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122. Sitzung der 20. Wahlperiode

Donnerstag, 21. September 2023 · Berlin

332 Reden in dieser Sitzung

332Reden115.611Wörter
2.000Vermerke
2 namentliche Abstimmungen in dieser SitzungAnzeigen

„Angenommen“ oder „Abgelehnt“ leitet OpenPlenum aus den Ja- und Nein-Stimmen ab. Bei Abstimmungen, die eine qualifizierte Mehrheit verlangen, kann die amtliche Feststellung des Bundestages abweichen.

Verlauf der SitzungBreite = Reden · Farbton = Reaktionswert
Marco BuschmannFDP· Bundesminister BMJ· MdB
7 Vermerkeca. 526 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Eigentlich sollte hier der Finanzminister stehen. Er ist aber leider krank. Deshalb wünsche ich ihm zunächst einmal von dieser Stelle in unser aller Namen einen milden Verlauf und gute Besserung.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der AfD und der LINKEN

Worum geht es? Deutschland braucht mehr wirtschaftliche Dynamik. Eine Quelle wirtschaftlicher Dynamik sind Innovationen. Damit Gründer Innovationen realisieren können, brauchen sie Kapital. Und damit Innovationen und Kapital schneller, besser und leichter in Deutschland zueinanderfinden, legen wir das Zukunftsfinanzierungsgesetz vor, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass seit vielen Jahren auch sehr vielversprechende, gerade technikgetriebene Gründungen, die ihre geistige Wurzel hier in Deutschland haben, ausländische Kapitalmärkte aufsuchen, um an das Geld zu kommen, das sie brauchen, um ihre Visionen zu realisieren. Das ist ein Hinweis darauf, dass möglicherweise der regulatorische Rahmen im Ausland attraktiver ist. Dabei dürfen wir nicht zusehen. Deshalb wollen wir mit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz den Kapitalmarkt in Deutschland für Gründer und für Innovationen attraktiver machen. Das ist, glaube ich, eine wichtige Aufgabe, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir als Bundesministerium der Justiz haben eine ganze Reihe von Mosaiksteinen zu diesem Paket beigesteuert; die kann ich gar nicht alle aufzählen. Wir machen einiges im Bereich der Digitalisierung, etwa die E-Aktie. Wir sorgen für mehr Rechtssicherheit bei Kryptowerten. Ich will aber zwei Beispiele etwas näher beleuchten, an denen man die Philosophie des Gesetzes, glaube ich, erkennen kann.

Das erste Beispiel, das ich nennen möchte, ist die Flexibilisierung des Aktienrechts. Wir haben häufig Gründer, die sagen: Mir geht es gar nicht so sehr um mein persönliches Geld. Ich will Einfluss auf mein Geschäftsmodell, auf meine Visionen behalten. – Diese fühlen sich dann häufig abgeschreckt von einem möglichen Kontrollverlust beim Going-public. Andererseits gibt es natürlich Anleger, die sagen: Wir wollen gar nicht strategisch in das Geschäftsmodell eingreifen. Wir sind Finanzanleger. Wir glauben gerade an diese Gründer. – Und diesen Wunsch, die Kontrolle über die strategische Vision zu behalten und gleichzeitig auf dem Kapitalmarkt Anleger zu finden, realisieren andere Rechtsordnungen über Mehrstimmrechtsaktien. Das ist ein Element, das sich auch größerer Beliebtheit im Ausland erfreut. Wir machen es jetzt möglich, meine sehr geehrten Damen und Herren, dass die Leute dafür nicht ins Ausland gehen müssen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ein zweites Thema. Es geht gerade bei technikgetriebenen Gründungen häufig um Tempo. Wir brauchen Geschwindigkeit. Und deshalb übertragen wir, wenn Sie so wollen, eine Idee, die wir im GmbH-Recht schon kennen, nämlich die Vorwärtsgründung, bei der die ganzen Formalitäten, die eine Gesellschaft in Gang bringen, gewissermaßen schon vorab erledigt werden. Diese Möglichkeit übertragen wir jetzt ins Aktienrecht mit den sogenannten Börsenmantelgesellschaften. Dieses Vorgehen ist in den USA relativ beliebt, scheiterte aber in Deutschland immer wieder an aufsichtsrechtlichen Regelungen. Wir machen das jetzt möglich und bekommen dadurch mehr Tempo bei der Gründung, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das sind Beispiele – ich könnte weitere nennen –, die hoffentlich dazu führen, dass wir eines erkennen: Wir sollten unser Land nicht schlechtreden. Wir haben Know-how. Wir haben Kapital. Wir haben großartige Unternehmen. Und wenn die schneller zueinander finden, dann heißt es in Zukunft hoffentlich auch immer häufiger nicht Zukunft made in California – das ist auch okay –, sondern immer häufiger Zukunft made in Germany.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
8 Vermerkeca. 745 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal möchte ich mich gerne den Genesungswünschen für den Bundesfinanzminister anschließen. Natürlich wünschen auch wir ihm gute und vor allem schnelle Besserung.

Sehr geehrter Herr Minister Buschmann, es hat ja etwas gedauert von der Vorstellung der Eckpunkte für dieses Zukunftsfinanzierungsgesetz bis zur ersten Beratung heute hier im Deutschen Bundestag. Gemeinsam mit Christian Lindner haben Sie am 29. Juni 2022 die Eckpunkte für dieses Gesetz vorgestellt. Da gewinnt der Begriff „Deutschlandtempo“ noch einmal eine neue Bedeutung.

Allerdings!

Also eineinviertel Jahre von der Vorstellung der Eckpunkte bis zur ersten Beratung hier im Hause. Es scheint also auch bei diesen Themen, die sehr technisch daherkommen, das eine oder andere an Erklärungsbedarf innerhalb der Koalition gegeben zu haben.

Was aber die Beschreibung der Herausforderungen angeht, will ich deutlich sagen: Da sind wir uns durchaus einig. Laut Berechnungen der EU-Kommission haben wir in Europa einen Finanzbedarf von etwa 350 Milliarden Euro jährlich für die Bewältigung der ökologischen Transformation. Dazu kommt noch, dass wir wahrscheinlich einen ebenfalls dreistelligen Milliardenbetrag für die Finanzierung der digitalen Transformation benötigen. Und natürlich erfordert auch die Grundlage für künftiges Wachstum, für künftigen Wohlstand, nämlich Innovation, Forschung und Entwicklung, Kapital.

Und klar ist auch, dass weder der Staat noch die Banken in der Lage sein werden, diese immensen Summen tatsächlich zu mobilisieren. Das heißt, wir brauchen private Investoren, wir brauchen den Finanzmarkt, um dieses Kapital bereitzustellen. Ich sage: Ja, der Kapitalmarkt ist die private Alternative gegenüber einer Finanzierung durch den Staat; denn der Staat hat begrenzte Steuermittel. Und er ist auch die bessere Alternative gegenüber dem Staat; denn der Kapitalmarkt motiviert zu Innovation, ist skalierbar und vervielfältigt auch die eingesetzten Investitionen. Das heißt, der Finanzmarkt spielt eine Schlüsselrolle bei der Transformation, bei der Finanzierung von Innovation, von Wachstum und Beschäftigung in der Zukunft.

Um dieses Kapital zu mobilisieren, braucht es einen leistungsfähigen Finanzplatz, Herr Minister. Da sind wir uns mit Ihnen einig. Es braucht ein modernes Kapitalmarktrecht, es braucht dafür aber auch steuerrechtliche Vorgaben. Dazu werden wir gleich in der Debatte sicherlich noch das eine oder andere hören. Ich will deutlich sagen: In dem Sinne behandelt dieser Gesetzentwurf einzelne und wichtige Aspekte zur Weiterentwicklung des Kapitalmarktrechts. Vieles davon entspricht im Übrigen auch unseren Vorstellungen als CDU/CSU, wenn es zum Beispiel darum geht, Börsengänge für Wachstumsunternehmen zu erleichtern oder auch die Rahmenbedingungen für Mitarbeiterbeteiligung in Start-ups zu verbessern.

Ganz offenkundig gibt es ja Handlungsbedarf, wenn es um den Kapitalmarkt in Deutschland geht. Die Zahl der Börsengänge in Deutschland war schon vor einigen Jahren, also sogar noch vor der Coronapandemie, viel zu niedrig im Vergleich zu unserem Bruttoinlandsprodukt oder auch im Vergleich zu anderen Industrienationen. Birkenstock, Atotech und BioNTech –

drei deutsche Unternehmen – haben eines gemeinsam: Es handelt sich nämlich um deutsche Unternehmen, die den Börsengang in den USA gewagt haben und nicht in Deutschland. Oder nehmen wir die Firma Linde, ein deutscher Großkonzern, der sich dafür entschieden hat, von Frankfurt an die New Yorker Börse zu wechseln. Jetzt gibt es dafür immer individuelle Gründe – das ist gar keine Frage –: beispielsweise mehr Analysten für bestimmte Branchen, mehr spezialisierte Investoren oder vielleicht eine zu erwartende höhere Bewertung. Aber es zeigt eben auch, dass so manche Regelungen im deutschen Kapitalmarktrecht nicht mehr zeitgemäß sind und dass wir deswegen auch richtigerweise über Veränderungen sprechen müssen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ein Grund ist aber zweifellos auch die Tatsache, dass in den USA mehr privates Kapital zur Verfügung steht. Damit sind ja nicht nur institutionelle Investoren gemeint, sondern eben auch Privatanleger. Es sind aber genau diese Privatanleger, die jetzt in diesem Gesetzentwurf nicht mehr vorkommen, und das, obwohl sowohl im Eckpunktepapier wie auch im Referentenentwurf die Anlegerseite noch adressiert war, zum Beispiel in Form der Erweiterung des Personenkreises bei der Förderung der privaten Vermögensbildung. Wir müssen stärker auch private Anleger ermutigen, sich am Kapitalmarkt zu engagieren. Vermögensbildung ist ein wichtiges Thema. Wenn wir uns den europaweiten Vergleich anschauen, ist Deutschland dort nämlich bestenfalls Mittelfeld. Und es ist deswegen sehr bedauerlich, dass gerade dieser Punkt nicht mehr in diesem Gesetzentwurf enthalten ist.

Man kann sich jetzt die Frage stellen, warum das so ist.

– So ist es. – Natürlich bietet Vermögen und Eigentum auch finanzielle Freiheit, etwas, was SPD und Grüne grundsätzlich nicht wollen, weil es Unabhängigkeit vom Staat bedeutet.

Das stimmt nicht! Das stimmt nicht!

So ein Quatsch!

Genau das ist der Grund, weswegen es nicht mehr drinsteht.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Ich sage zusammenfassend: Der Gesetzentwurf geht in die richtige Richtung. Im Bereich der privaten Vermögensbildung hätten wir uns mehr gewünscht. Wir werden uns aber konstruktiv in die anstehenden parlamentarischen Beratungen einbringen.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Michael Schrodi
Foto: Michael Schrodi/ Photothek
7 Vermerkeca. 571 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Präsidentin hat gerade noch einmal an Otto Wels erinnert. Er ist uns Mahnung. Aber dem Ganzen ging 1930 der Bruch der damaligen Großen Koalition aus SPD unter Reichskanzler Hermann Müller und den Konservativen an der Frage der Arbeitslosenversicherung voraus. Es sei heute nur daran erinnert und aus dieser Zeit heraus auch Mahnung: Wirtschaftliche Stärke und soziale Sicherheit sind kein Gegensatz. Sie dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern sie bedingen sich gegenseitig, meine sehr geehrten Damen und Herren. Das ist auch die Mahnung dieser Zeit.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Wir diskutieren gerade über die Frage von wirtschaftlicher Stärke. Es gab in den letzten Tagen eine Umfrage der Deutschen Bank, die auch publiziert wurde und besagt, dass der Energiepreisschock die deutschen Firmen trifft, aber sie erstaunlich gut damit umzugehen wissen. 70 Prozent der Unternehmen sagen, sie wollen in großem Stil in Deutschland investieren: in Energieeffizienz, in erneuerbare Energien. Nur 12 Prozent überhaupt sagen, sie könnten sich vorstellen, ins Ausland zu gehen. Das heißt, die deutsche Wirtschaft setzt lieber auf Solar als aufs Ausland. Das ist richtig so, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das Zerrbild der Opposition, Deutschland sei von Deindustrialisierung betroffen und der kranke Mann Europas, hat nach dieser Umfrage auf jeden Fall wenig mit der Realität zu tun.

Zurufvon der AfD

Wir wissen diese Umfrage gut einzuschätzen und einzuordnen. Wir wissen, dass wir einiges auf den Weg bringen müssen, damit die Unternehmen in Deutschland weiterhin investieren und wir zukunftsfähig sind. Deswegen ist diese erste Lesung heute der Startschuss für zahlreiche finanzpolitische Weichenstellungen für mehr Innovation, wirtschaftliches Wachstum, Arbeitsplätze. Damit wir auch in Zukunft wirtschaftlich stark aufgestellt sind.

Zwei Aspekte des Zukunftsfinanzierungsgesetzes will ich dabei erwähnen.

Erstens. Die deutsche Wirtschaft ist von vielen kleinen, von mittleren und mittelständischen Unternehmen geprägt. Auch diese Unternehmen müssen, sie wollen sich modernisieren. Sie wollen die Digitalisierung voranbringen, sie wollen klimaneutral wirtschaften. Und wir wollen ihnen helfen, sich auf den Weg zu machen. Wir wollen ihnen auch Finanzierungen möglich machen, zum Beispiel, indem wir den Zugang zum Kapitalmarkt verbessern, indem wir regulatorische Erleichterungen bei Börsengängen vornehmen, Kapitalerhöhungen erleichtern, Mehrstimmrechtsaktien möglich machen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, das sind vielleicht kleine, aber für diese Unternehmen doch große Schritte, damit sie sich auf den Weg machen können, wirtschaftliche Stärke zu erhalten. Und das ist wichtig in diesem Land, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Für Verbraucherinnen und Verbraucher haben wir jetzt übrigens ein kostenloses Vergleichsportal für Bankguthaben bei der BaFin eingerichtet: Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher.

Aber ein Zweites sei noch gesagt: Wir wissen, wie kreativ, wie innovativ, wie wichtig Start-ups auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland sind. Wir wollen Deutschland zu einem führenden Start-up-Land machen. Die Start-up-Strategie der Bundesregierung ist auf den Weg gebracht. Wir wissen, dass für Start-ups auch gut ausgebildete, motivierte, innovative Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wichtig sind.

Aus der Gesamtschule!

Grundlage dafür ist für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten immer ein guter Lohn. Natürlich gehören auch gute Rahmenbedingungen wie Infrastruktur dazu, Willkommenskultur übrigens auch, meine sehr geehrten Damen und Herren, aber auch verbesserte steuerliche Rahmenbedingungen für die sogenannte Mitarbeiterkapitalbeteiligung, bei der Mitarbeiter Anteilseigner an ihrem Unternehmen werden und am Erfolg teilhaben. Auch das werden wir mit diesem Gesetz nun auf den Weg bringen bzw. verbessern. Wir helfen Start-ups, indem wir eine Mitarbeiterkapitalbeteiligung möglich machen.

All das sind wichtige Maßnahmen. Damit stellen wir die richtigen Weichen für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Ich freue mich auf die Beratungen dieses Gesetzes.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Jetzt ab in den Urlaub, Herr Schrodi, oder? Ab zum Flughafen!

Beifallbei der AfD
5 Vermerkeca. 589 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Eins muss man Ihnen von der Ampel ja lassen: Wenn es darum geht, Namen für Ihre Gesetze zu finden, sind Sie sehr kreativ: Gebäudeenergiegesetz, das ja eigentlich ein Gebäudeenteignungsgesetz ist, im Oktober dann das Wachstumsbeschleunigungsgesetz –

Heißt aber Wachstumschancengesetz! Das ist ja falsch zitiert!

der Name ist ja schon ein bisschen makaber, weil wir das einzige Industrieland sind, das derzeit ein negatives Wachstum ausweist – und heute nun das Zukunftsfinanzierungsgesetz. Das ist ja auch dringend notwendig; denn der Wirtschaftsstandort Deutschland ist in Gefahr. Viele Unternehmen haben sich im Gegensatz zu den Ausführungen von Herrn Schrodi ernsthaft Gedanken darüber gemacht, abzuwandern oder, um mit den Worten von Robert Habeck zu sprechen, einfach aufzuhören, zu arbeiten.

Aber im Gegensatz zu Ihnen, die ja Anträge unserer Fraktion grundsätzlich ablehnen, haben wir uns inhaltlich mit Ihrem Gesetz befasst. Und – da werden Sie staunen – wir haben einige Dinge gefunden, die aus meiner Sicht richtig und auch zielführend sind.

Insbesondere die Erhöhung der steuerfreien Mitarbeiterbeteiligung von 1 440 Euro auf 5 000 Euro ist ein positives Signal. Und – man glaubt es kaum – Sie haben selbst die Sachverständigenkritik am Referentenentwurf aufgegriffen und zusätzlich die Gehaltsumwandlung von 2 000 Euro in den Gesetzentwurf mit aufgenommen.

Auch der Steueraufschub von 20 Jahren ist positiv zu sehen und bindet Mitarbeiter an Unternehmen.

Das Mehrfachstimmrecht – das ist ja schon angesprochen worden – ist grundsätzlich auch positiv, ja. Aber die Frage stellt sich natürlich, ob das Zehnfache des Stimmrechts wirklich zielführend ist. Wenn ich mich an einem Start-up beteilige und 95 Prozent des Kapitals erwerben muss, um 50 Prozent des Stimmrechts zu erhalten, dann ist das, glaube ich, nicht zielführend und führt eher zu einer Abschreckung beim Finden von Investoren.

Die Frage ist natürlich, ob diese ganzen Maßnahmen in diesem umfangreichen Gesetz ausreichend sind. Natürlich nicht. Dazu müssen auch die Rahmenbedingungen angepasst werden. Was nützt uns ein Start-up oder ein mittelständisches Unternehmen, wenn sie, nachdem sie einen Investor gefunden haben, dann keine Facharbeiter finden, die ihre Ideen auch umsetzen können? Diese qualifizierten Fachkräfte – das muss ich auch mal sagen – werden Sie nicht in Lampedusa und auch nicht an der polnischen und österreichischen Grenze finden.

Beifallbei der AfD
Zurufevon der SPD

Wir müssen zunächst die eigenen Potenziale ausschöpfen: leistungsorientierte Bildungspolitik, kinderfreundliche Familienpolitik. Das schafft Fachkräfte.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Und dann können wir über eine bedarfsgerechte Fachkräftezuwanderung nach dem Beispiel von Australien, Kanada oder Japan nachdenken.

Was Investoren auch abschreckt und Existenzgründern das Leben schwer macht, sind die hohe Steuer- und Abgabenlast in Deutschland und die große Bürokratie. Wir haben mit 30 Prozent die höchsten Abgaben bei Unternehmensteuern in der ganzen Welt; insbesondere in Osteuropa liegen sie deutlich darunter. Und viele Existenzgründer beklagen mit Recht, dass sie sich vom ersten Tag an mit Statistiken, Fragebögen und steuerlichem Papierkram beschäftigen müssen. Warum führt man nicht für Existenzgründer eine gesonderte Kleinunternehmerregelung ein, mit einer Umsatzsteuer, die sie zumindest im ersten Jahr von der steuerlichen Pflicht befreit?

Wir müssen auch dringend an die Steuersätze ran; denn auch wenn Herr Minister Lindner – gute Besserung übrigens! – immer jammert, er habe nicht genug Geld: Wir haben kein Einnahme-, wir haben ein Ausgabenproblem. Warum bezahlen kleine Kapitalgesellschaften immer noch den Solidaritätszuschlag? Wieso bezahlt der Bürger schon mit 63 000 Euro Einkommen den gleichen Spitzensteuersatz von 42 Prozent wie jemand mit 270 000 Euro Einkommen? Und müssen wir uns nicht die Frage stellen, ob die Gewerbesteuer als deutscher Sonderweg wirklich noch zeitgemäß ist? Oder finden wir vielleicht auch andere Instrumente zur Finanzierung der Kommunen?

Wir werden Ihnen dazu noch in diesem Jahr den Entwurf einer Unternehmensteuerreform vorlegen, durch die insbesondere kleine, mittelständische Unternehmen oder auch Existenzgründer entlastet werden.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Katharina Beck
Foto: Katharina Beck/Oliver Hadji
8 Vermerkeca. 859 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Kurz vorab: Im Programm der AfD kommt das Wort „Start-up“ überhaupt nicht vor, und das Wort „Gründung“ kommt, wenn man ein bisschen nett ist und weitersucht, nur im landwirtschaftlichen Bereich einmal vor; sonst liegt der Fokus auf Familiengründung. Das ist zwar auch schön, habe ich selber auch gemacht, aber das geht an einer wachstums- und zukunftsorientierten Wirtschaftspolitik natürlich knapp vorbei, wenn man Gründungen alleine darauf bezieht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich möchte heute über das Zukunftsfinanzierungsgesetz sprechen. Ich sage danke, Herr Dr. Buschmann, dass Sie es eingebracht haben. Das ist wirklich mal ein tolles Gesetz – gute Besserung auch an Christian Lindner! – denn es geht hier wirklich um Zukunftsstärkung. Diesen Gesetzestitel könnte man womöglich noch schöner formulieren. Es geht insgesamt um einen besseren Start-up-Standort, Finanzstandort, aber auch um Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher und um Digitalisierung. Im Endeffekt führen wir damit den Finanzplatz Deutschland endlich ins 21. Jahrhundert, wo er hingehört, machen ihn zukunftsfähig und noch stärker.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Unter all den Veränderungen, die wir mit diesem Gesetz bewirken wollen, sticht für mich die Verbesserung der Mitarbeiterkapitalbeteiligung heraus. Und da gibt es eine spannende Problematik, die heißt „dry income“. Das war ganz oft so eine Art Showstopper – wir sind ja hier im Start-up-Bereich; da kann man ein paar englische Begriffe verwenden –, wenn es darum geht, international und auch in Deutschland Talente zu gewinnen. Es ist einfach so: Die Mitarbeiterkapitalbeteiligung ermöglicht es, zu dem normalen sozialversicherungspflichtigen Gehalt noch einmal etwas Attraktives obendrauf zu geben. Und jeder, der schon mal einen Developer gesucht hat, weiß, dass wir da wirklich in einem krassen Wettbewerb stehen und es wichtig ist, hier auch finanziell attraktive Konditionen zu schaffen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich möchte Sie einmal mitnehmen und ein Beispiel, eine kleine User Experience nennen; denn „dry income“ hört sich wirklich etwas komplex an: Nehmen wir einen Beschäftigten, der von seinem Start-up-Arbeitgeber Unternehmensanteile als Gehaltsergänzung bekommen hat. Diese haben im Moment der Übertragung nur einen fiktiven Wert; man bekommt also das Geld nicht überwiesen, da er oder sie weder an einem Kapitalmarkt verkaufen kann noch eine regelmäßige Dividende dafür bekommt. Für den Beschäftigten oder die Beschäftigte ergibt sich erst dann ein Wert, wenn das Start-up von einem Investor oder anderen Unternehmen gekauft wird, also zu dem sogenannten Exit Event, und die Anteile für reale Zahlungen abgegeben werden. Vorher entstehen keine Einkünfte.

Es gibt zwar im Steuerrecht auch schon jetzt die Regelung für Angestellte bei Start-ups, dass sie diese erhaltenen Anteile, welche als Lohnersatz dienen, erst zu einem späteren Zeitpunkt als Lohn versteuern müssen; aber diese Regelung hat heute noch viele Schwächen. Wechselt der Beschäftigte zum Beispiel vor diesem Exit Event das Unternehmen – hohe Fluktuation ist in der Start-up-Welt nicht ungewöhnlich und erzeugt ja auch eine gewisse Dynamik –, dann müssen bislang Steuern auf die Anteile gezahlt werden, also noch bevor man überhaupt Geld erhalten hat. Und es ist natürlich blöd – das kann sich jeder vorstellen –, wenn man Geld zahlen muss, bevor man es erhalten hat, vor allen Dingen, wenn man Steuern zahlen muss, bevor man überhaupt einen Cent gesehen hat. Wir geben den Start-ups nun das Instrument, das aufzulösen, und haben damit endlich diesen gordischen Knoten gelöst.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Liebe Union, ich finde es sehr schade, dass das Thema so lange gebraucht hat. Aber ich freue mich sehr, dass diese Ampelregierung jetzt ein bisschen zukunftsfähiger ist und on top schon im letzten Jahr endlich auch noch eine tolle Start-up-Strategie vorgelegt hat. Wie wichtig dieser Schritt ist, zeigt ein Blick auf die Relevanz und Herausforderungen der deutschen Start-ups. In 2020 waren circa 415 000 Menschen bei Start-ups beschäftigt; viele davon kommen eben aus dem Ausland. Wir hoffen, dass bis 2030 – wir machen ja auch noch ein Wachstumschancengesetz – die Zahl der Beschäftigten auf knapp 1 Million ansteigt. Fast alle bestehenden Start-ups planen mit ganz vielen Neueinstellungen, aber brauchen ebendieses Instrument, damit sie diese Menschen auch attrahieren können, anziehen können. Das größte Thema – das wird nicht nur in allen Handwerksbetrieben, mit denen wir reden, nicht nur in der Pflege und in der Erziehung, sondern auch bei Start-ups immer betont – ist: Wir brauchen Fachkräfte. – Das erleichtern wir nun.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Neben der Lösung der Dry-Income-Problematik gehen wir mit dem Gesetz noch andere wichtige Themen an. Wussten Sie, dass man Aktien bisher immer noch physisch als Papier besitzen musste? Mir war das gar nicht klar; aber es ist so. Wir digitalisieren das jetzt. Willkommen im 21. Jahrhundert! Wir stärken auch Sicherheit und Verbraucherschutz, indem wir unter anderem den Informationsaustausch zwischen Steuerbehörden verbessern und, liebe Bürgerinnen und Bürger, eine kostenlose Vergleichswebsite für Kontoentgelte durch die Finanzaufsicht einführen. Da können Sie sich darauf verlassen, dass Sie transparente Informationen bekommen, müssen sich das nicht mehr selbst zusammensuchen und haben da eine Zeitersparnis und eine vertrauensvolle Datenbasis.

Dieses Gesetz ist ein Beispiel für positive, zukunftsorientierte Ampelpolitik, und ich freue mich total, dass wir das zusammen machen. Wir haben schon in diversen Berichterstattergesprächen über ein paar Verbesserungen, die wir natürlich im Parlament noch machen wollen, gesprochen.

Das ist ja interessant! Wird denn die Opposition in die Gespräche eingebunden?

Aber ich wollte mich heute mal auf die positive Zukunftsgerichtetheit dieses Gesetzes der Ampelkoalition konzentrieren und freue mich auf die weiteren Beratungen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Beifallbei der LINKEN
Porträt von Janine Wissler
Foto: DIE LINKE. im Hessischen Landtag, CC BY 4.0/ Hanna Hoeft
10 Vermerkeca. 560 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Das Zukunftsfinanzierungsgesetz der Ampel geht an den meisten Menschen in diesem Land vollkommen vorbei. Deren Zukunftsängste beseitigen Sie mit diesem Gesetz überhaupt nicht.

Zukunftsfinanzierungsgesetz – das ist ein ziemlich großspuriger Name für ein ziemlich kleines Gesetz, meine Damen und Herren. Schauen wir uns mal an, was die Ampel als grundlegende Zukunftsfinanzierung sieht:

Die Einführung einer Börsenmantelaktiengesellschaft. Das betrifft vielleicht einige Hundert potenzielle Unternehmensgründungen und wird vom DGB als Umgehung von Mitbestimmungsrechten der Beschäftigten betrachtet.

Beifallbei der LINKEN

Höhere steuerliche Freibeträge für die Kapitalbeteiligung von Beschäftigten. Das ist etwas, was die übergroße Mehrheit der abhängig Beschäftigten doch überhaupt nicht betrifft. Das kommt doch gar nicht infrage für sie.

Die Schaffung sogenannter Mehrstimmrechtsaktien. Das schwächt die ohnehin dürftigen Rechte von Kleinanlegern.

Und: Die Halter von Wagniskapitalfonds erhalten mehr Möglichkeiten, keine Umsatzsteuer abführen zu müssen.

Dieser Gesetzentwurf mag die Zukunft einiger FDP-Wähler sichern, aber in der Breite bewirkt er nichts.

Beifallbei der LINKEN

Man geht von der falschen Annahme aus, dass eine Stärkung des Finanzstandortes die private Investitionstätigkeit ankurbeln würde. Wie ist es in der Praxis? Höhere Gewinne von börsennotierten Unternehmen werden derzeit nicht eingesetzt, um neue Investitionen zu finanzieren, sondern um Dividenden auszuschütten und Aktienrückkäufe vorzunehmen. Was wir brauchen, meine Damen und Herren, um die Zukunft zu finanzieren, sind öffentliche Investitionen. Dafür brauchen wir ein Gesetz.

Beifallbei der LINKEN

Wie müsste also ein echtes Zukunftsfinanzierungsgesetz aussehen? Als freundlicher Service Ihrer linken Opposition ein paar Anregungen:

Sie reden von Vermögensbildung, und die wollen Sie ja mit diesem Gesetz auch fördern. Ja, wer eine sichere Zukunft will, der muss doch erst mal dafür sorgen, dass Menschen von ihrer Arbeit leben können. Das heißt: Mindestlöhne rauf. Das heißt: Niedriglöhne bekämpfen.

Beifallbei der LINKEN

Das heißt: die sachgrundlose Befristung und die Leiharbeit abschaffen. Das ist doch zynisch. Wie sollen denn Leute, die für Mindestlöhne arbeiten, jemals in ihrem Leben Vermögen bilden?

„Zukunft finanzieren“ heißt, die Bereicherung von oben endlich zu stoppen. Die fünf reichsten Deutschen besitzen mehr Vermögen als die ärmere Hälfte der Bevölkerung in diesem Land. Über 40 Prozent der Menschen in diesem Land haben überhaupt keine Ersparnisse oder sogar Schulden.

Das stimmt!

Die besitzen auch keine Aktien. Es ist in dem Fall auch vollkommen egal, ob digital oder auf Papier.

Trotzdem kann man für die, die welche haben, das Gesetz verbessern!

Deshalb: Wenn man die Zukunft finanzieren will, muss man doch die öffentlichen Investitionen stärken und dafür sorgen, dass Menschen wirklich eine sichere Zukunft haben, meine Damen und Herren.

Beifallbei der LINKEN

Gerade mal 400 Millionen Euro haben Sie an Übergewinnen bei den Stromerzeugern abgeschöpft. Die fetten Monate von 2022 blieben komplett außen vor. Die privaten Haushalte mussten wegen der Preiserhöhung zweistellige Milliardensummen mehr bezahlen. Was wir brauchen, ist eine echte Übergewinnsteuer in Deutschland. Die brauchen wir. Schreiben Sie das in ein Zukunftsfinanzierungsgesetz!

Beifallbei der LINKEN

„Zukunft finanzieren“ heißt doch in erster Linie, dass wir Wirtschaft und Gesellschaft klimagerecht umbauen müssen. Was wir dazu brauchen, sind öffentliche Investitionen und nicht immer wieder irgendwelche Steuerentlastungen für Unternehmen in der Hoffnung, dass sie ja dann irgendwie investieren könnten. Nein, wir brauchen öffentliche Investitionen, weil wir eine immense Investitionslücke haben: bei der Schiene, bei den Brücken, bei der Infrastruktur.

Das 100-Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr hat doch erneut gezeigt: Wo ein Wille ist, da ist auch Geld. – Das heißt, wir brauchen ein Investitionsprogramm – von mir aus nennen Sie es „Sondervermögen“ – für die Bildung. Wir müssen in die Sanierung der Krankenhäuser investieren, in den Klimaschutz, in die Bahn. Meine Damen und Herren, das wäre echte Zukunftsfinanzierung. Aber dieses Gesetz ist es nicht.

Beifallbei der LINKEN
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Florian ToncarFDP· Parl. Staatssekretär BMF· MdB
5 Vermerkeca. 527 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unser Land hat eine starke wirtschaftliche Substanz, eine hohe Innovationsfähigkeit und großartige Gründer und Unternehmerpersönlichkeiten. Aber unser Land hat eben auch einige strukturelle Herausforderungen, die sich über viele Jahre aufgebaut haben. In einer Zeit niedriger Zinsen und wachsender Exportmärkte waren wir in unseren traditionellen Branchen sehr erfolgreich, haben aber manche Renovierungsarbeiten, notwendige Renovierungsarbeiten, in unserer Wirtschaft eher hintangestellt. Da ist einiges unter den Tisch gefallen. Und deswegen muss jetzt in der Phase, in der wir sind, auch wieder gesät werden, bevor geerntet werden kann.

Ja, Frau Kollegin Wissler, es ist natürlich richtig, dass wir öffentlich investieren müssen. Das tun wir übrigens. Ich darf mal darauf hinweisen, dass im Vergleich zum Vorkrisenniveau 2019 im Haushalt 2024 mit mehr als 54 Milliarden Euro 40 Prozent und 2025 mit rund 60 Milliarden Euro sogar gut 55 Prozent mehr öffentliche Investitionen des Bundes eingestellt sind. Das heißt, die öffentlichen Investitionen steigen drastisch. Sie steigen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. Sie steigen im Verhältnis zum Haushalt. Es ist eine Legende, zu sagen, dass wir nicht öffentlich investieren. Denn das tun wir selbstverständlich.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber: Die Debatte krankt auch ein bisschen. Denn so wichtig die öffentlichen Investitionen sind – es sind knapp 10 Prozent aller Investitionen, die in Deutschland getätigt werden; rund 90 Prozent sind private Investitionen –: Kein Ziel unserer Gesellschaft, unserer Politik, egal ob das im Wohnungsbereich, im Erneuerbare-Energien-Bereich, bei der Dekarbonisierung oder bei der Digitalisierung ist, wird zu erreichen sein, wenn wir nicht die 90 Prozent auch in den Blick nehmen, die durch den Privatsektor investiert werden. Und da schauen wir uns vor allem die Start-ups an. Denn Start-ups – junge, dynamische Unternehmen, die ausgelagerten Forschungsabteilungen der deutschen Wirtschaft – bringen die Renovierung in unsere Wirtschaft, die wir jetzt brauchen.

Start-ups brauchen zwei Dinge: Talente und Finanzierung. Das sind die wichtigsten Bedürfnisse. Talente und Finanzierung sind begrenzt, umkämpft und international hochgradig mobil. Deswegen müssen wir das angehen.

Zum Thema Talente ist schon einiges gesagt worden. Das wichtigste Instrument für unsere Start-ups ist die Mitarbeiterkapitalbeteiligung. Das ist für Start-ups eine Alternative zur Bezahlung von Mitarbeitern in Geld und oft die einzige, die sie haben. Denn sie können in der Gründungsphase noch nicht die gleichen Gehälter zahlen wie andere Unternehmen. Also müssen sie den Mitarbeitern dann Kapitalanteile anbieten, sonst kriegen sie die guten Leute nicht. Und deswegen machen wir das auch steuerlich einfacher.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Zum Thema Finanzierung: Bei Start-ups haben wir in der Regel stark technikgeprägte Geschäftsmodelle. Es sind keine Sicherheiten vorhanden, keine Chance auf einen Bankkredit. Wenn es gut läuft, kommt es aber zu schnellem, starkem Wachstum. Und das kann man nur über die Kapitalmärkte finanzieren. Genau deswegen müssen wir diese auch stärken und ausbauen.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Dafür machen wir eine ganze Menge: Mindestkapital für Börsengänge runter, Börsengänge günstiger, Kosten runter, Aufsicht auch auf Englisch und digital, Umsatzsteuerbefreiung für Fonds, Erleichterungen für Fonds, in erneuerbare Energien zu investieren, und Erleichterungen auch bei der Schwarmfinanzierung, die für viele Start-ups wichtig ist. Es ist ein weitgehendes Paket, das kein Strohfeuer nur für einige Wochen und Monate ist, sondern es ist ein Beitrag zur Grundrenovierung unserer Volkswirtschaft. Wir sollten, liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Chance nutzen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Johannes Steiniger
Foto: Johannes Steiniger/Tobias Koch
12 Vermerkeca. 777 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Endlich geht es 2023 auch im Finanzbereich mal mit Gesetzgebung los. In den ersten neun Monaten haben wir ja vier Doppelbesteuerungsabkommen im Finanzausschuss beraten und beschlossen. Nun kommt der erste Gesetzentwurf aus Ihrem Hause sozusagen mit Substanz.

Zurufder Abg. Katja Mast [SPD]

Insofern freuen wir uns auf die nächsten Wochen der Beratungen.

Es wird, ehrlich gesagt, auch Zeit. Eine Studie von McKinsey sagt: Der Umbau unserer Wirtschaft zu einer klimaneutralen Wirtschaft wird insgesamt 6 Billionen Euro kosten. – Das sind 6 000 Milliarden Euro. Das sind sechsmal die gesamten Steuereinnahmen aller Kommunen, aller Bundesländer und des Bundes des nächsten Jahres. Frau Wissler, da muss man einfach den Kopf schütteln, wenn Sie sagen, das könne alles der Staat machen. Also, meine sehr geehrten Damen und Herren, wer glaubt, dass das alles der Staat machen kann, der ist mindestens naiv.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Janine Wissler [DIE LINKE]

Wir werden es nur hinkriegen, wenn wir das Kapital mobilisieren. Deswegen freuen wir uns, dass dieses Zukunftsfinanzierungsgesetz jetzt hier eingebracht worden ist.

Aus meiner Sicht braucht es in der Überschrift vier Dinge: Erstens. Wir müssen die Aktienkultur in unserem Land fördern. Zweitens. Wir müssen so viel entbürokratisieren, wie es überhaupt nur geht. Drittens. Wir müssen die Bedingungen für Start-ups verbessern. Und der wichtigste Punkt: Wir müssen den Kapitalmarkt in Deutschland besser und attraktiver machen; denn, Frau Wissler, darüber kommt doch der Hebel – nicht über den Staat, sondern über die Kapitalmärkte. Deshalb müssen wir auch dieses Instrument nutzen.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Janine Wissler [DIE LINKE]

Wenn wir uns anschauen, was bisher von der Ampel kommt, dann stellen wir fest: Sie setzen bisher eher auf planwirtschaftliche Instrumente.

So ein Quatsch!

Das Motto der Ampel ist doch bisher: Sie schaffen ab und schreiben vor.

Nein! Überhaupt nicht!

Deswegen war die Hoffnung ja sehr groß, und es gab sehr hohe Erwartungen an dieses Zukunftsfinanzierungsgesetz. Aber wenn wir uns jetzt anschauen, wie sich die Eckpunkte über den Referentenentwurf hin zum Regierungsentwurf immer weiter verschlechtert haben, dann kann man schon sagen: Also, da haben wir in den nächsten Wochen und Monaten noch ein bisschen Arbeit vor uns,

Das ist doch schön!

um diesen Gesetzentwurf zu einem wirklich guten Gesetz zu machen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Denn aus meiner Sicht fehlt es hier vor allen Dingen an Mut, durch die Digitalisierung Erfolge wirklich auch zu ermöglichen und wichtige bürokratische Hindernisse zu beseitigen.

Ich mache Ihnen das jetzt in den folgenden zweieinhalb Minuten an drei ganz konkreten Punkten klar.

Erster Punkt. Herr Staatssekretär, Sie haben die Fragen der Schwarmfinanzierung angesprochen – ein wichtiges Instrument. In Deutschland haben wir das Problem, dass die Haftungsregeln weit über das hinausgehen, was die Europäische Union eigentlich als Basis legt. Sowohl Herr Buschmann als auch Herr Minister Lindner sprechen ja immer davon, dass wir eigentlich kein Gold Plating in Deutschland wollen; hier haben wir es. Also, wir werden über die Fragen der Haftungsregeln sprechen müssen.

Ich kenne das ja noch aus der Großen Koalition. Dann kommt die SPD – und wahrscheinlich kommen jetzt auch die Grünen – und sagt: Ja, wir brauchen diese harten Haftungsregeln, um zu hohem Verbraucherschutz zu kommen.

Das ist aber ein Irrweg, weil dieser Weg in einem europäischen Markt dazu führt, dass die Industrie in andere Länder abwandert, dort die entsprechenden Produkte anbietet, die auch aus Deutschland gezeichnet werden können. Sie erweisen also dem Verbraucherschutz einen ziemlichen Bärendienst. Deswegen müssen wir das hier ändern.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufeder Abg. Lennard Oehl [SPD] und Michael Schrodi [SPD]

Zweiter Punkt. Die elektronischen Wertpapiere wurden von Frau Beck angesprochen. Die haben wir ja in der Großen Koalition 2021 eingeführt; das war damals wirklich ein wichtiger Schritt. Wir hatten übrigens im Finanzausschuss der nächsten Bundesregierung schon den Auftrag gegeben, die elektronische Aktie auch weiterzuführen. Aber hier in dem vorliegenden Gesetzentwurf geht die Regierung einen Schritt nach vorne und einen halben Schritt wieder zurück. Warum ist es beispielsweise nicht möglich, dass auch die Inhaberaktien als Kryptoaktien ausgegeben werden können? Die Geldwäscheproblematik lässt sich sehr gut lösen. Das sagt Ihnen jeder in der Industrie, und wir werden Ihnen in den nächsten Wochen konkrete Vorschläge vorlegen, wie man das besser machen kann.

Beifallbei der CDU/CSU

Letzter Punkt. Ich möchte mich beim Finanzministerium bedanken, dass Sie auch Vorschläge aus der Opposition mit aufnehmen. Ich habe vor vielen Monaten eine parlamentarische Anfrage zum Thema „Veröffentlichungspflicht im Bundesanzeiger“ gestellt. Daraufhin hat sich das Ministerium bei der Industrie erkundigt, ob das denn wirklich ein Problem sei. Die haben gesagt: ja. Sie haben es jetzt hier rausgenommen. Nur die Umsetzung ist ja sehr interessant: Es soll jetzt in Zukunft auf der BaFin-Webseite veröffentlicht werden. Die Umsetzung dieser Veröffentlichung soll zwei Jahre dauern. Meine sehr geehrten Damen und Herren, es heißt doch immer so schön: „Digital first. Bedenken second.“ Ich glaube, dass die BaFin es auch etwas schneller als in zwei Jahren hinbekommt, eine Webseite aufzustellen. Das muss doch in wenigen Monaten möglich sein.

Wir freuen uns auf die Beratungen im Ausschuss und bieten die konstruktive Zusammenarbeit an.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
10 Vermerkeca. 627 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als ich vor zehn Jahren mein eigenes Start-up gegründet habe, hätte ich mir zwei Dinge gewünscht: erleichterten Zugang zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und auch zu Kapital. Beides gehen wir jetzt mit diesem Zukunftsfinanzierungsgesetz endlich an.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Start-ups sind der Mittelstand von morgen; Start-ups sind die DAX-Konzerne von übermorgen. Vielleicht, Frau Wissler, fehlt Ihnen dafür die Fantasie, auch die Wirtschaft noch mal in der Gesamtheit zu sehen; aber das ist wichtig.

Träum weiter!

Wir haben heute ein großes Problem, wenn Start-ups um die besten Köpfe ringen. Die Kollegin Beck hat gerade noch mal erklärt, was das mit der sogenannten Dry-Income-Problematik auf sich hat; das gehen wir jetzt an.

Warum braucht man diese Kapitalbeteiligung? Gerade am Anfang, wo Menschen zusammen an eine Idee glauben, wo sie daran glauben, dass man auch zusammen etwas erreichen kann, ist diese wichtig. Denn: Wenn das gelingt, dann sind die Vielen beteiligt und nicht die Wenigen. Das ist doch eine ursozialdemokratische Idee, liebe Gen- Ich hätte mich fast versprochen, aber ich wollte sagen: Liebe Kolleginnen und Kollegen. Wir sind ja nicht nur die SPD in diesem Hause.

Heiterkeitund Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Natürlich schauen wir uns auch an, ob diese Regelungen in einer Wachstumsphase passen. Denn dort ist man ja gerade im internationalen Wettbewerb, damit die Köpfe nicht zu Apple, Facebook, Google oder woanders in die USA gehen.

Der Kollege von der Union hat sich ja gerade gefragt: Warum dauert das, warum liefert die Ampel nicht? Ist denn alles noch in Ordnung?

Zurufvon der CDU/CSU: Weil ihr euch nicht einig seid!

Wenn Sie sich nicht nur mit McKinsey-Studien, sondern auch mit denen der Bertelsmann-Stiftung beschäftigen würden, dann hätten Sie vielleicht mitbekommen, dass die Ampel in der ersten Hälfte dieser Legislatur schon so viel mehr geliefert hat als Vorgängerregierungen. Das ist doch mal bewiesene Leistungsfähigkeit dieser Koalition.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das ist Autosuggestion!

Entschuldigen Sie doch bitte mal. Und hier kleinteilig irgendwelche Webseiten der BaFin durchzugehen: Ich bin mir sicher, die Ministerien sind für Hinweise auch dankbar. Schön, dass Sie sich hier konstruktiv einbringen wollen; das können wir doch auch gebrauchen.

Neben dem Thema „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ haben wir eben gehört, dass Kapital natürlich der Treibstoff ist. Kapital ist das, was es braucht, um Wachstum in diesem Land für zukünftige neue Unternehmen, aber auch für bestehende zu befeuern. Der Zugang zur Börse ist nicht ganz so einfach. Deswegen sehen wir auch gerade, dass die Firma Birkenstock in Amerika an die Börse geht. Wir haben auch bei BioNTech den Gong nicht in Stuttgart oder Frankfurt läuten dürfen. Und deswegen sind in dem Gesetzentwurf auch sehr sinnvolle und sehr wichtige Vorschläge drin, damit Börsengänge hier auch in Deutschland wieder attraktiver werden.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Lassen Sie mich zum Schluss kommen, liebe Kolleginnen und Kollegen. In diesen Zeiten geht es doch um Vertrauen in die Zukunft, um Mut und darum, nicht nur die Risiken zu sehen. Man muss auch dazu sagen: Die meisten Ideen scheitern ja auch. Aber das ist doch gerade dieses Mindset, das wir in diesem Land mal brauchen, nicht zu sagen: Mensch, da hatte jemand eine Idee; es hat sich jemand aufgemacht; es hat nicht geklappt. Da freuen wir uns jetzt. – Nein, wir müssen doch genau dafür sorgen, dass sich in diesen Zeiten des Umbruchs und des Wandels Menschen auf den Weg begeben und sagen: Ich habe da eine Idee. Das ist vielleicht nicht der normale Pfad, aber ich gehe den jetzt trotzdem. – Deswegen brauchen wir eben auch die Rahmenbedingungen, die wir mit diesem Zukunftsfinanzierungsgesetz schaffen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich bin überzeugt: Die Zukunft bietet unserem Land große Chancen. Es ist nicht so schlecht, wie es alle sagen; der Kollege Schrodi hat das eben sehr gut skizziert. Wir haben ganz viele Chancen auf Wachstum, Innovation und auch auf gute Arbeitsplätze.

Wir haben Negativwachstum!

Ich kann sagen: Als Gründerin hätte ich mir damals dieses Zukunftsfinanzierungsgesetz gewünscht. Packen wir es jetzt an!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Sascha Müller
Foto: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion/ Stefan Kaminski
3 Vermerkeca. 460 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ein Jahr nach dem Beschluss der Start-up-Strategie ist bereits knapp die Hälfte der Maßnahmen umgesetzt. Mit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz gehen wir nun den nächsten Schritt – einen wichtigen Schritt, um die Innovationsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts zu erhalten und zu festigen.

In Zeiten von wirtschaftlicher Transformation sind Start-ups so wichtig, um unsere Wettbewerbsfähigkeit und unseren Wohlstand zu sichern. Um erfolgreich zu sein, benötigen Start-ups ausreichend finanzielle Mittel und unterstützende Rahmenbedingungen. Dabei sind starke Initiativen an den Hochschulen notwendig. Wir brauchen ausreichend Wagniskapital. Aber auch die Bedingungen am Kapitalmarkt und bei der Talentgewinnung müssen stimmen.

In Deutschland hat sich in den letzten Jahren ein florierendes Start-up-Ökosystem entwickelt. Jedoch zeigt der Vergleich zu Ländern wie Schweden und den USA, dass wir in so manchen Punkten doch noch nicht ganz so wettbewerbsfähig sind wie nötig. Deutschland hat noch Aufholpotenzial. Und genau hier möchten wir mit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz nachbessern.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Die Bedingungen sind mit einer starken Forschungs- und Universitätslandschaft gar nicht so schlecht und bieten eine gute Basis für viele Start-up-Gründungen, auch mit direkter Förderung aus öffentlichen Mitteln. Aber Innovationen – ich verstehe auch den Gegensatz hier nicht – können natürlich nicht nur aus öffentlicher Hand finanziert werden. Hier braucht es auch einen starken Kapitalmarkt, der die nötigen Mittel bereitstellt und den Investoren einen späteren Verkauf ihrer Anteile ermöglicht; denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass Unternehmen – das ist schon angesprochen worden – in der Wachstumsphase Deutschland eher den Rücken kehren. Das zeigt: Attraktive Bedingungen des Börsengangs sind wichtig für die Kapitalbeschaffung in der Wachstumsphase und vor allem auch ein starker Pull-Faktor für Wagniskapitalgeber in den wichtigen ersten Finanzierungsrunden.

Die Relevanz des europäischen Kapitalmarkts, insbesondere des deutschen Kapitalmarkts, ist in Relation zu den USA seit Jahren rückläufig. Das wurde auf EU-Ebene auch bereits erkannt mit dem Richtlinienvorschlag zum Listing Act; denn wichtig ist, dass wir die Kapitalmärkte harmonisieren und gemeinsam einen starken europäischen Kapitalmarkt schaffen. Mit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz setzen wir erste Maßnahmen um und harmonisieren Regeln und Grenzwerte mit den europäischen Mitgliedstaaten. Eine Maßnahme ist beispielsweise die Wiedereinführung der Mehrstimmrechtsaktien in Deutschland. So können die Gründer in den Anfangsjahren weiterhin die strategische Ausrichtung ihres Unternehmens in der Hand haben. Aber auch da kommt es auf die Details an; da werden wir natürlich genau hinsehen.

Eines ist für uns natürlich immer wichtig – da brauchen wir auch keine Erinnerung von Ihnen, Frau Wissler, und diese Brille werden wir auch bei allen guten Maßnahmen, die in diesem Gesetz stehen, nicht absetzen –: Wir werden die Rechte und Interessen der Kleinanleger nicht aus dem Auge verlieren.

Kollege Stefan Müller, weil Sie uns direkt angesprochen haben: Selbstverständlich stehen wir bereit für konstruktive Diskussionen, wie Menschen, gerade diejenigen mit geringen Einkommen, besser Vermögen bilden können.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Beifallbei der AfD
Porträt von Jörn König
Foto: Deutscher Bundestag/ Inga Haar
7 Vermerkeca. 399 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegen! Liebe Zuschauer! Früher ist die Zukunft einfach passiert. Heute, in Ampelzeiten, müssen wir die Zukunft finanzieren.

Beifallbei der AfD

Die Ampel bringt einen Gesetzentwurf zur Finanzierung von zukunftssichernden Investitionen ein – eine schöne Tautologie. Jede Investition soll die Zukunft sichern. Das ist Sinn und Zweck einer Investition. Dieses Marketinggeklingel können wir also getrost beiseiteschieben und uns mal mit den Inhalten befassen.

Beifallbei der AfD

Das Gesetz besteht aus mehr als 30 Artikeln, die andere Gesetze und Verordnungen ändern, sodass man natürlich nicht auf jede Einzelmaßnahme hier eingehen kann. Daher greife ich zwei Beispiele heraus:

Erstens. Neugründungen und kleine Wachstumsunternehmen sollen einen leichteren Zugang zum Kapitalmarkt, sprich: Börsengang, bekommen.

Zweitens. Der Freibetrag für die Mitarbeiterkapitalbeteiligung wird deutlich auf 5 000 Euro erhöht.

Diese und weitere Ziele begrüßen wir, haben allerdings große Zweifel an der Wahl der Mittel.

Erstens. Die sogenannten Mehrfachstimmrechte sehen wir skeptisch, und zwar aus denselben Gründen wie viele Fachverbände. Mehrfachstimmrechte waren aus guten Gründen in Deutschland 25 Jahre unzulässig. Sie schränken die Mitspracherechte von anderen Investoren ein. Das schadet Klein- und auch Großanlegern; der Kollege Stöber hat es gesagt. Das „One share, one vote“-Prinzip, analog zu „One man, one vote“ in der Demokratie, ist essenziell wichtig für ein aktives Engagement der Aktionäre.

Beifallbei der AfD

Der internationale Trend geht auch weg von Mehrfachstimmaktien, unter anderem weil sie schwerer zu bewerten sind.

Zweitens. Viele der Verbesserungen sind für neue, kleine und stark wachsende Unternehmen gedacht. Die Markteintrittsbarriere soll gesenkt werden. Das ist auch gut so. Weniger gut ist, dass nach jetzigem Stand auch etablierte Großbanken von diesen Vorteilen profitieren könnten, aber zum Beispiel große Versicherungen oder Pensionsfonds nicht. Hier wäre eine Beschränkung auf wirklich neue und auch kleine Unternehmen zielführend. Das muss unbedingt verbessert werden.

Beifallbei der AfD

Insgesamt gibt es im Gesetz, wie gesagt, viele sinnvolle Verbesserungen, die wir unterstützen. Aber wenn man für den Finanzstandort Deutschland wirklich etwas tun wollte, etwas Großes, dann müsste man an die grundlegenden Probleme ran und sollte nicht so viele kleine Minischritte als „Zukunftsfinanzierungsgesetz“ verkaufen. Wenn wir zum Beispiel eine neue Aktienkultur haben wollen, dann sollten wir freies Aktiensparen aus Entgeltumwandlung wie bei der betrieblichen Altersvorsorge ermöglichen. Das gäbe einen Riesenschub für den deutschen Kleinanleger und den deutschen Aktienmarkt.

Beifallbei der AfD

Das Gesetz geht aus unserer Sicht in die richtige Richtung. Aber es gibt noch vieles zu verbessern. Es ist halt ein bisschen zu wenig. Ich freue mich auf die Beratungen im Ausschuss.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
8 Vermerkeca. 486 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Es sind ja jetzt gerade auch viele Junge unter uns. Deshalb an alle die Frage: Wann haben Sie sich zuletzt mit Geldanlage beschäftigt und mit Investitionen an Börsen?

Gestern Abend!

Leider ist das in Deutschland immer noch viel zu selten der Fall. Es gibt zu wenige Menschen, die in Aktien investieren, und es gibt zu wenige Unternehmen an den Börsen. Zu viele Chancen werden dadurch verpasst. Zu geringe Renditen auf Kapitalanlagen sind entsprechend die Folge. Oft werden Risiken zu stark betont; von „reiner Spekulation“ ist die Rede. Dabei ist bekannt: Aktien lösen mittel- und langfristig die höchsten Renditen bei Geldanlagen aus. Deswegen müssen wir handeln. Mit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz modernisieren wir jetzt durchgreifend den deutschen Kapitalmarkt, damit Anleger und Unternehmen profitieren, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Armand Zorn [SPD]

Die deutsche Börsenlandschaft ist im internationalen Vergleich viel zu klein. Allein Apple hat einen deutlich höheren Börsenwert als der gesamte DAX 40. BioNTech ist auch aus Gründen der Kapitalbeschaffung leider nicht an einer deutschen Börse an den Markt gegangen. Deswegen müssen wir handeln. Wir wollen gemeinsam den Weg freimachen, damit die Start-ups dieser Welt wieder an die deutschen Börsen, allen voran Frankfurt am Main und Stuttgart als die größten, strömen. Und wir brauchen auch eine neue Anlagekultur in diesem Land, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit dem vorgelegten Zukunftsfinanzierungsgesetz räumen wir die Steine und Hürden am deutschen Kapitalmarkt aus dem Weg. Wir führen neue Gestaltungsoptionen für die Unternehmen ein. Es sind Optionen, es sind keine Pflichten; das ist wichtig zu betonen. Wir schaffen Möglichkeiten, wir verhindern nichts.

Beifallbei der FDP

Dazu bringen wir die Mehrstimmrechtsaktie zum Beispiel an die Börse. Die Erfahrung zeigt: Unternehmen wie Google oder Apple haben mit einem solchen Konzept Erfolg. Also lassen Sie uns das auch für die deutschen Gründerinnen und Gründer möglich machen. Wir wollen dieses Instrument daher für Start-ups und für Familienunternehmen ermöglichen und damit die Attraktivität des Kapitalmarkts steigern. Über SPACs – die Börsenmantelgesellschaft wurde angesprochen – schaffen wir weitere Optionen, deutlich schneller an die Börse zu kommen. Bevor die Idee verloren geht, sorgen wir dafür, dass Unternehmen schnell an den Kapitalmarkt kommen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Armand Zorn [SPD]

Und – auch das ist wichtig, gerade beim Thema Anlegerkultur –: Wir stärken die Mitarbeiterkapitalbeteiligung. Sie sollen es künftig einfacher haben, sich an Unternehmen zu beteiligen. Davon profitieren sie selbst durch eine Beteiligung an der Wertschöpfung, die sie selbst erarbeiten, und wir stärken die Bindung an die Unternehmen und damit deren Stabilität. Das ist ein richtiger Schritt, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Nicht zuletzt ermöglichen wir – auch das ist immer eine schwierige rechtspolitische Diskussion – Unternehmen leichtere Vertragsgestaltungsmöglichkeiten. An dieser Stelle können wir, glaube ich, noch mal sehr intensiv in die Diskussion gehen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Zukunftsfinanzierungsgesetz enthält zentrale Vorgaben, um den deutschen Kapitalmarkt im internationalen Vergleich auf Augenhöhe mit anderen wieder attraktiv zu machen. Nutzen wir gemeinsam diese Chance! Das nächste BioNTech muss an einer deutschen Börse an den Kapitalmarkt gehen.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Stefan Schmidt
Foto: Deutscher Bundestag/ Inga Haar
7 Vermerkeca. 424 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Dieser Gesetzentwurf stärkt nicht nur den Finanzstandort Deutschland, er stärkt auch die Interessen und den Schutz von Anlegerinnen und Verbrauchern. Endlich – endlich! – werden die Menschen unabhängig und transparent vergleichen können, wie viel Girokonten kosten. Mit dieser Koalition wird es endlich eine unabhängige Girokontenvergleichswebseite geben – ich kann es nur wiederholen: Endlich!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Milliarden Menschen haben darauf gewartet!

Viele von uns können sich sicher noch an das peinliche Theater in der letzten Wahlperiode erinnern. Die Große Koalition hat den Girokontenvergleich an CHECK24 übertragen. Das Ergebnis: Nach nur fünf Monaten war die Vergleichswebseite wieder offline. Sie hatte weder den Markt ausreichend abgedeckt noch aktuelle Daten zur Verfügung gestellt. Wären wir schon damals unseren grünen Weg über die BaFin gegangen, dann hätten wir uns dieses klägliche Scheitern und den Umweg über einen privaten Anbieter sparen können.

Dass die Finanzaufsicht BaFin die bessere Kandidatin für eine Vergleichswebseite ist, lag und liegt ja auf der Hand. Als öffentliche Anstalt vergleicht sie wirklich unabhängig und objektiv. Es ist ihr ausdrücklicher Auftrag, die kollektiven Verbraucherinteressen zu schützen, also den Markt nicht nur zu beaufsichtigen, sondern auch Transparenz zu schaffen. Außerdem können die Banken und Sparkassen die Vergleichsdaten viel effizienter und zügiger melden und aktualisieren, weil es ja ohnehin entsprechende Schnittstellen zwischen ihnen und der BaFin gibt.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Werden Menschen jetzt leichtfertig und ständig ihre Kontoverbindung wechseln? Ich glaube, nicht. Wir wissen alle, was an einem Kontowechsel hängt. Niemand möchte ständig Daueraufträge ändern und mit neuen Beratern sprechen. Wenn es die Bank aber zu bunt treibt und zu hohe Gebühren verlangt oder mangelhaften Kundenservice bietet, dann können sich die Menschen bald unabhängig über Konten mit besseren Bedingungen informieren. Wir schaffen einen echten Marktüberblick und mehr Wettbewerb – endlich.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Thorsten Lieb [FDP]

Vielleicht gelingt es uns im Zuge der parlamentarischen Beratungen auch, festzulegen, was angemessene und faire Kosten für ein Basiskonto sind. Das würde die Situation der Verbraucherinnern und Verbraucher noch weiter verbessern.

Zum Schluss möchte ich auf einen weiteren Punkt eingehen, bei dem ich mir auch noch wünsche, die Situation von Anlegerinnen und Anlegern, von Verbrauchern zu verbessern, nämlich auf die Schwarmfinanzierungen.

In Deutschland hat doch gar keiner mehr was anzulegen!

In Crowd-finanzierte Projekte zu investieren, ist eher risikoreich; das hat Herr Steiniger vorhin in seiner Rede unterschlagen. Deshalb braucht es da einen wirksamen Schutz für Kleinanleger. Eine Stellschraube sind starke Haftungsregeln. Sie stellen sicher, dass Anbieter solcher Projekte oder Plattformen die Anlegerinnen vollständig und sorgfältig informieren. Erst dann können Anleger die Chancen und Risiken ihrer Investitionen abwägen und sicher investieren. Hier brauchen wir also weiterhin einen hohen Standard. Dafür werden wir uns einsetzen.

Ich freue mich auf die parlamentarischen Beratungen.

Danke sehr.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Thorsten Lieb [FDP]
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufvon der AfD: Er sieht aus wie ein klassischer Arbeiter!
Porträt von Esra Limbacher
Foto: Esra Limbacher/Dominik Butzmann
6 Vermerkeca. 429 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Wirtschaftsstruktur in unserem Land hat eine große Stärke, einen Markenkern: Das ist ein starkes Fundament von kleinen und mittelständischen Unternehmen, die nicht auf den kurzfristigen Gewinn schielen, sondern langfristig denken und viel Verantwortung für ihre Beschäftigten übernehmen. Kaum eine Volkswirtschaft in der Welt hat so viele Hidden Champions, hochinnovative Unternehmen, ohne deren Produkte „made in Germany“ die Weltwirtschaft kaum funktionieren könnte. Aber: Nichts kommt von selbst, und nur wenig ist von Dauer. Deswegen braucht unsere Zeit keine Antworten von gestern, sondern ihre ganz eigenen Antworten. Eine solche Antwort geben wir heute mit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Unser Wirtschaftsstandort befindet sich zweifelsohne in herausfordernden Zeiten. Deswegen ist es genau jetzt richtig, diejenigen zu unterstützen, die mutig sind, die Unternehmen gründen, die mit einer großen Portion Optimismus sagen: Wir wollen in diesem Land etwas bewegen, und wir gehen dabei auch ein persönliches Risiko ein. – Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Unternehmerinnen und Unternehmer in unserem Land wollen wir mit diesem Gesetz unterstützen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deswegen gestalten wir heute mit diesem Gesetz die Zukunft unseres Wirtschaftsstandortes Deutschland, der durch eine wachsende Start-up-Branche, erfolgreiche kleine und mittlere Unternehmen und einen robusten Mittelstand unseren Wohlstand auch in Zukunft sichern wird. Uns allen muss dabei bewusst sein, dass in Deutschland gilt: Know-how ist unser wertvollster Rohstoff. Know-how ist das, was unseren Wirtschaftsstandort über die letzten Jahrzehnte so ausgezeichnet hat. Dieses Know-how muss in Deutschland gestärkt und weiter angesiedelt werden.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Thorsten Lieb [FDP]

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist wichtig, dass wir den mittelständischen Betrieben, Wachstumsunternehmen, aber auch den Start-ups – also dem Mittelstand von morgen – den dafür benötigten Raum bieten. Der Weg dorthin ist eigentlich ganz klar. Er wurde von der Wirtschaft und der Wissenschaft schon längst mit Vehemenz eingefordert: Investitionen aus dem Privatsektor müssen erleichtert werden, unnötige Bürokratie muss abgebaut werden, und Mitarbeiterkapitalbeteiligungen müssen vereinfacht werden.

Ich sage als Mittelstandsbeauftragter meiner Fraktion ganz bewusst: Insbesondere die vereinfachten Anforderungen an den Zugang zum Kapitalmarkt für KMUs und die Herabsetzung der Mindestmarktkapitalisierung für einen Börsengang auf 1 Million Euro sind wichtige und notwendige Schritte, um kleineren Unternehmen endlich den Weg zum Kapitalmarkt zu eröffnen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Thorsten Lieb [FDP]

Ich bin davon überzeugt, dass dieses Gesetz einen wichtigen und richtigen Grundstein dafür legt, den Wirtschaftsstandort Deutschland in unruhigen Zeiten zu stabilisieren und in Zukunft attraktiv zu halten. Es ist ein notwendiger Schritt auf unserem Weg in die digitale und grüne Transformation. Dafür müssen und wollen wir heute den Rahmen setzen. Wir als SPD-Fraktion werden im weiteren parlamentarischen Verfahren das Augenmerk darauf legen, diesen Rahmen im Sinne eines sozial gerechten Wirtschaftens zu gestalten.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Carsten Müller
Foto: Carsten Müller/ Tobias Koch
9 Vermerkeca. 482 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben ja heute im Rahmen dieser Debatte von einigen Vertretern der Ampelkoalition regelrecht euphorische Reden gehört. Ich glaube, das ist nicht am richtigen Platz; mein Kollege Fritz Güntzler hat Ihnen erklärt, warum.

Noch ein bisschen mehr Tempo!

Ich will Ihnen aber auch sagen: Dieser Gesetzentwurf, so wie er im Moment vorliegt, ist ganz okay – nicht weniger, aber vor allen Dingen auch nicht mehr.

Zurufdes Abg. Michael Schrodi [SPD]

Ich will Ihnen neben den grundsätzlichen Regelungen einige Defizite aufzeigen, die wir als Union für besonders wichtig halten. Es wären zum Beispiel zu ergänzen: kleinanlegerfreundliche Freibetragsregelungen für Gewinne aus Aktien oder die im Referentenentwurf noch enthaltene Erhöhung der Arbeitnehmer-Sparzulage oder als Drittes die Aufhebung der Einkommensgrenze für die Anlage von vermögenswirksamen Leistungen in Vermögensbeteiligungen. Damit würde der Gesetzgeber richtige und bemerkenswerte Signale senden.

Ich möchte an dieser Stelle einen rechtspolitischen Aspekt aufgreifen, der heute noch gar nicht angesprochen worden ist: Es geht um die Frage der Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die im Gesetzentwurf verankerte Entziehung der AGB-Inhaltskontrolle zwischen bestimmten Vertragsparteien unterstützen wir ausdrücklich. Dieser eingeschlagene Weg ist richtig; aber auch hier ist es so: Der Gesetzentwurf ist, so wie er im Moment vorliegt, noch zu zaghaft, er ist noch zu langsam, und dem ersten Schritt müssen weitere folgen. Es ist deutlich mehr möglich und angebracht, und im kaufmännischen Verkehr insgesamt gilt es, für die hier angeführten erlaubnispflichtigen Finanzunternehmen deutlich mehr Ausnahmen von der AGB-Inhaltskontrolle zu vereinbaren.

Ganz grundsätzlich ist der Umgang mit AGB-Änderungen im Finanz- und Bankensektor ein Aufgabenbereich, dem wir große Aufmerksamkeit zuwenden müssen und in dem wir sorgfältig arbeiten müssen, vor allen Dingen, nachdem wir das BGH-Urteil vom 27. April 2021 zur Kenntnis zu nehmen hatten. Meine Damen und Herren, in diesem Urteil ist durch höchstrichterliche Entscheidung festgelegt, dass die jahrzehntelang angewandte Zustimmungsfiktion neu geregelt werden muss. Das ist für viele Kontoinhaberinnen und Kontoinhaber sowie Privatpersonen, die sich am Kapitalmarkt engagieren wollen, eine wichtige Regelung.

Das debattieren wir doch heute Abend!

Die Union hat im Übrigen hierzu bereits einen Gesetzentwurf eingebracht.

Das ist heute Abend dran!

Dieser schafft für die Geschäftsbeziehungen im Bankenverkehr Rechtsklarheit. Mein Appell an die Kolleginnen und Kollegen der Fraktionen, die die Regierung tragen, ist, den hier im Plenum von uns vorgelegten Antrag zum Thema AGB-Inhaltskontrolle zu unterstützen, die notwendigen Änderungen herbeizuführen und auch für sonstige Dauerschuldverhältnisse eine tragfähige, lebensnahe Lösung herbeizuführen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich will Ihnen dafür kurz noch einmal die Notwendigkeit erläutern, weil wir dadurch nicht nur Rechtsklarheit und Bürokratieabbau schaffen. Es ist zudem ein wesentlicher Baustein für mehr Verbraucherschutz.

Darum soll es uns bei diesen Fragen doch auch gehen, meine Damen und Herren. – Doch es ist so, Herr Kollege.

Zusammengefasst: Der Gesetzentwurf ist okay, ist beratungsfähig. Ich kann verstehen, dass Sie sich nach Monaten des internen Streits und des Stillstands hier regelrecht aufgelöst freuen.

Zurufder Abg. Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann [FDP]

Wir wollen das sachlich beraten, freuen uns auf die Beratungen und die Anhörungen, und ich darf Ihnen grundsätzlich Zustimmung zu Ihrem vorgelegten Grundentwurf signalisieren.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Frauke Heiligenstadt
Foto: Frauke Heiligenstadt/ Photothek Media Lab
8 Vermerkeca. 451 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wenn man als Letzte in einer Debatte redet, dann kann man sich ja noch einmal auf alle Debattenbeiträge beziehen. Da haben wir einmal den Beitrag der Linken – völlig am Thema vorbeigegangen –, in dem es um öffentliche Investitionen ging.

Beifalldes Abg. Maximilian Mordhorst [FDP]

Ich denke, das Thema beraten wir im Haushaltsausschuss. Da werden die öffentlichen Ausgaben tatsächlich beraten; Herr Toncar hat dazu ja auch schon einiges gesagt.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Vonseiten der Oppositionsfraktion der CDU hat man vernommen – Herr Müller hat das gerade gesagt –: Eigentlich ist der Gesetzentwurf ganz okay, aber man darf ihn natürlich nicht so doll loben.

Heiterkeitbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Denn irgendwas müssen wir noch finden, was wir verändern wollen, damit wir wenigstens ein bisschen Kritik üben können.

Na ja, ein Quantensprung ist es jetzt nicht!

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich denke, das ist doch eigentlich ein Beweis dafür, dass wir als Ampelkoalition mit dem Entwurf des Zukunftsfinanzierungsgesetzes einen Gesetzentwurf vorgelegt haben, der den Fortschritt in diesem Land tatsächlich beschleunigt.

Dieser Gesetzentwurf enthält in der Tat sehr viele fortschrittliche Vorschläge, zum Beispiel den Vorschlag – dazu ist schon ausgeführt worden –, Unternehmen einen leichteren Zugang zum Kapitalmarkt zu ermöglichen. Es gibt Fortschritte im Bereich der Mitarbeiterkapitalbeteiligung. Ich denke, das ist ein großer Schritt, der gerade für Start-ups wichtig ist; das ist hier schon mehrfach gesagt worden. Wir haben zum Beispiel auch Vorschläge zu den Themen „Börsengang“ und „Mehrstimmrechtsaktien“ gemacht. Auch diese Aspekte im Gesetzentwurf der Fortschrittskoalition sind sehr fortschrittlich, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Mein Kollege Schmidt hat es eben ausgeführt: Das ist nicht nur ein Gesetzentwurf für die Unternehmen und für gutes Wirtschaften in unserer Republik, sondern es ist auch ein Gesetzentwurf zum stärkeren Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher; denn er regelt das Thema Vergleichswebsites. Ich glaube – Stefan Schmidt hat das ausgeführt –, das ist in der Tat ein sehr wichtiges Thema. Wir sehen es momentan angesichts der steigenden Zinsen und steigenden Kosten im Finanzdienstleistungsbereich: Verbraucherinnen und Verbraucher müssen für einen guten Überblick eine Vergleichswebsite haben. Diese wird jetzt kostenlos, also unentgeltlich, öffentlich und transparent über die BaFin – das ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht – allen Verbraucherinnen und Verbrauchern zur Verfügung gestellt. Das ist ein Riesenerfolg im Sinne des Verbraucherschutzes, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Thorsten Lieb [FDP]

So kann man den Wettbewerb unter den Anbietern besser darstellen. So kann man tatsächlich mehr Transparenz für die Verbraucherinnen und Verbraucher herstellen. So wissen die Menschen: Wo bekomme ich denn das günstigste Girokonto? Ist das, was ich jetzt für mein Girokonto bezahle, im Hinblick auf die Dienstleistungen dieser Bank angemessen?

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich glaube, ein fortschrittlicher Entwurf für ein Zukunftsfinanzierungsgesetz liegt hier auf dem Tisch. Wir werden ihn intensiv und umfangreich beraten. Ich freue mich darauf, damit wir ihn dann auch schnell verabschieden können.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
ca. 12 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Mein Name ist Lennard. – Liebe Kolleginnen und Kollegen!

6 Vermerkeca. 531 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Dann kann ich es auch nicht ändern.

Wir debattieren hier heute ein wirklich wegweisendes Gesetz für den Finanzstandort Deutschland. Die Notwendigkeit des Zukunftsfinanzierungsgesetzes wird deutlich, wenn wir uns den Investitionsbedarf für die Transformation zu Gemüte führen; die Zahlen sind ja genannt worden. In Deutschland fehlt vor allem das Wachstumskapital; das möchte ich noch mal klarstellen. Ich teile nicht das Narrativ des kranken Mannes Europas. Hier müssen wir ins Detail gehen, dann sehen wir: Es fehlt uns vor allem an Wachstumskapital,

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wachstumskapital, welches besonders zur Finanzierung von Forschung und Innovation benötigt wird. Das war in den letzten Jahren stark rückläufig, ebenso wie die Anzahl der Börsengänge.

Start-ups und vor allem mittelständische Unternehmen, die stark wachsen, finden das benötigte Kapital in Deutschland zunehmend schwerer. Deswegen ist es absolut bedauerlich, dass Unternehmen wie BioNTech, die in Deutschland gegründet werden und hier stark wachsen, letztendlich in den USA an die Börse gehen. Das soll in Zukunft der Vergangenheit angehören.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

In Deutschland ist die Kapitalmarktfinanzierung im Vergleich zu den Vereinigten Staaten relativ unterentwickelt. Das liegt vor allem an unserer starken Bankenlandschaft. Besonders bei familiengeführten Unternehmen dominiert nach wie vor der klassische Unternehmenskredit. Hier setzt das Zukunftsfinanzierungsgesetz an. Die Einführung von Mehrstimmrechtsaktien macht den Börsengang auch für Familienbetriebe attraktiver. Die geschäftsführende Familie kann dann ihren eigenen Aktien ein höheres Stimmrecht einräumen, sodass die Stimmenmehrheit und damit die Kontrolle über das Unternehmen in der Familie verbleiben können. Nicht nur große Konzerne sollen am Kapitalmarkt profitieren, sondern auch der familiengeführte Mittelstand.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Dr. Thorsten Lieb [FDP]

Dies ist nur ein Beispiel für die gesellschaftsrechtlichen Hürden, die wir abbauen werden.

Zum Zukunftsfinanzierungsgesetz gehört aber auch die Digitalisierung der Finanzwirtschaft. Bereits jetzt ist die Emission von elektronischen Anleihen möglich; nun folgt auch die Emission von elektronischen Aktien. Auch die Zusammenarbeit mit der BaFin wird einfacher und digitaler werden.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Finanzierung von Start-ups; es ist schon angesprochen worden. Was brauchen Start-ups? Sie brauchen Zugang zu Kapital auf der einen Seite und Zugang zu Talenten auf der anderen Seite. Besonders die Finanzierung über Risikokapital ist entscheidend für das schnelle Wachstum von Start-ups. Die Akteure am Finanzstandort der Zukunft müssen Risikokapital besser bündeln und auch in größeren Volumina investieren können. Dazu braucht es Risikokapitalfonds von entsprechender Größe.

Wenn wir aber über Start-up-Förderung sprechen, wird klar: Es zählt nicht nur der Zugang zu Risikokapital, sondern auch der Zugang zu den Talenten weltweit. Dass Mitarbeiter von Start-ups Beteiligungen am Unternehmen erhalten, ist weltweit schon lange Standard, übrigens auch in Deutschland. Hier ist das System allerdings nicht sonderlich attraktiv, da oftmals eine Besteuerung auf Anteile anfällt, die noch gar nicht geldwert sind. Wir werden Mitarbeiterkapitalbeteiligungen für Start-ups deutlich attraktiver machen, indem wir die angesprochene Problematik lösen, aber auch steuerlich einige Anreize setzen. Damit setzen wir die Start-up-Strategie der Bundesregierung weiter konsequent und umfassend um.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz ebnen wir endlich den Weg für einen dynamischeren Finanzstandort. Es setzt dort an, wo Deutschland im Vergleich zur amerikanischen oder europäischen Konkurrenz noch Benachteiligungen aufweist, und es ist absolut notwendig für ein schnelleres Wachstum der Realwirtschaft, sodass Innovation in Deutschland nicht nur entsteht, sondern auch nachhaltig wächst. Ich freue mich auf die weiteren Details in den parlamentarischen Beratungen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Fritz Güntzler
Foto: Fritz Güntzler/ Tobias Koch
9 VermerkeZwischenfrageca. 501 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Ich bin schon ein wenig erschrocken – die Worte seien mir erlaubt, bevor ich zum Gesetzentwurf komme –, wenn ich die Vertreter der SPD-Fraktion hier reden höre; denn Sie stellen es so dar, als wenn es in unserer Wirtschaft kein Problem gäbe. Sie leiden ja an totalem Realitätsverlust. Sind Sie nicht bei den Unternehmen in Ihren Wahlkreisen unterwegs, deren Aufträge zurückgehen? Nehmen Sie die Zahlen der OECD nicht wahr? Nehmen Sie nicht wahr, dass wir in der EU die rote Laterne haben, dass wir das einzige Land in der Rezession sind?

Zurufder Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Meine Damen und Herren, Politik beginnt mit dem Betrachten der Realität, und da sollten Sie langsam mal ankommen.

Probleme kann man lösen, wenn man sie erkennt und auch benennt. Dann kann man gemeinsam über Strategien zur Lösung nachdenken. – Herr Kollege Schrodi, Sie haben auf den Zusammenhang zwischen einer starken Wirtschaft und der sozialen Sicherheit hingewiesen. Ich sage Ihnen: Soziale Sicherheit wird es nur geben, wenn wir eine starke Wirtschaft haben. Wir müssen das, was wir verteilen, erst verdienen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Aber nun zum Zukunftsfinanzierungsgesetz. Die Eckpunkte – mein Kollege Steiniger hat darauf hingewiesen – sind 15 Monate alt; nun haben wir die erste Beratung. Ich will gleich vorwegsagen: Das Gesetz geht in die richtige Richtung.

Beifalldes Abg. Maximilian Mordhorst [FDP]

Es geht um verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten von Start-ups und vor allem wachstumsorientierten Unternehmen, die die wirklichen Treiber von Innovationen sind.

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Gesetzes ist die steuerliche Behandlung von Mitarbeiterkapitalbeteiligungen. Mitarbeiterkapitalbeteiligungen sind wichtige betriebswirtschaftliche Anreizsysteme, stärken die Motivation von Mitarbeitern, stärken die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen; denn sie sind am Erfolg des Unternehmens beteiligt. Und sie helfen bei der Mitarbeiterbindung sowie der Mitarbeitergewinnung. Von daher ist dieser Ansatz richtig.

Wenn man sich die Studien der Bitkom anguckt, sieht man, dass mittlerweile bei 50 Prozent der Start-up-Unternehmen Mitarbeiterbeteiligungsprogramme vorhanden sind, und das ist auch gut so. Deshalb müssen wir dafür gute steuerliche Rahmenbedingungen schaffen, und diese entwickelt dieses Gesetz weiter.

Ich will nur darauf hinweisen, dass wir in der Großen Koalition im Fondsstandortgesetz 2021 die ersten Punkte gesetzt haben, und diese werden jetzt weiterentwickelt.

Zurufder Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich will für diejenigen, die sich mit Gesetzgebungsverfahren beschäftigen, darauf hinweisen, dass es nicht die Union war, die damals verhindert hat, dass einige der Punkte, die jetzt im Gesetzentwurf stehen, auch schon damals hätten drinstehen können.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich erinnere nur an die Freibetragserhöhung von 360 Euro auf 1 440 Euro. Da hätten wir uns noch mehr vorstellen können. Sie beschließen jetzt 5 000 Euro; das geht in die richtige Richtung. Ich will daran erinnern, dass Spanien mittlerweile bei 50 000 Euro, Irland bei 12 750 Euro ist. Also, es ginge auch noch mehr, aber es geht schon in die richtige Richtung.

Darum geht es nicht!

– Frau Kollegin Beck, da Sie hier dazwischenrufen: Ich würde Ihnen empfehlen, mal mit Ihrer Finanzministerin in Schleswig-Holstein, Frau Heinold, zu reden. Sie torpediert dieses Gesetz nämlich gerade im Finanzausschuss des Bundesrates.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Nein, das tut sie nicht!

Von daher: Machen Sie mal zu Hause Ihre Politik, damit die Grünen einheitlich auftreten können.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Katharina Beck
Foto: Katharina Beck/Oliver Hadji
1 Vermerkca. 148 WörterReaktionswert: ruhig
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Also, ich werde das als Frage formulieren, aber eine Richtigstellung möchte ich schon machen: Das Gesetz wird null Komma null torpediert. Wir bei den Grünen stehen alle total hinter der Lösung der Dry-Income-Problematik; das war ja gerade das Thema. Die Frage an Sie wäre: Können Sie erklären, warum Sie das gerade gesagt haben?

Der Start-up-Verband selber hat gesagt: Die Erhöhung des Freibetrages geht an der Lösung des Problems total vorbei. Das ist nicht das, was die Start-ups sich wünschen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Die Start-ups wünschen sich die Lösung der Dry-Income-Problematik. Alle grünen Finanzminister/-innen, auch Monika Heinold, stehen sehr stark dahinter. Da lehne ich mich jetzt einfach mal aus dem Fenster; wir debattieren das ja oft miteinander.

Ich würde Sie gern einfach mal bitten, zu erläutern, warum Sie die Dry-Income-Problematik hier nicht als größtes Problem benennen, was es ja offensichtlich ist.

Porträt von Fritz Güntzler
Foto: Fritz Güntzler/ Tobias Koch
7 Vermerkeca. 379 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Ich will darauf hinweisen, dass mir klar ist – das ist auch aus den Gesprächen zum Fondsstandortgesetz klar geworden –, dass die Dry-Income-Problematik das größere Problem darstellt, aber dass man sich natürlich auch wünscht, dass es bei dem Thema Freibeträge Lösungen gibt. Ich empfehle Ihnen, die Stellungnahmen des Bundesratsfinanzausschusses zu lesen; die sind ja öffentlich zugänglich. Darin hat man sich ausdrücklich gegen beides gewendet.

Also Ihre Finanzminister!

Wenn ich es richtig gehört habe: Der Antrag kommt aus Schleswig-Holstein und Hamburg,

Da geht es nur um den Freibetrag!

und für die Finanzpolitik in Schleswig-Holstein tragen Sie als Grüne die Verantwortung.

Zur Dry-Income-Problematik sage ich Ihnen auch gerne was – dann geht das wenigstens nicht von meiner Redezeit ab; ich kann das in der Beantwortung sagen –: Natürlich muss es da Verbesserungen geben. Wir haben damals im Gesetzgebungsverfahren beim Fondsstandortgesetz schon eine ganze Menge erreicht. Sie haben vorhin in Ihrer Rede zwei Probleme adressiert: Das sind der Wechsel des Arbeitgebers und die Zwangsversteuerung nach zwölf Jahren. Da wollen Sie jetzt 20 Jahre. Sie haben mit der Haftung für die Lohnsteuer durch den Arbeitgeber und der Aufschiebung der Besteuerung eine Lösung gefunden. Das ist alles gut und richtig; das hätten wir auch gerne schon vorher gehabt.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Aber, Herr Kollege Schrodi, das wollten Sie damals nicht.

Von daher geht das in die richtige Richtung. Aber ich sage Ihnen: Es geht noch besser. Sie haben das Problem der Sozialversicherungsfreiheit derzeit nicht gelöst. Sie haben die Bewertungsfragen nicht beantwortet. Sie haben nicht das Problem gelöst, wie mit vinkulierten Anteilen umgegangen wird. Und Sie haben leider die Möglichkeit der pauschalen Besteuerung, die noch im Eckpunktepapier stand, wieder herausgestrichen. Von daher gibt es noch vieles zu verbessern. Das werden wir ja dann im Ausschuss diskutieren.

Ich bin gespannt!

Ich will in der kurzen Redezeit, die ich hier noch habe, einen letzten Aspekt ansprechen: Ich bedauere sehr, dass die Verlustverrechnung aus dem Eckpunktepapier herausgefallen ist.

Zurufvon der CDU/CSU: Ja!

Es geht um Risikokapital. Wenn es schiefgeht – es geht ja nicht nur gut; man hat bei manchen Reden den Eindruck, dass das nur gut geht; es geht auch mal schief –, dann muss man das auch steuerlich geltend machen. Das haben wir in Deutschland fast überall verhindert, indem wir eigene Verrechnungskreise geschaffen haben. Da brauchen wir zwingend eine Änderung, damit das Risikokapital auch steuerlich anerkannt werden kann.

Herzlichen Dank. Ich freue mich auf die Beratungen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Albrecht Glaser [AfD]
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Silvia Breher
Foto: Silvia Breher/ Anne Hufnagl
8 Vermerkeca. 441 WörterReaktionswert: lebhaft
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Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Diese Bundesregierung hat eine Antwort auf die Kinderarmut gefunden. – Dieses Zitat vom 28. August 2023 stammt von der Ministerin. Heute, dreieinhalb Wochen später, gibt es noch immer keinen Kabinettsbeschluss, und es gibt auch noch immer keinen Entwurf hier im Parlament.

Der kommt schon noch! Keine Sorge!

Sicher ist jedoch, dass der Entwurf, so wie er uns vorliegt, keine Antwort auf die Kinderarmut gibt, dass er aber 500 Millionen Euro teure neue Verwaltungsaufgaben für die Bundesagentur für Arbeit und für die Länder mit sich bringt.

Beifallbei der CDU/CSU

Diese sogenannte Kindergrundsicherung als Antwort auf Kinderarmut zu bezeichnen, gleichzeitig aber einen Haushalt vorzulegen, der, ehrlich gesagt, überall dort, wo es für Kinder wichtig wäre, kürzt, das ist für uns grundlegend falsch – und offensichtlich nicht nur für uns. Die Kollegin Jensen von der FDP sagte gestern: Die Grundannahme der Kollegin, der Ministerin Lisa Paus, ist, dass ein pauschales Überweisen von mehr Geld auf das Konto der Familien Kinderarmut bekämpft, und der Überzeugung sind wir als Freie Demokraten so nicht.

Recht hat Gyde Jensen!

Wir als CDU/CSU sind das übrigens auch nicht.

Beifallbei der CDU/CSU

Deshalb bringen wir diesen Antrag mit zehn Maßnahmen zum Kinderzukunftsprogramm ein. Denn Bildung und soziale Infrastruktur verbunden mit zielgerichteten finanziellen Leistungen sind doch die Schlüssel für bessere Chancen, für eine bessere Zukunft von Kindern.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich möchte zwei Punkte von zehn hervorheben; meine Kolleginnen und Kollegen werden auf die übrigen eingehen. Da ist zunächst die Stärkung der Frühen Hilfen: Das sind diese niedrigschwelligen Angebote, zum Beispiel über die Familienhebammen; jeder von Ihnen/von euch kennt es aus den eigenen Wahlkreisen: Der Bedarf wächst. Familien, werdende und junge Eltern früh zu unterstützen, ins Hilfesystem zu bringen, sie zu beraten und zu unterstützen, gute und starke Eltern sein zu können – diesen Bereich müssen wir in den Blick nehmen.

Ich möchte auch noch ein paar Worte zu unserem Ansatz bei der finanziellen Unterstützung sagen. Wir wollen das Kindergeld erhalten. Das Kindergeld ist keine Sozialleistung.

Beifallbei der CDU/CSU

Das Kindergeld muss im Steuerrecht verankert bleiben mit dem Ziel, es auch weiterhin entsprechend der Anpassung des steuerlichen Kinderfreibetrages zu erhöhen. Wir sind ja ein bisschen bei Ihnen, wenn es darum geht, den Kinderzuschlag und den Teilhabebetrag zusammenzufassen, auch das Schulstarterpaket automatisch mit auszuzahlen. Aber im Gegensatz zu Ihnen wollen wir es an die Erwerbstätigkeit koppeln, und wir wollen vor allen Dingen in den vorhandenen Strukturen bleiben; denn 500 Millionen Euro für eine neue Verwaltungsstruktur, das ist bei diesem Haushalt für mich ein schlechter Witz. Stattdessen braucht es die konsequente Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes und des Digitale-Familienleistungen-Gesetzes. All das, was Sie sagen, digitale und Onlinedatenabgleiche, wäre heute möglich, wenn Sie es umsetzen würden.

In diesem Sinne freue ich mich auf die Beratungen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
19 Vermerkeca. 454 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin Paus! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Unionsfraktion!

Jetzt aber!

Zurufevon der CDU/CSU: Uijuijui!

Ich freue mich sehr, dass Sie uns durch Ihren Antrag die Möglichkeit geben, heute über ein so wichtiges Thema zu sprechen, das uns allen sehr am Herzen liegt: die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen.

Es ist für mich mal wieder erstaunlich, wie sehr sich die Unionsfraktion in ihrem aktuellen Antrag für die Betreuung, Bildung, die Rechte und die Zukunft unserer jungen Mitbürgerinnen und Mitbürger einsetzt.

Rechte sind immer gut!

Ja, sehr gute Rede!

Als ich mir Ihren Antrag durchgelesen habe, habe ich mich tatsächlich gefragt, ob ich versehentlich in einer Parallelwelt gelandet bin, in der die Union die treibende Kraft für soziale Gerechtigkeit und Kinderrechte ist.

Das ist die echte Welt!

Da liest man Sätze wie: Kinder „sollen unabhängig vom Geldbeutel und Bildungshintergrund ihrer Eltern oder der Zuwanderungsgeschichte ihrer Familie“ – hört, hört! – „gerechte Chancen in unserer Gesellschaft erhalten“.

Das war schon immer unsere Position!

Wirklich beeindruckend! Haben Sie das mit Ihrem Fraktionsvorsitzenden Herrn Merz wirklich abgestimmt?

Die Unionsfraktion, die sich bisher eher für eine restriktive Flüchtlingspolitik und für Steuergeschenke für Besserverdiener stark gemacht hat,

Zurufevon der CDU/CSU und der AfD: Oh!

möchte uns nun weismachen, dass sie die Kinderrechte und das Wohl unserer Jüngsten hochhält. Das ist natürlich eine wirklich erfreuliche Entwicklung. Ich kann nur hoffen, dass diese plötzliche soziale Fürsorge nicht genauso kurzlebig ist wie manche Wahlversprechen, die wir in der Vergangenheit von Ihnen gehört haben.

Aber jetzt ernsthaft:

Ah, jetzt ernsthaft! War bisher nur Spaß?

Wir Ampelfraktionäre sollten diese Gelegenheit nutzen und die Union ermutigen, ihre Worte in die Tat umzusetzen.

Dann mal los!

Wenn die Union wirklich so besorgt um die Rechte und die Zukunft junger Menschen ist, dann wäre die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz der perfekte Schritt in die richtige Richtung.

Beifallbei der SPD
Zurufevon der CDU/CSU

Damit könnten wir sicherstellen, dass die Rechte unserer Kinder und Jugendlichen dauerhaft geschützt sind und nicht von politischen Wendungen und Regierungsverantwortung oder Oppositionspolitik abhängen.

Sie kennen sich ja aus mit unserem Grundgesetz! Meine Güte!

Wir als SPD und auch die Ampelfraktionen stehen bereit, diesen wichtigen Schritt gemeinsam mit der Union zu gehen. Lassen Sie uns die Kinderrechte im Grundgesetz verankern und sicherstellen, dass unsere jungen Mitbürgerinnen und Mitbürger die Unterstützung und den Schutz erhalten, den sie verdienen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Aber nicht in der Verfassung!

Dadurch könnten wir gemeinsam Geschichte schreiben und die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen positiv beeinflussen.

Das ist doch alles Symbolpolitik!

Darf bei der SPD eigentlich jeder reden?

Und wer weiß – vielleicht wird die Union in der Zukunft noch weitere erstaunliche Wandlungen durchmachen.

Bestimmt! Bestimmt!

Vielleicht werden Sie plötzlich auch zu Verfechtern des Klimaschutzes und der sozialen Gerechtigkeit.

Lieber Gott!

Ich würde mich jedenfalls sehr freuen. Und die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz wäre ein erster und immens wichtiger Schritt in diese Richtung. In diesem Sinne rufe ich die Kolleginnen und Kollegen der Union auf, ihre Worte in die Tat umzusetzen und gemeinsam mit uns die Kinderrechte im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention im Grundgesetz zu verankern.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Her Mützenich ist nicht da, weil ihm das bestimmt peinlich wäre!

Lassen Sie uns zeigen, dass wir die Zukunft unserer Kinder ernst nehmen und ihnen die Rechte geben, die sie verdienen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Martin Reichardt
Foto: Martin Reichardt/Daniel Schneider
12 Vermerkeca. 534 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Mit dem hier vorgelegten Kinderzukunftsprogramm beweist die CDU, dass sie auch das Scholzen gut beherrscht. So oft wie in diesem Antrag die Länder in die Pflicht genommen werden sollen, scheint die CDU vergessen zu haben, dass sie selbst in acht Bundesländern Regierungsverantwortung trägt. Und Sie haben auch vergessen, dass Sie für die Zustände, die Sie hier anprangern, selbst Verantwortung tragen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Es ist ein Hohn, dass Sie über die Zukunft von Kindern sprechen; denn Sie haben mit Ihrer Politik der offenen Grenzen vielen Kindern nicht nur die Zukunft, sondern auch das Leben genommen.

Das hat ja eine Minute gedauert fast!

Nach nur acht Jahren war das Leben von Leo beendet. Ein Eritreer stieß ihn vor einen ICE. Mia aus Kandel wurde vierzehn Jahre alt, getötet von einem Afghanen mit einem Brotmesser. Julia, neun, aus Dessau spielte mit ihrem Teddy, als sie von einem geduldeten Afrikaner vergewaltigt wurde. Dafür trägt die CDU Mitverantwortung, und Sie tragen auch Mitverantwortung dafür, dass unzählige Eltern heute nicht mehr am Leben sind, die ihre Kinder gerne noch betreut, versorgt und geliebt hätten!

Beifallbei der AfD

Aber was ist schon ein Kinderleben und Familienglück gegen die Ideologie der Masseneinwanderung? Das beste Kinderzukunftsprogramm heißt: Schützen wir mit Deutschlands Grenzen auch Deutschlands Kinder!

Beifallbei der AfD

Unsere Kinder werden immer mehr zur Minderheit im eigenen Land. Sie werden gemobbt, verachtet und verhöhnt in den Schulen, weil sie Deutsche sind. „Scharia statt Grundgesetz“ gilt in vielen Klassenzimmern. Mädchen werden unter Druck gesetzt, weil sie einen vermeintlich islamischen Sitten- und Bekleidungskodex nicht einhalten. Lehrerinnen berichten davon, dass sie sich nicht mehr trauen, kurze Kleider anzuziehen, und Israel soll aus den Atlanten geschnitten werden. Das findet in unseren Schulen statt, und darum schicken auch so viele Politiker von Ihren Fraktionen hier ihre Kinder auf Privatschulen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD
Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Das ist widerwärtig, was Sie hier abliefern!

In ihrem Antrag beklagt die CDU weiterhin, dass etwa ein Viertel aller Viertklässler in Deutschland den internationalen Mindeststandard beim Lesen nicht erreicht.

Sie haben den Mindeststandard beim Denken nicht erreicht!

Schuld daran sind angeblich der Fachkräftemangel und die Coronapandemie. Aber es war nicht die Pandemie, die schuld war – es war die Merkel-Regierung, die Schulen und Kindergärten ohne wissenschaftliche Evidenz geschlossen hat.

Beifallbei der AfD

Sie haben Kindern die Bildung vorenthalten! Sie haben den Kindern große Teile ihrer Kindheit genommen. Das ist Ihre Verantwortung – und diese Schuld, die werden wir Ihnen nicht vergessen.

In Ihrer Kindheit ist aber auch einiges schiefgelaufen!

Machen wir weiter: Auch CDU-Bürgermeister und -Landräte schlagen mittlerweile Alarm und schreiben Brandbriefe, dass keine weitere Aufnahme von Flüchtlingen, insbesondere vor dem Hintergrund der Situation in Schulen und Kindergärten, mehr stattfinden soll. Und Sie hier in Ihrem Berliner Fraktionselfenbeinturm erzählen von akutem Fachkräftemangel und wollen den Ländern und Kommunen munter immer weitere Pflichten aufbürden, die dort weder finanziell noch personell irgendwie geleistet werden können.

Meine Damen und Herren von der Union, es ist kein Wunder, dass Ihre Brandmauern überall zusammenbrechen. Wir sind im Bund zweitstärkste Kraft, wir sind in mehreren Bundesländern stärkste Kraft.

Sie sind vor allem die dümmste Kraft!

Sie müssen sich in Zukunft mal entscheiden, ob Sie Politik für Deutschland, ob Sie konservative Politik machen wollen.

Wir haben uns schon längst entschieden!

Das geht nur mit uns. Am besten, Herr Merz, Sie gehen nach Hause und nehmen Herrn Wüst und Herrn Günther gleich mit,

Gehen Sie mal nach Hause! Schlimm! Ganz schlimm!

und dann besinnt sich die CDU vielleicht wieder auf konservative Werte und kann wieder konservative Politik für Deutschland machen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Schlimm, schlimmer, rechts!

Porträt von Lisa Paus
Foto: Lisa Paus/ Chaperon
Lisa PausGrüne· Bundesministerin BMFSFJ· MdB
30 Vermerkeca. 778 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete! Sehr geehrte Zuschauende! Gestern war Weltkindertag, und ich freue mich, dass die Union heute ihre Vorschläge für eine Familienpolitik vorstellt.

Ja, sonst macht es ja keiner!

Wir hatten gestern auch Vorschläge zum Kinderschutz!

Ich gebe zu: Ich war wirklich neugierig auf Ihren Antrag; denn immerhin hat die Union hier einiges aufzuholen. 16 Jahre CDU-Kanzlerschaft

Beifallder Abg. Dorothee Bär [CDU/CSU]

Jawoll, 16 Jahre! Endlich! Bullshit-Bingo! Wahnsinn!

haben genau dahin geführt, wo wir heute sind: in eine verfestigte, strukturelle Kinderarmut in Deutschland.

Jedes fünfte Kind ist davon betroffen.

Frau Giffey, Frau Schwesig! Die kann sich genauso wenig erinnern wie der Kanzler!

Was aus Kindern wird, die in armutsgefährdeten Familien aufwachsen, das war viel zu lange ein Tabu in Deutschland.

Gestern haben wir noch mal frische Zahlen dazu bekommen, was die Folgen genau dieser Politik sind: Vier von zehn Kindern haben nicht das passende Schulmaterial oder Sportzeug, jedes fünfte Kind nimmt kaum mehr an Schulausflügen teil, und jedes dritte Kind sorgt sich, dass die eigene Familie nicht genug Geld hat.

Dafür haben wir Geld für die ganze Welt!

Das ist die Situation heute in Deutschland nach 16 Jahren Kanzlerschaft der Union.

Das ist eine Frechheit!

Und was präsentieren Sie heute? Den zweiten und dritten Aufguss Ihrer bisherigen Politik. Schade, meine Kollegen von der Union!

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es ist richtig und wichtig, dass Familien mit Frühen Hilfen unterstützt werden.

Zurufvon der CDU/CSU: Aha!

Es ist entscheidend für mehr Chancengerechtigkeit der Kinder wie auch für bessere Erwerbsmöglichkeiten für Familien, dass Bund, Länder und Kommunen gemeinsam in die Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern investieren, und auch, dass der Rechtsanspruch kommt.

Aber das ist bereits alles auf den Weg gebracht

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ja, von uns!

– Von uns.

Es ist auch richtig, Kinder früh zu fördern und Kitas als faszinierende Lernorte für alle Sinne zu etablieren, insbesondere auch hinsichtlich der sprachlichen Bildung.

Zurufvon der CDU/CSU: Warum machen Sie es denn dann nicht?

Deshalb haben wir die Sprachförderung mit dem KiTa-Qualitätsgesetz

… gekürzt und eingestampft! Eingestampft, die Sprach-Kitas!

bereits als zentrales Handlungsfeld fest verankert und in die Regelfinanzierung überführt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Ulrike Bahr [SPD]

Wir arbeiten jetzt gemeinsam mit den Ländern an der Entwicklung bundesweiter Qualitätsstandards. Mit 7 Milliarden Euro unterstützen wir die Länder bei der Kitaqualität und beim Ganztagsausbau.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Ria Schröder [FDP]

Und wir tun noch mehr. Mit dem Startchancen-Programm werden wir 4 000 Schulen bundesweit zusätzlich unterstützen – für mehr Chancengerechtigkeit insbesondere sozial benachteiligter Schüler/-innen in Deutschland.

Denn jedes dieser Kinder, ob klein oder groß, ist uns die ganze Breite an Förderung wert.

In der nächsten Legislaturperiode!

Aber erst ab 2025!

Sie wissen, es findet sich im Haushalt 2024.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Tosender Applaus bei der FDP-Fraktion!

Aber – und da besteht eben doch ein offenbar nach wie vor zentraler Unterschied, liebe Kollegin von der Union – es geht nicht um Geld oder Bildung, es geht nicht um Transferleistungen oder Investitionen in die Bildungsinfrastruktur. Kinder brauchen beides,

Und Sie machen nichts!

und wir geben Kindern beides,

damit sie in Deutschland gut aufwachsen können, damit sie ihre Chancen bekommen, damit sie ihre Talente entfalten können. Keine Bundesregierung hat so viele Mittel für Kinder und ihre Familien mobilisiert wie diese Bundesregierung.

Darf man hier so was behaupten, auch wenn es nicht stimmt? Das stimmt nicht!

Es kommt kein Euro an!

Schon jetzt sind es 7 Milliarden Euro, darunter die größte Kindergelderhöhung seit den 90er-Jahren. Mit der Kindergrundsicherung werden die Mittel in den nächsten Jahren weiter deutlich auf über 10 Milliarden Euro anwachsen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Mit dem Kindersofortzuschlag, mit der Erhöhung des Kindergeldes und des Kinderzuschlags und den neuen Regelsätzen im Bürgergeld steuern wir auf eine Kindergrundsicherung zu, die ihren Namen verdient. Das bedeutet für armutsbedrohte Kinder im Jahr 2025 konkret Leistungen von mindestens 530 Euro für die kleinsten und bis zu 636 Euro für die ältesten Kinder. Das wird es geben. Und ja, mehr Geld hilft eben auch armen Kindern.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufder Abg. Heidi Reichinnek [DIE LINKE]

Und wir ändern das System, die Strukturen von der Hol- zur Bringschuld: Künftig wird es eine Stelle für Familien für alle kindbezogenen Leistungen geben, egal welches Einkommen sie haben.

Das stimmt nicht!

Wir holen damit 1,9 Millionen Kinder aus dem Bürgergeld, und wir erreichen mit dem Zusatzbetrag 5,6 Millionen Kinder zusätzlich. Wir werden einen Kindergrundsicherungscheck einführen und damit die Eltern aktiv und automatisch über ihre möglichen Ansprüche informieren. Zudem werden Berechnung und Auszahlung der Leistungen einfacher. Allein dadurch werden mehr Kinder als bisher mehr Geld erhalten, gerade auch diejenigen in verdeckter Armut, deren Eltern hart arbeiten, aber bei denen es trotzdem nicht reicht.

Ich kann Ihnen versichern: Mit diesem Systemwechsel werden wir auch das Lebensgefühl und das Selbstbild dieser Familien verändern. Wir befreien Eltern und erst recht Kinder von dem Gefühl, Bittsteller zu sein.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ja, bei der Kindergrundsicherung geht es auch darum, dass arme Kinder endlich rauskommen können aus dem „Wir haben nix, also bin ich nix, also kann ich auch nix“. Wir beenden genau diese Stigmata mit dem Service aus einer Hand. Wir wollen diesen Familien auch ein Stück Würde zurückgeben, was sie wirklich verdient haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Sehr geehrte Zuhörende, laut DeutschlandTrend befürworten 60 Prozent der Menschen in Deutschland die Kindergrundsicherung.

Zurufvon der CDU/CSU: Weil sie nicht wissen, was das ist!

Die wissen gar nicht, was das ist!

Dort, wo die Union Verantwortung trägt, lade ich sie ein, mit uns gemeinsam die Situation von Familien strukturell zu verbessern.

Ist der schon fertig, der Entwurf?

Das ist wichtig für die Familien. Sie sind das Rückgrat unserer Gesellschaft. Das stärkt den sozialen Zusammenhalt und unsere Demokratie. Dazu sollte sich jede demokratische Partei verpflichtet fühlen.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der LINKEN
Porträt von Heidi Reichinnek
Foto: Heidi Reichinnek / Olaf Krostitz
15 Vermerkeca. 739 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das waren ja wieder richtig schöne Worte. Eigentlich wäre es klasse, wenn die Regierung das auch umsetzen würde. Aber mal ganz im Ernst: Kinder haben in dieser Regierung keine Lobby. Ich sage, wie es ist.

Angefangen beim Thema Kindergrundsicherung. Der Vorschlag der Regierung, der gerade vorliegt, macht alles im Antragsdschungel noch komplizierter, und er sichert vor allem nicht das Existenzminimum von Kindern und Jugendlichen ab. Das ist aber eigentlich der Kern der Kindergrundsicherung.

Beifallbei der LINKEN

Gewerkschaften, Sozialverbände, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und die Linksfraktion – also alle, die Ahnung von dem Thema haben – fordern mindestens 20 Milliarden Euro für eine echte Kindergrundsicherung.

Beifallbei der LINKEN

Und Sie? Sie planen mit 2,4 Milliarden Euro. Das ist ignorant, Frau Ministerin.

Beifallbei der LINKEN

Thema Kitas. Sie behaupten; da liefern Sie dann aber wirklich. Was Sie aber machen, ist, Gelder zu kürzen. Die Kitakosten liegen bundesweit bei über 50 Milliarden Euro. Sie steigen jedes Jahr um 3 Milliarden Euro. Und was liefert die Bundesregierung seit Jahren? 3 Milliarden Euro. Daran hat auch Ihr KiTa-Qualitätsgesetz nichts geändert. Dabei brauchen die Länder und Kommunen dringend mehr Geld vom Bund. Sie gleichen nicht mal die Inflation aus und haben sogar die Finanzierung der Sprach-Kitas gestrichen. Sich dafür auf die Schulter zu klopfen, wie gerade eben schon wieder, das ist ignorant.

Beifallbei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Thema „Kinder- und Jugendplan des Bundes“. Damit werden Träger und Verbände unterstützt, um vor Ort Angebote für Kinder und Jugendliche zu schaffen, also zum Beispiel Ferienfreizeiten, Jugendtreffs, Integrationsangebote. Dort streichen Sie 20 Prozent. Das heißt: Angebote weg, Strukturen weg; weniger Kinder und Jugendliche werden erreicht. Man muss den Kindern nach Corona was zurückgeben – dieses Mantra immer zu wiederholen und dann Gelder zu streichen, das ist ignorant.

Beifallbei der LINKEN

Sie arbeiten sich gerade am falschen Antrag ab, Frau Kollegin!

In Bezug auf Kinder, Jugendliche und Familien ist bei Ihnen von sozialer Politik doch nichts zu spüren. Sie haben gerade wieder gesagt: Wir brauchen Transferleistungen und Investitionen in Bildung. – Aber Sie machen weder das eine noch das andere.

Das stimmt ja nicht!

Da bin ich ja fast schon versucht, der CDU/CSU für ihren Antrag zu danken, mit dem wir das Thema hier überhaupt mal wieder diskutieren.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Sehr gut! Machen Sie es!

Aber dafür ist der Antrag dann doch zu schlecht. – Nicht klatschen!

Beifallbei Abgeordneten der LINKEN

Wir können klatschen, wie wir wollen!

Vor uns liegt wieder mal nur ein Wunschzettel: Stärkung der Frühen Hilfen, Familienlotsen, mehr Fachkräfte, mehr Engagement vom Bund im Ganztag. Alles richtig. Und ja, das hätten Sie auch in den letzten 16 Jahren schon machen können.

Haben wir auch!

Aber: Alles, was Sie hier fordern, darf dann kein Geld mehr kosten. Also man will alles, und es soll besser werden, ohne dafür zu zahlen. Sie sagen nichts zur Finanzierung. Soll das jetzt ehrenamtlich laufen, oder wie stellen Sie sich das vor?

Es ist schon faszinierend, dass Sie überall gegen die Kürzungen der Ampel schießen, aber trotzdem auch die Schuldenbremse einhalten wollen und nirgends neue Einnahmen generieren. Das passt dann nicht so richtig zusammen; da muss man sich schon mal ehrlich machen. Dabei ist es gar nicht so kompliziert. Ein Sondervermögen für Kinder und Jugendliche wäre genauso einfach zu beschließen wie das fürs Militär.

Beifallbei der LINKEN

Oder man schaut sich mal die irre Vermögensungleichheit in diesem Land an. Die 100 reichsten Familien besitzen über 600 Milliarden Euro. Und nein, das hat mit Leistung nichts zu tun, liebe FDP.

Beifallbei Abgeordneten der LINKEN

Eine Vermögensteuer würde da helfen.

Das ist eine Ländersteuer!

Oder Sie streichen die Schlupflöcher für Superreiche bei der Erbschaftsteuer endlich mal. Haben wir als Linksfraktion gerade erst beantragt; hätte man zustimmen können. Dann wäre Geld für die Bundesländer und die Kommunen da, die vieles von dem, was Sie auf Ihrem Wunschzettel haben, leisten müssen.

Oder sie besteuern mal die krassen Übergewinne, die sich Großkonzerne während der Krise auf Kosten der Bevölkerung in die Tasche gesteckt haben. Auch da haben wir als Linksfraktion einen Antrag gestellt. Hätte man zustimmen können. Das wären Milliarden, die wir auf Bundesebene gut gebrauchen könnten, auch für Ihre Vorschläge, liebe CDU/CSU.

Nur eine Seite zu beleuchten, wie Sie das hier machen, ist genauso unredlich wie die Krokodilstränen, die ich die ganze Zeit aus der Ampel höre: Sie alle finden ja die Kürzungen so schlimm, und Sie würden ja gerne, wenn Sie doch nur könnten. – Ja, dann tun Sie das doch einfach mal! Schaffen Sie eine echte Kindergrundsicherung.

Beifallbei der LINKEN

Investieren Sie mehr Geld in die Kitas, in die offene Kinder- und Jugendarbeit. Fördern Sie die Jugendhilfe. Das wäre zukunftsweisende Politik, liebe Kolleginnen und Kollegen der Ampel.

Und ich sage es Ihnen gerne noch mal: Es fehlt in diesem Land nicht am Geld. Es fehlt am politischen Willen, auch von Ihnen.

Beifallbei der LINKEN
Zurufder Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
9 Vermerkeca. 633 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch von uns ein herzliches Dankeschön an die Union, dass Sie heute mit Ihrem Antrag uns allen die Gelegenheit bieten, noch einmal über Startchancen für Kinder und Jugendliche zu sprechen. Wir wollen nämlich auch, dass jedes Kind in Deutschland die Möglichkeit hat, seine eigene Zukunft zu gestalten, und zwar vor allen Dingen, ohne die Erfahrung machen zu müssen, dass die soziale Herkunft den eigenen Träumen Grenzen setzt.

Aber jetzt kümmern wir uns wieder ein bisschen um den Antrag, der hier vorliegt und debattiert wird. In Ihrem Antrag dokumentieren Sie sehr, sehr ausführlich den Erkenntnisprozess, den Sie durchlaufen haben. Momentan werden sehr viele Studien vorgelegt: von der IGLU-Studie angefangen bis zum IQB-Bildungsbericht. Sie kommen zu der Erkenntnis – ich kann Ihnen da nur gratulieren –, dass in diesem Land Kinderarmut und Kinderchancen ganz maßgeblich von den Bildungschancen abhängen. Und das, finde ich, ist für die Union eine Runde Applaus wert.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Aber ganz wichtig an dieser Stelle ist, dass es gut für die Kinder in diesem Land ist, dass die Freien Demokraten einige dieser Vorschläge, die Sie in Ihrem Antrag zitieren, schon umgesetzt haben. Sie sprechen beispielsweise die Talentschulen an, die 2019 in Nordrhein-Westfalen eingeführt wurden; ein erfolgreiches Programm. Deswegen haben wir uns als Bundesregierung auch auf den Weg gemacht und werden das Startchancen-Programm im Bund umsetzen, das gerade mit den Ländern verhandelt wird. Das besteht aus drei Säulen; Sie wissen das. Vor allem wollen wir den Bildungsauftrag sehr, sehr eng mit der Schulsozialarbeit verzahnen.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

2018 haben wir Freie Demokraten ein Konzept erarbeitet, und zwar das Kinderchancengeld, das eine radikale Vereinfachung der familienpolitischen Leistungen auf den Weg bringen will, um Eltern zu entlasten und um dafür zu sorgen, dass die Leistungen tatsächlich auch bei denjenigen ankommen, die sie so dringend brauchen. Das war und das ist der absolute Schwerpunkt der Freien Demokraten, auch bei der Umsetzung der Kindergrundsicherung.

Beifallbei der FDP

Teil dieses Konzeptes ist das Kinderchancenportal, das jetzt im Rahmen der Kindergrundsicherung kommen wird. Sie nennen das Ganze „Teilhabe-App“. Das haben Sie gestern ja auch medial präsentiert. Ich gehe davon aus, dass das wahrscheinlich eine Ad-hoc-Idee, eine spontane Idee, war, weil das in dem Antrag nicht steht. Da hätte das gut reingepasst. Aber beim besten Willen können wir dem Ganzen trotzdem nicht zustimmen.

Drei Punkte dazu:

Absoluter Luftschlossantrag. Da gebe ich der Kollegin Reichinnek tatsächlich recht: Sie machen keinerlei Vorschläge, wie Sie das Ganze finanzieren wollen. Bei den meisten Forderungen sind eigentlich die Länder und Kommunen die Adressaten.

Jetzt machen wir mal eine kleine Transferaufgabe, und zwar schreiben Sie hinter jede dieser zehn Forderungen den Adressaten und die Ebene, die grundgesetzlich eigentlich zuständig ist. Ich sage Ihnen: In den meisten Fällen werden Sie sehen, dass die Länder zuständig sind.

Wir haben ja gerade Landtagswahlen. Reichen Sie doch dieses Maßnahmenpaket in Hessen, in Bayern und gerne auch in Schleswig-Holstein – hier tagt gerade der Landtag – ein. Wenn Sie mitregieren und so zügig ins Umsetzen kommen wollen, dann sollte das ja eigentlich eine Sache von ein paar Wochen oder Monaten sein. Wir sind dann gerne dabei.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Frau Prien hatte in der Sommerpause, die dann wirklich auch ein Sommerloch war, nichts Besseres zu tun, als ein Handyverbot zu diskutieren, beispielsweise an Grundschulen. In Ihrem Antrag wiederum steht drin: ein adäquater altersgemäßer, zeitgemäßer Umgang mit digitalen Medien.

Das widerspricht sich doch nicht!

Vielleicht stimmen Sie sich da noch ein bisschen ab – das wäre wunderbar – und geben vielleicht den Länderkolleginnen und -kollegen mit, dass sie sich mit der Bildungsministerin Stark-Watzinger beim Startchancen-Programm gut abstimmen. Grüße gehen vor allen Dingen an Karin Prien!

Wo ist Frau Stark-Watzinger eigentlich?

– Sie verhandelt gerade. Nachher gibt es wahrscheinlich dann entsprechend die PK.

Schöner wäre es im Plenum!

Dann können Sie mit den Ländern Rücksprache halten. Wir freuen uns auf jeden Fall, wenn Sie das in den Ländern umsetzen, dann sind wir an Ihrer Seite.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wird jetzt Politik im Plenum gemacht oder in der Pressekonferenz?

Beifallbei der CDU/CSU
10 Vermerkeca. 453 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Über mein Herzensthema „Kinder und Jugendliche“ spreche ich natürlich immer gerne. Klar ist, dass Kinder und Jugendliche einen guten Zugang zu hochwertiger Bildung, Gesundheitsversorgung und auch kultureller Teilhabe haben müssen. Aber daran arbeiten wir ja bereits!

Liebe Union, schauen wir uns einfach Punkt 9 Ihres Antrags etwas genauer an, die finanzielle Unterstützung von Familien. Mir zumindest fallen hier durchaus einige Parallelen zu einem Projekt auf, an dem wir bereits arbeiten, und zwar der Kindergrundsicherung.

Wo ist sie denn?

Dieser Antrag von Ihnen erreicht uns zufällig, kurz bevor wir den Beschluss des Kabinetts erwarten.

„Kurz bevor“! Wie oft ist das dann geschoben worden?

Ich frage mich hier wirklich: Warum jetzt? Warum bringen Sie sich nicht einfach im weiteren Verfahren konstruktiv mit ein?

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Wir arbeiten mit Hochdruck an einem wirklich komplexen Sachverhalt, bei dem es Tausend einzelne Dinge zu beachten gibt. Da reicht es doch nicht aus, hier zehn Forderungen aufzuschreiben.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Gyde Jensen [FDP]

Mit unserer Kindergrundsicherung werden wir die zentralen familienpolitischen Leistungen zusammenführen. Wir werden das Verfahren digitalisieren und vereinfachen. Und wir werden damit die Kinder, Jugendlichen und Familien unterstützen, die es am meisten brauchen. So können wir zum Beispiel circa 1,9 Millionen Kinder aus dem Bürgergeldbezug herausholen. Damit gehen wir einen weiteren Schritt in die richtige Richtung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die Ampelkoalition hat in einer Zeit der Krisen die Regierung übernommen, und trotz dieser schwierigen Bedingungen wie Corona, Krieg in der Ukraine oder Inflation konnten wir in dieser Legislaturperiode bereits einiges für Kinder und Familien erreichen: Wir haben das Kindergeld massiv erhöht, den Kinderzuschlag erhöht, den Mindestlohn erhöht, das Bürgergeld eingeführt, Programme gestartet, um die Auswirkungen von Corona abzumildern, das KiTa-Qualitätsgesetz verabschiedet, den Kindersofortzuschlag eingeführt und noch einiges mehr.

Für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ist es seit jeher wichtig, die Familie als Gesamtes zu stärken. Da reicht es eben nicht aus, zehn Programmpunkte aufzuschreiben und dann zu glauben: Es wird schon alles gut.

Sie machen gar nichts! Umsetzen!

Gerade befinden wir uns mitten in komplizierten Haushaltsberatungen, und das wissen Sie auch. Wir ringen wirklich um jeden einzelnen Euro. Ihr Antrag zeigt deutlich, dass Sie zwar nette Forderungen haben, aber dass Sie in keinster Weise aufzeigen, wie das alles finanziert werden soll.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Emilia Fester [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Sie verplempern unser Geld!

Aber das ist eben der Balanceakt, den wir als Ampelkoalition bewältigen müssen und auch werden. Kinder und Jugendliche sind das Herzstück unserer Gesellschaft, und ja, es ist unsere gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sie zu unterstützen und zu fördern.

Sagt ihr immer, wenn euch nichts mehr einfällt!

Dies macht auch der jährliche Weltkindertag deutlich, den wir gestern zusammen gefeiert haben. Unter dem diesjährigen Motto „Jedes Kind braucht eine Zukunft!“ haben UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk für ein stärkeres politisches Engagement, für eine gerechte und lebenswerte Zukunft von Kindern und Jugendlichen plädiert.

Lassen Sie uns doch bitte gemeinsam daran arbeiten. Dann können wir unseren Kindern und Jugendlichen ein wirklich gutes Aufwachsen in unserer Gesellschaft ermöglichen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dann machen Sie!

Beifallbei der AfD
Porträt von Gereon Bollmann
Foto: Gereon Bollmann / privat
6 Vermerkeca. 363 WörterReaktionswert: lebhaft
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Guten Morgen, sehr geehrte Präsidentin! Meine lieben Kollegen! Die Union will mit ihrem Kinderzukunftsprogramm die Bildungsinfrastruktur verbessern. Bei Infrastruktur denke ich in erster Linie an Straßen.

