntnisse, die aus nachrichtendienstlichen Quellen gewonnen wurden, übertragen auf die Informationen, die aus öffentlichen Quellen zugänglich sind. Auch das ist am Ende ein gefährlicher Irrweg.

Wir haben, meine sehr geehrten Damen und Herren, mit diesem Gesetz die Chance, unsere Nachrichtendienste zukunftsfest aufzustellen. Dafür braucht es sehr viel mehr als das, was Sie heute in diesem Gesetzgebungsvorhaben vorschlagen. Wir jedenfalls sind bereit und reichen Ihnen die Hand, noch sehr viel weiter zu gehen bei den Dingen, die wir gemeinsam auf den Weg bringen könnten. Wir freuen uns jedenfalls auf die Beratungen und sind gerne bereit, hier konstruktiv mitzuwirken.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Christian Wirth
Foto: Dr. Christian Wirth/ Hagen Schnauss
8 Vermerkeca. 523 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Erst mal, Herr von Notz, vielen Dank für Ihre Bemerkung über die AfD.

Er hat doch gar nicht „AfD“ gesagt! Haben Sie nicht zugehört? Halluzinationen, oder was?

Ich habe gar nicht „AfD“ gesagt!

Sie haben letztes Wochenende gemerkt: Ihre Wahlkampfhilfe hilft uns ungemein und treibt unsere Prozente hoch. Nur weiter so!

Beifallbei der AfD

Auch schön, dass Sie gegen Ihren eigenen Gesetzentwurf geredet haben – auch gut.

Als die Ampel das Bundesnachrichtendienstgesetz auf die Tagesordnung gesetzt hat, haben wir auf die lang angekündigte Umsetzung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und des EuGH gehofft, den rechtssicheren Weg, den Königsweg zur Ermittlung schwerster Angriffe auf unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung, auch im Netz: leider wenig davon, eher Formales.

Wie bereits nach dem Gastbeitrag der Kollegen Thomae und Kuhle in der „FAZ“ zu vermuten,

geht es in erster Linie um – das sehen wir – den Nachrichtendienst, insbesondere den BND.

Wie? Sie lesen die „FAZ“?

Der Auslandsgeheimdienst ist gefordert wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr; wir haben es vorhin gehört; die Konfliktherde brauche ich hier nicht aufzuzählen. Das Spannungsfeld zwischen Sicherheit unserer Nation und der rechtlichen Einhegung und Kontrolle des BND wird von der Ampelkoalition trotz großartiger Ankündigungen auch nach zwei Jahren des Regierens weder ernsthaft angesprochen noch gelöst. Über 75 Seiten werden Richtlinien aufgestellt, wie die Nachrichtendienste Daten an andere Sicherheitsbehörden weitergeben dürfen. Denn, so Kuhle und Thomae:

„Diese“

– die Geheimdienste –

„müssten gleichwohl einer … behördlichen und parlamentarischen Kontrolle unterliegen. Das schwächt nicht die Arbeit der Nachrichtendienste, sondern stärkt und legitimiert sie.“

Binsenweisheit. – Dieser Gastbeitrag war wohl die Antwort auf einen Artikel in der „Bild“-Zeitung, in dem die ehemaligen BND-Präsidenten Hanning und Schindler den BND aufgrund der ausufernden Kontrollbürokratie als „zahnlosen Wachhund“ bezeichnet haben. Ich denke, wir dürfen unstrittig stellen, dass auch Hanning und Schindler der Auffassung sind, dass staatliches Handeln, auch das des Bundesnachrichtendienstes, verfassungsgemäß zu sein hat.

Nur in einer knappen Schlussbemerkung stellen Herr Thomae und Herr Kuhle von der FDP fest, dass zur Verteidigung einer liberalen Demokratie gegen ihre Feinde die richtigen Instrumente erforderlich seien, zu denen auch „funktionierende und hinreichend ausgestattete Nachrichtendienste“ gehören. Hört! Hört! „Funktionierende und hinreichende Ausstattung“ also. Wie das personell, materiell, methodisch, technisch, finanziell auszusehen hat, dazu kein Wort.

Vielmehr scheint es so, dass die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts doch sehr selektiv gelesen wird. Das Bundesverfassungsgericht hat nämlich in seinem Urteil festgestellt, dass ein „herausragendes öffentliches Interesse“ an einer „wirksamen Auslandsaufklärung“ besteht. Demzufolge ist der BND nicht „hinreichend“, sondern auftragsgemäß auszustatten und zu befähigen. Und hiervon sind wir noch weit entfernt.

Beifallbei der AfD

Sie lassen einen wichtigen Zusatz weg!

Sie haben bestenfalls eine ministerial-bürokratische Fleißarbeit abgeliefert. Im wahrscheinlichsten Fall binden Sie enorme Personalmittel ohne Mehrwert, was den Namen „Informationsaustausch-Verhinderungsgesetz“ verdient hätte. Und wenn Sie in Ihrem „FAZ“-Beitrag fordern, dass die Betroffenenperspektive in der Kontrollarchitektur eine stärkere Rolle spielen soll, und Sie einen Betroffenenanwalt fordern, dann kann man den äußeren Feinden unserer Demokratie nur gratulieren.

Sie seien an die Worte des großen Juristen Böckenförde erinnert:

„Der freiheitliche säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“

Es besteht immer die Gefahr, dass man den Gegnern, gerade den äußeren, des liberalen Staates zu viele Freiheiten einräumt. Sicherheitsarchitektur muss konservativ gedacht werden, da sie unsere freiheitlich-demokratischen Werte bewahren muss.

Oder wie das Bundesverfassungsgericht konstatiert hat: Es besteht eben ein „herausragendes öffentliches Interesse“ an einer „wirksamen Auslandsaufklärung“.

Vielen Dank und Glück auf!

Beifallbei der AfD
Porträt von Sebastian Hartmann
Foto: Sebastian Hartmann
5 Vermerkeca. 704 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Guten Tag, meine sehr geehrten Damen und Herren! In der Tat liegt vor uns als Gesetzgeber eine große Herausforderung, wenn wir uns nun unter Beachtung der beiden Urteile des Bundesverfassungsgerichts daranmachen, die Übermittlungsvorschriften für unsere Nachrichtendienste und Strafverfolgungsbehörden und vor allen Dingen für die Polizei neu zu regeln. Das Trennungsgebot ist schon angesprochen worden; aber wir sollten uns einmal noch gewahr werden, dass wir in dieser krisenhaften Zeit gefordert sind, alles staatliche Handeln darauf auszurichten, dass wir tatsächlich zu einem wirksamen Grundrechtsschutz in diesem Land kommen. Denn darum geht es, meine Damen und Herren. Es geht nicht darum, die Grundrechte als hinderlich zu begreifen, sondern darum, sie im Kern durchzusetzen. Dafür brauchen wir schlagkräftige Behörden. Das werden wir unter Maßgabe des Trennungsgebotes für die Nachrichtendienste, die ihre Erkenntnisse mit anderen Behörden teilen müssen, organisieren und sicherstellen.

Die knappe Zeit, die nun verbleibt, um die Anpassungen bis zum 31. Dezember umzusetzen – und da schaue ich auch in Richtung unserer Koalitionspartner –, werden wir sicherlich sinnvoll nutzen.

Und ich habe auch von Herrn Heck vernommen, dass vonseiten der Opposition das Interesse besteht, hieran mitzuwirken.

Betonung liegt auf sinnvolle Lösungen!

Diese Einladung nehme ich gerne an. Denn nach den Erfahrungen des gemeinsamen Scheiterns – ich denke an das letzte entsprechende Gesetz; da teile ich nicht ganz die Äußerungen von Konstantin von Notz – geht es jetzt darum, gemeinsam endlich eine wirksame, eine rechtlich haltbare Grundlage zu schaffen.

Wir stehen vor Herausforderungen, beginnen aber auch nicht bei null; denn das Verfassungsgericht hat uns klare Vorgaben gemacht: eine Konkretisierung der überragenden Rechtsgüter und des Staatsschutzinteresses sowie eine Trennung in Behörden mit operativen Zwangsbefugnissen und jenen, die bei Ermittlungen entsprechend einfacher die Daten übermittelt bekommen können. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, das bedeutet auch – das richte ich insbesondere an den Koalitionspartner FDP –, nicht nur auf ein Ministerium zu verweisen. Ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass wir als Gesetzgeber – ich denke an die Novellierung des Waffenrechts oder an die seitens der FDP aufgehaltene Reform des Bundespolizeigesetzes – sehr schnell weitere Gesetze hier im Plenum beschließen könnten. Und wenn hier schon offen die Differenzen dargelegt werden, liebe Kolleginnen und Kollegen: Wir sind dazu bereit. Wir haben offensichtlich eine breite Mehrheit im Parlament und könnten das also auch partei- und fraktionsübergreifend machen. Das erkläre ich hier deutlich für die SPD: Nur Mut! Tatkraft! Packen Sie es an! Lassen Sie uns gemeinsam das Waffenrecht verschärfen. Lassen Sie uns dafür Sorge tragen, dass wir nach 1994 endlich ein modernes Bundespolizeigesetz bekommen. Und wenn der Spirit, den Sie hier bei den Übermittlungsvorschriften entfalten, liebe Kolleginnen und Kollegen von der FDP, die Maßgabe ist, dann bin ich um diese Koalition nicht bange.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich bin mir sicher, dass wir aus dem so gelobten BND-Gesetz und dem Referentenentwurf sicherlich auch noch mal wichtige Hinweise für das Bundesverfassungsschutzgesetz und die entsprechenden Übermittlungsvoraussetzungen aufgreifen werden; das werden wir als SPD sehr konstruktiv begleiten. Wir wollen das im Gesetzgebungsverfahren synchronisieren und auch die guten Erfahrungen einfließen lassen. Da sehen wir tatsächlich auch Handlungsbedarf; denn das eine ist der Regierungsentwurf, das andere ist das, was wir als selbstbewusster Gesetzgeber tun werden. Das steht außer Frage.

Für uns als SPD ist es aber nicht vorstellbar, zu einer Beschränkung von Befugnissen zu kommen, die wir als zwingend notwendig erachten, wenn es um den Grundrechtsschutz unserer Bürgerinnen und Bürger im In- und Ausland sowie um die gute Kooperation der Nachrichtendienste und Sicherheitsbehörden geht. Es ist mit uns nicht zu machen, Verfahren zu entwickeln, die nachher für den Anwender in den Nachrichtendiensten zu unlösbaren Problemen führen und verhindern, dass wir die parlamentarische Kontrolle, die uns obliegt, ausüben können. Das ist die Grenze, die wir ziehen, wenn es um gute Gesetzgebung geht, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Ich bin mir sehr sicher, dass das abgestufte Verfahren des Ideensets der §§ 19 und 20 im vorgelegten Übermittlungsvorschriftenteil für den Verfassungsschutz einen sehr sinnvollen Schlüssel darstellt. Die Kombination aus Katalog, Benennung von Rechtsgütern und einer Auffangklausel wird dazu führen, dass unsere Dienste auch nach Beschluss der neuen Übermittlungsvorschriften handlungsfähig sind.

Für die SPD ist das eine zentrale Voraussetzung. Darauf können sich die Dienste und die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land verlassen. Und ich entnehme den Worten unserer geschätzten Koalitionspartner den unbedingten Willen zum Handeln. Den braucht man auch, wenn man Dinge besser machen möchte.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Roderich Kiesewetter
Foto: Roderich Kiesewetter/ Tobias Koch
10 Vermerkeca. 441 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Debatte zeigt: Wir von der Union wünschen uns etwas mehr Einigkeit in der Regierung in diesen herausfordernden Sicherheitsfragen.

Beifallbei der CDU/CSU

Jetzt geht’s aber los!

Es ist hoch erstaunlich, wie sich hier gegenseitig Schuld zugewiesen wird.

Schuld ist ein religiöses Wort!

Viel wichtiger ist doch, meine Damen und Herren, dass der Datenschutz des Einzelnen nicht die Sicherheit des gesamten Landes gefährden darf. Es ist doch umgekehrt: Erst eine wehrhafte Gesellschaft gewährleistet den Datenschutz des Einzelnen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das hätten wir gerne etwas häufiger von Ihnen gehört. Und das betrifft nicht nur das Kanzleramt und das Innenministerium, sondern, Herr Kollege Kuhle, auch das BMJ, das etwas beschleunigter vorgehen könnte.

Das hat ja seine Aufgaben erledigt!

Es ist richtig, dass die Bundesregierung bis zum Jahresende entsprechende Anpassungen vornimmt. Das berührt auch die Informationsübermittlungen von personenbezogenen Daten, die den BND betreffen, an die Polizeien und Staatsanwaltschaften. Für uns im Parlamentarischen Kontrollgremium, liebe Kolleginnen und Kollegen, berührt es auch das Prinzip der Rechtssicherheit. Deswegen ist es gut, dass das passiert.

Im Gegensatz zum Kollegen Hahn muss ich sehr deutlich sagen: Es ist richtig, dass die Bundesregierung die Eigensicherung in den Gesetzentwurf bereits einpreist. Das ist im laufenden Verfahren unbedingt nötig; die Spionagefälle sind angesprochen worden.

Doch, liebe Kolleginnen und Kollegen, der große Wurf ist es noch nicht. Wir wissen, dass Sie mit Hochdruck an dem zweiten Teil der Reform, der im nächsten Jahr kommt, arbeiten. Wir brauchen – das sage ich für die Union sehr deutlich – einen 360-Grad-Blick. Unsere Dienste müssen untereinander vernetzt arbeiten können. Und dazu brauchen wir eine strategische Kultur, die es ermöglicht, dass unsere Nachrichtendienste Dossiers verfassen, die lesenswerter und spannender sind als so mancher investigativer Artikel in Zeitungen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ja! Das ist nur leider verfassungswidrig!

Das bedeutet aber auch Wertschätzung vonseiten der zuständigen Ministerien und des Kanzleramts. Das bedeutet auch, dass sich die Nachrichtendienste nicht als Behörden empfinden, deren vornehmlicher Selbstzweck Bürokratie ist; vielmehr leisten sie im Rahmen der strategischen Kultur einen Beitrag zur Sicherheit unseres Landes. Deswegen erwarten wir von Ihnen, liebe Koalitionsfraktionen, dass Sie an einer Stelle des Koalitionsvertrags nachbessern. Sie sprechen von einer Überwachungsgesamtrechnung. Bevor Sie eine Überwachungsgesamtrechnung aller nachrichtendienstlichen Tätigkeiten, in die deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger involviert sein mögen, erstellen, machen Sie bitte eine Bedrohungsgesamtrechnung.

Beifallbei der CDU/CSU

Unsere Bürgerinnen und Bürger wollen wissen, welche Bedrohungen bestehen. Wir sehen die Gleichzeitigkeit von Krisen: der furchtbare Krieg gegen Israel, Bergkarabach, Bosnien, Kosovo und vor allen Dingen der Vernichtungskrieg gegen die Ukraine.

Wir sehen doch, dass hier etwas konzertiert vorgeht und langfristig China, Iran und Russland sich die Hände reiben, wenn Regierung und Opposition – die staatstragenden Parteien – sich in dieser Frage uneinig sind.

Leider habt ihr ein verfassungswidriges Gesetz gemacht!

Wir müssen mehr tun. Wir bieten unsere Unterstützung an. Und ich hoffe, dass wir dann zu einem guten Ergebnis kommen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Irene Mihalic
Foto: Irene Mihalic/ Annette Koroll
6 Vermerkeca. 472 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! In den letzten Jahrzehnten gab es vielleicht keine Zeit, in der die Bedrohungen so massiv waren wie heute. Auf europäischem Boden tobt der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. In Israel werden schrecklichste und unbeschreiblich barbarische Verbrechen von Terroristen der Hamas begangen, die auch für die Sicherheitslage in Deutschland bedeutend sind. Viele andere Bedrohungen wie der grassierende Rechtsterrorismus in Deutschland oder auch der islamistische Terrorismus, der uns alle massiv unter Druck setzt, sind auch schon angesprochen worden.

Kollege Kiesewetter, die Bedrohungsgesamtrechnung, die Sie einfordern, liegt sozusagen offen auf dem Tisch. Wir erkennen all diese Bedrohungsszenarien an, und deswegen ist es auch höchste Zeit, dass wir die Sicherheitsbehörden entsprechend aufstellen, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und der FDP

Was wir aber dazu nicht brauchen, sind verfassungswidrige Gesetze; denn wir brauchen wachsame Nachrichtendienste als Seismograf und Frühwarnsystem, die ihre Arbeit effektiv, aber auch rechtsstaatlich und verfassungskonform erledigen, damit sie uns eben gut beraten und auch warnen können. Und dazu gehen wir heute einen ganz wichtigen Schritt; aber, wie schon gesagt, der große Wurf ist es noch nicht. Das erkennen Sie auch daran, dass wir als Koalitionsfraktionen miteinander um die richtige Lösung ringen. Wir dürfen bei der Neuregelung der Übermittlungsvorschriften nicht stehen bleiben. Diese Anpassung ist nur der Anfang des Weges einer umfassenden Reform des Nachrichtendienstrechts, die wir dringend brauchen, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Wir wollen die parlamentarische Kontrolle der Nachrichtendienste stärken und auch die Rechte der Betroffenen ausbauen, und auch für die sogenannten Gemeinsamen Zentren wie das Gemeinsame Terrorabwehrzentrum oder für ZITiS brauchen wir endlich ordentliche gesetzliche Grundlagen. Denn wenn wir all das nicht machen, dann schaden wir nicht nur den Bürgerrechten, sondern auch der Sicherheit in unserem Land, und das ist inakzeptabel, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Konstantin Kuhle [FDP]

Wohin es führt, wenn man als Gesetzgeber nicht ordentlich arbeitet – das ist hier auch schon angesprochen worden –, das sieht man am Urteil zum Bayerischen Verfassungsschutzgesetz. Eine echte Klatsche aus Karlsruhe für die Bayerische Staatsregierung, die aber bedauerlicherweise uns alle trifft! Das Urteil verpflichtet uns, unsere Gesetze anzupassen. Deshalb müssen wir auch die Vorabkontrolle für eingriffsintensive nachrichtendienstliche Mittel einführen. Wenn unsere Nachrichtendienste also nicht bald völlig ohne Befugnisse dastehen sollen, dann sind nicht nur Eile, sondern auch Sorgfalt geboten. Deshalb ist es wichtig, den Kernbereichsschutz auszubauen, die nachrichtendienstlichen Mittel festzuschreiben und zu klassifizieren und grundsätzlich auch für mehr Normenklarheit zu sorgen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Aber von der Verpflichtung, etwas zu tun, mal ganz abgesehen, ist es auch unsere tiefe Überzeugung, dass leistungsfähige Nachrichtendienste und verfassungskonforme Rechtsgrundlagen eben kein Gegensatz sind, wie uns das die Vorgängerregierung immer verkaufen wollte. Ganz im Gegenteil: Ihre Bindung an Recht und Gesetz ist gerade die Stärke unserer Nachrichtendienste. Sie verdienen eine solide Arbeitsgrundlage, auf die sie sich jederzeit verlassen können und die ihnen die nötige Rechtssicherheit gibt. In diesem Sinne, liebe Kolleginnen und Kollegen, freue ich mich auf die Beratungen.

Ganz herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU

Die Bürgerrechtspartei!

Porträt von Konstantin von Notz
Foto: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion/ Stefan Kaminski
6 Vermerkeca. 374 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Es sind schwierige, ja schwere Zeiten.

Der brutale, rücksichtslose Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, maximale Herausforderungen bezüglich der Spionage und der illegitimen Einflussnahme auf unsere und alle europäischen Demokratien, der rechte Terror – ob NSU, der Mord an Walter Lübcke oder die Taten von Halle und Hanau – und der islamistische Terrorismus, zuletzt die schrecklichen, menschenverachtenden, von Judenhass getriebenen Terroranschläge in Israel: All das führt uns vor Augen, wie wichtig die Arbeit unserer Sicherheitsbehörden ist und wie wichtig auch die Arbeit der Nachrichtendienste in Deutschland ist, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und der FDP

Wir brauchen die Nachrichtendienste, weil sie ein wichtiger Teil der Verteidigung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung sind – gegen die vielen Feinde von innen und von außen. Bei dieser Arbeit müssen die Dienste vor allem zwei Kriterien erfüllen: Sie müssen die freiheitlich-demokratische Grundordnung, die sie verteidigen, selbst einhalten. Und sie müssen effektiv, wirksam und schlagkräftig sein. Das ist kein Widerspruch, meine Damen und Herren: Das eine bedingt das andere.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ein ganz besonderer Dank geht an dieser Stelle an die Bürgerrechtspartei CSU, die mit ihrem völlig überzogenen, klar verfassungswidrigen Landesverfassungsschutzgesetz die Urteile des Bundesverfassungsgerichts im letzten Jahr überhaupt erst möglich gemacht hat. Damit hat sie auch die von uns seit vielen Jahren kritisierten Bundesnormen abgeräumt. Viele dieser Übermittlungsbefugnisse waren offenkundig zu weit, zu unbestimmt, zu pauschal.

So war das aber nicht beabsichtigt!

Das Urteil bedeutet ganz schlicht: Wenn wir bis zum Ende dieses Jahres keine neuen Regelungen beschließen, dürfen keine Informationen mehr fließen. Und dann könnten die Dienste nicht mehr warnen. Das wäre angesichts der aktuellen Weltlage ein Riesenproblem. Und deswegen sind wir befremdet – Frau Staatssekretärin, ich sage es in aller Kollegialität – von der Verhandlungstaktik und auch dem Zeitplan des Bundesinnenministeriums in diesem sensiblen Gesetzgebungsprozess, meine Damen und Herren.

Die vorliegenden Gesetzentwürfe gehen zwar in die richtige Richtung; das ist völlig richtig. Aber Sie beantworten einige der entscheidenden Fragen bisher völlig unzureichend. Zum Beispiel § 20 Bundesverfassungsschutzgesetz ist juristisch so schlicht nicht haltbar.

So ist es!

Der Anspruch, eine verfassungskonforme Regelung zu schaffen, ist nicht lästig, und er ist auch kein Hindernis, sondern er ist die absolute Voraussetzung für die gemeinsame, effektive und rechtsstaatliche Abwehr konkreter Gefahren, die von den Terroristen, den Despoten und den Autokraten in dieser Welt ausgehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP

Deswegen kann ich Ihnen nur sagen –

Porträt von Konstantin von Notz
Foto: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion/ Stefan Kaminski
2 Vermerkeca. 21 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Dafür arbeiten wir vor allen Dingen auch gerne mit der Opposition zusammen. Ich freue mich auf die gemeinsamen Beratungen.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU
Beifallbei der AfD
8 Vermerkeca. 755 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Am vergangenen Samstag hat die Terrororganisation Hamas in beispielloser Art und Weise das Territorium des Staates Israel angegriffen, und dabei sind über 1 000 Menschen umgebracht worden. Die Debatten, die wir in diesem Haus in dieser Woche führen, stehen ganz eindeutig unter dem Eindruck dieser schrecklichen Tat.

Und genau wie der Terror gegen Israel, so zeigt der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, zeigt das chinesische Machtstreben nach immer mehr Einfluss weltweit, zeigt, dass sich in unserer Gesellschaft Extremisten und Demokratiefeinde immer mehr breitmachen, dass demokratische Ordnungen, dass liberale Demokratien ein eigenes Interesse daran haben, zu wissen, was die Feinde der Demokratie planen. Und deswegen ist es wichtig, dass wir gut ausgestattete Nachrichtendienste in Deutschland haben, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Nun ist es so, dass man, wenn man die eine oder andere öffentliche Debatte über die Nachrichtendienste in den letzten Wochen und Monaten verfolgt hat, mitunter den Eindruck gewinnen muss, dass manche versuchen, die Bindung der Nachrichtendienste an Recht und Gesetz als typisch deutsche Schwäche darzustellen.

Ich denke da an Artikel, die von ehemaligen Präsidenten der Nachrichtendienste veröffentlicht worden sind.

Doch genau das Gegenteil ist richtig. Die Bindung an Recht und Gesetz, die Bindung an das Grundgesetz: Das ist keine Schwäche der deutschen Nachrichtendienste, sondern das ist eine Stärke der deutschen Nachrichtendienste, übrigens genauso wie eine effiziente parlamentarische Kontrolle. Und auch darum sollten wir uns kümmern, meine Damen und Herren.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Mit den heute vorliegenden Gesetzentwürfen soll genau diese Bindung an Recht und Gesetz verbessert werden. Die vorliegenden Entwürfe sollen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts in das Nachrichtendienstrecht umsetzen. Dabei geht es besonders um eine Entscheidung aus Karlsruhe aus dem September 2022 mit Blick auf die Übermittlungsvorschriften, also die Regeln, nach denen ein Nachrichtendienst Informationen an andere Behörden weitergeben kann. Die Vorgabe aus Karlsruhe ist, dass diese Anpassung bis Ende dieses Jahres passieren soll. Und eines ist ganz klar: Es ist gerade in diesen Zeiten keine Option, diese Frist zu reißen. Wir müssen das hinkriegen. Übermittlungen der Nachrichtendienste an andere Behörden müssen weiter möglich sein.

Beifallbei der FDP

Es ist aber auch keine Option, durch ein allzu hektisches Gesetzgebungsverfahren auf den letzten Metern dieselben Fehler zu wiederholen, die für diesen Beschluss aus Karlsruhe ursächlich sind.

Deswegen kommt auf das Parlament jetzt eine Menge Arbeit zu. Wir hätten uns das alles etwas entspannter und mit einem intensiveren Blick auf die Sache gestalten können, wenn die Vorlage der Bundesregierung früher gekommen wäre. Ein selbstbewusster Gesetzgeber muss sich mit den Befugnissen der Nachrichtendienste in Ruhe beschäftigen. So wie das Verfahren hier von der Bundesregierung betrieben worden ist, ist das nicht in Ordnung, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich habe aktuell große Zweifel, ob die vorgelegten Entwürfe dem Ziel gerecht werden, das Nachrichtendienstrecht an die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts anzupassen. Warum ist das so?

Erstens. Wir haben eine unterschiedliche Systematik in der Vorlage für das BND-Gesetz und das Gesetz über die Arbeit des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Ich hätte mir hier gewünscht, dass das Bundeskanzleramt und das Bundesinnenministerium besser zusammenarbeiten. Ich glaube, es ist auch für die Bürgerinnen und Bürger und für die Behörden besser, wenn die Systematik beider Gesetze enger aufeinander abgestimmt ist.

Beifalldes Abg. Roderich Kiesewetter [CDU/CSU]

Zweitens. Wir müssen uns einmal ansehen, warum das Bundesverfassungsgericht eigentlich entschieden hat, dass die alten Regeln verfassungswidrig sind. Das liegt im Bereich der Gefahrenabwehr etwa daran, dass die erforderliche Gefahrenschwelle nicht eingehalten wird. Was nicht geht, ist, dass man jetzt Gefahrenschwellen einbaut ins Gesetz und diese dann an anderer Seite durch pauschale Öffnungsklauseln wieder aushebelt.

Drittens. Die Nachrichtendienste dürfen Dinge, die andere Behörden nicht dürfen. Deswegen gibt es in Deutschland das Trennungsprinzip, das Trennungsgebot zwischen Nachrichtendiensten und Polizei. Jede Übermittlung an die Polizei ist notwendigerweise eine Durchbrechung des Trennungsprinzips. Das ist völlig klar; deswegen machen wir diese Regeln. Aber eine völlige Aushebelung dieses Trennungsprinzips brauchen wir auch nicht. Diese Kriterien werden wir uns jetzt im parlamentarischen Verfahren sehr genau anschauen, sodass das am Ende ein gutes Gesetz wird, das in die richtige Richtung geht.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir stehen am Anfang einer intensiven Debatte hier im Bundestag über das Nachrichtendienstrecht. Es wird aber nicht die letzte sein; denn diese beiden Gesetze setzen ja nur einen Teil der Rechtsprechung aus Karlsruhe um. Wir haben noch das Urteil zum bayerischen Verfassungsschutzrecht; der Kollege von Notz hat es erwähnt.

Ich hätte mir auch gewünscht, dass wir das große Reformpaket zum Nachrichtendienstrecht, das im Koalitionsvertrag ausgehandelt worden ist, jetzt gleich mit auf dem Tisch haben. Es ist ein Versäumnis, dass wir das nicht vorliegen haben. Jetzt müssen wir uns erst mal mit den dringlichen Angelegenheiten, mit den Übermittlungsbefugnissen, beschäftigen.

ca. 25 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das werden wir tun und dann am Ende ein gutes Gesetz beschließen, das den Diensten und der Sicherheit nützt und mit der Verfassung vereinbar ist.

2 Vermerkeca. 2 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Beifallbei der LINKEN
3 Vermerkeca. 412 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Vielleicht sollten die Regierenden wenigstens hin und wieder mal auf die Opposition hören. Bei der Beschlussfassung des vorletzten BND-Gesetzes habe ich hier von diesem Pult aus erklärt, dass nicht nur wir es für verfassungswidrig halten und dass es vor keinem Gericht Bestand haben wird. Später wurde es tatsächlich vom Bundesverfassungsgericht gekippt.

Zurufvon der LINKEN: Aha!

Das Gesetz musste korrigiert werden. Und erneut habe ich hier für Die Linke verfassungsrechtliche Bedenken angemeldet.

Das geltende BND-Gesetz liegt inzwischen auch zur Entscheidung in Karlsruhe. Ob die dritte Neufassung binnen weniger Jahre nun tatsächlich grundgesetzkonform ist, kann erst nach den anstehenden Ausschussberatungen bewertet werden.

Zweifel bleiben allein schon deshalb, weil zentrale Punkte, die die Verfassungsrichter 2022 beim bayerischen Gesetz – das ist schon angesprochen worden – gerügt haben und die wortgleich im Bundesrecht stehen, mit dieser Novelle überhaupt nicht korrigiert werden.

Zurufvon der LINKEN: Unfassbar!

Eine Neuregelung von Übermittlungsvorschriften muss laut Gerichtsbeschluss zum Verfassungsschutzgesetz bis Ende dieses Jahres vorliegen. Das kann nun im Schnellverfahren gerade noch erreicht werden. Positiv ist, dass das Urteil der Karlsruher Richter nun auch auf die Bestimmungen für den Militärischen Abschirmdienst und den BND übertragen werden soll.

Im Kern geht es um einen Grundsatz des deutschen Rechts, nämlich das informationelle Trennungsgebot zwischen Polizei und Geheimdiensten, national wie international. Doch wie Sie, meine Damen und Herren, das jetzt in diesem Gesetz umsetzen bzw. die Bundesregierung mit ihrer Vorlage, das ist mehr als unredlich. Sie schreiben all das, was beispielsweise das Bundesamt für Verfassungsschutz bei der Datenübermittlung an andere Stellen bisher schon in einer Grauzone oder gar rechtswidrig getan hat, einfach in das neue Gesetz.

Darunter sind so kuriose Vorschriften wie die Störpropaganda gegen die Bundeswehr nach § 109d Strafgesetzbuch – eine Vorschrift, die bei der Verabschiedung durch den Gesetzgeber Ende der 1950er-Jahre vom Deutschen Presserat als „Maulkorb-Paragraf“ benannt wurde und bis heute in der Strafrechtspraxis kaum Bedeutung erlangte. Ich frage Sie: Was soll dieser Unfug?

Beifallbei der LINKEN

Auch BND und MAD erhalten – nun legalisiert – weitgehende Übermittlungsbefugnisse betreffend Strafverfolgungsbehörden und ausländische Geheimdienste ohne Prüfmöglichkeit durch parlamentarische Gremien.

Lassen Sie mich zum Abschluss noch auf die Maßnahmen zur Eigensicherung eingehen, die in Reaktion auf den Spionagefall Carsten L. beim Bundesnachrichtendienst geplant sind. Dabei geht es um verdachtsunabhängige Ein- und Ausgangskontrollen, Taschenkontrollen bei den Beschäftigten, aber auch um Leibesvisitationen, bis hin zur Anwendung körperlichen Zwangs und vorübergehender Ingewahrsamnahme. Sogar nachrichtendienstliche Mittel sollen gegen die eigenen Mitarbeiter eingesetzt werden dürfen. Diese eingriffsintensiven Maßnahmen werden wohl kaum zu einer Vertrauenskultur innerhalb dieser Behörden beitragen. Und zu allem Überfluss hätten diese Regelungen vermutlich –

2 Vermerkeca. 20 WörterReaktionswert: ruhig
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– auch den Spionagefall von Carsten L. nicht verhindert.

Wir werden auch nach den Beratungen diesen Gesetzesentwürfen vermutlich nicht zustimmen können.

Beifallbei der LINKEN
Porträt von Alexander Hoffmann
Foto: Alexander Hoffmann/ Christian Kaufmann
6 Vermerkeca. 370 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Dem Grunde nach ist es doch so, dass wir alle uns eine Welt wünschen, in der Nachrichtendienste nicht notwendig wären. Die Wahrheit ist aber: Die Welt ist halt nicht so. Und die Wahrheit ist: Nie waren Nachrichtendienste so notwendig wie heute. Gerade in diesen Minuten, da wir hier diskutieren, arbeiten Männer und Frauen unter Höchstbelastung und unter Hochdruck in unseren Diensten in ganz schwierigen Zeiten. Dafür mal ein herzliches Danke und ein herzliches „Vergelt’s Gott!“

Beifallbei der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Nachrichtendienste sind unsere Augen und unsere Ohren, wenn es in der Welt dunkel wird. Ich sage Ihnen: Je dunkler die Nacht und je größer die Gefahren, die in der Dunkelheit auf uns lauern, desto mehr müssen wir darauf achten, dass unsere Dienste adäquat ausgerüstet sind und mit den Rechtsgrundlagen und den Instrumenten, die wir ihnen geben, effektiv arbeiten können. Gemessen daran, muss ich Ihnen ehrlich sagen, dass die vorliegenden Entwürfe weit hinter dieser Zielgröße zurückbleiben. Ich will Ihnen ein Beispiel nennen. Sie haben in § 19 Bundesverfassungsschutzgesetz eine Neuregelung zur Datenübermittlung eingefügt, die regelt, wann das BfV Daten an andere Sicherheitsbehörden übermitteln darf. Da sind mittlerweile wichtige Tatbestände ausgeschlossen. Ich habe mal einen Blick reingeworfen: Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, § 113 StGB, geht nicht mehr; öffentliche Aufforderung zu Straftaten, § 111 StGB, geht auch nicht mehr. Schauen Sie sich mal nur das Versammlungsgeschehen bei uns auf Straßen und Plätzen an. Dann merken Sie, wie sehr das an der Realität vorbeigeht.

Zurufdes Abg. Konstantin Kuhle [FDP]

Der Tatbestand der Urkundenfälschung geht auch nicht mehr. Da wird mir angst und bange, wenn ich in Richtung Schleuserkriminalität gucke, die wir ja alle bekämpfen wollen.

Und die Wahrheit ist: Damit schöpfen Sie nicht einmal im Ansatz den Spielraum aus, den uns das Bundesverfassungsgericht gegeben hat. Umgekehrt könnte man fast sagen: Unnötigerweise binden Sie da unseren Diensten die Hände auf den Rücken, und das darf nicht sein.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Und gestatten Sie mir noch eine Schlussbemerkung. Uns besorgt – der Kollege Kiesewetter hat es angesprochen – der Begriff der Überwachungsgesamtrechnung.

Das kann ich mir vorstellen!

Eine Überwachungsgesamtrechnung darf am Ende nicht zulasten der Wirksamkeit und der Effizienz unserer Dienste gehen.

Bloß keinen Überblick!

Ein Begriff des Bundesverfassungsgerichts, meine Güte!

Sie müssen die Effizienz immer – da Sie ständig auf das vom Bundesverfassungsgericht betonte Prinzip der Verhältnismäßigkeit verweisen – an der Bedrohungsgesamtlage ausrichten.

Beifallbei der CDU/CSU]

Ja, eben! Aber Sie haben ein Gesetz gemacht, das nicht verfassungskonform war!

Und wenn Sie das aus dem Blick verlieren, –

Porträt von Alexander Hoffmann
Foto: Alexander Hoffmann/ Christian Kaufmann
1 Vermerkca. 22 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– weil Sie die Verfassungsmäßigkeit nicht beachten.

Ich freue mich auf die Beratungen. Es gibt viel zu besprechen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Stephan Stracke
Foto: Tobias Koch
13 Vermerkeca. 444 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Asylzahlen steigen massiv. Wir werden dieses Jahr in Europa mehr als 1 Million Asylanträge bekommen, allein in Deutschland mehr als 300 000, zusätzlich zu den über 1 Million Flüchtlingen aus der Ukraine, die bereits in unserem Land sind. Die Kommunen sind überlastet, die Integrationsgrenze ist erreicht, und die gesellschaftliche Akzeptanz schwindet.

Bei Ihnen genauso!

Die Menschen wollen eine Wende in der bisherigen Flüchtlingspolitik der Ampel. Sie erwarten zu Recht Ordnung, Steuerung und Begrenzung.

Was sagt denn Frau Merkel dazu?

Und unser Angebot? Wir wollen einen Deutschlandpakt zum Stopp der irregulären Migration. Wir haben dem Bundeskanzler dazu bereits die Hand gereicht, und jetzt, fast sechs Wochen nach der Ankündigung eines Deutschlandpaktes durch den Bundeskanzler und nach einer massiven Klatsche für die Ampelparteien bei den Landtagswahlen, gibt es nun erstmals ein Gesprächsangebot des Bundeskanzlers.

Zurufdes Abg. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das ist gut, und das begrüßen wir auch.

Beifallbei der CDU/CSU

Unsere Erwartungshaltung ist dabei allerdings klar: Der Bundeskanzler muss klar sagen, was er will. Es ist Zeit für Taten. Erleichterte Abschiebungen, wie sie die Koalition jetzt beschlossen hat, sind sinnvoll. Aber wir dürfen sicherlich jetzt nicht in Trippelschritten vorangehen. Notwendig ist ein großer Wurf. Die Anreize für ungesteuerte Migration nach Deutschland müssen konsequent gesenkt werden.

Und dass eine solche Politik im Übrigen auch Erfolg hat, zeigt der Blick in unsere Nachbarländer. Während bei uns die Zahl der Asylanträge um 74 Prozent gestiegen ist, steigt sie in Frankreich nur um 37 Prozent, und Dänemark verzeichnet sogar einen Rückgang bei den Asylanträgen um 56 Prozent.

Wir brauchen also mehr Dänemark in der deutschen Asylpolitik,

Wir brauchen mehr AfD in der deutschen Asylpolitik!

und alle Vorschläge für Maßnahmen, die dafür notwendig sind, liegen auf dem Tisch: mehr sichere Herkunftsstaaten, stationäre Grenzkontrollen, ein Stopp von freiwilligen Aufnahmeprogrammen und vor allem Sachleistungen statt Bargeld. Ministerpräsident Woidke hat recht, wenn er dies fordert. Das ist bereits rechtlich möglich, wird jedoch in der Praxis aufgrund des hohen Aufwandes außer in bayerischen AnkER-Zentren oder Erstaufnahmeeinrichtungen viel zu selten angewandt. Deshalb schlagen wir eine Bezahlkarte als eine moderne Art des Sachleistungsprinzips vor,

Beifallbei der CDU/CSU

eine Bezahlkarte nach bayerischem Vorbild, mit der zum einen der tägliche Bedarf gedeckt werden kann

Zurufdes Abg. Manuel Höferlin [FDP]

und zum anderen Überweisungen ins Ausland unmöglich sind. Das führt zu einer effektiven Reduzierung von Anreizen für eine Zuwanderung in unsere Sozialsysteme.

Zurufdes Abg. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Natürlich muss eine solche Bezahlkarte bundeseinheitlich geregelt werden; denn so wäre die Einführung leichter und schneller umsetzbar, und natürlich verhindert man auf diese Weise einen Flickenteppich. Wir brauchen eine bundeseinheitliche Bezahlkarte. Die Länder sind da mittlerweile ganz klar; denn sie kennen die Probleme vor Ort. Auch die FDP unterstützt die bayerische Idee einer Bezahlkarte.

Machen Sie es doch in Bayern einfach!

Jetzt heißt es: nicht länger prüfen und evaluieren, sondern machen.

Beifallbei der CDU/CSU

Einfach machen! Heute können Sie damit beginnen. Machen Sie einen Anfang, und stimmen Sie unserem Antrag zu!

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Rasha Nasr
Foto: Photothek Media Lab
6 Vermerkeca. 630 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich hatte schon gehofft, dass nach den Landtagswahlen am Wochenende endlich Schluss ist mit diesen Symboldebatten.

Zurufdes Abg. Alexander Hoffmann [CDU/CSU]

Ich hatte gehofft, dass wir uns alle konstruktiv an der Problemlösung beteiligen; denn klar ist, dass diese Herausforderungen nur Bund, Länder und Kommunen gemeinsam schaffen können.

Leider erleben wir aber heute wieder das Gegenteil von konstruktiver Arbeit. Warum? Weil Sie es sich meiner Meinung nach zu leicht machen. Ihr Grundfehler ist: Sie behaupten, Menschen kämen allein wegen der Geldleistungen nach Deutschland.

Medizinische Versorgung ist auch ein Grund!

Entscheidend für Migration sind aber vor allem der Aufenthaltsort von Freunden, der Familie, der eigenen Community sowie die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und die Möglichkeit, in Frieden und Demokratie zu leben. Menschen fliehen vor Krieg. Sozial- und asylpolitische Detailregelungen spielen aufgrund des fehlenden Wissens darüber bei den Betroffenen gar keine Rolle. Es tut mir leid, Sie zu enttäuschen, liebe Union, aber diese Debatte gerade wird nicht gebannt vor afghanischen Fernsehbildschirmen verfolgt, und die durch das jüngste Erdbeben obdachlosen Menschen wägen jetzt nicht ab, ob sie nach Deutschland kommen oder nicht. Im Übrigen finden Sie die meisten geflüchteten Syrer in der Türkei und die meisten geflüchteten Afghanen in Pakistan oder in Turkmenistan, und das nicht, weil diese Länder so tolle Pull-Faktoren haben, sondern weil es geografisch und familiär für diese Menschen einfach sinnvoller ist, dorthin zu gehen, als nach Deutschland zu kommen. Auch unsere im Vergleich zur Ukraine schleppend vorangeschrittene Digitalisierung hat diejenigen Ukrainer, die nun bei uns sind, nicht davon abgehalten, zu uns zu kommen. Sie merken also: Wenn Bomben fallen, wenn Verfolgung und Haft oder der Hungertod drohen, dann ist es Menschen relativ egal, welche Detailregelungen wir hier wieder getroffen haben.

Und Sie wissen ganz genau, dass es hier nicht um bundesgesetzliche Regelungen geht. Länder und Kommunen haben bereits jetzt die Möglichkeit, Sachleistungen auszugeben. Nur hat das bisher niemand so wirklich umgesetzt. Und warum? Weil es eben schwer umzusetzen ist.

Ja, deswegen die Bezahlkarte!

Ihr Antrag scheitert bereits daran, dass eine überwältigende Mehrheit der Praktiker, die sich vor Ort um die Migrationsverwaltung kümmern müssen, gegen diesen Vorschlag ist. Ihre eigenen Leute, die in Verantwortung sind, teilen unsere Bedenken, wenn es um Bezahlkarten geht. Die nordrhein-westfälische Landesregierung unter CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Innenminister Herbert Reul spricht von einem – Zitat – „unverhältnismäßigen Eingriff in die Ausübung der persönlichen Lebensgestaltung sowie des allgemeinen Persönlichkeitsrechts“.

Hört! Hört!

Das heißt übersetzt für Sie, liebe Union, dass das Bundesverfassungsgericht eine derartige Regelung wahrscheinlich sowieso wieder einkassieren würde.

Statt dieses Antrags könnten Sie also die acht Innenminister der Union in den Ländern fragen, warum sie die Möglichkeit nicht ausschöpfen, das Sachleistungsprinzip umzusetzen. Dann bekommen Sie sicherlich die Antwort, dass der finanzielle, administrative und personelle Aufwand zu groß ist. Sie, liebe Union, die Sie so gerne von Bürokratieabbau sprechen, wollen, dass die überlasteten Kommunen sich jetzt auch noch um Dienstleistungen wie Friseurbesuche kümmern müssen.

