Zusatzpunkt 10 · 20. Wahlperiode
Bundestagsdebatte vom 05. Dezember 2024 · 203. Sitzung
Der Reaktionswert ist eine Heuristik aus protokollierten Zwischenrufen, Lachen, Kommentaren und Zwischenfragen. Er misst weder Qualität noch politische Bedeutung.
Die Ausschnitte dienen der Orientierung. Der Permalink öffnet den vollständigen, maschinell strukturierten Wortlaut.
1. Rede · Ulle Schauws · BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir legen heute mit 328 Abgeordneten aus Koalition und Opposition einen Gesetzentwurf zu einem Gesetz vor, das Frauen seit 153 Jahren kriminalisiert. § 218 StGB symbolisiert seit 1871, dass eine Frau nicht das Recht hat, selbst über ihre Schwangerschaft und
2. Rede · Leni Breymaier · SPD
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau von Storch, ich empfehle Ihnen die Lektüre des Berichts der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin. Da steht eigentlich alles drin, was Sie anscheinend nicht wissen. Kolleginnen und Kollegen, wir beraten heute einen minimalinvasiven
3. Rede · Carmen Wegge · SPD
Sehr geehrte Frau Bär, ich wollte mich noch mal äußern, weil Sie mich direkt angesprochen haben und gleichzeitig unterstellt haben, wir hätten das Kind nicht erwähnt und der Schutz des ungeborenen Lebens wäre uns nicht wichtig. Deswegen möchte ich einfach nur noch mal aus meiner Rede zitieren. Ich sagte in meiner Rede:
4. Rede · Dorothee Bär · CDU/CSU
Genau das habe ich gesagt: Sie haben kein Mal das Wort „Kind“ erwähnt. Sie haben jetzt vielleicht das Wort „ungeborenes Leben“ ein Mal gesagt. Aber das wird natürlich nicht gewährleistet; das stimmt natürlich nicht. Alleine dass diese dreitägige Bedenkzeit nicht mehr stattfindet, ist natürlich gewollt: hingehen, berate
5. Rede · Helge Limburg · BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bei allem Verständnis für Emotionalität in dieser Debatte, Frau Bär, bitte ich Sie, doch bei der Wahrheit zu bleiben. Ich war zusammen mit vielen Kolleginnen und Kollegen aus diesem Haus bei einer Veranstaltung auf Einladung der Kommission, wo auch Vertre
6. Rede · Kristine Lütke · FDP
Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste, die uns heute zuhören und zusehen! Die Debatte, die wir heute führen, hat Respekt und auch Anstand verdient. In den 1990er-Jahren wurde der Kompromiss zum Schwangerschaftsabbruch, so wie wir ihn heute kennen, verhandelt. Er basiert auf der Grundsatzentschei
7. Rede · Christina Baum · AfD
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 100 000 Kinder im Mutterleib getötet. Nur ein Bruchteil dieser Abtreibungen wird medizinisch oder kriminologisch begründet, also aufgrund einer schweren gesundheitlichen Gefährdung der Schwangeren oder eines Sexualdeliktes. Über 96 Proz
8. Rede · Heike Engelhardt · SPD
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Bürgerinnen auf der Tribüne und an den Bildschirmen! Für mich bringen wir hier heute das wichtigste Gesetz dieser Legislatur in den Deutschen Bundestag ein. Wir werden endlich dafür sorgen, dass Schwangerschaftsabbrüche nicht mehr im Strafgesetzbuch geregelt werde
9. Rede · Susanne Hierl · CDU/CSU
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man die Vorredner so hört: Es gibt so viel an Fake News, was man klarstellen müsste, wozu meine vier Minuten Redezeit leider nicht reichen. Aber vielleicht fange ich mal mit Frau Wegge an: Es ist heute kein guter Tag – für die Frauen nicht und für die
10. Rede · Sevim Dağdelen · BSW
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Heute diskutiert der Bundestag über den Strafrechtsparagrafen 218 – mal wieder. Man muss sich fragen: Warum haben die Antragstellerinnen und Antragsteller den Antrag nicht schon im April gestellt? Da hatte die von der Ampel eingesetzte Expertenkommission eindeutig gefordert, da
11. Rede · Josephine Ortleb · SPD
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Für mich ist diese Debatte von einer großen Frage geprägt: Sprechen wir der Frau das Recht zu, über ihren eigenen Körper zu entscheiden und damit auch am Anfang einer ungeplanten Schwangerschaft darüber zu entscheiden, ob sie ein Kind bekommen möchte, oder nicht?