Das ist klar!

Sie braucht man, um gut und sicher fahren zu können. Ein Auto oder – je nach Geschmack auf der grünen Seite – vielleicht auch ein Lastenfahrrad braucht man natürlich auch dafür. Wenn wir also Politik für Kinder machen wollen, reicht die Verbesserung der Infrastruktur allein natürlich nicht aus. Wir müssen uns auch um die Nutzer, also die Kinder und die Familien, Gedanken machen.

Der Antrag, liebe Union, ist keineswegs schlecht; das will ich nicht sagen. Im Gegenteil: Die vorgeschlagenen Maßnahmen machen vielfach Sinn, und wir können ihnen auch teilweise zustimmen. Das ist vielleicht für Sie, liebe Union, eine schlechte Nachricht, weil gute Vorhaben ja nach rot-grüner Lesart im Grunde ein Teufelswerk sind, sobald wir ihnen zustimmen. Aber keine Sorge, Sinnvolles werden wir natürlich auch weiter unterstützen.

Aber wir wollen mehr, und unsere Familien brauchen auch mehr. Die Familien brauchen den Staat nicht als Helfer in allen Lebenslagen. Die Familien sind eine Wirtschafts- und Versorgungsgemeinschaft für Generationen. Man muss sie atmen lassen, man darf ihnen nichts wegnehmen. Man darf ihnen nicht nehmen, was sie zum Aufbau dieser Gemeinschaft zwingend benötigen.

Wir brauchen ein steuerliches Familiensplitting. Bei drei Kindern muss das Einkommen bis 100 000 Euro steuerfrei bleiben. Wir brauchen Lastengerechtigkeit zwischen Eltern mit Kindern und Menschen ohne Kinder.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Deswegen schlagen wir eine Beitragsfreistellung in der Rentenversicherung in Höhe von 20 000 Euro pro Kind vor, ohne dass spätere Leistungen gekürzt werden.

Wir brauchen ein Betreuungsgeld für Eltern und Großeltern in den ersten drei Lebensjahren eines Kindes, orientiert am bisherigen Nettoeinkommen. Und ja, wir brauchen einen Familienbeauftragten, nicht nur Beauftragte für Gender, Antidiskriminierung, Gleichstellung, Datenschutz usw.

Wir haben eine schöne Kinderkommission!

Wir brauchen einen finanziellen Spielraum für die Familien, den sie zur Erziehung ihrer Kinder benötigen. Wenn die Eltern kleiner Kinder nicht gezwungen sind, beide zu arbeiten, dann erübrigen sich von ganz alleine einige Punkte aus dem Kinderzukunftsprogramm der Union.

Das war ja klar!

Und ja – Frau Schön, Sie haben es erwähnt –, wir brauchen momentan auch dieses Programm für Sprachförderung. Das liegt aber an der falschen Politik. Diese hat das Problem verursacht und muss dringend korrigiert werden.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Mann, Mann, Mann!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
8 Vermerkeca. 463 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Frau Ministerin! Dass die Unionsfraktion mit ihrem Antrag dazu beitragen will, den Bildungserfolg der Kinder vom Elternhaus zu entkoppeln, freut mich sehr. Denn genau dafür arbeiten wir auch. Sie fordern uns hier auf, Dinge zu tun, die wir längst auf den Weg gebracht haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wo denn? Wo denn?

Was Ihrem Antrag aber fehlt, das ist die zentrale Erkenntnis, die für uns Bündnisgrüne handlungsleitend ist, nämlich dass es beides braucht: ein gutes Bildungssystem und Unterstützung für alle Familien. Denn einen großen Unterschied zwischen unserer Kindergrundsicherung und Ihrem Kinderzukunftsgeld, was größtenteils abgeschrieben ist, gibt es: Wir machen die Kindergrundsicherung für alle Kinder, während Sie die Kinder im Bürgergeldbezug einfach außen vor lassen. Aber es gilt doch: Armut verhindert Bildung bei allen Kindern, die sie betrifft.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Mehr Geld in den Familien hilft natürlich den Kindern; das haben diverse Studien belegt. Sie brauchen hier also nicht ständig so zu tun, als würden die Familien das nicht schaffen. Vielmehr kommt in die Familien gegebenes Geld bei den Kindern an.

Der Zusammenhang zwischen Elternhaus und schulischem Erfolg ist in Deutschland viel zu groß. Deutschlandweit verlassen 6,2 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne einen Abschluss. In Regionen mit hoher Armutsquote, Magdeburg und Halle beispielsweise, sind es gerne mal doppelt so viele: 12,4 Prozent.

Gleichzeitig zeigt das gestern veröffentlichte Schulbarometer, dass sich arme Kinder finanzielle Sorgen um ihre Familien machen, ihnen die wichtigsten Schulmaterialien fehlen, dass sie seltener in Vereinen sind. Armut verhindert also Teilhabe, und Armut nimmt unseren Kindern Zukunftschancen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Die OECD schätzt die jährlichen Kosten der Kinderarmut in Deutschland auf mehr als 100 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund ist es doch zu kurz gesprungen, liebe Kolleginnen und Kollegen aus der Unionsfraktion, monetäre Leistungen zur Unterstützung von armen Kindern einfach wegzuwischen. Damit ignorieren Sie die Folgen der Kinderarmut.

Als Ampelkoalition machen wir beides: Wir investieren ins Bildungssystem und in die Familien. Mit dem KiTa-Qualitätsgesetz stärken wir die frühkindliche Bildung, mit dem Startchancen-Programm bringen wir Schulsozialarbeit an die Schulen, ganz besonders da, wo Kinder aus Elternhäusern mit wenig Geld sind.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Mit der Umsetzung des Rechts auf einen Ganztagsschulplatz, mit der Fachkräfteoffensive und dem Chancen-Aufenthaltsrecht stärken wir als Ampelkoalition das Bildungssystem – übrigens alles Dinge, die Sie in Ihrem Antrag fordern. Die tun wir also längst.

Beifallder Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Dabei belassen wir es aber nicht. Mit der Kindergrundsicherung schaffen wir den Einstieg in eine wirksame und grundlegende Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland. Wir wissen: Kinderarmut raubt unserem Land Zukunftschancen. Wir kämpfen dafür, dass dieses Land zukunftsfähig bleibt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Mit unseren Zukunftsinvestitionen in die Bildungsinfrastruktur und in die finanzielle Unterstützung der Familien und Kinder stärken wir unser Land; wir stellen die Weichen dafür, dass jedes Kind, unabhängig vom Elternhaus, den Bildungsabschluss machen kann. Dafür brauchen wir wirklich keinen Antrag der Union, die viel zu lange nichts getan hat.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das sagt die Berlinerin!

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Beatrix von Storch
Foto: Vadim Derksen
2 Vermerkeca. 79 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ich wollte eigentlich nur eine Frage stellen, und weil Sie das nicht wollten, mache ich das auf diesem Weg; ich frage Sie trotzdem. Können Sie ein einziges konkretes Beispiel einer Brennpunktschule nennen, die zu einem Leuchtturm geworden ist,

Rütli-Schule Neukölln!

ein einziges konkretes, eine Schule mit Namen, Ort und Anzahl der Schüler, wo die Schüler wahrscheinlich zu mehr als 25 Prozent das Lesen und Schreiben nicht richtig gelernt haben, die am Ende in der Masse die Elitestudenten dieses Landes geworden sind?

Zurufder Abg. Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
6 Vermerkeca. 101 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Ja, gerne. – Also, die Kolleginnen und Kollegen, die sich offenbar mit dem Thema Schulpolitik ein bisschen mehr beschäftigen als Sie, haben hier ja schon einige genannt,

Oh! Jetzt kommt’s!

die Rütli-Schule zum Beispiel.

Die Rütli-Schule? Leuchtturm? Das ist ein Leuchtturm?

Eliteschule!

Ich glaube, wir stehen heute an einem Startpunkt. Mit dem Startchancen-Programm machen wir uns ja gerade auf den Weg, weil wir davon überzeugt sind: Diese Schulen brauchen mehr Unterstützung; die Herausforderungen sind größer als an anderen Schulen.

Zurufder Abg. Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und wir sagen eben nicht: „Wir machen es uns einfach“, und: „Wir lassen die Schulen da, wo sie sind“,

Ja, genau!

sondern wir machen uns auf den Weg, diese Schulen zu Leuchttürmen zu machen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Jasmina Hostert
Foto: Jasmina Hostert/ Anna Voelske
10 Vermerkeca. 522 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Frau Bär, wir beschäftigen uns in jeder Sitzungswoche im Familienausschuss mit der Zukunft unserer Kinder, und wir laden Sie sehr herzlich ein, da häufiger vorbeizukommen, um mit uns zu diskutieren, anstatt an Zehn-Punkte-Plänen zu arbeiten.

Ich habe mir diese Punkte ganz aufmerksam angeschaut und habe mich am Ende wirklich gefragt: Was ist denn hier innovativ und besonders neu? Ich habe nicht sehr viel feststellen können.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Ich nehme mal einen konkreten Punkt. Sie schreiben:

„Bund und Länder müssen den an die Kommunen gerichteten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter als gemeinschaftliche Aufgabe verstehen, zu der sie ihren Beitrag leisten ...“

Das ist doch genau das, was wir die ganze Zeit tun.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufder Abg. Nadine Schön [CDU/CSU]

Noch vor der Sommerpause haben wir alle Vertragsvereinbarungen zwischen Bund und Ländern unterschrieben.

Ja! Genau!

Rund 3 Milliarden Euro fließen vom Bund zu den Ländern für den Ausbau des Ganztags, und der Bund verpflichtet sich, sich an den laufenden Betriebskosten zu beteiligen. Gleichzeitig sind wir gerade dabei, einen gemeinsamen Qualitätsrahmen zu entwickeln, der sowohl hier in Berlin als auch bei mir in Böblingen gilt. Das ist nicht ganz so einfach. Wir wollen natürlich die regionalen Unterschiede in diesem Qualitätsrahmen berücksichtigen, aber es sollen Mindeststandards gelten. Da sind wir dran.

Sie sehen: Alles, was Sie fordern, setzen wir längst um. Helfen Sie doch lieber mit. Sprechen Sie doch mal mit Ihren Kolleginnen und Kollegen in den Bundesländern, in denen Sie mitregieren, in Bayern, bei mir in Baden-Württemberg, wie wir dort den Ganztag noch schneller erweitern und hier ein bisschen mehr Tempo reinbringen können.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Natürlich brauchen wir für den Ganztag und für die Kitas mehr Personal, am besten multiprofessionelle Teams. Auch hier hat doch der Bund in den letzten Jahren eine wichtige Dynamik in Gang gesetzt: mit dem Gute-KiTa-Gesetz, mit der Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher und mit der PiA; das ist ein absolutes Erfolgsmodell, mit dem wir viele junge Menschen für diese Ausbildung gewinnen.

Wir haben vor der Sommerpause weitere wichtige Gesetze verabschiedet. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Aus- und Weiterbildungsförderung unterstützen wir junge Menschen dabei, eine Ausbildung zu machen. Beschäftigten ermöglichen wir es, sich unkompliziert weiterzubilden und auch einen Quereinstieg zu wagen.

Natürlich wird es nicht reichen, wenn wir nur die inländischen Potenziale nutzen. Wir brauchen zusätzliche Fachkräfte und Arbeitskräfte aus dem Ausland, und hier setzen wir mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz an.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Gyde Jensen [FDP]

Sie schreiben tatsächlich in Ihrem Antrag – ich zitiere –: „Außerdem braucht es ... erleichterte Zugänge für ausländische Fachkräfte mit guten deutschen Sprachkenntnissen.“ Ja, was denken Sie denn eigentlich, was wir mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz machen?

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Wir sorgen dafür, dass Arbeits- und Fachkräfte schneller und unbürokratischer in Deutschland arbeiten können. Bei diesem Gesetz hätten Sie ruhig mitstimmen können, anstatt jetzt hier irgendwelche Schaufensteranträge zu stellen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Ria Schröder [FDP]

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind uns der Herausforderungen bewusst, und wir sind dabei, diese zu lösen: mit der bereits erwähnten Kindergrundsicherung, mit dem KiTa-Qualitätsgesetz, mit dem Ausbau des Ganztags, mit der Aus- und Weiterbildungsförderung, mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Das alles haben wir in nur zwei Jahren erreicht, und wir werden in diesem Tempo weitermachen, weil uns die Zukunft unserer Kinder wichtig ist.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Die ihre Kindheit opfert für 10 000 Euro im Monat!

15 Vermerkeca. 501 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Herzlich willkommen zu: Die Union instrumentalisiert den Weltkindertag, Klappe, die zweite.

Gestern ging es hier im Plenum schon um eine Ihrer ältesten Forderungen, nämlich darum, die Vorratsdatenspeicherung zu ermöglichen – natürlich unter dem Vorwand des Kinderschutzes, obwohl das inzwischen klar als verfassungswidrig und in der Fachdebatte auch als definitiv nicht zielführend abgelehnt wird.

Für den Tagesordnungspunkt heute haben Sie scheinbar in Windeseile einen Antrag aus Ihrer jüngsten Parteibeschlusslage zusammengezimmert – zehn Maßnahmen auf drei Seiten –, alles nur, um zum Weltkindertag auch noch mal einen familienpolitischen Punkt auf die Tagesordnung zu setzen.

Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

Viel Neues ist leider nicht dabei, so richtig konkrete Vorschläge auch nicht, vor allem, wenn es um die Finanzierung geht.

Sie sind jetzt wohl – Achtung, Trinkspiel bereithalten – nach 16 Jahren Regierung

in der Opposition angekommen und haben ebenso wie wir schon vorher realisiert, dass es für die jungen Menschen in diesem Land dringend mehr Geld und/oder gute Bildung von Anfang an braucht. Daran zu arbeiten, lieben wir; deswegen arbeiten wir ja auch so intensiv daran.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wenn Sie sagen wollen, dass Sie unsere Arbeit in der Familienpolitik schätzen, dann hätte es dafür, glaube ich, einen einfacheren Weg gegeben. Ich zitiere Sie mal:

„Wir wollen allen Kindern ein gutes und gesundes Aufwachsen ermöglichen. Sie sollen unabhängig vom Geldbeutel und Bildungshintergrund ihrer Eltern oder der Zuwanderungsgeschichte ihrer Familie gerechte Chancen in unserer Gesellschaft erhalten.“

Das klingt ja wirklich wie grünes Wahlprogramm,

Null Ahnung!

ist aber von Ihnen. Warum nur waren Sie da bisher so leise, wenn es um die Kindergrundsicherung ging?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Leider zieht sich das grüne Programm an der Stelle auch nicht durch; zustimmen können wir dem als Ampel nicht.

Programm reicht nicht! Man muss es auch umsetzen!

Ich finde, unsere Kollegin Gyde Jensen hat das sehr gut ausgeführt.

Ich will Ihnen gern noch eine Sache mitgeben. Sie nennen Ihren Antrag ein Zukunftspaket. Da habe ich mich richtig gefreut. Das klingt nämlich nach eigenständiger Jugendpolitik. Leider ist nicht drin, was draufsteht.

Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

Der zentrale Teil, der hier nämlich fehlt, ist Partizipation, die Teilhabe junger Menschen.

Beifallder Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Deshalb kürzen Sie die Mittel!

Sie sehen Kinder nur als Schüler/-innen oder Töchter und Söhne, die es zu betreuen, zu bilden oder zu versorgen gilt, aber eben nicht als eigenständige Subjekte mit eigenen Ideen und Forderungen.

Würden Sie Kindern und Jugendlichen endlich mal zuhören,

Die haben gestern gegen Sie demonstriert! Die ganzen Jugendlichen haben gestern in Berlin gegen die Ampel demonstriert! Alle!

dann wüssten Sie, was sich diese wirklich von uns, der Politik, für ihre Zukunft wünschen: Klimaschutz, Platz für sie im öffentlichen Raum, Digitalisierung, Beteiligung.

Die haben alle gegen euch demonstriert! Alle! Die ganze Stadt war voll! Das tut weh!

Was es eben genau nicht braucht, ist Politik, die an den Lebensrealitäten, Forderungen und Ideen von jungen Menschen vorbeigeht, kurz: Paternalismus.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ihr seid einfach rückwärtsgewandt! Das ist eine Feststellung!

Viele Forderungen junger Menschen werden oder wurden von Ihnen blockiert. Wir als Ampel hören ihnen zu. Wir wollen die Rechte junger Menschen weiter stärken. Dafür müssen die Kinderrechte ins Grundgesetz.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Dafür müssen wir das Wahlalter auf 16 herabsetzen. Wir müssen ihre Interessen und Rechte in den Mittelpunkt stellen und aktive Teilhabe in der Gesellschaft und der Politik ermöglichen.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Ich bitte Sie, liebe Unionsfraktion: Machen Sie da mit! Ich würde es mir für die jungen Menschen in diesem Land so wünschen.

Vielen lieben Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Die jungen Menschen wünschen sich keine Grünen mehr! Das ist eine gute Nachricht!

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Ottilie Klein
Foto: Michael Bennett
11 Vermerkeca. 492 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Jedes Kind braucht eine Zukunft!“ – das war das Motto des gestrigen Weltkindertages. Über Zukunftschancen von Millionen von Kindern in unserem Land bestimmen wir hier in diesem Parlament.

Was es braucht für die Zukunft unserer Kinder, für eine gesunde und chancenreiche Zukunft, ist ein umfassendes, ein ganzheitliches Konzept – ein Konzept, wie wir es als konstruktive Opposition vorgelegt haben: eine Kombination aus Bildungsmaßnahmen, einem starken Hilfenetz und zielgerichteter finanzieller Unterstützung – ein echtes Kinderzukunftsprogramm. Und ein echter Gegenentwurf zur chaotischen Ampelpolitik.

Beifallbei der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich werde hier nicht auf die Kindergrundsicherung eingehen.

Gibt es ja auch gar nicht!

Denn wie die Kollegin Dorothee Bär völlig richtig gesagt hat: Es liegt noch nichts vor.

Sie hat es gesagt, aber nicht völlig richtig!

Was aber vorliegt, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist der Haushaltsentwurf. Daran können wir eben ganz genau sehen, wie Wirklichkeit und Wunschdenken bei Ihnen zusammenpassen bzw. nicht zusammenpassen.

Ich muss schon sagen: Ich war einigermaßen entsetzt, als ich gesehen habe, wie stark die Ampel bei den Kindern sparen will. Kürzungen an allen Ecken und Enden!

Beifallbei der CDU/CSU

Kürzungen bei den Frühen Hilfen, bei der frühkindlichen Bildung, bei den Mehrgenerationenhäusern, bei der Kinder- und Jugendhilfe, bei den psychosozialen Hilfen. All das raubt Familien Rückhalt und Kindern Zukunftschancen.

Jetzt schauen wir uns doch mal das PR-Budget des Familienministeriums an. Wir sehen und staunen: Dieses Budget soll sich tatsächlich verdreifachen.

Wahnsinn! Wahnsinn!

Liebe Frau Paus, ich kann ja verstehen, dass Sie nach dem vergeigten Hin und Her zur Kindergrundsicherung Ihr Image aufpolieren müssen; aber machen Sie das doch bitte nicht auf dem Rücken der Familien!

Beifallbei der CDU/CSU

Aber schlechte Politik ist teurer zu verkaufen!

Gerade in Großstädten wie Berlin mit hoher Kinderarmut treffen die Kürzungen der Ampel Familien besonders hart. Das zerstört gute Strukturen; Strukturen, die über Jahre gewachsen sind; Strukturen, die so wichtig sind für die Kinder, die in einem schwierigen Umfeld aufwachsen müssen – wo es keine Schultüten zum ersten Schultag gibt, eine Vereinsmitgliedschaft Luxus bedeutet und es für Nachhilfe keine Option gibt. Es muss mehr Chancen für Kinder geben, egal ob sie aus Berlin, Dresden oder Essen kommen.

Beifalldes Abg. Erik von Malottki [SPD]

Deshalb stellen wir in unserem Zukunftsprogramm die Chancen in den Mittelpunkt. Wir wollen Frühe Hilfen stärken, wir wollen über Familienlotsen Hilfe dorthin bringen, wo sie am meisten gebraucht wird. Damit weiten wir die erfolgreichen Hilfen für benachteiligte junge Menschen auf die gesamte Familie aus.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir wollen den Teilhabebeitrag anpassen; denn damit werden die Familien tatsächlich mehr Geld für Musikunterricht, Vereinsmitgliedschaften und Museumsbesuche in der Tasche haben. Frühkindliche Bildung und Sprachförderung machen wir zur Priorität. Im Übrigen kann sich die Ampel hier noch was vom unionsgeführten Berlin abschauen: Hier starten wir tatsächlich ein Vorschuljahr zur Sprachförderung, und wir führen auch die von der Ampel gestrichenen „Sprach-Kitas“ weiter.

Beifallbei der CDU/CSU

Wichtig ist vor allen Dingen, dass bei dem Thema „Zukunft unserer Kinder“ Bund und Länder eng zusammenarbeiten. Es geht eben nicht um ein Gegeneinander, sondern um ein Miteinander. Wir als CDU/CSU rücken mit unserem Zukunftsprogramm die Kinder ins Zentrum unseres politischen Handelns. Tun Sie das auch! Denn die Kinder sind das Wertvollste, was wir haben.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
6 Vermerkeca. 615 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Ich möchte zuerst kurz auf Frau Bär eingehen. Ich finde es sehr gut, dass Sie in der Sommerpause Kitas besucht haben. Ich weiß nicht, ob Sie auch in Kulmbach in Franken waren. Dort stand nämlich im „Fränkischen Tag“, in Ihrer eigenen Hauszeitung:

„Die sieben Sprach-Kitas im Landkreis Kulmbach können weitermachen. Die Rettung des Programms kam überraschend.“

Und jetzt raten Sie mal, wie das finanziert worden ist, auf wessen Druck das gemacht worden ist! Auf Druck der SPD-Landtagsfraktion.

Lachender Abg. Dorothee Bär [CDU/CSU]

Finanziert wird es durch den Bund. Der Bund stellt allein dafür im Vertrag mit Bayern 37,5 Millionen Euro zur Verfügung. Wir haben dazu beigetragen, dass die Sprach-Kitas erhalten bleiben.

Beifallbei der SPD

Gibt es überhaupt eine SPD-Landtagsfraktion? Das wage ich mal zu bezweifeln!

Fahren Sie mal in Kulmbach vorbei, und sprechen Sie mit den Leuten dort! Das ist ja nicht weit von Ihnen.

Aber wir sind uns einig: Gute Bildungseinrichtungen wie Kitas und Schulen sind eine wichtige Säule, um jedem Kind in Deutschland einen guten Start in ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, und aktuell schafft es die Politik nicht, diese Säule genug zu stärken. Wir verlieren uns über anderen Themen häufig in einem bürokratischen Gegeneinander der verschiedenen Ebenen. Was wir stattdessen brauchen, ist eine gemeinsame Kraftanstrengung von Kommunen, Bundesländern und Bund. Ihr Zehn-Punkte-Programm hilft dabei leider kaum weiter, weil es zwei entscheidende Punkte überhaupt nicht berücksichtigt und der Antrag fachlich einfach zu dünn ist.

Beifallder Abg. Marianne Schieder [SPD]

Schauen wir uns einmal konkret an, was Sie für die Kitas vorschlagen!

Erstens. Sie fordern eine bundesweit einheitliche Diagnostik für den Entwicklungsstand der Kinder. Sie geben aber keine Antwort darauf, wer das konkret umsetzen soll. Wir müssen Kitateams entlasten und dürfen sie nicht weiter belasten. Hören Sie hier bitte auf die Praxis!

Zweitens. Auch die geforderte verpflichtende Vorschulförderung und mehr Sprachbildung funktioniert nur mit zusätzlichem Personal. Auch hier bleiben Sie vage. Beide Punkte ergeben nämlich nur dann Sinn, wenn wir parallel bundesweit einheitliche Qualitätsstandards einführen. Das schlagen Sie aber nicht vor, und das ist Ihr erster großer Fehler im Antrag. Sie schweigen dazu, weil es die unionsgeführten Bundesländer sind, die das nicht wollen.

Aus meiner Sicht brauchen wir bundesweit einheitliche Vorgaben bei, erstens, alltagsintegrierter Sprachbildung, zweitens, der Vermittlung von mathematisch-naturwissenschaftlichen und sozial-emotionalen Kompetenzen, drittens, dem Kinderschutz, viertens, der digitalen Bildung. Und wir brauchen einen bundeseinheitlichen Mindestpersonalschlüssel. Dies ist nur umsetzbar, wenn wir bereit sind, jeder Kita im Land zusätzliche Funktionsstellen bereitzustellen, die neueste Erkenntnisse in ihre Teams tragen und ihre Umsetzung gewährleisten.

Der gesetzliche Rahmen hierfür – das hat die Ministerin angedeutet – muss das kommende Bundesqualitätsentwicklungsgesetz sein. So helfen wir Kindern bei der Sprachentwicklung, wecken ihr mathematisch-naturwissenschaftliches Interesse und machen sie fit für eine digitalisierte Welt. Wenn Sie Ihr Kinderzukunftsprogramm ernst meinen, dann lassen Sie uns gemeinsam die Bundesländer von der Notwendigkeit gemeinsamer Qualitätsstandards überzeugen.

Der zweite Fehler in Ihrem Antrag wiegt für mich noch schwerer. Sie behaupten, eine bessere Zukunft für unsere Kinder sei mit einem haushaltspolitischen Nullsummenspiel zu bekommen. Sie schreiben dazu in Ihrem Antrag, dass Ihre zehn Punkte durch die Bundesregierung im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel umgesetzt werden sollen. Hierzu liefern Sie aber keinen einzigen Gegenfinanzierungsvorschlag.

Sie müssen sich ehrlich machen: Ein Kinderzukunftsprogramm, welches seinen Namen verdient, wird sehr viel Geld kosten. Deshalb unterstütze ich die Idee meiner Parteivorsitzenden Saskia Esken für ein Bundessondervermögen Bildung.

Beifallder Abg. Nicole Gohlke [DIE LINKE]

Wir haben in dieser Legislatur bereits ein Sondervermögen in das Grundgesetz aufgenommen mit dem Ziel, die Sicherheit unseres Land abzusichern. Aber leistet ein Sondervermögen Bildung nicht mindestens genauso einen wichtigen Beitrag für die Zukunft unseres Landes?

Eins ist klar: Ein Kinderzukunftsprogramm zum Nulltarif, wie Sie es vorschlagen, kann nicht funktionieren. Mein Appell: Lassen Sie uns gemeinsam eine Kraftanstrengung unternehmen, damit sich wirklich etwas für unsere Kinder verändert!

Danke.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Thomas Jarzombek
Foto: Thomas Jarzombek/ Tobias Koch
14 Vermerkeca. 422 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Weltbeste Bildung“ wurde im letzten Bundestagswahlkampf versprochen. Doch wenn wir mal gucken, was bis jetzt eigentlich passiert ist, dann sehen wir auf der Bundesseite ein Desinvestitionsprogramm in Bildung: 1,5 Milliarden Euro „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“, ein Programm für zusätzliche Kräfte in den belasteten Klassen – gestrichen! Qualitätsoffensive Lehrerbildung – gestrichen! Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ – gestrichen! Wenn heute Mittag, wie es online zu lesen ist, die Ministerin verkünden wird, dass das Startchancen-Programm mit den Ländern vereinbart ist, dann hat das einen verdammt hohen Preis.

Beifallbei der CDU/CSU

Und, meine Damen und Herren, mit Ihrem Startchancen-Programm kommen Sie zu spät, und zwar im doppelten Sinne zu spät: Erst mal haben Sie fast zwei Jahre gebraucht, ein schleppender Prozess. Bis die ersten Schulen wirklich beginnen können, wird es nicht Sommer nächsten Jahres sein; denn dann müssen ja erst mal Konzepte an den Schulen erarbeitet werden. Und bis zum nächsten Bundestagswahlkampf werden sie allenfalls Schilder an Schulen anbringen können, aber nicht die Kinder erreichen, die Unterstützung brauchen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sprechen Sie mal mit den KMK-Kollegen, damit das etwas zackiger geht!

Und Sie kommen in einem zweiten Sinne zu spät: Sie setzen nämlich zu spät an. Die Probleme, die am Ende dazu führen, dass jedes vierte Kind in der Grundschule nicht richtig lesen kann, entstehen vor allem in den Jahren vor der Einschulung im vierten und im fünften Lebensjahr. Da müssen wir etwas tun. Das sagt uns auch die Bildungsforschung.

Sie regieren doch in den Ländern!

Und deshalb sieht unser Antrag heute einen verbindlichen Test und verbindliche Maßnahmen im vierten und fünften Lebensjahr vor.

Das ist das, wofür wir hier eintreten. Und dafür müssen Sie aber auch über Ihren Schatten springen und das Bildungsressort und das Familienressort zusammenbringen.

]: Das passiert doch schon längst! In Hamburg machen wir das doch! Machen Sie das doch in Ihren Ländern!

– Das tun Sie nicht.

Heute sprach die Familienministerin;

Zurufder Abg. Ria Schröder [FDP]

aber die Bildungsministerin, auch ihre Staatssekretäre sind in dieser Debatte heute nicht dabei.

– Nein, sie haben nicht geredet. Ja, der Staatssekretär sitzt stumm da und führt Protokoll. Das ist doch keine aktive Regierungsarbeit, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Zu dem Bildungsgipfel war die Familienministerin gar nicht eingeladen. Und Sie müssen diese Trennung überwinden, um weiterzukommen.

Zurufvon der SPD: Sie müssen bessere Reden halten!

Was ist das für eine Qualität?

Das wollen wir mit unserer Initiative machen.

Ihr Startchancen-Programm ist außerdem ein elitäres Programm.

Elitär? Das ist ja lächerlich!

Denn 90 Prozent der Schulen werden nicht adressiert.

Sie haben gar keine Ahnung!

Weil das Länderaufgabe ist, Herr Jarzombek! Länderaufgabe!

Auf diesen 90 Prozent der Schulen sind viele Kinder mit Förderbedarf. Und deshalb müssen Sie sich stärker auf die Schülerinnen und Schüler und weniger auf die Gebäude konzentrieren.

Beifallbei der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, es ist wichtig, dass wir etwas für unsere Kinder tun. Nutzen Sie die Chancen, die sich bieten, und verpassen Sie sie nicht!

Beifallbei der CDU/CSU

Oh! Bingo!

Die letzte Rednerin in dieser Aussprache ist Leni Breymaier für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
3 Vermerkeca. 586 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Situation unseres Bildungssystems ist besorgniserregend. Etwa ein Viertel aller Viertklässler kann gemäß internationalen Standards nicht ausreichend lesen. Wir haben mittlerweile ein Niveau wie beim PISA-Schock 2000, was Lesen, Rechnen und Schreiben angeht.

Die letzten Jahre waren besonders hart; denn gerade in der Coronakrise haben Kinder und Jugendliche gelitten; aber auch Eltern, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher waren stark belastet. Statt dass es danach eine Verschnaufpause gab, kam gleich die nächste große Herausforderung, nämlich die Integration Tausender Kinder, die zu uns geflüchtet waren, vor allem aus der Ukraine, in unsere Kitas und Schulen. Das ist eine enorm belastende Situation für die Einrichtungen, für die Kinder, die Lehrkräfte, für die Erzieherinnen und Erzieher. In einer Zeit, in der man eigentlich mehr Zuwendung für das einzelne Kind bräuchte, haben wir einen verstärkten Fachkräftemangel.

Liebe Kolleginnen und Kollegen der Ampel, Sie haben vor zwei Jahren in Ihrem Koalitionsvertrag versprochen: „Chancen für Kinder, starke Familien und beste Bildung ein Leben lang“. In diesen zwei Jahren, in denen sich die Situation so zugespitzt hat, wie ich es geschildert habe, haben Sie nicht eine einzige Maßnahme auf den Weg gebracht, die die Situation tatsächlich verbessert. Bisher hat diese Bundesregierung Leistungen für Kinder und Familien nur gestrichen oder auslaufen lassen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ob es Sprach-Kitas waren, ob es „Aufholen nach Corona“ ist: Beides weg. Und nun planen Sie noch Kürzungen: bei den Freiwilligendiensten und beim Kinder- und Jugendplan des Bundes. Das ist der Topf, aus dem die vielen Vereine, Verbände, Jugendorganisationen, Initiativen gefördert werden, die Tag für Tag mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Dort können sich Jugendliche auch selbst engagieren: als Gruppenleiter bei den Pfadfindern, als Leiterin eines Jugendorchesters, als FSJler, FÖJler, Bufdi, bei der Feuerwehr. All das wird durch diesen Kinder- und Jugendplan und durch diese Freiwilligendienste gefördert, und die rasieren Sie radikal. Das ist da, wo für das Leben gelernt wird, und da setzen Sie den Rotstift an.

Unterm Strich waren das zwei verlorene Jahre für Kinder und Jugendliche in unserem Land. Das ist das Gegenteil von dem, was Sie versprochen haben. Deshalb sage ich: Stoppen Sie diese Politik!

Beifallbei der CDU/CSU

Wir legen Ihnen heute ein Kinderzukunftsprogramm vor mit ganz konkreten Ansätzen – zehn Punkte – und setzen dabei vor allem auf Bildung, auf frühe Bildung, auf sehr individuelle Förderung von Anfang an. Wir wollen, dass bereits im Alter von etwa vier Jahren der Entwicklungsstand von Kindern festgestellt wird und sie dann sehr individuell gefördert werden können. Und vor allem geht es uns dabei um die Sprache; denn Sprache ist elementar für die gute Entwicklung eines Kindes.

Beifallbei der CDU/CSU

Versteht ein Kind die Sprache nicht, dann kann es sich nicht mit anderen Kindern austauschen. Es kann nicht verstehen, was die Erzieherin ihm sagt, es kann dem Unterricht nicht folgen und deshalb auch sein intellektuelles Potenzial überhaupt nicht ausschöpfen.

Deshalb wollen wir verbindliche Sprachstandserhebungen, wir wollen individuelle Förderung, die darauf aufbaut, und wir wollen eine verbindliche Vorschulpflicht, wenn der Sprachstand nicht so ist, dass das Kind dem Unterricht folgen kann. In vielen Ländern gibt es schon tolle Ansätze. Wir haben im Saarland schon unter der CDU-geführten Regierung vor über 15 Jahren das Programm „Früh Deutsch lernen“ eingeführt. Das hat längst nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund erreicht, sondern auch viele Kinder, die in Deutschland geboren sind, die einfach nicht ausreichend die deutsche Sprache sprechen konnten. Sie wurden sehr individuell gefördert. Die SPD-geführte Landesregierung hat dieses Programm rasiert unter dem Deckmantel Inklusion. Am Ende fehlt den Kindern die Förderung. Deshalb sagen wir: Fördern von Anfang an, das schafft Bildungs- und Chancengerechtigkeit.

2 Vermerkeca. 20 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir legen Ihnen heute dieses Programm vor, das auf frühe Bildung setzt, und wir können Ihnen nur empfehlen, dem zuzustimmen.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
4 VermerkeZwischenfrageca. 416 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „... ein Viertel aller Viertklässler in Deutschland erreicht nicht den internationalen Mindeststandard beim Lesen.“ So zitieren Sie in Ihrem Antrag. Das darf kein Schulterzucken auslösen; denn die Fähigkeit, zu lesen, determiniert wie wenig anderes den Lebensweg: Wie soll ein Kind, das in der vierten Klasse nicht lesen kann, die Schule bestreiten? Wie soll es einen Abschluss machen, eine Ausbildung, ein Studium bewältigen? Wie soll es unabhängig vom Staat und selbstbestimmt seinen Lebensweg gehen? Und wie soll Deutschland als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt den Wohlstand erhalten, wie sollen wir erfolgreich sein, wenn die Leistungsträger unserer Gesellschaft, die Arbeits- und Fachkräfte von morgen – das sind diejenigen, die heute in der vierten Klasse sind, in 10 bis 15 Jahren –, grundlegende Kulturtechniken nicht beherrschen?

Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Wohlstand hängen davon ab, wie wir heute Arbeitnehmer und Unternehmen steuerlich entlasten, wie wir bezahlbare Energie sicherstellen, Start-ups und Forschung fördern und den Bürokratiedschungel lichten. Es hängt aber vor allem davon ab, wie wir jedem Einzelnen die Chance auf exzellente Bildung und gesellschaftlichen Aufstieg ermöglichen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

Meine Damen und Herren, ich komme zurück auf die IGLU-Studie. Es ist mitnichten so, dass in jeder Klasse in Deutschland ein Viertel nicht lesen kann, sondern eine aktuelle Analyse der Wübben Stiftung Bildung zeigt: Es sind die Schulen in sozialen Brennpunkten, wo die Hälfte und mehr Kinder diese Mindeststandards im Lesen, Schreiben und auch Rechnen nicht erreichen. Mir ist ganz wichtig: Es geht nicht darum, diese Schulen an den Pranger zu stellen – im Gegenteil. Die Lehrkräfte und übrigens auch die Kinder dort stehen vor massiven Herausforderungen. Ich habe einige Lehrkräfte kennengelernt, die mit einer unglaublichen Energie, Leidenschaft und auch Frustrationstoleranz an diesen Schulen unterrichten. Sie arbeiten oft weit über dem Soll; bis zur Belastungsgrenze engagieren sie sich für ihre Schülerinnen und Schüler, für und mit Kopf, Herz und Seele. Das verdient den allerhöchsten Respekt!

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Applaus alleine reicht nicht, obwohl Wertschätzung ganz, ganz wichtig ist. Deswegen bringen wir, Bund und Länder, gemeinsam das Startchancen-Programm für genau diese Schulen auf den Weg. Wir machen Brennpunkte zu Leuchttürmen, zu Talentschulen,

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Das glauben Sie doch selber nicht, Mensch! „Leuchttürme“!

weil wir wissen, dass in jedem Kind Talente schlummern. Es ist Zeit, diese zum Strahlen zu bringen. Dafür brauchen diese Schulen Freiräume: weniger Bürokratie, mehr Schulautonomie, ein Chancenbudget zur freien Verfügung, starke Unterstützung für Schulleiterinnen und Schulleiter, damit diese sich auf ihre Aufgaben als Change-Manager, als Ratgeber und Sparringspartner für die Lehrkräfte, als Treiber für Aufstiegschancen und Digitalisierung und als Pioniere für innovative Schulentwicklung konzentrieren können.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
2 Vermerkeca. 158 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Nein, das ist nicht nötig.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Schulen werden von unnötigem Bürokratieballast befreit, damit in Ruhe gelassen; aber sie werden nicht alleine gelassen. Ein wichtiger Bestandteil des Startchancen-Programms ist die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation. Das ist mir ganz wichtig; denn wir fördern 4 000 Schulen in Deutschland, aber diese sollen ausstrahlen und anderen Schulen in Deutschland den Weg weisen – Leuchttürme eben.

Zuletzt ist mir wichtig, eine Sache zu sagen. Die Bildungsmisere in Deutschland ist etwas, was nicht erst in den letzten zwei Jahren aufgetaucht ist, sondern das ist etwas, was uns schon lange begleitet, und auch nichts, was sich mit einem Fingerschnipsen einfach von heute auf morgen bewältigen ließe, sondern es ist ein langer und ein steiniger Weg. Aber für die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen und für die Zukunftschancen unseres Landes gehen wir diesen Weg, und das ist mir ganz wichtig; denn das macht uns aus: Wir denken hier nicht in Legislaturperioden, wir denken in die Zukunft.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Dorothee Bär
Foto: CSU Landesleitung / Christian Kaufmann
11 VermerkeZwischenfrageca. 438 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, wir können heute festhalten, dass so gut wie alle Rednerinnen und Redner hier am Pult festgestellt haben, dass nach dem Weltkindertag, den wir gestern gefeiert haben, heute keine Debatte über die Zukunft von Kindern in diesem Land stattgefunden hätte, hätte es die CDU/CSU-Bundestagsfraktion und unseren Antrag dazu nicht gegeben.

Warum ist das so? Warum stellen wir unseren Antrag „Kinderzukunftsprogramm starten“? Weil die Regierung ohne uns zum einen nichts vorgelegt hätte und weil Sie uns zum anderen seit zwei Jahren mit etwas, was bis heute in keiner Weise existent ist, der sogenannten Kindergrundsicherung, vorgaukeln, dass irgendwas gelöst wird.

Gut Ding will Weile haben!

Zurufeder Abg. Anke Hennig [SPD] und Nina Stahr [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das sind Potemkinsche Dörfer; das ist „Des Kaisers neue Kleider“. Wo ist denn diese ominöse Kindergrundsicherung?

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Eckpunkte, Kabinett verschoben, Kabinett fällt aus, keine Einigung, FDP streitet mit den Grünen, Grüne streiten mit der FDP:

Das ist kein Streit!

Zurufder Abg. Stephanie Aeffner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das ist doch ein Skandal! Diese Bundesregierung und auch diese Bundesfamilienministerin haben die Eltern, haben die Kinder, haben die Familien in unserem Land nicht verdient, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn ich mich mal rein an den sogenannten Eckpunkten orientiere, dann muss ich sagen: Diese Kindergrundsicherung wird, sollte sie überhaupt irgendwann mal kommen – das bezweifle ich noch –, kein einziges Problem lösen. Eine große deutsche Tageszeitung hat es auf den Punkt gebracht:

Die mit den großen Buchstaben!

Diese Kindergrundsicherung wird kein einziges Kind dazu bringen, besser zu lesen, besser zu rechnen, besser zu schreiben. Sie werden damit kein einziges Kind aus der Armut holen.

Beifallbei der CDU/CSU

4 000 fehlende Lehrer in Bayern auch nicht!

Wissen Sie, wo Sie Weltmeister sind? Sie sind Weltmeister im Neue-Bürokratie-Schaffen:

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

500 Millionen Euro im Jahr – 500 Millionen Euro! Was hätte damit alles getan werden können?

Wie gesagt: nicht kabinettsreif, weder politisch geeint noch umsetzungsreif, wohl eher Formelkompromiss.

Und – jetzt kommt das Entscheidende, Frau Paus – es basiert noch nicht einmal auf einer soliden Zahlengrundlage. Wissen Sie, warum mich das besonders enttäuscht?

Allein in diesem Jahr 12 Prozent Bürokratieentlastung!

Als Sie das Amt von Ihrer glücklosen Vorgängerin, Frau Spiegel, übernommen haben – das weiß schon gar keiner mehr; sie gab es auch mal bei den Grünen –, hieß es überall in den Zeitungen: Sie hat zwar noch nie Familienpolitik gemacht; aber jetzt kommt mal eine echte Finanzexpertin. Da kommt jetzt mal eine, die schon den Scholz im Untersuchungsausschuss gegrillt hat. Die kennt sich mit Zahlen aus. – Und nicht einmal mit Zahlen kennen Sie sich aus. Frau Paus, wenn Sie schon keine Leidenschaft für Kinder, für Familien, für Senioren, für Frauen haben, dann müssten Sie doch wenigstens Ahnung von Zahlen haben. Auch das tut mir wahnsinnig weh. Wie wenig Lust kann man auf seinen Job haben? Ich muss sagen: Das ist wirklich eine absolut große Enttäuschung an dieser Stelle.

Beifallbei der CDU/CSU

Entschuldigung, aber das ist ziemlich haltlos, was Sie da gerade sagen!

Porträt von Dorothee Bär
Foto: CSU Landesleitung / Christian Kaufmann
6 Vermerkeca. 242 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Abgesehen davon stoßen Sie dann auch noch alle anderen Player in diesem Spiel vor den Kopf, zum Beispiel die Länder: Eine kürzere Frist zur Stellungnahme hätte man ihnen nach zwei Jahren ja auch nicht zur Verfügung stellen können.

Beifallbei der CDU/CSU

Von den Ländern gibt es Kritik, von der Bundesagentur: Alle kritisieren das, aber die Kritik wird einfach weggewischt. Wie gesagt: eine wahnsinnig große Verwaltungsreform.

Wenn Sie wirklich was für dieses Land hätten tun wollen, hätten Sie sich lieber mal an Ihrem Koalitionsvertrag festgehalten, den Sie vor zwei Jahren geschrieben haben. Da stand nämlich drin: Wir wollen die hervorragend funktionierenden Sprach-Kitas nicht nur verstetigen, sondern auch weiter ausbauen.

Ich war in den letzten Wochen und Monaten in über 40 Einrichtungen und habe mit Erzieherinnen sowie Leitungen gesprochen.

Zurufder Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Von dort kommt die eine große Kritik: Warum wurden die Sprach-Kitas gestrichen? Das war das niederschwelligste Instrument nicht nur zum Spracherwerb, sondern auch für mehr Qualität in unseren Kindergärten und in unseren Kitas.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Heidi Reichinnek [DIE LINKE]

Mit einem Federwisch ist das Programm einfach weg. Jetzt sage ich mal so: Nicht jede Kindergartenleitung in Bayern ist automatisch eine klassische CSU-Wählerin, aber die sagen: Größter Fehler der Ampel war, die Sprach-Kitas zu streichen.

Zurufder Abg. Emilia Fester [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Jetzt kommt der zweitgrößte Fehler: die Kindergrundsicherung. Bei ihr gilt das Gießkannenprinzip, und sie hilft nicht den Einrichtungen.

Ich muss wirklich sagen: Liebe Regierung, setzen, sechs. – Setzen Sie unser Programm, unsere zehn Punkte um. Wir machen die Arbeit für Sie, weil Sie es einfach nicht können.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
4 Vermerkeca. 307 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste und Zuschauer! Ein Kinderzukunftsprogramm zu formulieren, hört sich erst einmal ganz gut an. Doch bevor wir in die Zukunft blicken, schauen wir doch noch einmal kurz zurück in die Vergangenheit; in die Vergangenheit, in der die Rechte der Kinder mit Füßen getreten wurden, von Ministerpräsidenten und Bildungsministern vornehmlich der CDU, als den Kindern unter Corona ihr Recht auf Bildung genommen wurde, als den Kindern unter Corona ihr Recht auf besonderen Schutz vor Gewalt genommen wurde, weil ihre Schutzräume, zu denen auch Kitas und Schulen gezählt werden können, geschlossen blieben, als die Kinder und Jugendlichen von Gleichaltrigen oder ihren Großeltern getrennt wurden, als Vereinssport untersagt und Spielplätze gesperrt waren. Ich erinnere Sie gern daran, dass auch die damals sechs Ministerpräsidenten der CDU/CSU neben der Kanzlerin genau diese Einschränkung gefordert und in den Ländern auch durchgesetzt haben.

Steile Thesen!

Eine ehrliche und schonungslose Aufarbeitung sind wir den Kindern und Jugendlichen bis heute übrigens schuldig.

Beifallbei der FDP

Es liegt auch in den Händen der Länder, zukunftsgerechte Politik für Kinder zu gestalten, Länder wie zum Beispiel Hessen. Da kommen wir nun zur Gegenwart: In Hessen fehlen heute 11 000 Betreuungsfachkräfte. Trotzdem wird die Erzieherausbildung nicht vergütet. Im Gegenteil: Die Ausbildung muss teilweise sogar noch selbst bezahlt werden. In Hessen fehlen heute 37 000 Betreuungsplätze, weil die CDU-geführte Landesregierung nicht genügend Fachkräfte ausbildet und die Kommunen nicht genügend finanziell unterstützt. In Hessen soll nun zukünftig jede vierte Betreuungsfachkraft durch eine Hilfskraft ersetzt werden, bei voller Anrechnung auf den Fachkraftschlüssel.

Genau! Völlig richtig!

Das ist ein Angriff auf das Konzept der qualitätsvollen frühkindlichen Bildung – von der CDU-geführten schwarz-grünen Landesregierung in Hessen.

Beifallbei der FDP

Es ist wenig glaubwürdig, hier das eine zu fordern, wo man es in nun mindestens sieben CDU-geführten Ländern doch explizit selbst in der Hand hat. Schöne Worte und wohlformulierte Anträge helfen dabei wahrlich wenig, –

2 Vermerkeca. 12 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– das Startchancen-Programm der aktuellen Bundesregierung zum Beispiel aber schon.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Beifallbei der CDU/CSU
5 Vermerkeca. 391 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Schönen guten Tag, Frau Präsidentin! Liebe Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich finde es großartig und wunderbar, dass wir am Donnerstag in der Woche des Weltkindertages um halb zwölf – das ist im Bundestag Primetime, meine lieben Zuschauerinnen und Zuschauer, so ähnlich wie 20.15 Uhr in der ARD –

Die jungen Leute können damit nichts mehr anfangen!

über dieses wichtige Thema, über die Kinder in Deutschland reden. Das haben wir der Union zu verdanken, die diesen Zehn-Punkte-Plan hier vorgelegt hat.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist so weit nett. Zu den Inhalten ist ein Großteil bereits gesagt worden, dass die Dinge auf dem Weg sind

Nee! Eben nicht!

oder dieses Hohe Haus schlichtweg nicht zuständig ist. Das müssen wir einfach aushalten.

Ich dachte, ich bringe noch mal einen anderen Aspekt in die Debatte ein. Gestern war Weltkindertag. Manche von uns waren auf einer Veranstaltung, und die Gefühle sind heute noch präsent. Wir standen zusammen auf der Wiese vor der Schweizer Botschaft; diejenigen, die dort waren, sind total zerstochen worden. Aber es war trotzdem ein ganz großartiges Erlebnis; denn gestern hat hier in Berlin die erste Familienkette Deutschlands stattgefunden.

Ich möchte an dieser Stelle sehr herzlich Natascha Sagorski dafür danken, dass sie die Kraft, die Power für die Organisation aufgebracht hat, sechs Initiativen, sechs Petentinnen zusammenzubringen, die viele Hunderttausend Unterschriften gesammelt haben, um das Leben für Familien, für Kinder, für Frauen in Deutschland besser zu machen. Und das ist einfach toll!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN

Und weil die Petentinnen Erwartungshaltungen jenseits dessen haben, was im SPD-, Unions- oder sonstigen Wahlprogramm steht, weil sie im eigenen Leben einfach gemerkt haben, welche Gesetze komisch sind, finde ich, ist es wert, dass wir die Dinge hier auch noch einmal benennen:

Die erste Petition betrifft den gestaffelten Mutterschutz: Mutterschutz auch für Frauen nach Fehlgeburten, und zwar vor der 22. bis zur 24. Schwangerschaftswoche. Die zweite Petition ist: Mutterschutz für alle, auch für Selbstständige. In der dritten Petition geht es um den Inflationsausgleich beim Elterngeld. Die vierte Petition fordert – man höre und staune – eine gute Kindergrundsicherung. Und die nächste ist: Kindergeld für alle – keine Abzüge bei Alleinerziehenden.

Wir werden nicht alles in dieser Legislaturperiode umsetzen können. Das wird nicht klappen. Aber ich hoffe, wir kriegen einen Teil davon hin; dazu finden auch schon Gespräche statt. Den Frauen, die das organisiert haben, rufe ich zu: Liebe Frauen, das, was ihr hier gemacht habt, das ist lebendige Demokratie, und dafür danken wir euch in diesem Haus.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
1 Vermerkca. 25 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Jetzt bin ich durch und sage: Ich lade alle Gutwilligen ein, gemeinsam für eine gute Zukunft unserer Kinder zu sorgen.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Thomas Dietz
Foto: Thomas Dietz / Social Media Team der AfD Bundestagfraktion
7 Vermerkeca. 556 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Minister! Keine Sorge, ich werde heute mit meinen Einwänden nicht sparen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft schreibt in ihrem aktuellen Positionspapier – ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin –:

„Die Bürokratiebelastung der Krankenhäuser und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat ein Ausmaß erreicht, das kaum noch zu bewältigen ist. Die Verhältnismäßigkeit von Aufwand und Nutzen zahlreicher Vorschriften und insbesondere auch die Wertschätzung gegenüber den Menschen, die die Patientenversorgung in Krankenhäusern rund um die Uhr sicherstellen, sind hierbei völlig aus dem Blick geraten und haben tragfähige Grenzen weit überschritten.“

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Und was fällt Herrn Minister Lauterbach dazu ein? Ein weiteres Bürokratiemonster mit dem Titel „Krankenhaustransparenzgesetz“. Angeblich sollen damit die Mitarbeiter Anreize bekommen, die Arbeit zu optimieren. Man unterstellt außerdem dem Krankenhauspersonal, für ihre Arbeit offensichtlich nicht genügend motiviert zu sein – ein weiterer Schlag ins Gesicht derjenigen, für die viele von Ihnen hier noch 2020 auf Balkone steigen wollten, um als Dankeschön in die Hände zu klatschen.

Beifallbei der AfD

Leider wurden damit bestehende Realprobleme nicht behoben. Natürlich ist Transparenz im Gesundheitswesen notwendig; darüber sind wir uns doch einig. Dafür existieren bereits verschiedene Formate der Transparenz wie der jährliche Qualitätsbericht der Krankenhäuser. Der Gemeinsame Bundesausschuss veröffentlicht ebenfalls zu diesem Thema für jeden Bürger Erklärungen in allgemeinverständlicher Form. Auf den Internetseiten der Kliniken kann sich jeder Bürger ausgiebig über die für ihn geeigneten Krankenhäuser informieren. Mit diesem Gesetz erzwingen Sie jedoch noch einmal eine bürokratische Doppelstruktur, statt bürokratischen Aufwand abzubauen.

Beifallbei der AfD

Helfen Sie stattdessen den Krankenhäusern, ihr Überleben zu sichern; denn diese benötigen wir auch in Zukunft für unsere Daseinsvorsorge. Ich kann Ihnen sagen, wo es tatsächlich an Qualität mangelt.

Die Investitionsförderung wurde in den letzten 20 Jahren durch die Länder massiv zurückgefahren. Die Krankenhäuser sind teilweise gezwungen, mit ihren Erlösen die Investitionen zu finanzieren. Das ist so nicht vorgesehen. Es besteht ein immenser Investitionsrückstau, der auch von Ihnen nicht verhindert wurde. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat auf ihrer Webseite eine Defizit-Uhr eingerichtet. Schlimm genug, dass es so etwas überhaupt braucht!

Beifallbei der AfD

Da Sie gern die Augen vor den tatsächlichen Zahlen verschließen, muss ich es Ihnen transparent mitteilen: Das aktuelle Defizit aller Krankenhäuser in Deutschland beträgt derzeit 8,5 Milliarden Euro. Wenn diese Bundesregierung, Sie, Herr Lauterbach, mit Ihrer Politik die Krankenhäuser weiterhin in den Ruin treiben, können die Menschen in Zukunft froh sein, überhaupt noch eine Klinik in Wohnortnähe zu finden.

Da wir schon bei der Transparenz sind: Nicht die Krankenhäuser haben in erster Linie Transparenz dringend notwendig. Fangen wir doch beim Gesundheitsministerium an, da, wo Transparenz absolut erforderlich wäre. Denn genau dort wird von Ihrer Seite über das RKI bis zum Paul-Ehrlich-Institut weiterhin eine Nebelkerze nach der anderen gezündet. Wenn es um die langwierigen und schwerwiegenden Folgen der Covid-19-Infektion geht, wird nun versucht, nahezu alle Folgen unter Long Covid abzuhandeln. Fakt ist, dass fast jeder Geimpfte mehrfach von einer Coronainfektion betroffen ist. Doch im Gegensatz zum Ausland gibt es in Deutschland kaum verwertbare Studien zu Corona und zum Impfgeschehen. Seit bereits zweieinhalb Jahren wird angeblich an einer Softwareschnittstelle für die Datenflüsse nach § 13 Absatz 5 IfSG zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung und RKI sowie zwischen RKI und Paul-Ehrlich-Institut gebastelt. Anscheinend eine weitere Jahrhundertbaustelle im besten Deutschland aller Zeiten!

Beginnen wir doch dort mit der Transparenz im Sinne der Vorbildfunktion! Solange das nicht gewährleistet ist, gehört dieses Gesetz ganz einfach in die Tonne.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Ates Gürpinar
Foto: Ates Gürpinar/ Olaf Krostitz
8 Vermerkeca. 535 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wer die Tage einen Blick in die Nachrichten gewagt hat und jetzt sieht, dass das Thema Krankenhäuser im Bundestag behandelt wird, würde eigentlich davon ausgehen, dass die Regierung nun darum kämpft, das Kliniksterben zu verhindern und die gesundheitliche Versorgung in diesem Land zu erhalten. Denn Klinikschließungen sind an der Tagesordnung. Nahezu alle Kliniken schreiben rote Zahlen.

Gestern hat bundesweit ein Aktionstag der Deutschen Krankenhausgesellschaft stattgefunden. Wenn Verdi und die Deutsche Krankenhausgesellschaft – also Arbeitnehmerinnen und Arbeitgeber –, wenn Linke, FDP, CSU gemeinsam auf die Straße gehen, dann sollte man eventuell mal zum Nachdenken kommen, liebe Regierung.

Beifallbei der LINKEN

Aber das Gegenteil ist der Fall. Während Die Linke bereits vor der Sommerpause einen Antrag zur Rettung der Krankenhäuser vorgelegt hat, kommt von der Ampel ein Gesetzentwurf, der nach momentaner Ausgestaltung schlicht „Gesichtswahrung des Herrn Lauterbach“ genannt werden kann. Es ist wirklich unfassbar, wie man so selbstbezogen, so am Thema vorbei arbeiten kann.

Beifallbei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Warum Gesichtswahrung? Weil das Gesetz vor allem dazu dient, die von Karl Lauterbach und der Krankenhauskommission so stark gemachten Level-Einteilungen der Krankenhäuser zu erhalten – übrigens unter Aufsicht des Ministeriums; so viel zur Unabhängigkeit. Zu Recht wurden diese von den Bundesländern in Debatten zur Finanzierung und Planung der Krankenhäuser weggestrichen. Es ist so dermaßen kleinkariert, das nun als Transparenzgesetz zu labeln, um sich dann doch noch irgendwo durchzusetzen; das ist schlicht peinlich, liebe Ampelregierung.

Beifallbei der LINKEN

Damit meine ich nicht, dass eine transparente Aufstellung – und zwar unabhängig, wie es hier noch nicht geplant ist – von meist sowieso schon gemachten Prüfungen und Erhebungen in den Kliniken nicht auch veröffentlicht werden könnte, ja sollte. Es gibt gegenwärtig über 100 Meldeverpflichtungen der Kliniken, die völlig unterschiedlich, auf verschiedensten Wegen, eingereicht werden müssen. Wir sollten und könnten Maßnahmen schaffen, um das zu vereinheitlichen und gleichzeitig bei Patientinnen und Patienten dort für Transparenz zu sorgen, wo der Bedarf dafür besteht. Das können und das müssen wir auch angehen, sehr geehrte Damen und Herren.

Aber stattdessen schaffen Sie aufgrund Ihrer Level-Einteilung nun zusätzlich bürokratischen Aufwand, und das in der jetzigen Phase, nach dem Tag gestern. Wenn Sie nichts tun, wird es bald keine Kliniken mehr geben, an die Sie Ihre Level-Einteilung anpappen können.

Da hat er recht!

Nun noch ein paar Sätze zu dem ebenfalls zu diskutierenden Antrag der Union. Da geht es mir ehrlicherweise um einen anderen Punkt, liebe Union, und der ist mir auch persönlich relativ wichtig. Sie legen nun auch einen Antrag zur Rettung der Krankenhäuser vor, zehn Wochen nachdem Die Linke einen Antrag eingebracht hat, und Ihrer ist tatsächlich schlechter, weil unkonkreter.

Zurufder Abg. Heidi Reichinnek [DIE LINKE]

Wir sagen: Defizite müssen ausgeglichen werden, solange die Krankenhausreform läuft. – Sie verlangen, dass die Regierung einen Arbeitskreis bildet und dann eine Finanzierung zur Rettung der Krankenhäuser vorlegt. Das ist wirklich maximal unkonkret.

Warum machen Sie das Ganze? Ein solcher Antrag liegt doch nur vor, weil Sie einem Antrag der Linken nicht zustimmen wollen, nur weil er von den Linken kommt, obwohl er der sachlich richtigere ist.

Ich frage Sie: Ist das noch Ihr Ernst? Ich finde, nach dem Dammbruch in Thüringen, aber vor allem nach dem, was sich für eine gesellschaftliche Stimmung im Land entwickelt, sollten die Anständigen unter Ihnen sich tunlichst überlegen, auf welcher Seite der Geschichte sie stehen wollen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der LINKEN
Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Christos Pantazis
Foto: Maximilian König
11 Vermerkeca. 800 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute ist ein guter Tag für eine qualitativ hochwertige stationäre Versorgung von Patientinnen und Patienten, aber auch ein guter Tag für die deutsche Krankenhauslandschaft.

Zurufdes Abg. Tino Sorge [CDU/CSU]

Nach acht Jahren des Stillstandes – wir haben es vorhin diskutiert – in der Krankenhauspolitik unter CDU-Bundesministern setzen wir als Fortschrittskoalition heute mit dem vorliegenden Krankenhaustransparenzgesetz den sprichwörtlichen Startschuss für die tiefgreifendste, längst überfällige Krankenhausreform der letzten 20 Jahre.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Sie hingegen, verehrte Union, kommen – Herr Gürpinar hat es gerade auch angesprochen – 77 Tage nach dem letzten Antrag zum Vorschaltgesetz heute mit einem Aufguss des linken Antrages um die Ecke, der, wenn man ihn sich genauer anschaut, lediglich aus einer Aneinanderreihung von Links und Pressemitteilungen besteht. Inhaltlich verbreiten Sie dabei übrigens das Narrativ, dass der Bund für die gestiegenen Energiekosten nicht aufkommen würde. Dem ist aber mitnichten so – der Minister hat es vorhin gesagt –: Mit den 6 Milliarden Euro, die zur Verfügung gestellt werden, haben wir die gestiegenen Energiepreise ausgeglichen. Außerdem ignorieren Sie dabei, dass die Länder ihren Investitionsverpflichtungen schon seit Jahren nicht nachkommen. Das ist schließlich auch Teil des Problems.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Während Sie sich hier mit einem blutleeren Antrag zu profilieren versuchen, wollen wir mit dieser Reform eine qualitativ hochwertige, flächendeckende und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung sicherstellen, die auch noch in 20, 30 Jahren trägt. Dabei verfolgen wir drei zentrale Ziele: Gewährleistung von Versorgungssicherheit im Sinne der Daseinsvorsorge, spürbare Entbürokratisierung, aber insbesondere Sicherung und Steigerung der Behandlungsqualität. Genau hier setzt der vorliegende Gesetzentwurf an, indem er das bisherige System von Qualität und Transparenz der Krankenhausbehandlung weiterentwickelt.

Mit Blick auf die eine oder andere Landesstimme sei mir an dieser Stelle erlaubt, freundlich darauf hinzuweisen, dass der vorliegende Gesetzentwurf elementarer Bestandteil des Eckpunktepapiers ist,

das wir am 10. Juli mit insgesamt 14 Ländern konsentiert haben. Unser Gesundheitssystem ist halt überkomplex und für medizinische Laien schwer nachvollziehbar. Unsere Aufgabe sollte es daher sein, genau diese Problematik zu überbrücken. Infolgedessen kann und darf sich niemand an Transparenz stören – auch die Länder nicht.

Wir informieren uns beispielsweise über Produkte im Supermarkt, Leistungen eines Hotels im Urlaub oder beim Autokauf über den Spritverbrauch, um gute und möglichst fundierte Entscheidungen treffen zu können. Die Bedingung dafür ist, dass transparente Informationen über die verschiedenen Angebote vorliegen. Wenn dies für den Kauf einer Packung Milch oder eines Wagens oder den Vergleich zweier Hotels möglich ist, sollte dies vor allem auch für das höchste Gut in unserem Leben, unsere Gesundheit, selbstverständlich sein.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Als Fortschrittskoalition wollen wir mehr Transparenz in Krankenhäusern wagen – Transparenz über die angebotenen Leistungsgruppen, Qualitätsaspekte, Fallzahlen und personelle Ausstattung. Fakt ist: Krankenhäuser sammeln und übermitteln bereits heute Daten.

Diese sind aber nicht gebündelt und vor allem nicht niedrigschwellig und barrierefrei abrufbar. Auch als Mediziner und Gesundheitspolitiker frage ich Sie: Wer hat bisher Qualitätsberichte von Krankenhäusern gelesen?

Wir müssen also feststellen, dass die bisherigen Regelungen nicht ausreichen, um die Öffentlichkeit angemessen über die Qualität der stationären Versorgung zu informieren. Genau das wollen und werden wir mit diesem Transparenzgesetz entschieden angehen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir wollen Daten bündeln, verarbeiten und sie der Allgemeinheit unkompliziert zur Verfügung stellen. Wir entwickeln die Datenabfrage weiter und ergänzen dort, wo die Datenbasis verbessert und deutlicher gemacht werden muss. Wir ordnen Krankenhäuser entsprechend der Koalitionsvereinbarung erstmals bundeseinheitlichen Versorgungsstufen zu und legen die Verteilung der Leistungsgruppen auf die einzelnen Standorte dar. Diese Veröffentlichung hat lediglich beschreibenden Charakter und keinerlei Konsequenz für die Krankenhausplanung der Länder und für die Krankenhausvergütung.

Es ist allerdings unser erklärter Wille, Patientinnen und Patienten in Form eines Registers eine gut und leicht verständliche Orientierungshilfe an die Hand zu geben, damit sie selbstbestimmt und frei eine qualitätsorientierte Auswahlentscheidung treffen können.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Infolgedessen hat das Krankenhaustransparenzgesetz sehr wohl auch eine originär soziale Dimension. Schließlich fördert ein verständliches, objektiv und sachlich aufgestelltes Transparenzverzeichnis die sozialmedizinische Teilhabe auch von Menschen ohne besondere Kenntnisse oder Ausbildung im Gesundheitsbereich, um schnell und unkompliziert das beste Krankenhaus für sich zu finden.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Qualität ist das Ziel, Transparenz und Aufklärung hin zum mündigen Patienten der Weg. Wie wichtig das Ziel Qualität ist, hat uns erst die fünfte Stellungnahme der Regierungskommission am Beispiel von Krebs- und Schlaganfallbehandlungen eindrucksvoll gezeigt. Spezialisierte und hochqualifizierte Versorgung rettet schlichtweg Leben. Genau das wollen wir erreichen: Behandlungsqualität stärken und dadurch mehr Patientensicherheit erreichen.

Ich fasse daher zusammen: Mit dem heute hier eingebrachten Krankenhaustransparenzgesetz leiten wir endlich die größte Krankenhausreform der letzten 20 Jahre ein. Dabei werden wir die Krankenhauslandschaft reformieren und sie bedarfsorientiert und modern aufstellen. Wir werden durch Transparenz und Qualität die Patientensicherheit stärken und durch die Einführung von Vorhaltepauschalen den ökonomischen Druck auf die Krankenhäuser mindern. Das ist gut für die hilfesuchenden Menschen, gut für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und gut für den Arbeitsplatz Krankenhaus, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Lassen Sie uns daher gemeinsam – Bund und Länder – ein qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem fördern, von dem auch die nachfolgenden Generationen profitieren werden.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
14 Vermerkeca. 513 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Halbzeitbilanz des amtierenden Bundesgesundheitsministers ist mehr als dürftig. Sein bisheriges Wirken hat aber eine Konstante: Wenn er die von ihm verkündeten Zeitpläne und selbstgesetzten Ziele nicht einhalten kann, zieht er ein anderes Thema aus dem Ärmel, um Handlungsfähigkeit zu simulieren und die Tatsache zu verdecken, dass er ohne jede Unterstützung seitens seiner Kabinettskollegen ist.

Beifallbei der CDU/CSU

Was für ein Quatsch!

Beim Finanzminister beißt er auf Granit; der Kanzler hilft ihm nicht.

Und so kommt es, wie es kommen muss: Die Beiträge für die Pflege und die GKV steigen. Um aber in der Öffentlichkeit Handlungsfähigkeit zu simulieren, kümmert er sich um Projekte wie Gesundheitskioske, die nur Doppelstrukturen erzeugen, oder um das Thema Cannabis.

Zurufevon der SPD: Oh!

Parallel dazu sorgt er noch für ein gewisses Chaos bei der Unabhängigen Patientenberatung.

Beifallbei der CDU/CSU

Die wirklich dringend notwendige Krankenhausreform wird wieder und wieder groß angekündigt, zerfällt aber zeitlich und inhaltlich immer mehr.

Jetzt wird das vorliegende Transparenzgesetz aus dem Ärmel gezogen, ein Manöver, um das bisherige Scheitern bei der Reform der Kliniklandschaft zu kaschieren. Selbst seine rot-grünen Ministerkollegen und die Gesundheitspolitiker von SPD und Grünen in den Ländern stehen diesem Manöver kritisch gegenüber. Aus Hannover muss sich der Bundesgesundheitsminister sagen lassen, er solle endlich die Krankenhausreform voranbringen, statt diese immer weiter zu verzögern. Denn sich jetzt auf das sogenannte Transparenzgesetz zu stürzen, heiße – ich zitiere –, das Pferd von hinten aufzuzäumen.

Beifallbei der CDU/CSU

In der Tat: Das Transparenzgesetz mag eine positive Intention haben, aber hier und jetzt besteht dringender Handlungsbedarf mit Blick auf die Versorgungssicherheit der Patientinnen und Patienten im Land. Es vergeht kein Tag ohne neue Warnungen aus den Bundesländern. In meinem Wahlkreis sind in den letzten Wochen drei Krankenhäuser insolvent gegangen, und andere machen sich große Sorgen. Was muss eigentlich noch passieren, damit der zuständige Minister aktiv wird?

Beifallbei der CDU/CSU

Krankenhausärzte aus ganz Deutschland warnen vor einem ungebremsten Kliniksterben. Der Deutsche Städtetag warnt vor drohenden Insolvenzen. Immer mehr Akteure im Gesundheitswesen äußern den Verdacht, dass die Politik des Ministers auf kaltem Wege die Kliniklandschaft schrumpfen soll. Gestiegene Kosten, fehlendes Personal, Inflation und Tariferhöhungen setzen die Krankenhäuser unter Druck.

Was ist denn Ihr Vorschlag?

Sie benötigen dringend einen finanziellen Ausgleich, damit die stationäre Versorgung der Patientinnen und Patienten in Deutschland während der kommenden Monate nicht gefährdet wird.

Zwei Jahre und noch kein Vorschlag!

Ich wiederhole deshalb: Beschließen wir möglichst bald ein Vorschaltgesetz, um die kalte Strukturbereinigung in der deutschen Krankenhauslandschaft zu verhindern!

Es gibt seit 20 Jahren eine kalte Strukturbereinigung in der Krankenhauslandschaft! Das hat niemanden interessiert!

Dann muss der Minister endlich darangehen, mit den Ländern verbindliche Pflöcke einzuschlagen, um in Sachen Krankenhausreform voranzukommen. Dazu gehört auch, mit den Bundesländern zusammenzuarbeiten und nicht gegen sie.

Beifallbei der CDU/CSU

Was das vorliegende Transparenzgesetz betrifft, so gehen die Meinungen auseinander. Entscheidend wird sein, ob es einen niederschwelligen Zugang zu den Informationen für die Patienten

Wird es, lieber Erwin!

und einen verstärkten Qualitätswettbewerb der Krankenhäuser untereinander ermöglicht. Kritisch sehe ich neben dem Verwaltungsaufwand vor allem die Frage, ob aus den geplanten Indikatoren wirklich Auswahlentscheidungen mit der erforderlichen Sicherheit abgeleitet werden können. Beim Lesen des Gesetzentwurfs frage ich mich, warum die FDP bereit war, Einschränkungen bei der Selbstverwaltung zu akzeptieren.

Beifallbei der CDU/CSU

Hast du meiner Rede nicht zugehört? Du musst deine Rede schon so ändern, dass du das, was ich gesagt habe, aufnimmst!

Grundsätzlich ist aber wichtig: Wir haben im Moment andere Probleme zu lösen als dieses Transparenzgesetz. Deshalb kann ich nur appellieren, dass die Ampel endlich andere Prioritäten setzt.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Martin Sichert
Foto: Büro MdB Sichert / Büro MdB Sichert
1 Vermerkca. 323 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Grau, ich finde die ganze Diskussion, die die Ampel hier führt, ziemlich bizarr, wenn Sie jetzt hier davon reden, das sei alles im Sinne der Patienten, und es sei das dringendste Problem für die Patienten, dass man hier Transparenz schafft. Die Realität sieht doch so aus, dass uns gerade die Flächenversorgung zusammenbricht.

Ich bringe mal ein Beispiel aus meiner Region: In Norden ist das Krankenhaus geschlossen worden, mit dem Ergebnis, dass die Menschen jetzt nach Emden oder Aurich müssen, auch die Menschen von den Inseln. Das heißt, dass diese Menschen kein nahe gelegenes Krankenhaus mehr haben, wo sie, wenn sie einen Notfall haben, hingehen können, sondern dass sie jetzt faktisch 30 Kilometer weiter fahren müssen. Und das ist kein Einzelfall, sondern wir sehen ja, dass 50 Prozent der Krankenhäuser deutschlandweit in Schieflage sind; nach Prognosen 70 Prozent der Krankenhäuser nächstes Jahr.

Die Frage, die ich mir stelle – und die nicht nur ich mir stelle, sondern die sich auch die Leute in den Krankenhäusern stellen, die sich die Bevölkerung da draußen stellt, für die dies das drängendste Problem in diesem Land ist –, ist: Wie halten wir eine vernünftige Flächenversorgung in diesem Land aufrecht? Und deswegen frage ich mich ganz ernsthaft: Wo sind denn die Prioritäten dieser Ampel? Die Priorität müsste doch in der jetzigen Lage sein, alles zu tun, um die Flächenversorgung aufrechtzuerhalten, und nicht, mit dem Krankenhaustransparenzgesetz ein neues bürokratisches Monstrum einzuführen. Es geht doch darum, erst mal dafür zu sorgen, dass die Krankenhäuser eine auskömmliche Finanzierung haben und wir diese Flächenversorgung aufrechterhalten können, die wir bisher in der Vergangenheit gehabt haben.

Wir sind in Schleswig-Holstein inzwischen schon so weit, dass dort in diesem Jahr schon mehr als vier Kinder auf einem Baumarktparkplatz zur Welt gekommen sind, weil die Geburtsstationen geschlossen wurden. Wir sehen also: Wir haben eine massive Problematik in der Finanzierung. Warum geht die Ampel nicht zuerst das Finanzierungsproblem an und überlegt sich dann Themen wie Transparenz und anderes?

Beifallbei der AfD
Porträt von Armin Grau
Foto: BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN RLP/ Alexander Sell
4 Vermerkeca. 222 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Herr Sichert, dass ich jetzt noch mal die Gelegenheit kriege, einiges klarzustellen. Eben weil wir in der Ampel die Sorge um die finanzielle Situation der Krankenhäuser teilen, machen wir jetzt in einem kaum zu überbietenden Tempo

Beifalldes Abg. Dr. Andrew Ullmann [FDP]
Lachenbei der CDU/CSU und der AfD

eine große Krankenhausreform und korrigieren die Fehler der Vergangenheit. Wir sichern mit den Vorhaltepauschalen die Finanzierung aller bedarfsnotwendigen Krankenhäuser. Das ist jetzt essenziell, und deswegen machen wir auch diesen intensiven Prozess. Bund und Länder haben die Eckpunkte im Juli beschlossen und werden dieses Gesetz jetzt so schnell wie möglich beschließen.

Die Vorredner haben es auch schon gesagt: Neben den 80 Milliarden Euro der Versicherten, die jedes Jahr in die Krankenhäuser fließen, haben wir in der Coronapandemie weit über 20 Milliarden Euro in die Krankenhäuser gesteckt. Wir haben jetzt im Rahmen des Inflationsausgleichs und des Ausgleichs für Gas- und Energiemehrkosten rund 6 Milliarden Euro in die Krankenhäuser gesteckt. Wir werden die Situation der Krankenhäuser auch weiterhin eng beobachten, aber wir tun bereits etwas. Wir arbeiten im Moment mit großer Geschwindigkeit an der Lösung dieser Probleme.

Dieser Popanz, den Sie immer aufbauen, indem Sie sagen, dieses Transparenzgesetz sei – ich wiederhole das Wort jetzt – ein „bürokratisches“ Gesetz, ist Unfug.

Wir nehmen Routinedaten, fügen diese zusammen und schaffen damit ein gutes Register zur Information der Menschen. Hier von einer überbordenden Bürokratie zu reden, ist vollkommen verkehrt und daneben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Das ist Unsinn! Das ist völliger Unsinn! Das muss man so deutlich sagen!

Porträt von Christina Baum
Foto: Dr. Christina Baum/Fotodienst Bundestag
6 Vermerkeca. 318 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die allermeisten Menschen in unserem Land fragen inzwischen nicht mehr danach, welche Qualität der Versorgung sie im Krankenhaus überhaupt noch erwarten können, sondern sind froh, überhaupt noch eine Versorgung in einem angemessenen Zeitrahmen in näherer Umgebung zu erhalten.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Denn was die Bürger tatsächlich merken, ist der fortschreitende Abbau und die Verschlechterung der Gesundheitsversorgung, die jahrzehntelang in diesem Land eine Selbstverständlichkeit war.

Das Allerletzte, was deshalb aktuell gebraucht wird, ist noch mehr Bürokratie für die sowieso schon am Limit arbeitenden Ärzte und Pfleger, von den zusätzlichen Kosten ganz zu schweigen. Dabei ist Transparenz bei allen Krankenhäusern längst vorhanden; denn es existiert bereits ein Verzeichnis aller deutschen Krankenhäuser, das dem Patienten die Möglichkeit bietet, ein passendes Krankenhaus entsprechend seiner Erkrankung zu finden. Außerdem gibt es bereits § 136b SGB V, der die Krankenhäuser zur regelmäßigen Erstellung von Qualitätsberichten verpflichtet. Bevor Sie also vermeintlich mehr Qualität durch Transparenz schaffen, gehen Sie die grundsätzlichen Probleme an! Ändern Sie endlich das Finanzierungssystem, und beenden Sie den Investitionsstau in den deutschen Kliniken!

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ausgerechnet Herr Lauterbach traut sich, zu sagen, dass Intransparenz für ihn nicht akzeptabel sei – der Mann, der die Menschen in den letzten Jahren in Angst und Panik versetzt hat, der die mRNA-Injektion für nebenwirkungsfrei und sicher erklärte,

Ach, die Platte schon wieder!

der über strengste Coronamaßnahmen Nötigung der Bevölkerung ausübte, sogar eine Zwangsimpfung erließ und nun die durch die Maßnahmen und die Impfung entstandenen Schäden zu vertuschen versucht. Dieser Mann verlangt nun mehr Transparenz gerade von der Berufsgruppe, die am meisten unter der Coronasituation zu leiden hatte, die mit ihren Kräften sowieso schon am Ende ist und dennoch tagtäglich ihr Bestes gibt. Das ist an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten.

Beifallbei der AfD

Herr Lauterbach, seien Sie sicher, dass wir für Transparenz sorgen werden, allerdings hinsichtlich dieses Menschenexperiments der Coronainjektion. Ihr Transparenzgesetz ist nicht nur völlig überflüssig, sondern ein Schlag ins Gesicht aller Beschäftigten in den Krankenhäusern. Deshalb werden wir es ablehnen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
9 Vermerkeca. 564 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir heute über die Zukunft der stationären Versorgung sprechen, geht es nicht nur um die Versorgung und Patientensicherheit durch die modernste Medizintechnik, die wir heute haben, sondern vor allem um Qualität, Effizienz und Transparenz. Die Zeiten nämlich, in denen Patientinnen und Patienten alleine auf Empfehlungen und Einweisungen vertrauen mussten, ohne wirklich genaue Informationen über die Leistungsfähigkeit und Qualität der Krankenhäuser zu haben, sollten vorbei sein. Jeder von uns, egal ob als Patientin bzw. Patient oder als einweisender Arzt, sollte die Möglichkeit haben, fundierte Entscheidungen auf Basis transparenter und verlässlicher Daten zu treffen.

Die bereits bestehende Berichterstattung über die Qualität der stationären Leistungserbringung ist nicht ausreichend. Sie ist unvollständig, uneinheitlich und nicht immer transparent. Deswegen muss die Berichterstattung über die Qualität der stationären Leistungserbringung weiterentwickelt und ergänzt werden. Denn wir glauben an den mündigen Patienten, und dafür steht auch diese Koalition.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Das, meine Damen und Herren, ist der Kerngedanke, der uns alle heute verbindet, und zwar, so denke ich, auch über die Koalitionsgrenzen hinaus. Was passierte am 10. Juli dieses Jahres? Da haben Bund und Länder einen bedeutenden Schritt in diese Richtung gemacht. Mit geeinten Eckpunkten zur Krankenhausreform haben wir uns darauf verständigt, die Transparenz in der stationären Versorgung signifikant zu erhöhen. Und kurz an die Linken gewandt: Da gehören auch die Versorgungsstufen dazu.

Dem tragen wir jetzt im Übrigen mit dem Krankenhaustransparenzgesetz Rechnung. Das Gesetz soll die bestehende Datenbasis verbessern und die Berichterstattung über die Qualität der stationären Leistungserbringung transparenter und verständlicher machen. Es wird dazu beitragen, dass Patientinnen und Patienten besser informiert sind und eine fundierte Entscheidung über die Wahl ihres Krankenhauses treffen können. Meine Damen und Herren, machen wir uns ehrlich: Angst vor Transparenz sollte weder in der Politik noch in der Versorgung eine Rolle spielen.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Ates Gürpinar [DIE LINKE]

Nun, so gut diese Fortschritte auch sind, müssen wir uns einiger berechtigter Kritikpunkte annehmen. Der Gesetzentwurf verlangt von den Krankenhäusern, umfangreiche Daten bereitzustellen. Während ich die Bedeutung dieser Daten für die Transparenz und die Verbesserung der Qualität klar erkenne, dürfen wir nicht ignorieren, dass diese Anforderung zu einer erhöhten Bürokratie führen könnte –könnte, meine Damen und Herren, Konjunktiv. Zusätzlich ist es wichtig, festzustellen, dass wir durch diesen Prozess nicht die Entscheidungsfreiheit der Ärzteschaft unnötig beschränken oder die täglichen Abläufe in den Krankenhäusern behindern dürfen. Insofern freue ich mich auf die weitere Beratung im Ausschuss.

Lassen Sie mich bitte zum Schluss eine Bemerkung zu meinem geliebten Bundesland Bayern machen.

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek von der CSU

Guter Mann! Sehr guter Mann!

rief gestern den Bundeskanzler auf, die Krankenhausfinanzierung zur Chefsache zu machen.

Zuerst erwarte ich aber von den Kollegen Holetschek und Söder, dass sie die Erfüllung ihrer Verpflichtungen zur Chefsache machen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Denn Bayern schwächelt. Die Höhe der Investitionen in bayerische Krankenhäuser ist heute identisch mit denen der 90er-Jahre. Das müssen wir uns mal vorstellen: seit 30 Jahren die gleiche Investitionshöhe! Und die ist noch nicht einmal inflationsbereinigt. In den Jahren dazwischen lag sie sogar noch tiefer, deutlich tiefer. Und dann wundert man sich, warum unsere Häuser in Bayern ihre Schwierigkeiten haben, meine Damen und Herren?

Deswegen wollen sie auch keine Transparenz!

Das muss sich endlich ändern.

Was passiert jetzt noch in den Krankenhäusern? Herr Söder und Herr Holetschek vergraulen unsere medizinischen Fachkräfte. Das sind fähige Leute. Durch ihre Vermeidungspolitik wird es natürlich nicht besser. Ich sage hier mit aller Deutlichkeit: Beenden Sie endlich Ihr inhaltsleeres Verbalgetöse! Bayern kann es sicherlich besser.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Stephan Pilsinger
Foto: Stephan Pilsinger/ Christian Kaufmann
8 Vermerkeca. 563 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Situation in den Krankenhäusern ist, was die finanzielle Lage betrifft, aktuell höchst prekär. Ende 2022 waren 20 Prozent der Krankenhäuser defizitär. Ende 2023 werden 50 Prozent der Krankenhäuser defizitär sein, Ende 2024 werden es 70 bis 80 Prozent sein, und 2025 werden 31 Prozent der Krankenhäuser akut insolvenzgefährdet sein. Das sind von deutschlandweit knapp 1 700 Krankenhäusern 500 Krankenhäuser, die bankrottgehen könnten. Dieser Zustand, meine Damen und Herren, ist völlig inakzeptabel, was die Gesundheit der Menschen in Deutschland betrifft.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Sie, Kolleginnen und Kollegen von der Ampel, haben ja mehrfach behauptet, das liege an den Investitionskosten.

Ich möchte Ihnen das noch mal erklären. Ich weiß nicht, ob Sie Zeitung lesen, aber die Inflation ist doch das Problem. Die Inflation bei den Materialkosten und vor allem die Steigerung der Tariflöhne sorgt dafür, dass die Defizite der Krankenhäuser völlig durch die Decke gehen. Ich muss Ihnen auch eins sagen – vielleicht haben Sie das vergessen –: Seit dem Inkrafttreten des Krankenhausfinanzierungsgesetzes im Jahr 1972 ist die Betriebskostenfinanzierung eine Bundesaufgabe. Sie sind also zuständig. Werfen Sie keine Nebelkerzen! Sie sind zuständig. Drücken Sie sich nicht davor, und retten Sie die Krankenhäuser!

Beifallbei der CDU/CSU

Wir als CDU/CSU-Fraktion sind ja nachsichtig mit Ihnen. Wir haben gedacht: Vielleicht brauchen Sie ein bisschen Zeit, um nachzudenken, was man tun könnte. Deswegen haben wir eine Kleine Anfrage gestellt, um zu erfahren, was Sie von der Bundesregierung tun wollen, Herr Lauterbach, und Sie haben uns geantwortet – ich fasse es zusammen –: mehr oder minder gar nichts. Die Krankenhäuser müssen sich halt einfach zusammenreißen, und vielleicht werden ein paar pleitegehen; das ist einfach ein Kollateralschaden. – Das kann doch wirklich nicht wahr sein!

Beifallbei der CDU/CSU

Herr Minister, ich muss sagen: Das ist doch eine komplette Arbeitsverweigerung, was Sie aktuell machen. Die Krankenhäuser stehen vor dem Bankrott, und sie weigern sich, den Krankenhäusern zu helfen und die Betriebskostenfinanzierung anzupassen. Ich sage Ihnen: Das ist doch ein Abwrackprogramm für die Krankenhäuser in Deutschland.

Beifallbei der CDU/CSU

30 Milliarden sind eine Arbeitsverweigerung! Interessant!

Herr Minister Lauterbach, Sie verweisen ja immer auf Ihre tolle geplante Reform. Ich muss Ihnen sagen – Sie geben ja selber zu, und der Kollege Franke hat es ja gestern im Ausschuss gesagt –: Frühestens in diesem Jahr wird es beschlossen, und im Jahr 2026 greift es. – Also, die Finanzierung bis dahin ist völlig ungeklärt, weil die Betriebskosten aufgrund der Inflation immer weiter steigen. Und ich muss Ihnen auch eins sagen: Ihre Entökonomisierung ist doch eine Milchmädchenrechnung. Aktuell werden über die DRGs 61 Milliarden Euro erwirtschaftet, dann werden 60 Prozent über Vorhaltepauschalen finanziert und 40 Prozent über DRGs. Ich sage Ihnen eins: Es bleibt weiterhin bei 61 Milliarden Euro. Die sind jetzt zu wenig, und die werden auch dann zu wenig sein. Das löst doch kein Problem. Was Sie machen, ist doch einfach eine Scheinlösung.

Beifallbei der CDU/CSU

Wichtig ist doch eins: Wir brauchen eine Brückenfinanzierung bis die Reform greift. Die Krankenhäuser dürfen doch nicht völlig unkontrolliert in Deutschland pleitegehen. Manche Krankenhäuser davon sind versorgungsnotwendig. Das ist ein Angriff auf den ländlichen Raum. Und ich sage Ihnen auch eins: Es ist ein Konjunkturprogramm für die AfD, was Sie hier machen, indem Sie den ländlichen Raum, vor allem im Osten, mit dem Kahlschlag bedrohen.

Beifallbei der CDU/CSU

Der Bundeskanzler hat uns als Opposition einen Deutschlandpakt angeboten. Wir bieten Ihnen ein Pakt zur Rettung der Krankenhäuser an. Bitte stimmen Sie unserem Antrag zu, damit die Krankhäuser bis zur Reform nicht pleitegehen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Wollen Sie eine Kurzintervention machen, Herr Ullmann? – Bitte schön.

1 Vermerkca. 124 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Lieber Kollege Pilsinger, Sie sind bayerischer Abgeordneter, und ich weiß, dass Sie als Hausarzt und nicht in den Kliniken tätig sind. Ist Ihnen nichts aufgefallen in den letzten 30 Jahren? Sie sind ja ein bisschen jünger. Aber in den letzten 30 Jahren waren die bayerischen Krankenhäuser mit Ihren Investitionen hintendran. Ich habe gerade versucht, das in meiner Rede darzustellen.

Wie sieht es eigentlich aus in Bayern? Wie ist da die Defizitlage? Wie sieht die Defizitlage bei den Investitionen aus? Die Bayerische Krankenhausgesellschaft hat hier klar gesagt, dass die Defizite so hoch sind, dass mindestens eine Verdopplung der Investitionskosten der Bayerischen Staatsregierung stattfinden soll. Das ist weit mehr als irgendwelche Defizite durch Inflation, die ja sowieso durch einen Landesbasisfallwert ausgeglichen werden.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Stephan Pilsinger
Foto: Stephan Pilsinger/ Christian Kaufmann
3 Vermerkeca. 122 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank für Ihre Kurzintervention. – Ich weiß, Sie reden gerne über Bayern. Das mache ich auch als bayerischer Abgeordneter. Aber ich muss Ihnen sagen: Es ist für alle Bundesländer so, was die Investitionskosten betrifft. Wir in Bayern sind da besser als andere Bundesländer.

Zurufevon der SPD: Ah!

Aber die aktuelle, finanziell schwierige Situation hängt mit den Betriebskosten zusammen und nicht mit den Investitionskosten, weil die Inflation und die Personalkosten die Defizite durch die Decke treiben.

Bitte hören Sie doch endlich auf, immer auf andere zu zeigen. Sie sind jetzt in der Regierung, auch wenn Sie es noch nicht wirklich verstanden haben. Und wenn es auch niemanden auffällt, dass die FDP in der Regierung ist: Retten Sie die Krankenhäuser, und hören Sie auf, dauernd Nebelkerzen zu werfen!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Neun von zehn bayerischen Krankenhäusern schreiben rote Zahlen! Neun von zehn, mehr als irgendwo sonst in Deutschland!

Porträt von Matthias David Mieves
Foto: Matthias Mieves/ Photothek Media Lab
8 Vermerkeca. 580 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Präsidentin! Liebe Damen und Herren! Wir diskutieren hier heute das Krankenhaustransparenzgesetz. Das ist wieder ein langer Name. Aber was wollen wir eigentlich damit? Wir wollen das CHECK24 für Krankenhäuser bauen, und zwar nicht kommerziell, sondern unabhängig und verlässlich. Wenn ich mir heute einen neuen Handyvertrag suche, wenn ich einen neuen Stromtarif brauche oder wenn ich meinen Urlaub plane, dann finde ich alle Infos, die ich dazu brauche, online. Ich kann alles checken und vergleichen. Das ist total einfach, geht schnell.

Aber wie ist es eigentlich bei Krankenhäusern? Ehrlich gesagt, Anfang der Woche hatte ich davon noch überhaupt keine Ahnung und deshalb habe ich mein Team gefragt. Da sind nämlich ein paar schlaue Jungs und Mädels drin, die mir sogar etwas empfohlen haben. Die haben mir dann gesagt: Hey, guck doch mal in die Qualitätsberichte des Transparenzregisters des Gemeinsamen Bundesausschusses. – Aha! Das habe ich dann mal gegoogelt, und ich habe tatsächlich was gefunden. Ich habe mir das Westpfalz-Klinikum angeschaut. Das ist nämlich mein Krankenhaus in Kaiserslautern. Dafür gibt es ein PDF mit 1 246 Seiten. 1 246 Seiten! Das ist jetzt nicht euer Ernst? Wenn irgendjemand noch einen Beweis gebraucht hat, dass wir in Deutschland unser Gesundheitswesen mit Arbeit zuschmeißen, ohne dass wir Menschen irgendetwas Sinnvolles davon haben, dann hat er hier ein hervorragendes Beispiel. Damit muss Schluss sein.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir brauchen die richtigen Informationen, sodass sie verlässlich und verständlich sind, und zwar für alle in diesem Land, sodass sie auch nutzbar werden. Genau das machen wir heute mit diesem Gesetz.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Was genau bringt mir das jetzt? Jetzt stellen wir uns mal vor: Ich gehe wieder an die Haustüren, besuche dort Bürgerinnen und Bürger und reiß mir beim Klingeln an der Haustür den Meniskus. Dann will ich doch, dass ich genau die Klinik finde, in der die entsprechenden Spezialisten sind.

Zurufdes Abg. Tino Sorge [CDU/CSU]

– Ich mach mir ihn kaputt, genau. – Ich brauche die Klinik, in der ich die beste Behandlung dafür bekomme. Und da will ich mir doch keine Sorgen machen vor Komplikationen. Ich will genau zu den Fachkräften, die die meiste Übung haben, die die meiste Erfahrung haben. Deshalb brauche ich diese Informationen; denn das hilft mir, eine bessere Entscheidung zu treffen, im Übrigen am besten gemeinsam mit meiner Hausärztin. Das bringt Qualität, das bringt bessere Versorgung, und das finde ich persönlich fair.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ja, jetzt könnte man sagen: Wo soll denn das alles noch hinführen, wenn wir immer mehr Daten erheben und die dann sogar noch online stellen? Ja, das kann ich Ihnen sagen. Wir machen sogar noch mehr. Wir werden nämlich beim CHECK24 für Krankenhäuser überhaupt nicht aufhören. Wir machen direkt weiter. Als nächstes brauchen wir nämlich noch eine Dropbox für unsere Patientenakten, und wir brauchen ein WhatsApp für die Ärztinnen- und für Arztbriefe, weil wir nicht die Dropbox, die es schon gibt, nutzen wollen, weil wir nicht das WhatsApp nutzen wollen, was es schon gibt. Wir brauchen das nämlich in einer nichtkommerziellen Fassung, in einer verlässlichen Fassung, wo mit unseren Daten sicher, gut und verlässlich umgegangen wird.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Und genau deshalb brauchen wir dieses Gesetz. Genau deshalb machen wir auch weiter mit dem Digital-Gesetz, um das sicherzustellen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Liebe Präsidentin, liebe Damen und Herren, ich komme langsam zum Schluss. Wir haben jetzt gelernt, wo wir in Zukunft gute Informationen finden können, um herauszufinden, wo notwendige Operationen in welcher Klinik am besten gemacht werden. Aber, liebe CDU in Thüringen, wo Sie eine Operation gegen fehlendes Rückgrat finden, das wird selbst dieses Gesetzes und das Portal nicht leisten können.

Danke für das Zuhören.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
7 Vermerkeca. 500 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Minister Lauterbach, Sie hätten gestern beim Kongress unserer Fraktion „Krankenhausreform – Für mehr Qualität und Versorgungssicherheit“ dabei sein sollen. Dann wären Sie in der Realität angekommen und hätten aus erster Hand erfahren, was Ihre aktuelle Krankenhauspolitik anrichtet.

Klinikträger und Leitungen, Bürgermeister/-innen und Landräte schilderten konkret aus der Praxis, wie es bei ihnen vor Ort aussieht. Finanzielle Reserven werden oder wurden bereits für inflationsbedingte Betriebskostensteigerungen aufgezehrt. Kommunen wissen nicht, wie lange sie noch kommunal getragene Kliniken stützen können. Kreisumlagen werden erhöht, die in den einzelnen Gemeinden und Städten nur mit Steuererhöhungen ausgeglichen werden können, und das Ganze, obwohl der Transformationsprozess der Krankenhausstrukturreform noch nicht einmal gestartet ist.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir haben die Zahlen heute schon ein paarmal gehört: Bereits im ersten Halbjahr sind mehr als 50 Krankenhausstandorte von Insolvenzverfahren betroffen, fünfmal so viele wie 2021, insbesondere in den Kleinstädten und in den ländlichen Regionen, dort, wo Krankenhäuser bisher und jetzt mehr und mehr ambulante Versorgung übernehmen, weil die Arztsitze nicht mehr besetzt werden können. Viele Krankenhäuser werden diese Reform nicht mehr erleben, obwohl wir sie auch zukünftig brauchen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Anstatt dass Sie sich um dieses dringende Problem kümmern, schaffen Sie mit dem neuen Transparenzgesetz ein neues Bürokratiemonster für die Kliniken.

Herr Minister, diese Transparenzidee ist doch bereits umgesetzt. Sowohl die Weisse Liste der Bertelsmann-Stiftung als auch das Deutsche Krankenhaus Verzeichnis, bislang Bestandteil des offiziellen Internetangebotes der Bundesregierung, bieten gute Transparenz bezüglich Qualität der stationären Versorgung, anwendungsfreundlich aufbereitet. Wir sind erst eben noch einmal in dieses Angebot reingegangen. Sie können Kliniken vergleichen. Sie kennen die Kennzahlen. Es ist einfach zu bedienen.

Zurufdes Abg. Ates Gürpinar [DIE LINKE]

– Ja, genau; darum geht es. Das wurde auch vorhin sehr gut dargestellt.

Da haben die B-Länder zugestimmt!

Außerdem zäumen Sie das Pferd von hinten auf. Statt erst die Krankenhausreform gemeinsam mit den Ländern umzusetzen und auf der Basis gegenseitigen Vertrauens das Ergebnis für die Bürgerinnen und Bürger dann transparent darzustellen, greifen Sie diesem Prozess vor. Sie schaffen Fakten, Sie bauen die Level-Einteilung, die die Bundesländer klar abgelehnt haben, nun in dem vorliegenden Gesetz ein. Damit suggerieren Sie, dass nur große Häuser besser seien.

Machen Sie sich ehrlich, Herr Minister: Erstens. Sie geben Krankenhäusern keine Brückenfinanzierung, bis die Strukturreform greift. Zweitens. Sie sagen nicht, dass der Transformationsprozess viel Geld kosten wird und wer das zahlen soll. Drittens. Sie schaffen mit dem Transparenzgesetz Tatsachen, die eine Steuerung von Patientenströmen forcieren, lange vor einer von Bund und Ländern abgestimmten Krankenhausstrukturreform; da können Sie noch so oft betonen, das Transparenzgesetz hätte nichts mit der Krankenhausplanung zu tun.

Diese Reform muss von den Patientinnen und Patienten her gedacht werden. Es ist kein strategisches Planspiel.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Gerade die Patientinnen und Patienten, aber auch alle Mitarbeitenden aus Pflege und Medizin werden jetzt zunehmend verunsichert. Vertrauen ist jedoch das Wichtigste, um sich für ein Krankenhaus zu entscheiden. Sie, Herr Minister, verspielen gerade bei vielen Menschen das Vertrauen.

Für alle Menschen ist Gesundheit das wichtigste Gut und ein Gefühl der ausreichenden Versorgung elementar. Seien Sie sich dessen bitte auch gesellschaftspolitisch bewusst.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Stephan Pilsinger
Foto: Stephan Pilsinger/ Christian Kaufmann
6 VermerkeZwischenfrageca. 133 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Wagner, weil Sie keine Zwischenfragen zulassen, weil die Wahrheit manchmal wehtun kann, nur mal kurz zur Richtigstellung:

Zurufder Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Der Defizitanstieg resultiert aus der Inflation. Das wissen Sie ja auch.

Eben nicht!

Die Tariflöhne steigen in den Krankenhäusern massiv an. Deswegen geht das Defizit durch die Decke. Das hängt nicht mit den Investitionskosten per se zusammen.

Jedes Bundesland hat eine niedrige Investitionsquote. Das stimmt.

Zurufder Abg. Christine Aschenberg-Dugnus [FDP]

Aber was Sie erzählen, Ihre Taktik, immer nur über Bayern zu reden, immer die Verantwortung von sich zu weisen, ist inakzeptabel. Kümmern Sie sich endlich mal um Ihre Arbeit, und streiten sich als Ampel nicht dauernd rum! Sie setzen falsche Schwerpunkte. Das Kiffen ist Ihnen wichtig. Aber es ist Ihnen wurscht, ob die Menschen im Land eine ordentliche Versorgung bekommen.

Hören Sie auf Ihre eigenen Landräte!

Was Sie machen, ist inakzeptabel und wirklich eine Katastrophe für unser Land.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD
Porträt von Johannes Wagner
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen/ Stephan Kaminski
1 Vermerkca. 139 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Pilsinger, was Sie können, ist eben, nach Berlin zu zeigen, und das nutzen Sie auch im Wahlkampf jetzt gerade ganz massiv.

Ich darf Ihnen noch eine Zahl zitieren, die auch noch einmal deutlich macht, wie groß die Investitionslücke in den letzten Jahrzehnten gerade auch in Bayern war: Die Krankenhäuser zahlen jedes Jahr eine halbe Milliarde Euro Zinsen, weil sie Kredite aufnehmen mussten, weil für die Investitionskosten nicht bezahlt worden ist. Außerdem würden natürlich Krankenhäuser, die gut gedämmt wären, die Photovoltaik auf dem Dach hätten, nicht nur weniger CO2 ausstoßen, sondern eben auch weniger Energie verbrauchen und jetzt in dieser Zeit, wo die Energiepreise so hoch sind, auch weniger Geld ausgeben müssen.

Das heißt, die Investitionskosten stehen direkt im Zusammenhang mit den Betriebskosten, und was Sie machen, ist eben billiges Nach-Berlin-Zeigen. Machen Sie Ihre Hausaufgaben in Bayern!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Karl Lauterbach
Foto: Karl Lauterbach/Maximilian König
Karl LauterbachSPD· Bundesminister BMG· MdB
1 VermerkZwischenfrageca. 91 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal: Gestern ist bundesweit für den Erhalt von Krankenhäusern gestreikt worden. Das sind Streiks, die uns sehr nahegehen.

Die haben gegen Sie demonstriert!

Die befürchtete kalte Strukturbereinigung darf und wird nicht kommen. Aber man muss sich erst einmal der Frage widmen: Wie konnte es so weit kommen, dass die Beschäftigten und die Betreiber der Krankenhäuser jetzt auf die Straße gehen? Was ist die Situation? Wer ist schuld? Was fehlt? Wir haben als Bund – der Bund ist ja gestern auch angegriffen worden – in den letzten Jahren unsere Hausaufgaben immer gemacht.

Porträt von Karl Lauterbach
Foto: Karl Lauterbach/Maximilian König
Karl LauterbachSPD· Bundesminister BMG· MdB
17 Vermerkeca. 1.071 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Nein, ich möchte erst einmal vortragen.

Der Bund hat seine Verpflichtungen erfüllt. In den letzten zehn Jahren ist der Landesbasisfallwert um 30 Prozent gestiegen. Wir haben in der Pandemie die Krankenhäuser mit 21 Milliarden Euro unterstützt. Wir haben in der Energiekrise die Krankenhäuser mit weiteren 6 Milliarden Euro an Energie- und Inflationshilfe unterstützt. Davon werden noch einmal 2,5 Milliarden Euro fließen. Der Bund wird jetzt auch noch einmal die Beschleunigung der Bezahlung der Pflegekräfte möglich machen. Der Landesbasisfallwert wird angepasst.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Was haben wir somit hier? Der Bund hat seine Verpflichtungen immer erfüllt. Die Länder sind aber auf der Straße. Jetzt schauen wir uns mal an, was die Länder gemacht haben. Die Länder haben in den letzten zehn Jahren – das ist unstrittig – 30 Milliarden Euro an Investitionskosten nicht bezahlt.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das heißt, wenn die Länder jetzt auf die Straße gehen und den Bund verantwortlich machen wollen, dann grenzt das aus meiner Sicht an Heuchelei.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Denn der Bund hat immer bezahlt. Wir haben auch jetzt bezahlt. Wir haben die Krankenhäuser nie im Stich gelassen. Wir werden die Pflegereform beschleunigen. Wir werden den Landesbasisfallwert anpassen. Wir werden diese große Reform machen, auf die ganz Deutschland wartet. Aber die Länder sind ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden.

Ich möchte auch ganz klar sagen: Es geht nicht nur um Geld. Da kann man sagen: Es ist das Wichtigste, dass das Geld da ist; das ist richtig. Eine kalte Strukturbereinigung ist falsch. Aber es geht auch um die Patienten. Im nächsten Jahr werden 17 Millionen Menschen in den Krankenhäusern stationär behandelt. 1,5 Millionen werden mit einer Krebserkrankung in die Krankenhäuser gehen. Für diese Menschen wird die Frage „In welche Klinik gehe ich?“ möglicherweise die wichtigste Frage sein, die sie im nächsten Jahr überhaupt zu beantworten haben. Es wird für Mütter, die mit ihrem Kind mit einer akuten lymphatischen Leukämie in die Klinik gehen, zum Teil die wichtigste Frage sein, die sie in diesem Jahr beantworten müssen.

Wir lassen die Menschen derzeit bei diesen wichtigen Fragen allein. Das kann nicht so bleiben. Wir sind in der Pflicht, den Menschen zu helfen, die die wichtige Frage zu beantworten haben: Wo werde ich mit meiner Erkrankung, mit meiner Krebserkrankung, wo wird mein Kind mit seiner Krebserkrankung besonders gut versorgt? Diese Fragen müssen wir beantworten können. Dafür brauchen wir dieses Gesetz. Diese Transparenz ist längst überfällig. Wir können die Menschen nicht länger mit diesen existenziellen Fragen alleine lassen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir werden daher veröffentlichen: Wie viele Fachärzte arbeiten auf den Stationen? Wie viele Pflegekräfte? Wie sind die Komplikationsraten? Wie viel Erfahrung haben die Stationen mit diesen Eingriffen? Das sind die Informationen, die wir den Menschen schulden. Allein bei Brustkrebs ist es so: Die Sterblichkeit ist 25 Prozent niedriger, wenn Sie in einem zertifizierten Brustkrebszentrum behandelt werden. Wir haben ähnliche Sterblichkeitsunterschiede bei Darmkrebs, bei Herzinsuffizienz. Es ist der Szene bekannt, wo die guten Kliniken sind, aber doch nicht dem normalen Wähler, dem Bürger, für den wir verantwortlich sind.

Und dann kommen die klassischen Gegenargumente. Es wird dann gesagt: Hier wird eine Bürokratie aufgebaut. – Das ist einfach falsch. Sie können sich die Einwürfe gleich sparen.

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD

Das sind bis auf die Arztdaten alles Routinedaten. Das Traurige ist ja, dass wir die Daten haben, sie aber nie veröffentlicht haben. Das kann nicht richtig sein.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das sind Fake News, die Sie da verbreiten!

Der zweite Punkt, der immer wieder vorgetragen wird – das werden wir gleich auch wieder hören –: Da werden Äpfel mit Birnen verglichen. Das sind leichte Fälle, schwere Fälle; die kleinen Häuser werden benachteiligt usw. usf. – Die Wahrheit ist: Wir gleichen diese Fälle nach dem Schweregrad an. Es gibt kein Institut in ganz Europa, das das besser könnte als das IQTiG, welches diese Arbeit für uns machen wird.

Das heißt, eine Klinik, die schwere Fälle behandelt und bei diesen schweren Fällen eine gute Ergebnisqualität hat, wird die besten Ergebnisse haben. Wir vergleichen nicht Äpfel mit Birnen, sondern wir berücksichtigen die Schweregrade.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Um das auch gleich zu sagen: Ein Argument, was vollkommen verwirrend ist und in die Irre führt, ist, dass die kleinen Kliniken dabei schlecht abschneiden. Was wird aus den kleinen Kliniken? Können die existieren, wenn so etwas passiert? Das ist auch falsch, weil die kleinen Kliniken für das, was sie machen, zum Teil eine hervorragende Qualität bringen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir veröffentlichen doch nicht nur die Größe der Klinik, sondern wir veröffentlichen auch die Qualität der Versorgung. Das heißt, ich kann dann sehen: Das ist eine kleine Klinik. Die macht aber das, was sie kann, sehr gut. – Das ist doch transparent. Das hilft doch dann auch den kleinen Kliniken auf dem Land und auch den Fachkliniken. Wir weisen die Fachkliniken aus. Die Fachkliniken sind zum Teil klein und haben mit die besten Behandlungsergebnisse. Das wird durch diese Initiative erst transparent, sodass diese Krankenhäuser auch eine entsprechende Würdigung bekommen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Was ich auch immer höre, ist: Können wir denn das nicht später machen? Können wir das nicht in zwei, drei Jahren machen? Wenn wir das jetzt machen, füllen sich die Krankenhäuser, die Qualitätsdefizite haben, möglicherweise nicht mehr. – Aber das ist doch eine durch und durch zynische Überlegung. Sollen sich denn die Krankenhäuser, die die Qualitätsdefizite haben, vielleicht mit unseren Kindern, Eltern oder gar mit uns selbst füllen?

Zurufvon der CDU/CSU

Wer ist denn bereit, zur Verfügung zu stehen, damit die Häuser sich füllen? Niemand von uns. Und da sage ich: Was wir für uns, für unsere Kinder, für unsere Eltern nicht wollen, das sollten wir auch dem einfachen Bürger nicht zumuten.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wenn ein solches Haus, das Qualitätsdefizite aufweist, sich nicht füllt, dann muss das Haus entweder besser werden und spezialisiert sich, oder es kann in diesem Wettbewerb nicht bestehen. Wir können nicht Häuser füllen auf der Grundlage schlechter Qualität und sagen: Das können wir nicht transparent machen. Das machen wir später. – Das ist unethisch. Das kann hier nicht akzeptiert werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich komme zum Abschluss. Diese Reform ist der erste Baustein einer Krankenhausreform, die aus vier Teilen besteht. Erst kommt die Transparenz für die Qualität. Dann kommen die Vorhaltepauschalen, sodass wir aus diesem System der Fallpauschalen, der Ökonomisierung, der Bürokratie herauskommen. Dann machen wir eine Reform der Notfallversorgung.

Das ist doch die Unwahrheit!

– Sie sprechen von der Unwahrheit!

Weil es Fake News sind, die Sie verbreiten!

Fake News sind das!

Dann kommt die Notfallversorgung. Danach reformieren wir auch noch den Rettungsdienst. Wenn wir die Reform von Rettungsdienst und Notfallversorgung sowie Transparenz und auch ein System der Entökonomisierung und Entbürokratisierung umgesetzt haben, dann wird Deutschland eines der besten Krankenhaussysteme in ganz Europa haben, und daran arbeiten wir gemeinsam. Ich lade dazu ein. Die Ampel steht hier als Bund ganz geschlossen. Dafür möchte ich mich bedanken. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Tino Sorge
Foto: Tino Sorge/ Steven Vangermain
10 VermerkeZwischenfrageca. 538 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Minister Lauterbach, ich weiß nicht, ob Sie gestern mitbekommen haben, was hier in Berlin und was bundesweit los war. Da gehen Tausende Menschen – Pfleger, Ärzte, Krankenhausbetreiber – auf die Straßen und sagen: Es ist Alarmstufe Rot. Es ist absolut kritisch. Die Häuser stehen vor der Insolvenz. – Sie aber stellen sich hier hin und sagen: Alles ist gut, und die Reform kommt. – Also, ich weiß nicht, in welcher Realität Sie leben.

Sie haben ja eben gesagt, es sei zynisch, was einige Krankenhäuser machen. Wenn hier aber jemand den Eindruck der Arbeitsverweigerung erweckt, dann sind Sie das.

Arbeitsverweigerer wart ihr in den letzten Jahren!

Mir kommt das manchmal so vor wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“, dass irgendwann mal jemand sagt: Mensch, da ist doch überhaupt keine Konsistenz da.

Weil ihr es verpennt habt!

Was habt ihr denn die letzten 16 Jahre gemacht?

Aber was machen Sie? Alle Krankenhausbetreiber sagen Ihnen: Das kann so nicht weitergehen. Wir brauchen diese Reform, ja, aber wir brauchen diese Reform schnell.

Sie haben doch keine Reform auf den Weg gebracht!

Und was machen Sie, was macht das BMG wieder einmal? Sie bringen ein Faktenblatt in Umlauf, frei nach dem Motto: Wir beobachten die Situation genau. Die Länder sind ja auch irgendwo schuld. Die Kliniken haben schon genug Hilfen bekommen. – Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Untätigkeit ist nichts anderes als ein krankenhauspolitischer Offenbarungseid.

Beifallbei der CDU/CSU

Na, das sagt der Richtige!

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Da stehen Krankenhausbetreiber und erklären Ihnen, dass sie aufgrund der gestiegenen Inflationskosten, der gestiegenen Energiekosten, der gestiegenen Personal- und Sachkosten mit dem Landesbasisfallwert nicht hinkommen, dass sie jeden Monat Minus einfahren, dass sie nicht wissen, wie sie im nächsten Monat noch die Gehälter bezahlen sollen. Und jetzt stellen Sie sich hier hin und sagen: Wir machen jetzt mal ein Krankenhaustransparenzgesetz. – Sie tun den zweiten Schritt vor dem ersten, und das ist der große Fehler, den Sie hier machen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn das BMG mit Faktenblättern arbeitet, dann muss die Not schon sehr groß sein. Einige Kolleginnen und Kollegen haben ja hier reingerufen, das erinnere schon sehr stark an Fake News. Ich darf Sie mal an etwas erinnern, weil Sie ja immer auf Fakten beharren, auch wenn Sie für sich immer in Anspruch nehmen, Sie seien der Einzige, der wisse, was tatsächlich die Wahrheit sei. Wenn Sie mit Fakten argumentieren, hier einmal ein paar unbequeme, alarmierende Zahlen: In diesem Jahr haben schon jetzt fünfmal so viele Krankenhäuser Insolvenz anmelden müssen wie im Jahr 2021 – fünfmal so viele Häuser, lieber Herr Kollege Lauterbach! Allein im ersten Halbjahr waren es 19 Krankenhäuser, betroffen sind 32 Standorte, weitere Insolvenzen stehen bevor. Und was machen Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Ampel? Sie vertrauen auf Ihren Minister. Sie schauen tatenlos zu; das ist der eigentliche Skandal hier.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Ates Gürpinar [DIE LINKE]
Zurufder Abg. Heike Baehrens [SPD]

– Jetzt hören Sie mal zu.

Ja, es ist aber sehr schwer, zuzuhören!

– Das trägt zum Erkenntnisgewinn bei.

Ihr Minister hat es doch gestern im „ZDF-Morgenmagazin“ selbst gesagt. Da stellt sich ein Gesundheitsminister hin und sagt allen Ernstes: „Wir müssen Krankenhäuser abbauen, gerade in den großen Städten.“ Wir sind uns ja alle einig, dass wir eine Strukturreform brauchen.

Aber wenn er im gleichen Atemzug sagt: „Aber es trifft jetzt die Falschen. Es ist aktuell ein unkontrollierter Prozess“ – Zitat Karl Lauterbach –, dann stelle ich fest: Wir haben einen Gesundheitsminister, der offen einen Kontrollverlust zugibt, und eine Regierungskoalition, die nichts unternimmt. Das ist fatal, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Ates Gürpinar [DIE LINKE]
1 VermerkZwischenfrageca. 108 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Herr Kollege Sorge, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie haben auf die Aussage des Herrn Kollegen Lauterbach reagiert, als er davon sprach, dass die Länder ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. Ich möchte Sie fragen, ob Sie in Ihrem Heimatbundesland, wo ja Ihre Partei den Ministerpräsidenten stellt und mit uns zusammen regiert, bereit sind, dafür zu sorgen, dass das Land Sachsen-Anhalt seinen Verpflichtungen im Rahmen der Krankenhausfinanzierung nachkommt. Denn es wird ein ganz wesentlicher Punkt bei dieser Reform sein, dass sich die Länder genau dem nicht entziehen. Das Problem kennen wir alle. Sie haben die Chance, jetzt hier zu sagen, ob Sie dafür mit uns streiten werden.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Tino Sorge
Foto: Tino Sorge/ Steven Vangermain
8 VermerkeZwischenfrageca. 390 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Vielen Dank, lieber Herr Kollege Lindemann. – Das ist insofern eine sehr gute Frage,

Lachenbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das finden wir auch!

als dass es im Gesamtkontext der Finanzierung durchaus eine Rolle spielt. Und da stellt sich jetzt die Frage: Wie können Krankenhäuser in allen Bundesländern zukünftig besser finanziert werden?

Lachenbei Abgeordneten der SPD

Es gibt kein Bundesland – auch nicht ein Bundesland, in dem Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen der Ampel, die Verantwortung haben –, das seinen Investitionskostenverpflichtungen in voller Höhe nachkommt.

Ja, wie wollen Sie das denn ändern? Sagen Sie doch mal was zu der Frage!

Die Menschen wollen keine Streitereien darüber, was irgendwann schlechtgelaufen ist.

Zurufvon der SPD: Keine Antwort auf die Frage!

– Entspannen Sie sich mal. Ich komme gleich dazu. Ich beantworte Ihre Frage.

Die Strukturreform, die auf den Weg gebracht werden soll, darf aufgrund der momentanen Untätigkeit der Ampelregierung nicht zu einer kalten Strukturbereinigung führen.

Zurufevon der SPD: Oh!

Wir als Unionsfraktion haben gestern einen Krankenhausgipfel veranstaltet. Daran haben über 300 Akteure aus dem gesamten Krankenhausbereich teilgenommen, darunter auch Akteure aus Ihren Wahlkreisen. Und egal, wen Sie fragen, da ist keiner dabei, der Ihnen sagt, dass die Krankenhausfinanzierung super läuft. Herr Lauterbach kündigt ja nun schon seit wer weiß wie lange eine Strukturreform an. Es scheint für ihn eine symptomatische Argumentationshilfe zu sein, immer dann, wenn die Not am größten ist, ein Faktenblatt vom BMG herauszugeben

Ja, das stimmt!

oder ein Interview zu geben, in dem gesagt wird: Jetzt wird das Problem aber wirklich gelöst. Wir werden und müssen handeln. – Aber konkrete Entwürfe, die dazu führen, dass die Probleme gelöst werden, gibt es von seinem Hause nicht. Und das ist der Kern unserer Kritik, lieber Herr Kollege Lindemann.

Beifallbei der CDU/CSU

Was ist denn jetzt mit der Frage? Was ist denn mit den Investitionen Ihres Landes?

– Ja, ich weiß, die Wahrheit tut weh.

Wir debattieren ja heute über unseren Antrag, ein Vorschaltgesetz zu beschließen. Dieser Antrag wurde auch im Rahmen des gestrigen Krankenhausgipfels behandelt, für den – ich wiederhole es noch mal – über 300 Akteure nach Berlin gekommen sind. Es gab einen bundesweiten Protesttag. Der eine oder andere von Ihnen war vielleicht auch am Brandenburger Tor. Alle haben gesagt: Was wir im Rahmen dieser Reform brauchen, sind keine Reden. Wir dürfen nichts mehr auf die lange Bank schieben. Wir brauchen, bis die Reform in Kraft tritt – die Länder sind zum Glück mit involviert; das BMG macht das nicht allein –, eine Brückenfinanzierung. Genau das ist der Punkt. Wir brauchen ein Vorschaltgesetz und eine entsprechende Unterstützung der Häuser, damit es keine kalte Strukturbereinigung gibt, damit in der Fläche keine Häuser verloren gehen, die wir später brauchen. Genau das können Sie heute mit uns hier verabschieden, also stimmen Sie unserem Antrag zu.

Beifallbei der CDU/CSU
1 VermerkZwischenfrageca. 189 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Tino Sorge, vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage erlauben. – Ich möchte Ihnen nur einige Daten, die ich mir für einen anderen Redebeitrag rausgeschrieben habe, mal kurz vorlesen und die Frage stellen, ob Sie zugeben, dass die Mittel, um weitere Krankenhausschließungen künftig zu verhindern, da sind.

24 Milliarden Euro gibt die Bundesregierung für die Ukraine aus, 10 Milliarden Euro für den Klimaschutz in Indien, das bekanntlich nicht in Deutschland liegt, sondern ganz woanders,

Lachenbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

30 Milliarden Euro für Massenmigration, worüber die Kommunen schon die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, 43,8 Milliarden Euro für das Bürgergeld, das neu eingeführt wurde, 25 Milliarden Euro für die EU, wo wir Nettozahler sind. Ich werde diese Liste aus Zeitgründen nicht fortsetzen.

Hier ist allemal genug Geld vorhanden, um etwas für unsere kranken und armen Menschen zu tun. Stimmen Sie mit mir darüber überein, dass man hier mal rangehen müsste und was für die Krankenhäuser tun müsste und dass man Probleme wie Armut beseitigen könnte, wenn man endlich aufhören würde, Panzer und Munition zu liefern, und stattdessen was für die Bevölkerung im eigenen Land tun würde? – Vielen Dank.