Lassen Sie uns doch stattdessen an pragmatischen Lösungen arbeiten, von denen die Kommunen wirklich etwas hätten, etwa dem schnelleren Arbeitsmarktzugang.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Auch Gerd Landsberg, Ihr Parteimitglied, fordert im Namen der Kommunen, dass die Arbeitsverbote für Geflüchtete endlich fallen, und das ist richtig so. Das werden wir als Ampel auch umsetzen. Ich lade Sie herzlich ein, konstruktiv daran mitzutun. Denn damit schaffen wir wirkliche Verbesserungen für die Kommunen, die dann massiv entlastet würden, und für unsere Unternehmen, die händeringend nach Arbeitskräften suchen, aber vor allem für die Geflüchteten, die dann auf eigenen Beinen stehen könnten. Geflüchtete Menschen sehnen sich danach, sich um sich selbst kümmern zu können. Das Festhalten an Arbeitsverboten wäre also wirtschaftsfeindlich, wohlstandsgefährdend und wachstumshemmend.

Lassen Sie uns dieses Schauspiel bitte endlich beenden. Die Lage in unseren Kommunen, für unsere Wirtschaft und insbesondere für die Geflüchteten, die es zu uns geschafft haben, ist viel zu ernst, um jetzt nicht an pragmatischen Lösungen zu arbeiten.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Gerrit Huy
Foto: Gerrit Huy/ Marcus Vetter, Fotostudio Seefeld
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Werte Kollegen! Die Union möchte zukünftig Bezahlkarten statt Bargeld für Asylbewerber. Das ist vernünftig, kommt aber sehr spät. Wir waren wesentlich schneller.

Das kann man wohl sagen!

Das Gleiche haben wir nämlich schon vor einem Jahr unter dem Titel „Sozialstaatsmagnet sofort abstellen“ gefordert –

Beifallbei der AfD

eigentlich leicht zu verstehen.

Da mutet es schon etwas schizophren an, dass Sie damals unseren Antrag abgelehnt haben. Oder haben Sie sich nicht getraut, über die Brandmauer zu springen?

Beifallbei der AfD

Oder den Antrag nicht verstanden!

Wir jedenfalls sind nicht schizophren, und wir kennen auch keine Brandmauern. Das heißt, Sie dürfen sich auf unsere Zustimmung freuen. Wir stimmen nämlich einem Antrag zu, wenn wir ihn inhaltlich für richtig halten. So einfach geht politische Vernunft. Aber damit ist man hier ja schon fast ein Exot.

Beifallbei der AfD

Wir werden also zustimmen, nicht weil wir Sie so lieben, sondern weil wir unser Land und unsere Leute lieben.

Oah, bitte! Sie hassen dieses Land!

Und denen wächst das Asylchaos immer mehr über den Kopf. Sie sehen nicht ein, warum sie ihr schwerverdientes Geld mit jedem teilen sollen, der hierherkommt, gleich wo er herkommt, weshalb er kommt und wie er sich integriert. Das kann nicht funktionieren. Schön, dass auch Sie das jetzt einsehen! Da sind wir ja schon mal zwei. Tief in ihrem Innersten weiß das natürlich auch die FDP; die hat in der Schule ja mal Rechnen gelernt. Das muss sie nun allerdings verstecken. Sonst geht die grün-rote Ideologie nicht mehr auf.

Beifallbei der AfD

Viele unserer Bürger wissen nicht mehr, wie sie noch über die Runden kommen sollen. Aber die Ampel erwartet offenbar, dass sie mit ihren Steuern nicht nur die hier lebenden Asylbewerber unterhalten, sondern per Heimatüberweisung auch noch deren Familien im Ausland. Das fällt nicht einmal mehr unter Gutmenschentum; denn die Ampel zahlt es schließlich nicht. Es sind dieselben Bürger, die auch die Ampelgehälter zahlen

Beifallbei der AfD

und auch den dicken Inflationsausgleich, den sich Ihre Minister erlaubt haben: 3 000 Euro pro Kopf! So dreist muss man erst einmal sein.

Von wem kriegen Sie ihr Geld?

Mit der Bezahlkarte kann kein Geld mehr ins Heimatland überwiesen werden. Man kommt mit ihr aber durchaus menschenwürdig über die Runden. Staatliche Leistungen müssen dann halt im Inland konsumiert werden. Das wird auch den Druck von den Tafeln nehmen, die zurzeit physisch und psychisch völlig erschöpft sind. Mit der Bezahlkarte kann man auch die Schlepper nicht mehr löhnen, und das wird dann vermutlich auch Menschenleben retten.

Beifallbei der AfD

Auch für die vielen Ausländer im Bürgergeld sollte deshalb kurzfristig auf Bezahlkarte umgestellt werden. Für viele von ihnen ist das Bürgergeld sowieso nur ein Goodie obendrauf. Der angesehene Wirtschaftsprofessor Friedrich Schneider von der Uni Linz geht davon aus, dass etwa ein Drittel der Bürgergeldempfänger schwarzarbeitet. Das ist prima für den Bürgergeldempfänger, der für seinen Verdienst in Onkels Autogarage weder Steuern noch Abgaben zahlt, und auch für den Onkel, der sich die Arbeitgeberbeiträge spart – also eine Win-win-Situation für unsere Parallelgesellschaften. Für den deutschen Staat aber entstehen dadurch Milliardenverluste und auch für seine Sozialversicherungen.

Wir wollen eine Win-win-Situation für unsere Bürger herstellen. Außerhalb der kleinen Zahl tatsächlich politisch Verfolgter gilt deshalb: Einwanderung nur dann, wenn sie auch unserer Gesellschaft nützt.

Beifallbei der AfD

Kurz: Wir sagen Ja zur Bezahlkarte. Steht zwar „CDU“ drauf, ist aber original AfD drin.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
13 Vermerkeca. 358 WörterReaktionswert: hoch
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Danke schön. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Den größten Wurf, den unser Land meines Erachtens hervorgebracht hat, ist unsere Verfassung. Artikel 1 – „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – und Artikel 20, das Sozialstaatsprinzip, sind unveränderliche Artikel in unserer Verfassung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufdes Abg. Karsten Hilse [AfD]

Das Bundesverfassungsgericht hat schon 2012 klargemacht: Das soziokulturelle Existenzminimum darf nicht aus migrationspolitischen Erwägungen gekürzt werden.

Das fordert ja auch keiner!

Wer fordert das denn?

– Na ja, Sie sagen doch, dass es darum geht, dass damit Anreize gestrichen werden.

Abgesehen davon wird uns Ihr Vorschlag migrationspolitisch überhaupt nicht weiterbringen, sondern er verursacht nur mehr Bürokratie und Belastungen für die Kommunen.

Beifalldes Abg. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Seit wann stört Sie Bürokratie?

Glauben Sie ernsthaft, die verfolgte Aktivistin aus dem Iran oder der wegen Homosexualität verfolgte Mann aus Uganda geht, wenn er merkt: „Jetzt wird es brenzlig; ich muss fliehen“, in die Bibliothek, recherchiert die Sozialleistungen in den verschiedenen Staaten auf der Welt und stellt dann fest: „O Gott! Deutschland hat Sachleistungen anstatt Geldleistungen eingeführt. Da werde ich in Zukunft nicht mehr hinfliehen“?

Ja! Genau so wird das sein!

Die meisten Menschen suchen eine Möglichkeit, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, und wollen gar nicht von Sozialleistungen leben.

Sie schreiben in Ihrem Antrag, dass hohe Sozialleistungen ein Grund seien, dass übermäßig viele Geflüchtete nach Deutschland kommen, und verweisen dazu auch noch auf eine INSA-Umfrage. Ich gebe Ihnen einen Tipp: Sie fragen ja so gerne im Sozialausschuss Berichte des IAB an. Vielleicht hören Sie mal zu, was solch seriöse Forschungsinstitute zu sagen haben.

Das IAB? Ist ja wohl ein Witz! INSA sind die Besten!

Die sagen nämlich, dass die Pull-Theorie in puncto „Höhe der Sozialleistungen“ als Hauptanreiz empirisch überhaupt nicht haltbar ist.

Da sind die SPD-Ministerpräsidenten weiter als Sie! Die kennen sich nämlich aus, Frau Aeffner!

Grundgesetz, Herr Stracke! Grundgesetz!

Menschen kommen zu uns wegen unseres Rechtsstaates, wegen fairer Asylverfahren und der Achtung der Menschenrechte.

Aber ganz abgesehen von Ihrem Vorschlag zu Bezahlkarten: Reden Sie doch mal mit dem Handelsverband darüber, was dieser davon hält! Ich kann Ihnen sagen: Der Handel sieht das sehr kritisch. Zahlungskarten, die nur für bestimmte Waren eingesetzt werden können, halten sie technisch für überhaupt nicht umsetzbar, und bestehende Systeme wie Gutscheinsysteme sind mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden.

Oh Schreck!

Das nutzt unseren Kommunen nicht. Machen Sie sich also bitte in Zukunft mehr Gedanken, bevor Sie hier einen Antrag vorlegen, der weder den Kommunen noch dem Handel hilft

Wie helfen Sie denn den Kommunen?

und zudem nicht mit unserer Verfassung vereinbar ist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

So ein Schmarrn!

Beifallbei der LINKEN

Wird nicht besser!

20 Vermerkeca. 640 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Wahlsonntag war ein Moment,

… der Freude für uns!

in dem es, glaube ich, allen demokratischen Parteien gut ansteht, mal innezuhalten und zu reflektieren. Das gilt auch für die Regierungsparteien.

Das sollten Sie!

Ihre demokratische Partei ist doch rausgeflogen!

Die Landtagswahlen haben gezeigt, dass in einem großen Teil der Bevölkerung Frustration und Enttäuschung herrschen.

Vor allen Dingen in Bayern!

Einige fühlen sich auch von der Opposition der CDU nicht abgeholt, auch wenn Sie insgesamt der Wahlsieger waren.

Das sollte alle zum Nachdenken einladen.

Diese Debatte hat mir gezeigt, dass der eine oder andere noch nicht die Realität in diesem Land erkannt hat.

So wie Sie, oder?

Wenn ich nur als Zuschauer die Debatte verfolgt hätte, wäre auch ich in Teilen frustriert und enttäuscht.

Was machen denn Ihre Wählermassen so?

Denn in dieser Debatte wurde viel darüber geredet, was nicht gegen illegale Migration hilft. Es wurde viel gesagt, zum Beispiel dass es zu bürokratisch sei, eine Bezahlkarte einzuführen, obwohl andere Länder diese haben.

Es wurden Scheindebatten darüber geführt, dass es nur darum gehe, den Arbeitsmarktzugang zu erleichtern. Ich bin dafür, den Arbeitszugang für diejenigen zu erleichtern, die auch einen Aufenthaltstitel haben, und reguläre Migration leichter zu ermöglichen. Aber wir müssen uns auch darüber Gedanken machen: Was ist mit den Personen, die ausreisepflichtig sind?

Ja, die müssen raus! Und tschüs!

Was ist mit den Personen, die illegale Migration betreiben?

So zu tun, als sei der Sozialstaat der einzige Grund, wieso Menschen nach Deutschland kommen und es insgesamt Migration gibt, ist falsch. Aber genauso falsch ist es, so zu tun, als hätte der Sozialstaat keine Auswirkungen oder Anreize für illegale Migration.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und der CDU/CSU
Zurufevon der CDU/CSU: Aha!

Beides erkennt die Realitäten im Land nicht an.

Sie reißen hier die Brandmauer ein!

Deswegen ist es richtig. Es wäre genauso falsch, zu sagen: Wir führen die Bezahlkarte ein, und alle Probleme sind auf einmal gelöst. – Auch das wäre falsch.

Das sagt keiner!

Weitere Zurufe von der CDU/CSU

– Das sagt auch keiner. Aber es braucht mehr Maßnahmen, um illegale Migration wirksam zu bekämpfen. Und ein weiterer Grund, aus dem Leute frustriert sind, ist, dass Leute hier im Deutschen Bundestag Reden halten, Interviews in Zeitungen geben, aber nichts machen,

Genau! Sie sind doch in der Regierung!

Weitere Zurufe von der CDU/CSU

nicht die Ärmel hochkrempeln, Herr Stracke.

Gucken wir doch mal ins Asylbewerberleistungsgesetz. Im Asylbewerberleistungsgesetz steht, dass das Sachleistungsprinzip und die Bezahlkarten angewandt werden bzw. werden können. Das ist auch kein Widerspruch zum Bundesverfassungsgerichtsurteil, weil damit nicht die Höhe der Sozialleistungen geändert wird, sondern die Art und Weise, wie sie gewährt werden. Und die Bundesländer sind dafür zuständig. So steht es im Asylbewerberleistungsgesetz.

Hört! Hört!

Sie wollen doch auch eine bundeseinheitliche Geldkarte! Wir wollen doch dasselbe!

Ich habe heute noch mal geguckt: Die Ministerpräsidenten von Sachsen, Bayern, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Berlin und Hessen sind CDU- oder CSU-Ministerpräsidenten.

Beifallbei der FDP

Und in zwei weiteren Bundesländern regieren Sie mit. 75 Prozent der Bevölkerung werden von Ministerpräsidenten in CDU- oder CSU-geführten Landesregierungen regiert.

– Gut so! – Dann krempeln Sie die Ärmel hoch und machen es in Ihren Ländern!

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Warum fordern Sie dann eine bundeseinheitliche Geldkarte, Herr Teutrine? Warum fordern Sie dann eine einheitliche Geldkarte? Ihr habt doch das selber in eurer Forderung!

Sie können es umsetzen. In Nordrhein-Westfalen hat die CDU es abgelehnt.

Ich glaube, dass es auch einen Teil zur Frustration beiträgt, wenn man Aufgaben nicht erledigt, obwohl man zuständig ist.

Jetzt lenken Sie doch mal nicht ab!

Ob es bei der inneren Sicherheit bei der Polizei ist, ob es in der Bildung oder ob es in der Frage ist, ob Sachleistungen und Bezahlkarten eingeführt werden sollen: Es ist Ihre Zuständigkeit, Herr Stracke.

Sie haben nicht zugehört, Herr Teutrine! Das ist Ihr Problem!

Sie können es machen. Rufen Sie Herrn Söder an und sagen: „Los, Ärmel hochkrempeln!“! Nicht nur Reden im Bierzelt halten! Das trägt zu einem Teil zu der Frustration bei.

Ich glaube, wer mehr reguläre Migration in den Arbeitsmarkt möchte – und meine Fraktion glaubt, dass das notwendig ist, weil der demografische Wandel so ist, wie er ist –, wer möchte, dass diejenigen humanitären Schutz bekommen, die es verdient haben, und dass es eine gesellschaftliche Akzeptanz für mehr Migration in den Arbeitsmarkt und humanitären Schutz gibt, der muss auch bei irregulärer Migration klar handeln. Dafür reichen zwar keine Bezahlkarten; aber nur zu sagen, was nicht geht, wird dieser Regierung nicht helfen.

Deswegen werden wir als FDP-Fraktion weiterhin Vorschläge machen.

Für uns ist klar: Die Bezahlkarte ist auch ein richtiger Weg, um irreguläre Migration zu beschränken.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Kai Whittaker
Foto: Kai Whittaker/ Steven Vangermain
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Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Die Debatte zeigt, dass die Politik sich in einem Dilemma befindet. Einerseits haben wir in Deutschland eines der großzügigsten Asylrechtssysteme in der Welt – angesichts unserer Geschichte richtig so. Deshalb steht das Recht auf Asyl auch in unserem Grundgesetz, und deshalb wird dieses Recht auch von weiten Teilen der Bevölkerung akzeptiert. Und deshalb ist für uns als Christdemokraten klar: Wir behandeln die Menschen in diesem Land anständig.

Beifallbei der CDU/CSU

Andererseits sind wir gerade dabei, diese Akzeptanz bei den Menschen zu verlieren, wenn wir nicht Ordnung und Sicherheit schaffen. Deshalb müssen wir jetzt alles dafür tun, die überhitzte Lage in diesem Land abzukühlen, und deshalb brauchen wir jetzt die Einführung einer Bezahlkarte.

Wer mit den Praktikern vor Ort spricht, der weiß, dass die Flüchtlinge teilweise einen Teil ihres Geldes in ihre Heimatländer überweisen. Mir haben auch Sachbearbeiter in meinem Wahlkreis bestätigt, dass sie schon öfters zusätzliches Geld ausgezahlt haben, weil Flüchtlinge ihren monatlichen Geldteil bereits komplett in die Heimat überwiesen haben. Da sage ich Ihnen: Das Asylsystem ist dafür nicht gedacht. Das Asylsystem ist keine alternative Entwicklungshilfe, sondern es soll ein menschenwürdiges Leben in Deutschland ermöglichen. Darum geht es, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Natürlich spricht sich vor Ort rum, wenn in Deutschland Geld von einem Flüchtling eingezahlt wird. Das ist ein Anreiz, nach Deutschland zu gehen.

Wie spricht sich das rum? Vom Hörensagen oder was?

Wir wissen, dass es nicht den einen Pull-Faktor gibt. Es gibt viele unterschiedliche Gründe, warum Menschen nach Deutschland fliehen. Aber zu glauben, es gäbe gar keine Pull-Faktoren, halte ich für genauso naiv, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Jürgen Pohl [AfD]

Das hat doch kein Mensch gesagt!

Deshalb wollen wir die Bezahlkarte. Wir erreichen zwei Dinge mit ihr:

Erstens können Flüchtlinge in Deutschland ganz normal wie bisher auch weiter einkaufen. Sie erfahren keine Diskriminierung.

Zweitens gewährleisten wir, dass kein Geld mehr ins Ausland überwiesen werden kann.

SPD und FDP scheinen diese Idee ja zu unterstützen. Der SPD-Innenminister von Thüringen hat das im „Tagesspiegel“ gestern so gefordert. Der Fraktionsvorsitzende der FDP hat sich ebenfalls für eine Bundesregelung ausgesprochen.

Die ganzen Zwergenparteien! Die sind doch völlig wurscht!

Insofern können Sie jetzt hier zustimmen.

Aber ich höre von den Grünen ständig Bedenken. Da kann ich Ihnen nur sagen, liebe Grüne: Wenn Sie sagen, dieser Vorschlag bringe nichts, dann könnten Sie eigentlich jetzt hier umso leichter zustimmen; denn wenn es nichts bringt, dann haben wir ja offensichtlich auch keinen Schaden angerichtet.

Natürlich! Mehr bürokratischer Aufwand ist das natürlich!

Doch! Sie richten Schaden an! Mehr Bürokratie! Diskriminierung!

Wenn es aber etwas bringt, dann haben wir allesamt miteinander etwas dafür getan, für mehr Ordnung und Sicherheit in unserem Asylsystem zu sorgen. Und das sollten wir dringend tun, liebe Damen und Herren.

Deshalb: Stimmen Sie zu!

Beifallbei der CDU/CSU
Abg. Stephanie Aeffner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] stößt gegen die Verblendung eines Sitzplatzes, die daraufhin zu Boden fällt

Die Grünen zerlegen alles hier!

– Herr Brandner, wirklich! Das war ein Rollstuhl. Das haben Sie gesehen, oder? Mein Gott!

Der hat keinen Respekt!

Menschen mit Behinderung zählen für die AfD nicht!

Angelika Glöckner hat das Wort für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Philipp Hartewig [FDP]
Porträt von Angelika Glöckner
Foto: Deutscher Bundestag / Stella von Saldern
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Werte Besucherinnen und Besucher auf den Tribünen! Ich will vorab vielleicht mal sagen: Bei der Häme und all der Emotionalität, mit der auch diese Debatte wieder geführt wird,

Aber nicht von uns!

will ich noch mal daran erinnern, worüber wir hier heute eigentlich reden. Wir reden über Menschen, die zu uns kommen, die aus ihrer Heimat fliehen, vor Krieg, vor Gewalt, vor einem Terrorregime. Viele – es ist tatsächlich so – suchen Schutz in der Europäischen Union.

Ja, der ein oder andere! Da haben Sie recht!

– Hören Sie mal zu, Herr Brandner! Vielleicht lernen Sie mal was.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Michael Sacher [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Es ist doch klar: Die Europäische Union ist nicht nur Wirtschaftsraum, Wohlstandsprojekt, Friedensprojekt. Die Europäische Union ist auch Raum der Menschenrechte, und Deutschland, unser Land als größte Volkswirtschaft der Europäischen Union, liegt inmitten dieses Schutzraumes.

Mal ganz ehrlich: Wen wundert es, wenn Menschen versuchen, in dieses Land zu kommen, in unser Land, wo es keine Willkür gibt, sondern Rechtsstaatlichkeit,

Ja! Ganz genau!

wo es Freiheit gibt statt Unterdrückung? Das ist doch nun mal Fakt.

Nee! Ganz und gar nicht!

Damit müssen wir klarkommen, weil die Situation auf der Welt nun mal so ist, wie sie ist. Wir können sie nicht wegleugnen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Werte Kolleginnen und Kollegen, ich möchte natürlich was zu Ihrem Antrag sagen, aber ich will auch darum bitten – und es wurde ja eben auch von Herrn Whittaker angesprochen –, dass wir unsere Wortwahl, dass auch Sie Ihre Wortwahl so ausrichten, dass der Schutzgedanke des Asyls dadurch stärker zum Tragen kommt,

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Zurufdes Abg. Marc Biadacz [CDU/CSU]

damit die Menschen in unserem Land verstehen, worum es geht, wenn man darüber spricht, dass ein Mensch Asyl beantragt.

Aber das hat doch gar keiner infrage gestellt!

Das muss doch auch in Ihren Wertegedanken stehen. Sie tragen doch das C für „Christlich“ in Ihrem Parteinamen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber das hat er doch gesagt! Sie haben nicht zugehört!

Das ist mir wirklich fremd. Merken Sie denn eigentlich nicht, wie sehr Sie mit Ihrer Wortwahl schon denen ganz rechts außen ähneln?

Merken Sie nicht, dass Sie Blödsinn reden?

Das muss Ihnen doch auch mal zu denken geben.

CDU/CSU sind lernfähig!

Ich bin fassungslos!

Ich muss auch sagen – um zu Ihrem Antrag zu kommen –: Bedauerlicherweise ist es Ihnen auch in diesem Antrag einmal mehr nicht gelungen, sich von Ihrem Duktus, von Ihrer Grundhaltung zu verabschieden. Sie schüren erneut lieber Neiddebatten zwischen denen, die hier sind, und denen, die kommen, und zwischen denen, die arbeiten, und denen, die nicht arbeiten.

Warum sehen das dann die Ministerpräsidenten Ihrer eigenen Partei so, Frau Glöckner?

Das ist doch die Kernaussage Ihres Antrags, Herr Stracke.

Ihre Ministerpräsidenten sind weiter als Sie! Das ist das Problem!

– CDU und CSU, Sie wollen Sachleistungen. Ich will das jetzt gar nicht mehr weiter ausführen.

Ja, das glaube ich!

Es wurde schon gesagt.

Jetzt wird es Ihnen unangenehm!

– Nein, das ist mir nicht unangenehm.

Ihnen müsste unangenehm sein, dass Sie den Bundestag mit einem Antrag belästigen, sage ich schon, wo es gesetzliche Regelungen dazu – –

– Ich will Ihnen mal was sagen: Ich habe 30 Jahre in der Kommunalverwaltung gearbeitet. Ich kenne das Asylbewerberleistungsgesetz. Sie hätten mal einen Blick in dieses Gesetz werfen sollen. Dann müssten Sie diesen Antrag hier nicht einbringen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es gibt diese Möglichkeit schon.

Bundeseinheitlich! Sie haben es nicht einmal verstanden, Frau Glöckner!

Die Kommunen wenden sie nur nicht an, weil sie den Aufwand scheuen. Das ist doch Fakt, und diesen Fakt müssen Sie annehmen. Sollen wir denn ein Gesetz erarbeiten, das es schon gibt? Ist es das, womit sich das Hohe Haus befassen soll?

Ich tendiere dazu: Ziehen Sie Ihren Antrag zurück!

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ziehen Sie Ihre Rede zurück!

Lassen Sie uns gemeinsam über Initiativen reden,

Lachenbei der CDU/CSU

Gehen Sie mal auf Ihren Platz, und denken Sie neu nach! Das ist ja Wahnsinn!

die tatsächlich wirken und die tatsächlich neue Regelungen schaffen, die für alle tragbar sind: für die Menschen, für die Bevölkerung, für die Kommunen, für den Bund und für die Länder.

Vielen Dank.

Und bei allem Streit darüber sollten wir nicht von „belästigen“ sprechen. – Herzlichen Dank dafür.

Karoline Otte hat jetzt das Wort für Bündnis 90/Die Grünen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Philipp Hartewig [FDP]
Porträt von Karoline Otte
Foto: Karoline Otte/Stefan Kaminski
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Worüber wir hier reden und diskutieren, ist leider klar: Das Ziel einer flächendeckenden Einführung von Sachleistungen statt Geldleistungen für Geflüchtete ist der rechtspopulistische Versuch der Abschreckung und Einschränkung von Menschen,

Nein! Das ist Vernunft, kein Rechtspopulismus!

Menschen, die vor Verfolgung und Krieg fliehen.

Aber nur die Hälfte!

Ihnen wollen Sie einmal mehr ein selbstbestimmtes Leben verweigern.

Oh nein! Das stimmt doch gar nicht!

Frau Otte, lesen Sie den Antrag!

Nehmen wir mal an, dass Sie, liebe Abgeordnete der Union, aus Deutschland fliehen müssten. Würde eine Sozialkarte Sie ernsthaft davon abhalten? Ich glaube, nicht.

Ihre Forderung, durch Sachleistungen ein Bürokratiemonster zu erschaffen, bringt überlasteten Städten und Gemeinden schlicht und ergreifend gar nichts. Es werden nicht weniger Menschen fliehen,

Jetzt wird mir immer mehr klar, dass sich die Menschen von den Grünen immer mehr abwenden! Das wird mir immer mehr klar!

es werden nicht weniger Menschen zu uns kommen. Menschen auf der Flucht werden nur immer weiter entmenschlicht und entrechtet.

„Entmenschlicht“?

„Entmenschlicht“? Was ist das für ein Wort?

Sie schlagen vor, dass wir uns dem „race to the bottom“ anschließen, dass wir dieses „race to the bottom“ der Humanität mitmachen. Sie schlagen das vor in der falschen Hoffnung, dass irgendwann niemand mehr an unsere Tür klopft.

Bei uns klopft keiner! Die kommen alle!

Menschen fliehen vor Gewalt, vor Hunger.

Das sieht man auf den ganzen Schlauchbooten, wie die hungern!

Lassen Sie es mich so krass sagen, wie es ist: Solange wir den Menschen etwas zu essen geben, solange wir nicht auf diese Menschen schießen, so lange werden diese Menschen bei uns ankommen.

Ihr wollt schießen?

Also: Lassen Sie uns darüber reden, wie wir es schaffen, dass Menschen hier gut untergebracht werden können! Unsere Kommunen leisten Großartiges.

Das wollen die aber gar nicht!

Wir müssen dafür sorgen, dass sie ihre Arbeit machen können. Dafür brauchen sie bessere finanzielle Unterstützung vor Ort.

Nach der Fluchtbewegung 2015/2016 beteiligte sich der Bund an den Kosten der Länder und Kommunen mit rund 8 Milliarden Euro.

Sie sind zu weit weg von den tatsächlichen Problemen vor Ort! Das ist das Problem!

Die Beteiligung für das Jahr 2024 steht aktuell bei knapp 1 Milliarde Euro. Hier können wir ansetzen, hier müssen wir nachbessern, und hier müssen sich auch die Länder beteiligen.

Wir müssen außerdem Verwaltungsverfahren in den Bundesländern vereinfachen und angleichen. Wir können Aufenthaltserlaubnisse verlängern und die Anzahl der persönlichen Vorsprachen reduzieren. Das sind Maßnahmen, die entbürokratisieren, um Verfahren zu beschleunigen. Der Städtetag hat dazu einen ganzen Katalog vorgelegt. Setzen wir ihn doch einfach um! Und hören wir endlich auf mit Abschottungsfantasien aus der Mottenkiste! Starten wir endlich eine Integrationsoffensive!

Danke schön.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Gökay Akbulut
Foto: Gökay Akbulut/Thommy Mardo
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Unionsfraktion möchte, dass an Geflüchtete kein Bargeld mehr ausgezahlt wird.

Stattdessen sollen sie eine Bezahlkarte erhalten, mit der sie nur noch vorgeschriebene Produkte kaufen dürfen. Eine solche Maßnahme ist zutiefst diskriminierend und demütigend für die Geflüchteten. Seit Monaten führen die CDU/CSU, die FDP und die AfD einen Wettbewerb zur Entrechtlichung von Geflüchteten.

Nein! Wir machen das auch außerhalb des Wahlkampfes!

Wir Linke werden uns an diesem Überbietungswettbewerb gegen Geflüchtete nicht beteiligen.

Deshalb sagen wir heute auch ganz klar Nein zu diesem Antrag.

Meine Damen und Herren, der Deutsche Städtetag warnt eindringlich davor, bei Geflüchteten auf Sachleistungen umzustellen.

Zurufdes Abg. Kai Whittaker [CDU/CSU]

Es würde einen riesigen Verwaltungsaufwand bedeuten und nur zusätzliche Kosten verursachen, auch wenn Bezahlkarten ausgegeben werden.

Wir finden: Ein Verfahren, das schlecht für die Betroffenen ist und den Kommunen viel mehr Arbeit macht, ist völlig unsinnig. Weshalb sich aber ausgerechnet die FDP für das Sachleistungsprinzip starkmacht,

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

ist mir ein Rätsel. Sonst redet die FDP immer gerne von Bürokratieabbau; aber wenn es gegen Asylsuchende geht, hat sie kein Problem damit, ein neues Bürokratiemonster zu schaffen. Das ist doch heuchlerisch!

Die CDU und die CSU hingegen behaupten immer wieder, die Sozialleistungen seien der Grund, warum viele Menschen nach Deutschland wollen.

Das ist ein Grund!

Sozialleistungen als Pull-Faktoren sind ein Mythos; diese Theorie wird in der Migrationsforschung überwiegend nicht geteilt.

Denn Menschen kommen aus ganz unterschiedlichen Gründen nach Deutschland. Sie kommen zum Beispiel, weil sie sich hier bessere Arbeitschancen und vor allem größere Sicherheit für ihre Familien erhoffen.

Ja, genau! Träumen Sie weiter!

Die Ursachen der Fluchtbewegung liegen viel mehr in den Push-Faktoren. Menschen müssen fliehen, weil es in ihren Ländern Verfolgung und Kriege gibt.

Ja! Aber nicht nach Deutschland!

Schauen Sie doch auf die Situation in der Ukraine, in Syrien oder in Afghanistan! Keine Bezahlkarte auf der Welt wird Menschen davon abhalten, zu flüchten, solange es Kriege gibt.

Beifallbei der LINKEN

Wetten doch?

Wir erleben unter Friedrich Merz eine Union, die Tag für Tag immer weiter nach rechts driftet

und immer mehr Positionen von der AfD kopiert. Dieser Kurs ist brandgefährlich! Er spaltet unsere Gesellschaft und bedroht unsere Demokratie.

Beifallbei der LINKEN

Wir halten die Gesellschaft zusammen!

Neue Schikanen für Geflüchtete werden die Kommunen nicht entlasten. Auf diese Weise entstehen weder neue Wohnungen noch Kitaplätze, die dringend notwendig sind. Das hier ist eine Politik gegen die Schwächsten in unserer Gesellschaft. Das werden wir als Linke niemals akzeptieren. Wir stehen weiterhin für ein starkes Asylrecht

Sie gehen gerade unter!

und menschenwürdige Aufnahme von Geflüchteten. Arbeitszwang für Asylsuchende lehnen wir ab; –

11 Vermerkeca. 448 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Also, ich bin wirklich fassungslos, Frau Otte, über das, was wir uns da gerade anhören mussten. In meiner Heimatstadt Stuttgart sind vor ein paar Wochen zwei eritreische Gruppen aufeinander losgegangen, unter anderem mit Dachlatten. Sie sind dann später auf die Polizisten losgegangen, von denen nun einige verletzt sind.

Wann kamen die denn? 2015/2016?

Immer öfter werden diese Konflikte, die der Grund für Flucht und Vertreibung sind, hier bei uns in Europa ausgetragen. Das darf einfach nicht so weitergehen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sprechen Sie doch mal mit den Lehrern in den Großstädten, die diese Woche in diese Kulturkämpfe reingezogen wurden, die sie in ihrem Unterricht völlig überfordern! Sprechen Sie aber auch mal mit Migrantinnen und Migranten der zweiten und dritten Generation, die sich wirklich langsam fragen: Wie soll das hier eigentlich weitergehen?

Na, nicht nur die!

Sprechen Sie aber vor allem mal mit Ihren eigenen Kommunalpolitikern in den Städten und Landkreisen,

Also, Entschuldigung, aber das tun wir die ganze Zeit!

die mittlerweile völlig überfordert sind mit der Anzahl an Menschen, die hier in Deutschland ankommen!

Wir sind mittlerweile in fast allen Bereichen an der Grenze der Leistungsfähigkeit angekommen.

Stimmt doch gar nicht! Wir haben noch Platz!

Das liegt doch im Wesentlichen an Wladimir Putin!

Und das lässt sich auch nicht mehr nur mit Geld lösen. Wir haben zu wenig Polizisten. Wir haben zu wenig Lehrer für Sprachkurse, zu wenig Lehrer für Integrationsklassen. Und wir haben zu wenig Beamte, um die vielen möglichen Vorgänge zu bearbeiten.

Aber auch bei Ihren eigenen Haushaltsberatungen haben Sie doch gemerkt, dass es an allen Ecken und Enden knapp wird und selbst die Mittel für die sinnvollsten Programme von Ihnen gekürzt werden müssen. Das liegt natürlich auch an den Ausgaben im Bereich „Flucht und Migration“.

Das ist ja Populismus!

Es ist völlig klar geworden, meine Damen und Herren: Wir haben so vieles geschafft, aber wir schaffen das so nicht mehr.

Beifallbei der CDU/CSU

Dass wir die Migration steuern und begrenzen müssen, das ist längst auch an den Wahlergebnissen in Bayern und in Hessen klar geworden. Wenn dieser Ampelregierung etwas daran liegt, dass die demokratische Mitte dieses Landes viele Wählerstimmen bekommt, dann geht sie jetzt das Thema Migration an, und zwar mit Prio eins gemeinsam mit uns.

Beifallbei der CDU/CSU

Beim Thema Migration gibt es viele Baustellen. Eine beseitigen Sie, nämlich im Zusammenhang mit den sicheren Herkunftsländern, wie wir es seit Monaten fordern. Das ist ein kleineres Problem. Aber es gibt auch größere Probleme, zum Beispiel Pull-Faktoren. Pull-Faktoren müssen abgeschafft werden. Dass es solche gibt, ist übrigens völlig unbestritten.

Liebe Grüne,

„Alle Maßnahmen, die dazu dienen, irreguläre Migration einzudämmen, die müssen wir gehen. Das heißt, wir müssen falsche Anreizfaktoren natürlich auch eindämmen, und deswegen stehe ich einer Geldkarte sehr offen gegenüber.“

Damit zitiere ich Ihren Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufevon der CDU/CSU: Oh!

Wir müssen nun auf Bundesebene die Möglichkeit schaffen, Sachkosten mit einer unbürokratischen Maßnahme abzuschaffen, nämlich durch die Bezahlkarte. Wir müssen Pull-Faktoren endlich abschaffen.

Stephan Stracke [CDU/CSU], an die Abg. Karoline Otte [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] gewandt: Da müssen Sie mal mit Ihrem Ministerpräsidenten reden! Der hat ein bisschen mehr Ahnung!
ca. 9 WörterReaktionswert: ruhig
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Wir müssen die unkontrollierte Migration durch Änderungen im Sozialsystem –

ca. 9 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– und im Asylrecht beenden, bevor die unkontrollierte Migration selbst –

Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
8 Vermerkeca. 495 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man Herrn Brandner als Erzgegner hat, hat man was richtig gemacht. Ich freue mich.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ja, ich freue mich auch auf Sie!

Abgesehen davon: Herr Mörseburg, das war eben argumentativ natürlich ein klassisches Eigentor. Wenn Sie die Situation von Eritreern im Zusammenhang mit dieser Debatte nennen, führen Sie Ihre eigene Argumentation ad absurdum. Dass hier Eritreer sind, liegt an Diktatur, Krieg und tiefen Auseinandersetzungen in dem Land, aber gewiss nicht am Geldleistungsprinzip.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Kausalität müssen Sie mir mal aufzeigen. Das ist wirklich ein Angriff auf jede Form von Logik.

Das hat er doch gar nicht gesagt! Das haben Sie jetzt konstruiert!

Im Übrigen – um wieder zur Sachlichkeit und Logik zurückzukehren – ist nach dem Asylbewerberleistungsgesetz in unserem wunderbaren, geliebten Föderalismus schon die Möglichkeit zur Ausgabe von Bezahlkarten und natürlich auch zur Gewährung von Sachleistungen gegeben – in den Bundesländern und entsprechend in den Kommunen. Das Prinzip der Subsidiarität gilt; das sollte man hier am Rande vielleicht mal erwähnen.

Der thüringische Innenminister sieht das aber anders, Herr Lindh! Der fordert das!

Das weiß er nicht! Oder er kann sich nicht mehr erinnern!

Da könnte man natürlich den Gedanken wagen und sich fragen: Ja, warum wird denn das auch in CDU-geführten Ländern nicht angewandt? Man könnte auf den Gedanken kommen: Sie sehen Probleme in der Anwendung, verschweigen die aber geflissentlich. Dann sagen Sie, der Bund solle das machen und entsprechend die Verantwortung übernehmen. Und wenn wir das in dieser Form ablehnen würden, hätten Sie wieder einen Grund, uns zu skandalisieren. Aber um die sachliche Anwendung geht es nicht. Das ist ziemlich durchschaubar, was Sie da machen, und wir sollten darauf nicht reinfallen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ich selber – erst mal eine persönliche Perspektive – habe auch Bedenken bei genereller Anwendung auch in dezentraler Unterbringung, also außerhalb von Erstaufnahmeunterkünften, in Bezug auf Sachleistungen und Chipkarten wegen Fragen von Stigmatisierung. Das macht ja auch etwas, macht Unterschiede – ist vielleicht eine Dimension, die Sie nicht sehen; aber es hat was mit dem Menschenbild zu tun. Das ist eine persönliche Befindlichkeit von mir; die will ich nicht generalisieren. Aber man sollte sie wenigstens da erwähnen, wenn man dieses Thema so zentral in den Mittelpunkt stellt wie Sie.

Aber vorher sagten Sie, das Sachleistungsprinzip sollten die Länder machen! Und das ist jetzt plötzlich Stigmatisierung? Das ist nicht logisch, Herr Lindh!

Klares Eigentor in der Argumentation!

Und zum Zweiten, weil Sie ja die Kommunen nennen: Ich habe in meiner Kommune, meinem heißgeliebten Wuppertal, mit den Leuten gesprochen und mir das vor Ort angeguckt. Man hat dort die Erfahrung gemacht, dass das Sachleistungsprinzip oft teurer ist, administrativ aufwendiger, eben nicht leichter. Das muss man zumindest zur Kenntnis nehmen und Kommunen die Möglichkeit geben. – Sie sind doch selbsterklärte Oberanwälte und -anwältinnen der Kommunen. Aber hier verletzen Sie doch gerade dieses Prinzip der Subsidiarität der Kommunen – auch nur, um ideologische Geländegewinne zu machen. Das ist doch unfair; und es ist doch unredlich; seien wir uns in dem Punkt doch einig!

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Abschließend – und das ist wirklich entlarvend –: Es geht doch gar nicht entscheidend um das Ob, sondern um das Wie. Wenn Sie hier ernsthaft schreiben, diese Chipkarten müssten doch gesperrt werden gerade für Unternehmen des Glücksspiels, dann ist das wirklich zutiefst unfair; das ist billigste Stigmatisierung.

Zurufdes Abg. Karsten Hilse [AfD]

Sie erwecken den Eindruck, dass Geflüchtete nichts anderes zu tun hätten, als Glücksspiele zu machen. Sie sollten lieber Präventionsanträge, Anträge zur Bekämpfung des generellen Problems des Glücksspiels in Deutschland machen, –

Porträt von Mahmut Özdemir
Foto: Mahmut Özdemir/Maximilian König
Mahmut ÖzdemirSPD· Parl. Staatssekretär BMI· MdB
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Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Infolge des Angriffskriegs auf die Ukraine gewähren wir mehr als 1 Million Menschen Schutz in unserem Land. Ferner ist die Zahl der Geflüchteten aus anderen Staaten mit über 250 000 Anträgen deutlich gestiegen.

Die Kommunen mit ihren Bürgermeistern, Stadtverwaltungen und Stadträten leisten nach wie vor Herausragendes und verdienen unsere Anerkennung. Allerdings stoßen sie an ihre Grenzen. Die Zahl der Geflüchteten hat eine Größenordnung erreicht, die eine Unterbringung zunehmend schwierig bis unmöglich macht.

Zurufvon der AfD: So ist es!

Dies hat Folgen – Folgen, die wir nicht dulden können.

Die Identifizierung von Ausländerinnen und Ausländern, die Unterbringung und auch die Vorgangsbearbeitung in den Ausländerbehörden müssen ordentlich und zügig im Verwaltungsvollzug erledigt werden. Aber auch die Entscheidungen in diesen Verfahren müssen vollstreckt werden. Nur lückenlose Vollstreckung begünstigender und erst recht belastender Verwaltungsentscheidungen, die unanfechtbar geworden sind, wird die Aufnahmebereitschaft vor Ort auch erhalten.

Aha! Ganz was Neues!

Nicht nur aus diesem Grund hat die Bundesregierung einen Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem Georgien und die Republik Moldau als sichere Herkunftsstaaten bestimmt werden sollen.

Viele der Geflüchteten benötigen unseren Schutz, liebe Kolleginnen und Kollegen; die Schutzquote liegt aktuell bei 50 Prozent. Unter den Asylanträgen sind aber auch immer welche von Personen aus Staaten, in denen keine Verfolgung droht und die deshalb in der Regel auch keinen Schutz erhalten werden. Georgische Staatsangehörige stellten im ersten Halbjahr des Jahres 2023 6 612 Asylanträge, und bei der Republik Moldau waren es 1 910 Asylanträge. Die Anerkennungsquoten zu beiden Staaten lagen bei rund 0,15 Prozent,

Ist aber überschaubar!

und da sind nationale Abschiebungsverbote noch nicht berücksichtigt. Allerdings kommen mehr als 10 Prozent aller in Deutschland abgelehnten Asylanträge von Personen aus diesen beiden Ländern.

Unser Rechtsstaat kann, muss und wird Maßnahmen ergreifen, um die Entscheidungspraxis dem Migrationsgeschehen anzupassen. Wir werden eben nur jenen Heimat sein, die nach unseren Gesetzen ein Bleiberecht vor der letztgültigen Entscheidung des Rechtsstaates auch behaupten können. Daher wollen wir die Liste der sicheren Herkunftsstaaten um genau diese beiden Staaten, Georgien und die Republik Moldau, ergänzen.

Bei sicheren Herkunftsstaaten dürfen die Behörden generell davon ausgehen, dass keine staatliche Verfolgung zu befürchten ist. Diese Vermutung kann im Asylverfahren individuell von den Antragstellenden auch widerlegt werden. Asylanträge werden eingedenk dieses Konzeptes auch weiterhin individuell geprüft, und in jedem Asylverfahren wird weiterhin auch eine persönliche Anhörung stattfinden.

Aus Erfahrung wissen wir, dass eine solche Einstufung auch mit der Verringerung der Zahl der Asylanträge einhergeht. Wir setzen hiermit also ein klares rechtsstaatliches Signal: dass wir nur Zuwanderung in unsere Leistungsgesellschaft akzeptieren, die die gesetzlichen Voraussetzungen unserer Rechtsordnung auch erfüllt.