12. Rede · Stefan Seidler · Fraktionslos
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Moin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Seit 1973 haben Schwangere in Dänemark das Recht, im Rahmen einer Fristenlösung selbstbestimmt einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen. Das ist über ein halbes Jahrhundert her. Tatsächlich ist es so, dass sich skandinavische Länder derze
13. Rede · Carmen Wegge · SPD
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Sehr geehrte Damen und Herren! Heute ist ein guter Tag für Frauen. Heute ist ein guter Tag für Ärztinnen und Ärzte. Heute ist ein guter Tag für die Frauen und Männer, die seit Jahrzehnten darum kämpfen, dass wir genau di
14. Rede · Carmen Wegge · SPD
Um nicht mehr und nicht weniger bitte ich alle Abgeordnete. Vielen Dank.
15. Rede · Elisabeth Winkelmeier-Becker · CDU/CSU
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich versuche es jetzt noch mal sachlich, in dem Ton, der diesem Thema angemessen ist; denn es geht um Leben und Tod des Ungeborenen. Davon habe ich bei Ihnen, liebe Kollegin, nichts gehört. Rot-Rot-Grün legt uns hier einen Gesetzentwurf zur weitgehenden Streichung von §
16. Rede · Elisabeth Winkelmeier-Becker · CDU/CSU
Diese Lösung halten wir für pragmatisch. Dazu stehen wir als Union. Herzlichen Dank.
17. Rede · Gyde Jensen · FDP
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es gibt Entscheidungen im Leben, deren Komplexität mit Worten kaum zu beschreiben ist. Sich ihnen zu entziehen, ist keine Option. Die Wägung in einem Schwangerschaftskonflikt gehört zu genau diesen Situationen, ein Entschluss, in seiner gesamten Tragweite sehr individue
18. Rede · Gyde Jensen · FDP
– einer Reform des § 218 Strafgesetzbuch einsetzen, weil es für mich persönlich eine urliberale Haltung und meine eigene Überzeugung ist. Vielen Dank.
19. Rede · Beatrix von Storch · AfD
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Seit über 30 Jahren gibt es in Deutschland bei der Abtreibung einen gesellschaftlichen Kompromiss – er beruht auf einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1993 –: Der Lebensschutz des Ungeborenen hat uneingeschränkten Verfassungsrang, aber Abtreibung ist bis zum dritten M
20. Rede · Beatrix von Storch · AfD
– steht für eine Kultur des Lebens, vor der Wahl und nach der Wahl. Vielen Dank.
21. Rede · Dorothee Bär · CDU/CSU
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich muss sagen: Es war klar, dass es eine sehr schwierige Debatte werden wird. Es war klar, dass es eine emotionale Debatte werden wird. Aber ich muss auch sagen: Ich bin schon erschüttert über das, was die SPD hier vorgelegt hat. Es war die völlig falsche Tonalität, di
22. Rede · Dorothee Bär · CDU/CSU
Nach dem § 219a kommt der § 218. Nach dem § 218 geht es weiter. Dann sind es keine zwölf Wochen mehr, sondern 14, dann 16. Mit uns ist Lebensschutz nicht verhandelbar.
23. Rede · Dorothee Bär · CDU/CSU
Deswegen werden wir geschlossen als Fraktion nicht zustimmen. lasse ich eine Kurzintervention von Carmen Wegge zu.