Porträt von Tino Sorge
Foto: Tino Sorge/ Steven Vangermain
3 Vermerkeca. 337 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Kollege Farle, was soll ich sagen? Die Präsidentin hat ja schon darauf hingewiesen. Auch aufgrund meiner knappen Redezeit: Ich weiß nicht, ob es den Menschen vor Ort hilft, wenn wir jetzt hier Debatten führen, was man wie hätte besser machen können.

Uns als Unionsfraktion geht es darum, pragmatische, konstruktive Vorschläge zu machen, wie wir die Krankenhäuser, gerade in der Fläche, im ländlichen Raum, auch in Zukunft nachhaltig finanzieren können. Und dazu haben wir unseren Antrag auf Beschluss eines Vorschaltgesetzes hier ins Plenum eingebracht. Wir müssen für die Übergangsphase eine Brückenfinanzierung auf den Weg bringen. Wir brauchen insbesondere im Rahmen des Vorschaltgesetzes eine Prognose über den Finanzbedarf. Wir müssen Masseninsolvenzen verhindern. Und vor allen Dingen müssen wir auch die gestiegenen Kosten im Landesbasisfallwert abbilden.

Herr Farle, für Ihre Frage bin ich teilweise der falsche Adressat. Sie müssten die Kolleginnen und Kollegen der Ampel fragen, wie Mittel verteilt werden. Ich kann nur für meine Fraktion sagen, dass wir in vielen Bereichen im Rahmen der Haushaltsberatungen sehr konstruktive Vorschläge gemacht haben. Wir gehen davon aus, dass diese in den Beratungen entsprechend berücksichtigt werden. Ihre anderen Fragen müssten in den jeweiligen Fachdebatten erörtert werden.

In der Haushaltswoche!

Frau Präsidentin, ich habe ja noch etwas Redezeit. – Wir sind ein bisschen abgeschweift. Aber um wieder auf das Thema zu kommen: Es wäre ja im Grunde ganz einfach, unserem Vorschaltgesetz zuzustimmen. Wir werden jetzt genau schauen: Stimmen Sie diesem Vorschaltgesetz zu, oder geht es Ihnen ausschließlich um das vermeintliche Transparenzgesetz? Und wenn Sie sich dieses Transparenzgesetz – das ist ja semantisch sehr schön – mal genau anschauen, werden Sie feststellen, dass niemand sagt: Das ist super. – Das ist ein weiteres bürokratisches Monster, weitere Datenfriedhöfe werden geschaffen. Da Sie ja immer darauf verweisen, dass beispielsweise aus dem Krankenhausbereich keine Zahlen verfügbar seien, dass Krankenhäuser Zahlen zu Qualität und Quantität zurückhielten,

Wer sagt das denn?

und Sie, sehr geehrter Herr Minister, so tun, als gäbe es keine Transparenz: Das ist eine völlige Verdrehung der Tatsachen. Sie haben längst ein Qualitätsverzeichnis mit Zahlen der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Es wird sogar vom Bundesgesundheitsministerium auf der Homepage gehostet.

Porträt von Tino Sorge
Foto: Tino Sorge/ Steven Vangermain
ca. 45 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wer sich informieren will: gesund.bund.de. Dort kann man diese Zahlen abrufen.

Stimmen Sie dem von uns vorgeschlagenen Vorschaltgesetzes zu, um Krankenhäusern neue Luft zum Atmen zu geben. Die Krankenhausreform kann ein Erfolg werden, dazu müssen aber auch die Kliniken am Netz gehalten werden.

Porträt von Tino Sorge
Foto: Tino Sorge/ Steven Vangermain
2 VermerkeZwischenfrageca. 35 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Wir können das Problem lösen. Stimmen Sie unserem Antrag zu, und dann kann die Reform noch ein Erfolg werden.

Danke.

Beifallbei der CDU/CSU

Jetzt fahren wir aber fort. Dr. Janosch Dahmen spricht jetzt für Bündnis 90/Die Grünen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Janosch Dahmen
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen, Stefan Kaminski
5 VermerkeZwischenfrageca. 246 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Bevor ich zur Sache selbst komme, erlauben Sie mir bitte – ich glaube, das würde der Debatte guttun –,

Beifallder Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

dass ich zu den Ausführungen, die die Union durch ihren gesundheitspolitischen Sprecher hier gerade vorgetragen hat, kurz einige Worte sage.

Lieber Tino Sorge, ich glaube, du bist nicht nur in deiner Rede vom Wege abgekommen, sondern auch politisch scheint mir hier einiges aus dem Ruder geraten zu sein.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich will einmal den Ernst der Lage deutlich machen. Wir haben 16 Jahre lang einen absoluten Stillstand in der Reform der Krankenhauslandschaft gehabt. Durch diesen Reformstau sind die Kliniken in eine absolute Misere geraten. Und alles, was der Union nach dieser Zeit jetzt in der Opposition einfällt, ist, einen zweistündigen Krankenhausgipfel abzuhalten, bei dem es keinen einzigen Finanzierungs- und Reformvorschlag gab,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Abg. Tino Sorge [CDU/CSU] meldet sich zu einer Zwischenfrage

sondern ausschließlich gesagt wurde, was alles nicht sein soll: dass nämlich eine Krankenhausreform nicht kommen und Transparenz nicht hergestellt werden soll

Das stimmt doch gar nicht!

und warum es sachlogisch ist, dass die unionsgeführten Länder heute wie in der Vergangenheit ihren Investitionskostenverpflichtungen nicht nachkommen. Das ist Politik mit Realitätsverweigerung, die vom Wege abgekommen ist und sich der Verantwortung entzieht. Ich finde, es grenzt schon an Ironie und führt zur Verdummung der Menschen, dass hier so getan wird, als würde es den Kliniken schlecht gehen, nicht etwa weil ein Reformstau die Kliniken in eine schwierige Lage gebracht hat, sondern weil jetzt Reformen auf den Weg gebracht werden. Hier ist doch etwas aus dem Ruder geraten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Tino Sorge
Foto: Tino Sorge/ Steven Vangermain
7 Vermerkeca. 279 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Lieber Janosch Dahmen, weil ich direkt angesprochen worden bin, will ich mal grundsätzlich darauf antworten. Mich nervt zunehmend, dass Sie bei allen Debatten, die wir hier in diesem Hohen Hause führen, meinen, den Diskussionskorridor bestimmen zu dürfen und vorgeben zu können, worüber wir hier diskutieren. Wenn Sie sich gestern die Zeit genommen hätten – Sie sprechen lapidar von zwei Stunden Krankenhausgipfel; hätten Sie sich mal diese zwei Stunden Zeit genommen –, dann hätten Sie mitbekommen, dass das hier keine Panikmache von uns ist, sondern dass das die Realität vor Ort ist. Den Häusern steht das Wasser bis zum Hals,

Deshalb machen wir doch die Reform!

und Sie stehen hier und sagen allen Ernstes, man könne doch so nicht diskutieren.

Beifallbei der CDU/CSU

Zweiter Punkt. Sie tun immer so, als hätte die Union in den letzten 16 Jahren allein regiert. Ich darf Sie ganz dezent daran erinnern,

dass Herr Kollege Lauterbach und die SPD in den letzten acht Jahren mit uns zusammen regiert haben. Wir haben viele gute Dinge auf den Weg gebracht. Ich denke an die Verbesserungen im Bereich der Pflege.

Zurufdes Abg. Axel Müller [CDU/CSU]

Ich denke auch an die Energiepolitik und die Umweltpolitik, wo wir viele gute Dinge gemacht haben.

Wenn Sie sich jetzt hier hinstellen und sagen, diese Problematik sei aus den letzten 16 Jahren entstanden, dann darf ich dezent daran erinnern: Die Fallpauschalen, die DRGs, die zu der vorhandenen Schieflage geführt haben, hat Herr Kollege Lauterbach als damaliger Berater von Bundesministerin Ulla Schmidt 2002 mit auf den Weg gebracht. Sie sollten die entsprechenden Protokolle lesen. Wir als Union haben damals davor gewarnt, ausschließlich auf diese Fallpauschalen zu setzen.

Deswegen ändern wir es ja jetzt!

Es ist trotzdem gemacht worden.

Beifallbei der CDU/CSU

Sich jetzt hier hinzustellen und uns den schwarzen Peter zuzuschieben, das ist unredlich, und das ist eine Unverschämtheit.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Janosch Dahmen
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen, Stefan Kaminski
11 VermerkeZwischenfrageca. 287 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Lieber Tino Sorge, vielen Dank, dass Sie mir die Möglichkeit geben, noch mal gezielt darauf einzugehen. – Im Bund hat die Union in den letzten acht Jahren das Gesundheitsministerium verantwortet.

Wir haben doch nicht allein regiert!

In den Ländern trägt die Union mit ihren Ministerpräsidenten und Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsministern in wesentlichen Teilen Verantwortung für die Investitionskosten und kommt ihr nicht nach.

Das ist doch Blödsinn!

Sie haben die Kliniken ausbluten lassen. Sie haben sie in die Lage gebracht, dass sie jetzt „Alarmstufe Rot!“ schreien,

Das ist doch lächerlich! Wir haben die Energiepreissteigerungen! Das ist doch Blödsinn!

und zwar nicht, weil es jetzt eine Reform geben wird, sondern weil es bisher keine gab, für die Sie hätten Verantwortung tragen sollen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Sie haben nicht dafür gesorgt, dass die Kliniken gut aufgestellt sind. All das, was Sie hier vortragen, sind Nebelkerzen, ohne tatsächliche Lösungen mit einem Refinanzierungsmodell vorzulegen. Und das ändern wir jetzt.

Wir ändern es heute mit einer umfassenden Krankenhausreform,

Wann kommt die denn?

die Gegenstand dieser Debatte ist. Wir ändern es mit einem Transparenzgesetz,

Lachender Abg. Simone Borchardt [CDU/CSU]

mit dem wir für Transparenz in der Qualität sorgen, mit dem wir für Transparenz bei den Ressourcen sorgen, mit dem wir Transparenz bei der Aufgabenverteilung in der stationären Krankenversorgung herstellen.

Im Kern geht es darum: Es ist doch geradezu aberwitzig, dass wir selbst nach den Jahren der Pandemie nicht sagen können, wie viele Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus arbeiten. Das ändern wir mit diesem Gesetz.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wir sorgen jetzt dafür, dass die Anzahl der Pflegekräfte, die Anzahl der Ärzte, die Anzahl der Kliniken, die sich auf die Durchführung bestimmter Operationen spezialisiert haben,

Abg. Axel Müller [CDU/CSU] meldet sich zu einer Zwischenfrage

ausgewiesen werden, sodass die Patientinnen und Patienten, aber auch die politisch Verantwortlichen informiert sind

Das stimmt doch nicht!

und damit auf Fakten basierende politische Entscheidungen treffen können. Dann muss man nicht nach Bauchgefühl auf irgendeinem Krankenhausgipfel sagen:

Sie schaffen einen Datenfriedhof, ein Bürokratiemonster!

„Man müsste mal, man könnte mal“, ohne eine Finanzierung vorzulegen. Es ist allerhöchste Eisenbahn. Das hilft tatsächlich.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Axel Müller
Foto: Axel Müller/ Tobias Koch
1 VermerkZwischenfrageca. 186 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Kollege Dahmen, ich habe jetzt doch eine Zwischenfrage. Gestern im Gesundheitsausschuss hat uns Herr Staatssekretär Professor Dr. Franke gesagt, dass die Gesetzesgrundlage für die angepeilte Klinikreform frühestens Anfang 2024 kommen und die Umsetzung der Reform bis Ende 2025, eher bis ins Jahr 2026 hinein dauern wird.

Wir haben aktuell ein Liquiditätsproblem der Kliniken. Das ist nicht wegzudiskutieren. Reden wir nicht nur über Ursachen, sondern reden wir auch über Wirkungen! 50 Prozent der Kliniken sind in diesem Jahr im Defizit, im nächsten Jahr sind es nach der DKG voraussichtlich 70 Prozent. Den gesetzlichen Krankenkassen fehlen 14 Milliarden Euro. Dieses Defizit wird aus dem Etat des Gesundheitsministeriums ausgeglichen. Fakt ist aber, dass 10 Milliarden Euro für im Grunde genommen versicherungsfremde Leistungen von den Beitragszahlern getragen werden müssen, weil die Krankenkassen für die Gesundheitsleistungen der Bürgergeldempfänger aufkommen müssen.

Jetzt frage ich Sie: Warum schaffen Sie es nicht – das wäre doch mal ein konkreter Vorschlag, um im Etat Geld freizuschaufeln, das dann als Liquiditätshilfe gegeben werden könnte für die Zeit bis spätestens 2026 –, die Gesundheitsleistungen der Bürgergeldempfänger aus dem allgemeinen Staatshaushalt zu bezahlen?

Beifallbei der CDU/CSU

Steht sogar im Koalitionsvertrag der Ampel!

Porträt von Janosch Dahmen
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen, Stefan Kaminski
5 Vermerkeca. 585 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Herr Kollege. – Sie haben jetzt, wo es eigentlich um die Krankenhäuser geht, eine haushaltspolitische Debatte über die Folgewirkungen und die Ausfinanzierung der Sozialversicherungen aufgemacht. Ich bin mir sicher: Wir werden mit Blick auf den Haushalt für das Jahr 2024 ausreichend Zeit für Debatten haben, um uns das im Detail anzuschauen. Wir haben einen Koalitionsvertrag, in dem wir uns hinreichende Maßnahmen für die Ausfinanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung vorgenommen haben, und ich bin zuversichtlich, dass wir in dieser Legislatur die Maßnahmen aus dem Koalitionsvertrag nach und nach umsetzen werden.

Zur Sache selbst. Wir haben als Bund zusätzlich zu dem Etat für die Betriebskosten von 80 Milliarden Euro, der jährlich den Krankenhäusern zur Verfügung steht, allein in den letzten Jahren 21 Milliarden Euro an Coronahilfen und weitere 6 Milliarden Euro für Energie- und Inflationshilfen auf den Weg gebracht – zusätzliches Geld, das den Krankenhäusern zur Verfügung steht. Wir werden jetzt die schnellere Anpassung des Landesbasisfallwerts und die schnellere Auszahlung der Pflegebudgets auf den Weg bringen. Das hilft konkret. Das ist Cash in die Taschen der Krankenhäuser, um in der akuten Situation besser auszukommen. Aber man muss nicht Christian Lindner heißen, um zu sagen: Es geht nicht einfach so weiter mit der Gießkanne.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wir brauchen echte Reformen, die nachhaltig und wirkungsvoll eine funktionierende Krankenhauslandschaft in diesem Land auf den Weg bringen. Und das gehen wir an mit einem Transparenzgesetz, mit einer Krankenhausreform und weiteren Reformschritten, die notwendig sind und längst hätten passieren müssen, damit die Kliniken erst gar nicht in eine solche prekäre Lage geraten.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Ich fahre nun mit meiner Rede fort. Auf die Kritik, das sei alles nicht durchführbar, weil der bürokratische Aufwand zu groß sei, will ich noch einmal sagen: Es ist doch ein Irrsinn – und das betrifft nicht nur diese, sondern viele andere Debatten, die wir in Deutschland führen –, dass wir fragmentiert an vielen Orten Daten digitalisiert verfügbar haben, sie aber nicht zusammenführen und dadurch politisch vernünftige, datengeleitete Entscheidungen nicht treffen können. Das ändern wir jetzt, indem wir Daten zu Arztzahlen, Zertifizierungen, Anzahl an Komplikationen bei durchgeführten Eingriffen und Ausgestaltung der Versorgungslandschaft der Krankenhäuser erheben. Das ist doch nur sinnvoll für jeden, der Verantwortung trägt, um richtige Entscheidungen zu treffen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Damit ist kein zusätzlicher Aufwand verbunden, sondern es werden nur Daten, die sowieso da sind, zusammengeführt.

Auch der Kritikpunkt, man solle, statt für Transparenz zu sorgen, lieber mehr Geld geben – darauf habe ich gerade schon geantwortet –, ist wirklich hinfällig. Man kann nicht einfach nur irgendwo Geld hingeben, ohne sich zu fragen: Was ist denn versorgungsnotwendig? Welchen Standort brauchen wir besonders? Wer ist besonders bedürftig? Wo sollten wir effizient unser Geld reinstecken?

Zum Schluss. Der Minister hat es schon angesprochen: Jede und jeder von uns, die bzw. der in diesem Hohen Hause sitzt, ist wahrscheinlich unter dem Strich deutlich besser in der Lage, wenn er oder sie selbst oder Angehörige krank werden, auf Ressourcen zurückzugreifen und sich zu erkundigen: Wo werde ich gut behandelt und wo gehe ich hin? Dass wir uns herausnehmen, dass das nur für uns politische Verantwortliche so sein soll und dass wir den Menschen die entsprechenden Daten und Informationsquellen nicht zur Verfügung stellen, um selber für sich zu entscheiden, wo sie sich behandeln lassen, dass nicht längst alle Bürgerinnen und Bürger diese Entscheidung treffen können, egal ob arm oder reich, ist wirklich ein Hohn. Das ändern wir mit dem Transparenzgesetz – ein sehr wichtiges Gesetz –; das hätte längst passieren müssen.

Vielen Dank, meine Damen und Herren. Ich freue mich auf die Beratungen und darauf, dieses wichtige Gesetz schnell auf den Weg zu bringen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Beifallbei der AfD
4 VermerkeZwischenfrageca. 329 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Deutschland verfügt im internationalen Vergleich über eine hochwertige Krankenhausversorgung. Unsere Unikliniken – Maximalversorger – zum Beispiel erbringen Tag für Tag hochwertige Spitzenmedizin. Das muss nach diesen intensiven Debatten über die Qualität an dieser Stelle auch mal gesagt werden.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Dass es dennoch Handlungsbedarf gibt, steht für uns außer Frage. In Deutschland haben wir zwar die höchste Krankenhausdichte im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarländern, aber die hohe Anzahl an Krankenhäusern bedeutet eben nicht unbedingt eine hohe Versorgungsqualität. Derzeit sehen wir in einigen Bereichen der Versorgung Qualitätsmängel, die auf diverse Gründe zurückzuführen sind. Dazu gehören unter anderem die Fehlanreize durch die DRG-Vergütung, der Personalmangel und vor allem – man kann es gar nicht oft genug sagen – die jahrzehntelangen Investitionsdefizite der Länder, meine Damen und Herren. Da muss etwas getan werden.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir müssen die Fehlentwicklungen und Versäumnisse der letzten Jahre dringend korrigieren. Unser Ziel ist es, die Versorgungsqualität in den Mittelpunkt zu stellen und die Versorgung bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Mit dem Eckpunktepapier zur Krankenhausreform haben wir hier den ersten Grundstein gelegt.

Heute, meine Damen und Herren, geht es um die Erhöhung der Transparenz über die Leistungserbringung der Krankenhäuser: Das ist ein weiterer zentraler Baustein für unsere Reform. Wir bringen mit dem heutigen Gesetz ein Transparenzportal für die Bürgerinnen und Bürger, für die Versicherten, für die Patienten auf den Weg; denn in Deutschland können Patienten wählen, in welchem Krankenhaus sie sich behandeln lassen wollen. Wir glauben an den mündigen, informierten Patienten, und dieser hat nun mal ein Recht darauf, zu erfahren, welches Krankenhaus welche Leistungen mit welcher technischen und personellen Ausstattung und vor allen Dingen zu welcher Qualität erbringt. Das ist wichtig.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Patienten sehen dann, wie oft ein Krankenhaus bestimmte Eingriffe vornimmt und wie hoch die Komplikationsdichte ist. Ja, liebe Kolleginnen und Kollegen, manche Bundesländer behaupten, man werde den Bürger mit komplexen medizinischen Qualitätsinformationen überfordern. Das, finde ich, ist ein fragwürdiges Patientenbild; darüber können wir doch alle nur den Kopf schütteln, meine Damen und Herren.

Porträt von Nicole Gohlke
Foto: Nicole Gohlke/ Olaf Krostitz
2 VermerkeZwischenfrageca. 125 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank, Frau Präsidentin. Vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Die Nachrichten sind ja wirklich voll mit Meldungen über bankrotte Krankenhäuser. Das ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass die Häuser in einen ruinösen Wettbewerb untereinander gezwungen werden. Das hat diese Koalition zu verantworten, natürlich auch gemeinsam mit der Union.

Jetzt soll das eigentlich begrüßenswerte Transparenzgesetz aber den Wettbewerb zwischen den Häusern noch verschärfen. Wenn zum Beispiel jemand mit einem Herzinfarkt dringend in einer Klinik behandelt werden muss, dann muss er doch überall gut versorgt werden können.

Zurufdes Abg. Dr. Andrew Ullmann [FDP]

Denn er kann ja nicht noch 30 Kilometer weiterfahren, weil dort die Kennzahlen besser sind. Daher lautet meine Frage: Wie bringen Sie den Wettbewerbsgedanken im Transparenzgesetz mit dem Sicherstellungsgedanken und dem Anspruch einer flächendeckend guten Akutversorgung zusammen?

Beifallbei der LINKEN
14 Vermerkeca. 591 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Kollegin, vielen Dank für diese vorbereitete Frage, die Sie gerade abgelesen haben. – Ich glaube, Sie haben das Transparenzgesetz, das wir auf den Weg bringen, nicht verstanden.

Es ist einfach Fakt, dass bestimmte komplexe Behandlungen nur in dafür speziell ausgerichteten Kliniken erbracht werden sollen. Davon hängt das Leben der Menschen ab. Statistiken besagen, dass Sie, wenn Sie sich mit einer Krebserkrankung in einer dafür nicht vorgesehenen Klinik behandeln lassen, einem höheren Sterberisiko und einem höheren Risiko ausgesetzt sind, nach der Behandlung unter weiteren schwerwiegenden Erkrankungen zu leiden. Das kann doch nicht sein! Diese Transparenz müssen wir herstellen; das sind wir den Patientinnen und Patienten schuldig.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Ates Gürpinar [DIE LINKE]

Wir können doch nicht so tun, als ob jedes Krankenhaus jede Behandlung in gleicher Qualität erbringen kann. Darum geht es doch auch gar nicht. Wir wollen Transparenz darüber herstellen, wer was besonders gut kann.

Zurufdes Abg. Ates Gürpinar [DIE LINKE]

Natürlich können Krankenhäuser auch andere Behandlungen gut durchführen, aber bestimmte Erkrankungen können sie eben nicht gut behandeln. Dafür ist dieses Krankenhaustransparenzgesetz da, und ich verstehe nicht, wie man dagegen sein kann; das muss ich jetzt mal ganz deutlich sagen.

Wir bringen die Reformen auf den Weg, um diese Insolvenzen zu verhindern. Wir wissen doch ganz genau: Wenn wir nichts tun würden, dann würden 25 Prozent der Kliniken in die Insolvenz gehen. Deswegen bringen wir das Gesetz auf den Weg. Hören Sie endlich auf, hier irgendwelche Unwahrheiten zu verbreiten! Das ist doch unmöglich.

Zurufder Abg. Diana Stöcker [CDU/CSU]

Machen Sie doch mal mit, und ändern Sie etwas! Da können Sie etwas für die Bevölkerung und für die Kliniken tun. Aber sich einfach nur hinzustellen und zu sagen: „Jetzt werden da ohne Strukturveränderungen weitere Milliarden reingestopft“, ohne zu sagen, wo das Geld herkommt, das ist nicht unser Ansatz. Deswegen handeln wir hier anders, meine Damen und Herren.

Unser Anspruch ist es, jeden Patienten in diesem Lande in die Lage zu versetzen, informierte Entscheidungen über die eigene Gesundheitsversorgung treffen zu können. Dazu gehört eben auch, sich über die Art und Qualität der Leistungen der Krankenhausstandorte zu erkundigen. Deswegen werden wir die Veröffentlichung der entsprechenden Informationen, allgemein verständlich – das ist uns ganz wichtig –, interaktiv und übersichtlich aufgearbeitet, in diesem Portal auf den Weg bringen. Dabei geht es ausschließlich um Informationen zum Wohl der Patienten. Denn die bisherigen Qualitätsberichte waren weitgehend unbrauchbar; auch das muss man mal sagen.

Natürlich werden wir darauf achten, dass die Pflichten nicht mit zusätzlichem bürokratischen Aufwand verbunden sind; das wurde schon gesagt.

Das steht aber drin!

Ganz im Gegenteil: Bei der Erhöhung der Transparenz denken wir den Bürokratieabbau im Gesundheitswesen natürlich von Beginn an mit.

Lachender Abg. Simone Borchardt [CDU/CSU]

Für das Portal werden bereits vorhandene Routinedaten und die Ergebnisse der Qualitätssicherung genutzt. Da können Sie behaupten, was Sie wollen. Das ist Fakt, meine Damen und Herren.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Außerdem werden wir uns als FDP dafür einsetzen, dass mit der Einführung des Transparenzportals auch die Staatsferne und Unabhängigkeit der Selbstverwaltung gewahrt wird.

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Konkret heißt das: Das für die Qualitätsberichte zuständige Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen muss auch weiterhin völlig unabhängig agieren können. Das ist für uns ein wichtiger Punkt.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich kann nicht verstehen, was man gegen Transparenz einzuwenden hat.

Das gibt es schon!

Denn wir können unserer Bevölkerung doch nicht die Informationen vorenthalten, wo sie am besten ihre Krebserkrankung – ich habe es gerade gesagt – oder ihren Herzinfarkt behandeln oder wo sie sich am besten ihre neue Hüfte einsetzen lassen können. Und die Bevölkerung, meine Damen und Herren auf der Besuchertribüne, kann sich darauf verlassen, dass die Informationen durch ein unabhängiges Institut aufgearbeitet und veröffentlicht werden – einfach handhabbar und verständlich. Das kommt Ihnen allen zugute.

Ich freue mich auf die weiteren Beratungen und die Anhörung.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der LINKEN
Porträt von Armin Grau
Foto: BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN RLP/ Alexander Sell
5 VermerkeZwischenfrageca. 349 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Parteien! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Nach dieser Mischung aus Angstmacherei und Märchenstunde gerade möchte ich jetzt gerne wieder sachlich auf den vorliegenden Gesetzentwurf zurückkommen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das ist doch sonst immer euer Metier! Das ist doch genau eure Strategie sonst: Angst machen!

Für Patientinnen und Patienten ist es oft sehr belastend, wenn eine Krankheit sie zwingt, ins Krankenhaus zu gehen; das habe ich als Arzt im Krankenhaus jahrelang selber erfahren. Da wirken gute und verständliche Informationen und ein vertrauensvolles ärztliches Gespräch sehr beruhigend.

Genau für diese Informationen sorgen wir jetzt mit diesem wirklich guten Transparenzgesetz.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Mit Informationen über Leistungen, Ausstattung, Personalbesetzung und Qualitätsergebnisse schafft dieses Gesetz, wie sein Name sagt, mehr Transparenz für die Menschen in unserem Land. Transparenz bedeutet Durchschaubarkeit. Das Dickicht „Krankenhaus“ wird für viele Menschen durchsichtiger, gläsern. Das mindert Angst, das mindert Sorgen, die oft bestehen, wenn man krank ist und Hilfe braucht.

Das Transparenzverzeichnis wird gut zugänglich, verständlich und interaktiv sein. Es wird auch frei sein von interessengeleiteten und einseitigen Mitteilungen. Damit wird es den Menschen in unserem Land helfen, selbstbestimmte Auswahlentscheidungen zu fällen, um eine qualitativ hochwertige Behandlung zu bekommen. Was daran peinlich ist, kann uns vielleicht Die Linke mal erklären; ich habe das nicht verstanden.

Es gibt auch heute schon Krankenhausportale. Allerdings entspricht keines davon den genannten Anforderungen. Wir Grüne stehen seit jeher für eine Stärkung der Patientinnen- und Patientenrechte,

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

für gute Aufklärung, für Informationen, und genau dieses Gesetz geht jetzt in die richtige Richtung für die mündigen Bürgerinnen und Bürger.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Immer wieder hat man in den letzten Wochen, insbesondere aus dem Süden der Republik, gehört, dass der Bund mit diesem Gesetz Krankenhausplanung durch die Hintertür betreiben wolle. Das ist mitnichten der Fall. Wir setzen hier eins zu eins um, worauf sich Bund und Länder in den Eckpunkten zur Reform geeinigt haben. Da können die Länder jetzt nicht wirklich überrascht sein und Ablehnung signalisieren. Minister Laumann, bekanntlich nicht meine politische Farbe, hat das sehr gut auf den Punkt gebracht: Der Bund greift keineswegs in die Planungskompetenz der Länder ein. – Bei uns in der Ampel zählen die Interessen der Patientinnen und Patienten und nicht verzweifelte Versuche der Selbstdarstellung in Anbetracht anstehender Landtagswahlen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD
Porträt von Ates Gürpinar
Foto: Ates Gürpinar/ Olaf Krostitz
1 Vermerkca. 294 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ich bedanke mich, dass Sie die Frage zulassen. – Herr Grau, ich wollte es Ihnen nur noch mal kurz erklären und die Frage stellen, warum Sie ausgerechnet dieses Gesetz jetzt vorziehen, wo doch andere Probleme im Krankenhausbereich vorrangig sind. Und ich wollte Ihnen noch mal erklären, warum ich das peinlich finde, was hier gerade passiert, weil viel dazu behauptet wurde, was an Transparenz bereits geschieht. Ich sage: Es gibt Notwendigkeiten und Möglichkeiten, die Daten, die existieren, zu vereinheitlichen und auch transparent zur Verfügung zu stellen.

Was aber mit dem Gesetz vor allem passiert, ist, die Level-Einteilung, die Herr Lauterbach in der Bund-Länder-Runde nicht hat durchsetzen können, in diesem Gesetz zu installieren, während wir gerade vor einem Krankenhaussterben stehen, wie es die Gesellschaft noch nicht gesehen hat, und es wird von der Linken bis zur Union, von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, Deutscher Krankenhausgesellschaft bis zu Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie den Gewerkschaften gemeinsam festgestellt, dass das passiert. Und das Einzige, was Sie tun, ist, alternativ ein Gesetz auf den Weg zu bringen, das notwendig ist, das aber eine Entbürokratisierung bedingen würde, um es auch transparent gestalten zu können, was aber, wie zu Recht kritisiert wird, nicht passiert.

Das ist also notwendig. Nicht notwendig ist aber, dieses Gesetz zuerst innerhalb einer Woche durch den Bundestag zu peitschen, dann innerhalb von drei Tagen eine Anhörung zu machen, um es dann möglichst schnell in die Gesetzgebung einzubringen. Stattdessen sollten Sie ein wirklich notwendiges Gesetz schaffen, das die Krankenhäuser erhält, die Sie mit Leveln labeln wollen. Ich würde vorschlagen: Drehen Sie es um! Schaffen Sie erst die Sicherheit, dass die Krankenhäuser erhalten bleiben, und dann labeln Sie sie!

Das war meine Erklärung, warum ich glaube, dass das Gesetz in der jetzigen Geschwindigkeit einfach nur peinlich ist.

Vielen, vielen Dank.

Porträt von Armin Grau
Foto: BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN RLP/ Alexander Sell
4 VermerkeZwischenfrageca. 152 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Gürpinar, durch die Wiederholung werden Ihre Vorwürfe und Unterstellungen nun wirklich nicht besser.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Dieses Gesetz erfüllt wichtige Aufgaben. Darauf wäre ich in meiner Rede auch noch eingegangen; dann bringe ich es an dieser Stelle. Es wurde schon von Vorrednern gesagt: Zur Vorbereitung des Krankenhausgesetzes haben wir heute essenzielle Daten nicht vorliegen,

Zurufvon der LINKEN: Die liegen doch vor!

zum Beispiel zur Zahl der mit Fachärzten und anderen Ärzten besetzten Stellen in den Kliniken. Diese Informationen haben wir nicht, und dafür nutzen wir jetzt auch dieses Transparenzgesetz.

Ihre grobe Missachtung der Patientenrechte, die Sie hier dauernd zum Ausdruck bringen, dass Sie es nicht für wichtig halten, dass die Menschen leichten Zugang zu qualitativ wirklich hochwertigen Informationen haben, die sie im Krankheitsfall und bei einer Einweisung ins Krankenhaus nutzbringend für sich selber und ihre Familie anwenden können, verstehe ich nicht.

Ich auch nicht! Erstaunlich, dass Die Linke so was mitträgt!

Warum Sie das so mit Füßen treten und missachten, wird mir absolut nicht klar; das muss ich ganz ehrlich sagen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Armin Grau
Foto: BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN RLP/ Alexander Sell
1 VermerkZwischenfrageca. 81 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Nein, vielen Dank. – Jetzt aber auch noch einen Satz zu dem Antrag der Union. Das Beste daran ist, dass Sie die mittelfristige Wirksamkeit der Krankenhausreform implizit ja anerkennen. Zur kurzfristigen Abhilfe bleiben Sie aber alle Antworten, vor allem die der Finanzierung, komplett schuldig. Die schlechte Lage der deutschen Krankenhäuser ist das Ergebnis Ihres Festhaltens an den DRGs, den Fallpauschalen, in den letzten acht Jahren. Sie können doch nicht ernsthaft glauben, dass wir der bloßen heißen Luft in Ihrem Antrag zustimmen können.

Zurufvon der FDP: Schon wieder?
Porträt von Axel Müller
Foto: Axel Müller/ Tobias Koch
ca. 81 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Kollege Grau, ich würde jetzt schon gerne wissen, wie Sie zu folgender Aussage des grünen Gesundheitsministers Manfred Lucha aus Baden-Württemberg stehen. Er sagt nämlich Folgendes:

„Der Entwurf zum Transparenzgesetz in der Form, wie er uns aktuell aus dem Bundesgesundheitsministerium vorliegt, würde eine Vorwegnahme der Krankenhausreform darstellen. Das kann jedoch nicht beabsichtigt sein, da man sich einig ist, dass auch das Transparenzgesetz die Planungshoheit der Länder wahren muss.“

Was sagen Sie zu dieser Aussage Ihres Parteifreundes?

Porträt von Armin Grau
Foto: BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN RLP/ Alexander Sell
4 Vermerkeca. 289 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Ich kann da nur noch mal in aller Klarheit wiederholen – ich habe das gerade ja auch schon ausgeführt –,

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD

dass wir in keiner Weise hier in die Planungshoheit der Länder eingreifen.

Die Level, die wir verwenden, haben informativen Charakter. Die Leistungsbereiche werden später von den Ländern zugewiesen, und sie werden dann in dem Transparenzregister auch so verwendet werden, wie es die Länder zuweisen. Da gibt es keine Konkurrenz. Da passt kein Blatt zwischen Bund und Länder,

Lachendes Abg. Tino Sorge [CDU/CSU

und das ist keinerlei Eingriff in die Landeshoheit bei der Krankenhausplanung. Das wäre ein großes Missverständnis.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Ich komme zurück zu meiner Rede und sage: Mit der Einführung der Fallpauschalen sollte einst die Qualitätssicherung ausgebaut werden, um Fehlanreizen zur möglichst kostenarmen Leistungserbringung entgegenzuwirken. Leider ist das nur völlig unzureichend erfolgt. Beim Schlaganfall zum Beispiel haben die Ärztinnen und Ärzte in Eigenregie ein Verfahren aufgebaut. An dem Beispiel kann man an den 25 Jahren der Qualitätssicherung beim Schlaganfall gut sehen, wie Qualitätssicherung tatsächlich zur Verbesserung von Versorgung beiträgt. Durch bessere Qualität – und wir haben heute schon gute Qualität in unseren Krankenhäusern; Vorredner sagten es bereits – kann ein selbstständiges Leben, etwa nach einem Schlaganfall, ermöglicht werden.

Neu und sehr wichtig sind auch die Daten zur ärztlichen Besetzung. Hier wird jetzt, wie bei den Pflegekräften, endlich Transparenz geschaffen. Ich plädiere dafür, zukünftig Standards auch in der ärztlichen Besetzung einzuführen; denn gute Versorgung kann auf Dauer nie in unterbesetzten Abteilungen gelingen. Für die anstehende Krankenhausreform ist die Erhebung der Daten zur ärztlichen Besetzung enorm wichtig. Sie ist geradezu essenziell und einer der wesentlichen Gründe – um es hier noch mal zu sagen –, warum wir dieses Transparenzgesetz jetzt der Krankenhausreform vorschalten. Jetzt zunächst Transparenz zu schaffen, ist ein ganz wichtiger Schritt in diese Richtung, und er hilft den Bürgerinnen und Bürgern.

Porträt von Armin Grau
Foto: BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN RLP/ Alexander Sell
1 Vermerkca. 36 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Fazit: Das Transparenzgesetz stellt einen wirklich wichtigen Aufschlag dar. Es trägt bei zu mehr Verlässlichkeit, Durchsichtigkeit, Qualität und damit zu mehr Vertrauen. Ich freue mich jetzt auf den Fortgang der Beratung dieses wichtigen Gesetzes.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Johannes Wagner
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen/ Stephan Kaminski
2 VermerkeZwischenfrageca. 95 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Man muss sich die aktuelle Situation und den Kontext dieser Debatte mal auf der Zunge zergehen lassen: In Bayern schreiben gerade neun von zehn Krankenhäusern rote Zahlen, und der bayerische Gesundheitsminister hat nichts Besseres zu tun, als eine Krankenhausreform zu blockieren, die zukünftig genau das verhindern soll.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Derweil veranstaltet die Unionsbundestagsfraktion einen Krankenhausgipfel – öffentlichkeitswirksam, aber ohne durchfinanzierte Konzepte.

Meine Damen und Herren, ja, die Lage ist angespannt, und wir wissen alle, warum: Die Pandemie führte zu geringeren Fallzahlen und Mehrkosten, Putins Krieg zu höheren Energiekosten und Inflation.

Porträt von Johannes Wagner
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen/ Stephan Kaminski
10 Vermerkeca. 320 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Die CSU hat schon genug Redezeit. Jetzt führe ich erst mal meine Rede zu Ende.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir müssen uns aber schon ehrlich machen: Vielen Kliniken und deren Mitarbeitenden ging es schon vor der Pandemie schlecht, und zwar, weil das aktuelle Fallpauschalensystem massive Fehlanreize generiert,

Beifallder Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

und genau die wollen wir mit der Krankenhausreform, die Bayern blockiert, eigentlich ändern.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Anstatt jetzt daran mitzuarbeiten, begreifen Sie von der Union und speziell Sie von der CSU Ihre Oppositionsrolle nur mit: blockieren, blockieren, blockieren. Für ein billiges Berlin-Bashing blockieren Sie diesen wichtigen Systemwechsel.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Das ist gefährliche Wahlkampftaktik und geschieht auf dem Rücken der Patientinnen und Patienten, meine Damen und Herren.

Schon mal was von der „bayerischen Krankenhaus-Milliarde“ gehört? Wahrscheinlich nicht!

Natürlich ist klar, dass eine große Krankenhausreform nicht von heute auf morgen wirkt. Deswegen unterstützten wir vom Bund unsere Kliniken in Deutschland auch in den letzten Jahren durch alle Krisen hindurch – das wurde vorhin schon angesprochen –: 21 Milliarden Euro während der Pandemie, jetzt noch einmal 6 Milliarden Euro zum Energie- und Inflationsausgleich,

Warum erst in der letzten Legislaturperiode?

und da sind Gaspreisbremse, Strompreisbremse, Krankenhauszukunftsfonds noch gar nicht mitgerechnet – alles aus Bundesmitteln.

Und was machen Sie in Bayern, Sie, die eigentlich für Investitionen zuständig sind, Sie, die lange nach Souveränität schreien und wenn es ums Handeln und Bezahlen geht, lieber blockieren, abwinken und nach Berlin zeigen? Ihre Haltung ist doch: Wir lassen die Lage in Bayern eskalieren, und dann boxt uns der Bund doch wieder raus. – Das ist inakzeptabel. Das sage ich gerade in Ihre Richtung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Weil Bayern ja so ein strukturschwaches Land ist!

– Herr Sorge, ich komme gerne mit Zahlen der DKG zu Bayern; denn gerade in Bayern sind die Fakten wirklich erschütternd, gerade wenn Sie sagen, es wäre so strukturstark.

Die Investitionsquote in Bayern ist in den letzten 30 Jahren real um über 40 Prozent gesunken. Das heißt, Bayern investiert zu wenig in seine eigenen Krankenhäuser,

Hört! Hört!

obwohl es seine rechtliche Aufgabe und seine rechtliche Pflicht wäre.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Was ist denn da los?

Deswegen lassen Sie mich sagen: Machen Sie endlich Ihre Hausaufgaben, und stören Sie uns nicht dabei, unsere zu erledigen!

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Christian Görke
Foto: DiG/ Thomas Kläber
16 Vermerkeca. 591 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wo leben Sie eigentlich, meine Damen und Herren von der Ampel?

Zurufvon der FDP: Hier!

Seit Monaten steigen die Preise für Lebensmittel, alles wird teurer, und viele Normalverdienerinnen und Normalverdiener und Rentnerinnen und Rentner fragen sich jetzt schon, wie sie über den Winter kommen. Und gleichzeitig planen Sie milliardenschwere Steuererhöhungen bei Gas und Fernwärme; 27 Millionen Haushalte werden davon betroffen sein. Ich frage Sie: Wie irre ist das denn, meine Damen und Herren?

Beifallbei der LINKEN

Herr Herbrand, wie war das denn eigentlich in Ihrem Koalitionsvertrag? Hatten Sie nicht Steuererhöhungen ausgeschlossen? Noch vor zwei Wochen hat Ihr Fraktionsvorsitzender hier in der Haushaltsberatung gesagt: „Wir ... verzichten auf Steuererhöhungen.“ Von wegen! Sie planen mit dem Entwurf des Bundeshaushalts ab 1. Januar 2024 eine massive Steuererhöhung, indem Sie den kleinen und mittleren Einkommen über eine Umsatzsteuererhöhung ungeniert in den Geldbeutel greifen,

Hat das der Höfgen aufgeschrieben?

und gleichzeitig spendieren Sie den Unternehmen über das Wachstumschancengesetz über 7 Milliarden Euro Steuersenkungen.

Meine Damen und Herren, das lassen wir Ihnen hier nicht durchgehen, und deshalb heute unser Antrag.

Beifallbei der LINKEN

Ja, meine Damen und Herren, Gas ist zwar an der Börse wieder günstiger als 2021; aber Verbraucher zahlen nach wie vor doppelt so viel wie vor der Krise, weil sie natürlich auch in 2022 teilweise Verträge zu hohen Preisen abschließen mussten. Ursprünglich sollte ja die Steuer auf Gas und Fernwärme wenigstens bis April 2024 gesenkt bleiben. Das war eine richtige Idee, und die haben wir auch unterstützt. Nun kommt der Bundesfinanzminister mit der heiligen Kuh der Schuldenbremse um die Ecke, und Ihnen fällt nichts Besseres ein, als die Löcher durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Gas und Fernwärme von 7 auf 19 Prozent, also plus 12 Prozent, zu stopfen.

Dass ihr nicht mit Geld umgehen könnt, ist klar!

Meine Damen und Herren, für eine vierköpfige Familie bei mir in der Lausitz, in Cottbus, bedeutet das eine Mehrbelastung von rund 290 Euro im Jahr.

Apropos Inflationstreiber: In der Gastro langen Sie genauso zu, obwohl die Branche seit drei Jahren in der Dauerkrise ist: erst Pandemie, dann die Energiepreiskrise. Deshalb wurde 2020 – das haben wir auch unterstützt – die Mehrwertsteuer auf Speisen von 19 auf 7 Prozent gesenkt, und das wurde auch immer wieder verlängert. „Das schaffen wir nie wieder ab“, war das Zitat des jetzigen Bundeskanzlers 2021 in der „Wahlkampfarena“ der ARD.

Kann sich nicht mehr erinnern!

Können Sie sich noch erinnern, meine Damen und Herren, oder schlägt jetzt bei den Sozialdemokraten auch in der gesamten Fraktion die Gedächtnislücke zu?

Beifallbei der LINKEN

Ist das ansteckend?

Meine Damen und Herren, wenn dieser Preisschock kommt, wird nicht nur die Schulspeisung teurer, sondern die Gastronomie wird auch wieder Kunden verlieren, zumal im ersten Halbjahr 2023 der Umsatz inflationsbereinigt immer noch 10 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2019 lag.

Als Serviceopposition sagen wir natürlich auch, wie wir das gegenfinanzieren wollen.

Aber nicht im Antrag!

Insofern: Wie wäre es denn endlich mal mit einer Umsatzsteuer auf Börsenprodukte?

Beifallbei der LINKEN

Wie wäre es denn mal mit einer richtigen Übergewinnsteuer und nicht so einem halbgaren Ding wie dem, das jetzt ausgelaufen ist, meine Damen und Herren von den Grünen? Oder der Erhöhung der Reichensteuer für Einkommensmillionäre, die mittlerweile ja selbst die CDU fordert?

Damit sind Sie als FDP und Ihr Finanzminister ja jetzt allein im Haus.

Fragen Sie mal Frau Wagenknecht!

– Herr Mordhorst, ich verstehe ja Ihre Unruhe.

Zum Schluss noch ein Fall von Gedächtnislücke; dies ist jetzt wahrscheinlich auch im Bundeskabinett ansteckend. Ich erinnere noch an das Lindner’sche Plakat, Herr Mordhorst: „Steuererhöhungen sind Sabotage am Aufschwung.“

Sie selbst machen jetzt Steuererhöhungen, und das sogar mitten im Abschwung. Meine Damen und Herren, das geht doch überhaupt nicht zusammen!

Deshalb: Stoppen Sie Ihre Pläne! Es kommt soziale Kälte, wenn sich das durchsetzt. Und beenden Sie endlich diesen volkswirtschaftlichen Unfug!

Vielen Dank.

Beifallbei der LINKEN

Kein Wort zu Putin!

Porträt von Olav Gutting
Foto: Matthias Busse
9 Vermerkeca. 638 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Besucher auf den Tribünen! Ein Antrag der Linken, der fordert, Steuererhöhungen zu stoppen. Da wird sich mancher wundern. Aber am Ende ist klar: In diesem Haus haben inzwischen alle verstanden – alle mit Ausnahme der Ampel –, dass wir uns mitten in einer Rezession befinden. Deutschland stürzt beim Wachstum an das Ende aller Industrieländer. Das ist kein Schlechtreden, sondern das sind leider die Fakten.

Inflation und hohe Energiepreise drücken uns in Deutschland unter Wasser. Und was tut die Bundesregierung? Sie will die Belastungen noch erhöhen. Seit über einem Jahr fordern wir von der Union, dass die Menschen in unserem Land, der Mittelstand und die Industrie dringend Entlastungen brauchen.

Zurufdes Abg. Maximilian Mordhorst [FDP]

Wie Energiepreise schnell, unionskonform und für einen angemessenen Zeitraum gesenkt werden können, haben wir von der Union jetzt schon mehrfach aufgezeigt. Aber die Regierung weiß natürlich alles besser. Wenn man sich die Gesetzgebungsvorhaben der letzten Monate, der letzten anderthalb Jahre anschaut, dann kann man sagen: Das hat vor allem zu Verunsicherungen geführt. Planungssicherheit bei Endverbrauchern, bei der Wirtschaft? Bei der Ampel Fehlanzeige!

Zu der von der Regierung zum Jahreswechsel geplanten Umsatzsteuererhöhung in Höhe von circa 3 Milliarden Euro für die Gastronomie will ich eigentlich gar nichts groß sagen. Kanzler Scholz – das wurde vorhin schon gesagt – hatte ja die Fortführung versprochen. Wir werden nachher dazu unseren Gesetzentwurf zur Entfristung der Umsatzsteuersenkung für die Gastronomie namentlich abstimmen lassen. Damit wird auch dieser Wortbruch dokumentiert werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Zumindest der Teil der Forderungen der Linken, der da heißt, Verbraucherinnen und Verbraucher bei Gas-, Strom- und Fernwärmepreisen weiter zu entlasten, ist in der schwierigen Lage, in der dieses Land ist, völlig richtig.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der LINKEN

Wir wollen das auch, und wir werden konkret beantragen, die Stromsteuer auf das europäisch zulässige Minimum zu senken.

Die Ampelpläne – vorhin wurde das schon angesprochen –, die Umsatzsteuerreduzierung bei Gas und Fernwärme vorzeitig rückgängig zu machen, müssen ans Licht gebracht werden. Auch wir haben davon aus den Medien erfahren. Aber es kann doch wirklich nicht sein, dass wir mitten in der Heizperiode, in der die Leute eh schon Schwierigkeiten haben, alles zu bezahlen, noch die Steuer auf Heizenergie massiv erhöhen. Das ist so verrückt, man kann sich tatsächlich gar nicht vorstellen, wie man auf so eine Idee kommen kann.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der LINKEN

Unglaublich, dass die SPD das mitmacht!

Dann kommt noch dazu, dass die Ampel in der Schläfrigkeit der Sommerpause mal schnell beschlossen hat, die CO2-Bepreisung zum Jahreswechsel von 30 auf 40 Euro pro Tonne zu erhöhen. Meine Damen und Herren, das ist eine Erhöhung von über 30 Prozent und macht die Energie noch mal teurer. Und dann wundern Sie sich, wenn in Deutschland mit diesen selbstgemachten höchsten Energiepreisen bei der Wirtschaft Stück für Stück die Lichter ausgehen. Steuererhöhungen sind Gift in der jetzigen Situation!

Liebe Mitglieder der Ampelfraktion, die Menschen in unserem Land machen sich Sorgen. Ihre Antwort darauf ist eine weitere Erhöhung der Preise, etwa auch durch die Anhebung der Lkw-Maut.

Als Mitglied der Union ist man beim Thema Maut besser ruhig!

An allen Schrauben, an denen Sie drehen können, drehen Sie zurzeit, um die Belastungen für die Menschen noch weiter nach oben zu schrauben. Hören Sie deshalb auf, die galoppierenden Preise ständig mit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine zu erklären! Meine Damen und Herren, das ist hausgemacht. Die Steuern und Abgaben durch diese Regierung, durch diese Ampelkoalition, sind ein wesentlicher Teil der Inflation. Sie haben massiv dazu beigetragen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der LINKEN

Auf die Idee muss man erst mal kommen!

Lassen Sie mich abschließend festhalten: Wir haben ja eine sehr interessante Ausführung vom Bundesrechnungshof, der in seiner Analyse völlig recht hat, dass wir nämlich das gesamte Umsatzsteuersystem noch mal neu denken sollen, dass wir es vom Kopf auf die Füße stellen müssen. Das ist definitiv notwendig. Aber der ermäßigte Umsatzsteuersatz für die Gastronomie und die Beibehaltung des temporär abgesenkten Steuersatzes für Gas und Fernwärme muss doch jetzt mitten in der Krise Bestand haben. Das können Sie doch nicht ernsthaft jetzt abschaffen wollen.

Beifallbei der CDU/CSU

Es ist jetzt nicht die Zeit für Steuererhöhungen. Lassen Sie das sein!

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Kay Gottschalk
Foto: Kay Gottschalk/ AfD
13 Vermerkeca. 718 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Und vor allen Dingen: Liebe Gäste auf der Bühne! Ich hoffe, Sie haben das Schauspiel der Altparteien hier gut beobachtet.

Jetzt kommt Ihr Schauspiel!

Da beklagt also Herr Gutting tatsächlich, dass die Preise hier entsprechend gestiegen sind. Sie haben doch die CO2-Bepreisung mitgetragen. Sie haben doch den überhasteten Ausstieg aus der Kernenergie mitgetragen. Das sind doch alles die Ursachen

Beifallbei der AfD

für die Energiepreisexplosion, die wir haben.

Meine Damen und Herren von der Linken, Sie dokumentieren mit diesem Antrag wirklich nicht nur den prozentualen Niedergang bei Ihren Umfragen im Moment, sondern auch den intellektuellen und fachlichen. Was meinen Sie denn nun genau in Ihrem Antrag mit „Speisen“? Haben Sie die Getränke vergessen? Darauf gehe ich gleich noch ein.

Die Getränke sind doch gar nicht mehrwertsteuerermäßigt!

Getränke sind nicht umsatzsteuerentlastet!

Was meinen Sie mit der CO2-Bepreisung für Gas? Der Kollege Gutting hat sie immerhin angesprochen: Auf eine Erhöhung auf 40 Euro von jetzt 30 Euro sind Sie eingegangen.

Ich frage mich auch, wie weit, Herr Kollege, Sie rechnen können. Wenn ein Steuersatz von 7 auf 19 Prozent steigt, dann sind das keine 12 Prozent, sondern mehr als 150 Prozent Erhöhung oder 12 Prozentpunkte mehr. Das ist also Ihr fachlicher Sachverstand an dieser Stelle.

Beifallbei der AfD

Zu Ihrem früheren Verhalten hat Herr Klüssendorf Restliches gesagt. Das schreibe ich Ihnen aber auch noch mal ins Stammbuch – ich habe dazu etwas mitgebracht, was sich die Zuschauer auch mal anschauen können –:

Zurufvon der SPD: Da kann ich gerne drauf verzichten!

Die AfD, meine Fraktion, hat schon sehr früh, nämlich schon zu Coronazeiten, und zwar am 12. Mai 2020, den Antrag hier gestellt, den Steuersatz einheitlich auf 7 Prozent für die gastronomischen Betriebe zu ermäßigen, und zwar dauerhaft, meine Damen und Herren! Also genau dies zu tun, bevor Sie überhaupt auf die Idee gekommen sind.

Beifallbei der AfD

Das ist letztlich das Gleiche, was Herr Söder wohl in seiner Verzweiflung in Bayern gerade macht: nichts anderes als Copy-and-paste, genau wie bei Ihnen. Vielleicht ist das ja auch ein Koalitionsangebot für Thüringen. – Spaß beiseite an dieser Stelle.

Aber meine Fraktion wird auch heute einen viel weitsichtigeren und weitgehenderen Antrag, was die Gastronomiepreise angeht, einreichen. Der Kollege Münzenmaier und ich haben hierzu einen achtseitigen Antrag eingebracht, der auch ein bisschen weitergehend ist, der auch den Tourismus, die Hotellerie miteinbezieht. Da können Sie sich von der Union dann ehrlich machen, ob Sie es wirklich so meinen, und diesem Antrag vielleicht mal zustimmen.

Zurufevon der CDU/CSU

Das wäre doch mal ein Anfang, dass Sie mit den Bürgerinnen und Bürgern, den Wählern und der Demokratie hier in diesem Hause ehrlich umgehen.

Beifallbei der AfD

Und wenn Sie davon sprechen, meine Damen und Herren von der Schuldenkoalition, dann machen Sie sich doch da auch ehrlich: Frau Beck, das beste Rezept gegen explodierende Preise ist vielleicht, Nord Stream 1 und 2 zu reparieren, wieder in Betrieb zu nehmen und dann Gas nicht nur aus Katar zu importieren – das ist sozusagen Ihre wertebasierte Politik –, sondern auch wieder an Russland zu denken und das Fenster zu einem der großen Nachbarn hier in Europa aufzustoßen, meine Damen und Herren.

Kommen wir aber mal zu dem Irrsinn, den tatsächlich anscheinend alle im Hause weitertreiben wollen. Es geht um die kleine Kneipe, das Lokal um die Ecke. Ich habe es schon einmal gesagt: Unser Steuergesetz – diese Schuldenkoalition spricht von Entbürokratisierung – ist so abstrus, dass ich Ihnen das Offshoreschnitzel an dieser Stelle beschreiben möchte. Wenn nämlich zum 1. Januar 2024 nichts passiert, heißt es: Wenn Sie ein Schnitzel im Restaurant verzehren, wird dieses mit 19 Prozent versteuert. Wird dieses Schnitzel nun zum Mitnehmen bestellt und außerhalb des Restaurants gegessen, dann wird es mit dem ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent besteuert.

Stimmt aktuell nicht!

Anders verhält es sich wiederum, wenn Sie dieses Schnitzel oder vielleicht eine Wurst für Ihren Hund bestellen und das von ihm im Außenbereich verzehren lassen wollen: Dann wären es eigentlich 7 Prozent. Kommen Sie aber auf die Idee und wollen die Wurst selbst verzehren, weil sie so lecker aussieht, dann sind Sie wahrscheinlich der Steuerhinterzieher und -verkürzer, und Ihr Hund macht sich der Beihilfe schuldig, meine Damen und Herren.

Zurufevon der SPD und der FDP

Das ist der Irrsinn Ihrer Steuerpolitik, die Sie ausgegoren haben.

Sie sind auf den Hund gekommen!

Ich möchte gar nicht auf die Kaffeeprodukte zu sprechen kommen.

Meine Damen und Herren, folgen Sie heute Nachmittag dem Antrag der AfD! Entrümpeln Sie die Steuergesetze! Beleben Sie die Wirtschaft wieder! Und schaffen Sie endlich Freiraum für mittelständische Unternehmen zum Durchatmen! Aber das, was hier von der Linken gefordert wird, ist kompletter Irrsinn.

Beifallbei der AfD

Fehlt nur noch die Dackelkrawatte!

10 Vermerkeca. 704 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! 2 Millionen Menschen arbeiten in der Gastronomie, 1 Million davon ist sozialversicherungspflichtig beschäftigt, eine weitere Million in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen. Ich habe das als Student selbst gemacht, meine Tochter macht das heute in Heidelberg. Es spielt im Leben vieler Menschen eine wichtige Rolle, auch auf Seite der Kunden. Wir wissen, wie wichtig das für das Sozialleben der Menschen ist, für die Freizeitgestaltung, auch für die Entlastung im Berufsleben anderer. So ist der Mittagstisch, den viele Unternehmen anbieten, ganz wichtig für viele Mitarbeiter vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen.

Nun fordern Sie, den gesenkten Umsatzsteuersatz beizubehalten und zu entfristen. Da das auch die Beschlusslage meiner Fraktion ist: so weit, so gut. Aber Sie fordern noch mehr. Sie fordern auch, den gesenkten Umsatzsteuersatz auf Lieferungen von Gas und Fernwärme zu entfristen. Jetzt wissen wir natürlich, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Linksfraktion: Haushaltsdisziplin und solide Finanzrechnung sind nicht Ihre Sache. Das können Sie auch so machen, weil Sie sich um Regierungsaufgaben für lange Zeit keinen Kopf machen müssen.

Trotzdem habe ich Fragen zu Ihrem Energieantrag. Als wir das Instrument eingeführt haben, das Sie jetzt verstetigen wollen, hat Ihr Fraktionskollege Christian Leye hier noch geätzt – ich greife jetzt das, was der Kollege Klüssendorf zur Gastronomie gesagt hat, zu dem Bereich des Gases und der Fernwärme auf –, dass wir das ganze Gesetz von den Energiekonzernen hätten schreiben lassen. Und er hat festgestellt, man wisse doch, dass die Konzerne die Steuersenkung gar nicht an die Endkunden weitergeben würden.

Hört! Hört! Hört! Hört!

Jetzt wollen Sie die Senkung trotzdem verstetigen und weiterlaufen lassen. Da stellt sich doch die Frage: War damals Ihre Einstellung falsch, oder haben Sie Ihre Einstellung dazu geändert?

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Das sollten wir schon wissen, weil diese Frage so oft hier auftaucht, dass da mal ein konsistentes Bild entstehen sollte.

Aber was ich bei Ihnen auch systematisch vermisse, ist die Analyse, wer eigentlich für die Preistreiberei im Bereich der Energie verantwortlich ist, und das ist der Angriffskrieg Putins auf die Ukraine. Sie zeigen viel Mitgefühl mit den deutschen Endkunden – das tun wir auch, das müssen wir alle tun –; aber wir müssen auch Mitgefühl zeigen mit den Menschen in der Ukraine, mit der Zivilbevölkerung, die dort bombardiert wird.

Das hat doch mit der Umsatzsteuererhöhung gar nichts zu tun!

Die Kollegin Beck hat ganz zu Recht darauf hingewiesen, dass Putin das ganz bewusst als Waffe eingesetzt hat. Und das kann man hier an dieser Stelle nicht einfach ausklammern.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich sage das bei diesen Debatten sehr oft, und ich glaube, ich muss es auch noch ganz häufig in weiteren Debatten sagen, weil es dauernd kommt: Die Umsatzsteuer eignet sich nicht sehr gut, um damit immer wieder auf Krisen zu reagieren oder Klientelsituationen zu bedienen. Das ist ein schwieriges Instrument, da muss man ein bisschen aufpassen. Es hat sich über die Jahre eingebürgert, an so vielen Stellen herumzudoktern, dass diese Umsatzsteuer jetzt so aussieht, wie sie aussieht, und dringend reformbedürftig ist.

Deswegen sollten wir alle uns mal zusammensetzen und ganz systematisch an diese Steuer rangehen. Da muss man sich bei der Gastronomie natürlich schon die Frage stellen, ob es richtig ist, dass es dann, wenn jemand in den Supermarkt geht und eine Dose kauft und sie zu Hause aufmacht und den Inhalt isst, darauf einen niedrigen Mehrwertsteuersatz gibt, wenn jemand aber Dienstleistungen in Anspruch nimmt, wenn ein Koch kocht und jemandem serviert, wenn damit Personalaufwand verbunden ist, es wieder teuer ist. Das ist von der Systematik her, wenn wir es mal richtig überarbeiten, dann vielleicht zu überdenken.

– Nein, nein. Ich habe Ihnen gerade gesagt, und ich sage das noch mal ganz ausdrücklich: Wir in der FDP-Fraktion haben eindeutig die Beschlusslage, dass wir das auch unterstützen; nur wollen wir das gerne machen, wenn wir die Steuerschätzung abgewartet haben.

Das ist Ende November!

Weitere Zurufe von der CDU/CSU: Ah!

Denn auch Sie müssen uns mal vorrechnen, woher genau Sie das nehmen wollen, und das können wir erst im November tun.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Redner hier haben ganz deutlich gesagt: Wir sprechen dann ganz gezielt darüber, wenn uns die Daten vorliegen, wenn wir die Zahlen kennen, welche Maßnahmen richtig sind und wie wir sie finanzieren.

Wir in der FDP-Fraktion sind der Auffassung, dass dann bei der Gastronomie das beibehalten und entfristet werden sollte.

Zurufvon der CDU/CSU: Kneipen, die zu sind, zahlen übrigens keine Steuern!

Aber wir müssen es eben auch durchrechnen und mit unseren Ampelpartnern diskutieren; und das werden wir tun.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
5 Vermerkeca. 674 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kollegen der Fraktion Die Linke, ich muss ehrlicherweise sagen, dass mich der vorliegende Antrag etwas überrascht hat, vor allem wenn ich mir Ihr jüngstes Abstimmungsverhalten in diesem Kontext ansehe. Vor fast einem Jahr hat der Finanzausschuss mit breiter Mehrheit von fast allen Fraktionen der temporären Senkung des Umsatzsteuersatzes auf Gaslieferungen und Fernwärme zugestimmt – mit Ausnahme der Fraktion der Linken; Sie haben sich damals enthalten. Bereits im März 2022, als die Unionsfraktion kurz nach Beginn des Krieges in der Ukraine im Antrag für eine sichere Energieversorgung den ermäßigten Umsatzsteuersatz auf Strom-, Gas- und Fernwärmelieferungen forderte, haben Sie gegen unseren Antrag votiert. Sich mit diesem Antrag jetzt als Verfechter der ermäßigten Umsatzsteuer auf Gas zu präsentieren – na ja –, halte ich nicht gerade für am glaubwürdigsten. Auf einmal erheben Sie Forderungen, die Sie vor kurzer Zeit noch nicht einmal unterstützt oder sogar abgelehnt haben.

Beifallbei der CDU/CSU

Zum Zweiten verstehe ich aber Ihren Antrag; denn ich habe gelesen – ich musste mir ein bisschen die Augen reiben –: Das BMF will die Umsatzsteuer für Gas- und Fernwärmelieferungen drei Monate früher als geplant auf den Regelsatz von 19 Prozent erhöhen mit der Begründung, dass sich die krisenbedingten Preisspitzen gelegt haben. – Das mag teilweise stimmen; aber wir sollten den richtigen Maßstab anlegen, wenn wir die Preisentwicklung betrachten. Der Gaspreis ist bereits einige Monate vor Kriegsbeginn in die Höhe geschossen. Laut dem Verivox-Verbraucherindex bewegte sich der durchschnittliche Gaspreis im September 2021 noch bei etwas mehr als 6 Cent. Aktuell liegt der Preis für bundesdeutsche Haushalte im Mittel immer noch bei rund 12 Cent pro Kilowattstunde. Außerdem kann niemand die Preisentwicklung für den Herbst oder den Winter vorhersagen. Viele Bürger und Unternehmen kämpfen immer noch mit den Folgen der hohen Energiekosten und der Inflation. Deshalb wird es der Situation nicht gerecht, die Rückkehr zum höheren Steuersatz um drei Monate vorzuziehen. Ich denke eher, man müsste überlegen, die Frist für den niedrigeren Steuersatz zu verlängern.

Es ist zwar richtig, dass die vorzeitige Erhöhung wieder neuen Spielraum im Bundeshaushalt schaffen würde und durch die Einnahmenverteilung zum Beispiel auch Gemeinden und Länder davon profitieren werden. Aber welche Verwendung sollen die zusätzlichen Mittel im Bundeshaushalt denn finden, sofern dieses Vorhaben am Ende des Tages zustande kommt? Ich erwarte spätestens zu den weiteren Haushaltsberatungen eine gründliche Diskussion darüber, wie die Mehreinnahmen, wenn es denn dazu kommt, sinnvoll investiert werden können. An den Zahlen lässt sich aber ablesen, dass wir kein Einnahmeproblem, sondern ein etwas größeres Ausgabenproblem haben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Das stimmt!

Mit der Entfristung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes in der Gastronomie haben wir uns bereits in einem eigenen Gesetzentwurf im Ausschuss gründlich auseinandergesetzt und werden das heute in diesem Hohen Haus auch wieder tun. Wir haben schon am 21. Juni dieses Jahres der Koalition die Chance gegeben, hier klar Schiff zu machen, Planungssicherheit für die Gastronomie zu schaffen. Leider Gottes haben Sie unseren Gesetzentwurf damals abgelehnt; aber heute Nachmittag gibt es bei der namentlichen Abstimmung ja die Möglichkeit, das wieder zu korrigieren. Ich bin am Ende des Tages gespannt, wie das ausgeht. Und Sie sehen ja: Die Petition für die dauerhafte Senkung des Umsatzsteuersatzes für Restaurations- und Verpflegungsdienstleistungen bekommt täglich mehr Unterstützerinnen und Unterstützer.

Die Kolleginnen und Kollegen der Gastronomie – ich darf das so sagen; ich komme auch aus der Gastronomie – wollen Planungssicherheit, und auch die Verbraucher möchten sich nach dem 1. Januar 2024 noch den Wirtshaus- und Restaurantbesuch leisten können.

Im Übrigen würde die Rückkehr zum Steuersatz von 19 Prozent auch die Anbieter von Schul- und Kitaessen betreffen. Ich bitte Sie, bei Ihren Überlegungen auch in Betracht zu ziehen, welche Mehrbelastung für Kinder und Jugendliche damit verbunden sein kann. Ich hoffe, das ist der Regierungskoalition auch bewusst.

Die Linksfraktion spricht sich im vorliegenden Antrag für einen Gesetzentwurf aus, der den gesenkten Umsatzsteuersatz unter anderem in der Speisegastronomie verlängern und entfristen soll. Wenn Ihnen das wichtig ist, können Sie heute Nachmittag ja auch zustimmen.

Machen wir!

– Wir werden es sehen.

Als Ausschussvorsitzender freue ich mich auf die weitere Diskussion dieser Thematik im Finanzausschuss und über schöne und interessante Debatten.

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
5 Vermerkeca. 572 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, niemand hier im Saal widerspricht der Aussage, dass eine Rückkehr zu einem Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent die Konsumenten bei Konsum in der Gastronomie und bei Gas und Wärme in unserem Land belastet. Und klar: Bei den Vergünstigungen zu bleiben, klingt erst mal gut. Aber: Wenn wir das Kriseninstrument einer temporären Mehrwertsteuerreduktion zu einer generellen Dauerlösung machen, dann erodiert unser Mehrwertsteuersystem von allen Seiten. Denn wer vermag dann noch an anderer Stelle den Wunsch nach einer ebensolchen Reduktion zu verneinen?

Es ist meine Grundüberzeugung, dass wir nur dann auch zukünftig so flexibel und effektiv auf Krisen eingehen können, wie wir es bisher getan haben, wenn wir weiterhin Kriseninstrumente für Krisenzeiten aufheben und nicht in den Standardinstrumentenkasten packen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Denn Vertrauen in eine Regierung beruht auch darauf, dass sie Kriseninstrumente nicht überstrapaziert und dass diese in Krisen dann auch wirken. Und genau das sehen wir jetzt: Die Energiepreise an den Börsen sinken wieder, und wir haben eine ganz andere Situation in diesem Herbst als noch vor einem Jahr.

Das heißt nicht, dass unser Umsatzsteuersystem in Zement gegossen ist. Hier ist eine grundsätzliche Reform, wie ich finde, durchaus sinnvoll. Denn die absurdesten Beispiele der Klassifizierung von 7 oder 19 Prozent Mehrwertsteuersatz haben wir an dieser Stelle schon häufiger zusammengetragen – wie heute auch. Und das heißt auch nicht, dass wir die nicht zuletzt durch Corona und Fachkräftemangel gebeutelte Gastronomie einerseits und die Verbraucher/-innen andererseits nicht anderweitig entlasten können.

Wie machen wir das? Es ist seit Beginn der Energiekrise, in der wir uns auch durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine befinden, die Prämisse der Ampelkoalition, durch gezielte Unterstützung gerade die Menschen zu entlasten, die am wenigsten Geld haben. Denn eines ist klar: Bei einer angespannten Haushaltslage und der Vorgabe, die Schuldenbremse einzuhalten, kann eben nicht mehr aus dem Vollen geschöpft werden.

Neue Spielräume für zukünftige Haushalte können wir uns aber erarbeiten, indem wir mal an das Thema Subventionsabbau herangehen. Es ist nicht nur fiskalisch sinnvoll, sondern schlichtweg ein Gebot der Vernunft, genau die umwelt- und klimaschädlichen Subventionen und Ausgaben abzubauen, von denen übrigens hauptsächlich die Reicheren in unserer Gesellschaft profitieren.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Und hier erinnere ich auch gern daran, dass die G-7-Staaten 2016 beschlossen haben, sämtliche klimaschädlichen Subventionen bis zum Jahr 2025 auslaufen zu lassen. Wir stehen hier also nicht allein mit unserer Forderung.

Das Umweltbundesamt hat in einer Studie von 2021 berechnet, wie viel Einnahmen dem Staat durch direkte oder indirekte fossile Subventionen entgehen. Das sind 50 bis 60 Milliarden Euro pro Jahr, die hier möglich wären. Und das ist allein die finanzielle Seite der Medaille. Auf der ökologischen Seite können wir knapp 100 Millionen Tonnen CO2 einsparen.

Als Abgeordnete eines Wahlkreises, der besonders durch Fluglärm belastet wird, frage ich mich – und das fragen sich auch die Bürgerinnen und Bürger aus dem Kreis Groß-Gerau –, was bei den fossilen Subventionen im Luftverkehr passiert. Wir reden hier von der Energiesteuerbefreiung für Kerosin oder auch über die Mehrwertsteuerbefreiungen für internationale Flüge. Auch beim Dienstwagenprivileg und bei der Energiesteuervergünstigung für Diesel liegen große klima- und finanzpolitische Potenziale und viel Spielraum für künftige Haushaltspläne. Das wären steuerpolitische Anpassungen, die wir zugunsten der weniger gut gestellten Menschen in unserem Land gern vornehmen könnten.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Stephan Seiter [FDP]

Als SPD-Fraktion ist uns klar, dass wir hier ranmüssen; denn Subventionen durch verringerte Steuersätze können temporär in Krisenzeiten helfen. Ob wir sie uns als Dauerprivileg aber leisten können, sollten wir dann im Finanzausschuss besprechen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der AfD
5 Vermerkeca. 461 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Deutschland befindet sich in einer prekären Lage. Damit meine ich nicht die intolerable und unbezahlbare Migration, welche die Menschen von allen politischen Fragen zurzeit am meisten beschäftigt. Ich meine nicht die seit Jahren schwelende Bildungsmisere und nicht den seit Jahren zunehmenden Mangel an echten Fachkräften.

Ich rede von der höchsten Inflation seit 50 Jahren: im Jahr 2022 in Höhe von 6,8 Prozent, die sich auf die 3 Prozent von 2021 draufsetzt und auf die dieses Jahr erneut 6 Prozent zu addieren sind. Auf das Basisjahr 2020 bezogen geht es also um einen Kaufkraftverlust von 18 Prozent. So viel weniger können wir mit demselben Geldbetrag kaufen. Die normalen Sparer wurden um 20 Prozent ihres Kapitals enteignet; ich rede von dem normalen Sparverhalten, nicht von komplizierten Produkten. Um rund 1,5 Billionen Euro ist die breite Masse der Sparer also enteignet worden.

Damit haben wir einen Grund, der seit dem vierten Quartal 2022 zu einer Rezession geführt hat, die für 2023 mindestens 0,4 Prozent des BIP betragen wird. Das ist die größte Kalamität in ganz Europa, wie Sie wissen. Inflation und Rezession gehen immer Hand in Hand. Und die Inflation hat ihren Hauptgrund nicht im Ukrainekrieg, sondern in der Geldmengenausweitung der EZB und deren verbotener Staatsfinanzierung mit über 4 Billionen Euro.

Beifallbei der AfD

Das entscheidet aber nicht der Kollege Glaser, ob etwas verboten ist!

Das wurde alles vorhergesagt und ist genau so gekommen. Lesen Sie mal ein paar Texte von Herrn Sinn oder anderen klugen Leuten. Beides war während der 50-jährigen Währungspolitik der Bundesbank undenkbar – beides! –: die Geldmenge und die Zinssätze.

Mit nationaler Steuer- und Subventionspolitik wird nun an allen Ecken und Enden Schadensminderung versucht. In der Gastronomie ist eine Umsatzsteuersenkung sogar sinnvoll, weil Produktivitätserhöhungen kaum möglich sind und deshalb ein ganzer Wirtschaftszweig in seiner Existenz bedroht ist. Die AfD hat deshalb – das ist gerade vom Kollegen gesagt worden – schon 2020 den ermäßigten Steuersatz auf Verpflegungsdienstleistungen ohne Befristung beantragt, und die CDU tut das heute auch. Das ist gut. Herzlich willkommen! Insofern kommt der Antrag der Linken allerdings auch etwas spät. Die Ampel hat lediglich eine Regelung bis Ende dieses Jahres auf den Weg gebracht. Und was dann? Wie wir hören, soll es dabei bleiben. Ich wünsche fröhliche Verrichtung.

Beifallbei der AfD

Bei Gas- und Fernwärme hat die Ampel im Oktober 2022 eine Umsatzsteuerabsenkung bis Ende März 2024 zur Inflationsverminderung eingeführt. Parallel dazu steigt die CO2-Steuer. Das heißt, es wird mit der einen Hand das genommen, was mit der anderen Hand gegeben wird. Das Land mit den höchsten Energiekosten weit und breit quält seine Bürger und Unternehmen unverdrossen weiter.

Beifallbei der AfD

Die Ersteren werden sich bei den nächsten Wahlen wehren. Die Letzteren werden das Land verlassen und tun es mit Fleiß. Wie lange, fragt man sich, kann sich diese Ampel mit ihrem unseligen Wirken in diesem Land noch halten?

Herzlichen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Stefan Schmidt
Foto: Deutscher Bundestag/ Inga Haar
8 Vermerkeca. 393 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! 7 Prozent – davon träumt Die Linke Tag und Nacht.

Heiterkeitbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD, der CDU/CSU und der FDP

Anscheinend deshalb hat sie die Mehrwertsteuer für die Gastronomie zusammen mit der Mehrwertsteuer für Gas und Fernwärme in einen Antrag geworfen. Es würde erklären, warum die Argumentation in Bezug auf die Gastronomie ein bisschen auf der Strecke geblieben ist.

Aber von Anfang an. Die Linke fordert, die 7 Prozent in der Speisegastronomie beizubehalten. Ja, ich kann diese Forderung nachvollziehen. Restaurants und Wirtshäuser haben harte Zeiten hinter sich: erst Corona mit langen Schließzeiten und Umsatzeinbußen, dann die stark gestiegenen Preise für Energie und Lebensmittel.

Zurufvon der AfD: Und nun die Ampel!

Wir haben die Mehrwertsteuer für Essen in Gaststätten von 19 auf 7 Prozent gesenkt und bis Ende dieses Jahres verlängert. Das hat den Betrieben wieder auf die Beine geholfen.

Denen, die es noch gibt!

Auch in Zukunft hätte die reduzierte Mehrwertsteuer positive Effekte, keine Frage. Die Gastronominnen und Gastronomen müssten die Preise nicht anheben. Vor allem als Tourismuspolitiker sehe ich, wie sinnvoll die reduzierte Mehrwertsteuer für die Gastronomie wäre.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP

Die Argumentation der Linken überzeugt mich trotzdem nicht. Ich zitiere:

„Es ist … zu befürchten, dass mehr als 100 Prozent der Erhöhung an die Kunden weitergegeben werden – etwa durch das Einhalten psychologischer Preisgrenzen oder die bloße Margenausweitung unter dem Schleier der sowieso entstehenden Preiserhöhung.“

Das ist schon harter Tobak. Sie werfen der Branche vor, dass sie die Steuererhöhung gleich mal dazu nutzt, die Preise ordentlich aufzurunden und sich die eigenen Taschen vollzumachen. Und nachdem Sie den Betrieben erst Profitgier unterstellt haben, reden Sie ihnen gleich wieder nach dem Mund. Sie befürchten nämlich – so geht der Antrag weiter – ein „Insolvenzrisiko für zehntausende Betriebe“. Diese Schwarzmalerei der Branche halte ich für überzogen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Laut aktueller Studie des ifo-Instituts haben sich in deutschen Großstädten die Gastronomieumsätze nach dem Lockdown in der Coronapandemie erholt und liegen aktuell inflationsbereinigt deutlich über dem Vorkrisenniveau. Die Studie spricht von einem – ich zitiere – „hohen Stellenwert der Gastronomie“ für viele Menschen. Ja, die Forschungsergebnisse beziehen sich nur auf deutsche Großstädte. Trotzdem bitte ich Sie: Hören Sie endlich auf, die Gastronomie in Deutschland totzureden!

Wir wollen denen doch helfen!

Die Gastronomie und der Tourismus haben nach den vielen Krisen wieder ordentlich an Fahrt aufgenommen. Die Menschen hierzulande, die Gäste von außerhalb, wir alle schätzen die Gastronomie sehr. Deshalb werden wir in den Haushaltsverhandlungen ganz genau schauen, welche finanziellen Spielräume wir haben, um die Steuerermäßigung fortzuführen, und ich hoffe, dass wir sie finden.

Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
13 Vermerkeca. 680 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Gastronomie ist in Deutschland nicht nur eine wichtige Stütze unserer Wirtschaft, sie ist auch eine Stütze der Gesellschaft, des öffentlichen Raumes, des Zusammenseins insgesamt, und sie ist sehr mittelständisch geprägt. Anders als in einigen anderen Ländern haben wir nicht nur Systemgastronomie, Fine Dining und Tourifallen. Wir haben sehr viel Mittelstand in der Gastronomie, und das sollten wir stärken und unterstützen. Deswegen sage ich gerade für die Freien Demokraten: In dieser Zeit, wo wir wirtschaftlich schwierige Daten haben, sollten wir in dieser Sache keine Steuer erhöhen und uns für die Verlängerung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes, jedenfalls für die Dauer dieser Krise, einsetzen.

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Jörn König [AfD]:

Und ihr stimmt dagegen! Warum stimmt ihr dagegen?

Das Aber kommt jetzt; das ist der Unterschied zwischen Opposition und Regierung mit Verantwortung für Deutschland. Wir müssen nämlich zwei Dinge beachten:

Der erste Punkt ist das Thema der Haushaltsverhandlungen. Ihre Haushälter weisen immer wieder darauf hin, dass doch bitte die Solidität des Haushaltes eingehalten werden soll, dass nicht mehr ausgegeben werden sollte, als eingenommen wird,

Das habt ihr doch selber in der Hand! Ihr macht doch den Haushaltsentwurf!

nur damit dann Ihre Fachpolitiker in jedem Fachbereich sich Krokodilstränen oder was auch immer in die Gesichter schmieren und sich aufregen und ärgern, dass in ihrem Bereich nicht mehr Geld ausgegeben wird. Sie müssen von Ihrem finanzpolitischen Luftschloss dringend runterkommen.

Bei der Migration können Sie sparen ohne Ende!

Seit zwei Jahren sind Sie in ganz anderen Sphären unterwegs. Es ist irrational, einerseits solide Haushaltsführung zu fordern

Sie machen es ja noch nicht mal!

und andererseits nicht selbst mal mit den Fachpolitikern darüber zu sprechen, wo denn gespart werden kann und wo nicht.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zweitens müssen wir ganz dringend über das Mehrwertsteuersystem insgesamt sprechen. Dieses Hickhack um einzelne Mehrwertsteuersätze in Deutschland muss aufhören.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Kein normaler Mensch – ich behaupte, nicht einmal der gemeine Steuerberater –versteht noch im Einzelnen, was genau ermäßigt ist und was nicht und zu welchem Zeitpunkt. Wir wissen es oft nicht einmal als Politiker. Wie soll man das denn normalen Menschen erklären?

Ja, aber ihr seid in der Regierung! Macht doch endlich mal was!

Wir haben mittlerweile über 100 Ausnahmen für ermäßigte Mehrwertsteuersätze. Es gibt ganz bekannte Beispiele. Das Problem ist, dass in jedem Fall wieder eine bestimmte Lobby, eine bestimmte Branche sich dafür einsetzt, dass sie doch die Stütze der Wirtschaft ist und dass in ihrem Fall unbedingt ermäßigt werden muss. Es ist steuerpolitisch unlogisch und auch ungerecht, und deswegen müssen wir da für Änderung sorgen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es ist ja oft verwirrend. Ich habe in der Vorbereitung auf die Rede noch mal in die Anlage des Umsatzsteuerrechts hineingeschaut, um zu sehen, was so alles ermäßigt ist und was nicht. Es gibt ja typische Beispiele. Vorsicht bei der Viehhaltung: Wenn Sie sich einen Esel kaufen, zahlen Sie 19 Prozent, für den Maulesel 7 Prozent. Wir sind ja alle Tierliebhaber – das Umsatzsteuerrecht offensichtlich aber nur teilweise. Wer sich als Haustier nämlich einen Hund oder eine Katze holt, zahlt 19 Prozent. Kaufen Sie lieber Hauskaninchen, Hausschwein oder Perlhuhn; da zahlen Sie 7 Prozent.

Wie sieht es eigentlich aus mit Löwen in Berlin?

Für Gemälde zahlen Sie 7 Prozent. Für Wasser zahlen sie 7 Prozent, außer Sie kaufen es in Flaschen; dann zahlen Sie 19 Prozent. Die Zirkusvorführung ist ermäßigt mit 7 Prozent. Für Äpfel sind es 7 Prozent, für Apfelsaft 19 Prozent. Und jetzt geht es bald wieder in die Weihnachtszeit. Wenn Sie den Adventskranz lieber selber basteln, zahlen Sie für Tannenzapfen und Moos 7 Prozent. Bei fertigen Adventskränzen zahlen Sie 19 Prozent. Das kann man doch keinem Menschen in diesem Lande erklären.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deswegen: Lassen Sie uns auch im Finanzausschuss, meinetwegen auch fraktionsübergreifend – ich habe da wirklich gute Signale aus vielen Fraktionen wahrgenommen –, darüber sprechen, wie wir zu einem einheitlichen Mehrwertsteuersatz in Deutschland kommen können.

Da wird es viel Widerstand geben. Da wird Die Linke aufschreien, man würde jetzt die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel erhöhen. Ja, dem wäre auch so, wenn man sagt: Wir einigen uns statt auf 7 Prozent hier und 19 Prozent da mal auf 12 oder 13 Prozent, je nachdem, was nach der EU-Richtlinie über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem möglich ist.

Zurufdes Abg. Jörn König [AfD]

Am Ende ist es aber eine riesige Bürokratieentlastung. Es ist finanzpolitisch logisch, und das Hickhack einzelner Branchen in diesem Land hört auf. Dann haben wir auch nicht mehr zig Tagesordnungspunkte an einem Donnerstag, wo wir bis 3.05 Uhr im Plenum sitzen, sondern wir beschäftigen uns mit finanzpolitischer Stringenz.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Johannes Steiniger
Foto: Johannes Steiniger/Tobias Koch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Man ist überrascht: Ein inhaltlich sinnvoller Antrag der Linken; da muss man zweimal hinschauen, um zu sehen, von wem der kommt. Aber warum auch nicht!

Sie haben jetzt hier zwar einen Antrag eingebracht, aber die Materie ist nicht so komplex, als dass man nicht auch einen Gesetzentwurf hätte vorbereiten können. Da hätten Sie einfach die Zahlen austauschen können. Ich meine, wir haben ja auch einen Gesetzentwurf eingebracht. Von daher: Ein bisschen mehr Arbeit wäre schon gut gewesen.

Was ist eigentlich der Kern der Debatte? Aus meiner Sicht ist der Kern der Debatte: Auf die Ampel können sich die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland nicht verlassen.

Stimmt doch gar nicht!

Das sieht man an zwei Themen. Sie haben versprochen, die niedrige Umsatzsteuer auf Gas bis in den März nächsten Jahres niedrig zu halten. Jetzt sagen Sie den Leuten: Nein, das soll sich vorzeitig zum Ende des Jahres ändern. – Zusätzliche Belastung: 2,1 Milliarden Euro. Der Kanzler Olaf Scholz hat noch im Wahlkampf versprochen: Wir werden niemals hinnehmen, dass die Umsatzsteuer in der Gastronomie für das Essen von 7 auf 19 Prozent wieder hochgeht.

Hat er vergessen!

Was passiert jetzt? Im Haushaltsentwurf soll das Ganze wieder hochgesetzt werden. Das ist eine zusätzliche Belastung von 3 Milliarden Euro. Man sieht also: Man kann sich darauf nicht verlassen.

Man könnte ja noch weiter gehen: Das Klimageld wurde versprochen. Wo ist es denn eigentlich? Das Geld wird verfrühstückt. Also, der Kern der Debatte ist wirklich: Die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land können sich auf das, was die Ampel sagt, einfach nicht verlassen; das ist schlecht.

Beifallbei der CDU/CSU

Jetzt zu den einzelnen Punkten. Zur Gastronomie: Es wurde schon viel Richtiges gesagt. In den letzten zwölf Monaten haben wir als Union übrigens schon mehrfach eingebracht, den reduzierten Umsatzsteuersatz zu verlängern. Ansonsten werden Restaurantbesuche für viele Familien einfach zum Luxus werden, etwas, was man sich nicht mehr leisten kann. Und wenn man weiß, wie viele Menschen dort auch als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeiten, dann sieht man, dass das, was Sie hier vorhaben, nämlich diese Erhöhung zum 1. Januar 2024, volkswirtschaftlich wirklich ein großer Irrsinn ist. Stoppen Sie das, und stimmen Sie nachher unserem Antrag zu!

Beifallbei der CDU/CSU

Das sind ja nicht die einzigen Herausforderungen für die Gastronomie. Sie suchen Mitarbeiter. Die Lebensmittelpreise sind in den letzten Jahren massiv angestiegen. Die Energiepreise wirken sich natürlich auch massiv auf Gastronomen aus. Und in dieser Zeit dann zusätzlich eine Steuererhöhung zu beschließen: Das passt einfach nicht in die Welt.

Frau Beck, deswegen habe ich, ehrlich gesagt, auch Ihr Argument nicht verstanden. Sie haben zu Recht darauf hingewiesen, dass wir die hohen Preise im Bereich der Energie vor allen Dingen auch wegen des Kriegsverbrechers Putin haben. Da sind wir einer Auffassung,

Zurufdes Abg. Maximilian Mordhorst [FDP]

anders als die Putin-Partei AfD,

Wir sind Deutschlandpartei, nicht Putin-Partei!

die ja Nord Stream 2 irgendwie wieder öffnen will oder reparieren möchte. Aber hohe Preise noch mal weiter zu erhöhen, indem ich die Steuern erhöhe, das ist doch komplett unlogisch. Deswegen bieten wir Ihnen an: Stimmen Sie nachher zu, und korrigieren Sie diese falschen Aussagen.

Ich komme zum Thema Gas. Es sind 2,1 Milliarden Euro, die Sie den Bürgerinnen und Bürgern dann für die ersten drei Monate des Jahres 2024 mehr aufbürden werden. Jetzt sagen Sie: Na ja, die Preise sind ja runtergegangen. – Zur Ehrlichkeit gehört doch Folgendes: Sie haben bei diesen Haushaltsverhandlungen in Ihrer Ampelkoalition so viel Streit. Sie können sich in den meisten Dingen nicht einigen, sodass Sie natürlich jetzt versuchen, überall noch ein bisschen Geld zu mobilisieren, um Ihre Streitigkeiten aufzulösen. Das lassen wir Ihnen aber nicht durchgehen. Deswegen sind wir dafür: Sorgen Sie für Planungssicherheit! Die ermäßigte Steuer auf Gas muss mindestens bis 31. März 2024 beibehalten werden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der LINKEN

Die Gastronomiebetriebe sind ja nicht die einzigen Betriebe, die derzeit leiden. Wir von der Landesgruppe Rheinland-Pfalz haben gestern mit den Unternehmerverbänden gesprochen. Man kennt diese Gespräche. Natürlich wurde da auch schon in den letzten Jahren immer gesagt, man müsste eigentlich mehr machen und bestimmte Rahmenbedingungen würden vielleicht nicht so gut passen. Ein Gespräch, wie wir es gestern hatten, habe ich so in zehn Jahren Bundestag noch nicht erlebt. Da wird gesagt: So schlimm, wie es heute ist, war es noch nie. – Die Unternehmen rechnen heute schon, jedenfalls die, die es können: Lohnt sich der Standort in Deutschland, oder muss ich mit meinem Betrieb ins Ausland gehen?

Deswegen: Lassen Sie uns nicht nur über diese beiden Punkte sprechen, sondern lassen Sie uns über die Stromsteuer sprechen; sie muss runter auf das europäische Mindestmaß. Lassen Sie uns über den Spitzenausgleich sprechen. Wenn Sie schon die Stromsteuer nicht senken, dann muss der Spitzenausgleich wenigstens erhalten bleiben. Gestern erhielt ich eine Mail einer Unternehmerin bei mir aus dem Wahlkreis: Für das Unternehmen, das sie leitet, würde ein Wegfall des Spitzenausgleichs zu 800 000 Euro Mehrbelastung im nächsten Jahr führen – 800 000 Euro! Wie will man das eigentlich erwirtschaften? In diesem Sinne können wir Ihnen da wirklich nur zurufen: Werden Sie in der Steuer- und Wirtschaftspolitik vernünftig!

Ein letzter Punkt. Das ärgert mich schon seit zwei Wochen, auch in den Haushaltsverhandlungen: Sie machen die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland verrückt, indem Sie überall Kürzungen ankündigen – Mehrgenerationenhäuser, Freiwilligendienst, der Sporthaushalt, jetzt beim Gas, bei der Gastronomie –, erzählen dann aber in den großen Runden oder draußen, wenn demonstriert wird, den Betroffenen: In den Haushaltsverhandlungen kriegen wir das irgendwie schon hin. – Sie legen Feuer und lassen sich dann für das Löschen abfeiern. Und das geht so nicht. Sie sind damit auch ein Stück weit für die Stimmung in diesem Land mitverantwortlich.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Armand Zorn
Foto: Armand Zorn / Photothek Media Lab
7 Vermerkeca. 720 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Es freut mich sehr, dass wir die Debatte rund um die Umsatzsteuer heute fortführen können. Es ist ja nicht das erste Mal in dieser Legislaturperiode, und es wird heute im Laufe des Tages noch zweimal weitergeführt, auch wenn ein paar Kollegen ihre Reden zu Protokoll geben werden.

Ich finde es auch richtig, dass wir die Debatte hier führen. Denn die Umsatzsteuer – das wissen wir; das wurde mehrfach gesagt – ist eine Steuer, die von den Bürgerinnen und Bürgern am stärksten wahrgenommen wird und bei der auch die Widersprüche am meisten wahrgenommen werden.

Ich stelle fest, dass wir unterschiedliche Vorstellungen haben, wo genau noch etwas verändert werden muss, wo wir mit dem ermäßigten Steuersatz nach unten gehen können; da gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Ich will aber auch feststellen, dass es durchaus einen Konsens gibt, der von den meisten demokratischen Fraktionen in diesem Haus geteilt wird, nämlich dass die Umsatzsteuer reformbedürftig ist. Und ich glaube, wenn es darum geht, das Vertrauen in unseren Staat zu stärken, das Vertrauen auch in unser Steuersystem zu stärken, ist die Umsatzsteuer etwas, wo wir als demokratische Politikerinnen und Politiker dafür sorgen müssen, dass da endlich etwas passiert.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Jenseits der Reformbedürftigkeit dieser Steuer – sie braucht mehr Transparenz; sie braucht mehr Kohärenz – geht es aber auch darum, dass wir die Lenkungs- und die Gestaltungsfunktion, die die Umsatzsteuer hat, nicht verlieren dürfen. Denn wir wissen es selbst: Es gibt die verschiedenen Ausnahmen; sie wurden hier schon mehrfach genannt. Aber wir verlieren mit der Umsatzsteuer derzeit die Möglichkeit, tatsächlich zu lenken. Dabei müssten wir dafür sorgen, dass bestimmte Wirtschaftszweige mit einer transparenteren, kohärenteren und mehr zielgerichteten Umsatzsteuer unterstützt werden.

Ich will auch sagen: Die Umsatzsteuer ist auch ein Konjunkturinstrument. In Zeiten der Krisen, in Zeiten, in denen wir besonders dafür sorgen wollen, dass bestimmte Wirtschaftszweige, aber auch Verbraucherinnen und Verbraucher unterstützt werden müssen, ist die Umsatzsteuer eines der Instrumente, das wir in der Vergangenheit mehrfach genutzt haben und das wir auch ohne hohen bürokratischen Aufwand relativ schnell auf den Weg bringen können.

Wenn wir eine temporäre Maßnahme einführen, gehört aber auch dazu, dass wir uns dazu committen, dass irgendwann die Zeit kommt, wo diese temporäre Maßnahme keinen Bestand mehr hat. Wer nämlich aus einer temporären Maßnahme eine dauerhafte Maßnahme macht, der sorgt dafür, dass wir die Lenkungsfunktion, dass wir die konjunkturunterstützende Funktion verlieren, und das sollten wir definitiv nicht machen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des Abg. Sascha Müller [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Umsatzsteuer ist eine der größten Einnahmequellen des Staates. Sie ist eine Gemeinschaftsteuer; das heißt, von ihr profitieren auch die Länder und die Kommunen. 2022 haben wir damit etwa 284 Milliarden Euro eingenommen. Knapp über 50 Prozent dieser Steuereinnahmen kommen den Bundesländern und etwa 2,3 Prozent den Kommunen zugute. Angesichts der aktuellen Lage erwarte ich aber auch, dass, wenn es darum geht, die Krisen zu bewältigen und die Zukunft zu gestalten – wir alle sind uns hier einig, dass die Bundesländer und die Kommunen dabei eine zentrale Rolle spielen –, am Ende keine fiskalische Lücke entsteht, sondern ausreichend Spielraum bleibt, damit die Kommunen und die Bundesländer ihre Aufgaben tatsächlich bewältigen können. Da zähle ich auch auf die demokratischen Fraktionen dieses Hauses, dass sie dafür sorgen, dass das so aufrechterhalten wird.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Zurufdes Abg. Alexander Ulrich [DIE LINKE]

Wir werden diese Debatte weiterführen. Unsere Fraktion, die SPD-Bundestagsfraktion, steht zur Verfügung, wenn es darum geht, eine konstruktive Reform auf den Weg zu bringen. Wir zählen auf alle anderen Fraktionen, die interessiert sind, konstruktiv daran zu arbeiten.

Ich will zum Schluss noch eines sagen: Jeder von uns hat eine bestimmte Zielgruppe, hat eine bestimmte Wirtschaftsgruppe, von der er der Meinung ist, dass sie eine bestimmte Unterstützung verdient. Eines wird aber nicht gehen – da will ich gern an das anschließen, womit Sie gerade aufgehört haben, Herr Kollege Johannes Steiniger –: Wir können uns nicht alle für eine Ermäßigung der Umsatzsteuer einsetzen und den Prozentsatz von 7 Prozent auf alle Produkte und Dienstleistungen festsetzen und zeitgleich keine Mindereinnahmen haben. Das wird nicht gehen.

Das machen wir ja auch nicht!

Zur Ehrlichkeit gehört auch dazu: Wenn wir den Steuersatz da senken, dann müssen wir ihn für etwas anderes erhöhen. Bisher habe ich aber nur Senkungsvorschläge gehört.

Die Steuern steigen doch an!

Ich erwarte schon, dass wir eine ehrliche Debatte führen und sagen, dass dann für Produkte, die zu Unrecht den ermäßigten Steuersatz genießen, die Steuer erhöht wird. Ich freue mich auf eine konstruktive Diskussion, die noch folgt.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Sascha Müller
Foto: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion/ Stefan Kaminski
4 Vermerkeca. 670 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eines vorab: Das Anliegen des Antrags ist selbstverständlich legitim. Auch uns treiben diese Fragen um. Die Hilfen für die Gastronomie dienten zur Unterstützung der Branche im Zuge der Coronapandemie. Ähnliches gilt für die Senkung der Umsatzsteuer auf Gas und Fernwärme, die für Entlastung angesichts der zwischenzeitlich stark angestiegenen Energiepreise gesorgt hat. Der Staat hat hier auf erhebliche Einnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe verzichtet, um der Gastwirtschaft und den Menschen unter die Arme zu greifen. Das ist wichtig, zu sagen – gerade jetzt, in den Zeiten der Haushaltsberatungen, wo viele Menschen sich in diesen Tagen an uns wenden und bitten, auf Kürzungen im Haushalt in den Bereichen, die sie direkt oder indirekt betreffen, zu verzichten.

Die Coronapandemie haben wir fürs Erste überwunden, und auch die Energiepreise haben sich ein gutes Stück weit wieder normalisiert. Ob und wann der richtige Zeitpunkt ist, wieder zur ursprünglichen Besteuerung zurückzukehren, ist gerade in Zeiten einer nicht einfachen Haushaltslage eine schwierige Abwägungsfrage, deren Beantwortung wir definitiv nicht übers Knie brechen sollten.

Es ist zu dem Antrag und dessen Anliegen in der Sache schon so viel gesagt worden, dass ich den Rest meiner Redezeit dazu nutzen möchte, etwas grundsätzlicher zu werden. Ich weiß natürlich – und der Antrag adressiert das ja auch –, dass sehr viele Menschen in Sorge sind. Sie hatten viele Belastungen zu tragen. Auch wenn wir als Bundesregierung schnell und umfassend reagiert haben: Viele Menschen sind all der Krisen müde. Coronapandemie, Krieg in Europa, damit verbunden Energiekrise und Inflation, und immer mehr Starkwetterereignisse durch die Klimakrise, von der viele Menschen betroffen sind – all das sind einschneidende Ereignisse, und viele Menschen wünschen sich: Kann das nicht aufhören? Kann nicht einfach alles so werden, wie es mal war? Ich kann das sehr gut verstehen, weil es mir auch so geht. Aber dem Wunsch, komplett in Ruhe gelassen zu werden und nichts zu verändern, nachzugeben, führt eben genau nicht dazu, dass alles so bleibt, wie es ist; im Gegenteil.

Nein, wir müssen nach vorn schauen und auf die Menschen und die Unternehmen vertrauen, um aus der Krise zu kommen. Als Bundesregierung müssen wir unseren Teil zur Unterstützung beitragen, wie wir das mit unseren Entlastungsmaßnahmen im letzten Jahr getan haben, darunter eben auch mit der Absenkung der Umsatzsteuer auf Gas und Fernwärme. Wir haben es in Windeseile geschafft, unabhängig von russischen Energieimporten zu werden, was insbesondere meinem Bundesland Bayern zugutekam, das so abhängig von den russischen Importen war wie kein anderes Bundesland. Wir hatten niemals eine Gas- oder Strommangellage.

Beifallder Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Armand Zorn [SPD]

Trotzdem gibt es natürlich auch Anlass zur Selbstkritik. Ja, auch wir als Ampel haben unseren Teil zur Verunsicherung beigetragen, weil wir zu lange den Eindruck vermittelt haben, dass wir vor lauter Ringen um den richtigen Weg das große Ganze und die Menschen aus dem Blick verloren hätten. Die letzten Wochen haben aber gezeigt, dass die Ampel es besser kann und wieder in den guten Modus der Anfangszeit zurückgefunden hat.

Zurufdes Abg. Fritz Güntzler [CDU/CSU]

Zudem: Bisher haben wir immer zu guten Lösungen gefunden und werden das auch künftig tun, beispielsweise beim Wachstumschancengesetz mit wichtigen Impulsen für unsere Unternehmen und bei der Einführung der Kindergrundsicherung.

Das hat Kindler in den Haushaltsberatungen doch abgelehnt!

So viele wollen sich die Verunsicherung der Menschen zunutze machen, und das hat nicht nur Auswirkungen auf die Politik, sondern insgesamt auf die Gesellschaft. Wir spüren, wie viel rauer der Umgang wird. Für uns als Demokratinnen und Demokraten muss das heißen – dieser Appell geht insbesondere an die Spitzen meiner Staatsregierung –: Wir müssen um den besten Weg in der Sache streiten und Häme, Destruktivität, Fake News und Populismus den Extremisten überlassen. Zu viel ist davon schon in die Mitte der Gesellschaft eingesickert. Die heute neu veröffentlichte Mitte-Studie bringt hier erschreckende Ergebnisse.

In diesem Sinne sage ich noch einmal zu diesem Antrag der Linken und auch zu dem nachher noch zu diskutierenden Gesetzentwurf der Union: Ja, diese Anliegen sind selbstverständlich legitim. Wir werden Ihnen heute inhaltlich nicht folgen können. Aber es ist natürlich wichtig, die Diskussion über diese Anliegen in den kommenden Debatten zu führen und dann im Licht der Haushaltsberatungen abzuwägen.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Tim Klüssendorf
Foto: Tim Klüssendorf/ Maximilian König
11 VermerkeZwischenfrageca. 512 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Görke, es wäre ja vielleicht ratsam, dass Sie, wenn Sie hier einen Antrag stellen, zwei Maßnahmen der Bundesregierung weiterzuführen, vielleicht rhetorisch ein bisschen abrüsten und nicht mit solchen Dingen wie „Wo leben Sie eigentlich?“ oder „Sie greifen in die Taschen“ hantieren.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Es kann ja eigentlich keinen besseren Beleg dafür geben, dass diese Maßnahmen sinnvoll und richtig waren, als dass Sie heute fordern, dass wir sie verlängern.

Das war aber nicht eure Bundesregierung, sondern unsere Bundesregierung!

Aber zurück zum Inhalt. Wir haben mit den beiden Maßnahmen, die heute zur Debatte stehen, glaube ich, ein ganz wichtiges Zeichen für die Entlastung der Bürgerinnen und Bürger gesetzt. Die Maßnahmen sind angekommen, und sie waren in den vergangenen Krisen ein ganz wichtiger Baustein bei unserem Bemühen, die Menschen nicht alleinzulassen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Die Maßnahmen waren auch nicht aus Versehen so temporär angelegt, wie sie es sind. Wir haben bei der Gastro eine Befristung gehabt, die wir zunächst zweimal verlängert haben, um uns immer wieder die Situation anzuschauen und zu prüfen, inwiefern diese Unterstützung noch weiter notwendig ist. In diesem Jahr wird es genauso sein; wir werden wieder im Zuge der Haushaltsberatungen prüfen, ob wir eine Unterstützung weiter gewährleisten können oder ob es diesmal im Haushalt in der Abwägung nicht mehr reicht, um diese Subvention fortzusetzen. Das heißt, es wird seriös von uns geprüft, und wir haben dazu noch keine Entscheidung getroffen. Das heißt, Ihrem Antrag können wir in dieser Form noch nicht zustimmen.

Zum Thema Gas muss ich als selbstbewusster Parlamentarier heute auch ein paar kritische Worte zu unserer eigenen Regierung fallen lassen. Dass man eine Einsparung in Höhe von 2,1 Milliarden Euro aus einer „FAZ“-Berichterstattung erfährt und dazu bisher keine tatsächliche Gesetzesinitiative vorliegt, finde ich kritisch; und es wird sicherlich auch in den nächsten Wochen und Monaten Thema sein, wie wir damit umgehen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Antje Tillmann [CDU/CSU]

Aber da es heute um den Antrag der Linken geht, habe ich mir einmal die Mühe gemacht, mich damit zu beschäftigen. Herr Görke, ich glaube, ich muss Ihrer Erinnerung da ein bisschen auf die Sprünge helfen, wie Sie damals eigentlich zur Einführung der Mehrwertsteuermäßigung bei Speisen in der Gastronomie standen.

Das wird bestimmt lustig!

Da habe ich ein paar Zitate mitgebracht. Ich lese mal vor:

„Diese Ermäßigung wollten die Hotel- und Gaststättenverbände ja schon immer – unabhängig von Corona; das hat damit gar nichts zu tun.“

Hört! Hört!

„Sie ist und bleibt die falsche Maßnahme, und sie hilft übrigens auch nicht.“

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufvon der SPD: Aha!

„Kneipen, Bars und Klubs bekommen gar keine Entlastung, sondern bestenfalls die großen Sternerestaurants.“

Zurufvon der SPD: Aha!

„Was soll das dann?“

Stefan Liebich, Fraktion Die Linke, hier am Pult bei der Einführung der ermäßigten Umsatzsteuer auf Speisen in der Gastronomie.

Ja, die sind gespalten! Das haben schon alle mitbekommen!

Es ging sogar noch weiter. Sie haben sogar davor gewarnt, dass diese Ermäßigung nie wieder abgeschafft werden könnte, nämlich – noch mal wörtliches Zitat –:

„Sie glauben doch selber nicht, dass Sie das in einem Jahr wieder zurücknehmen werden.“

Sie haben das selber heraufbeschworen und stellen jetzt diesen Antrag im Deutschen Bundestag. Da muss ich sagen: Das ist mindestens ein bisschen doppelmoralisch,

Nicht nur ein bisschen!

erst die Maßnahmen ablehnen und dann selber dafür sorgen wollen, dass sie verlängert werden. Das, finde ich, ist kein ordentlicher Umgang mit diesem Thema.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie des Abg. Kay Gottschalk [AfD]

Das ist ein Erkenntnisgewinn!

Porträt von Christian Görke
Foto: DiG/ Thomas Kläber
3 VermerkeZwischenfrageca. 124 WörterReaktionswert: lebhaft
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Vielen Dank, Frau Präsidentin, dass Sie meine Zwischenfrage zulassen. – Herr Kollege Klüssendorf, Sie müssen hier auch die ganze Wahrheit sagen. Sie haben nämlich etwas Wichtiges nicht gesagt, nämlich dass wir uns zu Beginn dieser Debatte über die Unterstützung in der Gastronomie ausdrücklich dafür ausgesprochen haben, Zuschüsse auszureichen und nicht diese Hilfskrücke über die Mehrwertsteuersenkung zu nehmen.

Nun haben Sie diese Pläne aber abgelehnt,

und ich finde, dass wir dann auch so fair sein müssen, anzuerkennen, dass das, was sich bewährt hat –

der DEHOGA geht mit seinen Positionen ja weit darüber hinaus; die Industrie- und Handelskammern Deutschlands fordern das ja auch –, jetzt wenigstens ein Weg sein könnte. Vielleicht wägen Sie das bitte in Ihrem Statement ab, wenn Sie das Protokoll noch mal nachvollziehen.

Vielen Dank.

Beifallbei der LINKEN
Porträt von Tim Klüssendorf
Foto: Tim Klüssendorf/ Maximilian König
8 Vermerkeca. 324 WörterReaktionswert: hoch
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Wir wägen das gerne ab. Sie haben die Zuschüsse angesprochen. Das gibt mir noch mal die Gelegenheit, zu betonen und zu unterstreichen, wie weitgehend die Unterstützung für diese Branche war. Das war nämlich nicht nur die Mehrwertsteuerentlastung, sondern wir haben eine ganze Reihe weiterer Hilfspakete geschnürt, um genau diese Branche gezielt zu unterstützen.

Und jetzt fallt ihr denen in den Rücken!

Vielen Dank, dass Sie das selber noch mal erwähnt haben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zur Finanzierung, weil Sie ja jetzt auch wieder damit argumentiert haben: Da sind wir gar nicht weit voneinander weg, dass man zum Beispiel höhere Vermögen besteuern sollte. Da bin ich bei Ihnen. Nur, ich habe nicht den Eindruck, dass Sie in den letzten Monaten oder in den letzten beiden Jahren irgendeinen Beitrag dazu geleistet hätten. Denn was braucht man nämlich, um solche Steuerreformen durchzusetzen? Man braucht gesellschaftliche und politische Mehrheiten.

Ich weiß nicht, ob Ihr Beitrag im Zuge Ihrer angehenden Selbstauflösung wirklich was dazu leistet,

Das ist jetzt echt gemein!

weil ich glaube, wenn man politische Mehrheiten in diesem Hause erzeugen will, dann ist es vielleicht angeraten, sich nicht nur mit sich selbst und mit der Gründung neuer Parteien zu beschäftigen, sondern auch für die Inhalte einzutreten; und das haben Sie in den letzten Monaten tatsächlich sehr vermissen lassen.

Was ist das denn für ein dummes Zeug? Ein dummes Zeug!

Weitere Zurufe von der LINKEN

– Das ist kein dummes Zeug.

Im Ergebnis muss ich sagen, dass wir über beide Maßnahmen noch sprechen werden. Es sind wichtige Maßnahmen, die jetzt auslaufen. Auch ich glaube nicht, dass es der sinnvollste Weg ist, während einer Heizperiode eine zugesagte Steuerunterstützung zu entziehen. Das heißt, wir werden in den Haushaltsberatungen darüber noch Entscheidungen treffen, genauso wie zur Frage der Umsatzsteuerermäßigung auf Speisen in der Gastronomie.

Hochmut kommt vor dem Fall!

Ich freue mich auf die weiteren Diskussionen. Wir werden den Antrag heute in den Ausschuss überweisen; das heißt, wir werden Gelegenheit haben, im Finanzausschuss darüber weiter zu reden, und heute auch noch mal, gleich in doppelter Weise, weil noch Anträge von der Union und von der AfD vorliegen.

Heiterkeitder Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich freue mich also auf die weiteren Debatten, und vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Katharina Beck
Foto: Katharina Beck/Oliver Hadji
8 Vermerkeca. 628 WörterReaktionswert: hoch
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Liebe Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Ich möchte erst mal was zu der Grundlage der ganzen Preissteigerungen sagen und dann analysieren, was Mehrwertsteuersenkungen können, aber auch nicht können. Da verstrickt sich Die Linke leider in Widersprüche, und da haben leider auch die anderen Oppositionsparteien keine Antwort.

Gegenrufevon der SPD

Was sind denn die Gründe für die Preissteigerungen, die wir unmissverständlich sehen? Sie sagen: Energie und Lebensmittel waren in den letzten Jahren die stärksten Preistreiber. – Aber was Sie – das wundert mich auch nicht – leider nicht sagen, ist, wer eigentlich der stärkste Preistreiber war. Das war Putin und sein unfassbarer Angriffskrieg auf die Ukraine.

Aber nicht alleine!

Mit diesem Angriffskrieg hat Putin nicht nur großes Leid über das ukrainische Volk und Europa gebracht, er hat außerdem seine Erdgasreserven als Waffe gegen uns alle, alle deutschen Bürgerinnen und Bürger, eingesetzt und diesen Einsatz von langer Hand geplant und vorbereitet.

Das ist ein Ablenkungsmanöver!

Und deshalb erhöhen Sie jetzt die Mehrwertsteuer? Ist ja super!

Ich möchte einmal daran erinnern: Schon Anfang 2021 hat Russland seine Gaslieferungen an Deutschland deutlich reduziert und im Sommer nicht wie sonst üblich die Gasspeicher aufgefüllt. Im Oktober 2021, ausgerechnet zu Beginn der Heizperiode, reduzierte Gazprom seine Lieferungen über Polen nach Deutschland noch einmal drastisch und stoppte sie im Dezember vollständig, also schon über zwei Monate vor dem Beginn des Krieges. Allein im Jahr 2021 hatten sich die Gaspreise schon ungefähr verfünffacht; das hatten wir noch gar nicht richtig bemerkt. Aber man sieht: Dahinter steckt eine lang geplante Strategie, und Putin ist die Kernursache für die Preissteigerungen. Denn aufgrund von Energiepreissteigerungen steigen auch die Lebensmittelpreise. Deswegen ist das eine sehr stark durch Putin und durch Russland getriebene Inflation, die wir hier erleiden müssen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der FDP

Und deshalb erhöht die Ampel die Preise jetzt weiter!

On top gibt es gerade noch eine Seeblockade für Getreidelieferungen, bei der wirklich mit dem Hunger von Menschen gespielt wird.

Was hat das mit dem Antrag zu tun?

Diese Russlandfreundlichkeit auf beiden Seiten dieses Hauses ist wirklich sehr schwer zu ertragen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Natürlich ist auch schwer zu ertragen, wie strategisch unklug die Energiepolitik der unionsgeführten Regierungen war. Uns so abhängig von einem Gaslieferanten zu machen, auf den man nicht zählen kann, das sollten wir nie wieder machen. Deswegen sind wir ja auch strategisch die Ursachen angegangen.

Ja, wir haben auch mit der Mehrwertsteuer gearbeitet; aber wir haben die Gasspeicher dann auch sehr schnell wieder gefüllt. Wir haben diversifiziert, was unsere Gasimporte betrifft.

Wir haben Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren gemacht und sind jetzt schon über 20 Prozent schneller als in den Vorjahren, obwohl da strukturelle Dinge verändert werden müssen.

Wir als Staat und auch die Unternehmen haben sehr erfolgreich Gas eingespart, über 20 Prozent. Danke an alle Unternehmen und Menschen da draußen noch mal!

Und wir sehen leider, dass dann Konzerne Profite eingestrichen haben, weil sie aufgrund der Psychologie der Märkte wussten, dass es möglich ist, höhere Preise zu nehmen und höhere Profite zu machen. Das sind wir mit dem Energiekrisenbeitrag angegangen. Ja, den hätte ich mir noch ein bisschen besser vorstellen können; aber wir sind es nun mal angegangen.

Sie schlagen als Einziges vor, eine Mehrwertsteuersenkung zu verlängern.

Nein! Sie wissen, dass das nicht stimmt!

Das ist mir wirklich zu dünn. Da würde ich mir auch von der Linken ein bisschen mehr konzeptionelle Erarbeitung und weniger Selbstbeschäftigung wünschen.

Wir haben außerdem die Menschen mit anderen Dingen entlastet, zum Beispiel mit einer Energiepreispauschale. Das kommt mir auch viel zu kurz, und ich betone das, damit das noch mal wahrgenommen wird. Das ist erst ungefähr ein Jahr her.

Mehrwertsteuersenkungen sind imperfekt. Wir wissen nicht, wie viel davon wirklich an die Bürgerinnen und Bürger weitergegeben wird; wir Finanzierer/-innen wissen, dass wir das nicht wissen. Bei der generellen Mehrwertsteuersenkung, die es bei Corona gab, wurden nur ungefähr 60 Prozent – man weiß es nicht genau –, weitergegeben. Der Rest bleibt dann bei den Unternehmen.

Sie erhöhen! Sie senken nicht!

Der Punkt ist einfach: Bei der Gastro sollte die Senkung bei den Unternehmen bleiben. Es ist also wirklich eine schlechte Maßnahme, das als Staat zu tun.

Porträt von Katharina Beck
Foto: Katharina Beck/Oliver Hadji
ca. 30 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir machen das, weil man einfach nicht immer gezielt agieren kann; aber es ist nicht perfekt.

Hier muss man sich ehrlich machen. Wir möchten lieber gute Maßnahmen machen als solche, –

6 Vermerkeca. 256 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Es gibt viele Gründe, warum wir uns heute mit dem Thema beschäftigen. Es gibt auch viele Gründe, die man einfach nicht dafür heranziehen kann, weil sie einfach falsch sind; denn die Hauptursache ist die Politik der Ampel selbst.

Ich spreche mich auf jeden Fall strikt dagegen aus, weitere Steuererhöhungen in der Situation durchzuführen, in der die Haushalte kämpfen müssen, mit ihren Kosten zurechtzukommen. Ich selbst merke es, wenn ich einkaufen gehe. Für ein Wochenende für zwei Personen ist ein Einkauf unter 100 Euro kaum möglich.

Früher waren es 30 oder 40 Euro, die man dafür gebraucht hat.

Fürs Wochenende?

Und dann muss ich Ihnen mal ganz klar sagen: Der jetzige Beschluss – – Ich weiß nicht, was es da zu lachen gibt. Die Leute spüren das alle in ihrem Geldbeutel. Sie machen sich über die Leute lustig, nicht über mich. Mich stört es sowieso nicht. Ob Sie lachen oder nicht, ist mir scheißegal.

Nein! Wir wüssten gerne Ihre Einkaufsliste!

– Ja, ich gehe selber einkaufen. Ja, Tatsache. Stellen Sie sich das vor!

Das bestreite ich ja nicht! Aber 100 Euro fürs Wochenende?

Und dann muss ich noch was sagen, was viel wichtiger ist: Eine einzelne drei- oder vierköpfige Familie zahlt angesichts dieses Heizhammers 300 Euro bis 330 Euro mehr im kommenden Jahr. Das kommt mitten in der Heizperiode auf die Leute zu. Was fällt Ihnen von der Ampel eigentlich ein, solche Sachen abzuziehen?

Bei Ihrer Rede fällt mir auch nichts ein!

Das Nächste ist: Die Ursache ist die Nullzinspolitik. Bedauerlicherweise fallen mir sehr viele ökonomische Argumente ein. Die kann ich alle nicht bringen; ich weiß.

Mit Ökonomie hat das nichts zu tun!

Was mir aber einfällt und sofort noch angesprochen werden muss, ist, –

1 Vermerkca. 13 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

– dass sich Ihre Regierung offensichtlich in erster Linie nur um die Ukraine kümmert, –

Zurufevon der SPD: Oah!
1 Vermerkca. 5 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

– nur um die Ukraine kümmert, –

5 Vermerkeca. 27 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

– mit 22 Milliarden Euro,

Die Redezeit ist vorbei!

aber auch 10 Milliarden Euro Klimaschutz für Indien – –

Aber ich nehme mir noch einen Schluck Wasser!

Das können Sie auch mitnehmen!

– Sie können es mitnehmen.

Das Wort hat der Kollege Carlos Kasper für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
6 VermerkeZwischenfrageca. 332 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Ja, manchmal schämen wir uns auch. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen. Der Vorteil, als letzter Redner an das Rednerpult zu treten, ist, auf die vorhergehenden Redebeträge eingehen zu können. Da muss man auch bei diesem etwas klarziehen: Nicht die Ampelregierung hat Schuld an den horrenden Energiepreisen und an der hohen Inflation, es ist der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Wir unterstützen die Ukraine zu Recht; denn es geht auch um unseren Frieden.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufvon der CDU/CSU: Auch!

Das sage ich ausdrücklich heute am Internationalen Tag des Friedens.

Aber natürlich ist auch die Ampel in der Pflicht, die Auswirkungen der Krise gerade für die kleinen und mittleren Einkommen, die so sehr unter der hohen Inflation leiden, einzudämmen.

Das Gegenteil machen Sie!

Deshalb habe ich mich auch auf diese Debatte heute hier gefreut, aber ich wurde gleich von mehreren ernstzunehmenden Oppositionsparteien enttäuscht. Zum einen war der Antrag der Linken als großer Gerechtigkeitsantrag angekündigt. Ich hatte extra neues Papier in den Drucker gelegt, und dann: nur diese eine Seite Antrag

Das ist umweltfreundlich!

zu einem so wichtigen Thema – enttäuschend. Aber was soll man auch erwarten, wenn sich die eigene Fraktionsvorsitzende lieber um die Parteineugründung kümmert

Die Rede finden wir jetzt enttäuschend!

als um die Sorgen und Nöte der Menschen in unserem Land.

Aber in der Sache kann man Ihrem Antrag auch etwas Positives abgewinnen. Gerade die Mehrwertsteuer bei Gas und Fernwärme auf 12 Prozent zu erhöhen, halte ich in der aktuellen Lage nicht für angebracht. Aus sehr guten Gründen haben wir die Mehrwertsteuer bis zum 31. März 2024 befristet gesenkt. Wir wollten damit verhindern, dass die Preise mitten in der Heizperiode ansteigen. Was damals richtig war, kann heute nicht falsch sein.