Dies ist aber nur eine Maßnahme, die wir ergreifen, um Migration zu steuern, zu ordnen und zu begrenzen. Unsere Migration muss international erkennbar werden und durch ein Bündel von vielen Maßnahmen, verbessert durch den europäischen GEAS-Einigungsprozess, auch Wirkung entfalten.

Eine wichtige Maßnahme bleibt nach wie vor die Rückführung von Ausreisepflichtigen. Wir wollen die Rückführung nicht zuletzt durch die verstärkte Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern verbessern; denn daran scheitern oft die Rückführungen. Wir entwickeln einen wirkungsvollen Instrumentenkasten, den wir mit den jeweiligen Hauptherkunftsländern, deren Staatsangehörige sich nicht rechtmäßig in Deutschland aufhalten, abstimmen, um dann diejenigen zu identifizieren, die wir rechtmäßig zurückführen wollen, sie mit Passersatzpapieren auszustatten und alle konsequenten Maßnahmen inklusive Wiedereinreiseverboten auch zu ergreifen.

Wir bereiten außerdem eine Änderung des Aufenthaltsgesetzes vor, um Abschiebungshindernisse auch zu verringern.

Wir haben ferner Sofortmaßnahmen gegen Schleusungskriminalität getroffen, um lebensgefährliche Schleusungen zu verhindern und Schleuser konsequent zu verfolgen und zu bestrafen. Wir haben die Kräfte der Bundespolizei genau aus diesem Grund an den Grenzen Deutschlands deutlich verstärkt.

Auf europäischer Ebene setzt sich die Bundesregierung weiterhin mit aller Kraft dafür ein, bis zum Frühjahr 2024 den Abschluss der Reform des GEAS auch zu erreichen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Einstufung von Georgien und der Republik Moldau als sichere Herkunftsstaaten ist zugegebenermaßen ein Baustein, mit dem wir die Migration weiter ordnen wollen. Aber sie ist ein spürbarer Baustein, mit dem wir die Lage anpassen und sie insbesondere für die belasteten Kommunen auch erleichtern und verbessern wollen. Ich bitte Sie daher um Zustimmung zu dem Gesetzentwurf der Bundesregierung und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Filiz Polat
Foto: Filiz Polat/ Annette Koroll
5 Vermerkeca. 412 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Für uns steht nach wie vor fest: Das Konzept der sicheren Herkunftsländer halten wir grundsätzlich für falsch; denn es löst die komplexen Herausforderungen, Herr Throm, in den Kommunen vor Ort nicht und stuft die Lage eines Landes aus innenpolitischen Erwägungen heraus pauschal als sicher und menschenrechtlich unproblematisch ein.

Ich möchte Sie nochmals daran erinnern, weil Sie auch in Ihrem Antrag und in den Debatten wiederholt auf die Anerkennungsquoten abstellen, dass an die Einstufung von Herkunftsländern als „sicher“ nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts hohe Anforderungen gestellt werden und die Anerkennungsquoten hier die Einstufung in keiner Weise rechtfertigen können. Denn das Gericht hat in seinem Urteil vom Mai 1996 klargestellt – und ich hoffe, auch Sie fühlen sich daran gebunden –, dass zur Einstufung die Sicherheit vor politischer Verfolgung landesweit und für alle Personen und Bevölkerungsgruppen bestehen muss.

Hier gibt es auch keinen Ermessensspielraum.

Das Konzept schließt aber nicht aus, dass im Einzelfall Verfolgung besteht!

Wir befassen uns heute mit Georgien und Moldau; beide Republiken sind Bewerber bzw. Kandidaten für eine EU-Mitgliedschaft. Hier will der Gesetzentwurf eine gesonderte Betrachtung vornehmen. Denn mit dieser europäischen Perspektive haben die Staaten die Verpflichtung, weitgehende Reformen bei Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten umzusetzen, meine Damen und Herren. Sie sollten auf ihrem langen Weg in die EU Unterstützung finden.

Dabei denke ich besonders an den Schutz von LGBTIQ-Menschen in Georgien sowie der nationalen Minderheit der Roma in der Republik Moldau. In beiden Fällen, Herr Throm, liegen uns viele kritische Stellungnahmen vor, unter anderem des Queer-Beauftragten und des Beauftragten gegen Antiziganismus. Auch deswegen müssen wir eine sorgfältige Beratung in den Ausschüssen vornehmen, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Noch kurz zu den Maghreb-Staaten, die die Union heute hier erneut thematisiert. Lesen Sie, was Amnesty International, Reporter ohne Grenzen, der UN-Menschenrechtskommissar regelmäßig zur Lage von Menschenrechtsaktivistinnen und Menschenrechtsaktivsten, Journalistinnen und Journalisten, LGBTIQ+-Personen in diesen Staaten berichten.

Vor allem in Tunesien, Herr Throm, ist die Situation verheerend: Hetzjagden gegen Migranten, willkürliche Verhaftung von schwarzen Menschen, Hunderte davon ausgesetzt in der Wüste, unter ihnen schwangere Frauen und Kinder. In allen Staaten drohen Lesben, Schwulen, trans, intergeschlechtlichen und queeren Personen mehrjährige Haftstrafen, wenn sie sich outen. In Tunesien ist die staatlich geförderte Folter durch erzwungene Analuntersuchungen vielfach dokumentiert.

Meine Damen und Herren, beim Thema „sichere Herkunftsstaaten“ braucht es deshalb eine sorgfältige Beratung mit einem regulären Beratungsverfahren, mit Überweisung in die Fachausschüsse, weil wir verfassungsrechtliche Fragen, die wir hier berührt sehen, ernst nehmen sollten. Deshalb werden wir natürlich für eine Ausschussüberweisung plädieren.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Christian Wirth
Foto: Dr. Christian Wirth/ Hagen Schnauss
10 Vermerkeca. 650 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! „Und täglich grüßt das Murmeltier“, möchte man sagen. Es geht mal wieder, nach 2016 und 2019, um die Maghreb-Staaten, Moldau und Georgien. Es wurde hier im Bundestag schon beschlossen, dass das sichere Herkunftsländer sind. Herr Throm, da Sie immer so nett mit dem Finger auf uns zeigen: Woran ist das gescheitert im Bundesrat? Das ist unter anderem an den Ländern im Bundesrat gescheitert, in denen Sie mit Beteiligung der Grünen regieren.

Von daher: Immer auf sich selber zeigen.

Im Juni 2023 bringt die Union einen Gesetzentwurf zur Einstufung von Georgien und Moldau als sichere Herkunftsländer ein. Die Ampel ist extrem kritisch. Und diese Woche springt die Ampel plötzlich – warum wohl? – auf den Zug auf – oder besser gesagt: auf den mittlerweile ausfahrenden Zug – und bringt einen Gesetzentwurf zu Moldau und Georgien ein. Man könnte vermuten, das hat vielleicht etwas mit der Wahl zu tun; Frau Polat ist ja immer noch, wenn ich es richtig verstanden habe, der Auffassung, dass wir rechtspopulistisch sind. Deswegen können wir darauf gespannt sein, wie dieses Gesetz im Bundesrat mal wieder gekippt wird. So wird dieses Parlament letztendlich von den Grünen zum Narrenschiff gemacht.

Die Bestimmung sicherer Herkunftsländer ist nicht alles. Das ist ein wichtiger kleiner Schritt. Aber was hilft das, wenn man nicht abschiebt? Und selbst wenn man abschiebt: Was hilft das, wenn die Rausgeschmissenen von hinten wieder reinkommen? Von daher müssen wir das einfach machen. Wir müssen darlegen, dass wir sichere Grenzen brauchen. Wir brauchen die Abschiebungen, wir brauchen den Visahebel, wir brauchen die Festung Europa usw. Das alles kennen wir, und zwar nicht nur von uns, sondern mittlerweile auch aus den Plagiatsanträgen der CDU/CSU.

Für alle diejenigen, die immer sagen, die AfD hätte keine Lösungen – gerade in den Talkshows, wenn wir nicht dabei sind –, zum Mitschreiben: Wir haben Lösungen. – Deutschland hat 1992 einen EU-Vertrag unterschrieben, in dem uns zugesagt wurde: freie Binnengrenzen unter der Bedingung von sicheren Außengrenzen; geeignete Maßnahmen für Asyl; dass wir in Recht, Freiheit und Sicherheit leben können; Bekämpfung der Kriminalität usw. – Nichts davon ist über 32 Jahre hinweg erfüllt worden. Wir haben keine sicheren Außengrenzen. In Artikel 4 Absatz 2 Satz 2 EU-Vertrag steht, dass die territoriale Unversehrtheit der Länder, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und der Schutz der nationalen Sicherheit gewahrt bleibt. Insbesondere die nationale Sicherheit fällt weiterhin in die alleinige Verantwortung der einzelnen Mitgliedstaaten – so heißt es im EU-Vertrag.

Beifallbei der AfD

Wenn die EU nicht in der Lage ist – was sie ja nicht ist –, die Außengrenzen zu schützen und ein vernünftiges Asylsystem zu installieren, dann fehlt es an einer Vertragsgrundlage, an einer Geschäftsgrundlage. Dann werden wir Dublin, Schengen und sämtliche anderen Verordnungen notfalls temporär suspendieren; dann werden wir Artikel 16a Absatz 2 Grundgesetz anwenden und jeden an der Grenze zurückschicken, der aus einem sicheren Herkunftsland kommt.

Beifallbei der AfD

So werden wir das machen. Das sind Ziele!

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Wir werden auch den Autokraten in Marokko, Tunesien und der Türkei keine Milliarden hinterherwerfen, wie das die ganze Zeit passiert, ohne dass sie was machen; trotzdem nehmen sie das Geld. Wir werden bei den Visa den Hebel ansetzen. Wenn das nicht passt, meine Damen und Herren, dann werden keine Ferienflieger mehr in diese Länder fliegen – Sanktionen, wie wir sie auch gegen Russland machen.

Beifallbei Abgeordneten der AfD
Lachenbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dann werden wir mal sehen, ob die ihre Mitbürger, die hier nicht hingehören, nicht zurücknehmen.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Wir stimmen dem Gesetzentwurf auf jeden Fall zu. Er ist keine Endlösung; das ist bedauerlich, wir müssen weitere Sachen machen.

Was haben Sie gesagt? Wie bitte?

Weitere Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

– Ja, Entschuldigung für dieses Wort. Ich weiß, jetzt regen Sie sich auf.

– Noch mal: Ich entschuldige mich für dieses Wort.

Ich möchte auf eins noch hinweisen: Gerade in Berlin hat im letzten Winter die rot-rot-grüne Koalition die Abschiebung nach Moldau ausgesetzt mit der Behauptung, dort herrschten Minusgrade. Jetzt, diese Woche, hat die CDU-geführte Landesregierung in Berlin Abschiebungen ausgesetzt von Oktober bis März, weil es Winter ist. So viel dazu; dieser Hinweis noch.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Am heutigen Tage!

Beifallbei der FDP
16 Vermerkeca. 581 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! An der Fähigkeit, irreguläre Migration in den Griff zu bekommen,

wird nicht nur die Regierung, sondern daran wird das Parlament, wird die Politik insgesamt gemessen, in Bund, Ländern und Gemeinden. Es gibt keine Zauberformel, es gibt keinen Schalter, mit dem man den Zustrom Hunderttausender Menschen nach Europa einfach so von heute auf morgen beenden könnte. Wer etwas anderes behauptet, der täuscht Bürgerinnen und Bürger. Es gibt in der Migrationsfrage nicht die eine schnelle Lösung. Es braucht vielmehr ein Gesamtkonzept, bei dem verschiedene Maßnahmen sinnvoll ineinandergreifen.

Ich begrüße ausdrücklich, dass es jetzt auch ein Verständnis dafür gibt, dass diese große Aufgabe auch ein Zusammenstehen von Regierung und Opposition, von Koalition und Union erfordert. Entscheidend ist dabei eine einfache Frage: Wie verhindern wir, dass sich Menschen, die von vornherein erkennbar keine Aussicht auf Asyl haben, überhaupt auf den oft lebensgefährlichen Weg zu uns machen?

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Dafür brauchen wir Migrationsabkommen mit Rücknahmevereinbarungen im Zusammenspiel mit der Einstufung als sichere Herkunftsländer.

Deswegen möchte ich betonen, dass es ein entscheidender Erfolg dieser Regierung ist, dass jetzt die Länder Georgien und Moldawien als sichere Herkunftsländer eingestuft werden. Wir erreichen damit schnellere Asylentscheidungen, entlasten die Behörden und das ganze Asylsystem und signalisieren, dass es sich für die meisten Menschen gar nicht lohnt, sich auf den Weg nach Deutschland zu machen; denn die Anerkennungsquote für die Menschen aus diesen Ländern betrug zuletzt ganze 0,1 Prozent.

Zurufder Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Nun weiß ich, dass manche heute am liebsten sofort, ohne parlamentarische Beratung in den Ausschüssen, darüber abstimmen würden. Deswegen auch der Antrag auf Sofortabstimmung mit namentlicher Abstimmung. Aber es tun sich eben nicht alle so leicht damit. Das weiß übrigens auch die Union.

Haben Sie noch keine Mehrheit dafür?

Denn Sie haben in der letzten Wahlperiode, in der Großen Koalition, versucht, diese Länder als sichere Herkunftsländer einzustufen,

Wir haben es beschlossen!

sind damals aber am Bundesrat gescheitert.

Wir haben diese Hürden, an denen Sie damals gescheitert sind, jetzt beiseitegeräumt. Das ist auch ein Erfolg dieser Regierung, meine Damen und Herren.

Beifallbei der FDP

Weiß Frau Polat das auch?

Bei der zusätzlichen Einstufung als sichere Herkunftsstaaten von lediglich Moldawien und Georgien darf es nicht für alle Zeit bleiben. Wir müssen nach und nach die Liste sicherer Herkunftsländer erweitern.

Die Maghreb-Staaten und auch andere Länder dürfen dabei nicht auf Dauer ein Tabu sein.

Wenn wir sagen, dass wir diese große Aufgabe gemeinsam lösen müssen, dann müssen wir die ganze demokratische Mitte mitnehmen. Ich wäre deswegen sehr glücklich gewesen, wenn wir heute auch einen Konsens über das Verfahren gefunden hätten, und zwar in der Weise, dass nicht die Opposition einen taktischen Vorteil darin sucht, am Zeitplan der Regierung sozusagen vorbeizupreschen. Denn es geht nicht darum, wer wen überholt.

Zurufdes Abg. Detlef Seif [CDU/CSU]

Es geht darum,

…schnelle Entscheidungen zu treffen! Genau!

dass wir einen Modus der Zusammenarbeit finden, der für alle gangbar ist.

So wird es aber nicht funktionieren, Herr Thomae!

Denn die einen stehen dem Konzept der sicheren Herkunftsländer skeptisch gegenüber und tun sich schwer damit; den anderen kann es gar nicht schnell und weit genug gehen.

Nun wird die Union niemals das, was die Regierung tut, zu hundert Prozent für ausreichend und schnell genug befinden.

Doch! Wenn wir es heute beschließen, dann schon!

Das ist auch die Rolle der Opposition, die ich akzeptiere.

Das ist schon erlaubt, ja?

Ich werde Sie sicher nicht dazu bewegen können, Ihren Antrag auf Sofortabstimmung zurückzunehmen. Aber ich hätte es besser gefunden, wenn wir uns heute nicht nur in der Sache einig geworden wären, sondern wenn Sie auch im Hinblick auf das Verfahren den Weg der Koalition mitgegangen wären,

Dann kommt doch ihr mal auf uns zu, Herr Thomae!

nämlich den Antrag an die Ausschüsse zur parlamentarischen Beratung zu überweisen. Wir gehen diesen Weg, weil wir einen möglichst breiten Konsens in diesem Hause suchen.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP

Ein Mal eine Bewegung in Richtung Union!

Beifallbei der LINKEN
Porträt von Mechthilde Wittmann
Foto: Mechthilde Wittmann/ Ralf Lienert
6 Vermerkeca. 451 WörterReaktionswert: niedrig
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Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Erlauben Sie, dass ich einen weiteren Gedanken in die Debatte einfüge. Seit dem 24. Juni 2022 ist Georgien ein potenzieller Beitrittskandidat der Europäischen Union. Auch der Antrag der Republik Moldau liegt seit dem 3. März 2022 vor, also schon seit über einem Jahr. Dennoch glauben wir, dies seien keine sicheren Herkunftsländer. Das heißt, wir wollen Ländern die Perspektive geben – das ist so abgestimmt –, in die Europäische Union mit ihren Werten, mit ihren Rechtsordnungen etc. einzutreten, von denen wir glauben, dass dort Verfolgung herrscht. Da wird das Pferd von hinten aufgezäumt, meine Damen und Herren. Deswegen, glaube ich, müssen wir schlicht nachholen, was wir zuvor nicht getan haben, und diese Länder zu Recht als sichere Herkunftsstaaten einordnen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wie Sie selbst wissen, haben wir schon einen Anlauf dazu unternommen. Vor allen Dingen aber hat die Union dies schon Anfang des Jahres gefordert. Die Ministerpräsidentenkonferenz hat sich dazu im Mai 2023 entsprechend geäußert, einen Beschluss gefasst, und wir haben diesen als Gesetzentwurf vorgelegt. Dennoch glauben Sie, wir bräuchten immer noch Debattenzeit. Warum brauchen Sie die? Das ist ganz einfach: weil in Ihrer Koalition weiterhin Stillstand herrscht, weil Sie der Inbegriff einer Ankündigungs- und Stillstandskoalition sind und weil Sie natürlich unbedingt noch streiten müssen. Wir haben es heute wunderbar erleben können: Der frenetische Beifall auf der linken Seite, als die FDP sich dazu geäußert hat, war ja unüberhörbar. Sie nehmen meinen Sarkasmus hoffentlich zur Kenntnis.

Beifallbei der CDU/CSU

Nee, das habe ich nicht verstanden!

– Das glaube ich Ihnen sofort.

Die Gesamtschutzquote für diese beiden Länder ist außerordentlich niedrig; wir haben es gehört. Aber die Einstufung als sichere Herkunftsländer hat noch weitere Konsequenzen. Auch diese Konsequenzen brauchen wir – sie gehören zum Gesamtpaket dazu –, nämlich die Ausreisefrist auf eine Woche zu verkürzen, die Klagefrist auf eine Woche zu verkürzen ohne aufschiebende Wirkung und vieles mehr. Ich glaube, damit können wir signalisieren, dass wir das, was uns die Menschen als Auftrag gegeben haben, spätestens letztes Wochenende, ernst nehmen, endlich – und zwar sofort! – eine klare Haltung einnehmen und tatsächlich zählbar für einen Rückgang der irregulären Migration sorgen.

Meine Damen und Herren, der Rechtsstaat, der seine Bürgerinnen und Bürger schützen will und kann, ist dann in unserem Land wiederhergestellt,

wenn die irreguläre Migration bei null ist.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Michael Sacher [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Frenetischer Beifall!

Vor diesem Hintergrund ist das natürlich ein ganz besonderes Thema. Neben der Einstufung als sichere Herkunftsländer gelten auch weiterhin die Instrumente: Zurückweisung, Rückführung und freiwillige Rückkehr. Da Sie von Pharisäertum sprachen, Herr Lindh: Es ist ja wohl ein Treppenwitz, wenn die Gelder für die freiwillige Rückkehr in diesem Haushalt um 12 Prozent gekürzt werden.

Meine Damen und Herren, lassen Sie uns das heute gemeinsam machen! Der Worte sind genug gewechselt. Sie können heute zeigen: Wollen Sie sofort etwas ändern, ja oder nein?

Ich danke Ihnen.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
4 Vermerkeca. 388 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Zunächst möchte ich mir verbitten, vom Hohen Haus als „Narrenschiff“ zu sprechen, wenn wir hier ernsthafte Beratungen über die würdige Behandlung von Menschen führen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie des Abg. Stephan Thomae [FDP]

Natürlich müssen wir in einer Situation, in der die Kommunen in Deutschland bis zum Anschlag gefordert sind und manche darüber hinaus, alles in Betracht ziehen, um diese Situation zu entschärfen und zu verbessern. Ob dafür die Einstufung als sichere Herkunftsländer der richtige, das heißt effiziente Weg ist, sei dahingestellt, gerade wenn wir die Situation von Geflüchteten, Kommunen und, ja, unserer ganzen Gesellschaft nachhaltig verbessern wollen.

Frau Wittmanns Hinweis auf Europa möchte ich aufnehmen. Wer schon mal in Tbilissi war, wird keinen Zweifel daran haben können, wie europäisch und modern das Land aufgestellt ist. Alle Gesprächspartner/-innen dort werden ihren Willen beteuern und versprechen, auf dem europäischen Weg zu sein und dies auch zu bleiben. Dennoch gibt es auf diesem Weg für Georgien viele Aufgaben, die noch zu erledigen sind. Manche Beteuerungen scheinen auch noch nicht ganz den Weg zur Tat gefunden zu haben.

Aber darum geht es heute gar nicht. Heute geht es um die Perspektive der Sicherheit für Geflüchtete in ihrem Herkunftsland. Hier gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nach wie vor große Bedenken, die wir durchaus beraten wollen. Wenn wir zum Beispiel von Organisatorinnen und Organisatoren der Pride-Parade in Tbilissi hören, dass sie eben keine Parade veranstalten können, da sie massiver körperlicher Gewalt ausgesetzt sein würden und es schon waren und nicht von staatlicher Seite geschützt werden und auch nicht wurden, dann ist die Sicherheit der Bevölkerung dort nicht gegeben. Das ist etwas, was man noch einmal genauer betrachten muss. Queere Rechte sind Menschenrechte und mögen hier nur als Teil für eine allgemeine Situation stehen.

Entscheidend wird also nach wie vor die Einzelfallprüfung auf Asyl sein. Und trotz aller Beschleunigung wird es nicht zu einer einfacheren Behandlung der Asylverfahren kommen, wenn wir sie nicht weniger gründlich durchführen wollen.

Als Letztes noch ein Hinweis: Wenn immer nur das Abschieben im Vordergrund steht, dann, so finde ich, steht nicht der Lösungsaspekt im Mittelpunkt, sondern dann verkennt man die Not von Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, zu uns kommen und hier Sicherheit und Frieden suchen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Darum aber geht es in unserer Politik, die wir in Ruhe und intensiv besprechen wollen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Alexander Throm
Foto: Alexander Throm/Tobias Koch
11 Vermerkeca. 586 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Staatssekretär Özdemir, das können Sie heute gerne haben – und zwar genau heute –, dass wir über Ihren Gesetzentwurf heute beschließen und dass wir als CDU/CSU-Fraktion diesem Gesetzentwurf zustimmen; denn er ist überfällig, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Genau deshalb haben wir heute beantragt, dass wir in die Sofortabstimmung übergehen; denn es ist notwendig, dass wir in der Bundesrepublik schnell handeln, dass vieles von dem, was Sie richtigerweise gerade gesagt haben, auch schnell Umsetzung findet und die Menschen merken,

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

dass dieses Haus und insbesondere diese Koalition verstanden hat, wie die Stimmung im Land ist und dass auch die Bereitschaft im Land vorhanden ist, Menschen aufzunehmen. Es ist ein kleiner Schritt, wenn Sie jetzt Georgien und Moldau zu sicheren Herkunftsstaaten erklären, aber es ist ein richtiger Schritt. Deswegen stimmen wir dem auch gerne zu.

Ich fordere Sie auf: Stimmen Sie unserem Geschäftsordnungsantrag, heute abzustimmen, zu. Dann senden Sie bereits heute ein richtiges Signal in Richtung unserer Bevölkerung.

Beifallbei der CDU/CSU

Dieser Gesetzentwurf erreicht dann den Bundesrat am 20. Oktober. Wenn Sie dem heute nicht zustimmen, dann verzögern Sie alles wieder um mindestens einen oder zwei Monate, und das ist nicht notwendig. Wir machen Ihnen heute das Angebot, bei der Asylwende aktiv mitzumachen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Aber natürlich geht Ihr Gesetzentwurf nicht weit genug. Es gäbe weitere Länder, die Maghreb-Staaten, aber auch Indien, die man zu sicheren Herkunftsländern erklären müsste. Die Anerkennungsquote bei Menschen aus dem Maghreb liegt zwischen 1,1 und 2,8 Prozent. Die Zahl der Ankünfte aus diesen drei Staaten ist im letzten und auch in diesem Jahr nochmals deutlich gestiegen. Auch dies ist kein Hebel, der alle unsere Probleme löst. Aber wir müssen viele kleine Stellschrauben und alle Hebel auf „Schließen“ und „Begrenzen“ stellen, um denen, die tatsächlich Schutz brauchen, diesen gewähren zu können;

Beifallder Abg. Mechthilde Wittmann [CDU/CSU]

und die aus den Maghreb-Staaten brauchen diesen nur in 1,1 bis 2,8 Prozent der Fälle, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Dass Sie die Maghreb-Staaten hier nicht aufgenommen haben, zeigt, wer in dieser Koalition die Migrationspolitik bestimmt: die Grünen.

Natürlich! Da haben Sie die Schuldigen gefunden! Das ist ja einfach!

Die SPD hatte das mit uns schon einmal beschlossen. Die FDP – jedenfalls ihr Generalsekretär – fordert dies. Dann kann es nur an den Grünen liegen, dass hier wieder blockiert wird, dass wir keine Steuerung, Ordnung und Begrenzung in unser Asylsystem hineinbekommen. Deswegen können auch der Herr Bundeskanzler und die Frau Innenministerin nicht das tun, was sie – jedenfalls teilweise; nicht vollumfänglich, wie wir es wollen – tun wollen: Sie sind gehindert durch das Bremsen der Grünen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wenn das niemand glaubt, dann will ich Ihnen ein Zitat vorlesen:

„Ob bei Reformen auf europäischer Ebene oder bei der Einstufung der sicheren Herkunftsländer: Die Grünen sind in der Migrationspolitik ein Sicherheitsrisiko für das Land und erschweren durch realitätsferne Positionen konsequentes Regierungshandeln …“

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Herr Kollege Thomae: Wer hat das gesagt?

Ich habe das nicht gesagt!

Ihr Generalsekretär Djir-Saraj, und er hat recht.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Ich hoffe nur, dass er eine Erkenntnis gewonnen hat und dass nicht das Herannahen an die 5-Prozent-Hürde der Auslöser für diese Kehrtwende der FDP war, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Das hat doch mit seriöser Politik nichts zu tun!

Eine solche Kehrtwende braucht es in der Migrationspolitik in der Tat.

Wir haben begrenzte Kapazitäten. Wir haben vor allem eine mehr und mehr abnehmende Bereitschaft in unserer Bevölkerung, denen, die wirklich Schutz brauchen, diesen zu gewähren. Noch nie war die Aufnahmebereitschaft so gering wie unter der Ampel. Wenn Sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt erhalten wollen, wenn Sie die Gesellschaft nicht weiter spalten wollen und die Wählerinnen und Wähler in die Arme dieser Partei und Fraktion hier ganz rechts treiben wollen, –

Porträt von Alexander Throm
Foto: Alexander Throm/Tobias Koch
3 Vermerkeca. 11 WörterReaktionswert: niedrig
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– dann kehren Sie alle miteinander um, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Sie spalten!

Danke.

Beifallbei der CDU/CSU

Machen Sie sich doch mal ehrlich!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Clara Bünger
Foto: Clara Bünger/ Karolina Sobel
5 Vermerkeca. 391 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste auf den Tribünen! Max Lucks von den Grünen hat im Juni hier im Plenum mit Blick auf Georgien auf die systematische Gewalt gegen LGBTIQ-Menschen hingewiesen sowie darauf, dass es für diese Gruppe keinen staatlichen Schutz gibt. Das habe ich damals unterstützt. Umso dramatischer ist es, dass heute, ziemlich genau vier Monate später, sogar die Grünen die Einstufung Georgiens als sicherer Herkunftsstaat mittragen. Das ist selbst für die Grünen eine sehr schnelle Kehrtwende.

Für Sahra Wagenknecht ist das zu harmlos!

Mal Sahra Wagenknecht gefragt?

In Moldau werden Roma systematisch diskriminiert. In Georgien hat sich die Situation queerer Menschen zuletzt deutlich verschlechtert. Belgien hat daraus Konsequenzen gezogen und Georgien im Frühjahr von der Liste sicherer Herkunftsstaaten gestrichen.

Beifallbei Abgeordneten der LINKEN

Übrigens: In beiden Ländern sind Teile des Staatsgebiets von russischen Truppen besetzt.

Das Bundesverfassungsgericht hat 1996 entschieden, dass Länder nur dann als sicher eingestuft werden dürfen, wenn in allen Landesteilen alle Bevölkerungsgruppen vor Verfolgung sicher sind. Das trifft weder auf Georgien noch auf Moldau zu.

Als Linke werden wir den Gesetzentwurf selbstverständlich ablehnen; denn wir lehnen das Konzept sicherer Herkunftsstaaten als ein Asylrecht zweiter Klasse generell ab.

Beifallbei der LINKEN

Es handelt sich vielmehr um ein Instrument der Entrechtung, wie ich Ihnen anhand von drei Beispielen deutlich machen möchte:

Erstens. Für Asylsuchende aus vermeintlich sicheren Staaten gelten unbegrenzte Arbeitsverbote, und sie müssen über den Abschluss des Asylverfahrens hinaus in Aufnahmeeinrichtungen leben. Dort sind sie von der Gesellschaft isoliert und ausgegrenzt.

Zweitens. Ihre Asylanträge werden als offensichtlich unbegründet abgelehnt. Das hat zur Folge, dass sich die Klagefrist auf eine Woche verkürzt. Außerdem hat die Klage keine aufschiebende Wirkung. Die Betreffenden können also abgeschoben werden, noch bevor ein Gericht in Ruhe über ihre Klage entscheiden konnte. Frau Polat – Sie haben hier vorhin gesprochen –, ich kann mir nicht vorstellen, dass die Grünen das wirklich mittragen. Das ist wirklich ein Unding und ein Mangel an Rechtsstaatlichkeit.

Beifallbei der LINKEN

Drittens. Hinzu kommt, dass Asylsuchende aus vermeintlich sicheren Herkunftsstaaten von vornherein als Menschen ohne Asylgrund stigmatisiert werden. Eine unvoreingenommene Prüfung der Asylgründe kann so gar nicht mehr richtig stattfinden. Ich möchte darauf aufmerksam machen – Herr Özdemir hat es gesagt –, dass 2023 weniger als 10 000 Menschen aus den beiden Ländern gekommen sind. Und Sie wollen uns das hier wirklich als eine Entlastung für die Kommunen verkaufen?

Beifallbei der LINKEN

Also, das ist wirklich eine Verarschung! Hören Sie endlich auf das, was viele Organisationen wie Amnesty International und Pro Asyl sagen.

Porträt von Clara Bünger
Foto: Clara Bünger/ Karolina Sobel
2 Vermerkeca. 12 WörterReaktionswert: ruhig
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Ziehen Sie diesen Gesetzentwurf zurück! Halten Sie sich an Menschenrechte!

Vielen Dank.

Beifallbei der LINKEN
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
12 Vermerkeca. 697 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man einigen Ausführungen der Union lauscht, fühlt man sich wieder erinnert an die Aussage eines ehemaligen Innenministers, die Migration sei – Zitat – „die Mutter aller Probleme“. Das ist immer noch falsch. Das ist klar, wenn wir ganz ehrlich sind und das mal nüchtern betrachten. Ebenso ist falsch, dass jeden Tag einen neuen Vorschlag zur Reduzierung irregulärer Migration zu machen die Lösung aller Probleme ist. Also: ein bisschen Ernüchterung, ein bisschen mehr Sachlichkeit.

Dafür stehen Sie ja!

Zu dieser Sachlichkeit gehört dann auch, dass das Rechtsinstitut der sicheren Herkunftsstaaten, dass dieser Gesetzentwurf, der ja im Übrigen ein Kabinettsbeschluss ist, ein Baustein eines ganzheitlichen Ansatzes von Migrationspolitik ist.

Richtig! Genau!

Das ist ein signifikanter Unterschied zu der Vergangenheit unter Unionsinnenministern. Wir sehen das im Zusammenhang mit Migrationsabkommen, die nicht nur, aber auch Rückführungen regulieren und abstimmen, sondern auch legale Einwanderungswege ermöglichen, die Zusammenarbeit und Kooperation von Ländern bei der Ausstellung von Papieren, Laissez-passer und weiteren Papieren, die also beides zusammendenken: Steuerung und Entkopplung von Wegen. Das ist der Unterschied. Uns geht es nicht nur um sichere Herkunftsstaaten, ideologisch besetzt per se. Darauf kommt es an. So könnten Sie Ihre Argumentation viel besser begründen, was Sie aber nicht getan haben. Es ist ja nicht sinnvoll – da sollten wir uns einig sein –, Menschen dauerhaft in Aussicht zu stellen, sie könnten, wenn sie im Regelfall keine Chance haben, durch das Asylsystem doch irgendwie hierbleiben, anstatt ihnen klarzumachen, dass das nicht der Weg ist, es aber durchaus, natürlich begrenzt, andere Wege gibt. Das halte ich in der Tat für einen ethisch-moralisch verantwortbaren und ganzheitlichen Ansatz.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Für diesen Ansatz stehen wir, und das ist ein Unterschied zu Ihnen.

Unglaublich!

Ein zweiter Unterschied ist, dass Sie in einem blitzschlagartigen Akt der Eingebung plötzlich Ihre eigenen Prinzipien verraten. Im Innenausschuss betonen Sie jetzt immer, wir müssten uns Zeit nehmen, man müsse das Parlament ernst nehmen, nicht die Eilbedürftigkeit. Noch in dieser Woche haben Sie das gemacht.

„Was interessiert mich das Geschwätz von gestern?“

Aber bei diesem Thema wollen Sie einen sofortigen Beschluss herbeiführen,

Das ist euer Gesetzentwurf!

weil es ja so dringlich sei. Bei einem anderen Thema, das Ihr Kollege als besonders dringlich und wichtig begriffen hat, haben Sie genau gegenteilig argumentiert.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ein Mindestmaß an Seriosität wäre schon mal wichtig! Wahnsinn!

Das nenne ich „bigott“; das nenne ich „scheinheilig“.

Nein! Das ist scheinheilig!

Im Übrigen gibt es Beschlüsse bzw. Vorgaben, Vereinbarungen von Gipfeln und der MPK. Wir sind aber ein selbstbewusstes Parlament.

Dieses Parlament nimmt dieses Thema und auch das Bundesverfassungsgerichtsurteil ernst, wird ausreichend intensiv beraten, voraussichtlich mit Anhörungen, und am Ende beschließen. Das nenne ich einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema. Wir wollen keine taktischen Spielchen. Mit dem Thema Migration spielt man nicht.

Beifalldes Abg. Sebastian Hartmann [SPD]

Damit geht man verantwortungsbewusst um.

Gehen Sie es mal an!

Im Übrigen ist es doch so – das wissen Sie genau –, dass Sie uns einerseits Vorwürfe machen und blockieren, beispielsweise beim Chancen-Aufenthaltsrecht, das man auch in diesem Gesamtpaket sehen muss, dass Sie also einerseits einen Aufstand machen, aber andererseits Ihre eigenen Ministerpräsidenten, zum Beispiel Herr Wüst, an unsere Tür geklopft und gesagt haben: Bitte macht das schnell! Das ist sinnvoll. Wir brauchen das. – Das ist doch wirklich unehrlich, und Sie wissen das. Sie wissen, dass nicht wenige in Ihren eigenen Reihen das genauso sehen, aber verschweigen das an dieser Stelle.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Um auch auf die andere Perspektive einzugehen: Ich bin der Meinung, dass wir Bedenken ernst nehmen sollten; das wurde angesprochen. Das ist auch ein Unterschied, den wir machen. Wir verherrlichen dieses Rechtsinstitut nicht. Wir sehen die Bedenken. Wir müssen das aber differenziert sehen. In Österreich zum Beispiel gab es im letzten Jahr viel weniger Antragstellungen, aber deutlich mehr Anerkennungen. In Österreich sind Georgien und Moldau aber schon sichere Herkunftsstaaten, hier nicht. Das heißt, der Automatismus „sicherer Herkunftsstaat – kein Schutz für Schutzbedürftige“ ist schlicht falsch und von der Realität widerlegt.

Ich komme zum Schluss. Wir brauchen keine taktischen Manöver. Wenn man das Thema ernst nimmt – und Sie haben vorgegeben, es ernst zu nehmen –, dann freut man sich auf das parlamentarische Verfahren, bestellt entsprechende Sachverständige und diskutiert mit. Tun Sie das, und stellen Sie diesen Antrag zur sofortigen Abstimmung nicht, um sich selbst und Ihren Prinzipien treu zu bleiben! Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf vorgelegt. Er steht im Gesamtpaket für Humanität, Pragmatismus und Ordnung. Wir sind aufgefordert, ihn gemeinsam durchzubringen. Da gibt es keine Arbeitsteilung; wir tragen alles gemeinsam, Verschärfungen und Liberalisierungen, –

Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
2 Vermerkeca. 7 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– für ein vernünftiges, menschenwürdiges Gesamtkonzept.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Detlef Seif
Foto: Detlef Seif/Laurence Chaperon
6 Vermerkeca. 388 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich empfinde es schon als unzumutbar, dass gestern im Innenausschuss die Mehrheit einen gleichlautenden Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion von der Tagesordnung genommen hat. Wir hätten hier und heute Nägel mit Köpfen machen können, und wir können es immer noch, weil wir einen Geschäftsordnungsantrag gestellt haben. Wir sind in Deutschland in einer schwierigen Situation, und es ist nicht zumutbar, dass man die Maßnahmen, die man sofort beschließen kann und die wirken, nicht umsetzt, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Das Konzept der sicheren Herkunftsstaaten haben nicht alle wirklich verstanden.

Genau, Sie am wenigsten!

Die Einstufung als sicherer Herkunftsstaat ist zwar kein Allheilmittel, aber es ist ein effektives Mittel, das in dieser Situation hilft. Wenn Frau Polat sagt, dass es im Einzelfall Verfolgung gibt, dann hat sie nicht verstanden, dass das Konzept der sicheren Herkunftsstaaten davon ausgeht, dass in dem Land generell und grundsätzlich systemisch keine Verfolgung besteht. Das Konzept schließt gerade nicht aus, dass im Einzelfall eine Verfolgung stattfinden kann. Es ist die Aufgabe der Asylbehörde, des BAMF, das zu prüfen und dann letztlich einen Anspruch zu bewilligen.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Nach § 80 Absatz 5 VwGO, Frau Bünger, besteht die Möglichkeit, die vollziehbare Wirkung wieder anzuordnen. Ein Gericht, das auch nur den Hauch einer Wahrscheinlichkeit spürt, dass hier ein falscher Bescheid vorliegt, wird dem Anspruch auch entsprechen. Meine Damen und Herren, besonders in linken Kreisen – das haben wir wieder gehört –, aber auch bei den Grünen, wird immer wieder behauptet,

Wer sind denn die linken Kreise?

dass letztlich das Asylrecht beschnitten wird, dass der Rechtsstaat hier verletzt wird. Das BAMF geht sehr sorgfältig vor. Es prüft jeden Einzelfall exakt und genau. Wenn ein Hauch einer Wahrscheinlichkeit besteht, dann wird dem Anspruch auch entsprochen.

Im Jahr 2022 wurden insgesamt 12 106 Entscheidungen über Asylanträge – diese Zahl sollten Sie sich einmal auf der Zunge zergehen lassen – von Angehörigen aus Georgien und Moldau getroffen. Nur zwölf Personen haben Schutz erhalten; neun Personen haben letztlich internationalen Schutz bekommen und drei subsidiären Schutz. Stellen Sie sich vor, wie gering dieser Personenkreis ist!

Zurufder Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Alle anderen sind in dem Bewusstsein nach Deutschland gekommen, dass sie überhaupt keinen Anspruch haben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Wir sollten uns nicht von denjenigen an der Nase herumführen lassen, die genau wissen, dass sie keinen Schutzanspruch haben und das System missbrauchen wollen. Auch das ist ein wichtiger Grund, warum Moldau, Georgien, die Maghreb-Staaten und auch andere Länder als sichere Herkunftsstaaten bestimmt werden sollen.

5 Vermerkeca. 758 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Jeder von uns hat ein Konto bei einer Bank, hat einen Telefonvertrag, hat einen Vertrag über Internetleistungen. Allen Verträgen ist gemeinsam, dass sie mit Allgemeinen Geschäftsbedingungen unterlegt werden, die von Zeit zu Zeit geändert werden müssen.

Im Jahr 2021 hat der BGH in dem sogenannten Postbank-Urteil einige Leitplanken verändert und deutlich gemacht, dass es, wenn es um Preise geht, mit der Zustimmungsfiktion nicht mehr ohne Weiteres funktioniert. Mit dieser Entscheidung müssen wir umgehen. Zu dieser Entscheidung liegt ein Gesetzentwurf vor, über den wir heute beraten. Klargestellt ist – ich habe es eingangs schon gesagt –, dass sich diese Problematik nicht nur auf die AGB der Banken bezieht, sondern auch auf die bei Telefonverträgen, Internetverträgen oder Ähnlichem, nämlich auf alle sogenannten Dauerschuldverhältnisse. Überall dort stellt sich dementsprechend die Frage: Wie wird während der Vertragslaufzeit mit Vertragsänderungen umgegangen, und zwar sowohl mit inhaltlichen Änderungen als auch mit Änderungen des Preises oder sonstigen Hauptleistungsbestimmungen, zum Beispiel der Leistung als solcher? Das ist ein wichtiges Thema, weil es am Ende auch darum geht, ob die Verbraucherinnen und Verbraucher all das verstehen, was dort steht, die Änderungen nachvollziehen können und das damit alltagstauglich ist.

Ich weiß nicht – ich gucke einmal in die Runde –, wer von Ihnen einmal ein Schreiben gelesen hat, das die Banken nach dieser BGH-Entscheidung verschickt haben. Da wird in sehr kleinteiliger Art und Weise formuliert, was sich im Einzelnen ändert, welche Preise sich ändern, und die Banken sind dazu aufgefordert, die konkreten Zustimmungen für die entsprechenden Änderungen einzuholen. Das ist ein unfassbarer bürokratischer Aufwand. Die Schreiben sind schwer verständlich. Ich habe den Eindruck, man muss schon ein paar Semester Jura studiert haben, wenn man das liest, um die rechtlich komplexen Formulierungen nachzuvollziehen. Ich glaube, das geht nach der BGH-Entscheidung besser.

Was wir dafür aus unserer Sicht benötigen, sind klare und transparente gesetzliche Regelungen, die, wenn es um zumutbare kleine Änderungen geht, durch einen einfachen Mechanismus, die entsprechende Zustimmungsfiktion, weiterhin eine pragmatische Lösung ermöglichen. Das sollte auch bei Preisänderungen möglich sein, liebe Kollegen. Das ist zentral für die Verbraucherinnen und Verbraucher, damit wir hier endlich rechtssichere Lösungen bekommen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufvon der CDU/CSU: Wo ist denn der Vorschlag?

– Geduld! Das kommt gleich, keine Sorge. – Überall dort, wo es um die Anpassung geht, brauchen wir, wie gesagt, Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Diesem Anspruch, liebe Kolleginnen und Kollegen, kommen Sie mit Ihrem Gesetzentwurf, so wie er heute zur Abstimmung vorliegt – wir haben das im Ausschuss schon ausführlich diskutiert –, gerade nicht nach, und deswegen lehnen wir ihn ab.

Wo genau liegt denn das rechtliche Problem bei dem Vorschlag, dass in Gänze abgebildet wird? Während neue Verträge bekanntermaßen der AGB-Kontrolle unterliegen, aber alle Hauptabreden – Preis, Vertragsgegenstand usw. – nicht, haben wir eine solche klare gesetzliche Regelung bei Vertragsänderungen im AGB-Recht nicht. Das ist der Punkt, den wir gemeinsam angehen sollten. Das ist auch der Hintergrund, warum der BGH genau in diese Richtung entscheiden musste.