24. Rede · Nina Warken · CDU/CSU
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich muss schon sagen, dass mir die Debatte zu dem Thema hier heute ziemlich schwerfällt, und das nicht, weil wir unterschiedliche Positionen haben – das gehört ja dazu –, sondern weil ich meine, dass das Thema Schwangerschaftsabbruch schon mit der notwendigen Ernsthafti
25. Rede · Nina Warken · CDU/CSU
Und diese Entscheidungsfindung wird durch Ihr Gesetz nicht besser, sondern schlechter, weil die dreitägige Wartefrist nach der Beratung entfällt. Lassen Sie uns der hohen Verantwortung, die wir hier haben, um das Leben zu schützen, auch gemeinsam nachkommen.
26. Rede · Kirsten Kappert-Gonther · BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit diesem Gesetz zur Neuregelung des Schwangerschaftsabbruchs können wir Geschichte schreiben: Geschichte für Frauen in Not und ihre Ärztinnen und Ärzte. Beenden wir endlich die Kriminalisierung und vertrauen Frauen. Man möchte ja glauben, wenn wir den Argumenten der U
27. Rede · Kirsten Kappert-Gonther · BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Liebe Kolleginnen und Kollegen – ich komme zum Schluss –, es war ein langer Weg zu diesem Entwurf. Jetzt ist es nur noch ein kurzer Weg zu einem besseren Gesetz. Unterstützen Sie diesen Gesetzentwurf! Lassen Sie uns Frauen vertrauen! Ich danke Ihnen.
28. Rede · Sonja Eichwede · SPD
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Wir führen heute eine Debatte, die in unserer Gesellschaft länger andauert, als wir hier alle auf der Welt sind. Seit über 150 Jahren stellt der § 218 Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe. Fast ebenso lang kämpfen Frauen und a
29. Rede · Sonja Eichwede · SPD
Ein Punkt noch, sehr geehrte Frau Präsidentin. – Aus rechtlicher Sicht ist diese Regelung, Frau Elisabeth Winkelmeier-Becker, widersprüchlich.
30. Rede · Sonja Eichwede · SPD
Denn wir haben hier eine Rechtswidrigkeit: Der Tatbestand ist ausgeschlossen. Das geht rechtlich nicht. Das müssen wir ändern.
31. Rede · Heidi Reichinnek · Die Linke
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 2024, und ich muss mit Ihnen hier im Parlament darüber diskutieren, ob Frauen über ihren eigenen Körper bestimmen dürfen. Ich kann es manchmal selber nicht glauben. Und ganz ehrlich: Ich bin einfach dankbar, dass die Menschen in diesem Land deutlich weiter
32. Rede · Heidi Reichinnek · Die Linke
Ich komme zum Schluss. – Ich finde es ja spannend: Sie sind alle gegen die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, aber rufen sonst immer nach weniger Staat, weniger Bevormundung – außer bei Frauenkörpern; die sind ja bekanntlich Volkseigentum. Ich als Frau habe keine Lust mehr, dass Sie über meinen Körper bestimm
33. Rede · Heidi Reichinnek · Die Linke
Deswegen sage ich ganz klar – es ist eigentlich einfach –: Mein Körper, meine Entscheidung!
34. Rede · Tina Rudolph · SPD
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ein restriktives, scharfes Abtreibungsrecht und Zugangshürden zu Schwangerschaftsabbrüchen sorgen nicht für weniger, sondern für unsichere Abtreibungen. Sie sorgen für Leid, sie sorgen für Unsicherheit, für all das, was Frauen
35. Rede · Tina Rudolph · SPD
Deswegen bitte ich Sie: Ermöglichen Sie in den nächsten Wochen ein geordnetes Verfahren, ermöglichen Sie eine Abstimmung. Lassen Sie uns Geschichte schreiben; es ist nötig. Die Zeit ist jetzt.