Ja, das ist so!

Außerdem ist Ihr Antrag nicht gegenfinanziert.

Und was macht die Union hier, Frau Tillmann? Sie bläst in das gleiche Horn und fordert zusätzlich, die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zu senken.

Zurufder Abg. Antje Tillmann [CDU/CSU]

Das sind noch mal 7 Milliarden Euro weniger im Bundeshaushalt, und trotzdem würde sich gar nichts für die Menschen verbessern; denn von dieser Stromsteuersenkung würde ein Zwei-Personen-Haushalt um gerade mal 50 Euro im Jahr entlastet.

2 VermerkeZwischenfrageca. 79 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, dass Sie meine Zwischenfrage zulassen. – Sie haben eben unseren Antrag dargestellt und gesagt, die Erhöhung der Mehrwertsteuer bei Gas und Fernwärme sei falsch, und uns vorgeworfen, das sei nicht gegenfinanziert. Das war doch Ihr Gesetz, das regelt, die Mehrwertsteuersenkung bis zum 31. März zu reduzieren.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

Würden Sie dann bestätigen, dass Ihr Gesetz nicht gegenfinanziert war? Der Vorwurf richtet sich ja dann gegen Sie; denn im Gesetzblatt steht drin, dass Sie es bis 31. März laufen lassen wollen.

Beifallbei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Gute Frage!

7 VermerkeZwischenfrageca. 222 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Wir befinden uns, wie Sie ja bestimmt wissen, gerade in den Haushaltsverhandlungen des Bundeshaushaltes. Da werden wir dann auch die notwendigen Gelder auftreiben.

Aber ich sprach von Ihrem Antrag, der wirklich nur eine A4-Seite hat.

Das Wesentliche steht drin!

Sie sprechen darin von einer Steuererhöhung von rund 10 Milliarden Euro – wie Sie auf die Summe kommen, weiß ich nicht –, 7 Milliarden Euro bei Gas und Fernwärme pro Jahr; das verstehe ich nicht. Es sind 2,1 Milliarden Euro, um genau zu sein, die hier als Mindereinnahme eingebucht werden müssten, und die werden wir, glaube ich, in diesen Haushaltsverhandlungen auch auftreiben. Das Schlusswort hat natürlich der Bundestag als Haushaltsgesetzgeber. – Vielen Dank.

Wir waren gerade bei dem unzufriedenstellenden Antrag der Linken bzw. dem unzufriedenstellenden Gesetzentwurf der CDU, der heute Nachmittag folgt. Wer für Mindereinnahmen ist, muss natürlich auch sagen, wie diese gegenfinanziert werden sollen, und das machen Sie eben nicht.

Deswegen schlage ich vor, einfach mal über klimaschädliche Subventionen zu reden;

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

denn die stehen im Bundeshaushalt mit bis zu 65 Milliarden Euro drin.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wenn wir hier Reformen angehen würden, könnten wir nicht nur diese Vorschläge finanzieren, sondern auch noch was für die nachfolgenden Generationen tun. Allein durch die Reform des Dienstwagenprivilegs könnten bis zu 3 Milliarden Euro eingespart werden.

Zurufevon der CDU/CSU

Durch eine stärkere Besteuerung von Privatjets und Flugreisen könnten wir noch einmal bis zu 8 Milliarden Euro einspielen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN]

Stimmt doch gar nicht!

Zurufevom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Nein! Nein!
5 Vermerkeca. 122 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Ich bin hier an einer konstruktiven Debatte interessiert; deswegen lasse ich diese nicht zu.

Zurufvon der AfD: Ist doch super!

Sich mit klimaschädlichen Subventionen zu beschäftigen, ist nicht nur eine Frage des Geldes, es ist auch eine Frage der Gerechtigkeit;

Okay! Dann macht das doch!

denn in erster Linie profitieren von diesen Subventionen die Wohlhabendsten in unserer Gesellschaft.

Zurufdes Abg. Olav Gutting [CDU/CSU]

Wer mit seinem Privatjet fliegt und mit seiner Superjacht um die Welt fährt, verursacht nicht nur massenhaft CO2-Emissionen,

Immer dieser Klassenkampf, Herr Kasper!

sondern profitiert auch noch von verschiedenen Ausnahmen bei der Steuer, und das auf Kosten der Gesellschaft.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Gerade in der jetzigen Lage brauchen wir mehr Anstrengungen als zwei Forderungen auf einer A4-Seite. Lassen Sie uns lieber gemeinsam an den Punkten arbeiten, bei denen die Reichen auf Kosten der Gesellschaft profitieren! Lassen Sie uns zielgenau diejenigen entlasten, –

1 Vermerkca. 8 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– die am härtesten von der Krise betroffen sind!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Gottfried Curio
Foto: Dr. Gottfried Curio/ Hagen Schnauss
21 Vermerkeca. 713 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Präsidentin! Meine Damen und Herren! Hätte Innenministerin Faeser mal so viel Eifer wie bei der Entlassung Schönbohms in ihren eigentlichen Aufgabenbereich investiert, in Grenzschutz, innere Sicherheit, Abschiebungen, dann hätte Deutschland jetzt kein Aufnahmeproblem, Europa keine Migrationskrise, gäbe es die Bilder aus Lampedusa nicht. Denn es läge in ihrer Macht, dem Ganzen ein Ende zu bereiten. Die Migranten wollen vor allem nach Deutschland. Aber Faeser will schon wieder Solidarität zeigen, die Migranten aus Lampedusa aufnehmen. Wenn nächste Woche wieder eine Armada dort anlandet: Deutschland nimmt sie im Zweifelsfall – Frankreich übrigens nicht.

Deutschland sorgt dafür, dass der Strom nicht versiegen wird. Dabei hatte Deutschland letztes Jahr dreimal so viel Asylerstanträge wie Italien. Das muss wohl die vielgepriesene EU-Solidarität sein, die den schon am stärksten Belasteten zugunsten der anderen dann immer noch stärker belastet. Wir brauchen keine solidarischen Aufnahmen, keine europäischen Verteilungen, schon gar nicht die CDU-Frau von der Leyen, sondern Entschiedenheit. Niemand aus Innerafrika ist am Mittelmeer auf der Flucht. Deutschland passt flächenmäßig 85-mal in Afrika hinein, Afrika aber nicht in Deutschland. So einfach ist das.

Beifallbei der AfD

Die Attraktivität Europas wird aber bleiben; denn das Gefälle des Lebensstandards wird bleiben. Lieber in Deutschland auf Stütze leben als in Afrika arbeiten.

Widerlich! Bullshit!

Also heißt die Lösung, wenn die nächste Flotte von Wohlstandsmigranten in Europa einfällt: Gute Rückreise! Baut euch einen schönen Kontinent auf!

Deshalb sofort Stopp aller Programme, bei denen Deutschland selbst als Schleuser auftritt: kein Familiennachzug für illegale Zuwanderer. Der muss nicht in Deutschland stattfinden.

Das ist doch alles die Unwahrheit!

Die Sehnsucht scheint nicht so groß gewesen zu sein, als die Quartiermacher vorgeschickt wurden – von betuchten Familien übrigens, die sich Schleuserkosten und Lebensgefahr gerne leisten, um sich das später im Schlaraffenland Deutschland hundertfach zurückzahlen zu lassen.

Aus Nichtflucht-, sondern Transitländern wie Tunesien oder Türkei kann niemand aufgenommen werden. Kein Nigerianer ist in Tunesien auf der Flucht, kein Syrer, Afghane in der Türkei. Sobald diese Länder sich als Sackgasse herumsprechen, versiegt der Strom der Glücksritterkarawane sofort.

Beifallbei der AfD

„Afghanische Ortskräfte“, ein pervertierter Begriff. Vielleicht gab es ein paar Hundert. Die Regierung erfindet 44 000

Lügen! Das sind Lügen! Sie lügen! Natürlich gab es mehr Ortskräfte, als Sie das sagen!

plus jedes Jahr noch mal 12 000 im Rahmen eines willkürlichen Aufnahmeprogramms. Alles überflüssig, Schluss mit dem ganzen Quatsch.

Wenn die polnische Regierung Hunderttausende Arbeitsvisa unter der Hand verkauft, Italien sich weigert, dort Erstregistrierte wieder aufzunehmen, wenn Griechenland angeblich nicht zumutbar ist, dann kann Schengen die Außengrenzen selbst nicht schützen. Deutschland muss selbst die notwendigen Schutz- und Kontrollmaßnahmen an seiner Grenze zumindest auf Zeit wieder aufnehmen.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wer Abschieben nicht schafft, darf sowieso erst mal niemanden neu aufnehmen.

Stattdessen sendet Faeser aber ganz andere Signale: Chancen-Aufenthalt für Nichtaufenthaltsberechtigte, Turboeinbürgerung, sobald der Afghane die drei Buchstaben SPD lesen kann.

Was für ein Quatsch!

In Hessen ist die Verzweiflung so groß, dass jetzt sogar das Wahlrecht für Asylbewerber kommen soll. Mein Gott, wie peinlich ist das denn?

Den unhaltbaren Migrationszuständen verdanken wir explodierende Zuwanderergewalt: zu Silvester in Berlin, Zerstörungsfeste unserer Neubürger, Freibäder für Mädchen und Frauen nicht mehr betretbar, in den Innenstädten Clankriege,

Bullshit!

Bandenkompromisse handeln Scharia-Richter aus. Wenn es wieder eine Schlägerei verfeindeter Ausländergruppen gibt, sagt Faeser irgendwo: Gewalt bei uns geht gar nicht. – Wenn wieder so ein traumatisierter Betreuungsfall unschuldige Menschen aufschlitzt, sagt sie: Wir brauchen wirklich mehr Sozialarbeiter.

Das ist ekelhaft!

Was wollen da alle Parteien außer der AfD? Weiter mit der Zuwanderung aus Nahost und Schwarzafrika. Die Ampel sowieso.

Unverschämt!

Die Union fordert Hunderttausende jährlich einfach als Kontingent.

Was für ein Wahnsinn, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Jetzt bringen Sie die hässlichen Bilder von 2015 in unsere Städte. Bahnhöfe, Parks, Schulen: immer öfter Angstzonen. Täglich Dutzende Messerattacken, zweimal täglich Gruppenvergewaltigung, Schwimmbadterror den ganzen Sommer durch, Schlägereien von Großfamilien in Dauerschleife.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Lübeck: Faesers Polizei will die Beweisvideos der Migrantengewalt unterdrücken. Stattdessen: für alle schnell Wahlrecht. Kein Politiker will diese illegalen Grenzübergänge stoppen außer die AfD. Wir sagen: Abschieben schafft Sicherheit. Wer Grenzen schützt, schützt Menschen.

Beifallbei der AfD

Aber die Union will die verheerende Migrationspolitik von Ampel-Faeser gar nicht ändern. Sie will AfD-Anträge scheinheilig kopieren,

Das haben wir nicht nötig!

aber gleichzeitig die Ampelministerin Faeser behalten, wie sie uns gestern gezeigt hat. Man muss sich das mal vorstellen. Wer braucht denn so eine Pseudoopposition, die möchte, dass die Regierung im Amt bleibt?

Beifallbei der AfD

Mehr als ablesen können Sie auch nicht, oder?

Ihr Wähler der Union, ihr Wähler in Bayern, ihr Wähler in Hessen: Schaut auf diesen Saal und erkennt, dass ihr dieser Union nicht trauen dürft und nicht trauen könnt!

Beifallbei der AfD

Ich gebe jetzt das Wort dem Kollegen Dirk Wiese.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Dirk Wiese
Foto: Dirk Wiese/ Marco Urban
20 Vermerkeca. 834 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich bin der AfD dankbar für diese Aktuelle Stunde, weil sie uns nach dieser substanzlosen XY-Rede vom Kollegen Curio, die wir ja gefühlt einmal pro Woche hier im Bundestag erleben,

jetzt die Möglichkeit gibt, hier mal mit ein paar Sachen aufzuräumen und ein paar Dinge klarzustellen. Ich will das sehr deutlich machen: Die AfD verlangt hier eine Aktuelle Stunde, sie hat aber keine Lösungen.

Das habe ich gerade aufgezählt!

Weitere Zurufe von der AfD

Die AfD freut sich, dass wir eine herausfordernde Lage im Land haben, dass wir Schwierigkeiten haben.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie müssen mal zuhören, Herr Wiese!

Die AfD erfreut sich daran, wenn es in diesem Land manchmal Schwierigkeiten gibt, wenn es Leuten schlechtgeht,

Ihr macht doch die ganzen Schwierigkeiten!

weil sie nur schaut, dass sie daraus ihren eigenen kurzfristigen Profit ziehen kann. Das muss man hier noch mal sehr deutlich betonen.

Wenn wir uns die Ursachen anschauen, warum die Lage der Migration herausfordernd ist, dann stellt man fest: Einer der Gründe ist, dass Migration von anderen Staaten als Waffe gegen die Europäische Union eingesetzt wird, um Demokratien zu destabilisieren.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Ich will das mal sehr deutlich machen: Die Nibelungentreue der AfD gegenüber dem Kriegstreiber Putin ist ja eine Farce an sich,

Zurufdes Abg. Hannes Gnauck [AfD]

weil Putin ja selber Migration als Waffe gegen die Europäische Union einsetzt, weil Putin ja selbst versucht, die Europäische Union dadurch zu destabilisieren.

Sie stützen ihn auch noch und erwähnen dies nicht einmal, Herr Curio. Das zeigt, wie entlarvend Ihre heutige Rede gewesen ist.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ja, wir sind momentan in einer nicht einfachen Situation. Das wissen wir, weil wir alle in unseren Wahlkreisen, in den Städten und Gemeinden unterwegs sind und mit den Bürgermeistern, den Landräten sprechen.

Zurufvon der AfD: Über was denn?

Aber – das gehört zur Ehrlichkeit dazu – wir sind in dieser herausfordernden Situation – in Kitas, in Schulen –,

Seit acht Jahren seid ihr in der Situation!

weil wir auf der einen Seite über 1 Million Menschen aus der Ukraine bei uns aufgenommen haben, denen wir Schutz geben, denen wir hier eine Zuflucht vor dem russischen Angriffskrieg bieten wollen. Das muss man immer miterwähnen; es wird manchmal von der Union verschwiegen. Auf der anderen Seite haben wir in diesem Jahr – Stand heute – 200 000 Menschen, die – aus unterschiedlichsten Gründen – aus anderen Ländern hierhergekommen sind. All das macht die Situation, in der wir uns befinden, zu einer Herausforderung. Da muss man sich natürlich die Frage stellen – und das tun wir als Ampelkoalition auch –: Wie kann man den Menschen in dieser Situation gerecht werden?

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Was in dieser Situation aber nicht hilft – weil es den Menschen nicht hilft und Lösungen vorgaukelt –, das ist eine Symbolpolitik, wie wir sie schon 2016 erlebt haben, nämlich von einer „Obergrenze“ zu faseln, die rechtlich nicht geht, die nicht funktioniert. Dass die Union diesen alten Wein in neuen Schläuchen jetzt im bayerischen Landtagswahlkampf wieder auspackt, zeigt, dass Sie keine Lösung für diese Situation haben.

Sie haben gar nichts!

Weitere Zurufe von der CDU/CSU

Ich will das noch einmal erwähnen: Ihre Fraktion wäre an der Obergrenzendiskussion, an die wir uns noch sehr gut erinnern, beinahe zerbrochen. Von daher kann ich nur raten: Arbeiten Sie an konstruktiven Lösungen mit, und führen Sie nicht solche Scheindebatten über Obergrenzen, wie wir sie schon einmal erlebt haben!

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Letzte Periode habt ihr es mitgetragen im Koalitionsvertrag!

Wir als Ampelkoalition wollen jedenfalls richtige Gesetze auf den Weg bringen, und das tun wir auch. Dazu muss man ehrlicherweise sagen, dass man in einigen Bereichen Lebensrealitäten anerkennen muss.

Man muss also Lebensrealitäten nur in einigen Bereichen anerkennen! Junge, Junge, Junge!

Und ja, es gibt nun einmal Menschen, auch bei uns im Land, die hier über einen sehr langen Zeitraum im Status der Duldung gewesen sind. Diese Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt mittlerweile selbst. Sie sind mit ihren Familien hier angekommen, ihre Kinder gehen hier in die Kita, sie gehen hier in die Schule. Dass wir diesen Menschen mit dem Chancen-Aufenthaltsrecht eine Perspektive für eine gute Zukunft in diesem Land gegeben haben, war – das sage ich ganz deutlich – richtig.

Beifalldes Abg. Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

22 Aufrechte in der Unionsfraktion haben das ja auch nicht abgelehnt, und das war auch gut so.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dass es diese 22 Aufrechten in der Unionsfraktion sowie einige Debattenbeiträge auf Twitter, die ich in den letzten Tagen sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen habe, gegeben hat, stimmt mich im Hinblick auf die CDU durchweg positiv. Denn nach dem, was ich seit Sonntag so verfolgt habe, bin ich froh, dass Daniel Günther wahrscheinlich doch keine Einzelmeinung in der Union vertritt. Ich wünsche Ihnen alles Gute für die weiteren Diskussionen, die Sie diesbezüglich intern noch vor sich haben.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Konzentrieren Sie sich mal auf Ihre Probleme! Da haben Sie genug zu tun!

Es ist übrigens richtig, dass wir uns als Ampelkoalition auch darauf verständigt haben, Georgien und die Republik Moldau als sichere Herkunftsstaaten einzustufen. Dabei ist es auch richtig, nicht nur die Einstufung als sichere Herkunftsstaaten vorzunehmen, sondern gleichzeitig mit diesen Ländern Migrationsabkommen zu schließen – auf Augenhöhe –, damit diese Länder die Menschen, die keine Perspektive bei uns haben, die einen Ablehnungsbescheid bekommen haben, zurücknehmen. Nur – damit will ich noch einmal aufräumen –: Die alleinige Einstufung als sicheres Herkunftsland führt ja nicht dazu, dass diese Länder die Menschen zurücknehmen. Es führt nur dazu, dass ein Verfahren hier schneller läuft. Was wir brauchen, sind Migrationsabkommen. Darauf setzen wir als Ampel einen Schwerpunkt und werden dies auch weiter tun, weil das der richtige Weg ist, in dieser herausfordernden Situation zu Lösungen beizutragen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Stephan Thomae [FDP]
Zurufdes Abg. Dr. Gottfried Curio [AfD]
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Philipp Amthor
Foto: Philipp Amthor/Tobias Koch
25 Vermerkeca. 674 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, zumindest in einem sind wir uns einig: Die AfD instrumentalisiert die Migrationskrise.

Zurufevon der AfD

Aber Sie tragen zu keiner Lösung bei. Sie präsentieren hier Woche für Woche dieselben Reden. Das löst die Probleme in unserem Land jedenfalls nicht, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wer hat denn die Probleme erzeugt?

Es ist richtig, Herr Kollege Wiese, wenn Sie feststellen: Die AfD hat eigentlich das Ziel, unsere Demokratie zu destabilisieren.

Ihr stimmt aber mit denen ab!

Zurufevon der AfD

Zur Wahrheit gehört aber auch: Eine tatsächliche Destabilisierung unserer Demokratie geht im Moment davon aus, dass diese Regierung die bestehenden Probleme in unserem Land nicht löst, liebe Kolleginnen und Kollegen, gerade in der Migrationspolitik.

Die CDU hat sie auch nicht gelöst!

Sie treffen sich doch mit der AfD!

Ich will es in aller Klarheit sagen: Dazu, dass Frau Faeser auch noch stolz darauf ist

Sie wollen sie ja behalten!

und sagt, sie als Innenministerin habe solche Spuren hinterlassen und das Asylrecht in Deutschland so stark verändert wie noch kein Innenminister vor ihr,

kann ich nur sagen: Das ist wahrscheinlich richtig. Sie hat es verändert, aber in die falsche Richtung, und das gemeinsam mit Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Deshalb wollen Sie sie behalten! Logisch!

Es braucht eine gemeinsame Kraftanstrengung. Ich würde dieses Problem gerne konstruktiv mit Ihnen zusammen lösen, und es ist gut, wenn der Bundeskanzler sagt: Es braucht in dieser herausfordernden Lage eine gemeinsame Kraftanstrengung, meinethalben auch einen Pakt für Deutschland. – Aber wenn es einen gemeinsamen Pakt für Deutschland braucht, dann vor allem in der Migrationspolitik. Da müssen Sie sich von Ihrer grünen Ideologie verabschieden, meine Damen und Herren. Das müssen Sie als Hausaufgaben erledigen.

Beifallbei der CDU/CSU

Außer Ideologie fällt Ihnen nichts ein, oder?

Ich sage Ihnen ganz deutlich: Sie sind im Moment die Geisterfahrer in Europa. Alle anderen reagieren darauf, dass wir mitten in einer Migrationskrise sind, dass der Migrationsdruck zu groß wird.

Sie waren 16 Jahre Geisterfahrer!

In Dänemark haben selbst die Sozialdemokraten jetzt für einen radikalen Kurswechsel gesorgt: Abschiebepolitik, konsequente Rückführung.

Was haben Sie denn gemacht?

In Schweden werden die Zugänge zum Sozialstaat begrenzt, indem Arbeitserlaubnisse an Mindesteinkommen gekoppelt werden. Frankreich lehnt eine weitere Aufnahme von Flüchtlingen, insbesondere aus Lampedusa, konsequent ab. Italien, Österreich, Griechenland: Wir könnten das beliebig fortsetzen. Nur Deutschland ist der Geisterfahrer, und ich konkretisiere: Sie, die Ampel, sind der Geisterfahrer, und zwar gegen die Bevölkerung.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie waren der Geisterfahrer! 16 Jahre lang!

Denn das Problem ist: Diese Migrationspolitik verliert völlig den Rückhalt in der Bevölkerung.

Durch die Debatten, die Sie hier führen!

Wir müssen feststellen, dass durch Ihre Arbeit mittlerweile sogar die gesellschaftliche Akzeptanz des Grundrechts auf Asyl schwindet.

Was ist das für eine Frage?

Schöne Grüße an Thorsten Frei!

Die Mehrheit der Bevölkerung ist der Auffassung, dass wir nicht mehr Flüchtlinge aufnehmen sollen. Ich finde, Sie sollten dazu beitragen, dass es eine Akzeptanz für das Asylrecht gibt.

Ihr wollt es doch abschaffen!

Aber Sie bewirken mit Ihrer Politik das Gegenteil, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir müssen uns schon darüber klar sein: Die Zahlen sind einfach zu hoch.

Wollen Sie die Menschen zurück in die Ukraine schicken, oder was ist das Ziel? Ist das die Unterstützung für die Ukraine? Herzlich willkommen am rechten Rand, Herr Amthor!

Bis zu 600 illegale Migranten am Tag; die Dunkelziffer steigt. 200 000 Asylbewerber kamen in diesem Jahr bis einschließlich dieses Monats nach Deutschland. Wir sind an den Grenzen der Aufnahmefähigkeit dieses Landes angelangt.

Beifalldes Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]

Wenn Sie das ignorieren, dann schaden Sie dem Vertrauen in die gesamte Politik, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Dr. Gottfried Curio [AfD]

Wenn wir über Grenzkontrollen reden, ist für uns völlig klar: Das, was an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich richtig ist, das kann in Sachsen, das kann in Brandenburg, das kann in Mecklenburg-Vorpommern, das kann an allen deutschen Grenzen nicht falsch sein.

Da ist gar nichts richtig!

Wir brauchen Grenzkontrollen in diesem Land, und zwar flächendeckend, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Allen Anwürfen zum Trotz: Wir wollen nicht, dass der Schlagbaum fällt, aber wir wollen illegale Migration stoppen, und diesem Wunsch sollten Sie sich anschließen.

Reden Sie einmal mit Armin Laschet zum Thema Grenzkontrollen!

Hören Sie auf unsere Innenminister, auf Michael Stübgen, auf Armin Schuster, auf viele Kollegen, die klar das Richtige fordern. Bewegen Sie sich beim Thema Grenzkontrollen!

Beifallbei der CDU/CSU

Und ich sage Ihnen: Grenzkontrollen sind ein Element. Es braucht nationale Maßnahmen. Wir haben dazu Vorschläge gemacht; wir werden sie morgen in der Debatte diskutieren. Aber wir brauchen auch auf der europäischen Ebene den großen Wurf. Wir haben dazu Vorschläge gemacht. Kommen Sie raus aus Ihrer linken Ecke, und gehen Sie auf die klugen Vorschläge ein, die Thorsten Frei und andere gemacht haben.

Genau: Hunderttausende aufnehmen! Kontingente!

Wir brauchen einen Systemwechsel. Wir müssen weg von der ungesteuerten Zuwanderung, die Sie befördern. Dazu reichen wir Ihnen die Hand. Nur so werden wir der immer weiteren Erosion des Asylrechts in unserem Land beikommen können.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Marcel Emmerich
Foto: Marcel Emmerich / Moritz Reulein
23 Vermerkeca. 719 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! In dieser Aktuellen Stunde, in dieser Debatte, zeigt sich wieder, wie die AfD unterwegs ist.

Zurufevon der AfD

Sie stufen andere herab, Sie beleidigen andere. Geflüchtete sind in Ihren Augen keine Menschen; für die haben Sie nur Verachtung übrig.

Hetzen Sie nicht so viel!

Sie sind für Sie keine Menschen, die Hunger haben, die schlafen müssen, Menschen mit Träumen und Wünschen. Sie wollen Mitmenschen leiden sehen.

Hetzen Sie nicht so viel! Ein bisschen weniger Verleumdung!

Weitere Zurufe von der AfD

Und ich sage Ihnen noch etwas: Ihre Politik ist gescheitert, und Ihre Politik scheitert. Ihre rechtsextremen Geschwister in Italien, Giorgia Meloni und Matteo Salvini, kriegen da gar nichts auf die Kette! Keine Ordnung, nur Chaos – das ist die Politik von Postfaschisten, von Rechtsextremen!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Stephan Thomae [FDP]
Widerspruchbei der AfD

Sie kriegen nichts auf die Kette! Sie machen nichts besser, aber alles schlechter! Das ist die AfD!

Und jetzt schauen wir uns die Vorschläge, die zur Debatte stehen, noch einmal genauer an. Es gibt momentan so etwas wie einen Wettbewerb um die härteste Forderung gegen Geflüchtete.

Erstens: stationäre Grenzkontrollen, flächendeckend; Herr Amthor hat es ausgeführt. Das ist wirklich Placebopolitik aus dem Lehrbuch.

Nein! Die die Probleme lösen! Anders als ihr!

Nehmen wir dazu mal den Brief der Gewerkschaft der Polizei zur Hand, der diese Woche an die Mitglieder des Innenausschusses des Deutschen Bundestages geschickt wurde.

Ich zitiere: Auch mit stationären Grenzkontrollen sind Zurückweisungen in das Nachbarland im Regelfall gesetzlich nicht möglich, wenn die Person Asyl begehrt hat, erst recht bei Asylersuchenden aus den Hauptherkunftsstaaten mit sehr hoher Schutzquote.

Auch an der deutsch-österreichischen Grenze wird heute faktisch niemand, der „Asyl“ sagt, zurückgewiesen.

Bei gegenderten Polizeibriefen sollten Sie schon skeptisch werden!

Wir sehen also: Stationäre Grenzkontrollen funktionieren nicht, außer man möchte an das Asylrecht ran.

Das sollten Sie mal machen!

Zurufevon der AfD

„Die Akzeptanz dafür ist gestiegen“, haben Sie gesagt. Und dann greifen Sie gleich zu, oder nicht, Herr Thorsten Frei von der CDU? Sie wollen nämlich das individuelle Recht auf Asyl abschaffen.

Guter Vorschlag! Das würde Probleme lösen, anders als Ihre Politik!

Das hat in Europa auch schon Viktor Orban durchgesetzt, und zwar rechtswidrig, laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes.

Damit zu Punkt zwei. Was ist mit unserer historischen Verantwortung? Was passiert im Mittelmeer danach? Was ist mit der schrecklichen Situation an den Außengrenzen? Wird irgendwas besser? – Nein.

Durch Ihre Ignoranz aber auch nicht!

Punkt drei. Die CSU hat die Obergrenze wiederentdeckt, aber noch immer kein Konzept und keine schlüssige Antwort auf die Frage: Was passiert mit den Geflüchteten an der Stelle 200 001? Das sind Nebelkerzen. Das ist: Sand in die Augen streuen. Ich muss sagen: Ich bin da enttäuscht.

Damit können wir leben!

Ich bedaure es sehr, dass in der Union ein so optimistischer und von Verantwortung strotzender Satz wie „Wir schaffen das“ überhaupt nichts mehr bedeutet.

Weil Sie es nicht schaffen, das ist das Problem! Sie schaffen es nicht!

Ich sage es Ihnen ehrlich und aufrichtig: Das ist keine Rückendeckung für die Helferkreise, für die engagierten Kräfte in den Behörden, bei Caritas und Rotem Kreuz. Das ist wirklich sehr traurig, was mit Ihnen passiert. Von Ihrer Geschichte von „Wir schaffen das“ ist in Ihrer Fraktion, in Ihren Reihen leider nur noch ganz wenig übrig.

Sie erkennen das Problem nicht! Sprechen Sie mal über die Regierungspolitik!

Sehr geehrte Damen und Herren, wir haben Antworten.

Antworten? Jetzt aber!

Wir arbeiten sehr, sehr intensiv daran, überlegen zusammen mit den Kommunen – wir stehen alle im Austausch mit den Bürgermeistern und Landräten –, was wir da tun können.

Es geht natürlich darum, dass wir die Kommunen finanzkräftig unterstützen, bei Wohnungsbau, Kitas und Integrationsarbeit. Dahin gehend ist eine Integrationsoffensive wichtig, um die Ausländerbehörden zu unterstützen, die Verfahren zu entbürokratisieren, um Sprachkurse nach vorne zu bringen, da auch mal ganz neu zu denken in Richtung E-Learning.

500 000 Lehrer gehen im nächsten Jahr! Wo sollen die denn herkommen?

Auch die Frage der Beschäftigungsverbote steht immer noch auf der Agenda. Da müssen wir ran. Das sind alles wichtige Punkte. Es wird viel zu viel über Abschottung geredet und viel zu wenig darüber, wie wir mit Integration hier die Kurve bekommen können. Und dazu tragen Sie hier in diesem Haus überhaupt nichts bei.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Und der Haushaltsplan? Da wurden gerade wichtige Positionen gestrichen!

Wir haben ein neues Fachkräfteeinwanderungsgesetz auf den Weg gebracht – 400 000 Fachkräfte fehlen in diesem Land –, und dagegen haben Sie sich gestemmt.

Gegen die Art und Weise, wie Sie das getan haben!

Wir haben das Chancen-Aufenthaltsrecht auf den Weg gebracht, das Geflüchteten eine Perspektive gibt, die hier geduldet sind, die in Betrieben dringend gebraucht werden. Diesbezüglich haben Sie überhaupt keine wirtschaftliche Vernunft mehr an Bord.

All das sind wichtige Punkte. Gleichzeitig arbeitet diese Koalition an Migrationsabkommen, weil das ein Baustein für eine moderne Migrationspolitik ist. Und da werden wir auch liefern. Das ist unser Ansatz als Ampelkoalition. Wir schauen der Realität ins Auge, und wir arbeiten an Lösungen, aber nicht auf so eine Art und Weise, bei der das Wort „Humanität“, wie bei Ihnen, überhaupt nicht mehr vorkommt.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
18 Vermerkeca. 763 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Wie wahrscheinlich viele von Ihnen war auch ich in diesem Sommer wieder sehr viel im Wahlkreis unterwegs, aber auch in ganz Bayern und in vielen anderen Regionen Deutschlands. Ich habe dort mit vielen Bundespolizisten, Grenzpolizisten, Bürgermeistern, Landräten und ehrenamtlichen Helfern gesprochen. Im ganzen Land bietet sich mir – wie wahrscheinlich auch Ihnen – das gleiche Bild: Die Bürgermeister und die Landräte weisen darauf hin, dass ihre Gemeinden, ihre Städte, ihre Landkreise am Limit ihrer Aufnahmefähigkeit angekommen sind,

Ganz genau!

dass Helfer aufgeben und dass Unterkünfte und Betreuungsplätze bis auf den letzten Platz belegt sind.

Aber auf eines will ich schon noch mal rekurrieren. Wenn jetzt die AfD und auch die Union mit dem Finger auf die Koalition zeigen,

Ja, auf wen denn sonst? Ihr seid doch in der Verantwortung!

so als hätte diese Koalition diese Krise ausgelöst,

Aber auch nicht gelöst!

Also, die jetzigen Fehler haben wir bestimmt nicht gemacht!

dann will ich auf einen Punkt hinweisen: Die Ursachen dieser Flüchtlingskrise liegen zeitlich weiter zurück. Ich will nur einmal daran erinnern, dass der russische Machthaber Putin, zu dem die AfD bekanntlich besonders innige Beziehungen unterhält, 2014 die Krim überfallen und annektiert hat

und die laue Reaktion der damaligen Bundesregierung Russland dazu ermuntert hat, 2022 die gesamte Ukraine zu überfallen. Das Resultat ist, dass über 4 Millionen ukrainische Menschen in andere Länder Europas geflohen sind, davon über 1 Million Menschen nach Deutschland.

Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Das ist auch ein Teil der Wahrheit, den man sehen muss.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Luiza Licina-Bode [SPD]

2015/2016 hat die damalige Regierung Merkel das falsche Signal einer schier unbegrenzten Aufnahmefähigkeit ausgesandt, so als könnten wir unbegrenzt viele Menschen einfach so bei uns unterbringen. Auch das ist eine Ursache dessen, dass 2022 rund 218 000 Menschen nach Deutschland gekommen sind; in diesem Jahr werden es wohl um die 300 000 sein. Insgesamt werden es in diesen beiden Jahren also 1,5 Millionen Flüchtlinge sein. Aber die Ursachen liegen in den Jahren 2015 und 2016 und nicht bei dieser Koalition, meine Damen und Herren. Das muss man an dieser Stelle auch einmal sagen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Ist das die neue Taktik der FDP?

Jetzt zu den Überlegungen, wie man dieser Sache Herr werden kann. Kollege Amthor, Sie haben gerade wieder ins Spiel gebracht, dass Grenzkontrollen – Sie nannten sie „flächendeckend“; „stationär“ ist wohl gemeint –

sozusagen das Mittel der Wahl seien, mit dem sich das Problem ein für alle Mal lösen ließe.

Hat er nicht gesagt!

Ich will aber schon darauf hinweisen, dass stationäre Grenzkontrollen die aufwendigste und eigentlich auch eine ziemlich veraltete Methode sind, um Grenzen zu sichern.

Aber die erfolgreichste!

Aber erfolgreich!

Einen Punkt will ich ansprechen. Ich glaube, für uns alle ist ein Europa der offenen Binnengrenzen schon ein hohes Gut, das niemand opfern will.

Jetzt bitte ich aber, mal zu überlegen, ob nicht andere, intelligentere Arten der Grenzraumüberwachung das aktuelle Mittel der Wahl sind. Seit dem Schengener Abkommen sind überall in Europa Grenzanlagen, Grenzgebäude und Grenzübergänge abgebaut worden, sind neue Straßen, Brücken und Wege gebaut worden. Es gibt heute viel, viel mehr Grenzübergänge, als es 2005 gegeben hat. Deswegen ist die stationäre Grenzkontrolle eine Art der Kontrolle, die ungeheuer viel Personal bindet, sehr punktuell ist und nur an bestimmten Grenzübergängen stattfindet, wohingegen eine intelligente Schleierfahndung im Grenzraum flexibel, schnell und an vielen Stellen einsetzbar ist.

Aber Sie können nicht zurückweisen! Zurückweisungen gehen nicht!

Noch ausgeweitet durch Drohnen und Videotechnik lässt sich auf diese Art und Weise eine viel bessere Überwachung des Grenzraums garantieren als durch eine stationäre Grenzkontrolle, die noch dazu den Nachteil hat, dass sie den Pendler-, Reise- und Warenverkehr immens beeinträchtigt. Man tut immer so, als wäre nur die die stationäre Grenzkontrolle die wahre Kontrolle und alles andere so larifari. Das ist aber nicht der Fall, und deswegen setzen wir auf mehr intelligente Schleierfahndung, meine Damen und Herren.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und der Abg. Gülistan Yüksel [SPD]

Ich möchte noch einen anderen wichtigen Punkt ansprechen. Das Hauptproblem, so glaube ich, ist die international agierende Schleuserkriminalität. Ich gehe davon aus, dass praktisch kein Flüchtling, der von weit her kommt, es auf eigene Faust aus Zentralasien oder aus Afrika bis nach Europa und bis nach Deutschland schafft. Da agieren die Schleuserbanden im Hintergrund, die immer rücksichtsloser, brutaler und skrupelloser werden, die nicht denen in Not helfen, sondern denen helfen, die am besten bezahlen. Das ist weltweit ein Millionengeschäft.

Milliarden!

Das ist das eigentliche Problem der Massenmigration. Wenn wir diese Massenmigration stoppen wollen, dann müssen wir bei den Schleusern ansetzen und den Schleuserbanden das Handwerk legen, weil sie nicht den Menschen helfen, die in Not sind, die vor Krieg, Bürgerkrieg, Verfolgung fliehen, sondern denen, die am meisten bezahlen.

Zurufder Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Deswegen brauchen wir – das zum Schluss – eine europäische bzw. internationale Kooperation und Ansätze, um diesen Banden das Handwerk zu legen.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Wir werden diese Krise nur europäisch lösen, meine Damen und Herren. Sie ist ein Stück weit selbst gemacht, und wir arbeiten jetzt das auf, was in der Vergangenheit versäumt worden ist.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Eijeijeijeijei!

12 Vermerkeca. 590 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich fordere uns alle hier zu einer sachlichen und ehrlichen Debatte auf; denn das Thema Migration hat es noch mehr als alle anderen Themen verdient, dass wir sachlich und mit dem nötigen Realismus darüber sprechen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Silke Launert [CDU/CSU] und Julian Pahlke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das sind wir alle hier den Menschen in unserem Land schuldig – sie erwarten, dass wir ihre Sorgen ernst nehmen –, und das sind wir auch unserem Land schuldig; denn wir wollen unbedingt die breite Akzeptanz von Migration erhalten.

Bei uns leben viele Menschen mit Migrationshintergrund, und wir wollen ja auch noch mehr qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland für unseren Arbeitsmarkt anwerben.

Aus all diesen Gründen brauchen wir hier keine vergiftete Debatte, aber auch keine unrealistische. Die Menschen erwarten von der Politik Wahrheit und Antworten. Zur Wahrheit gehört leider, dass es beim Thema Migration keine einfache und keine schnelle Lösung für die aktuelle Migrationskrise gibt. Diese Wahrheit müssen wir alle den Menschen zumuten und auch mal Klartext reden. Es gibt nirgends den geheimen Knopf, um das Problem von heute auf morgen abzustellen, den sich nur niemand zu drücken trauen würde.

Das darf aber nicht dazu verleiten, nichts zu tun!

Aber es gibt natürlich viele Ansatzpunkte für mehr Ordnung und Klarheit in der Migrationspolitik; ich komme darauf noch zu sprechen.

Zur Wahrheit gehört: Ohne Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine hätten wir nicht über 1 Million Menschen aus der Ukraine in Deutschland aufgenommen; auch das trägt zur großen Herausforderung für unsere Kommunen bei. Das geht auf Putins Konto. Bitte reden wir auch darüber!

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zur Wahrheit gehört: Bei den rund 220 000 Menschen aus anderen Ländern, die in diesem Jahr bei uns einen Asylantrag gestellt haben, liegt die Anerkennungsquote bei etwas über 50 Prozent. In der gesamten EU liegt die Anerkennungsquote bei etwa 40 Prozent. Das bedeutet, dass mehr als die Hälfte der Migranten, die zu uns nach Europa kommen, unberechtigt bei uns sind, und das sind zu viele.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Hört! Hört!

Das akzeptieren die Menschen auf Dauer nicht, die sich selber an Gesetze und Regeln halten.

Aber es gibt einige Ansatzpunkte, mit denen Bund und Länder tatsächlich etwas bewirken können, und da schauen wir jetzt nach vorne.

Erstens. Die Reform des EU-Asylsystems ist für die Verbesserung der Lage zentral, und aktuell sind die Verhandlungen dazu in einer heißen Phase. Die Bundesregierung muss sich da jetzt geschlossen, glasklar und eindeutig positionieren und dafür sorgen, dass diese Reform nicht an uns scheitert.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Gülistan Yüksel [SPD]

Sie sind Teil der Bundesregierung!

Dazu brauchen wir jetzt auch eine mehrheitsfähige Positionierung zur Krisenverordnung. Es darf nicht sein, dass diese essenzielle und endlich weit gediehene Reform auf EU-Ebene an Deutschland scheitert.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Dr. Johannes Fechner [SPD]

Zweitens. Georgien und Moldau müssen schnell zu sicheren Herkunftsstaaten ernannt werden. Wir werden das noch in diesem Jahr umsetzen.

Das Ganze wird durch gute Migrationsabkommen flankiert werden, und wir werden auch nach weiteren geeigneten Ländern für Migrationsabkommen Ausschau halten.

Wir sollten die Verfahren für Menschen aus Ländern mit geringen Schutzquoten weiter beschleunigen, genauso wie das auch das europäische Grenzverfahren einführen wird. Und bitte: Das ist nicht das Ende des Rechtsstaats, sondern hier muss sich der Rechtsstaat eben beweisen, und daran müssen wir alle arbeiten.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Drittens. Das Thema Rückführung muss intensiviert werden. Das betrifft vor allem die Bundesländer, aber auch uns hier im Bund. Hier gibt es einen Diskussionsentwurf des BMI, der jetzt so schnell wie möglich in ein Gesetzgebungsvorhaben gegossen werden muss.

Hätte, müsste, könnte!

Die Länder müssen mit ausreichend Kapazitäten für den Ausreisegewahrsam und ausreichend Personal in den Ausländerbehörden mitspielen.

Also: Schluss jetzt mit Spiegelfechtereien, mit Vereinfachung, aber auch mit Wunschdenken! Führen wir eine sachliche und realistische Debatte! Lösen wir das Problem gemeinsam mit der EU und den Bundesländern! Nur so kommen wir voran.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
17 Vermerkeca. 670 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren auf den Tribünen! Liebe Frau Wittmann, ich glaube, Ihre Rede muss man nicht kommentieren. Das sagen Sie jede Sitzungswoche, wenn das Thema auf der Tagesordnung ist. Diese Rede verwenden Sie jedes Mal wieder.

Es ist etwas ins Wanken geraten in unserem Land. Vor wenigen Tagen bediente sich die Thüringer CDU einer Mehrheit mit der erwiesen rechtsextremen Höcke-AfD.

– Ja, Herr Amthor, das gefällt Ihnen nicht. Aber da müssen Sie jetzt durch.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Bernd Riexinger [DIE LINKE]

Das ist Quatsch! Ihnen gefällt das nicht!

Das ist ein Tabubruch. Nichts in der Welt rechtfertigt es, den Faschisten die Hand zu reichen oder gemeinsam mit ihnen die Hand zur Abstimmung zu heben.

Genau das aber hat die CDU in Thüringen getan. Und Herr Merz bereitet vom Bund aus diesen Weg für eine Zusammenarbeit mit der AfD, eine Zusammenarbeit, die nur ins Verderben führt,

Reden Sie doch mal zum Thema! Lösen Sie doch mal die Probleme in diesem Land!

Denn – ich zitiere –:

„Die AfD will eine vollständige Kontrolle über das Land. Sie hat ein geschlossenes Weltbild, wie die Gesellschaft von Aachen bis Anklam zu leben hat. Dazu muss sie in die Regierung kommen. … Wenn sie dort ist, wird sie versuchen, unliebsame Gegner auszuschalten. Dazu zählt auch die CDU. … Um aber an die Macht zu kommen, schiebt sie die Sachpolitik als Deckmäntelchen vor. Sie verharmlost sich selbst, damit sie mehr Wähler anzieht, um dann im richtigen Moment loszuschlagen. Wir sollten als CDU nicht so doof sein, dies nicht zu erkennen.“

Das, liebe Union, schreibt Ihr Fraktionskollege Kai Whittaker auf Social Media. Statt diese kluge Argumentation ernst zu nehmen, degradiert Herr Merz die warnenden Hinweise aus der eigenen Partei auch noch zu Einzelmeinungen. Mit dieser Ignoranz schadet Herr Merz nicht nur sich selbst und seiner Partei, sondern auch unserem ganzen Land.

Sie haben von Demokratie nichts verstanden!

Wir laden Sie ein: Bringen Sie sich an der Seite der Demokratinnen und Demokraten konstruktiv ein, statt mit den Feinden der Demokratie gemeinsame Sache zu machen!

Sehr geehrte Damen und Herren, es ist etwas ins Wanken geraten in unserem Land. Das zeigt auch die heutige Debatte hier. Allein der Titel lässt Böses ahnen. Und die heutigen Reden bestätigen: Es geht der Opposition von rechts wie immer nur darum, Ängste zu schüren und Stimmung zu machen, und das auf dem Rücken der Schwächsten.

Dafür sorgen Sie schon! Die Menschen haben Angst vor Ihrer Politik!

Weiterer Zurufvon der AfD: Wir beschreiben die Realität! Unfassbar!

Sie spalten so unsere Gesellschaft. Ob Sie es nun „Asylobergrenze“ nennen oder „Integrationsgrenze“, Ihre Vorschläge bleiben Scheinvorschläge. Das ist unanständig und populistisch.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Stephan Thomae [FDP]

Sehr geehrte Damen und Herren, nach Jahren des Stillstands gehen unsere Bundesregierung und Bundesinnenministerin Nancy Faeser endlich voran. – Frau Wittmann, ich zähle jetzt ein paar Punkte auf. Vielleicht hören Sie zu, weil Sie es eben kritisiert haben. – Wir verhandeln Migrationsabkommen und haben auf europäischer Ebene den Grundstein dafür gelegt, dass Geflüchtete in Europa künftig endlich solidarisch verteilt werden.

Gerade kommt die Meldung: Es ist kurz vorm Scheitern!

Das glauben Sie auch noch? Haben Sie mal Nachrichten gelesen in den letzten 24 Stunden? Mein Gott!

Wir stärken Rückkehrhilfen und Aufnahmeprogramme. Wir bekämpfen Schleuserkriminalität. Gleichzeitig schaffen wir legale Migrationswege und stärken Integration und Teilhabe. Damit sorgen wir für Ordnung, und das, ohne das Grundrecht auf Asyl infrage zu stellen.

Sehr geehrte Damen und Herren, es ist etwas ins Wanken geraten in unserem Land.

Ja, durch Ihre Politik!

Hier im Plenarsaal sind es die hasserfüllten Reden und die fehlende Abgrenzung zu den Demokratiefeinden.

Und die leeren Reden!

Draußen im Land aber werden die Worte zu Taten. Menschen mit Migrationsgeschichte werden attackiert und haben Angst. Gleiches gilt für religiöse und ethnische Minderheiten. Gedenkstätten werden immer häufiger geschändet.

Wer jetzt alles herhalten muss für Ihre verkorkste Politik!

Die Zahl der erfassten rechts motivierten Straftaten steigt rasant. Und: Auf politischen Veranstaltungen werden Steine geworfen.

Ja, auf uns zum Beispiel!

– Ja, auf uns. Und dem arbeiten Sie sehr gut zu. – Wir alle stehen in der Verantwortung, dieses gefährliche Wanken aufzuhalten, uns mit Empathie und Menschlichkeit dagegenzustellen und unsere Demokratie zu verteidigen.

Ich appelliere deshalb an alle Demokratinnen und Demokraten: Lassen Sie uns die Herausforderungen für unser modernes Einwanderungsland gemeinsam lösen, gerne im kontroversen Streit, nie aber auf dem Rücken der Menschen und niemals mit den Feinden der Demokratie.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN

Lassen Sie uns anerkennen, dass Einwanderung unser Land stärker gemacht hat und heute nötiger ist denn je. Und: Lassen Sie uns gemeinsam einstehen für die Vielfalt in unserer Gesellschaft und den Respekt vor allen Menschen. – Herr Amthor, es wäre gut, wenn Sie zuhören, anstatt hier immer Sprüche zu machen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Clara Bünger
Foto: Clara Bünger/ Karolina Sobel
18 Vermerkeca. 715 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste auf den Tribünen! Wir alle müssen uns entscheiden, in welchem Land wir leben wollen. Angesichts massiv angestiegener Angriffe auf Geflüchtetenlager und schutzsuchende Menschen in Deutschland und der großen Anzahl an Waffenfunden bei Rechtsextremen besteht eine große Gefahr für unsere Demokratie und unsere gesamte Gesellschaft. Das hat auch mit der rechten Rhetorik der letzten Jahre, auch hier im Bundestag, zu tun.

Beifallder Abg. Anke Domscheit-Berg [DIE LINKE]

Sie von da rechts außen befeuern Woche um Woche diesen menschenfeindlichen Diskurs, und das gespickt mit Lügen und Fake News, wie Herr Curio das heute wieder bewiesen hat. Es ist absolut widerlich, was Sie hier betreiben!

Beifallbei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und der FDP

Aktuell wird Ihrer Ex-Kollegin und ehemaligen Richterin von der AfD, Malsack-Winkemann, vorgeworfen, mit einer bewaffneten Gruppe einen Angriff auf den Bundestag geplant zu haben.

Sprechen Sie mal zum Thema!

Die größte Gefahr für unsere Demokratie sind nicht diejenigen, die vor Krieg und Verfolgung nach Deutschland flüchten, die größte Gefahr sind diejenigen, die Woche um Woche mit ihren öffentlichen Aussagen unsere Grundwerte angreifen und die Demokratie destabilisieren wollen.

Beifallbei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das sehen wir Woche für Woche auf unseren Straßen und in unseren Freibädern!

Solche Aussagen werden auch hier im Parlament getroffen. Das ist eine Schande!

Die heute publizierte Mitte-Studie zeigt, welche gefährlichen Auswirkungen diese Hetze hat. Die Anzahl derer, die bereit sind, Gewalt auszuüben, ist gestiegen. Dass mittlerweile jede zwölfte Person in Deutschland ein gefestigtes rechtsextremes Weltbild teilt, sollte ein Warnsignal an alle sein, die Gedankenspiele betreiben, mit der AfD zu koalieren.

Beifallbei Abgeordneten der LINKEN, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Macht doch endlich mal was besser, wenn alles so schlecht ist!

Die Szenarien aus Lampedusa, die Sie hier darstellen, sind kalkulierter und notwendiger Bestandteil Ihrer rassistischen und rechten Politik, Herr Curio. Sie brauchen diese Bilder, dieses vermeintliche Chaos; denn ohne diese Bilder könnten Sie Ihre menschenfeindliche Agenda gar nicht propagieren.

Zurufdes Abg. Dr. Gottfried Curio [AfD]

Sonst hätten Sie ja gar keine Grundlage dafür. Das ist ein durchschaubarer und widerlicher Plan, und es liegt an uns, ihn als solchen zu entlarven. Wir brauchen eine breite Allianz aller Demokratinnen und Demokraten gegen diese faschistische und menschenfeindliche Politik.

Beifallbei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Zurufvon der AfD: Faschistisch?

Aber wahrscheinlich haben Sie von der AfD sich über die Not der ankommenden Menschen sogar gefreut. Denn die Menschen im Globalen Süden sind für Sie gerade gut genug, um sie auszubeuten und damit den Wirtschaftsstandort Deutschland zu sichern.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Wenn diese Menschen dann aus Krieg, Not und Armut fliehen, rüsten Sie die Grenzen hoch. Das ist faschistisch, und wir als Linke werden das immer als solches benennen.

Beifallbei Abgeordneten der LINKEN

Was hier geschehen muss, ist eine klare Verurteilung und Entlarvung dieser rechtsradikalen Agenda,

Zurufvon der AfD: Und was sagt Sahra dazu?

wovon man bei Ihnen von der Union allerdings nicht viel sehen kann.

Nur noch Faschisten, soweit man blickt!

Gestern griffen Sie dankbar den AfD-Antrag gegen die Innenministerin auf, um ebenfalls gegen die Migrationspolitik der Ampel zu wettern.

Nein, gegen die schlechte Politik der Innenministerin!

Im Thüringer Landtag stimmen Ihre Kollegen gemeinsam mit der AfD – es ist erschreckend. Natürlich gibt es auch diejenigen, die diese Entwicklung der Union kritisieren – Herr Wanderwitz oder Herr Wüst –, aber das alleine wird nicht reichen. Auch Sie von der CDU und CSU nehmen die Ereignisse auf Lampedusa zum Vorwand, um sich mit immer drastischeren Vorschlägen gegenseitig zu überbieten.

Kommen wir mal zur Obergrenze, die Sie ja wieder mal gefordert haben. Wie stellen Sie sich das eigentlich vor, Herr Amthor? Was wollen Sie machen, wenn mehr als 200 000 Asylsuchende nach Deutschland kommen?

Zurufvon der AfD: Was soll er denn machen?

Komplette Abschottung? Denkt man Ihre Vorschläge zu Ende, Herr Amthor, werden noch viel mehr Menschen an den Außengrenzen sterben.

Das Gegenteil ist der Fall!

Die sterben wegen der aktuellen Migrationspolitik!

Wie wollen Sie denn die Menschen davon abbringen, nicht vor Krieg, also einer Todesgefahr, zu fliehen?

Was werden Sie tun, wenn 2 Millionen kommen?

Auch dieser Gedanke ist nicht nur unmenschlich, sondern untragbar und schlicht rechtswidrig, Herr Amthor. Das müssten Sie als Jurist auch eigentlich wissen. Letztes Jahr haben wir über 1 Million Menschen aus der Ukraine aufgenommen, und das hat gut funktioniert. Das ist ein positives Beispiel, und daran müssen wir uns orientieren.

Beifallbei der LINKEN sowie der Abg. Gülistan Yüksel [SPD]

Sie von der CDU sollten sich eingestehen, dass Sie mit der Forderung nach einer Obergrenze rechtsstaatliche und demokratische Grundsätze hinter sich lassen werden.

Das stimmt nicht!

Weder das eine noch das andere!

Wenn wir wirklich etwas gegen den Aufstieg der Rechten in Europa unternehmen wollen, müssen wir vor allem drei Dinge tun: Wir müssen – erstens – das Recht auf Asyl entschlossen verteidigen. Wir dürfen – zweitens -die Kommunen nicht alleine lassen und müssen massiv in öffentliche Daseinsvorsorge investieren: in Schulen, in Krankenhäuser, in Kitas. Davon würden alle Menschen in Deutschland profitieren.

Beifallbei der LINKEN

Wir müssen – drittens – darüber aufklären, dass Menschen so lange fliehen werden, wie es bewaffnete Konflikte auf der Welt gibt, und dass wir für die Aufnahme endlich eine Infrastruktur schaffen müssen, die notwendig ist, um Menschen auch würdevoll unterzubringen.

Porträt von Clara Bünger
Foto: Clara Bünger/ Karolina Sobel
ca. 21 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich komme mit einem Gedanken zum Schluss. Die Mitte-Studie hat nicht nur erschreckende Dinge gezeigt, sondern sie hat auch gezeigt, –

Porträt von Clara Bünger
Foto: Clara Bünger/ Karolina Sobel
ca. 27 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– dass ein Großteil der Befragten sich wünscht, dass wir uns stärker für eine offene Gesellschaft engagieren. Fast 80 Prozent erkennen den Wert von Zusammenhalt und Solidarität an –

Porträt von Clara Bünger
Foto: Clara Bünger/ Karolina Sobel
1 Vermerkca. 19 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

– und wünschen sich mehr Einsatz für die Schwächsten.

Zurufevon der AfD

Das hat aber nichts mit der Politik der AfD zu tun, –

Porträt von Martin Hess
Foto: Martin Hess
12 Vermerkeca. 684 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr Emmerich, das, was Sie hier an verbalen Ausfällen produziert haben, kann man wirklich nur als intellektuelle Degeneration bezeichnen. Das ist eine schlichte Unverschämtheit.

Beifallbei der AfD

Was wir uns von Ihnen anhören müssen! Also wirklich!

Herr Amthor, bei allem zu Gebote stehenden Respekt, aber wenn Sie der Ampel eine Geisterfahrt vorwerfen, dann lege ich Wert auf die Feststellung, dass Sie diese Geisterfahrt begonnen haben.

Beifallbei der AfD

Wir haben Probleme gelöst, anders als Sie!

Und wenn Sie der AfD Konzeptionslosigkeit vorwerfen, dann darf ich Ihnen mal in Erinnerung rufen, dass die AfD seit 2015 Grenzkontrollen fordert. Sie springen jetzt auf diesen Zug auf.

Weil sich die Situation verändert hat!

Aber auf diese Nachahmung fällt doch kein einziger Bürger rein.

Beifallbei der AfD

Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Migrationslage in Deutschland ist nicht nur besorgniserregend, sie ist außer Kontrolle. Sie ist schlimmer als 2015. In Deutschland ist die Anzahl der Asylbewerber um 77 Prozent gestiegen, und wir verzeichnen in unserem Land 15 000 illegale Einreisen pro Monat, Tendenz steigend. Die Aufnahmekapazitäten unserer Landkreise und unserer Kommunen sind final erschöpft. Deutschland ist am Ende. Und trotzdem ist die Regierung weder willens noch in der Lage, diese Entwicklung aufzuhalten. Im Gegenteil: Von manchen Landesregierungen wird sogar die Unterbringung sogenannter Schutzsuchender gegen den Willen der Gemeinden geplant. Das sind unfassbare Zustände, und die dürfen wir nicht länger hinnehmen!

Beifallbei der AfD

Die Sicherheitslage in Deutschland ist infolge dieses Totalversagens desaströs. Das sehen wir vor allem an der explodierenden Messerkriminalität, an der steigenden Anzahl der Sexualdelikte, vor allem aber auch an den immer häufiger vorkommenden massiven gewalttätigen Ausschreitungen sogenannter Schutzsuchender in unseren Freibädern oder auf unseren Straßen – seien es Hunderte Libanesen und Syrer in Essen oder Castrop-Rauxel oder Hunderte Eritreer in Gießen oder zuletzt in Stuttgart. Dort hatten alle 228 Tatverdächtigen einen Migrationshintergrund, und 93 Prozent waren Ausländer. Bei diesen brutalen, menschenverachtenden Angriffen wurden 31 Polizeibeamte verletzt, denen ich von hier aus im Namen meiner Fraktion gute Besserung wünsche und natürlich auch für ihren Einsatz danke.

Beifallbei der AfD

Dass der zuständige Bürgermeister und auch die Polizeiführung in Stuttgart trotz im In- und Ausland bereits stattgefundener ähnlicher Ausschreitungen von dieser Entwicklung überrascht wurden und dass im Nachgang nahezu alle Tatverdächtigen mittlerweile auf freien Fuß gesetzt worden sind, das zeigt aus meiner Sicht eine erschreckende Dysfunktionalität unseres Staates, und die muss endlich korrigiert werden.

Beifallbei der AfD

Wer sich als angeblich Schutzsuchender an solchen Ausschreitungen beteiligt, der braucht eine klare Ansage, die da lautet: Ihr habt in Deutschland nichts zu suchen! – Solche Leute sind konsequent abzuschieben.

Beifallbei der AfD

In dieser historischen Herausforderung für unser Land haben wir eine Innenministerin, die entweder unerträglich inkompetent ist oder die Bürger bewusst belügt. Bei der gestrigen Regierungsbefragung hat die Ministerin allen Ernstes behauptet – Zitat –: „Selbstverständlich können Sie auch im Wege der Schleierfahndung zurückweisen.“

Das ist deshalb besonders bemerkenswert, weil sie diese Falschbehauptung in Reaktion auf meinen Hinweis, dass nur bei stationären Kontrollen an der Grenze eine Zurückweisung illegal Einreisender möglich ist, aufgestellt hat und diese tatsächliche Rechtslage dann auch noch als unwahr bezeichnet hat. Sogar auf explizite Nachfrage blieb die Ministerin bei ihrer Falschaussage.

Widerspruchdes Abg. Julian Pahlke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Jeder Bundespolizist im mittleren Dienst weiß, dass Zurückweisungen nur an der Grenze möglich sind. Die Bundesinnenministerin hat gestern in diesem Parlament Fake News verbreitet.

Beifallbei der AfD

Sie hat damit erneut den Beweis erbracht, dass sie die völlig falsche Person in diesem so wichtigen Amt ist. Wir brauchen endlich einen Innenminister, der Ahnung von seinem Aufgabenbereich hat und weiß, wovon er redet. Jeder Tag, den diese Frau weiter im Amt des Innenministers verbringt, ist eine Katastrophe für Deutschland. Schluss damit!

Beifallbei der AfD

Wir müssen jetzt endlich handeln. Nicht der Rechtsextremismus, sondern die illegale Massenmigration ist die größte Sicherheitsgefahr in unserem Land. Deshalb wird die AfD in Regierungsverantwortung diese verheerende Migrationspolitik ein für alle Mal beenden. Wir werden Geld- durch Sachleistungen ersetzen, stationäre Grenzkontrollen zur Zurückweisung illegal Einreisender einrichten. Und wir werden alle Ausländer, die eine Gefahr für die Sicherheit unserer Bürger darstellen, egal ob islamistischer Gefährder, ob Hassprediger oder Gewalttäter, unverzüglich aus Deutschland abschieben. Der Schutz unserer Bürger hat für uns oberste Priorität und muss endlich wieder in praktische Politik umgesetzt werden.

Beifallbei der AfD

Liebe Bürger, Sie haben die Wahl, ob Sie weiter diesen Fraktionen und den sie tragenden Parteien Ihr Vertrauen schenken, denen im Grunde genommen völlig egal ist, ob Sie in Ihrem eigenen Land sicher leben können, –

Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
13 Vermerkeca. 627 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Curio, Herr Hess von der AfD, die intellektuelle Degeneration, von der Sie sprachen,

Lachenbei der AfD

ist ja der Naturzustand der AfD und Basis Ihres Denkens und Handelns. Insofern haben Sie gerade wieder ein glänzendes Beispiel Ihrer intellektuellen Kapazitäten abgelegt.

Widerspruchdes Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Wenn Sie darüber lachen, zeigt das, dass Sie offensichtlich stolz auf Ihren Mangel an Anstand und Intellekt sind. Herzlichen Glückwunsch dazu!

Weiterhin muss ich nach Ihren Ausführungen feststellen, dass – ich meine das sehr, sehr ernst – jedes kleine Kind noch vor dem Spracherwerb mehr Realitätssinn und Sachverstand an den Tag legt, als Sie ihn gerade bewiesen haben: null Sachverstand, null Antworten, null Lösungen, null Konzept!

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Das ist eine bemerkenswerte Nichtleistung Ihrerseits.

Wir sind jetzt hier nicht bei Böhmermann!

Sie schaffen das ja auch bei dem Thema Europa, wenn man ein bisschen versucht, diese intellektuellen Fähigkeiten des kleinen Kindes zugrunde zu legen. Dieses Europa ist unverzichtbar bei dem Thema „Flüchtlingsfragen und Asyl“. Wenn dieses Europa und diese EU, wie Sie es ja tun, von Ihren EU-Kandidaten mit gefakten Abschlüssen und Lebensläufen permanent geleugnet wird, wird man gewiss keine Antworten finden. Es ist aber keine kluge Strategie, die Augen zuzuhalten und zu sagen: Europa wollen wir nicht. – Europa wird bleiben, die Welt wird bleiben, Migration wird bleiben. Da können Sie sich noch so auf die Hinterbeine stellen.

Zurufvon der AfD: Was ist der Unterschied zwischen Europa und EU?

Weiterhin tun Sie so, als wäre Migration – dafür ist ja dieser Kulturkampf und Sprachkampf da, den Sie ganz bewusst initiieren und hoffen, dass wir Ihre Begriffe reproduzieren: Massenmigration – die Ursache aller Missstände dieser Welt. Wie wäre es mal mit dem Ansatz, die Missstände dieser Welt als Ursache für Migration zu begreifen und da anzusetzen?

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das erste Beispiel sind diktatorische Regime, die Sie hofieren, besuchen und unterstützen. Insofern sind Sie eine Fluchtursache. Arbeiten Sie an sich selbst und an Ihrer Abschaffung, dann haben wir weniger Migration und Flucht.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie der Abg. Clara Bünger [DIE LINKE]

Zweitens. Klimaschutz ist künftig zunehmend ein massiver Grund von Flucht. Sie leugnen Klimaschutz. Sie fördern Fluchtursachen. Weiterhin: Verfolgung von Frauen, Femizide etc.; all das Fluchtursachen.

Zurufvon der AfD

Was sagen Sie dazu? Nichts. Wer so offensichtlich ignorant ist gegenüber den Gründen von Flucht, der ist maximal scheinheilig. Um es auf gut Deutsch zu sagen: Der verarscht die Bevölkerung. Das ist nämlich das, was Sie jeden Tag tun, und das ist inakzeptabel.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der LINKEN
Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Wir haben in der Tat festzustellen – da ist sich diese Koalition einig –, dass allein moralische Perspektiven nicht hinreichend sind, ja dass manchmal sogar die Zuspitzung alleine moralische Angriffsflächen bietet, die Sie natürlich genüsslich genießen.

Die Schlussfolgerung daraus ist aber nicht, zum Grundprinzip unseres Handelns im Bereich „Flucht und Asyl“ das Amoralische und Unmoralische zu machen. Man sollte sich auch an diesem Prinzip – kleiner Wink zur Union –, das Amoralische und Unmoralische zum Leitprinzip von Migrationspolitik zu machen, kein Beispiel nehmen. Denn am Ende wird es nicht in Erfolge der Union münden, sondern in weitere unverdiente Erfolge der Rechtsextremen und Faschisten und Nazis in unseren Parlamenten.

Frau Präsidentin, gibt es dafür einen Ordnungsruf?

16 Prozent!

Gucken wir uns doch stattdessen die Realität an, die Sie leugnen. Wenn wir diese Mauern hochziehen würden: Was hätten wir denn dann? Wenn wir überall den von Ihnen geforderten Grenzschutz machen würden:

Zurufdes Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU]

Das würde nicht ein bisschen zu einer Reduktion illegaler Migration führen, wie Ihnen alle Experten sagen und die Gewerkschaft der Polizei eindrucksvoll demonstriert hat. Das ist nicht die Folge. Außerdem wird es auch nicht möglich sein, weil es nicht nur deutsches, sondern internationales und europäisches Recht gibt, Menschen, die einen Asylantrag stellen, die einen Asyl- und Schutzanspruch äußern, einfach zurückzuweisen. Sie aus dem Hinterland zurückzuschieben, ist auch nicht einfach zulässig – weder in Dublin-Staaten noch in Drittstaaten.

Sagen Sie mal, was geht! Was wollen Sie denn? Machen Sie mal einen Vorschlag!

Europäisches Recht, Menschenrechtskonvention: Das, was Sie fordern, ist ein reiner Rechtsbruch, ist ein Verlassen der Grundlagen unseres Humanismus, ist ein Widerspruch zur europäischen Menschenrechtsfrage, ist ein Widerspruch zu geltendem EU-Recht. Dann sagen Sie es deutlich: Sie fordern die Abschaffung internationalen Rechts und die Abschaffung der EU.

Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
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Ansonsten ist das, was Sie vorgetragen haben, bar jeder Realität, bar jeder Vernunft. Es ist pure Täuschung der Bevölkerung.

Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
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Das ist amoralisch und unanständig.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufvon der AfD
Beifallbei der AfD

Nein! Das kann ja wohl nicht wahr sein! Er hat abstrakt davor gewarnt!

– Doch. – Der nächste Redner in der Debatte ist für die Unionsfraktion Alexander Hoffmann.

Zurufevon der SPD

– Wir führen jetzt bitte die Debatte fort und klären alles Weitere später.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Alexander Hoffmann
Foto: Alexander Hoffmann/ Christian Kaufmann
18 Vermerkeca. 615 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Lage und die Diskussion um die deutsche Migrationspolitik könnten eigentlich grotesker nicht sein. Die Kapazitäten der Kommunen sind erschöpft. Kommunalpolitiker von der SPD und auch von den Grünen mahnen mittlerweile dringend einen Kurswechsel an. Viele europäische Länder haben umgesteuert und fahren einen sehr viel restriktiveren Kurs. Nehmen Sie nur Dänemark. Die AfD steht dank ihres identitätsstiftenden Themas Migration in Deutschland bei 20 Prozent.

35 in Mecklenburg

Und die Ampel unternimmt nichts.

Dabei gäbe es einen bunten Strauß an Maßnahmen, der schon in den Jahren nach 2016 gezeigt hat, dass man Migration steuern, ordnen und begrenzen kann,

Beifallbei der CDU/CSU

nämlich die Reduzierung von Anreizen, Grenzkontrollen, Ausweitung sicherer Herkunftsstaaten, Rückführungsoffensiven, Ausweitung des Abschiebegewahrsams, ja, und auch die faktische Herstellung einer Obergrenze. All das hat uns in den Jahren nach 2016 geholfen. Insoweit hatten wir, Kollege Thomae, einen Paradigmenwechsel. All das schlagen wir Ihnen hier in regelmäßigen Abständen vor, und Sie lehnen es ab, teilweise – Entschuldigung – mit Falschbehauptungen. Wenn wir die Ausweitung sicherer Herkunftsstaaten wollen, dann kommt aus Ihren Reihen immer die ständige Behauptung, dass damit zum Beispiel das Grundrecht auf Asyl abgeschafft würde. Grob falsch!

Beifallbei der CDU/CSU

Es sind doch zwei, drei Länder!

Während all dieser Diskussionen halten Sie das Land und die Bürgerinnen und Bürger hin.

Sie kennen das Konzept!

So war es doch auch heute wieder. Es wird wieder darauf verwiesen: Wir wollen ja die große, die europäische Lösung. Was Sie den Menschen verschweigen, ist, dass wir auf europäischer Ebene so lange keine Mehrheit und keine Einigkeit bekommen, solange diese deutsche links-grüne Ampel einen solchen liberalen Migrationskurs an den Tag legt.

Gestern sind auf EU-Ebene die Verhandlungen zum Thema GEAS außer Kraft gesetzt worden. Auch davon wurde heute an keiner Stelle irgendetwas erzählt. Ehrlicherweise muss man sagen, dass es mittlerweile nicht nur Ungarn oder Polen sind, sondern auch Italien und unter anderem die Niederlande, die mittlerweile von diesem Ihrem Kurs in der Migrationspolitik mehr als irritiert sind.

Könnte auch Meloni sein!

Zurufder Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und bei dieser Wetterlage setzen Sie noch einen drauf, weil Sie nämlich ganz neue Anreize für Migration setzen, nämlich Sonderaufnahmeprogramme, ein Fachkräftezuwanderungsgesetz mit einem Chancenaufenthaltstitel.

Das ist gesteuerte Zuwanderung!

Sie adressieren dieses ganze Gesetz eben nicht an Fachkräfte, sondern an Niedrigqualifizierte.

Sie etablieren dort einen Zweckwechsel,

Sie wollen doch noch nicht mal die Ordnung, von der Sie immer reden!

und Sie etablieren dort dann auch noch einen Spurwechsel. Und als wäre all das nicht genug, fangen Sie jetzt noch an, am Staatsangehörigkeitsrecht rumzuschrauben,

Was überfällig ist!

und senken auch dort die Anforderungen ab.

Die müssen in den Arbeitsmarkt hinein!

Das alles – da brauchen Sie nicht mit dem Kopf zu schütteln – sind Punkte, die – und das wissen Sie – auf den Flüchtlingsrouten wahre Verkaufsschlager für Schlepper und Schleuser sind.

Ach, das ist doch Quatsch! Das ist kein Verkaufsschlager!

Beschäftigen Sie sich mal ein bisschen mit Migrationsforschung!

Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Ich wundere mich eigentlich über Ihren irrsinnigen Kurs. Ich wundere mich auch über diese Rhetorik.

Das postfaktische Zeitalter der Union hat begonnen!

20 Prozent AfD – ich habe es vorhin gesagt –, und das ganze Land weiß, dass das Thema Migration das Identitätsstiftende für diese Bande auf der rechten Seite ist.

Und Sie machen es zum Wahlkampfthema in Bayern! Das ist Ihre Partei!

Die spannende Frage, die Sie sich stellen müssen, ist doch: Warum nehmen Sie der AfD dieses Thema nicht einfach weg? Denn die Leute erwarten nicht von heute auf morgen eine Lösung, sondern die Leute erwarten, dass Sie sich ernsthaft um dieses Thema kümmern.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie arbeiten mit Rechtsextremen zusammen! Sie stimmen mit denen zusammen ab! So legitimiert man Rechtsextremismus in Deutschland!

Und jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, warum Sie das nicht tun. Möglichkeit Nummer eins ist: Sie können nicht, weil vielleicht die Grünen immer quer im Stall stehen,

Zurufder Abg. Dr. Silke Launert [CDU/CSU]

und die Grünen wollen ihren Kopf durchsetzen und diese Politik der offenen Türen fortsetzen.

Nur weil wir andere Lösungen haben als Sie!

Gegenrufder Abg. Dr. Silke Launert [CDU/CSU]

Aber dann sage ich Ihnen: Dann ist diese Koalition am Ende.

Oder – Möglichkeit Nummer zwei – Sie wollen nicht. Und ich sage Ihnen ganz ehrlich: An mancher Stelle habe ich den Eindruck, dass es in Ihren Reihen Parteistrategen gibt, die sich durchaus denken, dass 20 Prozent AfD für die Ampel kein Problem sind, weil unter Umständen jede Stimme für die AfD eine weniger für die Union ist.

Nee, nee, nee! Das ist abwegig!

Verschwörungstheorie!

Porträt von Alexander Hoffmann
Foto: Alexander Hoffmann/ Christian Kaufmann
1 Vermerkca. 11 WörterReaktionswert: niedrig
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Deswegen geben wir Ihnen morgen

Zurufvon der AfD: Ist das Ihre einzige Sorge?

beim Deutschlandpakt Migration die Gelegenheit, umzusteuern.

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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Demokratinnen und Demokraten! Lassen Sie mich mal so beginnen: Wir alle, die hier in diesem Haus sitzen, sind gewählt worden, weil wir Verantwortung übernehmen wollten – für Menschen, für große Themen, die uns alle beschäftigen –, und natürlich auch, um Antworten zu geben, die – das liegt in der Natur der Sache – natürlich am Ende auch unterschiedlich ausfallen, je nachdem, welche Partei man fragt, aber die sich am Ende immer an einem Grundsatz messen lassen müssen, nämlich dass sie dem Anspruch von Verantwortung genügen.

Genau! Verantwortung!

Teil dieser Verantwortung ist eben auch, seine Worte abzuwägen, seine Ideen abzuwägen und sich ganz genau zu überlegen: Welche Folgen könnten meine Vorschläge haben? Wen treffe ich damit? Löst es Probleme, oder gehen davon möglicherweise auch Gefahren aus?

Ist die Belastungsgrenze überschritten?

Ich habe in den letzten Tagen sehr, sehr genau bei all dem zugehört, was von Friedrich Merz und Markus Söder kam. Mich erinnert vieles davon, ehrlich gesagt, an 1992 und die hetzerischen Debatten.

Damals brannten in Rostock-Lichtenhagen Häuser.

Die Brandanschläge wurden von Rechtsextremen verübt, die die politischen Äußerungen von Konservativen in Taten verwandelt haben.

Es waren brennende Häuser, in denen schutzsuchende Menschen wohnten. Daraus muss man, ehrlich gesagt, einen Schluss ziehen, nämlich dass nicht nur unsere Stimme hier als Abgeordnete mit Macht einhergeht, sondern auch unsere Worte dies tun.

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU]

Jedes weitere Verrutschen des Diskurses in der Findungsphase von Friedrich Merz ist am Ende eine Gefahr für die Demokratie. Ich habe sehr genau zugehört, was der Kollege Philipp Amthor gesagt hat, als er Geflüchtete als eine größere Gefahr als die AfD bezeichnet hat.

Nein, Ihre Politik! Ihre Politik und nicht die Flüchtlinge!

Auch solche Sätze werden in die Debatte einfließen und einsickern und den Diskurs nach rechts verschieben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Stephan Thomae [FDP]

Ich habe auch ganz genau beim Vorschlag von Markus Söder und anderen zugehört, eine Obergrenze für Flüchtlinge einzuführen. Man muss das auch mal in die Praxis übersetzen. Denken Sie das mal zu Ende, was Sie da eigentlich am Ende reden.

Haben wir schon!

Wenn nämlich ernsthaft 200 000 Menschen gekommen sind und eine Person mehr an der Grenze steht: Was passiert dann? Haben Sie diese Frage mal zu Ende gedacht?

Ich versuche mal, eine Antwort zu geben: Das würde bedeuten, dass an den Grenzen Gewalt angewendet werden müsste, reale Gewalt, vielleicht mit der Waffe, vielleicht dadurch, dass Sie Presse und andere davon fernhalten müssen.

Das mit der realen Gewalt machen die Eritreer auch so bei uns!

Was ist Ihre Antwort darauf?

Das ist eine reale Folge Ihres Vorschlages. Ob sich Markus Söder das für sich zu Ende überlegt hat? Keine Ahnung. Aber ich stelle fest, dass ihm die vielen Bierzelte auf jeden Fall nicht besonders guttun.

Ich habe gestern als Mitglied im Innenausschuss ebenfalls das Schreiben bekommen. Ich habe den Eindruck, dass das viele hier gelesen haben. Die Gewerkschaft der Polizei hat nämlich mal zusammengestellt, was Grenzkontrollen eigentlich für ein fataler Unsinn sind, personell völliger Wahnsinn! Durch Binnengrenzkontrollen macht sich nicht eine Person weniger auf die Flucht,

Machen aber über 200 Länder der Welt, diesen Wahnsinn!

und Zurückweisungen an der Grenze sind selbstverständlich nicht erlaubt. Und auch das wurde der Vollständigkeit halber noch einmal aufgenommen.

Falsch! Falsch!

Den Menschen in Bayern geht das Warten an den Grenzübergängen ohnehin seit Jahren tierisch auf die Nerven. Geflüchtete sind nicht das Problem für die miesen Umfrageergebnisse der CSU. Das Problem für sich ist Markus Söder immer noch selber.

Deshalb ist diese Faktenbefreiung als politisches Konzept ein Irrweg, auf dem Sie sich befinden. Ich wünsche Markus Söder eine gute Reise an den rechten Rand.

Sie haben nichts verstanden! Nichts!

Ich bin den Kommunen und den Landkreisen dankbar, dass sie gerade in dieser schwierigen Situation die Lage in diesem Land so gut meistern. Denn wer zu uns flieht, der sollte nicht an der Grenze mit Gewalt abgewiesen oder mit Sachleistungen abgespeist werden.

Übrigens kommen in den Kommunen von den Menschen, die auf unsere Unterstützung angewiesen sind, über 80 Prozent aus der Ukraine, aus Syrien und Afghanistan. Diese Menschen sind für uns doch kein Problem, auch weil wir pro Jahr über 400 000 Menschen brauchen, die zu uns kommen.

Lachenbei der CDU/CSU

Genau die!

Das Konsequenteste ist, das Ankommen zu erleichtern und diesen Menschen eine Arbeitserlaubnis zu erteilen. Das Beratungsinstitut McKinsey hat vor ein paar Tagen festgestellt: Der deutschen Wirtschaft gehen 100 Milliarden Euro verloren, weil die Integration und die Teilnahme am Arbeitsleben eben noch nicht so funktioniert, wie sie sollte.

Ja! Überlegen Sie sich mal den Grund!

Folgendes ist für mich ein Grundsatz politischer Verantwortung:

Wie kann man nur so ignorant sein?

Es geht bei all den Debatten um Grenzkontrollen oder mehr Abschottung oder weniger Geflüchtete immer um Menschen. Ich war in den letzten Jahren mehrere Male auf dem Mittelmeer: Ich habe gesehen, was für Menschen dort fliehen, und ich habe gesehen, wie Menschen ertrinken. Wir haben versucht, zu retten, wer zu retten war, und wir mussten die Entscheidung treffen, Hunderte zurückzulassen.

Ich kann Ihnen sagen: Der Geruch einer Wasserleiche wird mir mein Leben lang nicht aus dem Kopf gehen. Es war eine junge Frau, die einige Tage vorher ertrunken ist. Alles, was von ihr blieb, war ein anonymer Leichensack.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Das ist die Realität von Flucht in aller Härte. Aber was für mich zur politischen und gerade zur konservativen Verantwortung gehört, ist,

Zurufvon der AfD: Pushback!

... die Pull-Effekte vermeiden und eine bessere Politik zu machen!

dass Politik immer empathiefähig bleiben muss.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN
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Deshalb mache ich mir im Jahr 2023 ernsthafte Sorgen, –

Porträt von Mechthilde Wittmann
Foto: Mechthilde Wittmann/ Ralf Lienert
17 Vermerkeca. 735 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Eigentlich spreche ich sehr gerne gegen Ende einer Debatte, weil im Regelfall vorher genügend Argumente kommen, sodass man sich allein damit auseinandersetzen kann.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich habe es noch nie erlebt, dass einfach gar nichts von Ihnen gekommen ist, mit Ausnahme von Ihnen, Frau Dr. Jurisch. Sie haben gerade immerhin zwei Vorschläge gemacht. Sonst kam überhaupt nichts zur Lösung einer Lage, die im ganzen Land fataler gar nicht sein kann.

Beifallbei der CDU/CSU

Meine sehr verehrten Damen und Herren, was mich aber noch viel mehr entsetzt

Das stimmt doch gar nicht! Integrationsoffensive, Migrationsabkommen! Schauen Sie sich nachher noch mal das Protokoll an!

Blödsinn! Die Rede war wohl vorher schon fertig!

– und Sie beweisen es ja gerade wieder –, ist, dass Sie von den Grünen und der SPD sich mit Ihrem Geschrei hier an diesem Rednerpult auf dasselbe Niveau wie die von ganz rechts begeben haben,

Niemand schreit!

sodass es einem kalt den Rücken runterlaufen kann.

– Das weitere Brüllen macht es auch nicht besser, Frau Nasr.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir haben in Europa Zugeständnisse gemacht und Errungenschaften gehabt. Eine der größten Errungenschaften für uns ist der Schengen-Raum, nicht nur für die Wirtschaft, sondern für jeden einzelnen Bürger, für jeden, der sich bei uns aufhält.

Und Sie wollen Schlagbäume ziehen!

Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Und um diesen europäischen Raum, der ja Freiheit und Sicherheit gleichzeitig bedeutet, aufrechterhalten zu können, benötigen wir ein funktionierendes Sichern der EU-Außengrenzen, so wie es eigentlich im europäischen Verfahren geregelt ist und so wie es nun leider zu keinem Zeitpunkt mehr funktioniert.

Wer war denn Innenminister?

Irreguläre Migration, meine sehr verehrten Damen und Herren, bedroht eben Freiheit und Sicherheit – irreguläre Migration! Wer irregulär in unser Land kommt, zeigt schon beim Grenzübertritt, dass er die Regeln dieses Landes nicht zu achten gedenkt. Er zeigt, dass er die Souveränität eines Landes und seine Bürger nicht respektiert. Und er zeigt auch häufig, durch Verschleierung der eigenen Identität, dass es wenigstens jetzt – –

Was ist denn ein regulärer Fluchtweg? Sie kennen doch keinen einzigen! Sie können gar nicht zwischen regulär und irregulär unterscheiden, weil das Ihr politisches Verständnis gar nicht hergibt!

Zurufder Abg. Rasha Nasr [SPD]

– Hören Sie wenigstens jetzt mit dem Schreien auf, Herr Pahlke! Mann, Mann, Mann!

Sie sind der Mann, der 1991 geboren ist und sich an Vorgänge von 1992 erinnert. Ich kann Ihnen nur heftig gratulieren! Unglaublich!

Was man für einen Blödsinn hier am Pult ablassen darf, ist unglaublich.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, tatsächlich ist es so, dass wir bei den Erstanträgen eine Steigerung von 77 Prozent haben, und ganz fatal ist auch, dass wir bei Asylanträgen aus der Türkei eine Steigerung von 209 Prozent haben.

Weil Sie mit der Türkei so nachhaltig waren!

Zurufdes Abg. Ates Gürpinar [DIE LINKE]

Da kann ich nur an den wirklich blamablen Auftritt von Frau Baerbock erinnern, die meinte, ihren türkischen Amtskollegen auch noch vor der Weltpresse bloßstellen zu müssen, und geglaubt hat, das wäre dann die diplomatische Errungenschaft, mit der wir zu vernünftigen Abkommen kommen können.

Lassen Sie die Finger von der Außenpolitik!

Keine Ahnung!

Solange wir unerlaubte Grenzübertritte in diesem Rahmen haben, brauchen wir, wie es an der bayerisch-österreichischen Grenze gelungen ist, auch stationäre Grenzkontrollen –auch stationäre Grenzkontrollen!

Beifallbei der CDU/CSU

Funktioniert doch nicht! Sagt doch die Polizei selber!

Damit wir hier auch einmal mit einem weiteren Spruch Ihrer Ministerin von gestern aufräumen können – sie tut mir fast schon leid, wie sie sich hier wirklich hilflos von einem Desaster ins andere hangelt –: Ihre Frau Innenministerin hat gestern – Frau Präsidentin, mit Ihrer Erlaubnis darf ich zitieren – im „heute journal“ wörtlich folgenden Satz gesagt:

„Also, die stationären Grenzkontrollen zu Österreich in Bayern hat nicht Herr Söder angeordnet, sondern ich ... Insofern, finde ich, gehört da wieder ein bisschen mehr Sachlichkeit rein.“

Da gebe ich ihr recht, und deswegen helfe ich ihr jetzt dabei.

Heiterkeitdes Abg. Philipp Amthor [CDU/CSU]

Sachlich richtig ist: Die stationären Grenzkontrollen an der bayerisch-österreichischen Grenze wurden 2015 vom damaligen Bundesinnenminister de Maizière auf Bitten des bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer eingeführt, der diese als sein Amtsnachfolger regelmäßig, stetig und gut verlängert hat; denn dort haben wir die großen Aufgriffszahlen.

Beifallbei der CDU/CSU

Alle sechs Monate!

Selbstverständlich, meine Damen und Herren, helfen stationäre Grenzkontrollen; denn eben nicht alle beantragen Asyl an der Grenze. Es kommen so viele an diese Grenze, weil sie schon einen Asylantrag in einem anderen Land gestellt haben, und diese können auch zurückgewiesen werden. Schließlich können wir alle jene zurückweisen, die eine Einreisesperre haben, und so wenige sind das gar nicht.

Jetzt sage ich Ihnen mal, wer als Erstes und konsequent eine Einreisesperre braucht, nämlich all die Schleuser, die wir dort viel effizienter aufgreifen als an vielen anderen Stellen und die wir endlich auf eine ganz andere Art und Weise verfolgen müssen.

Wie blauäugig sind Sie?

Als Nächstes kommt das Verbot von Diebstählen!

Und auch hier darf ich Ihre Innenministerin, wie gesagt, in Ihrer gestrigen Hilflosigkeit korrigieren. Sie sagte gestern: Schleuser können nicht zurückgewiesen und abgeschoben werden. – Doch, selbstverständlich; denn Schleusung ist laut unserem Gesetz eine Straftat, § 96 Aufenthaltsgesetz.

Beifallbei der CDU/CSU

Natürlich ist auch die Schleierfahndung eine Errungenschaft, die uns in diesem Zusammenhang immer wieder hilft, und auch die Schleierfahndung war eine Erfindung von unionsregierten Ländern, –

Porträt von Mechthilde Wittmann
Foto: Mechthilde Wittmann/ Ralf Lienert
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– die Sie lange genug bekämpft haben.

Deswegen, meine Damen und Herren: Ja, 2015 haben wir viel geschafft; im europäischen Zusammenhang haben wir es geschafft.

Seehofer hat nichts hinbekommen!

Und die europäische Einigung haben Sie –

Porträt von Mechthilde Wittmann
Foto: Mechthilde Wittmann/ Ralf Lienert
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– gegrätscht wie niemand anderes.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben europäisch gar nichts hinbekommen! Europäisch haben Sie überhaupt gar nichts hinbekommen! Null Komma nix! Da waren wir blank auf europäischer Ebene! Da ist gar nichts passiert!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Anja Liebert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Porträt von Katrin Uhlig
Foto: Katrin Uhlig/ Meike Kenn
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Energieeffizienz ist ein wichtiger Baustein der Energiewende und zentral für Unternehmen. Mit diesem Gesetz schaffen wir zum ersten Mal in einem Gesetz einen klaren Rahmen für Energieeffizienz. Das schafft klare Strukturen und Planungssicherheit für Unternehmen. Wir legen mit diesem Gesetz Energieeffizienzziele fest und stärken den Einbau von Energiemanagementsystemen.

In meinen Gesprächen mit Kommunen, Verbänden, Unternehmen und Industrie sind mir häufig Beispiele genannt worden, wo Energiemanagementsysteme Energieverbräuche aufgedeckt haben, die vorher unbekannt waren und leicht verändert werden konnten; denn wenn man weiß, wo wie viel Energie verbraucht wird, kann man prüfen, wie Energie noch effizienter eingesetzt werden kann.

Viele Unternehmen in Deutschland befinden sich im internationalen oder im europäischen Wettbewerb. Wir diskutieren gerade intensiv darüber, welche Kosten die Industrie mit Blick auf den Strompreis stemmen muss, seit Russland die Ukraine angegriffen hat.

Sie machen es noch höher!

Aktuell in der Diskussion befindet sich eine Vielzahl von Vorschlägen: von Industrie- und Brückenstrompreis über Stromsteuersenkung bis hin zur Verlängerung der Geltungsdauer des Spitzenausgleichs.

Alles wichtig!

Den Bedarf an Energie und damit die Kosten bei der Produktion zu senken, ist ein entscheidender Vorteil im Wettbewerb.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Diesen Vorteil wollen wir mit diesem Gesetz stärken und damit den Wirtschaftsstandort effizient und zukunftsfähig aufstellen.

Ich sage auch ehrlich: Sicherlich sind wir mit diesem Gesetz nur einen ersten, aber wichtigen Schritt zur Hebung der Energieeffizienzpotenziale gegangen. Viele Unternehmen zeigen schon heute, dass wesentlich mehr Energieeffizienz möglich ist.

Als ich gesehen habe, dass die Union die acht Wochen Sommerpause anscheinend genutzt hat, um den finalen Stand des Gesetzentwurfs zu lesen und doch noch einen Änderungsantrag vorzulegen, war ich gespannt auf die ganz konkreten Vorschläge; denn mehr Ideen für Energieeffizienz sind wichtig und immer willkommen. Aber darum geht es Ihnen gar nicht. Selbst Ihr Entschließungsantrag bleibt extrem vage in seinen Forderungen.

Nee! Ganz klar!

Sie wollen ja gar nicht mit uns über sinnvolle Maßnahmen zum effizienten Einsatz von Energie diskutieren.

Sie sehen nur Ihre Chance, namentlich über die Absenkung der Stromsteuer abstimmen zu lassen – ein Vorschlag, der sich, wie gesagt, aktuell in der Diskussion befindet, auch innerhalb der Ampelkoalition.

Das geht halt zu langsam alles!

Man kann das als Opposition so machen.

Ja, weil Sie zu langsam sind!

Man kann einfach eine Debatte mit der anderen verbinden und pauschale Vorschläge in einem Entschließungsantrag vorlegen und dann sagen, der Gesetzentwurf erfülle das alles nicht.

Das haben Sie früher auch mal so gemacht!

Vielleicht ist das auch zu viel verlangt; denn wir sehen aktuell, wo diese Arbeitsweise der Union in vielen Bereichen hingeführt hat. Aber ich wünsche mir, dass Sie einfach mal mit der eigentlichen inhaltlichen Arbeit anfangen und konkrete Maßnahmen vorschlagen, damit unsere Wirtschaft als Wirtschaftsstandort der Zukunft gestärkt wird.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Thomas Gebhart
Foto: Dr. Thomas Gebhart/ Laurence Chaperon
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Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist überhaupt keine Frage: Energieeffizienz ist wichtig. Je mehr man aus einer Kilowattstunde herausbekommt, desto besser. Aber nicht richtig ist das, was Sie uns heute vorschlagen und was Sie hier gleich beschließen werden. Das ist nämlich ein bürokratischer Wust, der die Unternehmen in unserem Land noch mehr belasten wird, und zwar ohne erkennbaren Nutzen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Ich kenne wirklich keinen Unternehmer, der freiwillig Energie vergeuden würde, allein aus Kostengründen nicht. Und tatsächlich ist die Energieproduktivität in unserem Land zwischen 1990 und 2021 um immerhin 66 Prozent gestiegen.

Hört! Hört!

Und jetzt kommen Sie um die Ecke mit einem sogenannten Energieeffizienzgesetz. Sie machen den Unternehmen kleinteilige Vorschriften. Nur ein Beispiel: Die Unternehmen müssen aufwendige Umsetzungspläne für Endenergieeinsparmaßnahmen erstellen. Die Unternehmen müssen dann diese Pläne zertifizieren lassen. Nachdem der Zertifizierer diese Pläne bestätigt hat, müssen die Unternehmen diese Pläne auch noch veröffentlichen. Und wenn die Pläne veröffentlicht sind, meine Damen und Herren, dann müssen die Unternehmen diese Pläne gegenüber dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle auch noch nachweisen.

Haben Sie eigentlich einmal mit den Unternehmen in unserem Land gesprochen?

Nein! Zu denen haben sie keinen Kontakt!

Wissen Sie, was die Unternehmen mir sagen? Die Unternehmen sagen mir, dass sie erdrückt werden von all den kleinteiligen Vorschriften, die vorgeben, was sie zu tun und was sie zu lassen haben. Und viele Unternehmen sagen mir: Wir können das nicht mehr stemmen, und wir wollen das auch nicht mehr stemmen.

Beifallbei der CDU/CSU

Dieses Energieeffizienzgesetz haben Sie hier im Deutschen Bundestag vor zwei Monaten zur Abstimmung gestellt. Sie sind damit krachend gescheitert. Bis jetzt, zwei Monate später, hat sich keiner, aber auch gar keiner bei mir beschwert, dass dieses Gesetz nicht zustande gekommen ist. Keiner hat sich beschwert.

Sie allerdings haben sich auch nicht beschwert und einen Änderungsantrag dazu gestellt!

Und jetzt, zwei Monate später, legen Sie dieses Gesetz unverändert erneut zur Abstimmung vor. Sie haben keine Silbe geändert. Sie haben doch den ganzen Sommer über in Ihren Sonntagsreden über Bürokratieabbau geredet. Aber Sie können doch nicht sonntags über Bürokratieabbau reden und dann donnerstags ein solches Gesetz hier im Deutschen Bundestag beschließen. Das passt doch nicht zusammen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Ich frage mich: Gibt es denn in dieser Bundesregierung niemanden, der das große Ganze im Blick hat, der sieht, dass das, was Sie hier beschließen, doch das Gegenteil dessen ist, was Deutschland und die Unternehmen in dieser Situation brauchen?

Meine Damen und Herren, dieses Gesetz hat viele Ungereimtheiten. Was ist eigentlich mit denen, die bereits in der Vergangenheit Maßnahmen ergriffen haben, um energieeffizienter zu werden? Warum betrachten Sie denn in diesem Gesetz nur die absolute Einsparung von Energie? Ich gebe Ihnen auch hier ein Beispiel. Die Chemiebranche will Schritt für Schritt klimaneutral werden. Dafür braucht sie aber mehr Energie. Wenn fossile Rohstoffe durch grünen Wasserstoff ersetzt werden sollen, dann können absolute Einsparziele sogar schlecht für den Klimaschutz sein.

Was ist unser Weg? Sie haben danach gefragt. Wir haben in einem Antrag skizziert, was wir tun würden. Wir wollen die Unternehmen bei ihren Anstrengungen, effizienter zu werden, unterstützen. Wir wollen verbesserte Abschreibungen ermöglichen. Wer in Klimaschutz investiert, wer in Energieeffizienz, in die entsprechenden Technologien investiert, der soll davon steuerlich besonders profitieren. Meine Damen und Herren, das wäre eine starke, eine marktwirtschaftliche Antwort. Besinnen wir uns doch wieder stärker auf das, was Deutschland über Jahrzehnte starkgemacht hat, nämlich die soziale Marktwirtschaft, und entwickeln wir die soziale Marktwirtschaft weiter zu einer sozialen, ökologischen Marktwirtschaft.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Steffen Kotré
Foto: Steffen Kotré/ Hagen Schnauss
9 Vermerkeca. 515 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Nachdem also die Vertreter der Links-Grünen inklusive SPD-Pöbel-Schrodi in der letzten Julisitzungswoche schlagartig dieses Parlament hier verließen, haben sie die Abstimmung platzen lassen. Aber gut, dann erkläre ich Ihnen die Schädlichkeit dieses Gesetzes an dieser Stelle eben noch einmal. Die Energieeffizienz ist ausgereizt. Weitere Effizienzsteigerungen werden um ein Vielfaches teurer. Und diese ausufernden Kosten staatlich verordnen zu wollen, ist irrwitzig.

Beifallbei der AfD

Die Zielsetzung der Halbierung unseres Energieverbrauches ist Wolkenkuckucksheim; das ist schlichtweg nicht machbar. Sollte das zu einem Zwang werden, dann werden Produktionserweiterungen verhindert und schlimmer noch – wie zum Beispiel beim Gasembargo geschehen –: Dann wird die Produktion gedrosselt. Das ist ein Schlag gegen die Angebotsseite. Da wird das Angebot staatlich begrenzt, und damit sind wir in der Planwirtschaft, meine Damen und Herren. Aber wir von der AfD verteidigen die Marktwirtschaft, und deswegen lehnen wir auch dieses Gesetz ab.

Beifallbei der AfD

Aber für irrwitzige Gesetze ist die links-grüne Ampel ja bekannt. Mit dem Gebäudeenergiegesetz will also die Ampel 40 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Die FDP sagt: Das kostet uns 60 Milliarden Euro. – Flugs mal durchgerechnet: Die eingesparte Tonne CO2 kostet uns 15 000 Euro – völlig irrsinnig! 15 000 Euro, das ist schon pervers, meine Damen und Herren. Das ist auch deshalb pervers, weil es eben preiswerter ginge, wenn man denn wollte. Man kann nämlich schon für 100 Euro die Tonne abscheiden und lagern, meine Damen und Herren.

Aber wer so mit dem Geld anderer Leute umgeht, der wird draußen zu Recht verurteilt, eben wegen Veruntreuung. Wir von der AfD werden uns dafür einsetzen, dass das dann in Zukunft auch für Politiker gilt, die unser Volksvermögen hier so schädigen.

Beifallbei der AfD

Herr Habeck, schauen Sie den Rentnern doch mal in die Augen und sagen Sie ihnen, dass Sie ihnen das Geld aus der Tasche ziehen wollen mit dem Heizungsverbot oder indirekt dann mit den Mieterhöhungen; das wäre ehrlich.

Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Der Energieverbrauch wird weiter steigen. Es muss eine industrielle Entwicklung geben, und die geht eben nur mit innovativer Energieerzeugung, also – wie wir schon immer gesehen haben – mit Holz- und Kohleverfeuerung, mit Öl und Kernenergie. Deutschland geht leider nun mit dem Rückfall auf Windkraft gerade den anderen Weg in Richtung vorindustrielles Zeitalter, meine Damen und Herren.

An dieser Stelle, Herr Habeck, empfehle ich Ihnen: Setzen Sie sich doch vielleicht einen mittelalterlichen Filzhut auf, und ziehen Sie sich einen Schlafrock an; dann ist völlig klar, für welche Politik Sie stehen, nämlich für eine rückwärtsgewandte Politik.

Beifallbei der AfD

Die DIHK spricht von einem Verlust von 10 Prozent der Wertschöpfung. Der ifo-Präsident nennt das Gesetz einen „Wachstumskiller“. Aus der IHK heißt es, es sei ein „zentrales Schrumpfungsgesetz für Wirtschaft und Wohlstand“. Wenn es Ideen gab, unsere Wirtschaft zu schädigen, dann kamen die in der Vergangenheit von außen, wie zum Beispiel der Morgenthau-Plan. Neu ist jetzt die Zersetzung der Wirtschaft und des Wohlstandes von innen heraus.

Glauben Sie den Quatsch, den Sie da erzählen, eigentlich selbst?

Das Gute: Wir können die links-grünen Wohlstandsvernichter abwählen.

Beifallbei der AfD

Dieses Gesetz wird in einigen Jahren Geschichte sein, und dann hat dieser Spuk ein Ende.

Beifallbei der AfD

Dann kommen wir zum nächsten Redner. Das ist der Kollege Michael Kruse für die FDP-Fraktion.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
15 Vermerkeca. 398 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Der effiziente Einsatz von Energie ist stets das Gebot der Stunde. Aber Deutschland bleibt mit diesem Gesetz weit hinter seinen Möglichkeiten.

Leider bestehen die unzureichenden Vorgaben für die Industrie zur Energieeffizienz fort. Zwar müssen Unternehmen, die mehr als 15 Millionen Kilowattstunden verbrauchen, Energie- und Umweltmanagementpläne einführen, müssen Energieeffizienzmaßnahmen planen und veröffentlichen, aber nichts im Gesetz zwingt die Unternehmen, diese Maßnahmen auch umzusetzen. Unfassbar!

Beifallbei der LINKEN

Dagegen zwingen Sie Bürgerinnen und Bürger, verpflichtende Energieeffizienzmaßnahmen durchzuführen, wie zum Beispiel beim Heizungsgesetz. Diese unterschiedlichen Maßstäbe verstehen die Menschen nicht, und das zerstört Vertrauen.

Beifallbei der LINKEN

Wie sieht nun die Praxis in Unternehmen aus? Geschäftsführer mit Fünfjahresverträgen werden weiterhin keine teuren Langzeitinvestitionen in Energieeffizienz veranlassen;

Ach Gott! Wieder die Story vom bösen Kapitalisten!

denn das kostet Geld, senkt die aktuellen Gewinne, und damit schmälert sich ihr Jahresbonus. Zudem droht Stress mit Aktienfonds wegen niedrigerer Dividenden.

Kennen Sie Mittelständler auch?

So geht es nicht weiter.

Beifallbei der LINKEN

Das Prinzip Freiwilligkeit bei der Wirtschaft versagt regelmäßig. Freiwillige Verpflichtungen dienen meist nur als Alibi.

80 Prozent sind inhabergeführt!

Die Linke fordert für Gerechtigkeit, für den Umweltschutz und für die Menschen die verpflichtende Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen durch die Wirtschaft.

Schluss mit der Rücksicht auf Managerboni!

Beifallbei der LINKEN

Auf in die Planwirtschaft!

Und wir fordern mehr finanzielle Unterstützung für Bürgerinnen und Bürger, damit sich jeder – auch Menschen mit niedrigen Einkommen – Energieeffizienz leisten kann.

Beifallbei der LINKE

Ich komme noch zu zwei speziellen Punkten, die mir wichtig sind:

Erstens. Bei Rechenzentren hat die Ampel die Vorgaben für Abwärmenutzung, wie eben gehört, nochmals aufgeweicht. Eigentlich sollte man Rechenzentren dort ausbauen, wo Abwärme in Fernwärmenetze eingespeist werden kann. Das senkt die Heizkosten für Wohnungen und schützt das Klima. Aber die Vorgaben haben Sie aufgeweicht, und das ist falsch.

Beifallbei der LINKEN

Zweitens. Strom dann zu verbrauchen, wenn er erzeugt wird, das predigen Sie gern. Das wäre Systemeffizienz. Aber bei der Umsetzung hapert es. So wird aktuell der Betreiber eines Kühlhauses finanziell bestraft, wenn er mit Überschussstrom am Mittag die Kühltemperatur so tief senken würde, dass nachts bei Dunkelheit und Strommangel kein Strom zur Kühlung benötigt wird. Heute müsste er dann höhere Netzentgelte und den etwas höheren Stromverbrauch bezahlen. Daher verzichtet er darauf, mittags gezielt Überschussstrom zu nutzen.

Windräder und PV-Anlagen müssen dann mittags abgestellt werden,

Das ist ja jetzt schon so!

und wir alle bezahlen dafür. Was für ein schwachsinniger Zustand in der Regulierung!

Beifallbei der LINKEN

Wenn man es mit Energieeffizienz ernst meint, ist Systemeffizienz unverzichtbar. Ändern Sie diese falsche Regulierung! Diese Verschwendung von Strom muss aufhören.

Und zum Abschluss: Stromenergie ist Daseinsvorsorge. Daseinsvorsorge gehört in öffentliche Hand und nicht Profitinteressen untergeordnet.

Vielen Dank.

Beifallbei der LINKEN

Habe ich doch gesagt: Er kennt sich aus!

Porträt von Nicolas Zippelius
Foto: Tobias Koch
5 Vermerkeca. 377 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Kollege Mesarosch hatte in seiner Rede genau einen richtigen Satz – ein einziger! –; ich zitiere: „Ohne Rechenzentren keine Digitalisierung!“ Deswegen habe ich mit den Betroffenen gesprochen und mir unter anderem ein modernes Rechenzentrum eines kommunalen Betreibers angeschaut. Ich habe die Auswirkungen Ihrer Gesetzgebung mit denen diskutiert, die Ihre völlig über das Ziel hinausschießenden Regelungen später umsetzen müssen. Diese Gespräche hätte ich Ihnen und Ihren Ampelkollegen empfohlen; denn dann müssten wir jetzt nicht über einen solch unausgegorenen Gesetzentwurf debattieren.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich mache das an drei Beispielen fest:

Erstens. Ihre Abwärmebestimmungen ignorieren nicht nur Sicherheits-, Infrastruktur- und Standortbedingungen für Rechenzentren; sie blenden saisonale Schwankungen der Abwärmemenge aus und erfordern teure Umbaumaßnahmen. Es macht nur Sinn, Abwärme dort zu nutzen, wo es technisch und wirtschaftlich möglich ist.

Zweitens. Ihre kurzen Übergangsfristen bis 2027 und 2030 ignorieren die Investitionszyklen von Rechenzentren. Bei Klimageräten sprechen wir von einer Nutzungs- und Abschreibungsdauer von über zehn Jahren. Diese Geräte vorher herausreißen zu müssen, ist nicht nur ökologisch kompletter Unsinn.

Und drittens. Ihr Gesetzentwurf ignoriert die Heterogenität der Rechenzentrumslandschaft in Deutschland. So nimmt beispielsweise der Anteil der Colocation-Rechenzentren an den IT-Kapazitäten deutlich zu. Darunter leidet die faktische Energieverbrauchseffektivität, selbst wenn die baulichen Voraussetzungen gegeben sind.

Ich gebe ein praktisches Beispiel, um die Absurdität dieses Entwurfs zu erläutern. Schauen wir einmal genauer auf diese Energieverbrauchseffektivität. Sie können die Effektivität erhöhen, indem Sie die Klimatisierungsleistung des Rechenzentrums reduzieren und gleichzeitig die Lüfterleistung der Server erhöhen. Auf dem Papier wird das Rechenzentrum dann grüner und erreicht Ihre Kennwerte. Aber in der Realität wird sich der Gesamtenergieverbrauch erhöhen. Oder wie es der Wirtschaftsminister sagen würde: Diese Regel ist nicht unbrauchbar, sie erfüllt einfach nur nicht ihren Zweck.

Beifallbei der CDU/CSU

Ganz davon zu schweigen, dass das Gesetz ganz nebenbei Mehrbelastungen für die Kommunen von über 1 Milliarde Euro bereithält. Herr Minister, der „Zeit“ sagten Sie: „Das, was ich im Moment mache, ist das Beste, was ich in meinem bisherigen politischen Leben gemacht habe.“ Die Aussage kaufe ich Ihnen auch ab. Aber wenn das, was Sie bislang gezeigt haben und hier vorlegen, wirklich Ihr Bestes ist, wird ziemlich deutlich, dass diese Aufgabe für Sie eine ganze Nummer zu groß ist.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Mit unserem Änderungsantrag zeigen wir, wie man es besser macht.

Ich danke Ihnen.

Beifallbei der CDU/CSU
6 Vermerkeca. 415 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Liebe Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Energieeffizienzgesetz der Bundesregierung zielt im Grunde genommen nicht auf Energieeffizienz ab, sondern auf eine Deckelung des Energieverbrauchs durch absolute Einsparvorgaben mit unglaublich viel weiterer Bürokratie. Ihr Gesetz bedeutet nicht mehr Effizienz, sondern weniger Energie, und ich sage sogar: noch weniger Energie. Denn die letzten Kernkraftwerke haben Sie ja schon gegen alle Vernunft in der derzeitigen Lage abgeschaltet und das Angebot ohne Not verknappt.

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das Ergebnis, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist: Wir haben nach Dänemark den zweithöchsten Strompreis in der EU. Und Sie wollen noch eins obendrauf setzen,

Beifallbei der CDU/CSU

obwohl die Industrie und der Mittelstand schon mit den aktuellen Preisen schlicht nicht mehr konkurrenzfähig sind. Ihre sogenannten Energieeffizienzmaßnahmen werden damit zu einer sehr ernsten Investitionsproblematik für die deutsche Wirtschaft, und daher lehnen wir sie ab, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Herr Habeck und Teile der SPD wollen ja einen gedeckelten Industriestrompreis, eine neue Subvention für einige wenige, die die anderen, der Mittelstand und die Bürger, bezahlen müssen, eine Subvention mit einer neuen komplexen Bürokratie; übrigens eine Subvention, die erst in Brüssel freigegeben werden muss, was monatelang dauern wird; die EU ist übrigens sehr skeptisch. Dieser staatliche Eingriff durch die Subvention in die Marktdynamik ist gelebter Realsozialismus. Liebe Kolleginnen und Kollegen, was Sie hier mit der künstlichen Verteuerung des Strompreises tun, ist Ökosozialismus, und deswegen lehnen wir Ihre Pläne hier deutlich ab.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD

Unsere Betriebe, liebe Kolleginnen und Kollegen, brauchen jetzt Hilfe – und nicht erst in ein paar Monaten –, einfach und unbürokratisch. Deshalb haben wir heute den Änderungsantrag eingebracht. Es ist ein ganz einfacher Änderungsantrag, unbürokratisch, schnell umzusetzen durch eine Absenkung der Stromsteuer.

Der Inhalt unseres Antrags ist ganz einfach: eine Senkung der Stromsteuer durch Änderung von § 3 des Stromsteuergesetzes auf das unionsrechtlich zulässige Minimum von 1 Euro je Megawattstunde für nichtgewerbliche Nutzung und 50 Cent für gewerbliche Nutzung. Derzeit beträgt die Stromsteuer übrigens 20,50 Euro je Megawattstunde. Das heißt, die Bürgerinnen und Bürger zahlen unnötigerweise das Zwanzigfache von dem, was die EU vorgibt, und die Unternehmer sogar das Vierzigfache. Das treibt den Preis nach oben.

Beifallbei der CDU/CSU

Deswegen bitten wir Sie, heute unserem Änderungsantrag zuzustimmen. Wir haben es selbst in der Hand, Maßnahmen umzusetzen, ohne Hilfe der EU, jetzt sofort, ohne lange Genehmigungsverfahren.

Und, liebe Kolleginnen und Kollegen, weil Sie immer nach Gegenfinanzierungsmaßnahmen fragen: Alles andere, wenn Sie hier so weitermachen mit den hohen Preisen, führt zu einer Abwanderung von Unternehmen und zu einer deutlichen Schwächung des deutschen Haushalts. Also, wir müssen hier reagieren. Deswegen: Stimmen Sie unserem Änderungsantrag zu!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
5 Vermerkeca. 1.001 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr Gebhart, ich habe immer das Gefühl, dass die CDU/CSU immer dann gegen Bürokratie ist, wenn ihr etwas nicht passt; aber in der Debatte vorher, als es um den Schutz und die Integration Geflüchteter ging, konnte es Ihnen nicht kompliziert genug sein.

Sie haben da was nicht verstanden!

Ich finde, das lässt schon tief blicken; es ist auf jeden Fall nicht konsistent.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Lassen Sie uns über Energieeffizienz sprechen. Der Eishersteller Florida Eis aus Berlin hat es geschafft: Er hat seine Produktionsfläche von 600 auf 4 000 Quadratmeter fast versiebenfacht; der Strombedarf ist aber gleich geblieben. Das ist Energieeffizienz.

Anderes Beispiel: ZF hat bei der IAA ein Konzeptelektroauto vorgestellt, bei dem ein Drittel mehr Reichweite aus dem Akku gekitzelt wird, ohne den Akku verändert zu haben, allein mit Thermomanagement. Kurz gesagt: Es geht weniger Energie als Wärme verloren, es bleibt mehr Energie zum Fahren. Das ist Energieeffizienz. Das heißt, mehr aus der Energie zu machen, die wir einsetzen, oder weniger Energie einzusetzen und trotzdem das Gleiche oder mehr zu schaffen. Das müssen wir schaffen; denn wir wollen klimaneutral werden. Deswegen bauen wir erneuerbare Energien aus. Aber bis wir hier 100 Prozent haben, lohnt es sich, zu schauen, wo wir Energie und damit CO2 einsparen können.

Es ist ganz klar: Wir wollen nicht Energie sparen, indem wir irgendwo das Licht ausmachen, sondern wir müssen effizienter mit der Energie umgehen, die wir haben. Licht ist ein gutes Stichwort. In zu vielen Unternehmen hängen alte oder schlechte Beleuchtungssysteme. Die verbrauchen zu viel Energie, geben zu viel Wärme ab, sind übrigens oft schlecht für das Wohlbefinden der Beschäftigten, und sie gehen schneller wieder kaputt. Altes schwäbisches Gebot: Wer billig kauft, zahlt doppelt. Bei der Energieeffizienz geht es auch ums Geldsparen.

In Sachen Energieeffizienz ist Deutschland in den letzten Jahren besser geworden. Gerade in der Energiekrise haben viele Unternehmen deutlich zugelegt. Trotzdem sind wir noch weit hinter unseren Möglichkeiten. Mir sagen einige Leute – Herr Gebhart, das ist das, was auch Sie gesagt haben –: Wenn man da so toll Geld sparen kann, dann müsste es doch von allein laufen. – Das tut es aber nicht. Zu viele Unternehmen schrecken noch vor Investitionen zurück, die sich erst nach drei oder mehr Jahren rechnen. Der Staat hilft hier ja schon mit gezielten Förderungen, um die Investitionen anzustoßen.

Wir müssen aber auch klare Ansagen machen, weil wir sonst unsere Ziele nicht erreichen. Deswegen beschließen wir heute das Energieeffizienzgesetz.

Erst mal: Was steht nicht drin? Das Gesetz verpflichtet niemanden als Privatperson. Privat effizienter mit Energie umzugehen, ist gut; aber wir sehen die großen Einzelenergiemengen bei Unternehmen, und bei Unternehmen sehen wir auch die bessere Möglichkeit, die nötigen Investments vorzunehmen. Noch mal: Das kann sich finanziell lohnen. Wer in Energieeffizienzmaßnahmen investiert, erzielt oft höhere Renditen, als wenn er dasselbe Geld am Kapitalmarkt anlegt. Deswegen verpflichten wir mit dem Gesetz Unternehmen und besonders Rechenzentren; aber kein Unternehmen bekommt irgendwelche Energiemengen gedeckelt oder konkrete Maßnahmen aufgezwungen. Und was mir wichtig ist: Der Staat geht mit gutem Beispiel voran; den verpflichten wir auch.

Also, wie sieht das aus? Zuerst zum Staat. Natürlich muss er selbst erfüllen, was er von anderen verlangt. Darum setzen wir dem Bund und den Ländern Ziele, damit sie Energie sinnvoll einsparen. Öffentliche Stellen mit einem Verbrauch von über 1 Gigawattstunde pro Jahr müssen jährlich 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr einsparen. Expertinnen und Experten sagen uns, der Staat und auch seine kleinen Kommunen hätten ein riesiges Potenzial, schon mit geringem Aufwand viel Energie und damit Energiekosten einzusparen. Dieses Potenzial wollen wir heute heben.

Kommen wir zu den Unternehmen. Wir verpflichten Unternehmen mit einem hohen Energieverbrauch, Energie- oder Umweltmanagementsysteme einzuführen und ihre Energieeinsparmaßnahmen in konkreten Plänen zu erfassen und zu veröffentlichen. Es geht hier ganz bewusst nur um größere Unternehmen. Viele dieser Unternehmen haben heute schon Energiemanagementsysteme, weil es einfach sinnvoll ist.

Konkrete Maßnahmen erzwingen wir nicht. Warum? Bei mir in der Nähe in Geislingen gibt es das Unternehmen Solera. Was es in Sachen Energieeffizienz abreißt, ist phänomenal. Es hat sogar ein Unternehmensgebäude so gebaut, dass der Wind hilft, es zu kühlen, um so im Sommer Energie einzusparen. Ich finde das großartig, und ich fände es großartig, wenn viele die Idee kopieren. Aber es ist ja auch klar, dass diese Lösung von Solera nicht zu jedem Unternehmen passt. Deswegen schreiben wir eben niemandem vor, wie er effizienter werden soll. Wir sagen Unternehmen nur: Schaut nach, wo bei euch Chancen liegen, und macht transparent, was ihr tut! Wir wissen, dass die Chancen da sind. – Deswegen sagen wir: Heben wir die Chancen! Beschließen wir heute das Energieeffizienzgesetz!

Beifallbei der SPD

Im Gesetz erwähnen wir eine Branche besonders oft; das sind die Rechenzentren. Lassen Sie mich sagen: Wir brauchen Rechenzentren in Deutschland. Ohne Rechenzentren keine Digitalisierung! Wir wollen und werden hier ein attraktiver Standort bleiben. Gleichzeitig haben Rechenzentren besondere Eigenschaften. In unserer Anhörung hat es ein Experte gut auf den Punkt gebracht: Rechenzentren sind Heizungen, die rechnen können. – In der Tat erzeugen Rechenzentren Unmengen an Wärme, die aber zu oft ungenutzt in die Umwelt entweichen. Darum geht es uns in diesem Fall um drei Dinge:

Erstens. Rechenzentren müssen ihre Energie noch effizienter nutzen. Viele tun das bereits; da ist alles gut. Einige werden nachlegen müssen, und dafür gibt es Übergangsfristen.

Zweitens. Neue Rechenzentren müssen ihre Abwärme nutzbar machen, wo es möglich ist. Hier gibt es jede Menge kluge Lösungen. Wenn ich ein Rechenzentrum habe, ist es doch doof, wenn ich die Wärme verpuffen lasse, um dann ein paar Hundert Meter weiter Gas zu verbrennen, um wieder Wärme zu erzeugen. Das können wir besser.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sie verbrennen Kohle!

Drittens. Wir wollen Rechenzentren transparenter machen. Selbstverständlich bleiben die Daten sicher. Aber Kundinnen und Kunden müssen besser einschätzen können, was da passiert, wofür sie bezahlen, was mit der Energie passiert.

Wir machen heute einen ersten Schritt, und das ist ein sehr guter Schritt. Ich würde in Marketing-Denglisch sagen: Da geht es um Low-hanging Fruits, also um Ziele, die man sofort erreichen kann, und das tun wir. Aber ich sage auch: Wir müssen in weiteren Schritten die Früchte angehen, die weiter oben hängen.

ca. 20 WörterReaktionswert: ruhig
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Denn sonst schlägt der Klimawandel zu und verdirbt uns die ganze Ernte. Also lassen Sie uns heute dieses Gesetz beschließen –

6 Vermerkeca. 724 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Meine geschätzten Kolleginnen und Kollegen! Ja, auch wir wollen, dass der Spuk bald ein Ende hat. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass der größte Teil dieses Hauses damit etwas ganz anderes meint, liebe Kolleginnen und Kollegen von der AfD.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wir werden Sie nicht vermissen, Herr Kruse!

Inhaltlich kam ja von Ihnen nichts. Deswegen gehe ich mal auf die Kollegen von der Union ein, insbesondere ihren heutigen Sprecher. Ich bin etwas verwundert, dass Sie hier die Energieeffizienzrichtlinie so runtermachen. Denn immerhin kann man konstatieren: Das, was wir hier gemacht haben, ist die Umsetzung einer Richtlinie, die wir von Ursula von der Leyen aus Europa aufs Auge gedrückt bekommen haben.

Zurufdes Abg. Dr. Thomas Gebhart [CDU/CSU]

Ich muss Ihnen wirklich sagen: Wie wir hier mittlerweile fast im Wochentakt – das Führerscheinbeispiel geht ja aktuell durch die Presse – aus Europa auf eine zentralistische Art und Weise verordnet bekommen sollen, was in den einzelnen Mitgliedstaaten noch gut und richtig ist, das spottet jeder Beschreibung.

Beifallbei der FDP sowie des Abg. Albrecht Glaser [AfD]

Ich halte mal fest: Die EED ist das, was uns hier in Schwierigkeiten gebracht hat. Und wenn Sie irgendwelche Kritik an dieser kleinteiligen, bürokratischen Regelung haben, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union, dann rufen Sie Ursula von der Leyen an. Vielleicht hat der Spuk dann irgendwann ein Ende. Alles, was hieran gut ist, hat die Ampel zu verantworten. Und alles, was hieran schlecht ist, hat uns Ihre EU-Kommissionspräsidentin eingebrockt.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

So kann man Europa auch kaputtmachen!