Sie schlagen in Ihrem Gesetzentwurf eine Ergänzung des § 675g BGB vor und behandeln damit isoliert das Thema, über das der BGH entschieden hat, nämlich nur im Bereich der Banken-AGB. Das ist die Problematik, vor der wir stehen. Wir schlagen vor – ich habe es erwähnt; es gibt eine ganze Reihe von Verträgen, bei denen wir genau dieses Problem haben, wie gesagt: Telefonie, Internet und Ähnliches – und werden das in der Koalition weiter diskutieren, direkt in die allgemeinen Regelungen reinzugehen und § 307 Absatz 3 BGB anzupassen. Damit stellen wir sicher, dass mit der BGH-Entscheidung, die ganz viele Rechtsbereiche betrifft, die Verbraucherinnen und Verbraucher insgesamt eine faire Regelung bekommen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zustimmungsfiktionsklauseln sind im Rahmen der Vorgaben von §§ 308 Nummer 5 und 675g BGB zulässig; so weit ist das natürlich klar. Ausdrückliche Zustimmungen zu Änderungen, die wir alle jetzt in der Konsequenz der BGH-Rechtsprechung geben müssen, sind total kostenineffizient, ressourcenverbrauchend und, wie schon gesagt, wenig verständlich für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Deswegen muss die Lösung unseres Erachtens in die Richtung laufen, dass wir genau an dieser Stelle die Inhaltskontrolle ein Stück weit einschränken und reduzieren,

ohne natürlich den Kernbereich anzutasten, wo Verbraucherinnen und Verbraucher schutzbedürftig sind. Dementsprechend müssen wir zum einen § 307 Absatz 3 BGB anpassen und, so unser Vorschlag, diese umfängliche Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes, die ja zu Preisnebenabreden ergangen ist, kodifizieren und in das BGB aufnehmen. Auf diese Weise, liebe Kolleginnen und Kollegen – so unsere Überzeugung –, schaffen wir eine rechtssichere und alltagstaugliche Lösung für Bürgerinnen und Bürger, für Verbraucherinnen und Verbraucher und für die Unternehmen und bauen gleichzeitig Bürokratie ab. Das ist unser Vorschlag zur Diskussion: keine einseitige Lösung, sondern eine sinnvolle Lösung, die alle Verbraucherinnen und Verbraucher schützt.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das haben wir letztes Mal angeboten im Plenum!

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Axel Müller
Foto: Axel Müller/ Tobias Koch
4 Vermerkeca. 676 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Am 14. Dezember 2022 haben wir als Unionsfraktion den Antrag „Geschäftsbeziehungen im Bankenverkehr auch in Zukunft rechtssicher gestalten“ hier in den Bundestag eingebracht. Grund dafür war das vom Vorredner erwähnte Urteil des Bundesgerichtshofs; in ihm erklärte der XI. Senat des Bundesgerichtshofs eine jahrzehntelange Praxis bei der Verwendung Allgemeiner Geschäftsbedingungen für rechtswidrig. Es ging um Geschäftsbedingungen der Banken.

Bis dahin galt eine Zustimmung des Kunden zu AGB-Änderungen dann als erteilt, wenn der Kunde nicht innerhalb einer ihm gesetzten Frist widersprochen hat; das war die Zustimmungsfiktionsklausel. Es herrschte die Rechtsmeinung, dass diese Praxis durch § 675g BGB, den der Vorredner erwähnt hat, gedeckt sei. Nach dieser Norm stimmt der Kunde einer Vertragsänderung zu, wenn er der Bank nicht innerhalb eines vereinbarten Zeitraums seine Ablehnung angezeigt hat. Der Bundesgerichtshof sah in dieser Zustimmungsfiktionsklausel in dem erwähnten Fall, bei dem es um eine wesentliche Änderung der Vertragsgrundlagen ging, eine einseitige Benachteiligung der Kunden.

Die negativen Folgen der BGH-Entscheidung möchte ich erwähnen, und zwar für Bank und Kunden: Alle über die Zustimmungsfiktionsklausel zustandegekommenen Vertragsänderungen seit Einführung der AGB im Jahre 1977 sind obsolet. Millionen von Kundenbeziehungen müssen einzeln geprüft werden; Millionen von Kunden müssen jetzt bei jeder noch so kleinen Vertragsänderung einzeln angeschrieben und um ausdrückliche Zustimmung ersucht werden.

Viele Kunden verstehen das gar nicht. Sie reagieren auch nicht, und das führt dazu, dass die Bank ihre Geschäftsbeziehung kündigt. Für den Kunden ist dieser Wegfall des Girokontos oftmals existenzbedrohend. Man bedenke nur: Das Gehalt kann nicht mehr abgehoben werden, die Miete wird nicht mehr bezahlt, die Daueraufträge werden nicht mehr eingelöst. Daher muss der Gesetzgeber für Abhilfe sorgen. Es wäre schön, wenn die Ampelkoalition mit ihrer Mehrheit hier tätig würde und nicht nur Ankündigungen machte, wie auch heute wieder vom Kollegen Lieb so getan.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Sachverständigenanhörung zu unserem Antrag, die am 29. März 2023 stattgefunden hat, ergab wesentliche neue Erkenntnisse. Auf deren Grundlage haben wir unseren ursprünglichen Antrag erheblich abgeändert. Wir haben, wie schon erwähnt, einen Gesetzentwurf formuliert, und zwar am 20. Juni 2023. Darin haben wir § 675g BGB neu gefasst. Es bleibt unbenommen, alle Dauerschuldverhältnisse damit zu erfassen. Es ist doch so, dass wir in diesem Fall tätig geworden sind, weil Sie trotz der bekannten Problematik seit über einem Jahr nichts gemacht haben – nicht mal in diesem einen einzigen Fall –, obwohl Sie schon seit zwei Jahren regieren.

Beifallbei der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich wünsche mir, dass ein solcher Gesetzgebungsprozess öfter abläuft wie dieser, und zwar deshalb, weil wir aus der Expertise der Sachverständigen in dieser Anhörung, die ich erwähnt habe, Erkenntnisse gewonnen haben, die wir in unserem Gesetzentwurf berücksichtigt haben. Oftmals verkommen diese Anhörungen nach meiner Einschätzung zu einem bloßen formalen Akt. Unser Gesetzentwurf nimmt auch die uns überzeugenden Ausführungen des von der SPD benannten Sachverständigen nahezu eins zu eins auf, weil wir ihn für überzeugend gehalten haben. Somit müsste heute eigentlich zumindest die SPD-Fraktion als Teil der Ampelkoalition unserem Gesetzentwurf zustimmen.

Wir haben uns an von Bundesgerichtshof und den Sachverständigen vorgegebenen Leitlinien orientiert und haben gesagt: Eine neue AGB-Klausel darf keine einseitige, nicht eingrenzende Änderungsbefugnis des Verwenders bewirken. Wesentliche die Grundzüge des Vertragsverhältnisses berührende Änderungen müssen entsprechend erfasst sein. Es bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Kunden, wenn es solche Vertragsänderungen betrifft. Ein gesetzlich vorgegebener Zeitpunkt, ab dem eine Vertragsänderung gilt, sorgt für Rechtssicherheit. Wir haben eine gesetzliche Fiktion von sechs Monaten eingebaut. Wenn der Kunde sechs Monate lang trotz der Vertragsänderung das Geschäftsverhältnis weiterführt, ohne es zu beanstanden, hat das keine negativen Folgen. Und die gerichtliche Inhaltskontrolle nach § 307 BGB, die der Kollege Vorredner erwähnt hat, oder der AGB-Richtlinie bleibt ausdrücklich erhalten.

Das sind die neuen Kautelen von § 675g BGB; so haben wir ihn entsprechend umformuliert. Das bedeutet: Wir haben eine ausgewogene Lösung gefunden, die den Interessen von Kunden und Bank gleichermaßen gerecht wird. Ich werbe daher um Ihre Zustimmung für einen ersten Schritt, der in die richtige Richtung geht. Es bleibt Ihnen überlassen, dann für weitere Dauerschuldverhältnisse Ihrer Verpflichtung als Ampelkoalition nachzukommen und die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen zu schaffen.

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Philipp Hartewig [FDP]
Porträt von Tobias Matthias Peterka
Foto: Tobias Matthias Peterka/ Büro Peterka
7 Vermerkeca. 528 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegen! Das Thema der Entbürokratisierung im Allgemeinen zieht sich bekanntlich durch Kompendien von Lippenbekenntnissen der letzten Regierungen. Nun muss man bezüglich des Details der Anpassung von Banken-AGB hier wirklich mal sagen: Auch die Union findet ab und zu den gesunden Menschenverstand. Das muss man so anerkennen.

Aber selten!

– Sehr selten; das muss man auch sehen.

Die Ampel hat natürlich im Ausschuss – es wurde schon gesagt – alles beerdigt. Nichts darf wachsen, wo Karthago lag, bzw. angenommen werden nur Regierungsanträge. Daran haben wir uns tragischerweise so längst gewöhnt. Es ist aber eine demokratietheoretische Bankrotterklärung der deutschen demokratischen Ratlos-Parteien da drüben.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Sonja Eichwede [SPD]

Dabei wäre es hier gerade so wichtig gewesen, wieder für eine rechtlich sichere Fiktion bei nicht wesentlichen AGB-Änderungen zu sorgen. Das Bankkonto von Bürgern hat schließlich die Eigenschaft, dass es einerseits sehr wichtig für das tägliche Leben und Handeln ist, andererseits quasi als Selbstverständlichkeit im Hintergrund abläuft. Viele Formbriefe werden kurz überflogen und dann weggeworfen – spätestens dann, wenn es bereits in der Überschrift um AGB geht.

Für alle Beteiligten wäre es also nach dem bekannten BGH-Urteil das Beste, wenn man sich hier wieder auf Fiktionen verlassen könnte. Der Unionsvorschlag hinsichtlich § 675g BGB würde durchaus dafür sorgen. Und natürlich will niemand eine rechtlich erhebliche einseitige Änderung durch die Hintertür. Den durchschnittlichen Bürger aber zum Banksachbearbeiter in eigenen Dingen zu machen, entspricht vielleicht einem hehren Ideal. Gerade in unserer Gesellschaft aber, in der ich in der Schule eher darauf gedrillt werde, bedingungslos woke zu sein und gefälligst – definitiv freiwillig – an der nächsten Klimaparade teilzunehmen habe, gerade da wachsen Bürger heran, die sich wenig mit dem Managen der eigenen Finanzen auskennen.

Beifallbei der AfD

Ergo: AGB-Formgeschreibsel wandert in den Mülleimer, Vertrag in Gefahr, Bank unzufrieden, Kunde auch unzufrieden. Mal sehen, was die Ampel also gedenkt hier zu tun.

Gerade eben und auch im Bürokratieentlastungskonvolut zum BEG IV findet man nur fromme Wünsche. Unter Umständen orientiert man sich eben an den letzten Wählerschichten, die man so zur Verfügung hat: gut saturierte Vorstadtakademiker mit Arbeitszimmer, mit den Öffentlich-Rechtlichen in der Gehirnfalte und den Kontoauszügen im DIN-A6-Ordner. Dort wird der AGB-Brief sicher korrekt beantwortet. In der eigenen Bubble lebt es sich doch am besten.

Da kennen Sie sich ja aus!

Richtig eskaliert ist das ganze Problem übrigens – Sie wissen es vielleicht – durch die von Ihnen verantwortete Niedrigzinspolitik und den daraus folgenden Strafzinsen und Verwahrentgelten. Denn natürlich konnten einige Kreditinstitute nicht widerstehen und haben entweder rund um diese AGB-Anpassungen oder kurz danach versucht, aus unrentablen Verträgen rauszukommen.

Ob irgendwas nicht Weltfremdes nun von Ihnen kommt, um das Problem der Fiktionen dieser Bankschreiben zu lösen, darauf bin ich gespannt. Was Sie nämlich von der Ampel unter „Schutz der Bürger“ verstehen, dass ist jenseits aller konkreten Beispiele vor allem eines: Bevormundung. Eine konkrete Erleichterung rückt für Sie erst gar nicht in den Zielfokus, selbst wenn sie sich wie hier direkt vor der Nase befindet; denn zunächst müssen Sie wohl alles auf Ihre Ideologie abklopfen. Das ist schädlich für unser Land.

Beifallbei der AfD

Das Urteil des BGH mag juristisch nachvollziehbar sein, führt aber bei Ihnen zu einer derartigen Schockstarre, dass garantiert kein Bürger, der mal sein Konto verlieren wird, dafür auch nur ansatzhalber Verständnis aufbringen kann.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP
Porträt von Lukas Benner
Foto: Lukas Benner / Daniel Hofer
4 Vermerkeca. 406 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Der Wortlaut Ihres Gesetzentwurfs, liebe Union, zur Novellierung der Geschäftsbeziehungen im Bankenverkehr sowie der dazugehörige Antrag suggerieren eine Neuerung der Geschäftsbeziehungen. Aber dabei ist doch das Gegenteil der Fall: Sie wollen einfach nur zurück zu der Rechtslage, wie sie für die Banken vor der Entscheidung des BGH im Jahr 2021 galt.

Nein! Das stimmt nicht!

Schauen wir uns das einmal genauer an. Der BGH hat 2021 entschieden, dass Klauseln in den AGB einer Bank unwirksam sind, die ohne inhaltliche Einschränkungen die Zustimmung der Kunden zu den AGB-Änderungen fingieren. Verkürzt gesagt heißt das: Die Bank darf mir jetzt nicht mehr einfach, getarnt in irgendwelchen Änderungen, die Preise erhöhen. Es handelt sich hierbei um ein gutes Urteil im Sinne des stärkeren Schutzes von Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Liebe Kolleginnen und Kollegen der Unionsfraktion, auch wenn Sie wesentliche Vertragsänderungen von der Regelung ausnehmen, ist hiermit jedoch noch kein wirksamer Verbraucherschutz gewährleistet, und zudem ist doch völlig unklar, was das meint. Ist eine Preiserhöhung von 1 Euro auf 3 Euro pro Monat jetzt wesentlich? Schließlich ist es eine Verdreifachung des Preises. Das fällt aber nicht unter die vom BGH genannten Kriterien. Es ist also absehbar, dass ein solcher unbestimmter Rechtsbegriff erneut eine Vielzahl von Gerichtsverfahren auslösen wird und potenziell wieder rückwirkend die AGB für unwirksam erklärt. Ihr angestrebtes Ziel von mehr Rechtssicherheit verkehren Sie somit ins Gegenteil und schaffen mehr Rechtsunsicherheit durch das, was Sie hier vorschlagen.

Für uns ist klar: Zu einer Fortführung der bisherigen Praxis durch die Hintertür und damit der Fortführung ungleicher Vertragsverhältnisse darf es nicht kommen.

Trotz aller Kritik an Ihrem Vorschlag teilen wir die Zielsetzung, und zwar effektiver Schutz von Verbraucherinnen und Verbrauchern und die faire Ausgestaltung von Vertragsabschlüssen auch in Massengeschäften. Die Nutzung von Zustimmungsfiktionen in AGB ist aber auch, wie der Kollege Dr. Lieb sagte, in anderen Geschäftsbereichen relevant. Und deswegen ist eine Regelung allein für den Bankensektor viel zu kurz gegriffen.

Prozesse zu vereinfachen und zu digitalisieren, um Bürokratie auch in diesem Zusammenhang effektiv abzubauen, ist ein Anliegen, dem wir uns als Ampelkoalition verschrieben haben. Der von Ihnen eingebrachte Gesetzentwurf spielt diese beiden Zielsetzungen jedoch unausgeglichen zulasten von Verbraucherinnen und Verbrauchern gegeneinander aus und verkennt das BGH-Urteil. Ein solches Vorgehen schafft nicht mehr Rechtssicherheit, sondern weniger, und auch nicht mehr Verbraucherschutz, sondern weniger.

Zurufvon der CDU/CSU: Sie haben es nicht verstanden!

Aber wir sehen auch: Es gibt hier etwas zu tun, also lassen Sie uns das in Ruhe angehen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
2 Vermerkeca. 16 WörterReaktionswert: niedrig
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Ja, liebe Union, seit Wochen setzen Sie diesen TOP auf die Tagesordnung

und dann wieder runter.

So viel Zeit muss sein!

9 Vermerkeca. 1.262 WörterReaktionswert: hoch
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Oh, Entschuldigung! Natürlich. – Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Union, seit Wochen setzen Sie diesen TOP auf die Tagesordnung und dann wieder runter. Sie scheinen sich ja selber nicht sicher zu sein, ob der Gesetzgeber hier noch tätig werden soll oder nicht.

Wir dachten, Sie machen mit!

Ja, das Recht der AGB ist uns sehr wichtig; es schützt nämlich Verbraucherinnen und Verbraucher vor unangemessenen Benachteiligungen im Geschäftsverkehr. Genau deshalb hat der BGH für den Geschäftsbereich der Banken und der Kreditinstitute ein verbraucherschützendes Urteil gefällt. Der BGH hat nämlich ein konkretisierendes Urteil zu § 675g Absatz 1 und 2 BGB erlassen und Zustimmungsfiktionsklauseln für unzulässig erklärt, soweit die einbezogenen Klauseln Verbraucherinnen und Verbraucher unangemessen benachteiligen. Das war in dem Fall, über den entschieden wurde, der Fall: Ohne die Zustimmung der Kundinnen und Kunden wurden Klauseln in die Verträge aufgenommen, mit denen die Bank Entgelte für bis dato kostenlose Leistungen hätte verlangen können.

Vielleicht mal für diejenigen, die auf dem Gebiet Zustimmungsfiktionsklauseln rechtlich nicht bewandert sind: Das ist der Fall, wenn die Bank Ihnen irgendwelche Änderungen in Papierform mitteilt und diese, wenn Sie nicht reagiert haben, nach einer bestimmten Zeit automatisch wirksam werden. Wenn Sie innerhalb eines bestimmten Zeitraums nicht widersprochen haben, werden diese Änderungen wirksam in den Vertrag einbezogen. Nach Ablauf der Frist wird nämlich so getan, als ob Sie aktiv zugestimmt hätten. Das ist dann eine Zustimmungsfiktion.

Der BGH differenziert in seinem Urteil zwischen wesentlichen und unwesentlichen Vertragsänderungen und folgert eben, dass bei wesentlichen Vertragsänderungen die ausdrückliche Zustimmung von Kundinnen und Kunden eingeholt werden muss. Wesentliche Änderungen liegen vor, wenn die Rechtsnatur des Vertrages geändert wird, wenn Gebühren erstmals erhoben werden, die noch nicht vereinbart waren, wenn sie gesenkt werden oder Ähnliches, und ebenso, wenn in den AGB Änderungen von unbestimmter Tragweite fixiert werden.

Wir können trotzdem festhalten, dass Zustimmungsfiktionsklauseln nach den derzeit vorliegenden Regelungen weiterhin wirksam angewendet werden können, soweit es unwesentliche Änderungen sind, und das ist auch im Sinne der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Nein! Das geht gerade nicht!

Was mit dem Urteil am Ende vermieden werden soll, ist, dass ohne Zustimmung von Kundinnen und Kunden Verträge substanziell abgeändert werden.

Nun hat die Bankenlandschaft uns ja geschildert, zu welchen Problemen das in der Praxis geführt hat und welche Umsetzungsschwierigkeiten bestehen. Wir haben uns dann ausführlich mit dem Thema beschäftigt, Ihren Antrag und auch den Gesetzentwurf im Rechtsausschuss beraten und auch eine Anhörung mit Sachverständigen durchgeführt. Die Anhörung hat uns aber gezeigt, dass nur ein Teil der Banken- und Kreditwirtschaft mit der derzeitigen Rechtslage tatsächlich unzufrieden ist.

Im Rechtsausschuss haben wir auch von dem Verbraucherzentrale-Bundesverband erfahren, dass es nicht, wie befürchtet, bei den Gehaltskonten große Verwerfungen gab und dass ein großer Teil der Banken- und Kreditwirtschaft mit den neuen Änderungen, die aufgrund des BGH-Urteils umzusetzen waren, auch gut zurechtgekommen ist.

Hört! Hört!

Nach einer Gesamtbewertung der Sachlage und eben auch nach der Anhörung, die wir zu diesem ganzen Komplex durchgeführt haben und wo wir den Sachverständigen gut zugehört haben, überzeugt uns allerdings Ihr vorliegender Antrag nicht, auch wenn der vorliegende Gesetzentwurf Formulierungen der Teile enthält, die der von uns benannte Sachverständige vorgeschlagen hat. Aber zu Ihrem Einwand kann ich da auch nur sagen: Die Sachverständigen machen noch nicht die Gesetze, sondern wir machen die hier. Und wir haben uns das angeschaut, und das hat uns am Ende eben nicht überzeugt.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Denn die Lösungen, die Sie anbieten, befrieden die Interessenlage der Bankenlandschaft und der Kundinnen und Kunden nicht gleichermaßen.

Ich will nur auf einige Punkte eingehen, zum Beispiel auf den § 675g BGB, wie Sie ihn sich jetzt vorgestellt haben. Sie geben keine Definition, was wesentliche oder unwesentliche Vertragsänderungen sind, und das hilft ja dann am Ende auch nicht weiter. Ich halte Ihnen zugute, dass es eine noch nicht absehbare Anzahl an Vertragsgestaltungen gibt, die man so oder so qualifizieren kann. Aber – hier wird es dann vielleicht auch noch mal spannend –: Wer trägt denn die Rechtsunsicherheit hinsichtlich der Allgemeinen Geschäftsbedingungen? Der BGH gibt uns da eine eindeutige Antwort, und wir kennen es aus den zivilrechtlichen Vorlesungen: Das Risiko, was die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit von Allgemeinen Geschäftsbedingungen angeht, trägt natürlich auch immer der Verwender, der diese in den Vertrag eingebracht hat.

Und deshalb ist es auch so, dass nach dem Vorschlag, den Sie anbieten, potenziell rechtswidrige allgemeine Klauseln eben nicht in den Vertrag einbezogen werden sollten, auch wenn man den Verbraucherinnen und Verbrauchern dann noch mal sechs Monate Zeit gibt, darauf zu reagieren. Alles andere würde aber bedeuten, dass die Klauseln erst mal wirksam in dem Vertrag vereinbart werden. Und was dann auch noch, ich sage jetzt mal, das Fass ein bisschen zum Überlaufen bringt, ist der Punkt, dass die Inhaltskontrolle dann nur noch in die Zukunft gerichtet sein soll. Also, das ist tatsächlich nichts, was verbraucherschützend ist. Das wird der Interessenlage hier überhaupt nicht gerecht, weil Verbraucherschutzrecht nach ständiger Rechtsprechung und auch nach europäischer Rechtsprechung natürlich auch bedeutet: Wenn eine Klausel unwirksam ist, dann kann das nicht nur für die Zukunft sein, sondern es muss natürlich auch eine echte Rückwirkung bis zu dem Moment geben, ab dem die nachträglich für unwirksam erklärte Klausel vereinbart wurde.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zum Risiko und zu der höchstrichterlichen Rechtsprechung habe ich schon etwas gesagt. Um es zu dieser späten Stunde abzukürzen: Am Ende wollen Sie mit Ihrem Gesetzentwurf ja, dass wir eigentlich einen Zustand legalisieren, den der BGH gerade erst für rechtswidrig erklärt hat. Im Ergebnis bringt das nichts für die Beteiligten, es bringt nur noch mehr Rechtsunsicherheit.

Das bedeutet, dass wir mit Ihren Vorschlägen das Verbraucherschutzrecht ziemlich abschaffen würden. Dass wir dem nicht zustimmen können, ist am Ende auch klar,

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der FDP
Zurufdes Abg. Axel Müller [CDU/CSU]

da wir eine völlig einseitige Risikoverteilung zulasten der Verwendungsgegner hier in Ihrem Entwurf eben auch vorfinden.

Das Letzte, was wir als Gesetzgeber machen wollen, ist, das Verbraucherschutzrecht durch die Hintertür auszuhöhlen. Aus meiner Sicht ist es nach all dem Aufwand, den wir betrieben haben, fraglich, ob es tatsächlich hier ein gesetzgeberisches Regelungsbedürfnis überhaupt noch gibt. Wir können nämlich nur den Rahmen vorgeben. Diesen Rahmen mit Inhalten zu befüllen, obliegt der Banken- und auch der Kreditwirtschaft. Die Erleichterungen, die § 675g BGB Absatz 1 und 2 bereits vorgibt, erachten wir als ausreichend.

Die Banken müssen ihre Geschäftsbedingungen entsprechend anpassen und eben auch kategorisieren. Man muss da vielleicht auch mal ein bisschen kreativ werden. Nach dem Urteil kann man ja tatsächlich wesentliche und unwesentliche Vertragsbedingungen, die man zur Änderung führen will, unterscheiden.

Sie können unwesentliche auch nicht ändern!

Und die Bedingungen, bei denen Unsicherheit besteht, ordnet man in die Kategorie der wesentlichen ein, die dann zustimmungspflichtig sind. Entsprechend kann man die Allgemeinen Geschäftsbedingungen gestalten.

Es ist auch so, dass viele Banken – das haben wir auch in der Anhörung gehört – ihre Prozesse mittlerweile erfolgreich digitalisiert haben. Und das ist meines Erachtens auch der Weg, der hier gegangen werden muss. Wenn derzeit einige Banken immer noch aktiv die Zustimmung schriftlich einholen müssen, dann ist es aber dennoch im eigenen Interesse der Bankenlandschaft, dass sie ihre Dienstleistungen im Business-to-Consumer-Bereich auf die Höhe der Zeit bringen. Da winkt und drängt sich eigentlich auch schon eine App-Lösung auf, wie man sie aus anderen Bereichen kennt, wo Kundinnen und Kunden einfach per Klick entsprechende Bedingungen bestätigen können.

Wenn es für beide Seiten eine befriedende Lösung gäbe, würden wir uns dieser heute nicht versperren. Aber wir können hier keine Gesetzgebung zulasten von Verbraucherinnen und Verbrauchern, von Millionen von Kundinnen und Kunden machen, die mit diesem Gesetz ja dann auch entsprechend leben müssen. Irgendwann stellen sie vielleicht fest, dass die Geschäftsbedingungen, denen sie unbewusst zugestimmt haben, nicht das Gelbe vom Ei waren.

Deshalb können wir uns als SPD-Bundestagsfraktion heute auch nur der Beschlussempfehlung des Rechtsausschusses und den mitberatenden Ausschüssen anschließen. Wir lehnen diesen Gesetzentwurf und Ihren Antrag ab.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der AfD
ca. 21 WörterReaktionswert: ruhig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Man traut sich ja kaum noch, zu sprechen, jetzt nach dem berechtigten Hinweis.

9 Vermerkeca. 517 WörterReaktionswert: lebhaft
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Wir haben es uns aufgeteilt. Ich erlaube mir aber, zum Abschluss der Debatte noch einige wenige Worte zu sagen.

Wir haben jetzt viel über Verbraucherschutz gehört. Was ehrlicherweise bei diesem Urteil aber völlig verkannt wird: Mit der Rechtssituation, die dadurch entstanden ist, ist den Verbrauchern nicht in jeder Hinsicht ein Gefallen getan worden. Das müssen wir vielleicht auch sehen. Wer ist denn wirklich daran interessiert, bei unwesentlichen Änderungen alles immer durchzulesen? Und, Frau Kollegin, auch unwesentliche Änderungen können Sie nicht mehr über die Zustimmungsfiktion machen; auch das verbietet das Urteil eindeutig. Sonst hätten wir doch gar keine problematische Situation an der Stelle.

Wer ist denn wirklich daran interessiert? Wir haben es doch schon gehört: vier Seiten kleinstteilige Änderungen, die einfach nur Anpassungen an Rechtslagen und Ähnliches sind. Wer ist denn wirklich daran interessiert, das in jedem Einzelfall durchzulesen? Viele machen das doch nicht. Die sogenannten lethargischen Verbraucher, die so etwas gar nicht lesen und das einfach wegwerfen – die haben Sie doch am Ende getroffen. Die sehen sich einer Kündigung ihrer einzigen Bankbeziehung ausgesetzt. Das ist aber die Situation, die wir jetzt haben, und daran wollen Sie seit zweieinhalb Jahren nichts ändern, meine Damen und Herren. Da müssen wir jetzt endlich rangehen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn jetzt Herr Benner und Herr Dr. Lieb sagen: „Das müsste man doch für alle Dauerschuldverhältnisse machen“, dann wiederhole ich das, was ich bei der ersten Lesung gesagt habe: Das teile ich. Es wäre besser, wir würden es für alle Dauerschuldverhältnisse machen. Ob alle betroffen sind am Ende, wissen wir nicht; denn die anderen kommen nicht zum XI. Senat.

Das stimmt!

Das ist jetzt eine Rechtsprechung, die wir im XI. Senat vorgefunden haben. Ob wir die auch bei den anderen finden, wissen wir nicht. Aber es wäre klug, das für alle anzupacken. Ich habe schon in der ersten Lesung gesagt: Lassen Sie uns doch gemeinsam rangehen.

Herr Dr. Lieb, Sie machen jetzt hier einen Vorschlag, den ich gar nicht so schlecht finde; das sage ich ganz offen.

Beifallbei der FDP

– Ja, klatschen Sie nur. – Sie haben angekündigt: Die Ampel wird diesen Vorschlag berücksichtigen. Die Kollegin von der SPD hat aber gesagt: Es gibt gar keinen Änderungsbedarf, und deswegen werden wir nichts machen. – Das ist doch das Problem.

Beifallbei der CDU/CSU

Seit zweieinhalb Jahren haben wir diese Situation, und Sie lassen die Verbraucherinnen und Verbraucher, die Banken komplett im Regen stehen.

Widerspruchbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Und da fordere ich Sie wirklich auf: Setzen Sie sich doch bitte durch in Ihrer Koalition.

Aber das Ergebnis ist: Wir sind in der zweiten Lesung. Ein Gesetzentwurf liegt vor. Sie hätten einen Änderungsantrag stellen können. Wir könnten das heute beschließen. Wir kommen aber keinen einzigen Schritt voran, und das frustriert wirklich.

Und jetzt ganz ehrlich, auch wenn es hier lauter wird: Was hätten wir als Opposition denn noch machen sollen? Wir haben erst gewartet. Dann haben wir einen Antrag gestellt.

Geben Sie das doch zu Protokoll!

Dann haben wir eine Sachverständigenanhörung durchgeführt. Dann haben wir den Vorschlag des von der SPD benannten Sachverständigen aufgegriffen und in einen Gesetzentwurf aufgenommen.

Hätten das besser zu Protokoll gegeben!

Sie machen an der Stelle gar nichts, und das Problem bleibt weiter bestehen. Geben Sie sich einen Ruck, und versuchen Sie, das zu lösen, insbesondere für die Verbraucherinnen und Verbraucher.

Beifallbei der CDU/CSU
Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
5 Vermerkeca. 391 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Mit Blei an den Füßen kann man nicht springen, man kann auch nicht sprinten. Und trotzdem hat die SPRIND, die Bundesagentur für Sprunginnovationen, viel erreicht. Aber manchmal saß sie am Tisch mit Innovatoren und musste sagen: Geniale Idee, aber leider gibt es noch keine Zusage. Wir müssen erst einmal das BMBF fragen. – Die Konsequenz: Wartezeit. Und Menschen, die nichts anderes wollen, als durchstarten mit radikal Neuem, sie gehen dann oft woandershin, auch außerhalb Europas. Damit muss Schluss sein. Wir nehmen der SPRIND das Blei von den Füßen. Mit dem SPRIND-Freiheitsgesetz.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Denn gerade bei diesem radikal Neuen, da sind wir in Deutschland noch zu zögerlich. Wir haben noch zu wenig bahnbrechende Innovationen. Sie sind aber der Schlüssel, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, wettbewerbsfähig zu bleiben und Wohlstand zu sichern. Dafür geben wir der SPRIND mehr Spielraum. Was ändert sich jetzt ganz konkret?

Erstens. In einer schnelllebigen Welt der Forschung und Innovation, da geht es um jeden Tag. Deshalb wird das Gesetz schnellere Förderentscheidungen ermöglichen.

Zweitens. Hinzu kommen für sämtliche Unternehmensphasen passgenaue Förderinstrumente.

Und drittens. Außerdem geben wir die Möglichkeit zur flexibleren Mittelbewirtschaftung. Denn Erfindungen, die radikal die Welt verändern sollen, erfordern Flexibilität auch in der Wirtschaftsführung.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und hinter bahnbrechenden Innovationen, da stehen die besten Köpfe, und das Gesetz erlaubt der SPRIND, mit wettbewerbsfähigen Gehältern diese Köpfe zu gewinnen durch Ausnahmen vom Besserstellungsverbot.

Mit dem SPRIND-Freiheitsgesetz befreien wir die Bundesagentur jetzt von unnötigen bürokratischen Fesseln und geben ihr neue Freiheiten. Der Bundesrat hat uns dafür schon Rückenwind gegeben und sinnvolle Anregungen für so viel Freiheit wie möglich. Es ist eine Gratwanderung: einerseits maximale Freiheit für die SPRIND, andererseits angemessene Verantwortung für das Steuergeld. Mit dem SPRIND-Freiheitsgesetz ist diese Gratwanderung gelungen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir immer nur über Probleme reden, dann verschärfen sie sich. Wenn wir aber mehr über Lösungen sprechen, dann kommen wir auch schneller zu Lösungen. Wie in der Pandemie. Da ist es uns gelungen. Der Impfstoff: Er war ein echter Gamechanger. Davon brauchen wir mehr. Mehr mutige Sprünge: Die SPRIND, sie hat „Lust auf Zukunft“, wie es bei ihr heißt. Und das ist die beste Ausgangslage.

Für die SPRIND haben wir jetzt eine Lösung, damit sie uns die Gamechanger bringt, die wir brauchen. Deswegen freue ich mich auf die Diskussion und auf Ihre Zustimmung.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Thomas Jarzombek
Foto: Thomas Jarzombek/ Tobias Koch
8 Vermerkeca. 758 WörterReaktionswert: niedrig
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In dieser Woche wurde der Nobelpreis für Physik verliehen. Er ging unter anderem auch an einen Forscher an einem deutschen Institut, nämlich an Professor Ferenc Krausz am Max-Planck-Institut für Quantenoptik. Das ist inzwischen der 32. Nobelpreis in Naturwissenschaften, den Mitarbeitende der Max-Planck-Gesellschaft erhalten haben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich finde, das ist ein toller Erfolg und auch ein Beleg dafür, dass wir in Deutschland ein wirklich exzellentes Wissenschaftssystem haben, dass wir in Grundlagenforschung Weltspitze sind und dass es hier eigentlich gar nichts zu verbessern gibt. Wir sind wirklich verdammt gut.

Aber – jetzt kommt das Aber –: Wir machen zu wenig daraus; diese Erkenntnis hatten wir, glaube ich, schon in der letzten Legislaturperiode. Deshalb haben wir die SPRIND gegründet, übrigens auch im Sprinttempo; das kann man sagen: 18 Monate nach Regierungsbildung ist die Gesellschaft schon in ihre Räume eingezogen. Die SPRIND hat den Auftrag, die Resultate dieser exzellenten Grundlagenforschung in Produkte, in Unternehmen, in die Wirklichkeit zu übertragen. Wir sind an dieser Stelle, glaube ich, weit gekommen. Die Idee entstand im Innovationsdialog der Bundeskanzlerin. Auch der Gründungsdirektor Rafael Laguna de la Vera hat viel für das gesamte Ökosystem und den Bereich Technologie getan und auch durch Kommunikation viel Gutes erreicht.

Beifallbei der CDU/CSU

Die SPRIND hat eine ganze Reihe von Modulen; von denen funktionieren auch einige ganz exzellent, wie wir finden. Die Challenges haben sich bewährt, Wettbewerb ist ein gutes System. Validierung ist eine wichtige Aufgabe, die gut funktioniert. Und was uns von Anfang an auch wichtig war: Wenn man in Innovationen investiert, dann wird nicht alles gelingen, Projekte werden scheitern, und die müssen früh scheitern. Deshalb haben wir im Vorfeld dieser Debatte auch gefragt: Was ist bei euch eigentlich gescheitert? Viele Grüße an den Rechnungshof: Das Scheitern gehört mit dazu. Erste Vorhaben sind auch gescheitert, und das ist richtig.

Beifallbei der CDU/CSU

Was uns aber heute in dieser Debatte fehlt, ist die Strategie. Was ist eigentlich die Strategie der SPRIND? Ich habe lange mit dem Direktor gesprochen und eine Idee davon bekommen, was seine Strategie ist, und die finde ich auch plausibel. Dazu findet sich aber nichts in dem hier heute vorliegenden Gesetzentwurf. Da müsste sie eigentlich rein; aber in § 1 Ihres Gesetzentwurfs steht einfach nur: Die SPRIND soll Sprunginnovationen erstens identifizieren, zweitens validieren und drittens fördern. – Das beinhaltet aber keine Vorgabe, was eigentlich das Ergebnis sein soll. Und darüber wünsche ich mir schon eine Diskussion. Das hat auch sehr viel damit zu tun, was die EFI, sozusagen die Innovationsweisen, Ihnen ins Stammbuch geschrieben haben. Denn das, was hier heute als SPRIND-Freiheitsgesetz verkündet wird, ist ja eher ein Teilfreiheitsgesetz, wenn man mal ganz ehrlich ist.

Beifallbei der CDU/CSU

Das betrifft die Fachaufsicht, aber zum Beispiel auch lange Genehmigungsverfahren von bis zu drei Monaten bei Beteiligungen des BMF. Ich glaube, wenn man Ziele vorgibt und das messbar macht, dann kann man auf all diese Mechanismen verzichten und der Agentur und auch dem Aufsichtsrat mehr Freiheit geben und auf die Fachaufsicht an dieser Stelle verzichten.

Beifallbei der CDU/CSU

Das gilt auch für das Thema Besserstellung; das ist auch noch nicht bis zum Ende durchdekliniert, gerade wenn es um die Tochtergesellschaften geht. Und es geht auch um den Bereich Selbstbewirtschaftung. Wenn die SPRIND in Gesellschaften investiert, die dann erfolgreich sind, muss man auch nachinvestieren, auch damit die eigenen Anteile nicht verwässert werden. Und dafür reichen die 30 Prozent der Mittel, die übertragen werden können, am Ende nicht aus.

Und wir würden uns für die weitere Debatte im Ausschuss auch wünschen, einen Einblick in die Evaluierung zu bekommen, die schon seit August läuft. Das ist ein langes Verfahren von August 2023 bis Dezember nächsten Jahres. Mir wurde das folgendermaßen beschrieben: Es soll in dem alten System und in dem neuen System evaluiert werden. Ich glaube, es wäre aber wichtig, Evaluationszwischenergebnisse zu bekommen, um besser zu beurteilen, was wir noch verändern müssen.

Beifallbei der CDU/CSU

Am Ende möchte ich darauf hinweisen, dass es wichtig ist, dass es auch eine Exit-Strategie für all das gibt, das entwickelt wird. Denn irgendwann müssen diese Dinge auf den Markt kommen, irgendwann muss es auch private Anteilseigner geben, private Investoren, die diese Dinge groß machen. Das wird der Staat nicht leisten können. Deshalb ist es auch wichtig, dass wir uns darüber verständigen, wie die Teams strukturiert und qualifiziert werden und wie am Ende die Ausgründung über die SPRIND hinaus funktioniert. Dazu gehören IP-Strukturen, Captables. Da haben wir, glaube ich, noch eine Menge zu tun. Das fehlt mir in diesem Verfahren.

Ich finde die Initiative gut. Hier ist aber noch Luft für Verbesserungen. Und in diesem Sinne freuen wir uns auf die gemeinsame Beratung im Ausschuss.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Holger Mann
Foto: Holger Mann/ Photothek Media Lab
5 Vermerkeca. 602 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich freue mich wirklich, dass wir heute endlich das SPRIND-Freiheitsgesetz der Bundesregierung diskutieren können. Und weil die Assoziation manchmal in die falsche Richtung führt, will ich noch mal kurz sagen, wofür SPRIND steht, nämlich für die Agentur für Sprunginnovationen, also für einen in Deutschland relativ neuen Ansatz, um hochinnovative wie auch – das muss man sagen – hochriskante Innovationen zu identifizieren, zu fördern und auch in den Transfer zu bringen. Kurz: Disruption in Gesellschaft und Wirtschaft zum Durchbruch zu verhelfen, also kleine Revolutionen zu erzeugen.

Herr Jarzombek, Sie haben gerade gesagt, es sei nicht ganz klar, wohin die SPRIND will. Das mag vielleicht für das derzeitige Gesetz noch gelten; aber was ihr Auftrag ist, haben wir in der Bundesregierung schon 2018 in einem Eckpunktepapier formuliert, nämlich

„… aus einem Guss und mit signifikanten finanziellen Mitteln aus einer konsequenten Anwendungssperspektive heraus hochinnovative Ideen zu neuen Produkten und Dienstleistungen mit marktveränderndem Potential zu entwickeln …“

Das sind die Texte von Anja Karliczek! Nur für das Protokoll!

Und ja, das finde ich richtig. Es ist ja nicht uninteressant, was dort mal geschrieben wurde.

Man muss aber sagen: Das prioritäre Ziel der Agentur ist – schon allein, weil sie langfristig arbeiten muss – die Identifikation und Förderung von Forschungsideen mit Sprunginnovationspotenzial, um konkret daraus dann eben neue Innovationen und Problemlösungen generieren zu können.

Das sei auch mal gesagt: Gemessen daran ist die SPRIND nach nicht einmal drei Jahren bereits sehr erfolgreich. Um ein paar Zahlen zu nennen: Über 1 300 Einreichungen wurden inzwischen bewertet, über 100 validiert. In zahlreichen Challenges wurden Kandidierende für Ausgründungen ausgewählt und gefördert, und inzwischen sind über 14 Töchter ausgegründet.

Um Ihnen einmal eine Vorstellung zu geben, wie breit die Reichweite ist: Darunter sind Start-ups für die nächste Generation von Höhenwindrädern mit mehr Leistung und besserer Nutzung der Flächen oder Materialien auf Nanobasis als Basis für antivirale Wirkstoffe, die nächste Generation von Bio-Chips, Wirkstoffentwicklung gegen Alzheimer oder ein Holodeck. Das ist alles schon weit mehr als Science-Fiction und nicht nur faszinierend, sondern ein ganzes Stück Zukunft.

Beifallbei der SPD

Die Ampelkoalition hat sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen weiter zu verbessern, und das haben wir schon getan. Die SPRIND bewegt inzwischen ein Jahresbudget von 200 Millionen Euro und kann jetzt schon recht flexibel investieren. Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf wird es der SPRIND möglich sein, sich auch an Unternehmen zu beteiligen. Es wird ihr möglich sein, viel freier zu agieren. Wir nehmen auch ein ganzes Stück von der Aufsicht durch derzeit drei Ministerien weg, und wir haben schon Vorsorge dafür getroffen, dass auch alle Erlöse der SPRIND oder zumindest 50 Prozent davon wieder in Sprunginnovationen fließen, weil wir eine Art revolvierenden Fonds aufgesetzt haben.

Beifallbei der SPD

Ich glaube, das kann sich schon sehen lassen.

Aber dennoch: Auch ich bin der Meinung: Im Gesetz fehlt noch ein bisschen was. Da waren noch zwei Aufträge. Der eine besagt: Aus den Ideen sollen wirklich Produkte, Prozesse und Dienstleistungen entstehen, mit denen neue Geschäftsfelder nicht zuletzt für die deutsche Wirtschaft generiert werden.

Das Zweite sei auch gesagt: Die Wertschöpfung muss dann auch hier entstehen, zumindest im europäischen Raum. Ich glaube, da können wir den Gesetzentwurf in der Beratung noch durch den einen oder anderen Gedanken ergänzen.