Ich konnte die Rede zu diesem Thema schon vor der Sommerpause halten. Jetzt haben wir die Gelegenheit, auch mal die Verbände zu Wort kommen zu lassen. Die Verbände sind zitiert worden, allerdings nicht mit ihren Statements zu dem Endergebnis, das wir hier vorgelegt haben, sondern immer nur mit ihren Äußerungen zu den Entwürfen. Ich nehme mal den Branchenprimus Bitkom als Beispiel. Er hat vorher gesagt:

„Mit diesem Energieeffizienzgesetz werden Rechenzentren aus Deutschland vertrieben … Es enthält eine Fülle von Detail- und Überregulierungen mit Effizienzvorgaben, … die nach heutigem Stand schlicht nicht erreichbar sind.“

Später hat uns Bitkom geschrieben:

„Insgesamt sind die erreichten Änderungen gut gelungen, die wesentlichen Härten des Gesetzes abzufedern, Handhabbarkeit zu erreichen: Entfall vieler Detailregelungen, Vereinfachung bei den erneuerbaren Energien und sinnvolle Begrenzung der Anwendungsbereiche bei der Ausnahme von Netzknoten.“

Aha! Der Branchenverband, der in großer Sorge war, dass die Digitalisierung in Deutschland nicht mehr zu Hause ist, stellt fest: Die Digitalisierung ist weiter in Deutschland zu Hause, weil wir hiermit ein sehr gutes Gesetz auf den Weg bringen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Was sagt der BDI? Zum Regierungsentwurf sagt er:

„… die Sorge, dass gerade unnötige, teure Bürokratie mit geringem Nutzen geschaffen wird, ist auch nach der Lektüre des aktuellen Textes unvermindert hoch.“

Was sagt der BDI zu dem Gesetz, das wir hier heute beschließen? Er sagt:

„Sehr erfreulich ist jedoch, dass der Bundestag die Datenerhebungs- und Veröffentlichungspflichten der Unternehmen deutlich reduziert und auch die Effizienzziele stark entschlackt hat … Die auch vom BDI geäußerte Sorge, dass ein rigides Effizienzgesetz künftiges Wachstum der Unternehmen abwürgen könnte, hat der Bundestag ernst genommen. Es ist jetzt beschlossen, dass das Gesetz keine Begrenzung des individuellen Verbrauchs von Unternehmen oder privaten Haushalten einführt.“

Liebe Kolleginnen und Kollegen, vielleicht lesen Sie einfach mal die aktuellen Stellungnahmen der Verbände durch. Denn dann würden Sie feststellen: Die Verbände, die sich mit diesem Gesetz auseinandergesetzt haben, können mit diesem Ergebnis sehr gut leben. Ich weiß nicht, warum Sie das dann nicht auch können sollten.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und in der Tat gibt es eine ganze Menge Verbesserungen im aktuellen Entwurf. Ich nehme mal das Beispiel Rechenzentren: Freie Standortwahl ist jetzt gegeben. Der PUE-Wert ist realistisch gestaltet. Anschluss ans Wärmenetz muss wirtschaftlich möglich sein. Rechtssicherheit nach sechs Monaten, wenn die Rechenzentren Wärme andienen sollen. Keine Regelung mehr zu den Eintrittstemperaturen. 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien. Mindestschwelle für die Abnahme von 200 auf 300 kW erhöht. Informationspflichten auf das Minimum reduziert. Keine überflüssige Plattform mehr beim Effizienzregister. Und so weiter.

Meine sehr geschätzten Kollegen von der Union, das, was wir hier vorgelegt haben, ist exakt das, was wir vorlegen müssen, weil uns Europa dazu zwingt. Ja, wir wollen Effizienzweltmeister sein. Ja, wir wollen die Unternehmen nicht über Gebühr belasten, und ja, wir tun es deshalb auch nicht.

Dann war ich sehr überrascht über einen Änderungsantrag, der die Stromsteuer zum Inhalt hat; denn da habe ich den Kollegen Heilmann letztes Mal ganz anders verstanden. Vor zwei Wochen stand der Kollege Heilmann hier und hat uns was zum Gebäudeenergiegesetz erzählt. Wir erinnern uns: Er hat erzählt, dass es nicht möglich gewesen sei, –

ca. 36 WörterReaktionswert: ruhig
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– einen Änderungsantrag zur zweiten und dritten Lesung einzubringen, der sich auf das Gesetz selber bezieht. Jetzt stelle ich fest: Sie stellen hier einen Änderungsantrag, der sich auf ein ganz anderes Gesetz bezieht. So geht es nicht!

2 Vermerkeca. 23 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben keine Finanzierung zum Thema Stromsteuer vorgelegt. Deswegen können wir Ihren Änderungsantrag heute auch so nicht beschließen.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
4 Vermerkeca. 398 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Minister! Die Klimakrise aufzuhalten und Wohlstand zu sichern, das ist die zentrale Aufgabe unseres Lebens.

Sie machen das Gegenteil!

Das ist immer leicht dahergesagt; aber es bedeutet, dass alle Menschen, alle Unternehmen und die öffentliche Hand ihren Anteil leisten müssen. Dafür legen wir mit diesem Gesetz eine faire Grundlage.

Unternehmen werden zukunftsfähig gemacht. Mit Energieeffizienzmaßnahmen werden sie ihre Kosten einsparen. Ich finde es sehr tragisch, dass die CDU/CSU ebendies verhindern möchte. Ein Nein für mehr Energieeffizienz ist tatsächlich ein sehr tragisches Ja für eine weitere Verfeuerung von fossilen Rohstoffen und eine Verhinderung von Klimaschutz.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Denn solange der genutzte Strom nicht zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien kommt, gibt es eine große Wahrscheinlichkeit, dass er aus der Verbrennung beispielsweise von Kohle stammt.

Gegen Einsparungen und gegen mehr Effizienz zu sein, bedeutet für meine Region, dass mehr Kohle abgebaggert und verfeuert wird, oder das bedeutet mit Blick auf importierte Steinkohle aus Kolumbien, dass extreme Menschenrechtsverletzungen in Kauf genommen werden. Wir haben uns deshalb politisch darauf geeinigt, aus der Verbrennung von Kohle und aus der Verbrennung von anderen fossilen Energieträgern auszusteigen.

Neben dem Ausbau der Erneuerbaren brauchen wir eine Gesamtstrategie für mehr Energieeffizienz. Der vorliegende Gesetzentwurf ist dabei ein wichtiger Anfang, besonders um die Nutzung von fossilen Energien zu reduzieren. Wir müssen die Klimaziele erreichen. Wir müssen die 1,5-Grad-Grenze einhalten. Wir wollen klimagerechten Wohlstand für alle schaffen. Das ist unser Ziel.

Natürlich werden nach diesem Energieeffizienzgesetz weitere Maßnahmen wichtig sein, um genau das zu erreichen: unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft klimagerecht und zukunftssicher zu gestalten. So wie wir es in unserem Koalitionsvertrag festgelegt haben, wird es eine sehr wichtige Rolle spielen, dass wir den Abbau von umwelt- und klimaschädlichen Subventionen vorantreiben. Besonders in den Bereichen „Verkehr“ und „Industrie“ müssen wir fossile Subventionen abbauen und eine effiziente Nutzung und Einsparung von Rohstoffen weiter fördern und belohnen. Das ist unser Ziel.

Die Gelder brauchen wir wahrlich sehr dringend: für Investitionen in soziale Sicherungssysteme, Klimaschutz und besonders in Klimaresilienz und Katastrophenschutz. Denn wir leben im Zeitalter der Klimakrise. Wetterextreme und Starkniederschläge werden heftiger; wir erleben es fast wöchentlich.

Wenn wir im Bundestag über Maßnahmen gegen die Klimakrise diskutieren, erlebe ich es auch, dass die Realität der Auswirkungen der Klimakrise noch nicht in ihrem vollen Ausmaß verstanden wird oder, noch schlimmer, nicht verstanden werden will. Die Klimakrise ist aber eine Aufgabe für uns alle.

Beifallbei Abgeordneten der AfD
3 Vermerkeca. 38 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Wer sie leugnet oder nicht gewillt ist, sich dieser Verantwortung zu stellen, sollte sich überlegen, ob Politik im 21. Jahrhundert der richtige Job ist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]

Somit ist der letzte Redner in der Debatte für die CDU/CSU Sebastian Brehm.

Beifallbei der CDU/CSU
12 Vermerkeca. 637 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Die Gastronomie ist immer noch in der Krise, sie ist immer noch nicht wieder auf dem Vorkrisenniveau angekommen. Und nach den pandemiebedingten Schließungen von 2020/21 sind neue Belastungen dazugekommen: Die Energiepreise sind hoch, die Nahrungsmittelpreise sind gestiegen, es gibt Personalengpässe.

Aber die eigentliche Ursache für die schlechte Lage war immer noch die Pandemie, genauer: die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie damals. Geschätzte Kolleginnen und Kollegen von der Unionsfraktion, es waren doch Ihre Maßnahmen, die das Drama erst ausgelöst haben. Viele erinnern sich ungern.

Zurufvon der CDU/CSU: Dünnes Eis!

Ich rufe es Ihnen gerne in Erinnerung: Das war die Zeit, in der Sie es den Menschen verboten haben, allein vor einem Schaufenster zu stehen oder auf einer Parkbank ein Buch zu lesen oder in einem Biergarten oder in einer Weinlaube zu sitzen. Einige Leute aus der Gastronomie und der Kulturbranche würden sich freuen, wenn heute mal gesagt würde, dass man bei den Maßnahmen, die die Gastronomen so massiv geschädigt haben, hier und da übers Ziel hinausgeschossen ist.

Beifallbei der FDP

Dabei haben viele Gastronominnen und Gastronomen clevere Hygienekonzepte vorgelegt; sie haben Trennwände aufgebaut und in Filteranlagen investiert. Das alles haben Sie ignoriert, liebe Kolleginnen und Kollegen. Immerhin haben Sie dann zur Unterstützung der Gastronomie irgendwann die Umsatzsteuer temporär gesenkt. Die Befristung, über die wir heute sprechen, die kam von Ihnen.

Wir haben das dann erst mal weiter befristet, wir haben das dann verlängert. Wir Freie Demokraten haben auch beschlossen, dass wir uns dafür einsetzen wollen, dass diese Befristung nun überwunden wird, dass wir die Umsatzsteuersenkung in der Gastronomie verlängern und entfristen.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Deshalb stimmt ihr dagegen? Ihr macht doch genau das Gegenteil!

Aber wir wollen das zu einem Zeitpunkt diskutieren, wo uns auch die entsprechenden Daten vorliegen. Sie machen es sich ziemlich einfach, indem Sie das einfach so fordern, ohne es richtig vorzurechnen. Das ist eine wohlfeile, oppositionelle Bequemlichkeit, die Sie da an den Tag legen.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Beim Erfinden harter Maßnahmen waren Sie deutlich produktiver, als Sie es heute sind. Wir haben uns in Deutschland in den letzten Jahren sehr daran gewöhnt, bei jeder Krise das identifizierte Problem mit einem Riesenhaufen Geld zuzuschütten.

Doppel-Wumms!

Es ist aber nicht unser Geld, es ist das Geld der Bürger. Und manchmal ist es noch nicht mal Steuergeld. Das Kurzarbeitergeld, das ein ganz wesentlicher Faktor in der Pandemiebekämpfung war,

Ihr macht doch den Doppel-Wumms!

kam aus einer Kasse, die über die Unternehmen, mit der Leistung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, gefüllt worden ist.

Daran müssen wir heute immer denken. Wir müssen heute immer daran denken, dass wir jetzt die Resilienz und die finanzielle Stabilität für die Zukunft wiederaufbauen müssen, damit wir sicher in die nächste Krise hineingehen können, wenn sie dann kommt. Und sie wird irgendwann kommen. Deswegen ist es so wichtig, jetzt Haushaltsdisziplin zu bewahren und sehr sorgfältig durchzurechnen, mit welchen Maßnahmen wir unsere Unternehmen künftig unterstützen.

Die FDP-Fraktion hat sich entschieden, dass wir uns dafür einsetzen wollen, die Umsatzsteuersenkung für die Gastronomie zu entfristen. Wir werden das dann diskutieren, wenn uns die Zahlen vorliegen,

Welche Zahlen?

und dann versuchen, mit unseren Kollegen in der Ampel eine Einigung herzustellen.

Vielleicht noch etwas Grundsätzliches: Viel wichtiger, als andauernd am Umsatzsteuerrecht herumzudoktern, ist: Wir sollten wirklich mal ganz grundsätzlich an die Umsatzsteuer herangehen.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dabei müssen wir natürlich sehen, dass man Nahrungsmittel im Supermarkt heute zum Großteil zum ermäßigten Steuersatz bekommt, wir aber in der Gastronomie im Wesentlichen noch die Systematik haben, dass sie dort nicht vergünstigt sind. Das passt nicht ganz zu dem Umstand, dass in der Gastronomie mit einem hohen Personaleinsatz Dienstleistungen erbracht und Arbeitsplätze gesichert werden.

Bald nicht mehr!

Deswegen: Wenn wir die Umsatzsteuer systematisch anpacken, dann sollten wir darüber nachdenken, an der Stelle Gleichheit herzustellen.

Zurufvon der LINKEN: Ihr wisst schon, dass ihr regiert, ja?

Dann haben wir auch den problematischen Unterschied zwischen Außer-Haus-Verkauf und Im-Haus-Verzehr – wo die Dienstleistung eigentlich größer ist – vom Tisch.

Ich freue mich, in diese Diskussion zu gehen. Aber Ihr Gesetzentwurf kommt zur Unzeit. Deswegen wollen wir ihn diesmal nicht unterstützen.

Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Anja Karliczek
Foto: Tobias Koch
14 Vermerkeca. 586 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste auf den Tribünen! Im Streiten und im Nachdenken ist diese Ampel super. Aber wenn es darum geht, zu Entscheidungen zu kommen, die im Land gebraucht werden, um Planbarkeit zu organisieren, sind Sie eine ziemliche Katastrophe.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir entscheiden heute über einen von uns als Union eingebrachten Gesetzentwurf. Wir wollen, dass die ermäßigte Mehrwertsteuer für die Gastronomie in Deutschland entfristet wird. Angesichts der Dramatik der Lage der Gastronomie – Herr Mansmann, das müssen Sie sich klarmachen! – haben wir unseren Gesetzentwurf noch um zwei zentrale Punkte ergänzt: Erstens wollen wir das Arbeitszeitgesetz flexibler gestalten, damit es die wirklichen Bedürfnisse von Mitarbeitern und Unternehmen berücksichtigt.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Zweitens wollen wir Beschäftigte, die Überstunden leisten, steuerlich entlasten.

Seit dem Frühjahr – ich habe letztes Jahr schon darüber gesprochen, und wir tun es seit dem Frühjahr wieder – weisen wir Sie nun darauf hin, dass die Unternehmen Planungssicherheit brauchen.

Beifallbei der CDU/CSU

Warum haben Sie es denn nicht gleich gemacht?

Die Leute müssen wissen, was zum 1. Januar 2024 auf sie zukommt, nicht erst im letzten Monat, bevor die Entfristung ausläuft – wenn überhaupt entfristet wird.

Ich will Ihnen noch eines sagen: Die Arroganz, mit der Sie die Betriebe bei der für viele existenziellen Forderung nach einer dauerhaft gesenkten Mehrwertsteuer erst vertrösten und diese jetzt ablehnen, zeigt doch, dass Sie keine Ahnung haben, was in unserem Land los ist.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Die Preise für Lebensmittel steigen und steigen, die Personalkosten steigen und steigen – und das in einer nie gekannten Geschwindigkeit. Der Unterschied zwischen Ihrer und unserer Regierungszeit ist eklatant: Über Jahre konnten sich Unternehmen darauf verlassen, dass sie verlässlich kalkulieren können. Sie konnten gute Gastgeber sein, sie konnten gute Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter sein. Familien und Freunde konnten zu bezahlbaren Preisen gemeinsam essen gehen.

Auch nicht alle Menschen zu der Zeit!

Und Gastronomiebetriebe – das will ich an dieser Stelle auch sagen – leisten einen wichtigen Beitrag, um Innenstädte und ländliche Räume attraktiv zu machen.

All das steht jetzt auf dem Spiel. Vielleicht merken Sie es nicht, vielleicht ist es Ihnen aber auch egal.

Kommen Sie mir jetzt nicht mit „Für die Inflation können wir nichts“! Auch das stimmt nur bedingt. Sie treiben mit Ihrer Politik von Gebührenerhöhungen, Steuererhöhungen und, und, und die Inflation immer weiter in die Höhe.

Widerspruchbei der SPD

Also, bitte!

Für eine Familie macht es einen Unterschied, ob ein Schnitzel 27 oder 30 Euro kostet.

Sie knüpfen mit Ihrer Rede an Ihre Leistungen als Bildungsministerin nahtlos an!

Wenn Sie jetzt die ermäßigte Mehrwertsteuer wieder anheben, dann werden alle Speisen um mindestens 12 Prozent teurer. Wir haben gerade über Kostensteigerungen für Löhne und Gehälter gesprochen. Die sind da noch gar nicht mit drin; da geht es nur um die Steuer. Über Lebensmittelpreise will ich ja schon gar nicht mehr reden.

Sie haben es befristet! Nicht wir!

Damit mich an dieser Stelle niemand falsch versteht: Ich bin ein großer Fan besserer Löhne in den touristischen Branchen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen anständig bezahlt werden.

Zurufdes Abg. Michael Schrodi [SPD]

Das gilt auch für Gastronomen. Wer eine gute Dienstleistung erbringt, ein guter Gastgeber ist, soll auch ordentlich bezahlt werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Mindestlohn!

Sternekoch Tim Raue hat es vor einigen Tagen passend formuliert: Die Politiker begreifen es erst, wenn der eigene Italiener die Pforte schließt.

Mindestlohn! Alles abgelehnt von der Union!

Die Lage ist mehr als schwierig. Die Gastronomen, die Mensen- und Kantinenbetreiber in Schulen und Kitas brauchen Ihre Entscheidung, und zwar jetzt. Deswegen haben Sie heute die Chance, den Beschäftigten in unserem Land, den mutigen Unternehmern und ihren fleißigen Mitarbeitern zu beweisen: Wir wissen, was Sie für unsere Esskultur leisten, wir wissen, wie wichtig Gemeinschaft am gedeckten Tisch im Restaurant und im Wirtshaus ist, und wir wollen, dass Gaststätten weiterhin die Lagerfeuer der Nation sind. – Wir haben eine namentliche Abstimmung beantragt. Heute wird klar, wer die Gastronomie in schwierigen Zeiten unterstützt und wer nicht. Ich bin gespannt.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Tim Klüssendorf
Foto: Tim Klüssendorf/ Maximilian König
10 Vermerkeca. 525 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Karliczek, ich finde es ja fast schon ein bisschen dreist, wenn Sie uns hier Arroganz vorwerfen oder wenn Sie uns vorwerfen, dass uns die Gastronomie egal sei. Es gibt, glaube ich, keine Bundesregierung, die so viel für eine einzelne Branche an Hilfspaketen geschnürt hat wie diese und die letzte Bundesregierung, wie diese beiden Bundesregierungen unter SPD-Beteiligung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Diese hat noch gar nichts gemacht!

– Diese hat sehr wohl was gemacht. Wer hat denn die auslaufende Regelung zum reduzierten Mehrwertsteuersatz verlängert? Das war diese Bundesregierung im vergangenen Jahr.

Ein Jahr! Das ist genau das, was nicht hilft!

Und das war übrigens vollkommen unabhängig von Ihren Vorschlägen. Wir haben gemacht, was wir auch in diesem Jahr tun: Wir haben uns die Situation angeguckt, eine Einschätzung getroffen, vor dem Hintergrund des Haushaltes eine Bewertung vorgenommen und am Ende über die Maßnahme entschieden,

Schrei doch nicht so!

ganz ohne Ihre Hinweise, ganz ohne Ihre Hilfe; das haben wir getan.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ganz ohne unsere Hilfe? Wir haben das im letzten Jahr schon beantragt! Zu Ihrer Information!

Einige werden sich vielleicht erinnern, dass Sie, zumindest meiner Information nach, auch mal Teil der Bundesregierung waren. Ich weiß nicht, wie Sie das als Ministerin gemacht hätten unter dem Haushaltsdruck. Die Diskussionen in den letzten Wochen zeigen: Wir verhandeln hier über jede Million. Wir diskutieren über Migrationsberatungsstellen, über das FSJ, über die Bundeszentrale für politische Bildung. Das sind harte Diskussionen. Und von Ihnen kommt nichts anderes als Steuersenkungsforderungen: Zehn-Punkte-Plan im Juni, Fünf-Punkte-Plan im August.

Von Ihnen kommt halt gar nichts!

Ich weiß nicht, was als Nächstes kommt. Vielleicht ein Drei-Punkte-Plan, ein Zwei-Punkte-Plan? Immer nur auf Kosten des Haushalts Politik zu machen, das ist keine seriöse Haushaltspolitik.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Von Ihnen kommt nur: Steuererhöhung! Steuererhöhung!

Die ganze Doppelmoral Ihrer Partei zeigt sich in dem Beschluss, den der Landtag Schleswig-Holstein diese Woche gefasst hat. Der Landtag Schleswig-Holstein hat diese Woche nämlich entschieden, dass die Mehrwertsteuer in der Gastronomie auf Speisen bei 7 Prozent bleiben soll. So weit, so gut. Gleichzeitig haben sie aber entschieden, dass sie das nicht bezahlen wollen; denn im Landeshaushalt ist kein Geld dafür da. Das soll bitte der Bund komplett übernehmen. Das ist ja eine spannende Entscheidung. Da zählt auf einmal der Haushalt, und bei uns soll er keine Rolle spielen. Ich finde, das ist eine eindeutige Doppelmoral, die Sie auch mal intern hinterfragen sollten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufder Abg. Anja Karliczek [CDU/CSU]

Wenn ich dann den Kollegen Söder höre, der sich mitten im Wahlkampf im Oktoberfestzelt hinreißen lässt, geradezu in Bierlaune zu verkünden: „Günstiges Essen für alle!“, dann frage ich mich, was als Nächstes kommt. „Freibier für alle“? Dazu kann ich nur sagen: Das ist keine seriöse Haushaltspolitik. So kann man weder ein Bundesland führen noch eine Bundesregierung. Das lehnen wir kategorisch ab.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir werden es so machen wie schon im vergangenen Jahr: Wir werden das seriös diskutieren.

Fangen Sie doch mal an damit!

Heute werden eine ganze Reihe von persönlichen Erklärungen abgegeben, weil den Menschen das Thema am Herzen liegt, weil wir es uns nicht leicht machen, weil wir nicht schon seit Monaten herumrennen – Ihr erster Antrag ist aus dem März – und sagen: Es ist uns vollkommen egal, wie die finanzielle Situation ist; wir entfristen das für alle Ewigkeiten. – Wir werden uns Gedanken darüber machen, wie wir die besten Entscheidungen treffen. Wir werden es in den Haushaltsberatungen sorgfältig abwägen.

Die letzten drei Minuten meiner Redezeit spende ich heute den fleißigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bundestagsverwaltung.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Dieter JanecekGrüne· Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus· MdB
7 Vermerkeca. 474 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! 2020, 2021, 2022 und auch weite Teile von 2023 waren sehr harte Zeiten für die Gastronomie: die Coronapandemie, die Energiekrise. Ich kann das aus nächster Nähe schildern: Ich war zu der damaligen Zeit noch Berichterstatter für die Coronahilfen, in der Regierungszeit wirtschaftspolitischer Sprecher und dann auch noch Berichterstatter für die Energiekrisenhilfen. Ich kann nur sagen: Damals wurde von der damaligen Bundesregierung gehandelt, und von der neuen Bundesregierung wurde gehandelt, um die Gastro kräftig zu unterstützen. Das war und ist auch richtig.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Nun kann ich, auch aus vielen Gesprächen mit Gastronomen vor Ort, die Sorgen gut nachvollziehen. Trotzdem müssen wir eine Abwägungsentscheidung treffen. Wir sind in einer Konsolidierungsphase des Haushaltes.

Wenn Sie keine Gastronomen mehr haben, dann ist es vorbei!

Das Parlament ist darauf vorbereitet, im November im Lichte der Steuerschätzung eine Entscheidung zu treffen, für die ich natürlich grundsätzlich Sympathie habe. Aber die muss eben auch abgewogen sein. Deswegen will ich Ihnen noch mal eine gewisse Einordnung geben.

Wir haben damals das Kurzarbeitergeld eingeführt, Coronahilfen, Coronakredite, wir haben Gas- und Strompreisbremsen in hoher Milliardenhöhe für die Gastronomie auf den Weg gebracht. Wir haben heute bei der Energiepreissituation, die ja der Grund für die weitere Verlängerung bis Ende des Jahres war, niedrigere Preise als vor Beginn des schrecklichen Angriffskriegs Russlands in der Ukraine. Das ist momentan auch ein Fakt.

Wir haben aktuell die Schätzung von 3,4 Milliarden Euro Ausfällen von Steuereinnahmen für Bund und Länder durch die reduzierte Mehrwertsteuer in der Gastronomie. Natürlich müssen die Länder sich auch verhalten. Aktuell liegt uns kein klares Signal zur Mehrwertsteuerthematik aus den Ländern, aus dem Bundesrat vor. Wir sind gespannt auf die Steuerschätzung im November. Ich weiß, dass viele Kolleginnen und Kollegen sich das ganz genau anschauen werden und dass dann im Lichte der Einnahmen Entscheidungen zu treffen sind.

Ich will aber auch darauf hinweisen, dass nicht nur die Frage der Mehrwertsteuerthematik eine Rolle für die Zukunftsfähigkeit der Gastronomie spielt.

Beifallder Abg. Dr. Jan-Niclas Gesenhues [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Sandra Bubendorfer-Licht [FDP]

Wir haben beim Thema Fachkräfte vieles zu tun und als diese Bundesregierung vieles getan. Frau Karliczek, während Sie lange gebraucht haben, um festzustellen, dass Deutschland ein Einwanderungs- und auch ein Willkommensland sein muss, haben wir jetzt in diesem Bereich gehandelt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie der Abg. Sandra Bubendorfer-Licht [FDP]

Das erste Fachkräfteeinwanderungsgesetz stammt doch von uns!

Ich will das auch explizit in der aktuellen Debatte um Geflüchtete sagen. Das Potenzial, diese Menschen schnell in den Arbeitsmarkt zu bringen, ist gigantisch. Hier werden wir Maßnahmen tätigen, damit das auch möglich ist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wenn keine Gastronomie mehr da ist, wird es schwierig!

Wir haben bei der EEG-Umlage Entlastungen geschaffen: mehrere Milliarden Euro. Wir haben den Turbo für die Erneuerbaren gezündet; auch das wird die Preise in der Zukunft nachhaltig senken. Wir sind bei der Nationalen Tourismusstrategie dabei, über die Bereiche „Klimaneutralität“, „Umwelt- und Naturschutz“, „Digitalisierung“, „Fachkräftesicherung“, „Wettbewerbsfähigkeit“ zu reden. All das gehört in den Kontext.

Wir brauchen eine starke Gastronomie. Wir brauchen auch diese Diskussion; sie ist richtig. Aber wir müssen am Ende abwägen, welche Investitionen wir zu welchem Zeitpunkt tätigen können. Dafür bitte ich um Ihr Verständnis.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
12 Vermerkeca. 408 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Gastronomiebranche gehörte zu den Wirtschaftszweigen, die durch die Auswirkungen der Coronapandemie besonders betroffen waren und die es zum Teil auch noch heute sind. Trotz unterschiedlicher Hilfen bewegen sich viele Betriebe noch immer auf sehr dünnem Eis, auch weil aktuell die politische Lage alles andere als positiv ist.

Als die Senkung der Mehrwertsteuer vereinbart wurde, waren wir als Linksfraktion eher skeptisch – vor allen Dingen, was die Wirksamkeit angeht. Aber die Senkung von 19 auf 7 Prozent gab den Gastronomen etwas Spielraum bei der Bewältigung der Kostensteigerungen und bei Nachfragerückgängen.

Beifallbei der LINKEN

Wenn dieser Vorteil jetzt ausläuft, hat das zwei Folgen:

Erstens. Die Preise für die Endverbraucher gehen eins zu eins hoch. Damit wird es zu einem Nachfragerückgang kommen und damit auch zu Verlusten bei den Einnahmen.

Zweitens. Auch die Steuerkassen haben nichts davon, da der prozentuale Steuersatz zwar ansteigt, aber das Volumen der Steuereinnahmen insgesamt nicht ansteigen wird, wenn es nicht sogar zurückgeht.

Richtig! Genau!

Also, niemand hat etwas davon, weder die Gäste noch die Gastwirte noch die Finanzämter. Also lassen wir es!

Beifallbei der LINKEN

Wenn etwas so offensichtlich ist, dann muss man, auch wenn es mir als Linkem schwerfällt, auch mal einem Antrag der CDU/CSU zustimmen. Es ist dann einfach so.

Tut gar nicht weh!

– Es tut nicht weh; das stimmt.

Beifallbei der LINKEN

Aber, liebe Union, ein Risiko hat Ihre Gesetzesinitiative. Da hängt nämlich noch ein Entschließungsantrag dran, der zwar nach unserer Geschäftsordnung wegfällt, wenn der Gesetzentwurf keine Mehrheit findet; aber Sie wollen ja Mehrheiten.

Sie formulieren da drei Forderungen: a) die Entfristung des Mehrwertsteuersatzes – das ist okay –, b) Steuerentlastung bei Überstunden – auch okay.

Aber unter c) fordern Sie die Umwandlung der gesetzlichen Höchstarbeitszeit pro Tag in eine Höchstarbeitszeit pro Woche.

Genau! Ist doch richtig!

Während heute nach maximal zehn Stunden Schluss ist, wollen Sie es ermöglichen, dass auch 14 oder 16 Stunden am Tag gearbeitet werden kann.

Sagen Sie mal, hat eigentlich jemals irgendjemand von Ihnen in der Gastronomie, in einem Restaurant, in einer Gaststätte gearbeitet?

Ja! Ich! Noch Fragen? Jahrelang!

Ja! Ich auch!

– Aber wahrscheinlich keine 14 oder 16 Stunden.

Wir haben da noch mehr als 12 Stunden gearbeitet! Da hat kein Mensch danach gefragt!

Man kann nämlich – das kann ich aus eigener Erfahrung sagen – hier im Deutschen Bundestag problemlos donnerstags von 9 bis nachts um 12 Uhr rumdödeln. Aber machen Sie das bitte schön mal in einer Gaststätte oder in einem Restaurant. Das funktioniert nicht; da wird hart gearbeitet.

Also wenn Sie eine Chance haben wollen, Ihren Gesetzentwurf heute durchzubekommen, ziehen Sie Ihren Entschließungsantrag, der parallel dazu läuft, zurück! Er ist unsozial und ein Schlag ins Gesicht aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Danke schön. Glück auf!

Beifallbei der LINKEN
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Stefan Schmidt
Foto: Deutscher Bundestag/ Inga Haar
8 Vermerkeca. 404 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Gesetzentwurf zur Änderung des Umsatzsteuergesetzes – mein erster Gedanke: Vielleicht bringen CDU und CSU ja sinnvolle Vorschläge, wie wir unser mittlerweile völlig absurdes und unlogisches Umsatzsteuersystem sinnvoll reformieren können. Sie wissen ja: Kuhmilch 7 Prozent, Hafermilch 19 Prozent, Kartoffeln 7 Prozent, Süßkartoffeln 19 Prozent.

Zurufevon der CDU/CSU

Und noch absurder: Tiernahrung 7 Prozent, Babynahrung 19 Prozent. Aber nein, konstruktive Vorschläge, das wäre zu viel verlangt von der Fraktion, zu der sich die Union mittlerweile entwickelt hat.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Es geht Ihnen in dem Gesetzentwurf nicht um eine sinnvolle Reform der Umsatzsteuer, es geht Ihnen mal wieder um die Umsatzsteuer für Speisen in der Gastronomie. Schon zum vierten Mal seit letztem Jahr diskutieren wir hier darüber. Natürlich ist auch dieses Anliegen berechtigt; denn die Gastronomie hat harte Zeiten hinter sich: erst Lockdown, Umsatzeinbußen in Coronazeiten, dann stark gestiegene Preise für Energie und Lebensmittel. Die reduzierte Umsatzsteuer von 7 Prozent für Essen in Restaurants und Wirtshäusern hat der Gastronomie wieder auf die Beine geholfen. Und auch in Zukunft hätte die reduzierte Umsatzsteuer positive Effekte – keine Frage. Die Gastronominnen und Gastronomen müssten die Preise nicht erhöhen. Vor allem als Tourismuspolitiker sehe ich, wie sinnvoll die reduzierte Umsatzsteuer wäre.

Trotzdem muss ich und müssen wir in der Koalition verantwortungsvolle Politik machen. Das bedeutet: Jede politische Maßnahme muss auch gegenfinanziert werden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Dann fangen Sie doch an damit!

Die entscheidenden Fragen lauten also: Wie sollen wir die 1,8 Milliarden Euro finanzieren, die allein der Bund weniger an Steuergeld einnehmen würde? Wo sollen wir Gelder kürzen, um die Mehrwertsteuer für Essen in Wirtshäusern bei 7 Prozent zu belassen? Und wo nehmen Länder und Kommunen die weiteren gut 1,5 Milliarden Euro her? An diesem Punkt unterscheiden sich die Ampelfraktionen von der Union; denn auf diese entscheidenden Fragen haben Sie keine Antwort.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufder Abg. Nina Warken [CDU/CSU]

Im Gesetzentwurf findet sich kein einziges Wort zur Gegenfinanzierung, kein Wort, wie Sie diese Steuerermäßigung kompensieren wollen. Das ist verantwortungslos und unseriös! Allein aus diesem Grund ist der Gesetzentwurf abzulehnen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Die Haushaltsverhandlungen haben erst angefangen. Als verantwortungsvolle Regierungskoalition werden wir ganz genau schauen, welchen finanziellen Spielraum wir haben. Und ich hoffe, dass wir ihn finden.

Ein ganz kurzes Wort noch zum Entschließungsantrag: Anreize zu schaffen, damit Menschen mehr als 40 Stunden die Woche arbeiten, das löst weder den Arbeitskräftemangel, noch ermöglicht es die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Sie haben keine Ahnung! Das stimmt gar nicht!

Und an die vielen Frauen in der Tourismusbranche richtet sich Ihr Antrag überhaupt nicht. So viel Realitätsferne hat mich dann doch überrascht, liebe Union.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Fritz Güntzler
Foto: Fritz Güntzler/ Tobias Koch
12 Vermerkeca. 505 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Eine Gemeinsamkeit haben wir anscheinend doch, nämlich dass wir die Gastronomie eigentlich gut finden.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU, der FDP und der LINKEN

Wir haben auch die Gemeinsamkeit, dass wir bisher schon viel für die Gastronomie getan haben. Jetzt geht es einfach darum: Machen wir das in der Zukunft weiter? Darum müssen wir eine Analyse vornehmen, wie es der Gastronomie eigentlich geht. Zweimal ist die Befristung, über die wir heute diskutieren, schon verlängert worden, zuletzt bis zum 31. Dezember dieses Jahres. Es gab Gründe, warum verlängert wurde. Und jetzt müssen wir uns doch einfach die Frage stellen: Bestehen diese Gründe noch?

Wenn Sie in Ihren Wahlkreisen unterwegs sind, wenn wir mit Gastronomen sprechen, wenn wir selber in der Gastronomie zu Gast sind, spüren wir doch, dass die Gastronomie in Deutschland mit dem Rücken zur Wand steht und wir ihr auch weiterhin helfen müssen.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Gastronomie hat sich nämlich nicht erholt seit 2019. Die Umsätze liegen noch unter denen von 2019. 36 000 Betriebe mussten schließen. Das kostet übrigens auch Arbeitsplätze, und Betriebe, die zugemacht haben, zahlen überhaupt keine Umsatzsteuer, egal ob 7 oder 19 Prozent. Das sollte Ihnen auch bewusst sein.

Beifallbei der CDU/CSU

Eine Erhöhung müsste aufgrund der ganzen Kostensteigerungen, die es jetzt schon gab, mit 11,2 Prozent auf die Kunden überwälzt werden. Die Kunden werden sich das nicht mehr weiter leisten können. Der Staat wird in diesem Moment zum Inflationstreiber, oder, genauer gesagt, die Ampel. Eine geringere Nachfrage führt dazu, dass weitere Betriebe schließen müssen.

Zurufdes Abg. Ulrich Lechte [FDP]

Nach Berechnungen der DEHOGA werden weitere 12 000 Betriebe vom Netz gehen. Wollen Sie das denn wirklich, liebe Ampelkoalition?

Beifallbei der CDU/CSU

Eine dauerhafte Entfristung würde auch Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen, und zwar insbesondere im EU-Wettbewerb. 23 von 27 EU-Staaten haben diesen ermäßigten Steuersatz.

Zurufvon der FDP: Und wer hat das eingeführt?

Wenn Sie in der Grenzregion unterwegs sind, stehen Sie in Konkurrenz: Sie stehen in Konkurrenz zum Lebensmittelhandel, Sie stehen in Konkurrenz zum Imbiss. Es wäre also vernünftig, einen einheitlichen Mehrwertsteuersatz in Höhe von 7 Prozent aufzuerlegen.

Kommt jetzt noch was?

Und ich sage zu den 1,8 Milliarden Euro, von denen Sie sprechen: Das Ganze wird zwar nicht billig,

aber ob diese Zahl richtig ist, wenn die Nachfrage zurückgeht, wenn der Umsatz zurückgeht, das bezweifle ich doch in erheblichem Maße.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der LINKEN

Wie sieht Ihre Gegenfinanzierung aus?

Wenn wir uns einig sind, dass die Gastronomie wichtig ist, dann handeln Sie: Denn die Gastronomie braucht auch Planungssicherheit. Sie braucht kein Weihnachtsgeschenk der Ampel, wenn Sie dann so großzügig sind, am Ende doch mal was zuzusagen. Unternehmer müssen Entscheidungen treffen. Es geht um Investitionsentscheidungen: Renoviere ich meine Gastronomie? Wie gehe ich mit den Tilgungen für die Kredite um, die der Kollege Donth angesprochen hat? Es sind wichtige Entscheidungen zu treffen. Von daher braucht die Branche jetzt Klarheit von der Ampel, und nicht erst zu Weihnachten, wo man gar nicht weiß, was da rauskommt.

Beifallbei der CDU/CSU

Liebe Ampelfraktionen, geben Sie sich einen Ruck! Geben Sie heute ein klares Bekenntnis zur Gastronomie ab, und stimmen Sie, wenn Sie unserem Entschließungsantrag schon nicht zustimmen wollen, wenigstens unserem Gesetzentwurf zu! Lippenbekenntnisse helfen der Gastronomie nicht. Werden Sie nicht zum Totengräber der deutschen Gastronomie!

Zurufevon der SPD: Oh!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Gastronomie ist eine der Branchen, welche besonders hart von Corona betroffen waren. Neben massiven Umsatzeinbrüchen hatte sie auch einen Verlust von Arbeitskräften zu verkraften. Viele haben sich einfach einen neuen Job gesucht, weil mit dem Kurzarbeitergeld, das während der Coronazeit gezahlt wurde, einfach keiner mehr klarkam.

Wir können dieses Manko bei den Arbeitskräften, die unwiderruflich weg sind, auch durch eine Umsatzsteuersenkung nicht kompensieren. Wir können aber zumindest verhindern, dass noch mehr Gaststätten ihre Türen wieder schließen müssen. Die Branche hat 2020 und 2021 insgesamt 36 000 Betriebe verloren. Die Umsatzsteuererhöhung würde sich ebenso wie die exorbitanten Energiepreise auf die Verbraucherpreise auswirken. Die Preise würden noch stärker steigen. Die Gastronomen wären gezwungen, die erhöhte Umsatzsteuer, wenn die Erhöhung denn so kommt, auf ihre Gäste umzulegen; denn es ist eine Verbrauchsteuer. Die Folge wäre, dass der Gaststättenbesuch immer mehr für den einfachen Bürger zum Luxusgut würde und die Gästezahlen weiter zurückgehen würden.

Beifallbei der AfD

Insbesondere im ländlichen Raum stehen damit viele Betriebe vor dem Aus. Schließt das Gasthaus im Dorf, verschwindet auch ein Stück Kultur und Heimat. Egal ob auf dem Land oder in der Stadt, die Gaststätten sind Treffpunkte für Jung und Alt, ein Ort des Zusammenkommens, der Kommunikation, des gemütlichen Zusammenhalts. In insgesamt 23 EU-Staaten wird kein Unterschied gemacht zwischen Essen vor Ort und Essen außer Haus, nur bei uns in Deutschland.

Die Gastronomie ist sehr arbeitsintensiv. Dort wird mit viermal so viel Beschäftigten derselbe Umsatz erzielt wie im Lebensmitteleinzelhandel. Deswegen sind Personalkostensteigerungen, die unwiderruflich sind, natürlich Preistreiber. Deshalb begrüßen wir den Vorschlag der CDU in ihrem Entschließungsantrag,

die Arbeitszeitregelung flexibler zu gestalten.

Die eigentliche Frage ist jedoch: Sollten wir nicht die Gelegenheit nutzen, um hier einen großen Wurf zu machen? Wir haben, auch wenn die aktuelle Regelung bestehen bleibt, eine Unterscheidung zwischen Speisen und Getränken. Das macht die Gastronomie zum Bürokratiemonster. Wir haben 19 Prozent bei Essen vor Ort und 7 Prozent bei Außer-Haus-Verkauf. Wir haben auch bei den Getränken Unterschiede: Auf Kaffee sind es zum Beispiel 19 Prozent, wenn Sie aber 75 Prozent Milchanteil haben, sind es 7 Prozent. Auf frisch gepressten Saft sind es 19 Prozent, auf Smoothies 7 Prozent. Das versteht doch kein Gastronom mehr. Das ist einfach eine Überforderung. Herr Klüssendorf hat gesagt: Der normale Steuerberater kann das auch nicht mehr verkraften. – Da würde ich ihm sogar teilweise zustimmen. Es ist wirklich eine Unart, dass die Gastronomen sich mit steuerlichen Fragen beschäftigen müssen, wo sie doch eigentlich ihre Gäste bewirten wollen.

Beifallbei der AfD

Wir schlagen deshalb vor, einen einheitlichen Steuersatz für alle gastronomischen Leistungen einzuführen. Das wäre wirklich mal ein Fortschritt in dieser Steuergeschichte. Ich weiß, jetzt kommt wieder Ihr Einwand – Sie haben es ja selber gesagt, Herr Klüssendorf –: Wir können uns das nicht leisten. – Ich will Ihnen mal was sagen: Wir haben 2022 allein bei der Umsatzsteuer 34 Milliarden Euro mehr eingenommen als im Vorjahr. Sie haben bis zum Juli dieses Jahres 3,2 Milliarden Euro mehr eingenommen.

Und die Ausgaben?

3,2 Milliarden Euro, das ist übrigens genau die Summe, die die Erhöhung der Umsatzsteuer kosten würde. Das wäre also durchaus zu finanzieren.

Wir könnten uns alternativ auch vorstellen, einen Mischsteuersatz in der Gastronomie einzuführen: 10 Prozent. Das ist nicht neu. Das gibt es zum Beispiel in Belgien, in Frankreich und in Italien. Damit würden wir die Gastronomen nicht nur steuerlich entlasten, wir würden auch den Bürokratieaufwand in der Gastronomie auf einen Schlag komplett beseitigen.

Beifallbei der AfD

Bei einem Verhältnis von 30 : 70 zwischen Getränken und Speisen würden überhaupt keine Umsatzsteuerausfälle entstehen. Das heißt, das wäre komplett aus dem Gesetz heraus finanziert. Ich würde mir wünschen, dass Sie diesen Vorschlag – wir werden das heute Abend noch mal diskutieren im Zusammenhang mit einem anderen Antrag von uns – in Ihre Überlegungen einbeziehen.

ca. 2 WörterReaktionswert: ruhig
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Unabhängig davon, –

1 Vermerkca. 17 WörterReaktionswert: ruhig
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– dass unser Antrag weiter gehend ist, würden wir natürlich trotzdem dem Entschließungsantrag der CDU zustimmen.

Danke schön.

Beifallbei der AfD
Porträt von Michael Schrodi
Foto: Michael Schrodi/ Photothek
9 VermerkeZwischenfrageca. 375 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Meine Vorrednerinnen und Vorredner haben es schon gesagt: Die großen Herausforderungen der letzten Jahre haben wir mit vielen staatlichen Hilfen – Gaspreisbremse, Kurzarbeitergeld – gemeistert. Ich glaube, wie mein Vorredner Tim Klüssendorf sagte: Es gab wenige Branchen, die so viele Hilfen bekommen haben wie die Gastronomie.

Ich erinnere daran, was wir, CDU/CSU und SPD gemeinsam, beispielsweise mit den November- und Dezemberhilfen gemacht haben:

Da lief der Laden noch, als wir noch dabei waren, nicht wahr?

75 Prozent des Umsatzes des Vorjahres. Das war – das muss man deutlich sagen – eine Überkompensation.

Die Hälfte geht doch an die Steuer!

Wir haben das bewusst gemacht, weil wir gesagt haben: Wir wollen der Gastronomie helfen. – Wir haben damals bei der Absenkung des Mehrwertsteuersatzes auf 7 Prozent auch eins deutlich gemacht: „Ja, okay, die Mehrwertsteuer soll eigentlich an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben werden. In dem Fall aber“ – mit einem Augenzwinkern – „behaltet es ein. Das ist wichtig für euch in dieser Krisensituation.“

Man sieht also: Die Menschen in der Gastronomie können sich auf die SPD in der Bundesregierung, in der Großen Koalition und in der neuen Ampelkoalition, verlassen.

Ha! Die sind verlassen!

Wir helfen der Gastronomie, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Manche aber laufen mit dem Füllhorn Mehrwertsteuersenkung hier durch diesen Bundestag. Überall soll die Mehrwertsteuersenkung als Allzweckwaffe Probleme lösen.

Ihr wollt doch erhöhen!

Den Vogel schießt wieder die CSU im bayerischen Wahlkampf ab. Der Söder Markus fordert in den Bierzelten des Freistaates: Mehrwertsteuersenkung auf sämtliche Nahrungsmittel und Getränke, also auch auf Kaviar und Champagner.

Das hat Ihr Landwirtschaftsminister doch auch gefordert!

Zurufeder Abg. Sebastian Brehm [CDU/CSU] und Matthias Hauer [CDU/CSU]

„Prost Mahlzeit!“, sage ich. Uli Hoeneß freut sich darüber, die Menschen aber nicht, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Widerspruchbei der CDU/CSU

Zwei Anmerkungen dazu:

Erst mal steuersystematisch – ich hoffe, Sie sind auch für eine steuersystematische Fragestellung und Diskussion offen –: Vorgesehen ist der ermäßigte Umsatzsteuersatz nur für lebensnotwendige Waren des täglichen Bedarfs. Das waren ursprünglich Lebensmittel, Kulturgüter und Nahverkehr.

Reitpferde!

Zurufdes Abg. Sebastian Brehm [CDU/CSU]

Wir sollten uns genau anschauen, mit welchen Instrumenten wir hier Hilfen zur Verfügung stellen. Das kann man in Krisenzeiten tun, aber es sollte nicht zur Normalität werden.

Zum Zweiten. Was die CDU/CSU hier macht, ist: Sie ruft „Freibier für alle!“, und am Ende will sie die Zeche prellen. Denn Sie versprechen Steuersenkungen in Milliardenhöhe, machen jedoch seit Monaten keinen einzigen Vorschlag dazu. Wir sollen die Schuldenbremse aber auch noch einhalten. Diesen Bierzeltpopulismus glauben Ihnen nicht einmal die Menschen beim Gillamoos, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Michael Schrodi
Foto: Michael Schrodi/ Photothek
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Sehr gerne.

Fragen gehören zum Parlament! Das Salz in der Suppe!

Porträt von Michael Donth
Foto: Tobias Koch
2 VermerkeZwischenfrageca. 225 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Vielen Dank, Herr Kollege, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Ich habe Ihnen jetzt zugehört. Zum einen haben Sie darauf hingewiesen – Sie haben noch die Kurve gekriegt –, dass auch die Union dabei war, als man die Mehrwertsteuer gesenkt hat. Sie haben aber auch darauf hingewiesen, dass die Große Koalition ja immens viel Geld in die Hand genommen hat, um die Gastronomie zu stützen. Das ist absolut richtig. Die Gastronomen haben zusätzlich noch Schulden gemacht – der DEHOGA hat es abgefragt –: In Baden-Württemberg sind es 1,5 Milliarden Euro, die die Betriebe jetzt abstottern müssen. Aber sehen Sie nicht auch die Gefahr, dass, wenn Sie die Mehrwertsteuer jetzt wieder von 7 auf 19 Prozent erhöhen, ein hohes Risiko besteht – und alle Umfragen bestätigen das –, dass die Betriebe, die wir mit viel Steuergeld am Leben gehalten haben, jetzt doch schließen müssen? Das ist die erste Frage.

Die zweite Frage – weil Sie ja darauf hinweisen: wo soll das Geld für Steuersenkungen herkommen? – lautet: Wir haben bei der Umsatzsteuer durch die Inflation Mehreinnahmen im mittleren zweistelligen Milliardenbereich.

Zurufder Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD]

Schon vor zweieinhalb Jahren haben wir die Mehrwertsteuer abgesenkt. Auf Schwäbisch ausgedrückt: Dieser Ausfall ist schon verschmerzt. – Also, wie wollen Sie den Gastronomen klarmachen, dass sie jetzt darunter leiden sollen, dass zusätzlich 3,3 Milliarden Euro Mehrwertsteuer eingenommen werden sollen? Die Frage ist, ob es überhaupt so viel wird.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Michael Schrodi
Foto: Michael Schrodi/ Photothek
9 Vermerkeca. 428 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Zu den inflationsbedingten Mehreinnahmen. Auch bei der Mehrwertsteuer stehen unserem Staat – dem Bund, den Ländern und Kommunen – massive Mehrausgaben bevor, nicht nur krisenbedingt, sondern weil die Teuerungsrate ja auch bei den öffentlichen Haushalten ankommt. Und es ist eine Milchmädchenrechnung, immer nur die Einnahmenseite zu sehen, sondern sie müssen die Ausgabenseite auch sehen, die genauso mitwächst. Insofern ist da kein Puffer drin, den wir noch für irgendwelche zusätzlichen Steuersenkungsmaßnahmen, die Sie hier in den Raum stellen, verwenden könnten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die Ampel hat ein Ausgabenproblem!

Zum Zweiten. Ich kenne die Debatte und natürlich auch die Befürchtungen der Gastronomie schon seit Jahrzehnten, dass Maßnahmen, die wir auf den Weg gebracht haben, ihr schaden könnten.

Das ist Ihnen egal!

Ich erinnere zum Beispiel an die Debatte zur Frage des Rauchverbots in Gaststätten. Ich weiß noch genau, wie der Teufel an die Wand gemalt wurde, wie sehr das zu einem flächendeckenden Gaststättensterben führen würde.

Ja, das haben wir doch aber!

Aber doch nicht wegen des Rauchverbots!

Das ist nicht eingetroffen.

Es gibt nur noch ganz wenig Kneipen auf dem Land!

Wir werden uns auf das konzentrieren, was wir in vielen Gesprächen, auch mit dem DEHOGA, hören: Das entscheidende, das drängendste Problem für die Gastronomie

… ist die Ampel!

ist gerade der Fachkräftemangel. Und anstatt sich endlich mal dafür zu öffnen,

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

dass wir Menschen brauchen, die zu uns kommen und hier arbeiten – nicht nur in der Gastronomie –, führen Sie unsinnige Obergrenzendebatten. Das schadet der Gastronomie, das hilft dem Arbeitsmarkt und auch der Gastronomie nicht weiter.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Leute wollen ja gar nicht arbeiten, sondern lieber Bürgergeld beziehen! Es lohnt sich doch gar nicht, zu arbeiten!

Zu dem Punkt passt auch der Entschließungsantrag, den Sie hier vorgelegt haben, der untauglich ist, der übrigens Ihr Bild von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern noch mal deutlich zeigt. Sie wollen steuerliche Begünstigungen von Überstunden. Sie wollen die tägliche Höchstarbeitszeit flexibilisieren. Bereits jetzt ist es doch so, dass es wegen der unattraktiven Arbeitszeiten schwer ist, Menschen für die Arbeit in der Gastronomie zu finden. Jetzt sollen die wenigen, die noch da sind, länger arbeiten, flexibler werden.

Das stimmt überhaupt nicht! Das hat niemand gesagt!

Sie treiben die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die Selbstausbeutung. Das treibt die Menschen nicht hin, sondern weg aus der Gastronomie.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufder Abg. Anja Karliczek [CDU/CSU]

Gleichzeitig, wie ich schon gesagt habe, weigern Sie sich, anzuerkennen, dass wir auch Menschen brauchen, die in der Gastronomie arbeiten wollen. Das sind auch Menschen aus dem europäischen und sonstigen Ausland.

Noch eins. Wir erhalten Post mit Argumenten, die für eine Verlängerung sprechen. Wir lesen auch die Einschätzungen von Ökonominnen und Ökonomen aller Denkrichtungen, die von einer Verlängerung abraten, die sagen: Wenn wir 3,3 Milliarden Euro Mindereinnahmen hätten, dann würden wir das Geld eher in Schulen, in die Bahn stecken. Die Professorin Langenmayr von der Universität Eichstätt-Ingolstadt beispielsweise hat dringend davon abgeraten; das konnte man heute im „Spiegel“ lesen.

Wir werden als Koalition unter Berücksichtigung der Belange der Gastronomie wie auch im Rahmen des Haushalts eine Entscheidung fällen.

10 Vermerkeca. 409 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

„Wenn ab Januar wieder der volle Mehrwertsteuersatz auf Besuche in der Gaststätte erhoben würde, wäre das eine weitere Verstärkung der Inflation.“

Das ist kein Spruch von mir, sondern vom Bundesfinanzminister Christian Lindner.

Da hat er recht!

Auch Olaf Scholz versprach 2021, sich für die dauerhafte Senkung des Mehrwertsteuersatzes einzusetzen. Er wiederholte das übrigens im gesamten Jahr 2022 auf verschiedenen Veranstaltungen.

Warum tut er es dann nicht?

Liebe Kolleginnen und Kollegen, heute haben Sie die Gelegenheit, zu zeigen, dass Sie Ihre Wahlversprechen auch einlösen. Deshalb wollen wir, dass heute über diesen Gesetzentwurf auch namentlich abgestimmt wird, und wir wollen Sie einladen, hier unserem Gesetzentwurf zuzustimmen, allerdings wirklich ohne Schaum vorm Mund,

Wir sind dabei!

sondern ganz in Ruhe und ohne hier so laut zu schreien. Dafür ist das Thema Gastronomie in Deutschland viel zu wichtig.

Beifallbei der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit einer Anhebung der Umsatzsteuer für Speisen in der Gastronomie auf 19 Prozent ab Januar 2024 legen Sie die Axt an die Wirtshauskultur in Deutschland. Die Betriebe haben es doch eh schon schwer.

Ihr habt es doch selber befristet!

Mit einer Erhöhung der Umsatzsteuer auf 19 Prozent werden zahlreiche Betriebe in 2024 schließen. Das führt zu weniger Steuern und zu einer Vernichtung der mittelständischen Strukturen.

Die Argumente für die dauerhafte Beibehaltung von 7 Prozent sind doch völlig klar:

Erstens. Der Umsatzindex des Statistischen Bundesamts für die Branche besagt, dass der Jahresdurchschnitt für 2020 bis 2023 aktuell immer noch unter dem Niveau von 2015 bis 2019 ist.

Da war ja auch Corona dabei! Das ist ja unglaublich!

Und die Verluste aus der Coronazeit – Sie haben es ja selber gesagt – sind noch nicht aufgeholt.

Zweitens. Die Lebensmittelpreise sind gestiegen, die Personalkosten sind gestiegen, die Energiekosten sind gestiegen.

Das ist ja ein inhaltlicher Unsinn!

Übrigens haben sich in den letzten zwei Jahren auch die Bürokratiekosten unglaublich erhöht. Deswegen reichen die Vergünstigungen nicht einmal aus, um diese Preissteigerungen auszugleichen.

Drittens. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die geringeren Umsatzsteuersätze führen durch mehr Nutzung der Gastronomie automatisch auch zu mehr Einnahmen und damit auch zu mehr Steuereinnahmen, womit sich heute mit der bewussten Entscheidung für die Entfristung auch eine gewisse Selbstfinanzierung aus dem Haushalt ergibt.

Beifallbei der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Gastronomiebranche braucht weiterhin diese Entlastung durch Beibehaltung der 7 Prozent, und sie braucht unsere parlamentarische Unterstützung. Dazu gehört natürlich auch eine Anpassung der Arbeitszeitrealitäten. Ich weiß nicht, wann Sie das letzte Mal bei einer Geburtstags- oder Hochzeitsfeier waren – wahrscheinlich werden Sie nicht eingeladen –: Die Vorbereitung dafür dauert oft mehr als zehn Stunden.

Beifallbei der CDU/CSU

Deswegen brauchen wir eine Wochenarbeitszeit und keine tägliche Höchstarbeitszeit, weil das der Realität entspricht. Deswegen haben wir das in unserem Antrag heute mitbeantragt.

ca. 23 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich komme zum Schluss. – Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bitte Sie wirklich, heute vernünftig zu sein und zuzustimmen; denn die Unternehmen brauchen Rechtssicherheit.

ca. 18 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wenn Sie erst im Dezember entscheiden, ist es schon zu spät, weil dann die Schließungsabsichten schon getroffen sind.

ca. 12 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Deswegen: Stimmen Sie heute zu! Machen Sie einen Pakt für die Gastronomie, –

2 Vermerkeca. 11 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– einen Pakt für die Gastlichkeit in Deutschland, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das war die schlechteste Rede des Nachmittags!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Michael TheurerFDP· Parl. Staatssekretär BMDV· MdB
7 Vermerkeca. 570 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mobilität ist Freiheit. Sie ist die Freiheit, geliebte Freunde und Familie zu besuchen, zum Arbeitsplatz zu fahren, Urlaubsziele zu erreichen. Für viele junge Menschen ist Mobilität die Grundlage, die Freiheit, eigenes Geld verdienen zu können. Mobilität ist ein Teil jener Freiheit, die Deutschland zu einem der glücklichsten, wohlhabendsten und lebenswertesten Länder in der ganzen Welt macht.

Wir wollen Mobilität und Klimaschutz verbinden, und das erfordert eine moderne Schiene. Es ist schon jetzt ein historischer Rekord, dass im ersten Halbjahr dieses Jahres fast 70 Millionen Reisende knapp 22 Milliarden Kilometer im ICE oder IC zurückgelegt haben.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Diesen Menschen, meine Damen und Herren, fühle ich mich als Schienenverkehrsbeauftragter der Bundesregierung verpflichtet. Deshalb sage ich es in aller Deutlichkeit: Die über Jahrzehnte auf Verschleiß gefahrene Infrastruktur führt zu Verspätungen und Zugausfällen in einem absolut inakzeptablen Maße. Das müssen wir ändern, und das werden wir ändern.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Bahnreisende sollen künftig einfacher, bequemer und schneller ans Ziel kommen. Gleichzeitig soll ein Viertel des Gütertransports über die Schiene abgewickelt werden. Deshalb treiben die Bundesregierung und die sie tragenden Fraktionen die Verbesserungen beim Schienennetz mit einer Dynamik voran wie keine Bundesregierung vorher, etwa in den Bereichen Planungsbeschleunigung, Digitalisierung und Finanzierung. Die Umsetzung der Vorschläge der Beschleunigungskommission Schiene führen zu einer beschleunigten Qualitätsverbesserung und Kapazitätssteigerungen.

Beifalldes Abg. Valentin Abel [FDP]

Hand in Hand arbeiten hier Bund, Länder und die Branche an der Umsetzung. Ein erheblicher Teil der Maßnahmen, mehr als drei Viertel, ist bereits auf den Weg gebracht oder sogar umgesetzt.

Dies alles, meine Damen und Herren, reicht aber nicht aus, um die Schiene in eine moderne Zukunft zu führen. Der Direktor des Schweizer Bundesamtes für Verkehr, Peter Füglistaler, hat mir vor einiger Zeit erzählt, was das Geheimnis des Schweizer Bahnerfolgs ist. Er sagt, es hat drei Komponenten: erstens Geld, zweitens Geld und drittens Geld. Wir brauchen also Geld und Geduld, um die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen. Und genau was das Geld und die Finanzierung angeht, legt die Bundesregierung mit den sie tragenden Fraktionen die Grundlage. Mit 39 Milliarden Euro zusätzlich zu den zur Verfügung stehenden 42 Milliarden Euro wird der Finanzrahmen verdoppelt.

Meine Damen und Herren, mit der heute hier eingebrachten Novelle des Bundesschienenwegeausbaugesetzes

Jetzt kommt er zum Gesetz!

schaffen wir die gesetzlichen Grundlagen für die Sanierung der Hochleistungskorridore, für die Schaffung der gemeinwohlorientierten Infrastruktursparte, kurz: InfraGo, und für eine neue Finanzierungsarchitektur. Das mag technisch klingen, kommt aber den Bürgerinnen und Bürgern, die Bahn fahren, zugute.

Neue Finanzierungsoptionen werden etwa für Bahnhöfe eröffnet. Immerhin sind die Bahnhöfe das Entree in das Schienenverkehrssystem, und bisher wurden sie in der Finanzierung praktisch nicht berücksichtigt. Deshalb ist es erforderlich, dass wir das Bundesschienenwegeausbaugesetz ändern und in Zukunft den einmalig anfallenden Aufwand genauso finanzieren können wie Eingangshallen und Warteräume für die Bürgerinnen und Bürger, damit Bahnfahren attraktiver wird.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Schiene ist ein eindeutiger Schwerpunkt und ein Erfolgsfaktor dieser Bundesregierung und der Fraktionen von SPD, Grünen und FDP. Die Ampelkoalition liefert. Die Beschleunigungskommission hat ihre Vorschläge unterbreitet. Das Bundesschienenwegeausbaugesetz ist ein weiterer Meilenstein nach dem Gesetz zur Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung. Die gemeinwohlorientierte Infrastruktursparte wird folgen und das Moderne-Schiene-Gesetz ebenfalls. Für die Mobilität der Menschen, für Klimaschutz, für die Freiheit.

In diesem Sinne bitte ich um Zustimmung zu diesem Gesetz und hoffe, dass wir in konstruktiven Beratungen hier eine gute Grundlage schaffen, damit wir den Zukunftsverkehrsträger Schiene noch besser machen und die aufgetretenen Sanierungsfälle und den Investitionsrückstand endlich beseitigen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Michael Donth
Foto: Tobias Koch
6 Vermerkeca. 491 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren!

„Der Gesetzentwurf ist zu früh und unvollständig. Er enthält gute und wichtige Vorhaben, doch die Regierung versucht gerade, ein Haus zu bauen, ohne vorher ein Fundament zu gießen.“

Das war jetzt ein Plagiat. Das ist nämlich nicht von mir, sondern von Peter Westenberger, dem Geschäftsführer des Verbands Die Güterbahnen. Das hat er im Juni so gesagt, und er hat absolut recht. Ein Haus ohne Fundament, das ist doch, seien wir ehrlich, der rote Faden in der Schienenpolitik seit Beginn dieser Legislaturperiode. Ein Haus ohne Fundament!

Seit 20 Jahren ist das so!

Mit der hier vorliegenden Änderung des Bundesschienenwegeausbaugesetzes – ich glaube, uns allen geht BSWAG leichter über die Lippen –, die wir heute in erster Lesung beraten, will der Bund – wir haben es gehört – durch zusätzliche Finanzierungsoptionen erhöhte Investitionen in die Eisenbahninfrastruktur ermöglichen, zum Beispiel bezüglich der Kosten für einmaligen Aufwand, für Instandhaltung, für bauliche Maßnahmen aufgrund rechtlicher Auflagen und für Digitalisierung. Das ist grundsätzlich erst mal zu begrüßen.

Aber: Nur durch ein paar zusätzliche Finanzierungsoptionen, die dazu noch unpräzise und unvollständig sind, wird es keine bessere Instandhaltung der Infrastruktur geben. Insbesondere der im Gesetzentwurf geschätzte Finanzierungsbedarf für die Umsetzung der zusätzlichen Maßnahmen ist – ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin aus dem Entwurf – „nur grundsätzlich benannt“ und „nur begrenzt belastbar“. Es ist also ein Gesetz, bei dem Sie nicht wissen, was Sie machen wollen und was das kosten soll.

Beifallbei der CDU/CSU

Ein typisches Ampelgesetz!

Einmal mehr hat man den Eindruck, dass Sie in größter Eile, aber handwerklich sehr schlecht gemacht mehr Mittel bereitstellen wollen, ohne genau zu wissen, wie viele Mittel denn benötigt werden und wofür. So werden die Forderungen der DB eins zu eins übernommen, ohne dass das BMDV die Bedarfe prüft. Das stößt nicht nur uns auf, sondern auch dem Bundesrechnungshof, der das erneut kritisiert hat.

Beifallbei der CDU/CSU

Das stimmt einfach nicht!

Damit kommen wir zum Kernproblem Ihrer Vorgehensweise. Es fehlt Transparenz, und es fehlt, um Westenberger nochmals zu zitieren, das Fundament, das für die Finanzierung wichtig ist, nämlich die gemeinwohlorientierte Infrastrukturgesellschaft, die Sie allerdings schon zum 1. Januar nächsten Jahres einführen wollen. Wenn Sie die Finanzierung der Schieneninfrastruktur neu aufstellen wollen, wenn Sie die Finanzierung vereinfachen wollen, dann müssen Sie doch endlich auch aufzeigen, wie die neue Struktur für die Infrastruktur funktionieren soll. Und wenn Sie mit der Änderung des BSWAG die Finanzierung der geplanten Generalsanierungen ermöglichen wollen – die erste, die Riedbahn, steht bereits in weniger als einem Jahr zur Realisierung an –, müssten Sie dann nicht heute schon wissen, welcher Umfang und welche Kosten für die Generalsanierung wirklich auftreten? Was ist denn das eigentlich für ein Blindflug?

Beifallbei der CDU/CSU

Abschließend noch ein Punkt, der auch fehlt, der aber besonders wichtig ist, nämlich die Digitale Schiene Deutschland. Es braucht eine dauerhafte Fördermöglichkeit, um auch die digitale Fahrzeugausrüstung und Technik zu fördern; denn wenn man die Finanzierung der Digitalen Schiene Deutschland nur auf die Schiene oder gleisnahe Technik begrenzt, wird das nichts. Wenn Sie es mit der Digitalisierung ernst meinen, müssen den Versprechen jetzt auch Taten folgen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
7 Vermerkeca. 586 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebes Publikum! Die Deutsche Bahn hat viele große Probleme und ein sehr großes: ihr Schienennetz. In kaum etwas wurde in der Geschichte der Bundesrepublik so wenig investiert wie in Gleise, Weichen und Signale. Wir fahren meistens von den gleichen alten Bahnhöfen auf die gleichen alten Strecken. Selbst zwischen 1995 und 2018 hat Deutschland immer noch doppelt so viel für Straßen ausgegeben wie für Schienen: 278 Milliarden Euro für Asphalt, nur 132 Milliarden Euro für die Bahn. Während das deutsche Schienennetz um 15 Prozent geschrumpft ist, wuchs das Autobahnnetz gleichzeitig um 18 Prozent, satte 2 000 Kilometer. Nur in Portugal sieht es jeweils noch krasser aus. Von Bahnmusterländern wie Japan, Österreich oder gar der Schweiz waren wir jedenfalls milliardenweit entfernt.

Die Folge: ein marodes Netz, extreme Störanfälligkeit und – kein Wunder – aktuelle Pünktlichkeitswerte von gerade mal 63 Prozent, und das bei einem absoluten Rekord der Nachfrage. Noch nie gab es so viele Fahrgäste wie in diesem Jahr. Für die und für die Wirtschaft wollen wir etwas tun; denn es gilt: Zuverlässige Schienenwege sind das Herzstück, sind unser Herzstück der Verkehrswende.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Liebe Kolleginnen und Kollegen, 70 konkrete Vorschläge nach nur fünf Monaten konzentrierter Arbeit, das ist das Werk der Beschleunigungskommission Schiene. Vieles davon ist schon in der Umsetzung, zum Beispiel hier jetzt der Entwurf zum Bundesschienenwegeausbaugesetz. Klingt kompliziert, war es bisher auch. Aber wir machen es einfacher. Wir machen es vor allem einfacher, das Schienennetz zu pflegen; denn in diesem Gesetz steckt ein echter Quantensprung.

Erstmals darf der Bund die Instandhaltung der Gleise fördern. Wie war es denn bisher? Nur sogenannte Ersatzinvestitionen waren förderfähig. Übersetzt auf Deutsch: Erst wenn etwas komplett kaputt war und nicht mehr zu retten war, dann hat der Bund bezahlt, und zwar das neue Teil, das neue Gleis oder das neue Signal. Die Folge: viel zu viel, viel zu lange wurde vor allem auf Verschleiß gefahren. Die Konsequenzen kennen wir. Doch mit diesem Verschleiß ist jetzt Schluss. Wir setzen darauf, den Wert des Netzes dauerhaft zu sichern. Wir setzen auf umfassende Pflege und nachhaltige Instandhaltung; denn ein Neubau ist oft problematisch, und er dauert. Darauf allein können wir nicht mehr warten; denn die Bahn muss schneller besser werden. Deshalb gilt bei der Instandhaltung nun auch: die wichtigsten Strecken, die zentralen Achsen zuerst. Auch dieser Vorschlag unserer Kommission wird bereits umgesetzt.

Wir beginnen mit der Linie, über die 20 Prozent des deutschen Fernverkehrs läuft und die dank Dominoeffekte für gut 80 Prozent der Verspätungen sorgt: die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Die Vorarbeiten für ihr Fitmachen laufen bereits auf Hochtouren.

Und was kostet es?

In gut zehn Monaten ist Baubeginn, und zwar Baubeginn rundum; denn dank dieses neuen Gesetzes können wir jetzt alles bündeln, Michael:

Und was kostet es denn?

Das, was es wert ist!

die Instandhaltung, die Ersatzinvestition und auch die Digitalisierung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Damit heißt es: Runderneuerung in einem Rutsch statt eines jahrelangen Stakkatos an Baustellen.

Es geht uns nicht nur um die Gleise oder die Signale, es geht uns auch um die Visitenkarten, es geht uns um unsere Bahnhöfe als Eingangstore zur Bahn, als Empfangshallen der Schiene, als Verknüpfungspunkte der Verkehrsträger. Bahnhöfe zu verscherbeln ist Gott sei Dank aus der Mode gekommen. Ich darf zitieren: Bahnhöfe wegzugeben, das ist ein bisschen so, als wenn ein Hotel seine Lobby verkaufen würde. Volker Wissing hat das prima auf den Punkt gebracht. Auch der Faktor Bahnhöfe muss eben stimmen, auch der muss gepflegt werden. Deshalb werden wir mit diesem Gesetz klarmachen: Auch die Sanierung von Bahnhöfen gehört zur Schienenförderung dazu. Damit Bahnfahren wieder eine positive Sache wird von Anfang an.

Empfangsgebäude sind nicht drin!

– Doch, doch!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der AfD
Porträt von Wolfgang Wiehle
Foto: Wolfgang Wiehle
11 Vermerkeca. 532 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Es gibt fast 200 Wege, wie der Bund die Bahn finanziert. Das hat man uns in den letzten Monaten vorgerechnet. Ich habe das als Warnung verstanden, dass diese Komplexität ein Problem ist. Eine gute Bahnreform sollte das drastisch vereinfachen.

Beifallbei der AfD

Und jetzt legt uns die Regierung ein Gesetz auf den Tisch, das aus diesen 200 Wegen wahrscheinlich auch noch 250 oder 300 macht.

Widerspruchbei der SPD

Wenn Sie beweisen wollen, dass Sie Bahnreform nicht können, dann ist Ihnen das damit wirklich gelungen.

Beifallbei der AfD

Ja, später wird das alles noch verbessert, werden Sie sagen. Aber auf ein schlechtes Fundament können Sie kein gutes Haus bauen, und diesen fatalen Fehler machen Sie gerade wieder – Kollege Donth hat vorhin das gleiche Bild benutzt. Die Analyse muss also stimmen.

Zurufevon der LINKEN

Entscheidend für eine wirksame und transparente Steuerung der Bahn ist die Rechtsform der Bahnunternehmen. Die neue Infrastrukturgesellschaft soll nun wieder eine Aktiengesellschaft sein. Das ist eine Altlast aus der Zeit der Börsenbahnpläne, und das ist die schlechteste aller Möglichkeiten für die Kontrolle durch den Eigentümer.

Beifallbei der AfD

Heute steht das Bundesschienenwegeausbaugesetz auf der Tagesordnung. Über dieses Gesetz soll die Bahn künftig nicht nur Geld für den Ausbau der Bahnstrecken erhalten, sondern auch für deren Unterhalt und Instandhaltung. Das gilt aber nicht immer, sondern nur dann, wenn es dafür einen extra Vertrag zwischen Bund und Bahn gibt. Anders bekommen Sie die Kontrolle der Bahn anscheinend nicht hin. Wenn Sie jetzt für jede Maßnahme einen neuen Vertrag machen, dann sind wir bald bei 300 Finanzierungswegen.

Der Rechnungshof schlägt außerdem Alarm, weil das Verkehrsministerium an einem anderen Vertrag hektische Änderungen vornimmt, die zum Nachteil des Bundes ausfallen könnten. Da geht es um die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung, die mit einer echten Bahnreform schlicht und einfach überflüssig werden muss.

Ein paar neue Bahn-Milliarden im Verkehrshaushalt, dann noch ein paar Milliarden aus dem Schattenhaushalt „Klima- und Transformationsfonds“, weitere Milliarden als Eigenkapital der Deutschen Bahn: Was Sie hier gerade zusammenschnüren,

Zurufvon der SPD: Ist nötig!

setzt dem Finanzchaos die Krone auf.

Beifallbei der AfD

Weil das Geld immer noch nicht reicht, holen Sie es von den Bürgern, egal ob die Bahnen fahren oder nicht. Ja, von den Bürgern; denn die Milliarden aus Ihrer brutalen Erhöhung der Lkw-Maut müssen wir alle bezahlen. Alles, was wir im Supermarkt kaufen, kommt schließlich mit dem Lkw.

Schon liest man in den Medien, wie dadurch die Lebensmittelpreise steigen. Die Inflation wird noch höher und die Bürger noch ärmer.

Beifallbei der AfD

Wir brauchen eine echte Bahnreform, und das ist etwas anderes als Ihr Stückwerk. Wer es gründlich macht, gibt der Bahn und den wichtigen Tochterfirmen eine neue Rechtsform. Dafür müssten Sie sich aber gegen die große rote Gewerkschaft bei der Bahn durchsetzen. Der Bund muss als Eigentümer die Steuerung des Eisenbahnnetzes fest in der Hand haben. Die Politik ist für die Infrastruktur verantwortlich. Punkt. Und dazu muss der Bund das Unternehmen Streckennetz klar beherrschen, nicht über zig Verträge, sondern über eine eindeutige Struktur.

Beifallbei der AfD

Das Bundesschienenwegeausbaugesetz geht jetzt in die Ausschüsse. Die AfD-Fraktion benennt die Mängel klar. Weil das Gezerre in der Ampel nicht geringer ist als das Chaos bei der Bahn, halten sich die Hoffnungen auf Besserung aber in Grenzen. Ihrer abenteuerlichen Flickschusterei, so wie sie jetzt im Gesetzentwurf steht, werden wir auf keinen Fall zustimmen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Julia Verlinden
Foto: Rainer Kurzeder
18 Vermerkeca. 874 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Bahn kann mehr. Wir wollen eine neue Bahn; eine Bahn, mit der die Menschen gerne fahren, mit der sie zufrieden sind, auf die die Menschen stolz sein können; eine Bahn, die verlässlich und komfortabel ist und das Rückgrat von moderner und klimafreundlicher Mobilität in Deutschland.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Machen Sie das doch einfach! Sie regieren doch!

Wir wollen eine Bahn, die pünktlich und regelmäßig fährt, in die wir entspannt einsteigen können, ob mit Rollstuhl oder Fahrrad, wo wir einen leckeren Snack essen können und wo die Zeit wie im Fluge vergeht,

In der wir nicht erstochen werden!

in der wir mit schnellem Internet die Zeit gut nutzen können zum E-Mail-Schreiben oder dazu, einfach mal die Serie in Ruhe zu Ende zu schauen; eine Bahn, von der wir wissen, dass sie uns schnell, sicher, bequem bei Wind und Wetter zu unserem Ziel bringt.

Es gibt viel zu tun. Über Jahrzehnte wurden die Bahn und die Schiene in Deutschland kaputtgespart. Es wurde zu wenig investiert, mehrere Bundesregierungen der Vergangenheit schauten einfach planlos zu, ohne Ziel, ohne Vision.

Der Gipfel dieser Entwicklung war ein CSU-Verkehrsminister Andi Scheuer, der sich, anstatt sich um die Bahn zu kümmern, eine rechtswidrige Ausländer-Maut ausdachte. Und weil er das so verbockt hat, kostete es die Steuerzahler/-innen sage und schreibe 243 Millionen Euro. Hätte er das Geld mal lieber in die Bahn investiert!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Das Ergebnis der Politik der letzten Jahrzehnte ist: Die Menschen in Deutschland sind unzufrieden mit der Bahn. Das müsste so nicht sein; denn die Bahn könnte so viel mehr!

Eines möchte ich ganz deutlich sagen: Wenn ich diese aktuellen Missstände bei der Bahn beschreibe, dann sind dafür nicht die Beschäftigten verantwortlich. Ganz im Gegenteil: Die hart arbeitenden Eisenbahnerinnen und Eisenbahner leiden am meisten darunter, auch unter dem Frust der Bahnfahrenden, der bei ihnen ankommt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Im Mittelpunkt sollte wieder der Fahrgast stehen. Die Ampelkoalition hat sich hier ambitionierte Ziele gesetzt, die wir nur mit einer neuen starken Bahn erreichen. Wir wollen die Zahl der Fahrgäste bis 2030 verdoppeln und den Marktanteil der Schiene beim Güterverkehr auf 25 Prozent erhöhen. Das ist eine riesige Aufgabe, und deshalb werden wir erheblich mehr Geld in die Schiene investieren als in die Straße. So haben wir es im Koalitionsvertrag vereinbart.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Zurufvon der AfD: Warum macht ihr es nicht?

Aber diese Investitionen müssen jetzt auch im wahrsten Sinne des Wortes auf die Schiene gebracht werden. Die angekündigten Generalsanierungen der Bestandsstrecken dürfen wirklich nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Sehr gute Idee!

Überall in Deutschland, auch in meiner Region, staut sich der Frust bei vielen Pendlerinnen und Pendlern tagtäglich auf, wenn Züge beispielsweise bei mir zwischen Hamburg, Lüneburg und Hannover ausfallen oder sich verspäten.

Um gleich bei dem Thema Schieneninfrastruktur Nord-Ost-Niedersachsen zu bleiben, das in den letzten Tagen wieder für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat: Ob die Kapazitäten auf einer ausgebauten Bestandsstrecke ausreichen, um die Verkehrswende wirkungsvoll voranzubringen, ist wirklich mehr als fraglich.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Die Vergleiche der verschiedenen Trassenvarianten, die die Deutsche Bahn erstellt hat, liegen dem Verkehrsministerium seit Monaten vor. Wir Parlamentarier/-innen wollen diese endlich prüfen und mit der Öffentlichkeit diskutieren; denn wir Abgeordneten sind doch auch diejenigen, die am Ende die Entscheidung treffen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die Ampelkoalition hat sich auf eine Verbesserung der Schieneninfrastruktur, eine Beschleunigung des Bahnverkehrs und einen Taktfahrplan und das deutlich bessere Angebot verständigt. Das ist auch für die Menschen in den Regionen dringend notwendig, für diejenigen, die eine Anbindung an ein gutes Fernverkehrs- und insbesondere auch an ein besseres Regionalverkehrsangebot brauchen. Deswegen sind diese Beratungen zu diesem Thema Hamburg–Hannover im Bundestag für uns noch lange nicht abgeschlossen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und des Abg. Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU]

Ach du liebe Güte!

Ich sage klipp und klar: Wir haben im Verkehrssektor eine klaffende Klimaschutzlücke von circa 200 Millionen Tonnen CO2, und die Schiene ist eine zentrale Antwort darauf. Vor diesem Hintergrund werden wir uns auch die vielen, vielen Straßenprojekte im Bundesverkehrswegeplan noch einmal sehr genau anschauen und priorisieren müssen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Um die Bahn wieder verlässlich und pünktlich zu machen, werden wir über den Deutschlandtakt nicht nur reden, sondern für seine Umsetzung sorgen.

Wenn alle Züge an Knotenbahnhöfen zur selben Zeit halten, wird Umsteigen viel einfacher und kostet weniger Zeit. Dazu sollen auf den wichtigsten Routen alle 30 Minuten Züge fahren. So steht jederzeit ein Zug bereit. Bahnfahren wird so einfach und schnell wie nie.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Damit das gelingt, werden wir die Gewinne aus der Schiene künftig vollständig für die Schiene verwenden.

Was soll denn das?

Mit unserer neuen Infrastrukturgesellschaft InfraGO werden wir Gemeinwohl statt Rendite in den Mittelpunkt stellen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit der heute vorliegenden Novelle des Bundesschienenwegeausbaugesetzes ermöglichen wir, dass der Bund künftig auch Instandsetzung und Unterhaltung finanzieren und aktiven Einfluss auf die Umsetzung nehmen kann. Das ist sehr wichtig.

Es ist kein Geheimnis, dass meine Fraktion sich von der Bundesregierung noch mehr Tempo beim Voranbringen der Bahn wünscht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und des Abg. Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU]

Die Klimakrise wartet nicht. Die Menschen im Land wollen endlich wirklich spürbare Verbesserungen bei der Bahn sehen. Der große Erfolg des 49-Euro-Tickets hat gezeigt: Wenn es ein ansprechendes Angebot gibt, lassen die Menschen das Auto stehen

Das ist kein ansprechendes, das ist ein billiges Angebot!

und fahren mit der Bahn. Rund 5 Prozent aller Fahrten mit dem Deutschlandticket wären im Juli laut VDV sonst mit dem Auto unternommen worden. Diese Entwicklung müssen wir nun mit dem kraftvollen Ausbau der Schiene konsequent weiterverfolgen.

Wenn wir dies alles mit voller Energie tun, liebe Kolleginnen und Kollegen, dann werden wir bald nach einer Bahnfahrt nicht mehr über verspätete Züge meckern, sondern allenfalls über das Wetter am Zielort.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
8 Vermerkeca. 362 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wenn es gelingen soll, mehr Personen vom Umstieg vom Auto auf die Schiene zu überzeugen und mehr Güter vom Lkw auf die Schiene zu verlagern, dann ist es bitter nötig, die jahrelang auf Verschleiß gefahrene Infrastruktur zu sanieren, zu modernisieren und auszubauen.

Beifallbei der LINKEN

Es müssen wieder mehr Orte einen Bahnhof erhalten, der regelmäßig angefahren wird. Statt grauer Bahnhöfe brauchen wir attraktive Mobilitätsstationen. Strecken müssen in großem Umfang reaktiviert, mit Blick auf die nötige Klimaneutralität mit Hochdruck elektrifiziert, Industriegebiete wieder ans Bahnnetz angeschlossen werden. Es reicht nicht, nur zu sanieren; viele Strecken müssen dringend ausgebaut werden.

Beifallbei der LINKEN

Der Antrag, über den wir heute reden, ist Konsequenz aus der Empfehlung der Beschleunigungskommission Schiene. Ich will nur mal daran erinnern: Der endgültige Bericht der Kommission lag bereits im Dezember 2022 vor. Jetzt haben wir hier den Gesetzentwurf vorliegen. Das kann und muss schneller gehen,

Beifallbei der LINKEN

vor allem, wenn schon Erfolgsmeldungen lanciert werden. Herr Wissing, Herr Theurer, das ist Augenwischerei. Die Vorbereitung einer Gesetzesänderung ist noch lange keine Umsetzung einer Maßnahme. Damit ist draußen noch kein Bahnhof fit gemacht und keine Strecke schneller elektrifiziert worden.

Die Linke hat die Fehlanreize, die durch das Bundesschienenwegeausbaugesetz geschaffen wurden, immer kritisiert. Finanzierung von Ersatz: ja, Finanzierung von Instandhaltung: nein – diese Systematik konnte nicht aufgehen. Wir begrüßen, dass hier endlich nachgesteuert wird.

Beifallbei der LINKEN

Die zentrale Frage der politischen Steuerung ist damit jedoch nicht gelöst. Wir brauchen klare Zielvorgaben: Wie viele Stationen sind barrierefrei umzubauen, wie viele Streckenkilometer zu elektrifizieren? Welche Bahnhöfe sind wieder ans Netz anzuschließen? Welche Strecken sind zu reaktivieren oder zu sanieren? Sie sind jetzt in der Pflicht, ambitionierte, überprüfbare Ziele schnellstmöglich vorzulegen.

Beifallbei der LINKEN

Sie sind immer noch die Antwort schuldig, wie Sie Ihre selbstgesteckten Ziele, den Schienengüterverkehr bis 2030 auf 25 Prozent zu steigern und die Verkehrsleistung im Personenverkehr zu verdoppeln, überhaupt erreichen wollen. Wir brauchen nicht nur warme Worte; wir brauchen verbindliche Pläne.

Circa 550 Kilometer Schiene müssten jährlich elektrifiziert werden; letztes Jahr waren es gerade mal 56.

Zurufvon der CDU/CSU: Genau!

In den letzten 30 Jahren wurde das Schienennetz um 6 200 Kilometer geschrumpft. Gerade einmal 146 Kilometer wurden letztes Jahr eröffnet bzw. wiedereröffnet. Das ist doch keine Trendwende. Da muss mehr gehen, meine Damen und Herren!

Beifallbei der LINKEN
Porträt von Christoph Ploß
Foto: Tobias Koch
8 Vermerkeca. 395 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wenn man eine starke Schiene möchte, wenn man den Bahnverkehr in Deutschland stärken möchte, dann ist dieser Gesetzentwurf einfach viel zu wenig. Da hätten wir mehr von der Ampelkoalition erwartet.

Herr Staatssekretär Theurer, Sie haben in Ihrer Rede eben gesagt: Für eine starke Schiene braucht es Geld, Geld, Geld. – Das ist absolut richtig; natürlich brauchen wir Geld, und wir brauchen mehr Investitionsmittel für die Schiene. Da werden Sie die CDU/CSU-Fraktion immer an Ihrer Seite haben.

Aber Ihr eigener Koalitionspartner, die grüne Partei, hat das ja eben in der Debatte kritisiert. Sie, Frau Kollegin Verlinden, haben darauf hingewiesen: Nur Geld allein reicht nicht; wir brauchen auch mehr Tempo. – Wenn wir mehr Tempo brauchen, dann brauchen wir auch Reformen beim Planungsrecht,

Das machen wir doch!

Machen wir ja!

und auf diese Reformen warten wir jetzt seit zwei Jahren. Es kann nicht sein, dass die Koalition bis heute keine wirkliche Reform des Planungsrechts in Deutschland vorgelegt hat.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Detlef Müller [Chemnitz] [SPD]

Gerade in dieser Woche hat der Verkehrsminister Wissing auf unsere Nachfragen in den Ausschüssen noch einmal eines deutlich klargestellt: Die dringend notwendige Überarbeitung von Umweltrichtlinien wird nicht kommen. Es wird keine Einschränkung des Verbandsklagerechts geben. Es wird auch nicht die Einführung einer Stichtagsregelung geben. Diese Regelung würde bedeuten, dass ab einem gewissen Zeitpunkt neue Gesetze oder neue Punkte nicht in ein laufendes Verfahren eingearbeitet werden müssen. All diese Maßnahmen wären sehr, sehr wichtig, damit wir nicht wie im Moment fast 25 Jahre für ein neues Schienenprojekt in Deutschland benötigen, von der Planung bis zum Bau, sondern damit wir die Schiene in Deutschland schneller planen, bauen und realisieren können.

Beifallbei der CDU/CSU

Und dass Sie jetzt schon, in der Mitte der Legislaturperiode, klargestellt haben, dass all das nicht kommt, wird dazu führen, dass die ambitionierten Ziele, die die Union in der letzten Legislaturperiode für den Deutschlandtakt aufgesetzt hat, schwer zu realisieren sein werden. Deswegen kann ich Ihnen eines hier schon ankündigen: Wir werden Druck machen, dass wir Reformen beim Planungsrecht noch in dieser Legislaturperiode bekommen.

Einen letzten Punkt muss ich noch erwähnen, wenn wir über Hamburg–Hannover sprechen – ganz aktuelles Thema –: Es kann nicht sein, dass die Interessen des SPD-Parteivorsitzenden Lars Klingbeil mehr zählen als die nationalen Interessen Deutschlands und die Ziele, die wir uns beim Deutschlandtakt vorgenommen haben. Deswegen will ich Sie noch mal auffordern: Denken Sie bitte ans Land, und denken Sie nicht an die Interessen von Lars Klingbeil!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Das sagt der Richtige!

Porträt von Anja Troff-Schaffarzyk
Foto: Anja Troff-Schaffarzyk/ Anna Voelske
5 Vermerkeca. 411 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Man merkt es: Kaum ein Thema polarisiert die Menschen in Deutschland so sehr wie die Deutsche Bahn.

Na ja! Die Fußballnationalmannschaft!

Jeder von uns hat eine Meinung dazu; jeder kann eine Geschichte über missglückte Bahnfahrten erzählen. Mir ging es Anfang der Woche leider auch wieder so. Ich bin sicher: Vielen von Ihnen ist es ähnlich ergangen.

Daran wollen wir uns aber nicht gewöhnen, und wir wollen uns damit auch nicht zufriedengeben. Die Menschen im Land wollen, dass die Erfahrungen von Verspätungen und Zugausfällen endlich der Vergangenheit angehören. Alle Fahrgäste verlangen konkrete und spürbare Verbesserungen für ihren Alltag, und darum braucht es zuallererst Investitionen in die Infrastruktur, um den bestehenden Sanierungsstau aufzulösen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des Abg. Stefan Gelbhaar [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Mit dem neuen Bundesschienenwegeausbaugesetz, kurz: BSWAG, gehen wir einen wichtigen Schritt nach vorne. Es vereinfacht und verstärkt die Investitionen des Bundes in seine Eisenbahn und beschleunigt die Instandsetzung und Kapazitätserweiterung, die sich Pendlerinnen und Pendler in diesem Land wünschen. Und weil die Probleme groß sind, müssen wir auch groß denken. Die zusätzlichen 7,5 Milliarden Euro sind ein wichtiges Signal an die Fahrgäste. Es ist uns ernst mit der Verbesserung der Bahninfrastruktur. Der Bund ist bereit, deutlich über das bisher übliche Maß hinaus zu investieren, damit sich die Dinge zum Positiven ändern. Wir treiben hier also konkrete und gut finanzierte Lösungen voran. Wir stellen die Weichen auf Zukunft.

Währenddessen führen andere Fraktionen im Haus lieber Debatten aus der Vergangenheit und philosophieren über eine Zerschlagung der Bahn. Diese bringt den Fahrgästen nichts und kostet Zeit, die uns die Pendlerinnen und Pendler einfach nicht mehr geben werden.

Beifallbei der SPD

Deshalb werden wir uns daran nicht beteiligen und konzentrieren uns auf das Wesentliche. Keine Bürgerin und kein Bürger wird uns nach einem Organigramm der DB AG oder Gewinnabführungsverträgen im Konzern fragen, sondern danach, wann sich am Zustand des Bahnhofes in ihrem Ort endlich etwas verbessert.

Diesen sollten wir dann auch besonders in den Blick nehmen; denn der Bahnhof – das haben wir heute schon öfter gehört – ist die Visitenkarte jedes Ortes, und im Moment zeigen viele Kommunen ihre Visitenkarten nicht so gerne vor. Darum ist es mir besonders wichtig, dass wir für die Instandhaltung der Verkehrsstationen die Finanzierungsmöglichkeiten im Gesetzgebungsverfahren noch erweitern können. Die Restriktionen bei der Finanzierung der Instandhaltung von Bahnhöfen sind zu streng. Hier muss eine gute Lösung gefunden werden; denn damit würden wir einen zusätzlichen Beitrag zur Attraktivitätssteigerung der Bahn überall leisten.

Wer die Eisenbahninfrastruktur stärkt, bringt die Mobilitätswende voran, und wer Bahnhöfe auf Vordermann bringt, ebenso.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU

Jetzt wollen wir aber mal Lob hören!

7 VermerkeZwischenfrageca. 236 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Besucherinnen und Besucher! Zu lange ist die Bahn vernachlässigt und kaputtgespart worden, mit der Folge, dass mittlerweile ein Multisystemversagen herrscht. Das ist nicht von heute auf morgen zu beseitigen.

Wer war denn Finanzminister in der letzten Legislaturperiode?

Wer war denn Verkehrsminister?

Doch „es ist wichtig, dass Minister Wissing und die Verantwortlichen endlich loslegen“. So ein sehr richtiges Zitat, Herr Ploß, aus dem „Straubinger Tagblatt“ von letzter Woche.

Wer war denn Finanzminister in der letzten Legislaturperiode?

Über 80 Milliarden Euro sollen in den nächsten Jahren in die Schiene investiert werden; das ist ein historisches Investitionsprogramm für die Schiene, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die Bahn wird zu einem modernen, zuverlässigen und, ja, pünktlichen Verkehrsmittel gemacht. Und ich muss es noch mal sagen: Die CSU-Verkehrsminister haben die Schiene jahrelang vernachlässigt.

Das ist nicht hinnehmbar; das ist von niemandem hier der Anspruch an den Wirtschaftsstandort Deutschland. Das wird besser werden und jetzt Schritt für Schritt angepackt.

Beifallbei der SPD

Die Finanzierung dafür, diese 80 Milliarden plus, ist natürlich nur die Basis. Wir schaffen jetzt gerade, in diesen Tagen und Wochen, die Voraussetzung für schnelleres Planen und schnellere Genehmigungen, und dann muss es endlich losgehen.

Zurufdes Abg. Florian Müller [CDU/CSU]

Es wurde eben schon mehrfach der Schienengipfel in Frankfurt letzte Woche angesprochen, wo ja die Sanierung der 40 wichtigsten Streckenkorridore bis zum Jahr 2030 vorgestellt wurde. Das ist ein wirkliches Mammutprojekt; aber das ist unsere Grundlage dafür, dass Zuverlässigkeit und Verbesserung jetzt Stück für Stück ins Schienennetz kommen.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

würde Ihnen trotzdem gern eine Zwischenfrage stellen. Möchten Sie das zulassen?

ca. 14 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ach, nee, Herr Ploß und ich können uns dann in Hamburg unterhalten. Vielen Dank.

5 Vermerkeca. 322 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Ich möchte hier aber auch noch mal für die SPD-Fraktion klar sagen: Bei allen Geldern, die wir jetzt geben, bei allen Planungen, die wir haben, ist unsere Erwartungshaltung an die Deutsche Bahn, dass sie ihre Zusagen auch einhält, dass Sanierungen wie geplant pünktlich abgeschlossen werden, dass es einen funktionierenden Schienenersatzverkehr für Güter wie für Personen und keine Verzögerungen gibt. Das ist eine klare Erwartungshaltung, und die Umsetzung fordern wir auch ein.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Matthias Gastel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Valentin Abel [FDP]

Um es noch mal zu sagen: Ja, zum Schienennetz gehören die Bahnhöfe. Deswegen sagen wir: Beim Bundesschienenwegeausbaugesetz, BSWAG, das ja die Grundlage für Investitionen in die Schiene ist, ist die Kernforderung nicht nur mehr Geld, Kollege Donth, für Digitalisierung, digitale Schiene oder Lärmschutz, sondern eben auch für eine umfassende, verbesserte Finanzierung für moderne und attraktive Bahnhöfe.

Neben diesem heutigen Gesetzentwurf gehören ja auch die Transparenz und die Steuerung der Investitionen in die Schiene zu den übergeordneten Fragen. Ich habe es hier schon mehrfach gesagt, und auch heute noch mal: Ja, natürlich, wir brauchen eine stärkere, eine engere und vor allem eine transparentere Steuerung der Bahn durch den Bund mit ganz klaren Zielen, die auch gerne für die Öffentlichkeit transparent nachlesbar sind. Wir brauchen die Ausrichtung auf das Gemeinwohl, und wir brauchen eine Effizienzsteigerung.

Deswegen ist es völlig sinnlos, sich jetzt noch in weiteren Debatten um Gesellschaftsstrukturen zu verlieren.

Beifalldes Abg. Mathias Stein [SPD]

Es muss jetzt losgehen; wir legen jetzt die Grundlagen, damit es im Januar 2024 mit der InfraGo und mit allen weiteren Planungen losgehen kann.

Zum Schluss. Ja, natürlich, für die SPD ist und bleibt die Schiene der Verkehrsträger der Zukunft. Die Zahlen zeigen es – der Bahnbeauftragte hat es eben noch mal gesagt –: Immer mehr Menschen in Deutschland fahren mit der Bahn. Das Deutschlandticket ist ein Riesenerfolg. Wir machen uns jetzt wirklich daran, eine zweite große Bahnreform mit vielen rechtlichen Grundlagen, mit weiteren Investitionen zu schaffen. Damit werden wir dafür sorgen, dass die Menschen wieder Spaß am Bahnfahren haben.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Ulrich Lange
Foto: Ulrich Lange/ Studio Herzig
11 Vermerkeca. 343 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Kollegin Martin ist zwar jetzt gegangen, ich wollte sie aber an die Finanzminister der letzten 25 Jahre erinnern: Eichel, Lafontaine, Steinbrück, Scholz.

Zurufevon der SPD

Die sind zuständig für die Finanzierung. Alles Gute in Richtung SPD! An dieser Stelle bitte im eigenen Laden kehren!

Beifallbei der CDU/CSU

Sie lenken ab! Das ist Ablenkung!

Der neue Bundesverkehrsminister, lieber Kollege Theurer, ist der DB neuerlich auf den Leim gegangen. Dieses Schienenwegeausbaugesetz ist keine Lösung. Es ist weiterhin ein Geldversenken im DB-Konzern zusammen mit der EVG, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

So ein Unfug! Wir investieren, was investiert werden muss!

12,5 Milliarden Euro! Ja, liebe Kollegin Hagedorn, Sie haben damals bei der letzten Eigenkapitalerhöhung auch mitgemacht, als uns die DB Streckensanierungen versprochen hat. Genau die gleichen Strecken finden Sie heute wieder auf der Streckenkarte. So wird hier mit dem Eigenkapital umgegangen. Dieses Gesetz ist also keine Lösung, sondern weiterhin Geld ins schwarze Loch für 740 Beteiligungen des Konzerns.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir sind hier nicht im Bierzelt!

40 Sanierungen bis 2030! Lieber Kollege Gastel, Sie verstehen ja was von Eisenbahnen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des Abg. Stefan Gelbhaar [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Mit welchem Personal, mit welchem Material? Wie wollen Sie die Sperrpausen beim EBA einplanen? Wie wollen Sie den Schienenersatzverkehr über diese sieben Jahre bei 40 Korridoren organisieren?

Das regeln wir gerade!

Wie wollen Sie die Kapazitätseinschränkungen und die Qualitätseinschränkungen in dieser Zeit organisieren?

Das regeln wir gerade!

Das passt doch nicht zusammen, was Sie uns hier heute vorlegen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Was wollen Sie denn? Sagen Sie doch mal, was Sie wollen!

Das Ganze ist typischerweise die Überschrift auf einer Folie mit einer Streckenkarte der DB nach dem Motto „Das Wunderland Bahn in Tausendundeiner Verspätung“.

Beifallbei der CDU/CSU

Bierzeltrede!

Wenn Sie dann noch glauben, den Bau eines Tunnels in Frankfurt um fünf Jahre beschleunigen zu können: Ganz offen, Herr Kollege, das glauben Sie selber nicht. Wir brauchen eine grundlegende Reform aus einem Guss. Nur so kann Schienenverkehr in Deutschland zukünftig – –

Das machen wir!

– Ja, Sie wollten es doch bisher auch. Sie haben doch nur das Problem, dass Sie jetzt auch die SPD am Bein haben wie wir vorher.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, was soll die Gemeinwohlorientierung der InfraGo sein? Sie haben bis heute nichts vorgelegt. Wo ist das Ganze hier im Parlament? Was brauchen wir? Eine grundlegende Reform, die Trennung von Infrastruktur und Transport, die wirkliche Beseitigung des Finanzierungsdschungels und dann die Finanzmittel, –

Porträt von Ulrich Lange
Foto: Ulrich Lange/ Studio Herzig
1 Vermerkca. 13 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

– so wie der Aufwuchs unter den CSU-Verkehrsministern in den letzten Jahren war.

Porträt von Klaus Wiener
Foto: Dr. Klaus Wiener/Justus Kersting
9 Vermerkeca. 385 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Deutschlands Wirtschaft leidet, allen voran die energieintensiven Industrien und die Bauwirtschaft, aber nicht nur die. Inzwischen sind deutliche Bremsspuren in fast allen Wirtschaftszweigen erkennbar. Der Kanzler hat vor zwei Wochen an dieser Stelle einen Deutschlandpakt angeboten. Wir bieten Ihnen heute einen Pakt für mehr Wachstum an.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Zeit des Schönredens, so wie es der Kanzler im Sommerinterview in, wie ich finde, völliger Verkennung der wirtschaftlichen Realitäten noch getan hat, ist definitiv vorbei.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie machen doch das Gegenteil!

Nahezu täglich erreichen uns Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft. Das Geschäftsklima: auf Rezessionsniveau. Die Auftragseingänge: im Trend deutlich rückläufig. Die Insolvenzzahlen: massiver Anstieg. Und die Baubranche: unter der Führung der Ampel in eine tiefe Krise geraten. Von wegen 400 000 neue Wohnungen!

Beifallbei der CDU/CSU

Das BIP wird im dritten Quartal laut Bundesbank erneut schrumpfen. Wie Sie da von Stabilisierung sprechen können, so wie wir das gestern im Bericht des BMWK lesen konnten, das erschließt sich wohl nur Ihnen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Sichtbarstes Zeichen für den wachsenden Druck hier am Standort Deutschland sind die ausländischen Direktinvestitionen. Noch nie war der Fehlbetrag so groß. Die Unternehmen vertrauen Ihnen nicht mehr. Sie stimmen jetzt mit den Füßen ab, gehen ins Ausland.

Herr Habeck war gestern im Wirtschaftsausschuss und hat gesagt: Man muss schon differenziert hinschauen. – Recht hat er. Aber was in seiner Analyse völlig gefehlt hat, ist der Blick auf die hausgemachten Gründe für die wirtschaftlichen Probleme. Warum wachsen andere Volkswirtschaften, die auch große Mengen Energie aus Russland bezogen haben und intensiven Handel mit China betreiben? Und warum wachsen wir als einziges Industrieland nicht?

Wegen des russischen Angriffskriegs!

Ganz einfach: weil die Regierungen anderer Länder ihre Menschen und die Unternehmen eben nicht massiv verunsichern,

Beifallbei der CDU/CSU

weil sie verlässliche und billige Energiequellen nicht einfach abschalten – Sie wissen, wovon ich rede –, weil diese Regierungen ihren Unternehmen jetzt und nicht erst für das Jahr 2030 und danach eine preisliche Perspektive für den Energiebezug bieten. Ja, auch die USA und China bauen die erneuerbaren Energien aus – Gott sei Dank, möchte man sagen –, sie nutzen aber auch alle anderen Energiequellen, und zwar – da lassen Sie sich mal vom Inflation Reduction Act nicht täuschen – so lange, wie es eben nötig ist.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich habe das vor drei Monaten hier schon einmal gesagt und wiederhole es heute gerne: Diese Rezession ist Ihre Rezession. Übernehmen Sie also endlich Verantwortung, und nehmen Sie unser Angebot für einen Wachstumspakt an!

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Sebastian Roloff
Foto: Susie Knoll
15 Vermerkeca. 882 WörterReaktionswert: hoch
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Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Dr. Wiener, wenn man Ihnen eins nicht nachsagen kann, dann, dass Sie etwas schönreden würden. Das stimmt.

Er ist ein Profi! Er ist ein Kenner!

– Ja, er ist ein Profi, insbesondere im Schwarzmalen.

Nein! Er hat das studiert!

Ich habe das 30 Jahre beruflich gemacht! Ich weiß, wovon ich rede!

Da kann man sich natürlich auch fragen: Mit welcher Farbe malen Sie sonst? Wir haben diese Woche gelernt: mit Türkis oder was das sein soll, Rhöndorf. Ich hoffe, dass Sie sich politisch nicht an den österreichischen Kolleginnen und Kollegen orientieren, sondern es bei der Farbe bleibt.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Das schließt nämlich ganz hervorragend an eine Äußerung von Herrn Linnemann an, der ja bei Ihnen nicht ganz unwesentlich ist.

Der sagt: „Wir sind nicht nur der kranke Mann Europas, sondern laut Internationalem Währungsfonds der kranke Mann der Welt.“ Herr Linnemann, die Formulierung des kranken Mannes Europas ist nicht von Ihnen. Die wird seit 1998 von dem Ökonomen Holger Schmieding genutzt. Ich finde sehr spannend, was Holger Schmieding zur aktuellen Situation der deutschen Wirtschaft im August 2023 sagte: Diejenigen, die Deutschland wieder auf dem Krankenlager oder dem Sterbebett sehen, würden das Wesen der deutschen Wirtschaft missverstehen und verwechseln kurzfristige Konjunkturschwäche mit den längerfristigen Möglichkeiten. – Man kann es nicht schöner sagen. Ihr Zitatgeber!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ja, die Situation ist herausfordernd. Kritik zu üben, ist das gute Recht der Opposition, alles in Ordnung. Ob das hilft, wenn Sie allmählich beim Herbeireden eines wirtschaftlichen Kollapses ein bisschen absurde Züge an den Tag legen, ist Geschmackssache.

Drei Quartale Schrumpfung in Folge!

Herbeireden?

Aber wir können gerne einmal mehr darüber reden, warum wir in der aktuellen Situation sind; Herr Wiener hat es ja auch gefragt.

Ich sage es gerne noch mal: Wir waren energiepolitisch sehr abhängig von Russland. Das ist gerade für unsere energieintensive Industrie ein großes Problem. Wir sind eine Exportnation; das war über Jahrzehnte unsere große Stärke. Jetzt ist natürlich klar, dass sich ein Schwächeln von China zum Beispiel ganz massiv auch auf uns auswirkt, nicht nur beim Wachstum, sondern auch bei den Lieferketten. Die weltweite Transformation des Mobilitätssektors trifft einen Automobilstandort – und wer würde bestreiten wollen, dass wir ein wesentlicher Automobilstandort sind? – stärker als andere Länder. Das ist alles logisch zu erklären. Die weiteren Herausforderungen – hohe Inflation wegen des russischen Angriffskrieges, Zinslasten, Fachkräftemangel, Bürokratie und zu lange Genehmigungsverfahren – tun entsprechend ihr Übriges. Das darf und soll man kritisieren. Jetzt aber so zu tun, als wenn eine Regierung, die knapp zwei Jahre im Amt ist, allein dafür verantwortlich wäre, ist etwas, was man machen kann, aber nicht wirklich seriös ist.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir arbeiten in der Koalition daran, die Versäumnisse abzuarbeiten und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Scheint ja richtig in die Hose zu gehen!

Wir haben das Energieangebot maßgeblich erhöht und bauen die erneuerbaren Energien und die Netze aus. Wir haben die Fachkräfteoffensive, die Sie in Ihrem Antrag fordern, längst gestartet und den inklusiven Arbeitsmarkt verbessert. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz führt dazu, dass wir das modernste Einwanderungsmodell weltweit haben; es ist schon unterwegs. Nächste Woche reden wir über das Bürokratieentlastungsgesetz IV. Das Wachstumschancengesetz ist schon beraten worden. Beim Thema Genehmigungsverfahren hat der Kanzler eine nationale Kraftanstrengung von Bund und Ländern – das geht ja so ein bisschen in die Richtung Ihres Wachstumspakts – angeboten, um in diesem Jahr noch Maßnahmen zu erarbeiten und auf den Weg zu bringen. Dementsprechend sind wir da auf einem weit besseren Weg, als Sie es skizzieren.

Es ist aber natürlich so, dass wir darüber hinaus noch ein paar Maßnahmen brauchen. Ich habe es auch schon angekündigt: Solange wir uns nicht geeinigt haben, fordere ich einen befristeten Industriestrompreis. Das tue ich an dieser Stelle auch weiterhin.

Ach! Wieder eine Variante!

Ich bin mir aber sehr sicher, dass wir uns da in der Regierung bald einigen. Natürlich kann die Opposition da, sofern sie mal weniger Populismus, dafür mehr Fakten an den Tag legt, gerne mitarbeiten.

Was meine ich mit Populismus, wenn ich höre, dass Sie gerade schon wieder mit Zwischenrufen sehr aktiv sind? Auch in diesem Antrag ist es so: Alles, was Sie fordern – das ist teilweise auch nicht falsch, ich habe es gesagt –, passiert im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel. – Alle Ihre Anträge im Wirtschaftsausschuss diese Woche forderten Mehrausgaben. Ihre „Sauerländer Erklärung“, die so ein bisschen der wirtschaftspolitische Befreiungsschlag hätte sein sollen, beinhaltet mehrere Investitionsoffensiven

Wir müssen uns nicht befreien!

– doch, das glaube ich schon bei der Performance von Herrn Merz –

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

und Steuersenkungen, aber bei Beibehaltung der Schuldenbremse. Sie können alles fordern, aber sagen nicht, wie es finanziert wird. Ich glaube, ein bisschen Klarheit wäre da nicht schlecht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich komme zur Bewertung der Lage. Es ist ja legitim, dass Sie positive Faktoren der deutschen Wirtschaft nicht so nennen, weil das nicht in die Argumentation passt. Wir müssen aber zur Kenntnis nehmen, dass die Erzeugerpreise im August zum Beispiel 12,6 Prozent niedriger waren als ein Jahr zuvor. Das zeigt, dass unsere Maßnahmen offensichtlich greifen. Und ja, der IWF hat auch schon ein BIP-Wachstum von 1,3 Prozent für das nächste Jahr prognostiziert. Klar ist auch, dass wir dieses Jahr einen leichten Rückgang haben. Das liegt aber auch an Sondereffekten: Coronahilfsprogramme, die auslaufen etc. Dementsprechend ist das erklärbar. Wir sehen eher eine leichte Delle und sind wieder auf einem guten Weg. Wir müssen natürlich daran arbeiten, dass es stärker wird.

– Ich habe es gerade erklärt. Sie können es ja noch mal nachlesen. – Wir sind aber nicht in einer klassischen Rezession. Ob Sie sie herbeireden wollen oder nicht, weil es Ihnen in die Argumentation passt, ist Geschmackssache. Aber man macht es halt seriös, oder man plärrt nur herum.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Leif-Erik Holm
Foto: Leif-Erik Holm
11 Vermerkeca. 596 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Liebe Bürger! Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr Wiener, ich unterschreibe vieles, was Sie hier heute gesagt haben. Ja, wir sind in einer Rezession. Ja, wir sind in einer strukturellen Krise in unserem Land. Und ja, wir müssen handeln.

Aber wir hätten schon früher gemeinsam handeln können. Wir haben bereits vor 14 Monaten, also vor einem guten Jahr, als AfD-Fraktion unser Fitnessprogramm für Deutschland vorgelegt. Da stand das alles schon drin, was heute noch richtig ist: Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungszeiten, Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke, Senkung der Stromsteuer, Vorantreiben der Digitalisierung.

Und russisches Gas!

Es stand alles drin. Sie haben dagegengestimmt hier im Hohen Haus. Und warum? Weil die Vorschläge von der AfD kamen! Das ist Ihr kleines parteipolitisches Karo, das Ihnen offensichtlich wichtiger ist als Wirtschaft und Wohlstand. Das ist Ihr Problem, liebe Union.

Beifallbei der AfD

Es ist genau dieses Klein-Klein, das die Bürger draußen zunehmend nervt. Sie wollen nicht, dass wir hier streiten, sondern sie wollen, dass wir die großen Probleme in unserem Land endlich lösen.

Beifallbei der AfD

Schauen wir in Ihre Vorschläge hinein. Einige Beispiele: Sie wollen das Lieferkettengesetz aussetzen. Warum eigentlich aussetzen? Diesen Murks kann man und muss man nur abschaffen.

Beifallbei der AfD

Es belastet die Unternehmer über Gebühr. Das sagen Sie aber nicht, was ich wiederum auch verstehe; denn dann müssten Sie ja selber eingestehen, dass Sie dieses Bürokratiemonster selber mit Ihrer Merkel-Regierung eingeführt haben. Und Sie haben dann auch noch auf EU-Ebene mit der Merkel-Regierung während Ihrer Ratspräsidentschaft angestoßen, dass dieser Murks noch schlimmer wird. Ja, und jetzt arbeitet man fleißig in Brüssel daran, die Kommission unter Führung von Ursula von der Leyen – Klammer auf: CDU; Klammer zu. Sie sind einfach in dieser Frage nicht glaubwürdig.

Beifallbei der AfD

Sie sind jetzt für Kernkraft wie wir schon lange – immerhin, ja. Aber ich erinnere mich an diverse Ausschusssitzungen, als Sie das immer wieder uns um die Ohren hauen wollten, und das ist noch gar nicht mal so lange her. Sie sind hier nicht glaubwürdig.

Beifallbei der AfD

Das zeigt sich vor allem, wenn man auf der anderen Seite in Ihrem Antrag von der Akzeptanz des gesamtgesellschaftlichen Umbaus liest. Sie wollen also diese Transformation, diese ökosozialistische Transformation ganz offensichtlich. Da sage ich Ihnen wie auch Ihr Herr Rödder beispielsweise: Der Spagat zwischen „AfD light“ und „Grüne light“ wird nicht gelingen.

Beifallbei der AfD

Wir jedenfalls wollen diesen planwirtschaftlichen Energieunsinn nicht. Wir wollen die Bürger nicht drangsalieren mit Heizungshämmern und Verbrennerverbot. Nein, wir wollen vernunftorientierte Politik, wir wollen auf die richtigen Mittel für den Umweltschutz setzen, und wir wollen die Menschen nicht überfordern.

Beifallbei der AfD

Was wir brauchen, ist ein echter Masterplan für den Standort Deutschland. Wir müssen die Energiepreise senken durch die Ausweitung des Angebots, die Reaktivierung der Kernenergie und die Senkung der hohen Steuern und Abgaben auf Energie. Wir müssen die Bürokratie radikal abbauen – Stichwort „Lieferkettengesetz“; das muss weg. Wir müssen die Steuer- und Abgabenlast für Bürger und Unternehmen generell in diesem Land endlich runterfahren, spürbar und dauerhaft. Wir müssen unsere Infrastruktur wieder auf Vordermann bringen, die Digitalisierung vorantreiben. Und vor allem müssen wir auch bei der Bildung und Forschung endlich wieder auf Spitzenniveau kommen, damit unsere Kinder zu den Ingenieuren und Erfindern von morgen werden.

Beifallbei der AfD

Das sind die Dinge, die uns nach vorne bringen. Das ist das, was unser Land jetzt braucht, und dafür stehen wir als AfD.

Sie, liebe Union, müssen sich jetzt ernsthaft überlegen, ob Sie sich in Zukunft nur noch als Mehrheitsbeschaffer für linkslastige Allparteienkoalitionen andienen wollen oder ob Sie mit uns gemeinsam echte bürgerlich-konservative Politik machen wollen.

Beifallbei der AfD

Sie sind kein bisschen bürgerlich! Nicht mal ansatzweise!

Was unsere Bürger und Unternehmen jetzt nämlich brauchen, ist ein Pakt – ein ernsthafter Pakt – für ein marktwirtschaftliches, für ein freiheitliches Deutschland.

Danke schön.

14 Vermerkeca. 357 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! „Die Welt“ zitierte gestern einen lieber nicht näher genannten Christdemokraten, der sagte: „Es bringt nichts, immer neue Wirtschaftspapiere zu präsentieren, wenn immer wieder dasselbe drinsteht.“

Heiterkeitbei Abgeordneten der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das hat mich nun motiviert, einmal zu schauen, was wir denn von Ihnen geliefert bekommen haben. Wir haben in dieser Legislatur insgesamt acht Anträge ähnlichen Inhalts bekommen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Sehr gut! Wir sind konsequent!

– Sie sind konsequent. Dann müssten Sie aber auch immer dieselben Forderungen stellen. Es gibt mehr so Hitlisten, wo man sagen kann: Das eine kommt relativ oft vor; das andere kommt relativ selten vor.

An zwei Dingen, liebe Union, muss ich mich dann doch etwas reiben. Also dass Sie zum Beispiel heute – einmal wieder – fordern, dass wir das Lieferkettengesetz aussetzen, das Sie selbst in Regierungsverantwortung hier eingebracht haben, das, finde ich, ist schon eine steile These.

Unter anderen Rahmenbedingungen!

Zeitenwende!

Sie regen sich permanent darüber auf, dass wir keine Freihandelsverträge abschließen. Wir tun das – im Gegensatz zu Ihnen in der Vergangenheit.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist sieben Jahre verhindert worden!

– Ja, dann hatten Sie aber seinerzeit offensichtlich nicht die politische Kraft, das in Ihrer Koalition durchzusetzen. Nehmen Sie das doch zumindest mal zur Kenntnis.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zweitens. Sie verbreiten die Geschichte der Deindustrialisierung. Dann orientieren Sie sich doch mal daran, was Ihnen die Bundesbank in diesem Monat schreibt. Sie sagt, trotz aller Schwierigkeiten – ja, es gibt Schwierigkeiten –

Ach was! Ist aber Schlechtreden jetzt!

sei Deutschland ein guter Industriestandort, und von Deindustrialisierung könne man nicht sprechen.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es ist schon formuliert worden: Sie haben Forderungen, die Sie nicht refinanzieren. Als freundliche Botschaft habe ich heute versucht, mich farblich der Union zu nähern. Man könnte schon fast meinen, die Krawatte sei Cadenabbia-Blau.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Heiterkeitdes Abg. Erhard Grundl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Aber das allein reicht nicht. Sie können uns vielleicht das Blaue vom Himmel versprechen; aber Sie sollten mit Ihren Vorschlägen nicht in die roten Zahlen rutschen.

– Ich weiß, dass es wehtut, Herr Kollege Frei. Aber Sie können doch nicht die Strategie fahren, dass Sie über Monate hinweg immer wieder dieselben Papiere,

Das wird weiter so gehen! Bis ihr euch bewegt!

zum Teil mit identischen Formulierungen, hier vorlegen und sagen: Damit könnten wir den Wirtschaftsstandort retten.

Natürlich!

Das ist einfach keine seriöse Politik in der Opposition.

Nichtseriöse Politik machen Sie!

Greifen Sie sich einzelne Themen heraus, und arbeiten Sie sie sauber ab, statt sich mit einem Potpourri von Wünsch-dir-was-Themen zu beschäftigen!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie des Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU]
Beifallbei der CDU/CSU
Reinhard Houben [FDP], an den Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU] gewandt: Jetzt dürfen Sie wieder klatschen!
Porträt von Michael Kellner
Foto: Michael Kellner/ Nils Leon Brauer
Michael KellnerGrüne· Parl. Staatssekretär BMWK· MdB
16 Vermerkeca. 515 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Klöckner, Sie sind doch eigentlich ein optimistischer Mensch.

Sie kennen doch auch den Satz: Der einzige Mist, auf dem nichts wächst, ist der Pessimist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Oh, wie witzig!

Der Satz ist angeblich von Theodor Heuss; ich habe ihn zuletzt von Reinhard Houben gehört.

Der ist ganz weit vorn!

Lieber Reinhard, Türkis steht Dir nicht ganz so gut, wenn ich das sagen darf, aber für Farbdebatten hat man eh nur in der Opposition Zeit.

Als Mittelstandsbeauftragter besuche ich viele Unternehmen und spreche mit den Verbänden über ihre Sorgen, von der Werkbank bis zum Entwicklungslabor. An diesen Orten wird der Wohlstand unseres Landes geschaffen. Während Sie von der Union vom kranken Mann reden, arbeitet die Ampel daran, die Vitamine für unsere Volkswirtschaft bereitzustellen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Nicht wir! Der „Economist“!