Gesagt sei aber auch: Wir haben hier ein tolles Instrument und ein tolles Team, das nicht nur dort in Leipzig arbeitet, das für Erfindungen brennt, das innovative Ideen identifiziert und das jetzt schon in einer rasenden Geschwindigkeit diesen Ideen mit großem Potenzial zum Durchbruch verhilft. Deswegen hoffe ich auf eine breite Unterstützung für dieses Projekt zur Flexibilisierung der Rahmenbedingungen der Bundesagentur für Sprunginnovationen. Ich bin überzeugt: Diese wird mit diesem Gesetz noch erfolgreicher sein.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der AfD
8 Vermerkeca. 493 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich schicke vorweg: Es ist gut, dass es die Agentur für Sprunginnovationen gibt. Die Liste der aktuell geförderten Projekte deutet darauf hin, dass die SPRIND ihrer Aufgabe gerecht wird, auch wenn das ganz große Ding bisher noch nicht erkennbar ist.

Doch einmal mehr wird eine gute Idee von Ihnen nur halbherzig und alles andere als optimal umgesetzt. Es beginnt damit, dass Sie die notwendige Evaluation der SPRIND erst jetzt in Auftrag gegeben haben. Der Evaluationszeitraum soll mit dem Juli 2023 beginnen. Mit dem SPRIND-Freiheitsgesetz werden jedoch die Rahmenbedingungen wesentlich verändert, und ein Vorher-Nachher-Vergleich, an dem auch die Wirkung des SPRIND-Freiheitsgesetzes überprüft werden könnte, wird nicht möglich sein. Abgesehen davon wäre eine deutlich frühere Evaluation der SPRIND auch deshalb sinnvoll gewesen, damit die daraus gewonnenen Erkenntnisse direkt in das SPRIND-Freiheitsgesetz hätten einfließen können,

Beifallbei der AfD

Tun sie doch!

eine Kritik, die im Übrigen auch vom Bundesrechnungshof geteilt wird.

Nun werden mit dem SPRIND-Freiheitsgesetz einige wesentliche Hemmnisse für die SPRIND angegangen. Doch leider greift das, was Sie hier vorlegen, zu kurz. Nach wie vor müssen Projekte mit drei Ministerien und bis zu sechs Referaten abgestimmt werden, nach wie vor müssen Innovatoren und Start-ups einen erheblichen Teil der Kontrolle über ihr Projekt abgeben – das ist übrigens einer der Hauptgründe, warum viele Start-ups lieber auf eine Zusammenarbeit mit SPRIND verzichten –, und dann gibt es die unsinnige Regelung, dass Erträge der SPRIND und ihrer Tochtergesellschaften zuerst dem Bundeshaushalt zugeführt und anschließend nur zur Hälfte wieder an die SPRIND ausgegeben werden. Hinzu kommt der Vorbehalt „im Rahmen der Haushaltsmittel“. Das heißt, bei schwieriger Haushaltslage können wohl auch diese 50 Prozent gestrichen werden. Was soll das?

Da die SPRIND und ihre Tochtergesellschaften als privatwirtschaftliche Unternehmen organisiert sind, profitiert der Staat von Gewinnen bereits über die Unternehmensteuern. Ich erkenne hier zwar die Absicht, keinen zweiten Fall BioNTech entstehen zu lassen, bei dem die öffentliche Hand Hunderte Millionen investierte, die exorbitanten Gewinne aber allein dem Unternehmen zugutekamen. Aber hier fallen Sie nun auf der anderen Seite vom Pferd; denn die meisten jungen Unternehmen benötigen ihre Gewinne dringend, um sich zu stabilisieren und weiteres Wachstum zu generieren.

Beifallbei der AfD

Belassen Sie also Gewinne zumindest unterhalb einer noch zu definierenden Grenze in den Unternehmen, stärken Sie damit die SPRIND und machen Sie die Zusammenarbeit für Gründer attraktiver!

Ein Punkt, der mir wichtig ist: Ich vermisse bei der SPRIND eine wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit. Wir müssen doch bei den Menschen Begeisterung für Forschung, Innovation und technologischen Fortschritt entfachen.

Zurufder Abg. Dr. Anna Christmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Leuchtturmprojekte der SPRIND gehören in die breite Öffentlichkeit.

Beifallbei der AfD

Derzeit erlebe ich, dass sogar viele meiner Kollegen noch nie von SPRIND gehört haben.

Das glaube ich!

Im Policy Brief der Expertenkommission Forschung und Innovation mit dem Titel „Konsequente Entfesselung der SPRIND“ sind viele dieser Kritikpunkte aufgeführt. Nehmen Sie das Papier zum Anlass, beim SPRIND-Freiheitsgesetz so nachzubessern, dass dieses spannende Instrument der Innovations- und Forschungsförderung sein volles Potenzial entfalten kann.

Beifallbei der AfD

Deutschland braucht dringender denn je eine Entfesselung der Forschung auf allen Ebenen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Franziska Brantner
Foto: Dr. Franziska Brantner/ Florian Reichelt
Franziska BrantnerGrüne· Parl. Staatssekretärin BMWK· MdB
4 Vermerkeca. 521 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sprunginnovationen teilen die Welt in ein Heute und in ein Morgen. Und die Frage ist: Wie häufig gelingen solche Sprunginnovationen? In Deutschland – Frau Stark-Watzinger hat es erwähnt – gelang es bei Covid mit dem Impfstoff.

Die Sprunginnovationsagentur ist dafür da, dass wir mehr solcher Innovationen bekommen. Es ist die Aufgabe der SPRIND, mehr bahnbrechende Forschungs- und Entwicklungsförderung zu ermöglichen. Wichtig dabei ist – Herr Jarzombek hat es vorhin angesprochen –, auch immer die Markteinführung mitzudenken, damit man durch dieses sogenannte „Tal des Todes“ dann auch durchkommt und die Idee nicht irgendwann stirbt und nie den Markt erreicht. Ziel ist von Anfang an auch die Markteinführung.

Dieses Ziel wurde schon damals richtig gesetzt; nur waren die Werkzeuge, die man damals, die man 2019 der SPRIND an die Hand gegeben hat, eben nicht gut genug. Deswegen ist es richtig, dass wir jetzt der SPRIND bessere Instrumente geben: Förderung von Beteiligungsmöglichkeiten an Unternehmensgründungen; wir sorgen dafür, dass wir da schneller werden, dass wir das Ganze verschlanken, die Bewirtschaftung der Haushaltsmittel erleichtern; wir wollen die Attraktivität für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigern, auch für die Unternehmen mit einer Beteiligung, damit eben auch diese gute, hochspezialisierte Fachkräfte gewinnen können.

Und an der Stelle möchte ich sagen: Auch heute schon arbeiten dort tolle Menschen, die das mit vorangebracht haben und täglich dafür kämpfen, noch besser zu werden. Und an allererster Stelle geht der Dank an Rafael Laguna für das, was er da aufgebaut hat.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der CDU/CSU, der FDP und der LINKEN

Deswegen ist unser Ziel, mit diesem Gesetz die Potenziale, die in diesem Land stecken, die Potenziale, die in den Köpfen der Wissenschaftler stecken, die wir in diesem Land haben, wirklich hier voll mit einzubinden, um am Ende Projekte, Produkte voranzubringen.

Und ja, dazu gehört, dass man scheitern kann. Es ist in Deutschland nicht so besonders verankert, aber für Sprunginnovationen essenziell, dass eine Idee, die wir hier vielleicht alle verrückt finden, von der wir alle sagen: „Das ist ja mal total crazy“, trotzdem die Möglichkeit bekommt, vielleicht zu funktionieren, dass sie finanziert wird. Das ist dann vielleicht das, was in zehn Jahren den großen Unterschied macht. Diese Freiheiten müssen wir der SPRIND jetzt ermöglichen, damit wir in 10 oder in 15 Jahren, vielleicht aber auch schon in 5 Jahren noch wesentlich weiter gehende Sprunginnovationen haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wir möchten möglich machen, dass die SPRIND sich noch stärker darauf konzentrieren kann, welche großen Technologien wir in 10, in 15, in 20 oder in 30 Jahren brauchen. Da ist es wichtig, zu fragen: Welche Technologien brauchen wir dafür heute?

Ich nenne als Beispiel die Lasertechnologie. Bei der Fusionstechnologie wissen wir, dass wir in einem Bereich noch wesentlich bessere Laser brauchen; dort passiert sehr viel – wer weiß, was mit diesen neuen Lasertechnologien, die mitgefördert werden, noch alles an tollen Innovationen in anderen Bereichen vorankommen könnte –; aber wir wissen heute: Wir brauchen bessere Lasertechnologie. Das heißt, wir müssen heute in solchen Bereichen vorangehen, um den Weg für das zu bereiten, was wir dann in den nächsten Jahrzehnten brauchen und wollen. Hier können wir uns noch etwas von der DARPA abschauen; vielleicht kriegen wir das hin. Ich freue mich auf die Beratungen.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der LINKEN
6 Vermerkeca. 359 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! SPRIND-Freiheitsgesetz, also echt. Manchmal stehe ich zu Hause und denke: Junge, Junge, eine Nummer kleiner geht’s wohl nicht!

Beifallbei der LINKEN

Es geht hier ja nicht darum, dass Grund- und Freiheitsrechte von Menschen oder unserer Gesellschaft ausgestaltet werden.

Wissenschaftsfreiheit!

Im Kern geht es darum – das ist ja schon von den Kollegen angedeutet worden –, dass sich die SPRIND als relativ neue Bundesagentur nicht an die Regeln halten soll, die für andere, beispielsweise nachgelagerte Behörden des Bundes gelten. Dabei hat sie Hunderte Millionen Euro an Steuergeldern zur Verfügung für sogenannte disruptive Erfindungen und Entwicklungen, also für neue Produkte oder Dienstleistungen, die bestehende Strukturen oder ganze Märkte radikal verändern, beispielsweise 3-D-Druck oder künstliche Intelligenz. Und bei manchen denke ich: Das ist ihre letzte Chance.

Beifallbei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Gerade zu disruptiven Erfindungen gehört, dass sie eben auch scheitern können – und damit die Investitionen verloren sind.

Damit wächst hier die Verantwortung des Bundestages als Haushaltsgesetzgeber oder -gesetzgeberin, wie immer man das möchte. Auf jeden Fall gilt: Wir beschließen die großen Summen. Dann fragt man sich eben schon in dieser Verantwortung: Rechtfertigt das Ziel, Innovationen dieses Ausmaßes zu erreichen, dass der Staat ein solches Risiko für Start-ups oder innovative Mittelständler übernimmt? Es sind ja schließlich Steuergelder. Steuergelder werden Wagniskapital. Das müssen wir uns klarmachen. Die Bundesregierung hat diese Fragen bereits bei der Gründung der Agentur gesehen, aber nicht wirklich gelöst.

Die SPRIND-Agentur will schnell entscheiden – das können wir alle hier nachvollziehen –, damit die Entwicklungen unverzüglich auf dem Markt platziert werden. Dazu werden laufend neue Unternehmen gegründet, sogenannte Tochtergesellschaften. Eine öffentlich finanzierte Einrichtung tritt also als Risikoinvestor auf. Das beißt sich natürlich mit den Strukturen und der Arbeitsweise von Ministerien. Daher nun der Versuch mit diesem sogenannten Freiheitsgesetz, beide Welten nicht etwa zusammen-, sondern auseinanderzubringen.

Der Bund hat eine ganze Reihe von Agenturen geschaffen. Das haben wir oft kritisiert; denn damit wurden eben auch das Parlament und die demokratische Aufsicht aus diesem Parlament geschwächt.

Genau! Richtig!

Nun hören wir plötzlich Loblieder auf den Staat als Risikoinvestor. Also, meine Damen und Herren: Über diese Fragen haben wir ruhig zu befinden. Insofern sehe ich der Anhörung und der Ausschussberatung mit besonderem Interesse entgegen.

Danke schön.

Beifallbei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
3 Vermerkeca. 291 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das SPRIND-Freiheitsgesetz trägt einen großen Namen. Es geht wirklich darum, im Bereich Innovationen der schon erfolgreichen SPRIND mehr Möglichkeiten zu geben, weil die letzten Jahre gezeigt haben: Die Vorstellungen, die man bei dieser wirklich guten Idee hatte, konnten nicht so umgesetzt werden wie erhofft, weil ihr eben dieser Ballast, dieses Blei an die Füße geklebt wurde. Dieses Blei gilt es jetzt zu beseitigen. Wenn wir schon bei Sportanalogien sind, würde ich sagen: Es braucht Spikes, damit die SPRIND schneller und letztendlich effizienter laufen kann.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es ist in dieser Debatte heute aber auch erkennbar geworden, dass es hier um Steuergelder geht. Und ja, mit Steuergeldern muss ordentlich gewirtschaftet werden. Aber wir müssen uns bewusst sein, dass wir uns bei diesen Innovationen in einem anderen Umfeld befinden als bei sonstigen staatlichen Aufgaben. Es ist nämlich nicht so, dass der Staat hier jetzt als der Entscheider auftritt, der sagt: „Dieses oder jenes Projekt wird genehmigt“, sondern wir haben mit der SPRIND eine Organisation, die letztendlich entscheidet, Experten, die diese Projekte aussuchen, einen Aufsichtsrat, der eine Fachaufsicht hat, und in der aktuellen Version auch eine Fach- und Rechtsaufsicht durch das Ministerium. Also in der ersten Reihe stehen die Experten, die sich mit Innovationen auseinandersetzen, und in der Reihe dahinter steht der Staat. Sprich: Der Staat tritt hier eben nicht als der Entscheider auf, sondern ist derjenige, der im Notfall Back-up-mäßig kontrolliert.

Und dann gibt es noch die Möglichkeit, die wir nicht vergessen dürfen. Die SPRIND ist auf zehn Jahre ausgelegt. Das heißt: Wir brauchen eine Evaluierung, um dort dann weiterzumachen, und – und da bin ich beim Kollegen Jarzombek – es muss auch Exit-Options geben. Auch das sollten wir uns natürlich vorab überlegen.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Stephan Albani
Foto: Deutschen Bundestag/ Stella von Saldern
8 Vermerkeca. 637 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Ja, wir reden heute über die SPRIND. Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass sie vor dem Hintergrund, dass Wissenschaft und Innovation letzten Endes das sein werden, was uns aus vielen Problemen heraushelfen wird, eine ganz entscheidende Rolle spielt; denn – das wissen wir – Schrittinnovationen haben wir reichlich.

Um zu beantworten, woher das kommt, müssen wir uns mal an die eigene Nase fassen. Es liegt daran, was eben gerade auch schon von der Kollegin Sitte gesagt wurde, nämlich an der Kontrolle der Wissenschaft. Man hat sich ja nicht für die SPRIND einen besonderen Ballast ausgedacht, sondern das Blei, was an den Füßen der SPRIND klebt, ist das Blei, das wir in unserem gesamten Wissenschaftssystem verteilt haben, was es wie den großen Gulliver mit kleinen Seilen an den Boden fesselt und damit die Bewegungsfreiheit deutlich einschränkt. Es ist am Ende der Ausdruck von Sorge, dass das Geld nicht richtig eingesetzt werden könnte. Nur, die Experten sitzen halt nicht im Haushaltsausschuss, sondern die Experten für diese Frage sitzen in der Wissenschaft. Da gehören sie hin, und da sollten sie entscheiden.

Beifallbei der CDU/CSU

Insofern hat die Expertenkommission Forschung und Innovation in ihrem Policy Brief 2-2023 deutlich gemacht, dass SPRIND trotz ihrer Errungenschaften weit davon entfernt ist, ihr volles Potenzial ausschöpfen zu können. Warum? Weil wir es zulassen, dass enge Vorschriften und Kontrollmechanismen die Agilität und Innovationskraft von SPRIND erheblich einschränken. Es ist nicht hinnehmbar, dass aussichtsreiche Projekte aufgrund von administrativen und juristischen Restriktionen verloren gehen. Es ist nicht hinnehmbar, dass wir in Zeiten, in denen agile Forschungs- und Entwicklungspolitik mehr denn je gefragt ist, an veralteten Strukturen festhalten.

Beifallbei der CDU/CSU

Insofern begrüßen wir, dass es ein SPRIND-Freiheitsgesetz geben soll. Aber, wie der Kollege Jarzombek gerade schon so schön gesagt hat, Freiheit ist am Ende nicht teilbar, und ein Teilfreiheitsgesetz ist ein gewisses Problem. Dieses sollten wir uns in den Beratungen noch einmal ganz genau vornehmen.

Beifallbei der CDU/CSU

Stimmt ihr zu oder nicht?

Denn es muss am Ende nicht nur in diesem Bereich ein Schritt sein, sondern auch wir sollten springen können. So müssen wir die Fachaufsicht vereinfachen, die finanzielle Flexibilität sichern, Genehmigungsfristen verkürzen und das Besserstellungsverbot aufheben und es nicht nur durch ein verkomplizierendes Ausnahmeverfahrenssystem ersetzen. Das wird es an dieser Stelle nicht bringen. Da müssen wir springen.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Herausforderungen und Hürden der SPRIND sind unter anderem, dass sie ihre Projekte permanent mit mindestens sechs Referaten abstimmen muss. Sie ist durch komplexe Finanzierungsmechanismen gebunden, was zu Verzögerungen führt. SPRIND hat die Notwendigkeit, Projekte in Tochtergesellschaften auszugliedern, um Bundesmittel zu erhalten. Und SPRIND leidet unter der Bindung an das Haushaltsrecht und andere rechtliche Vorgaben. Damit kannst du nicht springen, damit kannst du nur stolpern.

Meine Damen und Herren, es ist an der Zeit, dieses Problem zu lösen, und das tun wir. Das soll jetzt getan werden. Wir als Opposition werden diesen Prozess konstruktiv begleiten. Aber er muss dann auch mutig sein – da stimmen wir alle überein –, weil die Idee der SPRIND Mut zur Grundlage hat. Mut braucht Vertrauen und eben nicht doch wieder Kontrolle in zweiter Instanz.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Dann macht doch einen eigenen Vorschlag!

Darüber hinaus müssen die Strategie der SPRIND und auch die Ziele politisch geklärt und definiert sein, ebenso die Themen und die Fragen, wie die Teams aufgebaut werden, wie sie zum Entrepreneurship befähigt werden – Stichwort „Cap Table“ –, wie die IP der Gesellschaften strukturiert werden usw. Dies alles haben wir in sehr positiven persönlichen Gesprächen mit Herrn Laguna de la Vera erläutert bekommen, aus unserer Sicht auch sehr stichhaltig. Aber es muss am Ende auch transparent sein – nicht wegen der Kontrolle, sondern im Sinne der Spielregeln –, sodass es eine Grundlage darstellt, die für alle kenntlich gemacht wird.

Insofern freuen wir uns auf ein SPRIND-Befreiungsgesetz. Wir freuen uns auf einen Sprung und nicht nur auf ein Sprünglein. Hier bitte mal wieder einen Wumms und kein Wümmschen. Ich würde mich freuen.

„Mal wieder“!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Maja Wallstein
Foto: Maja Wallstein/ Susie Knoll
2 Vermerkeca. 564 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Besucherinnen und Besucher, schön, dass Sie da sind! Wir reden hier heute über ein politisches Experiment! Die Bundesregierung ist mit der Gründung der Bundesagentur für Sprunginnovationen nämlich ein Risiko eingegangen.

Wenn man „Bundesagentur“ hört, dann klingt das zunächst einmal nicht so richtig nach Risiko und großen Visionen. Beides braucht es aber, um möglichen Sprunginnovationen zum Durchbruch zu verhelfen. Und es gab diesen Durchbruch, diese Art von Innovation schon häufiger, die unsere Art zu leben radikal verändert hat: Buchdruck, Dampfmaschine, MP3, Verbrennungsmotor, mRNA.

Zurufdes Abg. Alexander Föhr [CDU/CSU]

So was brauchen wir für Deutschland und Europa, und so wurde die Agentur für Sprunginnovationen 2019 von der Großen Koalition gegründet. Aber wir haben gemerkt: Die SPRIND kann noch nicht ihr volles Potenzial nutzen. Deswegen wollen wir ihr noch mehr Freiheiten geben. Sie soll kein großer, behäbiger Tanker sein, sondern sich kontinuierlich weiterentwickeln und wendig bleiben. Bisher gab es dafür keine gesetzliche Basis; die schaffen wir jetzt.

Für uns war wichtig – mit Blick auf uns alle, die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler –, zu ermöglichen, dass 50 Prozent der Einnahmen der SPRIND zum Beispiel durch die Veräußerung einer Tochtergesellschaft wieder zurück in die SPRIND fließen.

Aber braucht es eigentlich den Staat mit Fördermitteln, um diese Innovationen zu fördern? Kann das nicht auch der Markt? Ab und an machen das ja auch der Markt oder die Industrie, aber oftmals erkennen wir eben auch ein Marktversagen, weil die Industrie sagt: Nö, ich sehe nicht, dass es im aktuellen Umfeld eine Nachfrage gibt. Ich denke nicht, dass es sich für mich lohnt. – Es ist aber oft so, dass Innovationsideen Vertrauen und Unterstützung brauchen und jemanden, der ins Risiko geht; denn sonst gehen die Ideen verschütt.

Horst Bendix ist ein Beispiel dafür. Er war Ingenieur und hat mit seinen 90 Jahren in seiner Freizeit Pläne ausgearbeitet für das größte Windrad der Welt, bei dem die Nabenhöhe 300 Meter beträgt. Dadurch hat man mehr und konstanteren Wind, höhere Windgeschwindigkeiten und kann eine Grundlastfähigkeit erreichen. Grundlastfähig sind sonst nur Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke, weil die nicht von Sonne und Wind abhängig sind. Aber man kann Windräder ja nicht unendlich hoch bauen, wenn dort so krasse Kräfte wirken. Deshalb hat Horst Bendix die energiegenerierende Einheit von der Spitze auf den Boden verlegt.

In Schipkau, im Wahlkreis meines hochgeschätzten Lausitzer Bundestagskollegen Hannes Walter, steht jetzt also der Windmessturm. Der ist im Ganzen etwa so hoch wie der Berliner Fernsehturm. Die Kugel vom Fernsehturm geht übrigens auch auf das Konto von Horst Bendix. Dieser Windmessturm in der Lausitz soll beweisen, dass man die Erträge bei der Stromerzeugung verdoppeln kann. Wenn wir viele solcher hohen Windräder betreiben können, dann brauchen wir in der Summe weniger Windräder für gleiche Energie. Man könnte in Deutschland in den bestehenden Windparks weitere 4 000 hohe Windräder bauen, quasi als zweite Etage. Das würde einen riesengroßen Sprung für die Gewinnung erneuerbarer Energien bedeuten.

Solche Innovationen, solche Sprünge fördert die SPRIND. Es geht also nicht nur um die großen Institutionen, die großen Namen, sondern tatsächlich richtet sie sich an die Erfinderinnen und Erfinder aus der Garage in der Nachbarschaft. Wenn Sie also bei sich zu Hause gerade an etwas Spektakulärem rumbasteln oder darüber nachdenken, dann wenden Sie sich gern an die SPRIND. Horst Bendix ist übrigens im Alter von 93 Jahren in diesem Sommer gestorben. Aber die Windmesstation steht jetzt in der Lausitz und macht diese noch mehr zur „Wowsitz“.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
5 Vermerkeca. 464 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Offensichtlich lassen sich Innovationen nicht nach den Regeln des öffentlichen Dienstes organisieren. Innovationen brauchen Freiraum. Diesen bietet die SPRIND. Dafür braucht die SPRIND selbst Freiraum, und den bieten wir ihr jetzt mit dem SPRIND-Freiheitsgesetz. Das ist ein wichtiger Meilenstein, auch schon die Kabinettsversion; denn hier setzen wir das um, was die SPRIND schon seit Jahren fordert. Diese Freiheit geben wir ihr jetzt.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Es ist klar: Innovationen brauchen Schnelligkeit und Flexibilität. Die gibt es im Moment noch nicht ausreichend. Im Moment muss die SPRIND zum Beispiel für jede dieser tollen Erfindungen eine Tochtergesellschaft als Forschungsgesellschaft gründen. Dort braucht man erst mal eine hohe Expertise, unter welchen Bedingungen die Leute dort angestellt und bezahlt werden dürfen und wie man agieren darf. Es entsteht eben kein agiles Unternehmen, das am Ende eine Innovation auch vermarkten kann.

Das ändern wir. Künftig wird die SPRIND verschiedene Möglichkeiten der Gründung, der Investition in andere Unternehmen haben und damit die Flexibilität bekommen, die sie braucht, um wirklich Sprunginnovationen zu unterstützen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Ich freue mich auch über die breite Unterstützung hier aus dem Haus. Ich bin über ein paar Ideen etwas verwundert, zum Beispiel wenn man sagt, man wolle im Gesetz auch noch Details über die Strategie der SPRIND regeln. Ich glaube, das ist nicht der richtige Ort.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und des Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Aber in der Begründung!

Denn es ist ja gerade wichtig, dass wir Rahmenbedingungen setzen und die SPRIND selbst ihre Strategie gemeinsam mit den Expertinnen und Experten, die dort vorhanden sind, findet.

Jetzt ist es wichtig, dass wir den parlamentarischen Prozess starten und die Praxistauglichkeit des Gesetzentwurfes noch mal anschauen. Am Ende muss das Ziel sein, dass das, was wir auf Papier aufgeschrieben haben, von der SPRIND auch angewendet werden kann. Da sind gute Sachen dabei, zum Beispiel dass ein Teil der Mittel jetzt auch übertragen werden kann, weil sich nicht genau planen lässt, wann ein Mittelabfluss für einen innovativen Prozess notwendig ist, und dass auch ein Teil der Gewinne wieder an die SPRIND zurückfließt.

Beim Besserstellungsverbot und der Schnelligkeit von Entscheidungen über Investitionen können wir aber, glaube ich, noch ein bisschen besser werden. Denn am Ende hilft es nichts, wenn die SPRIND theoretisch in Unternehmen investieren kann, es dann aber Monate dauert, bis eine Genehmigung da ist; dann ist diese Investitionsmöglichkeit vielleicht weg. Deswegen sind schnelle Entscheidungen wichtig. Da werden wir noch mal draufschauen, auch bezogen auf die guten Empfehlungen aus dem Bundesrat.

Ich glaube, wenn wir am Ende sagen: „Wir wollen mutige Erfinderinnen und Erfinder, mutige Gründerinnen und Gründer“, dann sollten wir als Regierung und Parlament auch mutig sein und sagen: Drei Ministerien in einem Aufsichtsrat sind eine gute Kontrolle; da braucht es vielleicht nicht zwingend auch noch eine zusätzliche Fachaufsicht. – In diesem Sinne freue ich mich auf gute Debatten im Parlament und eine gute Entscheidung für die SPRIND.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
3 Vermerkeca. 409 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In einem Land wie Deutschland, das nur begrenzt natürliche Ressourcen hat, waren wir schon immer auf den Erfindungsreichtum unserer Bewohnerinnen und Bewohner angewiesen. Es ist geradezu von überlebenswichtiger Bedeutung, dass wir das Feuer der Kreativität, der Neugier und des Erfindergeistes der Menschen in unserem Land stetig am Brennen halten.

Wer von Ihnen campt, grillt oder zu Hause noch einen Ofen hat, weiß: So ein Feuer, das bekommt einen ordentlichen Schub, wenn man so richtig pustet oder ihm mit einem Blasebalg einen kräftigen Windzug verpasst. Das SPRIND-Freiheitsgesetz ist ein solch kräftiger Windzug. Die SPRIND soll neue Formen der Innovationsförderung quasi als Reallabor testen, weil – und das sieht man an der Reaktion der Projektträger des BMBF mit ihrem Grundlagenpapier zum SPRIND-Freiheitsgesetz – mit diesem Gesetz offensichtlich Fragestellungen adressiert werden, denen wir mit den bisherigen Werkzeugen von gewöhnlichen Förderprogrammen des BMWK oder BMBF für projektorientierte Forschungsförderungen dieser Form nicht begegnen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, keine kleinteiligen Programme, schnelle Entscheidungen, lange Linien und konkurrierende Teams, meilensteinbasierte Evaluation – das mögen zunächst alles erst mal nur Schlagworte sein. Aber die Verinnerlichung dessen, was sie bedeuten, wird uns in die Lage versetzen, mit der SPRIND nicht nur neue Sprunginnovationen und ihre Akteure zu identifizieren und zu unterstützen, sondern auch vielfältige Instrumente zu entwickeln, die den Innovationsstandort Deutschland insgesamt nach vorne bringen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die SPRIND selbst adressiert auch eines der drängendsten Probleme, das unter anderem durch die Start-up-Strategie angesprochen wurde, nämlich die Organisation großer Finanzierungsrunden für erfolgreiche Start-ups in der Wachstumsphase. Oft sind Innovatoren in genau dieser so wichtigen Wachstumsphase in der Vergangenheit mehrfach ins Ausland abgewandert. Das Ziel muss sein, diese Firmen in Deutschland zu halten. Die SPRIND spielt dabei eine wichtige Rolle in unserem Werkzeugkasten.

Beifalldes Abg. Holger Mann [SPD]

Lassen Sie mich abschließend noch bemerken: Aus meiner Sicht ist das, was dieses Gesetz beinhaltet, eine Blaupause – eine Blaupause und ein Denkanstoß dafür, wie wir in Deutschland die Organisation und Durchführung von projektorientierter Innovationsförderung generell umgestalten, flexibilisieren, vereinfachen, fitter machen können. Man stelle sich vor, der Geist dieses Gesetzes würde auf andere Projektträger des BMBF, deren Budget das der SPRIND ja noch übersteigt, angewendet werden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin davon überzeugt, dass wir in Deutschland in diesem Bereich noch eine ganze Menge schlafendes Potenzial haben, das nur darauf wartet, abgerufen zu werden. Und ich würde mich deswegen auch freuen, wenn dieses Gesetz ein Auftakt ist zu mehr Mut und Reformwillen im Bereich der projektorientierten Forschungsförderung.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
9 Vermerkeca. 457 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Wir legen Ihnen heute zwei Anträge vor, die das Leben der Menschen in der Altersgrundsicherung und im Bürgergeld wirklich verbessern würden, zwei Vorschläge, die zudem mit extrem wenig Bürokratieaufwand verbunden sind.

Beifallbei der LINKEN

Der erste Antrag: Wir fordern einen besseren Inflationsausgleich. Ja, Sie haben mit dem Bürgergeld eine neue, aber auch sehr merkwürdige Berechnung der jährlichen Anpassung der Regelsätze verabschiedet. Ja, sie funktioniert besser als die alte. Sie reicht aber nicht, um den Kaufkraftverlust zeitnah auszugleichen.

Beifallbei der LINKEN

Und genau das ist doch das Entscheidende für die Menschen, die am Existenzminimum leben und die große Schwierigkeiten haben, sich den ganzen Monat über Wasser zu halten.

Für den DGB hat die Ökonomin Dr. Becker berechnet, wie massiv sich die Inflation bereits während des Jahres 2022 auswirkte. Bei arbeitslosen Alleinstehenden summierte sich der Verlust auf 475 Euro, bei einer vierköpfigen Familie auf knapp 1 600 Euro. Da fehlt am Ende des Jahres fast ein kompletter Monat Regelsatz im Geldbeutel.

Das geht nicht, und das kann nicht mal mit dem sparsamsten Verhalten aufgefangen werden.

Beifallbei der LINKEN

Wir schlagen vor: Am Ende eines Jahres wird der reale Kaufkraftverlust berechnet und durch eine Sonderzahlung an die Betroffenen ausgeglichen. Das geht schnell und einfach und soll ab einer Inflation von 5 Prozent gelten.

Beifallbei der LINKEN

Mit unserem zweiten Antrag wollen wir den Strom aus dem Regelsatz herausnehmen. Die Heizkosten werden schon heute verbrauchsgenau abgerechnet, die Stromkosten aber nicht. Das macht keinen Sinn. Und das liegt doch nur daran, dass Minister Heil Geld sparen will. Dabei wissen Sie doch, dass mit den lächerlichen 40 Euro, die im Regelsatz für Strom vorgesehen sind, kein Mensch zurechtkommt.

Auch Strom gehört zum Grundbedürfnis Wohnen.

Beifallbei der LINKEN

Ohne Strom gibt es kein gekochtes Essen, kein Warmwasser, keine Heizung. Es liegt auch nicht einfach an den Vorlieben der Leute, wie viel Strom sie verbrauchen, sondern oft daran, dass sie sich keine sparsamen neuen Elektrogeräte leisten können.

Die allermeisten Bürgergeldempfänger haben einen weit unterdurchschnittlichen Stromverbrauch. Trotzdem müssen sie jährlich mehr als 130 Euro drauflegen. Dieses Geld fehlt dann bei den Lebensmitteln, bei der Kleidung, bei allem. Dabei wäre die Lösung einfach: Nehmen Sie endlich den Strom aus dem Regelsatz!

Beifallbei der LINKEN

Übernehmen Sie die tatsächlichen Kosten, sofern der Verbrauch nicht unangemessen hoch ist! Das bedeutet wenig Verwaltungsaufwand; denn die Jobcenter machen das genauso bei den Heiz- und Nebenkosten. Die können das. Damit bekämen die Menschen genau das, was sie dringend brauchen: die Alleinerziehenden mit kleinen Kindern etwas mehr, weil die Waschmaschine permanent läuft, der Mieter im warm-möblierten Zimmer weniger, weil der Strom bereits in der Miete drin ist.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, unsere Vorschläge sind wahrlich nicht revolutionär; aber sie würden den Betroffenen das tägliche Leben etwas erleichtern. Warum kriegen Sie nicht mal das auf die Reihe? Hören Sie auf, sich vor der sozialen Frage wegzuducken!

Beifallbei der LINKEN
Porträt von Annika Klose
Foto: Annika Klose/ Anna Voelske
10 Vermerkeca. 697 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen aus den demokratischen Fraktionen! Werte Zuschauer/-innen! Was die Kolleginnen und Kollegen aus der Fraktion Die Linke und uns eint, ist, dass wir uns alle dafür einsetzen, dass die Menschen in diesem Land möglichst gut vor Armut abgesichert werden. Die gestiegenen Preise, insbesondere für Nahrungsmittel, aber auch für Energie, belasten die Geldbeutel stark.

Wenn ich aktuell durch einen Berliner Supermarkt laufe, muss auch ich ganz schön schlucken.

Zurufdes Abg. Kai Whittaker [CDU/CSU]

Ein Paket Butter kostet mehr als 2 Euro. 1 Liter Sonnenblumenöl schlägt sogar mit über 4 Euro zu Buche. Und der Preis für ein Paket Nudeln hat sich fast verdoppelt. Schon bei einem kleinen Einkauf kommen so schnell über 20 Euro an der Kasse zusammen. Vielen Menschen, die an der Kasse stehen, tut das weh, die Preise auf der Anzeige so in die Höhe schnellen zu sehen, nicht nur, weil sie Sorge haben, ob sie sich diesen Einkauf am Ende vielleicht doch gar nicht leisten können, sondern auch, weil sie immer die Frage im Hinterkopf haben: Kann ich nächste Woche überhaupt noch einkaufen?

Diese Sorgen und Nöte sind sehr real. Und ich möchte sagen: Wir sehen diese Sorgen und diese Nöte. Wir sehen sie, und wir nehmen sie sehr ernst. Der oft so schon belastende Alltag wird noch mühsamer, wenn jeder Einkauf doppelt überdacht und jeder Euro dreimal umgedreht werden muss. Das geht im Moment nicht nur denjenigen so, die auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen sind, sondern die gestiegenen Preise belasten weite Teile der Bevölkerung bis weit in die Mittelschicht hinein.

Die nötigen Anpassungen der Löhne und Gehälter lassen leider in vielen Fällen noch auf sich warten. Mit der Erhöhung des Mindestlohns um 22 Prozent im letzten Jahr sind wir dafür einen wichtigen Schritt vorangekommen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und mit der Midijobreform haben wir die Sozialversicherungsbeiträge auf kleine Einkommen bis 2 000 Euro abgesenkt.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Um kurzfristig Abhilfe zu schaffen, haben wir darüber hinaus mehrere milliardenschwere Entlastungsmaßnahmen auf den Weg gebracht. Das waren 300 Euro Energieeinmalzahlung für Erwerbstätige und Rentner/-innen und 200 Euro für Studierende und Bürgergeldempfänger/-innen, eine deutliche Ausweitung des Wohngeldes sowie der Kindersofortzuschlag.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Zudem wurde gemeinsam mit den Sozialpartnern die Möglichkeit eröffnet, steuerfreie Einmalzahlungen von bis zu 3 000 Euro als Inflationsausgleichsprämie zu vereinbaren.

Aber das alleine reicht nicht aus. Wir brauchen jetzt starke Tarifabschlüsse, damit die Löhne und Gehälter in diesem Land endlich angemessen steigen und man schlicht und ergreifend von seiner eigenen Arbeit auch gut leben kann.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]

Darüber hinaus ist natürlich auch an die Menschen zu denken, die keine Arbeit haben oder von dem Einkommen aus ihrer Arbeit nicht leben können, also Menschen, die auf Leistungen der Grundsicherung und Bürgergeld angewiesen sind.

Darauf beziehen sich die Anträge der Fraktion Die Linke. Sie fordern einerseits einen besseren Inflationsausgleich bei den Regelsätzen und andererseits, dass die Kosten für Strom als Kosten der Unterkunft zu zahlen sind. Bislang werden die Kosten für Strom ja über den Regelsatz abgedeckt.

Das ist ja das Problem! Das ist nicht abgedeckt!

Für beide Forderungen gibt es aus meiner Sicht auch gute Gründe.

Beifalldes Abg. Pascal Meiser [DIE LINKE]

Tatsächlich haben wir mit dem neuen Bürgergeld auch schon einen neuen Mechanismus eingeführt, durch den die Kosten für steigende Lebensmittelpreise schneller berücksichtigt werden als vorher. Dadurch kommt die Steigerung der Regelsätze zum 1. Januar 2024 um ganze 12 Prozent zustande. Für Alleinstehende steigt der Regelsatz damit von 502 auf 563 Euro und bildet damit die erheblichen Preissteigerungen in diesem Jahr ab.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich finde, das ist eine wirklich gute Neuregelung, um der hohen Inflation gerecht zu werden.

Bei den gestiegenen Stromkosten sind wir aber einen anderen Weg gegangen und haben mit der Strompreisbremse den Preisanstieg für alle Haushalte gedeckelt. Das bedeutet, dass der Preis für 80 Prozent des normalerweise verbrauchten Stromes automatisch auf 40 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt wird. Das gilt noch bis zum Ende dieses Jahres. Ohne diese Bremse wären die Preise deutlich höher gewesen, wodurch die Menschen mehr für den Strom hätten bezahlen müssen. Das heißt, wir haben bei den Strompreisen einen Weg gefunden, der allen Menschen geholfen hat und nicht nur den Menschen in der Grundsicherung.

Trotzdem, liebe Kolleginnen von der Linken, gebe ich Ihnen auch recht: Das Thema der Strompreise müssen wir eng im Blick behalten, und die Verschiebung der Stromkosten zu den Kosten der Unterkunft sollten wir weiter diskutieren.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der LINKEN
Porträt von Kai Whittaker
Foto: Kai Whittaker/ Steven Vangermain
19 Vermerkeca. 643 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Frau Klose, ich musste schon ganz schön schlucken, als Sie sich hierhingestellt haben und gesagt haben, Sie seien über die hohen Preise an der Kasse schockiert und müssten dort ganz schön schlucken.

Ja! Sie nicht? Denken Sie nicht an andere Menschen?

Das nennt man „Mitgefühl und Empathie“, dass man was für die Leute fühlt!

Sie verdienen als MdB 15 000 Euro. Sie gehören zu den Top-2-Prozent dieser Bevölkerung. Wir reden hier über Menschen, die am Existenzminimum sind, nicht über Sie. Das ist am Anfang gleich mal zu betonen.

Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich bin dankbar für die Anträge der Linken; denn selten konnte man in 30 Sekunden erklären, warum Anträge so am Thema vorbei sind. Und in der restlichen Zeit kann ich erklären, was am Bürgergeld zu ändern wäre.

Billig, Herr Whittaker! Billig!

Die Linke will mehr Geld für den Strom. Wenn man sich das anschaut, dann sieht man: Ein erwachsener arbeitsloser Mensch bekommt in Deutschland 502 Euro im Monat. Nächstes Jahr sind es sogar 563 Euro.

Davon sind circa 43 Euro für Strom vorgesehen. Ich habe heute noch mal bei den Vergleichsportalen – auch für meinen Wahlkreis – für eine erwachsene Person, alleinstehend, 1 500 Kilowattstunden Jahresverbrauch, nachgeschaut: Es gab sieben Angebote, davon fünf – das dürfte die Grünen freuen – sogar mit 100 Prozent Ökostrom. Und alle kosten um die 42 Euro im Monat. Ja, es ist knapp. Aber ja, es ist auch machbar, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Jens Teutrine [FDP]

Das ist unter der Voraussetzung, dass die Geräte auch neu sind!

Sie sprechen als Linke in der Tat ein wichtiges Thema an, nämlich die zu hohen Strompreise. Die müssen dringend runter, weil sie wegen der schlechten Politik dieser Ampelregierung außer Kontrolle geraten sind, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Hört! Hört!

Denn unter den Stromkosten leiden ja nicht nur die Bürgergeldempfänger, sondern auch die Gering- und Mittelverdiener in diesem Land.

Ach, jetzt können Sie plötzlich auch an andere Menschen denken?

Die müssen sich das Geld ja irgendwie absparen. Und wenn deren Situation sich nicht auch verbessert, dann gerät der soziale Frieden in diesem Land in Gefahr. Das kann auch Die Linke nicht wollen.

Beifallbei der CDU/CSU

Deshalb müssen wir ganz dringend die Preise senken. Das tun wir, indem Sie endlich die Stromsteuer reduzieren und endlich die Strommenge ausweiten. Deswegen hätten Sie unserem Antrag, die drei Atomkraftwerke weiterlaufen zu lassen, auch zustimmen müssen.

Beifallbei der CDU/CSU

Anstatt darüber zu reden, mehr Bürgergeld zu bezahlen, würde ich gerne mal darüber reden, wie wir die Menschen wieder in Arbeit bekommen. Die Ampel feiert sich ja für das Bürgergeld, weil sie erstens die Leistungen neben dem Geldbetrag massiv ausweitet,

Sie haben nichts zu feiern!

und zweitens haben Sie vollmundig versprochen, dass sie mehr Coaching machen, um die Menschen wieder in Arbeit zu bringen. Aber Sie können das Geld auch nur einmal ausgeben, und Sie haben sich bewusst dafür entschieden, mehr Geld für den monatlichen Unterhalt zu bezahlen. Gleichzeitig streichen Sie die Gelder für die Jobcenter, die die Menschen wieder in Arbeit bringen sollen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Jessica Tatti [DIE LINKE]

Sie drängen die Menschen in die soziale Abhängigkeit vom Staat, und Sie riskieren eine steigende Langzeitarbeitslosigkeit. Das sind Steine statt Brot für die Menschen in diesem Land

Beifallbei der CDU/CSU

Haben Sie denn zugestimmt oder nicht? Das haben Sie doch auch gut gefunden! Sie haben dem zugestimmt!

Ich fordere Sie deshalb auf, mindestens den Eingliederungstitel und den Verwaltungstitel im Haushalt nicht zu streichen.

16 Jahre hat Sie das nicht interessiert! Und jetzt plötzlich!

Hören Sie endlich damit auf, die Jobcenter zu verunsichern, indem Sie ständig mit neuen Ideen um die Ecke kommen, was Sie den Jobcentern an Aufgaben wegnehmen und der Bundesagentur zuschustern wollen!

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Sanieren Sie Ihren Bundeshaushalt nicht auf Kosten der Beitragszahler in diesem Land!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der LINKEN

Fangen Sie endlich an, dafür zu sorgen, dass jeder, der arbeiten kann, auch tatsächlich arbeitet!

Herr Whittaker, jetzt halten Sie mal den Ball flach!

Sie sollten in Zukunft nicht mehr die Minijobs bevorzugen, wenn es darum geht, dass Arbeitslose etwas hinzuverdienen, sondern Sie sollten reguläre Jobs fördern.

Ist doch schon so!