Wenn ich mit den Unternehmern spreche, dann blicken sie auf ihre Fabrikhallen und fragen: Wie bekommen wir als Mittelstand günstigen Strom? Ein Metallbauer in Regensburg hat unser Eigenstromprivileg genutzt und sein Dach vollständig mit Solarmodulen belegt. Im Sommer sind seine Energiekosten auf ein Drittel –auf ein Drittel, nicht um ein Drittel – gesunken. Das passiert im ganzen Land. Mit der Abschaffung der EEG-Umlage haben wir den Mittelstand entlastet. Das zusammen bringt mehr und günstige Energie als Ihr Festklammern an der teuersten Energieform, der Atomkraft.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Die Firmen fragen mich, wo denn morgen die Azubis und Fachkräfte herkommen. In Harzgerode, Sachsen-Anhalt, lernen junge Marokkaner zusammen mit ihren deutschen Azubi-Kollegen in der Metallverarbeitung. Das finde ich stark. Schwach dagegen ist der Ruf der CDU nach stationären Grenzkontrollen. So diskriminieren Sie engagierte Fachkräfte in sozialen wie Handwerksberufen,

die aus Polen kommend in den Grenzregionen arbeiten. Das ist nicht europäisch, das ist standortgefährdend.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Wo ist denn da der Zusammenhang!

Auch auf die Bürokratielast werde ich von den Unternehmen angesprochen. Und ja, hier gibt es an vielen Stellen viel zu viel Bürokratie; das bremst, das kostet, das muss sich ändern. Dagegen gehen wir systematisch vor, mit Praxischeck.

Mit dem Energiegesetz! Ganz praktisch!

Allein bei der Nutzung von Solarenergie haben wir rund 50 Hemmnisse identifiziert und über 30 davon abgebaut. Davon profitieren Firmen, Bürger, Netze, unser ganzes Land.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Reinhard Houben [FDP]

Und wir werden diesen Weg weitergehen; sei es bei der Frage von Unternehmensgründungen, Unternehmensnachfolgen oder bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung, wo wir übrigens Ihr Gesetz, welches wir vorgefunden haben, mittelstandsfreundlich reparieren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Lassen Sie mich noch einen Gedanken äußern: Das ängstliche Festhalten am Alten hilft niemandem. Im Gegenteil: Das Festhalten am Verbrennungsmotor, an der Ölheizung oder an der Atomkraft schadet unserem Standort, es hält uns auf, es lässt uns zurückfallen im internationalen Wettbewerb,

Wir fallen schon zurück!

sei es bei der E-Mobilität, bei der Wärmepumpe oder bei den erneuerbaren Energien. Ein solches Festklammern gibt weder Firmen noch Menschen Sicherheit. Dies schadet der vielfältigen deutschen Wirtschaft und den vielen Leuten, die diese vorantreiben.

Das glaubt Ihnen keiner!

Als Ampel stärken wir die Fitness des Standorts Deutschlands. Wir wollen die Grundstoffindustrie im Land halten. Deswegen brauchen wir auch einen Brückenstrompreis.

Das sieht die FDP anders!

Gleichzeitig erschließen wir neue Wirtschaftszweige. So steigen wir in moderne Technologien von der Chipherstellung bis Wasserstoff ein und sichern günstige Energiepreise.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wir kümmern uns um unsere Fachkräfte. Wir sorgen für gute Lebensbedingungen in Großstädten wie in ländlichen Räumen, überall dort, wo Menschen leben und arbeiten. Unser Wohlstandsversprechen bleibt: Innovation „made in Germany“.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Zurufevon der CDU/CSU: Eijeijei!
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
5 Vermerkeca. 454 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Herr Wiener, wenn Sie uns nicht die Interpretation glauben, dann aber vielleicht doch dem Bundesbankpräsidenten Nagel. Der hat es in den letzten Tagen auf den Punkt gebracht. Er hat gesagt: Das deutsche Wirtschaftsmodell ist zukunftsfähig, und wir können selbstbewusst sein, indem wir uns nicht selbst kleinreden. – Das festzustellen und gleichzeitig anzuerkennen: „Ja, es gibt Herausforderungen; ja, es gibt noch Hausaufgaben zu machen“, das ist die Haltung, die wir momentan brauchen; um die soll es jetzt gehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Der Weg hin zu nachhaltigem Wachstum, zu nachhaltigem Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit wird im ganzen Land schon beschritten. Unternehmen, Beschäftigte und auch die Ampel gehen diesen Weg.

Erst gestern war ich zum Beispiel beim BDI. Da fand die Jahrestagung zur Kreislaufwirtschaft statt. Die Kreislaufwirtschaft ist ein Wirtschaftsbereich, den ich als Beispiel dafür nehme, dass es gerade unheimlich viel dynamische Entwicklung gibt, dass viel Potenzial in neuen Geschäftsmodellen schlummert, bei der Circle Economy zum Beispiel durch Kostensenkungen, mehr Effizienz, mehr Ressourcenschutz. Das führt dazu, dass sich Chancen für neue Geschäftsmodelle eröffnen. Das sieht man in Deutschland schon jetzt anhand ganz konkreter Projekte. In Kuppenheim oder in Schwarzheide gehen Unternehmen gerade genau diesen Weg, und das darf uns Mut machen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Zurufdes Abg. Dr. Klaus Wiener [CDU/CSU]

Zwei Dinge sollten wir in der aktuellen Debatte auseinanderhalten. Das eine ist die konjunkturelle Lage, das andere sind die strukturellen Aufgaben, die wir anzugehen haben. Die konjunkturelle Lage erklärt sich sehr leicht aus dem hohen Anteil der Exporte an dem deutschen Bruttoinlandsprodukt. Exporte tragen zu 47 Prozent zum BIP bei. Das heißt: Wenn die Weltwirtschaft wie gerade eben ein bisschen hustet, dann hat Deutschland Schnupfen, und genau das erleben wir momentan.

Die Weltwirtschaft wächst!

Man kann etwas dagegen tun, und genau das tun wir in der Ampel. Man kann die Binnennachfrage stärken. Man kann den Mindestlohn erhöhen, wie wir es gemacht haben. Wir haben die EEG-Umlage abgeschafft. Und die Lohnentwicklung hält endlich mit der Inflation mit. Es gibt noch verschiedene andere Stellschrauben, zum Beispiel die Außenwirtschaft resilienter aufzustellen. Zwei Drittel der Unternehmen machen momentan ihre Lieferketten widerstandsfähiger. Und auch die Bundesregierung arbeitet hart an Rohstoffpartnerschaften und Handelsabkommen.

Zu den strukturellen Herausforderungen hat der Kollege Roloff schon einiges gesagt; auch hier liefert die Ampel. Herausforderung „Fachkräftemangel“: Wir setzen das Fachkräfteeinwanderungsgesetz dagegen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Herausforderungen „Gewährung sicherer und sauberer Energie“ und „hohe Energiekosten“: Wir bauen Erneuerbare hinzu. Wir planen das Wasserstoffkernnetz, und wir planen wasserstofffähige Gaskraftwerke. Herausforderung „zu viel Bürokratie“: Die Antwort ist der Praxischeck des Wirtschaftsministeriums für schnellere Abläufe und schnelleres Liefern.

Gerade heute Morgen war das Zukunftsfinanzierungsgesetz zur Stärkung der Start-ups und Gründungen in diesem Land Thema. Das ist die Antwort.

Meine Damen und Herren, meine Heimat Baden-Württemberg ist vor einigen Tagen als eine der drei innovativsten Regionen weltweit ausgezeichnet worden, –

Porträt von Pascal Meiser
Foto: Die Linke, Berlin
8 Vermerkeca. 561 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die wirtschaftlichen Aussichten für unser Land sind in der Tat alles andere als rosig. Und deswegen ist es richtig, der Bundesregierung hier Beine zu machen. Doch bei allem Respekt: Was Sie von der CDU/CSU uns heute hier bei allem, was man im Einzelnen noch diskutieren kann, vorlegen, ist am Ende doch vor allem eins: ein ungedeckter Wunschzettel mit riesigen Steuergeschenken für profitable Unternehmen und ein Angriff auf die Zukunftsfähigkeit unserer sozialen Sicherungssysteme, und das in einer Zeit, in der die Profite vieler Konzerne trotz aller Krisenstimmung durch die Decke gehen. Auf so eine Idee muss man erst mal kommen.

Beifallbei der LINKEN

Ja, Sie haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, ein Finanzierungskonzept zu skizzieren. Sie entziehen dem Staat Einnahmen, um Geschenke mit der Gießkanne zu verteilen, und Sie sagen nicht, wie die Löcher gestopft werden sollen. Übersetzt heißt das: Es soll in den öffentlichen Haushalten und bei den sozialen Leistungen gekürzt werden.

Wachstum bedeutet mehr Steuereinnahmen!

Kann man machen; ist halt dann weder sinnvoll noch christlich noch sozial.

Beifallbei der LINKEN sowie des Abg. Sebastian Roloff [SPD]

Ich sage Ihnen: Ihr Pakt ist ein schlechter Deal für die Mehrheit der Menschen in diesem Land.

Auf der anderen Seite steht die Ampelkoalition, die mit ihrem Kürzungshaushalt die Krise zu verschärfen droht. Mehr noch: Sie wollen zusätzlich tatsächlich die Mehrwertsteuer auf Gas, Fernwärme und in der Gastronomie wieder anheben. Ist Ihnen nicht klar, dass Sie damit mitten in die Rezession hinein die Menschen zusätzlich belasten? Das ist doch grotesk!

Wenn Sie mutig wären, dann würden Sie jetzt konsequent die schwächelnde private Nachfrage stärken.

Beifallbei der LINKEN

Machen Sie ernst mit dem vielbeschworenen Lohnabstandsgebot! Erhöhen Sie den Mindestlohn auf die gebotenen 14 Euro! Und sorgen Sie dafür, dass wieder mehr Menschen von Tarifverträgen geschützt werden!

Mutig sein, das hieße auch, bei den Strompreisen die Industrie und die Menschen gleichermaßen zu entlasten, statt diese, wie es in der Koalition gerade stattfindet, gegeneinander auszuspielen. Schnüren Sie ein echtes Maßnahmenpaket, wie es der Deutsche Gewerkschaftsbund jetzt gerade frisch vorgelegt hat! Eine Verlängerung der Strompreisbremse oder eine Absenkung der Stromsteuer für alle und ein gezielter Brückenstrompreis zum Erhalt der energieintensiven Industrie, es ist beides nötig, es ist beides machbar. Handeln Sie!

Beifallbei der LINKEN

Eine solche Politik ist auch finanzierbar, wenn man denn den Mut dazu hat. Andere Länder machen es vor. Oder um es mit – ungewohnter Zeuge für einen Linken – US-Präsident Biden zu sagen: Wer Extramilliarden verdienen kann, der kann auch mehr Steuern zahlen.

Beifallbei der LINKEN

Doch was macht die Ampelregierung? Nach nur einem halben Jahr setzt sie ihre für sich genommen eigentlich viel zu zaghafte Übergewinnsteuer im Energiesektor gleich wieder ab. Das ist doch absurd, meine Damen und Herren.

Beifallbei der LINKEN

Und noch etwas machen uns andere vor: Bei den Investitionen in die Infrastruktur und die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft darf der Staat nicht länger knausern, sondern er muss endlich in die Vollen gehen. Dazu muss die Schuldenbremse zumindest jetzt in der Krise ausgesetzt werden, weil sie den notwendigen staatlichen Investitionen Fesseln anlegt, wo es entschlossenes Handeln bräuchte. Doch was tun Sie? Sie halten, wie der „Economist“ treffend bemerkt hat, weiter geradezu obsessiv an dieser Investitionsbremse fest. Absurd auch das, meine Damen und Herren.

Beifallbei der LINKEN

Ich komme zum Schluss. Wenn Sie schon nicht auf uns hören wollen, dann hören Sie wenigstens auf die Gewerkschaften. Die sagen klipp und klar: Ein Sparkurs und diese Investitionsbremsen machen Deutschland zum Verlierer. Und ich ergänze: Verlieren wird dann die Mehrheit der Menschen, die hier leben, ihre Jobs, ihre Zukunftschancen –

Porträt von Pascal Meiser
Foto: Die Linke, Berlin
2 Vermerkeca. 18 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– und ihr Vertrauen in die Handlungsfähigkeit dieses Staates. Und dazu dürfen wir es nicht kommen lassen.

Vielen Dank.

Beifallbei der LINKEN
Porträt von Julia Klöckner
Foto: Julia Klöckner/ Tobias Koch
7 VermerkeZwischenfrageca. 231 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich frage mich: Wo waren die Koalitionäre eigentlich in der Sommerpause?

Ich weiß nicht, ob Sie in den Betrieben zugehört haben, ob Sie mitbekommen haben, wie es hier in diesem Land ist. Oder waren Sie nur in einem Workshop, damit Sie sich in der Koalition endlich wieder verstehen? Der Workshop hat nicht funktioniert, wie man merkt. Sie sind sich nur einig, wenn es gegen die Opposition geht. Eigene Vorschläge haben Sie hier überhaupt nicht gebracht.

Zurufdes Abg. Dr. Lukas Köhler [FDP]

Ich hätte gerne etwas dazu gehört, wann der Industriestrompreis kommt oder ob er überhaupt nicht kommt.

Planungsbeschleunigung!

Lieber Herr Houben, das war eben sehr bemüht. Sie kritisieren, die Union bringe sieben gleichlautende Anträge ein. Ich finde es gar nicht schlecht, dass wir das machen; denn wir bleiben uns treu. Wenn ich die 20 Anträge der FDP aus der vergangenen Legislatur mit dem vergleiche, was Sie jetzt machen, stelle ich fest, dass Welten dazwischenliegen.

Zurufdes Abg. Dr. Lukas Köhler [FDP]

Das erschreckt Sie. Wir bleiben uns treu. Wir haben schon vor einem Jahr gesagt, dass eine Rezession auf uns zukommen wird. Das wurde als falsche Fakten abgetan. Jetzt haben wir die Daten von unterschiedlichsten Instituten.

Ich höre außerdem von der SPD, dass der Kollege Wiener hier alles schlechtreden würde.

Ja, wie Sie seit Monaten!

Im Gegensatz zu Ihnen war er 23 Jahre lang Chefvolkswirt und weiß, wovon er redet.

Ein bisschen Fachwissen kann nicht schaden, auch bei Ihnen nicht, ehrlich gesagt.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
1 Vermerkca. 59 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Liebe Kollegin, ich bin Ihnen ewig dankbar, dass Sie mir die Möglichkeit geben, die Frage zu stellen. Da sie mich aber auch persönlich angesprochen hat, ist das, Frau Präsidentin, glaube ich, in Ordnung. – Ich habe eine ganz konkrete Frage: Ich habe ja eben gesagt, ich habe Ihre acht Papiere analysieren lassen. Welche Punkte sind in Ihrem heutigen Papier neu?

Beifallbei Abgeordneten der FDP
Porträt von Julia Klöckner
Foto: Julia Klöckner/ Tobias Koch
17 Vermerkeca. 577 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Lieber Herr Houben, das Problem ist, dass Sie bis heute nicht akzeptieren, dass die Bestandsanalyse der Koalition bezüglich unserer Wirtschaftslage nach wie vor falsch ist. Ihre Bestandsanalyse ist, wie wir auch von den Vorrednern der Koalition gehört haben:

Das hat jetzt aber nichts mit der Frage zu tun!

Alles ist gut; kleine konjunkturelle Delle. – Sie sagen, wie wir die Lage beschreiben, sei Schwarzmalen, sei Schlechtreden, das sei In-Depressionen-Reden.

Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an den Abg. Reinhard Houben [FDP] gewandt: Sie können sich wieder setzen, Herr Houben! Das wird nichts!

Wir haben eines sehr konkret gemacht, nachdem neue Zahlen zur Dynamik innerhalb der EU veröffentlicht worden sind – andere Länder in der EU wachsen; es gibt 0,8 Prozent Wachstum in der EU; wir sind das einzige Land, das schrumpft –: Wir haben 14 sehr konkrete Punkte notiert, zum Beispiel zu den Themen „Superabschreibung“, „Verlustverrechnung“, „Bürokratieabbau“

Alles nicht gegenfinanziert! Aber ist egal!

und „Stromsteuersenkung“. Vor dem Hintergrund der neuen Zahlen ist es notwendig, dass wir diese Punkte heute hier einbringen.

Denn was ist das Neue, Herr Houben?

Damit antworte ich gerne auf Ihre Frage.

Sie kennen doch den Antrag gar nicht!

In der vergangenen Woche hat der Bundeskanzler einen Pakt für Deutschland vorgeschlagen.

Leider falsch! Ich kann Ihnen sagen, was neu ist!

Was ist seitdem passiert? Nichts! Deshalb schlagen wir einen Pakt für Wachstum vor.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir gehen voran. Wir warten nicht ab, und wir schauen nicht zu; denn unsere Wirtschaft steht gerade unter einem erheblichen Druck. Deshalb sind wir der Meinung: Wir müssen handeln und dürfen nicht abwarten.

Beifallbei der CDU/CSU

Der neue Punkt war „Industriestrategie“, Frau Kollegin!

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, wenn man sich zum Beispiel die Linken angehört hat, hat man den Eindruck gewonnen, Wirtschaftspolitik sei eine Lobbypolitik, die bekämpft werden müsste. Wirtschaftspolitik ist Sozialpolitik. Wirtschaftspolitik ist Heimatpolitik. Wirtschaftspolitik ist Zukunftspolitik für uns alle. Und wenn wir keine gute Wirtschaftspolitik haben, können Sie und wir alle überhaupt nichts mehr verteilen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Leif-Erik Holm [AfD]

Es geht darum, dass die Menschen Angst um ihren Arbeitsplatz haben.

Was wir nicht verstehen können, ist, dass die Grünen es einfach nicht lassen können, moralisch zwischen guter und schlechter Wirtschaft zu unterscheiden; denn dabei kommt fehlgeleitete Staatswirtschaft heraus. Ich nenne Ihnen jetzt mal ein Beispiel – Sie haben vielleicht vergessen, dass das so ganz nebenbei in zwei Wochen eingeführt werden soll –, nämlich die neuen Sektorleitlinien zu den Exportkreditgarantien. Womit haben wir es da zu tun?

Staatlicher Dirigismus!

– Staatlicher Dirigismus. Die Grünen unterscheiden, welche Technologien, die sie definieren, Exportkreditgarantien bekommen sollen und welche nicht. Wo ist da die FDP, lieber Herr Houben? Da haben wir Sie nicht gehört.

Natürlich! Das haben wir sehr deutlich gemacht!

Das führt am Ende dazu, dass unsere Unternehmen ihren Platz im Export verlieren, während andere Länder, die weniger für Klimaschutz tun, ihren Platz einnehmen. Das ist nicht nur unpatriotisch,

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

sondern das schadet auch unserem Land, das schadet unserer Wirtschaft, und das schadet vor allen Dingen den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in diesem Land.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist das Gegenteil von Diversifizierung!

Wer das aktuell mitbekommt, stellt fest: Es gibt im Schnitt einen Auftragsrückgang von 20 Prozent bei unseren Unternehmen. Das ist keine konjunkturelle Delle.

Falsch! Das ist einfach eine Falschaussage!

Das hat strukturelle Auswirkungen. Bei Umfragen, die valide sind und nicht von Ihnen als Koalition kommen, kam heraus, dass jeder Dritte vorhat, abzuschließen, umzusiedeln, oder es schon getan hat. Deshalb sagen wir sehr klar: Es braucht jetzt ein Sofortprogramm für die Wirtschaft! Wir dürfen nicht abwarten.

Im Übrigen: Die Hinhör-Runden von Herrn Habeck sind mittlerweile zu Hinhalte-Runden geworden.

Dafür haben Sie lange geübt!

Die Wirtschaft ist es leid; denn am Ende geht es um ihr Geld. Wir Abgeordnete kriegen monatlich unser Geld überwiesen; da kann man so reden, wie Sie hier reden. Das ist kein Schwarzfärben, sondern es geht um Existenzen von Familien,

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

die ihr privates Geld in diese Unternehmen geben. Und Sie schaffen es noch nicht mal, hier Entscheidungen zu treffen.

Das Gegenteil ist richtig!

Sie kündigen ständig welche an, aber Entscheidungen werden gar nicht getroffen. Stattdessen gibt Herr Habeck dem „Economist“ ein Interview.

Porträt von Julia Klöckner
Foto: Julia Klöckner/ Tobias Koch
ca. 28 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Er sagt: „Unsere Wirtschaft ist nicht krank, sondern nur ein wenig aus der Form geraten.“ Wenn jemand hier aus der Form geraten ist, dann ist das diese Regierung.

Porträt von Esra Limbacher
Foto: Esra Limbacher/Dominik Butzmann
20 Vermerkeca. 702 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Houben hatte eigentlich eine wichtige Frage gestellt: Was ist neu an dem Antrag?

Das hat sie doch gerade erklärt!

An dem Antrag selbst ist eigentlich nichts neu.

Sie setzen ja nichts um, was sinnvoll wäre! Wir müssen es immer wiederholen! Flache Lernkurve!

Aber was in der Zwischenzeit passiert ist, ist auf jeden Fall neu. Viel Neues ist in der Zwischenzeit passiert. Ich will mal ein paar Neuigkeiten erwähnen.

Sie fordern in Ihrem Antrag Bürokratieentlastung. Wir liefern das Bürokratieentlastungsgesetz und bieten eine solche Bürokratieentlastung extra mit dem Deutschlandpakt an.

Wann machen Sie denn was? Sie machen doch nichts!

Sie fordern richtige Rahmenbedingungen, damit Deutschland ein führendes Industrieland bleibt. Wir liefern diesen Rahmen – mit dem Bürokratieentlastungsgesetz, mit dem Deutschlandpakt,

Wann kommt das?

mit dem Wasserstoffkernnetz, mit den Planungs- und Genehmigungsbeschleunigungen,

Nichts gesehen!

mit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz, mit Preisbremsen, mit klugen Förderungen und Investitionen. Wir liefern, Frau Klöckner!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wann denn? Wir würden gern heute darüber abstimmen!

Sie fordern in Ihrem Antrag eine Weiterqualifizierung geringqualifizierter Fachkräfte, eine Fachkräfteoffensive. Wir haben die Nationale Weiterbildungsstrategie,

Macht nur keiner!

die wirkungsvoll greift, schon längst fortgesetzt. Wir liefern die Ausbildungsgarantie, fördern Berufsorientierungspraktika und machen die Weiterbildungsförderung künftig für alle Betriebe zugänglich, auch für mittelständische Betriebe. Sie fordern die schnelle Anerkennung ausländischer Fachkräfte. Wir liefern endlich das Fachkräfteeinwanderungsgesetz und ermöglichen das, was Sie in den letzten Jahren immer blockiert haben:

Die CDU stimmt dagegen und beschwert sich!

War das nicht der Herr Maas?

die dringend benötigte Zuwanderung von ausländischen Fachkräften nach kanadischem Vorbild mit der Chancenkarte – effektiv und kontrolliert, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Liebe Kolleginnen und Kollegen, eigentlich müsste man Ihren Antrag umbenennen in: „Liste der Dinge, die die Union nie geschafft hat, wobei sie aber irgendwie froh ist, dass endlich eine Regierung die Kraft dazu findet, sie umzusetzen“.

Sie reden, wir machen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Nach Ihren Darstellungen könnte man geradezu den Eindruck gewinnen, die in der Tat derzeit schwierige Lage, in der sich die deutsche Wirtschaft befindet – und überhaupt alles Übel der Welt –, ist auf die seit 2021 im Amt befindliche Bundesregierung zurückzuführen.

Sie haben nicht richtig entschieden!

Jeder, der sich ernsthaft mit den derzeit vor uns liegenden wirtschaftspolitischen Herausforderungen beschäftigt, weiß: All das, was wir derzeit erleben – die Energiekrise, die Preisexplosion und die Inflation –, sind die nun spürbaren Konsequenzen des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges Russlands mitten in Europa, liebe Kolleginnen und Kollegen. Das ist keine zufällige Entwicklung und schon gar kein Ampelversagen.

Wer so spricht, der bedient vor allem die Vorurteile und Märchen, die die Kreml-Partei AfD und andere Putin-Freunde in Deutschland säen wollen, nicht mehr und nicht weniger.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Und – auch das kann ich Ihnen nicht ersparen, auch wenn es schon viele andere gesagt haben – ich will an der Stelle vor etwas eindringlich warnen: Hören Sie endlich damit auf, dieses Land, unsere starke Wirtschaft schlechtzureden!

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ihr macht sie schlecht!

Hören Sie endlich auf, unser Land in eine Krise hineinzureden! Das ist unverantwortlich, und damit werden Sie Ihrer Verantwortung als Abgeordnete dieses Parlaments nicht gerecht. Wie um alles in der Welt kommen Sie denn darauf – der Kollege Roloff hat es erwähnt –, Deutschland als den „kranken Mann der Welt“ zu bezeichnen?

Das hat der „Economist“ gesagt! Presseschelte! Warum betreiben Sie denn Presseschelte?

Das Gegenteil ist der Fall. Deutschland ist die stärkste, die größte Volkswirtschaft Europas, und wir kämpfen dafür, dass das genau so bleibt. Um ehrlich zu sein, Frau Klöckner: Ich hätte gerne den demokratischen Teil der Opposition bei diesem Kampf an unserer Seite; aber nach den Auftritten heute habe ich da meine Zweifel.

Die gute Nachricht ist: Auch ohne Sie bewegt sich etwas in diesem Land.

Es bewegt sich etwas bei dringend notwendigen Zukunftsinvestitionen, zum Beispiel in Magdeburg; man kann es gerne noch einmal erwähnen. Deutschland ist ein echter Quantensprung im Bereich der schon heute so wichtigen Chipherstellung gelungen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

3,3 Millionen pro Arbeitsplatz!

Intel investiert mehr als 30 Milliarden Euro in Magdeburg. Das ist die größte jemals getätigte Investition eines ausländischen Unternehmens in Deutschland.

Genauso in meiner Heimat, im Saarland: Hier wird der amerikanische Chiphersteller Wolfspeed zusammen mit dem deutschen Automobilzulieferer ZF eine der modernsten Chipfabriken Europas bauen.

130 Milliarden Investitionsabfluss aus Deutschland! 130 Milliarden!

Geplant ist die weltweit größte Produktionsanlage für Siliziumkarbid-Elektronik. Ich finde, das sind Nachrichten, die kann man hier immer mal wieder erwähnen, Frau Klöckner, es sind nämlich gute Nachrichten für unser Land.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Sie brauchen mal eine andere Flughöhe!

Auch in der Energiepolitik bewegt sich etwas, auch wenn man das nicht immer erwähnt. Bei der Ausschreibung von Flächen für Offshorewindparks in Nord- und Ostsee ist das Interesse so groß, dass Unternehmen von vorneherein auf Förderungen verzichten. Eine Gesamtleistung von 7 000 Megawatt wird auf den Weg gebracht.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, abschließend kann man sagen: Politik ist nicht nur Denksport, sondern vor allen Dingen auch Handeln, und genau das passiert derzeit auch.

Die arme Wirtschaft! Industriestrompreis! Top Sache! Wann sind Sie denn so weit mit der Entscheidung?

Porträt von Hansjörg Durz
Foto: Hansjörg Durz/ Hendrik Steffens
7 Vermerkeca. 357 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir hören in der Debatte viel über Statistiken und Daten. Das ist auch wichtig, um die wirtschaftliche Gesamtlage objektiv zu erfassen, und die ist leider nicht gut. Die Industrieproduktion sinkt, die Investitionen gehen zurück; vor allem die Grundstoffindustrie wandert zunehmend ab. In der Wirtschaftspolitik kommt es aber darauf an, aus diesen Zahlen die Realität wahrzunehmen und sie anzuerkennen. Und da hat – das muss man dem Minister zugestehen – der Minister gestern immerhin seinen Chart vorgelegt und eingestanden – im Gegensatz zu vielen Rednern hier und heute –,

Genau, da war Herr Roloff nicht dabei!

dass die energieintensive Industrie um 20 Prozent zurückgegangen ist.

Das können wir so nicht hinnehmen; Schönreden ist hier fehl am Platz.

Beifallbei der CDU/CSU

Allerdings kommt es nicht nur auf das Anerkennen der Fakten an. Es kommt auch auf eine menschliche Eigenschaft an, nämlich wieviel Kritik es bedarf, bis man innehält, auch für andere Vorschläge empfänglich wird – deswegen müssen wir unsere Vorschläge übrigens immer wieder vorlegen – und schließlich seinen Kurs anpasst. Die Frage ist doch: Wann steuert diese Regierung in der Wirtschaftspolitik endlich um?

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Das bisherige Handeln der Regierung trägt dazu bei, dass die Industrie zunehmend ihr Vertrauen in den Standort verliert; dabei ist genau dieses Vertrauen elementar.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Denn die Industrie ist nicht nur Jobmotor, sondern sie ist auch Wohlstandsgarant und trägt mit dem Steueraufkommen erheblich dazu bei, dass wir das Soziale überhaupt finanzieren können.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Dass wir die Hälfte Ihrer Forderungen schon umgesetzt haben, ist aber schon bekannt, oder?

Was meiner Meinung nach zu oft übersehen wird, ist die Tatsache: Ob Deutschland die Transformation hin zu einer nachhaltigen und robust aufgestellten Wirtschaft tatsächlich schafft, ist vor allem von unserer Industrie abhängig; denn sie ist die Branche mit enorm großem Innovationspotenzial. Klimaschutz funktioniert nur mit der Industrie. Und eine wettbewerbsfähige Industrie ist ein aktiver Beitrag zur technologischen Souveränität dieses Landes.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Ein großes Problem der schleichenden Deindustrialisierung ist, dass selbst beim Weggang nur eines Teils von Wertschöpfungsketten oftmals ganze Ökosysteme mit ganz vielen KMUs zerstört werden. Und diese sind oft nicht mit Milliardenbeträgen hochsubventioniert worden, sondern gewachsene Strukturen, und diese müssen wir zwingend erhalten.

Deswegen schlagen wir diesen Deutschlandpakt für unsere Wirtschaft vor, deswegen schlagen wir ganz konkrete Maßnahmen vor, um die Struktur unserer heimischen Wirtschaft zu verbessern.

Porträt von Hansjörg Durz
Foto: Hansjörg Durz/ Hendrik Steffens
ca. 18 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich möchte Sie bitten: Bekennen Sie sich zum Industriestandort Deutschland nicht nur mit Worten, sondern auch durch Handeln, –

5 Vermerkeca. 289 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In den letzten drei Jahren war unsere Welt und damit auch unsere Wirtschaft mit zwei Herausforderungen beschäftigt. Wir wissen alle: Das waren die Coronapandemie und der russische Angriffskrieg. Die haben Sie, liebe Unionsfraktion, bei Ihrem Antrag wohl einfach vergessen. So einfach sollte man es sich tatsächlich nicht machen!

Sie haben in Ihrem Antrag viele Punkte aufgeführt, die Sie in der Vergangenheit nicht geschafft haben, die wir aber bereits aufgegriffen haben, um sie auf den Weg zu bringen. Lassen Sie mich einen Punkt aus Ihrem Antrag herausgreifen – ein Herzensthema für mich und viele Mittelständler und Handwerker in unserem Land; Sie hören es immer, egal welches Unternehmen Sie besuchen –: den Bürokratieabbau. Wie sehr hätte ich mir die Initiative und diesen Eifer von Ihnen, liebe Union, bei diesem Thema schon früher gewünscht! Denn „Bürokratieabbau“ ist nicht nur ein Schlagwort, er ist eine Verpflichtung, die wir als gewählte Vertreterinnen und Vertreter unseres Landes ernst nehmen müssen. Ihr Minister Altmaier

Ein guter Mann!

hat versucht, das BEG IV auf den Weg zu bringen, und ist daran gescheitert. Glauben Sie mir, ich hätte ihm diesen Erfolg wirklich gegönnt und gewünscht.

Und was tun wir, liebe Frau Klöckner, in der FDP und in dieser Ampelkoalition? Meine Kollegen Marco Buschmann und Benjamin Strasser sind auf Regierungsebene voller Elan dabei.

Ja, aus dem Kanzleramt heraus!

Das BMJ hat ein erstes Eckpunktepapier vorgelegt.

28 von 400 Vorschlägen!

Nun geht es darum, dass alle Ministerien weitere konkrete Vorschläge machen. Das hoffe ich.

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Denn Bürokratie lähmt unser Wachstum total.

Erlauben Sie mir zum Schluss noch eine Bemerkung: Ich möchte Ihnen die Hand reichen. Ihr Antrag greift viele gute Punkte auf, und es ist tatsächlich auch etwas Neues dabei. Neu ist tatsächlich die Industriestrategie, die ist völlig neu. Lassen Sie uns gemeinsam einen Deutschlandpakt für die Wirtschaft machen.

Ich weiß ja gar nicht, was Sie wollen!

ca. 14 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Denn im Interesse unseres Landes sollten wir konstruktiv zusammenarbeiten, ganz im Sinne des Deutschlandpaktes –

1 Vermerkca. 4 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– unseres Bundeskanzlers.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
4 Vermerkeca. 825 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr verehrte Frau Staatsministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir bringen heute durch die Änderung des FFG die Verlängerung der Filmförderung für das Jahr 2024 auf den Weg, und das ist sehr gut; denn durch diese Überbrückung für ein weiteres Jahr verschaffen wir uns Luft, um im Jahr 2025 eine wirklich gute und grundsätzliche Reform der Filmförderung anzugehen.

Das Ziel dieser großen Reform wird es sein, Deutschland als Produktions-, Kino- und Medienstandort zu festigen bzw. überhaupt wieder relevanter zu machen. Es geht dabei um Wertschöpfung, Arbeitsplätze, technische Entwicklung, wirtschaftliche Aspekte einerseits. Andererseits geht es auch um ein weniger Fassbares, aber viel Wesentlicheres, nämlich: Wer erzählt wo wie welche Geschichten?

Unsere Filmförderung ist ursprünglich entstanden, um dem Markt in Deutschland und Europa eine Chance gegen die internationale Übermacht zu geben, sowohl wirtschaftlich als auch inhaltlich und künstlerisch. Deswegen ist es so wichtig, dass wir mit der kommenden Reform der Filmförderung die Produktion in Deutschland attraktiv gestalten.

Was ist dabei unsere Absicht? Schlicht gesagt: dass gute und erfolgreiche Filme in Deutschland produziert und gezeigt werden – Filme, die das Herz schneller schlagen lassen, Perspektiven eröffnen, lachen und weinen machen; Filme, die mir keine Zeit stehlen, sondern neue Blicke schenken auf die Welt, auf die Menschen, auf die gesellschaftliche Wirklichkeit; Filme, die wir gerne sehen und bei denen wir uns wünschen, dass sie nicht aufhören mögen, auch wenn sie manchmal schmerzen; Filme, die auch Geld in die Kassen bringen.

In der Praxis ist es dann schon etwas schwieriger, genau diese Filme zu machen. Dafür braucht es Mut und Risikobereitschaft, auch mehr Raum und Förderung in der Stoffentwicklung. Nicht alles muss immer bis zum manchmal bitteren Ende durchproduziert werden. Und es gibt genügend Gelegenheiten, gute Stoffe noch besser zu machen. So wird es in der Summe wahrscheinlich zu weniger Filmen kommen; aber diese sind besser ausformuliert und können dann auch bis zur und vor allem in der Auswertung besser begleitet werden.

Es braucht auch einen starken Fokus auf Auswertung, Verleih und Marketing, das heißt auf die Sichtbarmachung der deutschen Filme auch international, und einen Fokus auf die Kinos, die als kulturelle und soziale Orte einer strukturellen Unterstützung bedürfen, damit wir nicht nur Filme gucken, sondern uns das Kino als eine große gesellschaftliche Erzählung bewahren und diskursive Räume schaffen – Räume als Experimentierfelder für ein innovatives, neues Sehen und Räume für ein niederschwelliges Kulturangebot, auch in den ländlichen Regionen und in den Stadtteilen fernab der Zentren.

Bei der Ausgestaltung der Förderung – darauf wurde immer und von allen Seiten hingewiesen – wird eine Verlässlichkeit von enormer Bedeutung sein. Heute zu wissen, welche Förderung man auch noch in drei Jahren oder auch nur am Ende des Jahres erwarten kann, ist in einer Branche, die nicht von heute auf morgen produziert, immens wichtig und funktioniert nur ohne Deckelung und automatisiert und am einfachsten über steuerliche Anreize.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Auf der anderen Seite werden wir auch einen besonders künstlerischen und experimentierenden Film fördern wollen. Und wie in einem System von kommunizierenden Röhren müssen wir auch eine Investitionsverpflichtung parallel zu einem Tax-Incentive-Modell gestalten. Denn nur so kann Filmförderung auf einem nationalen Spielfeld auch nachhaltig und abgekoppelt von rein kommerziellen Interessen künstlerische Freiräume finanzieren. Und da im Idealfall diese besonderen und mutigen Produktionen auf ihre Art und Weise erfolgreich sein werden – weil sie einfach gut sind –, ist auch die Investitionsverpflichtung letztendlich ein Gewinn für alle Beteiligten und kein Würgegriff oder Fesselung, vor allem, wenn wir bedenken, dass Deutschland kein unwesentlicher Markt ist, das heißt, dass es sich lohnt, gerade hier zu investieren.

Das Wichtigste zum Schluss: Bei allem, was wir neu und gestärkt auf den Weg bringen werden, muss immer als Maxime vorangestellt sein, die tatsächliche Diversität und Vielfältigkeit in unserer Kultur und Gesellschaft sichtbar zu machen und vor allem zu Wort kommen zu lassen. Hier muss die Freiheit der künstlerischen Entscheidung unabhängig von staatlicher und politischer Seite erhalten bleiben, und es muss eine deutliche und diverse Gewichtung in allen Gremien geben, dass diese Perspektiven nicht nur bedacht, sondern auch mit tatsächlicher Auswirkung eingebracht werden können.

Bei Repräsentation geht es allerdings nicht nur um marginalisierte Gruppen; auch bei Film und Kino gehört mindestens die Hälfte der Macht endlich in die Hände der Frauen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Bei alldem braucht es die geballte Kreativität aller Filmemacher/-innen in Deutschland, um einen neuen deutschen Film auf den Weg zu bringen.

Am Ende meiner Redezeit geht es mir wie dem Kino, das noch viele Geschichten zu erzählen hat. So hätte auch ich noch viel mehr zu sagen: über Green Shooting, über die anspruchsvolle Umstrukturierung der FFA zu einer einfachen und effizienten Filmförderung aus einer Hand, natürlich über die Abstimmung mit den Länderförderungen – selbst für absurde Anträge, fern jeglicher Realitäten.

Sie sehen: Der Wurf ist nicht nur groß, sondern auch komplex. So ist es gut, dass wir mit der jetzt anstehenden Verlängerung bis Ende 2024 etwas mehr Zeit gewinnen, um die großen Fragen nicht nur zu wälzen, sondern auch gut zu beantworten.

Danke für die Aufmerksamkeit und viel Vergnügen bei Ihrem nächsten Kinobesuch!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
7 Vermerkeca. 850 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Martin Scorsese hat gesagt: Filme berühren unsere Herzen, wecken unsere Visionen und verändern die Art und Weise, wie wir Dinge sehen. Sie bringen uns an andere Orte, sie öffnen Türen und Köpfe. Filme sind die Erinnerung an unser Leben. Wir müssen sie am Leben erhalten.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Thomas Hacker [FDP]

„Am Leben erhalten“ ist in der Tat das richtige Stichwort für die heutige Debatte. Wir sprechen in erster Lesung über eine nochmalige Verlängerung des deutschen Filmförderungsgesetzes in seiner aktuellen Fassung. Schon durch Corona waren wir gezwungen, eine große Novelle zu schieben. Jetzt machen wir das mit Blick auf 2024, um 2025 dann endlich eine umfassende Reform auf den Weg bringen zu können.

Ja, wir haben Aufholbedarf. Die Bundesregierung weiß das. Wir möchten sie gerne unterstützen; denn das System Film hat sich grundlegend geändert. Zwei Beispiele:

Erstens. Neue Marktteilnehmer wie die Streamingdienste sind hinzugekommen. Das verändert, wie und wann Filme und Serien gesehen werden. Kino oder Couch?

Zweitens. Auch beim Film sehen wir, dass andere europäische Länder den Produktionsstandort Deutschland überholen, weil sie selbst stark investieren, damit die Geschichten von morgen bei ihnen gedreht werden.

Um all die Veränderungen zu verstehen und Antworten zu finden, haben wir als SPD-Fraktion im letzten Halbjahr drei große Gesprächsrunden initiiert. Von Netflix bis zum Produzentenverband, der Bundesverband Schauspiel und der Verein Schwarze Filmschaffende – viele haben uns Einblick in ihren Alltag gegeben.

Als Parlamentarierinnen und Parlamentarier der Ampel haben wir bereits eigene Ideen eingebracht, von den Koalitionsverhandlungen angefangen bis jetzt. Einiges davon hat die BKM auf der Berlinale bereits skizziert. Jetzt ist es Zeit, den großen Wurf zu wagen. Klein-Klein reicht nicht, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Im Gegenteil: Ein Filmfördergesetz ist ein zentrales kulturpolitisches Versprechen aus dem Koalitionsvertrag. Das unterstützen wir als SPD-Fraktion aus vollem Herzen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der Abg. Erhard Grundl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Thomas Hacker [FDP]

Was den ausstehenden Referentenentwurf betrifft: Die Spannung steigt. Wir sind bereit, uns in die weiteren, konkreten Beratungen zu begeben. Mehr noch: Wir können es kaum erwarten. Es soll ja nicht nur um lebenserhaltende Maßnahmen für den Film gehen, sondern auch um seine Reha. Deswegen müssen wir die gesamte Kette in den Blick nehmen, von den Drehbuchautorinnen und -autoren bis zu den Verleihern, von den Förderinstrumenten und Jurys bis zu den Kinos und von den Arbeitsbedingungen vor und hinter der Kamera bis zu denen, die sich letztlich die Produktionen ansehen sollen, dem Publikum.

Außerdem stellt sich die Frage nach einer besseren Finanzierung, also einer Investitionsverpflichtung oder einem Steueranreizmodell, wie wir es im Koalitionsvertrag festgeschrieben haben. Es hat ja in der letzten sitzungsfreien Woche ein Gespräch bei der BKM gegeben, in dem die Vorstellungen der Regierung im Ansatz eingebracht worden sind.

Nicht der Regierung!

Ich kann mir eine Mischung aus steuerlichem Anreiz und Investitionsverpflichtung vorstellen. Aber die Ausgestaltung müssen wir gut diskutieren. Wenn es um Steuern geht, muss auch klar sein: am Ende nicht zulasten der Kommunen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Liebe Kolleginnen und Kollegen, in wesentlichen Punkten bin ich optimistisch, dass sich schnell Einigungen erzielen lassen. Als SPD-Fraktion sind für uns natürlich auch die sozialen Bedingungen wichtig. Auch Nachwuchs- und Fachkräftegewinnung sind aus unserer Sicht entscheidend. Wir brauchen gute Leute im Film, vor und hinter der Kamera, kreative Ideen. Aus meiner Sicht ist es auch selbstverständlich, dass Geschlechtergerechtigkeit und Nachhaltigkeit bei einer modernen Filmförderung Berücksichtigung finden.

Von Förderkriterien zu den Instrumenten. Wir dürfen nicht vergessen: Jede große Reform, jedes Gesetz muss am Ende auch Anwendung finden, umgesetzt werden. Dabei kommt der FFA, der Filmförderungsanstalt, eine entscheidende Rolle zu. Sie muss sich strukturieren, neue Aufgaben übernehmen. Dafür braucht es Zeit und Vorlauf. Deswegen will ich auch einmal dem Präsidenten und Staatsminister a. D. Bernd Neumann, Peter Dinges und Sarah Duve-Schmid stellvertretend für das ganze Team der FFA von hier aus danken, die sich im ganzen Prozess kreativ und sehr konstruktiv einbringen.

Außerdem will ich einmal unseren ehemaligen Kollegen Martin Rabanus erwähnen, der in der Zwischenzeit mit der gesamten Branche schon ohne die Politik als Moderator eine Vereinbarung über die Filmfenster erreichen konnte. Es ist gut, wenn die Branche sich auch selbst in die Pflicht nimmt, Veränderungen herbeiführt. Aber ohne gesetzlichen Rahmen geht es dann am Ende doch nicht.

Deswegen, liebe Kolleginnen und Kollegen: Die verbleibenden Monate sind eine Mammutaufgabe. Verhandlungen und Mitarbeit nicht nur des BMFs, sondern übrigens auch der Länder, Kollege Wanderwitz, sind entscheidend. Also alles ambitioniert, aber schaffbar.

Zum Schluss noch ein Wort zu den Kinos. Die Kinos haben es in Zeiten der ständigen Verfügbarkeit von Filmen schwer; denn wir konsumieren ja inzwischen im Zug, beim Abwasch oder auf dem Sofa. Kinos sind aber viel mehr als das: Sie sind demokratische Orte der Kultur in unseren Städten, in denen verschiedene Menschen eine Erzählung erleben. Sie regen an zur Diskussion mit dem Nachbarn, den Freunden, dem Partner. Sie sind Kultur für alle. Ich will auf diese Orte nicht verzichten. Deswegen ist es richtig, wenn wir auch als Parlamentarierinnen und Parlamentarier für ein ausreichend ausgestattetes Zukunftsprogramm Kino kämpfen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir sollten uns hier sehr bewusst gemeinsam dafür entscheiden, die Kinos zu stützen, zu schützen oder, um es mit Martin Scorsese zu sagen: „am Leben zu erhalten“.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Nächster Redner ist der Kollege Dr. Marc Jongen, AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
17 Vermerkeca. 562 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Amtszeit der BKM Claudia Roth ist ja mittlerweile eine Aneinanderreihung von Blamagen, Skandalen und gebrochenen Versprechen. Nach ihrer Mitverantwortung für den postkolonialen Antisemitismus auf der Documenta 15, nach der offenen Demütigung Deutschlands durch die nach Nigeria in private Hände verschenkten Benin-Bronzen

Das ist jetzt Quatsch!

Zurufder Abg. Michelle Müntefering [SPD]

jetzt also die bloße Fortschreibung des bestehenden Filmförderungsgesetzes, obwohl Sie schon seit zwei Jahren, zuletzt im Februar 2023, mit großem Aplomb eine umfassende Novellierung noch für dieses Jahr angekündigt hatten.

Sie sind im rechtsradikalen Irrglauben!

„Der Spiegel“ schrieb bereits im November 2022: „Wie Claudia Roth die … Filmförderung verpatzt“, und die „FAZ“ sprach von einem „verlorenen Jahr der Kulturpolitik“. Inzwischen haben wir September 2023, und passiert ist noch immer nichts. Es ist sehr vielsagend, dass Sie heute nicht das Wort ergreifen, Frau Roth, und Herrn Sacher vorschicken. Wahrscheinlich ist Ihnen die heutige Debatte peinlich, und das zu Recht.

Beifallbei der AfD

Dabei hat der deutsche Film ein besseres und effizienteres Fördersystem dringend nötig. Nur der geringste Teil der geförderten deutschen Filme hat überhaupt wahrnehmbaren Erfolg an den Kinokassen.

So ist es!

Wenn Sie sich damit beschäftigen würden, würden Sie merken, dass das Quatsch ist!

Wir haben schon in der letzten Legislatur gefordert, dass man mit dem Gießkannenprinzip aufhören und die Fördermittel auf diejenigen Produktionen konzentrieren sollte, die auch echte Erfolgsaussichten haben.

In Ihrem Acht-Punkte-Plan, Frau Roth, steht ja nicht nur Falsches. Dass die Streamingdienste einen Teil ihres Umsatzes auch in Deutschland investieren sollen und dass man sich am österreichischen Steueranreizmodell orientieren sollte, das sehen auch wir so. Aber zum einen haben Sie nichts davon umgesetzt, und zum anderen wird das alles ja wieder zunichtegemacht, indem Sie die Filmbranche einer rigiden Ideologie unterwerfen wollen.

Beifallbei der AfD

Nein! Jetzt fängt das schon wieder an!

Wenn Diversität, Geschlechtergerechtigkeit und Nachhaltigkeit von Ihnen zu Bedingungen der Förderung gemacht werden, wenn Sie sogar einen politisch korrekten Verhaltenskodex für die Kultur- und Medienbranche verordnen wollen, dann brauchen Sie von Kreativität und Freiheit der Kunst nicht mehr zu sprechen.

Sie sollten Ihren Redenschreiber mal ins Kino schicken!

Dann züchten Sie eine ideologische Staatskunst heran, die in Wahrheit nämlich kein Mensch sehen will.

Beifallbei der AfD

Rücken Sie ab von dieser Ideologie, wie es unser Antrag fordert! Nur so kann der deutsche Film wieder auf die Erfolgsspur kommen. Das Publikum will nicht zur politischen Korrektheit erzogen werden. Es will intelligent unterhalten werden; das sollten Sie endlich begreifen.

Beifallbei der AfD

Das Publikum möchte sich repräsentiert sehen!

Mittlerweile begehrt ja auch die internationale Filmwelt gegen Sie auf, Frau Roth. Ein Protestbrief von über 400 Filmschaffenden hat Sie erreicht, angeführt von Martin Scorsese, den Sie, Frau Müntefering, so gerne zitieren, nachdem Frau Roth den aktuellen Leiter der Berlinale, Carlo Chatrian, rüde vor die Tür gesetzt hat.

Das ist Ihre Interpretation!

Weil er zu wenig auf links-grüner Linie war?

Das ist totaler Quatsch!

Weil die Geschlechtergerechtigkeit vielleicht jetzt eine Frau an dieser Position gebietet?

Zurufdes Abg. Thomas Hacker [FDP]

Vermutlich eine Kombination aus beidem. Diese schallende Ohrfeige des Protestbriefs zeigt jedenfalls, dass theatralische Reden allein nicht reichen. Sie werden an Ihren Taten gemessen, Frau Roth.

Beifallbei der AfD

Schauen Sie doch, wer nicht unterschrieben hat!

Dass voraussichtlich wieder nichts gelernt wird,

Da kennen Sie sich aus, mit dem Nichtlernen!

geht aus Ihrem Gesetzentwurf hervor. Da werden doch tatsächlich die Covid-19-Pandemie, die steigenden Energie- und Lebensmittelpreise und die angeblich auf den Ukrainekrieg zurückgehende Inflation für die schwierige Lage der Filmwirtschaft verantwortlich gemacht. Es werden sogar neue mögliche Coronamaßnahmen angekündigt, als wären die katastrophalen Wirkungen der bisherigen nicht längst offenkundig geworden.

Da sind wir schon wieder bei „Inglourious Basterds“!

Meine Damen und Herren, da schreit doch der Brandstifter nach der Feuerwehr und bietet sich selbst gleich zum Löschen an: Ob mit Wasser oder mit dem Flammenwerfer, das bleibt unklar.

Beifallbei der AfD

Wie gut, dass immer mehr Bürger begreifen, welch übles Spiel da mit ihnen gespielt wird, und sich von Ihnen, von der Ampel, abwenden.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
4 Vermerkeca. 673 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Popcorn kaufen – XXL, süß oder salzig –, den richtigen Platz im Dunkeln suchen, es sich bequem machen, zurücklehnen und die Vorfreude genießen, vielleicht noch eine Eiswerbung, solange man sie noch sehen darf: „Like Ice in the Sunshine“. Und los geht’s: Thriller, Krimi oder Schnulze? Komikverfilmung, Kriegsdrama oder Schülerkomödie? Literaturverfilmung, Dokumentation oder Experimentelles? Ja, das Kino ist bunt. Ja, das Kino zieht an. Ja, das Kino lebt.

Fast 1 Million Besucher kamen vor zwei Wochen zum zweiten Kinofest in 771 teilnehmenden Kinos. Die Besucherzahlen steigen. Das sind die guten Nachrichten. Ja, das Kino lebt. Es lebt vor allem von den Filmen: „Avatar“, „Super Mario“, „Barbie“ und „Oppenheimer“, das waren die Blockbuster des Jahres. „Barbie“ und „Oppenheimer“ als „Barbenheimer“ oft im Doppelpack, so schräg sich das für einen Boomer auch anhören mag. Das Kino lebt von den Filmen.

Heute diskutieren wir die Zukunft der deutschen Filmförderung. Der vorliegende Gesetzentwurf ist dürr. Im Ergebnis werden die bestehenden Regeln der Filmförderung wieder verlängert, diesmal um ein zusätzliches Jahr. Schön wäre es, wenn wir diesen Gesetzentwurf heute nicht mehr zu beraten bräuchten. Es war die sogenannte Große Koalition,

die den deutschen Film in die Freiheit entlassen wollte und scheiterte. Offenbar reichten zwei weitere Jahre nicht, um ein in sich schlüssiges Konzept vorzulegen, erarbeitet mit der Filmbranche im Dialog, erarbeitet mit allen, nicht abgeschrieben bei einem.

Doch wie ist die Lage der Filmbranche? Im „Tagesspiegel“ beschrieb Achim Rohnke die aktuelle Situation der gesamten Branche vor wenigen Tagen so:

„Deutsche Filme und Serien werden im Ausland gedreht, in Babelsberg und Berlin stehen die Studios leer … Wo andernorts Dynamik herrscht, verharrt Deutschland im Stillstand.“

Bitter. Und wir antworten mit einem Weiter-so.

Dabei scheint die Lösung so schwer nicht zu sein. Unsere Nachbarn machen es uns vor: Spanien, Großbritannien, Tschechien und zuletzt Österreich. Die Lösung: Steuer- oder Zuschusssysteme, unbürokratisch, ohne lange Antrags- und Entscheidungswege, einfach und planbar, auch über mehrere Jahre hinweg, weg von Entscheidungsrunden in den Hinterzimmern. Und es wirkt: Eine befreite Filmindustrie schafft dort Arbeitsplätze und Filmerfolge.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Wenn das Bekenntnis des Bundeskanzlers zu einer weitreichenden Entscheidung für den deutschen Film im nächsten Jahr diese Reform auch für Deutschland sieht, stehen wir Liberale an seiner Seite. Es wäre ein wichtiges, ein überfälliges Signal an eine zutiefst verunsicherte Branche.

Anders dagegen Vorschläge, die seit letzter Woche kursieren, wohl direkt aus dem Giftschrank der Bundeskultur. Wer sie da nur hineingestellt hat? Statt eines Befreiungsschlags soll Bevormundung kommen, statt die Zukunft der Branche zu ermöglichen, soll ihr ein Korsett angelegt werden. Eingriffe in die Vertragsfreiheit, eine der elementaren Grundlagen unserer sozialen Marktwirtschaft, mit staatlich verordneten Nachschlagszahlungen oder einem sogenannten Rechterückfall sollen vorgenommen werden.

Es soll eine Investitionsverpflichtung zum Einkauf von deutschen Filmprodukten durch Fernsehsender und Streamer von sage und schreibe 20 Prozent des eigenen Umsatzes geben, auch wenn das europarechtlich gar nicht geht; 75 Prozent davon in originär deutschsprachigen Produktionen, obwohl der Filmmarkt ein weltweiter Markt ist und die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg auf der Tagesordnung steht. Dieses filmpolitische Klein-Klein wird es mit uns nicht geben.

Der deutsche Film braucht eine Zukunft. Für die kulturelle Filmförderung haben wir ein Instrumentarium, das die notwendige Unterstützung liefert. Wenn wir aber den deutschen Film und deutsche Filmproduktionen in den Kinos, Sendern und Streamern in Europa und der Welt erleben wollen, dürfen wir der Branche kein Korsett anlegen. Damit rauben wir ihr die Luft.

Mit einer steuerlichen Anreizförderung geben wir der deutschen Filmbranche die Luft zum Atmen. Wir geben ihr Möglichkeiten, im Wettbewerb mit anderen europäischen Filmstandorten zu bestehen, internationale Produktionen in Deutschland abzudrehen und so den deutschen Film auf die Weltbühne zurückzubringen. Dies zu schaffen, ist unsere Aufgabe, im Dialog im Parlament, im Dialog mit der ganzen Branche und nicht durch einsame Entscheidungen.

Wenn wir dies schaffen, geben wir dem deutschen Film und der deutschen Filmwirtschaft eine Zukunft. Wenn wir dies schaffen, können wir uns auf eine vergnügliche, spannende, unterhaltsame und manchmal auch nachdenkliche oder traurige Zeit mit deutschen Filmen oder Filmen aus Deutschland freuen – idealerweise im Kino, aber sicherlich manchmal auch auf der Couch.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der LINKEN
Porträt von Dorothee Bär
Foto: CSU Landesleitung / Christian Kaufmann
18 Vermerkeca. 769 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich wollte eigentlich einen ganz anderen Einstieg wählen, aber dann hat mich meine Kollegin Michelle Müntefering inspiriert.

Sehr gerne, Frau Kollegin!

Ich danke ihr ganz herzlich dafür und möchte auch mit einem Zitat von Martin Scorsese starten. Er hat nämlich wörtlich gesagt:

„Wir … protestieren gegen das schädliche, unprofessionelle und unmoralische Verhalten von Staatsministerin Claudia Roth, die den geschätzten künstlerischen Leiter Carlo Chatrian … zum Rückzug gezwungen hat.“

Das ist ein berühmtes Zitat aus dem Brandbrief an Claudia Roth,

Beifallbei der CDU/CSU

weil der Vertrag des künstlerischen Leiters der Berlinale nicht verlängert wurde. Also vielen herzlichen Dank, Frau Kollegin, dass Sie das hier noch mal aufs Tapet gebracht haben.

Die Frage stellt sich ja schon: Warum müssen wir heute genau diese Debatte führen?

Weil Sie vier Jahre lang nichts getan haben, Frau Kollegin!

Wir haben eigentlich schon längst über die ersehnte Novelle des Filmförderungsgesetzes sprechen wollen. Aber was legen Sie heute vor? Eine Verlängerung des bestehenden Filmförderungsgesetzes bis Ende 2024. Jetzt gibt es viele, die im Vorfeld sagen: Na ja, wenn die Bundesregierung nichts macht, dann macht sie wenigstens auch nichts kaputt.

Deshalb haben Sie vier Jahre lang nichts gemacht, Frau Kollegin!

Aber ich kann nur sagen: Beim Film ist das leider keine Option.

Das ist Schmarrn!

Und ich sage auch: Wir haben als Union der erneuten Verlängerung nur zugestimmt, weil die Folgen der Coronapandemie für die Filmwirtschaft und das Abgabeaufkommen der Filmförderanstalt jetzt erst belastbar abgeschätzt werden können und weil wir gleichzeitig auch die Erwartung haben – und deswegen bekommen Sie von uns noch mal die Verlängerung –,

Dann stimmen Sie also zu? Gute Entscheidung!

dass die notwendige und mehrfach angekündigte große Reform jetzt endlich auf den Tisch kommt.

Beifallbei der CDU/CSU

Und jetzt darf ich noch mal Michelle Müntefering zitieren, und zwar das, was sie selbst vorhin gesagt hat. Sie sagte vorhin: „Die Spannung steigt“. Ich sage ganz offen: Ich brauche in einer parlamentarischen Debatte bei einem Gesetzentwurf keine Spannung. Das ist im Kino völlig angebracht, aber sich selber als Regierung so anzuteasern: „Jetzt sind wir mal gespannt, was wir vorlegen. Wir wissen es nämlich selber noch nicht“, das finde ich, ganz ehrlich, schon ein bisschen dünn.

Heiterkeitund Beifall bei der CDU/CSU
Beifallbei Abgeordneten der LINKEN

Das ist ein bisschen zu wenig.

Zurufvon der SPD

Man kann zwar sagen: „Das ist alles lustig“, aber für die Branche ist es nicht lustig. Die Branche wartet dringend darauf. Sie braucht schnellstmöglich Planbarkeit und Verlässlichkeit. Alle Finanzierungsfragen sind offen. 2025 ist es zu spät. Wir müssen schneller wettbewerbsfähig werden. Die Rahmenbedingungen der nationalen, der internationalen Filmproduktionen verändern sich fundamental. Die Kinobesucherzahlen schwanken, das Zuschauer- und Nutzerverhalten verändert sich, Streamingdienste dominieren. Der deutsche Film ist in Gefahr.

Beifallbei der CDU/CSU

Und das war alles, was Sie heute in der Debatte dazu zu sagen hatten? Das ist doch nicht Ihr Ernst! Es geht um den Filmstandort Deutschland. Aber mehr als eine Verlängerung alter Regularien hat diese Regierung nicht im Köcher? Das ist mehr als eine magere Halbzeitbilanz. Ihre Prioritätensetzung ist abstrus.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben Flurschaden angerichtet. Und ich sage ganz offen: Statt Deutschland im Wettbewerb um globale Medienproduktionen zu stärken und den Filmstandort wieder attraktiver zu machen, besteht für Sie offensichtlich keine Notwendigkeit, auch ausländische Investitionen in unsere audiovisuellen Sektoren hineinzuziehen.

Jetzt muss der Bundeskanzler ran. Der Bundeskanzler, der sich bisher wahrlich weder als Entscheider noch als Macher in dieser Ampel profiliert hat, war jetzt zu einem Besuch in Babelsberg. Da hat er mahnend den Zeigefinger gehoben und hat quasi gesagt, die grünen Kabinettskollegen sollten auch mal ihre Hausaufgaben machen, weil der Standort keine Aufträge mehr bekommt. Gar keine! Stillstand! Babelsberg hat Kurzarbeit angemeldet, meine sehr geehrten Damen und Herren. Das hat diese Bundesregierung mit ihrer Kulturpolitik zu verantworten.

Nein, das war die Regierung davor!

Auch und vor allem zu verantworten hat sie, dass sie nicht längst gegensteuert. Frau Müntefering hat sich vorhin damit gebrüstet, wie viele runde Tische es jetzt mit der Branche gegeben hat. Ich kann nur sagen: Als wir unter der Leitung unserer Sprecherin Christiane Schenderlein mit Marco Wanderwitz gemeinsam einen runden Tisch für die Branche gemacht haben, waren wir als CDU/CSU-Bundestagsfraktion die Ersten, die das getan haben. Die Branche hat danach gelechzt; alle waren da!

Beifallbei der CDU/CSU

Die haben gesagt: Danke, dass ihr uns an einen Tisch holt. Danke, dass ihr mit uns sprecht; denn von der Regierung gibt es null Interesse, da kommt niemand.

Einmal! Wie lange? Anderthalb Stunden!

Bei unserem Filmempfang am Tag des Deutschen Filmpreises in diesem Jahr haben die Räumlichkeiten gar nicht gereicht, als wir in der PG waren. Die haben gesagt: Gott sei Dank ist die CDU/CSU noch der Hüter des deutschen Films; denn von der Ampel ist nichts zu erwarten.

Beifallbei der CDU/CSU
Lachenbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Deswegen sage ich Ihnen: Der deutsche Film ist Wirtschaftsgut und Kulturgut, und er hätte per se, per definitionem, auch eine Regierung verdient, die sich für ihn einsetzt.

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Komödie ist auch ein Film!

Liebe Filmschaffende, seien Sie froh, dass Sie wenigstens noch eine starke Opposition haben.

Wir sind an Ihrer Seite, und wir werden die Ampel weiter treiben.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
4 Vermerkeca. 723 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist schön, dass der Kollege Sacher vor mir sprach. Wir hatten diese Woche nämlich schon einen gemeinsamen Termin zum Thema, den ich mir vorgenommen hatte zu erwähnen. Wir waren am Dienstag gemeinsam im schönen Leipzig zur diesjährigen Filmkunstmesse und haben dort auf einem Podium miteinander und mit Vertreterinnen und Vertretern der Filmbranche diskutiert.

Die Stimmung, so will ich es mal sagen, ist, was die FFG-Reform betrifft, vorfreudig, aber auch angespannt; denn insbesondere die Kinos sind noch nicht da, wo sie vor Corona waren. Die Besucherzahlen sind noch nicht wieder so, wie sie vor Corona waren, und das bringt natürlich Probleme für die Kinos mit sich. Noch komplizierter ist es, weil es eben nicht die Kinos gibt, sondern es gut besuchte Häuser gibt, bei denen es wieder wie in Vor-Corona-Zeiten ist, und andere, die immer noch bis zu 40 Prozent weniger Zuschauerinnen und Zuschauer haben. Ein Punkt, der in der Diskussion eine Rolle gespielt hat, war, warum das so ist und was man dagegen tun kann.

Diejenigen, die in Kinos investieren konnten, die in das Erlebnis des Kulturorts Kino investieren konnten – die meisten konnten das, weil es das Zukunftsprogramm Kino gibt –, haben es geschafft, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer in größerer Zahl wiedergekommen sind.

Sehr richtig!

Deshalb die Forderung, die ich mir ausdrücklich im Namen meiner Fraktion zu eigen machen möchte: Wenn man so ein tolles Programm hat und wenn man so einen Investitionsstau vor allen Dingen in den ländlichen Räumen in den Kinos hat, dann ist das Schlechteste, was man machen kann, ein solches Programm zu kürzen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Petra Sitte [DIE LINKE]

Leider ist genau das passiert; so steht es im Haushaltsentwurf der Ampelregierung. Deswegen äußere ich die Bitte und die Hoffnung, dass wir alle hier das miteinander im parlamentarischen Verfahren geradeziehen. Ich glaube, dass man nicht um 5 Millionen Euro kürzen darf, sondern im Gegenteil 5 Millionen Euro mehr pro Jahr an dieser Stelle ausgeben muss,

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Petra Sitte [DIE LINKE]

da wir wissen, dass der Investitionsstau dreistellig ist.

Wir reden heute über die kleine Novelle. Wir verlängern um ein Jahr, um dann eine große Novelle zu machen. Vieles von dem, was Kollege Sacher angesprochen hat, sind ja schon Inhalte der großen Novelle, zu der uns die Eckpunkte der BKM vorliegen. Ich will allerdings darauf hinweisen, dass wir jetzt Mitte der Legislaturperiode haben und wir über den 1. Januar 2025 sprechen, also die Zeit nach der einjährigen Verlängerung, wir es also langsam mit einem sportlichen Verfahren zu tun haben. Denn in drei Monaten ist Weihnachten – alle müssen Geschenke kaufen –; dann beginnt das Jahr 2024. Insofern würde ich sagen: Der Kabinettsbeschluss müsste spätestens im ersten Quartal her, weil wir ja auch im Parlament noch darüber sprechen wollen.

Die Eckpunkte enthalten insbesondere bei den Themen „Einnahmeseite“ und „Förderung“ durchaus Wege, die nicht die einfachsten und naheliegendsten sind. Ich will damit sagen: Wenn wir über das Thema „steuerliche Förderung“ sprechen, dann sind natürlich, anders als jetzt beim DFFF und dem German Motion Picture Fund, die Länder mit an Bord; denn es geht auch um deren Steuermindereinnahmen. Insofern ist es, glaube ich, zumindest eine große Herausforderung, da zusammenzufinden.

Gleichwohl ist der Weg als solcher sicherlich kein schlechterer und kein besserer als der Weg über ein direktes Fördermodell. Er hat nur ein paar Hürden mehr, unter anderem hinsichtlich des Zusammenkommens mit den Ländern und natürlich bezüglich der Frage: Wie kriege ich das überjährig mit der Liquidität insbesondere für die kleinen und mittelständischen Betriebe hin?

Ganz berechtigte Frage!

Wir – das will ich auch ganz offen sagen – sehen bei den Eckpunkten, die jetzt vorgestellt wurden, Licht und Schatten. Wir können uns, glaube ich, sehr schnell darauf einigen, dass wir mehr automatische Förderung wollen, dass es bürokratieärmer sein soll. Dass die FFA zur Filmagentur umgebaut wird, ist eine gute Sache, ausdrücklich auch unter Mitgabe der Verantwortung der BKM für die aus Steuergeld finanzierte kulturelle Filmförderung, die wir natürlich weiterhin brauchen. Auch beim Thema Rechteteilung – das ist zu Recht angesprochen worden – haben wir Regelungsbedarf.

Natürlich ist aber zu hinterfragen, ob der Wegfall der Ersetzungsbefugnis durch Medialeistungen so eine gute Idee ist. Wir wissen doch eigentlich, dass wir den Verleih stärken müssen und das An-die-Menschen-Bringen von Filmen ein wichtiges Thema ist. Trotzdem sollen die Medialeistungen entfallen? Das halte ich nicht für die allerbeste Idee.

Auch die angedachte pauschale Erstreckung der Investitionsverpflichtungen auf private wie öffentlich-rechtliche Fernsehsender überzeugt mich bisher noch nicht.

ca. 10 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das tue ich, lieber Herr Kollege, lieber Herr Vizepräsident, selbstverständlich.

2 Vermerkeca. 17 WörterReaktionswert: ruhig
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Um noch einen letzten Satz zu sagen: Wir müssen vor allen Dingen die Kinos stärken.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
4 Vermerkeca. 432 WörterReaktionswert: niedrig
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ach, Herr Hacker, da sind wir ja jetzt vielleicht Zeugen eines neuen Koalitionsstreits geworden.

Jawohl! Genau so!

Katrin Budde [SPD], an die CDU/CSU gewandt: Nun mal nicht so laut bei der CDU/CSU! Sie haben nichts hingekriegt in der letzten Legislatur!

Das ist interessant, vor allem vor dem Hintergrund, dass diese Verlängerung ja eigentlich im nächsten Jahr in eine umfassende Reform münden soll. Ich hoffe sehr, dass Sie, wenn Sie etwas vorlegen, es dann konzertiert vorlegen. Sonst findet wieder eine öffentliche Debatte zwischen Betroffenen statt, die alle aufhält, aber am Ende vielleicht zu unterschätztem bzw. zu wenig Erfolg führt.

Die Erwartungen an die Reform sind also ziemlich groß. Aus unserer Sicht will ich mal drei zentrale Punkte nennen; da gibt es eine gewisse Schnittmenge zu den bisherigen Redebeiträgen.

Erstens. Die kulturelle Filmförderung muss gestärkt werden. Mithin – es ist ja schon gesagt worden – haben wir es mit einem Systemwechsel zu tun: Weg von der Antragsförderung, hin zu einer quasi automatischen Förderung. In der Tat wäre das für viele erlösend, weil sie sich mit diesem ganzen Papier- oder Digitalkram nicht mehr rumschlagen müssen – wenn es denn digital überhaupt möglich ist.

Also, es sprechen gute Argumente dafür. Es gewährleistet Planbarkeit und lässt Filmschaffende, wie schon gesagt, freier handeln. Umso mehr müssen aber die Instrumente gestärkt und ausgeweitet werden, die Filme explizit als Kulturgut und das Kino selbst als Kulturort fördern.

Beifallbei der LINKEN

Das muss eine tragende Säule sein und kein schmückendes Beiwerk. Der künstlerische und experimentelle Film mag ein Wagnis an der Kinokasse sein, aber er hat eben auch das Potenzial für filmische Innovation – und warum denn auch nicht mit öffentlichen Geldern?

Das erfordert – zweitens – eine verlässliche Finanzierung, für die gerade im Bereich der kulturellen Förderung eben Haushaltsmittel notwendig sind. Der Verweis auf neue Instrumente wie die Investitionsverpflichtung, die Sie gerade kritisiert haben – wir meinen, das ist durchaus bedenkenswert –, sollte dann aber auch für den Bund bedeuten, sich nicht gänzlich aus der Verantwortung zu stehlen.

Wir haben es jetzt mit einem Kürzungshaushalt zu tun. Herr Wanderwitz hat es ja vorhin schon gesagt: Sie beginnen den Systemwechsel mit einer Kürzung. Das passt nicht zu den Absichten, die Sie eigentlich formuliert haben.

Beifallbei der LINKEN

In manch kleinerer Gemeinde ist das Kino der einzige Kulturort und damit eben auch sozialer Treffpunkt. Diese Kinos verbessern dann die Lebensqualität, stärken die Gemeinschaft und fördern kulturelle Vielfalt.

Beifallbei der LINKEN sowie der Abg. Gitta Connemann [CDU/CSU]

Drittens ist aus unserer Sicht wichtig: Die Arbeitsbedingungen in der Filmwirtschaft müssen dringend verbessert werden. Einschlägige Erhebungen zeigen prekäre Beschäftigung, ungenügende Bezahlung, übermäßigen Arbeitsdruck. Das steht alles auf der Tagesordnung in dieser Branche. Wer Diversität fördern will – das hat sich ja Frau Claudia Roth völlig zu Recht auf die Fahne geschrieben –, muss auch sehen, dass die bestehenden Strukturen nicht nur viele Menschen ausschließen, sondern auch Machtmissbrauch und Diskriminierung fördern.

2 Vermerkeca. 17 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Letzter Satz. – Wir brauchen in dieser Reform also unbedingt verbindliche Sozialstandards in allen Bereichen dieses Fördersystems.

Danke.

Beifallbei der LINKEN sowie der Abg. Katrin Budde [SPD]
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Anikó Glogowski-Merten [FDP]
Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
9 Vermerkeca. 712 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es gibt ja die Gnade des Vergessens.

Das macht der Bundeskanzler jeden Tag!

Man vergisst erstens auch leicht, dass das Amt der BKM mal anders besetzt war – Frau Bär, regen Sie sich doch nicht so auf! –,

Ich rege mich doch gar nicht auf!

dass andere auch Verantwortung trugen und nicht immer Corona dafür herhalten kann, dass wir uns jetzt mit der Generalnovellierung der Filmförderung beschäftigen. Dass das nicht vorherige BKM gemacht haben, liegt nicht an uns, sondern an den vorherigen BKM.

Katrin Budde [SPD], an die CDU/CSU gewandt: Das hätte vor Corona fertig sein können! Sie waren nicht in der Lage dazu!

Das ist, glaube ich, ziemlich eindeutig.

Zweitens haben wir aus Ihrer Sicht vielleicht eine etwas merkwürdige Vorstellung von Parlament: Wir sind davon überzeugt.

Wir sind selbstbewusste Parlamentarier, und es geht uns um Gesetzgebung. Deshalb verhandeln und entscheiden letztlich wir über Gesetze, und niemand sonst.

Deswegen gibt es Bürgergeld! Liebe zum Parlament! I love it!

So werden wir es auch in diesem Fall halten und dabei gut streiten, diskutieren und am Ende hervorragende Ergebnisse zeigen.

Wenn wir uns vielleicht mal vergegenwärtigen, worum es eigentlich geht, sollten wir uns einen Film vor Augen führen, der dieses Jahr auch mehrfach preisgekrönt wurde: „Holy Spider“, eine dänische Produktion, aber unter anderem von der FFA und auch vom DFFF umfassend gefördert. Dieser Film, vor der Ermordung von Jina Mahsa Amini gedreht, zeigt die Realität des Mullah-Regimes in all ihrer Bitterkeit am Beispiel eines Serienmörders. Da zeigt sich Film in seiner ganzen Kraft und geradezu prophetisch. Er seziert eine Gesellschaft und zeigt sie in ihrer Unmenschlichkeit und in ihrem Verstoß gegen die Würde. Das ist genau die Kraft des Films.

Deswegen: Es geht nicht einfach nur darum, den Markt zu fördern – das natürlich auch, aber nicht nur – und Fördersysteme zu verwirklichen, sondern es geht letztlich um diese Kunstform, die sowohl Markt ist als auch Kunst. Sie zum Blühen zu bringen: Das ist unsere Aufgabe, das ist unser Job, und diesem fühlen wir uns verpflichtet.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dafür liegen nach unterschiedlichsten, ausführlichen Hearings und Debatten in meiner Fraktion Vorschläge auf dem Tisch. Wir haben jetzt Ideen, Eckpunkte seitens der BKM. Nun beginnt die Debatte, für die wir durch diese Verlängerung für das FFG 2024 jetzt Zeit gewonnen haben. Aber 2025 muss der große Wurf dann tatsächlich Realität sein.

Ja, das ist sehr richtig!

Das haben wir versprochen, und da sind wir auch entsprechend in der Pflicht.

Es wird eine intensive Debatte sein. Da brauchen Sie gar nicht zu lachen.

Dorothee Bär [CDU/CSU]: Wer lacht denn? Wir lachen nicht!

Wir tun nämlich, was andere nur angekündigt haben. In dieser Debatte wird es darum gehen: Was ist mit der Frage der Investitionsverpflichtung, dem Rechtebehalt, Tax Incentives? Vorgeschlagen ist ein Kombimodell. Darüber und über dessen Ausgestaltung werden wir zu diskutieren haben. Es wird um die Frage einer Stärkung automatisierter Referenzförderung gehen, gleichzeitig aber um die Weiterentwicklung der selektiven Förderung und um die Frage: Wie bringen wir das alles zusammen unter dem Dach einer starken FFA? Es gibt auch, jedenfalls außerhalb der kursierenden Vorschläge, Überlegungen zu einer Filmbank. All das ist im Topf.

Generell geht es darum: Wie werden wir umfassend – unter Infragestellung alles Bestehenden, unter radikaler Weiterentwicklung – unsere gesamte Filmförderlandschaft effizienter, besser gestalten, vor allem im Hinblick auf die Produzierenden, die Unternehmenden und die Künstler/-innen? Das ist die Aufgabe, vor der wir stehen. Dass wir uns diese große Aufgabe vornehmen, ist überfällig und zwingend notwendig. Und wenn wir das tun, dann vergessen wir aber bitte nicht diejenigen, ohne die das nicht möglich wäre.

In meiner Stadt ist gerade der Kaufhof geschlossen worden, und eine Minute nach der angekündigten Schließung begann die Debatte: Was wird aus dem Standort? Dieser Kaufhof war aber erst durch diejenigen möglich, die dort arbeiteten. Und Film ist nur möglich durch diejenigen, die am Film arbeiten, durch diejenigen hinter und vor der Kamera, und insbesondere durch die Schauspielerinnen und Schauspieler. Deshalb kann man, wenn man von einer Generalrevision der Filmförderung und der Kulissen der Filmförderung spricht, nicht schweigen von den Arbeitsbedingungen. Also müssen wir reden über Tarifbindung, wir müssen reden über Allgemeinverbindlichkeitserklärungen.

Widerspruchder Abg. Gitta Connemann [CDU/CSU]

Das ist aber nicht nur eine Frage der Sozialpartnerschaft, sondern da, wo wir bundesseitig fördern, haben wir auch das Recht und die Möglichkeit, Bedingungen für diese Förderung zu setzen. Das betrifft anständigen, würdevollen Lohn gerade auch für Schauspielerinnen und Schauspieler, die eben nicht immer hervorragend verdienen, sondern allzu oft prekär. Das bedeutet auch, uns die toxischen und zum Teil unerträglichen Arbeitsverhältnisse anzuschauen. Ganz recht hatte Jasmin Shakeri, als sie beim Deutschen Filmpreis sagte: Das große, das eigentliche Problem ist nicht der Schweiger, sondern es sind die Schweiger.

Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
ca. 11 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Zu diesen Schweigern dürfen wir nicht schweigen, sondern wir werden reden, –

Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
ca. 2 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– streiten, diskutieren.

Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
2 Vermerkeca. 17 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das Ende wird eine hervorragende neue Filmförderge– –

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Nächste Rednerin ist die Kollegin Dorothee Bär, CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Ates Gürpinar
Foto: Ates Gürpinar/ Olaf Krostitz
6 Vermerkeca. 561 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Mit unserem heutigen Antrag möchte Die Linke verhindern, dass die Regierung die Unabhängige Patientenberatung gänzlich gegen die Wand fährt. Und wer heute Morgen schon anwesend war, der wird wissen, dass die Ampel sich beim Transparenzgesetz für ihre Nähe zu Patientinnen und Patienten sehr auf die Schulter geklopft hat. Ich sage: Wir haben schon damals mit Blick auf die Unabhängige Patientenberatung davor gewarnt, dass das ein Problem werden könnte. Das ist jetzt eingetroffen, wie wir heute sehen. Ich möchte Sie noch einmal auffordern, beim Transparenzgesetz sehr genau darauf zu schauen, ob das wirklich so nah am Patienten ist.

Aber zur Sache, der Reihe nach. 2016 privatisiert der damalige Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Herr Laumann von der CDU, die UPD und gibt sie in die Hand eines Callcenter-Unternehmens. Seitdem passierte das, was bei einer solchen Privatisierung eben passiert: Die Beratungsleistungen rauschen in den Keller. Beitragsgelder der Versicherten in Millionenhöhe fließen an den Mutterkonzern, und das ruft selbst den Rechnungshof auf den Plan. Die Ampel verspricht 2021, eine Patientenstiftung zu gründen und dieser die Unabhängige Patientenberatung anzuvertrauen. Das Ziel, wie der Name eigentlich sagt: unabhängig und staatsfern Patientinnen und Patienten beraten.

Aber was macht die Regierung tatsächlich? Zunächst verantworten Sie, dass die Krankenkassen wieder die Zahlung übernehmen. Das war schon einmal so, und das ging schon einmal schief. Dagegen wehren sich sogar die Krankenkassen selbst. Das Absurde dabei ist: Nach dieser Erfahrung machen Sie auch noch den Bock zum Gärtner; denn die meisten Probleme, zu denen die Versicherten bei der Unabhängigen Patientenberatung Rat gesucht haben, betrafen die Krankenkassen selbst. Weil die Krankenkassen die Beratung bezahlen sollen, verzögern sie das Projekt.

Nach langem Geziehe und Gezerre gibt es dann ein Ergebnis. Bei der Mittelverwendung der vermeintlich Unabhängigen Patientenberatung haben die Kassen eben die Hand drauf. Und dann wird langsam klar, dass im Stiftungsrat der eigentlich staatsfernen Beratung Vertreter der Regierung sitzen werden. Die Patientenorganisationen sagen zu Recht, dass sie sich an einer solchen Beratung nicht beteiligen werden, wenn die Kassen reinregieren.

Beifallbei der LINKEN

Dann stehen sie – zu Recht – als Feigenblatt nicht zur Verfügung. Und wenn das passiert, übernimmt laut Gesetzesregelung das Gesundheitsministerium die Besetzung der Schlüsselstellen, und zwar über den Patientenbeauftragten. Ich sage mal so: Staatsfern ist anders.

Beifallbei der LINKEN

Noch entscheidender: Anfang 2024 soll es losgehen. Es gibt keine Anzeichen, dass das Vorhaben realisiert wird. Stattdessen wurde allen bisherigen Beratern gekündigt. Das gesammelte Know-how der aktuellen Beraterinnen und Berater droht verloren zu gehen. Die gesamte Infrastruktur wird zusammenbrechen und muss unter den Vorzeichen des Fachkräftemangels insbesondere in den entscheidenden Bereichen wieder mühsam aufgebaut werden. Nicht einmal die Büroräume wird die neue UPD übernehmen können. Glückwunsch, liebe Ampel!

Beifallbei Abgeordneten der LINKEN

Wir sagen jetzt mit unserem Antrag: Ziehen Sie die Reißleine, um einen völligen Zusammenbruch des Beratungsangebots im kommenden Januar zu verhindern! Verlängern Sie jetzt die Frist, um eine neue Patientenstiftung aufzubauen, die diesen Namen verdient und eine Beratung im Patienteninteresse anbietet! Heilen Sie die offensichtliche Fehlkonstruktion der Anbindung an die Krankenkassen! Das schlagen wir in unserem Antrag vor. Damit wird die Beratung unabhängig, staatsfern, und vor allem würden Sie den Patientinnen und Patienten helfen.

Vielen Dank.

Beifallbei der LINKEN
Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wow! Keine Drohungen!

Ich werde es genauso machen wie mein Vorgänger, Vizepräsident Kubicki. Das Sitzungsende liegt immer noch weit nach Mitternacht. Wir werden natürlich allen ihr Rederecht gewähren, aber hier nichts verzögern.

Wir fahren in der Debatte fort. Das Wort hat Martina Stamm-Fibich für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
9 Vermerkeca. 706 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin seit 2013 Abgeordnete des Deutschen Bundestages und genauso lange Mitglied im Ausschuss für Gesundheit. Und es klingt fast wie ein schlechter Witz: Von diesen zehn Jahren habe ich mich sieben Jahre mit der Unabhängigen Patientenberatung befasst.

Die Kritik der vergangenen Jahre an der Unabhängigen Patientenberatung reichte von der mangelnden Vernetzung mit anderen Beratungsangeboten über Zweifel an der Unabhängigkeit bis hin zum übermäßigen Abfluss von Fördermitteln an die Eigentümerin. Hinzu kam, dass durch das Ausschreibungsverfahren Brüche in der Beratungstätigkeit vorprogrammiert waren und es keine echte Anbindung an die Patientenvertretung gab.

Deshalb war ich im März genau an dieser Stelle hier so euphorisch und hoffnungsvoll, dass jetzt endlich eine andere Zeit beginnt, eine, in der die Unabhängige Patientenberatung tut, was sie tun soll: Patientinnen und Patienten beraten, und das unabhängig und als Stiftung finanziert. Denn das Recht auf Aufklärung und Information ist ein bedeutendes Recht für Patientinnen und Patienten hier in Deutschland. Damit meine ich nicht das Recht, Dr. Google zu befragen und sich Informationen selbst zusammenzusuchen, und auch nicht das Recht, den behandelnden Arzt um eine Erklärung zu bitten. Um das Recht auf Aufklärung und Information durchsetzen zu können, brauchen wir eine funktionierende, unabhängige Beratungsstelle, eine Beratungsstelle, von der möglichst jede und jeder schon mal gehört hat, eine Beratungsstelle, die digital wie analog erreichbar ist, die lotst, die erklärt, die Fragen beantwortet, und zwar unabhängig und im Sinne des Patientenwohls.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Deshalb haben wir im März dieses Jahres gesetzlich geregelt, dass die UPD in eine Stiftung überführt wird. Der GKV-Spitzenverband wurde mit der Errichtung der Stiftung beauftragt, und diesem Auftrag kommt er nach. Das Stiftungsgeschäft und die Stiftungssatzung liegen der Stiftungsbehörde seit dem 15. September vor,

Na, dann kann ja nichts mehr schiefgehen!

und der Patientenbeauftragte hat das Benennungsverfahren für den Stiftungsrat begonnen. Ich kann hier keinen Kollaps erkennen, und ich gehe vor diesem Hintergrund auch fest davon aus, dass die Stiftung UPD wie geplant zum 1. Januar 2024 ihre Tätigkeit aufnehmen wird.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der FDP und der Abg. Linda Heitmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Vom Feeling her habe ich ein gutes Gefühl!

Dass der derzeitige Beratungsbetrieb zu Anfang Dezember eingestellt wird, ist nichts Neues; denn auch in der Vergangenheit wurde der Beratungsbetrieb nach Ablauf des Förderzeitraums eingestellt und mit Beginn des neuen wieder aufgenommen. Dieses Verfahren ändern wir nun endlich mit der Gründung dieser Stiftung. Der Dezember 2023 wird der letzte Dezember sein, in dem die Beratungstätigkeit unterbrochen wird, um Urlaubsansprüche und Überstunden abzugelten und die Räumlichkeiten zu renovieren. Laut GKV-Spitzenverband soll aber das Wissensmanagement der derzeitigen UPD bereits Anfang Oktober auf einen Server des GKV-Spitzenverbandes übertragen werden. Damit kann der Beratungsbetrieb der Stiftung UPD parallel zur Abwicklung des alten Betriebes aufgebaut werden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, als ehemalige Betriebsrätin wünsche ich mir einen guten und verantwortungsbewussten Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der jetzigen UPD und eine verlässliche Perspektive.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die nähere Ausgestaltung des Beratungs- und Informationsangebots obliegt nun dem Stiftungsvorstand. Er entscheidet über das Anforderungsprofil und die Übernahme der jetzigen Beschäftigten. Und ich hoffe sehr, dass er sich seiner Verantwortung bewusst ist – seiner Verantwortung für die Beschäftigten der UPD und seiner Verantwortung für die Patientinnen und Patienten in Deutschland. Denn sie sind es, die am Ende davon profitieren, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt werden, die Fachwissen mitbringen und sich in der Patientenberatung bereits auskennen.

Nach sieben Jahren Beschäftigung mit den Problemen der Unabhängigen Patientenberatung ist es an der Zeit, dass diese Probleme gelöst werden.

So ist es! Dauerhaft!

Und ja, wir wussten alle miteinander, dass es nicht ganz einfach werden würde. Wir haben uns alle einen Kopf gemacht, übrigens auch schon in der letzten Legislatur. Auch da wusste der Minister, dass es nicht ganz so einfach werden würde mit der Überführung in eine Stiftung.

Die Leute sind auch nicht gekündigt worden und standen nicht auf der Straße!

Ich möchte den beteiligten Akteuren glauben, dass wir am 1. Januar 2024 in eine funktionierende und endlich unabhängige Beratung starten und dass wir auch im Dezember ein ausreichendes Beratungsangebot haben, damit Patientinnen und Patienten nicht im Regen stehen oder – anders gesagt – dass wir das Patientenrecht auf Aufklärung und Information endlich und durchgängig zufriedenstellend erfüllen. Doch sollte sich abzeichnen, dass eine Patientenberatung weder im Dezember noch im Januar gewährleistet werden kann oder dass die Qualität der Beratung zu wünschen übrig lässt, fordere ich Ehrlichkeit von den beteiligten Akteuren.

Zurufdes Abg. Ates Gürpinar [DIE LINKE]

Denn dann müssen wir sehr schnell eine neue Lösung finden und umdenken.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Georg Kippels
Foto: Dr. Georg Kippels/ Tobias Koch
8 Vermerkeca. 552 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Verehrte Damen und Herren! „Und täglich grüßt das Murmeltier“, oder anders formuliert: Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.

So ist es!

Das trifft auf nahezu jedes Gesetzesvorhaben der Ampel zu und hier in ganz besonders eklatantem Maße.

Aber ein kurzer Blick zurück auf das Jahr 2000. Es entstand die gute Idee, mit einer unabhängigen Patientenberatung im Rahmen eines Modellvorhabens Patientinnen und Patienten die Möglichkeit zu geben, sich neutral und kostenlos beraten zu lassen – damals eine gute Idee und unverändert auch heute noch eine gute Idee. Es gab eine Ausschreibung der Trägerschaft, und es kam zu einer Zusammenarbeit zwischen dem Sozialverband VdK und der Verbraucherzentrale.

Im nächsten Ausbauschritt kam es im Jahre 2016 zur Vergabe an den privaten Dienstleister Sanvartis. Schon zu diesem Zeitpunkt regten sich Abwehrreflexe einiger Vertreter der Ampel nach dem Motto: Privates Kapital, private Einrichtungen, die auch für Krankenkassen arbeiten – das kann doch unter keinen Umständen neutral sein! – Wir hatten also eine Misstrauenskultur von der ersten Minute der Vergabe an Sanvartis an, und es wurde sich auf die Suche nach einer anderen Gestaltung begeben.

Jetzt, nach dem Regierungswechsel, hat die Ampel sich für die durchaus anspruchsvolle Form der Stiftung entschieden, weil sie unabhängig und staatsfern ist, weil sie in der Öffentlichkeit hohe Glaubwürdigkeit genießt. Sie steht für Neutralität, Gemeinnützigkeit und Unabhängigkeit. Ich will nicht spekulieren, ob die Beratung vielleicht von der Stiftungsspezialistin Manuela Schwesig vorgenommen worden ist, die ja über einschlägige Erfahrungen verfügt.

Heiterkeitder Abg. Simone Borchardt [CDU/CSU]

Na, na, na!

Aber Tatsache ist jedenfalls: Wir stehen hier und heute wegen dieser komplizierten Konstruktion vor einem Scherbenhaufen.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Heike Baehrens [SPD]

Im Mai wurde das Gesetz verabschiedet, und bis zum 31. Dezember dieses Jahres besteht noch die Möglichkeit, alle sehr komplizierten und aufeinander aufbauenden Schritte der Gründung und der Bildung der einzelnen Gremien zu vollziehen. Kurz nach der Gesetzesverabschiedung gab es auch schon wieder einen kleinen Riss in der Unabhängigkeit, weil sich die GKV doch dazu verstiegen hatte, ihre Mitwirkungsrechte im Rahmen des Haushalts als unzureichend zu betrachten.

Ein großes Lob an die Unabhängigkeit, ein großes Lob an die Neutralität! Aber Tatsache ist jedenfalls, dass sich das, was die ganze Zeit kritisiert wurde, hier nun eklatant manifestiert.

Wir haben eine Übergangsphase, in der höchster Zeitdruck herrscht. Wir haben ausgesprochene Kündigungen, die die Mitarbeiter mit sofortiger Wirkung freisetzen

So ist es!

und die vor allen Dingen zur Folge haben, dass weder die Mitarbeiter noch die UPD Planungssicherheit haben. Wir haben das Problem, dass Abschaltungen stattfinden. Verehrte Frau Stamm-Fibich, wie sieht es bei einer Übertragung der Daten auf den Server der GKV mit der Neutralität und Unabhängigkeit aus,

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der LINKEN

vom Datenschutz mal ganz zu schweigen?

Die Tatsache, dass die Mitarbeiter jetzt auf einen sehr zweifelhaften Jahreswechsel blicken, kann unter keinen Umständen akzeptiert werden. Liebe SPD, Sie waren doch einmal eine Arbeitnehmerpartei. Wo ist denn dieser Geist geblieben?

Beifallbei der CDU/CSU

Wir brauchen eine entschlossene Aktion. In dieser Woche hat die UPD angekündigt, sie sei bereit, mit einer entsprechenden Zusage für eine Verlängerung von neun plus drei Monaten die Arbeiten parallel zu einem dann solide ablaufenden Gründungsprozess fortzuführen. Es gibt keine Unterbrechung. Es gibt eine soziale Perspektive für die Mitarbeiter der UPD. Es gibt also Sicherheit im System.

Seien Sie mutig, machen Sie einen entschlossenen Befreiungsschlag, treffen Sie diese Entscheidung im Interesse der Patienten, im Interesse der Arbeitnehmer, im Interesse der deutschen Gesundheitswirtschaft! Die Uhr tickt. Geben Sie sich einen Ruck!

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Linda Heitmann
Foto: Linda Heitmann / Oliver Hadji
6 Vermerkeca. 755 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen der verschiedenen Fraktionen! Liebe Zuhörende auf den Tribünen zu so später Stunde! Vorweggeschickt möchte ich einmal zitieren, was wir im Koalitionsvertrag vereinbart haben:

„Die Unabhängige Patientenberatung … überführen wir in eine dauerhafte, staatsferne und unabhängige Struktur unter Beteiligung der maßgeblichen Patientenorganisationen.“

In diesem einen Satz stehen gleich vier Attribute, die wichtig sind: dauerhaft, staatsfern, unabhängig und unter Berücksichtigung der maßgeblichen Patientenorganisationen. Genau diesen Auftrag haben wir als Bundestag mit der Verabschiedung des Gesetzes Ende März erfüllt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das stimmt nicht!

– Doch, das stimmt. – Liebe Linke, Sie schreiben selber in Ihrem Antrag, Herr Gürpinar, dass Fehlentscheidungen aus Zeiten der GroKo Richtung Privatisierung und Interessenskonflikte bezüglich des Trägers jetzt endlich rückgängig gemacht werden. Sie schreiben auch richtigerweise, dass die Hauptverantwortung wieder bei den maßgeblichen Patientenorganisationen liegen muss. UPD – Unabhängige Patientenberatung, nur so macht das Sinn. Das ist richtig. Dieser Teil der Einleitung in Ihrem Antrag ist goldrichtig.

Aber, liebe Linke, was ich an Ihrem Antrag wirklich nicht verstehe, ist: Einmal mehr stellen Sie hier die Finanzierungsform infrage. Sie stellen hier einmal mehr den Antrag, die UPD aus Steuermitteln zu finanzieren, und wollen damit die gesamte Debatte um die UPD noch einmal neu aufmachen. Sie wollen, dass wir den Gesetzgebungsprozess noch einmal ganz von vorne beginnen. Ich habe an dieser Stelle schon mehrfach deutlich gemacht, warum ich es nicht sinnvoll finde, die UPD aus Steuermitteln zu finanzieren. Das wichtige Attribut aus dem Koalitionsvertrag lautet an dieser Stelle: staatsfern. Bei jedem neuen Bundeshaushalt würden wir wieder über die Höhe der Zuwendungen diskutieren. Jedes Mal wieder würde das zur Debatte stehen, und wahrscheinlich würde aus irgendeiner Fraktion dieses Hauses jedes Mal wieder der Antrag kommen, bei der UPD zu kürzen. Das ist nicht staatsfern, und deshalb haben wir das auch so nicht gemacht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

GKV und PKV haben den gesetzlichen Auftrag, ihren Versicherten eine unabhängige Patientenberatung zu ermöglichen. Genau diese Beratung kann die UPD leisten. GKV und PKV – Sie haben schon häufig suggeriert, dass es anders wäre – haben in den letzten Jahren finanzielle Verantwortung übernommen, und sie werden es auch künftig tun, und genau das ist auch gut so. Ich finde, es ist jetzt wirklich wichtig, dass der Prozess nun reibungslos vonstattengeht, damit die reformierte UPD zum Arbeiten kommt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Ich gebe zu: Wir haben dieses Gesetz Ende März verabschiedet. Ich hätte mir auch von dem einen oder anderen Verantwortlichen gewünscht, dass er ein bisschen mehr Elan und Pfeffer unterm Hintern bei der Stiftungsgründung an den Tag legt. Ich gebe zu: Vieles ist zu langsam gelaufen. Aber im Ausschuss gestern wurde noch einmal deutlich gemacht, welches die nächsten Schritte sind, die gegangen werden müssen. Wir machen jetzt die Benennung des Stiftungsrates, die Benennung des Vorstandes, die Prüfung der Satzung durch die Stiftungsaufsicht geschieht jetzt, es gibt die Bereitstellung des Stiftungsvermögens und dann letztlich auch die Bestellung des Beirates. Der Zeitplan ist ambitioniert. Ich finde, es ist wichtig, dass die Patientenorganisationen bei jedem einzelnen Schritt direkt dabei sind, dass sie in alle Schritte eng eingebunden werden, damit sie sich auf die Arbeit ab dem 1. Januar 2024 gut vorbereiten können.

Wenn es irgendetwas gibt, was wir als Gesetzgeber noch tun können, um die Beratung besser in Gang zu bringen oder auch um Hilfe zu leisten, wenn die Beratung in den ersten Monaten gegebenenfalls nur digital oder nur telefonisch oder insgesamt etwas eingeschränkt stattfinden muss, dann tun wir das auch. Wir als Gesetzgeber sind auf jeden Fall zu jeder Hilfe bereit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Meine Kollegin Martina Stamm-Fibich hat schon einiges zur Verantwortung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesagt. Diese hatten Verträge direkt bei dem bisherigen Träger. Leider mussten die Verträge im Zuge des Trägerwechsels aufgelöst werden. Das ist bitter. Aber das Know-how, das diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den letzten Jahren angesammelt und erworben haben, wird auch künftig wertvoll sein, wenn sie sich bei der neuen UPD bewerben und in der neuen Struktur mitarbeiten wollen. Da bin ich mir sicher.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ich bin mir auch sicher, dass es für einen Neustart der UPD vor allem Planungssicherheit braucht. Es braucht jetzt Planungssicherheit für die Patientenorganisationen, für die Patienten und für alle am Prozess Beteiligten. Genau das schaffen Sie, liebe Union, vor allem aber auch liebe Linke, mit Ihren Anträgen nicht, sondern Sie schaffen neue Verunsicherung, indem Sie uns auffordern, den gesamten Prozess noch einmal neu aufzurollen. Gehen Sie doch bitte einmal in sich, und überlegen Sie, ob das so hilfreich ist. Ich glaube, es wäre wichtiger, dass wir als Parlament alle, die an der UPD beteiligt sind, gut unterstützen und geschlossen wirken, damit diese auch zum 1. Januar an den Start gehen kann.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Christina Baum
Foto: Dr. Christina Baum/Fotodienst Bundestag
3 Vermerkeca. 352 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Unabhängige Patientenberatung ist eine Institution, an die sich Bürger in Gesundheits- und Rechtsfragen wenden können und wo sie kostenlos von qualifizierten Mitarbeitern beraten werden. Für diese Mitarbeiter ist es nun fünf vor zwölf; denn mit dem Mitte März verabschiedeten Gesetz zur Reformierung der UPD und Änderung der Rechtsform wurde das Aus dieser Beratungsstellen bis Ende des Jahres beschlossen. Die bis dahin in wechselnder Trägerschaft stehende Organisation soll nun ab dem 1. Januar 2024 als Stiftung unter der Schirmherrschaft der gesetzlichen Krankenversicherung tätig werden. Alle bisherigen Mitarbeiter werden entlassen. Die Arbeitsverträge erfahrener und hochqualifizierter Mitarbeiter lässt man enden, obwohl sicherlich eine Weiterbeschäftigung auch nach dem Wechsel der Rechtsform und des Trägers möglich gewesen wäre.

Um auf ihre brenzliche Situation aufmerksam zu machen, demonstrierten deshalb die noch verbliebenen Mitarbeiter der UPD am Mittwoch, dem 5. Juli 2023, vor dem Bundesgesundheitsministerium in der Mauerstraße. Ich war dort als eine der wenigen Abgeordneten und habe mit den Teilnehmern gesprochen, um mir ihre Sorgen und Nöte anzuhören. Wegen der Sorgen um einen Jobverlust, Existenzängsten und Unsicherheit hinsichtlich einer möglichen Übernahme haben schon Mitte des Jahres 2023 die ersten Angestellten der UPD das sinkende Schiff verlassen und neue Tätigkeiten angetreten. Wer soll es ihnen verübeln?

Durch den Verlust an Wissen und Fachkompetenz entsteht somit eine Lücke in der Beratung der Patienten, die vermutlich nicht so schnell geschlossen werden kann.

Beifallbei der AfD

Bekannt geworden ist jetzt, dass das Beratungsangebot der UPD schon mit Einstellung der Hotline am 8. Dezember vorzeitig endet. Wann und ob die neue UPD-Stiftung dann ihre Arbeit wie geplant im Januar 2024 wirklich aufnehmen kann, bleibt abzuwarten und erscheint zumindest sehr ambitioniert.

Wichtig zu wissen ist noch, dass es bei den meisten der jährlich circa 120 000 Beratungsfälle um Konflikte zwischen Patienten und Krankenkassen ging, genauer gesagt: um die Erstattung von Leistungen. Dadurch, dass die geplante Stiftung zu 90 Prozent von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert wird, müssen also zukünftig die Mitarbeiter Patienten gegen die Interessen ihres Dienstherrn, nämlich der Krankenversicherungen, beraten. Wie unabhängig und neutral diese Beratungen dann noch sind, wird sich noch herausstellen. Wir lassen uns überraschen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
8 Vermerkeca. 589 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Im März haben wir entschieden, die Unabhängige Patientenberatung gänzlich neu aufzustellen: staatsfern, solide finanziert und dauerhaft. Aufgekommene Kritik an bisherigen Strukturen haben wir ernst genommen, alle beteiligten Seiten angehört, lange und intensive Sitzungen geführt, um die jetzige tragfähige Lösung zu erreichen.

Eines stand für meine Fraktion und mich immer fest: Die Unabhängigkeit der Beratung muss hinreichend vor dem Einfluss von Partikularinteressen gesichert sein, die Expertise der Patientenverbände besser eingebunden werden und die Finanzierung nachhaltig erfolgen.

Ausgerechnet DATEV! Auf welche Daten stützen Sie sich?

Ich habe nach wie vor die Erwartung an alle Beteiligten, dass sie ihren Verpflichtungen im Sinne der Intention des Gesetzgebers nachkommen; denn im Mittelpunkt müssen für uns stets die Anliegen und Bedürfnisse der Patienten stehen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Patientenorientierung ist seit jeher Maßgabe für die Gesundheitspolitik Freier Demokraten. Ich erinnere, dass es Freie Demokraten waren, die unser Patientenrechtegesetz auf den Weg gebracht haben. Heute rücken wir gemeinsam mit den Koalitionspartnern die Rechte der Patienten ins Zentrum. Wir glauben an den mündigen Patienten, der selbst entscheiden kann, was gut für ihn ist.

Aber mündige Entscheidungen setzen Aufklärung, setzen umfassende Informationen voraus. Wir stellen Patientinnen und Patienten deshalb mit dem Krankenhaustransparenzgesetz ein wertvolles Informationstool an die Seite. Patientinnen und Patienten sollen von vornherein erkennen können, welche Leistungen von welchem Krankenhaus in ihrer Nähe in welcher Qualität erbracht werden und wie es dort um die personelle Ausstattung bestellt ist;

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

denn – das ist die Grundüberzeugung meiner Fraktion – Aufklärung ist der Schlüssel dazu, voll informiert Entscheidungen zur eigenen gesundheitlichen Versorgung treffen zu können, zugeschnitten auf die eigene Lebenssituation.

Aufklärung und Information läuft aber nicht nur über Tools und Technik. Aufklärung und Information braucht Zeit. Deshalb ist es dringendes Gebot der Stunde, Krankenhäuser, Praxen, Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal, das gesamte Gesundheitswesen von Bürokratie zu entlasten.

Beifallbei der FDP

Dazu liegen schon unfassbar viele Vorschläge auf dem Tisch. Auch Mediziner wollen sich viel lieber mit ihren Patienten als mit Papierkram befassen. Wir packen das gemeinsam an. Minister Buschmann hat in Meseberg mit den Eckpunkten für das Bürokratieentlastungsgesetz vorgelegt; Minister Lauterbach wird nachziehen.

In dieser Koalition bleiben auch die schwierigen Fragen nicht liegen. Ich bin sehr dankbar, dass der Bundesminister für Gesundheit nun öffentlich Bereitschaft signalisiert hat, sich mit der Frage der Liberalisierung der altruistischen Organlebendspende zu befassen. Hier sind unsere Regelungen im europäischen Vergleich viel zu eng. Wir gestatten Menschen, die ihre Organe spenden möchten, momentan nicht, zu helfen. Zugleich sterben Menschen auf den Wartelisten. Das ist ethisch nicht verantwortbar.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Als FDP-Fraktion haben wir schon in der vergangenen Wahlperiode konkrete Vorschläge vorgelegt. Minister Spahn hat sich immer weggeduckt. Ich bin froh, dass wir als Koalition da nun vorankommen; denn auch das ist patientenorientierte Gesundheitspolitik.

Und wenn wir überlegen, was Patientinnen und Patienten bewegt hat und bewegt, dann kommen wir an einem Thema nicht vorbei: Lieferengpässe bei dringend benötigten Arzneimitteln. Es ist dramatisch, wenn Sie in der Apotheke des Vertrauens vor Ort plötzlich vor leeren Regalen stehen, obwohl Apothekerinnen und Apotheker alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Versorgung bestmöglich sicherzustellen. Mit dem Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz haben wir hier bereits erste Weichen gestellt. Das kann aus Sicht der FDP-Fraktion aber natürlich nur ein erster Schritt gewesen sein. Für uns steht fest: Eine Wiederholung der Situation, vor der vor allen Dingen viele besorgte Eltern im vergangenen Winter standen, gilt es in Zukunft nachhaltig zu verhindern.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Na, dann macht es doch!

Das und noch Weiteres werden wir in dieser Koalition voranbringen, im Sinne der Patientinnen und Patienten in diesem Land. Wir nehmen die Probleme ernst, ringen um das beste Vorgehen und finden am Ende tragfähige Lösungen wie auch bei der UPD.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Simone Borchardt
Foto: Simone Borchardt
7 Vermerkeca. 418 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir erleben momentan einen Verlust von Wissen und Know-how, der seinesgleichen sucht, und der Schaden ist derzeit immens; denn durch das zögerliche Handeln des BMG und die lange Unsicherheit für die Experten der UPD wird definitiv Expertise verloren gehen. Viele Berater hatten auch von sich aus erklärt, dass sie bereit wären, ihre Kenntnisse des Systems und die Erfahrung in eine neue UPD-Stiftung einzubringen. Stattdessen erfuhren wir nur, dass am Dienstag Kündigungen verschickt wurden. Minister Lauterbach hat doch Anfang des Jahres hier im Plenum erklärt, dass sein erklärtes Ziel sei, die Mitarbeiter der UPD in die neue Stiftung zu überführen. Nun heißt es vom BMG, dass ein Betriebsübergang bewusst nicht vorgesehen sei. Das ist für mich keine strategische Ausrichtung, und das merken wir in allen Bereichen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen, die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land brauchen eine unabhängige Patientenberatung. Wir als CDU/CSU-Fraktion haben Ihnen dazu Vorschläge unterbreitet; die hatten Sie derweil immer wieder abgelehnt. Wenn ich mir die vergangenen und zukünftigen Gesetzesvorhaben Ihrer Ampelpolitik ansehe, dann sehe ich ein Wirrwarr aus Cannabislegalisierung, irgendwelchen Gesundheitskiosken und einer ganz chaotischen Krankenhausreform, die wir hier vor der Brust haben. Hier wird deutlich, dass wir wirklich eine Beratung von Experten mit Systemkenntnissen und Praxiserfahrung brauchen,

Beifallbei der CDU/CSU

Also besser nicht die Regierungsbank!

und zwar für Sie.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, all unsere Vorschläge wurden abgelehnt. Da frage ich mich ernsthaft: Haben Sie die Patienten überhaupt noch im Blick? Es gehört zur Wahrheit, dass die Fragen und Nöte der Menschen nicht mal eben warten können, bis Sie endlich in die Puschen kommen und im Januar eine neue Stiftung einsetzen.

Viel schlimmer ist noch: Die neue Stiftung soll nur zum SGB V, also zur Krankenversicherung, beraten.

Das ist ja wohl Unsinn! Lesen Sie doch das Gesetz!

Da frage ich mich ernsthaft: Was soll denn mit den Pflegethemen passieren? Die spielen eine ganz wichtige Rolle und sollen hier weitestgehend außen vor bleiben. Wer ist auf diese Idee gekommen?

Beifallbei der CDU/CSU

Liebe Kollegen, es erfordert Zeit, Strukturen aufzubauen, zu trainieren und zu verwalten. Sie reißen ständig eingespielte Strukturen ein, um neue Parallelstrukturen aufzubauen. Ich erinnere an Ihre Gesundheitskioske: Sie suchen ständig nach Finanzierungsmöglichkeiten. Jeder Kiosk kostet 400 000 Euro, und das noch bundesweit; da liegt das Geld. Das können Sie ins System stecken.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich fordere Sie auf: Denken Sie das System als Ganzes! Wir brauchen eine lückenlose Aufrechterhaltung der Beratungsleistung. Schaffen Sie unverzüglich eine Übergangslösung für die Mitarbeiter der UPD, und fangen Sie endlich an, mit den Akteuren im System zu arbeiten, anstatt gegen sie!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU
11 Vermerkeca. 598 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Wie meine geschätzte Kollegin Martina Stamm-Fibich vorhin schon historisch hergeleitet hat, sorgen wir nach den Irrungen und Wirrungen der letzten Jahre für einen Neustart.

Wann denn?

Mit der Gründung der UPD als Stiftung sorgen wir dafür, dass verlorengegangenes Vertrauen in die Unabhängige Patientenberatung wieder zurückgewonnen werden kann

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Stephan Thomae [FDP]

und dass die Patientinnen und Patienten tatsächlich im Mittelpunkt der Beratungsarbeit stehen. Wir sorgen damit für ein stabiles Fundament, auf dem die wichtige Beratungsarbeit dauerhaft und in guter Qualität fortgesetzt werden kann.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Lieber Georg Kippels – ich gratuliere dir an dieser Stelle noch zu deinem Geburtstag –,

Beifall

ich muss bei dem ansetzen, was du vorhin gesagt hast; denn es war ja tatsächlich die Union mit ihren Gesundheitsministern und vor allem auch gemeinsam mit dem damaligen Patientenbeauftragten Laumann, die maßgeblich für die Unsicherheiten gesorgt hat, die wir in den letzten Jahren bei der UPD hatten. Denn ihr habt damals alle berechtigte Kritik in den Wind geschlagen und die Beratungsarbeit an einen privaten Dienstleister vergeben, der durch seine Nähe zur Pharmaindustrie eben Vertrauen in die Unabhängigkeit der Beratung ein Stück weit verspielt hat.

Das hat zu Misstrauen in der Bevölkerung geführt, und deshalb finde ich schon: Bei einer solchen Debatte, wie wir sie heute haben, wäre auch ein bisschen Selbstkritik angezeigt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Jetzt eine Stiftung zu gründen und damit ein Fundament für die Zukunft zu legen, ist der richtige Weg. Und es ist nicht richtig, wie hier von verschiedenen Seiten behauptet wurde, dass damit die Unabhängigkeit der Beratung nicht gewährleistet sei und der GKV-SV eine zu starke Stellung habe.

Das sagt die Patientenberatung!

Wer das Gesetz tatsächlich gelesen hat, weiß, dass dort Mechanismen vorgesehen sind, die das ausschließen werden. Auch wir werden das in unserer Rolle als Parlament, denke ich, beobachten und dafür sorgen können, dass das tatsächlich nicht der Fall sein wird.

Es wird keine Dominanz des GKV-Spitzenverbandes geben; es sind die Patientenorganisationen, die wieder die wesentlichen Geschicke der UPD bestimmen werden. Dafür hat sich vor allem unser Patientenbeauftragter der Bundesregierung, Stefan Schwartze, in vielen aufwendigen Beratungen und Verhandlungen eingesetzt, und er hat daran mitgewirkt, dass die Patientenorganisationen im Rahmen dieses neuen rechtlichen Konstruktes der Stiftung zu ihrem Recht kommen. Vielen Dank dafür, Stefan Schwartze!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Es ist für uns ein Herzensanliegen und es ist uns auch politisch wichtig, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrem Know-how, die heute in der Beratung eine wichtige Rolle spielen, in der zukünftigen Struktur der Stiftung eine gute Chance bekommen. Aber es muss auch akzeptiert sein, dass bei einem Neustart in einer neuen Rechtsform diejenigen, die neu in die Verantwortung kommen, darüber zu entscheiden haben, wem sie diese Aufgaben anvertrauen.

Deshalb ist klar, dass es die Aufgabe des neuen Stiftungsvorstandes ist, das Anforderungsprofil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der UPD-Stiftung vor dem Hintergrund der neuen Ausgestaltung des Beratungs- und Informationsangebotes zu definieren. Wir sind sicher, dass diejenigen, die bisher eine gute Arbeit in der UPD geleistet haben, auch in der neuen Konstruktion eine gute Chance und Perspektive bekommen werden.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Beteiligten alles dafür tun werden, den nahtlosen Übergang zu gewährleisten, sodass es möglichst nicht zu einer echten Beratungslücke kommt. Die Neuausrichtung der UPD als Stiftung ist ein Meilenstein; sie garantiert Stabilität und vor allem die notwendige unabhängige und qualitätsgesicherte Beratung. Mit der starken Stellung der etablierten Patientenorganisationen und der Patientenselbsthilfe in allen Stiftungsgremien sorgen wir dafür, dass zukünftig die Interessen der Ratsuchenden wieder im Zentrum der Beratungsarbeit stehen. In Zukunft können sich die Patientinnen und Patienten auf das unabhängige Beratungsangebot verlassen. Darüber freuen wir uns als SPD ganz besonders.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Emmi Zeulner
Foto: Emmi Zeulner/ Hendrik Steffens
5 Vermerkeca. 381 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das ist schon eine wilde Debatte, wenn sich Vertreter der SPD hierhinstellen, formulieren, dass das in irgendeiner Art und Weise schon in Ordnung ist, dass den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der UPD, die aktuell dort arbeiten, jetzt eine Kündigung vorgelegt wird, und sagen: „Dann schauen wir mal“, „Dann sehen wir schon; vielleicht haben sie dann in ein paar Monaten eine Perspektive“ und „Wir werden in der neuen UPD eine Anstellung finden, oder vielleicht auch nicht“. Für mich war die SPD immer die Partei, die für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eingetreten ist.

Das jetzt so wegzuwischen, ist wirklich unglaublich.

Beifallbei der CDU/CSU

Für mich ist es ein weiteres wildes Argument, dass man sagt: Man kann das nicht über Steuermittel finanzieren; denn dann hat man ja keine Unabhängigkeit. – Also, der Verantwortliche, der die Stiftung mitorganisieren soll, ist der Patientenbeauftragte dieser Bundesregierung. Liebe Kollegin von den Grünen, dieses Argument, dass es nicht sinnvoll sei, die Stiftung mit Steuermitteln zu finanzieren, kann ich persönlich überhaupt nicht nachvollziehen. Für uns als Union ist das klar; wir hätten uns die Steuerfinanzierung selbstverständlich gewünscht.

– Doch, das ist so.

Dann hat die Kollegin Stamm-Fibich auch noch formuliert: „Na ja, beim Übergang zur neuen UPD“ – jetzt haben wir ja praktisch Ende September; neue Leute müssen gefunden werden; es muss vielleicht jemand woanders kündigen; es muss jemand eingestellt werden; es sind ja noch nicht mal die Stellenausschreibungen raus – „wird es keine Reibungsverluste geben“. Also, ich weiß gar nicht, in welcher Welt Sie leben. Na, selbstverständlich wird die UPD nicht so weitermachen können wie bisher; es wird Reibungsverluste geben. Deswegen hätte ich mir schon gewünscht, dass Sie das zumindest mal ansprechen und nicht so tun, als würde da alles reibungslos funktionieren. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Beifallbei der CDU/CSU

Das hat ja keiner gesagt!

Dann formulieren Sie auch noch, dass die Daten gesichert werden. Also, es soll unabhängig und transparent sein. Wir haben gelernt: Der Staat gibt dafür nicht die Mittel; das wäre zu wenig unabhängig. Aber dann werden die Daten bei der GKV auf den Server geladen. Dann frage ich mich: Wo soll denn da die Unabhängigkeit sein, wenn gerade die Fälle, die monatlich beraten werden, vor allem von Streitigkeiten mit der GKV handeln?

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Ates Gürpinar [DIE LINKE]
Zurufder Abg. Heike Baehrens [SPD]

Also, da passt wirklich nichts zusammen.

Ich wünsche mir sehr – letzter Punkt; das geht an die Parlamentarier –:

Porträt von Emmi Zeulner
Foto: Emmi Zeulner/ Hendrik Steffens
1 Vermerkca. 34 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

– Bitte sprechen Sie noch mal mit den Menschen, die jetzt in der Situation sind, dass sie ihren Job verlieren. Ich bitte Sie wirklich! Diese Regierung hat es nicht ausreichend gemacht in Gestalt der Staatssekretärin.

Ja, gut, die SPD wird bald auch ihren Job verlieren!

Porträt von Emmi Zeulner
Foto: Emmi Zeulner/ Hendrik Steffens
1 Vermerkca. 31 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich bitte Sie: Gehen Sie vor Ort! Sprechen Sie dort mit den Menschen, und schaffen Sie dort eine Perspektive! Das ist Ihre Verantwortung. Sie können es tun, wenn Sie nur wollen.

Beifallbei der CDU/CSU
Marco BuschmannFDP· Bundesminister BMJ· MdB
11 Vermerkeca. 627 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuschauerinnen und Zuschauer! „Euer Ehren, ich beantrage die Streichung aus dem Protokoll“ – diesen Antrag kennen wir aus amerikanischen Filmen aus dem Kino, aus dem Fernsehen, aus dem Streaming. Und wenn ich den Leuten in Bürgerveranstaltungen sage, dass man in Deutschland diesen Antrag gar nicht stellen kann,

… dann sind wir sehr beruhigt!

dann fragen mich die Leute ganz aufgeregt: Warum denn eigentlich? – Ja, weil es in einem deutschen Strafprozess überhaupt kein Wortlautprotokoll gibt, meine Damen und Herren.

Es gibt auch keine Geschworenen!

Es gibt sehr viele Bürgerinnen und Bürger, die das irritiert, weil sie sich die Frage stellen: Wie kann es eigentlich sein, dass wir in Deutschland in dem Verfahren, wo potenziell so tief in die Rechte der Bürgerinnen und Bürger eingegriffen wird wie in keinem anderen, die Tatsachen, die die Grundlage für eine Verurteilung sein können, weniger intensiv dokumentieren als in anderen Rechtsstaaten, wie beispielsweise in den USA.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]

Dieses Verständnis fehlt den Menschen. Dieses Verständnis fehlt auch vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Dieses Verständnis fehlt auch vielen Anwältinnen und Anwälten. Dieses Verständnis fehlt der Koalition, mir auch. Und deshalb ändern wir das, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]

Wir wollen für Strafverfahren in der ersten Instanz eine Tonaufzeichnung verpflichtend einführen. Diese Tonaufzeichnung soll dann mithilfe von Technologie, künstlicher Intelligenz, in ein digitales Transkript überführt werden. Das sorgt dafür, dass alle Verfahrensbeteiligten eine ordentliche Gedächtnisstütze haben. Das beugt auch potenziellen Konflikten vor über die Frage: Wie ist denn die Verhandlung tatsächlich verlaufen? Kurz: Es sorgt für eine bessere Qualität des deutschen Strafprozesses, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]

Wir stehen im deutschen Rechtsstaat in der Tradition eines aufgeklärten Strafrechts. Deshalb ist für uns entscheidend, dass wir auf Tatsachen und auch auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse arbeiten. Und die wissenschaftliche Erkenntnis, die Evidenz, ist klar: Das menschliche Gedächtnis ist keine Fotografie. Richter lernen in ihrer Ausbildung, dass der Zeugenbeweis mit Makeln behaftet ist. Wir alle kennen die Experimente, wo man Besucher von Disney World fragt, ob ihnen der Bugs Bunny am Eingang gefallen hat, den es dort gar nicht geben kann. Aber die Menschen bejahen das trotzdem, weil das menschliche Gedächtnis jedem Menschen einen Streich spielen kann. Deshalb kann es nicht sein, dass die wesentlichen Speichermedien in einem zum Teil monatelangen Strafprozess das Gedächtnis der Richterinnen und Richter und ihre punktuellen Aufzeichnungen sind. Das wird dem Anspruch eines aufgeklärten Strafrechts in der heutigen Zeit nicht gerecht, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]

Ich weiß, es gab auch Kritik an der Idee, und wir haben uns dem gestellt. Einer will ich entgegnen. Es wird behauptet, wir würden Richterinnen und Richtern misstrauen. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.

Zurufvon der CDU/CSU: Na ja!

Denn wir haben den Gedanken, den ich vorhin genannt habe, schon heute in der Strafprozessordnung: In § 258 ist das Recht des Angeklagten auf das letzte Wort verbürgt. Und was ist die Rationalität hinter dieser Regelung? Die Rationalität ist natürlich, dass der Angeklagte vor einer Verurteilung noch alles sagen kann, was ihm einfällt. Aber vor allen Dingen soll diese Regelung auch dafür sorgen, dass das, was wir aus der Wissenschaft wissen, dass nämlich der letzte Eindruck häufig die anderen Eindrücke dazwischen überlagert, dass eine solche Wahrnehmungsverzerrung nicht zulasten des Angeklagten gehen kann. Solche Wahrnehmungsverzerrungen verhindern wir natürlich durch eine saubere Dokumentation, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]

Es gab Sorgen in Bezug auf das Revisionsrecht. Wir haben diese Sorgen durch Gesetzgebungsarbeit beseitigt.

Sie haben überhaupt nichts dazu geregelt!

Und es gab die Sorge, dass die Länder von dem Aufwand überfordert werden. Wir haben deshalb lange Übergangsfristen im Gesetz eingeräumt und dafür gesorgt, dass der Aufwand überschaubar bleibt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich bin von einem überzeugt: In 20 Jahren wird eine neue Generation von Strafjuristinnen und Strafjuristen das für eine solche Selbstverständlichkeit halten, dass sie gar nicht verstehen können, wie streitig wir darüber teilweise heute diskutieren.

Ich danke Ihnen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]
6 Vermerkeca. 375 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Frage nach dem Charakter des Strafverfahrens und die Änderung einer jahrzehntealten Praxis ist ein rechtspolitisch bedeutendes Vorhaben. Ich frage mich schon ein bisschen, weswegen die Koalition diese Debatte in 26 Minuten am Abend fast versteckt. Es wäre vor dem Hintergrund der Bedeutung angebracht, diese Debatte am Vormittag in der Kernzeit zu führen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Herr Minister Buschmann, der Verweis auf die US-amerikanische Strafrechtspraxis vermag gerade kein Argument zu sein, weil wir aus guten Gründen in Deutschland viele Elemente der amerikanischen Strafrechtspraxis nicht übernommen haben und nicht übernehmen wollen.

Beifallbei der CDU/CSU

Es ist zumindest ein Stück weit erfreulich, dass Sie von Ihren ursprünglichen Plänen, eine audiovisuelle Aufzeichnung vorzusehen, also Bild und Ton, abgerückt sind. Aber das Lob ist nur sehr eingeschränkt, unter anderem weil Sie eine Experimentierklausel für die Länder vorsehen, dass diese die Möglichkeit erhalten, eben doch Videoaufzeichnungen im Gerichtssaal vorzunehmen. Das ist aus unserer Sicht brandgefährlich – zum einen, weil Sie die Idee eines einheitlichen Prozessrechts in Deutschland, das seit über 150 Jahren gilt, mit dieser Idee ad acta legen, und zum anderen, weil Sie bei der Frage der Videoaufzeichnung vollkommen übersehen, dass sich durch eine Kamera ja auch das Aussageverhalten von Zeugen ändert.

In Ihrer Rede hat mir übrigens eines ganz gefehlt, nämlich die Frage des Zeugenschutzes und der Persönlichkeitsrechte der Verfahrensbeteiligten. Eine solche Änderung geht nicht, ohne die Rechte der Zeugen zu beachten.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben auch nicht über die künftigen Belastungen der Justiz gesprochen. Bis zum Jahr 2030 werden fast 40 Prozent der Richter und Staatsanwälte in den Ruhestand gehen. Die Justiz wird sich aber weiterhin größeren Verfahren gegenübersehen. Das Hauptaugenmerk einer vorausschauenden Justizpolitik muss doch darauf liegen, den Pakt für den Rechtsstaat zu verstetigen, für mehr Stellen in der Justiz und für bessere Ausstattung zu sorgen, und nicht darauf, die Justiz durch ein solches Reformvorhaben über Jahre hinweg zu verunsichern. Nichts anderes tun Sie mit diesem Gesetzentwurf.

Beifallbei der CDU/CSU

Zudem ist überhaupt nicht geklärt, wie Sie bei einer augenblicklichen Fehlerrate von 20 bis 30 Prozent bei einer automatischen Transkription das technisch hinbekommen. Deswegen wäre der klügere Ansatz, erst die Technik abzuwarten, die Justiz gut auszustatten und dann in einigen Jahren mit diesem Gesetzentwurf an die Öffentlichkeit zu gehen. Aber bis dahin wird die FDP sicherlich nicht mehr regieren.

Beifallbei der CDU/CSU

Ihr aber auch nicht!

Porträt von Sonja Eichwede
Foto: DBT/ Inga Haar
3 Vermerkeca. 519 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Als Ampel arbeiten wir an der Modernisierung unseres Landes. Einen entscheidenden Schritt dafür gehen wir auch heute mit dem Start der Verhandlungen über das Gesetz zur digitalen Dokumentation der strafgerichtlichen Hauptverhandlung. Die Dokumentation soll ein Hilfsmittel für die Verfahrensbeteiligten sein, um Aussagen von Zeuginnen und Zeugen oder Angeklagten nicht mehr händisch mitschreiben zu müssen und eine für alle Beteiligten verlässliche, zugängliche und identische Dokumentation zu haben.

Für diese Zwecke stehen uns in diesem Zusammenhang in dieser digitalen Welt Aufzeichnungstechniken zur Verfügung, Technik, die viel Arbeit abnehmen kann und allseitig zur Objektivität beitragen kann, wenn sie gut funktioniert, Technik – da bin ich, aus der Justiz kommend, mir sicher –, die wir so einsetzen können, dass sie auch förderlich für unsere Strafverfahren sein kann, liebe Kolleginnen und Kollegen. Viele europäische Länder zeichnen strafgerichtliche Verhandlungen seit Langem auf, etwa Spanien seit 2000 oder Schweden seit 2008. Zu diesem Thema hat eine durch das Justizministerium eingesetzte Expertenkommission im letzten Jahr einen Bericht vorgelegt und die Erfahrung ordentlicher Gerichte in zehn europäischen Partnerstaaten ausgewertet. Es handelt sich also nicht nur um amerikanische Praxis, sondern auch um geübte Schule in Europa.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Der vorliegende Gesetzentwurf sieht vor, dass bis 2030 Land- und Oberlandesgerichte in strafrechtlichen Hauptverhandlungen eine Tonaufzeichnung haben und diese transkribiert wird. Also wird das in den nächsten Jahren nicht zu großen Verunsicherungen in der Justiz führen, weil man einen großen Zeitraum hat, um sich darauf entsprechend vorzubereiten. Uns als SPD-Fraktion ist es wichtig, dass die Regelungen des DokHVG einen Mehrwert für die Praxis auf allen Seiten bringen. Deshalb werden wir uns im parlamentarischen Verfahren eng damit auseinandersetzen, wie auch die Auswirkungen auf die Justiz gut gehalten und gut aushaltbar sind.

Hiermit möchte ich für das parlamentarische Verfahren aber auch den Blick auf zwei Punkte richten. Zum einen gilt es, dass wir uns noch mal intensiv mit der Frage des Persönlichkeitsschutzes auseinandersetzen. Es geht um die Frage von Ausnahmeregeln für Aufzeichnungspflichten und darum, besonders schutzbedürftige Personen so gut wie möglich zu schützen. Zwar dürfen das Transkript und die Aufzeichnung nach dem Gesetzentwurf nur an die Verfahrensbeteiligten weitergegeben werden. Wir müssen aber, denke ich, schon noch mal gucken, dass bei besonders sensiblen Ausnahmefällen sichergestellt wird, dass das Transkript nicht in die falschen Hände geraten kann, zum Beispiel bei Zeuginnen und Zeugen von Völkerstraftaten, die um Repressionen gegen ihre Familie fürchten müssen, Opfern von Sexualstraftaten oder bei Kindern.

Zudem wird es in den Verhandlungen selbstverständlich für uns alle aus der Ampel eine außerordentlich große Rolle spielen, dass die Justiz arbeitsfähig bleibt und sich Verfahren aus technischen wie auch anderen Gründen nicht in die Länge ziehen oder übergebührlichen Aufwand für die Justiz bedeuten. Aber eben das gucken wir uns an, und da werden wir sehr gute Lösungen finden, sodass es nicht dazu kommen muss, dass nachts im Gericht lange händisch Transkripte korrigiert werden müssen. Hier gibt es Möglichkeiten. Das werden wir schaffen. Ich freue mich auf die Verhandlungen und darauf, dass wir technisch und inhaltlich gute Lösungen finden. Vielen Dank, Herr Minister, für diesen guten Gesetzentwurf. Lassen Sie es uns anpacken und die Justiz modernisieren!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
3 Vermerkeca. 427 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! In Strafverfahren vor Land- und Oberlandesgerichten dokumentiert bisher das Protokoll nur die wesentlichen Förmlichkeiten. Richter, Staatsanwalt und Verteidiger schreiben als Grundlage für Verfahrensanträge, Plädoyers und das Urteil mit, was Angeklagte, Sachverständige und Zeugen angeben. Wenn zukünftig der Inhalt der Hauptverhandlung dokumentiert wird, sollen sich die Beteiligten besser auf den Verlauf der Verhandlung konzentrieren können, so der Ansatz der Reform. Hierzu soll eine Tonaufzeichnung gefertigt und das Gesagte automatisch verschriftlicht werden. Warum? Weil es ersichtlich nicht umsetzbar ist, unzählige Stunden Tonaufzeichnung nochmals anzuhören.

Fakultativ können die Länder zukünftig auch eine Bildaufzeichnung vorsehen. Diese Öffnungsklausel lehnen wir wie der Bundesrat strikt ab.

Beifallbei der AfD

Bei einer so wichtigen Verfahrensfrage darf es keinen vermutlich von der Kassenlage bestimmten Flickenteppich geben.

Bei Spracherkennungssystemen wird die Software durch Training auf die individuelle Sprechweise eingestellt. Mit durchgehend hoher Sprechdisziplin beim Diktat lässt sich die Fehlerquote minimieren. Die vorgesehene Transkriptionssoftware muss dagegen auch mit zufälligen Sprechern zurechtkommen, aber auch mit Erfolg. Viele Zeugen sind es nicht gewohnt, vor Zuhörern zu sprechen, und vor allem durch die Umgebung vor Gericht zusätzlich eingeschüchtert oder aufgeregt. Für eine brauchbare Aussage muss man einen Zeugen zudem reden lassen, wie er es gewöhnt ist, egal ob es um Dialekt oder Umgangssprache geht. Die Beteiligten in der Verhandlung kommen damit gut zurecht, aber auch die Software?

Zudem: Kaum ein Zeuge redet druckreif. Das bedeutet sehr viele Füll- und Verlegenheitswörter, unvollständige Sätze oder Teilsätze, die nicht zusammenpassen. Das Verständnis einer automatischen Mitschrift ist auch deshalb schwerer als das der mündlichen Aussage. Will man wirklich, dass die Beteiligten nicht mitschreiben müssen, dann muss das Skript im Nachgang zur Verhandlung auch gelesen werden. Spätestens in langwierigen Verfahren, wenn es um Hunderte von Seiten geht, ist es notwendig, wichtige Einzelheiten herauszuschreiben. Es gibt dann also eine nachträgliche Mitschrift statt einer aus der Verhandlung. Selbst wenn die Qualität der Transkription besser ausfällt als befürchtet, wird es in jedem Fall zu einer Zusatzbelastung bei den Beteiligten kommen. Aber ist die Strafjustiz nicht bereits ausreichend belastet und überlastet? Und wenn man bereit ist, mehr Geld für Richter und Staatsanwälte auszugeben, könnte man dieses dann nicht sinnvoller einsetzen?

Ebenso geht der Gesetzentwurf nicht auf den Mehraufwand bei den Verteidigern ein. Die anwaltliche Vergütung muss diesen zeitlichen Mehraufwand aber berücksichtigen.

Trotz dieser absehbaren Umsetzungsprobleme, vieler rechtlicher Probleme und der finanziellen Auswirkungen lehnen wir eine Reform nicht grundsätzlich ab. Zielführend wäre es aber, zunächst durch eine mindestens fünfjährige Erprobung an wenigen Gerichten belastbare Erkenntnisse aus der Praxis zu gewinnen, bevor eine flächendeckende Reform auf den Weg gebracht wird.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der AfD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
8 Vermerkeca. 443 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir wollen eine objektive und zuverlässige Dokumentation der Hauptverhandlung in all den Strafverfahren. Das ist etwas, was es bisher noch nicht gibt. Das wollen wir angehen. Dafür steht dieses Gesetz.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Worum geht es dabei? Es geht uns um nicht weniger als Gerechtigkeit. Wir wollen mit diesem Verfahren auch die Strafverfahren beschleunigen.

Zurufvon der CDU/CSU: Sie werden sie verlangsamen!

Wir gehen davon aus, dass durch die Dokumentation die Möglichkeit besteht, den Beschleunigungsgrundsatz, den es ja schon jetzt im Gesetz gibt, tatsächlich umzusetzen, meine Damen und Herren.

Und wir wollen dadurch die Hauptverhandlungen verbessern. Darum geht es letztlich: dass in der Hauptverhandlung die Richter einen Mitschnitt haben. Das heißt, sie können weiterhin ihre Mitschrift anfertigen, so wie sie das in der Vergangenheit auch gehandhabt haben. Ein Richter beim Oberlandesgericht sagte – Sie können es bei „LTO“ nachlesen –: Ich werde weiterhin meine Mitschrift haben. Aber wenn ich weiß: „Neben meiner Mitschrift gibt es auch einen Mitschnitt“, dann kann ich mich zwischendurch auch mal mit was anderem beschäftigen. – Und darum geht es, meine Damen und Herren. Uns geht es darum, die bereits guten Hauptverhandlungstermine durch eine Entlastung der Richter und Dokumentation der Hauptverhandlung noch besser zu gestalten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das Gesetz ist eine Belastung!

Es geht nicht um ein Nice-to-have. Es geht darum, dass wir die Rechte der Betroffenen, die Zuverlässigkeit der Hauptverhandlungen, der Strafverfahren, die Position der Verteidigerinnen und Verteidiger und insgesamt das Ganze so ausgestalten, wie es heute schon in vielen anderen europäischen Ländern ist. Die Expertenkommission, eingesetzt vom Bundesjustizministerium, besetzt mit ganz unterschiedlichen Leuten – aus der Anwaltschaft, aus der Richterschaft, auch mit Staatsanwälten – hat gezeigt: Es gibt dieses Potenzial.

Wir haben jetzt so lange darüber geredet, meine Damen und Herren. Wir sind mittlerweile bei der Digitalisierung sehr weit.

Zurufdes Abg. Dr. Martin Plum [CDU/CSU]

Wir können nicht darauf warten, bis es so gute Software für die Transkription gibt, dass es gar keine Fehler mehr gibt und dass alle Dialekte berücksichtigt werden.

Zurzeit liegt die Fehlerquote bei 30 Prozent! 30 Prozent!

Das kann nicht der Anspruch des Deutschen Bundestages für Strafverfahren in der Bundesrepublik Deutschland sein.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Meine Damen und Herren von der CDU/CSU, wofür Sie sich konstruktiv einsetzen könnten, wäre, dass die Bundesländer, in denen es ja auch von Ihren Leuten geführte Justizministerien und -einrichtungen gibt, so mit Software und Hardware ausgestattet werden,

Zurufdes Abg. Dr. Martin Plum [CDU/CSU]

dass das, was wir demnächst im Ausschuss beraten und dann beschließen werden und was wir uns auch wünschen, in den Gerichtssälen alltäglich gelebt werden kann.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Das ist doch das, was wir der Bevölkerung schulden. Hören Sie sich doch mal um, was die Leute für eine Erwartung an ihren Staat bei der Digitalisierung haben. Da – das sage ich Ihnen als Obfrau im Rechtsausschuss – will ich nicht das Schlusslicht bleiben. Die Justiz muss mit der Zeit gehen. Sie will mit der Zeit gehen.

4 Vermerkeca. 34 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Und wir schaffen dafür den Rechtsrahmen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN

– der Beifall ist ihr sicher – wie auch den Beitrag von Macit Karaahmetoğlu für die SPD-Fraktion.1Anlage 9

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Das Wort hat Axel Müller für die CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Axel Müller
Foto: Axel Müller/ Tobias Koch
2 Vermerkeca. 456 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister Buschmann! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will ja den Praxischeck im Kampf gegen die überbordende Bürokratie. Ich habe mit Blick auf diesen hier vorgelegten Gesetzentwurf den Praxischeck gemacht.

Der neue § 271 Absatz 2 Strafprozessordnung verlangt für Landgerichte und Oberlandesgerichte, die bisher nur ein förmliches Protokoll erstellt haben, über die wesentlichen Förmlichkeiten der Hauptverhandlung künftig nun eine komplette Tonaufzeichnung, die anschließend transkribiert und in ein Textdokument übertragen wird.

In meinem Praxischeck habe ich in meinem Regierungsbezirk Tübingen, in dem sich mein Wahlkreis Ravensburg befindet, mit allen Landgerichten darüber gesprochen und das Votum der Präsidentinnen und Präsidenten sowie meiner früheren Kolleginnen und Kollegen aus der Richterschaft eingeholt, und das ist einstimmig. Das Urteil, zu dem sie kommen – und dem schließe ich mich an – heißt: Keiner braucht diese Tonaufzeichnung im Strafprozess; aber alle bekommen sie.

Im Übrigen, Herr Minister Buschmann: Bei Amtsgerichten gibt es selbstverständlich ein Wortprotokoll; das hat auch Sinn. Bei den Kollegialgerichten – Große Strafkammer – sind da zehn Augen und zehn Ohren oder mindestens sechs Augen und sechs Ohren; beim Amtsgericht sitzt der Richter allein.

Vier Punkte aus meinem Praxischeck:

Erstens. Nunmehr müssen Staatsanwalt, Verteidiger und Vertreter der Verletzten während eines laufenden Verhandlungstages oder unverzüglich danach die Möglichkeit haben, die Tonaufzeichnungen abzuhören bzw. das Transkript einzusehen. Nach einem Prozesstag, der einen ganzen Tag dauert, geht das dann bis tief in die Nacht. Die Justiz leidet unter Personalnot. Wer soll das machen? Den Pakt für den Rechtsstaat wollen Sie nicht fortsetzen.

Zweitens. Was ist, wenn ein Verteidiger behauptet, anhand der Tonaufzeichnung einen inhaltlichen Fehler im Transkript entdeckt zu haben? Kann er dann die Wiederholung der kompletten Beweisaufnahme – über diese Beweisaufnahme sozusagen eine Beweisaufnahme – verlangen? Keine Antwort im Gesetz, aber ein neues Feld für Verfahrensverzögerungen, Frau Kollegin Bayram.

Beschleunigung, Herr Kollege! Beschleunigung!

Drittens. Der Entwurf geht davon aus, dass 750 Sitzungssäle der Landgerichte und Oberlandesgerichte mit entsprechender Technik nachgerüstet werden. Raumknappheit in Großverfahren zwingt oftmals zum Ausweichen in kommunale Einrichtungen. Da ist die Technik nicht vorhanden. Was geschieht nun?

Viertens. Zum Schutz von Zeugen gibt der Gesetzentwurf die Möglichkeit zum Ausschluss der Öffentlichkeit, also zum Verzicht auf Aufzeichnung. Allerdings ist die Öffentlichkeit ein hohes Gut. Die Anwendungsschwelle wird eine sehr hohe sein, und der Zeugenschutz geht unter Umständen damit verloren, gerade in OK-Verfahren. Wieso nachträglich das Gedächtnis eines Zeugen besser sein soll, wenn er bei einer Tonaufzeichnung vernommen wird, das erschließt sich mir nicht, Herr Minister Buschmann.

Und zum guten Schluss – es ist schon gesagt worden –: Eigentlich wollten Sie ja eine audiovisuelle Aufzeichnung der Hauptverhandlung. Das haben Sie nicht erreicht; dafür sind Sie ausgebuht worden von Richtern und Staatsanwälten. Jetzt geben Sie den Ländern per Rechtsverordnung diese Möglichkeit. Meine sehr verehrten Damen und Herren, wozu führt das?

Porträt von Axel Müller
Foto: Axel Müller/ Tobias Koch
ca. 16 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

1879 ist die Strafprozessordnung in Kraft getreten zur Vereinheitlichung des Rechts im Reich. 144 Jahre später –

Porträt von Axel Müller
Foto: Axel Müller/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 25 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– der letzte Satz, Frau Präsidentin – gilt nun in Ulm eine andere Strafprozessordnung als in Neu-Ulm. Das ist keine Fortschritts-, sondern eine Rückschrittskoalition.

Danke schön

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Lukas Benner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
4 Vermerkeca. 569 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Union hat hier in gleich drei Texten aka Anträgen beschrieben, dass es ihr nicht gut geht. Also: Die Union hat Probleme mit Gegenwart und Vergangenheit.

Gegenwart: Es geht um Euro 7. Den Vorschlag für diese Norm hat Frau von der Leyen gemacht; die ist bekanntlich aus der Union.

Wer ist Gesetzgeber?

Dass man das immer wieder verbirgt, ist doch interessant.

Vergangenheit – Stichwort „Dieselgate“, Stichwort „Verbrenner-Aus“ –: Herr Söder hat ehedem das Verbrenner-Aus für das Jahr 2020 gefordert – ein Söder, zwei Meinungen. Aber auch das blenden Sie aus.

Aber weiter: Die Union hat Probleme mit guter Luft und gesunder Umwelt. Denn genau darum geht es bei Euro 7: um bessere Luft. Es geht daher um realistische Testbedingungen statt Dieselschummel.

Aber weiter. Die Union hat Probleme mit der Realität, mit Fakten. Zum Beispiel behaupten Sie in einem Ihrer Anträge, dass es keine Förderung für alternative Techniken gibt. Entschuldigung! Von 2021 bis 2024 gibt es 1,54 Milliarden Euro für Wasserstoffförderung und E-Fuels. Wir sagen ganz klar: Wir brauchen E-Fuels, zum Beispiel für die Luftfahrt und die Schifffahrt. Es gibt eine PtL-Roadmap. Dafür brauchen wir Anlagen und nicht nur Gequatsche. Ja, das ist das Ziel; das ist die Richtung. Ich sage aber auch: E-Fuels sind bislang nur im Labormaßstab vorhanden. Das ist eine Phantomdebatte.

Wenn Sie dann – das werden wir ja gleich wieder hören – das Lied von der Technologieoffenheit singen, dann sei auch der Union noch mal gesagt, was in den letzten 20, 30 Jahren in Deutschland passiert ist: Wir haben bei der Bahn 2 700 Kilometer Schiene verloren und bei der Straße 2 000 Kilometer Autobahn dazubekommen. Wenn man überlegt, wie das passiert ist, nämlich dadurch, dass doppelt so viel Geld für die Straße wie für die Schiene eingesetzt wurde, stellt man fest: Das ist alles andere als technologieneutral.

Ich gebe ein weiteres Beispiel, damit es klarer wird: Wenn ich das Wort „Lastenrad“ erwähne und das in einen Kontext mit Technologieoffenheit stelle, dann weiß ich sofort, dass der Kollege Ploß anfängt, zu grinsen, weil er überhaupt nicht sieht, dass es auch da um Technologieoffenheit, um Industrie, um Gewerbe, um Mittelstand, um Wertschöpfung geht. Da ist trotz der von Ihnen immer wieder ins Feld geführten Technologieoffenheit einfach null Wertschätzung, ganz im Gegenteil.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Warum keine Eselskarren?

– Weil Esel nun mal keine Technik sind, sondern Natur; aber gut. – Für all diejenigen, die es nicht gehört haben: Es gab einen Zwischenruf, warum wir nicht auch Esel da mit einbeziehen. Manchmal stellen ja auch Esel selber solche Fragen – egal.

Die Union hat ein Problem mit der eigenen Rolle. Statt zu zeigen, was man in den Kommunen und in den Ländern in gemeinsamen Koalitionen hinbekommt, und die eigene Verantwortung aufzuzeigen, wird krakeelerisch Angst verbreitet, Jobverlust und Ähnliches in den Raum gestellt. Warum?

Es wird weiter gesagt, dass die neuen Autos durch die Euro-7-Norm extrem viel mehr kosten würden. Die Europäische Union – Frau von der Leyen, noch mal als Erinnerung – redet von 100 bis 150 Euro mehr für ein Neufahrzeug – 100 bis 150 Euro! Und da machen Sie jetzt die große Show draus. Das ist nicht die Union, wie wir sie zu Helmut Kohls und Angela Merkels Zeiten – aus Ihrer Perspektive: zu den guten alten Zeiten – kennengelernt haben.

Zurufevon der CDU/CSU und der AfD: Oh!

Ein Nostalgiker am Rednerpult!

Na ja, langer Rede kurzer Sinn: Wer zu lange am Auspuff klebt, dem ist schwer zu helfen. Lassen Sie los! Sie schaffen das! Wir helfen Ihnen dabei.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Isabel Cademartori Dujisin
Foto: Photothek Media Lab
6 Vermerkeca. 446 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich dachte eigentlich, dass wir heute über die Abgasnorm Euro 7 debattieren. Aber gut, Herr Ploß redet sowieso immer das Gleiche, egal welches Thema auf der Tagesordnung steht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Also, kommen wir zurück zum Thema. Es wird hier suggeriert, dass eine schärfere Abgasnorm dem Verbrennungsmotor irgendwie schaden könnte. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Es ist eine Weiterentwicklung für alle Arten von Fahrzeugen, auch für den Verbrennungsmotor, die sicherstellt, dass die Luftqualität in Zukunft auch dort, wo noch Verbrennungsmotor gefahren wird, weiterhin hoch sein kann.

Euro 6 ist doch schon ein Luftfilter! Euro 6 filtert die Luft!

In Deutschland kennen wir das Thema vom Dieselskandal. Seitdem hat sich viel getan.

Aber es ist nicht nur ein deutsches Thema. Auch weltweit, in vielen anderen Ländern, in denen sicherlich noch lange der Verbrennungsmotor gefahren wird, wird eine Weiterentwicklung der Euronorm unserer Industrie große Vorteile bringen beim Vertrieb ihrer Verbrennungsmotoren.

Wie soll denn das passieren, wenn der Verbrenner verboten wird? Was ist das denn für ein Unfug?

Insofern ist das eigentlich eine Scheindiskussion. Nicht ohne Grund macht sich die Zulieferindustrie – insbesondere aus Baden-Württemberg, aber auch aus anderen Regionen – sehr stark für die Entwicklung der Abgasnorm und verspricht sich davon zusätzliche Aufträge.

Im Antrag formulieren Sie einige Anforderungen an eine Euro-7-Norm, die durchaus vernünftig sind, aber, ehrlich gesagt, auch schon Teil des jetzigen Verhandlungsstands sind. Insofern sehe ich da keinen großen Widerspruch. Gerade dieser Tage finden die Beratungen im Europäischen Parlament und Rat statt.

Vielleicht für diejenigen, die diese Themen nicht so aufmerksam verfolgen: Das ist eigentlich ein Thema, das auf europäischer Ebene und nicht im Deutschen Bundestag entschieden wird. Aber wir debattieren natürlich trotzdem gerne darüber. Deswegen ist der Hinweis des Kollegen Gelbhaar richtig, dass der ursprüngliche Vorschlag für diese so kritisierte Norm von der EU-Kommissionspräsidentin kommt, die der CDU angehört. Das nur am Rande bemerkt.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Also, was ist aktuell der Stand? Es gibt ein paar Kritikpunkte an dem ursprünglichen Vorschlag, die aber durch die Verhandlungsführung Deutschlands schon weitestgehend ausgeräumt wurden. Es geht um die Testrandbedingungen. Dort läuft es auf eine Einigung zu, dass sie wie bei der Euro 6 oder in leicht angepasster Form weitergeführt werden. Es geht noch um die Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoff, die so angepasst sind, dass sie zwar realistisch erreichbar sind, aber dennoch für die Luftqualität eine deutliche Verbesserung bringen.

Die Euro-7-Abgasnorm schafft Rechtsklarheit und vereinfacht. Sie ist nur noch eine Verordnung mit relevanten Messverfahren und hat nicht so viele technische Ergänzungen wie die Euro 6. Sie gilt für alle Fahrzeugtypen, und sie gilt nicht nur für den Auspuff, sondern auch für den Reifenabrieb und die Bremsen, was alle Antriebsarten betrifft. Insofern ist es eine sehr sinnvolle Weiterentwicklung, die unsere Automobilindustrie auf den neuesten Stand der Technik bringen und die Luftqualität in unseren Städten weiter verbessern wird.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
7 Vermerkeca. 386 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Um es gleich vorwegzunehmen: Die Euro-7-Norm ist ein weiterer Sabotageakt, ein Sabotageakt, der sich gegen das Automobil im Allgemeinen und den Verbrennungsmotor im Besonderen richtet. Fragt man Ingenieure aus der Automobilindustrie nach einer Bewertung, so ordnen sie dieses Machwerk irgendwo zwischen „hoffnungslos überambitioniert“ und „total wahnsinnig“ ein.

Beifallbei der AfD

Das liegt ganz einfach daran, dass es die Technik, die benötigt wird, um die geforderten Vorgaben überhaupt einhalten zu können, so noch gar nicht gibt. Und selbst wenn es sie gäbe, könnte sie in den bereits existierenden Fahrzeugbaureihen nicht mehr nachgerüstet werden. Das heißt ganz konkret: Wenn es bei den aktuellen Maximalforderungen der Euro-7-Norm bleibt, wenn also nicht nur neue Baureihen, sondern jedes einzelne Fahrzeug, das ab Mitte 2025 zugelassen werden soll, die Euro-7-Norm erfüllen muss, führt das zwangsläufig 2025 zum Zusammenbruch großer Teile der Automobilproduktion.

Beifallbei der AfD

Da fällt mir gerade ein: 2025 ist ja auch Wahljahr. Ich gehe davon aus und ahne, dass danach allerdings die meisten von Ihnen hier nicht mehr sitzen werden. Insofern kann man der Sache natürlich auch etwas Gutes abgewinnen.

Beifallbei der AfD

Insgesamt muss aber eins endlich verstanden werden, nämlich dass es bei den immer absurder werdenden Grenzwertverschärfungen eben nicht ums Klima geht. Es geht auch nicht um Gesundheitsschutz, um die herbeifantasierten Feinstaubtoten. Vor allem geht es aber eben nicht darum, 50 Millionen Pkws mit Verbrennungsmotor durch 50 Millionen Elektrofahrzeuge zu ersetzen. Nein, es geht darum, die private Mobilität mittelfristig so zu verteuern, dass sie nur noch einer auserwählten Elite zur Verfügung steht. Und dazu werden die meisten Bürger da draußen an den Bildschirmen in Zukunft leider nicht mehr gehören. Das muss man mal verstehen.

Beifallbei der AfD

Denn in den Zukunftsplänen der grün bemäntelten Sozialisten und Kommunisten, die hier zurzeit den Ton angeben, ist nämlich weder ein privates Eigenheim noch der private Besitz eines Pkws vorgesehen.

Quatsch! Schauen Sie mal über Ihren Tellerrand hinaus!

Der verhasste alte weiße Mann, der durch Fleiß und Bildung Wohlstand schafft, Privateigentum anhäuft und dann vielleicht sogar noch in einem SUV völlig selbstbestimmt mit 180 Stundenkilometern durch die Gegend braust, ist geradezu der Albtraum, das Feindbild linker Ideologie.

Nein; verstaatlichen, enteignen, umverteilen – das sind die Zielvorstellungen all derer, die dieses Land vor unseren Augen kaputtregieren. Und wenn die Bürger das erst einmal verstanden haben, meine Damen und Herren auf der Regierungsbank, dann werden Sie ein ernsthaftes Problem bekommen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Unglaublich, was für einen Unsinn er redet!

10 Vermerkeca. 584 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Wir alle im Raum haben eine unschlagbare Gemeinsamkeit: Wir alle atmen gerne saubere Luft. Das wollen Sie, das will ich, und das wollen natürlich auch die Autofahrer in diesem Land.

Der Trend geht seit 30 Jahren klar hin zu sauberer Luft.

So ist es!

Und so ehrlich müssen wir sein: Die Abgasnormen der Europäischen Union haben daran einen großen Anteil. Es gibt aber einen Unterschied: In der Vergangenheit haben sich diese Abgasnormen stets am Machbaren orientiert.

Im Koalitionsvertrag steht, dass wir uns für eine ambitionierte und umsetzbare Euro-7-Norm einsetzen. Bis zum aktuell eingebrachten Kompromiss im Rat sah es aber eine ganze Zeit lang danach aus, als würde die EU-Kommission mit ihrem Vorschlag völlig über das Ziel hinausschießen. Die Testrandbedingungen sollten derart verschärft werden, dass Fahrzeuge in jedem noch so alltagsfernen Szenario die Grenzwerte einhalten müssen, und das wäre einfach absurd.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und der Abg. Isabel Cademartori Dujisin [SPD]

Umso mehr freue ich mich daher, dass der aktuelle Kompromissvorschlag der spanischen Ratspräsidentschaft endlich eine rechtssichere Zusammenstellung der Bedingungen für die Messung von Schadstoffen vorsieht.

Was es aber dennoch braucht, ist mehr Zeit. Durch Euro 7 werden Hersteller vor die Frage gestellt: Investiere ich in Euro 7 und Umweltschutz, oder investiere ich in klimaneutrale Mobilität? Genau das darf doch nicht passieren. Euro 7 darf nicht dazu führen, dass Zeit für und Investitionen in den Klimaschutz verloren gehen.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und der Abg. Isabel Cademartori Dujisin [SPD] und Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Kommission hat dabei nämlich ein entscheidendes Detail nicht mitgedacht: Reduzieren wir Stickoxid, entsteht mehr CO2. Deswegen ist es so wichtig, dass sich unsere Bundesregierung in Brüssel dafür einsetzt, dass endlich auch synthetische Kraftstoffe mit in den Text der Euro-7-Norm aufgenommen werden.

Ohne erneuerbare Kraftstoffe im Text ist Euro 7 für uns nicht zustimmungsfähig.

Gleiches gilt auch für die Flottengrenzwerte für Lkw und Busse. Für diese Fahrzeuge sind E-Fuels besonders sinnvoll. Sie sorgen dafür, dass CO2 im Kreislauf gehalten wird, und ermöglichen dadurch eine klimaneutrale Mobilität mit Verbrennungsmotor. Daher wäre es völlig unverständlich, wenn jedes Gramm CO2, das am Auspuff von mit klimaneutralen Kraftstoffen betankten Fahrzeugen gemessen wird, als vollkommen neues CO2 angerechnet wird. Besonders dort, wo Elektromobilität wohl nicht zum Goldstandard wird, müssen wir auf erneuerbare Kraftstoffe setzen.

Beifallbei der FDP sowie des Abg. Henning Rehbaum [CDU/CSU]

Aus diesem Grund setzen wir uns in Brüssel für Folgendes ein:

Erstens. Synthetische Kraftstoffe müssen auf die CO2-Flottenbilanz von Lkw und Bussen angerechnet werden können.

Zweitens. Die CO2-Minderungsziele für diese schweren Nutzfahrzeuge dürfen nicht noch weiter verschärft werden. Unternehmer und Verbraucher brauchen endlich Gewissheit.

Drittens. Wir brauchen eine Euro-7-Norm, die das Machbare im Blick behält und den Einsatz von synthetischen, von erneuerbaren Kraftstoffen nicht blockiert.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Ich bin froh, dass die Karten hier noch mal völlig neu gemischt werden, um eben auch klarzustellen: Es kommt überhaupt nicht auf die Antriebsart an; es kommt darauf an, dass die CO2-Bilanz am Ende gleich null ist.

Letzte Bemerkung. Liebe Union, Sie werfen der Bundesregierung in Ihrem Antrag ja vor, sich für das vorzeitige Verbrenner-Aus einzusetzen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Wissen Sie, wer eigentlich in diesem Land unsere Autofahrer im Regen stehen lässt? Das sind Sie. Es ist die Politik Ihrer EU-Kommissionspräsidentin, der wir hier hinterherräumen müssen, weil Sie Ihre Hausaufgaben nicht machen.

Beifallbei Abgeordneten der FDP
Zurufvon der CDU/CSU: Unverschämt!

Deswegen gebe ich Ihnen den Titel für Ihren nächsten Schaufensterantrag gleich mit auf den Weg; der heißt dann nämlich: „Danke, FDP!“

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und wer ist der Gesetzgeber? Europaparlament und Rat! Und wer kann sich im Rat einbringen? Die Bundesregierung! Haben Sie das immer noch nicht gecheckt?

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

wie auch den Beitrag von Christian Hirte für die CDU/CSU – Sie können gleich allen gleichzeitig Beifall spenden –, und auch den Beitrag von Dunja Kreiser für die SPD nehmen wir zu Protokoll.1Anlage 10

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der LINKEN

Ich schließe die Aussprache.

Porträt von Christoph Ploß
Foto: Tobias Koch
6 Vermerkeca. 426 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Lieber Kollege Gelbhaar, Ihre Rede steht wirklich symptomatisch für den Zustand der Ampelkoalition: Die eine Hand weiß nicht, was die andere tut. – Sie halten hier eine Rede gegen E-Fuels im Pkw-Bereich. Sie sagen: Die E-Fuels haben da nichts zu suchen. – Noch in dieser Woche hat der Verkehrsminister aus Ihrer Koalition erklärt: E-Fuels sollen im Pkw-Bereich auch in Zukunft eine Rolle spielen. – Bei Ihnen weiß der eine Partner nicht, was der andere will, und deswegen geht es in unserem Land mit der Ampelkoalition auch nicht voran.

Beifallbei der CDU/CSU

1,5 Milliarden Euro Förderung!

Ich will Ihnen eins mal ganz deutlich sagen: Wenn wir hier über Technologieoffenheit sprechen,

stelle ich fest: Das ist für Sie anscheinend ein Reizwort. Wir brauchen nur das Wort „Technologieoffenheit“ zu erwähnen, und Sie gehen an die Decke. Bei Technologieoffenheit geht es um soziale Marktwirtschaft. Da geht es darum, dass wir die Klimaziele auf unterschiedlichen Wegen erreichen, dass wir nicht sagen: „Wir machen den gleichen Fehler, den in der Vergangenheit beispielsweise die rot-grüne Bundesregierung bei energie- und verkehrspolitischen Fragen gemacht hat, und setzen nur auf eine Sache“, sondern wir wollen mit „Technologieoffenheit“ zum Ausdruck bringen, dass Unternehmen und Verbraucher in der sozialen Marktwirtschaft selber entscheiden, wie sie die Klimaziele erreichen. Das ist das Gegenteil von der Staatswirtschaft, für die Sie hier im Deutschen Bundestag eintreten.

Beifallbei der CDU/CSU

Gleichzeitig hängen am Verbrennungsmotor natürlich auch sehr viele Arbeitsplätze; auch das muss man einmal deutlich sagen. Wenn man den Verbrennungsmotor durch politische Beschlüsse kaputtmacht, so wie Sie das wollen, dann wird das bedeuten, dass im Süden unseres Landes, aber auch in Nordrhein-Westfalen,

Zurufvon der AfD: Im Osten auch!

wo es viele Zuliefererbetriebe gibt, viele Arbeitsplätze vernichtet werden. Gerade die Beschäftigten dort setzen darauf, dass wir den Verbrennungsmotor klimaneutral machen. Dabei geht es nicht um die Frage „Batterieauto oder Verbrenner?“. Wir werden am Ende beides brauchen bei der Mobilität der Zukunft.

Beifallbei der CDU/CSU

Ihre Rede, die ja vor allem gegen Ihren eigenen Verkehrsminister gerichtet war, zeigt leider eine Entwicklung, die für unser Land nicht besonders gut ist. Die FDP hat noch vor einem guten halben Jahr groß verkündet: E-Fuels werden in Zukunft im Pkw-Bereich eine große Rolle spielen; dafür wird man die Gesetze ändern. – Bis heute verweigert das zuständige Bundesumweltministerium eine Anpassung der Bundes-Immissionsschutz-Verordnung. Und genau das ist das Problem: Es geht nichts voran.

Ich werde Ihnen eines hier zu später Stunde noch mal auf den Weg mitgeben: Wir werden in den nächsten Wochen Druck machen, dass E-Fuels auch in Zukunft an deutschen Tankstellen vertrieben werden können,

Beifallbei Abgeordneten der AfD

dass E-Fuels eine wichtige Rolle im Pkw-Segment spielen.

Porträt von Christoph Ploß
Foto: Tobias Koch
2 Vermerkeca. 26 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Da kann man sich auf die CDU/CSU-Fraktion im Land verlassen. Deswegen: Bei den Landtagswahlen in Bayern CSU und in Hessen CDU wählen!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Stefan Gelbhaar [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die CDU/CSU gewandt: War jetzt ein bisschen peinlich!
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Marco BuschmannFDP· Bundesminister BMJ· MdB
5 Vermerkeca. 548 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Liebe Zuschauerinnen! Liebe Zuschauer! Wir machen weiter mit der Modernisierung des deutschen Prozessrechts. Gerade eben haben wir den Strafprozess modernisiert, und jetzt machen wir weiter mit dem Zivilprozess und dem Prozessrecht anderer Fachgerichtsbarkeiten.

Videokonferenztechnik ist heute aus dem Alltag der Menschen gar nicht mehr wegzudenken. Viele, für die das vorher so ein bisschen ungewöhnlich war, haben in der Coronapandemie gelernt, damit umzugehen. Das ist ja das einzig Gute, was diese Pandemie mit sich gebracht hat: dass es einen Digitalisierungsschub gab.

Auch die Gerichte haben in dieser Zeit bewiesen, dass sie mit dieser Technik gut umgehen können, und ich will hier mal ausdrücklich loben, was unsere Richterinnen und Richter dort hinbekommen haben. 2021 haben 50 000 Videogerichtsverhandlungen in Deutschland stattgefunden. Das war eine großartige Leistung. Das zeigt: Die Technik funktioniert, die Leute beherrschen sie, und wir können damit arbeiten.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

In vielen Rechtsgebieten mussten wir teilweise notgedrungen auf die Videokonferenztechnik ausweichen. Aber wir haben gelernt, wie praktisch das ist, und das gilt natürlich auch für Videoverhandlungen bei Gericht:

Erstens. Videoverhandlungen sind komfortabel für die Beteiligten. Wir wissen, häufig stehen lange Reisezeiten an, wenn man zum Gericht reist. Manchmal dauern die Verhandlungen selbst gar nicht so lange, eine Viertelstunde, 20 Minuten, und dafür reist man dann mitunter stundenlang an. Da ist es natürlich eine wesentliche Erleichterung, wenn das per Videokonferenz stattfinden kann. Das ist also komfortabler.

Zweitens. Im Übrigen ist es auch nachhaltiger, weil man bei Reisen CO2 verbraucht; das spart man dann auch.

Drittens trägt es zur Beschleunigung bei. Das kann ich aus eigener anwaltlicher Praxis sagen. Manchmal hat es Wochen und Monate gedauert, bis man sich einig war, wann alle Beteiligten zum Termin kommen. Das lag häufig auch am hohen Reiseaufwand, und deshalb trägt die Videokonferenztechnik im Ergebnis auch zu einer Beschleunigung der Verfahren bei. Deswegen ist das eine gute Sache, die wir Ihnen heute hier vorlegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Im Kern sind die Ideen eigentlich ganz einfach: Wenn die Parteien übereinstimmend möchten, dass die Verhandlungen per Videokonferenztechnik stattfinden, dann lautet der Grundsatz: Dann soll das auch so sein; es sei denn, die Richter haben einen guten Grund, zu sagen, sie möchten beispielsweise Zeugen persönlich sehen. Wenn es also einen sachlichen guten Grund gibt, eine Präsenzverhandlung durchzuführen, dann ist das natürlich weiterhin möglich. Aber der Grundsatz ist: Wenn die Parteien eine Videokonferenzverhandlung wollen, dann soll das auch so stattfinden. Umgekehrt ist es übrigens so, dass das Gericht eine Videokonferenzverhandlung anordnen kann, wenn es der Meinung ist, dass es dem Verfahren dienlich ist. Das ist, glaube ich, eine kluge und ausgewogene Regelung für den Einsatz der Videokonferenztechnik, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir nutzen die Videokonferenztechnik übrigens auch für die virtuelle Rechtsantragstelle. Wir wollen also auch sehr standardisierte Verfahren, wie etwa die Beantragung von Prozesskosten- oder Beratungskostenhilfe, digitalisieren, modernisieren. Auch dort wollen wir die Nutzung der Videokonferenztechnik möglich machen.

Wenn ich einen Summenstrich unter das alles ziehe: Es ist, glaube ich, eine pragmatische Lernerfahrung aus der Pandemie, dass digitale Technik, wie die Videokonferenztechnik, eine ganze Menge Vorteile hat. Die sollten wir in der Verwaltung nutzen, die sollten wir bei Gericht nutzen. Dadurch werden Verfahren für die Parteien komfortabler, sie werden schneller, und sie finden auch nachhaltiger statt.

Ich denke, das ist eine gute Sache, und bitte um wohlwollende Beratung hier im Parlament.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Martin Plum
Foto: Martin Plum/Gebhard Bücker Fotografie
4 Vermerkeca. 409 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich kann aus eigener Erfahrung als Richter bestätigen, dass Videoverhandlungen die Terminfindung vereinfachen, den Beteiligten Zeit und Kosten sparen, die Umwelt schonen und in vielen Fällen für eine effektive Verfahrensführung gleich geeignet sind wie Präsenzverhandlungen. Deshalb begrüße ich persönlich und begrüßen auch wir als CDU/CSU-Bundestagsfraktion das Ziel, den weiteren Einsatz der Videokonferenztechnik an unseren Gerichten zu fördern. Der Gesetzentwurf enthält dafür auch einige gute Ansätze, etwa die vereinfachte und verbindliche Anordnung der Videoverhandlungen oder die Ausweitung des Einsatzes der Videokonferenztechnik auf die Inaugenscheinnahme, die Rechtsantragstelle oder die Abnahme einer Vermögensauskunft.

Aber an anderen Punkten schießt er auch über das Ziel hinaus oder daran vorbei:

Erstens ist nicht nachvollziehbar, warum die Entscheidung darüber, ob ein konkreter Fall für eine Videoverhandlung geeignet ist, immer dann dem freien richterlichen Ermessen entrissen werden soll, wenn beide Anwälte dies übereinstimmend beantragen. Die konkrete Verfahrensgestaltung gehört in die Hände der Richter und nicht der Rechtsanwälte. Diese Grundentscheidung hat unsere Prozessordnung aus guten Gründen so getroffen.

Beifallbei der CDU/CSU

Zweitens erschließt sich auch nicht, warum das Gericht die Ablehnung einer Videoverhandlung begründen soll, wenn diese Entscheidung unanfechtbar ist. Das ist unnötige und unsinnige Mehrarbeit für die Gerichte.

Und bei diesen beiden Punkten kommt – bei allem Lob, was Sie gerade ausgesprochen haben – eines wieder deutlich zum Ausdruck – genauso wie bei der strafrechtlichen Dokumentation der Hauptverhandlung –: Das Empfinden vieler Richterinnen und Richter in diesem Land, dass die Ampel und allen voran der Bundesjustizminister ihnen gegenüber ein grundsätzliches Misstrauen hegen, ist berechtigt. Dieses Misstrauen ist nicht nur unberechtigt und unangemessen, es schadet dem Vertrauen in unsere Justiz und in unseren Rechtsstaat.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Thomas Seitz [AfD]

Drittens schießen vollvirtuelle Verhandlungen, bei denen selbst die Richter nicht mehr bei Gericht anwesend sein müssen, über das Ziel hinaus. Gerichte gehören nicht auf die heimischen Sofas, sie gehören mitten in unsere Städte. Sie gehören mitten in unsere Gesellschaft, weil sie Zentren unseres Rechtsstaats sind.

Wer Videoverhandlungen wirklich fördern will, muss sich schließlich nicht nur um neue Regeln kümmern, sondern zuallererst um die technische Ausstattung der Gerichte. Daran mangelt es an vielen Orten immer noch. Allein von den 32 Sitzungssälen der Bundesgerichte sind gerade mal 10 Sitzungssäle – und damit weniger als ein Drittel – videokonferenzfähig. Aber Sie, Herr Minister, konzentrieren sich mit einem mickrigen Digitalpakt für die Justiz lieber auf einzelne digitale Leuchtturmprojekte, anstatt für eine ausreichende digitale Grundausstattung in der Fläche zu sorgen. Hier gilt es zu handeln. Wir unterstützen Sie auf diesem Weg gerne.

Beifallbei der CDU/CSU
5 Vermerkeca. 584 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Buschmann! Der Gesetzentwurf zur Förderung des Einsatzes von Videokonferenztechnik in der Zivilgerichtsbarkeit, aber auch in den Fachgerichtsbarkeiten ist ein wichtiger Baustein im Rahmen der Digitalisierung unserer Justiz. Die Videokonferenztechnik, aber auch sogenannte vollvirtuelle Videoverhandlungen, die wir erproben wollen, tragen als Instrumente zu einer effizienten und nachhaltigen Verfahrensführung bei. Sie ermöglichen eine höhere Flexibilität, und Gerichten und allen Verfahrensbeteiligten wird die Terminplanung erleichtert; darauf sind Sie auch eingegangen.

Als zentrale Vorschrift haben wir den Regelungsgehalt von § 128a ZPO entsprechend erweitert. Neu im Zivilprozess ist eben auch: Wenn alle zustimmen, dann kann das Ganze unproblematisch erfolgen.

Herr Plum, zu Ihnen muss ich bezüglich der Vorteile noch kurz sagen: Das Gericht muss eine ablehnende Entscheidung natürlich begründen, damit transparent ist, worauf die Ablehnung beruht, um da nicht den Eindruck von Willkür zu erwecken. Allerdings ist es natürlich so, dass wir da jetzt nicht noch mal ein Rechtsmittel ermöglichen können;

Hatten Sie ursprünglich vor!

denn wenn lange darüber gestritten werden könnte, würden wir die Verfahren, wie wir die Anwältinnen und Anwälte kennen, erst recht verzögern.

Was die Ausstattung unserer Justiz und der Gerichte selbst angeht: Die Zuständigkeiten für die finanziellen Mittel liegen ja wohl bei den Ländern, soviel ich weiß. Das müssten Sie als ehemaliger Richter wissen.

Bei den Bundesgerichten ja wohl nicht!

Ich möchte jetzt gar nicht mehr auf die Einzelheiten eingehen, was das alles für Vorteile bringt. Das, was jetzt kommt, wird Ihnen vielleicht ein bisschen gefallen. Ich möchte auf die Besonderheiten von Gerichtsverfahren für Sie, liebe Gäste hier, eingehen.

Die Gerichtsverfahren haben für Menschen eine ganz besondere Bedeutung, und darauf haben wir in dem Gesetzentwurf auch noch mal genau geachtet. Die Bevölkerung hat ein sehr hohes Vertrauen in unsere Gerichte, und die Gerichte genießen ein hohes Ansehen, insbesondere unsere Richterinnen und Richter, weil sie eben unabhängig sind und weil bei uns am Ende auch alles funktioniert.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Als ehemalige Rechtsanwältin habe ich viele Mandantinnen und Mandanten vor Arbeits-, Sozial-, Zivil- und Familiengerichten vertreten. Ich weiß, wie besonders wichtig es in den Verfahren ist, dass man sich auch mal persönlich sieht, und dass gerade die Mandanten immer ein Riesenbedürfnis haben, dem Richter persönlich zu sagen, was alles schiefgelaufen ist, und ihre Sichtweise zu schildern. Vor diesem Hintergrund sind die Abwägungen, die wir getroffen haben – ob das Gericht dem Ganzen zustimmen muss oder auch nicht –, völlig richtig.

Es kann nicht im Interesse der Klägerinnen und der Beklagten gerade in sensiblen Verfahren bei Arbeits-, Sozial- und Familiengerichten sein, dass wir da quasi mit dem Rasenmäher drübergehen und am Ende einfach regeln, dass vollvirtuelle Videoverhandlungen stattfinden, ohne dass die Möglichkeit besteht, dass die Beteiligten da noch etwas machen können. Deshalb haben wir im Arbeitsgerichtsgesetz richtigerweise eine Kannvorschrift eingeführt, sodass in diesen sensiblen Verfahren das Gericht die Verfahrensleitung übernehmen und sagen kann: Hier ist es besonders wichtig; ich möchte einen persönlichen Eindruck haben. – Ich kenne das aus dem Arbeitsrecht – wie auch viele, die hier sitzen – bei Verdachtskündigungen, bei Mobbing, bei Zeugnisstreitigkeiten. Da brauche ich einen persönlichen Eindruck von den Klägerinnen und auch von den Beklagten, um mir letztlich ein Urteil bilden zu können. Es ist dann auch immer im Interesse der Beklagten und der Klägerinnen, dass man sich persönlich getroffen hat. Deshalb ist es völlig richtig, dass wir den Richterinnen da auch noch mal einen Ermessensspielraum einräumen.

Wir werden zu dem Gesetzentwurf ja noch eine Anhörung durchführen, und es sind bereits einige Stellungnahmen in unseren Büros eingegangen. Ich freue mich auf die Beratungen und darauf, dass wir uns am Ende die Interessenlagen noch mal genau anschauen und zusammenführen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Fabian Jacobi
Foto: Fabian Jacobi
5 Vermerkeca. 403 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir verhandeln in erster Lesung ein weiteres Digitalisierungsgesetz aus dem Hause des Justizministers Buschmann. „Schon wieder?“, ist man versucht zu fragen, und unwillkürlich drängt sich die Ahnung auf, es habe der Minister das alte Lenin’sche Diktum von der Elektrifizierung für sich umgemünzt, sodass es nun laute: Liberalismus, das ist Sowjetmacht plus Digitalisierung des ganzen Landes.

Beifallbei der AfD

Der Deutsche Bundestag hat in jüngster Zeit Gesetze über virtuelle Hauptversammlungen bei Aktiengesellschaften und über virtuelle Mitgliederversammlungen bei Vereinen verabschiedet. Demnächst sollen noch die Wohnungseigentümerversammlungen drankommen.

Heute nun geht es um Gerichtsverhandlungen, namentlich die Hauptverhandlung im Zivilprozess. Auch diese soll zukünftig vermehrt teils oder ganz als Videokonferenz durchgeführt werden. Schon bisher kann das Gericht die Zuschaltung von Beteiligten per Video zulassen. Zukünftig soll es das aber auch ohne entsprechenden geäußerten Wunsch der Prozessbeteiligten von sich aus für alle Beteiligten anordnen können.

Wir lehnen den Einsatz von Videotechnik bei Gerichtsverhandlungen nicht etwa pauschal ab. Es gibt Situationen, in denen der Verzicht auf eine echte Verhandlung unter Anwesenden vertretbar ist. Das mag der Fall sein, wenn ohnehin nur die jeweiligen Rechtsanwälte an dem Termin teilnehmen und absehbar lediglich formale Erklärungen zu Protokoll zu nehmen sind.

Wo aber das staatliche Gericht unter Beteiligung der Prozessparteien in der Sache verhandelt, da sollte es dabei bleiben, dass das Gericht dem rechtsuchenden Bürger als Person gegenübertritt. Es darf nicht dahin kommen, dass der Bürger bei der Verhandlung über für ihn womöglich existenzielle Angelegenheiten auf eine Videokachel auf einem Bildschirm reduziert wird.

Beifallbei der AfD

Es sollte daher dabei bleiben, dass der Verzicht auf eine echte Verhandlung und deren Ersetzung durch eine bloße Videokonferenz nur dann stattfindet, wenn die Prozessparteien das selbst wünschen.

Nun ist diese Kritik auf dem Weg vom Referentenentwurf zum Regierungsentwurf bereits ein Stück weit aufgenommen worden. Im jetzigen Gesetzentwurf ist nämlich im Gegensatz zur früheren Version vorgesehen, dass die Prozessparteien gegen die Anordnung einer Videoverhandlung Einspruch einlegen können. Allerdings soll weiterhin zunächst der zuständige Richter von sich aus eine Videoverhandlung anordnen können. Es sollte aber niemand als Prozesspartei in die Lage gebracht werden, dass er sich überlegen muss, ob er mit einem Bestehen auf einer regulären Verhandlung möglicherweise den Richter, der es ja anders will, negativ gegen sich einnimmt. Die Initiative zu einem Absehen von einer regulären Verhandlung sollte weiter von den Parteien ausgehen, nicht vom Gericht.

Beifallbei der AfD

Es besteht hier weiter Nachbesserungsbedarf an dem Gesetzentwurf, über den wir dann im Ausschuss versuchen können zu reden.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Till Steffen
Foto: Dr. Till Steffen/ Stefan Kaminski
6 Vermerkeca. 608 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Lieber Herr Buschmann, Sie haben ja tatsächlich auch angekündigt, dass wir mit diesem Gesetzentwurf zum Durchbruch für die Videoverhandlungen kommen, und Sie haben es richtig gesagt: Die Coronazeit hat gezeigt, es funktioniert ziemlich gut. Es ist nicht zum Stillstand gekommen; der Rechtsstaat hat weiterhin funktioniert. – Und das war ja in der Tat eine beachtliche Leistung. Es war ja die Sorge, dass wir wegen der Notwendigkeit, direkte Begegnungen zu vermeiden, mit dem Schließen von Gerichtsgebäuden zum Stillstand des Rechtsstaates kommen. Gar nichts davon ist passiert, sondern wir haben sehr gut arbeiten können mit diesem Mittel, und das, obwohl es in dem Moment für viele Leute neu war.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Ich finde es auch ausgesprochen gut, dass der Dialog mit den Ländern mittlerweile ziemlich gut funktioniert und dass Sie sich ausführlich mit den Ländern ausgetauscht haben. Ich habe das auch gemacht. Ich habe den Eindruck, dass eine bestimmte Perspektive bei den Stellungnahmen der Länder besonders stark vertreten ist, nämlich die Perspektive der Richterschaft.

Ich glaube, gerade weil wir jetzt hier gehört haben: „Ist das irgendwie für oder gegen die Richterschaft, was ist mit den Anwälten usw.?“, finde ich es noch mal absolut richtig, die Frage zu stellen: Worauf kommt es eigentlich an? Kommt es eigentlich darauf an, wessen Interessen hier am ehesten bedient werden, die der Richterinnen und Richter oder die der Anwältinnen und Anwälte? Ich finde, das ist die falsche Frage. Es kommt am Ende darauf an, ob wir durch unsere Gerichtsverfahren Rechtsfrieden erreichen,

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

und das kann sich natürlich wirklich nur danach bestimmen, was die rechtsuchenden Bürgerinnen und Bürger wollen, was die wollen und wie wir die erreichen.

Es gibt durchaus eine ganze Menge Erfahrungen mit bisherigen Präsenzverhandlungen, wo eher große Frustration erzielt wurde, gerade im Zivilprozess, wo sehr viel im Schriftsatz stattfindet. Da habe ich es häufiger erlebt, dass ich mit einem Mandanten zur Verhandlung gegangen bin und gefragt wurde: „Sie stellen die Anträge aus der Klagschrift?“, worauf ich geantwortet habe: „Ja.“ „Und Sie beantragen Klagabweisung?“, und am Schluss wurde vom Gericht gesagt: „Termin zur Verkündung des Urteils ergeht von Amts wegen“, woraufhin mich der Mandant gefragt hat: „Und das war’s?“ Also, da gibt es große Frustration, und es stellt sich die Frage, warum man dafür extra anreisen und die weiten Anreisen in Kauf nehmen muss, die Sie, Herr Buschmann, zu Recht auch angesprochen haben.

Also, es kommt nicht darauf an, zu fragen: „Was wollen die Richterinnen und Richter? Was wollen die Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte?“, sondern es kommt darauf an, was wir insgesamt für die Justiz erreichen. Ich finde, wir müssen Kriterien wie konsequente Kundenorientierung anlegen. Wir müssen uns fragen: Wie können wir unnötigen Aufwand reduzieren? Wie können wir zu schnelleren Prozessen kommen? Wie können wir einen Beitrag dazu leisten, Daseinsvorsorge in der Fläche zu leisten? Denn Justiz ist Daseinsvorsorge, und im ländlichen Raum sind weite Wege natürlich eine relevante Frage.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Und wir müssen natürlich auch für Qualitätssicherung sorgen; denn wir wissen ja, dass es für viele Fragen spezialisierte Anwältinnen und Anwälte braucht. Die sind nun mal nicht überall vertreten, und wir sehen ja an vielen Stellen, dass es sinnvoll ist, wenn wir auch spezialisierte Spruchkörper bei den Gerichten haben.

Ich glaube, dass wir uns deswegen noch einiges mehr einfallen lassen können, als jetzt konkret in diesem Gesetzentwurf drinsteckt. Dazu werde ich demnächst im Rahmen der Verhandlungen, auf die ich mich sehr freue, auch konkrete Vorschläge vorlegen. Deswegen, glaube ich, lohnt es sich, dass wir bei dieser Debatte noch mal genau gucken: Wie können wir tatsächlich zu diesem Durchbruch kommen, den Sie uns hier in Aussicht gestellt haben?

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN

Das Wort hat der Kollege Stephan Mayer für die CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Stephan Mayer
Foto: DBT/Inga Haar
ca. 450 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich bin der festen Überzeugung, dass es vom Grundsatz her sehr wohl zu begrüßen ist, dass die Möglichkeiten der Videokonferenztechnik im Bereich des Gerichtswesens gerade im Lichte der in der Coronapandemie gemachten Erfahrungen modernisiert und weiterentwickelt werden, und, Herr Minister, ich gebe Ihnen auch recht: Die Videokonferenztechnik bietet auch im Bereich des Gerichtswesens mit Sicherheit weitere Möglichkeiten und sollte auch weiter genutzt werden.

Auch wenn die Videokonferenztechnik aus unserem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken ist, bin ich gleichwohl der festen Überzeugung, dass das Gerichtswesen schon ein besonderes Institut in Deutschland ist. Es geht bei all dem natürlich auch darum, dass wir eine gewachsene Rechtskultur in Deutschland haben, und es geht insbesondere auch darum, dass bei all den Vorteilen der Anwendung von Videokonferenztechnik für die Prozessökonomie – was die Beschleunigung anbelangt, was die Kostenersparnis anbelangt, was die Zeitersparnis anbelangt – natürlich auch den Grundsätzen der Autorität der Gerichte und der Autorität der Richter entsprechend Rechnung zu tragen ist.

Ich bin froh – das sage ich hier auch ganz deutlich –, dass sich dieser Gesetzentwurf in den letzten Monaten deutlich verändert hat. Vom Referentenentwurf zum jetzigen Gesetzentwurf gab es aus unserer Sicht massive Verbesserungen, zum Beispiel dergestalt, dass Anträge von Prozessbeteiligten gegen die Ablehnung des Antrags auf Durchführung einer Gerichtsverhandlung im Wege der Videokonferenz nicht mit einer Beschwerde belegt werden können. Ich bin der festen Überzeugung, dies würde vor allem auch der Verfahrensverzögerung Tür und Tor öffnen.

Was leider nicht geändert wurde, Herr Minister – ich glaube, das müssten wir uns in der Sachverständigenanhörung und in der parlamentarischen Befassung noch intensiv ansehen –, ist, dass der Vorsitzende Richter kein pflichtgemäßes Ermessen hat, wenn sich alle Verfahrensbeteiligten einig sind, die Videokonferenz technisch zu nutzen, sondern dass es nur ein gebundenes Ermessen gibt, dass es hier eine Sollvorschrift gibt. Ich bin der festen Überzeugung, dass es gerade vor dem Hintergrund des wichtigen Instituts der Unabhängigkeit der Richter hier entscheidend ist, dass das Gericht natürlich auch freie Hand hat, pflichtgemäßes Ermessen zur Anwendung zu bringen, wenn es darum geht, ob die Verhandlung per Videokonferenz stattfinden soll oder nicht.

Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, ein weiterer entscheidender Punkt, mit dem wir uns auch auseinandersetzen müssen, wird sein, wie mit den Kosten zu verfahren ist. Bei all den Vorteilen, die die Videokonferenztechnik bietet, liegt ein großer Webfehler in dem Gesetzentwurf dergestalt vor, dass die Kosten, Herr Minister, die Sie im staatlichen Bereich in Ansatz bringen, aus meiner Sicht vollkommen naiv und unrealistisch sind. Davon auszugehen, dass die einmaligen Investitionskosten gerade mal bei 1,9 Millionen Euro und die jährlichen Kosten, die laufenden Kosten, bei 1 Million Euro liegen, schlägt dem Fass den Boden aus; das wird aus meiner Sicht in keiner Weise reichen.

Porträt von Stephan Mayer
Foto: DBT/Inga Haar
1 Vermerkca. 42 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das wird mit Sicherheit auch ein Punkt sein, mit dem wir uns in den Verhandlungen auseinandersetzen müssen.

Ich kann Ihnen abschließend, Herr Minister, wie Sie es auch gewünscht haben, eine wohlwollende, eine ernsthafte Begleitung dieses Gesetzentwurfes durch die CDU/CSU-Fraktion zusagen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Florian Hahn
Foto: Cosima Höllt
5 Vermerkeca. 382 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer sich auf Straßen klebt, erfährt Aufmerksamkeit in den Medien, auf Twitter, in der eigenen Bubble; er lässt sich wegtragen und denkt, sein Leben heldenhaft für die Rettung der Welt eingesetzt zu haben. Die Republik diskutiert darüber wild, wie wir das in den letzten Tagen auch immer wieder erleben durften. Aber vergessen wir dabei nicht unsere wahren Heldinnen und Helden, diejenigen, die sich an ganz entscheidender Stelle selbstlos in den Dienst unseres Gemeinwesens stellen, beispielsweise unsere Soldatinnen und Soldaten.

Als langjähriges Mitglied im Verteidigungsausschuss und als Reservist kenne und schätze ich den Dienst und die Leistungen der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, den diese engagierten Bürgerinnen und Bürger in Uniform jeden Tag erbringen. Ich habe eine gute Vorstellung davon, welche Herausforderungen, welche Entbehrungen und Opfer mit dem Militärdienst verbunden sind, und ich muss leider feststellen, dass trotz dieser körperlichen und seelischen Härten, dass trotz der großen Gefahren und trotz der vielen im Dienst körperlich und seelisch Versehrten, Verunfallten und Gefallenen die angemessene Anerkennung und Würdigung in Deutschland bisher zu wünschen übrig lässt.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der FDP: 16 Jahre haben Sie regiert!

Dies ist bei unseren internationalen Partnern ganz anders; dort sind aktive und ehemalige Soldaten mitten in der Gesellschaft, und sie werden für ihren Dienst geehrt, oftmals sogar verehrt. Darum sollte den Veteranen der Bundeswehr ein besonderer Tag gewidmet werden. Wir fordern daher die Einführung eines Nationalen Veteranentages.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir folgen damit auch dem schon lange bestehenden Wunsch vieler Soldatenvertretungen, wie dem Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr – der Präsident ist heute auch hier im Hohen Haus zu Gast – und dem Deutschen BundeswehrVerband. Wir schlagen als Tag den Gründungstag der Bundeswehr, den 12. November, vor.

Auch Bundesverteidigungsminister Pistorius unterstützt diesen Gedanken. Er sagte selbst vor wenigen Tagen dazu:

„Ich finde, das ist eine gute Idee. Ich zeige mich da absolut offen für.“

Er wünschte sich aber, dass die Initiative aus dem Parlament kommen müsse, da die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist.

Wir, die Union, kommen diesem Wunsch mit unserem Antrag gerne nach und wünschen uns im Sinne der Parlamentsarmee und im Sinne der Soldatinnen und Soldaten, dass möglichst alle Fraktionen des Bundestages sich dieser Initiative anschließen.

Beifallbei der CDU/CSU

Diese Initiative, einen Veteranentag einzuführen: Lassen Sie uns gemeinsam dieses Signal der Anerkennung, der Würdigung und des Respekts für unsere Soldatinnen und Soldaten hier im Hohen Haus beschließen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Kristian Klinck [SPD]
10 Vermerkeca. 956 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Im Frühjahr 1999 war ich auf dem Offizieranwärterlehrgang Teil 1 an der Fernmeldeschule des Heeres in Feldafing, und die NATO-Truppen rückten in den Kosovo ein. Ich ging zum Hörsaalleiter und habe gesagt: Herr Hauptmann, ich will dabei sein, ich will in den Auslandseinsatz. – Dann habe ich einen Antrag geschrieben, und ich musste zum Lehrgruppenkommandeur, einem Oberstleutnant; ich wurde da ins Büro gerufen. Worüber wir gesprochen haben, weiß ich nicht mehr, aber als ich rausging, war ich nicht dabei.

Meine Damen und Herren, ich weiß nicht, wie es mir im Auslandseinsatz ergangen wäre. Ich weiß aber, dass wir damals alles getan haben, um die Kameraden, die gegangen sind, bei der Vorbereitung, im Einsatz und nach ihrer Rückkehr möglichst gut zu unterstützen, und in dieser Rolle stehe ich auch heute vor Ihnen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Sehr geehrte Damen und Herren, als Parlamentsarmee erfüllt die Bundeswehr ihren Auftrag aufgrund der Beschlüsse des Deutschen Bundestages. Folglich sollte die Bundeswehr durch den Deutschen Bundestag und durch die Menschen in Deutschland für ihren Einsatz angemessen gewürdigt werden. Unsere Soldatinnen und Soldaten rekrutieren sich aus der Gesellschaft und setzen ihr Leben zum Schutze aller ein. Sie gehören in die Mitte der Gesellschaft; denn sie sind die Mitte der Gesellschaft.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Seit 1991 haben über 420 000 Soldatinnen und Soldaten an Auslandseinsätzen und einsatzgleichen Verpflichtungen der Bundeswehr teilgenommen. Sie heben sich aus der großen Gruppe der etwa 10 Millionen Veteranen in Deutschland heraus, die Wehrdienst geleistet haben. Durch ihren Einsatz unter besonderen klimatischen Bedingungen, unter persönlichen Härten und mit der ständigen Gefahr von Verwundung und Tod haben unsere Einsatzveteraninnen und Einsatzveteranen ihren Eid gegenüber der Bundesrepublik Deutschland in besonderem Maße erfüllt. Sie haben ihre Einsätze mit vorbildlicher Dienstauffassung und höchster Professionalität durchgeführt, und wir sind ihnen zu großem Dank verpflichtet.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wo immer der Auftrag der deutschen Soldaten im Ausland erfüllbar war, wurde er erfüllt. Der Schutz der Menschenrechte und der Zivilbevölkerung, die Absicherung von Friedensabkommen, die Ausbildung einheimischer Sicherheitskräfte – in den vergangenen drei Jahrzehnten haben deutsche Soldaten Bedeutendes geleistet. Unsere Veteraninnen und Veteranen haben die Ideen der Freiheit, der Demokratie, der Menschenrechte und des Dienens aus freiem Gehorsam in die Köpfe und Herzen vieler Menschen getragen.

Doch diese Einsätze hatten einen hohen Preis: 116 Soldaten fielen im Auslandseinsatz oder kamen dort ums Leben. Studien zeigen, dass bis zu 20 Prozent unserer Soldatinnen und Soldaten mit psychischen oder physischen Schäden aus dem Einsatz zurückkehren. Es gibt Suizide, und es gibt Depressionen. Viele einsatzgeschädigte Soldatinnen und Soldaten kämpfen sich in kleinen Schritten, Stück für Stück, mit der Hilfe von Familie und Freunden ins Alltagsleben zurück.

Meine Damen und Herren, wir dürfen unsere Soldatinnen und Soldaten und ihre Familien mit den Folgen der in unserem Auftrag geleisteten Dienste nicht alleinlassen; wir im Deutschen Bundestag müssen an ihrer Seite stehen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Meine Damen und Herren, die 2014 vom Duke of Sussex initiierten Invictus Games wurden in diesem Jahr in Düsseldorf durchgeführt. Der Anspruch dieser Spiele ist es, den Menschen, die in ihrem Dienst für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte verletzt oder verwundet wurden, Respekt zu zollen.

Der Sport hat diesen Menschen geholfen, sich in das Leben zurückzukämpfen. Dieser persönliche Weg wurde bei den Invictus Games deutlich gemacht. Damit wurde das gesellschaftliche Bewusstsein für die Situation einsatzgeschädigter Soldaten gestärkt.

Wir sind stolz darauf, dass Deutschland diesen besonderen Sportwettkampf ausgerichtet hat, und freuen uns, dass wir anlässlich der Invictus Games im Bundestag über unsere Veteraninnen und Veteranen sprechen können.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Sehr geehrte Damen und Herren, ich freue mich, dass der Reservistenverband – lieber Patrick Sensburg, du bist ja auch da –, der Veteranenverband und der BundeswehrVerband seit Langem für einen Veteranentag eintreten, und ich freue mich, dass die CDU/CSU-Fraktion den diesbezüglichen Vorschlag vom Kollegen Johannes Arlt und von mir aufgegriffen hat.

Wir müssen weiter daran arbeiten, das gesellschaftliche Bewusstsein für die Situation der Einsatzveteraninnen und Einsatzveteranen zu erhöhen. Deswegen sage ich für die SPD-Fraktion: Ja, es ist an der Zeit, wir brauchen einen Veteranentag in Deutschland.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ein Veteranentag nach den Vorstellungen der SPD-Fraktion sollte inklusiv sein. Er legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Einsatzveteraninnen und Einsatzveteranen, er schließt aber niemanden aus. Das stellt auch sicher, dass wir nicht in eine Militarisierung hineingeraten. Auch unsere Reservisten ohne Einsatzerfahrung, die Deutschland ebenfalls treu gedient haben, sowie Polizistinnen und Polizisten und Helfer der Blaulichtorganisationen, die im Auslandseinsatz waren, sollen Teil des Veteranentages sein. Denn unsere Blaulichtorganisationen versehen ihren Dienst im Ausland oftmals Seite an Seite mit der Bundeswehr. Auch ihnen sagen wir herzlich: Danke!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ein Veteranentag sollte zweitens föderal organisiert sein. Es sollte auch vor Ort niedrigschwellige Veranstaltungen geben. Denn gerade die Vielfalt unserer Regionen, unserer Städte und Dörfer und das ehrenamtliche Engagement in unserer Heimat machen Deutschland aus.

Und schließlich darf ein Veteranentag kein Feigenblatt sein, sondern er muss jedes Jahr wieder einen Anstoß zur Verbesserung der Situation von Einsatzveteraninnen und Einsatzveteranen geben. Der Deutsche Bundestag hat in den letzten Wahlperioden mit Änderungen im Dienstrecht bei der Behandlung, Rehabilitation und Weiterverwendung von einsatzgeschädigten Soldaten deutliche Fortschritte erzielen können. Doch es gibt noch großen Handlungsbedarf bei der Versorgung, aber auch bei der Organisation und dem Umfang der Therapie von Einsatzgeschädigten. Die SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag wird sich für eine Verbesserung der Situation von Einsatzveteraninnen und Einsatzveteranen in materieller, gesundheitlicher und gesellschaftlicher Hinsicht einsetzen, und ich habe das Gefühl, dass wir im Bundestag da ganz viel gemeinsamen Boden haben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die Einführung von zeitgemäßen Formen des Gedenkens und der Traditionspflege ist folgerichtig. Ein Veteranentag ist ein guter Schritt auf dem Weg dorthin, und ich freue mich, das Thema im Ausschuss weiter zu beraten.

Abschließend möchte ich Sie bitten, nicht mir, sondern unseren Einsatzveteraninnen und Einsatzveteranen einen großen Applaus zu geben. Sie haben treu gedient, sie haben Treue verdient. Wir danken ihnen, und wir verneigen uns vor ihnen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP und des Abg. Wilfried Oellers [CDU/CSU]
Porträt von Hannes Gnauck
Foto: Hannes Gnauck
8 Vermerkeca. 468 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wenn Heuchelei ein Kürzel hätte, dann wäre es: CDU.

Lachendes Abg. Michael Donth [CDU/CSU]

Als Soldat, der selbst in Afghanistan war, macht es mich wirklich wütend, diesen Antrag von der Union lesen zu müssen. Sie haben hier nämlich sämtliche Forderungen aufgelistet, die wir als AfD seit Jahren äußern und denen Sie natürlich nie zugestimmt haben.

Konkrete Maßnahmen oder ein ausgefeiltes Konzept formulieren Sie jedoch nicht, und so wird dieser Schaufensterantrag dann wohl auch in den Ausschuss überwiesen werden. In diesem Sinne ist er auch nicht mehr als, ehrlich gesagt, der peinliche Versuch der CDU, das angekratzte Image als Soldatenpartei etwas zu polieren.

Doch genau diese sind Sie eben nicht, meine Damen und Herren,

Beifallbei der AfD

Sie noch weniger!

Sie sind nur eine weitere Verwaltungspartei, welche über die Bundeswehr stets wie über einen Dienstleister verfügt hat. Um die Bedürfnisse der Truppe, die Sinnhaftigkeit von Auslandseinsätzen, ihre Konsequenzen und die schweren Schicksalsschläge der Veteranen haben Sie sich doch nie wirklich gekümmert.

Also sind Sie gegen die Einführung eines Veteranentages?

Jetzt fällt Ihnen plötzlich auf, dass wir in Deutschland keine angemessene Wertschätzung für unsere Veteranen haben – und das nach 16 Jahren CDU/CSU-geführtem Verteidigungsministerium am Stück. Und, wohlgemerkt: Von den 20 Verteidigungsministern seit Bestehen der Bundesrepublik kamen 13 von der Union. 46 Jahre lang haben Christdemokraten die Verantwortung für unsere Streitkräfte getragen.

Deswegen ist die Bundeswehr so eine gute Truppe, Herr Gnauck!

Und jetzt haben Sie die Dreistigkeit, so einen Antrag einzubringen.

Beifallbei der AfD

Sind Sie jetzt nur deswegen dagegen?

Es ist wirklich unfassbar, meine Damen und Herren.

Dass die Soldaten nicht geschätzt werden, dass die Öffentlichkeit unsere Veteranen nicht einmal wahrnimmt, das ist doch zum größten Teil Ihre Schuld, meine Damen und Herren. Sie haben die Bundeswehr runtergespart, Sie haben den Auslandseinsätzen immer zugestimmt, ohne das Opfer der Soldaten dabei angemessen zu würdigen. Sie haben sich stets vor dem linken Zeitgeist gebückt, Sie haben jede Schmutzkampagne gegen unsere Männer und Frauen in Uniform mitgetragen, gerade unter Ursula von der Leyen. Lange Zeit haben Sie noch diskutiert, ob es überhaupt Bundeswehrveteranen gibt und wie die Definition genau lauten könnte. Zehn Jahre sind über diesen Debatten vergangen, und es ist nichts geschehen.

Als im Juni 2021 am Stützpunkt Wunstorf die letzten Soldaten aus Afghanistan heimkehrten, da war niemand von Ihnen zum Empfang da, übrigens auch keine CDU-Verteidigungsministerin. Meine Kameraden, vor allem diejenigen, die mit mir im Einsatz in Kunduz, in Masar-i-Scharif und in Kabul gedient haben, wir haben das alles nicht vergessen, Herr Hahn.

Wollen Sie jetzt einen Veteranentag, oder nicht?

Bis heute gibt es keine Einrichtung für Veteranen wie beispielsweise in den USA, keine speziellen Krankenhäuser oder Reintegrationskonzepte für von PTBS Betroffene, nichts – und das alles unter Führung der Union. Die einzige politische Kraft, die hier für eine Zeitenwende sorgen wird, sowohl geistig als auch materiell, das, meine Damen und Herren, ist die AfD, und das wissen auch unsere Soldaten. Mit der Mogelpackung CDU ist nun Schluss. Die patriotische Wende wird kommen – auf der Regierungsbank und damit eben auch in der Bundeswehr.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Das werden wir zu verhindern wissen!

8 Vermerkeca. 510 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Wehrbeauftragte! Liebe Kolleginnen! Wie viele von Ihnen und euch war auch ich vergangene Woche bei den Invictus Games. Auf meine Teilnahme habe ich eine sehr kritische Nachricht erhalten: warum ich eigentlich da wäre, das habe ja mit feministischer Außenpolitik gar nichts zu tun.

Sie wissen, dass ich mich dafür sehr einsetze. Ich möchte Ihnen kurz darlegen, warum ich diese Aussage so unfassbar falsch und so unfassbar problematisch finde: Wir richten nicht nur bei den Invictus Games, sondern auch darüber hinaus den Blick auf die Bedürfnisse von Menschen, die seelische oder körperliche Verletzungen, mitunter Behinderungen aus einem Einsatz davontragen. Die Fürsorge für diese Menschen und die Versorgung dieser Menschen, die für unsere Demokratie und unsere Freiheit einstehen, sie verteidigen, die kann man durchaus auch als feministisch betiteln, wenn man das möchte.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Für diesen Einsatz gebührt ihnen unser Respekt.

Wenn Menschen verletzt nach Hause zurückkehren, dann zeigen wir diesen Respekt vor allem, indem wir sie bei der Rehabilitation und bei der Genesung unterstützen.

Ist aber ein komisches Rollenbild!

Das ist ein Teil der menschlichen Dimension von Verteidigungspolitik.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Wie viele meiner Kolleginnen bin ich im regelmäßigen Kontakt mit Soldatinnen, mit Einsatzveteranen, und die Sorgen, die ich aus diesen Gesprächen mitnehme, sind vielfältig: Es ist die Belastung durch den bürokratischen Aufwand, um die Unterstützung zu erhalten, die ihnen zusteht. Es sind finanzielle Sorgen. Es ist Sucht, die sich in Notlagen entwickelt. Es ist die Belastung der Angehörigen, insbesondere der Kinder. Für viele ist es die Sorge, dass ihre Familie an den Folgen des Einsatzes zerbricht. Für viele Angehörige ist es die Sorge, dass ihre Liebsten selber daran zerbrechen.

Wir stehen als Bundestag in der Verantwortung, uns um diese Sorgen zu kümmern.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das ist langwierig, das ist schwierig, aber, liebe Kolleginnen, es ist auch wichtiger als nur ein symbolischer Tag.

Das Verfahren zur Ermittlung von Wehrdienstbeschädigungen muss überarbeitet werden. Die Verfahrensdauer muss verkürzt, die Antragsteller/-innen endlich entlastet werden, damit die Unterstützung die Einsatzgeschädigten schneller erreicht. Wir wollen die Zusammenarbeit mit dem zivilen Gesundheitssystem verbessern, damit die Menschen schneller genesen. Wir wollen Angehörige in allen Schritten mitdenken, in der Vor- und Nachbereitung von Einsätzen, insbesondere zum Beispiel durch die Ermöglichung von Familientherapien, Paartherapien. Zusätzlich dazu, liebe Kolleginnen, müssen wir auch gesellschaftliche Räume des Austausches und der Begegnung schaffen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und des Abg. Dr. Kristian Klinck [SPD]

Wer sich mit den Verbänden unterhält, der weiß, dass es die verschiedensten Vorstellungen gibt, wie denn ein solcher Tag eigentlich aussehen sollte. Gerade deshalb sollten wir als Parlament uns mit diesen Wünschen und Erwartungen genau beschäftigen. Ich finde, dass eine öffentliche Anhörung mit Betroffenen, mit Angehörigen und mit Expertinnen ein guter Ort dafür wäre.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Es gibt viele Möglichkeiten, den Menschen im Einsatz Respekt und Anerkennung zu zollen. Dazu gehören übrigens nicht nur Soldatinnen, sondern auch Polizistinnen, Expertinnen der globalen Entwicklungszusammenarbeit und der Friedensförderung.

Liebe Kolleginnen, ich freue mich darauf, die Lücken in der Versorgung der Einsatzveteraninnen mit Ihnen gemeinsam zu schließen. Es gibt genügend Politiker/-innen in diesen Reihen, die sich sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigen und wissen, dass es mehr braucht als nur den Veteranentag, und auf die Arbeit freue ich mich.

Danke.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
9 Vermerkeca. 639 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute sprechen wir über ein sehr wichtiges, aber auch ein sehr sensibles Thema, welches aus meiner Sicht nicht geeignet ist, um hier parteipolitisch zu argumentieren, sondern welches mit Respekt und Bedacht diskutiert und entschieden werden muss.

Es geht um Anerkennung, es geht um Wertschätzung und Würdigung unserer Veteranen, Soldaten und ehemaligen Soldaten der Bundeswehr, Reservisten, die ihren Dienst für unser Vaterland geleistet haben oder leisten und dabei zum Teil auch an Leib und Seele verwundet wurden. Allen gebührt für ihren geleisteten Dienst unser Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber zu danken allein kann nicht das Ziel dieses Parlaments sein. Hier wird oft betont, dass die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist. Das Parlament trägt entsprechend auch Verantwortung. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, dies angemessen und würdig zum Ausdruck zu bringen und unseren Veteranen damit die gebotene Anerkennung zuteilwerden zu lassen.

Am Grundsätzlichen, dass ein Veteranentag begangen und fest in unserer Mitte, in der Gesellschaft verankert werden soll, besteht sicherlich bei vielen Kollegen überhaupt kein Widerspruch.

Na, dann los!

Nicht nur das Parlament, auch der Verteidigungsminister zeigt sich offen. Auch die meisten großen Verbände unterstützen dieses Ziel seit längerer Zeit. Auch wir als Freie Demokraten unterstützen einen Veteranentag.

Na dann los! Auf geht’s!

Dazu haben wir uns hier schon seit Langem klar positioniert.

Beifallbei der FDP

Heute befassen wir uns parlamentarisch mit einem Antrag der Union. Er enthält durchaus Punkte, die ich teile. Sorgsam sollte aber dennoch das Vorgehen sein. In der letzten Legislaturperiode haben wir sehr intensiv darüber diskutiert und gestritten, wie weit der Veteranenbegriff gefasst werden soll. Unter der damaligen Regierung der Großen Koalition wurde unter Federführung von Ministerin von der Leyen eine sehr weit gehende Begriffsdefinition gefasst. Diese Definition greift der Antrag der Union, der uns heute vorliegt, auf. Dennoch wäre es gut, wenn wir uns darüber Gedanken machen, ob wir die Veteranen, die im Auslandseinsatz waren, die Einsatzveteranen, nicht besonders betrachten und in den Fokus rücken sollten. Hierzu müssen wir die Veteranen und die Verbände dringend einbinden. Eines ist klar: Wichtig ist, dass hierbei niemand ausgeschlossen wird, weder beim Begriff noch beim Veteranentag.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es zeigt sich, dass dies ein offener Prozess sein muss, der vor allem eines deutlich macht: dass die Veteranen im Mittelpunkt stehen und ihre Wünsche Berücksichtigung finden. Es muss deutlich werden, dass man nicht über sie, sondern mit ihnen spricht. Deshalb ist ein besonderer Tag wie der Veteranentag auch ein besonders sorgsam zu wählender Tag, auch hinsichtlich der Ausgestaltung. Ein mögliches Datum sollte nicht einfach beschlossen, sondern vorgeschlagen und mit den Beteiligten zusammen konsolidiert werden. Aber dies darf nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen, sondern muss zeitnah geschehen. Wir diskutieren bereits Jahre darüber.

Noch ein Punkt ist von Bedeutung: Ein Veteranentag wäre ein besonderes Zeichen. Ein Zeichen allein ist aber nicht ausreichend, es bedarf mehr als das. Wir dürfen an dieser Stelle nicht aufhören, sondern müssen uns glaubhaft, ernsthaft, intensiv aus der Mitte des Hauses heraus für die Verbesserung der Bedingungen der Veteranen einsetzen. Betreuung, Versorgung und Wertschätzung sind die drei zentralen Elemente, besonders für diejenigen, die körperlich und seelisch verwundet sind.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ein Veteranentag wäre ein wichtiger Tag. Veteran ist man aber 365 Tage des Jahres. Deshalb darf unser Engagement bei der Einführung dieses Tages nicht aufhören. Als Mitglied der Enquete-Kommission zur Aufarbeitung des Einsatzes in Afghanistan ist mir sehr bewusst, dass es um schwere Schicksale geht, nicht nur der Soldaten, sondern auch der Familien, Angehörigen und Freunde.

Die Invictus Games in Düsseldorf haben ein positives Signal gesetzt. Die Rehabilitation bei Verletzungen oder Erkrankungen von Soldaten ist kein Randthema mehr, sondern steht in der Mitte der Gesellschaft. Eng verbunden damit ist der Sport. Das war ein großartiges Ereignis und wirkt positiv nach.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Ingo Gädechens [CDU/CSU]

Diese positive Wirkung müssen wir gemeinsam sorgsam voranbringen. Wir müssen jetzt zügig anpacken und alle, die es betrifft, tatsächlich einbinden.

Wir stimmen der Überweisung des Antrags der Union zur weiteren Beratung zu.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Kerstin Vieregge
Foto: Kerstin Vieregge/ Sören Düning
3 Vermerkeca. 299 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Pure Emotion, Begeisterung, Gänsehautfeeling, so haben Zehntausende Besucher der Invictus Games dieses ganz besondere Sportevent wahrgenommen; sie haben gesehen, welch großartige Stimmung, welch besonderer Geist bei dieser einzigartigen Sportveranstaltung herrschte.

Das Momentum, den Rückenwind, das Interesse an diesen Invictus Games gilt es jetzt zu nutzen. Zu nutzen wofür? Die Antwort ist leicht: Um konkrete Schritte einzuleiten, damit unsere Veteranen in der Gesellschaft sichtbarer werden und endlich die verdiente Wertschätzung sowie die Anerkennung für ihren Einsatz und ihre Opfer erfahren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Denn: Soldat zu sein, bedeutet, das Äußerste zu geben, um Frieden, Freiheit und Sicherheit für uns alle zu gewährleisten. Soldat ist eben kein Beruf wie jeder andere.

Nüchtern betrachtet, sind wir als Gesellschaft noch weit davon entfernt, den Einsatz und die Opfer unserer Soldaten angemessen zu würdigen. Ein Veteranentag wäre nicht nur nach Auffassung der Unionsfraktion ein bedeutsamer Schritt für die Veteranenkultur in Deutschland. Viele Politiker anderer demokratischer Parteien in Deutschland haben sich ebenfalls dafür ausgesprochen.

Auch heute Abend höre ich positive Signale. Der Überweisung des Antrags haben Sie ja quasi schon zugestimmt. So können wir letztendlich für mehr Anerkennung, für mehr Sichtbarkeit, für mehr Wertschätzung gemeinsam eintreten für einen Tag, um jenen zu danken und jene zu ehren, die sich für unsere Werte und unser Land eingesetzt haben.

Wir als Parlament haben eine tiefe Verpflichtung gegenüber jenen, die für uns gedient haben und weiterhin dienen. Uns muss aber bewusst sein: Es geht nicht nur um einen Tag, es geht um eine dauerhafte Kultur der Anerkennung und des Respekts in der Gesellschaft.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP und des Abg. Dr. Kristian Klinck [SPD]

Die Einführung eines Veteranentages kann somit nur ein erster Schritt sein, wenn auch ein enorm wichtiger. Daher, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns gemeinsam ein Zeichen setzen, ein Zeichen der Dankbarkeit und der Wertschätzung für unsere Staatsbürger in Uniform.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
6 Vermerkeca. 723 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Geschätzte Frau Präsidentin! „Haushaltsfinanzierungsgesetz“, das klingt trocken, insbesondere um diese Uhrzeit. Aber Haushaltspolitik ist eigentlich gar nicht trocken, sondern der Kern dessen, was wir als Parlament hier machen müssen.

Was ist ein Haushaltsfinanzierungsgesetz? Ich sage es für diejenigen, die uns um diese Uhrzeit noch zuhören oder das nachlesen: Das ist eines der Gesetze, die dafür sorgen, dass ein Haushalt nicht nur durch das bestimmt wird, was im Haushalt selber – das ist ein Gesetz – steht, sondern dass auch immer mal wieder – wir hatten das in den letzten 20 Jahren ungefähr fünfmal – an Leistungsgesetze herangegangen wird, um zu einer Normalisierung des Haushalts zu kommen und damit die Möglichkeit zu haben, die Verfassung einzuhalten, und zwar nicht nur dadurch, dass wir einfach Titel streichen oder Mittel kürzen, sondern auch dadurch, dass wir uns genau anschauen, bei welchen Gesetzen wir Veränderungen vornehmen müssen, um die Voraussetzungen auf der Ausgaben- wie auf der Einnahmenseite herzustellen. Das geschieht in unterschiedlichen Artikeln. So weit, so gut, so klar.

Darüber gibt es natürlich immer wieder Streit und Ärger. Ich vergleiche das Haushaltsbegleitgesetz bzw. das Haushaltsfinanzierungsgesetz immer mit dem Aufräumen eines Zimmers: Keiner macht es gerne; aber man weiß, dass es sein muss, weil man dabei manche Dinge findet, die man entweder lange gesucht hat oder von denen man sich schon lange trennen wollte.

Die Bundesregierung hat hier eine Vorgabe gemacht, und ich bin sehr froh, dass sie dem Gesetzgeber diese Vorgabe gemacht hat. Ich will nicht die einzelnen Artikel durchgehen – andere werden sich nachher noch an einzelnen Themen ein wenig abarbeiten; die CDU/CSU hat das in ihrem einseitigen, kleinen Antrag auch getan –, aber ich will deutlich sagen: Wer auch immer Ihnen in dieser Debatte erklären will, das wäre alles ganz einfach, das wäre alles überhaupt kein Problem, der – ich will es vorsichtig formulieren – macht es eigentlich wie im „Kaufmann von Venedig“, wo es im fünften Aufzug, erste Szene so schön heißt: „Die Krähe singt so lieblich wie die Lerche, Wenn man auf keine lauschet …“ Das ist genau das, was passiert.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Darauf haben wir gewartet! Jetzt noch einmal eine kleine Belehrung!

Wenn die CDU/CSU nachher mit diesem komischen Papierchen zum Elterngeld kommt und erzählt, das wäre ein familienpolitischer Offenbarungseid, dann, meine Damen und Herren, achten Sie darauf, was diese große Oppositionspartei sagt. Beim Elterngeld sagt sie: Da darf nichts verändert werden! – Sie sagt aber nicht: Wir haben Einsparvorschläge an anderer Stelle, wir haben Kürzungsvorschläge an anderer Stelle, wir haben Steuererhöhungsanträge. – Nein, sie sagt nur, die Bundesregierung – wohlgemerkt: die Bundesregierung; weil sie selber es ja nicht kann – solle Einsparpotenziale im Bundeshaushalt identifizieren, die auf einer politischen Priorisierung beruhen.

Zuruf: Schwach!

Meine Damen und Herren, was ist das eigentlich für eine Opposition, die noch nicht einmal in der Lage ist, hier an einer Stelle irgendeinen Vorschlag zu machen?

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Damit will ich nicht sagen, dass die folgenden Fragen nicht umstritten sind: Wie gehen wir beim Elterngeld in Zukunft vor? Wie machen wir das mit den Grenzwerten? Wie regeln wir die partnerschaftliche Aufteilung? Wie viele Monate sind es? – Es gibt bei einem solchen Gesetzentwurf immer Dinge, die wir nicht gerne machen. Jede Seite sagt: Das hätte ich gerne, und das hätte ich gerne anders. – Aber hier zeigt sich wieder, dass die Ampel, wenn es um Haushaltsdinge geht, in der Lage ist, das zu tun, wozu die Opposition anscheinend nicht in der Lage ist: Kompromisse zu machen. Die Ampel trötet nicht einfach hinaus, wie schön das Leben ist, ohne zu sagen, wie es finanziert werden soll, sondern tritt ehrlich vor die Bürgerinnen und Bürger und sagt: Das ist unser Angebot an euch; wir wissen, es ist nicht einfach. – Aber wenn es einfach wäre, dann könnte es ja auch die CDU.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Damen und Herren, ich will zum Schluss noch etwas Weiteres sagen: Ich bin ja mal gespannt, ob die CDU/CSU wenigstens in der Lage ist, zu loben, dass wir mit diesem Gesetz ein Sondervermögen abschaffen. Das hat die CDU/CSU bisher nämlich noch nicht geschafft. Ich bin auch gespannt, ob die CDU/CSU vielleicht noch andere Ideen hat. Ich frage in Richtung des Kollegen Rohde, ob wir nicht noch weitere Artikel einführen können, in Richtung der Arbeitsgruppe der Grünen, ob wir nicht noch weitere Gesetzesänderungen, etwa im Bereich der Eisenbahninfrastruktur, einbauen könnten. Das wäre für mich eine weitere Möglichkeit. Ich will auch an Berichtspflichten ran. Ich will auch an die überbordende Bürokratie ran. Nutzen wir dieses Gesetz, um den Haushalt noch besser zu machen!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Silke Launert
Foto: Silke Launert/ Christian Weber
7 Vermerkeca. 559 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir müssen sparen. Ja, ich glaube, die meisten wissen: Wir müssen den Haushalt konsolidieren. – Zumindest große Teile der Ampelkoalition sehen das auch so.

Doch gerade an diesem Haushaltsfinanzierungsgesetz merkt man, worin wir uns unterscheiden, dass wir unterschiedliche Schwerpunkte setzen: wen man schützen zu müssen meint und wen man mehr belasten zu müssen meint.

Bei einer SPD-geführten Bundesregierung hätte man eigentlich gedacht, sie wolle die Schwachen schützen, die, die auf Hilfe angewiesen sind, die, die Unterstützung brauchen. Aber dieses Gesetz hat uns eines Besseren belehrt: Betroffen ist die junge Generation, junge Mütter, die, zugegeben, gut ausgebildet sind und etwas mehr verdienen, aber auch gerne mal ein Jahr Zeit hätten für ihr Baby, und betroffen sind die Rentner.

Fangen wir doch beim ersten Punkt an. Wenn Sie ein Haus streichen lassen wollen, wen nehmen Sie dann? Sie nehmen einen Maler, weil Sie wissen: Der kann es, der hat Erfahrung, der weiß, wovon er redet. Sie nehmen nicht einen Klempner. Der ist auch nicht blöd, der kann das Malern lernen, aber es würde ein wenig länger dauern, er würde ein bisschen brauchen, das Ergebnis würde am Anfang nicht so gut werden. – Genau das, obwohl es eigentlich so logisch ist, berücksichtigen Sie nicht, wenn es um Eingliederungsleistungen für junge Erwachsene bis 25 Jahre geht. Das soll jetzt nicht mehr bei den gut ausgebildeten Jobcentern, die Erfahrung haben, liegen,

Weil die das nicht können!

nein, das soll jetzt rübergeschoben werden zur Agentur für Arbeit. Und warum? Weil man den Haushalt dadurch schöner darstellen kann. Es zahlen jetzt nämlich nicht mehr die Steuerzahler, sondern die Beitragszahler der Arbeitslosenversicherung.

Aber Sie wollen nicht sagen, dass die BA ein Klempner ist?

Dann sind die 900 Millionen Euro verschwunden, und der Haushalt sieht schöner aus.

Das ist nichts anderes als ein Trick. Das sieht jeder Mensch, der sich damit beschäftigt. Das sagen auch die zuständigen Minister in den Ländern, die sich darüber aufregen. Das sagt die Agentur für Arbeit. Das sagen die Jobcenter. Alle sagen es; aber Hauptsache: Nach außen hin sieht alles schön aus.

Beifallbei der CDU/CSU

Noch viel schlimmer ist die Situation beim Elterngeld. Ich weiß: Es gibt einige, die sagen: Wenn jemand 150 000 Euro verdient, dann braucht er doch nicht auch noch eine Unterstützung.

Nein, zu versteuerndes Einkommen!

180 000 Euro brutto heißt das!

– „Zu versteuerndes Einkommen“, nehmen wir es exakter: 150 000 Euro zu versteuerndes Einkommen.

Ich kenne solche Fälle. Ich habe leider nicht so viel Geld; aber ich kann diese Menschen gut verstehen. Es ist die Ärztin, die Karriere gemacht hat, die ihr Leben lang in der Schule geackert hat, die ihr Studium gemacht hat, die es geschafft hat, endlich Oberärztin zu sein.

Die dafür nur 150 000 Euro bekommt! Arme Frau!

Sie hat ein solches Einkommen; sie hat jahrelang viel Steuern bezahlt. Sie ist fast 40, und sie hätte gerne noch ein Kind. Die Zeit läuft ihr davon. Sie will als Alleinerziehende gerne ein Jahr für ihr Kind da sein.

Jeder darf sich ein Jahr um sein Kind kümmern, aber diese alleinerziehende Ärztin nicht. Jedes Kind bei uns ist wertvoll, für jeden gilt das Existenzminimum. Aber für diese Ärztin, die ein Jahr lang für ihr Kind zu Hause bleiben will, gibt es kein Existenzminimum, keine Zahlung der Krankenversicherungsbeiträge; denn die hat doch genug angespart, die hat doch zu viel Geld. Diese alleinerziehende gutverdienende Frau lassen wir allein.

Dass Sie sich nicht schämen, dass wir so mit dieser Frau umgehen! Jeder darf ein Kind haben, jeder darf Zeit haben, aber nicht diese Frau. Schämen Sie sich!

Porträt von Bettina Hagedorn
Foto: Bettina Hagedorn/ SPD - Willy-Brandt-Haus
7 Vermerkeca. 551 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Liebe Silke Launert, ich habe mir spontan überlegt, dass ich mich bei den neun Artikeln, die wir eigentlich im Haushaltsfinanzierungsgesetz zu betrachten haben und für die vier Minuten ohnehin eine schmale Redezeit sind, auf die Punkte konzentrieren werde, die Sie hier vorgetragen haben.

Aber ich will noch einmal sagen, warum wir eigentlich ein Haushaltsfinanzierungsgesetz machen. Das haben wir in den letzten zehn Jahren nämlich nicht gemacht und nicht machen müssen, weil uns quasi – flapsig gesprochen – die gebratenen Tauben in den Hals geflogen sind. Es war eine ausgesprochen hervorragende konjunkturelle Lage, und das Einhalten der Schuldenbremse war kein Problem.

CDU-geführte Bundesregierung!

Allerdings haben wir 2004, 2005 und 2006 ein Haushaltsbegleitgesetz gemacht. Ich war schon dabei. 2011, 2013 und 2014 auch. Wir haben in diesen Haushaltsjahren in bestehende Gesetze eingegriffen bzw. eingreifen müssen, um die politischen Spielräume zu schaffen, die wir damals für einen ausgeglichenen Haushalt brauchten.

Das machen wir auch jetzt, und das finde ich von unserer Ampel hervorragend, weil wir nämlich, obwohl wir die Schuldenbremse wieder einhalten werden, eine Rekordinvestitionssumme in Höhe von 90 Milliarden Euro bereitstellen werden. Das toppt alles, was wir in den letzten Jahren gemacht haben. Es ist die richtige Antwort in einer Zeit, in der wir den Herausforderungen des Klimawandels und des technologischen Transfers gerecht werden müssen und außerdem Antworten auf den demografischen Wandel und andere Dinge finden müssen.

Also: Neun solche Artikel sind in diesem Gesetz. Ihnen könnten noch weitere folgen – die Haushälter könnten das machen, weil wir ja die Federführung haben –, unter anderem zum Klima- und Transformationsfonds, auf den mein Kollege Frank Junge in seiner zu Protokoll gegebenen Rede ausführlich eingeht.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Insofern, liebe Silke Launert, will ich was zum Elterngeld sagen. Wenn man das, was Sie hier gerade eben gesagt haben, gehört hat, dann könnte man auf den Gedanken kommen, dass allen Eltern in Deutschland jetzt quasi die Knie schlottern müssen, weil sie Kinder in die Welt setzen und kein Elterngeld bekommen. Auch das Ministerium für Familie wurde bei den Einsparvorhaben nicht verschont. Es trifft alle Häuser; jedes Haus muss etwas machen. Es hätte natürlich die Möglichkeit gegeben, mit einem Rasenmäher über das Elterngeld zu gehen. Das hätte alle Eltern, möglicherweise auch Eltern mit einem schmaleren Geldbeutel, getroffen, was nicht passieren wird.

150 000 Euro zu versteuerndes Einkommen! Ich will denjenigen, die uns zuhören, etwas sagen. Ich bin seit 20 Jahren gläserne Abgeordnete, und seit 20 Jahren finden Sie auf meiner Homepage www.bettinahagedorn.de meine Einkommensteuerbescheide. Wenn Sie sich die anschauen, dann können Sie darin nachlesen, dass ich 2017 als Abgeordnete deutlich – deutlich! – unter 150 000 Euro zu versteuerndes Einkommen hatte. Selbst als ich von 2018 bis 2021 Staatssekretärin im Finanzministerium war, habe ich die 150 000 Euro nicht mal ansatzweise geschrammt.

Was soll das denn?

Weil ich das Gefühl habe, dass ich zu den Privilegierten in diesem Lande gehöre, die übrigens auch noch den Solidarbeitrag bezahlen, will ich Ihnen sagen: Nach meinem Verständnis können starke Schultern mehr als schwache Schultern tragen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Darum ist es so, dass die jungen Eltern, die in dieser privilegierten Gehaltsgruppe sind, sich, wenn sie schlau sind, für Kinder entscheiden und sich nicht darüber beschweren, dass ihnen das nicht finanziell aus Steuermitteln vergütet wird. Ich habe drei erwachsene Kinder – damals gab es noch 50 D-Mark Kindergeld –, und sie sind alle das größte Geschenk meines Lebens.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Peter Boehringer
Foto: Peter Boehringer
8 VermerkeZwischenfrageca. 427 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Die Ampelregierung ist trotz riesiger Steuereinnahmen an den Grenzen regulärer Haushaltsgesetzgebung angelangt. Zur Finanzierung ihres Haushalts, der ohnehin schon voller Sonderschulden steckt, muss sie heute nun gleich neun Gesetze verändern.

Und nein, Kollege Fricke, man kann das nicht als „ganz normal“ mal eben so mit Shakespeare wegreden. Das ist schon ein ungewöhnlicher Vorgang; das sage ich auch in Richtung der Kollegin Hagedorn.

Mit der erweiterten Zweckbestimmung beim Klima- und Transformationsfonds etwa will sich die Ampel ermächtigen, künftig aberwitzige Subventionen für ausländische Chiphersteller aus dem KTF zu bezahlen. Das Geld im Kernhaushalt reicht einfach nicht mehr aus. Es wird verschoben und getrickst, um irgendwie den großen Plan der Dekarbonisierung bzw. Deindustrialisierung zu vollenden. Ohne riesige Verschuldung in den Sondervermögen außerhalb der verfassungsrechtlichen Schuldenbremse könnte die Ampel ihre Politik nicht mehr umsetzen. Wo sind die Verfassungsrichter, wenn man sie mal bräuchte?

Beifallbei der AfD

Ähnlich, vielleicht noch schlimmer läuft es beim „Sondervermögen Bundeswehr“. Aus diesem sollen künftig auch laufende Instandhaltungskosten finanziert werden. Eine unzulässige Nutzung; denn das Grundgesetz wurde 2022 erklärtermaßen gerade nicht dafür verändert, laufende Kosten aus dem Haushalt irgendwie auszulagern, sondern laut Ihrem eigenen Gesetz nur für „überjährige Großvorhaben“; zu finden auf Drucksache 20/1410, wenn Sie es nachlesen wollen. Sie halten Ihre eigenen, frisch geschriebenen Gesetze nicht ein.

Beifallbei der AfD

So ist das! Da hat er recht!

Herr Lindner, als vorgeblich marktwirtschaftliches Feigenblatt der ökosozialistischen Regierung, spricht von einem Abbau der Sondervermögen und möchte dafür gelobt werden; Kollege Fricke eben ja auch.

Von Ihnen nicht!

Doch was geschieht tatsächlich? Sie lösen nur eines – ein einziges! – von 29 Sondervermögen auf, und zwar ein kleines. Verkaufen Sie das doch bitte nicht als Erfolg.

Beifallbei der AfD

Nein, das stimmt nicht!

– Dann stelle bitte gerne eine Zwischenfrage. Es stimmt, Otto Fricke, es ist ein halbes Sondervermögen, wenn es man genau nimmt, nicht mal eins von 29.

Verkaufen Sie das nicht als Erfolg, wenn die Ampel 2024 gleichzeitig andere Ausgaben aus Sondervermögen massiv aufstockt. Die FDP muss endlich aufhören, für die Grün-Roten permanent den Steigbügelhalter zu spielen, während die anderen Deutschland zuschanden reiten.

Beifallbei der AfD

Mit dem heutigen Gesetz wollen sie die CO2-Abgabe per 2024 um 33 Prozent anheben und dann 2025 nochmals um 25 Prozent. Braucht Deutschland wirklich noch höhere Energiepreise? Offenbar ja! Die CO2-Religion steht bei der Ampel über allem. Diese Erhöhung ist vorsätzliche Inflationspolitik. Sie wollen Deutschland verarmen.

Beifallbei der AfD

Erst inflationieren Sie künstlich für alle die Strompreise über die dümmste Energiepolitik der Welt. Dann kommt die Subvention in Form von Industriestrompreis, höchstwahrscheinlich auch noch für Großkonzerne, das Ganze auf Pump, versteckt in einem Sondervermögen. Die Planwirtschaft lebt hier im Bundestag also weiter, auch nach dem ja nun bald erreichten Ende der Linksfraktion und der SED.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
13 Vermerkeca. 689 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nach diesen wirren Verschwörungsideologien will ich zur Sache zurückkommen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Es ist so peinlich!

Haushaltsbegleitgesetze sind nie eine erfreuliche Sache. Aber sie sind notwendig; das hängt einfach auch mit den letzten Jahren zusammen. Die Krisen der letzten Jahre schlagen voll auf den Haushalt durch. Corona, der russische Angriffskrieg, die Klimakatastrophe, der fossile Energiepreisschock – alles das belastet auch den Haushalt. Mit dem Haushaltsfinanzierungsgesetz zeigt jetzt die Bundesregierung und auch diese Koalition, dass sie handlungsfähig ist und auch in schwierigen Zeiten einen Haushalt aufstellen kann.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Und natürlich: Hätten wir Grünen alleine ein Haushaltsfinanzierungsgesetz aufgestellt, wäre es anders gewesen. Natürlich hätten wir einen stärkeren Schwerpunkt auf eine gerechte Steuerpolitik oder auf den Abbau klimaschädlicher Subventionen gesetzt, was eine doppelte Dividende wäre: für das Klima und für den Haushalt. Aber am Ende entscheidet in einer Koalition, in einer parlamentarischen Demokratie eben keine Fraktion alleine, sondern man muss auch Kompromisse machen. Es zeichnet diese Ampel aus, dass für alle Partner Kompromisse drin sind, wenn die auch nicht einfach sind. Aber am Ende haben wir ein Haushaltsfinanzierungsgesetz, mit dem wir im parlamentarischen Verfahren arbeiten können.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Zur Kritik der Union am Elterngeld. Natürlich ist das gleichstellungspolitisch ein schwieriges Signal. Das wissen wir, und das macht uns Sorgen. Trotzdem: Unter den gegebenen Einsparvorgaben des Kabinetts war das noch die beste unter den schlechten Varianten, die es gab, und auch die gerechteste. Es ist zukünftig so, dass Paare mit einem Einkommen von brutto rund 180 000 Euro kein Elterngeld mehr erhalten. Aber Mittelschichtsfamilien, viele Elternpaare mit kleinen Einkommen erhalten weiterhin das volle Elterngeld. Das halten wir für gerecht, und unter den gegebenen Einsparvorgaben ist das die beste Lösung, die wir finden konnten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich will darauf hinweisen: Die Union wollte in den letzten Haushaltsberatungen den Elterngeldtitel um 150 Millionen Euro absenken.

Obwohl es eine gesetzliche Pflichtleistung ist, wollten Sie ihn absenken, weil Sie gesagt haben, es handle sich um eine Anpassung an den Bedarf. Für mich klingt das nach einem Widerspruch, liebe Union, was Sie hier beim Elterngeld vorführen.

Otto Fricke hat schon darauf hingewiesen: Sie haben heute hier einen Antrag vorgelegt, in dem Sie keinen einzigen Vorschlag zur Gegenfinanzierung machen. Frau Launert, Sie haben gesagt: Man muss sparen, man muss den Haushalt konsolidieren. Ich zitiere noch mal, was Sie im vorliegenden Antrag zur Gegenfinanzierung geschrieben haben: „Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, … dauerhafte Einsparpotenziale im Bundeshaushalt zu identifizieren …“

Peinlich!

Also: Die CDU/CSU-Fraktion hat keinen einzigen Vorschlag zur Gegenfinanzierung. Das, was Sie hier gemacht haben, halte ich, ehrlich gesagt, schon für ziemlich peinlich.

Aber Sie wissen ja auch nicht, wo der Bundestag und das Reichstagsgebäude mit Reichstagskuppel stehen. Sie denken ja, das wäre hier der Präsidentenpalast in Tiflis. Da wundert mich nicht, dass Sie von der Union auch in der Haushaltspolitik so verwirrt sind.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP

Im Haushaltsfinanzierungsgesetz wird auch der Klima- und Transformationsfonds angepackt. Es ist richtig, dass wir jetzt im Kernhaushalt, mit Eigenkapitalerhöhungen und mit dem Klima- und Transformationsfonds die Deutsche Bahn, die Schiene extrem stärken. Wir stärken die Infrastruktur im Bereich Schiene. Seit Jahrzehnten wurde nicht so viel Geld für die Schiene in die Hand genommen. Wir werden in den nächsten Jahren deutlich mehr Geld in den Bereich Schiene als in den Bereich Straße geben. Das ist ein sehr wichtiger Schritt, den wir mit dem Haushaltsfinanzierungsgesetz gehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Dafür verdoppeln Sie doch die Lkw-Maut!

Gleichzeitig will ich sagen: Wir finanzieren damit auch die Mikroelektronik. Das ist für unsere Fraktion kein einfacher Weg. Wir unterstützen das in der Sache; aber der Finanzierungsweg ist durchaus problematisch. Ich will klar sagen: Der Hauptzweck des Klima- und Transformationsfonds ist der Klimaschutz, und er darf kein Instrument für allgemeine Wirtschaftspolitik werden.

Das wird er jetzt aber!

Wir werden jetzt zusammen im Haushaltsausschuss das Haushaltsfinanzierungsgesetz beraten. Ich freue mich, wenn die Union dann konstruktive Vorschläge einbringt und sie nicht wie in den Reden hier im Plenum nur sagt: „Man muss noch viel mehr sparen, man muss konsolidieren; man muss die Schuldenbremse noch ganz anders einhalten“, aber wenn es darauf ankommt, sie wie in der letzten Woche und in dieser Woche nur Anträge vorlegt, in denen es um mehr Geldforderungen geht. Liebe Union, das passt nicht zusammen. Wir warten auf Ihre konstruktiven Vorschläge im parlamentarischen Verfahren.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Beifallbei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN

Ich schließe die Aussprache.

Porträt von Stefan Schmidt
Foto: Deutscher Bundestag/ Inga Haar
12 Vermerkeca. 526 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Mit diesem Antrag entlarvt sich die AfD mal wieder selbst. Unter dem Deckmantel von „Kosten sparen“ und „Bürokratieabbau“ fordert sie nichts anderes, als den Verbraucherschutz aufzuweichen und die Menschen ja nicht mündig werden zu lassen.

So ist es!

Vielleicht verspricht sich die AfD von dem Antrag endlich ein paar Freundinnen und Freunde im Tourismus. Aber nein, von Gastfreundschaft, von Weltoffenheit, von Willkommenskultur, davon haben Sie keine Ahnung. Das zeigt auch Ihr Antrag. Es ist kein Gewinn für die Gastronomie und den Deutschlandtourismus.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

So, und jetzt sprechen wir mal zum Thema!

Schauen wir doch mal rein in die krude Gedankenwelt der AfD.

Gute Idee!

Sie will Dokumentationspflichten für kleine und mittelständische Unternehmen im Gastgewerbe abschaffen.

Weniger Bürokratie!

Sie will die Menschen nicht mehr über die Allergene in bestimmten Gerichten aufklären. Sie will die Menschen nicht darüber informieren, woher das Fleisch auf ihrem Teller kommt. Sie will nicht, dass die Menschen mehr Angebote für gesundes und ökologisch erzeugtes Essen bekommen. Die AfD sagt, sie wolle die Unternehmen in der Gastronomie entlasten. Dass bestimmte Regelungen aber dazu dienen, Verbraucherinnen und Verbraucher zu schützen oder die Gesundheit zu fördern, das spielt in ihrer Gedankenwelt keine Rolle.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Nein, Sie wollen Informationen vorenthalten. Die Menschen sollen ja nichts hinterfragen können. Sie sollen keine eigenen, mündigen Entscheidungen treffen können. Dass sie damit die Gastronomie und den Deutschlandtourismus stärken möchte, das leuchtet hier niemandem ein.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Nicht nur Verbraucherschutz ist für die AfD ein Fremdwort. Auch von Jugendschutz hält sie scheinbar wenig; denn ihre Forderung nach einem reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent auf Getränke heißt, dass alkoholische Getränke von dieser Forderung nicht ausgeschlossen sind. Die AfD nimmt es also hin, dass im Zweifelsfall auch Alkohol billiger und damit vor allem für Jugendliche attraktiver werden könnte. Jugendschutz ist Ihnen völlig egal!

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Ich weiß ja, dass Fakten nicht Ihre Stärke sind; im Antrag bringen Sie das auch noch mal deutlich auf den Punkt. Trotzdem frage ich mich: Warum legen Sie uns eigentlich so einen veralteten Antrag vor? Die Faktenlage hat sich doch längst geändert. Einige Forderungen sind überholt. Zum Beispiel hat das Kabinett mittlerweile beschlossen, die Hotelmeldepflicht für inländische Gäste abzuschaffen.

Ja, aber es ist nicht passiert!

Damit bauen wir erheblich Bürokratie für Übernachtungsbetriebe ab.

Auch die Margensteuer für Reiseanbieter in Drittstaaten läuft nicht zum Ende des Jahres aus, wie Sie in Ihrem Antrag behaupten. Das Finanzministerium hat die Margensteuer bis Ende 2026 verlängert. Um dieses Schreckgespenst dreht sich immerhin ein Viertel Ihrer Forderungen; das hätten Sie sich sparen können.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Auch wenn ich das sowieso nicht von der AfD erwarte: Ein sinnvoller Beitrag für den Deutschlandtourismus ist dieser Antrag von hinten bis vorne nicht. Wie wir den Deutschlandtourismus wirksam stärken, das zeigen wir doch gerade. Wir arbeiten gerade in der Koalition daran. Daran arbeitet die Nationale Plattform Zukunft des Tourismus auf Hochtouren. Wir haben Anfang September mit dem Lenkungskreis daran gearbeitet. Nächste Woche beginnt die Arbeit in den vier Arbeitsgruppen zur nationalen Tourismusstrategie.

Die zentralen Herausforderungen im Tourismus, Herr Münzenmaier, liegen im Klima- und Umweltschutz, im Naturschutz, in der Arbeitskräfte- und Fachkräftesicherung, in der Digitalisierung, in der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Kein Wort dazu in Ihrem Antrag!

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Diese Herausforderungen packen wir als Koalition mit der nationalen Tourismusstrategie an, damit der Tourismus in Deutschland stark bleibt und zukunftsfähig wird.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Kerstin Vieregge
Foto: Kerstin Vieregge/ Sören Düning
7 Vermerkeca. 461 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Neulich habe ich in einem Restaurant in meinem Wahlkreis Grünkohl bestellt. Bei uns ist das ein traditionelles Gericht in der eher kalten Jahreszeit, preiswert und schmackhaft, so dachte ich. Doch dafür zahlte ich nun über 20 Euro. Das sind die neuen Preise in Restaurants, die mit Wucht die Gäste vertreiben und die Gastronomiebetriebe an den Rand der Verzweiflung treiben.