Es muss attraktiv sein, einem Vollzeitjob nachzugehen. – Frau Klose, Sie könnten auch mal anfangen, die Sozialabgaben zu reduzieren, statt immer zu erhöhen. Auch das würde für mehr Arbeit in diesem Land sorgen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sollen wir bei der Sozialversicherung kürzen oder bei den Renten?

Wenn wir sehen, dass durch das neue Bürgergeld weniger Termine in den Jobcentern wahrgenommen werden, dann muss das auch Konsequenzen haben.

Deshalb: Unser Ziel als Union ist klar: Wir wollen die Leute in Arbeit bringen, nicht Leute bezahlen, um sie vom Arbeiten abzuhalten.

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU
14 Vermerkeca. 609 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es gibt in diesem Land ein wachsendes Missverhältnis: eine steigende Nachfrage nach sozialen Leistungen und einen fehlenden politischen Willen zur Problemlösung. Ich meine damit, dass ganz offensichtlich bei den meisten Abgeordneten, die hier sitzen, das Bewusstsein fehlt, dass ein leistungsfähiger Sozialstaat nur dann besteht, wenn die Menschen in unserem Land als Grundlage einen entsprechenden Wohlstand erwirtschaften.

Beifallbei der AfD

Die Voraussetzung für größtmöglichen Wohlstand und damit auch die bestmögliche soziale Absicherung heißt: soziale Marktwirtschaft.

Beifallbei der AfD

Nur eine Marktwirtschaft, in der Menschen und Unternehmen freie Entscheidungen treffen können, erwirtschaftet genug Geld, um für einen sozialen Ausgleich sorgen zu können. Und weil das so ist, sind Leute, die sich als links verstehen – na ja – und fatalerweise auch noch so handeln, regelmäßig Feinde eines leistungsfähigen Sozialstaats.

Beifallbei der AfD

Sie sind Feinde sowohl aller Menschen, die selbstständig bestmöglich für ihren Lebensunterhalt sorgen, als auch derjenigen, die dazu eben leider nicht in der Lage sind. Denn gerade diese Bedürftigen trägt ein starker Sozialstaat. Das ist eine großartige Errungenschaft, um breiten Schichten die Furcht vor einem sozialen Absturz zu nehmen und sie gerade dadurch in Freiheit leben zu lassen.

Aber der Wohlstandsverlust greift immer mehr um sich, angetrieben durch grün-linke Politik. Das vorzeitige Zwischenergebnis sind hartnäckige Inflation und gestiegene Energiepreise. All das macht unser Volk immer ärmer und trifft vor allem Menschen mit wenig Einkommen und Sozialhilfeempfänger; die Kaufkraft schwindet.

Wie schaffte es die derzeitige Politik, ein starkes Land wie Deutschland sozial und wirtschaftlich so sehr nach unten zu ziehen? Nun, Inflation entsteht zum Beispiel immer dann, wenn mehr Nachfrage als Angebot besteht; das lässt die Preise steigen. Dazu kommt es auf der einen Seite, wenn immer weniger Menschen sinnvollen Tätigkeiten nachgehen, wie etwa Häuser zu bauen, Maschinen zu produzieren oder auch Essen für andere zuzubereiten, Tätigkeiten, für die Menschen gerne freiwillig gutes Geld bezahlen, und dazu kommt es auf der anderen Seite, wenn immer mehr Menschen sinnlosen Tätigkeiten nachgehen, die keiner freiwillig bezahlt, weil sie keinen Mehrwert schaffen,

In den Spiegel geguckt?

Tätigkeiten etwa wie Genderquatsch an Unis, Bastelspaß für Migranten

Oder Rechtsanwälte für Immobilien- und Baurecht!

oder Beratungsstellen für Roma-Familien oder Politbonzen, die hier heute Abend sitzen.

Das alles sind aktuelle Beispiele inländerfeindlicher Politik – leider keine Satire.

Beifallbei der AfD

Denn auch diese Menschen mit den eher sinnlosen Tätigkeiten schaffen Nachfrage; sie produzieren aber nichts von Wert.

Sie machen es ehrenamtlich, oder?

Sie konsumieren, und zwar auf fremde Kosten. Denn Gendertrullas kassieren regelmäßig ein Gehalt vom Staat und wollen natürlich mit dem Auto zum Genderkurs fahren. Und auch die Hunderttausenden Asylgewinnler in der Sozialindustrie kassieren jedes Jahr Milliarden vom Staat, schaffen aber keine Werte; sie schaffen nichts, sie verbrauchen nur. Das kostet Geld, Geld, das der Staat anderen Menschen wegnimmt.

Das alles führt zu Inflation,

Ihre Inflation – genauso wie Millionen fremder Menschen, die in unser Land kommen, Wohnungen haben wollen und die Mieten nach oben treiben, die sie selbst nicht bezahlen. All das ist sehr schädlich für unser Land.

Beifallbei der AfD

Wir reden mal über die Phillips-Kurve!

Der deutsche Sozialstaat wird bekanntlich an der Balkanroute und auf dem Mittelmeer verteidigt, und wer das bestreitet, macht breite Schichten der Deutschen und alle anderen Einheimischen bewusst und willentlich immer ärmer.

Was für ein grober Unfug!

Es ist im Grunde genommen sehr einfach: Offene Grenzen und Sozialstaat schließen sich aus.

Beifallbei der AfD

Gleichzeitig müssen wirklich Bedürftige unseres Volkes und die anderen Einheimischen vor Inflation, vor Ihnen geschützt werden. Das ist uns als soziale Partei ein Anliegen.

Lachenbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Für die Inflation ist Ihr Freund Putin zuständig!

Aber nicht so wie Sie, wie die Linken es fordern! Die einzigen Signale, die Sie senden, heißen: Arbeit lohnt sich nicht, Geld kommt vom Staat; Stromsparen lohnt sich nicht, Geld kommt vom Staat; noch mehr Bürokratie, Geld kommt vom Staat; kulturfremde Ersetzungsmigranten gerne willkommen, in Deutschland Eintritt frei, Geld kommt vom Staat!

Aber es geht darum, Wohlstand zu schaffen und die wirklich Bedürftigen teilhaben zu lassen. Daran arbeiten wir jeden Tag.

14 Vermerkeca. 633 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bei einigen Wortbeiträgen zum Bürgergeld hat man manchmal den Verdacht, dass Hubertus Heil und Christian Lindner sich zusammensetzen, den Inflationsausgleich auswürfeln

Zurufder Abg. Jessica Tatti [DIE LINKE]

– genau, die Linke stimmt schon zu – und ganz willkürlich sagen würden: So stark müsste das Bürgergeld erhöht werden. – Sie wissen es aber viel besser. Nämlich die Wahrheit ist, dass der Bundesfinanzminister und der Bundesarbeitsminister gar nicht entscheiden, wie hoch das Bürgergeld zum 1. Januar 2024 steigen soll, sondern das Statistische Bundesamt schaut sich die regelbedarfsrelevante Inflation an, und daran orientiert wird der Regelsatz erhöht.

Ihr seid doch verantwortlich in der Regierung!

Das ist die gesetzliche Grundlage. Die galt schon bei Hartz IV und wurde eingeführt von Ursula von der Leyen, damals Familienministerin der CDU. Sie hat diesen Inflationsausgleich nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das festgelegt hat, dass das stattfinden muss, damals mit unterstützt. Das weiß jede demokratische Fraktion in diesem Parlament, und dem widerspricht die Union auch gar nicht.

Aber das Bürgergeld hat sie nicht eingeführt!

Sie haben zugestimmt, Herr Hauer!

– Lieber Kollege, Sie haben gerade gesagt, das Bürgergeld habe Frau von der Leyen nicht eingeführt. Wie haben Sie nach dem Vermittlungsausschuss beim Bürgergeld eigentlich abgestimmt?

Wir haben es verbessert! Wir haben Sie vor dem größten Unsinn bewahrt!

Es gab einen Vermittlungsausschuss, und in diesem Vermittlungsausschuss haben Union und Ampel miteinander verhandelt.

Mit Erlaubnis der Präsidentin würde ich einfach Friedrich Merz zitieren, der eine Pressekonferenz gegeben hat. In der Pressemitteilung steht:

„Die Unionsfraktion ist zufrieden mit dem Kompromiss zum sogenannten Bürgergeld ...“

„Fraktionschef Merz sagte, der Einstieg in ein bedingungsloses Grundeinkommen sei abgewendet. Die Leistungen für Langzeitarbeitslose seien nach wie vor an die klare Mitwirkung … geknüpft. Fraktionsvize … Gröhe und der … Sprecher … Stracke betonten, dass es beim Prinzip des Förderns und Forderns bleibt.“

Das war die damalige Pressemitteilung; das haben Sie damals gesagt.

Wir haben Ihnen gerne geholfen!

Kommen Sie endlich mal in der Realität an!

Das ist nicht mehr das, was Sie heute sagen, und da zeigt sich Ihre Doppelmoral, liebe Union.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sie stimmen im Deutschen Bundestag den Gesetzen zu und sind dann lautstark unterwegs.

Ich möchte aber nicht verhehlen, dass meine Fraktion die Vorschläge der Linken ablehnen wird, nachdem wir im Ausschuss noch mal ausführlich darüber diskutiert haben werden, weil die Linken vorschlagen, dass die Sozialleistungen noch weiter erhöht werden müssen.

Zitieren Sie lieber wieder Friedrich Merz! Das war besser!

Ich glaube, dass wir bereits bei der Schmerzgrenze angelangt sind. Immer höhere Sozialleistungen gefährden die Leistungsgerechtigkeit, die Erwerbsanreize und den Lohnabstand.

Deswegen hat Christian Lindner hier am Rednerpult noch mal klar gesagt, er als Bundesfinanzminister stelle die Gelder selbstverständlich zur Verfügung, auch für die soziale Hilfe. Aber gleichzeitig muss auch der arbeitende Steuerzahler entlastet werden, und deswegen wird der Steuergrundfreibetrag noch mal erhöht, der Kinderfreibetrag wird erhöht, und wir brauchen weitere Entlastungen, damit weiter der Grundsatz gilt: Arbeit muss sich immer spürbar mehr lohnen als Nichtarbeit.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Das ist eine unveränderte Position der FDP, und jeder, der da nicht mitgeht, treibt einen Keil zwischen diejenigen, die auf Unterstützung angewiesen sind, und diejenigen, die jeden Tag den Sozialstaat finanzieren.

Als Letztes habe ich noch einen Punkt, den ich bei diesem ganzen Antrag vermisse: Weil Sie immer nur darüber sprechen, dass die Sozialleistungen erhöht werden müssen, suggerieren Sie, beim Sozialstaat ginge es immer nur darum, mehr Geld auszugeben, und dann hat man soziale Gerechtigkeit geschaffen.

Wirklich ein Unsinn!

Ich glaube, die Qualität des Sozialstaats misst sich nicht nur am Leistungsniveau. Die Qualität des Sozialstaats misst sich auch daran, ob Menschen die Chance haben, in den Arbeitsmarkt zu kommen, ob Menschen von ihrer eigenen Arbeit leben können.

Deswegen müssen wir den Mittelstand schützen!

Und deswegen muss es bei einem Sozialstaat auch immer um Aufstiegschancen für junge Menschen und für Langzeitarbeitslose und nicht nur immer darum gehen, Sozialleistungen zu erhöhen.

Beifallbei der FDP

Sie kürzen die Mittel für Eingliederung!

Die Position der Freien Demokraten in dieser Bundesregierung ist unverändert: Wir setzen uns für weitere Entlastungen ein. Wir glauben auch, dass jährlich ein Inflationsausgleich über die Steuern stattfinden muss, im Einklang mit dem Inflationsausgleich durch Erhöhungen des Bürgergelds. Weil das Urteil des Bundesverfassungsgerichts das vorgibt, akzeptieren wir das. Aber es ist wichtig, auch für die Leistungsträger in unserer Gesellschaft mehr Gerechtigkeit herbeizuführen, und dafür setzen wir uns weiter ein.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Peter Aumer
Foto: Peter Aumer/ Berli Berlinski
10 Vermerkeca. 426 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Teutrine, seien Sie doch froh, dass wir Ihnen geholfen haben, dass das Bürgergeld zumindest den wesentlichen Kern des Leistungsgedankens und des aktivierenden Sozialstaats berücksichtigt.

Beifallbei der CDU/CSU

Denn nur mit der SPD und den Grünen hätten Sie etwas bekommen, was keiner in diesem Land wollte. Deswegen ist es gut, dass wir dem zugestimmt haben und dass wir zumindest die Grundüberzeugung des Forderns und Förderns beim Bürgergeld beibehalten haben.

Wir beraten hier zwei Anträge der Linken. Im Titel des ersten steht: „Bürgergeld und Sozialhilfe bleiben unter Hartz-IV-Niveau“, und im Titel des zweiten steht: „Strom gehört zum menschenwürdigen Leben“.

So ist es!

Wenn man Ihre Anträge liest, meine lieben Kolleginnen und Kollegen der Linken, wird klar, warum der Zustand der Linken in unserem Land ist, wie er ist. Zur Erinnerung: Ab dem 1. Januar 2024 werden die Regelsätze beim Bürgergeld und bei der Sozialhilfe um 12 Prozent erhöht. Das ist eine Erhöhung für Alleinstehende von 502 Euro auf 563 Euro, eine Erhöhung um 61 Euro monatlich.

Nach der Lektüre Ihrer Anträge ist mir ein Artikel in der „FAZ“ von Anfang September eingefallen. In diesem Artikel wurde über ein Forum der Ludwig-Erhard-Stiftung berichtet, zu dem unter anderem Wolfgang Schäuble eingeladen war. Wolfgang Schäuble wird in diesem Artikel wie folgt zitiert:

„Übermaß schade, egal aus welcher Richtung: ‚Übertreibungen des Kapitalismus sind genauso schlimm wie die Übertreibung staatlicher Regulierung.ʼ“

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Es geht um Strom!

Darüber, liebe Kolleginnen und Kollegen der Linken, sollten Sie nachdenken.

Vor dem Hintergrund der anstehenden Erhöhung der Regelsätze verstehen wenige Menschen in unserem Land Ihre Forderungen. Mit Ihren Forderungen, meine sehr geehrten Damen und Herren der Linken, schaden Sie sogar dem Zusammenhalt in unserem Land. Warum? Ich habe mir die Zeitungsüberschriften nach der Bekanntgabe des Anstiegs der Regelsätze angeschaut. Frau Präsidentin, ich zitiere einige: „Warum es ungerecht ist – Rentnerwut über Bürgergeld“, „Denkt an alle, die das Bürgergeld finanzieren!“, „Bürgergeld-Erhöhung empört viele Deutsche: Selbst Betroffene kritisch“.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, denken Sie bitte darüber nach. Die Stimmung in unserem Land ist ganz erheblich wichtig

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

für diejenigen, die Politik machen. Wir als CDU/CSU stehen für Maß und Mitte,

Was denn jetzt?

dem Erfolgskonzept der sozialen Marktwirtschaft.

Widerspruchbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

– Dass die Grünen damit ein Problem haben, ist mir relativ klar. – Wir wollen einen aktivierenden Sozialstaat.

Einmal dafür und einmal dagegen!

Deshalb: Lassen Sie uns hier darüber reden, wie wir es schaffen, mehr Menschen in Arbeit zu bringen! Lassen Sie uns darüber reden, eine Debatte führen, wie Leistung in unserem Land sich wieder lohnt! So bleibt unser Sozialstaat auch in Zukunft stark.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Nein, bei Ihnen bleibt er gespalten!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Das Wort hat Jana Schimke für die CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
11 Vermerkeca. 427 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Vielleicht mal etwas zur allgemeinen Aufklärung hier in diesem Hause, damit wir auch draußen verstanden werden: Ein Regelsatz setzt sich aus ganz unterschiedlichen Kosten zusammen. Darin enthalten sind nicht nur die Kosten für Nahrung, sondern auch für Kultur, für Verkehr, für Kleidung, für Möbel, für Gastronomie.

Nee, das ist ganz falsch! Der Regelsatz wird ganz anders ermittelt! Wir haben gar kein Warenkorbmodell mehr, wir haben ein Statistikmodell! Das ist völlig falsch!

Das heißt also, jeder Bedürftige in diesem Land kann entscheiden, wofür er das wenige ihm zur Verfügung stehende Einkommen im Monat nutzt.

Meine Empfehlung wäre, es so zu tun wie jeder andere Mensch in diesem Land auch, der arbeiten geht, nämlich zu gucken: Wo setze ich meine Prioritäten? Was sind die Kosten, die ich aktuell habe? Wo muss ich vielleicht sparen? Wo kann ich vielleicht mal nicht hingehen, oder wann kann ich mal nichts konsumieren? Was ist einfach das, was die Zeit im Moment von mir verlangt?

Das sind die individuellen Lebensumstände, die ein Hartz-IV-Regelsatz abbildet.

Meine Damen und Herren, Sie dürfen nicht vergessen, dass der eine Regelsatz nicht für sich alleine steht. Bei Menschen mit Familie, mit Kindern, bei denen es sich vielleicht auch um eine Bedarfsgemeinschaft handelt, kommt ja noch mal derselbe Satz on top.

Es ist ja nicht so, dass wir hier immer nur über 500 Euro reden, sondern da kommt immer noch etwas obendrauf für die weiteren in der Bedarfsgemeinschaft lebenden Personen. – Das vielleicht einfach mal zur Einordnung zu Beginn.

Zurufdes Abg. Jürgen Pohl [AfD]

Da schämen sich sogar Ihre Kollegen!

Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, was waren denn die Reaktionen in den letzten Monaten und Jahren? Wir hatten die Coronakrise, und wir hatten leider auch eine sehr stark steigende Inflation. Und was hat die Politik getan? Die Politik hat Sonderzahlungen geleistet:

„Die Politik“?

im Mai 2021 150 Euro, im Juli 2022 200 Euro.

Und wer hat 2021 regiert?

Es gab den Kinderbonus: im September 2020 200 Euro pro Kind, im Oktober 2020 100 Euro pro Kind, im Mai 2021 150 Euro pro Kind.

Und wo ist das Problem gegenüber den Kindern? Und das hat nicht mal ausgereicht!

Es gibt den Sofortzuschlag: seit Juli 2020 20 Euro monatlich on top.

Hatte irgendwie was mit Masken zum Beispiel zu tun, die gekauft werden mussten!

Und es gibt – last, but not least – natürlich noch die Regelsatzerhöhung von 12 Prozent.

Meine Damen und Herren, wir leben in einer Krise; das ist richtig. Die Kosten steigen, aber es darf hier nicht darum gehen, die Krise zu verstetigen. Es darf nicht darum gehen, Gesetze dahin gehend zu ändern, dass die Ermittlung der Regelbedarfe zu deren dauerhafter Erhöhung führt.

Es muss doch vielmehr darum gehen, aus der Krise rauszukommen. Vielleicht ist einfach mal eine bessere Energiepolitik, eine bessere Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik die Lösung, um den Menschen eine bessere Zukunft zu sichern.

Wir sind mal gespannt auf Ihre Vorschläge!

Und last, but not least, liebe Kolleginnen und Kollegen: Auch Arbeit kann helfen, aus der Bedürftigkeit rauszukommen.

Vielen Dank.

2 Vermerkeca. 437 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. Wir haben die angeregten Debatten im Ausschuss schon hinter uns. – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Kampf gegen Geldwäsche, Organisierte Kriminalität und Terrorismusfinanzierung ist und bleibt eine Daueraufgabe und steht vor ständig großen Herausforderungen. Leider ist das Verbrechen oft besser organisiert als die Verbrechensbekämpfung, und das wollen wir ändern.

Gerade das föderal geprägte Deutschland ist besonders anfällig, weil kriminelle Sachverhalte auf unterschiedlichen staatlichen Ebenen und von unterschiedlichen Akteuren bearbeitet werden. Die Arbeit der Financial Intelligence Unit als übergeordneter Filter- und Vorermittlungsbehörde ist daher von großer Bedeutung, und die politische Unterstützung aller sollte selbstverständlich sein.

Die FATF-Prüfung im vergangenen Jahr hat Schwächen benannt und deutlich gemacht, an welchen Punkten Verbesserungsbedarfe bestehen. Ich bin Bundesfinanzminister Christian Lindner sehr dankbar dafür, dass er sich seit Beginn seiner Amtszeit mit aller Kraft für die Ertüchtigung der Geldwäsche- und Terrorismusbekämpfung eingesetzt hat. Seine Reformvorschläge für die FIU und der vereinbarte Aufbau einer neuen Bundesoberbehörde zur Bekämpfung der Finanzkriminalität sind nach unserer festen Überzeugung der richtige Weg. Die gesetzlichen Anforderungen an die Arbeit der FIU stehen dabei in einem Spannungsverhältnis zwischen den internationalen Empfehlungen der FATF, den Anforderungen der EU-Geldwäscherichtlinie und den Erwartungen der Öffentlichkeit und der Strafverfolgungsbehörden.

Mit dem vorliegenden Gesetz wird nun erstens die FIU stärker und klarer an ihrem Kernauftrag, der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, ausgerichtet.

Zweitens wird Klarheit darüber geschaffen, dass die FIU bei der Erfüllung dieser Aufgaben einen risikobasierten Ansatz anwenden kann – einen Ansatz, der international bei der Geldwäschebekämpfung absolut üblich ist.

Drittens wird konkretisiert, dass und unter welchen Voraussetzungen auch automatisierte Verfahren bei dieser Arbeit eingesetzt werden können. Dabei sorgen wir für eine vernünftige und auch grundrechtskonforme Abwägung der unterschiedlichen Interessen von Verbrechensbekämpfung und Datenschutz.

Viertens wird die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Behörden, insbesondere Strafverfolgungs- und Aufsichtsbehörden, deutlich verbessert.

Fünftens stellen wir sicher, dass durch ein neugeschaffenes Gremium die parlamentarische Kontrolle über die Arbeit der FIU gewährleistet bleibt.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, das Gesetz befähigt die FIU nun, mehr Licht ins Dunkel der Geldwäschebekämpfung in Deutschland zu bringen. Zweifelsohne bedarf es allerdings weiterer Reformen struktureller Art. Diese sind mit dem Aufbau der Bundesbehörde zur Bekämpfung von Finanzkriminalität bereits sehr konkret geplant. Schon sehr zeitnah werden wir uns auch mit dem entsprechenden Gesetzentwurf im Parlament beschäftigen.

Das hier in Rede stehende Gesetz nimmt die notwendigen rechtlichen Anpassungen vor, um möglichst kurzfristig effektive Arbeitsprozesse der Zentralstelle bei der Analyse und Weiterleitung von Verdachtsmeldungen sicherzustellen und Rechtsklarheit in der Aufgabenwahrnehmung durch eine risikobasierte Arbeitsweise zu schaffen.

Ich möchte mich vor allem bei meinen Berichterstatterkollegen Frau Grützmacher und Herrn Dr. Zimmermann für die sehr konstruktive Zusammenarbeit in diesem Fall bedanken. So geht Ampel.

Herzlichen Dank.

Porträt von Matthias Hauer
Foto: Matthias Hauer/ Tobias Koch
11 Vermerkeca. 833 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Heute beschließt die Ampel den Freifahrtschein für die deutsche Antigeldwäscheeinheit FIU.

Um Gottes willen!

Damit sorgt die Ampel dafür, dass Deutschland ein attraktiver Standort wird, zumindest für Geldwäscher.

Na, na, na!

Wir als CDU/CSU halten das für einen großen Fehler. Wir wollen, dass bei Geldwäsche und bei Terrorismusfinanzierung genau hingeschaut wird.

Wir auch!

Den Kriminellen muss konsequent das Handwerk gelegt werden.

Das wird mit dem Ampelgesetz aber gerade nicht gelingen. Ganz im Gegenteil: Mit dem Freifahrtschein werden die seit Jahren bestehenden Missstände nun zur Normalität gemacht. Die Ampel schraubt die gesetzlichen Vorgaben so weit runter, dass die FIU sie endlich einhalten kann.

Um Gottes willen! Reden wir über das gleiche Gesetz?

Heute hat das BKA das Bundeslagebild Organisierte Kriminalität für 2022 vorgestellt. Knapp 1 Milliarde Euro kriminelles Geld wurden im letzten Jahr, so das Ergebnis aus den geführten Verfahren, gewaschen. Und das ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt der Geldwäscheaktivitäten in Deutschland, der für uns sichtbar ist. Auf der anderen Seite wurden im Deliktsbereich Geldwäsche Vermögenswerte in Höhe von „nur“ 9,4 Millionen Euro vorläufig gesichert, und dieser Betrag hat sich gegenüber dem Vorjahr sogar halbiert. Der Anteil der Gelder, die sichergestellt werden konnten, ist also verschwindend gering.

Unter den Finanzministern Olaf Scholz und Christian Lindner wurde die Geldwäschebekämpfung in Deutschland leider stiefmütterlich behandelt und vor allem eines: schöngeredet.

Olaf Scholz behauptete im Finanzausschuss vor zwei Jahren, dass keine Bearbeitungsrückstände bei Geldwäscheverdachtsmeldungen vorlägen. In Wahrheit war der Rückstand schon damals beträchtlich. Olaf Scholz behauptete weiter, dass künstliche Intelligenz zum Einsatz käme. Auch das stimmte nicht.

Und unter Christian Lindner? Da ging der Tiefschlaf bei der Rechtsaufsicht über die FIU leider weiter. Die Bearbeitungsrückstände wuchsen und wuchsen. Am Ende musste sogar der FIU-Chef gehen.

Bearbeitungsrückstände kann es jetzt nach der Ampeldefinition allerdings nicht mehr geben; es verlängert sich einfach nur die Bearbeitungsdauer. Das ist Schönfärberei. Das Problem besteht fort, und künstliche Intelligenz kommt nach Jahren immer noch nicht zum Einsatz.

Der Antigeldwäscheeinheit werden mit dem Gesetz alle Freiheiten gegeben, bei Hinweisen auf Geldwäsche oder auf Terrorismusfinanzierung einfach wegzuschauen. Zudem wird die FIU bei Hinweisen auf sonstige Straftaten sogar per Gesetz gezwungen, sie nicht mehr zu analysieren und somit zu ignorieren. Das wird vor allem Kriminelle freuen. Und welcher konkrete Schaden dadurch entstehen wird, dass Geldwäsche, Finanzierung von Terror oder sonstige Straftaten unerkannt bleiben, werden wir nie erfahren, weil diese Taten im Dunkelfeld bleiben.

So ein Quatsch! Das ist einfach falsch!

Das könnte alles sein: von Geldwäsche im großen Stil über Fälle wie Wirecard bis hin zur Finanzierung von Terrorismus.

Das stimmt überhaupt nicht!

Das hat die Anhörung gezeigt.

Was selbst aus Reihen der Ampel als „kriminalpolitische Bankrotterklärung“ bezeichnet wurde, soll nun Gesetzeslage werden. Mit dem Ampelgesetz wird das Geldwäscheparadies Deutschland ein Stück paradiesischer. Das Herzstück der neuen Ampelregelung ist der risikobasierte Ansatz. Der hat zwei Kernelemente: Erstens darf die FIU nun Risiken, die sie für wichtiger hält als andere, selbst bestimmen, auch wenn andere ebenfalls zu Geldwäschetaten führen. Zweitens muss die FIU die eingehenden Hinweise nur dann beachten, wenn eines ihrer selbst festgelegten Risiken betroffen sein könnte.

Die FIU benutzt übrigens Stichwortfilter. Das sind Werkzeuge, die man auch zum Durchsuchen von E-Mails benutzt. Diese Jagd auf Geldwäscher mittels Stichwortsuche hat bisher so schlecht funktioniert, dass man das im April eingestellt hat. Mit der Verabschiedung dieses Gesetzes können diese untauglichen Filter nun wieder eingesetzt werden.

Beide Elemente des risikobasierten Ansatzes bei der FIU wurden übrigens bei Deutschlands Geldwäscheprüfung von der internationalen FATF deutlich kritisiert. Die FATF sagt erstens, dass die von der FIU bestimmten Risiken an den Bedürfnissen der Strafverfolgungsbehörden vorbeigehen – das steht im FATF-Bericht beispielsweise auf den Seiten 49 und 63 –, und zweitens, dass die FIU keine adäquaten Werkzeuge für die Priorisierung von Geldwäscheverdachtsmeldungen hat – das steht im FATF-Bericht beispielsweise auf den Seiten 67 und 69. Wenn in Deutschlands Geldwäschezeugnis also steht, dass die FIU unpassende Risiken bestimmt und gar keine Werkzeuge hat, um Verdachtsmeldungen zu priorisieren, dann sollte man der FIU jedenfalls nicht auch noch freie Hand lassen, so wie die Ampel das will.

Dann titelte die „Tagesschau“ vor zwei Wochen auch noch – Zitat –: „Millionenvorhaben zur Geldwäschebekämpfung gestoppt“. Es wurde bekannt, dass die Ausschreibung für die Entwicklung künstlicher Intelligenz für die FIU aufgehoben wurde. Selbst ein SPD-Kollege hat zutreffend bemerkt, dass es bald ein Gesetz für FIU-KI gibt, aber gar keine FIU-KI.

Wer die erste Lesung des Gesetzes verfolgt hat, der weiß: Der neue Leiter der FIU hat gesagt, die Technik der FIU könne man mit einem Golf I vergleichen – 1974, als er auf den Markt kam, sicherlich ein tolles Auto. Während kriminelle Geldwäscher, die ja eher andere Autos bevorzugen, mit immer neuen Methoden Beute machen, schickt die Ampel die FIU also mit einem Golf I auf Geldwäschejagd, einem Oldtimer, der noch nicht mal von der FATF den TÜV bekommen hat.

Und deswegen stimmt ihr zu!

Mit dem Stopp der Ausschreibung für die Entwicklung künstlicher Intelligenz haben Sie von der SPD und auch die Ampelfreunde sich von einer zeitgemäßen Geldwäschebekämpfung verabschiedet. Deshalb lehnen wir das Gesetz ab. Wir fordern stattdessen, dass die FIU sämtliche Meldungen analysiert, sinnvolle Prioritäten setzt und endlich den sachgemäßen Einsatz von künstlicher Intelligenz sicherstellt.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Jawoll! Das war überzeugend!

14 Vermerkeca. 556 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Geldwäsche ist natürlich zum Beispiel auch ein großes Thema, wenn man im großen Maßstab Maskendeals macht. Deswegen kennt sich der Kollege von der Union offenbar auch so gut mit dem Thema aus.

– Ich habe doch gar nicht – –

Wie schlecht muss Ihr Gesetz sein, dass Sie hier persönlich werden!

– Lieber Herr Kollege Hauer, auch wenn Sie das Gefühl haben, dass sich die ganze Welt nur um Sie dreht,

Sie haben mich angesprochen!

habe ich eine Information für Sie: Das ist nicht der Fall.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Anja Schulz [FDP]

Was sagen Sie? Sie sind ja noch schlimmer als Pöbel-Schrodi!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das, was wir hier gerade erlebt haben von dem Kollegen der Union, kann man nur als postfaktisch bezeichnen. Denn das, was er hier vorgeführt hat an vielen Stellen,

Das ist der Stil der SPD!

sind die richtigen Stichworte; aber es wird dann immer gezielt etwas weggelassen, oder es wird irgendwie in die falsche Richtung gedreht.

Sie können Ihre Rede nutzen, um das klarzustellen!

Gegenrufvon der SPD: Hören Sie mal zu, Herr Hauer!

Ich bringe mal ein konkretes Beispiel – lieber Herr Kollege Hauer, das müssen Sie jetzt ertragen –: Sie sagen, dass dann die sonstigen Straftaten plötzlich hinten runterfallen würden.

Genau! Die werden nicht mehr analysiert!

Dann haben Sie eben als Beispiele so etwas wie Terrorismusfinanzierung oder Wirecard genannt. Wenn Sie auch mal zugehört hätten, hätten Sie mitbekommen, dass es sich dabei um Straftaten handelt, die alle ein Strafmaß von unter einem Jahr haben. Also, wenn Terrorismusfinanzierung bei der Union jetzt mit weniger als einem Jahr Gefängnis geahndet wird, dann haben wir ein ganz anderes Problem, Herr Kollege.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Sie haben meine Rede nicht verstanden! Sie haben einfach die Rede nicht verstanden!

Natürlich, niemand sagt, dass bei der FIU in den letzten Jahren nicht erhebliche Probleme aufgetreten sind. Aber wenn man sich dieses Gesetz der Koalition anschaut, dann muss man mal sagen: Das ist angemessen, das ist richtig, und das ist wichtig. – Ich will auch sagen, warum: Natürlich müssen wir eine gesetzliche Grundlage für den Einsatz von Technologie, von künstlicher Intelligenz, schaffen. Das liegt daran, dass das Bundesverfassungsgericht zu Recht hohe Hürden aufgebaut hat, wenn wir in so einem Bereich künstliche Intelligenz und selbstlernende Systeme einsetzen wollen. Es ist absolut richtig, dass die Koalition hier gesetzliche Grundlagen dafür schafft, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Und es ist auch hervorragend – dazu haben Sie nichts gesagt –, dass wir die parlamentarische Kontrolle für dieses Gremium jetzt endlich einführen.

Wir haben das ja vorgeschlagen! Lesen Sie doch unseren Antrag!

Es wird ein parlamentarisches Kontrollgremium für die Financial Intelligence Unit geben, und in dieses darf am Ende auch die Union Vertreterinnen und Vertreter entsenden. Und das ist genau richtig; denn dort können dann alle Fragen gestellt werden, dort kann überprüft werden, welche Risikofilter von der FIU zum Beispiel im Kampf gegen Geldwäsche eingesetzt werden. Damit haben wir auch mehr Klarheit und mehr Transparenz. Wie kann man eigentlich gegen mehr parlamentarische Kontrolle und mehr Transparenz sein, frage ich mich da, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Am Ende geht es ja auch immer um den risikobasierten Ansatz. Wir hatten die Leiterin der Financial Intelligence Unit aus den Niederlanden hier – das ist die erfolgreichste Financial Intelligence Unit in Europa –; die kann über diese Diskussion, die von der CDU hier einfach nicht beendet wird, nur lachen. Sie sagt: Natürlich, wir können gar nicht ohne einen risikobasierten Ansatz arbeiten.

Deswegen orientieren wir uns und machen einen Best Practice Approach, so wie das weltweit gemacht wird, und vor allem sorgen wir jetzt dafür, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der FIU Rechtssicherheit und Rechtsklarheit haben; ich glaube, das ist auch wichtig.

Also, bleiben wir dabei, liebe Kolleginnen und Kollegen: Das ist ein absolut vernünftiges Gesetz, und wenn man nicht so krass in der Opposition angekommen wäre, könnte man da auch einfach mal zustimmen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Jan Wenzel Schmidt
Foto: Jan Wenzel Schmidt
5 Vermerkeca. 363 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Heute haben wir das Vergnügen, über den Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der risikobasierten Arbeitsweise der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen zu reden. Der Titel des Gesetzentwurfs zeigt auch gleich das Problem – es ist ein typisch deutsches Problem –: Es ist ein Bürokratiemonster.

Die Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen – kurz: FIU – soll Verdachtsmeldungen möglicher Geldwäsche überprüfen. Wenn Gelddienstleister, Schmuckhändler oder Notare einen Geldwäscheverdacht vermuten, müssen sie das bei der FIU melden. Das klingt erst einmal simpel und nachvollziehbar. Das Problem liegt jedoch in der Unsicherheit der Unternehmen. Etliche Anbieter melden, um sich selbst abzusichern, lieber einmal zu oft als einmal zu wenig.

Durch diese Flut an Meldungen steht die FIU unter Druck. Es hatten sich in der Vergangenheit bereits über 290 000 unbearbeitete Meldungen angestaut. Diese Masse an Meldungen konnte mittlerweile abgebaut werden. Doch vermutet das ZDF in einem Bericht, dass ein Großteil der Meldungen einfach im Infopool gelandet ist, in solchen Fällen auch „Papierkorb“ genannt.

Im Zuge der verzögerten Abarbeitung der Verdachtsfälle kam es zu Strafverfahren gegen Mitarbeiter der FIU. Diese Verfahren sind inzwischen eingestellt, doch es ist nachvollziehbar, dass die Mitarbeiter der FIU verunsichert sind. Angeblich soll dieses Gesetz sie nun vor künftigen Ermittlungen schützen. Doch hier entsteht durch das kopflose Handeln der Bundesregierung das nächste Problem: Wenn es einen Persilschein für die Mitarbeiter gibt, besteht die Gefahr, dass es erst recht zur erneuten Anhäufung von unbearbeiteten Verdachtsmeldungen kommt.

Beifallbei der AfD

Eine Unterstützung der Behörde durch KI-basierte Lösungen kann eine tragfähige Chance sein, um die Masse der Meldungen zu filtern. Ebenso sind eine bessere IT-Ausstattung und geeignete Schulungen der Mitarbeiter geboten.

Der im Gesetz initiierte Vorschlag zur Bildung eines Gremiums wäre eine Chance für eine kontinuierliche Überwachung der FIU gewesen. Leider sind die scheindemokratischen Fraktionen in diesem Haus nicht gewillt, demokratische Grundprinzipien einzuhalten, und sie versuchen mit aller Kraft, auch hier jegliche Transparenz zu verhindern,

Beifallbei der AfD
Zurufvon der SPD: Das ist doch eine Wahl! Eine Wahl ist demokratisch!

indem sie erneut die einzig echte Opposition in diesem Land, die Alternative für Deutschland, aus diesem Gremium ausschließen. Denn Sie sind nicht gewillt, verpflichtend die Einbindung aller Fraktionen des Deutschen Bundestages umzusetzen. Sie täuschen die Bürger mit Taschenspielertricks und gaukeln einen Willen zur Transparenz vor.

Deshalb werden alle demokratischen Fraktionen dieses Hauses Ihren Gesetzentwurf ablehnen.

Beifallbei der AfD
Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie leben in einer Parallelwelt! Unglaublich!
5 Vermerkeca. 502 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich hätte mir zwischendurch gerade eher einen Buzzword-Filter gewünscht, aber wir sprechen heute stattdessen über einen Risikofilter. Ich habe gerade eben noch im Büro gesessen und ein bisschen den Postkorb sortiert; der wird bei mir vorsortiert. Ich bekomme nicht alles an Werbung – Gott sei Dank –; sonst würde ich mich wirklich bedanken. Also, selbst Jugendliche lernen ja schon Postkorbübungen und Priorisieren. Das machen wir mit einem Filter auch. Deswegen wollen wir den haben.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Aber Sie gucken Ihre E-Mails trotzdem an, oder? Sie verlassen sich nicht nur auf Filter!

Wir sind uns einig, dass Platz 7 beim Schattenfinanzindex – noch vor Panama und den Bahamas – absolut nicht akzeptabel ist. Deswegen brauchen wir eine schlagkräftige FIU, und deswegen haben wir auch das Notwendige getan, um sie mit technischen und rechtlichen Mitteln auszustatten, die sie braucht, damit sie effektiv arbeiten kann. Außerdem schützen wir die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der FIU durch Klarstellung, dass der risikobasierte Ansatz vom Gesetzgeber gewollt und international auch State of the Art ist. Diesen „Persilschein“ gegenüber den Mitarbeitenden möchte ich hier jetzt wirklich ausdrücklich zurückweisen; denn die Mitarbeitenden tun wirklich ihr Bestes.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Wichtig ist: Die FIU darf nicht in eBay-Betrugsdelikten ertrinken, sie muss handlungsfähig sein. Wie sollte man das abarbeiten, wenn 80 Prozent davon eBay-Betrugsdelikte sind, die man auf dem Tisch hat?

Natürlich muss man priorisieren, aber das findet nicht im luftleeren Raum statt. Es wird ein parlamentarisches Gremium geben; dem Informationsinteresse des Deutschen Bundestages wird durch Unterrichtung über die Erfüllung aller Aufgaben der FIU entsprochen. Anlassbezogen können sogar noch weitere Stellen, wie zum Beispiel der BfDI oder auch die Antidiskriminierungsstelle, hinzugezogen werden.

Die Rückmeldeverpflichtung der FIU an die Länder wird erweitert; das reduziert inhaltsleere Präventivmeldungen und verbessert die Meldepflicht insgesamt. Und: Der Infopool ist eben nicht der Papierkorb, sondern es wird Stichprobenprüfungen geben, und Filteranpassungen sichern auch hier effektives Arbeiten.

Maschinelles Lernen kann bei der Mustererkennung und Sortierung wertvolle Hinweise liefern. Aber das Bundesverfassungsgericht hat deutliche Worte zum Einsatz von Palantir in Hessen gefunden: Das Projekt Hessendata kann in der beklagten Form nicht weiter eingesetzt werden. Die bürgerrechtlichen Leitplanken, die das Bundesverfassungsgericht in Hessen gesetzt hat, sind im hier vorliegenden Entwurf berücksichtigt; denn wir müssen sicherstellen, dass ein verfassungskonformer Einsatz von Software mit Funktionen des maschinellen Lernens möglich ist.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Deswegen ist die beschleunigte Implementierung des IT-Ausbaus auch von höchster Dringlichkeit – sie muss aber nicht nur vergaberechtlich, sondern auch verfassungskonform richtig sein –, ebenso die optimierte Kommunikation und Zusammenarbeit mit den beteiligten Strafverfolgungsbehörden und den Verpflichteten. Wir gehen hierbei einen wichtigen Schritt und befähigen die FIU, wirklich handlungsfähig zu werden.

Mit Blick auf die anstehenden Beratungen zum Bundesamt zur Bekämpfung von Finanzkriminalität gestatten Sie mir vielleicht noch eine kleine persönliche Anmerkung: Bei allen kontroversen Diskussionen freue ich mich persönlich sehr, wieder hier zu sein und mit allen demokratischen Parteien um die beste Politik zur Bekämpfung von Geldwäsche ringen zu dürfen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ich bedanke mich ausdrücklich auch bei meinen Kollegen der Ampel; denn das hier war ein Verfahren mit Anhörungen und kontroversen Diskussionen, durch das es wirklich ein besseres Gesetz geworden ist.

Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
6 Vermerkeca. 260 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe versprochen, es kurz zu machen. Trotzdem kann ich aus meinem Herzen keine Mördergrube machen. Als der Gesetzentwurf in das Parlament geleitet wurde, war ich auch sehr skeptisch, habe ähnliche Argumente geteilt wie Herr Hauer.

Oder Herr Fiedler von der SPD! Der hat davon viel Ahnung!

Das eine oder andere wurde vielleicht falsch rübergebracht. Trotzdem stehe ich heute hier und kann mit gutem Gewissen für diesen Gesetzentwurf werben.

Denn wir alle wollen, dass Deutschland besser gegen Geldwäsche vorankommt und dass wir in Zukunft bei FATF-Berichten nicht nur eine Drei minus bekommen, sondern eben eine Eins plus. Und dieser Gesetzentwurf wird dazu beitragen, dass wir das schaffen werden.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Vor allem kann man diesem Gesetzentwurf zustimmen, weil:

Was ist denn die Alternative, wenn wir das heute nicht machen? Die Staatsanwaltschaften in den Ländern würden von Verdachtsmeldungen, die einfach so ungeprüft von der FIU weitergeleitet werden, einfach überflutet werden, sie wären nicht mehr arbeitsfähig, und die FIU würde eben nicht die Filterfunktion erfüllen, die ihr zukommt.

Außerdem gehen wir heute mutig voran und regeln erstmals den KI-Einsatz einer Behörde nach dem Palantir-Urteil von Anfang dieses Jahres.

Es gibt nur keine KI! Wo ist die denn, die KI?

Und schließlich – das ist, glaube ich, das Wichtigste, und das könnte auch Ihnen helfen, Ihre 25 Fragen

Sie antworten ja nicht!

bzw. Ihren Fragenkatalog loszuwerden, vielleicht nicht im Ausschuss, sondern eben in einem parlamentarischen Kontrollgremium –: Wir kontrollieren als Parlamentarierinnen und Parlamentarier diese FIU zukünftig in einem parlamentarischen Kontrollgremium und schauen zum Beispiel, wie sie diesen risikobasierten Ansatz umsetzt, wie sie mit den Ländern und eben auch mit den Polizeien zusammenarbeitet.

Zusammenarbeit mit den Ländern: Das wäre wichtig!

Deswegen kann ich diesem Gesetzentwurf guten Gewissens zustimmen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Tilman Kuban
Foto: Tilman Kuban/ Steffen Böttcher
7 Vermerkeca. 770 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wladimir Putin lässt Kinder aus der Ukraine verschleppen, um sie umzuerziehen. Das Mullah-Regime im Iran ermordet Frauen, weil sie ihr Kopftuch ablegen. Und die Hamas tötet in ihrem unbändigen Judenhass unschuldige feiernde Jugendliche. Die Akteure haben eines gemeinsam: Für sie hat das Menschenleben keinen Wert. Sie stellen sich damit gegen unsere freie, offene und demokratische Welt. Deswegen stehen wir alle gemeinsam fest und entschlossen solidarisch gegen diese Barbaren auf; wir werden ihnen keinen Meter Platz geben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Was hat das alles mit der Republik Moldau zu tun?

Das fragen wir uns auch!

Auch in der Moldau steht eine proeuropäische Regierung, die Regierung von Maia Sandu und Dorin Recean, unter dem Druck der Achse Moskau – Teheran – Hamas unter der Führung des Kremls. Durch den tapferen und aufopferungsvollen Einsatz der ukrainischen Soldatinnen und Soldaten konnte ein im letzten Jahr noch realistisches Szenario einer russischen Invasion abgewendet werden. Dafür sind viele in der Republik Moldau der Ukraine extrem dankbar.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Johannes Schraps [SPD]

Gleichzeitig hat sich die Moldau solidarisch gezeigt: In einem Land mit gerade einmal 2,5 Millionen Einwohnern wurden binnen zwei Wochen über 100 000 Menschen aufgenommen, es wurde ihnen Schutz gegeben – ein wahnsinniger Kraftakt; das sollten wir einmal lobend hervorheben. Denn wenn man das vergleichen würde, wäre das, als wenn wir in Deutschland innerhalb von zwei Wochen 3,2 Millionen Menschen aufgenommen hätten.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Doch Moskau lässt nicht locker. Mit allem, was wir aus dem Lehrbuch „Desinformationskampagnen und Fake News“ so kennen, versucht der Kreml, die Menschen in der Moldau gegen die proeuropäische Regierung von Maia Sandu aufzuhetzen. Es passieren Dinge, die wir uns in Deutschland kaum vorstellen können: dass auf einmal ein Nachrichtendienst Messages von Privatpersonen verschickt, die diese gar nicht abgeschickt haben – völlig absurd –, oder dass Menschen für die Teilnahme an Demonstrationen gegen die Regierung einfach Geld in die Hand gedrückt wird.

Ziel der russischen Propaganda ist es, dass die Moldauer die Regierung für die gestiegenen Energiekosten verantwortlich machen. Denn das Land hat es geschafft, sich innerhalb von einem Jahr vollständig aus der Abhängigkeit von Russland zu lösen, sowohl beim Strom als auch beim Gas. Das ist ein großer Erfolg. Umso wichtiger ist es, die Moldauer jetzt zu unterstützen; denn im Gasbereich kam es zu einer Vervielfachung der Preise und es kam zu einer starken Inflation in der Moldau.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Despoten dieser Welt haben alle eines gemeinsam: Sie haben es vorher gesagt, sie haben es vorher geschrieben, doch viel zu häufig wollten wir es nicht hören. Deswegen sage ich es noch einmal sehr deutlich: Der Kreml – so haben sie es gesagt und geschrieben – beabsichtigt, in drei Etappen bis ins Jahr 2030 hinein eine prorussische Strömung in der Moldau zu fördern und gleichzeitig den Weg in die Europäische Union zu verhindern. Um dieser konkreten Gefahr wirklich Herr zu werden – wir wissen nicht, ob sie es mit noch größerer Härte und Entschlossenheit verfolgen werden –, ist es unsere Aufgabe, hier gemeinsam an der Seite der Republik Moldau zu stehen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Denn wir alle haben ein Interesse daran, dass die Republik Moldau in die europäische Gemeinschaft kommt. Wir sehen dort eine große Mehrheit, die unsere Werte teilt und den russischen Neoimperialismus ablehnt.

Zweitens. Mit seiner Lage zwischen dem NATO-Land Rumänien und der Ukraine befindet sich die Moldau im Schwarzmeerraum geopolitisch an einer Schnittstelle, wo wir für Sicherheit und Stabilität sorgen können.

Drittens gibt es auch große wirtschaftliche Chancen, beispielsweise im Bereich der Landwirtschaft oder im Bereich neuer Produktionstechniken.

Wir müssen jetzt die richtigen Maßnahmen ergreifen. Darüber haben wir gemeinsam hier schon Ende letzten Jahres diskutiert. Aber wir wollen das Ganze noch einmal erweitern. Deswegen sagen wir heute: Es braucht zusätzliche Punkte wie eine Unterstützung der Moldova Support Platform, die in der nächsten Woche stattfindet. Zweitens. Deutschland muss zum Treiber der Heranführung der moldauischen Wirtschaft an den EU-Binnenmarkt werden. Drittens: Unterstützung bei der Ausbildung und Ausrüstung gegen die hybride Kriegsführung Russlands. Viertens. Wir müssen Experten für den EU-Beitrittsprozess zur Verfügung stellen. Die Welt hat sich weitergedreht; deswegen müssen wir neue Antworten geben.

Wenn wir den Kampf für Freiheit, Demokratie und Zusammenhalt in Europa gewinnen wollen, dann dürfen wir – ganz im Geiste Helmut Kohls – gerade die kleinen Länder nicht vergessen, die ihre Hoffnung auf Deutschland, auf die Europäische Union und den Westen setzen. Die Moldau schaut auf uns, und wir sollten den Freunden in Chisinau die Hand reichen. Deshalb wäre es ein großer Fehler, im täglichen Nachrichtenstrom, den wir erleben – mit immer neuen Schreckensmeldungen –, die Lage Moldaus aus dem Blick zu verlieren.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie heute alle unserem Antrag zustimmen und damit die Unterstützung für die Republik Moldau noch einmal zum Ausdruck bringen.

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Johannes Schraps
Foto: Photothek Media Lab
8 Vermerkeca. 698 WörterReaktionswert: lebhaft
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Verehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Das grundsätzliche Ziel Ihres Antrags, nämlich die Unterstützung und die Förderung der moldauischen Bevölkerung und die Unterstützung der moldauischen Regierung, ihren demokratischen und auf einen EU-Beitritt ausgerichteten Weg fortzusetzen, das unterstützen wir alle hier ohne Zweifel.

Genau darüber – Kollege Kuban, Sie haben es gerade schon angesprochen – haben wir im vergangenen Dezember hier im Bundestag nicht nur debattiert, sondern mit übergroßer Mehrheit auch schon gemeinsam beschlossen. Wenn Sie sich daran erinnern: In einem Antrag mit dem Titel „Den EU-Beitrittskandidaten Moldau weiter unterstützen“ haben wir nicht nur die Herausforderungen, die sich insbesondere angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gezeigt haben, umfassend berücksichtigt, wir haben auch einen Weg aufgezeigt, wie wir die EU-Beitrittsperspektive der Republik Moldau andauernd und nachhaltig unterstützen können, verehrte Kolleginnen und Kollegen. Diesen Beschluss haben wir hier schon gefasst.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufdes Abg. Tilman Kuban [CDU/CSU]

Diesen Antrag haben wir damals mit den Stimmen der Ampelfraktionen, die ihn eingebracht haben, und Ihren Stimmen, von der CDU/CSU-Fraktion, beschlossen. Wie gesagt, es war eine übergroße Mehrheit, ein sehr starkes gemeinsames Signal. Aus unserer Sicht hat dieser Beschluss auch heute noch vollkommen unverändert seine Gültigkeit, verehrte Kolleginnen und Kollegen, und benötigt, zumindest für den Moment, auch keine Aktualisierung.

Deutschland ist einer der wichtigsten Partner der Republik Moldau in der Europäischen Union und gehört auch zu den wichtigsten Handelspartnern. Deshalb verstehe ich, ehrlich gesagt, nicht ganz, wenn Sie zwar ausdrücklich die EU-Perspektive Moldaus in Ihrem Antrag begrüßen, aber gleichzeitig in Ihrem Antrag auch die Auffassung zum Ausdruck bringen – ich zitiere aus dem Antrag –, „dass die bisher von der Bundesregierung und der EU zur Unterstützung, Entwicklung und Resilienz des Landes ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichen, sondern intensiviert werden müssen.“ Dass genau diese Unterstützung in großem Maße vorhanden ist, zeigt sich auf vielerlei Art und Weise, zum Beispiel in bilateralen Gesprächen mit Abgeordneten und mit Regierungsvertretern aus Moldau. In der letzten Sitzungswoche waren Premierminister Dorin Recean und Energieminister Victor Parlicov hier in Berlin zu Besuch. Beide haben uns sehr deutlich gemacht, welch wichtige Rolle die große deutsche Unterstützung für das Land spielt. Viele von Ihnen waren ja bei dem Gespräch mit dem Ministerpräsidenten und dem Minister dabei. Wir haben der Regierung der Republik Moldau nicht nur unseren Respekt dafür ausgedrückt, dass sie sich zunehmend von russischen Energielieferungen unabhängig machen, sondern wir haben umgekehrt auch ganz viel Dank für unsere entsprechende Unterstützung entgegennehmen können.

Auch wenn man sich die Moldova Support Platform anschaut, die die Union sozusagen als Anlass für ihren Antrag nimmt, dann wird die deutsche Unterstützung hier doch besonders deutlich. Nach Beginn des Krieges im Februar fanden die ersten Unterstützungsplattformen in Genf und dann in London statt, und das nächste Treffen findet ja in Kürze hier in Berlin statt. Was könnte eigentlich das deutsche Engagement besser verdeutlichen als die Ausrichtung eines Treffens hier in Deutschland, verehrte Kolleginnen und Kollegen?

Nur der Ort, in Berlin, der hilft den Moldauern auch nicht!

Gerade auf der wichtigen zivilgesellschaftlichen Ebene gibt es längst eine Intensivierung der Unterstützung und Zusammenarbeit mit der Republik Moldau, und zwar nicht nur durch Regierungsinitiativen oder offizielle Austauschprogramme, sondern auch durch ehrenamtlich getragene Initiativen, wie beispielsweise das Deutsch-Moldauische Forum, als dessen Vorsitzender ich seit dem vergangenen Jahr einen kleinen Teil auf dieser zivilgesellschaftlichen Ebene beitragen kann. Ich kann Ihnen versichern, dass wir das auch in Zukunft fortsetzen. Einige von Ihnen sind ja bereits Mitglied des Deutsch-Moldauischen Forums. Ich kann Ihnen aber sagen: Wir sind nicht wegen Überfüllung geschlossen, sondern jeder, der gerne auch auf zivilgesellschaftlicher Ebene, in diesem Rahmen, dazu beitragen möchte, ist herzlich willkommen, einen Beitrittsantrag auszufüllen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des Abg. Frank Bsirske [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir unterstützen Moldau also auf vielerlei Art und Weise.

Wir können Ihren heutigen Antrag nur deshalb nicht mittragen, weil er aus unserer Sicht wirklich überhaupt keinen Mehrwert bietet.

Vier habe ich aber aufgezählt!

Denn wir haben im letzten Jahr diesen Beschluss gefasst.

Im Dezember sollten wir uns zusammensetzen und noch einmal nach gemeinsamen Positionen suchen. Denn dann werden wir als Bundestag die Möglichkeit haben, uns mit einer etwaigen Empfehlung der EU-Kommission für den Beginn von Beitrittsverhandlungen zur Europäischen Union mit der Republik Moldau auseinanderzusetzen. Wir können uns dann dazu äußern. Ich freue mich, wenn wir dann wieder gemeinsame große Mehrheiten hier im Haus finden.

Die restliche Hälfte meiner Redezeit schenke ich uns allen und bedanke mich ganz herzlich für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Markus Frohnmaier
Foto: Jana Schneider
11 Vermerkeca. 390 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Im Mai haben über 700 000 Ukrainer Sozialleistungen in Deutschland bezogen.

Das sind Kosten von fast 500 Millionen Euro, die jeden Monat anfallen. Auf das Jahr gerechnet sprechen wir von 6 Milliarden Euro. Die Ukrainer stellen die größte Gruppe unter den ausländischen Empfängern von deutscher Sozialhilfe dar.

Die Republik Moldau teilt sich mit der Ukraine 1 200 Kilometer Grenze. Moldau verwirklicht das, was wir als AfD seit 2015 fordern: die heimatnahe Unterbringung von Flüchtlingen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Während in Deutschland eine vierköpfige ukrainische Flüchtlingsfamilie bis zu 3 500 Euro Sozialleistungen im Monat erhält – netto, wohlgemerkt –

Sie immer mit Ihrem Sozialneid!

und sich ausreisepflichtige Migranten einer Abschiebung entziehen, registriert und identifiziert Moldau die Flüchtlinge aus der Ukraine recht ordentlich. Diese erhalten pro Monat umgerechnet 110 Euro vom UNHCR, wenn sie – das ist der große Unterschied – nachweisen, dass sie sich wirklich in Moldau aufhalten. Allerdings reisen die meisten lieber weiter in Länder wie Deutschland, wo nicht kontrolliert wird, ob sie sich hier nach Anmeldung für Sozialleistungen weiter aufhalten. Daher ist völlig klar: Ja, wir sollten mit Moldau migrationspolitisch eng zusammenarbeiten.

Beifallbei der AfD

Allerdings kann diese Zusammenarbeit nur fruchten, wenn Deutschland endlich das Grenzchaos beendet, keine Asylanten aus sicheren Drittstaaten ins Land lässt und die soziale Hängematte, die die Ampel hier ausgebreitet hat, endlich einmottet.

Beifallbei der AfD

Was wir strikt ablehnen, ist der angestrebte EU-Beitritt Moldaus, den die Union fordert. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ist Deutschland zehnmal reicher als Moldau. Damit liegt es doch eigentlich auf der Hand, liebe Kollegen von der Union, dass es sich bei Moldau um den nächsten Transferempfänger handeln würde. Da muss ich wirklich sagen: Das ist doch dem deutschen Bürger gegenüber nicht fair und gerecht. Darüber sollten Sie wirklich noch einmal nachdenken!

Beifallbei der AfD

Und schauen Sie sich einmal den Korruptionswahrnehmungsindex an.

Mal wieder nach Moskau fahren, Herr Frohnmaier?

Da belegt Moldau Platz 91, zwischen Kolumbien und Äthiopien. – Hören Sie zu! Dann können Sie was lernen, auch wenn es spät am Abend ist.

Der Kreml hört fleißig mit!

Viele Bürger Moldaus würden nach einem EU-Beitritt von der Freizügigkeit Gebrauch machen. In der Folge hätten wir in Deutschland erneut eine Migrationswelle zum Schaden aller Beteiligten.

Sie zeigen einfach nur, dass Sie keine Ahnung haben!

Wir wissen aber, dass das vielleicht auch im Sinne der Ampel ist. Sie wollen ja dafür sorgen, dass immer mehr Menschen nach Deutschland kommen, ganz egal von wo. Sie wollen Stück für Stück Deutschland verändern. – Nicht mit uns! Wir von der AfD sagen dazu ganz klar Nein.

Porträt von Robin Wagener
Foto: Robin Wagener/ Dominik Butzmann
3 Vermerkeca. 533 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich stimme dem Kollegen Kuban zu: Als Russland mit seinem brutalen Angriffskrieg die Ukraine überfallen hat, haben die Menschen der Republik Moldau wirklich Unglaubliches geleistet: Hunderttausende ukrainische Geflüchtete, vor allem aus der Nachbarregion Odessa, haben in dem kleinen Land mit nur rund 2,6 Millionen Einwohnern Schutz und Zuflucht gesucht – und sie haben Schutz und Zuflucht bekommen in der Republik Moldau. Die Solidarität der moldauischen Bevölkerung war und ist zutiefst beeindruckend, und das nicht nur in der Hauptstadt Chisinau, sondern quer durchs ganze Land. In Dörfern wie Floreni oder Riscova haben Menschen ihre Häuser geöffnet und mit ukrainischen Geflüchteten ihr Zuhause geteilt. Einheimische sind über längere Zeit von Dorf zu Dorf gefahren, um mit ukrainischen Kindern zu spielen, zu basteln, zu kochen – um sie für eine Zeit von der schrecklichen Realität in ihrem Heimatland, der Grausamkeit des Krieges, abzulenken. Diese enorme Hilfsbereitschaft verdient großen Respekt, fortwährende Unterstützung und aufrichtigen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Diese enorme Hilfsbereitschaft der Menschen in der Republik Moldau zeigt den Geist der europäischen Solidarität.

Kaum ein anderes Nachbarland hat die schwerwiegenden Folgen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine so zu spüren bekommen wie die Republik Moldau. Neben der Unterbringung von Geflüchteten waren und sind die Menschen explodierenden Energiepreisen ausgesetzt, aber auch aggressiven Destabilisierungsversuchen Moskaus.

Doch all diesen Herausforderungen begegnen Präsidentin Sandu und ihre Regierung mit beeindruckender Entschlossenheit. Der bereits 2020 begonnene Reformprozess in Richtung Europäische Union wird unbeirrt fortgesetzt und zeigt erste erfreuliche Erfolge, beispielsweise im Bereich der Justiz, im Bereich Deoligarchisierung und im Bereich der Korruptionsbekämpfung.

Ich bin sehr dankbar, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass es hier im Deutschen Bundestag eine so breite Unterstützung für die Republik Moldau gibt – diese breite Unterstützung wurde tatsächlich schon im letzten Jahr beschlossen, auch mit den Stimmen der Union –, dass wir so stark und deutlich hinter der Republik Moldau stehen, und ich bin froh, dass die Bundesregierung genau diese Unterstützung ungebrochen fortsetzt und ausführt.

Deutschland ist für die moldauische Regierung einer der wichtigsten Partner in der Europäischen Union, unter anderem bei der Gestaltung der Reformprozesse, in Fragen der EU-Annäherung oder auch bei der Bearbeitung des Konflikts mit der abtrünnigen transnistrischen Region. Auch die Arbeit im Rahmen der Unterstützungsplattform wird fortgesetzt. Nächste Woche findet in Chisinau die vierte Minister/-innenkonferenz statt.

Anfang November, liebe Kolleginnen und Kollegen, erwarten wir den Bericht der EU-Kommission über die erzielten Reformfortschritte der Republik Moldau im EU-Beitrittsprozess. Wenn die EU-Kommission, was ich sehr hoffe, im Zuge dessen die Eröffnung der Beitrittsgespräche empfiehlt, dann sollten wir – wir wären sehr gut beraten, wenn wir das täten, und ich bin fest davon überzeugt, dass wir dafür eine breite Mehrheit finden – auch seitens des Deutschen Bundestages ein klares und geschlossenes Signal senden und zügig der Eröffnung der Beitrittsverhandlungen zustimmen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP und des Abg. Tilman Kuban [CDU/CSU]

Denn, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Zukunft der Republik Moldau liegt in der Europäischen Union. Die EU-Erweiterung ist nicht erst seit dem russischen Angriffskrieg eine geostrategische Investition in Frieden, in Sicherheit und in Stabilität. Darum ist es in unserem eigenen Interesse, den von Präsidentin Sandu eingeschlagenen Reformkurs in Richtung EU sowie die Souveränität und Integrität der Republik Moldau nach besten Kräften zu unterstützen, übrigens genau wie wir es letztes Jahr gemeinsam beschlossen haben.

Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Können wir heute wieder machen!

5 Vermerkeca. 481 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Republik Moldau ist ein unglaublich starkes Land, das mit seiner Präsidentin Maia Sandu in den vergangenen anderthalb Jahren bewiesen hat, dass man kein großes Land sein muss, um Größe, Haltung und Verlässlichkeit zu zeigen.

Aber auch auf die Republik Moldau hat der andauernde Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine weiterhin extreme Auswirkungen – sozialpolitisch wie auch wirtschaftlich. Dennoch hält die Republik Moldau an ihrer Solidarität gegenüber ihrem Nachbarn Ukraine fest.

Moldau wie die Ukraine verdienen unsere klare Unterstützung, auch und gerade in Zeiten, in denen sich internationale Krisen überlagern. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Regime im Kreml – sei es durch Waffengewalt oder Desinformationskampagnen – diese Region destabilisiert.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Im vergangenen Winter unterstützten wir Moldau mit einem ungebundenen Finanzkredit, um die durch den Angriffskrieg gestiegenen Energiekosten für die Menschen vor Ort abzufedern. Seitdem haben wir die Republik Moldau und die Ukraine erfolgreich an das kontinentaleuropäische Stromnetz angeschlossen. Anfang September hat nun der moldauische Energieminister Victor Parlicov verkündet, dass sich das Land durch eine Diversifizierung des Gas- und Strombezugs aus der Abhängigkeit von russischen Energielieferungen befreit hat.

Diese neugewonnene Unabhängigkeit ist dem Kreml ein Dorn im Auge. Russland, aber auch interne Akteure versuchen aktuell an allen Stellen, die ihnen zur Verfügung stehen, zu zündeln und Unruhe zu stiften. In der Republik Moldau ist besonders klar zu beobachten, wie antieuropäische und prorussische Desinformationskampagnen strukturiert sind: So werden Menschen für gestellte Proteste gekauft, um sie möglichst medienwirksam als angebliche Gegner des europäischen Kurses zu inszenieren. Es ist unsäglich, wie externe und interne Desinformationsmaschinerien sowie die Proxys der Sor-Partei die durch sie selbst verursachten finanziellen Nöte von Menschen in Moldau ausnutzen. So werden Propagandabilder erzeugt – von denen wir uns jedoch nicht blenden lassen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Auch deswegen hat die Bundesregierung zusammen mit Frankreich und Rumänien die Unterstützungsplattform für die Republik Moldau eingeführt und fördert die EU-Partnerschaftsmission EUPM Moldova im Zuge der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Europäischen Union. Wir werden die Republik Moldau bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen und der Umsetzung der Reformen nicht alleinlassen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die große Mehrheit der Menschen in der Republik Moldau ist für den Weg in die Europäische Union, und auf diesem werden wir unsere Freundinnen und Freunde in der Republik Moldau weiter unterstützen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Tilman Kuban [CDU/CSU]

Da dieser Prozess jedoch bekanntlich langwierig und kein Automatismus ist, werden wir die Dinge, die wir im letzten Winter gemeinsam hier beschlossen haben, weiter fortführen und die Republik Moldau in ihrem Engagement auf dem Weg nach Europa unterstützen. Ich bin sehr dankbar, wenn wir dies auch weiterhin überfraktionell und demokratisch hier zusammen hinbekommen. Wir werden dafür sorgen, hoffentlich gemeinsam, dass es vorangeht für Moldau.

Wie es die anderen Kollegen der Ampel auch schon gesagt haben: Wir können heute dem Antrag der Union leider nicht zustimmen; weil er in der nächsten Zeit keinen Mehrwert bietet.

Es ist alles richtig, was drinsteht!

Aber im Dezember vielleicht, wenn wir selber was machen, dann gerne.

Danke für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dann haben Sie nicht zugehört!

Tagesordnungspunkt 194 RedenReaktionswert: niedrig
3 Vermerkeca. 375 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich denke, es ist unstrittig, dass es sich bei Müllverbrennungsanlagen nicht um einfache bauliche Anlagen wie einen Carport oder einen Skatepark handelt, sondern es geht hier um Industrieanlagen, von denen erhebliche Gefahren für die menschliche Gesundheit und die Umwelt ausgehen können.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kommt es immer wieder zu entsprechenden tragischen Vorfällen, wie zuletzt 2021 in Leverkusen, als bei der Explosion einer Sondermüllverbrennungsanlage insgesamt 31 Menschen verletzt wurden und 7 Menschen sogar ihr Leben lassen mussten. Das mahnt, denke ich, uns alle zu Vorsicht beim Betrieb solcher Anlagen und zur notwendigen Risikominimierung.

Aber selbst bei ordnungsgemäßem Betrieb, der ja die Regel ist, entstehen in Müllverbrennungsanlagen Luftschadstoffe mit entsprechenden Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, die nicht zu vernachlässigen sind und die technisch auf das geringstmögliche Maß reduziert werden müssen.

Mit dem vorliegenden Entwurf zur Änderung der Verordnung über Verbrennung und Mitverbrennung von Abfällen sowie zur Anpassung der Chemikalienverordnung

Chemikalien-Verbotsverordnung!

wollen wir dem im Koalitionsvertrag verankerten Ziel, die Umweltbelastung pro Kopf zu senken sowie die Zahl der Todesfälle und der Erkrankungen aufgrund von Luftverschmutzungen zu reduzieren, ein Stück weit Rechnung tragen.

Die vorgeschlagenen Änderungen sind aber kein Selbstzweck, sondern sie sind notwendig, um europarechtliche Vorgaben in nationales Recht umzusetzen. Dazu gehören niedrigere Emissionsgrenzwerte für bestimmte Schadstoffe wie zum Beispiel Stickstoffdioxid – ein Schadstoff, der mitverantwortlich ist für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zahlreiche Todesfälle, etwa 9 000 vorzeitige Todesfälle in Deutschland pro Jahr. Genauso wollen wir die Quecksilber-Emissionswerte weiter reduzieren.

Zu guter Letzt möchte ich in meiner Rede noch kurz auf den im Ausschuss gestellten Änderungsantrag der Union eingehen. Ich habe es Ihnen im federführenden Umweltausschuss schon erklärt: Ihre Kritik bezüglich der Umweltmanagementpläne und der Anwendbarkeit der ISO 14001 können wir nicht nachvollziehen. Ich verweise hier auf die vorliegende Entschließung, in der Ihre Kritik aufgegriffen wird und mit der wir die Bundesregierung auffordern, zusammen mit der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Immissionsschutz durch Hinweise für eine entsprechende Vollzugspraxis zu sorgen und zu gewährleisten, dass der Aufwand für die Betreiber von Anlagen möglichst gering gehalten wird. Somit läuft Ihre Kritik ins Leere. Der Antrag erübrigt sich in diesem Punkt, weshalb wir diesen Änderungsantrag der Union ablehnen werden.

Ich bitte um Zustimmung zur Änderung der Verordnung sowie um Ihre Zustimmung zu der Entschließung.

Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP
Porträt von Rainer Kraft
Foto: Rainer Kraft/Hagen Schnauss
5 Vermerkeca. 426 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Präsidentin! Werte Kollegen! Die Verordnung über die Änderung der Verordnung über die Verbrennung und Mitverbrennung von Abfällen und zur Änderung der Chemikalien-Verbotsverordnung wird jetzt beraten.

Beginnen wir gleich mit dem letzten Punkt. In die Chemikalien-Verbotsverordnung wird nun eine Ausnahme für Treibstoffe im Luftverkehrsbereich aufgenommen, die ohnehin schon flächig praktiziert wird. Zudem werden Ausnahmeregelungen für Formaldehyd und Pentachlorphenol aufgehoben. Das ist so weit unkritisch und kann mitgetragen werden.

Im Bereich der Mitverbrennung von Abfällen sieht es etwas differenzierter aus. Der Reduzierung der Grenzwerte für chlorierte und fluorierte Stoffe, für Schwefeldi- und -trioxid, für Stickstoffmono- und -dioxid sowie Quecksilber kann man zustimmen. Es ist aber auch einmal der Zeitpunkt, um über das Ende von Grenzwertverschärfungen zu diskutieren. Die Null-Schadstoff-Strategie der EU basiert auf dem Nachhaltigkeitsziel 12, „Nachhaltige/r Konsum und Produktion“. Die Intention dahinter ist löblich, stößt aber an das Limit, wenn die Grenzwerte anfangen, die natürliche Konzentration eines Schadstoffes in der Umwelt zu erreichen. Denn viele der genannten Stoffe sind nicht menschengemacht, sondern kommen seit Anbeginn aller Zeiten in geringen Konzentrationen überall um uns herum vor. Diese natürliche Hintergrundkonzentration gibt uns damit auch die Schwelle vor, bis zu der eine Absenkung des Grenzwertes noch Sinn macht.

Beifallbei der AfD

Im Falle der Quecksilberkonzentration in der Abluft von Abfallverbrennungsanlagen wird der Jahresmittelwert nun von 10 auf 5 Mikrogramm pro Kubikmeter gesenkt. Die natürliche Konzentration in der Luft liegt bei 0,01 bis 0,1 Mikrogramm pro Kubikmeter. In Fließgewässern liegt sie bereits bei 100 Mikrogramm pro Kubikmeter und in Sedimenten zwischen 30 und 300 Mikrogramm pro Kilogramm Sediment. Man bewegt sich also bereits auf sehr hohem Niveau, und eine komplette Eliminierung von Quecksilber macht wegen des natürlichen Vorkommens überhaut gar keinen Sinn.

Beifallbei der AfD

Nun aber zu den Schattenseiten der Verordnung, den unnützen, überbordenden Bürokratievorschriften. Zwei ganze Seiten Vorgaben an ein zu etablierendes Umweltmanagementsystem werden als Anlage 6 neu eingeführt, inklusive verpflichtender Umweltbetriebsprüfungen. Ja, die grüne Auditindustrie, sie will eben auch versorgt werden.

Den Vogel schießt aber die Forderung nach Einhaltung von Energieeffizienzwerten und der dazugehörenden Berichtspflicht von Abfallverbrennungsanlagen ab. Wir sprechen hier über Anlagen, deren Zweck die Reduzierung und Unschädlichmachung von Abfällen ist. Die Energieeffizienz dieser Anlagen ist bestenfalls sekundärer Natur. Und wie sollte auch die Alternative für Anlagen aussehen, die diese Effizienz nicht erreichen? Soll man das auf die nächste Deponie rausfahren? Soll man das Hunderte Kilometer durch Europa fahren zu einer Anlage, die die Werte einhält? Das ist schlicht nicht zu Ende gedacht.

Beifallbei der AfD

Aus den beiden letztgenannten Gründen und um unsere Wirtschaft gerade in Zeiten einer Rezession zu schützen, lehnen wir die Verordnung ab.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Anja Karliczek
Foto: Tobias Koch
5 Vermerkeca. 431 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, sich grundsätzlich damit zu beschäftigen, wie wir die Emissionen stärker begrenzen können, insbesondere bei Müllverbrennungsanlagen, ist vernünftig. Deswegen sehen wir auch die Notwendigkeit, mit der heute zu beschließenden Verordnung europäisches Recht in deutsches Recht zu übersetzen.

Wenn Sie, liebe Ampel, mit der Umsetzung der Schlussfolgerungen so lange gewartet haben, weil in Brüssel derzeit noch die Trilogverhandlungen zur umstrittenen Novellierung der Industrieemissionsrichtlinie stattfinden, dann können wir das gut nachvollziehen. Denn Bürokratieabbau kann nur stattfinden, wenn unterschiedliche Regelwerke, die aber immer wieder die gleichen Unternehmen treffen und in die Pflicht nehmen, systematisch miteinander verzahnt werden.

Ein Beispiel, warum die Ampel nicht hält, was sie in Sachen Bürokratieabbau immer verspricht: Im nationalen, im deutschen Recht gibt es bereits die ISO-Norm 14001, die alle sinnvollen Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem regelt. Sicherlich muss diese Norm immer mal wieder aktualisiert werden, zum Beispiel, wenn die IED-Richtlinie tatsächlich so kommt, wie sie derzeit diskutiert wird.

Doch, liebe Kolleginnen und Kollegen, wofür braucht es jetzt eine weitere nationale Regelung für ein Umweltmanagementsystem, wo doch spätestens in wenigen Jahren die endgültige Version der IED-Richtlinie ratifiziert wird und dann automatisch eine europäische Regelung greift?

Beifallbei der CDU/CSU

Deswegen sagen wir als Union: Lasst die Frage des Umweltmanagementsystems offen, oder bindet die Einführung – das wäre unser Vorschlag – an die Ratifizierung der IED-Richtlinie.

Sie reden hier ständig von Bürokratieabbau, und jedes Mal kommt am Ende mehr Bürokratie dabei raus.

Beifallbei der CDU/CSU

Richtig! So sieht es aus!

Ein Industrieunternehmen in Deutschland unter den aktuellen Bedingungen zu führen, macht, glaube ich, nicht mehr viel Freude bei der Regelungswut, die aktuell unterwegs ist.

Ja! Die kommt von Ihrer Kommissionpräsidentin!

Ein zweites Beispiel. Nehmen wir die Annahme von gefährlichen Abfällen. Nach der bisherigen Fassung müssen eine Entnahme von repräsentativen Proben und die Kontrolle der Proben nur dann vor dem Abladen erfolgen, wenn dies nicht mit unverhältnismäßigem Aufwand verbunden ist. Nach der neuen Fassung der Verordnung muss dies in jedem Fall erfolgen, egal wie hoch der Aufwand des Abfallunternehmens ausfällt.

Wirtschaftliche und organisatorische Aspekte spielen für die Bundesregierung wieder mal keine Rolle. In vielen Fällen wird bei der Umsetzung der Schlussfolgerungen angemerkt, dass sich der Aufwand auf das „technisch notwendige Mindestmaß“ begrenzen soll, das europäische Original, die BVT-Schlussfolgerungen, sieht solch eine Einschränkung nicht vor. Wir als CDU/CSU-Fraktion finden es angemessen, wirtschaftliche und organisatorische Aspekte miteinzubeziehen.

Beifallbei der CDU/CSU

Genau deshalb haben wir einen Änderungsantrag eingebracht, den Sie aber leider ablehnen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Reden und Handeln fallen bei Ihnen mal wieder auseinander. Aber dies ist nicht die Zeit, in der wir es uns leisten können, der Musterschüler der EU zu sein.

Beifallbei der CDU/CSU

Deutschland steckt mitten in der Rezession; wir schrumpfen.

Porträt von Anja Karliczek
Foto: Tobias Koch
2 Vermerkeca. 43 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Wir wollen eine echte Eins-zu-eins-Übersetzung von europäischem Recht, ein echtes Level Playing Field und damit gleiche Wettbewerbsbedingungen in ganz Europa.

Um die Zeit muss man doch nicht noch so überziehen!

Mit solch einem überzeugenden Signal könnten Sie Unternehmen begeistern, mit Ihren Standards bestimmt nicht. Deswegen lehnen wir die Fassung ab.

Beifallbei der CDU/CSU

Die von Ihrer Kommissionspräsidentin kommt!

3 Vermerkeca. 277 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! 46 Milliarden US-Dollar: So viel Steuergelder gehen Low-Income Countries jährlich durch Steuervermeidung verloren. Für den afrikanischen Kontinent beläuft sich die Zahl sogar auf 88 Milliarden US-Dollar jährlich. Der größte Teil davon wird durch multinationale Unternehmen und Superreiche umgangen.

Ja, wir müssen deshalb stärker gegen illegale Finanzströme vorgehen und dabei beachten, dass diese Steuervermeidung hauptsächlich von Akteuren aus dem Globalen Norden praktiziert wird. Die Ahndung von Steuerkriminalität sowie die Schaffung rechtlicher Rahmen müssen daher im Vordergrund stehen. Dabei muss Deutschland natürlich seine Hausaufgaben machen und Steuerkriminalität deutlich effizienter vorbeugen, entdecken und ahnden. Deshalb arbeitet die Ampelregierung im Moment auch an einer ambitionierten Reform der Geldwäsche-Ermittlungsbehörde.

Der Globale Norden trägt für die Staatsverschuldung der Entwicklungsländer eine Mitverantwortung. Unternehmen, die insbesondere extraktivistische umwelt- und klimaschädliche Geschäftspraktiken betreiben, müssen endlich zur Kasse gebeten werden.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Nadja Sthamer [SPD]

Unternehmen, die auf fossile Energieträger setzen, umgehen eine Besteuerung und treiben durch ihre Emissionen weiterhin die Klimakrise an. Somit liegen sie insbesondere den Ländern des Globalen Südens gleich doppelt auf der Tasche. Hier müssen wir ansetzen und endlich Maßnahmen treffen, um Gelder für die Klimafinanzierung beispielsweise bei den Hauptverursachern einzutreiben.

Was mir bei Ihrem Antrag, liebe Kolleginnen und Kollegen der Union, fehlt, ist, Gerechtigkeit und Umverteilung zu fördern. Uns als Ampel ist es besonders wichtig, faire Steuersysteme durch die technische Zusammenarbeit zu fördern.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Es ist uns auch wichtig, dass wir internationale Steuerabkommen ausarbeiten, die das Ziel der globalen Gerechtigkeit in den Vordergrund stellen. Deshalb begrüße ich die UN-Resolution zur internationalen Steuerkooperation, da sie alle Länder gleichermaßen in den Verhandlungsprozess einbezieht. Nur so können Lösungen gefunden werden, die strukturelle und historische Ungerechtigkeiten aufbrechen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Nicolas Zippelius
Foto: Tobias Koch
4 Vermerkeca. 366 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Unser langfristiges Entwicklungsziel für die Länder des Globalen Südens muss sein, nachhaltig tragfähige Strukturen zu etablieren, damit die Menschen in diesen Ländern ein freies und selbstbestimmtes Leben führen können. Für eine nachhaltige gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung bedarf es tragfähiger staatlicher Strukturen. Die notwendige öffentliche Daseinsvorsorge – Bildung, Gesundheitssystem, Infrastruktur – gibt es nicht zum Nulltarif. Und sie kann nicht dauerhaft von außen in Form von Finanzmitteln der Entwicklungszusammenarbeit bereitgestellt werden. Zur Schaffung und zum Erhalt eigener tragfähiger Strukturen benötigt ein Staat angemessene Einkünfte.

Beifallbei der CDU/CSU

Die eigene Steuerbasis in einer zugleich fairen und wirksamen Art und Weise zu verbreitern, das Steueraufkommen zu erhöhen und ein effizientes Steuersystem aufzubauen, ist daher ein wichtiges Anliegen der Regierungen der meisten Entwicklungsländer. Es ist unser Ziel, mit diesem Antrag diese Bemühungen zu unterstützen.

Beifallbei der CDU/CSU

Denn die für die Verbesserung der Steuerbasis und Steuererhebung eingesetzten Gelder in der Entwicklungszusammenarbeit können sehr effektvoll sein. Sie haben das Potenzial, eine nachhaltige Entwicklung anzustoßen. Und sie sind Grundlage einer solide finanzierten öffentlichen Daseinsvorsorge und eines funktionierenden Rechtsstaats.

Deshalb fordern wir mit unserem Antrag die Bundesregierung auf, die Beratung der Partnerländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Steuerbereich weiter auszubauen, die Finanzverwaltungen zu stärken, die Steuereinnahmequellen zu diversifizieren und diesen Prozess in Entwicklungsländern durch Wissenstransfer zu unterstützen.

Beifallbei der CDU/CSU

Mit unserem Antrag wollen wir in allen Projekten im Bereich der Steuerverwaltung und -gesetzgebung zugleich darauf hinwirken, Steuerhinterziehung zu bekämpfen sowie Korruption bereits im Ansatz entgegenzuwirken, die Transparenz im öffentlichen Haushaltswesen zu verbessern und so zu guter Regierungsführung beizutragen. Das stärkt das Vertrauen der Bevölkerung, der Partner und Investoren in die Regierungen der Entwicklungsländer.

Wir wollen mit diesem Antrag weiterhin das Steueraufkommen in den Ländern des Globalen Südens stärken, nicht nur, indem wir sie dabei unterstützen, den meist stark ausgeprägten informellen Sektor in den formellen Sektor zu überführen, sondern auch, indem wir helfen, illegale Finanzströme in Entwicklungsländer hinein und aus den Entwicklungsländern heraus sowie Gewinnverschiebungen internationaler Konzerne zu bekämpfen.

Es ist wichtig, Entwicklungsländer beim Aufbau funktionierender Steuersysteme zu unterstützen; denn ein handlungsfähiger Staat ist unverzichtbar, um nachhaltige Schritte zum Erfolg der Agenda 2030 zu machen und die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Johannes Schraps [SPD]

– Da wird in der SPD genickt. Danke schon mal für die Zustimmung!

Porträt von Nicolas Zippelius
Foto: Tobias Koch
1 Vermerkca. 38 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Zum Abschluss. Wir laden Sie ein: Lassen Sie uns gemeinsam diesen wichtigen Bereich der Entwicklungszusammenarbeit weiter vertiefen. Ich freue mich auf die Debatte hier im Plenum und auf die Diskussion im Ausschuss.

Herzlichen Dank, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
6 Vermerkeca. 419 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Werte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Man kann fast schon sagen: „Guten Morgen, Deutschland!“, aber auf alle Fälle: Gute Nacht, CDU!

Beifallbei der AfD

Mit diesem Antrag haben Sie das letzte politische Nachttischlämpchen ausgeschaltet, das Sie noch hatten.

Wie lange haben Sie denn für den Kalauer gebraucht?

– Drei Sekunden.

„Steueraufkommen in Entwicklungsländern stärken“ – mal ganz davon abgesehen, dass das nicht unsere Aufgabe ist, kommen wir doch mal zu den Fakten. Das gesamte Bruttoinlandsprodukt von Afrika ist geringer als das von Deutschland. Es ist sogar geringer als das vom Bundesstaat Kalifornien. Afrika fehlt Wertschöpfung. Der Reichtum liegt nicht im Rohstoff, sondern in dessen Verarbeitung; das müssten Sie eigentlich wissen.

Über 75 Prozent der Afrikaner arbeiten im informellen Sektor. Warum? Da verdienen sie wenigstens einen Mindestlohn von 40 bis 100 Euro im Monat. Es fehlt an formellen Arbeitsplätzen in Afrika; das müssten Sie wissen.

Bis zu 10 Prozent der Wirtschaftsleistung mancher afrikanischen Länder entstehen durch Rücküberweisungen aus der Diaspora im Ausland. Deswegen ist Migration nach Europa auch ein Geschäftsmodell.

Beifallbei der AfD

Dennoch fehlt es an Perspektive vor Ort. Und warum? Liegt das am Steuermodell? Es gibt einen globalen Transparenzindex für Steuerausgaben. Jetzt müssen Sie mal genau hinhören: Von den Top-60-Ländern sind 20 afrikanische Staaten. Auf Platz 8 ist Benin, direkt nach Deutschland, Frankreich, den USA und Italien. Vielleicht sollten wir einmal aufhören, vielleicht sollten Sie einmal aufhören, zu versuchen, den Afrikanern die Welt zu erklären.

Beifallbei der AfD

Vielleicht sollten Sie auch mal aufhören!

Die Zeiten sind vorbei. Die Sahelzone lässt übrigens grüßen.

Afrikas Probleme sind nicht nur hausgemacht, wie die Themen „Korruption“ und „Entwaldung“, sie sind auch das Endresultat von Nichtteilhabe, Nichtwertschöpfung und Bevormundung. Afrikas Probleme sind Krisen und Kriege, und die haben ihren Ursprung in den fehlenden Perspektiven.

Bei SDG 17, das Sie, Kollegen von der CDU, ja gerade so schön zitiert haben, geht es übrigens nicht nur um Steuern, sondern auch um Entwicklungspartnerschaften mit der deutschen Industrie. „Wissens- und Technologietransfer“ sind die Zauberworte. Genau darum geht es.

Darum geht es auch in den über 15 Anträgen, die die AfD-Fraktion mittlerweile gestellt hat, die Sie grundsätzlich ablehnen. Und gerade die FDP lehnt sie ab – und jetzt genau zuhören! –, weil die AfD, wir, die AfD, damit die deutsche Wirtschaft unterstützen wollen. Ja, so was aber auch! Und gerade lehnt sich die CDU an die Schulter der FDP und argumentiert genauso und lehnt AfD-Anträge ab, weil Sie gar keine Lust haben, die deutsche Wirtschaft zu unterstützen.

Beifallbei der AfD

Also, es geht um den Aufbau von Wertschöpfung mit Hilfe und Unterstützung der deutschen Industrie. Nicht Gendern füllt den Magen, liebe Freunde, sondern gute Arbeitsplätze.

Beifallbei der AfD

Nicht feministische Entwicklungsphrasen schaffen Bildung, sondern gute Arbeitsplätze.

1 Vermerkca. 18 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Und kein Steuersystem macht Sinn ohne Wertschöpfung, also ohne echten Arbeitsmarkt. – Ich komme zum Ende, liebe Frau Präsidentin.

Nein, jetzt ist Schluss!

2 Vermerkeca. 23 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Schaffen wir Arbeit, starten wir endlich mit Global Gateway, und machen wir als AfD endlich wieder das Licht an für Deutschland!

Danke schön.

Beifallbei der AfD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Nadine Heselhaus
Foto: Photothek Media Lab
5 Vermerkeca. 477 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Gesetze sollten rechtssicher, zielgerichtet und effektiv sein. Als Gesetzgeber ist es unsere Aufgabe, genau das regelmäßig zu überprüfen. Das ist gerade aufgrund des gesellschaftlichen Fortschritts auch im Berufsrecht notwendig.

In Deutschland scheiterte eine bereits von Peer Steinbrück geplante Neuregelung des Rechts der steuerberatenden Berufe am hartnäckigen Widerstand der CDU/CSU im Bundestag. Sie hat eine Modernisierung bis zuletzt abgelehnt. Dabei wurde Deutschland bereits 2018 von der EU-Kommission aufgefordert, gesetzliche Anpassungen vorzunehmen. Durch eine kooperative Haltung und fachlichen Austausch ist es dem Finanzministerium gelungen, eine Klage durch die EU-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof zu verhindern.

Zu den Details. Welche Regelungen haben wir bisher? Die Hilfeleistung in Steuersachen ist nach deutschem Recht bestimmten Berufsgruppen vorbehalten. Dieser Vorbehalt wird mit entsprechender Qualifikation, dem Verbraucherschutz und der Sicherung des staatlichen Steueraufkommens begründet. Das Steuerberatungsgesetz unterscheidet dabei zwischen einer Befugnis zur unbeschränkten geschäftsmäßigen Hilfeleistung in Steuersachen, vor allem durch Steuerberater/-innen und Rechtsanwälte, und zur beschränkten Hilfeleistung in Steuersachen, zum Beispiel durch Notare oder Lohnsteuerhilfevereine. Wer die beschränkte geschäftsmäßige Hilfeleistung durchführen darf, steht in einem umfangreichen abschließenden Katalog.

Dieser historisch gewachsene Katalog hat zuletzt die Frage nach der Systematik und den Zusammenhängen aufgeworfen. Schließlich eröffnete die Europäische Kommission das Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland, und deswegen müssen wir hier auch tätig werden.

Beifallbei der SPD

Ziel des Gesetzgebungsverfahrens ist es also, eine umfassende, systematische und zusammenhängende Neuregelung der beschränkten geschäftsmäßigen Hilfeleistung in Steuersachen zu schaffen. Damit soll für die Berufsfreiheit sowohl in ihrer grundgesetzlichen als auch in ihrer europäischen Dimension vollumfänglich Sorge getragen werden. Zusätzlich geht es darum, Verbraucherinnen und Verbraucher vor Risiken durch unsachgemäße Hilfeleistung zu schützen.

Wie wird dieses Ziel erreicht? Der vorliegende Entwurf schafft die abschließende Aufzählung der erlaubten Tätigkeiten im Rahmen der beschränkten Hilfeleistung in Steuersachen ab.

Neu eingeführt wird das unterscheidende Merkmal, ob die Hilfeleistung als Hauptleistung oder als Nebenleistung im Zusammenhang mit einer anderen Tätigkeit erbracht wird. Hilfeleistung in Steuersachen in Nebentätigkeit wird grundsätzlich erlaubt, insofern sie zum entsprechenden Tätigkeitsbild gehört. Im Ergebnis trägt diese vereinfachte Regelung zu mehr Klarheit bei.

Mehr Klarheit schaffen wir auch für Lohnsteuerhilfevereine. Wir nehmen sie aus dem bisherigen System raus und schaffen eine eigene Regelung.

Die Vorschrift über unentgeltliche Hilfeleistung in Steuersachen wird weitestgehend an das Rechtsdienstleistungsgesetz angeglichen. Warum das wichtig ist? Nach aktueller Rechtslage ist es nicht erlaubt, dass Steuerberater/-innen Freunden unentgeltlich in Steuersachen helfen. Rechtsanwälte dürfen jedoch Freunde unentgeltlich rechtlich beraten. Das ist nicht einheitlich und nur schwerlich zu vermitteln, und deshalb ändern wir das.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Sehr richtig!

Und wir schaffen die Möglichkeiten für eine praxisnahe Ausbildung. Die unentgeltliche Hilfeleistung kann auch durch sogenannte Tax Law Clinics erfolgen. Hier werden Studierende zu Ausbildungszwecken unter Anleitung einer besonders qualifizierten Person kostenlose Hilfe in Steuersachen leisten können.

Ich freue mich auf die Beratungen und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifall

Wir fahren fort in der Debatte. Als Nächstes erhält das Wort Sebastian Brehm für die CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
3 Vermerkeca. 715 WörterReaktionswert: niedrig
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Liebe Frau Präsidentin! Erst mal: Liebe Kollegin Heselhaus, alles Gute zum Geburtstag!

Wir haben jetzt wieder mal Nacht, und damit ist auch wieder Zeit für die stille Erotik des deutschen Steuerrechts. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir beraten hier heute den Gesetzentwurf zur Neuregelung beschränkter und unentgeltlicher geschäftsmäßiger Hilfeleistung in Steuersachen.

Worum geht es? In Deutschland besteht an einer sachgerechten Steuerberatung ein besonderes öffentliches Interesse. Steuerberater nehmen zwar einerseits die Belange der Mandanten wahr, aber andererseits haben sie auch eine Vertrauensstellung gegenüber Finanzbehörden und Finanzgerichten. Daher liegt es auch im Interesse der Allgemeinheit, dass Personen, die nicht über die erforderlichen Qualifikationen, Erfahrungen und Eignungen verfügen, von der Hilfeleistung in Steuersachen ausgeschlossen sind.

Die Zulässigkeit der Beschränkung der Berufsausübungsfreiheit gegenüber Artikel 12 Grundgesetz haben die Gerichte mehrfach bestätigt. Die Befugnis zur unbeschränkten Hilfeleistung ist an bestimmte Personengruppen geknüpft, zum Beispiel Steuerberater, Steuerbevollmächtigte, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer. Es gibt aber auch die Befugnis zur beschränkten Hilfeleistung, geregelt im Steuerberatungsgesetz, zum Beispiel für ausländische Steuerberater nach § 3a Steuerberatungsgesetz. Daneben gibt es bislang in § 4 Steuerberatungsgesetz eine abschließende Aufzählung eines Personenkreises, und genau um diesen Personenkreis geht es.

Die Europäische Union hat genau an dieser bisherigen Systematik Kritik geäußert und ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet.

Donnerwetter!

Grund für dieses Verfahren ist § 4 Steuerberatungsgesetz, Befugnis zu beschränkter Hilfeleistung in Steuersachen. Die Kommission bemängelt eben, dass die abschließenden Ausnahmetatbestände für beschränkte Hilfeleistung in Steuersachen nicht mehr zeitgemäß sind.

Deswegen hat die Bundesregierung hier einen Gesetzentwurf mit 94 Seiten eingebracht, eine Vielzahl von Veränderungen in diesem § 4 Steuerberatungsgesetz vorgenommen und ihn grundsätzlich systematisch neu geordnet. Geschäftsmäßige Hilfeleistung in Steuersachen darf danach im Zusammenhang mit anderen Tätigkeiten vorgenommen werden, wenn es eine Nebenleistung zu dem Berufsbild oder zu dem Tätigkeitsbild desjenigen ist, der berät. Kurz gesagt: Die Nebenleistung darf gegenüber der Hauptleistung nicht überwiegen.

Wir begrüßen den Gesetzentwurf der Bundesregierung grundsätzlich, gerade weil sie auch einige Dinge aus dem Referentenentwurf noch mit aufgenommen hat, zum Beispiel die beschränkte Hilfeleistung für Vereine der Land- und Forstwirtschaft und andere Dinge. Aber natürlich gibt es auch einige Punkte, über die wir noch reden müssen; denn es geht ja auch darum, unrechtmäßige Steuergestaltungen oder fehlerhafte Beratungen zu vermeiden, wenn es um die Besteuerung von Steuerpflichtigen geht. Deswegen muss zu jeder Zeit klar sein, wer die Verantwortung für die Beratung trägt, wer diese ordnungsgemäß erbracht hat und wer im Schadensfall die Haftung übernimmt.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wenn man diese Leitplanken setzt und sich dann den vorliegenden Gesetzentwurf ansieht, dann erkennt man drei Punkte, über die wir, glaube ich, noch mal miteinander reden müssen:

Erstens: die sogenannten Tax Law Clinics. Was ist das? Das ist eine unentgeltliche studentische Steuerberatung an Universitäten, die in Analogie zu § 6 Rechtsdienstleistungsgesetz vorgenommen werden kann. Grundsätzlich ist das in Ordnung, weil man junge Menschen an das Berufsbild des Steuerberaters heranführt. Aber es ist keine laufende Begleitung oder Beaufsichtigung von fachlich qualifizierten Personen vorgesehen und auch kein Abschluss einer entsprechenden Berufshaftpflichtversicherung. Deswegen müssen wir über die Berufshaftpflichtversicherung diskutieren oder alternativ darüber, dass darauf hingewiesen wird, dass die Haftung ausgeschlossen wird. Wir müssen über die Art und den Umfang dieser Hilfsdienstleistungen und der Befugnisse diskutieren. Und wir müssen darüber diskutieren, wie ein Begleitprozess für diese jungen Leute an den Universitäten stattfinden kann und wie qualifiziertes Personal sie anleitetet, überwacht und laufend begleitet, sodass die Beratung ordnungsgemäß erfolgen kann. Grundsätzlich ist das, wie gesagt, positiv, weil wir junge Leute an den Beruf heranführen, aber wir müssen schon die Leitplanken Haftung, Verantwortung und Beaufsichtigung mitdiskutieren.

Zweitens. Es gibt bei der Neuregelung eine Erweiterung bei unentgeltlichen beschränkten Hilfeleistungen in Steuersachen, sodass man nicht nur Angehörige, sondern auch Nachbarn unentgeltlich beraten kann. Bisher war der Kreis auf Familienangehörige nach § 15 Abgabenordnung beschränkt und wird nun erweitert.

Damit wäre ich beim dritten Punkt meiner Kritik. Dass man Finanzbeamte und Beschäftigte von Bundes- und Landesfinanzbehörden miteinbezieht, halten wir für falsch. Der Punkt ist, dass eben keine Berufshaftpflichtversicherung, keine Verantwortlichkeit für Mängel in der Steuerberatung oder für entsprechende Haftungsfälle besteht. Deswegen muss man darüber noch einmal kritisch diskutieren.

Wir erwarten eine Diskussion über genau diese drei Punkte: Wie geht das mit der Haftung? Wie können wir eine ordnungsgemäße Beratung sicherstellen? Und: Wie schaffen wir es am Ende, das Vertragsverletzungsverfahren insbesondere im Hinblick auf § 4 Steuerberatungsgesetz zu Ende zu führen, sodass die berufliche Qualifikation wieder im Vordergrund steht und die Steuerberatung von Profis übernommen wird? Das ist die Diskussion.

2 Vermerkeca. 9 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Deswegen freuen wir uns auf die Beratungen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der AfD
4 Vermerkeca. 437 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegen! Herr Brehm hat es schon gesagt: Das ist natürlich ein Thema, das so kurz vor Mitternacht die Massen so richtig mitreißt.

Aber die Gruppen, die hier betroffen sind, haben schon ein gewisses Interesse daran, dass diese Regelungen auch gesetzeskonform umgesetzt werden.

Das sind erst einmal die Steuerberater, die natürlich ein Interesse daran haben, dass ihre Kompetenzen nicht weiter beschnitten werden und dass die Qualität in der Steuerberatung erhalten bleibt.

Da sind die Lohnsteuerhilfevereine, die lediglich Arbeitnehmer und Rentner und Einkünfte aus Kapitalvermögen/NV betreuen dürfen, kleinere Einkünfte aus Gewerbebetrieben dürfen sie nicht betreuen.

Und dann gibt es die Gruppe der selbstständigen Buchhalter, die interessanterweise die Kontierung von Belegen und Lohnbuchhaltung vornehmen können, aber keine Umsatzsteuer-Voranmeldung erstellen dürfen. Ich hoffe, dass meine Kollegen mich jetzt nicht steinigen, aber ich finde das nicht mehr zeitgemäß.

Beifallbei der AfD

Ich denke mal, wer in der Lage ist, Belege zu kontieren, entsprechend mit Vorsteuerabzug etc., kann auch eine Umsatzsteuer-Voranmeldung – wo ist da der qualitative Fortgang? – vornehmen. Ich denke, diese Regelung sollte man im Finanzausschuss noch mal diskutieren und gegebenenfalls anpassen.

Wir müssen auch einsehen: Die Aufgaben der Steuerberater an sich werden ja immer komplexer und vielfältiger, und wir haben – ähnlich wie bei den Ärzten auch – ein Nachwuchsproblem. Als ich 1994 meine Steuerberaterprüfung gemacht habe, hatten wir in Thüringen 150 Bewerber, von denen ungefähr 70 die Prüfung bestanden haben. Letztes Jahr hatten wir 40 Bewerber, wovon 18 die Prüfung bestanden haben. Das heißt, das Problem, das viele Ärzte schon jetzt haben – sie finden keine Praxisnachfolger mehr, viele Praxen werden schließen –, werden wir zukünftig auch bei den Steuerberatern haben.

Steuerrecht vereinfachen!

– Genau, das Steuerrecht vereinfachen, ganz richtig.

Aber nicht die Prüfung leichter machen!

– Nein!

Wenn wir über Buchhaltung und Umsatzsteuer-Voranmeldung sprechen – ich komme wieder auf das Thema zurück –: Wieso sollen Buchhalter, das heißt Steuerfachwirte, Bilanzbuchhalter, die eine entsprechende Qualifikation aufweisen, nicht in der Lage sein, eine Umsatzsteuer-Voranmeldung zu erstellen? Es muss natürlich an bestimmte Voraussetzungen gebunden sein, das heißt neben der Qualifikation an die Verpflichtung zur Fortbildung. Und dann muss – auch das wurde schon angesprochen – eine Berufshaftpflicht auch für Buchhalter bestehen. Man könnte es auch einschränken, zum Beispiel, indem man bei Mandanten mit bis zu einem Umsatz von 100 000 Euro die Möglichkeit der Umsatzsteuer-Voranmeldung einräumt.

Gar nicht zustimmen kann ich – Herr Brehm hat die Regelung angesprochen – der Ausweitung des Personenkreises bei der unentgeltlichen Hilfeleistung nach § 6 Absatz 2 Steuerberatungsgesetz. Bisher durfte man lediglich Familienangehörige unentgeltlich beraten. Jetzt kann man auch Nachbarn und sonstige Bekannte unentgeltlich beraten. Wo ist der Anfang, wo ist das Ende dieser Regelung?

Beifallbei der AfD

Es geht nicht nur um die Qualität der Steuerberatung, es geht auch um das Steueraufkommen.

ca. 36 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Letzter Satz – Entschuldigung! –: Wir hatten gestern eine Beratung mit den Vertretern der Finanzämter. Die haben dasselbe Problem wie wir: Sie haben Arbeitskräftebedarf. Und die Kommunen müssen sich darauf verlassen können, dass die Steuererklärungen, die dort eingehen, –

1 Vermerkca. 6 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– auch sachgemäß eingereicht werden.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Enrico Komning
Foto: Enrico Komning
6 Vermerkeca. 368 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Kollegen! „Sozial-ökologische Transformation beenden“, es ist – auch angesichts der aktuellen Ereignisse – schade, dass ein Thema wie dieses, das nicht zuletzt das Zukunftsthema für den Wohlstand unseres Landes ist, leider erst mitten in der Nacht behandelt werden muss. Aber wenn ich mir die Präsenz meiner Fraktion angucke: Wir wissen, worauf es ankommt.

Beifallbei der AfD

Ich möchte auch zu dieser späten Stunde betonen: Die soziale Marktwirtschaft ist für Deutschland – und das sage ich als AfDler! – alternativlos. Und Sie, meine Damen und Herren von der Bundesregierung, Sie schaffen sie ab, mutwillig – ein einmaliger Vorgang in der Geschichte unseres Vaterlandes. Damit, meine Damen und Herren, muss Schluss sein!

Beifallbei der AfD

Die sozial-ökologische Transformation, unter deren Narrativ diese Bundesregierung die gesamte Wirtschaft umzubauen gewillt ist, ist nichts anderes als ein Euphemismus für soziale Planwirtschaft, ökosoziale Planwirtschaft.

Beifallbei der AfD

Wir brauchen aber im Gegenteil mehr Freiheit, eine Wirtschaftspolitik für breiten Wohlstand für die Bürger dieses Landes und nicht für ein paar in sich verlorene Ökoideologen. Wir sehen es ja heute schon: Die in Deutschland einstmals so starke Automobilzulieferindustrie hat seit dem Jahr 2019 2,7 Prozentpunkte Weltmarktanteil verloren. Das ist genau so viel, wie in den 20 Jahren vorher hinzugewonnen werden konnte. Laut der Unternehmensberatung Berylls wird die Autoproduktion in Deutschland bis 2029 um 2,7 Millionen Fahrzeuge schrumpfen, während sie im gleichen Zeitraum in Amerika und China massiv steigen wird. Sie, meine Damen und Herren von der Bundesregierung, verspielen über Nacht die Arbeit einer ganzen Generation!

Beifallbei der AfD

Wir fordern Sie mit unserem Antrag auf, das Projekt der sozial-ökologischen Transformation, mit dem Sie alles wirtschaftspolitisch Vernünftige kaputtmachen, zu beenden. Konstanz der Wirtschaftspolitik ist für den Planungshorizont und die Investitionsperspektiven für unsere Unternehmen grundlegend. Ihre ideologisch verbrämte Verbotskultur und das alleinige Setzen auf Elektromobilität machen Deutschland in einem nie gekannten Maße rohstoffabhängig, und zwar von Ländern zweifelhafter Provenienz. Lithium, Grafit und Kobalt, meine Damen und Herren, werden in den meisten Fällen nämlich nicht in lupenreinen Demokratien abgebaut.

Aber Gas und Öl!

Es ist der Maschinenbau, der die Deutschlandfahne im Konzert der Wirtschaftsmächte noch hochhält. Wir brauchen daher Investitionen und keine Deindustrialisierung. Beenden Sie Ihren ideologischen Umbau der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft! Dann klappt es auch beim nächsten Mal mit dem Wiedereinzug in den Deutschen Bundestag.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
16 Vermerkeca. 486 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nach der schwersten Energiekrise, die dieses Land je erlebt hat,

Zurufvon der AfD

haben wir die Talsohle durchschritten. Die Wirtschaftsforschungsinstitute der großen Universitäten haben diese Woche ihre Konjunkturdaten vorgelegt und erwarten für 2024 wieder ein Wachstum der deutschen Volkswirtschaft, und zwar von 1,4 Prozent.

Lachendes Abg. Karsten Hilse [AfD]

Die Inflation kehrt zurück auf Normalitätsniveau, 2,6 Prozent.

Das – lassen Sie mich das ganz deutlich sagen – ist keine Selbstverständlichkeit nach den letzten eineinhalb Jahren, das war harte Arbeit,

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

harte Arbeit der Unternehmen, der Beschäftigten und dieser Bundesregierung, die die Abhängigkeit vom russischen Gas beendet hat, die dafür gesorgt hat, dass die Unternehmen einigermaßen ordentlich durch diese Krise gekommen sind und dass auch Verbraucherinnen und Verbraucher einigermaßen verlässliche Strom- und Gaspreise haben konnten. Das war eine riesengroße Gemeinschaftsleistung. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön für diese Zeit!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Unser Ziel in der Ampel ist sehr klar: Wir werden Deutschland nachhaltig wettbewerbsfähig machen, übrigens im Geleitzug unserer demokratischen Freunde weltweit. Bezahlbare, saubere Energie ist unser Leitbild.

Ist das Katar, wovon Sie sprechen?

Die ausreichende Versorgung mit Arbeitskräften und Fachkräften, die momentan so viele Unternehmen umtreibt, ist unser Ziel,

Zurufvon der AfD: Sind doch Millionen gekommen!

ebenso eine exzellente physische und digitale Infrastruktur. Erst jetzt haben wir wieder beschlossen, in die Bahn zu investieren, die so lange auf Investitionen warten musste. Wir sind dabei, auch die digitalen Löcher zu schließen. Das ist das Ziel, das wir hier verfolgen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Alles in allem wollen wir natürlich auch Bürokratie abbauen und Regulierung so gestalten, dass sie Innovationstreiber wird, dass sie eben nicht Belastung bleibt, sondern dass sie stärker dafür sorgt, dass gute Ideen auf den Weg kommen können. Das hat das BMWK jüngst mit der Einführung des Praxischecks bewiesen.

Was ist ganz konkret schon erreicht worden? Ich nenne schlagwortartig einige Dinge, auf die wir stolz sind. Die EEG-Umlage ist abgeschafft.

Die ist nicht abgeschafft! Das ist einfach nur im Haushalt versteckt! Das sind Fake News!

Damit ist Energie günstiger geworden. Die Ausweitung der Mittelstandsfinanzierung stärkt kleine und mittlere Unternehmen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Der Ausbau der Erneuerbaren ist endlich entfesselt. Wir haben dieses Jahr die Ausbauziele bei den PV-Anlagen schon übererfüllt. In meinem Land, Baden-Württemberg, ist die Windkraft endlich auf Rekordniveau. Genau das ist das Ziel, wohin wir wollen; denn dadurch wird Energie bezahlbar.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

H2, Wasserstoff: Das Kernnetz wird im Aufbau sein, als Backup für die Erneuerbaren; auch so werden Speicher entstehen. Das ist das Energienetz der Zukunft. Erfolgreiche Ausrichtung auf Zukunftstechnologien. Die Ansiedlungspolitik trägt Früchte: Gerade in Ostdeutschland sehen wir Batterieindustrie, Digitalisierung. Die Kreislaufwirtschaft fängt an, Fahrt aufzunehmen. Das sind die wichtigen Zukunftsbereiche, die wir stärken wollen, übrigens auch mit neuen Handelsabkommen und mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Lassen Sie mich zum Schluss eines ganz deutlich sagen: Wenn es eine Gefahr für diesen Wirtschaftsstandort Deutschland gibt, dann ist es die Fraktion, die diesen Antrag gestellt hat, dann ist es die AfD.

Beifalldes Abg. Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Sie sind diejenigen, die mit Ihrem Geschäftsmodell Hass und Hetze säen, Sie wollen das Wir gegen das Die ausspielen, Sie sind eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Zurufvon der AfD: Ja, genau!

Aber die Kraft der Demokratinnen und Demokraten wird diese Gefahr bannen.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU

Jetzt kommt ein Fachmann!

Porträt von Klaus Wiener
Foto: Dr. Klaus Wiener/Justus Kersting
24 Vermerkeca. 679 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist bereits spät am Abend; deshalb komme ich auch gleich zur Sache: Wir lehnen den Antrag der AfD ab.

In dem Antrag geben Sie vor, sich große Sorgen um die deutsche Wirtschaft zu machen. Sie werben auch für eine wirtschaftsfreundliche Mittelstandspolitik, weil Ihnen ja gerade die kleinen und mittleren Unternehmen so sehr am Herzen liegen – schreiben Sie zumindest. Einen besonderen Fokus legen Sie im Antrag auf die Automobilbranche, von der Sie annehmen, dass sie besonders akut gefährdet ist; langfristig sei es sogar die ganze deutsche Industrie.

Meine Damen und Herren, ich gehöre hier sicher nicht zu denen, die die Wirtschaftspolitik der Ampel verteidigen. Im Gegenteil – ich habe das an dieser Stelle schon öfter gesagt, und ich sage es auch heute noch mal –: Diese Rezession ist die Rezession der Ampel.

Beifallder Abg. Julia Klöckner [CDU/CSU]

Und, Frau Detzer, ob die Talsohle durchschritten ist, das wollen wir mal sehen. Das sind alles Prognosen. Da kann sich noch viel ändern, so wie wir das auch 2023 erlebt haben.

Zurufdes Abg. Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Allerdings – und jetzt komme ich noch mal zur AfD –: Man sollte die Wirtschaftspolitik anderer Parteien wohl kaum so heftig kritisieren, wenn man wie Sie Dinge vorantreiben will, die ganz sicher zu einem wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands führen würden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP und der Abg. Dr. Sandra Detzer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Was meine ich damit? Ihre Partei sagt ganz offen, dass die EU gescheitert ist.

Ist sie ja auch!

Stattdessen wollen Sie einen „Bund europäischer Nationen“, was immer das auch ist.

Beifallbei der AfD

Das haben Sie gerade in Magdeburg verabschiedet.

Eine Wirtschaftsgemeinschaft wollen wir! Eine Wirtschaftsgemeinschaft!

Ich sage Ihnen: Wenn wir den europäischen Binnenmarkt verlassen oder auch nur beschädigen,

Wir wollen den Binnenmarkt nicht verlassen!

dann werden wir einen so starken wirtschaftlichen Niedergang erleben, dass das, was gerade passiert, dagegen ein laues Lüftchen ist.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Sie sagen auch ganz ungeniert: Der Euro ist gescheitert.

Ist er ja auch!

Auch das ist nicht richtig. Gemessen an der inneren Stabilität, also an der Inflationsentwicklung seit Einführung des Euro, aber auch gemessen an der äußeren Stabilität, also am Außenwert des Euro, der aktuell sehr hoch ist,

Der Euro hat 80 Prozent Wert gegenüber Gold verloren in seiner Existenz! 80 Prozent!

angesichts dieser inneren und äußeren Stabilität kann man von einem Scheitern nicht sprechen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Gabriele Katzmarek [SPD]

Ich habe mir die Zahlen noch mal genau angesehen: Der Euro hat handelsgewichtet im Juli gegenüber 41 Währungen einen Rekordwert markiert.

Das sind jetzt Fakten! Ist schwierig!

Der Euro ist so stark wie noch nie. Also von wegen gescheitert!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Sandra Detzer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das verstehen die ja nicht!

Das ist ein Rekordhoch, das wir im Juli gesehen haben, beim Außenwert des Euro. Er ist superstark. Der gemeinsame Binnenmarkt braucht die einheitliche Währung. Sie abzuschaffen, wäre neben dem Austritt aus dem Binnenmarkt die zweite wirtschaftliche Katastrophe, die Sie uns vor die Tür kippen würden.

Zurufdes Abg. Karsten Hilse [AfD]

Ich will aber noch einen dritten und vierten Punkt machen. In weiten Teilen Ihrer Partei gibt es eine ablehnende Haltung gegen jedwede Art der Zuwanderung. Damit schaden Sie der Wirtschaft bei der Gewinnung von Fachkräften.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin gegen illegale Migration, und wir als CDU/CSU-Fraktion sagen ja auch ganz deutlich: Die aktuell viel zu hohen Zahlen müssen runter.

Auch bei Ihnen!

So langsam dämmert das ja auch der Ampel, wie wir hören.

So langsam dämmert es der CDU!

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir uns in einem intensiven Wettbewerb um die besten Köpfe weltweit befinden. Da wäre es schon gut, wenn man nicht allen, die zu uns kommen wollen, das Gefühl gibt, dass sie nicht willkommen sind.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Nach Deutschland will doch gar keiner mehr kommen!

Schließlich: Sie sprechen unentwegt von einer irrationalen CO2-Hysterie. Auch da würden Sie uns durch Ihr Nichtstun wirtschaftlich massiv schaden; denn der Klimawandel würde dazu führen, dass viele Vermögenswerte schlicht wertlos werden. Hundertprozentige Sicherheit gibt es nie. Aber die wissenschaftliche Evidenz ist doch mittlerweile so erdrückend, dass es allein unter Risikogesichtspunkten einfach Sinn macht, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Man muss es eben nur richtig machen – vielleicht nicht so wie die Ampel.

Ja, und dafür muss man CO2, also Luft, besteuern! Ist schon klar!

Also: Wenn Kritik an der aktuellen Wirtschaftspolitik der Regierung auch berechtigt sein mag, empfehle ich Ihnen dringend, erst einmal vor der eigenen wirtschaftspolitischen Haustür zu kehren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wenn wir Ihre Konzepte – Austritt aus dem Binnenmarkt, Austritt aus der EU, Euro abschaffen –,

Wir wollen aus dem Binnenmarkt nicht austreten! Wir wollen eine Wirtschaftsgemeinschaft mit Binnenmarkt! Sie müssen noch mal nachlesen!

Wenn wir das alles umsetzen würden, dann wären wir nicht nur der kranke Mann Europas, dann würden wir in der Tat zum kranken Mann der Welt werden. Das gilt es um jeden Preis zu verhindern.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Sandra Detzer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Schon allein deswegen lehnen wir Ihren Antrag ab.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Tagesordnungspunkt 234 RedenReaktionswert: lebhaft
Marco BuschmannFDP· Bundesminister BMJ· MdB
5 Vermerkeca. 618 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und liebe Zuschauer, falls anwesend! Die Bundesregierung legt Ihnen heute ein Justizstandort-Stärkungsgesetz im Entwurf vor. Was es damit auf sich hat, ist schnell erklärt: Deutschland ist ein wirtschaftlich starkes Land, Deutschland ist ein globalisiertes Land. Deshalb gibt es nicht nur Wirtschafts-, sondern auch Rechtsbeziehungen, die grenzüberschreitend sind. Daraus entstehen auch Rechtsstreitigkeiten, und wir haben ein Interesse daran, dass diese Rechtsstreitigkeiten möglichst vor deutschen staatlichen Gerichten beigelegt werden.

Dieses Interesse ist schnell erklärt: Zunächst einmal findet dadurch bessere Rechtsfortbildung statt. Sie ist transparenter und kann durch die Wissenschaft auch besser begleitet werden. Natürlich haben wir auch ein Interesse an den Gebühreneinnahmen aus den häufig sehr hohen Streitwerten, und zwar ganz einfach deshalb, weil im sozialen Rechtsstaat die hohen Streitwerte auch dazu beitragen, dass bei niedrigen Streitwerten entsprechende Verfahren nicht nur zu prohibitiven Kosten geführt werden können.

Wir stellen allerdings einen Trend fest, der schon seit vielen Jahren anhält: dass solche Streitigkeiten vermehrt eben nicht vor deutschen staatlichen Gerichten geführt werden und dass Gerichtsstandsvereinbarungen für ausländische Gerichte oder Schiedsgerichtsorganisationen getroffen werden. Diesen Trend wollen wir mit diesem Gesetzentwurf umkehren.

Wenn man beteiligte Unternehmen fragt, warum sie Vereinbarungen treffen, um diese Streitigkeiten nicht vor deutschen staatlichen Gerichten beizulegen, dann bekommt man entsprechende Antworten, die wir jetzt in Maßnahmen übersetzt haben, die in diesem Gesetzentwurf vorhanden sind. Die erste ist, dass wir den Ländern die Möglichkeit geben wollen, sogenannte Commercial Courts bei den Oberlandesgerichten für Streitigkeiten mit einem Streitwert von 1 Million Euro oder mehr sowie Commercial Chambers bei den Landgerichten einzuführen. Das machen wir übrigens im Einvernehmen mit den Ländern; die freuen sich darauf.

Schon lange!

Die wollen das, weil sie natürlich auch ein Interesse an den Gebühreneinnahmen haben.

Der Vorteil dieser neuen Spruchkörper liegt darin, dass sie nicht nur fachlich hoch spezialisiert sind – das sind die Gerichte heute auch –, sondern dass Sie die Verfahren auch in der Verhandlungssprache Englisch führen können. Denn diese Rechtsstreitigkeiten basieren auf Fällen und Lebenssachverhalten, in denen auf Englisch korrespondiert wird oder englischsprachige Verträge abgeschlossen wurden. Wenn man all das erst übersetzen müsste, dann kostet das Zeit und Geld. Ich finde, es ist längst überfällig, dass wir in Deutschland für solche Fallkonstellationen die Gerichtssprache Englisch einführen, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das alles geschieht natürlich freiwillig, also nur, wenn die Parteien das wollen.

Ein Zweites ermöglichen wir mit den neuen Spruchkörpern der Commercial Courts. Wer zu einem Commercial Court an einem Oberlandesgericht als erster Instanz geht, ruft dort eine abschließende Tatsacheninstanz an. Es bleibt nicht beim dreizügigen Rechtsweg, sondern es ist nur noch ein Rechtsmittel möglich, nämlich die Revision beim BGH. Auch dort kann in englischer Sprache verhandelt werden. Das führt dazu, dass wir schneller zu abschließenden Entscheidungen kommen. Auch das ist ein Bedürfnis der Parteien, die wir in dem Gesetzentwurf in den Blick nehmen: dass sie schneller Rechtsklarheit und abschließende Entscheidungen bekommen. Auch das ist ein großer Fortschritt, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Sandra Detzer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir treffen außerdem organisatorische Maßnahmen, die diese Verfahren attraktiver machen. Eine ist der verpflichtende Organisationstermin. Die Verfahren sollen also nicht vor sich hinplätschern, sondern von Anfang an soll mit allen Beteiligten darüber gesprochen werden: „Wie viele Termine braucht man? Wann finden sie statt? Welche Sachverständigen braucht man?“, damit das ganze Verfahren gestrafft stattfinden kann.

Einen weiteren Vorteil wollen wir einführen, nämlich indem wir Geschäftsgeheimnisse in diesen Verfahren noch besser schützen, damit die Streitparteien nicht vor dem Dilemma stehen, entweder zum staatlichen Gericht zu gehen oder sich für einen starken Geschäftsgeheimnisschutz entscheiden zu müssen. Wir machen beides möglich.

Das ist, glaube ich, ein gutes Paket. Es stärkt die staatlichen Gerichte, es stärkt den Justizstandort Deutschland und ist auch gut für den sozialen Rechtsstaat.

Ich danke Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Martin Plum
Foto: Martin Plum/Gebhard Bücker Fotografie
6 Vermerkeca. 403 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bereits vor rund einem Jahr haben wir als CDU/CSU-Fraktion hier gefordert, den Justizstandort Deutschland durch Commercial Courts, die Gerichtssprache Englisch und einen besseren Geschäftsgeheimnisschutz zu stärken. Richtig, dass Sie unserer Forderung jetzt endlich nachkommen!

Beifallbei der CDU/CSU

Was Sie aber nicht tun, ist, ein attraktives Gesamtpaket für die Verhandlung internationaler Wirtschaftsstreitigkeiten vor deutschen Gerichten zu schnüren. Dafür bleibt schon Ihr Gesetzentwurf zu dürftig. Erstens wäre es nach der Sachverständigenanhörung im März konsequent gewesen, auf eine Streitwertschwelle für Commercial Courts zu verzichten und den Parteien die Wahl zwischen zwei oder einer Tatsacheninstanz zu überlassen. Zweitens hätten dann auch die bewährten Voraussetzungen für die Revisionszulassung beibehalten werden können. Und drittens sind englischsprachige Verfahren vor deutschen Gerichten für international tätige Unternehmen überhaupt nur dann attraktiv, wenn in allen Instanzen auf Englisch verhandelt wird. Das stellt Ihr Gesetzentwurf beim BGH nicht sicher, obwohl ausgerechnet der Sachverständige der FDP-Fraktion klar formuliert hat: Ein Sprachbruch in der Revisionsinstanz entwertet das Gesamtangebot.

Beifallbei der CDU/CSU

Darüber hinaus fehlen auch andere wichtige Inhalte für die Stärkung des Justizstandorts Deutschland in Ihrem Paket völlig. Erstens ist er nur dann international attraktiv, wenn die Urteile deutscher Commercial Courts auch im Ausland vollstreckt werden können. Dafür fehlen außerhalb Europas die notwendigen internationalen Abkommen, und dazu schweigt Ihr Gesetzentwurf gänzlich.

Beifallbei der CDU/CSU

Zweitens zieht der Justizstandort Deutschland nur dann internationale Parteien an, wenn auch das deutsche Recht für sie attraktiv ist, sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Allein auf Bundesebene gibt es rund 4 500 Gesetze und Rechtsverordnungen. Auf einer Internetseite des Bundesjustizministeriums sind jedoch gerade einmal 130 in englische Sprache übersetzt, oft auf völlig veraltetem Stand.

Darüber hinaus verhindert heute nach Aussage fast aller Sachverständigen die strenge AGB-Kontrolle im unternehmerischen Rechtsverkehr die Wahl deutschen Rechts und damit auch die Wahl deutscher Gerichte. Hier braucht es dringend eine Reform, die dem Schutz kleiner und mittlerer Unternehmen genauso Rechnung trägt wie dem Bedürfnis international tätiger Unternehmen nach mehr Flexibilität. Diese Reform bleiben Sie schuldig.

Beifallbei der CDU/CSU

Drittens ist der Justizstandort Deutschland nur dann international attraktiv, wenn Gerichte personell und sachlich vernünftig ausgestattet sind. Wer Ja zu Commercial Courts sagt, der muss auch Ja zum Pakt für den Rechtsstaat und zu einem Digitalpakt Justiz sagen. Es reicht nicht, Jein, Nein oder „Ich weiß nicht“ zu sagen, wie Sie das tun, Herr Buschmann.

Beifallbei der CDU/CSU

Es bleibt also viel Arbeit, um ein wirklich attraktives Gesamtpaket zu schnüren. Wir helfen Ihnen gerne beim Einpacken.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Fabian Jacobi
Foto: Fabian Jacobi
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir verhandeln in erster Lesung einen Gesetzentwurf der Bundesregierung. Genauer gesagt stammt er aus dem Justizministerium. Und wahrlich, es freut mich, zu sehen, dass im deutschen Justizministerium auch andere Gesetze entstehen als solche, die sich damit befassen, Kinder auf ihre zukünftige körperliche Verstümmelung einzustimmen oder Frauen dadurch zu verhöhnen, dass man ihr Geschlecht mit Männern mit seltsamen Fetischen in eins setzt.

Beifallbei der AfD

Nein, dieses Gesetz aus unserem Justizministerium befasst sich tatsächlich mit der Justiz, der deutschen, und soll diese nach der erklärten Absicht seiner Verfasser stärken. Das ist, wie gesagt, erfreulich. Wie soll nach Meinung der Verfasser die Stärkung der deutschen Justiz erreicht werden? Durch zwei Dinge, und die sind dann nur noch teilweise erfreulich.

Zum einen dadurch, dass man für eine bestimmte Kategorie von Rechtsstreitigkeiten, nämlich solche mit einem hohen Streitwert – zwischen Unternehmen oder über einen Unternehmenskauf – besondere Spruchkörper bei den Gerichten bestimmt. Das ist der erfreuliche Teil; denn es trägt dazu bei, dass in solchen besonderen Sachgebieten spezialisierte Richter fachlich auf Augenhöhe mit den oftmals hochspezialisierten Anwälten der Parteien arbeiten können. Es dient also der Qualität der Rechtspflege und ist daher zu begrüßen.

Beifallbei der AfD

Unerfreulich ist dagegen der zweite Aspekt des Gesetzentwurfs. Danach sollen die erwähnten speziellen Spruchkörper einen Zivilprozess vollständig – also von der eingereichten Klageschrift über die gewechselten Schriftsätze und die mündliche Verhandlung bis hin zu dem abschließenden gerichtlichen Urteil – in englischer Sprache durchführen können.

Dieses Vorhaben begegnet hier erheblichen Bedenken. Nur eines davon ist der Umstand, dass vor deutschen Gerichten gemeinhin der Öffentlichkeitsgrundsatz gilt, dass also das Volk, in dessen Namen Recht gesprochen wird, die Verhandlungen, wenn sie denn für die Öffentlichkeit von Interesse sind, auch muss mitverfolgen können. Dass das bei einer komplett in einer Fremdsprache geführten Verhandlung noch uneingeschränkt der Fall wäre, kann man wohl eher nicht annehmen. Die Begründung des Gesetzentwurfs geht darüber ziemlich leichtfüßig hinweg: Heutzutage könne doch eh jeder Englisch, da sei das ja dann kein Problem.

Schwerer wiegt Grundsätzliches. Auch wenn das viele hier im Hause überraschen mag: Das Grundgesetz konstituiert tatsächlich einen Nationalstaat. Der Souverän dieses Staates ist die deutsche Nation, und die Sprache des Souveräns ist die deutsche.

Beifallbei der AfD

All seine Staatsgewalt ist diesem Staat von seinem Souverän verliehen. Und wenn der Staat diese verliehene Staatsgewalt ausübt in Gestalt der Rechtsprechung, dann ziemt es sich, dass er dies in der Sprache seines Souveräns tut.

Beifallbei der AfD

Sagt sich aber der Staat, indem er diese Sprache durch eine andere ersetzt, von seinem Souverän los, dann zerschneidet er das Band, aus dem er recht eigentlich all seine Legitimation zieht.

Meine Güte! Was ist das für eine Sprache hier!

Mit anderen Worten: Er delegitimiert sich, der Staat. Manche sagen, das sei etwas Schlechtes.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
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Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich will zunächst auf Sie antworten, Herr Kollege Jacobi. Sie haben hier in völliger Unkenntnis der Begriffe „Staatsvolk“ und „Souverän“

Ach Gott!

von Delegitimierung des Staatsvolkes gesprochen,

Nein, des Staates!

weil wir für einige begrenzte Sachverhalte die englische Sprache in Verfahren vor den Landgerichten vorsehen.

Zurufdes Abg. Bernd Schattner [AfD]

Das ist in der Tradition derjenigen, die die Demokratie in Abrede stellen, aber es entspricht nicht der verfassungsrechtlichen Wahrheit. Das will ich zunächst einmal hier anführen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wehret den Anfängen!

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass an den Landgerichten sogenannte Commercial Chambers eingerichtet werden können, an denen Englisch Verhandlungssprache wird, und zwar nur dann, wenn beide Parteien das einvernehmlich so vorsehen. Und es sollen Commercial Courts eingerichtet werden, die unter Abkürzung einer weiteren Tatsacheninstanz direkt bei den Oberlandesgerichten angesiedelt werden. Wir wollen uns dieser Idee nicht verschließen, geben aber zu bedenken, dass wir auf einige Dinge aufpassen müssen.

Die Rechtsformwahl in Deutschland und damit auch die Frage, ob internationale Streitigkeiten vor deutschen Gerichten verhandelt werden, ist nicht allein eine Frage, ob man die englische Sprache benutzt, sondern auch eine Frage, wie lange die Verfahren dauern, und vor allen Dingen auch, ob das deutsche Recht attraktiv ist. Einen zivilrechtlichen Schriftsatz nur ins Englische zu übersetzen, wird dem nicht genügen, sondern es kommt darauf an, dass die Verfahren schneller werden, dass genügend qualifiziertes Richterpersonal vorhanden ist, und vor allen Dingen auch, dass unser materielles Recht attraktiv genug ist. Wir müssen also erst über diese Frage sprechen und dann den zweiten Schritt machen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich will auch ganz praktisch zu bedenken geben, ob wir ungeachtet der hervorragenden Englischkenntnisse unserer Richterschaft tatsächlich in der Lage sind, Verfahren speziell in Englisch abzubilden. Würden wir uns beispielsweise trauen, diese Debatte hier in englischer Sprache zu führen?

Diese Fragen müssen geklärt werden. Ich finde, wir müssen dann auch über die Länder in die Köpfe investieren, möglicherweise auch in die Richterbesoldung, um eine entsprechende Qualität sicherzustellen, sodass diese Verfahren auch in englischer Sprache abgewickelt werden können.

Der letzte Punkt. Wenn wir über Justizstärkung sprechen, dann geht es vor allen Dingen um die sachliche und personelle Ausstattung der Justiz. Die größte Herausforderung ist, ungeachtet der Sympathie für diesen Gesetzentwurf, nicht die englische Sprache, sondern die Pensionierungswelle der nächsten Jahre. Wir brauchen ein Augenmerk auf eine ordentliche Ausstattung der Justiz im Bereich Digitalisierung und im Bereich Personal. Das sind die Hausaufgaben, die zuerst gemacht werden müssen.

Beifallbei der CDU/CSU