Wie kam es dazu? Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hatte eine massive Steigerung der Energiekosten zur Folge. Die eilende Inflation tat ihr Übriges und tut es noch. Die Preise, insbesondere für Lebensmittel, bleiben weiter auf einem Rekordhoch. Aber essen müssen nun mal alle. Laut Statistischem Bundesamt sind die Preise für Lebensmittel im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um rund 13 Prozent gestiegen. Wir reden hier nicht über Luxus, sondern über eine Notwendigkeit. So viel der Vorrede.

Die AfD hat nun einen Antrag vorgelegt, wie man die Gastronomie entlasten kann. Die Idee als solche ist durchaus anzuerkennen; denn der Branche geht es wirklich schlecht.

Beifallder Abg. Anja Karliczek [CDU/CSU]

Allerdings kommen wir mit dem Sammelsurium an Ideen, der Kleinteiligkeit und auch den inhaltlichen Fehlern nicht weiter. Sie werden mit der Aussetzung der Allergenkennzeichnungspflicht auf Saisongerichte oder einer Abkehr von der Ökoquote in der Gemeinschaftsverpflegung die Gastrobranche nicht retten.

Beifallder Abg. Anja Karliczek [CDU/CSU]

Ja, aber es ist mal ein bisschen besser!

Den Fachkräfte- und Personalmangel haben Sie ganz ausgeklammert. Da fehlt das Konzept. So kommen wir leider nicht weiter.

Es liegt auf der Hand, einmal genauer hinzuschauen, was die wahren Kostentreiber für die Branche sind. Jüngst lasen wir, dass der Finanzminister darüber nachdenkt, die gesenkte Mehrwertsteuer auf Gas und Fernwärme wieder auf 19 Prozent anzuheben. Die Maut soll ebenfalls erhöht werden, mit dem Ergebnis, dass Logistikunternehmen dann zusätzlich zu der bald kommenden höheren CO2-Abgabe auch noch eine höhere Maut zahlen müssen. Was hat das alles mit Restaurants und Gastronomiebetrieben zu tun? Ganz einfach: Alle Marktteilnehmer werden abgewürgt. Die Gäste haben noch weniger Geld für einen Restaurantbesuch zur Verfügung, und die Logistikbranche legt die höheren Abgaben auf die Kunden, die Restaurants um. Diese wiederum sind dann dazu gezwungen, die Preise zu erhöhen. Somit kostet am Ende mein leckeres Grünkohlgericht 30 Euro.

Beifallbei der CDU/CSU

Statt ständig zu streiten, nehmen Sie, liebe Kollegen von der Ampel, doch einmal die Vogelperspektive bei Ihren Vorhaben ein. Wie wollen Sie mit ständigen Kostentreibereien die Wirtschaft ankurbeln?

Und zu Ihnen, meine lieben Kolleginnen und Kollegen der antragstellenden Fraktion: Bürokratieabbau? Ja. Digitalisierung? Ja. Gastronomie unterstützen? Auf jeden Fall.

Schön, dann stimmen Sie zu!

Aber ein Konzept ist der vorgelegte Antrag keineswegs, und daher lehnen wir diesen ab.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Kollegen Daniel Rinkert, SPD, Thomas Lutze, Die Linke, Nico Tippelt, FDP, Michael Donth, CDU/CSU, und Tim Klüssendorf, SPD, haben ihre Reden dankenswerterweise zu Protokoll gegeben;1Anlage 14

Beifallbei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN

das sollte noch einige Nachahmer finden. Deshalb kann ich jetzt die Aussprache schließen.

Porträt von Sebastian Münzenmaier
Foto: Sebastian Münzenmaier
7 Vermerkeca. 516 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die deutsche Wirtschaft liegt am Boden. Zuerst sorgte die desolate Coronapolitik aller Altparteien für einen gigantischen Umsatzverlust im Gastgewerbe von 75 Milliarden Euro. 36 000 Unternehmen mussten Insolvenz anmelden. Danach wurde es leider nicht besser: eine katastrophale Wirtschafts- und Energiepolitik, eine dauerhaft hohe Inflation und Preisexplosionen in nahezu jedem Lebensbereich. Und was fällt der Ampel dazu ein? Sie plant, die Mehrwertsteuer auf Speisen ab Januar 2024 von 7 auf 19 Prozent zu erhöhen, eine Steuererhöhung um mehr als 150 Prozent, und das in einer Zeit, in der sämtlichen Betrieben das Wasser bis zum Hals steht. Dieses Vorgehen ist eine Unverschämtheit und wird unser Volk gleich mehrfach belasten.

Es belastet nämlich, erstens, die Unternehmer. 14 000 Unternehmen stehen aktuell schon kurz vor der Insolvenz und müssten bei einer Steuererhöhung ihre Läden wohl für immer schließen.

Es belastet, zweitens, auch unsere Bürger. Denn welcher normale Mensch kann sich bei solchen Preisen noch einen Abend im Wirtshaus leisten? 20 Euro für die Pizza, 30 Euro fürs Schnitzel und dazu eine grassierende Inflation.

Und drittens: Es belastet unsere Kinder. Haben Sie mal an die Gemeinschaftsverpflegung für unsere Kleinsten gedacht? Wer die Steuern in diesem Bereich um 12 Prozentpunkte erhöht, der sorgt dafür, dass sich das Essen in Schulen und Kitas massiv verteuert und wieder mal Familien mit Kindern die Leidtragenden sind.

Beifallbei der AfD

Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wäre eine Katastrophe für die Gastronomen, eine Katastrophe für die Gäste und eine Katastrophe für dieses Land. Denn mit jedem Restaurant, das verschwindet, leidet die Attraktivität unserer Innenstädte, und mit jedem Gasthaus, das im ländlichen Raum stirbt, stirbt auch ein Stück Heimat und ein Stück Gemeinschaft. Das wollen wir als AfD-Fraktion unbedingt verhindern.

Beifallbei der AfD

Wir schlagen heute mit unserem Antrag 15 ganz konkrete Maßnahmen vor, die die Bundesregierung zügig umsetzen könnte. Zwei Beispiele:

Erstens. Eine verpflichtende Ökoquote bei der Gemeinschaftsverpflegung wollen wir verhindern. Wir brauchen beim Essen keinen Oberlehrer Özdemir.

Beifallbei der AfD

Zweitens. Europäisches Recht soll bitte nur noch ohne Verschärfungen in Deutschland umgesetzt werden. Die Deutschen dürfen doch nicht härter in die Pflicht genommen werden als alle anderen Menschen in Europa.

Dazu kommt natürlich unsere Hauptforderung: Die Mehrwertsteuer auf Speisen und Getränke muss in Zukunft 7 Prozent betragen, unbefristet und ohne andauernde Diskussionen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Und ich weiß, wie es läuft. Sie werden gleich an dieses Pult gehen – also die wenigen von Ihnen, die um diese Uhrzeit überhaupt noch reden –, und Sie werden schreien: Finden wir alles gut, aber es ist ja kein Geld da!

Zurufvon der SPD: Wo soll es denn herkommen?

Aber wir hatten gerade Haushaltswoche, und wir haben es gesehen: Es ist genug Geld da, Sie geben es bloß falsch aus:

Beifallbei der AfD

Milliarden für die Klimarettung, Milliarden für Migranten und Unsummen für sinnlose Projekte. Während unsere Gaststätten schließen und die heimische Tourismuswirtschaft leidet, zahlen wir Millionen an Tunesien für die Förderung des nachhaltigen Tourismus, und in Tansania bezahlen wir einen Coronarettungsschirm für Biodiversität.

Politik ist Priorisierung, und Ihre Politik priorisiert Fremde. Für uns steht Deutschland im Mittelpunkt, und wir wissen, wofür wir unser Geld ausgeben wollen.

Gut, dass Sie das nicht zu bestimmen haben!

Und jeder Bürger da draußen, der auf die Currywurst oder auf das Zigeunerschnitzel nicht verzichten möchte, –

Porträt von Sebastian Münzenmaier
Foto: Sebastian Münzenmaier
2 Vermerkeca. 25 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– der hat demnächst in Hessen und in Bayern die Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen: am 8. Oktober alle Stimmen für die AfD.

Ich danke Ihnen.

Beifallbei der AfD
Zurufvon der AfD: Zahltag!
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Jens BrandenburgFDP· Parl. Staatssekretär BMBF· MdB
5 Vermerkeca. 542 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 6,2 Millionen erwachsene Menschen in Deutschland können nicht ausreichend lesen und schreiben; viele davon, etwa zwei Drittel, gehen übrigens einer Erwerbstätigkeit nach. Das ist nicht nur für uns als Gesellschaft eine große Herausforderung, sondern vor allen Dingen für diese Menschen selbst eine riesengroße Freiheitseinschränkung, weil ihnen große Teile der gesellschaftlichen Teilhabe vorenthalten werden.

Da geht es nicht nur um den Zugang zu Belletristik, sondern um ganz lebensnahe Alltagsfragen wie beispielsweise den Busfahrplan zu lesen und zu verstehen. Denn oftmals können diese Menschen einzelne Wörter erkennen oder vielleicht auch kurze Sätze, aber eben gerade längere Texte oder kompliziertere Zusammenstellungen nicht sinnerfassend verstehen. Das fängt beim Busfahrplan an, geht über Rezepte und Beipackzettel bei Medikamenten bis hin zur gesellschaftlichen, politischen Teilhabe. Es geht darum, ob man letztendlich die Fähigkeit besitzt, sich aus unabhängigen Quellen selbst zu informieren, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese unabhängig, eigenständig und selbstbestimmt zu artikulieren.

Diese Freiheitseinschränkung erleben 6,2 Millionen erwachsene Menschen in Deutschland. Das zu ändern, ist eine Aufgabe von uns allen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deshalb gibt es aus guten Gründen die AlphaDekade des Bundes gemeinsam mit den Ländern und 17 Partnerorganisationen, um in die Alphabetisierung und Grundbildung erwachsener Menschen zu investieren.

Ein Bericht der Bundesregierung zu den Fortschritten der letzten Jahre liegt heute zur Beratung vor. Ich möchte nicht alle Maßnahmen aufzählen, aber exemplarisch zeigen, worum es geht. Es gibt zum Beispiel viele Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, die auch von unserem Haus, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, gefördert werden.

Das ist beispielsweise das sehr erfolgreiche VHS-Lernportal mit 1,6 Millionen Erwachsenen, die sich dort registriert haben, es regelmäßig vor und nach Integrationskursen nutzen, sich in der deutschen Sprache fortbilden und das Lesen und Schreiben lernen. Wir fördern die Informationskampagne „Lesen & Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt“, aber auch das ALFA-Mobil, mit dem wir Menschen vor Ort aufsuchen – dort, wo sie anzutreffen sind –, sie aufklären und ihnen Informations- und Fortbildungsangebote vermitteln. Gerade in diesem Jahr wurde die neue Förderrichtlinie „Grundbildungspfade“ aufgelegt, um ganz gezielt dazu beizutragen, in den Regionen vor Ort nachhaltige Strukturen zur Grundbildung Erwachsener aufzubauen.

Dass das eine große Aufgabe für die nächsten Jahre sein wird, lassen die Entwicklungen vermuten, nicht nur in Bezug auf die Zuwanderung, sondern auch im Hinblick auf die fatalen Folgen der monatelangen Schulschließungen. Gerade deshalb sollten wir nicht nur weiter in die Grundbildung und Alphabetisierung der Erwachsenen investieren, sondern auch Vorsorge treffen – ich spreche das aus aktuellem Anlass heute an –, insbesondere mit dem Startchancen-Programm.

Wir haben jetzt erfreulicherweise zwischen Bund und Ländern wesentliche Eckpunkte für dieses großartige Programm vereinbart.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Für 2026 und 2027! Das ist die nächste Wahlperiode, Herr Staatssekretär!

2 Milliarden Euro jedes Jahr für zehn Jahre, insgesamt 20 Milliarden Euro werden wir zur Verfügung stellen. Und nicht nur Lesen, gerne auch Zuhören an der Stelle: Es ist ein Programm, das ganz bewusst insbesondere die basalen Kompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen in den Fokus stellt,

Ab 2026 und 2027, Herr Staatssekretär!

also junge Menschen darauf vorbereitet, die Kompetenzen, die sie später im Erwachsenenleben brauchen, zu erwerben.

Ja, Lesen macht Freude. Das gilt nicht nur für Berichte der Bundesregierung oder Plenarprotokolle, das gilt auch für den einen oder anderen guten Roman, den Sie alle hoffentlich in der Freizeit lesen können. Ich freue mich sehr auf die Debatte und die gemeinsame Arbeit an der Alphabetisierung und Grundbildung.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Daniela Ludwig
Foto: Daniela Ludwig/ Anne Hufnagl
9 Vermerkeca. 356 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In der Tat ist es gut, dass wir heute Abend zusammenkommen und über die wichtigen Themen „Alphabetisierung“ bzw. „Analphabetismus“ sprechen. Es ist ein trauriges Thema, und deswegen kann ich an dieser Stelle gar nicht so fröhlich oder witzig sein.

Ich will gleich den Dauerkalauer „Startchancen-Programm“ bemühen; denn natürlich haben wir heute Vormittag alle aufgemerkt, als es hieß: Es gibt eine Einigung mit den Bundesländern und ein entsprechendes Eckpunktepapier. – Der Kollege Jarzombek hat gerade richtigerweise darauf hingewiesen: Es ist ein Programm für die nächste Wahlperiode. Das heißt, es wird in dieser Wahlperiode gar nicht mehr wirksam werden.

Das ist so ein Quatsch, was Sie da erzählen! Wer hat das gebremst? Herr Lorz aus Hessen ist derjenige, der gebremst hat! Sonst wären wir schon viel weiter!

Und es steht ein Begriff in der Überschrift, womit wir in Ihrer Regierungszeit keine allzu guten Erfahrungen gesammelt haben, nämlich „Eckpunkte“. Ich erinnere gerne an das Heizungsgesetz; da waren die Eckpunkte der Beginn von etwas ganz Schlimmem. Deswegen kann ich das Ganze nicht allzu positiv sehen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Sie kennen unsere Haltung zum Startchancen-Programm. Wir halten es für zu wenig ausgeprägt in der Fläche. 4 000 Brennpunktschulen – das lässt viel Raum für Nichtstun an anderer Stelle. Wenn es nach uns gegangen wäre, hätte man das Programm „Sprach-Kitas“ weiter ausgeweitet

Sprechen Sie auch zum Thema?

und somit ein bestehendes, gutes System genutzt, um den Kindern zu helfen, Deutsch zu sprechen, und zwar egal, ob es Einwandererkinder sind oder Kinder, die hier geboren sind; sie haben oftmals die gleichen Probleme. Und natürlich entspricht es nicht unserem Programm, über das wir heute Vormittag schon debattiert hatten. Das Startchancen-Programm setzt nämlich zu spät an. „Je früher, desto besser“, das ist unser Motto. Das heißt, wir müssen schon vor der Grundschule anfangen, den Kindern die deutsche Sprache näherzubringen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Nicole Höchst [AfD]

All das passiert unter Ihrer Regierung leider nicht. Vielmehr fahren Sie gute, bestehende Strukturen an die Wand.

Haben Sie den Bericht eigentlich gelesen?

Und wenn wir schon beim Startchancen-Programm sind: Wir warten bis heute auf die Antwort aus dem Ausschuss, was mit dem Digitalpakt 2.0 ist. Auch da wissen wir immer noch nicht, wie es weitergeht. Auch die Länder wissen immer noch nicht, wie es weitergeht.

Zurufder Abg. Ria Schröder [FDP]

Wir hätten diese Debatte besser genutzt, um über diese wesentlichen Themen zu sprechen.

Ach so! Das ist kein wesentliches Thema, oder wie?

Ich glaube, dann wären wir weitergekommen.

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Lars Rohwer
Foto: Lars Rohwer/ BLEND3/Frank Grätz
4 Vermerkeca. 384 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Glück auf, Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Beim Zuhören bei der Rede meiner Vorrednerin von der AfD habe ich mich gefragt: Wo hat sie das in diesem Bericht gelesen? Ich habe es nicht gefunden.

Literalität spielt eine zentrale Rolle für ein gleichberechtigtes, selbstbestimmtes Leben. Literalität wird als Fundament für Bildung betrachtet, und Bildung wiederum ist essenziell für die Teilhabe an den heutigen Informations- und Wissensgesellschaften. Daher haben Bund, Länder und weitere Partner 2016 die Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung, kurz: AlphaDekade, ausgerufen.

Nun liegt der zweite Fortschrittsbericht vor, doch gibt er leider keine Auskunft darüber, wie diese Entwicklung in den letzten Jahren war. Beschrieben wird eine externe Evaluation, die ergeben habe, dass Zielgruppen der BMBF-Projektförderung im Rahmen der AlphaDekade gut erreicht werden. Ganz ehrlich: Das hätte ich gerne in Zahlen gesehen.

In Wirklichkeit nimmt nur knapp 1 Prozent der Betroffenen trotz täglicher Einschränkungen Angebote zum Lesen- und Schreibenlernen wahr. Die Frage, warum nur so wenige den Weg in die Kurse der Volkshochschulen und anderer Anbieter finden, ist pauschal nicht so einfach zu beantworten. Da der Lese- und Schreibfähigkeit in unserer Gesellschaft eine große Bedeutung zukommt, fühlen sich diese Menschen offensichtlich per se stigmatisiert; Kollegin Zschau hat das ja eben auch schon angesprochen. Wir brauchen also mehr Fingerspitzengefühl.

Die Inklusion von Menschen mit geringer Lese- und Schreibkompetenz muss mehr auf die unterschiedlichen soziokulturellen Strukturen und Diversität eingehen.

Beifallbei der CDU/CSU

Inklusion im Bereich der Lese- und Schreibkompetenz bedeutet, dass die Instrumente der Schriftlichkeit so zu vermitteln sind, dass sie für das eigene Leben sinngebend werden können.

Es braucht eine engere Abstimmung mit den Ländern. Das ist mir sehr deutlich geworden, als ich gesehen habe, dass etliche Bundesländer Grundbildungszentren und ähnliche Einrichtungen gestärkt oder neu aufgebaut haben. Wir müssen die Ursachen und die Wirkungszusammenhänge noch besser erforschen; wir sind nicht nur der Bildungsausschuss des Deutschen Bundestages, sondern auch der Forschungsausschuss. Dafür braucht es transdisziplinäre Forschungsverbünde. Hier wünsche ich mir in Richtung des Ministeriums für den nächsten Bericht mehr Forschungsexpertise.

Das Angebot muss heterogener werden. Holen wir die Menschen da ab, wo sie herkommen! Gehen wir besser auf ihre individuelle Situation ein, und zeigen wir ihnen, dass Lesen und Schreiben für sie einen persönlichen Nutzen haben!

Beifallbei der CDU/CSU

Wir alle sind individuell, und so müssen auch die Lernangebote in der AlphaDekade sein.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Katrin Zschau
Foto: Maximilian König
1 Vermerkca. 600 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär Brandenburg! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wer von Ihnen spricht fließend Englisch? Und auf welchem Weg haben Sie diese guten Kenntnisse erworben? Lag es an Ihrem schulischen Unterricht? Haben Sie vielleicht ein Schuljahr oder ein Studiensemester im Ausland verbracht? Wurde und wird in Ihrem beruflichen Umfeld viel Englisch gesprochen? Ist die Unternehmenssprache in Ihrem Betrieb Englisch? Schauen Sie Filme ausschließlich in synchronisierter Fassung oder im Original? Lesen Sie englischsprachige Bücher?

Im Elitenmonitor, den der Ostbeauftragte Carsten Schneider gemeinsam mit den Studienautoren in dieser Woche vorgestellt hat, werden fehlende Englischkenntnisse als ein Grund genannt, warum die meisten Führungspositionen nach wie vor mit Westdeutschen besetzt sind. Fehlende Englischkenntnisse können demnach ein Karrierehindernis sein. Sie sind ein Grund, warum man sich auf bestimmte Stellen nicht bewirbt. Damit schließen sich Türen.

Fehlende Sprachkenntnisse können für Schweißperlen im beruflichen Alltag sorgen, für ein geringeres Selbstbewusstsein und für Schamgefühle. Sie sind nur teilweise auf den Schulunterricht zurückzuführen. Dennoch ist es wichtig, hier eine gute Basis zu legen. Es gehören jedoch weitere entscheidende Bausteine hinzu, sich sicher – verhandlungssicher – sprachlich bewegen zu können. Um später Defizite aufzuholen, braucht es Motivation, Zeit, Lerngelegenheiten und Fortbildungen. Vor allem braucht es jedoch Offenheit und Mut, es anzusprechen, um es dann angehen zu können. Schreib dich nicht ab. Lern Englisch!

Vor dem Hintergrund unseres heutigen Themas sage ich: Es ist nur Englisch. In dieser Debatte geht es nämlich um die deutschsprachigen Erwachsenen, die nicht oder nur auf geringstem Niveau lesen und schreiben können. Davon betroffen sind rund 6,2 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren. 76 Prozent von ihnen haben einen Schulabschluss. Für über die Hälfte von ihnen ist Deutsch die Herkunftssprache. Über 45-jährige Erwachsene machen den größeren Teil der gering Literalisierten aus. 62 Prozent der Betroffenen sind erwerbstätig; sie üben häufig einfache Tätigkeiten aus. Wie viele von ihnen werden sich manchmal schämen und ausgebremst oder gar wie Hochstapler fühlen?

Ich wollte in meiner Einleitung deutlich machen, dass die Gründe für die geringen schriftsprachlichen Kompetenzen komplexerer Natur sind. Dass Menschen nicht ausreichend lesen und schreiben können, ist nicht monokausal und eindimensional auf schlechte Schulförderung zurückzuführen. Dennoch ist die Schule zentral, und dass wir hier dringenden Handlungsbedarf haben, ist unbestritten; auch der Bericht weist in seinem Ausblick explizit darauf hin. Genau deshalb realisieren wir mit dem Startchancen-Programm ein Stück Zukunft.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Es ist jedoch genauso wichtig, dass die Bundesregierung den gering literalisierten Erwachsenen auch künftig neue Bildungschancen eröffnen wird. Daher danke ich Ihnen, Herr Staatssekretär, für Ihre ausführliche Darstellung des zweiten Berichts über die Fortschritte der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung, kurz AlphaDekade. Und ich danke vor allem den Partnern, mit denen das BMBF und das Familien- und Arbeitsministerium zusammenarbeiten, darunter der Deutsche Volkshochschul-Verband, die Arbeitsgemeinschaft der Bildungswerke der Deutschen Wirtschaft, der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung, der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Stiftung Lesen.

Richtigerweise unterstützt das Bundesinstitut für Berufsbildung als Koordinierungsstelle die Umsetzung der drei großen BMBF-Förderschwerpunkte. Uns als SPD-Fraktion liegt vor allem die Förderung von Entwicklungs- und Transfervorhaben im Bereich der arbeitsorientierten Alphabetisierung und Grundbildung sehr am Herzen. Gerade die Arbeitswelt ermöglicht einen guten Zugang zur Zielgruppe. Hier kommt es auf das Engagement von Geschäftsleitung und Mitbestimmungsgremien an.

Die gemeinsame Anstrengung von Bund, Ländern und zivilgesellschaftlichen Akteuren lohnt sich. Die Zahlen derjenigen mit sehr geringer Lese- und Schreibkompetenz sind im Vergleich zu 2010 zurückgegangen. „Was? Du kannst nicht lesen? Da muss man was machen. Schreib dich nicht ab. Lern lesen und schreiben!“ Dieser Werbefilm hat damals viele erreicht und berührt. Bereits jetzt, aber auch in Zukunft müssen wir uns stärker um die Menschen kümmern, –

Porträt von Katrin Zschau
Foto: Maximilian König
3 Vermerkeca. 80 WörterReaktionswert: niedrig
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– die in ihrer Zweitsprache Deutsch gering literalisiert sind. Dafür braucht es einen neuen Werbefilm. Das sage ich in Richtung der rechten Seite des Hauses.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Bevor ich die nächste Rednerin aufrufe, will ich darauf hinweisen: Wenn wir noch drei Kolleginnen und Kollegen finden, die bereit wären, ihre Reden zu Protokoll zu geben im Laufe des heutigen Abends, dann kommen wir vor 2 Uhr nach Hause.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Das ist eine echte Anstrengung.

Nächste Rednerin ist die Kollegin Nicole Höchst, AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Nicole Höchst
Foto: Nicole Höchst/ Hagen Schnauß
8 Vermerkeca. 342 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Präsident! Werte Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Am 8. September wird jedes Jahr daran erinnert, dass es in vielen Ländern immer noch ein Privileg ist, lesen und schreiben zu können. Die UNESCO hat diesen Tag zum Internationalen Alphabetisierungstag ausgerufen. Und in der Tat ist Sprache der Schlüssel zur Welt. Um Ideen, Gefühle und Konzepte auszudrücken, ist die Beherrschung von Sprache unerlässlich, wobei sich die Komplexität von Sprache und die gedankliche Flughöhe gegenseitig befruchten und bedingen.

Gerade der rohstoffarme Bildungsstandort Deutschland hat ein gesteigertes Interesse daran, Teilhabe durch die Beherrschung unserer deutschen Muttersprache zu fördern, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Sprachbeherrschung stützt selbstbestimmte, verantwortliche gesellschaftliche Teilhabe. Wer sprachlich nicht mithalten kann, hat es gleich vielfach schwer: Schulische Ausbildung, Beruf, Sozialleben, Freundschaften und Paarbeziehungen können davon beeinträchtigt werden.

Es ist unter Berücksichtigung all dieser vorangegangenen Punkte hoch erfreulich, dass der funktionale, ortsansässige Analphabetismus zurückgedrängt werden konnte. Der dieser Debatte zugrundeliegende Bericht weist jedoch ganz am Ende auf das Problem hin, welches alle bisherigen Bemühungen umsonst sein lässt, wenn nicht entschlossen gegengesteuert wird – ich zitiere mit Erlaubnis des Präsidiums –:

„Mit fortdauernd hoher Zuwanderung wird auch die Zahl von Menschen, die in ihrer Zweitsprache Deutsch gering literalisiert sind, hoch bleiben.“

Seite 17 des aktuellen Berichts. Einfach übersetzt heißt das: Der Analphabetismus in Deutschland gerät mit der ungesteuerten Zuwanderung zu einem importierten Problem, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Auffällig ist, dass Länder mit hohen Bildungsausgaben auch fast immer eine intelligente Bevölkerung haben.

Die Rede zu Protokoll zu geben, das wäre intelligent gewesen!

Schauen wir deshalb auf unsere Bildungslandschaft.

Zurufdes Abg. Timon Gremmels [SPD]

Der Zustand von Schulen und Infrastruktur ist schlecht. Lehrer fehlen allenthalben, und die ausgewiesene Kurve im internationalen Bildungsranking zeigt steil nach unten. Bereits ohne unkontrollierte Zuwanderung, meine Damen und Herren, stehen die Zeichen für unser Bildungssystem auf Sturm.

Und nicht nur das: Der Anteil an Fachkräften, Meistern, Ingenieuren, Erfindern und Nobelpreisträgern sinkt. Die jeweilige Anzahl an Sozialleistungsempfängern, Bildungsverweigerern, Messerangreifern und Gruppenvergewaltigern hat gleichzeitig Konjunktur.

Ekelhaft, was Sie von sich geben!

– Die Kollegen, die hier schreien, sollten mal denken. – Der Anteil der Deutschen ohne Migrationshintergrund nimmt ab,

Zurufder Abg. Rasha Nasr [SPD]

der Anteil der Deutschen mit kulturfremdem Migrationshintergrund und ebensolcher Ausländer nimmt zu.

Sie sollten besser aufhören, zu reden!

Zufälle? Wechselwirkungen? Ursache und Wirkung – Fragezeichen.

Satzzeichen lesen wir eigentlich nicht mit!

Porträt von Nicole Höchst
Foto: Nicole Höchst/ Hagen Schnauß
3 Vermerkeca. 34 WörterReaktionswert: niedrig
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Politik in einem mit weißen Elefanten überbevölkerten Raum ist zum Scheitern verurteilt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der LINKEN

Deshalb ist letzter Redner in dieser Debatte der Kollege Lars Rohwer, CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
10 Vermerkeca. 498 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Änderung der Differenzbetragsanpassungsverordnung: Mit welchem Thema würde man sich lieber beschäftigen in dieser Nacht, um diese Uhrzeit?

Heiterkeitbei der SPD

Aber wie das so ist seit Beginn des russischen Angriffskriegs: Dringlichkeit besteht immer.

Im Januar sind die Preisbremsen für Gas, Wärme und Strom in Kraft getreten. Zentrale Stellgröße in diesen Gesetzen ist der Differenzbetrag. Dieser Differenzbetrag bestimmt, wie hoch die maximale Entlastung für Haushalte und Unternehmen pro Kilowattstunde Strom, Gas oder Wärme sein kann, und diesen Differenzbetrag senken wir mit dem heutigen Beschluss für Strom und Gas um 25 Prozent.

Beifallbei der SPD

Warum das? Wir haben es im letzten Jahr geschafft, die Energiekrise in den Griff zu bekommen. Die Preisbremsen waren ein Erfolg und sind es immer noch. Noch erfolgreicher waren wir dabei, die Gasversorgung sicherzustellen. Letztes Jahr im Sommer sind die Preise extrem angestiegen. Dieses Jahr konnten wir sie durch unsere Politik schneller senken als vorhergesagt.

Die aktuelle Marktlage ist maßgeblich durch diese gesunkenen Großhandelspreise geprägt. Das muss sich auch in den Preisbremsen widerspiegeln, weil wir bereits im Gesetz festgelegt haben, dass ein Missbrauch der Entlastungsregelung vermieden werden soll, und die Europäische Kommission war der Meinung, dass dazu auch eine Begrenzung dieser Differenzbeträge gehört, jeweils angepasst an die aktuelle Marktlage. Damit soll der Anreiz gestärkt werden, Anbieter mit günstigeren Preisen zu wählen.

Der Differenzbetrag wird nun ab dem 1. Oktober 2023 bei leitungsgebundenem Erdgas auf 6 Cent pro Kilowattstunde und bei Strom auf 18 Cent pro Kilowattstunde festgelegt; bei der Wärme bleibt er bei 8 Cent pro Kilowattstunde. Wichtig: Diese Begrenzungen gelten nicht für private und kleine Unternehmen, sondern nur, wenn die Entlastung 2 Millionen Euro überschreitet. Nachdem die Preise für Strom und Gas zum Glück so schnell zurückgegangen sind, bleiben auch mit diesen Änderungen alle weiterhin vor einer finanziellen Überlastung durch zu hohe Energiepreise geschützt.

Meine Damen und Herren, alles in allem ist die heutige Änderung der Differenzbeträge letztlich Ausdruck unserer erfolgreichen Energiepolitik.

Lachenbei der AfD

Das ist der Beweis; darauf können wir stolz sein.

Beifallbei der SPD

Wir können uns aber nicht darauf ausruhen, weil die Lage bei den Energiepreisen trotzdem für viele brenzlig bleibt. Das liegt zum einen daran, dass die gesunkenen Börsenpreise noch länger brauchen, bis sie bei allen ankommen; wir kennen die Vertragslaufzeiten bei Energieverträgen. Deswegen ist es so wichtig, dass wir die Preisbremsen bis mindestens April 2024 verlängern.

Zurufevon der AfD

Ich freue mich, dass sich die Bundesregierung auch dazu bekannt hat, dass die Preisbremsen Ende des Jahres noch nicht auslaufen sollen, und darüber Gespräche mit der Europäischen Kommission führt.

Beifallbei der SPD

Zum anderen können wir uns auch deswegen nicht darauf ausruhen, weil die Luft für die energieintensiven Branchen immer noch sehr dünn ist. Damit die Arbeitsplätze in der Industrie gehalten werden können und nicht unwiederbringlich verloren gehen, brauchen wir den Transformationsstrompreis, nicht bis in die Unendlichkeit, aber bis wir die Erneuerbaren ausreichend ausgebaut haben.

Beifallbei der SPD

Über die weiteren Schritte werden wir noch diskutieren. Hauptsache ist heute Abend, dass wir jetzt erst einmal der Änderung der Differenzbetragsanpassungsverordnung zustimmen.

Beifallbei der SPD
Beifallbei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Als nächster Redner spricht der Kollege Steffen Kotré, AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Steffen Kotré
Foto: Steffen Kotré/ Hagen Schnauss
9 Vermerkeca. 401 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Innerhalb eines Jahres wurden etliche Male die Energiepreisbremsengesetze und auch die Differenzbetragsanpassungsverordnung geändert, und, meine Damen und Herren, der Gesetzgeber schafft hier ein Chaos, wie es planwirtschaftliche Eingriffe eben so mit sich bringen.

Lieber Herr Mehltretter, entlastet wird hier niemand; es wird lediglich umverteilt, wie es in der Planwirtschaft ist – das erinnert an Sozialismus –, und nichts anderes passiert hier leider. Das müssen wir immer wieder betonen.

Statt aber mit Kernenergie und Kohleverstromung für preiswerte und umweltverträgliche Energien zu sorgen, beschränken die Links-Grünen aus ideologischen Gründen die Energieversorgung, die Lebensader der modernen Volkswirtschaft.

Unglaublich!

Weiterer Zurufvon der SPD: Und Strom kommt aus der Steckdose, oder?

Sie haben einfach nicht aus der Geschichte gelernt, dass Planwirtschaft nicht funktioniert und immer neue Interventionsspiralen hervorbringt.

Beifallbei der AfD

Ihnen fällt auch nichts Neues mehr ein!

Und an dieser Stelle wollen Sie jetzt also bezüglich atypischer Minderverbräuche nachsteuern, an die die Genossen aus dem Zentralkomitee nicht gedacht haben, anstatt einfach für günstige Energie zu sorgen.

Beifallbei der AfD

Und Kernenergie ist eine günstige Energie.

Weiterer Zurufvon der SPD: Die teuerste Energie!

In den USA liegen die gesamten Produktionskosten laut Lazard und Roland Berger bei 3 bis 3,5 Cent pro Kilowattstunde – alles inklusive, auch die Entsorgung und der Rückbau.

Photovoltaik ist billiger!

Weiterer Zurufvon der SPD: Windkraft auch!

Die swissnuclear in der Schweiz beziffert die gesamten Produktionskosten auf 4 bis 6 Cent pro Kilowattstunde; andere sprechen von 7 Cent. Die Fakten sind eindeutig. Ich zitiere:

„Kernenergie ist damit die mittlerweile einzige Stromtechnologie in der Schweiz, die nicht subventioniert wird.“

Das war bei uns nicht anders.

Und interessant an dieser Stelle: Das Fraunhofer-Institut lässt in Kostenvergleichen die Kernenergie gleich mal unter den Tisch fallen. Als Propagandasprachrohr der Bundesregierung kann es nicht zugeben, dass die Kernenergie sehr preiswert ist.

Und bei der Kernenergie gibt es keine weiteren Folgekosten.

Lachenbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

„Folgekosten“ ist ein linker Kampfbegriff, nichts weiter.

Beifallbei der AfD

Über 100 Milliarden Euro wird die Endlagerung mal kosten!

Zur Verdeutlichung: Wenn die Kernenergie nicht sicher wäre, dann wäre sie in Deutschland gar nicht am Start gewesen. So ist die Gesetzeslage; so war sie auch die ganze Zeit.

Sie sind doch auch am Start!

Das Atomgesetz sagt ganz klar: Wenn es unsicher wäre, hätten wir sie gar nicht gehabt. – So viel zu dieser Schimäre, zu diesem Hirngespinst „Folgekosten“, die es eben nicht gibt.

Bis heute kein Endlager!

Und dann kommen wir mal zu den Kosten der sogenannten Erneuerbaren; die fangen nämlich bei 22 Cent pro Kilowattstunde an, und darin sind auch die Kosten enthalten, die bei den Konventionellen gar nicht anfallen, zum Beispiel: Netzeingriffskosten 2 Cent, Netzausbaukosten 15 Jahre lang 8 Cent, dann die direkten Subventionen, die schon mal höher als die Gestehungskosten in der Kernenergie sind, zwischen 7 und 10 Cent.

Porträt von Steffen Kotré
Foto: Steffen Kotré/ Hagen Schnauss
1 Vermerkca. 35 WörterReaktionswert: niedrig
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Alles in allem sind das noch mal zusätzlich 22 Cent, die bei der Kernenergie gar nicht anfallen. Und das sind Fakten, meine Damen und Herren, aber mit Fakten können die Links-Grünen leider nicht umgehen.

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Abschalten!
Porträt von Steffen Kotré
Foto: Steffen Kotré/ Hagen Schnauss
1 Vermerkca. 12 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Aber das Problem wird sich an der Wahlurne demnächst dann auch bereinigen.

Beifallbei der AfD
7 Vermerkeca. 438 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Es geht um das Lkw-Mautgesetz. Das gibt es ja bekanntlich schon – das hat auch Andreas Scheuer nicht verbockt –, aber das werden wir jetzt ein weiteres Mal weiterentwickeln.

Wir haben Anfang dieses Jahres die Wegekosten entsprechend der Wegekostenrichtlinie umgelegt. Jetzt geht es darum, aus dem Lkw-Mautgesetz Stück für Stück ein echtes Verkehrswendegesetz zu machen. Damit werden wir jetzt beginnen, indem wir zum einen für eine CO2-Klimaanpassung sorgen und zum anderen in der Mitte des nächsten Jahres auch die 3,5-Tonner mit einbeziehen. Das ist richtig so – wir werden Ausnahmen für Handwerkerinnen und Handwerker machen –, und zwar deswegen, weil es zum einen eine Klimawirkung auslöst und zum anderen einen fairen Wettbewerb auf unseren Straßen ermöglicht.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir tun das, indem wir diesen Bereich technologieübergreifend, sektorübergreifend, verkehrsmittelübergreifend betrachten, und wir werden damit auch die Logistikbranche in der Summe stärken.

Wie tun wir das? Wir haben bis jetzt den Grundsatz „Straße finanziert Straße“. Davon werden wir jetzt abweichen, indem wir den Grundsatz neu definieren und sagen: „Verkehr finanziert Verkehr“; denn das ist in der Tat überfällig.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Es ist ja nicht so, dass die Transportbranche in mehrere Teile gegliedert ist, sondern es ist natürlich ein Transport, der vollzogen werden muss, und deswegen ist das gut und richtig.

Zu Ende gedacht, ist es so: Wenn wir die Straße entlasten, indem wir Verkehr auf die Schiene verlagern, dann entlastet das mittelfristig natürlich auch die Straßen und die Autobahnen. Das ist ein Nutzen für alle, die die Straßen nutzen, und das ist nicht nur die Transportbranche, das stimmt, das sind auch die Menschen mit den Pkws.

Wir werden bessere Wettbewerbsbedingungen auf unseren Straßen hinbekommen, auch weniger zulasten der Fahrerinnen und Fahrer. Sie wissen alle, dass wir einen Fahrer/-innenmangel haben, und auch dort können wir mit diesem Gesetz sicherlich einen kleinen Anstoß für bessere Arbeitsbedingungen leisten.

Das Geld bleibt in der Branche; auch das ist wesentlich. Wir werden damit insbesondere die Schiene stärken, aber auch die Wasserstraße. Wir werden von dieser Lkw-Maut im Wesentlichen die Bahnreform mitfinanzieren, unterlegen.

Zurufvon der SPD: Hört! Hört!

Sie wissen alle, dass die Situation sowohl im Bereich Schiene als auch im Bereich Straße – Stichwort „Sanierung“, Stichwort „Instandhaltung“ – prekär ist, und wir werden jetzt mit den Einnahmen aus der Lkw-Maut diesen Sanierungsrückstand aufholen. Das ist wichtig – das ist auch für die Klimawirkung sehr wichtig –; denn nur eine funktionierende Bahn kann Güter transportieren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

So, und damit bleibt zu sagen: Es ist ein gutes Gesetz. Wir haben das jetzt in der ersten Lesung. Ich freue mich auf die Beratungen und hoffe, dass wir noch in diesem Jahr dazu kommen, das alsbald zu beschließen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Dirk Brandes
Foto: Dirk Brandes/Privat
12 Vermerkeca. 360 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Zehntausende Insolvenzen in 2023, 12 Prozent mehr als im letzten Jahr! Aber die Ampel – Herr Gelbhaar hat das gerade bestätigt – kann und will noch mehr davon.

Sie haben es nicht verstanden!

Der nächste CO2-Hammer kommt aus dem Hause unseres grünen FDP-Verkehrsministers:

Darüber haben Sie jetzt aber lange nachgedacht!

11 Cent mehr pro Liter Sprit dank CO2-Bepreisung. Und in freudiger Erregung erhöht unsere Klimasekte die Lkw-Maut um bis zu 82 Prozent, je nach Fahrzeug.

Entschuldigung, „Klimasekte“ ist unparlamentarisch!

Die drastisch erhöhten Transportkosten werden die Preisexplosion weiter anheizen. Der Inflationseffekt der Maut beträgt laut Experten 0,4 Prozent. Eine Kiste Mineralwasser könnte zukünftig 50 Cent teurer werden.

Und was ist mit Bier? Das müssen Sie auch mal vorrechnen!

Besonders Familien werden die Zeche dafür zahlen, und der nächste Preisschock kommt dankenswerterweise pünktlich zur Weihnachtszeit.

Viele Spediteure werden ihre Betriebe aufgeben müssen. – Das sage nicht ich oder die AfD, sondern das sagt der Präsident des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung, Dirk Engelhardt.

Bei allen Gesetzen im Namen Ihrer Klimareligion sind die Verlierer immer die gleichen: die arbeitende Mittelschicht und die mittelständischen Unternehmen; sie leiden weiter. Es trifft genau diejenigen, die mit der weltweit höchsten Abgabenlast im Übrigen auch Ihre Diäten und Ihre Pensionsansprüche finanzieren,

Beifallbei der AfD

Sie erhalten wohl keine Diäten? Das ist aber edel, dass Sie das alles zurückspenden!

diejenigen, die Ihren Neubürgern die Bürgergelderhöhung, die Wohnung und das Quer-durch-Deutschland-Ticket bezahlen.

Sie zocken die Spediteure ab, um Transporte vom Lkw auf die Schiene zu verlagern. Dabei gibt Minister Wissing selber zu, dass die Bahn, wenn überhaupt, erst 2070 einen signifikanten Anteil am Güterverkehr übernehmen könnte. Die Spediteure sollen die gesamte Verkehrsinfrastruktur finanzieren,

Lesen Sie mal den Haushalt!

weil Sie alle hier die letzten Dekaden nicht in der Lage waren, die Substanz unserer Straßen, Brücken und der Bahn aus dem gewöhnlichen Haushaltsetat zu erhalten.

Beifallbei der AfD

– Moment, jetzt kommt es noch!

Die Fraktion hat vorher geklatscht!

Stattdessen reisen unsere Regierungspolitiker wie Dukatenesel durch die Welt und verteilen die Steuergelder der fleißigen Bürger. – Da brauchen Sie gar nicht den Kopf schütteln.

Doch! Was ist mit den Bürgerinnen? Bezahlen die keine Steuern, oder was?

1 Milliarde Euro Entwicklungshilfe für die neue Raumfahrtnation Indien! Und während man in Indien stolz darauf ist, den Rikschafahrer von seiner Fron zu befreien, setzen Sie die Deutschen auf das Lastenfahrrad. Ganz toll!

Beifallbei der AfD

Mein Gott! Das ist ja schlimm!

Gut, dass der Wähler Ihren Klimazug bald in die Abstellung schiebt. Ich freue mich auf die nächsten Wahlen.

Herzlichst Ihr Dirk Brandes von der Zukunftsfraktion Alternative für Deutschland.

Porträt von Martina Englhardt-Kopf
Foto: Martina Englhardt-Kopf/ Tobias Koch
8 Vermerkeca. 471 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wie erwartet, wollte uns der Vertreter der Regierungskoalition eben weismachen, dass dieses Gesetz unmittelbar dem Klimaschutz dient, die Logistikbranche stärkt

Ist auch so!

Ja, so ist es!

– genau so war die Wortwahl eben; ich dachte, ich höre schlecht – und auch höhere Einnahmen für die Schiene generiert. Aber bei genauerer Betrachtung ist das Ganze eine Mogelpackung,

und ich spreche von einer Ist-Analyse.

Wenn wir genau hinschauen, sehen wir zum Ersten: Die Maut wird verdoppelt,

Sie dürfen nicht mehr die Rechnung nach der Scheuer-Zeit aufstellen! Ist ja weg!

und Sie gehen EU-rechtlich an das Maximum der Erhöhung der CO2-Komponente,

Das ist der Zweck!

Wenn die CDU/CSU anfängt, zu rechnen, dann wird es teuer!

zur jetzigen Zeit mit vielen Belastungen; das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen!

248 Millionen Euro Scheuer-teuer!

Zum Zweiten wird dieses Gesetz zu keiner sofortigen klimapolitischen Lenkung führen. Ich sage Ihnen auch, warum: Ich sehe keine E-Lkws, ich sehe auch keine Wasserstoff-Lkws. Wir haben keine Ladesäulen und Beladungsmöglichkeiten zu diesem Zeitpunkt; das wissen Sie genau. Wir müssen doch in der Praxis erst einmal beginnen, die Verteilernetze aufzubauen.

Und im Übrigen: Wenn Sie mal mit Unternehmerinnen und Unternehmern sprechen würden – –

Was haben Sie gemacht die ganze Zeit?

Was haben Sie gemacht in den letzten 16 Jahren?

– Bitte sprechen Sie mir nicht ständig dazwischen; das ist höchst unangenehm. Hören Sie bitte zu, was Sie hier für einen Mist verzapfen!

Beifallbei der CDU/CSU und der AfD

Und nichts anderes ist es, was Sie hier heute vorlegen; das muss man zu dieser späten Stunde, um 23.31 Uhr, auch mal ganz genau sagen. – Sie reden in diesem Gesetz von E-Trucks, aber auch von Wasserstoff-Trucks, die sich in Pilotphasen der technologischen Entwicklung befinden. Wir sprechen von Fernverkehren, die abgewickelt werden müssen, von dreifachen Preisen dieser Lkws im Vergleich zu einem Dieselfahrzeug. Im Fernverkehr können diese Fahrzeuge heute noch nicht eingesetzt werden, weil wir schlichtweg die Infrastruktur dafür nicht haben.

Wenn Sie mit den Logistikverbänden sprechen, dann werden diese die Bereitschaft signalisieren, auch Güterverkehre auf die Schiene zu verlagern. Aber Sie wissen doch auch, dass das aktuell aufgrund des Zustands der Schiene nicht möglich ist. Sie planen die Korridorsanierungen, was auch ein gutes Ziel ist, aber die Schiene ist nicht leistungsfähig ab morgen. Punkt! Das ist ein Faktum, und das können wir hier nicht ignorieren.

Ich erinnere Sie an dieser Stelle gerne an Ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag – vielleicht habe ich einen anderen Koalitionsvertrag vorliegen als Sie –: Sie formulieren als Bedingung für die Einführung der Maut, eine Doppelbelastung durch den CO2-Preis werde es nicht geben; das wollen Sie ausschließen. – An diesen Worten müssen Sie sich messen lassen, meine sehr geehrten Damen und Herren! Aber Papier ist geduldig; auch das ist Fakt.

Ich rede gar nicht von den Mehreinnahmen, die nur teilweise in die Schiene fließen sollen. 7,6 Milliarden Euro, meine Damen und Herren, liebe Bürgerinnen und Bürger: Das bezahlen Sie, das bezahlen die Unternehmerinnen und Unternehmer, weil sie faktisch nicht ab morgen auf alternative Antriebe umstellen können. Die Mehrbelastung ist da.

Deshalb brauchen wir ein gestuftes Verfahren, eine vernünftige Lösung, –

Porträt von Henning Rehbaum
Foto: Henning Rehbaum/ Tobias Koch
9 Vermerkeca. 411 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich schon mal hier gestanden und zur letzten Mautreform der Ampelregierung gesprochen. Die damalige Erhöhung kam schon zur Unzeit. Die Transportunternehmen hatten da wegen des Krieges in der Ukraine schon mit massiven Energie- und Kraftstoffpreisen zu kämpfen.

Und „zack“ kommt die nächste Mauterhöhung der Ampel. Für die Unternehmen sind das rund 20 000 Euro zusätzliche Kosten pro Lkw pro Jahr. Das ist besonders für die Mittelständler, die gerade schon mit dem Rücken an der Wand stehen, eine Riesenbelastung.

Beifallbei der CDU/CSU

Was ist der Effekt einer solchen Mauterhöhung? Die Logistiker werden die Kosten an ihre Kunden weitergeben müssen. Das macht alle Waren teurer für die Verbraucher. SPD, FDP und Grüne machen sich selbst zum Inflationstreiber. Die Ampel macht das Leben teurer.

Beifallbei der CDU/CSU

Und noch etwas hat die Ampelregierung anscheinend nicht durchdacht: Um die Mauterhöhung zu vermeiden, sagt die Ampel, sollen die Speditionen Diesel-Lkw abschaffen und Elektro-Lkw anschaffen.

Scheuer-teuer! 248 Millionen Euro! Das ist Ihre Verantwortung!

Schön gedacht, klappt aber nicht. Von 800 000 Lkw in Deutschland sind gerade mal 300 Elektro-Lkw im Einsatz. Die Lieferzeiten sind ewig, und eine vollelektrische Zugmaschine kostet das Dreifache von einem sauberen Diesel der neuesten Generation. Lkw, die mit klimafreundlichen Kraftstoffen wie Bio-LNG fahren, werden auch nicht angemessen berücksichtigt. So werden diejenigen, die ihre Flotten schon klimafreundlich umgestellt haben, überhaupt nicht belohnt.

Die CDU/CSU wird hierzu konstruktive Vorschläge machen; das werden wir in nächster Zeit einreichen.

Echt? Da sind wir gespannt!

Seit fast zwei Jahren trommle ich nun als Oppositionsabgeordneter und langjähriger Verkehrsunternehmer für wirksame Maßnahmen gegen den Fahrermangel.

Dann dürfen Sie nicht in den Bundestag kommen!

– Halten Sie doch mal die Klappe da vorne!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Wir brauchen eine Straffung der Ausbildung auf österreichisches Maß, eine unkomplizierte Anerkennung von Lkw-Führerscheinen aus Drittstaaten wie der Ukraine oder der Türkei und eine schnellere Visaerteilung in den deutschen Auslandsvertretungen. Heute muss man als türkischer Lkw-Fahrer gut und gerne sechs Monate auf einen Termin bei der deutschen Auslandsvertretung warten, um überhaupt ein Visum beantragen zu können. An dieser Stelle muss die Außenministerin Annalena Baerbock deutlich nachlegen und Leute in die Konsulate schicken.

Beifallbei der CDU/CSU

Weil die Ampel die richtigen und hilfreichen Vorschläge der Union nicht umsetzt,

Welche denn?

steigt der Lkw-Fahrer-Mangel weiter, und es steigt nicht nur der Druck auf die Speditionen, sondern ganz besonders auch auf die Lkw-Fahrer und die Disponenten, die sich tagtäglich ein Bein ausreißen und alles geben, damit die Fahrzeuge besetzt werden und die Güter pünktlich zum Kunden kommen.

Mitglieder der Ampelregierung, ob Maut oder Fahrermangel: In den deutschen Speditionen brennt der Baum.

Der Baum oder Rehbaum?

Porträt von Henning Rehbaum
Foto: Henning Rehbaum/ Tobias Koch
2 Vermerkeca. 47 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wachen Sie auf!

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Dorothee Martin [SPD]

So, der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Verkehr, Oliver Luksic, die Kollegin Dorothee Martin, SPD, der Kollege Thomas Lutze, Die Linke, und der Kollege Udo Schiefner, SPD, haben ihre jeweilige Rede zu Protokoll gegeben, sodass ich die Aussprache schließen kann.1Anlage 17

8 Vermerkeca. 452 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir wollen die Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer sowie die Sicherheit und auch die Leichtigkeit des Verkehrs im Straßenverkehrsgesetz regeln. Das Straßenverkehrsrecht beschreibt vor allen Dingen das Verhalten von Verkehrsteilnehmern. Wenn man sich das Verhältnis zwischen Radfahrern, Autofahrern und Fußgängern auf Berlins Straßen anschaut, erkennt man, dass wir für ein neues Verständnis, für eine Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer sorgen müssen.

Meine Damen und Herren, die Leichtigkeit des Verkehrs ist und bleibt ein wesentliches Ziel des Straßenverkehrsrechts, weil es die Grundlage ist, den Verkehr zu lenken, zu organisieren. Manche finden ja, dass die Leichtigkeit des Verkehrs eigentlich ein Turbobeschleuniger für das Verkehrsaufkommen ist, dass sie sozusagen den Verkehr immer nur in eine Richtung schneller machen soll. Meine Damen und Herren, die Leichtigkeit des Verkehrs ist die Grundlage dafür, dass wir in den Verkehr eingreifen können, um Staus zu vermeiden, Sicherheit zu gewähren, Umweltbelastungen zu vermeiden. Das ist etwas, was wir als Ziel nicht aus den Augen verlieren werden.

Beifalldes Abg. Christoph Meyer [FDP]

– Die Kollegen hätten da auch klatschen dürfen; ich hätte nichts dagegen.

Dafür musst du ein bisschen besser werden!

Lernen Sie erst mal, zu reden!

Meine Damen und Herren, daneben werden wir auch andere Ziele stärker verankern: Umweltschutz, Gesundheitsschutz, die städtebauliche Entwicklung. Wir nehmen diese Herausforderungen, die durch neue Formen von Mobilität kommen, auch durch neue Formen von Verkehrsmitteln, an. Dazu werden wir das Straßenverkehrsrecht anpassen und das im Straßenverkehrsgesetz stärker verankern.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Kommunen sagen uns, dass sie mehr Beinfreiheit haben wollen; sie wollen mehr Freiheit haben, vor Ort zu entscheiden, was richtig ist. Meine Damen und Herren, das ist ein Wunsch, den man, wenn man wie ich einmal Kommunalpolitiker war, gut nachvollziehen kann und der auch unter dem Aspekt der Subsidiarität aus meiner Sicht absolut richtig ist. In meiner Heimatstadt Fulda sind mittlerweile viele Tempo-30-Zonen angeordnet. Die Kommunalpolitiker vor Ort tragen das auch mit. Die Kommunalparlamente müssen das Recht bekommen, die Kontrolle auch auszuüben. Diese Beinfreiheit, die die Kommunen von uns verlangen, wollen wir ihnen mit der Reform des Straßenverkehrsgesetzes gerne geben.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sehr richtig!

Wer sind denn wir in Berlin, die besser entscheiden können, was vor Ort richtig ist? Das sollen die Menschen vor Ort entscheiden. Das sollten wir uns hier von Berlin aus nicht anmaßen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Fakt ist aber auch, dass zum Beispiel schon 60 Prozent der Straßen in Berlin über ein Tempo 30 verfügen, meine Damen und Herren. Das ist auch etwas, worüber wir uns Gedanken machen müssen.

Was wir als Liberale auf keinen Fall mitmachen werden, ist ein flächendeckendes Tempo 30 in den Innenstädten.

Beifallbei der FDP

Wir werden auf keinen Fall mitmachen, dass es eine Politik gegen den Individualverkehr, gegen das Auto geben wird, sondern wir werden für mehr Transparenz und mehr Akzeptanz bei den Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern sorgen.

Ich freue mich auf die konstruktiven Vorschläge der Opposition im Ausschuss.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Florian Müller
Foto: Florian Müller/ Steffen Böttcher
7 Vermerkeca. 485 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir alle haben uns auf diese Debatte gefreut – nicht nur wegen der perfekten Uhrzeit für ein so wichtiges Thema, sondern natürlich auch, weil Sie dieses Gesetz angepriesen haben. Sie haben die Erwartungshaltung gesteigert. Sie haben von der Modernisierung des Straßenverkehrsgesetzes gesprochen, und Sie haben versprochen – das hat der Kollege Lenders gerade ja auch gemacht –, dass der Klimaschutz endlich die gleiche Bedeutung wie die Sicherheit und die Leichtigkeit des Verkehres bekommen soll.

Das hat der Minister auch vollmundig versprochen; er ist heute leider wieder nicht da. Wenn der Minister das verspricht, dann sollte man natürlich umso genauer mal in das Gesetz hineinsehen.

In der Begründung des Gesetzes wird es dann ein bisschen spannend; da steht nämlich: Die Ziele der Leichtigkeit und der Sicherheit des Verkehres können zugunsten des Klimaschutzes außer Acht gelassen werden. – Das ist ein klarer Widerspruch zu dem, was der Minister sagt. Das heißt, entweder er weiß nicht, was sein Haus schreibt, oder er erzählt die Unwahrheit, oder Sie müssen sich am Ende überlegen, in welcher Einigkeit Sie in der Koalition stehen. Sicher ist auf jeden Fall: Sie schaffen rechtliche Unsicherheiten. Und rechtliche Unsicherheiten bedeuten vor allem eines: Sie sind ein Jobmotor für die Verwaltungsgerichte.

Eines muss man an dieser Stelle genau sehen: Sie verringern die Priorität für die Verkehrssicherheit.

Falsch! Fake News!

Bei 2 500 Verkehrstoten im Jahr, meine lieben Damen und Herren, ist das ein fatales Signal, das diese Ampelkoalition aussenden will.

Beifallbei der CDU/CSU

Hören Sie auf, Lügen zu verbreiten!

Man muss sich mal in Erinnerung rufen, dass die Intention des Gesetzes eigentlich ganz anders war. Sie haben auf Ihrem Chaos-Koalitionsgipfel im April darüber gesprochen, dass Sie flächendeckend Tempo 30 haben und den Parkraum einschränken wollen. Sie wollen also eigentlich ein Instrument für den Kulturkampf auf der Straße schaffen.

Zurufvon der AfD: Sabotage!

Aber, liebe Grüne, haben Sie sich eigentlich mal mit den Praktikern unterhalten, mit den Straßenverkehrsbehörden?

Herr Müller, Sie sagen es uns bestimmt gleich! Sie sind ganz nah dran an den Bürgerinnen und Bürgern! Sehr dramatisch, muss ich sagen!

Dann werden Sie erfahren, dass das, was Sie mit dem Straßenverkehrsgesetz und der Straßenverkehrs-Ordnung vorschlagen, am Ende leider gar nichts ändern wird. Sie sind wieder über den Tisch gezogen worden,

900 Kommunen, die gern Tempo 30 ausweisen würden! Das ist das, was die Bürgerinnen und Bürger sagen!

zum Glück für unser Land; denn damit wird der Verkehr weiterhin Leichtigkeit haben.

Dieses Gesetz wird vor allem für eines sorgen: Es wird für neuen Frust sorgen – bei den Kommunen, weil sie weiterhin Schwierigkeiten bei der Beantragung von Tempo-30-Zonen haben, bei den Bürgern, weil es lange dauert, bei den Handwerken, weil sie künftig vermutlich das Deutschlandticket benötigen werden, um mit Hilti oder Schleifmaschine zu ihren Kunden zu kommen. Am Ende steht dieses Gesetz vor allem für eines: für ein neues Beispiel der Blockade in dieser Ampelkoalition.

Wir brauchen stattdessen etwas anderes. Wir brauchen ein neues Miteinander im Straßenverkehr – für eine ideologiefreie Versöhnung der Verkehrsteilnehmer, für Mobilität, die gleichberechtigt Stadt und Land denkt, und vor allem für etwas, was nach vorne schaut.

Wir werden konstruktiv in diese Debatte gehen. Wir sind sehr gespannt, wie offen Sie diesmal sein werden.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Nächster Redner ist der Kollege Mathias Stein, SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Swantje Henrike Michaelsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
9 Vermerkeca. 605 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Müller, das, was Sie hier eben abgeliefert haben, war eine Oppositionsrede. Ich finde das ein bisschen schade; denn wir haben in der letzten Wahlperiode beim Thema „Verkehrssicherheit, Straßenverkehrsrecht“ wirklich viele Dinge gemeinsam auf den Weg gebracht.

Zurufdes Abg. Michael Donth [CDU/CSU]

Dass Sie das, was wir hier machen, jetzt einfach so schlechtreden, finde ich wirklich bemerkenswert. Ich glaube auch nicht, dass Sie sich ernsthaft mit den Kommunen auseinandergesetzt haben.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Mich macht es auch betroffen: Wir hatten im vergangenen Jahr 2 788 Menschen, die im Straßenverkehr ums Leben gekommen sind. Mehr als sieben Personen am Tag kommen dort ums Leben. Alle 20 Minuten wird ein Kind im Straßenverkehr verletzt. Das ist ein Punkt, der einen höchst betroffen macht. Wenn man sich mal anguckt, welches Instrument wir da zur Verfügung haben, stellt man fest, dass wir im Moment ein Straßenverkehrsgesetz und eine Straßenverkehrs-Ordnung haben.

Sie haben die Leichtigkeit im Verkehr erwähnt. Leider ist das Auto – so hart es ist – oft das Element, das zu einem tödlichen Unfall führt. Ich will niemandem das Auto wegnehmen. Aber das Problem ist: Wenn auf den Straßen ein Auto mit Tempo 50 unterwegs ist

Beifallder Abg. Susanne Menge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

und auf einen Menschen trifft, dann liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit bei 20 Prozent. Bei Tempo 30 liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit bei 80 Prozent. Das ist ein erheblicher Unterschied.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deshalb müssen wir gucken, an welchen Stellen wir zu vernünftigen Ergebnissen bei den Tempolimits kommen.

Ich bin auch mal geblitzt worden, als ich hier mal mit dem Auto unterwegs war.

Wie ist denn die Situation in Berlin? Alle paar Meter kommt eine neue Geschwindigkeitsbegrenzung – mal, weil dort ein Pflegeheim ist, mal, weil dort die nächste Kita ist. Und was machen die Autofahrenden? Sie fahren Tempo 50, weil sie das entsprechende Schild manchmal auch nicht sehen. Deshalb brauchen wir mehr Verlässlichkeit und mehr Möglichkeiten der Kommunen, auf solchen Straßen auch mal etwas länger Tempo 30 anzuordnen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Thomas Lutze [DIE LINKE]

Genau! 30 für alle!

Es gibt die Diskussion, auch bei mir im Kieler Wahlkreis. Da gibt es einen Kindergartenweg. Gerade kleine Kinder sollen gerne auch mal zu Fuß gehen; da geht es um das Thema Gesundheit. Der Eingang des Kindergartens liegt aber nicht an der Straße. Folglich kann auf der Straße nicht Tempo 30 ausgewiesen werden. Deshalb müssen wir an dieser Stelle die Ziele im StVG ändern.

Wir haben das formuliert und auch als Auftrag ans Bundesverkehrsministerium gegeben. Das muss noch ganz viel arbeiten, damit wir eine ordentliche Straßenverkehrs-Ordnung hinbekommen.

Herr Kollege Lenders hat das gesagt: Wir brauchen mehr Gleichberechtigung im Verkehr. Wir müssen da gerade auch an die ungeschützten Verkehrsteilnehmer denken, zum Beispiel an die Menschen mit Behinderung, die mit dem Rolli unterwegs sind. Wir müssen darauf achten, dass auch sie über Straßenquerungen kommen. Es ist wirklich wichtig, dass man auf die Zu-Fuß-Gehenden Rücksicht nimmt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Zurufdes Abg. Jörn König [AfD]

Ich finde es gut, dass sich über 900 Kommunen – auch Kommunen mit CDU-Bürgermeistern – in der Initiative „Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten“ zusammengeschlossen haben. Das ist keine Initiative für Tempo 30, sondern die wollen mehr Autonomie haben. Die wollen sich nicht von oben sagen lassen, wo ein Zebrastreifen hinkommt, wo eine Ampel hinkommt, wo sie die Möglichkeit haben, im Straßenverkehr auch mal etwas anderes zu machen, zum Beispiel bei der Frage, Außengastronomie stattfinden zu lassen, oder in Gewerbegebieten. Bei einem Industriebetrieb kann an einer Ausfahrt zum Beispiel nicht Tempo 30 angeordnet werden, sodass die Lkws dann warten, bis sie wieder auf die Straßen kommen. Die wollen auch etwas haben.

Ich glaube, wir haben dort eine gute Möglichkeit, etwas zu schaffen. Ich lade Sie herzlich ein, sich daran zu beteiligen, und ich hoffe, dass wir auch mit der Union dort zu einer freundlichen Einigung kommen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der AfD
Porträt von Swantje Henrike Michaelsen
Foto: Swantje Michaelsen / Stefan Kaminski
12 Vermerkeca. 575 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! In fast allen Kommunen in Deutschland wird über Mobilität und Verkehrswende intensiv diskutiert. Ob mehr Platz fürs Rad, sichere Schulwege oder saubere Luft: Viele Veränderungen bremst allzu oft das Bundesrecht aus.

Die Grundlage von allem ist das Straßenverkehrsgesetz, ein Bundesgesetz, das im Kern noch aus der Kaiserzeit stammt. Mit diesem Gesetz sollte 1909 das neue Verkehrsmittel Auto gefördert werden. Dafür wollte man Platz schaffen auf den Straßen, die belebt waren, und deshalb hat man der Flüssigkeit des Autoverkehrs einen hohen Stellenwert im Gesetz eingeräumt. So wurden aus Straßen, in denen Menschen zu Fuß, mit Karren und Kutschen unterwegs waren,

Dahin wollen Sie wieder zurück! Genau!

wo sie arbeiteten, spielten und sich aufhielten, mit der Zeit vielerorts oft öde Durchfahrtsschneisen.

Auch 100 Jahre später ist das Straßenverkehrsgesetz vor allem darauf ausgerichtet, dass der Autoverkehr fließt. Hauptziel des Straßenverkehrsgesetzes ist die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs. Und das macht den Kommunen bei der Gestaltung von Straßen und öffentlichen Räumen das Leben schwer.

Zurufvon der SPD: So ist es!

Aber die Zeiten haben sich geändert, unsere Gesellschaft hat sich verändert. Nicht nur hat sich die Zahl der Autos vervielfacht – 1909 gab es 45 000 Autos in Deutschland, heute sind es knapp 50 Millionen –,

Es werden immer mehr!

sondern wir leben auch in einer modernen, vielfältigen Gesellschaft, in der die Menschen eben nicht nur mit dem Auto, sondern auch zu Fuß und mit dem Rad unterwegs sein wollen, einer Gesellschaft, in der viele Eltern wollen, dass ihre Kinder sicher und selbstständig zur Schule oder ins Schwimmbad fahren können,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

einer Gesellschaft, in der es längst vielen Menschen wichtig geworden ist, dass Städte und Gemeinden lebenswert sind.

Deshalb haben wir im Koalitionsvertrag eine Änderung des Straßenverkehrsrechts vereinbart. Das Straßenverkehrsgesetz soll neue Ziele bekommen. Damit vergrößern sich die Entscheidungsspielräume der Kommunen, sodass sie Straßen und Plätze leichter an die Bedürfnisse vor Ort anpassen können. Sie können dann Radwege bauen oder einen Zebrastreifen anordnen, weil sie sich für die Gesundheit der Menschen einsetzen, weil sie ein Quartier lebenswerter machen wollen oder um einen Schulweg zu sichern.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dafür gibt es Rückenwind von inzwischen weit mehr als 900 Städten und Gemeinden aus ganz Deutschland – große und kleine Städte und Gemeinden aus allen Bundesländern.

Zurufvon der AfD

Sie werden von Parteien aller demokratischen Farben geführt, und sie sind sich in diesem Punkt absolut einig: Sie wollen selbst entscheiden – Zitat –, „wann und wo welche Geschwindigkeiten angeordnet werden – zielgerichtet, flexibel und ortsbezogen“, genau so, wie die Menschen vor Ort es brauchen und wollen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das wird der beste Wahlkampf ever! Da drehen die in Sachsen durch! Besser geht es nicht!

Auch die Verkehrsminister/-innen der Länder und der Deutsche Verkehrsgerichtstag unterstützen das, was sich die rund 900 Kommunen aus dem Städtebündnis wünschen: mehr Entscheidungsspielräume vor Ort.

Das genau muss eine Reform des Straßenverkehrsrechts liefern. Sie muss den Kommunen Entscheidungsspielräume geben,

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

damit sie die Herausforderungen in Sachen Unfälle, CO2-Emissionen oder Luftverschmutzung angehen können. Dafür müssen Maßnahmen endlich leicht umsetzbar werden: zur Stärkung der klimafreundlichen Mobilität, für lebenswerte öffentliche Räume und vor allem für mehr Verkehrssicherheit. Kommunen müssen erkannte Gefahrenstellen endlich entschärfen können, ehe sich Unfälle ereignen und Menschen sterben.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD
Zurufdes Abg. Jörn König [AfD]

Der Gesetzentwurf liegt vor, und wir werden ihn nun im Parlament beraten. Die Kommunen fordern diese Reform schon lange. Machen wir aus ihr eine Reform, die den Kommunen den Handlungsspielraum gibt, den sie brauchen, damit sie unsere Straßen sicher machen können und Städte und Gemeinden in Orte für Menschen verwandelt werden.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Der Kollege Thomas Lutze, Fraktion Die Linke, und der Kollege Jan Plobner, SPD-Fraktion, haben ihre Reden zu Protokoll gegeben, sodass ich nunmehr aufrufe den fraktionslosen Abgeordneten Stefan Seidler vom SSW.1Anlage 18

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
3 Vermerkeca. 215 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank, Herr Präsident. – Moin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Erlauben Sie mir, zu später Stunde noch auf eine Absurdität hinzuweisen. Aber Vorsicht, dass Sie beim Kopfschütteln nicht ganz tüdelig werden.

Zunächst möchte ich Ihnen aber sagen: Ich begrüße ausdrücklich, dass mit der Änderung des Straßenverkehrsgesetzes die Möglichkeiten von Kommunen und Ländern gestärkt werden, besser auf regionale verkehrliche Bedingungen zu reagieren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das ist gut; denn starre und absurde Vorschriften braucht wirklich niemand.

Aus meiner Sicht sollte die Gelegenheit der anstehenden Änderung der Straßenverkehrs-Ordnung genutzt werden, um ein paar Verordnungsabsurditäten endlich Lebewohl zu sagen. Dazu gehört für mich, dass wir unseren Parkscheiben-Regulierungswahn beenden. Die StVO regelt nämlich bis ins Detail das Aussehen einer Parkscheibe. Alles ist festgelegt und führt bei uns im Grenzland und in anderen Grenzregionen zu mächtig Frust.

Anders als die deutschen sind die dänischen Parkscheiben nämlich rund und haben einen Zeiger, der die Ankunftszeit anzeigt. Die sind oft auch digital. Das klingt nicht schlimm, ist es aber; denn wenn diese Parkscheibe bei uns in Flensburg eingelegt wird, dann versteht die Stadt gar keinen Spaß.

Das liegt doch aber an der Stadt, Mensch!

Die Parkscheibe ist nicht StVO-konform; es wird kassiert, es gibt ein Knöllchen. Die deutschen Parkscheiben in deutschen Autos sind übrigens im Ausland erlaubt. Warum reformieren wir das nicht und geben uns eine ordentliche rechtliche Grundlage?

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP und des Abg. Thomas Lutze [DIE LINKE]
12 Vermerkeca. 426 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Zunächst einmal muss ich hier feststellen, dass die gesetzeinbringenden Fraktionen bzw. die Regierung offensichtlich dieses Gesetz gar nicht richtig gelesen haben. Es wird immer von der „Leichtigkeit und Sicherheit des Verkehrs“ geredet. In der Begründung steht: „Flüssigkeit und Sicherheit des Verkehrs“. Wenn Sie mit dieser Präzision dieses ganze Gesetz gemacht haben, wundert mich überhaupt nichts mehr. Das spricht schon Bände!

– Ja, ich habe noch mehr gefunden.

Dieses Gesetz ist frank und frei gesprochen das Sabotagegesetz hinsichtlich der deutschen Verkehrssicherheit und der Nutzung des Autos. Mit diesem Gesetz kriegen durchgeknallte grüne Kommunalregierungen die Möglichkeit, den Autoverkehr komplett lahmzulegen. Das ist Sabotage an unserem Land!

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Susanne Menge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich will Ihnen sagen, was Sie alles dürfen; das haben wir hier noch gar nicht alles thematisiert. Da können Sie sich ruhig aufregen. Sie haben hier die Möglichkeit geschaffen, für jedes von Ihnen frei definierte Verkehrsmittel eine eigene Fahrspur einzurichten. Das steht hier drin; das ist zukünftig möglich.

Oder: Man kann allein schon in der Erwartung eines Parkraummangels, ohne dass überhaupt ein Parkraummangel besteht, den Verkehr beschränken. Das muss man sich mal vorstellen, was Sie als FDP hier abziehen oder sich in die Feder diktieren lassen. Das geht doch alles gar nicht; das wissen Sie auch.

Was hier passiert: Irgendwelche Bürgermeister – das sehen wir auch gerade in Hannover –

Schon mal was von Demokratie gehört?

Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

– ja, irgendwelche grünen Bürgermeister, die wahrscheinlich ihre letzte Legislatur haben – haben mit diesem Gesetz die Möglichkeit, eine Stadt vom Auto zu trennen. Das heißt, eine Kommune, die grün regiert ist, kann sämtliche Pendler einfach aussperren.

Unsinn, was Sie hier erzählen!

Das hat mit Demokratie und einem Zusammenleben in einem Land wie diesem nichts mehr zu tun.

Beifallbei der AfD

Sie sabotieren das Auto, und das machen Sie absichtlich.

Das ist doch Quatsch! Wir ermöglichen dem Auto mehr Freiheit!

Sie ignorieren, dass sämtliche Verkehrsprognosen in diesem Land davon ausgehen, dass selbst im Jahr 2050 das Auto der Verkehrsträger Nummer eins sein wird. Sie wollen auch gar nicht mehr einen rationalen Verkehr und eine rationale Verkehrsplanung. Sie wollen Ihre Ideologie durchsetzen.

Das Ergebnis wird sein, dass sich immer mehr Menschen in diesem Land überlegen, überhaupt diese Städte zu nutzen. Unsere Innenstädte werden durch dieses Gesetz nicht lebenswerter, sondern sie werden einfach nicht mehr genutzt. Die werden überhaupt nicht mehr genutzt!

Beifallbei der AfD
Zurufvon der SPD: Das ist doch Quatsch!

Alle Läden werden sterben.

Widerspruchbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

– Natürlich ist das so! Es geschieht genau das Gleiche, was in Amerika passiert ist.

Dann waren wohl auch alle Fußgängerzonen in der Bundesrepublik ein Fehler! Sind Sie schon mal in die Fußgängerzone gegangen, Herr Spaniel?

Es wird zu einer Entvölkerung der Städte kommen.

Das ist doch Quatsch!

– Dann reden Sie doch mal mit den Leuten, mit den Ladeninhabern. Da brauchen Sie sich gar nicht aufzuregen. Mit denen reden Sie doch schon lange nicht mehr. – Die reden gar nicht mehr mit Ihnen; sagen wir es mal so rum.

Völlig weltfremd!

ca. 14 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir als AfD-Fraktion lehnen diese Einschränkungen, diese Zwangsmaßnahmen, die Sie hier vorschlagen, ab.

2 Vermerkeca. 24 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke, Herr Präsident. – Ich hoffe, die FDP kommt noch auf einen vernünftigen Weg. Wir werden uns auf jeden Fall in die Beratungen einbringen.

Danke.

Beifallbei der AfD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Tagesordnungspunkt 264 RedenReaktionswert: niedrig
Porträt von Rita Schwarzelühr-Sutter
Foto: Rita Schwarzelühr-Sutter/ Photothek Media Lab
Rita Schwarzelühr-SutterSPD· Parl. Staatssekretärin BMI· MdB
3 Vermerkeca. 537 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Jüdisches Leben ist ein fester Bestandteil unserer Geschichte und unserer Gegenwart, und leider ist auch der Antisemitismus ein Teil dieser Geschichte und Gegenwart. Das war eine Motivation für die damalige Bundesregierung, vor 20 Jahren eine neue Grundlage für die Förderung jüdischen Lebens in Deutschland zu schaffen.

Am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, am 27. Januar 2003, schloss die Bundesregierung im Bewusstsein der besonderen historischen Verantwortung des deutschen Volkes für das jüdische Leben in Deutschland den ersten Vertrag mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland. Ziel war und ist es, das freundschaftliche Verhältnis zur jüdischen Gemeinschaft zu festigen.

Den Wiederaufbau jüdischen Lebens in Deutschland galt und gilt es zu fördern. Vereinbart wurde eine kontinuierliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit in allen Bereichen, die die gemeinsamen Interessen berühren. Mit der vereinbarten finanziellen Unterstützung – seinerzeit 3 Millionen Euro jährlich – wird das deutsch-jüdische Kulturerbe erhalten und gepflegt. Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland wird so weiter aufgebaut. Seit 2003 stieg diese vertraglich vereinbarte Leistung von 3 auf 13 Millionen Euro.

Am 25. April dieses Jahres unterzeichneten Bundesministerin Nancy Faeser und der Präsident des Zentralrats der Juden, Dr. Josef Schuster, die nunmehr vierte Version des Vertrags. Damit soll die Staatsleistung bereits ab diesem Haushaltsjahr auf 22 Millionen Euro erhöht werden. Diese Anpassung des Vertrags bedarf der Zustimmung des Bundestages durch ein Gesetz, das wir heute einbringen.

Deutschland ist ein vielfältiges Land, und so ist auch das jüdische Leben. Daher soll die gesamte und vielfältige jüdische Gemeinschaft in Deutschland gefördert werden. Nach seinem Selbstverständnis ist der Zentralrat für alle Richtungen des Judentums offen. Das passt zum pluralen Deutschland. Die erhöhten Mittel machen das jüdische Leben in Deutschland sichtbarer. Die Bildungs- und Erinnerungsarbeit wird ausgebaut.

Unsere Gegenwart ist nicht von unserer Geschichte zu trennen. Die Verbrechen Nazideutschlands, das unermessliche Leid, welches die jüdische Bevölkerung zwischen 1933 und 1945 erlitten hat, müssen auch heute mitgedacht werden. Das ist immer noch leitend für unser Handeln.

Die vertragliche Vereinbarung mit dem Zentralrat der Juden steht auch für die Verantwortung der Bundesregierung für die gesamte jüdische Gemeinschaft in Deutschland. Diese Verantwortung werden wir auch niemals vergessen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN

Das macht es zwingend, denjenigen entschieden entgegenzutreten, die dieses Leid leugnen oder kleinreden, denjenigen, die aus der Geschichte nichts gelernt haben, die weiter Hass und Hetze verbreiten.

Nach der Shoah erschien jüdisches Leben in Deutschland kaum denkbar. Es waren Jüdinnen und Juden, die sich dazu entschlossen haben, in Deutschland zu bleiben oder in unser Land zu kommen und hier jüdisches Leben wieder aufzubauen. Für dieses Vertrauen, dieses Bekenntnis und den Willen, Deutschland wieder zu ihrer Heimat zu machen, sind wir sehr dankbar.

Das Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ zeigte eindrucksvoll, welchen Beitrag die deutschen Jüdinnen und Juden für unser Land und unsere Gesellschaft geleistet haben. Sichtbar wurde auch, wie vielfältig jüdisches Leben in Deutschland war und auch heute ist. Das fördern wir weiter, und das schützen wir auch weiter.

Wir stärken jüdisches Leben in Deutschland auf verschiedenen Wegen. Einer dieser Wege ist die erhöhte vertragliche Leistung. Daher bitte ich Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, den Gesetzentwurf konstruktiv zu beraten, damit der Vertrag vom 25. April in Kraft treten kann.

Herzlichen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Deshalb rufe ich nunmehr auf den Kollegen Thomas Rachel, CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Marlene Schönberger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Porträt von Thomas Rachel
Foto: Thomas Rachel/ Tobias Koch
3 Vermerkeca. 350 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Jüdinnen und Juden haben das heutige Deutschland maßgeblich mitgeprägt. Sie waren und sie sind ein wichtiger Teil Deutschlands. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Shoah kam es zu einem erst langsamen Wiederaufbau jüdischen Lebens. Inzwischen lebt in Deutschland die drittgrößte jüdische Gemeinschaft Europas. Das jüdische Leben hat sich mit einer großen neuen Dynamik entwickelt. Innerjüdische Pluralität ist zum Wesensmerkmal jüdischer Gegenwart in Deutschland geworden.

Der Aufwuchs auf 22 Millionen Euro im Staatsvertrag ist nun ein wichtiges Signal an die jüdischen Gemeinden und den Zentralrat der Juden. Damit wird die Jüdische Akademie in Frankfurt als interkultureller Bildungsort gestärkt. Wir stärken die Prävention gegen Antisemitismus. Und schließlich wird ein bundesweites Ausbildungsprogramm für Sicherheitspersonal an jüdischen Einrichtungen durchgeführt. Traurig, dass das notwendig ist.

Der Bund unterstützt zahlreiche Initiativen und Projekte, um das jüdische Leben in der Mitte unserer Gesellschaft weiterhin zu unterstützen. Nicht zuletzt wurde 2019 unter der Bundesregierung von Angela Merkel ein Staatsvertrag für die jüdische Militärseelsorge in der Bundeswehr unterzeichnet.

Meine Damen und Herren, es ist besorgniserregend, dass Antisemitismus, Rassismus und Verschwörungstheorien unkontrolliert zunehmen. In Deutschland sind antisemitische Einstellungen und antisemitisch motivierte Gewalttaten auf einem beständig hohen Niveau. Diese Entwicklung ist nicht nur im Rechts-, sondern auch im Linksextremismus und letztlich in allen gesellschaftlichen Gruppen zu finden.

Die Verbreitung von Hass und Hetze betrifft zunehmend mehr Menschen, auch andere Religionsgruppen, Minderheiten, Journalisten und Amtsträger. Wir haben aber das große Privileg, hier in Deutschland in einem Staat zu leben, dessen Verfassung die Bürgerrechte und das Rechtsstaatsprinzip zur Grundlage unseres Zusammenlebens macht. Dafür sollten wir einstehen. Hass und Hetze sind keine Option.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Es gibt auch Grund zur Freude. Wir verspüren quasi eine Art neuen Zeitgeists jüdischen Lebens. Es hat sich eine ganz neue Generation von selbstbewussten Jüdinnen und Juden entwickelt. Dies hat sich auch in ihrer kritischen Reaktion auf die Documenta gezeigt. Kulturstaatsministerin Claudia Roth war dort zuvor ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden.

Meine Damen und Herren, in Zeiten wie diesen müssen wir zusammenstehen gegen die Feinde unserer Demokratie, gegen Antisemitismus, gegen Rassismus und gegen Ausgrenzung. Das sind wir den zukünftigen Generationen schuldig.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Marlene Schönberger
Foto: Marlene Schönberger/Elias Keilhauer
7 Vermerkeca. 507 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Die meisten Menschen in Deutschland denken bei Jüdinnen und Juden an Israel, an Klezmermusik und an die Shoah. Die meisten können sich nicht mal vorstellen, dass Jüdinnen und Juden die Mitspielerinnen und Mitspieler im Fußballverein, die Arbeitskolleginnen und -kollegen, die Parteigenossinnen und -genossen oder Mitaktivistinnen und Mitaktivisten sein könnten. Für viele bleiben jüdische Menschen immer die anderen, die „Mitbürger“. Sie gehören irgendwie dazu, aber nie so ganz.

Jüdinnen und Juden werden dann wahrgenommen, wenn es um Gedenken an die Shoah oder um Antisemitismus geht. Sie werden dann gehört, wenn sie als Opfer oder als Mahner auftreten. Jüdische Stimmen werden aber selten gehört, wenn sie selbstbestimmt über Gesellschaft nachdenken.

Auch die Erwartungen an jüdische Gemeinden sind häufig ziemlich irritierend, etwa wenn erwartet wird, dass sie als Besserungsanstalten herhalten, wenn ein Politiker für das Einsammeln oder Verteilen antisemitischer Flugblätter in der Kritik steht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Wir hören immer wieder, dass jüdisches Leben ein Geschenk für Deutschland sei – freilich ein Geschenk, das nichts kosten soll. Das zeigt das jahrzehntelange politische Ignorieren des Problems jüdischer Altersarmut sehr treffend.

Beifallder Abg. Emilia Fester [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir erzählen Geschichten von 1 700 Jahren jüdischen Lebens in Deutschland; aber man erzählt nicht, dass die überwiegende Mehrheit der 200 000 Jüdinnen und Juden in Deutschland aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion stammt. Und sehr ungern redet die deutsche Mehrheitsgesellschaft darüber, dass die überwiegende Zahl dieser 1 700 Jahre von Pogromen und Verfolgung von Jüdinnen und Juden geprägt war.

Die wenigsten begreifen, dass es kein Widerspruch ist, Judentum und Widerständigkeit, Queerness, Feminismus, Migration und Aktivismus zusammenzudenken.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Wer Judentum so eindimensional begreift, kann auch diese Worte des jüdischen Philosophen Franz Rosenzweig nicht verstehen – ich zitiere –: „Das Jüdische ist meine Methode, nicht mein Gegenstand.“

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wegen all dieser Defizite, die ich gerade beschrieben habe, braucht es Orte, an denen Jüdinnen und Juden empowert werden, selbstbewusst in Diskurse einzugreifen, Orte, an denen jüdisches Leben unterrichtet wird, ohne von Stereotyp zu Stereotyp zu springen, Orte, an denen auch nichtjüdische Menschen jüdische Lebenswirklichkeit begreifen lernen, Orte, wie es das von Franz Rosenzweig begründete Jüdische Lehrhaus in Frankfurt war, das 1938 von den Nazis geschlossen wurde. Mit der Jüdischen Akademie wird es nun nach 85 Jahren endlich wieder ein Haus der jüdischen Gelehrsamkeit in Frankfurt am Main geben, und das ist großartig.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD, der CDU/CSU und der FDP

Der Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik und dem Zentralrat der Juden trägt dazu bei, jüdisches Leben zu unterstützen und zu fördern sowie den Schutz jüdischer Institutionen vor Antisemitismus besser zu gewährleisten. Nun werden die jährlichen Staatsleistungen von 13 Millionen Euro auf 22 Millionen Euro angehoben. Die Erhöhung soll ab nächstem Jahr vor allem den Betrieb der neuen Jüdischen Akademie in Frankfurt absichern.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, für uns ist klar: Wir brauchen mehr als gutgemeinte Worte. Wir müssen offen sein für Selbstkritik und bisher marginalisierte Perspektiven. Wir müssen bereit sein, dazuzulernen. Wir müssen anpacken. Und das bedeutet in diesem Fall, dass wir Geld investieren, dass wir das Projekt der Jüdischen Akademie fördern.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Um die Journalistin Erica Zingher zu zitieren: „Denn ja, Geschenke kosten.“

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Beifallbei der AfD
Porträt von Beatrix von Storch
Foto: Vadim Derksen
8 Vermerkeca. 333 WörterReaktionswert: lebhaft
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Das Judentum ist, anders als der Islam, in Europa tief verwurzelt. Das Christentum ist aus dem Judentum hervorgegangen, und das blickt auf 1 700 Jahre Geschichte in Deutschland zurück. Nach dem Zivilisationsbruch der Nationalsozialisten wollen wir, dass jüdisches Leben in Deutschland wieder blüht. Darum unterstützen wir den Vertrag zwischen dem Zentralrat der Juden und der Bundesrepublik.

Beifallbei der AfD

Die politischen Positionen innerhalb der jüdischen Gemeinde sind allerdings sehr vielfältig. Sie reichen von den Linken, dem sogenannten progressiven Judentum, bis zu den Orthodoxen. Für diese Meinungsvielfalt steht in Deutschland die „Jüdische Allgemeine“ für die Linksliberalen oder die „Jüdische Rundschau“ für die Konservativen.

Innerhalb der jüdischen Gemeinde sind die Gegensätze so groß wie hier in diesem Hause. Das sehen wir deutlich auch in Israel, wo die Justizreform der Regierung Netanjahu sehr kontrovers diskutiert wird. Die konservative Mehrheit der Knesset in Israel steht der AfD politisch näher als den Grünen; das werden Sie wohl kaum bestreiten. Die Mehrheit in Israel ist nicht links, nicht linksliberal und auch nicht progressiv. Sie ist konservativ, sie ist national, und sie ist religiös. Diese Stimmen der Mehrheit sollten wir mindestens genauso hören wie die linksliberalen und progressiven Stimmen der Minderheit.

Beifallbei der AfD

Und genauso wie die Deutsche Bischofskonferenz und die Synode der EKD sollte auch der Zentralrat der Juden das gesamte politische Spektrum repräsentieren und nicht nur den kleineren Teil.

Zurufdes Abg. Timon Gremmels [SPD]

Darum verbinden wir unsere Unterstützung für den Vertrag mit dem Appell an Herrn Schuster zu mehr politischem Pluralismus.

Probieren Sie es doch mal mit dem Pluralismus!

Ergreifen Sie nicht einseitig Partei! Repräsentieren Sie auch den Teil der jüdischen Gemeinde, der nicht mit der israelischen Opposition sympathisiert, sondern mit der konservativen Mehrheit, der die Islamisierung als existenzielle Bedrohung erkennt,

Zurufdes Abg. Thomas Rachel [CDU/CSU]

der die Werte der Thora gegen den Genderwahn verteidigt,

Lachenbei Abgeordneten der SPD

der konservativ denkt, fühlt und handelt und von denen ein Teil bei den Juden in der AfD ihre politische Heimat gefunden hat.

Beifallbei der AfD

Jüdisches Leben gehört nicht nur zu Deutschland. Jüdische Tradition und Religion kann einen wichtigen Beitrag leisten für die dringend notwendige geistig-moralische Wende in Europa.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Tagesordnungspunkt 277 RedenReaktionswert: niedrig
Florian ToncarFDP· Parl. Staatssekretär BMF· MdB
3 Vermerkeca. 573 WörterReaktionswert: niedrig
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Herzlichen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen heute Abend über die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, also über die Bekämpfung schwerster Kriminalität. Und das hat – das liegt in der Natur der Sache – für die Bundesregierung höchste Priorität. Die Prüfung Deutschlands durch die FATF, den internationalen Standardsetzer in diesem Bereich, im letzten Jahr hat gezeigt, dass hier trotz aller Bemühungen der letzten Jahre weiterhin erheblicher Handlungsbedarf besteht, und dem stellen wir uns auch.

Die FATF fordert Deutschland in ihrem Prüfungsbericht unter anderem dazu auf, die Effizienz und Effektivität der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen, der sogenannten Financial Intelligence Unit, durch bessere Analysetools, stärkere Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden sowie Unterstützung der Verpflichteten bei der Meldungsabgabe zu verbessern. Hinzu kommen die Ihnen allen wohlbekannten Herausforderungen für die FIU bei der Bewältigung der stetig steigenden Zahl an eingehenden Verdachtsmeldungen, von denen man ausgehen muss, dass sie in den nächsten Jahren mehr und nicht weniger werden. Dies wird durch den vorliegenden Gesetzentwurf der Bundesregierung adressiert.

Es geht im Wesentlichen um folgende Punkte:

Erstens. Es wird klargestellt, dass die FIU ihre Analysen an dem international anerkannten und europarechtlich verankerten Grundsatz der risikobasierten Arbeitsweise ausrichtet. Das ermöglicht der FIU, die risikogerechte Selektion der eingehenden Verdachtsmeldungen weiter zu verbessern und hierdurch die Ressourcen genau dorthin zu lenken, wo die besonders werthaltigen Sachverhalte, die besonders werthaltigen Meldungen sind, wo zu vermuten ist, dass am Ende auch strafrechtliche oder ermittlungstechnische Konsequenzen gezogen werden können.

Ich kann nur sagen: Das ist – das stellt man fest, wenn man mit den Mitarbeitern bei der FIU spricht, und das tue ich regelmäßig – eines der Hauptanliegen der Beschäftigten dort. Es wird einem klar gesagt, dass das sowohl für die Funktionsfähigkeit der Geldwäschebekämpfung in Deutschland ein ganz entscheidender Punkt ist als auch für die Motivation der Beschäftigten, die ja auch tagtäglich etwas Sinnvolles machen und einen Beitrag zur Kriminalitätsbekämpfung leisten wollen. Deswegen schlagen wir hiermit diese Klarstellung im Gesetz vor.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zweitens. Wir werden weiterhin regeln, den gesetzlichen Kernauftrag der FIU klarer auf die Bekämpfung von Geldwäsche, Terrorismusbekämpfung und den relevanten Vortaten auszurichten.

Drittens. Wir werden ebenso klar die Unterstützung der Prozesse der FIU, insbesondere der Analysen, regeln durch automatisierte Verfahren zur Datenanalyse, einschließlich des Einsatzes künstlicher Intelligenz. Es wird nicht ohne gehen. Wir brauchen eine sehr gute IT. Wir brauchen entsprechende IT-Verfahren, um eine möglichst gute Vorselektion der eingehenden Meldungen auf mögliche Treffer zu erreichen. Das steht gar nicht in einem Gegensatz zu einer risikobasierten Arbeitsweise, sondern das gehört untrennbar dazu. Und man kann – jedenfalls sagen einem das die Praktiker – auch durch eine noch so gute IT am Ende nicht so gut selektieren, dass man nicht mehr risikobasiert weiterarbeiten muss. Also: Das gehört zusammen und steht nicht in einem Gegensatz zueinander.

Viertens. Die Kooperation der FIU mit ihren Zusammenarbeitsbehörden, insbesondere mit den Strafverfolgungsbehörden, wird vereinfacht und verbessert, insbesondere durch eine Beteiligung der Zusammenarbeitsbehörden an der Erarbeitung der Risikofelder der FIU.

Fünftens. Die Unterstützung der Verpflichteten, also der Meldenden – in der Regel Banken oder andere Unternehmen, die verpflichtet sind, zu melden –, bei der Erkennung meldepflichtiger Sachverhalte wird ebenfalls angegangen. Beispielsweise kann man klar regeln, welche Sachverhalte nicht gemeldet werden müssen, die sogenannten Negativtypologien. Es geht bei den Meldungen nicht um Masse als Selbstzweck, sondern vor allem um Qualität. Diese Qualität können wir noch stärker fördern, indem wir entsprechende Negativtypologien bilden und auch an die Verpflichteten kommunizieren.

Alles in allem: ein überzeugendes Konzept, um die Geldwäschebekämpfung noch zielgerichteter auszugestalten. Ich bitte um Unterstützung dieses Vorschlags der Bundesregierung.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Matthias Hauer
Foto: Matthias Hauer/ Tobias Koch
8 Vermerkeca. 858 WörterReaktionswert: lebhaft
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Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Deutschland ist ein Geldwäscheparadies; da sind sich alle in der Fachwelt einig. Die Ampel legt nun einen Gesetzentwurf zur Anti-Geldwäsche-Einheit FIU vor, der drei Punkte enthält.

Fangen wir mal beim Positiven an: Es ist gut, dass der Gesetzentwurf eine rechtliche Grundlage dafür schafft, dass bei der Geldwäschebekämpfung endlich künstliche Intelligenz eingesetzt werden kann; leider sehr spät. Seit Jahren weiß jeder, der mit Fachleuten spricht: Die FIU setzt bislang keine künstliche Intelligenz ein, obwohl die Ampel das steif und fest behauptet. Zum Beispiel sagte Olaf Scholz wenige Tage vor der Bundestagswahl 2021 – Zitat –: „Künstliche Intelligenz kommt zum Einsatz“. Die Ampel macht sich also heute ehrlich, und der Kanzler müsste eigentlich einräumen, dass er 2021 falsch lag.

Er hat es vergessen!

Er kann sich nicht erinnern!

Es wäre wünschenswert, wenn sich der Kanzler auch bei anderen Themen endlich ehrlich machen würde.

Beifallbei der CDU/CSU

Kommen wir nun zu den negativen Aspekten des Gesetzentwurfs. Die FIU soll nach dem Willen der Ampel zukünftig die Augen verschließen müssen, wenn sie Hinweise auf sonstige Straftaten bekommt, sei es auf Betrug, auf schwere Delikte, auf Steuerstraftaten, vielleicht bis hin zu Cum-ex. Das lehnen wir ab.

Nun zum dritten Punkt und zum Herzstück des Gesetzentwurfs: dem risikobasierten Ansatz. „Allein die Existenz des Gesetzentwurfs ist eine kriminalpolitische Bankrotterklärung“ – das ist die Bewertung eines SPD-Kollegen, der bis zur Wahl Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter war. Dieser SPD-Kollege sagt weiter – Zitat –:

„Man möge sich vorstellen, Nancy Faeser würde vorschlagen, dass die Polizei bei bestimmten Straftaten, die sie gerade nicht so wichtig findet, keine Ermittlungen aufnehmen muss – ohne dass die Justiz davon erfährt oder irgendjemand das kontrolliert. Nichts anderes plant das Bundesfinanzministerium für die FIU.“

Das sagt Ihr Kollege von der SPD.

Hört! Hört!

Seit 2020 verwendet die FIU bereits den risikobasierten Ansatz. Interessanterweise nennt die Bundesregierung als Rechtsgrundlage für den Ansatz einen Paragrafen im Geldwäschegesetz, den es erst seit Mitte 2021 gibt. Also räumt Herr Lindner damit auch ein, dass zuvor der Ansatz ohne Rechtsgrundlage zum Einsatz kam. Und von der angeblichen Rechtsgrundlage aus 2021 ist die Ampel auch nicht wirklich überzeugt, weshalb sie den risikobasierten Ansatz jetzt ausdrücklich ins Gesetz schreiben muss.

Wenn im Gesetz steht, dass die FIU nicht bei jeder Meldung hinschauen muss, dann darf sie willkürlich wegschauen. Welche Verdachtskriterien dazu führen, dass die FIU tätig wird, bleibt geheim. Das ZDF hat kürzlich einen Ministeriumsmitarbeiter wie folgt zitiert – Zitat –:

„Das bisher gesetzeswidrige Verhalten der FIU ist dann legal. Sie kann mit Meldungen tun und lassen, was sie will, ohne dass ihr irgendwer mehr was kann.“

Zitat Ende. Genau das ist das Ziel der Ampel, und genau das dürfen Parlamentarier nicht mitmachen.

Beifallbei der CDU/CSU

Weil es die FIU nicht schafft, mit dem risikobasierten Ansatz Meldungen sinnvoll zu priorisieren, ist über zweieinhalb Jahre unter den Finanzministern Scholz und Lindner ein riesiger Bearbeitungsrückstand entstanden: 290 000 Geldwäscheverdachtsmeldungen lagen rum. Darunter waren allein 17 000 Fälle sonstiger Straftaten; die will die Ampel künftig völlig ignorieren. Bearbeitungsrückstände gibt es demnächst nach der Ampeldefinition nicht mehr; denn alle Meldungen gehen sofort in die Endbearbeitung, selbst wenn die Bearbeitung dann monatelang dauert. Es gibt also keine Rückstände mehr, sondern einfach nur überlange Bearbeitungsdauern.

Wir fordern ausdrücklich, dass die FIU eine Priorisierung von Fällen vornimmt. Die FIU verfügt über mehr als 500 Mitarbeiter, demnächst 700 Mitarbeiter. Die Kategorisierung aller eingehenden Meldungen in die drei Kategorien „Vereinfachte Abgabe“, „Vertiefte Analyse“ oder „Zuführung zum Infopool“ ist – Zitat – „im Regelfall pro Meldung … eine Sache von wenigen Sekunden bis wenigen Minuten“, so der Bund Deutscher Kriminalbeamter. Der BDK sagt, es seien „keine 30 Mitarbeiter erforderlich“, um eine solche Erstbewertung für alle Meldungen vorzunehmen.

Das Kernproblem sei der sogenannte risikobasierte Ansatz – das sagte der hochgeschätzte Kollege und mein Vorredner Florian Toncar von der FDP noch vor zwei Jahren. Er machte Olaf Scholz für einen – Zitat – „rechtsfreien Raum bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität“ verantwortlich. Das kam in der Rede gar nicht vor. Heute ist er anwesend – zum Glück! – und Parlamentarischer Staatssekretär in genau dem FDP-Ministerium, das uns diesen Ansatz jetzt als Lösung verkaufen will.

Und was soll uns das jetzt sagen?

Wer die Ampel fragt – wir haben das in ausführlichen Fragenkatalogen getan –, was unter dem risikobasierten Ansatz genau passiert, der bekommt keine vernünftige Antwort. Der FIU steht es frei, was sie untersucht und was nicht. Selbst wenn die FIU schwerwiegende Fälle von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung ignorieren würde, dann könnte sie das damit rechtfertigen, dass sie nach dem risikobasierten Ansatz vermeintlich noch größere Fische fangen wollte. Auch die Bezirksgruppe Zoll der Gewerkschaft der Polizei sagt ganz klar, dass der risikobasierte Ansatz große Gefahren birgt.

Es muss im Rechtsstaat der Anspruch sein, dass regelbasiert die Delikte verfolgt werden. Entweder liegen Erkenntnisse auf Straftaten vor – dann muss die FIU weiterleiten – oder eben nicht. Am Ende muss die Justiz solche Fragen entscheiden, und es darf nicht der Willkür der FIU überlassen werden.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Dunja Kreiser [SPD]

Letzter Satz. Der neue FIU-Chef sprach im Finanzausschuss davon, dass man bei der Geldwäschebekämpfung derzeit einen Golf I fährt und es mit besserer IT zu einem Mittelklassewagen bringen könnte. Olaf Scholz hat zu dem Thema mal von KI-Tools auf Weltniveau gesprochen. Das ist das passende Bild für die Ampelpolitik: Sie haben einen Golf I, Sie träumen vom Mittelklassewagen, und den verkaufen Sie uns als Weltklasse.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
13 Vermerkeca. 515 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nach dem etwas wirren Vortrag des Kollegen würde ich gerne auf das Thema zurückkommen.

Beifallbei der SPD und der FDP

Nur weil Sie es nicht verstanden haben!

Es geht um den Gesetzesvorschlag der Koalition, den risikobasierten Ansatz in der Geldwäschebekämpfung gesetzlich zu verankern.

Haben Sie dem Kollegen Fiedler nicht zugehört? Widersprechen Sie dem Kollegen Fiedler? Der hat davon mehr Ahnung als Sie!

Ich meine, das ist ziemlich wichtig; denn am 17. April dieses Jahres dürften die Sektkorken geknallt haben, vor allem bei denen, die Geldwäsche betreiben. Die ominöse Staatsanwaltschaft aus Osnabrück – für die, die es nicht mehr wissen: das ist dieser CDU-Staatsanwalt, der auch das Justizministerium und das Finanzministerium kurz vor der letzten Bundestagswahl hat durchsuchen lassen –

Sie machen Institutionen verächtlich! Schämen Sie sich!

hat jetzt Mitarbeiter der FIU angeklagt, weil sie nach einem international anerkannten Ansatz arbeiten. Weil die Bundesregierung und auch wir als Koalition eine Pflicht haben, die Mitarbeitenden bei der FIU zu schützen,

Sie haben jahrelang weggeschaut!

bringen wir heute dieses Gesetz ein, um Klarheit zu schaffen und diese Arbeit zu ermöglichen.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie schauen weg!

Es ist schon relativ spannend. Herr Kollege, Sie haben eben den neuen Leiter der FIU, Herrn Thelesklaf, zitiert. Er hat so einiges erzählt. Er hat zum Beispiel gesagt: Ressourcen muss man dort einsetzen, wo es den Kriminellen am meisten wehtut. – Recht hat der Mann. Aber das, was Sie hier vorschlagen, ist, dass jeder Klingeldeckeldiebstahl von der FIU genauso bearbeitet werden soll wie höchste und schwerste Kriminalität.

Das ist Unsinn! Die Kategorisierung dauert ein paar Sekunden!

Wir sagen: Genau das ist der falsche Weg. Wir müssen an die großen Fische ran und nicht an die kleinen.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit Herrn Thelesklaf haben wir übrigens – Gratulation an das BMF – einen hervorragenden Mann für die Leitung der FIU bekommen. Er hat so schön gesagt: Er hatte bei den Vereinten Nationen in leitender Funktion im Kampf gegen Geldwäsche einen sehr schönen Schreibtisch in New York und hat ihn jetzt gegen einen Schreibtisch in Köln-Porz getauscht.

Sie haben ja viel zum Gesetzentwurf zu sagen!

Er hat zum Beispiel auch gesagt, dass ihm das Herz blutet, wenn er sich anschaut, wie die FIU aktuell arbeiten muss. Jede einzelne Meldung von den Hunderttausenden Meldungen, die jedes Jahr reinkommen, muss momentan händisch geprüft werden. Mit diesem Gesetz machen wir Schluss damit. Wir sorgen dafür, dass die Mitarbeitenden bei der FIU ihre Arbeitszeit investieren können, um internationale Netzwerke von Geldwäsche aufzudecken und den großen Haien an den Kragen zu gehen.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Herr Thelesklaf hat mir auch erzählt, dass man international mit sehr großer Verwunderung auf die deutsche Diskussion schaut. Er hat gesagt: Na ja, das ist eine Diskussion, die man international so vor zehn Jahren geführt hat. Er hat auch gesagt: Es gibt zwei Sorten von FIUs. Es gibt die einen – die sind erfolgreich –, die verfolgen den risikobasierten Ansatz, und es gibt die anderen, die ziemlich in die Röhre schauen.

Seit 2020 wird der risikobasierte Ansatz eingesetzt! Herr Scholz hat die FIU doch vor die Wand gefahren!

Lieber Herr Hauer, liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU/CSU, wir wollen eine FIU haben, die am Ende erfolgreich ist, und nicht eine, die in die Röhre schaut.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich will es auf den Punkt bringen. Wir haben Herrn Thelesklaf gefragt: „Wie ist das denn?“, und er hat gesagt: „Ich kann diesen Job ohne den risikobasierten Ansatz nicht machen.“

Lieber Herr Kollege, das ist ein Mann, der hat die FIU in der Schweiz geleitet, der war bei den Vereinten Nationen. Vielleicht glauben Sie dem, wenn Sie mir schon nicht glauben.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Hören Sie lieber mal dem Kollegen Fiedler oder den Gewerkschaften zu!

Beifallbei der AfD
Porträt von Kay Gottschalk
Foto: Kay Gottschalk/ AfD
3 Vermerkeca. 473 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! „Und täglich grüßt das Murmeltier“: Dieses Gesetz soll die FIU, die seit 2017 besteht, neu regeln; Schäuble, Scholz, Lindner. Es ist das Gleiche, über das wir heute Nachmittag hier diskutiert haben: Sie reden nur und bekommen seit über 6 Jahren die FIU nicht in den Griff.

Beifallbei der AfD

Die Kernaufgabe der FIU – da stimme ich dem Kollegen Zimmermann sogar zu – besteht in der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, nicht von Klingeldeckeldiebstahl; da bin ich dabei. Nur leider ist die Geschichte der FIU unter den Kollegen, die ich genannt habe, eine Geschichte geprägt von Unfähigkeit, Pleiten, Pech und Pannen. Viele Themenbereiche, die nämlich im Zuge des vorgelegten Gesetzentwurfs vermeintlich gelöst werden sollen, haben leider auch etwas mit eklatantem Führungsversagen zu tun.

Herr Kollege Dr. Toncar, Sie selbst haben es bei der BaFin kritisiert: Da musste Herr Hufeld gehen, da musste Frau Roegele gehen. Wir sprechen hier von Unternehmenskultur. Und Herr Thelesklaf hat uns auch gesagt, dass sich einiges im Verhalten, in der Auffassung und in der Unternehmenskultur dieser FIU ändern muss. Da haben Sie, meine Damen und Herren von den Altparteien, mal wieder getorft oder voll versagt; so sieht es aus an dieser Stelle.

Beifallbei der AfD

Sehr häufig habe ich in den Sitzungen des Finanzausschusses in der letzten Legislatur den sogenannten risikobasierten Ansatz hinterfragt. Da hat Herr Schulte gelacht, da hat die SPD gelacht unter ihrem Finanzminister. Heute wird eingeräumt – Kollege Hauer hat es angedeutet –, dass der risikobasierte Ansatz deutlich und gründlich überarbeitet werden muss. Auch das ist eine Bankrotterklärung des Finanzministers Scholz und eigentlich auch des Kanzlers Scholz.

Ferner müssen aufgrund mangelnder technischer Ausstattung – im 21. Jahrhundert; das muss man sich mal überlegen – Meldungen nach wie vor händisch bearbeitet werden. Und so ist es auch zustande gekommen – das haben Sie vergessen, Dr. Zimmermann –, dass unter Ihrem Finanzminister bei der FIU einfach Meldungen zu Wirecard von der Commerzbank unterschlagen worden sind. Sie sind für nicht wichtig gehalten worden. Das ändern Sie nicht mit dem risikobasierten Ansatz. Das bedeutet Manpower und politischen Willen. Ich stimme Herrn Hauer zu: Da haben Sie von der SPD unter Herrn Scholz als Finanzminister komplett versagt.

Beifallbei der AfD

Kommen wir dazu, was Sie wieder nicht gesagt haben. Herr Thelesklaf hat mir in der Anhörung nämlich gesagt – spitzen Sie von der CDU/CSU und insbesondere von der FDP die Ohren; das kommt nämlich schwerwiegend hinzu, und das ändert der vorliegende Gesetzentwurf nicht; das habe ich in den letzten Jahren mehrfach kritisiert –, dass die Zentralstelle – auch das muss man sich vorstellen – keinen Zugriff auf Daten der Länderpolizeien haben wird und damit keine vernünftige Analyse der eingehenden Meldungen möglich ist. Er hat auch gesagt: Das große Bild bekommt man auf Ebene des Bundes nur, wenn die Länderpolizeien zusammenarbeiten und auf internationaler Ebene die internationalen FIUs zusammenarbeiten. Und auch das regeln Sie nicht. Insoweit wird dieser Missstand, den wir seit 2017 haben, –

Porträt von Kay Gottschalk
Foto: Kay Gottschalk/ AfD
ca. 19 WörterReaktionswert: ruhig
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– leider anhalten. Und daran – sehr verehrter Kollege Dr. Toncar, da habe ich Sie noch anders erlebt, auch bei Wirecard, – –

Porträt von Kay Gottschalk
Foto: Kay Gottschalk/ AfD
ca. 8 WörterReaktionswert: ruhig
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– wird dieser Gesetzentwurf nichts ändern. Aber wir werden –

Porträt von Kay Gottschalk
Foto: Kay Gottschalk/ AfD
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– sehr kritisch und konstruktiv die weiteren Beratungen begleiten.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
7 Vermerkeca. 496 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Anpassung der Bundesbesoldung für die Jahre 2023 und 2024 ist alternativlos; das stellt das Gesetz zu Recht fest. Selbstverständlich muss die Besoldung der Bundesbeamten an die wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen angepasst werden. In den vergangenen Wochen haben mich viele Rentner gefragt, warum auch die Pensionäre diesen Inflationsausgleich erhalten sollen. Die Antwort lautet: Weil dieser Ausgleich in diesem Jahr im Schnitt ungefähr der prozentualen Erhöhung entspricht, die die Rentner im Juli 2023 durch die Rentenanpassung bekommen haben. Selbstverständlich haben auch die Beamten im Ruhestand einen Anspruch darauf, dass die Ruhegehaltsbezüge an die Inflation und die wirtschaftliche Entwicklung angepasst werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Damen und Herren, wer will bestreiten, dass Beamte und Soldaten hoheitliche Aufgaben erfüllen, die zum Erhalt unserer Gesellschaft erforderlich sind? In der Pandemie hat der öffentliche Dienst Großes geleistet: in den öffentlichen Gesundheitsämtern, in den Krisenstäben der Kommunen. Tausende Soldaten der Bundeswehr halfen in zahlreichen Impfzentren.

Seit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hilft die Bundeswehr bei der Sicherung Deutschlands und des Bündnisgebietes. Eine leistungsfähige Verwaltung ist unbedingt erforderlich, um einen leistungsfähigen Staat zu erhalten, um die Menschen in Deutschland zu schützen, um ihnen in der Not zu helfen und um die erforderliche Infrastruktur bereitzustellen, die unseren Wohlstand sichert. Es steht völlig außer Frage, dass wir einen leistungsfähigen öffentlichen Dienst brauchen und dass wir ihn nur erhalten können, wenn wir ihn gut bezahlen. Angesichts des demografischen Wandels steht der öffentliche Dienst im Wettbewerb mit der Privatwirtschaft;

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

in allen Bereichen, nicht nur im IT-Sektor.

Wir müssen also bei der Lohnentwicklung immer auch einen Blick auf die Industrie werfen. In der Metall- und Elektroindustrie gibt es seit 2023 und 2024 insgesamt 8,5 Prozent mehr Lohn und einen Inflationsausgleich von 3 000 Euro, ähnlich in der Chemiebranche mit einem Plus von 6,5 Prozent und 3 000 Euro Ausgleich. Auch in anderen Bereichen wie Bau und Gastronomie gibt es dieses und nächstes Jahr vergleichbare Lohnsteigerungen. Der öffentliche Dienst kann und darf nicht dahinter zurückbleiben.

Es kann und darf auch kein Auseinanderdriften von Beschäftigten und Beamten im öffentlichen Dienst geben. Deshalb ist es ein richtiger, konsequenter Schritt, den jüngsten Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst auf die Beamten zu übertragen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Damen und Herren, das vorliegende Gesetz enthält einen zweiten wichtigen Punkt. Die Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat stark für die Ruhegehaltsfähigkeit der Polizeizulage gekämpft. Dafür danke ich ihr herzlich.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es ist richtig, dass wir mit diesem Gesetz die besonderen Belastungen bei der Bundespolizei, bei Soldaten mit besonderen Aufgaben, bei der Feuerwehr und beim Sanitätsdienst anerkennen. Diese Beamten sind im Dienst besonderen Belastungen ausgesetzt. Zu Recht erhalten sie eine Erschwerniszulage. Und diese Zulage muss sich natürlich auch im Ruhegehalt widerspiegeln. Dieser Schritt ist längst überfällig. Er zeigt unsere Wertschätzung für die betroffenen Beamten und Soldaten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Übrigens hat die SPD in Nordrhein-Westfalen diese Zulage bereits im Jahr 2016 wieder ruhegehaltsfähig gemacht. Deshalb ist es richtig, dass wir diesen Schritt nun im Bund nachvollziehen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
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Reaktionswert: niedrig

Moin, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In einer Zeit rasanter Veränderungen und wachsender Herausforderungen auch für unseren öffentlichen Dienst steht der aktuelle Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Anpassung der Bundesbesoldung und Versorgung für die Jahre 2023 und 2024 sowie zur Änderung weiterer dienstrechtlicher Vorschriften ganz symbolisch für die drängendsten Fragen unserer Zeit, nämlich: Wie honorieren und unterstützen wir diejenigen, die sich tagtäglich für unser Land einsetzen, und wie stellen wir sicher, dass unser öffentlicher Dienst nicht nur effizient, sondern auch zukunftsfähig und attraktiv bleibt?

Im Gesetzentwurf enthalten ist insbesondere eine Übertragung des Tarifabschlusses auf die Beamtinnen und Beamten des Bundes sowie auf die Versorgungsempfängerinnen und -empfänger. Und wenn ich mir den Abschluss so angucke: Dieser Tagesordnungspunkt hätte wirklich einer anderen Einordnung bedurft, er hätte zu einem früheren Zeitpunkt aufgesetzt werden sollen. Aber es ist, wie es ist; sorry.

Beifallbei der CDU/CSU

Hinzu kommt eine unterschiedliche Ausgestaltung der Inflationsprämie sowie die Einführung der Ruhegehaltsfähigkeit der sogenannten Polizeizulage und der Zulagen für militärische Führungsfunktionen. Diese ist bereits in der vergangenen Legislaturperiode im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens des BesStMG hinreichend thematisiert worden. Die dahin gehende Regelung bestand lediglich von 1990 bis 1998. Begründet wird die Wiedereinführung im vorliegenden Gesetzentwurf mit regelmäßig andauernden besonderen Belastungen, die oftmals nach Beendigung des aktiven Dienstes nachwirken, ohne dass dies bei der Festsetzung der Versorgungsbezüge angemessen berücksichtigt wird. Auch wird auf die veränderte sicherheitspolitische Rahmenlage eingegangen.

Die für mich zentralen Punkte des Gesetzentwurfes sind die Übertragung des Tarifergebnisses sowie die Zahlung einer Inflationsprämie. Richtigerweise ist im Gesetzentwurf – wie auch durch uns in der Vergangenheit erfolgt – immer die zeit- und wirkungsgleiche Übertragung des Tarifergebnisses auf die Beamtinnen und Beamten sowie die Versorgungsempfängerinnen und Versorgungsempfänger vorgesehen. Für uns als Union ist dies eine Selbstverständlichkeit; denn sie sind es, die an der Schnittstelle zwischen Staat und Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung höchst verantwortungsvolle Aufgaben wahrnehmen.

Beifallbei der CDU/CSU

Es ist ein Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung und dient nicht zuletzt der Steigerung der Attraktivität des öffentlichen Dienstes.

Hinzu kommt der ebenfalls im Gesetzentwurf vorgesehene Inflationsausgleich. Auch diesen begrüßen wir ausdrücklich. All dies ist einmal mehr eine Chance, den öffentlichen Dienst in einer schwierigen Zeit sichtbar zu machen und spürbar zu stärken.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der AfD
Porträt von Gerrit Huy
Foto: Gerrit Huy/ Marcus Vetter, Fotostudio Seefeld
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Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Werte Kollegen! Das Plenum ist ja durchaus noch ein bisschen voll, vor allen Dingen auf der rechten Seite – Kompliment!

Zurufevon der FDP

Dabei ist der Ampel bei der Chose, die sie hier durchsetzen will, vermutlich gar nicht wirklich an Öffentlichkeit gelegen. Sie will ihren Ministerialen, allen Beamten und sich selbst nämlich einen üppigen Inflationsausgleich von 3 000 Euro verschaffen, obwohl sie alle schon die 300 Euro kassiert haben, mit denen unsere Rentner abgespeist worden sind.

Für den öffentlichen Dienst ist das offenbar nicht genug, und das hat Prinzip: Beamte bekommen alles, was andere auch bekommen, und noch ein Vielfaches obendrauf. Kindergeld zum Beispiel wird für die Beamten noch durch die Familienzulage aufgestockt, und die hat es in sich. In Hamburg etwa gibt es fürs erste und zweite Kind je 170 Euro zusätzlich, und ab dem dritten Kind gibt es dann 725 Euro, und im nächsten Jahr werden daraus 800 Euro.

Das ist halt Föderalismus!

Wer als Beamter in Hamburg vier Kinder hat, bekommt dann fast 3 000 Euro dafür. Das vergleicht sich mit 1 000 Euro Kindergeld für die Normalbürger. Da kann uns Familienministerin Paus zehnmal erzählen, alle Kinder seien gleich viel wert – die staatliche Praxis zeigt etwas anderes.

Unsere Regierung treibt die Schere zwischen Beamten und anderen Bürgern immer weiter auseinander.

Beifallbei der AfD

Ursprünglich sollte der steuerfreie Zuschlag von 3 000 Euro einen Anreiz für Firmenchefs bieten, ihren Mitarbeitern, vor allen Dingen den geringverdienenden Mitarbeitern, durch die Inflation zu helfen. Doch nun wollen auch unsere Minister die 3 000 Euro kassieren.

Zurufvon der AfD: Schande!

Begründung: Wenn sie es nicht täten, würden ihre Staatssekretäre mehr verdienen als sie selbst. – Das geht ja gar nicht! Da greifen sie lieber zu.

Insgesamt kostet uns der Inflationsausgleich für die 5 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes und ihre Ruheständler dreimal so viel wie die bescheidene 300-Euro-Gabe für unsere 21 Millionen Rentner.

Zurufvon der AfD: Schande!

Geht’s noch? Ist dieses Land zu einem Selbstbedienungsladen verkommen?

2020 hat das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass Beamte in der untersten Besoldungsstufe bessergestellt sein müssen als Empfänger der Grundsicherung. Mindestens 15 Prozent mehr netto sollen sie haben, damit sich ihre Arbeit für sie lohnt. Es gibt also ein offizielles Lohnabstandsgebot – aber nur für Beamte, für den normalen Bürger gilt das nicht.

Und viele Bürger glauben inzwischen nicht mehr, dass sich Arbeit für sie lohnt. Um auf eine Rente in Höhe der durchschnittlichen Beamtenpension zu kommen, müssten die meisten von ihnen 100 Jahre arbeiten. Die Chose ist also völlig aus dem Ruder gelaufen, und sie ist unbezahlbar geworden. Schon heute haben wir bei den Beamtenpensionen eine Finanzierungslücke in der Größenordnung von zwei Bundeshaushalten.

Muss die AfD auch mal arbeiten gehen!

Wir haben vorher gearbeitet! Unglaublich!

Woher soll so viel Geld noch kommen, –

Porträt von Gerrit Huy
Foto: Gerrit Huy/ Marcus Vetter, Fotostudio Seefeld
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Reaktionswert: ruhig

– nur noch für den Staat arbeiten?

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD